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Montfort (Adelsgeschlecht)

Die Grafen von Montfort waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht, das dem
reichsunmittelbar regierenden Hochadel des Heiligen Römischen Reichs angehörte. Das
Geschlecht erlosch 1787.

Die einflussreichen und sehr begüterten Grafen trugen ihren Namen nach dem nahe der
Schweizer Grenze gelegenen Stammschloss Montfort bei Weiler im heutigen Vorarlberg. Mit
ihren Herrschaften Feldkirch (bis 1390), Bregenz (bis 1523) und Tettnang (bis 1779) haben sie
die territoriale Entwicklung Oberschwabens, der Ostschweiz und Vorarlbergs entscheidend
beeinflusst.

Inhaltsverzeichnis
Das Wappen der Grafen von
Geschichte
Montfort
Ursprünge
Linie Feldkirch
Linie Bregenz
Steirischer Zweig
Linie Werdenberg (Zweige Heiligenberg, Sargans und Vaduz)
Zweig Werdenberg-Heiligenberg
Zweig Werdenberg-Sargans
Zweig Werdenberg-Vaduz
Linie Montfort-Tettnang
Persönlichkeiten
Wappen
Familienangehörige
Linien der Montforter (grafische Übersicht)
Stammliste
Weitere Familienangehörige
Siehe auch
Literatur
Weblinks
Einzelnachweise

Geschichte

Ursprünge
Der ursprüngliche Stammsitz, die Burg Hohennagold im Nordschwarzwald, wurde von den Grafen von Nagold um 1100 errichtet.
Anselm von Nagoldgau (um 966) ist der älteste urkundlich erwiesene Nagoldgau-Graf. Es folgte dann ein Anselm von Nagoldgau
(der Jüngere), der in den Jahren 1027 und 1048 vorkommt. Zwischen beiden Anselmen, die die einzigen bekannten, nach dem
Nagoldgau bezeichneten Grafen sind, erscheint, wohl von derselben Familie, im Jahre 1007 ein Graf Hugo I. von Nagold mit dem,
seinem Gau Glehuntare zugeteilten Ort Holzgerlingen, und eröffnet die Reihe der seit dem letzten Viertel des 11. Jahrhunderts
häufiger werdenden Hugos, Grafen von Nagold und
schließlich Pfalzgrafen von Tübingen.[1] So wird Graf
Hugo V. von Nagold spätestens ab 1146 als Hugo I.,
Pfalzgraf von Tübingen, bezeichnet. Vermutlich beruhte
diese Rangerhöhung auf Diensten, die er dem 1138 zum
König gewählten StauferKonrad III. geleistet hatte.

Nagold und die Burg


Hohennagold (um 1650)

Tübingen und das


Schloss Hohentübingen
(1875)

Die Entstehung des Geschlechts der Grafen von Montfort


Karte des Besitzes der Grafen von Montfort und von
lässt sich auf seinen SohnHugo II., Pfalzgraf von Tübingen
Werdenberg im 14. Jahrhundert
(† 1182), zurückführen. Durch seine Frau, Gräfin Elisabeth
von Bregenz, Erbin von Bregenz, Montfort und
Sigmaringen, Tochter von Graf Rudolf von Bregenz, erbte er den Besitz der Grafen von
Bregenz und kam dadurch – neben seiner mächtigen Stellung in Oberschwaben – in eine
beherrschende Stellung im Raum Vorarlberg/Ostschweiz. Außerdem kam er durch diese
eheliche Verbindung in nahe verwandtschaftliche Beziehungen zu Kaiser Friedrich I.
Barbarossa und den Welfen (Elisabeth war – ebenso wie Barbarossa und Heinrich der Löwe –
ein Enkelkind des Welfenherzogs Heinrichs des Schwarzen von Bayern). Ein Großteil des
Bregenzer Erbes ging nach Hugos II. Tod an seinen zweiten Sohn Hugo († 1228/30, III. von
Tübingen, I. von Montfort)[2] über, der sich etwa ab dem Jahr 1200 Hugo von Montfort
nannte. Sein Besitz umfasste die Grafschaft über Churrätien, Tettnang, Bregenz, Feldkirch,
Sonnenberg, Werdenberg und Sargans. Für das Wappen des neu entstandenen Montforter
Hauses wurde das Wappen des Tübinger Grafenhauses abgewandelt und die roteMontfortsche
Kirchenfahne auf silbernen (statt goldenen) Grund gelegt.
Das Wappen der
Hugo von Montforts älterer BruderRudolf I. (1160–1219) setzte die Linie der Pfalzgrafen von Pfalzgrafen von Tübingen
Tübingen fort; fünf Generationen später verkaufte jedoch Pfalzgraf Gottfried II. ( † 1369)
Tübingen 1342 an die Grafschaft Württemberg und führte nurmehr den bloßen Titel eines
Grafen von Tübingen; er erbte aber über seine Frau Clara von Freiburg die Herrschaft Lichteneck. Die Linie seiner Nachfahren, der
Grafen von Tübingen-Lichteneck, existierte bis 1664 und stellte damit neben den Montfortern in ettnang
T die am längsten bestehende
Linie des Hauses Nagold-Tübingen dar.

Linie Feldkirch
Der genannte Graf Hugo (III. von Tübingen, I. von Montfort, † 1228), gründete die Stadt Feldkirch und erbaute um 1200 auf einem
Hügel über der Stadt die Schattenburg. Sie wurde im 14. Jahrhundert Mittelpunkt der Herrschaft Montfort-Feldkirch und damit zur
Nachfolgerburg zu Alt-Montfort. 1375 verkaufte Burggraf Rudolf IV. von Montfort die von der Schattenburg aus verwaltete
Herrschaft Feldkirch anHerzog Leopold III. aus dem Hause Habsburg.

Schattenburg über
Feldkirch

Linie Bregenz
→ Hauptartikel: Grafschaft Bregenz
Hugo II., Pfalzgraf von Tübingen ( † 1182), hatte durch seine Frau Elisabeth den Besitz der Grafen von Bregenz geerbt. Unter
montfortischer Herrschaft existierten ab 1 70 als Teillinie die Grafen von Montfort-Bregenz. Sie erloschen schon 1338 wieder.

In Folge bildete sich aus dem dritten Haus der Montforter (das erste war Montfort-Feldkirch), den Montfort-Tettnang, ab 1354 die
Linie Montfort-Tettnang-Bregenz, die sich 1379 in die ältere und die jüngere Herrschaft teilte. Dieses Haus brachte mit Hugo XII.
(VIII. von Bregenz, 1357–1423), Minnesänger und Staatsmann, einen europäisch bedeutenden ertreter
V hervor.

Elisabeth von Hochberg (Hachberg), Erbtochter Wilhelms VII. († 1422), verkaufte 1451 die ältere Herrschaft, einen Teil des Gebiets,
an die Habsburger. Die jüngere Herrschaft nannte sich ab 1514 Tettnang-Bregenz-Bregenz, da sich mit den Tettnang-Bregenz-
Pfannberg/Beckach (siehe unten) ein steirischer Zweig mit den Besitzungen, die der Minnesänger Hugo durch Heirat erworben hatte,
ergab. 1523 verkauften die Montfort-Bregenzer, die allesamt in der Fremde dienten,[3] auch den anderen Teil der Bregenzer
Grafschaft.[4] Das Montfort-Tettnang-Bregenzer Haus trat aber im steirischen Zweig 1574 auch das Erbe der Montfort-Tettnanger an,
und erlosch erst 1787, und mit ihm das Gesamthaus Montfort.

Burg Hohenbregenz
Steirischer Zweig
1362 erbte Margareta, Gemahlin des Minnesängers Hugo von Montfort (1357–1423)
aus der Tettnang-Bregenzer Linie, die steirischen Besitzungen ihrer erloschenen
Familie, der Grafen von Pfannberg. Hugo nahm seinen Wohnsitz ab 1401 auf der
Burg Pfannberg und trat in den steirischen Herrenstand ein. Nach dem Verkauf von
Pfannberg 1524 übersiedelte der steirische Zweig auf die Burg Peggau und nannte
sich Montfort-Bregenz-Peggau, beziehungsweise zeitgenössisch Montforth-Bregenz-
Beckach. 1574 erlosch die Tettnanger Hauptlinie der vorarlbergischen Montforter
und die Peggauer traten ihr Erbe an, 1596 verkauften sie daher Burg und Herrschaft
Peggau.[5]

Hugo von Montfort (1357–1423),


Minnesänger (Fresko in Frohnleiten)

Burg Pfannberg Burg Peggau

Linie Werdenberg (Zweige Heiligenberg, Sargans und Vaduz)


→ Hauptartikel: Grafen von Werdenberg
Nach Hugos I. von Montforts Tod verwalteten seine Söhne den Familienbesitz zunächst
gemeinsam. Als Stammvater des Hauses Werdenberg gilt Rudolf I., obwohl erst sein Sohn
Hartmann den Titel comes de Werdenberch (urkundlich seit 1259) führte. Nachdem sowohl
Rudolf (bereits vor 1247) als auch sein jüngerer Bruder Hugo gestorben waren, erfolgte 1258
eine Aufteilung. Dabei erhielten Rudolfs Söhne Hugo I. von Werdenberg-Heiligenberg und
Hartmann I. von Werdenberg den südlichen Teil des montfortischen Besitzes; mit ihnen
verzweigte sich die Familie der Werdenberger in die Hauptlinien Werdenberg-Heiligenberg
und Werdenberg-Sargans. Für das Wappen des Werdenberger Hauses wurde die rote
Montforter Kirchenfahne in eine schwarze umgewandelt.

Sigmaringen war nur kurzzeitig ab 1272 (bis zum Verkauf 1290) durch Erbschaft im Besitz
der Werdenberger. Allerdings kam es 1399 von Württemberg pfandweise an die Werdenberger
zurück, samt der oberen Grafschaft Veringen, zehn Jahre später auch der unteren Grafschaft. Das Wappen der Grafen von
1535 gelangte Sigmaringen an die Grafen von Zollern, deren Nachfahren Schloss und Werdenberg
Grundherrschaft bis heute besitzen.

Zweig Werdenberg-Heiligenberg
Hugo I. von Werdenberg-Heiligenberg ( † 1280), war eng mit König Rudolf von Habsburg verbunden und konnte so 1274 die
Landvogtei über Oberschwaben und Churwalden sowie 1277 die Grafschaft Heiligenberg erwerben. Nach seinem Tod 1280 spaltete
sich der Familienbesitz, in dessen Folge sich die Nachkommen des älteren seiner Söhne, Rudolfs I., fortan Grafen von Werdenberg
nannten. Graf Hugo III. fügte dem Besitz noch Burg und Stadt Rheineck, Hohentrins mit Tamins, Reichenau GR sowie durch seine
Heirat mit Anna von Wildenberg die Herrschaften Freudenberg und Greifenstein hinzu. Die Werdenberger wurden als Nachfolger der
Wildenberger auch Klostervögte desReichsklosters Pfäfersmit der Vogtsburg Wartenstein.
Albrecht I. war 1327 Reichslandvogt um den Bodensee, 1331 auch der Länder Uri, Schwyz und Unterwalden. Er fügte dem Besitz
die Reichsvogtei über Altstätten und das Rheintal sowie Wartau hinzu. Albrecht I. war in eine Fehde mit Graf Rudolf III. von
Montfort-Feldkirch verwickelt, die den Niedergang des Geschlechts einläutete und den Habsburgern ermöglichte, im Vorarlberg Fuß
zu fassen. 1402 verpfändeten die Werdenberger die Grafschaft Werdenberg an die Grafen von Montfort-Tettnang.

Durch die Ehe der Gräfin Clementine von Montfort-Werdenberg kamen die Grafschaft Werdenberg und die Herrschaft Wartau 1483
in den Besitz des Grafen Johann Peter von Sax-Misox (1462–1540), der sie 1485 an die Stadt Luzern verkaufte. Durch die Ehe der
Gräfin Anna von Werdenberg-Heiligenberg mit Graf Friedrich zu Fürstenberg kam Heiligenberg 1535 an die Fürstenberger, die
Schloss und Grundherrschaft bis heute besitzen.

Zweig Werdenberg-Sargans
Schon unter Graf Hugo I. von Montfort (* um 1160, † 1228) war Anfang des 13. Jahrhunderts das vermutlich bereits bestehende
Schloss Sargans als kleine Burganlage ausgebaut worden. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde die Anlage unter Hartmann I.
Sitz des Zweiges der Grafen von Werdenberg-Sargans.

Urkundlich werden die Montforter erstmals 1242 als Herren von Sonnenberg erwähnt, mit der Erbteilung um 1260 kam die
Herrschaft Sonnenberg an den Zweig Werdenberg-Sargans. 1258 wurde die Burg Nüziders errichtet – sie heißt seit ihrem
Wiederaufbau 1409/10 Burg Sonnenberg.

1338 kam Schloss Ortenstein zusammen mit den anderen Gütern im Domleschg, der Bärenburg u. a. durch Heirat der Ursula von Vaz
mit Graf Rudolf an die Grafen von Werdenberg-Sargans.

1455 verkauften Jörg (Georg) Graf von Werdenberg-Sargans (ca. 1427–1504) und dessen Bruder Wilhelm die Feste und Herrschaft
Sonnenberg an Eberhard I. aus dem Haus Waldburg, Jörgs späteren Schwiegervater. 1483 erwarben die eidgenössischen sieben alten
Orte die Grafschaft Sargans, die dadurch Untertanenland der Eidgenossen wurde. Nach dem Tod des Grafen Georg von Werdenberg-
Sargans 1505 wurde Ortenstein als bischöflich-churisches Lehen eingezogen.

Zweig Werdenberg-Vaduz
Die Grafschaft Vaduz entstand 1342 durch Erbteilung als Teil der Grafschaft Werdenberg. Dieser Grafschaft wurde 1396 die
Reichsunmittelbarkeit gewährt, nachdem vier Jahre zuvor die Ansprüche der Grafen zu Werdenberg endeten. Die gräfliche Linie von
Vaduz starb 1416 aus und dieFreiherren von Brandisübernahmen die Herrschaft.

Schloss Werdenberg Schloss Heiligenberg Schloss Sargans Schloss Vaduz

Linie Montfort-Tettnang
Ein Enkel des Grafen Hugo I. von Tübingen-Montfort, Graf Hugo III. von Montfort, erhielt bei der Teilung der Grafschaft die
Gebiete um Tettnang, war also Begründer der sogenannten „Tettnanger Linie“. 1309 starb Hugo III.; sein Sohn Wilhelm II. erbte
dessen Herrschaftsgebiet. In dem Thronstreit zwischen Friedrich dem Schönen und Ludwig dem Bayern stellte er sich zunächst auf
die Seite der Habsburger, lief 1319 jedoch zu Ludwig über. Daher wurde die Stadt Tettnang 1322 von dem Habsburger Herzog
Leopold belagert und völlig zerstört.
Nach dem Tod Wilhelms V. teilten seine Söhne die Grafschaft Montfort-Tettnang in drei Komplexe: einerseits Tettnang, andererseits
Rothenfels, Argen (Wasserburg Argen samt Langenargen) und Wasserburg, sowie Werdenberg mit den rätischen Besitzungen, wobei
letztere bis 1470 an Habsburg verloren gingen.[6] Ulrich V. (1440–1495) und dessen Sohn Ulrich VII. von Montfort-Tettnang
(† 1520) residierten daher in Tettnang als Hauptstadt ihrer Grafschaft.

Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs, denen auch die alte Burg Tettnang zum Opfer fiel, nutzten die Grafen von
Montfort ab 1629 das Torschloss Tettnang als Residenz. Graf Johann X. von Montfort (1627–1686) ließ ab 1667 auf dem Gelände
vor der Burgruine einen Schlossbau ausführen, das heutige Alte Schloss. In seiner bescheidenen Dimension entsprach es den
wirtschaftlichen Möglichkeiten der Grafen, nicht aber ihrem dynastischen Anspruch, da sie als Nachfahren der Pfalzgrafen von
Tübingen sich als Vertreter eines der vornehmsten Geschlechter Oberschwabens betrachteten und eine Hofhaltung anstrebten, die
einem regierenden Hause angemessen war.

Deshalb wurde unter GrafAnton III. von Montfortzwischen 1712 und 1728 das Neue Schloss als barocke Residenz erbaut. Doch der
Bau riss ein riesiges Loch in die Kasse des Grafen, und nach fünfzehnjähriger Bauzeit ließ er 1728 die Arbeiten einstellen. Nachdem
Graf Anton III. wegen der immensen Schuldenlast von der Regierung abgetreten war, ließ sein Sohn Graf Ernst (1700–1755)
lediglich 1731 die Hofkapelle vollenden. 1753 brannte das halbfertige Schloss bis auf die Erdgeschossgewölbe aus. Graf Franz Xaver
(1722–1780) ließ mit finanzieller Unterstützung aus Österreich das Schloss wiederaufbauen.

Altes Schloss (Tettnang) Neues Schloss


(Tettnang)

1779 oder 1780 wurde die Grafschaft Montfort wegen hoher Schulden – vor allem verursacht durch die Bautätigkeit – an das Haus
Österreich weit unter Wert zwangsverkauft.[7] Damit gingen die letzten Montfortschen Besitzungen Herrschaft Tettnang, Herrschaft
Argen und Rittergut Schomburg verloren. Das Geschlecht erlosch 1787 mit dem Tod seines letzten männlichen Namensträgers, Graf
Anton IV., dem die Habsburger eine kleine Rente ausgesetzt hatten, endgültig.

1810 kam ein Teil der alten Grafschaft Montfort um Langenargen und Tettnang, die nach den napoleonischen Neuordnungen an
Bayern gekommen war, durch Gebietstausch an Württemberg. Nach dem Fall Napoleons und der Auflösung des Königreich
Westphalen verlieh König Friedrich I. von Württemberg seiner Tochter Katharina und ihrem Gatten Jérôme Bonaparte den Titel
Prinzessin und Prinz von Montfort. Diese hielten sich dort aber nie auf, sondern hauptsächlich in
Triest.

Persönlichkeiten
Besonders herausragende Persönlichkeiten aus dem Hause Montfort waren geistliche Herren, insbesondere der St. Galler Abt
Wilhelm I. und der Churer bzw. Konstanzer Bischof Rudolf III., die ihr vergrößertes Machtpotenzial auch in den Dienst der Familie
stellten. Rudolf III. konnte seine Reformen, die er im rechtlichen und finanziellen Bereich im Bistum Konstanz durchführte, mit
Erfolg auch auf die Herrschaft Feldkirch übertragen.

Während die Bregenzer Vettern, sieht man von dem Minnesänger Hugo ab, über eine lokale Bedeutung kaum je hinauskamen, kamen
die Feldkircher Grafen ihren Untertanen mit großzügigen Freiheitsrechten und einer Kodifikation des auf reichsstädtischem Lindauer
Recht beruhenden Stadtrechtes frühzeitig entgegen und ermöglichten demokratische Strukturen, insbesondere auch eine Beteiligung
an politischen Entscheidungsfindungen. So konnte Feldkirch während des Mittelalters Bregenz an Einwohnerzahl, Wirtschaftskraft
und politischer Bedeutung weit überflügeln. Weil aber Feldkirch schon 1390 an Habsburg kam, wurden Bregenz und Tettnang
Hauptsitze der Montforter. Die Familie Montfort war bis ins 18. Jahrhundert neben Habsburg das bedeutendste Hochadelsgeschlecht
der Bodenseeregion.

Wappen
Das Wappen der Montforter orientiert sich am Wappen der
Pfalzgrafen von Tübingen und zeigt eine rote Montfortsche
Kirchenfahne mit drei Hängeln und drei Ringen auf
silbernem Grund. Das gleiche Wappenbild der
Kirchenfahne aber mit anderen Farben findet sich auch bei
den Grafen von Werdenberg und seit 1918 im Wappen des Wappen aus der Zürcher Wappenrolle
österreichischen BundeslandesVorarlberg.

Siehe auch: Liste der Wappen mit dem Emblem der Pfalzgrafen von Tübingen

Wappen der Grafen von Wappen einiger Wappen des


Montfort, Scheiblersches Montforter Seitenlinien Bundeslandes Vorarlberg
Wappenbuch von 1450 an einem Haus in
Werdenberg

Familienangehörige

Linien der Montforter (grafische Übersicht)


Tübingen(?) um 1150
                       

                                 

             

(?) Montfort
                         

um 1200
                                   

                       

(?) Montfort Werdenberg(a)


                   

um 1260 um 1260
                                     

                     

(e)

Feldkirch um 1270– Bregenz


(d)
 

um 1270–1338,
 

Tettnang        

1390, an Habsburg
an Tettnang
1354
                                   
                   

   
Tettnang-          
Tettnang-    

Tettnang 1354 Bregenz(e) 1354


                                         

                       

Tettnang- Tettnang-
Tettnang-Bregenz ältere
Tettnang-Rothenfels(b)  
Tettnang  
Bregenz  

Herrschaft 1379–1451, an
1439 1439–1526, an jüngere
Habsburg
Rothenfels Herrschaft 1379
                                       

                       

Tettnang-
Bregenz-
Bregenz
Tettnang-Rothenfels- Tettnang-Bregenz-
jüngere
Tettnang 1526–1574, an
Beckach(c) 1515
           

Herrschaft
Beckach
1514–1523, an
Habsburg 1543

                                 

                         

Tettnang-Bregenz-
Beckach-Tettnang
(jüngere Tettnanger                        

Linie) 1576–1780, an
Habsburg

nach Nachbaur 2008[8] (strichlierte Linien zeigen Übergang der Besitzungen auf andere
Linien)
(?) zu den älteren Wappen sind keine Farbdarstellungen überliefert.[9]
(a) das ältere Werdenberger Wappen um 1340 (Zürcher Wappenrolle) zeigt noch die
schwarze Fahne in Silber, gold bestickt, vergl. Datei:Pfalzgrafenwappen.jpg; diese Linie, wie
auch die Tübinger Hauptlinie führt in Nebenlinien noch andere Farbvarianten.
(b) noch mit Nebenlinie Montfort-Rothenfels-Wasserburg ab den 1450ern
(c) Montfort-Bregenz-Peggau, nennt sich bis 1524 Montfort-Rothenfels-Pfannberg
(d) die schwarze Fahne in Silber gleicht den Werdenberg-Heiligenberg, sind aber
montfortische Friedensfarben.
(e) nach Arzet 1660/70, mit dem Pelzwerkwappen der Udalrichinger. Dieses könnte auch

untergeschoben sein, möglich ist auch ein silberner Schild, ergänzt um einen Löwen;[10] die
jüngeren Montfort zu Bregenz führten Rot in Silber; vergl. Codex Ingeram 1459, S. 92.

Stammliste

(nach Bilgeri 1971,[11] 1974[12])

Hugo (II. von Tübingen, † 1182),

Rudolf (I. von Tübingen, † 1219)


Hugo I. (III. von Tübingen, † 1228); Gründungsvater der Grafen von Montfort

Rudolf I. (von Montfort bzw. Werdenberg, II. von Tübingen, † 1243) →Werdenberger
Heinrich (III. von Tübingen, I. von Montfort, † 1272); Bischof von Chur, Dominikaner
Friedrich (o.Z.)
Hugo II. († 1257)
Rudolf II. (I. von Feldkirch, † 1302); Graf von Montfort-
Feldkirch → Feldkircher Linie

Hugo IV. († 1310); Graf von Montfort-Feldkirch


Rudolf III. († 1334)[13]
Ulrich II. († 1350)[13]
Ulrich I. († 1287); Graf von Montfort-Bregenz →Bregenzer
Linie

Hugo (o.Z., † 1338)


Hugo III. (I. von Tettnang, † 1309); Graf von Montfort-
Tettnang → Tettnanger Linie
Friedrich I. († 1290); Bischof von Chur
Wilhelm I. († 1301); Fürstabt von St. Gallen

Weitere Familienangehörige
(chronologisch nach Sterbedatum)
Stammbaum der Grafen von Montfort
(um 1575)
Heinrich (1287–1307), Dompropst inChur
Rudolf III. (* um 1260; † 1334), Bischof von Chur und Konstanz
Hugo V. († 1338), Gründer desKollegiatstifts Staufen
Sofia Gräfin von Montfort, Frau des Schweiker Thumb von Neuburg[14]
Wilhelm III. von Montfort-Bregenz († 1373), erwarb die 1359 die
Herrschaft Hohenegg[15]
Wilhelm VII. († 1422)

Elisabeth ∞ (I) Eberhard von Nellenburg, ∞(II) Markgraf Wilhelm von


Hachberg (Hochberg) (Trennung 1436), verkauft 1443 halb Bregenz
an Siegmund von Habsburg zu Tirol
Friedrich II. († 1290, links), Heinrich
Hugo XII. (VIII. von Bregenz, 1357–1423), Dichter, Staatsmann
III. († 1307, Mitte) und Wilhelm I. von
Klara von Montfort, (vor 1412–1449), Äbtissin Damenstift Buchau Montfort († 1301, rechts)
Ulrich VII. von Montfort zu Tettnang († 1520), der letzte Vertreter im
Mannesstamm der Grafen von Montfort-T ettnang
Wolfgang I. von Montfort-Rothenfels(* um 1489; † 1541), Graf von Montfort in Tettnang und Rothenfels sowie Hofrat
und oberösterreichischer Statthalter
Georg III. (Bregenz-Pfannberg, ca. 1475/80–1544), Begründer der steirischen Linie [16]

Sibylle (Montfort-Rothenfels, † 1551), Fürstäbtissin vonEssen


Margarete von Montfort(† 1556), Äbtissin des freiweltlichen Damenstifts Buchau
Ulrich IV. († 1574), Diplomat
Eleonore von Montfort († 1610), Äbtissin des freiweltlichen Damenstifts Buchau
Johann VI., (1557–1619), Reichskammergerichtspräsident
Hugo XVIII. von Montfort(† 1662), regierender Graf der Grafschaft Monfort
Johanna Katharina (1678–1759), Fürstin und Regentin vonHohenzollern-Sigmaringen
Anton III. von Montfort (* 1670; † 1733), Graf zuTettnang und Langenargen
Ernst von Montfort (* 1700; † 1758), Graf zuTettnang und Langenargen
Johann Nepomuk (* 1723; † 1775), Domherr zuKöln und zu Konstanz
Franz Xaver von Montfort(* 1722; † 1780), der letzte regierende Graf aus dem Hause Montfort vor der Übernahme
der Grafschaft durch Österreich
Anton IV. von Montfort (* 1723; † 1787), der letzte Vertreter im Mannesstamm des Adelsgeschlechts Montfort

Siehe auch
Montfortorden
Montfort-l’Amaury (Adelsgeschlecht)
Baron Montfort
Literatur
Martin Leonhard: Montfort, von. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Andreas Arzet: Montfortischer Ceder- oder Stammbaum: Ursprung und Herkommen, Geschichten und T aten, Land
und Leute der Grafen von Montfort. Bearb. von Julian Schulz. Hg. von Stefan Feucht, Elmar L. Kuhn und Alois
Niederstätter. Eggingen 2018 (= Documentasuevica 26), ISBN 3-86142-605-6.
Karl Heinz Burmeister: Montfort. In: Neue Deutsche Biographie(NDB). Band 18, Duncker & Humblot, Berlin 1997,
ISBN 3-428-00199-0, S. 51–54 (Digitalisat).
Karl Heinz Burmeister, Elmar L. Kuhn, Eva Moser u. a.: Die Grafen von Montfort. Geschichte und Kultur .
Friedrichshafen 1982 (Kunst am See 8),ISBN 3-922137-16-4.
Karl Heinz Burmeister:Die Grafen von Montfort. Geschichte, Recht, Kultur . Festgabe zum 60. Geburtstag. Hg. von
Alois Niederstätter. Konstanz 1996 (= Forschungen zur Geschichte Vorarlbergs NF 2), ISBN 3-87940-560-3.
Karl Heinz Burmeister:Graf Hugo VII. von Montfort-Feldkirch-T osters (1300–1359). Raubritter und patriarchalischer
Grundherr. In: Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung.116. Jg. 1998, S. 23–34
(Digitalisat)
Karl Heinz Burmeister:Graf Johann II. von Montfort-Rothenfels (ca. 1490–1547).In: Schriften des Vereins für
Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung.123. Jg. 2005, S. 33–57(Digitalisat)
Alois Niederstätter: Herrschaftliche Raumorganisation im nachmaligen V orarlberg während des Mittelalters. Ein
Überblick. In: Montfort. 4/2009, S. 231–258.
Otto Roller: Die Stammtafel der Grafen von Montfort bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts. In: Mitteilungen der
badischen historischen Kommission.Band 21
Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg.Tübingen 2006, ISBN 3-87407-725-X.
Konrad Vögele: Grafen und Gräfinnen von Montfort im 17. und 18. Jahrhundert. Ihre Beziehung nach Salzburg .
Senn, Tettnang 2010, ISBN 978-3-88812-225-5, S. 146–152.
Ältere Literatur:

Johann Nepomuk von Vanotti: Geschichte der Grafen von Montfort und von W erdenberg. Ein Beitrag zur Geschichte
Schwabens, Graubündens, der Schweiz und V orarlbergs. Belle-Vue bei Konstanz 1845. (Digitalisat in der Google-
Buchsuche).
Sauter: Adelige Geschlechter und Familien in der ehemaligen Grafschaft Montfort.In: Schriften des Vereins für
Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung.10. Jg. 1880, S. 115–116(Digitalisat)
Konrad Roller: Grafen von Montfort und Werdenberg. In: Genealogisches Handbuch der Schweiz.Band 1, Zürich
1900/08, S. 149–187.
Hermann Eggart: Bilder aus der Dynastenzeit der Grafen von Montfort und W erdenberg. In: Schriften des Vereins für
Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung.57. Jg. 1929, S. 117–136(Digitalisat)
Hermann Eggart: Die Bildnismalerei der Grafen von Montfort.In: Schriften des Vereins für Geschichte des
Bodensees und seiner Umgebung.66. Jg. 1939, S. 20–34.(Digitalisat)

Weblinks
Commons: Montfort – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Die Grafen von Montfort. Karl-Heinz Burmeister inVorarlberg-Chronik
Montfort, Grafen von. Alois Niederstätter in Historisches Lexikon Bayerns

Einzelnachweise
1. Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Herrenberg.
2. Hugo I. von Tübingen, Graf von Bregenz und Montfort(https://web.archive.org/web/20110604163652/http://www .ma
nfred-hiebl.de/genealogie-mittelalter/tuebingen_pfalzgrafen_von/hugo_1_von_tuebingen_graf_von_bregenz_montfor
t_+_1234.html) (Memento vom 4. Juni 2011 im Internet Archive), nach Genealogisches Handbuch zur Schweizer
Geschichte, Band I, S. 150, auf genealogie-mittelalter .de
3. Die Söhne des Hermann II.: Hugo XVII. starb inHöchstädt, Georg III. in Bruck an der Mur, Wolfgang II. in Gurk und
Johannes IV. in Salzburg, nur Hermann III. könnte in Bregenz ruhen. AufGeorg III. gehen die Pfannberger, ab 1524
Beckacher (Peggauer) zururück. Angabe nach Karl Heinz Burmeister:Graf Georg III. von Montfort-Bregenz-
Pfannberg (ca. 1475/80 – 1544). Eine biographische Skizze.In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und
Gegenwart Vorarlbergs. Jg. 61, Heft 1, 2009, ISBN 978-3-85430-344-2, Abschnitt Der Verlust von Bregenz. S. 20
(Artikel S. 7–25, Artikel, pdf (http://www.vorarlberg.at/pdf/m091burmeistergeorg.pdf), vorarlberg.at, dort S. 17)
4. Auf den Titel Herr zu Bregenz verzichteten die Montforter erst 1752. Burmeister:Graf Georg III. S. 20.
5. Karl Heinz Burmeister:Graf Georg III. von Montfort-Bregenz-Pfannberg (ca. 1475/80 – 1544). Eine biographische
Skizze. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. Jg. 61, Heft 1, 2009, ISBN 978-
3-85430-344-2, S. 7. (Artikel S. 7–24;Artikel, pdf (http://www.vorarlberg.at/pdf/m084nachbaurlandeswappen.pdf),
vorarlberg.at, S. 4)
6. Roland Weiss: Die Grafen von Montfort-Tettnang im 16. Jahrhundert. Diss. 1992, S. 8
7. Elmar Kuhn: Das Ende der Grafen von Montfort.In: Mark Hengerer / Elmar L. Kuhn (Hg.):Adel im Wandel.
Oberschwaben von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart.Band 1. Ostfildern: Thorbecke, 2006, S. 213-228 ISBN ,
978-3799502160.
8. Ulrich Nachbaur: Das Vorarlberger Landeswappen von 1864. Ein Beitrag zur Staats- und Landessymbolik.In:
Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. Jg. 60, Heft 4, 2008, ISBN 978-3-85430-
343-5, Grafik 4: Das Haus Montfort und seine regierenden Linien (ohne W erdenberg). S. 249. (Artikel, pdf (http://ww
w.vorarlberg.at/pdf/m084nachbaurlandeswappen.pdf), vorarlberg.at, S. 17);
eine ältere Wappentafel der Grafen von Montfort findet sich in: P. Andreas Arzet: Montfortischer Ceder oder
Unverwesner Stammenbaum der Uhralten Hochberühmten Grafen zu Montfort. Konstanz 1660/70; Bayerische
Staatsbibliothek München, cgm 6364 A ( bbildung, jpg (https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Datei:Arti
kel_45751_bilder_value_2_montfort2.jpg)) in: Alois Niederstätter:Montfort, Grafen von (http://www.historisches-lexik
on-bayerns.de/artikel/artikel_45751). In: Historisches Lexikon Bayerns.historisches-lexikon-bayerns.de
9. Nachbaur: Das Vorarlberger Landeswappen. 2008, Rot in Silber – Stammfarben des Hauses Montfort?S. 249f. (pdf
S. 17/18)
10. Angabe Walter P. Liesching: Das Stammwappen der Pfalzgrafen von Tübingen. Bemerkungen zu einer
Wappentradition. In: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte.48, 1989, S. 83–86. Zitiert in Nachbaur
2008, S. 249.
11. Benedikt Bilgeri: Geschichte Vorarlbergs Band 1: Vom freien Rätien zum Staat der Montforter. Graz 1971, ISBN 3-
205-07080-1, S. 146.
12. Benedikt Bilgeri: Geschichte Vorarlbergs. Band 2: Bayern, Habsburg, Schweiz – Selbstbehauptung.Graz 1974,
ISBN 3-205-07081-X, S. 36.
13. Die Grafen von Montfort.(http://apps.vol.at/tools/chronik/viewpage.aspx?viewtype=artikel&id=7&left=suche&top=per
sonenlink&themen=&von=&bis=&link=&gemeinden=&personen=Montfort,Hugo_I._von&special=)
14. G. Bucelin: Rhaetia Stemmatographica.S. 409.
15. Hohenegg, Herrschaft.(http://www.historisches-lexikon-bayerns.de/artikel/artikel_45715) In: Historisches Lexikon
Bayerns.
16. Karl Heinz Burmeister:Graf Georg III. von Montfort-Bregenz-Pfannberg (ca. 1475/80 – 1544). Eine biographische
Skizze. In: Montfort. Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs. Jg. 61, Heft 1, 2009, ISBN 978-
3-85430-344-2, Abschnitt Der Verlust von Bregenz. S. 20 (Artikel S. 7–25,Artikel, pdf (http://www.vorarlberg.at/pdf/m
091burmeistergeorg.pdf), vorarlberg.at, dort S. 17)

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