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1.

Beschreibung der Hospitationsstelle

Während meiner Ausbildung als Podologin habe ich mehrere Wochen Praktikum in der
Fußambulanz Remigius Krankenhaus in Opladen absolviert und dort wurde meine Interesse zum
Wundexperten geweckt.
Das Remigius Krankenhaus ist nach St. Remigius benannt und 1891 gegründet worden.
Es gibt verschiedene medizinische Abteilungen, eine davon ist die Subabteilung für Diabetologie.
Dieser Bereich beinhaltet 21 Betten.
An die diabetologische Abteilung ist eine KV- Ermächtigungsambulanz angegliedert mit ca. 2300
Patientenkontakten, ambulant oder auch stationär.
Die Fußambulanz wird vom Oberarzt Dr. Mauckner (innere Medizin, Diabetologie) geleitet.
Er wird durch eine Oberärztin, Assistenzärztin, Assistenzarzt/Ärztin in Ausbildung,
Diabetesberaterin, Diabetesassistentin, fünf Wundassistenten und auch einer Sekretärin unterstützt.
Die Fußambulanz ist Montags bis Freitags von 07:00 -17:00 geöffnet. Telefonisch kann man
Termine im Sekretariat vereinbaren. Auf Grund der vielen Patienten soll man sich auf längere
Wartezeiten einstellen.
Dr. Mauckner ist auch mit involviert in dem Fußnetzwerk Köln – Leverkusen, dass von Dr. Engels
(Chirurg), Dr. Hochlenert ( Diabetologe ) indiziert wurde um die interdisziplinäre Zusammenarbeit
zwischen den einzelnen diabetologische Praxen, Pflegediensten und Podologen zu verbessern. Das
Fußnetzwerk CID GmbH bietet oft Seminare, Weiterbildungen an. (siehe Anhang)
Außerdem kooperiert die Fußambulanz mit zwei Schwerpunktpraxen in Leverkusen.
Es werden Therapiebehandlungen bei dem diabetischen Fußsyndrom entwickelt.
Auch arbeitet die Fußambulanz eng mit mit der Gefäßabteilung im Remigius Krankenhaus
zusammen, den viele Diabetiker leiden an einer pAVK und um positive Ergebnisse bei der
Wundheilung zu erreichen ist eine Gefäßdiagnostik erforderlich.

2. Fallbearbeitung (Hauptteil)

2.1 Vorinformationen

Während meiner zwei tägigen Hospitation in der Einrichtung wurden mir mehrere Patienten

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vorgestellt. Die Auswahl an Patienten war enorm und eine Entscheidung zu treffen war nicht leicht.
Erst nach reichlicher Überlegung habe ich mich entschieden. Auf Grund der Anamnese habe ich den
Patienten Herr D. für meine Wunddokumentation ausgesucht.
Herr D. Ist 79 Jahre alt. Er lebt mit seiner Ehefrau seit fast 50 Jahren in einer drei Zimmer Wohnung
in der Nähe von Leverkusen.
Der Patient hat mehrere Erkrankungen :
– links führende kardiale Dekompensation bei NSTEMI
– Niereninsuffizienz Stadium IV
– COPD Stadium III und
– Diabetes mellitus Typ II
Medikation:
Plavix 75mg, Torasemid 10mg, ASS 100mg, Bisoprolol 2,5 mg, Valsartan40 mg, Simvastatin 10
mg, Allopurinol 100 mg, Xipamid 20 mg, Bicanorm 500, Ultibro, Lantus 16IE, Novorapid nach
Plan.
Auf Grund seiner Erkrankungen ist seine Mobilität sehr eingeschränkt. Aber sein langjähriges
Hobby kann er weiter nachgehen da dieses ihn nicht überfordert. Mit Leidenschaft überarbeitet er
alte Fotografien und digitalisiert sie.
Im Haushalt hilft er beim Kartoffeln schälen seiner Frau, die im Jahr 2000 einen Schlaganfall
erlitten hat und somit einseitig gelähmt und auch eingeschränkt ist.
Unterstützt wird das Ehepaar von der ältesten aller drei Töchter. Diese arbeitet im Familienbetrieb
ihres Mannes und kann sich die Zeit so einteilen das sie jeden Morgen das Frühstück vorbereitet.
Sie begleitet ihren Vater zu allen Terminen. Außerdem möchte sie in naher Zukunft einen
Behindertenausweis beantragen.
Die Familie hat viele Freunde und in regelmäßigen Abständen treffen sie sich mit ihnen.
Herr D. Ist 1.76 m groß und 94 kg schwer. Obwohl der Patient Übergewicht hat, ernährt er sich
gesund. Morgens isst er Vollkornbrot oder Schwarzbrot mit fettarmer Wurst oder Käse.
Fertigprodukte werden nicht konsumiert. Es wird jeden Tag frisch gekocht und zum Nachtisch gibt
es entweder Obst oder Naturjoghurt.
Das Übergewicht ist sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen, da Herr D. kaum Mobil ist und aus
diesem Grund weniger Energie verbraucht.
Für ihn und für den behandelnden Arzt ist es wichtig, dass der Ulcus am Schienbein bald abheilt um
maßgefertigte Kompressionsstrümpfe zu beantragen. Sie sind verschreibungspflichtig und stehen
den Patienten alle sechs Monate zu.

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Man erhofft sich , dass die Schwellungen an den Unterschenkeln und Sprunggelenken weniger
werden, sich die Mobilität von Herrn D. verbessert und es dadurch zu einer Gewichtsreduktion
kommt.
Am linken Schienbein hat er eine oberflächliche Läsion, die vor ca. sieben Monaten durch stoßen
an der Treppenkante im Flur seines Hauses entstanden ist. Zuerst ist eine Blase entstanden, die nach
einer Zeit aufgegangen ist und zu einem Ulcus wurde. Der Patient wurde mehrere Monate vom
Hausarzt behandelt, leider ohne Erfolg. Auf Grund seiner Krankheiten wurde er im Remigius
Krankenhaus aufgenommen und am 14.11.17 wurde die Wunde am Schienbein behandelt. Zu
diesem Zeitpunkt war die Läsion 6x3cm groß. Am 20.12.17 ist die Läsion kleiner geworden, ca. 3,5
cm lang, 2,4 cm breit und weniger als 0,5 mm tief.
Da die Wunde kleiner geworden ist, wird noch mit der VAC Therapie abgewartet, die am Anfang
der Behandlung in der Fußambulanz geplant war. Dies wurde geplant da der Ulcus an einer
ungünstigen Stelle liegt.
Der Wundrand ist gut begrenzt mit beginnend Epithelisation. Der Wundgrund fängt an zu
granulieren, besteht aber an einzelnen Stellen aus Fibrin. Die Wunde ist geruchslos und weist nur
ein wenig Exsudat auf. Da das Wundbett etwas feucht ist, ist ein wenig Exsudat beim wechsel der
Wundauflage zu sehen.Taschenbildungen sind nicht vorhanden.
Das Ergebnis des Abstrich Test war negativ und auch Infektionszeichen sind nicht zu sehen. Die
Wundumgebung ist etwas trocken, daher sollte die Haut auch regelmäßig gepflegt werden.Es
bestehen keine Ödeme und auch keine weiteren Blasenbildungen.

2.2. Therapieplan

2.2.1. Erläuterung des vorgefundenen Therapieplans

Die Wundassistentin delegierte mich den Wundverband zu entfernen. Auf dem Verband war kaum
Exsudat vorhanden. Die Wunde habe ich mit einer befeuchteten (Octenisept) sterilen
Fließkompresse und mit einer weiteren befeuchteten Kompresse ( Octenisept ), die Wundumgebung
gesäubert.
Bei Befragung des Patienten auf Grund der Numerus Rating Skala (NRS), stufte er selber die
Schmerzen als mäßig ein ( 1-2) und aus diesem Grund bestand keine Notwendigkeit für die
Anwendung der Emla – Salbe.

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Das chirurgische Debridement wurde von der Wundassistentin durchgeführt. Mit dem Skalpell
wurden Restbelege und Fibrin entfernt. Der Wundgrund wurde mit dem Skalpell angeraut um das
Granulationsgewebe zu fördern. Der epithelisierende Wundrand wurde von der chirurgischen
Wundreinigung ausgeschlossen. Nach der Reinigung wurde die Wundumgebung ein zweites Mal
mit einer angefeuchteten (Octenisept) Kompresse desinfiziert.
Als primär Verband wurde Silvercel und für den sekundären Verband eine Saugkompresse, Mull
TG, Pütter und Fixomull, verwendet.
Um eventuelle Infektionen vorzubeugen hat man Silvercl ausgesucht und es ermöglicht einen
atraumatischen Verbandwechsel. Obwohl die Wunde wenig Exsudat abgibt wurde eine
Saugkompresse angebracht. Sie soll die Wunde vor äußeren und traumatischen Einflüssen schützen.
Damit sie nicht verrutscht hat man sie mit Fixomull fixiert.
Anschließend wurde ein Kompressionsverband (Pütter) angelegt, um den Rückstau von Blut aus
den tiefen Beinvenen zu unterstützen.
Kontraindikationen sind nicht zu befürchten, außer, dass die silberhaltige Wundauflage nicht den
erwünschten heilenden Effekt erzielt und dadurch zu hohe Kosten entstehen.

2.2.2. Eigene Einschätzung/alternative Vorschläge

Die Auswahl der Wundauflage ist meiner Meinung nach in Ordnung. Da diese präventiv gegen
Infektionen schützen soll, Schutz vor Verletzungen und auch als Kompression dient.
Alternativ zu der Wundauflage könnte man Biatain Schaumverband selbst-haftend nehmen oder
auch andere. Dieser hat die Eigenschaft mäßig bis starken Exsudat aufzunehmen.
Das Wundsekret wird von dem Polyurethanschaum aufgenommen, weitergeleitet, gespeichert und
bietet Schutz vor Feuchtigkeit und Keime.
Der Verband besteht aus einem nicht -haftenden Schaumverband und aus einem Hypoallergenen
angenehmen Rand auf Hydrokolloidbasis.
Er ist weich und einfach anzubringen. Eignet sich besonders gut bei Wunden die an einer
ungünstigen Stelle am Körper liegen. Die Patienten können sich mit diesem Verband besser
bewegen.
Vom Preis her gibt es keine wesentliche Unterschiede.
Für den Polyurethan Schaum hätte ich mich entschieden, weil er hautfreundlich selbst- haftend und
angenehm zu tragen ist.

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2.2.3 Begleittherapie

Laut Aussage des Patienten ernährt er sich Gesund und Ausgewogen. Auf Grund seiner
Primärerkrankung ist er kaum mobil.
Meiner Meinung nach sollte die Ernährungszufuhr reduziert werden. Damit er eine
Gewichtsreduktion erzielen kann wäre ratsam einen Ernährungsplan mit Hilfe einer
Ernährungsberaterin zu erstellen.
Bei der Flüssigkeitsaufnahme ist es schwierig ihm zu empfehlen wie viel er Flüssigkeit zu sich
nehmen soll. Hier gilt eine sorgfältige Nutzen-Risiko Abwägung.
Seine Haut ist etwas trocken und deshalb ist es wichtig sie täglich einzucremen.
Für die Wundumgebung kann man die Mirfulan Wund- Heilsalbe anwenden. Sie wirkt bei
subakuten Hautschäden, Juckreiz und Rötung. Da die Wunde nicht infiziert ist, kann man die
Wundumgebung mit Mirfulan pflegen. Regelmäßig soll auch das Bein eingecremt werden, dass
keine Wunde aufweist. Hier kann man mit einem Urea 10% Produkt (z.B. Allpresan) pflegen.
Empfehlenswert ist auch die Coloplast Schutzcreme. Sie ist wasserabweisend und erhält den pH-
Haushalt der Haut. Bietet Schutz vor Austrocknung und Infektionen.
Kompressionsstrümpfe sind auch für die Begleittherapie bedeutend.
Auf ärztlicher Anordnung wird entweder weiter gewickelt (Pütter) oder es erfolgt eine
Kompressionstherapie (Strümpfe nach Maßanfertigung).

2.3 Ausblick

Bezüglich der Erkrankungen des Patienten ist eine Verbesserung nicht zu erwarten. Bemerkenswert
ist, dass er trotz der Beschwerden positiv in die Zukunft blickt. Er freut sich für jeden Tag den er zu
Hause mit seiner Frau verbringen kann.
Der Ulcus heilt ab, sodass er bald Kompressionsstrümpfe tragen kann. Dadurch erhofft er sich, dass
die Ödeme an den Beinen, die hauptsächlich spät am Mittag auftreten, wieder zurückgehen.
Relevant ist auch für ihn die Hautpflege um das Austrocknen der Haut zu vermeiden.
Er hat sich sehr gefreut das die VAC Therapie nicht notwendig war, denn jeder
Krankenhausaufenthalt ist eine zusätzliche Belastung für ihn.
Abschließend lässt sich sagen, dass die Behandlung in der Fußambulanz erfolgreich gewesen ist.

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3. Evalutation

Vor meiner Ausbildung als Podologin hatte ich wenig Vorstellung über chronische Wunden und
deren Bedeutung.Während meiner Hospitation in der Fußambulanz habe ich mehr Verständnis dafür
entwickelt. Mein Wissen für chronische Wunden und Wundauflagen wurde während des
Wundexperten ICW Seminars erweitert, aber es besteht noch Bedarf mein Wissen weiter zu
vertiefen. Diese möchte ich in Weiterbildungen erlangen.
Im Rahmen des Wundexperten Seminars wurden verschiedene Themen angesprochen. Besonders
haben mich die Themen Dekubitus, chronische Schmerzen, Soziales Umfällt und Ernährung
interessiert. Bis zu diesem Zeitpunkt war mir nicht Bewusst, wie bedeutend diese Themen für
Patienten mit chronischen Wunden sind.
Ein weiteres Thema das für uns als Podologen relevant ist, ist die Schuhversorgung. Sehr oft sind
enge, zu kleine Schuhe ein Grund für Clavi und Callositas Bildung. Bei Diabetikern können fatale
Folgen auftreten.
Es gab auch Bereiche, wie Dokumentation und EDV, in dem Wundexperten Seminar die mich
persönlich weniger angesprochen haben, die aber genauso wichtig sind.
Dokumentation hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Mit einer
vollständigen Dokumentation kann man jederzeit dem Patienten und den Behörden eine
umfangreiche Auskunft erteilen.
EDV ermöglicht eine Vereinfachung der Aufbewahrung der Daten und Informationen von
Patienten. Um auch mit den verschiedenen Programmen umgehen zu können, sind Schulungen
erforderlich.
Meine Fähigkeiten in EDV sollten verbesser werden. Diesbezüglich beabsichtige ich in der Nahen
Zukunft entsprechende Kurse zu belegen.

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3.1. Literaturverzeichnis

Bücherquellen:
Bernd v. Hallern, Kompendium Wundbehandlung, 18. Auflage 2012

Broschüren quellen:
Ein Gespür für Innovation, Coloplast GmbH

Zeitungsquellen:
Wundmanagment,8. Jahrgang, April 2014, Verlag GmbH mhp

Internetquellen:
https:/www.arzt-auskunft.de/arzt/innere-medizin/.../dr-peter-mauckner-2861789
https:/www.klusgruppe.de/medizin-und...in...remigius-krankenhaus...portrait
https://www.kplusgruppe.de/.../Curriculum-SRK-Innere-Diabetologie-Abteilungsstruktur
cid-direct.de/blog/schlagwort/netzwerk-diabetischer-fuss-koeln-und-umgebung-e-v/.

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Erläuterung

1 ) Callositas: Oberflächliche glatte Verhornung.

2 )Clavus: Verhornte Haut (Hühnerauge), entsteht durch Druck und Reibung auf knochennaher
Haut.
3 ) Debredement: Wundreinigung

4 ) Epithelisation: überwachsen einer Wunde mit Epithelzellen

5 ) Exsudat: entzündliche bedingte Absonderung bei derWunde

6 ) Fibrin: ein ,,Klebstoff“ der Blutgerinnung

7 ) Granulation: Bildung von Bindegewebe während der Wundheilung

8 ) Läsion: Oberflächliche Wunde.

9 ) Octenisept: ist ein Antiseptikum.

10 ) Ödem: Gewebeflüssigkeit ( Schwellung).

11 ) Subakut: Gemäßigter Verlauf von Kranheitsprozessen.

12 ) Ulcus: Geschwür ( Wunde ).

13 ) VAC- Therapie: Erzeugung von Unterdruck. Bildung von Granulationsgewebe wird gefördert.

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