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Dienstvereinbarung zu partnerschaftlichem Verhalten am Arbeitsplatz

Zwischen

der Bayerischen Theaterakademie,


vertreten durch den Präsidenten Prof. Hans-Jürgen Drescher und
den Geschäftsführenden Direktor Dr. Stefan Schmaus,

und
dem Personalrat,
vertreten durch den Personalratsvorsitzenden Robert Hank,

wird folgende Dienstvereinbarung geschlossen:

Präambel

Eine Betriebskultur, die sich durch ein partnerschaftlichesVerhalten am Arbeitsplatz auszeichnet,


bildet die Basis für ein positives innerbetriebliches Arbeitsklima.

Unter partnerschaftlichem Verhalten verstehen die Parteien einen respektvollen Umgang aller
Beteiligten miteinander, die Schaffung eines Klimas, in dem Konflikte angesprochen und geklärt
werden können und die Orientierung an sachlichen Lösungen.

Dagegen stellen Machtmissbrauch, Diskriminierungen, sexualisiertes Verhalten und Gewalt eine


Verletzung des Persönlichkeitsrechts und eine Störung des Betriebsfriedens dar. Solche
Verhaltensweisen schaffen ein eingeengtes, stressbelastetes und entwürdigendes Arbeits- und
Lernumfeld und begründen nicht zuletzt gesundheitliche Störungen.

Die Theaterakademie August Everding verpflichtet sich, Machtmissbrauch, Diskriminierungen,


sexualisiertes Verhalten und Gewalt zu unterbinden und ein partnerschaftliches Klima zu fördern
und aufrecht zu erhalten.

§ 1 Zweck der Dienstvereinbarung

(1) Diese Dienstvereinbarung hat zum Ziel, partnerschaftliches Verhalten zu fördern und
Vorbeugung gegen Machtmissbrauch, Diskriminierungen, sexualisiertes Verhalten und Gewalt zu
gewährleisten. Sie tritt ergänzend neben die ,,Dienstvereinbarung Mobbing" vom 06.04.2018 sowie
die ,,Dienstvereinbarung zur Gesundheitsvor- und -fürsorge für alkoholgefährdete Mitarbeiterinnen
und Mitarbeiter" vom 11.03.2010, deren Regelungen somit unberührt bleiben.

Allen Beschäftigten soll in Folge dieser Dienstvereinbarung bekannt sein, welche Verhaltensweisen
über Mobbing hinaus als Störung des Betriebsfriedens eingestuft werden, dass sie verboten sind und
dass sie konsequent verfolgt und geahndet werden.

Durch zielgerichtete Veröffentlichung dieser Dienstvereinbarung sowie der ,,Richtlinie gegen


Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt an der Theaterakademie August
Everding" vom 6. April 2018 und des ,,Wertebasierten Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen
l'bergriffen und Machtmissbrauch" des Deutschen Bühnenvereins vom 8. Juni 2018, die dieser
Dienstvereinbarung als Anlage beigefügt und somit Bestandteil dieser Dienstvereinbarung sind, kann
1
sich niemand mit der Behauptung "Davon habe ich nichts gewusst!" aus der persönlichen
Verantwortung ziehen. Führungskräfte stehen in besonderer Verantwortung und sind in diesem
Sinne verpflichtet, die Inhalte und Werthaltungen dieser Dienstvereinbarung einschließlich der
Richtlinie vom 6. April 2018 und des Verhaltenskodex vom 8. Juni 2018 in ihren Arbeitsbereichen zu
leben und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu vermitteln.

(2) Des Weiteren soll durch die Dienstvereinbarung eine Verhaltenssicherheit für Betroffene und
Personalverantwortliche erzielt werden, wie in Konfliktfällen verfahren werden muss, die innerhalb
einer Abteilung oder eines Studiengangs nicht zufriedenstellend gelöst werden können. Maßnahmen
zur Konfliktregelung und Hilfe für Betroffene sind durch diese Dienstvereinbarung definiert.

(3) Weiteres Ziel ist die Vertrauensbildung bei den Beschäftigten. Sie können diese Vereinbarung als
Signal verstehen, dass die Themen Machtmissbrauch, Diskriminierungen, sexualisiertes Verhalten
undGewalternst genommen werden. Betroffene werden darüber informiert, anwensiesich
zwecks Hilfestellung wenden können und welche Möglichkeiten sie haben, sich zur Wehr zu
setzen.

(4) Nicht zuletzt soll über diese Dienstvereinbarung das Signal gegeben werden, dass ein
partnerschaftlicher Umgang zwischen allen Beteiligten gefi5rdert und ausgebaut wer- den soll. Ziel
ist ein konstruktives Betriebsklima, das die unbelastete Erfüllung der Arbeitsaufgaben bestmöglich
unterstützt.

(5) Als weiteres Ziel sollen stressbedingte Erkrankungen als Folge von ungelösten Konflikten
vermieden werden.

§ 2 Geltungsbereich

Diese Dienstvereinbarung gilt für alle Beschäftigten aller Hierarchien der Theaterakademie August
Everding. Die Akademieleitung verpflichtet sich zudem, allen in den Räumlichkeiten der
Theaterakademie tätigen Personen gegenüber die Inhalte der Dienstvereinbarung zu vertreten.

§ 3 Definition der Begriffe

(1) Alle Beschäftigten sind verpflichtet, zur Einhaltung des Arbeitsfriedens und damit zu einem guten
Arbeitsklima beizutragen. Hierzu gehört vor allem, die Persönlichkeit jedes/r Beschäftigten zu
respektieren und dessen/deren Würde zu wahren.
(2) Partnerschaftliches Verhalten am Arbeitsplatz zeichnet sich insbesondere aus durch
*
respektvollen Llmgang miteinander (Grüßen, Art der Ansprache, Höflichkeit, Kritik in
angemessener Form etc.)
*
Orientierung an sachlichen Lösungen,
*
Schaffen eines Klimas, in dem Konflikte angesprochen und geklärt werden können und
*
Achtung der jeweiligen Tätigkeitsbereiche und Aufgaben (Einhalten der dienstlichen
Kommunikationswege, Informationen weitergeben bzw. beschaffen etc.)
(3) Im Gegensatz dazu gehört zur Verletzung des Persönlichkeitsrechts und der Würde des/der
Einzelnen insbesondere das bewusste und gezielte Herabwürdigen bis hin zu den in der ,,Richtlinie
gegen Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt an der Theaterakademie
August Everding" benannten konkreten Verletzungshandlungen.

§ 4 Beschwerderecht und Zuständigkeiten

(1) Zunächst soll ein/e belästigte/r Beschäftigte/r im partnerschaftlichen Miteinander den- oder
diejenige Mitarbeiter/in, von dem/der sie sich belästigt fühlt, ansprechen und eine Klärung des

2
entstandenen Konflikts versuchen. Scheitert dieser Versuch oder erscheint er unangebracht,
können die/der Beschäftigte, an die folgenden verantwortlichen Stellen wenden:

*
Der/die dienstliche Vorgesetzte
Die Personalabteilung
@ Der Personalrat
*
Der/die betriebliche Mediator/in
Der/die Gleichstellungsbeauftragte
Der/die Betriebsarzt/Betriebsärztin
Die Arbeitsgemeinschaft ,,Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung
und Gewalt" (ARGE)

(2) Die Genannten sind erste Ansprechpartner der Betroffenen. Sie haben die Aufgabe, Betroffene
zu beraten und zu unterstützen sowie auf Klärung und Lösung hinzuwirken. Sie sind zur
Verschwiegenheit verpflichtet und haben dafür Sorge zu tragen, dass der Konflikt zunächst nur
unter den unmittelbarvom Konflikt betroffenen Personen behandelt wird. Bei Bedarf kann
der/die betriebliche Mediator/in hinzugezogen werden.

(3) Von Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexueller Belästigung oder Gewalt Betroffene sollen
ausdrücklich ermutigt werden, Angriffe auf ihre Persönlichkeit nicht hinzunehmen, sondern sich
zeitnah zur Wehr zu setzen. Sie haben das Recht und den Anspruch auf eine angemessene
Behandlung des Problems.

§ 5 Vertraulichkeit

Clber die Informationen und Vorkommnisse, persönliche Daten und Gespräche ist durch alle
Beteiligten gegenüber nicht am Verfahren Beteiligten absolutes Stillschweigen zu bewahren.

§ 6 Maßnahmen

(1) Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexueller Belästigung oder Gewalt können strafrechtliche


Tatbestände erfüllen. Eine mögliche strafrechtliche Verfolgung kann grundsätzlich nur auf
Veranlassung der/des Geschädigten erfolgen.

Ziel aller betrieblichen Sanktionen ist es, im Rahmen der Fürsorgepflicht des Arbeitgebers die Taten
adäquat zu ahnden, die betroffenen Beschäftigten zu schützen und den belästigenden Personen
den Verstoß gegen geltendes Recht deutlich zu machen. Der Arbeitgeber hat die im Einzelfall
angemessenen arbeitsrechtlichen oder disziplinarrechtlichen Maßnahmen zu ergreifen, wie z. B.
*
Belehrung
*
Ermahnung
*
Versetzung
*
Abmahnung
*
Kündigung

(2) Die gesetzlichen Rechte des Personalrats bleiben unberührt. Der Personalrat erhält über die
beabsichtigte Maßnahme eine Vorabinformation. Zur Abhilfe kann auch ein Beratungs- und/oder
Therapieangebot erfolgen. Im Übrigen gelten die einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen,
insbesondere das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

(3) Wegen Erhebung einer Beschwerde dürfen der/dem Beschäftigten keine Nachteile entstehen.

3
§ 7 Schlussbestimmung

(1) Eine einvernehmliche Änderung dieser Dienstvereinbarung im Sinne einer Weiterentwicklung


ist jederzeit möglich.

(2) Diese Dienstvereinbarung tritt mit dem Tag ihrer Unterzeichnung in Kraft. Sie kann mit einer Frist
von drei Monaten von beiden Seiten gekündigt werden.
München, I.4, I?[-, ;7<,»,if5
Prof. Hans-JXrgen %e2ch Robert Hank
Präsiden'?7 Personalratsvorsitzender

Dr. ?'?h'födus X[]f-


Geschäftsführender Direktor

Anlagen:

Richtlinie gegen Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt an der


Theaterakademie August Everding vom 6. April 2018
Wertebasierter Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und
Machtmissbrauch des Deutschen Bühnenvereins vom 8. Juni 2018

4
theder
akod«nie
august
everding

Richtlinie gegen Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und


Gewalt an der Theaterakademie August Everding
vom 06. April 2018

Präambe!

Die Theaterakademie August Everding fördert im Einklang mit ihren Kooperations-


Hochschulen, insbesondere der Hochschule für Musik und Theater München, die
gleichberechtigte Zusammenarbeit von Frauen und Männern auf allen Funktionsebenen in
Studium, Lehre, Kunst, Forschung und Dienstleistung. Sie tritt aktiv gegen
Machtmissbrauch, jedwede Art der Diskriminierung und Benachteiligung, sexuelle
Belästigung und Gewalt gegenüber Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie
Dozentinnen und Dozenten ein.

Diskriminierungen, sexualisiertes Verhalten und Gewalt stellen eine Verletzung des Persön-
lichkeitsrechts und eine massive Störung des Akademiebetriebs dar. Sie schaffen ein
einschüchterndes, stressbeladenes und entwürdigendes Arbeits- und Studienumfeld und
können zu ernsten gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Sie sind eine Verletzung
arbeitsvertraglicher, dienstrechtlicher und hochschulrechtlid'*er Pflichten und werden als
solche verfolgt.

Diskriminierungen jedweder Art sowie jegliche sexuelle Belästigung und sexualisierte


Gewaltanwendung sind an der Theaterakademie und im dienstlichen Umgang außerhalb
der Theaterakademie verboten. Alle Mitglieder und Angehörigen der Theaterakademie,
insbesondere solche mit Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Leitungsaufgaben im Spiel- und
Lehrbetrieb sowie in allen anderen Bereichen, sind in ihren Arbeits- und Fachbereichen
dafür verantwortlich, dass die Persönlichkeitsrechte von Menschen und deren individuelle
Persönlichkeitsgrenzen respektiert und gewahrt werden, sowie sexuell diskriminierendes
Verhalten und Gewaltanwendung unterbleiben bzw. abgestellt werderi.

Machtmissbrauch unter Ausnutzung von Abhängigkeitsverhältnissen am Arbeitsplatz und im


Studium unter Androhung und/oder Realisierung persönlicher oder beruflicher Nachteile
bzw. unter Zusage von Vorteilen wird als besonders schwerwiegend bewertet.

Die Besonderheiten einer künstlerischen Ausbildung mit ihrem großen Anteil an Einzel- und
Kleingruppenunterricht und der persöniichen Verbindung zur Lehrperson erfordert einen
besonders sensiblen Umgang mit diesen Themen. Insbesondere auch weil Emotionalität als
Transportmittel künstlerischer Entwicklung dient und in Studiengängen wie Schauspiel,
Musical oder Musiktheater Körperlichkeit für das Erreichen des Ausbildungsziels eine
Grundvoraussetzung ist.

Deshalb sind alle Angehörigen und Mitglieder der Theaterakademie in besonderem Maße
dazu aufgefordert, an der Gestaltung eines Arbeits- und Studienumfeldes mitzuwirken, das
Raum für künstlerische Entfaltung bietet, von gegenseitiger Achtung und Toleranz geprägt
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ist und in dem kein Platz für Benachteiligung, Diskriminierung, sexuelle Belästigung oder
Gewalt ist.

Die Theaterakademie August Everding hat die Arbeitsgemeinschaft ,,Machtmissbrauch,


Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt" ins Leben gerufen, in der Vertreterinnen
und Vertreter aus allen Bereichen der Akademie versammelt sind. Die Arbeitsgemeinschaft
setzt sich für die Einhaltung der Richtlinie ein und sensibilisiert Studierende,
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Dozentinnen und Dozenten der Akademie für einen
Umgang miteinander, der von Respekt und Wertschätzung getragen ist. Sie führte eine
Umfrage zu den Themen, Machtmissbrauch, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und
Gewalt durch, wertet sie unter Einbeziehung externer Experten aus und kommuniziert die
Ergebnisse. Die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft stehen allen, die Beratung benötigen,
als Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zur Verfügung.

2
§ 1 Anwendungsbereich

Diese Richtlinie gilt für alle Beschäftigten und Studierenden der Theaterakademie.

§ 2 Begriffsbestimmungen

1 . Mittelbare und unmittelbare Benachteiligung

Eine unmittelbare Benachteiligung liegt vor, wenn eine Person insbesondere aus Gfünden
dler ethnischen oder sozialen Herkunft, des Gesch!echts, des Aussehens, der Religion oder
Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität eine weniger
günstige Behandlung erfährt, als eine andere Person in einer vergleichbaren Situation
erfährt, erfahren hat oder erfahren würde. Eine mittelbare Benachteiligung liegt vor,
wenn Personen oder Personengruppen durch dem Anschein nach neutrale-Vorschriften,
Kriterien oder Verfahren gegenüber anderen Personen oder Personengruppen in
besonderer Weise benachteiligt werden können.

2. Diskriminierung

Diskriminierung ist jede Form von Benachteiligung, Nichtbeachtung, Geringschätzung,


Herabsetzung, Ausschluss oder Ungleichbehandlung von einzelnen Menschen oder
Gruppen, aufgrund von tatsächlichen oder zugeschriebenen/angedichteten
gruppenspezifischen Merkmalen.

3. Sexuelle Belästigung und Gewalt

Sexuelle Belästigung liegt vor, wenn ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten,
wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell
bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes
Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, bezweckt
oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein
von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder
Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.

Sexuelle Gewalt ist jede Form der körperlichen Beeinträchtigung einer anderen Person in
sexueller Hinsicht und/oder ihrer Androhung. Kennzeichen ist der Zwang bei fehlender
Gleichheit der Interagierenden und/oder die fehlende Zustimmung oder das ausdrücklich
erklärte oder erkennbare "Nein" eines Beteiligten.

Der Gesamtbereich der sexuelien Diskriminierung und Gewalt soll durch die folgenden
exemplarisch aufgeführten Verhaltens- und Handlungsweisen charakterisiert werden:

Persönliche Grenzen überschreitende Bemerkungen sexuellen Inhalts, insbesondere:

* Sexualisierte Wortwahl, Gesten, Verhaltensweisen


*
Sexualisierte Bemerkungen über Personen und/oder deren Körper und/oder deren
Bekleidung und/oder deren Erscheinungsbild
* Kommentare über das Intimleben einer Person

Persönliche Grenzen überschreitendes Zeigen und sichtbares Anbringen von Nacktfotos


und Zeichnungen mit sexuellem Inhalt, insbesondere :

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* Pornographische und sexuell herabwürdigende Schmierereien in öffentlichen
Räumen
*
Die verbale, bildliche oder elektronische Präsentation pornographischer, sexuell
herabwürdigender Darstellungen
*
Das Kopieren, Anwenden und Nutzen pornographischer, sexuell herabwürdigender
Computerprogramme und Internetseiten auf IT-Anlagen der Theaterakademie oder
auf dem Akademiegelände.

Persönliche Grenzen überschreitende sexuelle Handlungen und Aufforderungen Zu

diesen, insbesondere:

* Sexuell bestimmte körperliche Berührungen


* Unangebrachter Körperkontakt
* Aufforderungen zu sexualisiertem oder sexuellem Verhalten

Generell:

*
Vefolgung und Nötigung mit (auch indirektem) sexuellem Hintergrund
Körperliche Übergriffe und Vergewaltigung

§ 3 Pflichten und Verhaltensweisen

Alle Beschäftigten und Studierenden der Theaterakademie sind verpflichtet, jegliche


Benachteiligung, Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt gegerfüber
Beschäftigten, Studierenden und sonstigen Dritten zu unterlassen.

Es ist Aufgabe der Theaterakademie, Verstößen gegen diese Richtlinie nachzugehen und
sie nach pflichtgemäßem Ermessen zu ahnden. Die Theaterakademie hat dafür Sorge zu
tragen, dass betroffenen Personen aus der Mitteilung eines Fehlverhaltens Dritter kein
Nachteii entsteht. Die Offenbarung einer betroffenen Person erfolgt nur im erforderlichen
Umfang, sofern dies aufgrund von gesetzlichen Vorschriften oder wesentlich
überwiegenden Gemeininteressen zwingend geboten ist.

Die Unschuldsvermutung zugunsten beschuldigter Personen ist zu beachten.

§ 41nteressensvertretungen und vertrauliche Anlaufstellen

Alle betroffenen Beschäftigten und Studierenden der Theaterakademie können


verschiedene, vertrauliche Beratungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen, zum Beispiel:

Für Studierende:
Bei der Studierendenvertretung
* Bei der/dem Gleichstellungsbeauffragten
* BeiderBeratungsstelle "Sexuelle Belästigung, Diskriminierung und Gewalt"
des Studentenwerks München
* Beim Referat für Studienangelegenheiten

Für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter:


* Beim Personalrat

4
*
Bei der/dem Gleichstellungsbeauftragten

Für alle anderen Beschäftigten:


*
Bei der/dem Gleichstellungsbeauftragten
*
Bei den in der angehängten Liste genannten Ansprechpartner/innen

Der Erstkontakt kann auch über eine Person des persönlichen Vertrauens erfolgen. Von hier
aus kann der Kontakt zu einer der o.g. Stellen auch unter Wahrung der Anonymität der
betroffenen Person hergestellt werden.

§ 5 Beschwerderechte und -pflichten

Alle Betroffenen haben die Möglichkeit, wahlweise ein einfaches oder ein formelles
Beschwerdeverfahren zu initiieren. Es muss sichergestellt sein, dass durch die
Wahrnehmung dieses Beschwerderechts keine persönlichen oder beruflichen Nachteile
entstehen.

Gegenüber den Betroffenen ist Vertraulichkeit zu wahren. Namen düfen nur Im


Einverständnis mit den Betroffenen genannt werden.

Betroffene sollten so ermutigt werden, Benachteiligung, Diskriminierung, sexuelle


Belästigung und Gewalt nicht hinzunehmen, sondern ihre Ablehnung unmissverständlich
deutlich zu machen und aktiv dagegen anzugehen.

Besonders Personen mit Leitungs- und Betreuungsaufgaben sind verpflichtet, Hinweisen


auf Benachteiligung, Diskriminierung oder sexuelle Belästigung oder Gewalt nachzugehen
und bei Vorliegen eines Verdachts geeignete Maßnahmen zur Klärung, Verfolgung und
Verhinderung zu ergreifen.

Die/der Gleichstellungsbeauftragte wird in das Beschwerdeverfahren einbezogen, es sei


denn, dass die betroffene Person widerspricht.

§ 6 Beschwerdeverfahren

1. Einfache Beschwerde

Die einfache Beschwerde kann bei den in § 4 genannten Interessensvertretungen oder bei
der/dem Vorgesetzten der betroffenen oder beschuldigten Person vorgetragen werden.

Nach Eingang der Beschwerde findet nach Möglichkeit durch die angerufene Stelle in
Abstimmung mit der betroffenen Person eine Erstberatung statt. Sie umfasst Informationen
über Rechte, Vorgehens- und Handlungsmöglichkeiten und Liber das offizielle
Beschwerdeverfahren entsprechend dieser Richtlinie.

Die im Rahmen des einfachen Beschwerdeverfahrens angerufene Stelle kann in Folge der
Anrufung Maßnahmen nach § 7 dieser Richtlinie initiieren. Sie leitet, sofern rechtlich
möglich, von sich aus ein formelles Beschwerdeverfahren ein, wenn dies vor dem
Hintergrund des Einzelfalls auch bei Berücksichtigung der berechtigten Interessen der
betroffenen Person dringend geboten ist. Dies ist insbesondere der Fall, wenn nach

5
Einschätzung der angerufenen Stelle der eifolgte Verstoß gegen diese Richtlinie in seiner
Schwere eine Ahndung im Rahmen des formellen Verfahrens dringend erforderlich macht
oder ein solches Verfahren zur Verhinderung weiterer - nicht unerheblicher
Rechtsverletzungen angezeigt ist.

2. Formelles Beschwerdeverfahren

Ein formelles Beschwerdeverfahren wird von der Akademieleitung durchgeführt. Die


formelle Beschwerde ist an deshalb an das Präsidium zu richten. Sie soll schrift!ich erfolgen
und die nachfolgenden Informationen beinhalten:

* Beschreibung, Ort und Datum des Vorfalls


* Beteiligte Personen
@
Zeuginnen/Zeugen und Beweise (soweit vorhanden)
* Informationen über bereits eingeleitete Maßnahmen
* Informierte Personen

Das Präsidium hat bei betroffenen Studierenden und Beschäftigten die/den


Gleichstellungsbeauftragte/n über die Beschwerde zu informieren.

Das Präsidium bzw. die von diesem mit der Verfahrensdurchführung beauftragte Stelle
ermittelt den Sachverhalt von Amts wegen. Die erforderlichen Auskünfte und Informationen
werden hierbei eingeholt, die wesentlichen Verfahrensschritte dokumentiert.

Das Präsidium entscheidet auf Grundlage des Ergebnisses der Ermittlungen über weitere
Maßnahmen und eventue!le Sanktionen gem. § 7 dieser Richtlinie.

Sofern erforderlich, werden durch das Präsidium in jedem Stadium des Verfahrens neben
den Maßnahmen nach § 7 dieser Richtlinie solche Maßnahmen ergriffen bzw. initiiert, die
bei Berücksichtigung aller Interessen geboten sind, um den erforderlichen Schutz der
betroffenen Personen bzw. der Al!gemeinheit sicherzusteilen.

§ 7 Maßnahmen und Sanktionen

Maßnahmen können nicht auf eine anonymisierte Beschwerde gestützt werden.

1 . Informelle Maßnahmen

Maßnahmen und Sanktionen bei Verstößen gegen diese Richtlinien hängen von der dienst-,
arbeits- oder hochschulrechtlichen Position der beschuldigten Person ab. Es können je nach
den Bedingungen und der Schwere des Einzelfalls und unter Wahrung berechtigter
Anonymitätswünsche und Schutzbedürfnisse der betroffenen Personen folgende informelle
Maßnahmen erwogen werden:

* Persönliches Gespräch der betroffenen Person und/oder einer Person ihres


Vertrauens mit der beschuldigten Person
*
Persönliches Gespräch einer vorgesetzten Person und/oder einer der genannten
Ansprechpersonen mit Beschuldigten unter Hinweis auf das Verbot von
Diskriminierung, Benachteiligung, sexueller Belästigung und Gewalt
* Die Einbeziehung von externen Konfliktberaterinnen/Konfliktberatern

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2. Offizielle Maßnahmen

Als offizielle Maßnahmen kann das Präsidium unter Einschaltung der zuständigen Stellen je
nach arbeits-, dienst- oder hochschulrechtlicher Position der beschuldigten Person und je
nach Schwere des Vorwurfs die folgenden S6ritte in Betracht ziehen.

Bei beschuldigten Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern:

Durchführung eines formellen Dienstgespräches


* Mündliche oder schriftliche Belehrung
* Schriftliche Abmahnung
* Fristgerechte oder fristlose Kündigung
* Hausverbot
* Erstattung einer Strafanzeige (im Falle eines Sexualdelikts nur nach
Rücksprache mit derbetroffenen Person)

Bei besohuldigten Dozentinnen / Dozenten und freien Mitarbeiterinnen / Mitarbeitern:

* Hausverbot
* Erstattung einer Strafanzeige (im Fal!e eines Sexualdelikts nur nach Rücksprache
mit der betroffenen Person)

Bei beschuldigten Studierenden:

* Mündliche oder schriftliche Belehrung


Hausverbot
* Exmatrikulation
@ Erstattung einer Strafanzeige (im Falle eines Sexualdelikts nur nach Rücksprache
mit der betroffenen Person)

Bei beschuldigten Beamten:

ö Durchführung eines formellen Dienstgespräches


@ Einleitung eines Disziplinarverfahrens und Verhängung von Disziplinarmaßnahmen,
welche Verweise, Geldbußen, Gehaltskürzungen, Versetzung oder die Entfernung
aus dem Dienst umfassen können
* Hausverbot
* Erstattung einer Strafanzeige (im Falle eines Sexualdelikts nur nach Rücksprache
mit der betroffenen Person)

§ 8 Präventive Maßnahmen

Die Theaterakademie verpflichtet sich, präventive Maßnahmen zu ergreifen, die zur


Enttabuisierung und zur Sensibilisierung für das Thema beitragen, wie zum Beispiel:

* Umfangreiche schriffliche Informationen über die gesetzlichen Regelungen,


Benachteiligungsproblematiken und Sanktionen
* Schulungen und Seminare zum Thema Diskriminierung und Machtmissbrauch auf
allen Ebenen
* Bereitste!lung von Informationen und Handlungsanweisungen, was Einzelne tun

7
können, wenn sie eine Diskriminierung beobachten oder ihnen eine Diskriminierung
gemeldet wird (durch Flyer, Plakate und auf der Website)
*
Räumliche und andere Umgebungsbedingungen, die sexualisierte Diskriminierung
und/oder Gewalt begünstigen, werden im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten
aufgedeckt und beseitigt.

§ 9 Evaluation

Die Akademieleitung prüft regelmäßig, ob das Verfahren zweckmäßiger gestaltet werden


kann mit dem Ziel, zu Beschwerden zu ermutigen, Benachteiligung aufgrund von
Beschwerden zu verhindern und Diskriminierung, sexuelle Belästigung und Gewalt an der
Theaterakademie zu vermeiden.

§ 10 Inkrafttreten

Diese Richtlinie tritt mit Unterzeichnung in Kraft.

München, den 06.04.2018

LL-k
Prof. Hans-Jürgen Drescher
Präsident

8
Y Deutscher Bühnenverein
Bundesverband derTheater und Orchester
a

Wir, die deutschen Theater und Orchester, geben grundlegende künstlerische Impulse in eine
sich stets wandelnde Gesellschaft und sind daher nicht nur Bewahrer der künstlerischen Freiheit,
sondern auch Katalysator gesellschaftlicher Weiterentwicklung. Aus diesem Verständnis heraus
haben wir einen

Wertebasierten Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und


Machtrnissbrauch

entwickelt, der einen Verständigungsprozess und einen progressiven Umgang aller


Mitarbeitefinnen an unseren Theatern und Orchestern in Gang setzen soll.

Als Theater und Orchester haben wir gemeinsame Werte. Wir zeigen Haltung und ermutigen
uns gegenseitig, jede Form von Übergriff oder Diskriminierung zu unterbinden.
Geschlechtergerechtigkeit und Chancengleichheit sind für uns elementar. Wir stellen uns der
Herausforderung, die Diversität unserer Gesellschaft in unseren Häusern abzubilden und zu
leben. Innerbetrieblich zeigen wir einander Respekt und Wertschätzung. Wir sorgen für eine
partnerschaftliche Zusammenarbeit in den Betrieben und ein soziales Miteinander mit dem
Willen, Konflikte offen anzusprechen und zu lösen. Wir bemühen uns um klare und
vertrauensvolle Kommunikation auf allen Ebenen unserer Häuser.

Wir tragen aufgrund dieses Selbstverständnisses und als Arbeitgeber die Verantworhing, unsere
Mitarbeitefinnen und Künstler'innen aktiv vor sexueller Belästigung und Machtmissbrauch am
Arbeitsplatz zu schützen.

Dem Management und der Führungsebene jedes Theaters und jedes Orchesters obliegen in
diesem Zusammenhang besondere Fürsorgepflichten für die Mitarbeitefinnen. Dieser stellen
wir uns als Mitglieder im Deutschen Bühnenverein und sehen es als unsere Aufgabe an, mit
diesem wertebasierten Verhaltenskodex für ein diskriminierungs- und angstfreies Arbeitsklima
zu sorgen.

Grundsätzliches Kennzeichen der Belästigung ist eine Grenzüberschreitung, die ein anderer
Mensch gegen seinen Willen erfährt. Als Belästigung können auch Vorgänge empfunden
werderi, die nicht beabsichtigt waren. Es ist daher nicht angebracht, die persönliche Sphäre
anderer zu überschreiten, unter anderem durch:

die (auch versuchsweise) Erzwingung sexueller Handlungen mittels Gewalt oder Androhung
von Gewalt
direkte/indirekte Drohung mit Nachteilen für die Ablehnung von Avancen
Versprechen von Vorteilen für sexuelle Zugeständnisse
Zeigen oder Verbreiten von Pornografie

1
Y Deutscher Bühnenverein
Bundesverband derTheater und Orchester
a
anzügliche und sexualisierte Bemerkungen, Witze und Gesten
abfällige Bemerkungen über den Körper, die Sexualität oder die sexuelle Orientierung
Anderer

nicht einvernehmliche körperliche Berührungen


Verlangen nach sexueller Aufmerksamkeit.

Auf Basis der oben angeführten Werte verpflichten wir uns auf verbindliche Verhaltensregeln
für alle Mitarbeiter'innen in unseren Häusern, unabhängig von ihrer Position:

Ich trenne zwischen dem, was innerhalb und außerhalb der künstlerischen Arbeit erlaubt ist
und missbrauche diese Freiräume der Kunst nicht.
Ich verhalte mich respektvoll gegenüber allen, unabhängig von Geschlecht, Alter, Religion,
Behinderung, Herkunft und sexueller Orientierung.
Ich unterlasse jede Form von sexueller Belästigung.
Ich unterlasse Übergriffe in gestischer, sprachlicher und körperlicher Form.
Ich gehe verantwortungsvoll mit der mir übertragenen Macht um.
Ich bin mir bewusst, dass mein Verhalten bei meinem Gegenüber eine andere Wirkung
erzielen kann als beabsichtigt. Ich gehe damit empathisch und verantwortungsvoll um.
Ich kommuniziere eindeutig und klar.
Ich spreche Konflikte offen an und bemühe mich, sie fair zu lösen.
Ich schreite aktiv ein, wenn ich Zeug'in von Übergriffen, Machtmissbrauch und
unangebrachtem Verhalten jeglicher Art werde und spreche unangemessenes Verhalten
direkt an.

Das Überwinden von sexueller Belästigung und Machtmissbrauch ist eine


gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die einen Kulturwandel voraussetzt. Als Theater und
Orchester sorgen wir dafür, dass das Bewusstsein für sexuelle Belästigung und Machtmissbrauch
am Arbeitsplatz geschärft wird. Mit dem hier vorliegenden Kodex soll ein weiterer Schritt in
diese Richtung geleistet werden. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, dass sich alle
Theater und Orchester und die Rechtsträger die Zeit und den Raum nehmen, sich mit dem Thema
zu befassen, eigene Prozesse kritisch zu hinterfragen und die hier statuierten Werte in ihrem
eigenen Alltag umzusetzen. Dazu notwendig sind auch flankierende Maßnahmen wie
Schulungen und Aufklärung. Bei Verdacht auf sexuelle Belästigung oder Missbrauch
verpflichten wir, die deutschen Theater und Orchester, uns darauf, alle notwendigen
Maßnahmen zur Aufklärung und zum Schutz der betroffenen Personen einzuleiten. Der
Deutsche Bühnenverein untersfützt seine Mitglieder in der Umsetzung auch durch eigene
Maßnahmen, etwa durch Vermittlung oder Angebot von Schulungsmaßnahmen oder der
Beteiligung an einer überbetrieblichen Vertrauensstelle, an die sich Betroffene wenden können.

Mitglieder, Präsidium und Vorstand des Deutschen Bühnenvereins auf der Jahreshauptversammlung am
8. Juni 2018 in Lübeck

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