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Das Raubtier Katze als Heimtier

n Verhalten
n Lektion I in Katzensprache
n Leben mit dem Menschen
n Die Wohnung für die Katz‘
Verfasserinen: Gabriela Kropitz und Lisa Faderny
Wien, Mai 2005

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Das Raubtier Katze geprägt. Trotz des sozialen Gefüges im Wurf denkt die junge Katze Etwa nach der 14. Lebenswoche entwickelt sich die spielerische
von Anfang an vordergründig an das eigene Überleben. Balgerei immer mehr zur Rauferei. Es geht immer mehr um ein

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m Gegensatz zum Hund hat sich die Katze weder in Ausse- ernsthaftes Kräftemessen und schließlich um die Entwicklung
hen noch Verhalten von ihren wilden Verwandten entfernt. Bereits im Alter von fünf Wochen sind die außergewöhnlich guten einer Distanz. Das ist ein ganz natürlicher und wichtiger Schritt
Sie ist ein freiheitsliebendes und unabhängiges Raubtier Sinne der Katze (Geruch, Gehör, Geschmack, Tasten), die ihr wei- in Hinblick auf die bevorstehende Trennung von den Geschwis-
geblieben, das in der Natur noch immer in der Lage ist, sich selbst teres (Über)Leben bestimmen, voll entwickelt. tern. Das Spielverhalten der männlichen Tiere wird genetisch
zu versorgen. Aus diesem Grund ist es für die Haltung der Katze und hormonell beeinflusst. Kater hören früher auf, mit den Wurf-
als Heimtier sehr wichtig, ihr natürliches Verhalten zu kennen und Das Spiel gewinnt an Bedeutung geschwistern zu spielen, und außerdem werden ihre Spiele immer
zu verstehen. wilder. Weibliche Tiere lassen die Phase des sozialen Spiels
Erst gegen Ende des ersten Lebensmonats beginnt das gemeinsame länger andauern. Mit fortschreitender sexueller Reife wird jedoch
Spiel unter den Wurfgeschwistern. Die Kleinen können in dieser Zeit auch ihr Verhalten aggressiver gegenüber den männlichen
Die Entwicklung des Verhaltens ihre Bewegungen bereits recht gut koordinieren. Sie werden jeden Geschwistern.
beim Kätzchen Tag aktiver, und das gemeinsame Spiel wird immer lebhafter.
Da Hauskatzen durch ihr Zusammenleben mit dem Menschen ihr
Am Anfang überwiegt angeborenes Verhalten Spielen als soziales Bindeglied Kätzchenverhalten nie völlig ablegen (im Gegensatz zu ihren wild
lebenden Verwandten) zeigen sie ein lebenslanges Interesse am

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ätzchen werden blind und taub geboren. Sie reagieren Kätzchen spielen mit ihren Wurfgeschwistern, um soziale Bindungen sozialen Spiel.
aber von Anfang an sehr sensibel auf Berührungen wie aufzubauen. Dabei entwickeln sie wichtige Umgangsformen, wie die
etwa das Putzen der Mutter. Ist ein Kätzchen vom Wurf natürliche Beißhemmung oder die Kontrolle über das Einziehen der Spielen als Jagdübung
getrennt oder hat es Hunger, stößt es einen speziellen Ruf aus, den Krallen im richtigen Moment. Ein Grund für das verstärkte soziale
die Mutter auch von dem fremder Kätzchen unterscheiden kann. Spielen ab der sechsten Woche ist, dass sich die Katzenmutter Ab dem zweiten Lebensmonat steht spielerisches Kämpfen und
immer öfter vom Wurf entfernt. Das Spielen hat hier die wichtige das Jagen von Gegenständen im Mittelpunkt der Beschäftigung. Im
Der Geruchssinn der Kleinen ist schon bei der Geburt gut entwi- Aufgabe, den Wurf zusammen zu halten bis die Mutter wieder Spiel treten sexuelle, jagdtypische und aggressive Verhaltensweisen
ckelt, denn jedes Kätzchen erkennt seine eigene Zitze am spezifi- kommt. auf. Im Vordergrund steht das jagdtypische Spiel. Die Spielereien
schen Geruch. Diese natürliche Regulierung ermöglicht Frieden bei der Kätzchen scheinen darauf ausgerichtet zu sein, sie für die spä-
der Fütterung, denn bereits bei den neugeborenen Katzen ist das Das gemeinsame Spiel lässt unter guten Bedingungen (genügend tere Jagd zu ertüchtigen. Man kann im Spiel bereits verschiedene
Verhalten zur Verteidigung der eigenen Ansprüche sehr stark aus- Nahrungsangebot) dauerhafte Beziehungen entstehen. Jagdtypen beobachten:

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n Maus-Anschleichen n Umwelt: Um später gut zu Recht zu kommen, sollte immer wieder in die Hand nehmen und dann wieder zur
n Vogel- Abschlagen die junge Katze möglichst viele Eindrücke ihrer Umwelt Mutter zurücksetzen. Das ist wichtig damit die Kleinen
n Fischen bekommen. Alltagsgeräusche etc. sollten ihr vertraut für die Zukunft ihre natürliche Furcht vor dem Menschen,
werden. einem großen Lebewesen, verlieren.
Beim Spiel ist die Vorstellungskraft der Kätzchen aufs Äußerste
gespannt. Das regelmäßige Spiel stellt für sie ein gutes Training für n Andere Tiere: Auch der Kontakt zu Artgenossen und Auch ältere Katzen können soziales Verhalten erlernen. Das ist
das spätere Überleben dar. Die Kätzchen machen durch die spiele- anderen Tieren ist sehr wichtig damit die Katze die aber schwieriger und bedarf mehr Geduld und Einfühlungs-
rische Aktivität Erfahrungen mit ihrer Umwelt und werden behutsam angeborene Skepsis vor ihnen verliert. Wenn die Katze vermögen.
auf die Welt der Erwachsenen vorbereitet. Die eigentliche Jagd und in dieser Zeit eine positive soziale Beziehung zu einer
die notwendigen Techniken lernen die jungen Katzen aber in ers- anderen Art aufbauen kann, wird diese später nicht
ter Linie durch die Beobachtung ihrer Mutter. Sie bringt den noch als Feind (zB Hund), als Beute (zB Kleintier) oder als Territorialverhalten
jungen Kätzchen die gefangene Beute zur Wurfhöhle und zeigt sie Konkurrenz gesehen. Im Gegenteil: Sie kann mitunter eine Das Territorium
ihnen. Der Trieb, Beute zu töten, ist angeboren, der Erfolg bei der lebenslange Freundschaft verbinden. Positive Erlebnisse

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Jagd hängt jedoch vor allem von einer guten Lehre ab. können sich jedoch durch neue negative Erfahrungen mit atzen sind – anders als z.B. Wölfe – keine sozialen
Feinden (zB von einem Hund gejagt werden) oder durch Rudeltiere. Um ihr Überleben sicher zu stellen, jagen
Die Sozialisierungsphase das Beobachten von Artgenossen beim Schlagen der sie nicht in der Gruppe, sondern alleine. Daher ist für
Beute (zB dem Jagen einer Maus) im Laufe ihres Lebens den Jagderfolg auch der Frieden unter den Katzen nicht not-
Für die gesunde soziale Entwicklung sollten die Kätzchen mindes- ohne weiteres wieder ändern. wendig.
tens bis zur achten Woche Kontakt zur Mutter und den Geschwis-
tern haben. Der Wurf stellt bis zur Entwöhnung ein enges soziales n Menschen: Für eine positive Mensch-Tier-Beziehung ist Katzen sind sehr territoriale Lebewesen. Die Gründe für ein Zusam-
Gefüge dar. Bei genügend Nahrungsangebot kann ein Familienver- es wichtig, dass sich die Kätzchen in dieser prägenden mentreffen von Katzen sind normalerweise entweder die Paarung
band auch darüber hinaus problemlos zusammenleben. Zeit an den Menschen gewöhnen. Im Beisein der Mutter oder das Konkurrieren um Beute, Weibchen (in der Hitze) oder
können die Kleinen ihre ersten Erfahrungen machen. Das Territorium. Energisch verteidigt wird in erster Linie das engere
Die Sozialisierung der Kätzchen findet vorrangig in den ersten sie- Streicheln in Verbindung mit einer ruhigen Stimme macht Territorium rund um den Hauptschlafplatz, meist ein trockener,
ben Wochen statt. In dieser Zeit sollte das junge Kätzchen viele sie mit dem Menschen vertraut. Haben sich die Kätzchen warmer erhöhter Platz, der Tiefschlaf ermöglicht, um vollkommen
Erfahrungen machen. an uns und unseren Geruch gewöhnt, kann man sie auch regenerieren zu können.

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Auch die Wohnungskatze hat einen derartigen Platz, den sie vor zu größeren Überschneidungen. Dazu kommt, dass ihr Revier meist Soziales Verhalten in bestimmten Situationen
allem vor anderen tierischen Mitbewohnern verteidigen und schüt- mehrere Territorien von weiblichen Katzen umfasst. Das ermöglicht
zen wird. dem Kater, dass er bei einem Streifzug durch sein Revier erforschen n Überbevölkerung: Wilde Kater, die in abgelegenen
kann, welches Weibchen gerade in Hitze ist. Gebieten leben, beanspruchen Reviere von beachtlicher
Keine Rangordnung, aber Hierarchien Größe, weibliche Tiere in der Regel kleinere. Da in
Überschneidungen von Revieren sind deshalb problemlos, weil städtischen Gebieten, aber auch in ländlichen
Anders als in einem festen sozialen Gefüge, gibt es keine klare Katzen die Fähigkeit besitzen, sich gegenseitig aus dem Weg zu Ortschaften und Dörfern meist eine Überbevölkerung an
Rangordnung. Dennoch bestehen unter den Tieren gewisse Hier- gehen oder neutrale Gebiete zu unterschiedlichen Zeiten aufzu- Katzen herrscht, müssen sich die Tiere arrangieren. Sie
archien. Sind Tiere sehr sicher, zeigen sie das bei der Begegnung suchen. Bei einer zufälligen Begegnung kommt es meist nur zu beanspruchen in diesen Gegenden wesentlich kleinere
mit anderen durch ihre Körpersprache oder indem sie ihre Exkre- Drohgebärden und zu einem sich Abwenden der Tiere, also zur Territorien und zeigen auch Sozialverhalten gegenüber
mente nicht verscharren, sondern sie sogar bewusst an höher Vermeidung einer ernsthaften Konfrontation.Dabei beobachten anderen Tieren. Entscheidend für ein harmonisches
gelegenen Orten platzieren. Das soll den eigenen Geruch mög- die Tiere genau die Signale des anderen. Zum Kampf kommt es Zusammenleben ist das Angebot an Nahrung. Ist es
lichst weit verbreiten. Unsichere Katzen hingegen verscharren ihre zwischen den Tieren nur dann, wenn zwei sehr sichere Katzen auf- begrenzt, sind größere Jagdausflüge notwendig, die
Exkremente zwar, jedoch lassen sie dabei das Geruchssignal nicht einander treffen und sich keine der beiden unterordnen möchte. bei engeren Verhältnissen die Katze zur Jagd in ein
völlig verschwinden. Die Hierarchie zwischen den Tieren muss dann im Kampf ausge- benachbartes Revier zwingen würde. Und das würde
macht werden. wiederum Konfrontation bedeuten. Wird die Katze ständig
Die Inanspruchnahme eines Territoriums gehört zum natürlichen gefüttert, nimmt in der Regel die Größe ihres
Verhalten der Katze (das gilt auch für die Wohnungskatze!). Wie Territoriums ab.
groß sie ihr Revier wählt und mit welcher Härte sie es verteidigt, Sozialverhalten
ist individuell verschieden. n Neutrale Orte: Das kann ein Boden ohne

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anche Tierarten können nur in der Gruppe überleben, Revieransprüche sein, an dem die Tiere die Möglichkeit
Territorienüberschneidungen andere nur als Einzelgänger. Hat die wilde Katze die haben, sich zu treffen. Auch an vom Menschen
Möglichkeit, so wählt sie ein Leben als Einzelgänger; eingerichteten Futterplätzen können sich Katzen ohne
Es kann innerhalb verschiedener Territorien ohne weiteres zu Über- für ihren Jagderfolg braucht sie nicht die Gruppe. Trotzdem ist sie Auseinandersetzung so nahe kommen, wie das im
schneidungsgebieten kommen, in denen sich die Katzen begegnen. flexibel genug um unter anderen Bedingungen auch auf engerem Revier eines der Tiere nie möglich wäre.
Da Kater viel größere Territorien beanspruchen, kommt es hier auch Raum mit anderen Lebewesen zusammenzuleben.

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n Aufzucht der Jungen: Entgegen ihres eigentlichen Der Kampf zu Verletzungen führen, die auch ihr eigenes Überleben (durch
Verhaltens unterstützen sich weibliche Tiere manchmal verminderte Jagdfähigkeit) gefährden könnten.
untereinander bei der Jungenaufzucht. In diesem Dem eigentlichen Kampf geht ein langes, für uns eintönig wirkendes
Gruppenleben ist es neben der Hilfe bei Geburt und Ritual voraus. Länge und Ablauf richten sich dabei nach dem Kräf- Im Zusammenleben von Mensch und Katze sollte darauf geachtet
Pflege der Kleinen auch üblich, dass die erwachsenen teverhältnis der aufeinander treffenden Rivalen. Die Bewegungen werden, dass man der Katze niemals Signale einer aggressiven Kon-
Tiere gegenseitig Körperpflege betreiben. Auch der Tiere sind extrem langsam, denn eine plötzlich schnelle Hand- frontation vermittelt (zB beim gemeinsamen Spiel). Man muss ihre
väterliches Verhalten von Katern, zum Beispiel das lung wäre ein Eingeständnis von Schwäche und würde den Gegner Körpersprache ernst nehmen und sollte sie niemals bedrängen.
Putzen der Kinder, kann in Einzelfällen beobachtet sofort zum Angriff bringen. Die Körpersprache und vor allem der
werden. Blickkontakt übermitteln den beiden Rivalen wichtige Signale. Die
Austragung des eigentlichen Kampfes dauert aufgrund der großen Sexualverhalten
n Rudelleben bei streunenden Katzen: Manchmal Anstrengung nur sehr kurz; Kratzen, Beißen, Schlagen, ineinander

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schließen sich frei lebende Katzen zu einer Gruppe verkeiltes Herumrollen wiederholen sich einige Male. Beendet ede Verhaltensweise der Katze ist von bestimmten Motiven
zusammen, in der es keine klaren Hierarchien gibt. Eine wird der Kampf, wenn einer der beiden mit angelegten Ohren am und Emotionen gesteuert. Das Grundmotiv ist - wie bei allen
Aufgabenteilung innerhalb des Rudels ist dabei selten Boden liegen bleibt. Der Sieger nimmt eine selbstsichere Haltung Lebewesen - der Fortbestand der Art.
zu beobachten (ausgenommen: Aufzucht der Jungen ein und beginnt intensiv den Boden abzuschnüffeln um schließlich
durch die Weibchen). Dass die Katze fähig ist, mit dem langsam davon zu promenieren. Die Brautwerbung
Menschen, also einer ganz anderen Art, ein Zuhause zu
teilen, ist der beste Beweis ihrer Flexibilität und ihrer Das Ziel eines Angriffes ist im Grunde genommen der Tötungsbiss. Die Werbung der Kater um ein Weibchen kann mit Unterbrechungen
Eignung zum sozialen Zusammenleben. Da aber die Rivalen in der Regel ungefähr gleich stark sind, kommt mehrere Tage dauern. Bestimmend ist dabei das Weibchen. Ist es
es nur in ganz seltenen Fällen soweit. Dazu kommt, dass sich selbst in Hitze, ruft es die Kater der Umgebung mit ihrer Stimme und
Konfrontationen unter Katzen eine zarte, ängstliche Katze, die keine Fluchtmöglichkeit hat, so wehr- lockt sie durch ihren sexuellen Geruch an.
haft verteidigen kann, dass ein Nackenbiss fast unmöglich wird.
In der Wildnis sind Kämpfe unter Katzen selten, da sie sofern Derjenige Kater, in dessen Revier das Weibchen Bereitschaft zur
das möglich ist vermieden werden. In dicht besiedelten Gebieten Die angreifende, stärkere Katze zeigt deshalb neben der Aggres- Deckung zeigt, hat Heimvorteil. Trotzdem dringen andere Kater,
kommt es unter rivalisierenden Katern zu mehr oder weniger erns- sion auch Furcht. Sie weiß, dass ein in die Enge getriebenes Tier angelockt durch die Rufe des Weibchens, in das fremde Revier ein.
ten Auseinandersetzungen. alles daran setzen wird, den Angriff abzuwehren. Und das könnte Die Verlockung ist stärker als ihre Furcht vor dem Revierhalter.

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Das führt natürlich sehr rasch zu Konflikten unter den Katern. - die Katze bei Eintritt der Geschlechtsreife kastrieren zu lassen; damit und der Revierverteidigung einer der am stärksten ausgepräg-
Ihre aggressiven Schreie werden unter Laien missverständlich fallen auch das geruchsintensive Markieren der Kater und die für ten Triebe der Katze. Der Jagdtrieb ist nicht hormonell bedingt
als Liebesschreie gedeutet. Zu ernsthaften Kämpfen kommt es Tier und Mensch sehr belastende Rolligkeit der Weibchen weg. und nimmt daher auch bei einer kastrierten Katze nicht ab. Die
in diesem Zusammenhang jedoch selten, da das Weibchen alle Katze, als reiner Fleischfresser (und kein Aasfresser!),ernährt
Aufmerksamkeit auf sich lenkt und damit die Kampfeslust der Auch frei lebende Katzen (weibliche und männliche) sollten unbe- sich in freier Wildbahn vom Fleisch und pflanzlichem Magenin-
Kater vermindert. dingt kastriert werden. Durch unkontrollierten Nachwuchs wird das halt der erlegten Beutetiere. Welch hohen Stellenwert die Jagd
natürliche Gleichgewicht gestört und sehr viel Tierleid verursacht. auch bei einer gefütterten Katze hat, ist leicht verständlich,
Die Aufgabe der Kater ist es nun, lange genug warten zu können. Ein zu Eine Überbevölkerung an Katzen hat zahlreiche negative Folgen. wenn man sich Anatomie und Sinnesorgane der Katze näher
frühes Nahekommen wird vom Weibchen durch Tatzenhiebe bestraft, Tiere sterben aufgrund des geringen Nahrungsangebots. Außer- anschaut.
denn die Katze muss erst ihre Wahl treffen. Der von ihr Erwählte muss dem steigt die Gefahr der Ausbreitung von Katzenkrankheiten wie
dabei aber nicht der Stärkste unter den Katern sein, sondern Leukose, FIP oder Katzenseuche, wovon nicht nur Streunerkatzen, Gehör
zeichnet sich durch seine Geschicklichkeit aus. Als Sieger geht der sondern auch freilaufende Hauskatzen betroffen sind.
Kater hervor, der es am besten beherrscht, sich stückweise anzu- Da die Jagdtechnik der Katze darin besteht, der Beute aufzulauern,
schleichen, immer dann wenn die Katze gerade nicht herschaut. entgeht ihr auch das leiseste Geräusch nicht. Zusätzlich muss sie
Übrigens: Seit dem 1. 1. 2005 gibt es mit dem BTG die Richtung und Entfernung des Geräusches genau orten kön-
Selbst beim Zeugungsakt muss der Kater die scharfen Krallen der (Bundestierschutzgesetz) eine Kastrationspflicht für nen. Die Hörkapazität der Katze liegt weit über der des Menschen,
Katze fürchten und packt sie daher mit seinen Zähnen fest im Genick. freilaufende Hauskatzen. besonders im Bereich der hohen Töne.
Was er sich dabei zu Nutze macht, ist der Tragegriff einer Mutterkatze,
der die Jungen zu einer bewegungslosen Körperhaltung zwingt. Augen

Kastration - Warum? Jagdverhalten Auch bezüglich der Sehfähigkeit übertrifft das Raubtier Katze den
Menschen bei weitem. Eine Licht reflektierende Schicht (tapetum

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Weil eine Wohnungskatze ihren Sexualtrieb nicht ausleben kann, er ursprüngliche Grund für die Domestikation der Katze lucidum) liegt wie ein Spiegel hinter der Netzhaut und wirft das
leidet sie sehr darunter. Neben psychischen Problemen bedeutet war der Schutz der Vorräte vor Nagetieren. Trotz Domes- Licht auf die Nervenzellen zurück. Das führt dazu, dass die Katze
das für sie auch eine Gefährdung der körperlichen Gesundheit (zB tikation ist die Jagd aber fixer Bestandteil des Kat- jede kleinste Helligkeit nutzen kann.
Erkrankungen an der Gebärmutter). Ein wichtiger Schritt ist daher, zenlebens geblieben. Der Jagdtrieb ist neben dem Sexualtrieb

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Schnurrhaare n Jagd hinter dem Fenster: Sitzend am Fensterbrett sieht handelt es sich also nicht um harmlose Ballspiele, sondern
die Katze einen Vogel. Sie ist, auch wenn sie den Vogel um ein Ausleben ihres Jagdverhaltens.
Für die Katze als nachtaktives Tier sind die Schnurrhaare von außer- nur durch die Scheibe betrachten kann, sofort auf Jagd
ordentlicher Bedeutung. Die sehr langen und dicken Schnurrbart- eingestellt. Sie gibt ein schnatterndes Geräusch von sich, n Spiel mit dem Beutetier: Eine Theorie besagt, dass die
haare, verbunden mit unzähligen Nervenenden, die die Informati- das durch besondere Kieferbewegungen entsteht. Durch Katze dies zum Schutz vor den scharfen Nagezähnen
onen an das Gehirn weiterleiten, sind so berührungsempfindlich, das Zusammenbeißen der Reißzähne vollführt sie quasi den der Beute tut. Manche Forscher sehen darin aber die
dass sich die Katze im Dunklen sicher bewegen kann. Viele weitere Tötungsbiss, damit das Beutetier nicht entwischen kann. Auswirkung des aufgestauten Jagdtriebs domestizierter
Tasthaare liegen verteilt am Körper der Katze: an den Wangen, über Katzen. Für diese Erklärung spricht, dass Wildkatzen und
den Augen, am Kinn und an den Vorderbeinen. Selbst die kleinste n Futterwechsel-Mechanismus: Jeder kennt diese verwilderte Katzen dieses Verhalten nicht zeigen. Einzige
Veränderung der Luftströmungen wird mit den Tastrezeptoren der Situation; die Katze verweigert von heute auf morgen ihr Ausnahme sind Katzenmütter, die ihren Jungen lebende
Schnurrhaare wahrgenommen werden. Lieblingsfutter. Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass es Beute als Jagdtraining bringen, um sie zur Jagd zu
in der Natur notwendig ist, von Zeit zu Zeit die Beutetierart trainieren.
Die Jägerin in der Wohnung zu wechseln um nicht von einer Spezies abhängig zu sein.
Durch eine Fixierung würde es bei einem Mangel dazu n Stoff belecken: Man kann die Katze immer wieder dabei
Da der Jagdtrieb unabhängig vom Nahrungstrieb ist, ändert sich kommen, dass die Katze verhungert. Diesen Mechanismus beobachten, wie sie aus einem fransigen Spielzeug Fäden
dieses Verhalten auch nicht, wenn die Katze regelmäßig gefüttert hat sich die Katze trotz Versorgung durch den Menschen zieht oder andere Spielsachen aus Stoff emsig beleckt.
wird und daher nicht hungrig ist. So kommt es vor, dass manche bewahrt. Beide Verhaltensweisen sind Bestandteile des natürlichen
satte Katze ihre Beute erlegt, sie aber dann liegen lässt. Diese Jagdverhaltens. Bevor die Katze an das Fleisch eines Vogels
Eigenschaft der Katze müssen wir im Zusammenleben mit ihr als n Spielerische Jagd: Beim Spiel der Katze kann man sehr heran kann, muss sie manche Federn ausreißen. Auch
vordergründiges Lebensbedürfnis akzeptieren und dürfen es auf schön beobachten, wie sie herumliegendes Spielzeug in das Fell der Beute reißt sie zum Teil mit ihrer scharfen
keinen Fall unterbinden. die Luft wirft oder es am Boden hin und her rollt. Auch Zunge weg.
schießt sie es ganz bewusst unter einen Kasten etc. um
In vielen alltäglichen Verhaltensweisen kann man den Jagdtrieb später wiederholte Male (auch Tage später) geduldig davor An Hand dieser Beispiele sieht man sehr schön, dass auch die Woh-
der Katze deutlich erkennen. zu warten und mit der Pfote in diesen Schlupfwinkel zu nungskatze, die nicht ständig mit Reizen zum Beutefang konfrontiert
haschen. Auch frei lebende Katzen hocken immer wieder wird, den Jagdinstinkt in sich hat und ihn auch ausleben will. Um
vor ihnen bekannten Mauselöchern. Bei diesen Spielereien die Katze ihren Bedürfnissen entsprechend halten zu können und

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um Verhaltensprobleme zu vermeiden ist es daher sehr wichtig, Um die Körpersprache der Katze richtig deuten zu können, ist es n Zeichen für Sicherheit: Legt sich die Katze auf
den Jagdinstinkt in konstruktive Spiele umzuleiten. wichtig, auch sehr subtile Veränderungen ihrer Haltung wahr zu den Rücken und zeigt ihren Bauch, so kann dies als
nehmen. Die Körpersprache einer Katze ist meist sehr unschein- Vertrauensbeweis gewertet werden. Sie fühlt sich sicher
bar. Nur in ausgereiften Stimmungszuständen können eindeutige und kann sich deshalb in eine verletzbare Position
Lektion I in Katzensprache körperliche Signale beobachtet werden. versetzen. Das bedeutet aber nicht, dass sie sich deshalb
gerne am Bauch berühren lässt. - Sie wird dies vielleicht

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ie Katze hat verschiedene Möglichkeiten mit Artgenossen, Furcht und Sicherheit sogar mit Tatzenhieben bestrafen. Das sollten wir
anderen Tieren oder uns Menschen zu kommunizieren. unbedingt respektieren um die Vertrauensbasis nicht zu
Sie in all ihren Ausdrucksformen zu verstehen, ist sehr Grundsätzlich befindet sich die Katze meistens in einer Wechsel- schmälern!
wichtig um eine positive Beziehung aufbauen zu können. Je besser man position zwischen Mut und Vorsicht. Entscheidend dafür, ob Droh-
seine Katze kennt umso intensiver wird die Bindung zu ihr sein. gebärden defensiv oder offensiv gemeint sind, ist der Grad ihrer Körpersprache zur Austragung von Konflikten
Sicherheit in einer bestimmten Situation.
Besonders gut zu beobachten ist die Körpersprache der Katze in der
Körpersprache: Meistens ist es keine eindeutige Stimmung, in der die Katze ist, Konfrontation zweier Tiere. Die sichere Katze richtet sich auf völlig
Optische Kommunikation sondern eine Überlagerung von Droh- und Abwehrhaltung. Diese durch gestreckte Beine und sträubt ihr Rückenhaar. Sie stellt sich
Körperhaltung ambivalente Körperhaltung kann zB beobachtet werden, wenn sich etwas breitseitig zum Gegner und tänzelt meist seitwärts auf diesen
eine Katze gegen einen Hund stellt (besonders dann wenn sie ihre zu. Alle diese Manöver lassen das imponierende Tier noch größer
Die Katze lernt im Zusammenleben mit dem Menschen sehr schnell Jungen verteidigt). Ihre Angriffsbereitschaft zeigen die steife Beine, wirken. Das schwächere Tier versucht durch einen ausweichenden
aus seiner Körpersprache, dem Klang seiner Stimme und seinem ihre Furcht der gekrümmte Rücken (Katzenbuckel). Blick und eine demütige Körperhaltung die Spannung des Angreifers
Blickkontakt die momentane Stimmung abzulesen. Sie hat ein zu mindern. Wenn es in seiner Bedrängnis zu einem Gegenangriff
sehr gutes Gespür für Emotionen wie Nervosität, Angst, Zuneigung n Zeichen für Furcht: Fühlt sich die Katze in einer Situation startet, bedient es sich der offensiven Körpersprache einer siche-
oder Freude. verängstigt, will sie so schnell wie möglich fliehen. Sie ren Katze, um damit seine Furcht zu überspielen. Dieses Verhalten
duckt sich ganz klein zu Boden, beugt ihren Rücken und hat mit Aggressionsbereitschaft nichts zu tun. Das erkennt man
Auch die Katze bedient sich dieser Kommunikationsformen; bei legt die Ohren und den aufgeplusterten Schwanz ganz eng sehr gut daran, dass obwohl das Tier die Schwanzhaare sträubt
bewusster Beobachtung ihres Verhaltens ist eine gegenseitige Ver- an den Körper. und einen Katzenbuckel macht, es das Hinterteil meist am Boden
ständigung sehr gut möglich. behält und den Schwanz und die Ohren schützend anlegt. Manch-

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mal kann auch ein nur teilweises Sträuben des Rückenfells (am n Aufrechter Schwanz: Ist ein Zeichen der erfreuten n sie neugierig ist
Schwanzanfang) beobachtet werden. Das zeigt, dass das bedrängte Begrüßung. Junge Katzen begrüßen so ihre Mutter n sie jagdbereit ist
Tier nicht mutig genug ist, einen Angriff zu initiieren. n sie drohen möchte (Drohstarren)
Wenn sich zwei gleichrangige Tiere begegnen, die sich gegenseitig n Wedelnder Schwanz: Zeigt eine Uneinigkeit ihrer Absichten
bedrohen, kann ein besonders interessantes Schauspiel der Kör- an. Sobald die Katze den inneren Konflikt gelöst hat, ist Geschlossen sind die Augen der Katze
persprache beobachtet werden. der Schweif wieder ruhig.
n wenn sie entspannt ist (Tiefschlaf, kurzes Dösen); es
Ersatzhandlungen n Zuckende Schwanzspitze: Zeigt eine geringe Erregung an. übernehmen andere Sinne die Wache, und sie wird wenn
nötig trotzdem blitzartig wach
Wir alle kennen so genannte Verlegenheitsgesten, auch als Ersatz- n Peitschen: Ist die Katze aggressiv, so peitscht ihr Schwanz
handlungen bezeichnet. Diese gibt es auch bei der Katze, und sie von einer Seite zur anderen. n als Mittel zur Beschwichtigung: man kann bei der
setzt sie ein, wenn sie sich in einem inneren Konflikt befindet. Sie Konfrontation zweier Katzen beobachten, dass das
zeigt dieses Verhalten besonders dann, wenn etwas ihre Neugierde n Aufgeplusterter Schwanz: Zeigt eine starke Furcht an. scwächere Tier durch Schließen der Augen versucht, die
weckt, es sie gleichzeitig aber auch schreckt. Bei allen Katzenartigen Meist zieht die Katze den Schwanz zusätzlich zwischen die Spannung zu mindern. Es will damit den starken Gegner,
(Feliden) kann in solchen Situationen sehr oft ein kurzes, relativ Hinterbeine. von dem es direkt angestarrt wird, beruhigen.
schnelles Lecken mit der Zunge über die Lippen beobachtet wer-
den, seltener auch ein starkes Gähnen. Die Augen als Ausdrucksmittel Im Zusammenleben mit unserer Katze sollten wir darauf achten, sie
nicht mit weit geöffneten Augen anzustarren, da sie sich dadurch
Der Schwanz - Übermittler von Botschaften Auch der Grad der Öffnung der Augen kann viel über den Stim- bedroht fühlt. Schließt man hingegen immer wieder die Augen,
mungszustand der Katze aussagen. vermittelt man ihr friedvolle Absichten. Auch sie wird blinzeln um
Gerade der Schwanz dient der Katze als Balancierstange in emo- den Frieden mit uns zu wahren.
tionalen Konfliktsituationen. Es ist nicht ganz einfach, aus der Ganz offen sind die Augen der Katze, wenn
Haltung und Bewegung des Schwanzes einen eindeutigen Stim- Schimpfen wir mit unserer Katze, werden wir sie in der Regel mit
mungszustand abzulesen: n sie wachsam ist, weil sie dem Umfeld bzw. den weit geöffneten Augen anstarren, worauf hin sie diesem Blick aus-
Anwesenden nicht völlig traut, also negativ erregt ist weichen wird. Mit Schmollen hat das, wie oft fälschlicherweise
n sie positiv erregt ist angenommen, nichts zu tun.

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Die Weite der Pupille n Nervosität: Die Ohren zucken. Bei manchen Wildkatzen vorsichtig etwas austestet. Nach hinten gelegt sind sie hingegen,
verstärken Haarbüschel an den Ohren diese Körpersprache. wenn sie sich in einer Abwehrposition befindet oder die Berührung
Auch an der Pupillenform kann man Stimmungssignale ablesen. mit einem bedrohlichen Objekt vermeiden möchte. In Kampfbereit-
Dabei muss aber auch die Lichtintensität einbezogen werden, da n Abwehr bzw. Angst: Die Ohren werden flach nach hinten schaft sträuben sich die Schnurrhaare zu breiten Fächern.
sie für die Pupillengröße mit ausschlaggebend ist. Im Erregungs- angelegt. Das dient auch zum Schutz vor den gefährlichen
zustand (positiv oder negativ) weiten sich ihre Pupillen zu großen Krallenhieben des Rivalen. Im Zusammenleben mit der
Kreisen. Bei der Konfrontation zwei rivalisierender Katzen sind hin- Katze sollte der Mensch besonders Rücksicht nehmen, Laute: Akustische Kommunikation
gegen beim stärkeren Tier vertikale Sehschlitze zu beobachten. Da wenn die Katze die Ohren zurückdreht und beginnt, sie

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aber auch dieses Tier meist gemischte Gefühle (auch Angst) hat, anzulegen. Etwas bedroht sie und macht ihr Angst! bwohl die Katze als nicht besonders gesellig gilt, verfügt sie
ändert sich die Pupillengröße ständig um winzige Nuancen. über ein außerordentlich umfangreiches Lautrepertoire.
n Aggression, Angriff: Die Ohren sind zwar schon nach Das kommt daher, dass die Hauskatze zwei verschie-
Die Stellung der Ohren sagt viel aus hinten gedreht um sie bei Gefahr sofort anlegen zu können, dene Vokabularien beherrscht. Anders als die Wildkatze, die die
doch hält sie sie noch aufrecht. Das soll ein sicheres Kindersprache im Erwachsenenalter durch eine andere ersetzt,
Mehr als 20 Muskeln sind für die Stellung der Ohren verantwortlich. Gehabe ausdrücken. Bei Wildkatzen (zB beim Tiger) behält die (vom Menschen versorgte) Hauskatze die Sprache zwi-
Zu einer Änderung der Ohrenstellung kommt es nicht nur, wenn verstärkt sich die Ohrenstellung durch Zeichnungen auf der schen Katzenmutter und ihren Jungen auch im erwachsenen Alter
die Katze Geräusche aus unterschiedlichen Richtungen wahrnimmt, Hinterseite der Ohren. bei. Durch den Umgang mit dem Menschen baut sie sie sogar
sondern auch wenn sie einen Stimmungszustand signalisieren beachtlich aus. Zusätzlich beherrscht die Hauskatze freilich auch
will. In neutralen Situationen sind die Ohren in einer Mittelstellung, um die Ausdrucksmöglichkeiten einer erwachsenen Katze.
rasch auf kleinste Veränderung in der Umwelt reagieren zu können.
n Entspanntheit: Die Ohrenöffnungen schauen nach vorne, Miauen
und die Ohren sind leicht zur Seite gedreht, um Geräusche Schnurrbarthaare
aus der Ferne wahr zu nehmen. Im Zusammenleben der Katze mit uns Menschen ist ihr vorherr-
Am wichtigsten sind die Schnurrbarthaare der Katze für die Jagd im schender Laut ein um Aufmerksamkeit bettelndes Miauen. Der
n Aufmerksamkeit: Kommen Geräusche näher und Dunkeln. Die Stellung der Schnurrbarthaare kann aber auch einiges Ursprung dafür ist das um Hilfe rufende Miauen eines Kätzchens
erwecken die Aufmerksamkeit der Katze, so starrt sie das über den Stimmungszustand der Katze verraten. Sie sind nach vorne nach seiner Mutter. Bei Wildkatzen kommt dieser Laut im Erwach-
Objekt an und dreht die Ohren gespitzt in Blickrichtung. gerichtet, wenn die Katze neugierig ist, etwas erforschen will oder senenalter nahezu nicht mehr vor.

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Gurren Vielzahl anderer Laute beobachten. Doch im Allgemeinen sind um unsere Beine und hinterlässt so ihre Duftstoffe an uns, ohne
die Laute einer wilden Katze leise und unscheinbar. - Sie möchte dass wir das bewusst wahrnehmen.
Ebenfalls aus dem Vokabular der Kinderstube stammt das Gurren, mit damit ja weder Beute aufschrecken, noch gegenüber Feinden ihren
dem die Katzenmutter ihre Kinder ruft bzw. begrüßt. Auch der vertraute sicheren Aufenthalt verraten.
Mensch wird von seiner Katze mit diesem Laut begrüßt oder aufge- Berührungen: Taktile Kommunikation
muntert, ihr zu folgen, um mit ihr zu spielen oder ähnliches.
Gerüche: Die Katze als vorwiegend nachtaktives Tier ist beim Erkunden ihrer
Schnurren Olfaktorische Kommunikation Umwelt vor allem auf ihren hoch entwickelten Tastsinn angewiesen.
Ihre Schnurrbarthaare, die über die Körpergröße der Katze hinaus-
Leider sehr oft missverstanden wird das Schnurren der Katze. Es Katzen markieren in regelmäßigen Abständen ihr Revier mit opti- gehen, besitzen Tastrezeptoren, die der Katze bei ihren Bewegungen
bedeutet nicht immer, dass sie glücklich und zufrieden ist, sondern schen und geruchlichen Signalen. Sowohl durch ihre Ausscheidun- in der Nacht Sicherheit geben.
soll vielmehr ihre friedlichen Absichten ausdrücken. Es kann auch gen als auch durch Duftdrüsen an verschiedenen Körperstellen
sein, dass die Katze deshalb schnurrt, weil sie sich selbst, ihre (Wangen, Kinn, Lippen, Schwanzwurzel), Talgdrüsen am Haarbalg Tasten
Jungen oder eine feindselige Katze beschwichtigen möchte. Natür- und Schweiß an den Pfoten hinterlassen Katzen in ihrem Umfeld
lich schließt das Schnurren Zufriedenheit nicht aus, und fühlt sich unsichtbare Botschaften. Dazu kommen noch sichtbare Signale. Tastrezeptoren mit einer hohen Druckempfindlichkeit sitzen darüber
die Katze wohl, so merkt das der ihr vertraute Mensch ohnehin Das sind beispielsweise nicht zugescharrte Exkremente, die zusätz- hinaus am ganzen Körper verteilt. Sie reagieren auf Berührungen
aufgrund ihres Verhaltens. lich mit einer Flüssigkeit aus den Analdrüsen besprüht werden oder und geben der Katze Informationen über die Bodenbeschaffen-
Kratzspuren an Baumstämmen. heit. So auch diejenigen an der Nase, die unter anderem auch bei
Fauchen der Erkundung von einander schon bekannten Katzen in Einsatz
Auf diese Art und Weise findet unter Katzen eine olfaktorische Kom- kommen. Da die Katze es gewohnt ist, ihre Bekannten mit einem
Fauchen und Spucken ist wahrscheinlich eine Art Nachahmung munikation statt, denn sie können über diese Geruchssignale wich- Kopf-zu-Kopf-Kontakt (das bekannte Köpfchen geben) zu begrüßen,
einer Schlange. Aus Forschungen geht hervor, dass viele Säugetiere tige Botschaften ausgeben und empfangen. Wenn wir eine Katze richtet sie sich bei der Begrüßung des ihr vertrauten Menschen auf
eine angeborene Angst vor dem Biss einer Giftschlange haben, und streicheln, hinterlassen wir durch unsere Schweißdrüsen ebenfalls die Hinterbeine um näher zum Kopf zu kommen.
dass eine in die Enge getriebene Katze daher versucht, den Angriff unsere Geruchssignale, die sie beim anschließenden Putzen mit
auf diese Weise ab zu wehren. Bei diversen Konfrontationen von ihrer Zunge untersucht. Bei der Begrüßung reibt sich die Katze mit
Katzen mit Artgenossen oder anderen Tieren lässt sich noch eine ihrem Gesicht und ihren Flanken an uns, schlingt ihren Schwanz

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Körperkontakt - Streicheln Leben mit dem Menschen sich der Verantwortung, die er für ein Lebewesen übernommen
hat, bewusst ist. Der Katze muss im Zusammenleben mit dem

U
Kätzchen genießen es, von ihrer Mutter sorgsam abgeleckt zu werden, rsprünglich war die Katze natürlich nicht auf das Zusam- Menschen die entsprechende Umgebung geboten werden, damit
denn die mütterliche Fürsorge bedeutet Schutz und Geborgenheit menleben mit dem Menschen ausgerichtet. Im Gegen- sie ihr Verhalten erfüllen kann.
für sie. Die gegenseitige Fellpflege dient aber auch bei erwachsenen teil: Als selbständiger und freiheitsliebender Einzeljäger,
Katzen weniger einem hygienischen Zweck sondern viel mehr zur der nicht im sozialen Verband lebt, müsste sie diese enge Bindung Der Bezug zum Menschen vom ersten Tag an
Stärkung von sozialen Bindungen Aus diesem Grund empfinden Kat- nicht eingehen, um zu überleben.
zen es auch im Zusammenleben mit uns Menschen als angenehm, Die Intensität der Beziehung zwischen Mensch und Katze hängt
von uns gestreichelt zu werden - auch wenn meist sie den Zeitpunkt Unabhängigkeit trotz Bindung von sehr vielen Faktoren ab. Ausschlaggebend dafür ist auch die
dafür bestimmen wollen! Ein Zeichen, dass sie die Zuneigung genießen, Persönlichkeit der Katze, die zum einen Teil angeboren, zum ande-
ist das senkrecht nach oben Heben das Hinterteils und des Schwan- Die Katze ist ein Tier mit großer Anpassungsfähigkeit, das unter ren durch die Umwelt geprägt ist. In den meisten Fällen ist es aber
zes; das junge Kätzchen fordert auf diese Art und Weise seine Mutter sehr unterschiedlichen Umweltbedingungen leben kann, so auch im das Alter, in dem die Katze mit Menschen in Kontakt kommt, das
auf, sich um die Pflege seines Hinterteils zu kümmern. Zusammenleben mit dem Menschen. Ihre Unabhängigkeit als eigen- schließlich die Stärke der Bindung bestimmt. Katzen, die ausschließ-
ständiges Raubtier hat sie sich trotz Domestikation sowie Pflege lich mit Artgenossen aufgewachsen sind, werden auch später übli-
Im Allgemeinen kann man festhalten, dass die Katze dann gestrei- und Fütterung durch den Mensch beibehalten. Auch die Fertigkeit cherweise keine sehr enge Beziehung zum Menschen aufbauen.
chelt werden will, wenn sie sich zur streichelnden Hand drückt. zu jagen, also sich selbst mit Futter zu versorgen, hat sie keinesfalls Sie akzeptieren ihn vielleicht als Futtergeber, jedoch werden sie
Weicht sie hingegen der Hand deutlich aus, ist sie an der Berührung verloren. Sie hat den Menschen als zusätzlichen „Anreiz“ schätzen Körperkontakt eher vermeiden und darauf achten, ihre Unabhän-
in diesem Moment nicht interessiert. Um eine Vertrauensbasis und gelernt, ihre natürlichen Verhaltensweisen jedoch nicht verloren. gigkeit zu bewahren. Katzen, die zwischen der dritten und siebten
eine tiefe Beziehung mit der Katze auf zu bauen, ist es sehr wichtig, Lebenswoche Kontakt zum Menschen aufbauen können, werden
diese Körpersprache ernst zu nehmen und zu respektieren. Der Mensch als Ersatzmutter später normalerweise eine enge Beziehung zu ihm haben und ihn
ein Leben lang als eine Art Mutterersatz sehen.
TIPP: Im Folder „Leben mit Hund & Katze“ wird Telling- Was der Mensch sich bei der Domestikation der Katze zunutze
ton Touch als neuer Weg in der Beziehung zu Ihrem Tier gemacht hat, ist die starke Abhängigkeit des Kätzchens von seiner Intensive Beziehung durch Berührungen
vorgestellt. Durch eine heraustrennbare Skizzentafel Mutter. Durch Zucht wurde diese jugendliche Unselbständigkeit
soll die Anwendung dieser Berührungstechnik leicht bewusst verlängert, und so wurde die Grundlage der Beziehung Die kindliche Bindung an den Menschen bringt die Katze sogar
gemacht werden. zwischen Katze und Mensch gebildet. Wichtig ist, dass der Mensch dazu, Streicheleinheiten, die für ein erwachsenes Tier eigentlich

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ungewohnt sind, zu akzeptieren und zu genießen. Der Austausch kann. Das sollte man in der Haltung, vor allem aber schon vor einer Interesse am Spiel. Gerade für die Katze, die nur in einer Wohnung
von Berührungen kann die Intensität der Beziehung sehr positiv Anschaffung beachten. lebt, ist das Spiel wichtig um ihre sexuellen, jagdtypischen und
beeinflussen. Allerdings muss man immer darauf achten, die Katze aggressiven Verhaltensweisen auszuleben. Das gemeinsame Spiel
nicht zum Körperkontakt zu zwingen oder sie festzuhalten. Am bes- ist außerdem eine ideale Möglichkeit um die Beziehung zu unserer
ten ist es, wenn die Katze von selbst auf den Menschen zukommen TIPP: Wenn es Probleme in der Haltung (zB plötzliche Katze zu vertiefen.
kann, um die Streicheleinheiten von sich aus einzufordern. Je ent- Unsauberkeit) geben sollte, so darf man nicht gleich
spannter der Kontakt von Anfang an ist, umso lieber wird die Katze den Mut verlieren. Wichtig ist es, die Ursache für die
in Zukunft die Nähe des Menschen suchen. Verhaltensprobleme herauszufinden, denn nur dann TIPP: Im Folder („Leben mit Hund & Katze“) finden
kann man diese auch lösen. Sie Spielvorschläge.
Kummer durch Vernachlässigung

Katzen sind sehr sensibel in Bezug auf Veränderungen in ihrer Sollten Sie mit Ihrem Latein am Ende sein und fachkundige Fehler vermeiden!
Umwelt. Das betrifft nicht nur große Umstellungen, wie etwa eine Unterstützung brauchen, wenden Sie sich an einen Experten. Die
Übersiedlung oder eine Veränderung der Einrichtung, sondern bei VIER PFOTEN helfen Ihnen gerne mit Adressen weiter: e-Mail an Um die Beziehung zur Katze nicht unbeabsichtigt negativ zu beein-
einer engen Bindung auch die Beziehung zum Menschen. heimtier@vier-pfoten.at oder ein Anruf unter Tel. 01/895 02 02-0 flussen, sollte man im Umgang mit ihr folgende Fehler unbedingt
vermeiden:
Katzen, die sich sehr eng an den Menschen anschließen, fühlen Das Spiel als Bindeglied
sich so stark mit ihm verbunden, dass sie seine emotionalen n Anstarren: Unter Artgenossen ist das starre Blicken in die
Stimmungen aufnehmen und unter Spannungen der ihr vertrau- Junge Kätzchen spielen nicht nur um ihr Jagdverhalten zu trainieren, Augen des anderen ein Zeichen für Drohung (mehr dazu
ten Menschen sehr leiden. Eine Vernachlässigung ihrer Bedürf- sondern vor allem auch um soziale Bindungen aufzubauen. Anders bei Körpersprache). Deshalb sollte man das unbedingt
nisse spüren sie sofort schmerzhaft. Dass die Erklärung dafür als Hunde spielen erwachsene Katzen in freier Wildbahn nicht mehr. vermeiden, um der Katze nicht Bedrohung zu vermitteln,
manchmal ganz einfach vorübergehender Zeitmangel ist, kann ihr Das hängt sehr stark damit zusammen, dass die Katze ein Einzel- wenn man ihr eigentlich freundlich gestimmt ist. Besser
nicht verständlich gemacht werden. Auch eine Veränderung in der gänger ist und nicht wie der soziale Hund in einem Rudel lebt. ist es, immer wieder die Augen zu schließen, weil das
Familie (zB der Verlust eines Familienmitglieds, die Geburt eines beruhigend wirkt.
Babys, die Anschaffung eines weiteren Heimtiers) können bei der Katzen, die vom Menschen versorgt werden, legen ihr Kätzchenver-
Katze großen Stress auslösen, der zu Verhaltensproblemen führen halten jedoch nie völlig ab. Und dazu gehört auch ihr lebenslanges

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n Laute, schrille Geräusche: Die Hörkapazität der Katze Katzen lieber auf Menschen zugehen, die gar keine wirklichen Kat- Katzentoilette
liegt weit über der von uns Menschen, besonders im Bereich zenfreunde sind. Diese Menschen sind zurückhaltender und geben
der hohen Töne. Sie ist viel lärmempfindlicher, worauf der der Katze die notwendige Sicherheit näher zu kommen, weil sie sich Obwohl Katzen von Natur aus sehr saubere Tiere sind, zählt Unsau-
Mensch im Zusammenleben Rücksicht nehmen sollte. nicht von ihnen bedroht fühlt. berkeit zu den häufigsten „Problemen“ bei Wohnungskatzen.

n Hektische Bewegungen: Als Raubtier bewegt sich die Zu beachten ist folgendes: Für die Anzahl der Kisterl gilt Anzahl
Katze im Allgemeinen sehr leise und vorsichtig. Auf Tipp: Im Handbuch „Heimtiere: Was muss ich beach- der Katzen plus eins. Für eine Einzelkatze sind somit zwei ausrei-
schnelle Bewegungen reagiert sie mit Nervosität oder ten?“ (110 Seiten, in Zusammenarbeit mit dem Lebens- chend große und stabile Katzenklos anzubieten. Die Kisterl sollten
Angst. ministerium) finden Sie ausführliche Informationen rund weder zu abgelegen, noch zu zentral und nicht neben Futter- oder
um die Haltung von Hund, Katze, Kleinsäuger, Vogel & Schlafplatz stehen. Auch wenn geschlossene Klos für den Halter
n Festhalten: Auch wenn die Katze zu ihrem Menschen Co. Kostenlos zu bestellen bei VIER PFOTEN. sehr angenehm sind, reagieren Katzen oft mit Ablehnung. Gefüllt
Vertrauen hat und eine intensive Bindung besteht, bewirkt werden die Kisterl der Katze mit feiner und weicher Einstreu, in
ein Festhalten gegen ihren Willen eine sehr starke der sie gut graben kann. Harte Einstreu, die an den Pfoten hängen
Stresssituation. In der Natur kommt das nur vor, wenn bleibt, ist oft ein Grund für Unsauberkeit. Durch regelmäßigen
die Katze Beute eines Feindes wird. Wechsel der Einstreu bleibt das Klo sauber und geruchsfrei. Falls
die Katze trotz allem noch unsauber ist und gesundheitliche Pro-
n Herausnehmen aus einer Rückzugsstätte: Zieht sich die Die Wohnung für die Katz´ bleme ausgeschlossen sind, muss dieses Verhalten als Ausdruck
Katze in eine Ecke, eine Höhle oder unter ein Möbelstück ihres Allgemeinbefindens gesehen werden.

E
zurück, sollte man sie dort in Ruhe lassen. Ein gut ine Katze, die in freier Natur unterwegs ist, erlebt jeden
gemeintes Herausnehmen der Katze, um sie (bei Gewitter) Tag sehr viel und kommt mit vielen interessanten Eindrü- Fress- und Trinkplatz
durch Körperkontakt zu beruhigen oder zu beschützen, cken in Kontakt. Für eine „reine Wohnungskatze“ muss
bedeutet für sie nur zusätzlichen Stress, und man bewirkt der Mensch aber genügend Anregungen schaffen. Nur wenn wir die Freilaufende Katzen bringen erlegte Beute stets an einen ruhigen
das Gegenteil. Bedürfnisse der Katze kennen und diese auch berücksichtigen, ist es und sicheren Ort bevor sie sie verzehren! Daher sollte auch in der
möglich, ihr in unserer Wohnung einen dauerhaften und glücklichen Wohnung ein geschützter Ort für die Fütterung ausgewählt werden.
Die Katze hat grundsätzlich eine Vorliebe für Menschen mit zurück- Aufenthalt zu ermöglichen. Holen Sie sich aus unseren Vorschlägen Ebenfalls wichtig für das Wohlbefinden der Katze ist es, dass sie
haltender Körpersprache. Das ist auch der Grund dafür, warum Anregungen für eine Umgestaltung Ihrer Wohnung! immer am selben Ort und immer zu fixen Zeiten gefüttert wird. Wäh-

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rend dem Fressen sollte sie in Ruhe gelassen werden. Dass Katzen des Menschen umherzulaufen, empfiehlt sich auch Vorsicht, wenn Regal sie am liebsten sitzt, und schaffen Sie dort etwas Platz für
generell wenig trinken, ist bekannt. Man hat jedoch die Erfahrung man mit heißen Töpfen hantiert. sie! Da sich diese Tiere gerne in kleine Nischen kuscheln, sollten
gemacht, dass die Katze Wasser, das nicht direkt neben dem Fress- Sie aber nur die Gegenstände entfernen, die wirklich im Weg sind,
platz steht, viel lieber trinkt. Stellen Sie daher eine Wasserschüs- Kratzbaum denn sonst sucht sich die Katze erst recht wieder ein voll geräum-
sel in ein anderes Zimmer, und die Katze wird es eher annehmen! tes Regal! Man kann der Katze keine größere Freude machen, als
Außerdem beobachtet man Katzen immer wieder dabei, wie sie mit Kratzen bedeutet für die Katze das Abnützen der Krallen, ein Mar- wenn man ihr eine Vielfalt an Möglichkeiten bietet, den Raum auch
Begeisterung aus dem Waschbecken oder der Badewanne trinken. kieren durch Duftstoffe in den Ballen und auch einfach Spaß! Mit in die Höhe zu nutzen und zu erkunden. So kann man verschieden
Machen Sie Ihrer Katze die Freude, und lassen Sie kleine Lacken ihren Krallen kann sie schon so einiges anrichten - angefangen hohe Regale nebeneinander stellen, von diversen Kästen weg eine
stehen! Achten Sie jedoch darauf, dass keine Reste von Wasch- von „Zeichnungen“ auf den Händen des Besitzers, über solchen Fortführung mit einem Regalbrett bauen, oder Regalbretter in stufen-
und Reinigungsmitteln zurückgeblieben sind. auf Tapeten, Teppichen und Polstermöbeln. Ein Kratzbaum ist artigen Aufbau nebeneinander montieren. Wer bereit ist, für seine
deshalb zwar ein guter und sehr wichtiger Anfang, er kann jedoch Katze etwas mehr Aufwand zu betreiben, kann mit Holz eine zweite
In der Wohnung braucht die Katze außerdem Katzengras, das ihr die Ansprüche der Katze nur zum Teil erfüllen. Ein mehrstöckiger Ebene im Raum bauen oder aber sogar einen kleinen Durchgang
hilft, die beim Putzen geschluckten Haare über den Darm oder Kletter- und Kratzbaum, den man auch mit einem daneben stehen- durch die Wand zwischen zwei Zimmern brechen. Sie sehen also,
durch Erbrechen wieder auszuscheiden. den Regal verbinden kann, kann hier Abhilfe schaffen. Was gibt der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und eines ist gewiss:
es Schöneres für die Katze als ein Kratzbaum, der schon fast an Die Katze wird Ihnen für jede Anregung dankbar sein!
Küche einen wirklichen Baum heran kommt?! Zusätzlich kann man an
einer Zimmerecke ein Kratzeck einrichten. Aus Holz und Sisal sind Schlafplatz
In der Küche gibt es für die interessierte Katze allerhand Gefahren- Baum und Ecke leicht gemacht!
quellen, an die man als Halter denken sollte. Erwähnen wollen wir Der Katze einen Platz zum Liegen zuzuweisen, ist ein Ding der
hier als häufigste Unfallursachen heiße Herdplatten, offene Back- Klettermöglichkeiten Unmöglichkeit. Sie wäre keine Katze, würde sie sich ihren Liege-
rohre, Waschmaschinen und Kühlschränke, aber auch gefährliche platz nicht selbst aussuchen. Eines steht aber fest: Am schönsten
Flüssigkeiten oder scharfe Gegenstände, die zu Vergiftungen bzw. Katzen halten sich sehr gerne auf erhöhten Aussichtsplätzen auf, ist es meist immer noch im Bett. Dort ist es warm und gemüt-
Verletzungen führen können! Versuchen Sie als Halter diese Gefah- denn dort fühlen sie sich geschützt, können aber trotzdem ihre Neu- lich, und außerdem kann es doch keinen besseren als den vom
renquellen auszuschalten. Bei Elektroherden genügt es schon, nach gierde befriedigen! Zerbrechliche Gegenstände sollten deshalb in Menschen gewählten Platz geben?! Den Bedenken in Bezug auf
dem Kochen einen Topf mit Wasser auf die noch heiße Platte zu Sicherheit gebracht und Bücher so geordnet werden, dass sie eine Hygiene kann man leicht entgegen wirken, indem man die Katze
stellen. Da Katzen die Angewohnheit haben, zwischen den Füßen stabile Fläche ergeben. Beobachten Sie Ihre Katze, auf welchem regelmäßig entwurmt. Ansonsten muss man sich in Hinblick auf

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die Gesundheit keine Sorgen machen. Wer aber auf gar keinen Fall ten! Diese Spiele sollten so gestaltet werden, dass die Katze ihre tuch oder eine Decke hinein, und Sie können Ihre Katze damit
eine Katze im Bett haben will, soll an einer von der Katze gewählten natürlichen Verhaltensweisen wie Anschleichen, Anspringen und glücklich machen. Nur Achtung: Katzen klettern oft gerne hinter
Stelle ein Körbchen oder auch eine Schachtel bzw. einen Wäsche- Schlagen der Beute ausleben kann. Da Katzen nur an lebender die Lade, also bitte nicht abrupt schließen! Auch Kartons erfüllen
korb platzieren. Beute interessiert sind, werden sie auch in der Wohnung nur durch das Bedürfnis nach Rückzug sehr gut. Lassen Sie doch den Karton
bewegte Objekte angeregt. Das schönste Spielzeug nützt also nichts, vom Einkaufen einfach stehen. Sie werden sehen, welche Freude
Türen wenn es bewegungslos am Boden liegt! Sie Ihrem Tier damit machen können. Eine Steigerung dazu wäre es
noch, wenn Sie in die Schachtel körpergroße Löcher zum Rein- und
Eine Wohnungskatze entwickelt in der Regel sehr schnell Inter- Zwei Katzen in der Wohnung Rausklettern schneiden. Ihre Katze wird begeistert sein!
esse für das Unbekannte hinter der Wohnungstür, da der Mensch
doch immer wieder dort entschwindet! Wenn die Katze die Fähigkeit Den ganzen Tag allein in der Wohnung? Zwei Katzen vertreiben sich Fenster
entwickelt, die Türschnalle zu öffnen, empfiehlt es sich, statt der Schnalle die drohende Langeweile, und regen einander als Spielgefährten
einen Türknopf anzubringen. Viele Katzen lauern auch mit Begeis- an. Auch wenn Katzen viel schlafen, wechseln die Ruhephasen stets Fenster sind bei Wohnungskatzen immer ein großer Anziehungs-
terung versteckt hinter der Tür, um dann schnell zwischen den mit sehr aktiven Zeiten ab, in denen die Tiere jagen, spielen und ihr punkt, weil sie den Weg ins Unbekannte und in die Freiheit bedeuten.
Beinen des Menschen zu entschlüpfen. Diesen raffinierten Aus- Revier verteidigen! Wichtig ist es aber auch, jeder Katze separate Bei einer Stadtwohnung, die vielleicht noch dazu hochgeschoßig
laufversuchen sollte man sich bei jedem Betreten der Wohnung Möglichkeiten zum Ausweichen und Zurückziehen zu bieten. liegt, kann das aber leicht zum Verhängnis werden. Deshalb müs-
bewusst sein, besonders wenn Haustor oder Stiegenhausfenster sen Fenster unbedingt gesichert werden. Im Handel erhältliche
offen sein könnten! Für alle anderen Türen in der Wohnun gilt: Netze oder Gitter verhindern ein Entwischen oder Abstürzen der
Lassen Sie in der Wohnung so viele Türen wie möglich offen, denn TIPP: Auf www.vier-pfoten.at finden Sie bei Kampagnen/ Katze. Leider passieren auch immer wieder schlimme Unfälle durch
Katzen können geschlossene Räume nun mal nicht leiden! Heimtiere/ Anschaffung Tipps zur Gewöhnung zweier gekippte Fenster. Die Katze klettert in Richtung Öffnung, rutscht in
fremder Katzen. den Fensterspalt, kann sich aber selbst nicht mehr befreien – die
Spieltrieb und Beschäftigung Folgen können von Quetschungen bis hin zum Ersticken reichen!
Sind alle Gefahren gebannt, sollte man der Katze aber den Platz
Höhlen
In freier Natur ist die Katze eine begeisterte Entdeckerin und Jägerin. am Fenster nicht verwehren. Eine Liege- und Aussichtsgelegenheit
Höhlen bedeuten für die Katze Geborgenheit. Lassen Sie doch ein-
Da sich nur sehr selten Fliegen oder andere Insekten in die Woh- am Fensterbrett bereitet viel Abwechslung und Freude.
fach bei Ihrem Schreibtisch oder bei einer Kommode eine Lade
nung verirren, ist der Mensch dazu aufgerufen, die angeborenen
offen, die die Katze für sich in Anspruch nehmen kann. Ein Hand-
Jagdinstinkte des Raubtiers Katze in konstruktive Spiele umzulei-

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Heizkörper
Informationen rund um die Heimtierhaltung finden
Sie in den kostenlosen VIER PFOTEN Foldern:
Katzen lieben Wärme. Viel Freude können Sie Ihrer Katze daher
machen, wenn Sie über einem Heizkörper, der an einer ruhigen
® Heimtiere: Was muss ich beachten?
und geschützten Stelle montiert ist, eine Liegefläche anbringen.
Handbuch zur Heimtierhaltung von VIER PFO-
Besonders schön ist es natürlich, wenn die Katze weich gebettet
TEN und dem Lebensministerium, 110 Seiten
ist. Eine Decke oder ein Handtuch erfüllen diesen Zweck und kön-
® Welches Tier und Woher?, incl. Liste aller
nen auch leicht sauber gehalten werden.
Tierheime in Österreich
® VIER PFOTEN ziehen ein
® Leben mit Hund & Katze
Buchtipps:
® Eine gute Hundeschule für meinen Hund
Miez Miez – na komm. Artgerechte Katzenhaltung in
® Mit dem Hund unterwegs
der Wohnung, Sabine Schroll, Verlag videel, 2001.
® VIER PFOTEN im Urlaub
® Tierpensionen und Tiersitter in Österreich
Aller guten Katzen sind…? Der Mehrkatzenhaushalt,
® Hunde sind anders
Sabine Schroll, Verlag videel, 2003.
® Raubtier Katze als Heimtier
® Zwergkaninchen tiergerecht halten
® Meerschweinchen tiergerecht halten
® Empfehlenswerte Literatur

Im VIER PFOTEN Online-Shop (www.vier-pfoten.at)


oder direkt zu bestellen unter 01/8950202-0 bzw.
heimtier@vier-pfoten.at

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