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Ausbildung & Beruf

Rechte und Pflichten während der Berufsausbildung


Vorwort

Schon die Vielfalt ist beeindruckend: Mehr als


320 Ausbildungsberufe stehen zur Auswahl. Sie
bieten beste Bedingungen für einen gelungenen
Start ins Berufsleben und für beruflichen Erfolg.

Gerade in einer Arbeitswelt im Wandel ist die


Nähe zur Praxis ein großer Vorteil der dualen
Ausbildung. Mit der Novellierung des Berufs-
bildungsgesetzes zum 1. Januar 2020 haben wir
sie noch attraktiver gemacht: zum Beispiel durch
die neue Mindestvergütung oder durch flexible
Möglichkeiten der Berufsausbildung in Teilzeit.

Wer möchte, startet nach der Ausbildung weiter durch. Meistertitel, Selbständigkeit,
Aufstieg in Führungspositionen – die höherqualifizierende Berufsbildung ebnet
den Weg. Zu den Abschlüssen der Hochschule ist sie gleichwertig. Der Meister geht
jetzt zum Beispiel mit einem Bachelor Professional einher. Auch dadurch bieten
sich hervorragende Karrierechancen.

Und die Aussichten sind weiterhin sehr gut. Fachkräfte werden händeringend
gesucht. Wer einen Ausbildungsabschluss hat, ist also gefragt. Deutschland hat die
niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. Das verdanken wir
der dualen Berufsausbildung. Sie ist ein Markenzeichen unseres Landes. Sie ist ein
Fundament unserer Wirtschaftskraft und unseres Wohlstands. Auch in Krisenzeiten
zeigt sie ihre Stärke und Beständigkeit.

Diese Broschüre bietet Auszubildenden, Schülerinnen und Schülern, Ausbildenden,


Ausbildungsberatern und -beraterinnen, Lehrkräften und Eltern Orientierung.
Allen jungen Menschen, die sich für eine Berufsausbildung entscheiden, wünsche
ich viel Erfolg!

Anja Karliczek
Mitglied des Deutschen Bundestages
Bundesministerin für Bildung und Forschung
 1

Inhaltsverzeichnis
Eine duale Berufsausbildung –
der perfekte Start in ein erfolgreiches Berufsleben 4

I  Vor der Berufsausbildung 7


1 Übergang von der Schule in die Berufsausbildung:
Berufs­orientierung und Berufsausbildungs­vorbereitung 7
2 Anerkannte Ausbildungsberufe und Ausbildungsordnungen 10
3 Wann ist eine Teilzeitberufsausbildung möglich? 14
4 Duales Studium oder Abiturientenprogramm als Alternativen 16
5 Was ist eine Verbundausbildung? 17
6 Welche Möglichkeiten einer Berufsausbildung gibt es für Menschen
mit Behinderung? 18
7 Berufsausbildung als Teil des lebenslangen Lernens 20

II Der Berufsausbildungsvertrag –
Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis 21
1 Was muss im Ausbildungsvertrag stehen? 21
2 Die Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse 25
3 Verhalten im Betrieb – was können Betriebe von Auszubildenden verlangen? 26
4 Wer zahlt für Ausbildungs- und Prüfungsmittel? 28
5 Berufsschulunterricht und überbetriebliche Ausbildung –
wann und wie lange müssen Auszubildende vom Betrieb freigestellt werden? 29
6 Wofür muss ein Ausbildungsnachweis geführt werden? 31
2 AUSBILDUNG & BERUF

III Während der Berufsausbildung 32


1 Verkürzung, Anrechnung – schneller zum Erfolg 32
2 Wie lang ist die Probezeit? 34
3 Wie viel verdienen Auszubildende? 34
4 Welche Arbeitszeiten gelten für Auszubildende? 39
5 Wie viel Urlaub steht Auszubildenden zu? 40
6 Während der Berufsausbildung ins Ausland – geht das? 41
7 Probleme während der Ausbildung – an wen können sich Auszubildende wenden? 43

IV Beendigung des Ausbildungsverhältnisses 45


1 Wann endet die Ausbildungszeit? 45
2 Wann und warum darf gekündigt werden? 46
3 Wechsel des Ausbildungsbetriebes während der Ausbildung 47

V Die Abschlussprüfung 49
1 Zwischenprüfung, Abschlussprüfung – was steckt dahinter? 50
2 Die „gestreckte“ Abschlussprüfung 51
3 Was sind die Voraussetzungen für die Prüfungszulassung? 51
4 Freistellung für die Prüfung durch die Ausbildenden 52
5 Wie läuft die Prüfung ab? 53
6 Das Prüfungszeugnis 54
7 Kann die Abschlussprüfung wiederholt werden? 54

VI Nach der Ausbildung – wie geht es weiter? 55


1 Weiterbeschäftigung nach der Berufsausbildung 55
2 Fortbildung – der Weg zu höherem Einkommen, mehr Verant­wortung
und neuen Herausforderungen 56
3 Höherqualifizierende Berufsbildung – Bachelor Professional und
Master Professional – der Karriereturbo 57
4 Förderung beruflicher Fort- und Weiterbildung 60
INHALTSVERZEICHNIS 3

Anhang A: Rechtsgrundlagen 66
1 Berufsbildungsgesetz 66
2 Handwerksordnung 124
3 Jugendarbeitsschutzgesetz 216
4 Ausbilder-Eignungsverordnung 247

Anhang B: Service 254


1 Ausbildungsvertragsmuster 254
2 Musterprüfungsordnung für die Durchführung von
Abschluss- und Umschulungsprüfungen 275
3 Musterprüfungsordnung für Fortbildungsprüfungen 296
4 Serviceinformationen –
Informationsquellen zur beruflichen Bildung im Internet 313
5 Abkürzungsverzeichnis 314
6 Schlagwortregister 315

Impressum 321
4 AUSBILDUNG & BERUF

Eine duale Berufsausbildung – der perfekte


Start in ein erfolgreiches Berufsleben

Berufsausbildungen gibt es in Deutschland in verschiedenen Formen:

Einige Berufe erlernt man typischerweise als „Vollzeitschüler“. Hierzu gehören viele
Berufe im Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen. Häufig lernt man die Praxis
dann in verpflichtenden Praktika kennen.

Die meisten Berufe in Deutschland werden demgegenüber „dual“ erlernt. Rund eine
halbe Million Menschen startet jedes Jahr mit einer solchen dualen Berufsausbildung
im Handel, in der Industrie, im Handwerk, in der Landwirtschaft, den freien Berufen
oder dem öffentlichen Dienst ins Berufsleben. Auf diese Form der Ausbildung sind
wir in Deutschland besonders stolz. Über 70 Prozent der Absolventinnen und Absol­
venten werden jedes Jahr in dem Betrieb übernommen, in dem sie ihre Ausbildung
erfolgreich abgeschlossen haben.

Das Besondere an einer solchen dualen Ausbildung ist, dass man sofort mit Ausbil-
dungsbeginn zum Ausbildungsbetrieb gehört. Man ist als Auszubildende oder Auszu-
bildender bereits Teil eines Unternehmens. Man unterschreibt einen Ausbildungsver-
trag und hat Anspruch auf eine Ausbildungsvergütung.

Zwei Drittel einer dualen Ausbildung finden in der Praxis, und damit überwiegend
oder vollständig im Betrieb, statt. Für diese zwei Drittel bestimmt der Bund die
Regeln mit dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Auch die Ausbildungs- und Prüfungs-
inhalte werden durch den Bund in sog. Ausbildungsordnungen und Ausbildungs-
rahmenplänen in einem gemeinsamen Verfahren mit Branchen und Arbeitnehmer-
organisationen festge­legt. Dies stellt sicher: Eine duale Ausbildung folgt in ganz
Deutschland den gleichen Regeln. Man erwirbt mit ihr eine umfassende Qualifika-
tion, die in der Wirtschaft auch gebraucht wird.

Auch Auszubildende in einer solchen betrieblichen Ausbildung gehen in die Schule.


Ungefähr ein Drittel ihrer Ausbildungszeit haben sie Unterricht in der von den
Ländern organisierten Teilzeitberufsschule. Hier können insbesondere die praktisch
erlernten Inhalte noch einmal strukturiert und begleitet werden. Die Abschluss-
prüfungen bei den zuständigen Stellen folgen dann wieder alleine Bundesrecht, und
damit deutschlandweit denselben Standards und Regeln.
EINE DUALE BERUFSAUSBILDUNG –  5
DER PERFEKTE START IN EIN ERFOLGREICHES BERUFSLEBEN

Für alle, die sich für eine solche duale Ausbildung interessieren, sich schon für sie
entschieden haben oder sogar nach deren Abschluss über die nächsten Schritte nach-
denken, stellt diese Broschüre die wichtigsten Informationen zusammen. Auch für
Lehrkräfte an Berufsschulen, Ausbildende und Eltern soll sie eine wertvolle Unter-
stützung sein. Sie hilft dabei, Ansprechpersonen für konkrete Anliegen zu finden.
Sie enthält zusätzlich die wichtigsten Rechtsgrundlagen für eine duale Ausbildung
in Deutschland.

Berufsbildung in Zahlen:

92,7
Mehr als

730.000 junge
Menschen starteten im Jahr 2019
Prozent
der Abschlussprüflinge haben im
Jahr 2018 ihre Abschluss­prüfung
eine Berufsausbildung, davon erfolgreich abgelegt, davon
entschieden sich mehr als 92 Prozent direkt im ersten
525.000 Anfängerinnen und Versuch.
Anfänger für eine Berufsausbildung
im dualen System.

 ie Übernahmequote nach
D
erfolgreichem Abschluss
der dualen Berufsausbildung
liegt bei über
150.000
Fortbildungsinteressierte begannen

70
im Jahre 2018 ihren beruflichen
Prozent. Aufstieg mit einer höher­
qualifizierenden Berufsbildung.
6 AUSBILDUNG & BERUF

Welche Formen der Ausbildung gibt es? (vereinfachte Darstellung)

Master Professional Master

Bachelor Professional Bachelor Bachelor

Geprüfte/r Berufsspezialist/in

Höherqualifizierende
Berufsbildung

Vollzeit- Duale
Berufsschulen Berufsausbildung Duales Studium Hochschulbildung
2–3,5 Jahre 2–3,5 Jahre

Teilzeit-
Betrieb Hochschule Betrieb
Berufsschule

Berufsausbildungsvorbereitung

Allgemeine Schulbildung

Es gibt in unserem Bildungssystem über diese grundsätzliche Einteilung hinaus viele


Möglichkeiten des Übergangs sowohl innerhalb der beruflichen Bildung als auch
zwischen der beruflichen und der Hochschulbildung, die ganz individuelle Bildungs-
wege zulassen.
I  Vor der Berufsausbildung

1 Übergang von der Schule in die Berufsausbildung:


Berufs­orientierung und Berufsausbildungs­vorbereitung

Der Übergang von der Schule in den Beruf ist ein entscheidender Schritt im Leben
junger Menschen. Oft haben Jugendliche zwar viele Interessen, aber noch keine
Idee, was sie einmal werden wollen. Deshalb ist es gut, dass es Stellen gibt, an denen
Berufsorientierung angeboten wird. Dorthin kann man sich wenden, wenn die Zeit
für die Berufswahl gekommen ist und man eine Entscheidungshilfe braucht.

Die Arbeitsagenturen bieten Kurse oder individuelle Beratungen zur Berufsorien-


tierung an. Berufsorientierung findet aber auch schon in der Schule statt. Mit dem
Berufsorientierungsprogramm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
(BMBF) können Schülerinnen und Schüler in verschiedene Berufsfelder hinein-
schnuppern und ihre Talente ausprobieren. Durch Potenzialanalysen erfahren sie, wo
ihre Stärken liegen und was ihre Fähigkeiten sind. Durch Werkstatttage haben sie die
Möglichkeit, vor Ort praktische Erfahrungen in verschiedenen Berufsfeldern zu sam-
meln. Schüler­innen und Schüler sollten sich daher erkundigen, ob es das Programm
auch an ihrer Schule gibt.
8 AUSBILDUNG & BERUF

Weiterführende Informationen im Internet:

Informationen zum Berufsorientierungsprogramm des BMBF gibt es unter


berufsorientierungsprogramm.de

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hält zahlreiche Informationen


zur Berufsberatung, Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung bereit.
Eine Übersicht findet sich unter folgendem Link:
bmas.de > Themen > Aus-und-Weiterbildung > Ausbildungsförderung >
Berufsberatung, Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung

Die Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule und Berufs­


beratung zwischen der Kultusministerkonferenz (KMK) und der Bundesagentur
für Arbeit findet sich als PDF-Datei auf der Homepage der KMK unter kmk.org

D
 ie Internetseite der Bundesagentur für Arbeit bietet unter berufenet.de eine
Übersicht über alle Ausbildungsberufe und unter planet-beruf.de/schuelerinnen
weitere Informationen zum Start in die Ausbildung.

W
 eitere Informationen zum Übergang finden sich auf der Webseite der Fachstelle
„Übergänge in Ausbildung und Beruf“ (überaus) unter ueberaus.de/­grundlagen-
berufsorientierung

Nicht alle Jugendlichen finden nach der Schule sofort problemlos einen Ausbildungs-
platz. Einige von ihnen beginnen zunächst eine Maßnahme oder ein Programm im
sog. „Übergangsbereich“. Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre, die zwar die
Schule beendet haben, aber noch ohne Ausbildung sind, sollen hiermit fit für eine
Ausbildung gemacht werden und im Idealfall unmittelbar in ein Ausbildungsver­
hältnis übergehen.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 9

• Mit der Berufseinstiegsbegleitung werden leistungsschwächere Schülerinnen und


Schüler ab der Vorabgangsklasse bis zum ersten halben Jahr der Berufsausbildung
oder bis zu maximal 24 Monate nach Schulende beim Übergang von der Schule in
die Berufsausbildung begleitet. Die Berufseinstiegsbegleiterinnen und Berufsein-
stiegsbegleiter helfen bei Bewerbungsunterlagen, bei der Vermittlung in Praktika,
bei der Berufsorientierung und bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
• Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen von Berufsschulen oder Bildungs­
trägern geben förderungsberechtigten jungen Menschen Einblicke in verschiedene
Berufsfelder und vermitteln Inhalte des ersten Ausbildungsjahres. Teilnehmende
können dabei auch ihren Schulabschluss nachholen.
• Eine Einstiegsqualifizierung (EQ) ist ein betriebliches Praktikum, das Jugend­liche
und junge Erwachsene auf eine Ausbildung im gewünschten Beruf vor­bereiten
soll. Es dauert zwischen sechs und zwölf Monaten. Sie können im Betrieb zeigen,
was sie können, und gleichzeitig ausprobieren, ob der gewünschte Beruf ihnen
gefällt und zu ihnen passt.
Die Praktika werden von den Arbeitsagenturen und Jobcentern finanziell ge-
fördert. Die Teilnehmenden erhalten eine Vergütung und bei erfolgreichem
Abschluss ein Zertifikat. Bei Übernahme in ein Ausbildungsverhältnis kann die
Einstiegsqualifi­zierung auf die Ausbildungsdauer angerechnet werden.

Diese Maßnahmen werden von den Arbeitsagenturen finanziell gefördert. Berufs­


beraterinnen und Berufsberater stehen mit Rat und Tat zur Seite.

Weiterführende Informationen im Internet:

bmas.de > Themen > Aus-und-Weiterbildung > Ausbildungs­förderung >


Leistungen zur Ausbildungsförderung

F
 ür Informationen zur betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ) kann der Flyer
„Brücke in die Berufsausbildung“ der Bundes­agentur für Arbeit unter arbeitsagentur.de
heruntergeladen werden.
10 AUSBILDUNG & BERUF

2 Anerkannte Ausbildungsberufe und Ausbildungsordnungen

Das Wichtigste vorab:

§§ 4, 5 BBiG

 A usbildungsberufe in der dualen Berufsausbildung werden staatlich anerkannt.


Für jeden Ausbildungsberuf gibt es eine Ausbildungsordnung.
 D ie Ausbildungsordnung legt fest, was Auszubildenden zum Erwerb der vollen
beruflichen Handlungsfähigkeit vermittelt werden muss.
 D as vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) herausgegebene „Verzeichnis
der anerkannten Ausbildungsberufe“ enthält mehr als 320 verschiedene
Ausbildungs­berufe.
 J ugendliche unter 18 Jahren dürfen nur in staatlich anerkannten Ausbildungs­
berufen ausgebildet werden. Erwachsene können im Rahmen der Vertragsfreiheit
auch in anderen Berufen ausgebildet werden. Wird jedoch ein Abschluss in einem
staatlich anerkannten Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz oder
der Handwerksordnung angestrebt, so gilt auch hierfür wieder die dem ­Beruf
zugrundeliegende Ausbildungsordnung.

Die duale Berufsausbildung ist in Deutschland die häufigste Form der Berufsausbil-
dung. Das deutsche System der dualen Berufsausbildung ist weltweit anerkannt und
zum Vorbild für andere Länder geworden.

Was ist nun das Besondere an der dualen Berufsausbildung? Es ist die Kombination
aus Theorie in der Berufsschule und Praxis im Betrieb. Durch die große Praxisnähe
erwerben Auszubildende früh Berufserfahrung und haben bessere Chancen auf dem
Arbeitsmarkt. Attraktive Aufstiegsmöglichkeiten schließen sich an.

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) und die Handwerksordnung (HwO) enthalten die


gesetzlichen Regelungen für den betrieblichen Teil der dualen Berufsausbildung.
Grundlage für die Berufsausbildung im Betrieb sind Ausbildungsordnungen, die vom
Bund für jeden einzelnen Ausbildungsberuf erlassen werden. Diese Ausbildungs-
ordnungen beschreiben den jeweiligen Ausbildungsberuf und legen die hierfür zu
erwerbenden Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten für alle verbindlich fest.
Sie führen zu bundesweit anerkannten Berufsabschlüssen.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 11

Lernorte der dualen Berufsausbildung

Duale Berufsausbildung bedeutet Lernen an zwei Orten: im Betrieb und in der Berufs­
schule. Berufs­schule findet in der Regel an ein bis zwei Tagen in der Woche statt oder
aber in mehrwöchigem Blockunterricht. Die übrige Zeit erfolgt die Ausbildung im Betrieb.

Für den Unterricht an den Berufsschulen sind die Bundesländer zuständig. Sie erlas-
sen inhaltlich und zeitlich mit der Ausbildungsordnung abgestimmte Rahmenlehr-
pläne für den Berufsschulunterricht.

Berufsschulunterricht findet normalerweise an ein bis zwei Tagen pro Woche statt,
bei einigen Ausbildungen auch in Blockform: Hier sind Auszubildende für einige
Wochen am Stück in der Schule und dann wieder im Ausbildungsbetrieb.

Anerkannte Ausbildungsberufe gibt es in unterschiedlichster Ausgestaltung, von


Fluggeräteelektroniker/in über Sport- und Fitnesskaufmann/frau bis zu Pferde-
wirt/in. Im Jahr 2019 gab es in Deutschland 326 anerkannte oder als anerkannt
geltende Ausbildungsberufe.

Gut zu wissen:

Einen Überblick bietet das „Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe“,


das vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) geführt und jährlich veröffentlicht
wird. Es kann bei der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit (BA) oder bei der
zuständigen Stelle eingesehen werden und steht auch als Download auf der Website
des BIBB zur Verfügung. Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe kann
auf der Homepage des BIBB (bibb.de) unter der Rubrik „BIBB-Veröffentlichungen“
kostenlos als PDF-Datei heruntergeladen werden.
12 AUSBILDUNG & BERUF

Wer und was sind die „zuständigen Stellen“?

§§ 71 ff. BBiG

Vor und im Laufe der Ausbildung trifft man immer wieder auf den Begriff der „zustän­
digen Stelle“. Das BBiG weist bestimmte Aufgaben, wie bspw. die Organisation der Ab­
schlussprüfungen, Abnahme von Fortbildungsprüfungen und Feststellung der Eignung
von Ausbildungspersonal und Ausbildungsstätte, den sog. zuständigen Stellen zu. Die
zuständige Stelle überwacht die Durchführung der Berufsausbildung und fördert diese
durch Beratung der Ausbildenden und Auszubildenden. Sie ist für Auszubildende auch
Auskunfts- und Beschwerdestelle in Fragen der Berufsausbildung (siehe Kapitel III 7).

„Zuständige Stelle“ für die Berufsausbildung sind in den meisten Wirtschafts- und
Berufszweigen die jeweiligen Kammern, die Industrie- und Handelskammern, die
Handwerkskammern, die Landwirtschaftskammern, die Rechts- und Patentanwalts­
kammern, die Notarkammern, die Wirtschaftsprüferkammern sowie die Berufskam­
mern der Steuerberater und der Steuerbevollmächtigten, die Ärzte-, Tierärzte-, Zahn­
ärzte- und Apothekerkammern sowie sonstige durch Rechtsverordnung bestimmte
Einrichtungen. Dazu gehören auch die von den obersten Bundesbehörden und von
den Landesbehörden benannten zuständigen Stellen des öffentlichen Dienstes.

Was steht nun in einer Ausbildungsordnung?

Eine Ausbildungsordnung enthält mindestens:

1. die Bezeichnung des Ausbildungsberufes,


2. die Ausbildungsdauer,
3. das Ausbildungsberufsbild, d. h. diejenigen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
und Fähigkeiten, die Gegenstand der Berufsausbildung sind,
4. eine Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Ausbildung
(Ausbildungsrahmenplan) und
5. die Prüfungsanforderungen.

Die Ausbildungsordnung kann und soll den Ablauf der betrieblichen Ausbildung aber
nicht in allen Einzelheiten festlegen. Daher erstellt der ausbildende Betrieb anhand
des Ausbildungsrahmenplans einen betrieblichen Ausbildungsplan, der auch mit den
Vereinbarungen im Ausbildungsvertrag über die Gliederung der Berufsausbildung
übereinstimmen muss.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 13

Je nach Ausbildungsberuf kann die Ausbildungsordnung aber auch noch weitere


Gestaltungsmerkmale enthalten:

• S
 o kann die Abschlussprüfung in zwei zeitlich auseinanderfallenden Teilen durch-
geführt werden (sog. gestreckte Abschlussprüfung). Dabei findet der erste Teil der
Prüfung etwa in der Ausbildungsmitte statt, der zweite Teil am Ausbildungsende.

• D
 ie Ausbildungsordnung kann auch die Möglichkeit einer Anrechnung bei aufein-
ander aufbauenden Ausbildungsberufen vorsehen. Nach erfolgreicher Abschluss-
prüfung in einem zweijährigen anerkannten Ausbildungsberuf kann eine weitere
Ausbildung in einem darauf aufbauenden drei- oder dreieinhalbjährigen Beruf
unter Anrechnung der Ausbildungsdauer angeschlossen werden. Neu im BBiG
geregelt ist die Möglichkeit, dass Auszubildende dann von der Zwischenprüfung
oder dem ersten Teil der gestreckten Abschlussprüfung befreit werden können,
wenn sie schon den Abschluss im zweijährigen Ausbildungsberuf haben. Wenn
der zweite Teil der gestreckten Abschlussprüfung nicht bestanden wird, gibt es
jetzt die Möglichkeit, dass trotzdem ein zweijähriger Abschluss anerkannt wird
(die sog. Rückfalloption).

• S
 chließlich kann in der Ausbildungsordnung festgelegt sein, dass die Berufsausbil-
dung in einem bestimmten Umfang in Einrichtungen außerhalb der Ausbildungs-
stätte (sog. überbetrieblichen Bildungsstätten) durchzuführen ist, aber nur, wenn
und soweit es die Berufsausbildung erfordert.

Zusatzqualifikationen

Die Ausbildungsordnung kann auch sog. Zusatzqualifikationen vorsehen, die der


Betrieb ergänzend zur regulären Ausbildung vermittelt und die in der Abschlussprü­
fung gesondert geprüft und bescheinigt werden. Hierdurch können leistungsstarke
Auszubildende ihren beruflichen Horizont bereits während ihrer Erstausbildung
erweitern.
14 AUSBILDUNG & BERUF

3 Wann ist eine Teilzeitberufsausbildung möglich?

Das Wichtigste vorab:

§ 7 a BBiG

  ie Möglichkeit einer Berufsausbildung in Teilzeit steht jetzt grundsätzlich allen


D
Auszubildenden offen. Eine Teilzeitberufsausbildung kann allerdings nur mit der
Zustimmung des ausbildenden Betriebs absolviert werden.
 Die tägliche oder wöchentliche Ausbildungszeit darf dabei um maximal
50 Prozent gekürzt werden.

Eine Teilzeitberufsausbildung ist grundsätzlich in allen anerkannten Berufen des


dualen Ausbildungssystems möglich. Sie konnte bislang aber nur durchgeführt werden,
wenn dafür von Auszubildenden ein besonderer Grund wie bspw. Kindererziehung
oder die Pflege von Angehörigen nachgewiesen wurde. Durch eine Änderung des
Berufsbildungsgesetzes steht seit dem 1. Januar 2020 die Teilzeitberufsausbildung
jetzt allen Auszubildenden offen. Ein besonderer Grund muss nicht mehr angeführt
werden. Der ausbildende Betrieb muss aber mit einer Teilzeitberufsausbildung ein-
verstanden sein.

Die Verkürzung der täglichen oder wöchentlichen Ausbildungszeit muss im Einzel-


fall zwischen Auszubildenden und Betrieb vereinbart werden. Sie darf nicht mehr als
50 Prozent der regulären Ausbildungszeit betragen. Eine Berufsausbildung in Teilzeit
kann auch lediglich für einen bestimmten Zeitabschnitt innerhalb der Ausbildung
oder nach Ausbildungsbeginn durch Vertragsänderung vereinbart werden. Eine Än-
derung der individuellen Vereinbarung ist jederzeit möglich.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 15

Teilzeitmodelle: Regulärer Abschluss nach


Abschluss max. 4,5 Jahren

1. Jahr 2. Jahr 3. Jahr 4. Jahr 5. Jahr

Berufsausbildung
Teilzeit Teilzeit
komplett in Teilzeit

Nur bestimmte bspw. Vollzeit oder


Zeitabschnitte Vollzeit 12 Monate Vollzeit
in Teilzeit Teilzeit Teilzeit

Abschluss nach
individuell vereinbartem
Teilzeitmodell (max. 4,5 Jahre)

Um eine inhaltlich mit der Vollzeitausbildung vergleichbare Ausbildung zu gewähr-


leisten, wird die Ausbildungsdauer entsprechend verlängert, höchstens jedoch bis
zum Eineinhalbfachen der Dauer, die in der Ausbildungsordnung für die betreffende
Berufsausbildung in Vollzeit festgelegt ist. Das heißt, bei einer regulär dreijährigen
Ausbildung darf die Ausbildung in Teilzeit maximal 4,5 Jahre dauern. Da mit den indi-
viduell möglichen Teilzeitmodellen zum Ende der Ausbildungszeit nicht immer ein
Prüfungstermin erreicht wird, kann in diesem Fall eine Verlängerung des Berufsaus-
bildungsverhältnisses bis zur nächstmöglichen Prüfung verlangt werden.

Für leistungsstarke Auszubildende ist dagegen auch eine Verkürzung der Ausbil-
dungsdauer möglich und sinnvoll (vgl. Kapitel III 1). Sie kann unmittelbar mit der
Eintragung des Vertrages beantragt werden.

Weiterführende Informationen:

Auf der Homepage des DIHK kann der Flyer „Die Teilzeitberufsausbildung“ als
PDF-Datei heruntergeladen werden (dihk.de).

Der ZDH bietet unter zdh.de den Flyer „Berufsausbildung in Teilzeit“ an.

Weitere Informationen bietet der BMBF-Ratgeber „Ausbildung in Teilzeit. Finanzie­


rungsmöglichkeiten des Lebensunterhaltes im Überblick“ (wird derzeit überarbeitet).
16 AUSBILDUNG & BERUF

4 Duales Studium oder Abiturientenprogramm als Alternativen

Das Wichtigste vorab:

 B eim ausbildungsintegrierenden dualen Studium wird ein Doppelabschluss


erworben: ein Hochschulabschluss und der Abschluss in einem anerkannten
Ausbildungsberuf.
 Abiturientenprogramme kombinieren Aus- und Fortbildung. Nach Abschluss
verfügen die Teil­nehmenden bereits über einen höheren Berufsabschluss und
erste Praxiserfahrung.

Immer mehr junge Menschen mit Abitur entscheiden sich heutzutage für ein sog.
„duales Studium“, d. h. eine Verbindung von Studium und praktischer Ausbildung.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Wer dual studiert, sammelt bereits während der
Studienzeit jede Menge praktische Erfahrung im Betrieb.

Bei einem ausbildungsintegrierenden dualen Studium wird neben dem Bachelorab-


schluss zusätzlich ein anerkannter Berufsabschluss im dualen System erworben. Wer
sich hierfür entscheidet, hat neben Vorlesungen und Seminaren an der Hochschule
und der Ausbildung im Betrieb in der Regel auch noch Berufsschule. Ausbildungs-
integrierend dual studieren ist also arbeitsintensiv – dafür werden Auszubildende am
Ende mit dem begehrten Doppelabschluss belohnt. Sie haben während ihrer dualen
Ausbildung die gleichen Rechte und Pflichten wie alle anderen Auszubildenden nach
dem BBiG.

Beim sog. praxisintegrierenden dualen Studium finden dagegen lediglich längere


Praxisphasen während des Studiums statt, ohne dass ein Ausbildungsvertrag nach
dem BBiG geschlossen wird. Ein Berufsabschluss in einem anerkannten Ausbildungs-
beruf ist hier in der Regel nicht vorgesehen.

Aber auch ohne Studium gibt es für Abiturientinnen und Abiturienten attraktive Al-
ternativen in der beruflichen Bildung: Sog. Abiturientenprogramme kombinieren in-
nerhalb von drei Jahren Berufsausbildung, Fortbildung sowie in der Regel den Erwerb
des Ausbilderscheins. Nach einer auf anderthalb Jahre verkürzten Ausbildung schließt
sich unmittelbar eine Fortbildung an. Abiturientenprogramme werden vorwiegend
im Handel für eine Karriere als Nachwuchsführungskraft angeboten.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 17

Weiterführende Informationen im Internet:

D
 as Portal AusbildungPlus des BIBB enthält umfangreiche Informationen zum dualen
Studium und zu über 900 dualen Studiengängen unter bibb.de/ausbildungplus/de

Der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) enthält alle an


deutschen Hochschulen angebotenen dualen Studiengänge:

hochschulkompass.de/studium/rund-ums-studieren/
studienformen/duales-studium.html

Einen Flyer zu Abiturientenprogrammen im Handel bietet der Handelsverband


Deutschland (HDE) unter einzelhandel.de an.

5 Was ist eine Verbundausbildung?

Das Wichtigste vorab:

§ 10 Absatz 5 BBiG

 In einem Ausbildungsverbund können zwei oder mehrere Betriebe zusammenwirken


und gemeinsam die von der Ausbildungsordnung festgelegten Ausbildungsinhalte
vermitteln. Die Verantwortlichkeit der beteiligten Betriebe für die Ausbildungsdauer
insgesamt wie auch für die einzelnen Abschnitte muss sichergestellt sein.

Viele Betriebe können heute aufgrund zunehmender Spezialisierung nicht mehr alle
für einen Ausbildungsberuf erforderlichen Ausbildungsinhalte vermitteln, wohl aber
wichtige Teilbereiche dieser Berufsausbildung. Um dieses Ausbildungspotenzial aktiv
zu nutzen, können Ausbildungspartnerschaften gebildet werden, in denen mehrere
Betriebe gemeinsam das volle Spektrum der Ausbildungsinhalte abdecken können.

Das BBiG lässt hierfür flexible Organisationsformen zu. Einzige Voraussetzung ist,
dass die Verantwortlichkeit der im Verbund beteiligten Betriebe für die einzelnen
Ausbildungsabschnitte wie auch für die Ausbildungsdauer insgesamt sichergestellt ist.
18 AUSBILDUNG & BERUF

Weiterführende Informationen:
Rechtsratgeber für die Verbundausbildung, Bundesinstitut für Berufsbildung (Hrsg.),
Bonn 2003 (ISBN 3­88555­736­3)

6 Welche Möglichkeiten einer Berufsausbildung gibt es für


Menschen mit Behinderung?

Das Wichtigste vorab:

§§ 64 ff. BBiG

 M
 enschen mit Behinderung sollen grundsätzlich in anerkannten Ausbildungsbe­
rufen ausgebildet werden. Ist dies wegen Art und Schwere der Behinderung nicht
möglich, erlassen die zuständigen Stellen Ausbildungsregelungen, die auf die
individuellen Bedürfnisse der Menschen mit Behinderung abgestimmt sind.

Junge Menschen mit Behinderung sollen genauso in den Arbeitsmarkt integriert


werden wie alle anderen auch. Im Berufsbildungsgesetz und in der Handwerksord-
nung ist vorgesehen, dass Menschen mit Behinderung ebenso wie Menschen ohne
Behinderung in anerkannten Ausbildungsberufen ausgebildet werden. Soweit er-
forderlich, können die zeitliche und sachliche Gliederung der Ausbildung, die Dauer
von Prüfungszeiten und die Inanspruchnahme von Hilfsmitteln und Hilfeleistungen
Dritter im Rahmen von Prüfungen an die individuellen Bedürfnisse des Menschen
mit Behinderung angepasst werden.

Ist jedoch aufgrund der Art und Schwere einer Behinderung eine Berufsausbildung
in einem anerkannten Ausbildungsberuf (noch) nicht möglich, sollen die zuständi-
gen Stellen aus anerkannten Ausbildungsberufen abgeleitete „Fachpraktiker- oder
Werkerausbildungen“ anbieten. Fachpraktikerausbildungen zeichnen sich vor allem
dadurch aus, dass sie die Möglichkeit bieten, eine Ausbildung theoriereduziert und
basierend auf einem anerkannten Ausbildungsberuf durchzuführen und mit einem
Fachpraktiker-Abschluss zu beenden. Diese Ausbildungen werden zurzeit mehrheit-
lich von Berufsbildungswerken und nicht von Betrieben angeboten.
VOR DER BERUFSAUSBILDUNG 19

Der Durchstieg von einer Fachpraktikerausbildung zu einem anerkannten Ausbil-


dungsberuf ist möglich.

Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt mit vielfältigen Maßnahmen junge


Menschen mit Behinderung beim Einstieg ins Berufsleben (siehe Kapitel III 3).
Das Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe, das jährlich vom Bundesinstitut
für Berufsbildung herausgegeben wird, enthält eine Übersicht über die von den zu-
ständigen Stellen erlassenen Ausbildungsregelungen für Menschen mit Behinderung
(siehe Kapitel I 2).

Weiterführende Informationen im Internet:

Einen Überblick über die Fachpraktiker- oder Werkerausbildungen für Menschen mit
Behinderung sowie die Durchstiegsmöglichkeiten in anerkannte Ausbildungs­berufe
bietet die Plattform planet–beruf.de der Bundesagentur für Arbeit:

planet-beruf.de/schuelerinnen/mein-beruf/berufe-von-a-z/
uebersicht-der-ausbildungsberufe-fuer-menschen-
mit-behinderungen/


Informationen des Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen
mit Behinderung zur Berufsbildung von Menschen mit Behinderung sind unter
behindertenbeauftragter.de abrufbar.
20 AUSBILDUNG & BERUF

7 Berufsausbildung als Teil des lebenslangen Lernens

Beruflich weiterzukommen ist ohne Ausbildung schwer. Was nicht alle wissen: Ein
Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf kann auch im späteren Berufs-
leben noch durch berufliche Nachqualifizierung nachgeholt werden. Berufliche
Nachqualifizierung ist ein Sammelbegriff für Maßnahmen für junge Erwachsene
(die in der Regel mindestens 25 Jahre alt sein müssen) ohne bzw. ohne verwertbaren
Berufsabschluss. Zu diesen Maßnahmen gehören
• Umschulungen, die zu einem anerkannten Berufsabschluss führen,
• Vorbereitungskurse zur sog. Externenprüfung sowie
• die modulare Nachqualifizierung (z. B. über Vermittlung von Ausbildungsbau-
steinen oder Teilqualifikationen). Nach mehreren Teilqualifikationen kann die
Abschlussprüfung vor einer zuständigen Stelle abgelegt werden.

Weiterführende Informationen im Internet:

Informationen dazu bietet der Internetauftritt der Bundesagentur für Arbeit:


arbeitsagentur.de/karriere-und-weiterbildung

Über Weiterbildungsangebote informiert die KURSNET-Datenbank der


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Die Bundesagentur für Arbeit bietet außerdem den Flyer „Werde Zukunftsstarter“
als PDF-Datei auf ihrer Homepage unter arbeitsagentur.de an.
II Der Berufsausbildungsvertrag – Rechte
und Pflichten im Ausbildungsverhältnis

1 Was muss im Ausbildungsvertrag stehen?

Das Wichtigste vorab:

§§ 10, 11 BBiG

 D
 er Ausbildungsvertrag wird zwischen den Ausbildenden (Ausbildungsbetriebe)
und den Auszubildenden geschlossen. Bei Vertragsabschluss mit Minderjährigen
ist die Zustimmung ihrer gesetzlichen Vertretung erforderlich.
 D
 er Ausbildungsvertrag muss bestimmte Mindestangaben enthalten. Im
Anhang B 1 dieser Broschüre ist ein Vertragsmuster abgedruckt, aus dem alle
wesentlichen Vertragsbestandteile ersichtlich sind. Wichtig ist, dass die Aus­
bildenden alle wesentlichen Vereinbarungen, die zwischen den Vertragsparteien
getroffen werden, unverzüglich nach dem Vertragsabschluss, spätestens aber vor
Beginn der Berufsausbildung schriftlich niederlegen. Der Vertrag wird von den
Ausbildenden, den Auszubildenden und ggf. ihren gesetzlichen Vertretern und
Vertreterinnen unterzeichnet. Jeder Partei wird eine Niederschrift ausgehändigt.
22 AUSBILDUNG & BERUF

 Jeder Berufsausbildungsvertrag muss vom ausbildenden Betrieb unverzüglich an


die zuständige Stelle geschickt werden, damit der Vertrag in das Verzeichnis der
Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen werden kann.

Vor Beginn einer Berufsausbildung schließen die Ausbildenden und die Auszubilden-
den einen Berufsausbildungsvertrag.

• Ausbildende sind diejenigen, die eine andere Person zur Berufsausbildung einstel-
len, d. h. in aller Regel der Ausbildungsbetrieb. Davon sind diejenigen zu unter-
scheiden, die die Ausbildung praktisch durchführen. Das können Ausbildende
selbst oder von ihnen beauftragte Ausbilder und Ausbilderinnen sein.

• Auszubildende sind diejenigen, die ausgebildet werden. Ist die Person noch min-
derjährig, muss zum Vertragsschluss die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter
und Vertreterinnen eingeholt werden. Vertretungsberechtigt sind grundsätzlich
beide Elternteile gemeinsam, in Ausnahmefällen ein Elternteil oder ein Vormund.

Ausbildereignung, Eignung der Ausbildungsstätte

Wo darf ausgebildet werden?

§§ 28–30 BBiG

Auszubildende dürfen nur eingestellt und ausgebildet werden, wenn die Ausbil­
dungsstätte für die Berufsausbildung geeignet ist und die Zahl der Auszubildenden
in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der betrieblichen Fachkräfte steht.

Die Eignung der Ausbildungsstätte liegt in der Regel vor, wenn sie über alle Einrich­
tungen verfügt, die für die Berufsausbildung benötigt werden. Was ein kleinerer Be­
trieb nicht abdecken kann, darf auch durch Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der
Ausbildungsstätte (z. B. in Lehrwerkstätten und anderen außer- oder überbetrieb­
lichen Einrichtungen) vermittelt werden. Möglich ist auch der Zusammenschluss
mehrerer Betriebe im Rahmen einer Verbundausbildung (siehe Kapitel I 5). Für die
Berufsausbildung in landwirtschaftlichen oder hauswirtschaftlichen Berufen können
darüber hinaus durch gesonder­te Rechtsverordnung zusätzliche Anforderungen an
die Ausbildungsstätte gestellt werden.
DER BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG – 23
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

Wer darf ausbilden?

§§ 28–30 BBiG

Ausbildende können entweder selbst ausbilden oder Ausbilder bzw. Ausbilderinnen


ausdrücklich damit beauftragen. Ausbilden darf aber nur, wer persönlich und fach­
lich dazu geeignet ist.

Persönlich nicht geeignet ist insbesondere, wer Kinder oder Jugendliche nicht be­
schäftigen darf oder wiederholt oder schwer gegen das Berufsbildungsgesetz oder
die auf seiner Grundlage erlassenen Bestimmungen verstoßen hat.

Fachlich geeignet ist, wer die nötigen beruflichen und berufs- und arbeitspädagogi­
schen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt. Durch welche Ausbildungs­
gänge und Berufserfahrungen dies nachgewiesen werden kann, ist für einzelne
Ausbildungsberufe unterschiedlich geregelt. Grundsätzlich muss der Ausbilder oder
die Ausbilderin die Abschlussprüfung in einer dualen Berufsausbildung bestanden
haben, die dem zu vermittelnden Ausbildungsberuf entspricht. Bei der Ausbildung
von Fachangestellten in Arztpraxen, Apotheken oder Rechtsanwaltskanzleien
müssen die Ausbilder und Ausbilderinnen als Arzt/Ärztin, Apotheker/in und Rechts­
anwalt/anwältin zugelassen sein. Im Handwerk ist als Ausbilder oder Ausbilderin
auf jeden Fall fachlich geeignet, wer die Meisterprüfung in dem Handwerk, in dem
ausgebildet werden soll, bestanden hat.

In der Regel müssen die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse


und Fähigkeiten durch eine Prüfung nach der Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO)
nachgewiesen werden.

Wer kontrolliert die Ausbildereignung und die Eignung der Ausbildungsstätte?

§§ 32, 33 BBiG

Die zuständige Stelle muss darüber wachen, dass die Eignung der Ausbildungsstätte
wie auch die persönliche und fachliche Eignung des Ausbildungspersonals vorliegen.
Ist dies nicht der Fall, führt dies in der Regel zur Entziehung der Ausbildungsbe­
fugnis. Wer ohne Eignung Auszubildende einstellt, ausbildet oder nicht geeignete
Ausbilder oder Ausbilderinnen bestellt, kann mit einer Geldbuße bis zu 5.000 Euro
belegt werden (§ 101 BBiG).
24 AUSBILDUNG & BERUF

Wenn Ausbildenden die Ausbildungsbefugnis entzogen wird, so können die Auszu­


bildenden das Ausbildungsverhältnis fristlos kündigen; unter Umständen bestehen
auch Schadensersatzansprüche gegen Ausbildende (§ 23 BBiG).

Der wesentliche Inhalt des Berufsausbildungsvertrages muss von den Ausbildenden


unverzüglich nach der Vereinbarung, auf jeden Fall aber vor Beginn der Berufsaus-
bildung schriftlich niedergelegt werden. Die Niederschrift des Vertrages ist von den
Ausbildenden, den Auszubildenden und deren gesetzlichen Vertretern und Vertrete-
rinnen zu unterzeichnen.

Der Ausbildungsvertrag muss mindestens folgende Angaben enthalten:

 Art, sachliche und zeitliche


 die Zahlung und Höhe der
Gliederung sowie Ziel der
Ausbildungsvergütung
Berufsausbildung, ins­beson­
dere die Berufs­tätigkeit, für
die ausgebildet werden soll  die Dauer des Urlaubs

 Beginn und Dauer der


Berufsaus­bildung  die Voraussetzungen, unter
denen der Berufsausbildungs­
vertrag gekündigt werden kann
 Ausbildungsmaßnahmen
außerhalb der Ausbildungs-
stätte  Tarifverträge, Betriebs- oder
Dienstvereinbarungen, die
auf das Berufsausbildungs­
 die Dauer der regelmäßigen verhältnis anzuwenden sind
täglichen Ausbildungszeit

 Form des Ausbildungs­


 die Dauer der Probezeit nachweises
DER BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG – 25
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

In dieser Broschüre finden Sie ein Ausbildungsvertragsmuster (Anhang B 1). Das Ver-
tragsmuster enthält über den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestinhalt hinaus auch
noch weitere für Auszubildende wichtige Regelungen.

Ungültig sind Vereinbarungen im Vertrag, die Auszubildende für die Zeit nach ihrer
Ausbildung in ihrer Berufsausübung beschränken. Es darf also bspw. nicht schon im
Ausbildungsvertrag die Verpflichtung festgeschrieben werden, nach Beendigung der
Ausbildung im Ausbildungsbetrieb weiterzuarbeiten. Natürlich können Auszubil-
dende nach Abschluss der Ausbildung übernommen werden, dann aber mit neuem
Arbeitsvertrag. Keine Gültigkeit haben auch Vereinbarungen, die eine Verpflichtung
Auszubildender zur Zahlung einer Vertragsstrafe, einer Entschädigung für die Berufs-
ausbildung oder den Ausschluss oder die Beschränkung von Schadensersatzansprü-
chen zulasten Auszubildender vorsehen (§ 12 BBiG).

Nach Unterzeichnung des Ausbildungsvertrages (Niederschrift) haben die Ausbil-


denden den Auszubildenden und deren gesetzlichen Vertretern und Vertreterinnen
unverzüglich ein Exemplar auszuhändigen. Damit erhalten beide Vertragsparteien
eine Unterlage über den wesentlichen Inhalt des Vertrages.

Bei Änderungen des Berufsausbildungsvertrages müssen die Vorschriften zum Min-


destinhalt der Vertragsniederschrift sowie zur Unterzeichnung und Aushändigung
des Vertragstextes ebenfalls beachtet werden.

2 Die Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse

§§ 34–36 BBiG

Nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrages haben die Ausbildenden unverzüg-


lich die Eintragung in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse zu beantra-
gen. Diese Eintragung ist für Auszubildende gebührenfrei. Das Verzeichnis wird bei
der zuständigen Stelle geführt und dient vor allem der Überwachung und Beratung.
Die Eintragung in das Verzeichnis darf nur vorgenommen werden, wenn der Berufs-
ausbildungsvertrag dem BBiG und der Ausbildungsordnung entspricht.

Bei Auszubildenden unter 18 Jahren muss die Bescheinigung über die Erstunter-
suchung nach § 32 Absatz 1 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) vorgelegt werden.
Wesentliche Vertragsänderungen im Laufe der Ausbildungszeit müssen ebenfalls der
zuständigen Stelle gemeldet werden.
26 AUSBILDUNG & BERUF

Erstuntersuchung, was ist das?

§§ 32, 33, 59 JArbSchG

Jugendliche Auszubildende unter 18 Jahren sind verpflichtet, sich vor Beginn der
Ausbildung ärztlich untersuchen zu lassen und die Bescheinigung über die Erst­
untersuchung den Ausbildenden vorzulegen. Die ärztliche Bescheinigung über die
Erst­untersuchung ist der zuständigen Stelle mit dem Ausbildungsvertrag vorzulegen,
da sonst der Berufsausbildungsvertrag nicht eingetragen wird.

Ein Jahr nach Aufnahme der ersten Beschäftigung müssen Ausbildende sich die
ärztliche Bescheinigung darüber vorlegen lassen, dass die jugendlichen Auszubil­
denden nachuntersucht worden sind. Durch die Untersuchungen wird der Gesund­
heits- und Entwicklungsstand der Jugendlichen festgestellt, insbesondere auch, ob
ihre Gesundheit durch die Ausübung bestimmter Arbeiten gefährdet werden könnte.
Wird die ärztliche Bescheinigung über die erste Nachuntersuchung nicht vorgelegt,
müssen die Auszubildenden damit rechnen, dass ihr Ausbildungsverhältnis im Ver­
zeichnis bei der Kammer oder der sonst zuständigen Stelle gelöscht wird.

3 Verhalten im Betrieb – was können Betriebe von Auszubildenden


verlangen?

Das Wichtigste vorab:

§§ 13, 14 BBiG

 Auszubildenden dürfen nur Tätigkeiten übertragen werden, die dem Ausbil­


dungszweck dienen und ihren körperlichen Kräften angemessen sind.
 Sie sind nicht verpflichtet, Arbeiten durchzuführen, die mit ihrer Ausbildung nicht
in Zusammenhang stehen.
 Verboten sind Arbeiten, die die körperlichen Kräfte der Auszubildenden überstei­
gen, wie z. B. Akkord-­oder Fließbandarbeiten. Zumutbar sind dagegen Arbeits­
aufträge, die mit der Sauberkeit des eigenen Arbeitsplatzes und der Pflege der
Gegenstände zusammenhängen, mit denen die Auszubildenden umgehen.
DER BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG – 27
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

Ausbildungsbetriebe müssen dafür sorgen, dass ihren Auszubildenden die berufliche


Handlungsfähigkeit vermittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungszieles – wie es
in der Ausbildungsordnung festgelegt ist – erforderlich ist. Sie haben die Berufsausbil-
dung so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehenen Ausbildungs-
zeit erreicht werden kann.

Über das Ausbildungsziel sowie die zeitliche und sachliche Gliederung der Berufsaus-
bildung enthalten der Ausbildungsvertrag (Niederschrift) wie auch die Ausbildungs-
ordnung klare Regelungen. Anhand dieser Unterlagen ist ein späterer Vergleich mit
dem tatsächlichen Ausbildungsverlauf möglich.

Auszubildende müssen an ihrer eigenen Berufsausbildung aktiv mitwirken und sich


bemühen, die Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die erforder-
lich sind, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Sie müssen den Weisungen folgen,
die ihnen im Rahmen der Berufsausbildung vom Ausbildenden, von den Ausbildern,
Ausbilderinnen oder von anderen weisungsberechtigten Personen erteilt werden.
Ihnen dürfen nur Aufgaben übertragen werden, die dem Ausbildungszweck dienen
und ihren körperlichen Kräften angemessen sind.

Dem Ausbildungszweck dienen z. B. grundsätzlich nicht private Besorgungen für


Ausbildende wie einkaufen oder Kinder betreuen. Unzulässig ist auch der Einsatz bei
bestimmten Verrichtungen, wenn sie dadurch nur fehlende Arbeitskräfte (z. B. Putz-
hilfen, Botendienste, Schreibkräfte) ersetzen sollen. Zumutbar – und deshalb durch
die Ausbildungsordnungen im Allgemeinen auch vorgeschrieben – sind dagegen Auf-
gaben, die mit der Sauberkeit am Arbeitsplatz und der Pflege von Waren, Maschinen,
Geräten und Werkzeugen zusammenhängen, soweit Auszubildende damit persönlich
umzugehen haben. Wer Auszubildenden Aufgaben überträgt, die dem Ausbildungs-
zweck nicht dienen, handelt ordnungswidrig und kann mit einer Geldbuße bis zu
5.000 Euro belegt werden.

Verboten ist die Beschäftigung mit Arbeiten, die die körperlichen Kräfte jugendlicher
Auszubildender übersteigen oder bei denen sie gesundheitlichen oder sittlichen Ge-
fahren ausgesetzt sind (§ 22 JArbSchG). Untersagt ist insbesondere die Beschäftigung
mit Akkordarbeiten und mit Fließbandarbeiten mit vorgeschriebenem Arbeitstempo
(§ 23 JArbSchG). Diejenigen gesundheitsschädlichen Arbeiten, mit denen Auszubildende
nicht beschäftigt werden dürfen, sind in den jeweiligen Rechts- und Unfallverhütungs-
vorschriften geregelt. Aufträge, die diesen Verboten zuwiderlaufen, brauchen Auszubil-
dende nicht auszuführen. Eine Weigerung ist kein wichtiger Grund zur Kündigung.
28 AUSBILDUNG & BERUF

Auszubildende müssen sich nach der betrieblichen Ordnung richten. Diese darf
nicht in das Recht auf die freie Entfaltung der eigenen Persönlichkeit (Art. 2 Grund-
gesetz – GG) eingreifen, wie z. B. ein Verbot langer Haare oder bestimmter Kleidung
es täte. Arbeitsschutzbestimmungen und Hygienevorschriften müssen aber einge-
halten werden. Dabei kann z. B. das Problem, dass Auszubildende bei der Tätigkeit an
einer Maschine durch zu lange Haare gefährdet würden, ggf. durch das Tragen einer
geeigneten Kopfbedeckung gelöst werden. Schließlich ist ein bestimmtes äußeres
Auftreten von Auszubildenden dort erforderlich, wo sonst eindeutig ein berufs- und
geschäftsschädigendes Verhalten der Auszubildenden gegenüber Ausbildenden
(z. B. in der Parfümerie und im Kosmetikstudio oder bei einer Bank) vorliegen würde.

4 Wer zahlt für Ausbildungs- und Prüfungsmittel?

Das Wichtigste vorab:

§ 14 BBiG

 A
 usbildungsmittel, wie z. B. Werkzeuge, Werkstoffe und Fachliteratur,
stellen Ausbildende ihren Auszubildenden kostenlos zur Verfügung.

Ausbildungsbetriebe haben ihren Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel


zur Verfügung zu stellen, die zur Berufsausbildung im Betrieb und zum Ablegen von
Zwischen- und Abschlussprüfungen erforderlich sind. Dies sind insbesondere Werk-
zeuge, Werkstoffe und Fachliteratur. Erfasst ist aber nur Literatur, die für die betrieb-
liche Ausbildung erforderlich ist, nicht aber Schulbücher, die für die Berufsschule
benötigt werden.

Auch die für die Prüfung erforderlichen Materialien, Werkstoffe, Werkzeuge und Ma-
schinen und sonstigen Gegenstände sind am Prüfungsort zur Verfügung zu stellen.
Die Ausbildungsmittel müssen nicht übereignet werden. Es genügt, sie den Auszubil-
denden zur Benutzung bzw. Verwendung zur Verfügung zu stellen.
DER BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG – 29
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

5 Berufsschulunterricht und überbetriebliche Ausbildung – wann und


wie lange müssen Auszubildende vom Betrieb freigestellt werden?

Das Wichtigste vorab:

§ 15 BBiG, § 9 JArbSchG

 Für den Berufsschulunterricht oder für überbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen


müssen Auszubildende vom ausbildenden Betrieb freigestellt werden.
 Bei der Freistellung findet keine Unterscheidung zwischen jugendlichen und
erwachsenen Auszubildenden mehr statt.

Ausbildende müssen ihre Auszubildenden für die Teilnahme am Berufsschulunter-


richt und an vorgeschriebenen Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungs-
stätte (z. B. in überbetrieblichen Lehrwerkstätten) freistellen. Mit dem Inkrafttreten
der Novelle des Berufsbildungsgesetzes am 1. Januar 2020 wurde für erwachsene
Auszubildende mit § 15 BBiG eine Regelung zur Freistellung und zur Anrechnung
geschaffen, die sich eng an die entsprechenden Regelungen für jugendliche Auszu-
bildende in § 9 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) anlehnt (zur Freistellung für
Prüfungen vgl. Kapitel V 4).

Dies bedeutet im Einzelnen:


• Wenn Berufsschulunterricht vor 9:00 Uhr beginnt, brauchen Auszubildende
vorher nicht in den Ausbildungsbetrieb.
• Einmal in der Woche erfolgt eine Freistellung für einen ganzen Berufsschultag,
wenn dieser mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens je 45 Minuten
beinhaltet. An diesem Tag müssen Auszubildende nicht mehr in den Betrieb
zurückkehren. Er gilt als kompletter Ausbildungstag, für den die durchschnittliche
tägliche Ausbildungszeit angerechnet wird.
• Findet ein weiterer Berufsschultag in der gleichen Woche statt, erfolgt eine Frei-
stellung für den Berufsschulunterricht unter Anrechnung der Berufsschulunter-
richtszeit auf die Ausbildungszeit im Betrieb. Hier kann eine Rückkehr in den
Betrieb erforderlich werden.
• Eine Freistellung erfolgt auch in Berufsschulwochen mit einem planmäßigen
Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens 5 Tagen. Angerechnet
wird hier die durchschnittliche wöchentliche Ausbildungszeit.
30 AUSBILDUNG & BERUF

• Die Freistellung umfasst nicht nur die Unterrichtszeit bzw. die Dauer der Aus-
bildungsmaßnahme, sondern auch die der Pausen und der Wegstrecke von der
Berufsschule oder außerbetrieblichen Ausbildungsstätte zurück zum ausbildenden
Betrieb, nicht aber die Zeit, die für den Weg zur Berufsschule oder nachhause
benötigt wird.

Beispiel für einen Stundenplan mit Zeiten für Betrieb und Berufsschule

Uhrzeit Montag Dienstag Mittwoch Donnerstag Freitag

1 08:00 – 08:45 Betrieb Berufsschule Betrieb Berufsschule Betrieb

2 08:45 – 09:30

3 09:50 – 10:35

4 10:45 – 11:30

Ggf. Wegezeit
5 11:40 – 12:25
zum Betrieb

Rückkehr in den
6 12:35 – 13:20
Betrieb

Keine Rückkehr
7 14:05 – 14:50
in den Betrieb

8 14:50 – 15:35

9 15:45 – 16:30
DER BERUFSAUSBILDUNGSVERTRAG – 31
RECHTE UND PFLICHTEN IM AUSBILDUNGSVERHÄLTNIS

6 Wofür muss ein Ausbildungsnachweis geführt werden?

Das Wichtigste vorab:

§§ 13 Satz 2 Nummer 7, 14 Absatz 2, 43 Absatz 1 Nummer 2 BBiG

 Auszubildende sind verpflichtet, während ihrer Ausbildung einen schriftlichen


oder elektronischen Ausbildungsnachweis zu führen. Er ist eine Voraussetzung
für die Zulassung zur Abschlussprüfung.

Auszubildende müssen während ihrer Ausbildungszeit einen Ausbildungsnachweis


führen. Im Ausbildungsvertrag wird festgelegt, ob dies schriftlich oder elektronisch
erfolgen soll. Der Ausbildungsnachweis kann also klassisch in Heftform, am PC,
als Online-Version oder über eine Software geführt werden. Die zuständigen Stellen
bieten oftmals die Möglichkeit, Ausbildungsnachweise über ein Online-Portal
elektronisch (digital) zu führen.

Da das Führen des Nachweises Bestandteil der Ausbildung ist, darf es am Arbeitsplatz
erfolgen.

Der Ausbildungsnachweis ist eine Zulassungsvoraussetzung für die Abschlussprüfung.

Er dokumentiert die gesamten Ausbildungsinhalte des bzw. der Auszubildenden und


dient als Nachweis für die Kenntnisse und Fähigkeiten, die während der Ausbildung
erworben wurden.

Deshalb muss er immer vollständig ausgefüllt und vom zuständigen Ausbilder oder
von der zuständigen Ausbilderin durchgesehen und unterschrieben werden.
III Während der Berufsausbildung

1 Verkürzung, Anrechnung – schneller zum Erfolg

Das Wichtigste vorab:

§§ 7, 8, 45 Absatz 1 BBiG

 D
 ie in der jeweiligen Ausbildungsordnung vorgeschriebene Ausbildungsdauer
muss in der Niederschrift des Berufsausbildungsvertrages enthalten sein. Die
Ausbildungsdauer beträgt – je nach Ausbildungsordnung – zwischen zwei und
dreieinhalb Jahren. In bestimmten Fällen kann die Ausbildungsdauer durch
die zuständige Stelle verkürzt oder verlängert werden. Auch eine Anrechnung
beruflicher Vorbildung ist möglich.
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 33

Die Dauer der Ausbildung wird durch die für den jeweiligen Beruf geltende Aus­
bildungsordnung festgelegt. Sie beträgt zwischen zwei und dreieinhalb Jahren.

• Verkürzung der Ausbildungsdauer


Wer vor seiner Ausbildung einen höheren Schulabschluss erworben, schon gearbeitet
oder eine andere Ausbildung angefangen hat, hat gute Chancen, seine Ausbildungs-
dauer zu verkürzen. Dies ist möglich, wenn zu erwarten ist, dass ­Auszubildende das
Ausbildungsziel in der gekürzten Zeit erreichen. Hierfür ist ein gemeinsamer Antrag
von Auszubildenden und Betrieb an die zuständige Stelle erforderlich. Die Länge der
Verkürzung hängt vom Einzelfall ab. Eine Mindestausbildungsdauer von 18 Monaten
soll allerdings bei einer Verkürzung nicht unterschritten werden.

Bei überdurchschnittlichen Leistungen können Auszubildende nach Anhören


ihrer Ausbildenden und der Berufsschule auch schon vor Ablauf der regulären
Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung zugelassen werden.

• Anrechnung beruflicher Vorbildung


Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Anrechnung beruflicher Vor-
bildung möglich, wie z. B. eines Berufsgrundbildungsjahres oder einer Einstiegs-
qualifizierung. Anrechnen bedeutet im Gegensatz zu einer Verkürzung, dass die
Ausbildungszeit insoweit als zurückgelegt anzusehen ist. Dies hat insbesondere
Auswirkungen auf die Höhe der Ausbildungsvergütung.

Auch hier ist ein gemeinsamer Antrag von Auszubildenden und Ausbildenden
erforderlich.

Auf die Dauer einer Berufsausbildung kann darüber hinaus die Dauer einer bereits
abgeschlossenen Berufsausbildung ganz oder teilweise angerechnet werden
(gestufte Ausbildungen).

• Ausbildung in Teilzeit
Eine Sonderform stellt die Ausbildungsdauer bei einer Teilzeitberufsausbildung
dar (siehe Kapitel I 3).

• Verlängerung der Ausbildungsdauer


In Ausnahmefällen kann die Ausbildungsdauer von der zuständigen Stelle auch
verlängert werden, wenn die Verlängerung erforderlich ist, um das Ausbildungsziel
zu erreichen (z. B. bei längeren Krankheitszeiten) – jedoch nur auf Antrag der Aus-
zubildenden. Der ausbildende Betrieb wird vor der Entscheidung angehört. Auch
bei Nichtbestehen der Abschlussprüfung verlängert sich das Ausbildungsverhältnis
auf Antrag des Prüflings bis zur nächsten Prüfungsmöglichkeit.
34 AUSBILDUNG & BERUF

2 Wie lang ist die Probezeit?

Das Wichtigste vorab:

§ 20 BBiG

 D
 ie Probezeit ist für beide Vertragsparteien wichtig. Ausbildende sind ver­
pflichtet, während dieser Zeit die Eignung ihrer Auszubildenden zu prüfen. Die
Auszubildenden müssen prüfen, ob sie die richtige Berufswahl getroffen haben.
Das Berufsausbildungsverhältnis kann während der höchstens viermonatigen
Probezeit von jeder der Vertragsparteien ohne Angabe von Gründen schriftlich
gekündigt werden.

Das Berufsausbildungsverhältnis beginnt mit der Probezeit. Sie muss mindestens


einen Monat und darf höchstens vier Monate betragen.

Da die Probezeit schon zur Berufsausbildung gehört, bestehen auch schon die vollen
Pflichten der Ausbildenden und der Auszubildenden. Während der Probezeit kann
das Berufsausbildungsverhältnis jederzeit sowohl von den Ausbildenden als auch
von den Auszubildenden ohne Angabe von Gründen und ohne Einhalten einer Frist
schriftlich gekündigt werden (§ 22 Absatz 1 BBiG).

3 Wie viel verdienen Auszubildende?

Das Wichtigste vorab:

§§ 17, 18 BBiG

 A
 uszubildende erhalten von ihren Ausbildenden während der Ausbildung eine
angemessene Vergütung.
 M
 aßgeblich für die Höhe der Vergütung ist die Branchenzugehörigkeit des
Ausbildungsbetriebes. Die Vergütung ist dann angemessen, wenn Ausbildende
die tarif­vertraglich festgelegte Vergütung zahlen.
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 35

 Nicht tarifgebundene Ausbildungsbetriebe müssen für ab dem 1. Januar 2020


abge­schlossene Ausbildungsverträge mindestens die gesetzliche Mindestver­
gütung zahlen. Die Vergütung darf oberhalb der Mindestvergütung wie bisher
nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes die tariflichen Sätze
maximal um 20 Prozent unterschreiten.
 Die Vergütung ist so zu bemessen, dass sie mindestens jährlich ansteigt. Sie muss
spätestens am letzten Arbeitstag des Monats gezahlt werden. Im Krankheitsfall
wird die Vergütung bis zu sechs Wochen weitergezahlt.
 Der Ausbildende zahlt die Vergütung auch für die Zeit der Freistellung für den
Berufsschulunterricht und für Prüfungen weiter.

• Eine „angemessene“ Ausbildungsvergütung


Ausbildende müssen ihren Auszubildenden eine angemessene Vergütung zahlen.
Die Höhe dieser Vergütung kann je nach Berufsausbildung ganz unterschiedlich
sein. Maßgeblich für die Ausbildungsvergütung ist die Branchenzugehörigkeit des
Ausbildungsbetriebes. Wenn hier eine allgemein verbindliche Tarifregelung (Tarif-
vertrag) vorliegt, dürfen im Ausbildungsvertrag keine niedrigeren Vergütungssätze
festgelegt sein als im Tarifvertrag vereinbart.

Ob eine tarifliche Bindung besteht, lässt sich bei dem oder der Ausbildenden, beim
Betriebsrat oder – soweit vorhanden – bei der Jugend- und Auszubildendenvertre-
tung sowie bei der im Betrieb vorhandenen Gewerkschaftsvertretung erfragen.

Nicht tarifgebundene Ausbildungsbetriebe müssen bei ab dem 1. Januar 2020


abgeschlossenen Ausbildungsverträgen mindestens die gesetzliche Mindestver­
gütung zahlen. Die Vergütung darf oberhalb der Mindestvergütung wie bisher
nach der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichtes die tariflichen Sätze um
20 Prozent unterschreiten.

Tarifvertragliche Regelungen haben, wenn der oder die Ausbildende nach dem
Tarifvertragsgesetz daran gebunden ist, Vorrang vor der gesetzlichen Mindestver-
gütung; sie können dann auch in Zukunft niedrigere Vergütungen als die Mindest-
vergütung für Auszubildende vorsehen.

Die Vergütung für den laufenden Kalender­monat muss spätestens am letzten


Arbeitstag des Monats gezahlt werden.
36 AUSBILDUNG & BERUF

Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit (siehe Kapitel III 4)
hinausgehende Beschäftigung muss besonders vergütet werden. Statt der Überstun-
denvergütung kann auch Freizeitausgleich gewährt werden. Für Sonn- und Feier-
tagsarbeit, die Jugendliche nur in bestimmten Wirtschaftszweigen verrichten dürfen,
muss in bestimmtem Umfang Freizeit gewährt werden (§§ 17, 18, 21 JArbSchG).

Die Vergütung muss auch fortgezahlt werden für die Zeit, in der Auszubildende
für die Teilnahme am Berufsschulunterricht und an Prüfungen freigestellt werden
(§ 19 Absatz 1 BBiG).

Im Krankheitsfall wird die Ausbildungsvergütung bis zu sechs Wochen weiter­


gezahlt (§ 3 Entgeltfortzahlungsgesetz – EntgFG). Dies gilt auch im Falle der
Erkrankung eines Kindes von Auszubildenden.

• D
 ie neue Mindestvergütung
Für Ausbildungsverträge, die ab dem 1. Januar 2020 abgeschlossen wurden, gilt
die neue Mindestvergütung. Die Höhe der Vergütung hängt davon ab, in welchem
Kalenderjahr die Ausbildung beginnt.

Mindestvergütung im Zeitraum 1. Januar 2020 bis 31. Dezember 2023

Vertrags-
schluss 1. Ausbildungs- 2. Ausbildungs- 3. Ausbildungs- 4. Ausbildungs-
im Jahr jahr jahr (+ 18 %)* jahr (+ 35 %)* jahr (+ 40 %)*
2020 515,00 € 607,70 € 695,25 € 721,00 €

2021 550,00 € 649,00 € 742,50 € 770,00 €

2022 585,00 € 690,30 € 789,75 € 819,00 €

2023 620,00 € 731,60 € 837,00 € 868,00 €

*Bezogen auf das 1. Ausbildungsjahr

Ab 2024 wird die Höhe der gesetzlichen Mindestvergütung für das erste Ausbil­dungs­
jahr jeweils im November des Vorjahres im Bundesgesetzblatt bekannt gege­ben und
jährlich an die durchschnittliche Entwicklung aller Ausbildungsvergütungen angepasst.
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 37

Wenn der ausbildende Betrieb tarifgebunden ist, gilt die tarifvertraglich


festgesetzte Höhe der Ausbildungsvergütung. Tarifverträge haben insoweit
Vorrang vor der Mindestvergütung.

• Welche sonstigen (finanziellen) Unterstützungsleistungen gibt es für Auszubildende?


Auszubildende, die während der Berufsausbildung nicht bei den Eltern wohnen,
weil der Ausbildungsbetrieb von zuhause nicht in angemessener Zeit erreicht
werden kann, können zur Sicherung des Lebensunterhalts durch die Berufsaus­
bildungsbeihilfe (BAB) unterstützt werden. Bei Auszubildenden, die über 18 Jahre
alt, verheiratet oder in einer Lebenspartnerschaft sind oder waren oder mit
mindestens einem Kind zusammenleben, spielt die Frage nach der Entfernung
des Ausbildungsbetriebes vom Elternhaus keine Rolle.

Die Assistierte Ausbildung (AsA) beinhaltet eine individuell an den Bedürfnissen


des jungen Menschen ausgerichtete, kontinuierliche Unterstützung und eine
sozialpädagogische Begleitung. Im Rahmen der Vorphase kann die Integration in
eine betriebliche Berufsausbildung unterstützt werden. Ziele während einer Be-
rufsausbildung sind der Abbau von Sprach- und Bildungsdefiziten, die Förderung
fachtheoretischer Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten und die Stabilisierung
des Berufsausbildungsverhältnisses.

Junge Menschen können begleitend zu einer betrieblichen Berufsausbildung


ausbildungsbegleitende Hilfen (abH) erhalten, wenn sie zusätzliche Unterstützung
benötigen, um eine betriebliche Berufsausbildung beginnen, fortsetzen oder
erfolgreich abschließen zu können. Auf Grundlage des Gesetzes zur Förderung der
beruflichen Weiterbildung im Strukturwandel und zur Weiterentwicklung der
Ausbildungsförderung werden die ausbildungsbegleitenden Hilfen im Jahr 2021
mit der Assistierten Ausbildung zusammengeführt.

Für junge Menschen, bei denen eine Vermittlung in ein betriebliches Ausbildungs-
verhältnis auch mit ausbildungsbegleitenden Hilfen nicht erfolgreich ist, sowie für
junge Menschen, die ihr Ausbildungsverhältnis vorzeitig gelöst haben, kann unter
bestimmten Voraussetzungen eine Berufsausbildung in einer außerbetrieblichen
Einrichtung ermöglicht werden.

• S
 pezielle Unterstützungsleistungen für Menschen mit Behinderung
Für Menschen mit Behinderung gelten grundsätzlich die gleichen Bedingungen
wie auch für alle anderen Auszubildenden.
38 AUSBILDUNG & BERUF

• Es gibt jedoch einige Ausnahmen:


Mit dem zum 1. Januar 2020 neu eingeführten „Budget für Ausbildung“ soll jungen
Menschen mit Behinderungen der Einstieg in eine betriebliche Ausbildung er-
leichtert werden. Ziel ist, eine berufliche Ausbildung auch auf dem allgemeinen
Arbeitsmarkt und nicht nur in einer Werkstatt für behinderte Menschen zu
ermöglichen. Eine Förderung ist möglich bei einem Anspruch auf Leistungen im
Berufsbildungsbereich einer Werkstatt für behinderte Menschen. Gefördert wird
die Ausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf oder ein Ausbildungs-
gang zu einem Fachpraktiker- oder Werkerberuf. Dem Ausbildungsbetrieb wird die
gezahlte Ausbildungsvergütung erstattet. Darüber hinaus wird die erforderliche
Unterstützung von Menschen mit Behinderungen am Ausbildungsplatz und in der
Berufsschule finanziert. Die Leistungen setzen mit Abschluss des Ausbildungsver-
trages und Aufnahme der Ausbildung ein.

Menschen mit Behinderungen, die eine außerbetriebliche Ausbildung in einer


Einrichtung der beruflichen Rehabilitation oder in einer anderen speziell auf die
Bedarfe von Menschen mit Behinderungen ausgerichteten Einrichtung absolvieren,
erhalten keine Ausbildungsvergütung, sondern ein bedürftigkeitsabhängiges
Ausbildungsgeld, das als eigenständige Sozialleistung an die Regelungen zur Berufs­
ausbildungsbeihilfe und des BAföG gekoppelt ist und sich in der Bedarfshöhe nach
der Unterbringungsform richtet. Damit die neu eingeführte Mindestausbildungsver-
gütung auch Auszubildenden mit Behinderungen gleichwohl zugutekommt, wurde
sie im Leistungssystem Ausbildungsgeld nachvollzogen. Liegt die Netto-Mindestaus-
bildungsvergütung jeweils über dem jeweiligen Bedarfssatz für das Ausbildungsgeld,
wird dieser Bedarfssatz entsprechend angehoben. Damit profitieren auch Menschen
mit Behinderungen von der neu eingeführten Mindestausbildungsvergütung.

Weiterführende Informationen im Internet:

Ein Überblick über die Leistungen der Ausbildungs­förderung nach dem Sozial­
gesetzbuch findet sich unter:
bmas.de > Themen > Aus-und-Weiterbildung > Ausbildungsförderung >
Leistungen - Ausbildungsförderung
sowie unter:

bmas.de/DE/Themen/Teilhabe-Inklusion/Politik-fuer-
behinderte-Menschen/Fragen-und-Antworten-Angehoerigen-
Entlastungsgesetz/faq-angehoerigen-entlastungsgesetz.
html#faq831912
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 39

4 Welche Arbeitszeiten gelten für Auszubildende?

Das Wichtigste vorab:

§§ 3 ArbZG, §§ 8, 11, 14 JArbSchG

 Die Vertragsparteien vereinbaren im Ausbildungsvertrag die regelmäßige tägliche


Ausbildungszeit. Dabei sind für die Jugendlichen die zeitlichen Begrenzungen
nach dem Jugendarbeitsschutzgesetz, für erwachsene Auszubildende die
Beschränkungen des Arbeitszeitgesetzes einzuhalten.

Die Dauer von Arbeitszeiten und Pausen in der Ausbildung ist gesetzlich genau vor-
geschrieben. Für minderjährige Auszubildende gelten die Bestimmungen im Jugend-
arbeitsschutzgesetz (JArbSchG), bei volljährigen Auszubildenden ist das Arbeitszeit-
gesetz (ArbZG) entscheidend. Daneben sind auch Bestimmungen im Tarifvertrag des
jeweiligen Ausbildungsberufes wichtig.

Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit muss in der Vertragsniederschrift ausdrück-


lich vereinbart werden. Dabei sind für jugendliche Auszubildende die Begrenzungen
des JArbSchG zu beachten. Die Arbeitszeit für Jugendliche ist grundsätzlich auf acht
Stunden täglich und auf 40 Stunden pro Woche begrenzt. Ist allerdings die Arbeitszeit an
einzelnen Werktagen auf weniger als acht Stunden verkürzt, können Jugendliche an den
übrigen Werktagen derselben Woche bis zu achteinhalb Stunden beschäftigt werden.

Die Arbeitszeit muss durch Ruhepausen unterbrochen werden. Die Ruhepausen müssen
bei mehr als viereinhalb bis zu sechs Stunden Arbeitszeit mindestens 30 Minuten, bei
mehr als sechs Stunden Arbeitszeit 60 Minuten betragen.

Zwischen 20:00 und 06:00 Uhr dürfen Jugendliche nicht beschäftigt werden. Von diesem
Grundsatz gibt es für Jugendliche über 16 Jahre gesetzliche Ausnahmen, z. B. für Betriebe,
die in mehreren Schichten arbeiten (bis 23:30 Uhr), oder für bestimmte Gewerbezweige,
wie z. B. das Gast- und Hotelgewerbe (bis 22:00 Uhr) oder das Backgewerbe (ab 05:00 Uhr).
Jugendliche über 17 Jahre dürfen in Bäckereien ab 04:00 Uhr beschäftigt werden.

Durch Tarifverträge und ggf. Betriebsvereinbarungen kann in bestimmten Grenzen


von den gesetzlichen Regelungen abgewichen werden. Ausnahmen vom Gesetz können
auch durch Rechtsverordnung zugelassen werden, soweit eine Beeinträchtigung der
Gesundheit oder körperlichen oder seelisch-geistigen Entwicklung der Jugendlichen
nicht zu befürchten ist.
40 AUSBILDUNG & BERUF

Verstöße gegen Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes sind, je nach Schwere


der Zuwiderhandlungen, mit einer Geldbuße bis zu 15.000 Euro, Geldstrafe oder
Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr bedroht (§ 58 JArbSchG).

Für erwachsene Auszubildende sieht das Arbeitszeitgesetz im Regelfall eine werk­


tägliche Arbeitszeit von acht Stunden, also eine Wochenarbeitszeit von 48 Stunden
bei einer Sechs-Tage-Arbeitswoche, vor, lässt aber im Einzelnen weitreichende Abwei-
chungen zu.

5 Wie viel Urlaub steht Auszubildenden zu?

Das Wichtigste vorab:

§ 19 JArbSchG, § 3 Bundesurlaubsgesetz

 F
 ür jugendliche Auszubildende beträgt der Jahresurlaub nach Lebensalter gestaffelt
mindestens 25 bis maximal 30 Werktage, für Erwachsene mindestens vier Wochen.

Die Dauer des Urlaubs muss im Berufsausbildungsvertrag festgelegt werden.


Der gesetzliche Mindesturlaub wird im Jugendarbeitsschutzgesetz und im Bundes-
urlaubsgesetz in Werktagen, bezogen auf eine Sechs-Tage-Woche, angegeben.

Die Dauer richtet sich u. a. nach dem Alter der Auszubildenden. Nach dem Jugend-
arbeitsschutzgesetz beträgt der Urlaubsanspruch für jugendliche Auszubildende:
• unter 16 Jahren mindestens 30 Werktage,
• unter 17 Jahren mindestens 27 Werktage und
• unter 18 Jahren mindestens 25 Werktage.

Für erwachsene Auszubildende gilt das Bundesurlaubsgesetz, das jedem Arbeitnehmer


und jeder Arbeitnehmerin einen Urlaubsanspruch von mindestens vier Wochen
sichert (24 Werktage bei Zugrundelegung einer Sechs-Tage-Woche).

Bei einer Fünf-Tage-Woche sind die Urlaubstage anteilig zu berechnen.

Bei der Berechnung der tatsächlichen Anzahl der Urlaubstage sind tarifliche Regelungen
und Betriebsvereinbarungen zu beachten.
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 41

6 Während der Berufsausbildung ins Ausland – geht das?

Das Wichtigste vorab:

§§ 2, 76 BBiG

 Auszubildende können bis zu einem Viertel der in der Ausbildungsordnung


festge­legten Ausbildungsdauer im Ausland absolvieren.
 Ein Auslandsaufenthalt während der Berufsausbildung kann nur mit Zustimmung
des ausbildenden Betriebes erfolgen. Der Auslandsaufenthalt unterbricht das
Ausbildungsverhältnis nicht.
 Förderprogramme ermöglichen Auslandsaufenthalte während der Ausbildung
sowohl für den EU-Raum als auch weltweit.

Während der Berufsausbildung einen ausländischen Betrieb kennen lernen und


Auslandserfahrung sammeln? Dies wurde durch das Berufsbildungsgesetz im Jahre
2005 ermöglicht: Bis zu ein Viertel der in der Ausbildungsordnung festgelegten Aus-
bildungsdauer kann seitdem im Ausland absolviert werden, wenn der ausbildende
Betrieb einverstanden ist. Bei einer dreijährigen Berufsausbildung kann daher ein
bis zu neunmonatiger Auslandsaufenthalt durchgeführt werden (theoretisch können
auch mehrere Auslandsaufenthalte bis zu dieser Gesamtdauer erfolgen).

Dabei wird der Auslandsaufenthalt rechtlich als Teil der Berufsausbildung behandelt,
wenn er dem Ausbildungsziel dient. Dies ist der Fall, wenn die im Ausland vermittel-
ten Ausbildungsinhalte im Wesentlichen dem entsprechen, was auch zuhause Aus-
bildungsgegenstand gewesen wäre, wenn Sprachkenntnisse vermittelt oder sonstige
zusätzliche Kompetenzen erworben werden.

Da der Auslandsaufenthalt in diesen Fällen das Ausbildungsverhältnis nicht unter-


bricht, erübrigen sich zusätzliche Regelungen etwa zur Vergütungspflicht, zur
Anerkennung der im Ausland erworbenen Qualifikationen oder zum Status als
Auszubildende bzw. Auszubildender hinsichtlich sozialversicherungs- und
steuerrechtlicher Fragen.

Das Berufsbildungsgesetz sieht vor, dass die zuständige Stelle einen Ausbildungs-
abschnitt im Ausland „in geeigneter Weise“ überwacht und fördert. Ab einer Auf-
enthaltsdauer von mehr als acht Wochen ist hierzu ein mit der zuständigen Stelle
abgestimmter Plan erforderlich.
42 AUSBILDUNG & BERUF

Auslandsaufenthalte während der Ausbildung werden oft im Rahmen des EU-Pro-


gramms Erasmus+ absolviert und gefördert. Aber auch im außereuropäischen Raum
sind Aufenthalte während der Berufsausbildung möglich und förderfähig.

Oft ermöglichen auch international tätige deutsche Unternehmen ihren Auszubil-


denden bei guten Leistungen Aufenthalte in ausländischen Tochterfilialen. Wer schon
vor Beginn der Ausbildung weiß, dass diese auf jeden Fall ins Ausland führen soll,
der sollte sich am besten schon vorher informieren und gleich eine Ausbildungsstätte
und Berufsschule wählen, wo dies möglich ist.

Die während eines Auslandsaufenthaltes erworbenen Kompetenzen können mithilfe


des „Europass Mobilität“, eines Dokuments zum Nachweis von Lernaufenthalten im
europäischen Ausland, dokumentiert werden.

Weiterführende Informationen im Internet:

Umfangreiche Informationen zu Auslandsaufenthalten im Bereich der beruflichen


Aus­- und Weiterbildung bieten:

Die Nationale Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung
unter na-bibb.de und machmehrausdeinerausbildung.de

Das Programm AusbildungWeltweit des BMBF (ausbildung-weltweit.de) für Länder


außerhalb des EU-Programms Erasmus+

Die Informations- und Beratungsstelle für Auslandsaufenthalte in der beruflichen


Bildung (IBS) bei der Nationalen Agentur Bildung für Europa, die umfassend über
berufliche Aus- und Weiterbildung im Ausland informiert (go-ibs.de)

Die Zentrale Koordinierungsstelle von DIHK und ZDH zum Programm


„Berufsbildung ohne Grenzen“: berufsbildung-ohne-grenzen.de

Das Informationsportal des Nationalen Europass Center europass.eu

Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit:
arbeitsagentur.de/vor-ort/zav/startseite
WÄHREND DER BERUFSAUSBILDUNG 43

7 Probleme während der Ausbildung – an wen können sich


Auszubildende wenden?

Das Wichtigste vorab:

 Im Betrieb können sich Auszubildende mit allen Fragen an Ausbildende, ihre
Ausbilder und Ausbilderinnen oder an den Betriebs- bzw. Personalrat wenden.
Daneben gibt es außerbetriebliche Beratungs­- oder Beschwerdestellen.
 Die zuständige Stelle ist gesetzlich verpflichtet, die Berufsausbildung durch
Beratung zu fördern. Sie muss hierfür Ausbildungsberater oder Ausbildungs­­
beraterinnen bestellen.
 Über Ausbildungsstätten und Ausbildungsberufe berät die Agentur für Arbeit.
 Zu Fragen des Jugendarbeitsschutzes geben die Gewerbeaufsichtsämter
Auskunft.
 Das Arbeitsgericht ist für Streitigkeiten aus einem Berufsausbildungsverhältnis
zuständig. Soweit die zuständige Stelle einen Schlichtungsausschuss eingerich­
tet hat, muss dieser aber vor einer Klage angerufen werden.
 Gegen eine Entscheidung der zuständigen Stelle (z. B. Kammer) können die
betroffenen Auszubildenden innerhalb eines Monats schriftlichen Widerspruch
erheben. Bleibt der Widerspruch erfolglos, können sie innerhalb eines Monats
beim Verwaltungsgericht klagen.

An wen können sich Auszubildende wegen weiterer Auskünfte und zur Beratung
über die Berufsausbildung wenden? Wo können sie sich wegen Mängeln und Miss-
ständen in der Berufsausbildung beschweren und um Abhilfe bitten?

Im Betrieb und in den Verwaltungen im öffentlichen Dienst können sich Auszubil-


dende wegen einer Auskunft oder Beschwerde an Ausbildende oder den Ausbilder
bzw. die Ausbilderin sowie an den Betriebsrat bzw. Personalrat und – soweit einge-
richtet – an die Jugend- und Auszubildendenvertretung wenden. Der Betriebs- oder
Personalrat hat bei der Berufsausbildung im Betrieb auch Überwachungsaufgaben.
Er muss darauf achten, dass die Ausbildung entsprechend den gesetzlichen Bestim-
mungen durchgeführt wird. Dabei nimmt er auch Beschwerden entgegen.

Wenn diese berechtigt erscheinen, wirkt der Betriebs- oder Personalrat durch Ver-
handlungen mit der oder dem Ausbildenden auf ihre Erledigung hin. Der Betriebs-
oder Personalrat kann von den Ausbildenden auch die Abberufung eines Ausbilders
oder einer Ausbilderin verlangen, der bzw. die persönlich oder fachlich, insbesondere
auch berufs- und arbeitspädagogisch, nicht geeignet ist oder seine bzw. ihre Aufgaben
44 AUSBILDUNG & BERUF

vernachlässigt. Die Auszubildenden können sich daher auch in dieser Angelegenheit


an den Betriebs- oder Personalrat wenden.

Außerbetriebliche Beratungsstellen sind insbesondere die zuständige Stelle und deren


Ausbildungsberaterinnen oder Ausbildungsberater, Gewerkschaftsvertreter, deren
Arbeitgeberverbände, berufsbildende Schulen (Lehrkräfte und Schülervertretung),
Gewerbeaufsichtsämter und Jugendverbände.

Die zuständige Stelle ist gesetzlich verpflichtet, die Berufsausbildung durch Beratung
der Ausbildenden und Auszubildenden zu fördern (§ 76 BBiG; § 41 a HwO). Sie
muss zu diesem Zweck sowie zur Überwachung der Berufsausbildung Ausbildungs-
berater oder Ausbildungsberaterinnen bestellen. Bei Schwierigkeiten in der Berufs-
ausbildung können sich Auszubildende an die zuständige Stelle wenden. Handelt es
sich dabei um wichtige Angelegenheiten der beruflichen Bildung, deren Bedeutung
über den Einzelfall hinausgeht, hat sich damit der Berufsbildungsausschuss der
zuständigen Stelle zu befassen. Über Ausbildungsberufe und die Eignung von Aus-
bildungsstätten zur Berufsausbildung unterrichtet auch die Agentur für Arbeit. Über
Fragen im Zu­sam­menhang mit dem Jugendarbeitsschutzgesetz geben die Gewerbe-
aufsichtsämter Auskunft, die in der Regel die Durchführung dieses Gesetzes zu über-
wachen haben und deren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zur Verschwiegenheit
über etwaige per­sönliche Hinweise auf Verstöße gegen das Jugendarbeitsschutzgesetz
verpflichtet sind.

Zuständig für Streitigkeiten zwischen Ausbildenden und Auszubildenden aus einem


Berufsausbildungsverhältnis ist das Arbeitsgericht. An vielen zuständigen Stellen
wurde ein Schlichtungsausschuss zur Beilegung von Streitigkeiten zwischen Ausbil-
denden und Auszubildenden eingerichtet. Vor Inanspruchnahme des Arbeitsgerichts
muss dieser Ausschuss angerufen werden. Ihm gehören Vertreterinnen und Vertreter
der Arbeitgeberseite und der Arbeitnehmerseite in gleicher Zahl an. Die Parteien
müssen von diesem Gremium gehört werden. Wird der vom Ausschuss gefällte
Spruch von den Parteien nicht innerhalb einer Woche anerkannt, so kann binnen
zwei Wochen nach dem ergangenen Spruch Klage beim zuständigen Arbeitsgericht
erhoben werden.

Gegen eine Entscheidung der zuständigen Stelle (wie z. B. die Nichtzulassung zur Ab-
schlussprüfung oder die Nicht-Verkürzung der Ausbildungsdauer) kann innerhalb
eines Monats bei der zuständigen Stelle schriftlich Widerspruch erhoben werden. Bleibt
der Widerspruch erfolglos, steht innerhalb eines Monats nach Zustellung des entspre-
chenden Widerspruchsbescheides der Klageweg beim Verwaltungsgericht offen.
IV Beendigung des
Ausbildungsverhältnisses

1 Wann endet die Ausbildungszeit?

§ 21 BBiG

Das Berufsausbildungsverhältnis endet mit dem Ablauf der Ausbildungszeit.


Bestehen Auszubildende die Abschlussprüfung vor Ablauf der Ausbildungszeit,
so endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des Ergebnisses durch
den Prüfungsausschuss.

Wird die Abschlussprüfung nicht bestanden, so verlängert sich das Berufsausbil-


dungsverhältnis auf Antrag der Auszubildenden bis zur nächstmöglichen Wieder­
holungsprüfung, jedoch höchstens um ein Jahr.
46 AUSBILDUNG & BERUF

2 Wann und warum darf gekündigt werden?

Das Wichtigste vorab:

§ 22 BBiG

 D ie Voraussetzungen für die Kündigung eines Ausbildungsvertrages sind


gesetzlich festgelegt.
 W ährend der Probezeit können beide Vertragsparteien ohne Angabe von
Gründen kündigen.
 N
 ach der Probezeit kann von beiden Seiten aufgrund von schwerwiegenden
Verstößen fristlos gekündigt werden. Schwerwiegende Gründe, die schon
länger als zwei Wochen bekannt sind, können kein Anlass zur Kündigung sein.
Auszubildende können außerdem ordentlich mit einer Frist von vier Wochen
kündigen, wenn sie die Berufs­ausbildung aufgeben oder eine andere Berufs­
ausbildung ergreifen wollen.
 J ede Kündigung muss schriftlich erklärt werden, bei einer Kündigung nach der
Probezeit unter Angabe der Gründe.

Während der Probezeit (siehe Kapitel III 2) gelten besondere Kündigungsbedingungen:


Hier kann das Berufsausbildungsverhältnis ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist
und ohne Angabe von Gründen von beiden Vertragsparteien gekündigt werden. Ein
kurzes Schreiben genügt.

Nach der Probezeit gibt es drei Möglichkeiten, die Ausbildung zu beenden:

• Die fristlose Kündigung


Hier kann das Berufsausbildungsverhältnis von beiden Seiten nur aus einem
wichtigen Grund gekündigt werden. Ein wichtiger Grund ist gegeben, wenn Um-
stände vorliegen, aufgrund derer dem oder der Kündigenden die Fortsetzung des
Berufsausbildungsverhältnisses bis zum Ablauf der Ausbildungszeit nicht zu-
gemutet werden kann. Dies kann bei schweren Regelverstößen der Fall sein, wie
bspw. körperlicher Gewalt, häufigem unentschuldigtem Fehlen in Betrieb oder
Berufsschule oder ausbleibender Zahlung der Ausbildungsvergütung. Vor einer
verhaltensbedingten Kündigung muss der oder die Auszubildende in der Regel
vom ausbildenden Betrieb zunächst abgemahnt werden.
BEENDIGUNG DES AUSBILDUNGSVERHÄLTNISSES 47

Die Kündigung aus wichtigem Grund ist jedoch unwirksam, wenn die ihr zugrun-
deliegenden Tatsachen dem oder der zur Kündigung Berechtigten bereits länger
als zwei Wochen bekannt sind.

• Die ordentliche Kündigung


Es können ernsthafte Gründe vorliegen, eine Berufsausbildung ganz abzubrechen
oder den Ausbildungsberuf zu wechseln. In diesem Falle können Auszubildende
mit einer Frist von vier Wochen ordentlich kündigen (§ 22 Absatz 2 Nr. 2 BBiG).

• Ein Aufhebungsvertrag
Schließlich gibt es noch die Möglichkeit des Abbruchs der Ausbildung durch
einen Aufhebungsvertrag: Dies ist keine Kündigung, sondern eine Vereinbarung
zwischen Betrieb und Auszubildenden, die Ausbildung nicht länger fortzusetzen.
Ein Aufhebungsvertrag ist daher nur mit Einverständnis des Betriebes möglich.
Ein Aufhebungsvertrag kann ohne Einhaltung einer Frist und ohne Angabe von
Gründen erfolgen.

Jede Kündigung muss schriftlich erklärt werden, bei einer Kündigung nach der
Probe­zeit unter Angabe der Kündigungsgründe.

Wird das Berufsausbildungsverhältnis nach Ablauf der Probezeit vorzeitig gelöst,


so können Ausbildende oder Auszubildende Ersatz des Schadens verlangen, wenn
die andere Person den Grund für die Auflösung zu vertreten hat (§ 23 BBiG). Dies
gilt jedoch nicht bei Kündigung wegen Aufgabe oder Wechsel der Berufsaus-
bildung. Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innerhalb von drei Monaten nach
Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses geltend gemacht wird.

3 Wechsel des Ausbildungsbetriebes während der Ausbildung

Was ist, wenn Auszubildende zwar ihre Berufsausbildung fortführen wollen, aber
im Ausbildungsbetrieb nicht zurechtkommen? Von der Kündigung wegen Aufgabe
des Berufes oder Wechsel des Ausbildungsberufes ist ein Wechsel des Ausbildungs-
betriebes während der Ausbildung zu unterscheiden. Die Möglichkeit der Kündigung
wegen der tatsächlichen Aufgabe des Berufes bedeutet nicht, dass Auszubildende
damit immer unter dem Vorwand der Aufgabe des Berufes das Ausbildungsverhältnis
wirksam kündigen können. Eine danach erklärte „Betriebswechselkündigung“ ist
daher grundsätzlich nicht wirksam. Es gilt das Prinzip der Vertragstreue.
48 AUSBILDUNG & BERUF

Haben Auszubildende den Kündigungsgrund Berufswechsel nur vorgeschoben,


um dieselbe Ausbildung in einem anderen Betrieb machen zu können, kann der
bisherige Ausbildungsbetrieb unter Umständen sogar Schadensersatz verlangen
(§ 23 Absatz 1 BBiG).

Eine Lösung kann in der Weise gefunden werden, dass die Vertragsparteien im bei-
derseitigen Einvernehmen den Ausbildungsvertrag durch einen Aufhebungsvertrag
beenden. Nach Abschluss eines Aufhebungsvertrages kann die Ausbildung in einem
anderen Betrieb auch im selben Ausbildungsberuf fortgesetzt werden.

Was tun bei Insolvenz des Ausbildungsbetriebes?

• Weder eine drohende Insolvenz noch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens


haben direkte Auswirkungen auf den Ausbildungsvertrag. Die aus dem Aus­
bildungsverhältnis begründeten Rechte und Pflichten bleiben weiter bestehen.
Nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens tritt allerdings der Insolvenzver­
walter an die Stelle des Ausbildungsbetriebs. Alle aus dem Ausbildungsvertrag
bestehenden Ansprüche sind an ihn zu richten.

• Kann der Ausbildungsbetrieb die Ausbildungsvergütung nicht zahlen, können


die Auszubildenden einen Anspruch auf Insolvenzgeld haben (§§ 165 ff. SGB III).

• Kann eine ordnungsgemäße Ausbildung jedoch nicht mehr sichergestellt werden,


weil der Betrieb ganz oder teilweise stillgelegt wird oder die Ausbildungsbe­
rechtigung nicht mehr besteht, steht dem Ausbildungsbetrieb ein außerordent­
liches Kündigungsrecht zu. Die Kündigung kann nur unter Einhaltung einer Frist
ausgesprochen werden, die nicht mehr als drei Monate umfasst. Auszubildende
können, wenn die ordnungsgemäße Ausbildung nicht mehr sichergestellt ist,
ohne Einhaltung einer Frist kündigen. Dieses Recht besteht auch dann, wenn der
Ausbildungsbetrieb bereits gekündigt hat.

• Auszubildende können hier also, wenn sie einen neu­en Ausbildungsplatz gefunden
haben, sofort wechseln.
V Die Abschlussprüfung

Das Wichtigste vorab:

 Die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen schließt mit einer Abschluss­


prüfung (im Handwerk mit der Gesellenprüfung) ab. Diese kann auch in zwei
zeitlich auseinanderfallenden Teilen durchgeführt werden (sog. gestreckte Ab­
schlussprüfung). Wenn keine gestreckte Abschlussprüfung vorgesehen ist, muss
nach ca. der Hälfte der Ausbildungszeit eine Zwischenprüfung absolviert werden.
Ihre Ergebnisse fließen nicht in die Gesamtnote ein.
 Für die Prüfung und einen unmittelbar vor der schriftlichen Abschlussprüfung
liegenden Arbeitstag müssen Auszubildende von ihrem Betrieb freigestellt werden.
50 AUSBILDUNG & BERUF

 Eine Abschlussprüfung nach BBiG oder HwO ist unter bestimmten Voraussetzun­
gen auch für Absolventinnen und Absolventen vollzeitschulischer Ausbildungen
oder für Personen ohne Berufsausbildung mit Berufserfahrung („Externenprü­
fung“) möglich.
 In der Abschlussprüfung wird durch einen Prüfungsausschuss der zuständigen
Stelle festgestellt, ob der Prüfling die berufliche Handlungsfähigkeit erworben
hat. Einzelheiten über Prüfungsgegenstand und -verfahren können der jeweiligen
Ausbildungsordnung und der Prüfungsordnung der zuständigen Stelle ent­
nommen werden.
 Nach bestandener Prüfung erhält der Prüfling von der zuständigen Stelle ein
Prüfungszeugnis, auf dem auf Antrag des Prüflings auch das Ergebnis seiner
berufsschulischen Leistungen aufgeführt werden kann. Eine Anrechnung auf die
Gesamtnote der Prüfung bei der zuständigen Stelle findet aber nicht statt. Vom
Ausbildenden bzw. von der Ausbildenden wird ebenfalls ein Zeugnis ausgestellt.
 Bei Nichtbestehen kann die Abschlussprüfung zweimal wiederholt werden.

1 Zwischenprüfung, Abschlussprüfung – was steckt dahinter?

§§ 37, 38, 48 BBiG

Traditionell wird in vielen anerkannten Ausbildungsberufen zur Ermittlung des Aus-


bildungsstands eine Zwischenprüfung durchgeführt. Das Ergebnis dieser Zwischen-
prüfung fließt nicht in die Abschlussnote ein. In den Ausbildungsordnungen werden
Inhalt und Zeitraum der Zwischenprüfungen vorgeschrieben. Bei Berufen mit drei-
oder dreieinhalbjähriger Ausbildungsdauer soll die Zwischenprüfung vor dem Ende
des zweiten Ausbildungsjahres stattfinden; bei zweijährigen Berufen vor dem Ende
des ersten Ausbildungsjahres.

Die Ausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen endet mit der Abschlussprüfung


(im Bereich der HwO Gesellenprüfung genannt). Darin wird festgestellt, ob der Prüfling
die „berufliche Handlungsfähigkeit“ erworben hat. Prüflinge sollen die erforderlichen
beruflichen Fertigkeiten beherrschen, die notwendigen beruflichen Kenntnisse und
Fähigkeiten besitzen und mit dem Lehrstoff des Berufsschulunterrichts vertraut sein.
Die jeweilige Ausbildungsordnung und Prüfungsordnung regeln die Prüfungsanfor­
derungen im Einzelnen.

Die Abschlussprüfung und die Zwischenprüfung sind für Auszubildende gebührenfrei.


DIE ABSCHLUSSPRÜFUNG 51

2 Die „gestreckte“ Abschlussprüfung

§§ 5 Absatz 2 Nr. 2, 44 BBiG

Immer häufiger wird in Berufsausbildungen die klassische Variante einer Zwischen-


und einer Abschlussprüfung durch eine sog. „gestreckte Abschlussprüfung“ ersetzt.
Gestreckte Abschlussprüfung bedeutet, dass statt einer Zwischen- und einer Ab-
schlussprüfung eine Abschlussprüfung in zwei Teilen stattfindet. Der erste Teil der
Prüfung findet etwa nach der Hälfte der Ausbildung statt, der zweite an ihrem Ende.
Und: Beide Teile gehen in die Abschlussnote ein. Dabei macht der erste Teil der
Prüfung meistens zwischen 30 Prozent und 40 Prozent der Note aus, der zweite Teil
die restlichen 60 Prozent bzw. 70 Prozent.

Warum wurde die Art der Prüfung geändert? Da der erste Teil der gestreckten Ab-
schlussprüfung mitgezählt wird, findet eine intensivere Vorbereitung statt. Zudem
wird nun nicht der gesamte Prüfungsstoff am Ende der Berufsausbildung abgeprüft,
sondern abgeschichtet. Beide Prüfungsteile sind rechtlich eine Einheit, d. h., man
kann im ersten Teil nicht „durchfallen“.

3 Was sind die Voraussetzungen für die Prüfungszulassung?

§§ 43 bis 46 BBiG

Für die Zulassung zur Abschlussprüfung müssen mehrere Voraussetzungen erfüllt sein:

• Der Ausbildungsvertrag muss von der zuständigen Stelle in das Verzeichnis der
Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen worden sein. Eine fehlende Eintragung
schadet nicht, wenn die Auszubildenden oder deren gesetzliche Vertreterinnen
und Vertreter (in der Regel die Eltern) dies nicht zu verantworten haben.
• Die Ausbildungsdauer muss zurückgelegt sein oder spätestens zwei Monate nach
dem Prüfungstermin enden. Bei überdurchschnittlichen Leistungen können
Auszubildende bereits vor Ablauf ihrer Ausbildungszeit zur Abschlussprüfung
zugelassen werden (siehe Kapitel III 1).
• Vorgeschriebene Zwischenprüfungen müssen absolviert und unterzeichnete
Ausbildungsnachweise (siehe Kapitel II 6) müssen vorgelegt worden sein.
• Bei der gestreckten Abschlussprüfung wird über die Zulassung zu beiden Teilen
jeweils gesondert entschieden. Voraussetzung für die Zulassung zum zweiten Teil
ist die Teilnahme (unabhängig vom Ergebnis) am ersten Teil.
52 AUSBILDUNG & BERUF

Auch Absolventinnen und Absolventen vollzeitschulischer Berufsausbildungen


können zur Abschlussprüfung zugelassen werden, wenn diese Bildungsgänge der
Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf entsprechen.

Daneben können auch Personen, die schon länger in einem Beruf tätig sind, für die­sen
Beruf eine Prüfung ablegen, auch ohne vorab eine Berufsausbildung absolviert
zu haben. Diese sog. Externenprüfung setzt voraus, dass der Prüfling mindestens
das Eineinhalbfache der Zeit, die als Ausbildungszeit vorgeschrieben ist, in dem
Beruf tätig gewesen ist, in dem die Prüfung abgelegt werden soll. Als Zeiten der
Berufstätigkeit gelten auch Ausbildungszeiten in einem (anderen, einschlägigen)
Ausbildungsberuf.

Prüfungstermine können bei der zuständigen Stelle – insbesondere bei den Ausbil-
dungsberaterinnen und Ausbildungsberatern (siehe Kapitel III 7) – erfragt werden.
Häufig sind sie online zu finden.

4 Freistellung für die Prüfung durch die Ausbildenden

§§ 43 bis 46 BBiG

Ausbildende müssen ihre Auszubildenden für die Teilnahme an Prüfungen freistellen.


Angerechnet auf die Ausbildungszeit im Betrieb wird die Zeit der Teilnahme ein-
schließlich der Pausen.

Darüber hinaus haben Auszubildende auch einen Freistellungsanspruch für den


Arbeitstag, der der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorausgeht.

Die Freistellung am Arbeitstag zuvor findet nur bei schriftlichen Abschluss­


prüfungen oder Wiederholungsprüfungen Anwendung, nicht aber bei
­Zwischenprüfungen oder nicht schriftlichen Prüfungen.

Geht dem Prüfungstermin ein Wochenende voran, muss mangels Arbeitstag


unmittelbar vor der Prüfung nicht freigestellt werden (es sei denn, der Prüfling
muss am Wochenende an dem Tag vor der Abschlussprüfung arbeiten).
DIE ABSCHLUSSPRÜFUNG 53

Findet der schriftliche Teil der Abschlussprüfung in der klassischen Variante an


mehreren Tagen, z. B. an einem Dienstag und einem Donnerstag, statt, so ist der
Auszubildende nur am Montag freizustellen.

Im Falle einer gestreckten Abschlussprüfung haben Prüflinge Anspruch auf jeweils


einen freien Tag vor der schriftlichen Prüfung im ersten und im zweiten Teil der
Abschlussprüfung.

Angerechnet für diesen freigestellten Tag/diese freigestellten Tage wird die durch-
schnittliche tägliche Ausbildungszeit.

5 Wie läuft die Prüfung ab?

§§ 40 bis 42 BBiG

Die konkreten Prüfungsleistungen und -anforderungen sind in den jeweiligen


Ausbildungsordnungen und Prüfungsordnungen festgelegt. Es können schriftliche,
praktische und mündliche Prüfungsleistungen gefordert sein.

Die Abschlussprüfung wird von einem mindestens mit drei Personen besetzten
Prüfungsausschuss der zuständigen Stelle durchgeführt. Ihm gehören zu gleicher
Anzahl Beauftragte der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber sowie mindestens eine
Lehrkraft einer Berufsschule an. Der Prüfungsausschuss kann die gesamte Prüfung
selbst abnehmen. Seit der Novelle, die zum 1. Januar 2020 in Kraft getreten ist, besteht
aber auch die Möglichkeit, sog. Prüferdelegationen zur Abnahme und Bewertung von
Prüfungsleistungen einzusetzen. Diese bestehen auch aus mindestens drei Personen
(Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeauftragte sowie eine Lehrkraft).

Wenn es sich um Prüfungsleistungen handelt, die unabhängig von der Anwesenheit


Prüfender beim Prüfungstermin bewertet werden können (schriftliche Prüfungsleis-
tungen, teilweise praktische Leistungen), reichen hierfür zwei Prüfende des Prüfungs-
ausschusses oder der Prüferdelegationen aus.

Einzelheiten zum Ablauf des Prüfungsverfahrens sind in der Musterprüfungsord-


nung (MPO) für die Durchführung von Abschluss- und Umschulungsprüfungen in
der Anlage A 2 zu finden.
54 AUSBILDUNG & BERUF

6 Das Prüfungszeugnis

§ 37 Absatz 2–4 BBiG

Nach bestandener Abschlussprüfung stellt die zuständige Stelle dem Prüfling


ein Prüfungszeugnis aus, das sog. Kammer- bzw. Abschlusszeugnis.

Auszubildende können beantragen, dass auch das Ergebnis ihrer berufsschulischen


Leistungen auf dem Abschlusszeugnis aufgeführt wird. Die Berufsschulnote wird aber
nicht auf die Note der Abschlussprüfung bei der zuständigen Stelle angerechnet. Dem
Antrag muss ein Nachweis der erbrachten berufsschulischen Leistungen beigefügt
werden.

Auf Antrag der Auszubildenden sind dem Zeugnis von der zuständigen Stelle eine
englische und eine französischsprachige Übersetzung beizufügen. Hierdurch werden
grenzübergreifende Bewerbungen erleichtert und wird die Mobilität gefördert.

Auszubildende erhalten bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses auch


von ihren Ausbildenden ein Zeugnis, das Angaben über Art, Dauer und Ziel der
Berufsausbildung sowie über die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
und Fähigkeiten der Auszubildenden enthält (§ 16 BBiG).

7 Kann die Abschlussprüfung wiederholt werden?

§ 37 Absatz 1 BBiG

Wird die Abschlussprüfung nicht bestanden, kann sie zweimal wiederholt werden.
Bei einer sog. „gestreckten Abschlussprüfung“ bilden beide Teile eine Einheit, d. h.,
der erste Teil der Abschlussprüfung ist nicht eigenständig wiederholbar.

Eine Wiederholung einer bestandenen Abschlussprüfung lediglich zur Notenverbes-


serung ist nicht zulässig.
VI Nach der Ausbildung –
wie geht es weiter?

1 Weiterbeschäftigung nach der Berufsausbildung

Das Wichtigste vorab:

§§ 12, 24 BBiG

 Während der letzten sechs Monate des Berufsausbildungsverhältnisses können


die Vertragsparteien eine Weiterbeschäftigung vereinbaren.
 Mitglieder der Jugend- und Auszubildendenvertretung müssen nach Beendigung
des Ausbildungsverhältnisses grundsätzlich weiterbeschäftigt werden, wenn sie dies
verlangen.
56 AUSBILDUNG & BERUF

Viele Auszubildende werden nach Abschluss ihrer Ausbildung übernommen. Eine sol-
che Vereinbarung darf frühestens während der letzten sechs Monate des bestehenden
Berufsausbildungsverhältnisses getroffen werden. Bei Weiterbeschäftigung ohne aus-
drückliche Vereinbarung wird ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte Zeit begründet.

Besondere Schutzvorschriften gelten für Mitglieder einer Jugend- und Auszubilden-


denvertretung (§ 78 a Betriebsverfassungsgesetz – BetrVG, § 9 Bundespersonalver-
tretungsgesetz– BPersVG). Sie haben grundsätzlich einen Anspruch auf Übernahme
in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis. Ausnahmsweise kann gerichtlich davon
abgewichen werden. Ausbildende müssen sie drei Monate vor Ende der Ausbildung
schriftlich darüber informieren, dass sie sie nicht übernehmen möchten.

2 Fortbildung – der Weg zu höherem Einkommen, mehr Verant­wortung


und neuen Herausforderungen

Das Wichtigste vorab:

 D
 ie Abschlussprüfung ist Ausgangspunkt für den beruflichen Aufstieg.
Erkundigen Sie sich nach Aufstiegs-­, Fortbildungs­- und Fördermöglichkeiten!
 U
 mfassende Informationen über Aufstiegsmöglichkeiten in den einzelnen Berufen
enthalten die Datenbanken BerufeNet und KURSNET der Bundesagentur für Arbeit.

Eine Berufsausbildung schafft ein solides Fundament für die berufliche Karriere. Eine
berufliche Fortbildung knüpft daran an und bietet einen Weg zu höherem Einkom-
men, mehr Verantwortung und neuen Herausforderungen.

Fachkräftebedarf, Internationalisierung, Digitalisierung, demografischer Wandel


und Nachhaltigkeit sind nur einige der Themen, die die Arbeitswelt beschäftigen.
Sie stellen nicht nur Herausforderungen dar, sondern bieten vielmehr zahlreiche
Chancen. Fortbildungen unterstützen dabei, diese Chancen wahrzunehmen und
praktisch umzusetzen. Chancen ergeben sich für Personen, die sich aufgeschlossen
und aktiv im Wege des lebensbegleitenden Lernens auf veränderte Rahmenbedin-
gungen vorbereiten. Die Anforderungen am Arbeitsplatz, Berufsbilder, Tätigkei-
ten und Kommunikationsformen ändern sich fortlaufend. Fortbildungen dienen
dazu, diesen Veränderungen mit Wissen und Tatkraft zu begegnen. Angebote zur
kontinuierlichen und persönlichen Weiterentwicklung decken den kurzfristigen
NACH DER AUSBILDUNG – WIE GEHT ES WEITER? 57

Weiterbildungsbedarf – etwa bei der Einführung von neuen Produktionsverfahren


oder Technologien – und sie sind ein wichtiger Baustein der betrieblichen Weiter-
bildungskultur.

Eine Anpassung der vorhandenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten an neue Ent-
wicklungen ist stets von Vorteil, um diese zu eigenen beruflichen Erfolgen zu nutzen. Die
individuellen Karrieremöglichkeiten sollten deshalb bereits frühzeitig erkundet werden.
Dabei kommen zahlreiche Ansprechpersonen in Betracht, z. B. im Ausbildungsbetrieb,
bei der Bundesagentur für Arbeit, bei den zuständigen Stellen, bei Berufsverbänden, bei
Gewerkschaften sowie an den Berufsschulen. Online finden sich ebenso viele Hinweise.

Weiterführende Informationen im Internet:

Informationsangebot der Bundesagentur für Arbeit


zu Ausbildungsberufen: berufenet.arbeitsagentur.de,
zur Weiterbildung: kursnet-finden.arbeitsagentur.de/kurs

3 Höherqualifizierende Berufsbildung – Bachelor Professional


und Master Professional – der Karriereturbo

Das Wichtigste vorab:

§§ 53, 53 a, 53 b, 53 c, 53 d BBiG

 „Höherqualifizierende Berufsbildung“ nach dem BBiG (und der HwO) ist ein
eigenständiges, mehrstufiges System von bundesweit geregelten beruflichen
Fortbildungsqualifikationen.
 Neue Abschlussbezeichnungen in der höherqualifizierenden Berufsbildung wie
Bachelor Professional und Master Professional verdeutlichen die Gleichwertigkeit
von beruflicher und akademischer Bildung.
58 AUSBILDUNG & BERUF

Die neuen Fortbildungsstufen der höherqualifizierenden Berufsbildung

Neue Bezeichnungen für die höherqualifizierende


Berufsbildung im System der tertiären 3
Qualifizierung in Deutschland 2 Master Professional
in z.B. Betriebswirtschaft
Bachelor Professional
in z.B. Bilanzbuchhaltung BISHER*

1 BISHER* Geprüfte/r
Betriebswirt/-in (HwO)
Meister/-in, Fachwirt/-in,
Geprüfte/r Bilanzbuchhalter/-in Geprüfte/r
Geprüfte/r Berufspädagog(e)/-in
GLEICHWERTIG MIT
Berufsspezialist/-in
Bezeichnungen von
für z.B. Servicetechnik Hochschulabschlüssen:
GLEICHWERTIG MIT

Bachelor of Arts / Science / Education Bezeichnungen von


BISHER* Bezeichnungen von landesrechtlichen Hochschulabschlüssen:
Fachschulabschlüssen: Master of Arts / Science / Education
Geprüfte/r Servicetechniker/-in,
Geprüfte Fachkraft für Arbeits- und Staatlich geprüfte/r Techniker/-in,
Berufsförderung Staatlich anerkannte Erzieher/-in

*Der Meistertitel nach der Handwerksordnung bleibt erhalten und wird durch die neuen Bezeichnungen ergänzt. Im Übrigen entscheidet der
Verordnungsgeber im Dialog mit den Sozialpartnern, ob die neue Bezeichnung einer bestehenden Bezeichnung beigefügt wird oder diese ersetzt.

© BMBF

Die „höherqualifizierende Berufsbildung“ nach dem BBiG (und der HwO) ist ein
eigenständiges, mehrstufiges System von bundesweit geregelten beruflichen Fort­
bildungsqualifikationen, das gleichwertige Entwicklungsmöglichkeiten wie ein
Hochschulstudium bietet.

Diese Abschlüsse befähigen zu anspruchsvollen Fach- und Führungsaufgaben mit


statistisch früherer Personalführung als mit einem akademischen Abschluss. Beschäf-
tigte mit höherem Berufsbildungsabschluss gelangen häufiger als Ausbildungsabsol­
ventinnen und Absolventen ohne Höherqualifizierung in eine Führungsfunktion oder
Tätigkeit mit größerer (Budget-)Verantwortung und erlangen deutlich höhere Ein-
kommen. Damit geht auch ein besserer Schutz vor einem Arbeitsplatzverlust einher.

Im Zuge der BBiG-Novelle 2020 wurden folgende Abschlussbezeichnungen


ein­geführt für:
• die erste Fortbildungsstufe: der Geprüfte Berufsspezialist/die Geprüfte
Berufsspezialistin,
• die zweite Fortbildungsstufe: der Bachelor Professional und
• die dritte Fortbildungsstufe: der Master Professional.
NACH DER AUSBILDUNG – WIE GEHT ES WEITER? 59

Dabei zeigen gerade die für die zweite und dritte berufliche Fortbildungsstufe fest­
ge­legten Abschlussbezeichnungen die Gleichwertigkeit von beruflicher und akade-
mischer Bildung. Sie sorgen für eine klare Markensprache. Zugleich erhöhen sie die
Mobilitäts- und Karrierechancen der Absolventinnen und Absolventen und stellen
sich so als Karriereturbo dar.

Meisterinnen und Meister nach der HwO dürfen seit dem Inkrafttreten
der BBiG-Novelle am 1. Januar 2020 zusätzlich die Bezeichnung Bachelor
Professional führen.

Bei allen anderen entsprechenden Fortbildungsabschlüssen (z. B. Geprüfte/r


Indus­triemeister/in) ist noch ein Handeln des Verordnungsgebers nötig. Dabei
stimmt der Verordnungsgeber mit den Sozialpartnern die genaue Bezeichnung
des Abschlusses und die Frage, ob eine weitere Bezeichnung vorangestellt wird, ab.
Eine „Rückwirkung“ ist nicht vorgesehen.

Da jede Fortbildungsstufe als Regelzugang inhaltlich auf eine abgeschlossene Berufs-


ausbildung und/oder den Abschluss der vorherigen Fortbildungsstufe abstellt, öffnet
die höherqualifizierende Berufsbildung so diesen Bereich für alle Auszubildenden,
unabhängig davon, ob sie ausschließlich über eine berufliche Grundbildung oder
zusätzlich auch über eine Studienberechtigung verfügen.

Der im Gesetz vorgegebene Mindestlernumfang (400 Stunden für den/die Geprüfte/n


Berufsspezialisten/in, 1.200 Stunden für den Bachelor Professional, 1.600 Stunden für
den Master Professional) bedeutet nicht, dass jeweils ein Vorbereitungslehrgang mit
der entsprechenden Stundenzahl absolviert werden muss. Eine Lehrgangsteilnahme
ist bei der beruflichen Fortbildung nach dem BBiG und der HwO keine Voraussetzung
für die Prüfungszulassung. Diese Vorgabe richtet sich vielmehr an den Verordnungs­
geber, der für die entsprechende Fortbildungsstufe ein typisiertes Mindestvorbereitungs­
volumen mit seinen Prüfungszielen, -inhalten und -anforderungen zu sichern hat.
60 AUSBILDUNG & BERUF

4 Förderung beruflicher Fort- und Weiterbildung

Das Wichtigste vorab:

 D
 ie Abschlussprüfung ist Ausgangspunkt für den beruflichen Aufstieg.
Erkundigen Sie sich nach Aufstiegs-­, Fortbildungs-­und Fördermöglichkeiten!
 U
 mfassende Informationen über Aufstiegsmöglichkeiten in den einzelnen Berufen
enthalten die Datenbanken BerufeNet und KursNet der Bundesagentur für Arbeit.
 D
 ie Agentur für Arbeit und die Ausbildungsförderungsämter geben auch
Auskunft über die finanziellen Bildungsbeihilfen.
 D
 ie Ämter für Ausbildungsförderung geben Auskunft über Fördermöglichkeiten
mit dem AFBG (sog. „Aufstiegs-­BAföG“).
 D
 ie Stiftung Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) und die zuständigen
Stellen (in der Regel die Kammern) geben Auskunft über die Begabtenförderung
berufliche Bildung und vergeben die Stipendien.

Um jeder und jedem Weiterbildungsinteressierten, unabhängig von der Arbeitge-


berbeteiligung, die Teilnahme an beruflicher Weiterbildung zu ermöglichen, gibt es
zahlreiche Fördermöglichkeiten von Bund und Ländern, neben direkter finanzieller
Förderung wie dem Aufstiegs-BAföG auch indirekte Unterstützungsmaßnahmen
wie bspw. Bildungsurlaub.
NACH DER AUSBILDUNG – WIE GEHT ES WEITER? 61

Aufstiegs-BAföG

§§ 1 bis 13 b AFBG

Wer sich beruflich fortbilden will, um im Beruf voranzukommen, braucht die


finanziellen Hürden nicht zu fürchten. Für die Vorbereitung auf die Prüfungen zu
den oben genannten oder anderen vergleichbaren, rechtlich geregelten Fortbildungs-
abschlüssen kann eine finanzielle Unterstützung nach dem Aufstiegsfortbildungs-
förderungsgesetz (AFBG) gewährt werden. Mit diesem sog. Aufstiegs-BAföG werden
Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Maßnahmen der beruflichen Aufstiegsfort-
bildung mit Fortbildungszielen etwa zum/zur Meister/in, Techniker/in, Fachwirt/in
oder Erzieher/in altersunabhängig finanziell unterstützt.

Der Förderanspruch wird auf alle drei neuen beruflichen Fortbildungsstufen für
Fortbildungsabschlüsse nach BBiG, HwO und solche, die gleichwertig sind, erweitert.
Damit ist im Grundsatz nicht mehr nur noch eine Förderung möglich, sondern es
können bis zu drei Fortbildungen gefördert werden. So kann der berufliche Aufstieg,
z. B. vom Gesellen zum Kfz-Servicetechniker über den Kfz-Meister bis zum Betriebs-
wirt im Handwerk, d. h. bis auf Master-Niveau, gefördert werden.

Das Aufstiegs-BAföG sieht für Vollzeitmaßnahmen einen nach Familiengröße ge-


staffelten – einkommens- und vermögensabhängigen – Unterhaltsbeitrag vor, der
aus einem nichtrückzahlbarem Vollzuschuss besteht. Auch Kinderbetreuungskosten
Alleinerziehender werden, solange das Kind das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet
hat, pauschal mit 150 Euro pro Kind und Monat übernommen.

Unter bestimmten Voraussetzungen wird der Unterhaltsbeitrag auch während der


Prüfungsvorbereitungsphase, d. h. der Zeit zwischen dem letzten Unterrichtstag und
dem letzten Prüfungstag, fortgewährt. Allerdings wird er maximal für drei Monate
und auch nur in Form eines Darlehens gewährt. Mit dem Aufstiegs-BAföG können
darüber hinaus über einen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent und ein zinsgünstiges
Bankdarlehen bei Vollzeit- und Teilzeitmaßnahmen einkommensunabhängig die
Lehrgangs- und Prüfungsgebühren bis zu 15.000 Euro sowie die notwendigen Ma-
terialkosten der fachpraktischen Arbeit in der Meisterprüfung sowie vergleichbarer
Arbeiten zur Hälfte, maximal jedoch bis zu einer Höhe von 2.000 Euro, finanziert
werden. Wer die Prüfung besteht, dem werden zusätzlich 50 Prozent des auf die Lehr-
gangs- und Prüfungsgebühren entfallenden Restdarlehens erlassen. Wer sich zudem
nach bestandener Prüfung selbstständig macht, erhält unter bestimmten Voraus-
setzungen sein auf die Lehrgangs- und Prüfungsgebühren entfallendes Restdarlehen
vollständig erlassen.
62 AUSBILDUNG & BERUF

Zuständige Behörden sind in der Regel die kommunalen Ämter für Ausbildungs­
förderung bei den Kreisen und kreisfreien Städten am gewöhnlichen Aufenthaltsort
der Antragstellenden.

Weiterführende Informationen im Internet:

Nähere Informationen zu den Fördervoraussetzungen nach dem AFBG gibt es unter


aufstiegs-bafoeg.de

Hier sind auch unter Rubrik > Ihr Weg zur Förderung > Förderämter und Beratung
die zuständigen Förderämter zu finden.

D
 er Flyer „Aufstiegs-BAföG – Machen Sie Ihre Karriere zum Highlight!“
zum Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz
(AFBG) steht zum Download kostenlos bereit unter
bmbf.de/upload_filestore/pub/Aufstiegs_BAfoeG.pdf

Förderprogramme „Weiterbildungsstipendium“ und „Aufstiegsstipendium“

Wer die Berufsausbildung mit einem besonders guten Ergebnis abgeschlossen hat und
sich weiterqualifizieren möchte, kann sich um ein Weiterbildungsstipendium bewerben.

Das Programm des Bundesministeriums für Bildung und Forschung fördert fach­liche
Lehrgänge wie etwa Aufstiegsfortbildungen zum Handwerksmeister, zur Technikerin,
zum Fachpfleger oder zur Fachwirtin. Darüber hinaus können auch fachübergreifen­de
Maßnahmen gefördert werden, wie etwa eine Softwareschulung, ein Intensivsprach-
kurs oder die Vorbereitung auf die Prüfung zur Ausbildereignung. Auch ein berufsbe-
gleitendes Studium ist förderfähig, wenn es auf Ausbildung oder Berufspraxis aufbaut.

In einem Zeitraum von maximal drei Jahren können die Stipendiatinnen und Stipen-
diaten bis zu 8.100 Euro erhalten.

In den dualen Ausbildungsberufen werden die Weiterbildungsstipendien von den


zuständigen Stellen der Berufsbildung vergeben. Nach einer Ausbildung in einem
der bundesgesetzlich geregelten Fachberufe im Gesundheitswesen ist die Stiftung
Begabtenförderung berufliche Bildung (SBB) die Ansprechpartnerin.
NACH DER AUSBILDUNG – WIE GEHT ES WEITER? 63

Das Aufstiegsstipendium ist eine weitere Förderung des Bundesministeriums für


Bildung und Forschung. Das Programm richtet sich an engagierte Fachkräfte mit
Berufsausbildung, die bereits zwei oder mehr Jahre Berufserfahrung gesammelt
haben. Unterstützt wird ein erstes akademisches Hochschulstudium – in Vollzeit
oder berufsbegleitend.

Weiterführende Informationen im Internet:

weiterbildungsstipendium.de
aufstiegsstipendium.de
sbb-stipendien.de

Förderung nach dem Sozialgesetzbuch (SGB)

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) fördert Personen, die eine Berufsausbildung nach-
holen wollen oder bei denen aus gesundheitlichen oder arbeitsmarktlichen Gründen
eine berufliche Neuorientierung erforderlich ist. Bei Teilnahme an berufsabschluss-
bezogenen Weiterbildungen werden grundsätzlich Lehrgangskosten in voller Höhe
übernommen und bei Bestehen der Zwischen- und Abschlussprüfung wird jeweils
eine Prämie gezahlt. Berufsabschlussbezogene Weiterbildungen können auch Schritt
für Schritt über Teilqualifizierungen oder Ausbildungsbausteine absolviert werden.
Zu beachten ist, dass die Teilnahme an Weiterbildungen, die zu einem Abschluss in
einem allgemein anerkannten Ausbildungsberuf führen, grundsätzlich nur gefördert
werden kann, wenn die Umschulungsdauer gegenüber einer Erstausbildung um
mindestens ein Drittel verkürzt ist. Bei Bedarf kann auch der Erwerb von Grund-
kompetenzen zur Vorbereitung auf eine berufsabschlussbezogene Weiterbildung
gefördert werden (z. B. Kompetenzen in Mathematik-, Informations- und Kommuni-
kationstechnologien).

Gefördert wird die Teilnahme an sog. Gruppenmaßnahmen bei Bildungsträgern.


Berufsabschlussbezogene Weiterbildungen können auch im Wege der sog. betrieb-
lichen Umschulung bei einem Unternehmen erfolgen. Diese kann auch durch um-
schulungsbegleitende Hilfen unterstützt werden.
64 AUSBILDUNG & BERUF

Über eine Förderung entscheidet die zuständige örtliche Agentur für Arbeit oder das
Jobcenter. Bei Vorliegen der gesetzlichen Förderungsvoraussetzungen wird von der
Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter ein Bildungsgutschein ausgestellt. Bildungs-
gutscheininhaber/innen können entsprechend dem vereinbarten Bildungsziel unter
den für die Arbeitsförderung zugelassenen Weiterbildungsanbietern frei wählen.

Weiterführende Informationen:

Weiterführende Informationen zur Förderung der Weiterbildung finden sich


online unter der-weiterbildungsratgeber.de

sowie zum „Infotelefon Weiterbildungsberatung“ als Service


des Bundesministeriums für Bildung und Forschung unter
bmbf.de/de/servicetelefon-zur-weiterbildung-1369.html
oder über die kostenlose Hotline 08 00 2017909

Bildungsurlaub

Beschäftigte haben zusätzlich zum regulären Urlaubsanspruch einen gesetzlichen


Anspruch auf bezahlte Freistellung für eine Weiterbildung. Hierunter kann ein
Sprachaustausch ebenso fallen wie ein Computerkurs. Bildungsurlaub fällt in die Zu-
ständigkeit der Länder, die hierzu unterschiedliche Regelungen und Handhabungen
festgelegt haben.

Bildungsprämie

Nur wer beruflich „am Ball“ bleibt, kann seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt dauer-
haft sichern und erhöhen. Wer sich weiterbildet, verbessert seine beruflichen Perspek-
tiven und kann auch sein Einkommen steigern. Kontinuierliche Weiterbildung ist also
wichtig für ein erfolgreiches Berufsleben. Die Bildungsprämie wurde eingeführt, damit
mehr Menschen durch Weiterbildung ihre Chancen im Beruf verbessern können.
NACH DER AUSBILDUNG – WIE GEHT ES WEITER? 65

Die Bildungsprämie unterstützt die Finanzierung von individueller beruflicher Wei-


terbildung u. a. durch den Prämiengutschein. Mit dem Prämiengutschein erhalten Er-
werbstätige einen finanziellen Zuschuss in Höhe von 50 Prozent, maximal 500 Euro,
für die anfallenden Weiterbildungskosten (Kurs- und/oder Prüfungsgebühren). Den
Prämiengutschein können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Selbststän-
dige bekommen, deren jährlich zu versteuerndes Einkommen höchstens 20.000 Euro
beträgt. Bei gemeinsam Veranlagten (z. B. Eheleute) sind es bis zu 40.000 Euro. Unter
diese Einkommensgrenzen fallen in Deutschland bis zu 20 Millionen Erwerbstätige,
die vom Prämiengutschein profitieren könnten. Schülerinnen und Schüler, Auszubil-
dende oder Studierende können keinen Prämiengutschein bekommen.

Der Prämiengutschein kann einmal im Kalenderjahr unbürokratisch und schnell bei


einer von über 530 Beratungsstellen ausgestellt werden. Damit ist der Prämiengut-
schein gewissermaßen die vergünstigte Eintrittskarte zu beruflichen Weiterbildungs-
angeboten.

Weiterführende Informationen:

Weiterführende Informationen zur Bildungsprämie finden Interessierte online unter


bildungspraemie.info oder über die kostenlose Hotline unter 0800 2623000.
66 AUSBILDUNG & BERUF

Anhang A: Rechtsgrundlagen

1 Berufsbildungsgesetz

Berufsbildungsgesetz (BBiG) in der Fassung der Bekanntmachung


vom 4. Mai 2020 (BGBl. I S. 920)

-nicht amtliche Veröffentlichung-

Inhaltsübersicht

Teil 1
Allgemeine Vorschriften
§ 1 Ziele und Begriffe der Berufsbildung
§ 2 Lernorte der Berufsbildung
§ 3 Anwendungsbereich

Teil 2
Berufsbildung

Kapitel 1
Berufsausbildung

Abschnitt 1
Ordnung der Berufsausbildung; Anerkennung von Ausbildungsberufen
§ 4 Anerkennung von Ausbildungsberufen
§ 5 Ausbildungsordnung
§ 6 Erprobung neuer Ausbildungs- und Prüfungsformen
§ 7 Anrechnung beruflicher Vorbildung auf die Ausbildungsdauer
§ 7a Teilzeitberufsausbildung
§ 8 Verkürzung oder Verlängerung der Ausbildungsdauer
§ 9 Regelungsbefugnis
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 67

Abschnitt 2
Berufsausbildungsverhältnis

Unterabschnitt 1
Begründung des Ausbildungsverhältnisses
§ 10 Vertrag
§ 11 Vertragsniederschrift
§ 12 Nichtige Vereinbarungen

Unterabschnitt 2
Pflichten der Auszubildenden
§ 13 Verhalten während der Berufsausbildung

Unterabschnitt 3
Pflichten der Ausbildenden
§ 14 Berufsausbildung
§ 15 Freistellung, Anrechnung
§ 16 Zeugnis

Unterabschnitt 4
Vergütung
§ 17 Vergütungsanspruch und Mindestvergütung
§ 18 Bemessung und Fälligkeit der Vergütung
§ 19 Fortzahlung der Vergütung

Unterabschnitt 5
Beginn und Beendigung des Ausbildungsverhältnisses
§ 20 Probezeit
§ 21 Beendigung
§ 22 Kündigung
§ 23 Schadensersatz bei vorzeitiger Beendigung

Unterabschnitt 6
Sonstige Vorschriften
§ 24 Weiterarbeit
§ 25 Unabdingbarkeit
§ 26 Andere Vertragsverhältnisse
68 AUSBILDUNG & BERUF

Abschnitt 3
Eignung von Ausbildungsstätte und Ausbildungspersonal
§ 27 Eignung der Ausbildungsstätte
§ 28 Eignung von Ausbildenden und Ausbildern oder Ausbilderinnen
§ 29 Persönliche Eignung
§ 30 Fachliche Eignung
§ 31 Europaklausel
§ 31a Sonstige ausländische Vorqualifikationen
§ 32 Überwachung der Eignung
§ 33 Untersagung des Einstellens und Ausbildens

Abschnitt 4
Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse
§ 34 Einrichten, Führen
§ 35 Eintragen, Ändern, Löschen
§ 36 Antrag

Abschnitt 5
Prüfungswesen
§ 37 Abschlussprüfung
§ 38 Prüfungsgegenstand
§ 39 Prüfungsausschüsse, Prüferdelegationen
§ 40 Zusammensetzung, Berufung
§ 41 Vorsitz, Beschlussfähigkeit, Abstimmung
§ 42 Beschlussfassung, Bewertung der Abschlussprüfung
§ 43 Zulassung zur Abschlussprüfung
§ 44 Zulassung zur Abschlussprüfung bei zeitlich auseinanderfallenden Teilen
§ 45 Zulassung in besonderen Fällen
§ 46 Entscheidung über die Zulassung
§ 47 Prüfungsordnung
§ 48 Zwischenprüfungen
§ 49 Zusatzqualifikationen
§ 50 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
§ 50a Gleichwertigkeit ausländischer Berufsqualifikationen

Abschnitt 6
Interessenvertretung
§ 51 Interessenvertretung
§ 52 Verordnungsermächtigung
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 69

Kapitel 2
Berufliche Fortbildung

Abschnitt 1
Fortbildungsordnungen des Bundes
§ 53 Fortbildungsordnungen der höherqualifizierenden Berufsbildung
§ 53a Fortbildungsstufen
§ 53b Geprüfter Berufsspezialist und Geprüfte Berufsspezialistin
§ 53c Bachelor Professional
§ 53d Master Professional
§ 53e Anpassungsfortbildungsordnungen

Abschnitt 2
Fortbildungsprüfungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 54 Fortbildungsprüfungsregelungen der zuständigen Stellen

Abschnitt 3
Ausländische Vorqualifikationen, Prüfungen
§ 55 Berücksichtigung ausländischer Vorqualifikationen
§ 56 Fortbildungsprüfungen
§ 57 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen

Kapitel 3
Berufliche Umschulung
§ 58 Umschulungsordnung
§ 59 Umschulungsprüfungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 60 Umschulung für einen anerkannten Ausbildungsberuf
§ 61 Berücksichtigung ausländischer Vorqualifikationen
§ 62 Umschulungsmaßnahmen; Umschulungsprüfungen
§ 63 Gleichstellung von Prüfungszeugnissen

Kapitel 4
Berufsbildung für besondere Personengruppen

Abschnitt 1
Berufsbildung behinderter Menschen
§ 64 Berufsausbildung
§ 65 Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen
§ 66 Ausbildungsregelungen der zuständigen Stellen
§ 67 Berufliche Fortbildung, berufliche Umschulung
70 AUSBILDUNG & BERUF

Abschnitt 2
Berufsausbildungsvorbereitung
§ 68 Personenkreis und Anforderungen
§ 69 Qualifizierungsbausteine, Bescheinigung
§ 70 Überwachung, Beratung

Teil 3
Organisation der Berufsbildung

Kapitel 1
Zuständige Stellen; zuständige Behörden

Abschnitt 1
Bestimmung der zuständigen Stelle
§ 71 Zuständige Stellen
§ 72 Bestimmung durch Rechtsverordnung
§ 73 Zuständige Stellen im Bereich des öffentlichen Dienstes
§ 74 Erweiterte Zuständigkeit
§ 75 Zuständige Stellen im Bereich der Kirchen und sonstigen Religions­
gemeinschaften des öffentlichen Rechts

Abschnitt 2
Überwachung der Berufsbildung
§ 76 Überwachung, Beratung

Abschnitt 3
Berufsbildungsausschuss der zuständigen Stelle
§ 77 Errichtung
§ 78 Beschlussfähigkeit, Abstimmung
§ 79 Aufgaben
§ 80 Geschäftsordnung

Abschnitt 4
Zuständige Behörden
§ 81 Zuständige Behörden

Kapitel 2
Landesausschüsse für Berufsbildung
§ 82 Errichtung, Geschäftsordnung, Abstimmung
§ 83 Aufgaben
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 71

Teil 4
Berufsbildungsforschung, Planung und Statistik
§ 84 Ziele der Berufsbildungsforschung
§ 85 Ziele der Berufsbildungsplanung
§ 86 Berufsbildungsbericht
§ 87 Zweck und Durchführung der Berufsbildungsstatistik
§ 88 Erhebungen

Teil 5
Bundesinstitut für Berufsbildung
§ 89 Bundesinstitut für Berufsbildung
§ 90 Aufgaben
§ 91 Organe
§ 92 Hauptausschuss
§ 93 Präsident oder Präsidentin
§ 94 Wissenschaftlicher Beirat
§ 95 Ausschuss für Fragen behinderter Menschen
§ 96 Finanzierung des Bundesinstituts für Berufsbildung
§ 97 Haushalt
§ 98 Satzung
§ 99 Personal
§ 100 Aufsicht über das Bundesinstitut für Berufsbildung

Teil 6
Bußgeldvorschriften
§ 101 Bußgeldvorschriften

Teil 7
Übergangs- und Schlussvorschriften
§ 102 Gleichstellung von Abschlusszeugnissen im Rahmen der deutschen Einheit
§ 103 Fortgeltung bestehender Regelungen
§ 104 Übertragung von Zuständigkeiten
§ 105 Evaluation
§ 106 Übergangsregelung
72 AUSBILDUNG & BERUF

Teil 1 (5) Die berufliche Umschulung soll zu


Allgemeine Vorschriften einer anderen beruflichen Tätigkeit
befähigen.
§ 1
Ziele und Begriffe der Berufsbildung § 2
(1) Berufsbildung im Sinne dieses Lernorte der Berufsbildung
Gesetzes sind die Berufsausbildungs- (1) Berufsbildung wird durchgeführt
vorbereitung, die Berufsausbildung, 1. in Betrieben der Wirtschaft, in
die berufliche Fortbildung und die vergleichbaren Einrichtungen
berufliche Umschulung. außerhalb der Wirtschaft, insbe-
(2) Die Berufsausbildungsvorbereitung sondere des öffentlichen Dienstes,
dient dem Ziel, durch die Vermitt- der Angehörigen freier Berufe
lung von Grundlagen für den Erwerb und in Haushalten (betriebliche
beruflicher Handlungsfähigkeit an Berufsbildung),
eine Berufsausbildung in einem an- 2. in berufsbildenden Schulen
erkannten Ausbildungsberuf heran- (schulische Berufsbildung) und
zuführen. 3. in sonstigen Berufsbildungs-
(3) Die Berufsausbildung hat die für die einrichtungen außerhalb der
Ausübung einer qualifizierten beruf- schulischen und betrieblichen
lichen Tätigkeit in einer sich wan- Berufsbildung (außerbetriebliche
delnden Arbeitswelt notwendigen Berufsbildung).
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse (2) Die Lernorte nach Absatz 1 wirken
und Fähigkeiten (berufliche Hand- bei der Durchführung der Berufsbil-
lungsfähigkeit) in einem geordneten dung zusammen (Lernortkoopera-
Ausbildungsgang zu vermitteln. Sie tion).
hat ferner den Erwerb der erforderli- (3) Teile der Berufsausbildung können
chen Berufserfahrungen zu ermög- im Ausland durchgeführt werden,
lichen. wenn dies dem Ausbildungsziel
(4) Die berufliche Fortbildung soll es dient. Ihre Gesamtdauer soll ein
ermöglichen, Viertel der in der Ausbildungsord-
1. die berufliche Handlungsfähigkeit nung festgelegten Ausbildungsdauer
durch eine Anpassungsfortbil- nicht überschreiten.
dung zu erhalten und anzupassen
oder § 3
2. die berufliche Handlungsfähig- Anwendungsbereich
keit durch eine Fortbildung der (1) Dieses Gesetz gilt für die Berufsbil-
höherqualifizierenden Berufsbil- dung, soweit sie nicht in berufsbil-
dung zu erweitern und beruflich denden Schulen durchgeführt wird,
aufzusteigen. die den Schulgesetzen der Länder
unterstehen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 73

(2) Dieses Gesetz gilt nicht für sonst zuständige Fachministerium


1. die Berufsbildung, die in berufs- im Einvernehmen mit dem Bun-
qualifizierenden oder vergleich- desministerium für Bildung und
baren Studiengängen an Hoch- Forschung durch Rechtsverordnung,
schulen auf der Grundlage des die nicht der Zustimmung des Bun-
Hochschulrahmen­gesetzes und desrates bedarf, Ausbildungsberufe
der Hochschulgesetze der Länder staatlich anerkennen und hierfür
durchgeführt wird, Ausbildungsordnungen nach § 5 er-
2. die Berufsbildung in einem lassen.
öffentlich-rechtlichen Dienstver- (2) Für einen anerkannten Ausbildungs-
hältnis, beruf darf nur nach der Ausbildungs-
3. die Berufsbildung auf Kauf- ordnung ausgebildet werden.
fahrteischiffen, die nach dem (3) In anderen als anerkannten Aus-
Flaggenrechtsgesetz die Bundes- bildungsberufen dürfen Jugendliche
flagge führen, soweit es sich nicht unter 18 Jahren nicht ausgebildet
um Schiffe der kleinen Hochsee- werden, soweit die Berufsausbildung
fischerei oder der Küstenfischerei nicht auf den Besuch weiterführen-
handelt. der Bildungsgänge vorbereitet.
(3) Für die Berufsbildung in Berufen der (4) Wird die Ausbildungsordnung eines
Handwerksordnung gelten die §§ 4 Ausbildungsberufs aufgehoben oder
bis 9, 27 bis 49, 53 bis 70, 76 bis 80 geändert, so sind für bestehende
sowie 101 Absatz 1 Nummer 1 bis 4 Berufsausbildungsverhältnisse wei-
sowie Nummer 6 bis 10 nicht; inso- terhin die Vorschriften, die bis zum
weit gilt die Handwerksordnung. Zeitpunkt der Aufhebung oder der
Änderung gelten, anzuwenden, es sei
Teil 2 denn, die ändernde Verordnung sieht
Berufsbildung eine abweichende Regelung vor.
(5) Das zuständige Fachministerium
Kapitel 1 informiert die Länder frühzeitig über
Berufsausbildung Neuordnungskonzepte und bezieht
sie in die Abstimmung ein.
Abschnitt 1
Ordnung der Berufsausbildung; § 5
Anerkennung von Ausbildungsberufen Ausbildungsordnung
(1) Die Ausbildungsordnung hat fest­
§ 4 zulegen
Anerkennung von Ausbildungsberufen 1. die Bezeichnung des Ausbildungs-
(1) Als Grundlage für eine geordnete berufes, der anerkannt wird,
und einheitliche Berufsausbildung 2. die Ausbildungsdauer; sie soll
kann das Bundesministerium für nicht mehr als drei und nicht
Wirtschaft und Energie oder das weniger als zwei Jahre betragen,
74 AUSBILDUNG & BERUF

3. die beruflichen Fertigkeiten, worben wird, sofern im ersten Teil


Kenntnisse und Fähigkeiten, der Abschlussprüfung mindestens
die mindestens Gegenstand der ausreichende Prüfungsleistungen
Berufsausbildung sind (Ausbil- erbracht worden sind,
dungsberufsbild), 2b. dass Auszubildende bei erfolg-
4. eine Anleitung zur sachlichen reichem Abschluss eines zwei-
und zeitlichen Gliederung der jährigen Ausbildungsberufs vom
Vermittlung der beruflichen Fer- ersten Teil der Abschlussprüfung
tigkeiten, Kenntnisse und Fähig- oder einer Zwischenprüfung eines
keiten (Ausbildungsrahmenplan), darauf aufbauenden drei- oder
5. die Prüfungsanforderungen. dreieinhalbjährigen Ausbildungs-
Bei der Festlegung der Fertigkeiten, berufs befreit sind,
Kenntnisse und Fähigkeiten nach 3. dass abweichend von § 4 Absatz 4
Satz 1 Nummer 3 ist insbesondere die Berufsausbildung in diesem
die technologische und digitale Ent- Ausbildungsberuf unter Anrech-
wicklung zu beachten. nung der bereits zurückgelegten
(2) Die Ausbildungsordnung kann Ausbildungszeit fortgesetzt
vorsehen, werden kann, wenn die Vertrags-
1. dass die Berufsausbildung in parteien dies vereinbaren,
sachlich und zeitlich besonders 4. dass auf die Dauer der durch die
gegliederten, aufeinander auf- Ausbildungsordnung geregelten
bauenden Stufen erfolgt; nach Berufsausbildung die Dauer einer
den einzelnen Stufen soll ein anderen abgeschlossenen Berufs-
Ausbildungsabschluss vorgesehen ausbildung ganz oder teilweise
werden, der sowohl zu einer qua- anzurechnen ist,
lifizierten beruflichen Tätigkeit im 5. dass über das in Absatz 1 Num-
Sinne des § 1 Absatz 3 befähigt als mer 3 beschriebene Ausbildungs-
auch die Fortsetzung der Berufs- berufsbild hinaus zusätzliche
ausbildung in weiteren Stufen berufliche Fertigkeiten, Kennt-
ermöglicht (Stufenausbildung), nisse und Fähigkeiten vermittelt
2. dass die Abschlussprüfung in zwei werden können, die die berufliche
zeitlich auseinanderfallenden Handlungsfähigkeit ergänzen
Teilen durchgeführt wird, oder erweitern,
2a. dass im Fall einer Regelung nach 6. dass Teile der Berufsausbildung in
Nummer 2 bei nicht bestande- geeigneten Einrichtungen außer-
ner Abschlussprüfung in einem halb der Ausbildungsstätte durch-
drei- oder dreieinhalbjährigen geführt werden, wenn und soweit
Ausbildungsberuf, der auf einem es die Berufsausbildung erfordert
zweijährigen Ausbildungsberuf (überbetriebliche Berufsausbil-
aufbaut, der Abschluss des zwei- dung).
jährigen Ausbildungsberufs er-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 75

Im Fall des Satzes 1 Nummer 2a bedarf durch Rechtsverordnung auf oberste


es eines Antrags der Auszubildenden. Landesbehörden weiter übertragen
Im Fall des Satzes 1 Nummer 4 bedarf es werden.
der Vereinbarung der Vertragsparteien. (2) Ist keine Rechtsverordnung nach
Im Rahmen der Ordnungsverfahren soll Absatz 1 erlassen, kann eine An-
stets geprüft werden, ob Regelungen rechnung durch die zuständige
nach Nummer 1, 2, 2a, 2b und 4 sinnvoll Stelle im Einzelfall erfolgen. Für die
und möglich sind. Entscheidung über die Anrechnung
auf die Ausbildungsdauer kann der
§ 6 Hauptausschuss des Bundes­instituts
Erprobung neuer Ausbildungs- und für Berufsbildung Empfehlungen
Prüfungsformen beschließen.
Zur Entwicklung und Erprobung neuer (3) Die Anrechnung bedarf des gemein-
Ausbildungs- und Prüfungsformen kann samen Antrags der Auszubildenden
das Bundesministerium für Wirtschaft und der Ausbildenden. Der Antrag ist
und Energie oder das sonst zuständige an die zuständige Stelle zu richten.
Fachministerium im Einvernehmen mit Er kann sich auf Teile des höchst-
dem Bundesministerium für Bildung zulässigen Anrechnungszeitraums
und Forschung nach Anhörung des beschränken.
Hauptausschusses des Bundesinstituts (4) Ein Anrechnungszeitraum muss in
für Berufsbildung durch Rechtsver- ganzen Monaten durch sechs teilbar
ordnung, die nicht der Zustimmung des sein.
Bundesrates bedarf, Ausnahmen von § 4
Absatz 2 und 3 sowie den §§ 5, 37 und 48 § 7a
zulassen, die auch auf eine bestimmte Teilzeitberufsausbildung
Art und Zahl von Ausbildungsstätten (1) Die Berufsausbildung kann in
beschränkt werden können. Teilzeit durchgeführt werden. Im
Berufsausbildungsvertrag ist für
§ 7 die gesamte Ausbildungszeit oder
Anrechnung beruflicher Vorbildung auf für einen bestimmten Zeitraum der
die Ausbildungsdauer Berufsausbildung die Verkürzung
(1) Die Landesregierungen können der täglichen oder der wöchentli-
nach Anhörung des Landesaus- chen Ausbildungszeit zu vereinbaren.
schusses für Berufsbildung durch Die Kürzung der täglichen oder der
Rechtsverordnung bestimmen, dass wöchentlichen Ausbildungszeit darf
der Besuch eines Bildungsganges nicht mehr als 50 Prozent betragen.
berufsbildender Schulen oder die (2) Die Dauer der Teilzeitberufsaus-
Berufsausbildung in einer sonstigen bildung verlängert sich entspre-
Einrichtung ganz oder teilweise auf chend, höchstens jedoch bis zum
die Ausbildungsdauer angerech- Eineinhalbfachen der Dauer, die
net wird. Die Ermächtigung kann in der Ausbildungsordnung für die
76 AUSBILDUNG & BERUF

betreffende Berufsausbildung in (3) Für die Entscheidung über die


Vollzeit festgelegt ist. Die Dauer der Verkürzung oder Verlängerung der
Teilzeitberufsausbildung ist auf gan- Ausbildungsdauer kann der Haupt-
ze Monate abzurunden. § 8 Absatz 2 ausschuss des Bundesinstituts für
bleibt unberührt. Berufsbildung Empfehlungen be-
(3) Auf Verlangen der Auszubildenden schließen.
verlängert sich die Ausbildungsdauer
auch über die Höchstdauer nach Ab- § 9
satz 2 Satz 1 hinaus bis zur nächsten Regelungsbefugnis
möglichen Abschlussprüfung. Soweit Vorschriften nicht bestehen, re-
(4) Der Antrag auf Eintragung des gelt die zuständige Stelle die Durchfüh-
Berufsausbildungsvertrages nach rung der Berufsausbildung im Rahmen
§ 36 Absatz 1 in das Verzeichnis der dieses Gesetzes.
Berufsausbildungs­verhältnisse für
eine Teilzeitberufsausbildung kann Abschnitt 2
mit einem Antrag auf Verkürzung Berufsausbildungsverhältnis
der Ausbildungsdauer nach § 8 Ab-
satz 1 verbunden werden. Unterabschnitt 1
Begründung des Ausbildungsverhält-
§ 8 nisses
Verkürzung oder Verlängerung der
Ausbildungsdauer § 10
(1) Auf gemeinsamen Antrag der Aus- Vertrag
zubildenden und der Ausbildenden (1) Wer andere Personen zur Berufsaus-
hat die zuständige Stelle die Ausbil- bildung einstellt (Ausbildende), hat
dungsdauer zu kürzen, wenn zu er- mit den Auszubildenden einen Be-
warten ist, dass das Ausbildungsziel rufsausbildungsvertrag zu schließen.
in der gekürzten Dauer erreicht wird. (2) Auf den Berufsausbildungsvertrag
(2) In Ausnahmefällen kann die zu- sind, soweit sich aus seinem Wesen
ständige Stelle auf Antrag Auszu- und Zweck und aus diesem Gesetz
bildender die Ausbildungsdauer nichts anderes ergibt, die für den
verlängern, wenn die Verlängerung Arbeitsvertrag geltenden Rechts-
erforderlich ist, um das Ausbildungs- vorschriften und Rechtsgrundsätze
ziel zu erreichen. Vor der Entschei- anzuwenden.
dung über die Verlängerung sind die (3) Schließen die gesetzlichen Vertreter
Ausbildenden zu hören. oder Vertreterinnen mit ihrem Kind
einen Berufsausbildungsvertrag, so
sind sie von dem Verbot des § 181 des
Bürgerlichen Gesetzbuchs befreit.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 77

(4) Ein Mangel in der Berechtigung, der Berufsausbildungsvertrag ge-


Auszubildende einzustellen oder kündigt werden kann,
auszubilden, berührt die Wirksamkeit 9. ein in allgemeiner Form gehalte-
des Berufsausbildungsvertrages nicht. ner Hinweis auf die Tarifverträge,
(5) Zur Erfüllung der vertraglichen Betriebs- oder Dienstvereinba-
Verpflichtungen der Ausbildenden rungen, die auf das Berufsausbil-
können mehrere natürliche oder dungsverhältnis anzuwenden sind,
juristische Personen in einem Aus- 10. die Form des Ausbildungsnach-
bildungsverbund zusammenwirken, weises nach § 13 Satz 2 Nummer 7.
soweit die Verantwortlichkeit für die (2) Die Niederschrift ist von den Aus-
einzelnen Ausbildungsabschnitte bildenden, den Auszubildenden und
sowie für die Ausbildungszeit ins- deren gesetzlichen Vertretern und
gesamt sichergestellt ist (Verbund- Vertreterinnen zu unterzeichnen.
ausbildung). (3) Ausbildende haben den Auszu-
bildenden und deren gesetzlichen
§ 11 Vertretern und Vertreterinnen eine
Vertragsniederschrift Ausfertigung der unterzeichneten
(1) Ausbildende haben unverzüglich Niederschrift unverzüglich auszu-
nach Abschluss des Berufsaus- händigen.
bildungsvertrages, spätestens vor (4) Bei Änderungen des Berufsausbil-
Beginn der Berufsausbildung, den dungsvertrages gelten die Absätze 1
wesentlichen Inhalt des Vertrages bis 3 entsprechend.
gemäß Satz 2 schriftlich niederzu-
legen; die elektronische Form ist § 12
ausgeschlossen. In die Niederschrift Nichtige Vereinbarungen
sind mindestens aufzunehmen (1) Eine Vereinbarung, die Auszubil-
1. Art, sachliche und zeitliche dende für die Zeit nach Beendigung
Gliederung sowie Ziel der Berufs- des Berufsausbildungsverhältnisses
ausbildung, insbesondere die in der Ausübung ihrer beruflichen
Berufstätigkeit, für die ausgebil- Tätigkeit beschränkt, ist nichtig. Dies
det werden soll, gilt nicht, wenn sich Auszubildende
2. Beginn und Dauer der Berufsaus- innerhalb der letzten sechs Monate
bildung, des Berufsausbildungsverhältnisses
3. Ausbildungsmaßnahmen außer- dazu verpflichten, nach dessen Be-
halb der Ausbildungsstätte, endigung mit den Ausbildenden ein
4. Dauer der regelmäßigen täglichen Arbeitsverhältnis einzugehen.
Ausbildungszeit, (2) Nichtig ist eine Vereinbarung über
5. Dauer der Probezeit, 1. die Verpflichtung Auszubildender,
6. Zahlung und Höhe der Vergütung, für die Berufsausbildung eine
7. Dauer des Urlaubs, Entschädigung zu zahlen,
8. Voraussetzungen, unter denen 2. Vertragsstrafen,
78 AUSBILDUNG & BERUF

3. den Ausschluss oder die Be- Unterabschnitt 3


schränkung von Schadensersatz- Pflichten der Ausbildenden
ansprüchen,
4. die Festsetzung der Höhe eines § 14
Schadensersatzes in Pauschbe­ Berufsausbildung
trägen. (1) Ausbildende haben
1. dafür zu sorgen, dass den Auszu-
Unterabschnitt 2 bildenden die berufliche Hand-
Pflichten der Auszubildenden lungsfähigkeit vermittelt wird, die
zum Erreichen des Ausbildungs-
§ 13 ziels erforderlich ist, und die
Verhalten während der Berufsausbildung Berufsausbildung in einer durch
Auszubildende haben sich zu bemühen, ihren Zweck gebotenen Form
die berufliche Handlungsfähigkeit zu planmäßig, zeitlich und sachlich
erwerben, die zum Erreichen des Aus- gegliedert so durchzuführen, dass
bildungsziels erforderlich ist. Sie sind das Ausbildungsziel in der vorge-
insbesondere verpflichtet, sehenen Ausbildungszeit erreicht
1. die ihnen im Rahmen ihrer werden kann,
Berufsausbildung aufgetragenen 2. selbst auszubilden oder einen
Aufgaben sorgfältig auszuführen, Ausbilder oder eine Ausbilderin
2. an Ausbildungsmaßnahmen teil- ausdrücklich damit zu beauftra-
zunehmen, für die sie nach § 15 gen,
freigestellt werden, 3. Auszubildenden kostenlos die
3. den Weisungen zu folgen, die Ausbildungsmittel, insbesondere
ihnen im Rahmen der Berufsaus- Werkzeuge, Werkstoffe und Fach-
bildung von Ausbildenden, von literatur zur Verfügung zu stellen,
Ausbildern oder Ausbilderinnen die zur Berufsausbildung und
oder von anderen weisungs- zum Ablegen von Zwischen- und
berechtigten Personen erteilt Abschlussprüfungen, auch soweit
werden, solche nach Beendigung des
4. die für die Ausbildungsstätte Berufsausbildungsverhältnisses
geltende Ordnung zu beachten, stattfinden, erforderlich sind,
5. Werkzeug, Maschinen und sons- 4. Auszubildende zum Besuch der
tige Einrichtungen pfleglich zu Berufsschule anzuhalten,
behandeln, 5. dafür zu sorgen, dass Auszubil-
6. über Betriebs- und Geschäftsge­ dende charakterlich gefördert
heimnisse Stillschweigen zu sowie sittlich und körperlich
wahren, nicht gefährdet werden.
7. einen schriftlichen oder elektro- (2) Ausbildende haben Auszubildende
nischen Ausbildungsnachweis zu zum Führen der Ausbildungsnach-
führen. weise nach § 13 Satz 2 Nummer 7
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 79

anzuhalten und diese regelmäßig (2) Auf die Ausbildungszeit der Auszu-
durchzusehen. Den Auszubildenden bildenden werden angerechnet
ist Gelegenheit zu geben, den Aus- 1. die Berufsschulunterrichtszeit
bildungsnachweis am Arbeitsplatz zu einschließlich der Pausen nach
führen. Absatz 1 Satz 2 Nummer 1,
(3) Auszubildenden dürfen nur Aufga­ 2. Berufsschultage nach Absatz 1
ben übertragen werden, die dem Satz 2 Nummer 2 mit der durch-
Aus­bildungszweck dienen und ihren schnittlichen täglichen Ausbil-
körperlichen Kräften angemessen dungszeit,
sind. 3. Berufsschulwochen nach Absatz 1
Satz 2 Nummer 3 mit der durch-
§ 15 schnittlichen wöchentlichen
Freistellung, Anrechnung Ausbildungszeit,
(1) Ausbildende dürfen Auszubildende 4. die Freistellung nach Absatz 1
vor einem vor 9 Uhr beginnenden Satz 2 Nummer 4 mit der Zeit
Berufsschulunterricht nicht be- der Teilnahme einschließlich der
schäftigen. Sie haben Auszubildende Pausen und
freizustellen 5. die Freistellung nach Absatz 1
1. für die Teilnahme am Berufs- Satz 2 Nummer 5 mit der durch-
schulunterricht, schnittlichen täglichen Ausbil-
2. an einem Berufsschultag mit dungszeit.
mehr als fünf Unterrichtsstunden (3) Für Auszubildende unter 18 Jahren
von mindestens je 45 Minuten, gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz.
einmal in der Woche,
3. in Berufsschulwochen mit einem § 16
planmäßigen Blockunterricht Zeugnis
von mindestens 25 Stunden an (1) Ausbildende haben den Auszu-
mindestens fünf Tagen, bildenden bei Beendigung des
4. für die Teilnahme an Prüfungen Berufsausbildungsverhältnisses ein
und Ausbildungsmaßnahmen, die schriftliches Zeugnis auszustellen.
auf Grund öffentlich-rechtlicher Die elektronische Form ist ausge-
oder vertraglicher Bestimmungen schlossen. Haben Ausbildende die
außerhalb der Ausbildungsstätte Berufsausbildung nicht selbst durch-
durchzuführen sind, und geführt, so soll auch der Ausbilder
5. an dem Arbeitstag, der der oder die Ausbilderin das Zeugnis
schriftlichen Abschlussprüfung unterschreiben.
unmittelbar vorangeht. (2) Das Zeugnis muss Angaben ent-
Im Fall von Satz 2 Nummer 3 sind halten über Art, Dauer und Ziel der
zusätzliche betriebliche Ausbil- Berufsausbildung sowie über die
dungsveranstaltungen bis zu zwei erworbenen beruflichen Fertig-
Stunden wöchentlich zulässig. keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
80 AUSBILDUNG & BERUF

der Auszubildenden. Auf Verlangen 2. im zweiten Jahr einer Berufs-


Auszubildender sind auch Angaben ausbildung den Betrag nach
über Verhalten und Leistung aufzu- Nummer 1 für das jeweilige Jahr,
nehmen. in dem die Berufsausbildung be-
gonnen worden ist, zuzüglich
Unterabschnitt 4 18 Prozent,
Vergütung 3. im dritten Jahr einer Berufs-
ausbildung den Betrag nach
§ 17 Nummer 1 für das jeweilige Jahr,
Vergütungsanspruch und Mindest­ in dem die Berufsausbildung be-
vergütung gonnen worden ist, zuzüglich
(1) Ausbildende haben Auszubildenden 35 Prozent und
eine angemessene Vergütung zu 4. im vierten Jahr einer Berufsausbil-
gewähren. Die Vergütung steigt mit dung den Betrag nach Nummer 1
fortschreitender Berufsausbildung, für das jeweilige Jahr, in dem die
mindestens jährlich, an. Berufsausbildung begonnen wor-
(2) Die Angemessenheit der Vergütung den ist, zuzüglich 40 Prozent.
ist ausgeschlossen, wenn sie folgende Die Höhe der Mindestvergütung
monatliche Mindestvergütung nach Satz 1 Nummer 1 wird zum
unterschreitet: ersten Januar eines jeden Jahres,
1. im ersten Jahr einer Berufsausbil- erstmals zum 1. Januar 2024, fort-
dung geschrieben. Die Fortschreibung
a) 515 Euro, wenn die Berufs- entspricht dem rechnerischen Mittel
ausbildung im Zeitraum vom der nach § 88 Absatz 1 Satz 1 Num-
1. Januar 2020 bis zum 31. De- mer 1 Buchstabe g erhobenen Aus-
zember 2020 begonnen wird, bildungsvergütungen im Vergleich
b) 550 Euro, wenn die Berufs- der beiden dem Jahr der Bekanntga-
ausbildung im Zeitraum vom be vorausgegangenen Kalenderjahre.
1. Januar 2021 bis zum 31. De- Dabei ist der sich ergebende Betrag
zember 2021 begonnen wird, bis unter 0,50 Euro abzurunden
c) 585 Euro, wenn die Berufsaus- sowie von 0,50 Euro an aufzurun-
bildung im Zeitraum vom 1. Ja- den. Das Bundesministerium für
nuar 2022 bis zum 31. Dezem- Bildung und Forschung gibt jeweils
ber 2022 begonnen wird, und spätestens bis zum 1. November
d) 620 Euro, wenn die Berufsaus- eines jeden Kalenderjahres die Höhe
bildung im Zeitraum vom der Mindestvergütung nach Satz 1
1. Januar 2023 bis zum 31. De- Nummer 1 bis 4, die für das folgen-
zember 2023 begonnen wird, de Kalenderjahr maßgebend ist, im
Bundesgesetzblatt bekannt. Die nach
den Sätzen 2 bis 5 fortgeschriebene
Höhe der Mindestvergütung für das
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 81

erste Jahr einer Berufsausbildung (6) Sachleistungen können in Höhe der


gilt für Berufsausbildungen, die im nach § 17 Absatz 1 Satz 1 Nummer 4
Jahr der Fortschreibung begonnen des Vierten Buches Sozialgesetz-
werden. Die Aufschläge nach Satz 1 buch festgesetzten Sachbezugswerte
Nummer 2 bis 4 für das zweite bis angerechnet werden, jedoch nicht
vierte Jahr einer Berufsausbildung über 75 Prozent der Bruttovergütung
sind auf der Grundlage dieses Betra- hinaus.
ges zu berechnen. (7) Eine über die vereinbarte regel-
(3) Angemessen ist auch eine für den mäßige tägliche Ausbildungszeit
Ausbildenden nach § 3 Absatz 1 des hinausgehende Beschäftigung ist be-
Tarifvertragsgesetzes geltende tarif- sonders zu vergüten oder durch die
vertragliche Vergütungsregelung, Gewährung entsprechender Freizeit
durch die die in Absatz 2 genannte auszugleichen.
jeweilige Mindestvergütung unter-
schritten wird. Nach Ablauf eines § 18
Tarifvertrages nach Satz 1 gilt dessen Bemessung und Fälligkeit der Vergütung
Vergütungsregelung für bereits be- (1) Die Vergütung bemisst sich nach
gründete Ausbildungsverhältnisse Monaten. Bei Berechnung der Ver-
weiterhin als angemessen, bis sie gütung für einzelne Tage wird der
durch einen neuen oder ablösenden Monat zu 30 Tagen gerechnet.
Tarifvertrag ersetzt wird. (2) Ausbildende haben die Vergütung
(4) Die Angemessenheit der verein- für den laufenden Kalendermonat
barten Vergütung ist auch dann, spätestens am letzten Arbeitstag
wenn sie die Mindestvergütung nach des Monats zu zahlen.
Absatz 2 nicht unterschreitet, in (3) Gilt für Ausbildende nicht nach § 3
der Regel ausgeschlossen, wenn sie Absatz 1 des Tarifvertragsgesetzes
die Höhe der in einem Tarifvertrag eine tarifvertragliche Vergütungsre­
geregelten Vergütung, in dessen Gel- gelung, sind sie verpflichtet, den bei
tungsbereich das Ausbildungsver- ihnen beschäftigten Auszubildenden
hältnis fällt, an den der Ausbildende spätestens zu dem in Absatz 2 ge-
aber nicht gebunden ist, um mehr als nannten Zeitpunkt eine Vergütung
20 Prozent unterschreitet. mindestens in der bei Beginn der Be-
(5) Bei einer Teilzeitberufsausbildung rufsausbildung geltenden Höhe der
kann eine nach den Absätzen 2 Mindestvergütung nach § 17 Absatz 2
bis 4 zu gewährende Vergütung Satz 1 zu zahlen. Satz 1 findet bei
unterschritten werden. Die Ange- einer Teilzeitberufsausbildung mit
messenheit der Vergütung ist jedoch der Maßgabe Anwendung, dass die
ausgeschlossen, wenn die prozen- Vergütungshöhe mindestens dem
tuale Kürzung der Vergütung höher prozentualen Anteil an der Arbeits-
ist als die prozentuale Kürzung der zeit entsprechen muss.
täglichen oder der wöchentlichen
Arbeitszeit.
82 AUSBILDUNG & BERUF

§ 19 (2) Bestehen Auszubildende vor Ablauf


Fortzahlung der Vergütung der Ausbildungsdauer die Abschluss-
(1) Auszubildenden ist die Vergütung prüfung, so endet das Berufsaus-
auch zu zahlen bildungsverhältnis mit Bekanntgabe
1. für die Zeit der Freistellung (§ 15), des Ergebnisses durch den Prüfungs-
2. bis zur Dauer von sechs Wochen, ausschuss.
wenn sie (3) Bestehen Auszubildende die Ab-
a) sich für die Berufsausbildung schlussprüfung nicht, so verlängert
bereithalten, diese aber ausfällt sich das Berufsausbildungsverhältnis
oder auf ihr Verlangen bis zur nächstmög­
b) aus einem sonstigen, in ihrer lichen Wiederholungsprüfung,
Person liegenden Grund un- höchstens um ein Jahr.
verschuldet verhindert sind,
ihre Pflichten aus dem Berufs- § 22
ausbildungsverhältnis zu Kündigung
erfüllen. (1) Während der Probezeit kann das Be-
(2) Können Auszubildende während der rufsausbildungsverhältnis jederzeit
Zeit, für welche die Vergütung fort- ohne Einhalten einer Kündigungs-
zuzahlen ist, aus berechtigtem Grund frist gekündigt werden.
Sachleistungen nicht abnehmen, so (2) Nach der Probezeit kann das Berufs-
sind diese nach den Sachbezugswer- ausbildungsverhältnis nur gekündigt
ten (§ 17 Absatz 6) abzugelten. werden
1. aus einem wichtigen Grund ohne
Unterabschnitt 5 Einhalten einer Kündigungsfrist,
Beginn und Beendigung des Ausbildungs- 2. von Auszubildenden mit einer
verhältnisses Kündigungsfrist von vier Wochen,
wenn sie die Berufsausbildung
§ 20 aufgeben oder sich für eine ande-
Probezeit re Berufstätigkeit ausbilden lassen
Das Berufsausbildungsverhältnis wollen.
beginnt mit der Probezeit. Sie muss min- (3) Die Kündigung muss schriftlich und
destens einen Monat und darf höchstens in den Fällen des Absatzes 2 unter
vier Monate betragen. Angabe der Kündigungsgründe
erfolgen.
§ 21 (4) Eine Kündigung aus einem wichti-
Beendigung gen Grund ist unwirksam, wenn die
(1) Das Berufsausbildungsverhältnis en- ihr zugrunde liegenden Tatsachen
det mit dem Ablauf der Ausbildungs- dem zur Kündigung Berechtigten
dauer. Im Falle der Stufenausbildung länger als zwei Wochen bekannt
endet es mit Ablauf der letzten Stufe. sind. Ist ein vorgesehenes Gütever-
fahren vor einer außergerichtlichen
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 83

Stelle eingeleitet, so wird bis zu § 26


dessen Beendigung der Lauf dieser Andere Vertragsverhältnisse
Frist gehemmt. Soweit nicht ein Arbeitsverhältnis
vereinbart ist, gelten für Personen, die
§ 23 eingestellt werden, um berufliche Fertig-
Schadensersatz bei vorzeitiger keiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder
Beendigung berufliche Erfahrungen zu erwerben,
(1) Wird das Berufsausbildungsver- ohne dass es sich um eine Berufsausbil-
hältnis nach der Probezeit vorzeitig dung im Sinne dieses Gesetzes handelt,
gelöst, so können Ausbildende oder die §§ 10 bis 16 und 17 Absatz 1, 6 und 7
Auszubildende Ersatz des Schadens sowie die §§ 18 bis 23 und 25 mit der
verlangen, wenn die andere Person Maßgabe, dass die gesetzliche Probezeit
den Grund für die Auflösung zu ver- abgekürzt, auf die Vertragsniederschrift
treten hat. Dies gilt nicht im Falle des verzichtet und bei vorzeitiger Lösung
§ 22 Absatz 2 Nummer 2. des Vertragsverhältnisses nach Ablauf
(2) Der Anspruch erlischt, wenn er nicht der Probezeit abweichend von § 23
innerhalb von drei Monaten nach Absatz 1 Satz 1 Schadensersatz nicht ver-
Beendigung des Berufsausbildungs- langt werden kann.
verhältnisses geltend gemacht wird.
Abschnitt 3
Unterabschnitt 6 Eignung von Ausbildungsstätte und
Sonstige Vorschriften Ausbildungspersonal

§ 24 § 27
Weiterarbeit Eignung der Ausbildungsstätte
Werden Auszubildende im Anschluss (1) Auszubildende dürfen nur eingestellt
an das Berufsausbildungsverhältnis be- und ausgebildet werden, wenn
schäftigt, ohne dass hierüber ausdrück- 1. die Ausbildungsstätte nach Art
lich etwas vereinbart worden ist, so gilt und Einrichtung für die Berufs-
ein Arbeitsverhältnis auf unbestimmte ausbildung geeignet ist und
Zeit als begründet. 2. die Zahl der Auszubildenden in
einem angemessenen Verhältnis
§ 25 zur Zahl der Ausbildungsplätze
Unabdingbarkeit oder zur Zahl der beschäftigten
Eine Vereinbarung, die zuungunsten Fachkräfte steht, es sei denn, dass
Auszubildender von den Vorschriften anderenfalls die Berufsausbildung
dieses Teils des Gesetzes abweicht, ist nicht gefährdet wird.
nichtig.
84 AUSBILDUNG & BERUF

(2) Eine Ausbildungsstätte, in der die ordnung, die nicht der Zustimmung
erforderlichen beruflichen Fertig- des Bundesrates bedarf, Mindest-
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten anforderungen für die Größe, die
nicht im vollen Umfang vermittelt Einrichtung und den Bewirtschaf-
werden können, gilt als geeignet, tungszustand der Ausbildungsstätte
wenn diese durch Ausbildungsmaß- festsetzen.
nahmen außerhalb der Ausbildungs-
stätte vermittelt werden. § 28
(3) Eine Ausbildungsstätte ist nach Art Eignung von Ausbildenden und Ausbil-
und Einrichtung für die Berufsaus- dern oder Ausbilderinnen
bildung in Berufen der Landwirt- (1) Auszubildende darf nur einstellen,
schaft, einschließlich der ländlichen wer persönlich geeignet ist. Auszu-
Hauswirtschaft, nur geeignet, wenn bildende darf nur ausbilden, wer
sie von der nach Landesrecht zustän- persönlich und fachlich geeignet ist.
digen Behörde als Ausbildungsstätte (2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder
anerkannt ist. Das Bundesminis- wer nicht selbst ausbildet, darf
terium für Ernährung und Land- Auszubildende nur dann einstellen,
wirtschaft kann im Einvernehmen wenn er persönlich und fachlich
mit dem Bundesministerium für geeignete Ausbilder oder Ausbilde-
Bildung und Forschung nach An- rinnen bestellt, die die Ausbildungs-
hörung des Hauptausschusses des inhalte in der Ausbildungsstätte
Bundesinstituts für Berufsbildung unmittelbar, verantwortlich und in
durch Rechtsverordnung, die nicht wesentlichem Umfang vermitteln.
der Zustimmung des Bundesrates (3) Unter der Verantwortung des Aus-
bedarf, Mindestanforderungen für bilders oder der Ausbilderin kann
die Größe, die Einrichtung und den bei der Berufsausbildung mitwirken,
Bewirtschaftungszustand der Aus- wer selbst nicht Ausbilder oder Aus-
bildungsstätte festsetzen. bilderin ist, aber abweichend von
(4) Eine Ausbildungsstätte ist nach Art den besonderen Voraussetzungen
und Einrichtung für die Berufsaus- des § 30 die für die Vermittlung von
bildung in Berufen der Hauswirt- Ausbildungsinhalten erforderlichen
schaft nur geeignet, wenn sie von beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
der nach Landesrecht zuständigen und Fähigkeiten besitzt und persön-
Behörde als Ausbildungsstätte an- lich geeignet ist.
erkannt ist. Das Bundesministerium
für Wirtschaft und Energie kann im
Einvernehmen mit dem Bundesmi-
nisterium für Bildung und For-
schung nach Anhörung des Haupt-
ausschusses des Bundesinstituts für
Berufsbildung durch Rechtsver-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 85

§ 29 4. im Ausland einen Bildungs-


Persönliche Eignung abschluss in einer dem Aus-
Persönlich nicht geeignet ist insbeson- bildungsberuf entsprechenden
dere, wer Fachrichtung erworben hat,
1. Kinder und Jugendliche nicht dessen Gleichwertigkeit nach dem
beschäftigen darf oder Berufsqualifikationsfeststellungs-
2. wiederholt oder schwer gegen gesetz oder anderen rechtlichen
dieses Gesetz oder die auf Grund Regelungen festgestellt worden ist
dieses Gesetzes erlassenen Vor- und eine angemessene Zeit in seinem
schriften und Bestimmungen Beruf praktisch tätig gewesen ist.
verstoßen hat. (3) Das Bundesministerium für Wirt-
schaft und Energie oder das sonst
§ 30 zuständige Fachministerium kann
Fachliche Eignung im Einvernehmen mit dem Bundes-
(1) Fachlich geeignet ist, wer die ministerium für Bildung und For-
beruflichen sowie die berufs- und schung nach Anhörung des Haupt-
arbeitspädagogischen Fertigkeiten, ausschusses des Bundesinstituts für
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt, Berufsbildung durch Rechtsverord-
die für die Vermittlung der Ausbil- nung, die nicht der Zustimmung des
dungsinhalte erforderlich sind. Bundesrates bedarf, in den Fällen des
(2) Die erforderlichen beruflichen Absatzes 2 Nummer 2 bestimmen,
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- welche Prüfungen für welche Aus-
keiten besitzt, wer bildungsberufe anerkannt werden.
1. die Abschlussprüfung in einer dem (4) Das Bundesministerium für Wirt-
Ausbildungsberuf entsprechenden schaft und Energie oder das sonst
Fachrichtung bestanden hat, zuständige Fachministerium kann
2. eine anerkannte Prüfung an im Einvernehmen mit dem Bundes-
einer Ausbildungsstätte oder vor ministerium für Bildung und For-
einer Prüfungsbehörde oder eine schung nach Anhörung des Haupt-
Abschlussprüfung an einer staat- ausschusses des Bundesinstituts für
lichen oder staatlich anerkannten Berufsbildung durch Rechtsver-
Schule in einer dem Ausbildungs- ordnung, die nicht der Zustimmung
beruf entsprechenden Fachrich- des Bundesrates bedarf, für einzelne
tung bestanden hat, Ausbildungsberufe bestimmen, dass
3. eine Abschlussprüfung an einer abweichend von Absatz 2 die für
deutschen Hochschule in einer die fachliche Eignung erforderlichen
dem Ausbildungsberuf entspre- beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
chenden Fachrichtung bestanden und Fähigkeiten nur besitzt, wer
hat oder
86 AUSBILDUNG & BERUF

1. die Voraussetzungen des Absat- 2005/36/ EG des Europäischen Parla-


zes 2 Nummer 2 oder 3 erfüllt und ments und des Rates vom 7. Septem-
eine angemessene Zeit in seinem ber 2005 über die Anerkennung von
Beruf praktisch tätig gewesen ist Berufsqualifikationen (ABl. EU
oder Nr. L 255, S. 22) erfüllt, sofern er eine
2. die Voraussetzungen des Absat- angemessene Zeit in seinem Beruf
zes 2 Nummer 3 erfüllt und eine praktisch tätig gewesen ist. § 30 Ab-
angemessene Zeit in seinem Beruf satz 4 Nummer 3 bleibt unberührt.
praktisch tätig gewesen ist oder (2) Die Anerkennung kann unter den in
3. für die Ausübung eines freien Artikel 14 der in Absatz 1 genannten
Berufes zugelassen oder in ein Richtlinie aufgeführten Voraus-
öffentliches Amt bestellt ist. setzungen davon abhängig gemacht
(5) Das Bundesministerium für Bildung werden, dass der Antragsteller oder
und Forschung kann nach An- die Antragstellerin zunächst einen
hörung des Hauptausschusses des höchstens dreijährigen Anpassungs-
Bundesinstituts für Berufsbildung lehrgang ableistet oder eine Eig-
durch Rechtsverordnung, die nicht nungsprüfung ablegt.
der Zustimmung des Bundesrates (3) Die Entscheidung über die Anerken-
bedarf, bestimmen, dass der Erwerb nung trifft die zuständige Stelle. Sie
berufs- und arbeitspädagogischer kann die Durchführung von An-
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- passungslehrgängen und Eignungs-
keiten gesondert nachzuweisen ist. prüfungen regeln.
Dabei können Inhalt, Umfang und
Abschluss der Maßnahmen für den § 31a
Nachweis geregelt werden. Sonstige ausländische Vorqualifikationen
(6) Die nach Landesrecht zuständige In den Fällen des § 30 Absatz 2 und 4
Behörde kann Personen, die die Vor- besitzt die für die fachliche Eignung
aussetzungen des Absatzes 2, 4 oder 5 erforderlichen Fertigkeiten, Kenntnisse
nicht erfüllen, die fachliche Eignung und Fähigkeiten, wer die Vorausset-
nach Anhörung der zuständigen zungen von § 2 Absatz 1 in Verbindung
Stelle widerruflich zuerkennen. mit § 9 des Berufsqualifikationsfeststel-
lungsgesetzes erfüllt und nicht in einem
§ 31 anderen Mitgliedstaat der Europäischen
Europaklausel Union oder einem anderen Vertragsstaat
(1) In den Fällen des § 30 Absatz 2 und 4 des Europäischen Wirtschaftsraums
besitzt die für die fachliche Eignung oder der Schweiz seinen Befähigungs-
erforderlichen beruflichen Fertig- nachweis erworben hat, sofern er eine
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten angemessene Zeit in seinem Beruf
auch, wer die Voraussetzungen für praktisch tätig gewesen ist. § 30 Absatz 4
die Anerkennung seiner Berufs- Nummer 3 bleibt unberührt.
qualifikation nach der Richtlinie
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 87

§ 32 Abschnitt 4
Überwachung der Eignung Verzeichnis der Berufsausbildungs­
(1) Die zuständige Stelle hat darüber zu verhältnisse
wachen, dass die Eignung der Aus-
bildungsstätte sowie die persönliche § 34
und fachliche Eignung vorliegen. Einrichten, Führen
(2) Werden Mängel der Eignung fest- (1) Die zuständige Stelle hat für an-
gestellt, so hat die zuständige Stelle, erkannte Ausbildungsberufe ein
falls der Mangel zu beheben und eine Verzeichnis der Berufsausbildungs-
Gefährdung Auszubildender nicht zu verhältnisse einzurichten und zu
erwarten ist, Ausbildende aufzufor- führen, in das der Berufsausbil-
dern, innerhalb einer von ihr gesetz- dungsvertrag einzutragen ist. Die
ten Frist den Mangel zu beseitigen. Eintragung ist für Auszubildende
Ist der Mangel der Eignung nicht zu gebührenfrei.
beheben oder ist eine Gefährdung (2) Die Eintragung umfasst für jedes
Auszubildender zu erwarten oder Berufsausbildungsverhältnis
wird der Mangel nicht innerhalb 1. Name, Vorname, Geburtsdatum,
der gesetzten Frist beseitigt, so hat Anschrift der Auszubildenden,
die zuständige Stelle dies der nach 2. Geschlecht, Staatsangehörigkeit,
Landesrecht zuständigen Behörde allgemeinbildender Schulab-
mitzuteilen. schluss, vorausgegangene Teil-
nahme an berufsvorbereitender
§ 33 Qualifizierung oder beruflicher
Untersagung des Einstellens und Grundbildung, vorherige Berufs-
Ausbildens ausbildung sowie vorheriges
(1) Die nach Landesrecht zuständige Studium, Anschlussvertrag bei
Behörde kann für eine bestimmte Anrechnung einer zuvor absol-
Ausbildungsstätte das Einstellen und vierten dualen Berufsausbildung
Ausbilden untersagen, wenn die Vo- nach diesem Gesetz oder nach der
raussetzungen nach § 27 nicht oder Handwerksordnung einschließ-
nicht mehr vorliegen. lich Ausbildungsberuf,
(2) Die nach Landesrecht zuständige 3. Name, Vorname und Anschrift
Behörde hat das Einstellen und der gesetzlichen Vertreter und
Ausbilden zu untersagen, wenn die Vertreterinnen,
persönliche oder fachliche Eignung 4. Ausbildungsberuf einschließlich
nicht oder nicht mehr vorliegt. Fachrichtung,
(3) Vor der Untersagung sind die Be- 5. Berufsausbildung im Rahmen
teiligten und die zuständige Stelle eines ausbildungsintegrierenden
zu hören. Dies gilt nicht im Falle des dualen Studiums,
§ 29 Nummer 1. 6. Tag, Monat und Jahr des Ab-
schlusses des Ausbildungsver-
88 AUSBILDUNG & BERUF

trages, Ausbildungsdauer, Dauer 2. die persönliche und fachliche


der Probezeit, Verkürzung der Eignung sowie die Eignung der
Ausbildungsdauer, Teilzeitberufs- Ausbildungsstätte für das Einstel-
ausbildung, len und Ausbilden vorliegen und
7. die bei Abschluss des Berufsaus- 3. für Auszubildende unter 18 Jah-
bildungsvertrages vereinbarte ren die ärztliche Bescheinigung
Vergütung für jedes Ausbildungs- über die Erstuntersuchung nach
jahr, § 32 Absatz 1 des Jugendarbeits-
8. Tag, Monat und Jahr des vertrag- schutzgesetzes zur Einsicht vor-
lich vereinbarten Beginns und gelegt wird.
Endes der Berufsausbildung sowie (2) Die Eintragung ist abzulehnen oder
Tag, Monat und Jahr einer vorzei- zu löschen, wenn die Eintragungs-
tigen Auflösung des Ausbildungs- voraussetzungen nicht vorliegen und
verhältnisses, der Mangel nicht nach § 32 Absatz 2
9. Art der Förderung bei überwie- behoben wird. Die Eintragung ist
gend öffentlich, insbesondere auf ferner zu löschen, wenn die ärztliche
Grund des Dritten Buches Sozial- Bescheinigung über die erste Nach-
gesetzbuch geförderten Berufs- untersuchung nach § 33 Absatz 1 des
ausbildungsverhältnissen, Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht
10. Name und Anschrift der Ausbil- spätestens am Tage der Anmeldung
denden, Anschrift und amtliche der Auszubildenden zur Zwischen-
Gemeindeschlüssel der Ausbil- prüfung oder zum ersten Teil der
dungsstätte, Wirt­schaftszweig, Be- Abschlussprüfung zur Einsicht
triebsnummer der Ausbildungs- vorgelegt und der Mangel nicht nach
stätte nach § 18i Absatz 1 oder § 32 Absatz 2 behoben wird.
§ 18k Absatz 1 des Vierten Buches (3) Die nach § 34 Absatz 2 Nummer 1,
Sozialgesetzbuch, Zugehörigkeit 4, 8 und 10 erhobenen Daten werden
zum öffentlichen Dienst, werden zur Verbesserung der Ausbil-
11. Name, Vorname, Geschlecht und dungsvermittlung, zur Verbesserung
Art der fachlichen Eignung der der Zuverlässigkeit und Aktualität
Ausbilder und Ausbilderinnen. der Ausbildungsvermittlungsstatistik
sowie zur Verbesserung der Fest-
§ 35 stellung von Angebot und Nachfrage
Eintragen, Ändern, Löschen auf dem Ausbildungsmarkt an die
(1) Ein Berufsausbildungsvertrag und Bundesagentur für Arbeit übermit-
Änderungen seines wesentlichen telt. Bei der Datenübermittlung sind
Inhalts sind in das Verzeichnis einzu- dem jeweiligen Stand der Technik
tragen, wenn entsprechende Maßnahmen zur
1. der Berufsausbildungsvertrag die- Sicherstellung von Datenschutz
sem Gesetz und der Ausbildungs- und Datensicherheit, insbesondere
ordnung entspricht, nach den Artikeln 24, 25 und 32
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 89

der Verordnung (EU) 2016/679 Abschnitt 5


des Europäischen Parlaments und Prüfungswesen
des Rates vom 27. April 2016 zum
Schutz natürlicher Personen bei der § 37
Verarbeitung personenbezogener Abschlussprüfung
Daten, zum freien Datenverkehr (1) In den anerkannten Ausbildungs-
und zur Aufhebung der Richtlinie berufen sind Abschlussprüfungen
95/46/EG (Datenschutz-Grundver- durchzuführen. Die Abschlussprü-
ordnung) (ABl. L 119 vom 4.5.2016, fung kann im Falle des Nichtbeste-
S. 1), zu treffen, die insbesondere die hens zweimal wiederholt werden.
Vertraulichkeit, Unversehrtheit und Sofern die Abschlussprüfung in zwei
Zurechenbarkeit der Daten gewähr- zeitlich auseinanderfallenden Teilen
leisten. durchgeführt wird, ist der erste Teil
der Abschlussprüfung nicht eigen-
§ 36 ständig wiederholbar.
Antrag und Mitteilungspflichten (2) Dem Prüfling ist ein Zeugnis aus-
(1) Ausbildende haben unverzüglich zustellen. Ausbildenden werden
nach Abschluss des Berufsausbil- auf deren Verlangen die Ergebnisse
dungsvertrages die Eintragung in der Abschlussprüfung der Auszu-
das Verzeichnis zu beantragen. Der bildenden übermittelt. Sofern die
Antrag kann schriftlich oder elektro­ Abschlussprüfung in zwei zeitlich
nisch gestellt werden; eine Kopie auseinanderfallenden Teilen durch-
der Vertragsniederschrift ist jeweils geführt wird, ist das Ergebnis der
beizufügen. Auf einen betrieblichen Prüfungsleistungen im ersten Teil
Ausbildungsplan im Sinne von § 11 der Abschlussprüfung dem Prüfling
Absatz 1 Satz 2 Nummer 1, der der schriftlich mitzuteilen.
zuständigen Stelle bereits vorliegt, (3) Dem Zeugnis ist auf Antrag des
kann dabei Bezug genommen Auszubildenden eine englischspra-
werden. Entsprechendes gilt bei chige und eine französischsprachige
Änderungen des wesentlichen Übersetzung beizufügen. Auf Antrag
Vertragsinhalts. des Auszubildenden ist das Ergebnis
(2) Ausbildende und Auszubildende sind berufsschulischer Leistungsfest-
verpflichtet, den zuständigen Stellen stellungen auf dem Zeugnis auszu-
die zur Eintragung nach § 34 erfor- weisen. Der Auszubildende hat den
derlichen Tatsachen auf Verlangen Nachweis der berufsschulischen
mitzuteilen. Leistungsfeststellungen dem Antrag
beizufügen.
(4) Die Abschlussprüfung ist für Auszu-
bildende gebührenfrei.
90 AUSBILDUNG & BERUF

§ 38 § 40
Prüfungsgegenstand Zusammensetzung, Berufung
Durch die Abschlussprüfung ist festzu- (1) Der Prüfungsausschuss besteht aus
stellen, ob der Prüfling die berufliche mindestens drei Mitgliedern. Die
Handlungsfähigkeit erworben hat. In ihr Mitglieder müssen für die Prüfungs-
soll der Prüfling nachweisen, dass er die gebiete sachkundig und für die Mit-
erforderlichen beruflichen Fertigkeiten wirkung im Prüfungswesen geeignet
beherrscht, die notwendigen beruflichen sein.
Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt und (2) Dem Prüfungsausschuss müssen als
mit dem im Berufsschulunterricht zu Mitglieder Beauftragte der Arbeit-
vermittelnden, für die Berufsausbildung geber und der Arbeitnehmer in
wesentlichen Lehrstoff vertraut ist. Die gleicher Zahl sowie mindestens eine
Ausbildungsordnung ist zugrunde zu Lehrkraft einer berufsbildenden
legen. Schule angehören. Mindestens zwei
Drittel der Gesamtzahl der Mitglie-
§ 39 der müssen Beauftragte der Arbeit-
Prüfungsausschüsse, Prüferdelegationen geber und der Arbeitnehmer sein.
(1) Für die Durchführung der Ab- Die Mitglieder haben Stellvertreter
schlussprüfung errichtet die zu- oder Stellvertreterinnen.
ständige Stelle Prüfungsausschüsse. (3) Die Mitglieder werden von der zu-
Mehrere zuständige Stellen können ständigen Stelle längstens für fünf
bei einer von ihnen gemeinsame Jahre berufen. Die Beauftragten der
Prüfungsausschüsse errichten. Arbeitnehmer werden auf Vorschlag
(2) Prüfungsausschüsse oder Prüferdele- der im Bezirk der zuständigen Stelle
gationen nach § 42 Absatz 2 nehmen bestehenden Gewerkschaften und
die Prüfungsleistungen ab. selbstständigen Vereinigungen von
(3) Prüfungsausschüsse oder Prüfer- Arbeitnehmern mit sozial- oder
delegationen nach § 42 Absatz 2 berufspolitischer Zwecksetzung be-
können zur Bewertung einzelner, rufen. Die Lehrkraft einer berufsbil-
nicht mündlich zu erbringender denden Schule wird im Einverneh-
Prüfungsleistungen gutachterliche men mit der Schulaufsichtsbehörde
Stellungnahmen Dritter, insbe- oder der von ihr bestimmten Stelle
sondere berufsbildender Schulen, berufen. Werden Mitglieder nicht
einholen. Im Rahmen der Begutach- oder nicht in ausreichender Zahl
tung sind die wesentlichen Abläufe innerhalb einer von der zuständi-
zu dokumentieren und die für die gen Stelle gesetzten angemessenen
Bewertung erheblichen Tatsachen Frist vorgeschlagen, so beruft die
festzuhalten. zuständige Stelle insoweit nach
pflichtgemäßem Ermessen. Die
Mitglieder der Prüfungsausschüsse
können nach Anhören der an ihrer
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 91

Berufung Beteiligten aus wichtigem (6a) Prüfende sind von ihrem Arbeitgeber
Grund abberufen werden. Die Sätze 1 von der Erbringung der Arbeitsleis-
bis 5 gelten für die stellvertretenden tung freizustellen, wenn
Mitglieder entsprechend. 1. es zur ordnungsgemäßen Durch-
(4) Die zuständige Stelle kann weitere führung der ihnen durch das
Prüfende für den Einsatz in Prüfer- Gesetz zugewiesenen Aufgaben
delegationen nach § 42 Absatz 2 beru- erforderlich ist und
fen. Die Berufung weiterer Prüfender 2. wichtige betriebliche Gründe
kann auf bestimmte Prüf- oder Fach- nicht entgegenstehen.
gebiete beschränkt werden. Absatz 3 (7) Von Absatz 2 darf nur abgewichen
ist entsprechend anzuwenden. werden, wenn anderenfalls die er-
(5) Die für die Berufung von Prüfungs- forderliche Zahl von Mitgliedern des
ausschussmitgliedern Vorschlagsbe- Prüfungsausschusses nicht berufen
rechtigten sind über die Anzahl und werden kann.
die Größe der einzurichtenden Prü-
fungsausschüsse sowie über die Zahl § 41
der von ihnen vorzuschlagenden Vorsitz, Beschlussfähigkeit, Abstimmung
weiteren Prüfenden zu unterrichten. (1) Der Prüfungsausschuss wählt ein
Die Vorschlagsberechtigten werden Mitglied, das den Vorsitz führt, und
von der zuständigen Stelle darüber ein weiteres Mitglied, das den Vor-
unterrichtet, welche der von ihnen sitz stellvertretend übernimmt. Der
vorgeschlagenen Mitglieder, Stellver- Vorsitz und das ihn stellvertretende
treter und Stellvertreterinnen sowie Mitglied sollen nicht derselben Mit-
weiteren Prüfenden berufen wurden. gliedergruppe angehören.
(6) Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss (2) Der Prüfungsausschuss ist beschluss-
oder in einer Prüferdelegation ist fähig, wenn zwei Drittel der Mit-
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und glieder, mindestens drei, mitwirken.
für Zeitversäumnis ist, soweit eine Er beschließt mit der Mehrheit der
Entschädigung nicht von anderer abgegebenen Stimmen. Bei Stimmen-
Seite gewährt wird, eine angemesse- gleichheit gibt die Stimme des vor-
ne Entschädigung zu zahlen, deren sitzenden Mitglieds den Ausschlag.
Höhe von der zuständigen Stelle
mit Genehmigung der obersten
Landesbehörde festgesetzt wird. Die
Entschädigung für Zeitversäumnis
hat mindestens im Umfang von § 16
des Justizvergütungs- und -ent-
schädigungsgesetzes in der jeweils
geltenden Fassung zu erfolgen.
92 AUSBILDUNG & BERUF

§ 42 Prüfungsleistungen von denselben


Beschlussfassung, Bewertung der Prüfenden abgenommen werden.
Abschlussprüfung (4) Nach § 47 Absatz 2 Satz 2 erstellte
(1) Der Prüfungsausschuss fasst die oder ausgewählte Antwort-Wahl-
Beschlüsse über Aufgaben können automatisiert aus­
1. die Noten zur Bewertung einzel- gewertet werden, wenn das Aufga-
ner Prüfungsleistungen, die er benerstellungs- oder Aufgabenaus-
selbst abgenommen hat, wahlgremium festgelegt hat, welche
2. die Noten zur Bewertung der Antworten als zutreffend anerkannt
Prüfung insgesamt sowie werden. Die Ergebnisse sind vom
3. das Bestehen oder Nichtbestehen Prüfungsausschuss zu übernehmen.
der Abschlussprüfung. (5) Der Prüfungsausschuss oder die
(2) Die zuständige Stelle kann im Ein- Prüferdelegation kann einvernehm-
vernehmen mit den Mitgliedern des lich die Abnahme und Bewertung
Prüfungsausschusses die Abnahme einzelner schriftlicher oder sons-
und abschließende Bewertung von tiger Prüfungsleistungen, deren
Prüfungsleistungen auf Prüferdele- Bewertung unabhängig von der
gationen übertragen. Für die Zusam- Anwesenheit bei der Erbringung
mensetzung von Prüferdelegationen erfolgen kann, so vornehmen, dass
und für die Abstimmungen in der zwei seiner oder ihrer Mitglieder die
Prüferdelegation sind § 40 Absatz 1 Prüfungsleistungen selbstständig
und 2 sowie § 41 Absatz 2 entspre- und unabhängig bewerten. Weichen
chend anzuwenden. Mitglieder von die auf der Grundlage des in der
Prüferdelegationen können die Prüfungsordnung vorgesehenen
Mitglieder des Prüfungsausschusses, Bewertungsschlüssels erfolgten
deren Stellvertreter und Stellver- Bewertungen der beiden Prüfenden
treterinnen sowie weitere Prüfende um nicht mehr als 10 Prozent der
sein, die durch die zuständige Stelle erreichbaren Punkte voneinander
nach § 40 Absatz 4 berufen worden ab, so errechnet sich die endgültige
sind. Bewertung aus dem Durchschnitt
(3) Die zuständige Stelle hat vor Beginn der beiden Bewertungen. Bei einer
der Prüfung über die Bildung von größeren Abweichung erfolgt die
Prüferdelegationen, über deren endgültige Bewertung durch ein
Mitglieder sowie über deren Stell- vorab bestimmtes weiteres Mitglied
vertreter und Stellvertreterinnen zu des Prüfungsausschusses oder der
entscheiden. Prüfende können Mit- Prüferdelegation.
glieder mehrerer Prüferdelegationen (6) Sieht die Ausbildungsordnung vor,
sein. Sind verschiedene Prüfungsleis- dass Auszubildende bei erfolgrei-
tungen derart aufeinander bezogen, chem Abschluss eines zweijährigen
dass deren Beurteilung nur einheit- Ausbildungsberufs vom ersten Teil
lich erfolgen kann, so müssen diese der Abschlussprüfung eines darauf
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 93

aufbauenden drei- oder dreiein- (2) Zur Abschlussprüfung ist ferner


halbjährigen Ausbildungsberufs zuzulassen, wer in einer berufsbil-
befreit sind, so ist das Ergebnis der denden Schule oder einer sonstigen
Abschlussprüfung des zweijährigen Berufsbildungseinrichtung aus-
Ausbildungsberufs vom Prüfungs- gebildet worden ist, wenn dieser
ausschuss als das Ergebnis des ersten Bildungsgang der Berufsausbildung
Teils der Abschlussprüfung des auf in einem anerkannten Ausbildungs-
dem zweijährigen Ausbildungsberuf beruf entspricht. Ein Bildungsgang
aufbauenden drei- oder dreiein- entspricht der Berufsausbildung in
halbjährigen Ausbildungsberufs zu einem anerkannten Ausbildungsbe-
übernehmen. ruf, wenn er
1. nach Inhalt, Anforderung und
§ 43 zeitlichem Umfang der jeweiligen
Zulassung zur Abschlussprüfung Ausbildungsordnung gleichwertig
(1) Zur Abschlussprüfung ist zuzulassen, ist,
1. wer die Ausbildungsdauer 2. systematisch, insbesondere im
zurückgelegt hat oder wessen Rahmen einer sachlichen und
Ausbildungsdauer nicht später als zeitlichen Gliederung, durchge-
zwei Monate nach dem Prüfungs- führt wird und
termin endet, 3. durch Lernortkooperation einen
2. wer an vorgeschriebenen Zwi- angemessenen Anteil an fach-
schenprüfungen teilgenommen praktischer Ausbildung gewähr-
sowie einen vom Ausbilder und leistet.
Auszubildenden unterzeichneten
Ausbildungsnachweis nach § 13 § 44
Satz 2 Nummer 7 vorgelegt hat Zulassung zur Abschlussprüfung bei
und zeitlich auseinanderfallenden Teilen
3. wessen Berufsausbildungsverhält- (1) Sofern die Abschlussprüfung in
nis in das Verzeichnis der Berufs- zwei zeitlich auseinanderfallenden
ausbildungsverhältnisse ein- Teilen durchgeführt wird, ist über
getragen oder aus einem Grund die Zulassung jeweils gesondert zu
nicht eingetragen ist, den weder entscheiden.
die Auszubildenden noch deren (2) Zum ersten Teil der Abschlussprü-
gesetzliche Vertreter oder Vertre- fung ist zuzulassen, wer die in der
terinnen zu vertreten haben. Ausbildungsordnung vorgeschriebe-
ne, erforderliche Ausbildungsdauer
zurückgelegt hat und die Vorausset-
zungen des § 43 Absatz 1 Nummer 2
und 3 erfüllt.
94 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Zum zweiten Teil der Abschlussprü- lage von Zeugnissen oder auf andere
fung ist zuzulassen, wer Weise glaubhaft gemacht wird, dass
1. über die Voraussetzungen des § 43 der Bewerber oder die Bewerberin
Absatz 1 hinaus am ersten Teil der die berufliche Handlungsfähigkeit
Abschlussprüfung teilgenommen erworben hat, die die Zulassung zur
hat, Prüfung rechtfertigt. Ausländische
2. auf Grund einer Rechtsverord- Bildungsabschlüsse und Zeiten der
nung nach § 5 Absatz 2 Satz 1 Berufstätigkeit im Ausland sind
Nummer 2b von der Ablegung des dabei zu berücksichtigen.
ersten Teils der Abschlussprüfung (3) Soldaten oder Soldatinnen auf Zeit
befreit ist oder und ehemalige Soldaten oder Sol-
3. aus Gründen, die er nicht zu datinnen sind nach Absatz 2 Satz 3
vertreten hat, am ersten Teil der zur Abschlussprüfung zuzulassen,
Abschlussprüfung nicht teilge- wenn das Bundesministerium der
nommen hat. Verteidigung oder die von ihm be-
Im Fall des Satzes 1 Nummer 3 ist stimmte Stelle bescheinigt, dass der
der erste Teil der Abschlussprüfung Bewerber oder die Bewerberin beruf-
zusammen mit dem zweiten Teil liche Fertigkeiten, Kenntnisse und
abzulegen. Fähigkeiten erworben hat, welche die
Zulassung zur Prüfung rechtfertigen.
§ 45
Zulassung in besonderen Fällen § 46
(1) Auszubildende können nach An- Entscheidung über die Zulassung
hörung der Ausbildenden und (1) Über die Zulassung zur Abschluss-
der Berufsschule vor Ablauf ihrer prüfung entscheidet die zuständige
Ausbildungszeit zur Abschlussprü- Stelle. Hält sie die Zulassungsvor-
fung zugelassen werden, wenn ihre aussetzungen nicht für gegeben, so
Leistungen dies rechtfertigen. entscheidet der Prüfungsausschuss.
(2) Zur Abschlussprüfung ist auch (2) Auszubildenden, die Elternzeit in
zuzulassen, wer nachweist, dass er Anspruch genommen haben, darf bei
mindestens das Eineinhalbfache der Entscheidung über die Zulassung
der Zeit, die als Ausbildungsdauer hieraus kein Nachteil erwachsen.
vorgeschrieben ist, in dem Beruf
tätig gewesen ist, in dem die Prüfung § 47
abgelegt werden soll. Als Zeiten der Prüfungsordnung
Berufstätigkeit gelten auch Aus- (1) Die zuständige Stelle hat eine
bildungszeiten in einem anderen, Prüfungsordnung für die Abschluss-
einschlägigen Ausbildungsberuf. prüfung zu erlassen. Die Prüfungs-
Vom Nachweis der Mindestzeit ordnung bedarf der Genehmigung
nach Satz 1 kann ganz oder teilweise der zuständigen obersten Landes­
abgesehen werden, wenn durch Vor- behörde.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 95

(2) Die Prüfungsordnung muss die Zu- (5) Wird im Fall des § 71 Absatz 8 die
lassung, die Gliederung der Prü- zuständige Stelle durch das Land
fung, die Bewertungsmaßstäbe, die bestimmt, so erlässt die zuständige
Erteilung der Prüfungszeugnisse, Landesregierung die Prüfungs-
die Folgen von Verstößen gegen die ordnung durch Rechtsverordnung.
Prüfungsordnung und die Wieder- Die Ermächtigung nach Satz 1 kann
holungsprüfung regeln. Sie kann durch Rechtsverordnung auf die
vorsehen, dass Prüfungsaufgaben, von ihr bestimmte zuständige Stelle
die überregional oder von einem übertragen werden.
Aufgabenerstellungsausschuss bei (6) Der Hauptausschuss des Bundes-
der zuständigen Stelle erstellt oder instituts für Berufsbildung erlässt für
ausgewählt werden, zu übernehmen die Prüfungsordnung Richtlinien.
sind, sofern diese Aufgaben von
Gremien erstellt oder ausgewählt § 48
werden, die entsprechend § 40 Ab- Zwischenprüfungen
satz 2 zusammengesetzt sind. (1) Während der Berufsausbildung ist
(3) Im Fall des § 73 Absatz 1 erlässt das zur Ermittlung des Ausbildungs-
Bundesministerium des Innern, standes eine Zwischenprüfung
für Bau und Heimat oder das sonst entsprechend der Ausbildungsord-
zuständige Fachministerium die nung durchzuführen. Die §§ 37 bis 39
Prüfungsordnung durch Rechtsver- gelten entsprechend.
ordnung, die nicht der Zustimmung (2) Die Zwischenprüfung entfällt, sofern
des Bundesrates bedarf. Das Bundes- 1. die Ausbildungsordnung vorsieht,
ministerium des Innern, für Bau und dass die Abschlussprüfung in zwei
Heimat oder das sonst zuständige zeitlich auseinanderfallenden
Fachministerium kann die Ermäch- Teilen durchgeführt wird, oder
tigung nach Satz 1 durch Rechtsver- 2. die Ausbildungsordnung vorsieht,
ordnung auf die von ihm bestimmte dass auf die Dauer der durch die
zuständige Stelle übertragen. Ausbildungsordnung geregelten
(4) Im Fall des § 73 Absatz 2 erlässt die Berufsausbildung die Dauer einer
zuständige Landesregierung die anderen abgeschlossenen Berufs-
Prüfungsordnung durch Rechtsver- ausbildung im Umfang von min-
ordnung. Die Ermächtigung nach destens zwei Jahren anzurechnen
Satz 1 kann durch Rechtsverordnung ist, und die Vertragsparteien die
auf die von ihr bestimmte zuständige Anrechnung mit mindestens
Stelle übertragen werden. dieser Dauer vereinbart haben.
(3) Umzuschulende sind auf ihren An-
trag zur Zwischenprüfung zuzulassen.
96 AUSBILDUNG & BERUF

§ 49 prüfung gleichstellen, wenn die in der


Zusatzqualifikationen Prüfung nachzuweisenden beruf-
(1) Zusätzliche berufliche Fertigkeiten, lichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
Kenntnisse und Fähigkeiten nach Fähigkeiten gleichwertig sind.
§ 5 Absatz 2 Nummer 5 werden
gesondert geprüft und bescheinigt. § 50a
Das Ergebnis der Prüfung nach § 37 Gleichwertigkeit ausländischer Berufs-
bleibt unberührt. qualifikationen
(2) § 37 Absatz 3 und 4 sowie die §§ 39 Ausländische Berufsqualifikationen
bis 42 und 47 gelten entsprechend. stehen einer bestandenen Aus- oder
Fortbildungsprüfung nach diesem Gesetz
§ 50 gleich, wenn die Gleichwertigkeit der
Gleichstellung von Prüfungszeugnissen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
(1) Das Bundesministerium für Wirt- Fähigkeiten nach dem Berufsqualifikati-
schaft und Energie oder das sonst onsfeststellungsgesetz festgestellt wurde.
zuständige Fachministerium kann im
Einvernehmen mit dem Bundesmi- Abschnitt 6
nisterium für Bildung und Forschung Interessenvertretung
nach Anhörung des Hauptausschus-
ses des Bundesinstituts für Berufs- § 51
bildung durch Rechtsverordnung Interessenvertretung
außerhalb des Anwendungsbereichs (1) Auszubildende, deren praktische
dieses Gesetzes erworbene Prü- Berufsbildung in einer sonstigen Be-
fungszeugnisse den entsprechenden rufsbildungseinrichtung außerhalb
Zeugnissen über das Bestehen der der schulischen und betrieblichen
Abschlussprüfung gleichstellen, wenn Berufsbildung (§ 2 Absatz 1 Num-
die Berufsausbildung und die in der mer 3) mit in der Regel mindestens
Prüfung nachzuweisenden beruf- fünf Auszubildenden stattfindet
lichen Fertigkeiten, Kenntnisse und und die nicht wahlberechtigt zum
Fähigkeiten gleichwertig sind. Betriebsrat nach § 7 des Betriebs-
(2) Das Bundesministerium für Wirt- verfassungsgesetzes, zur Jugend- und
schaft und Energie oder das sonst Auszubildendenvertretung nach § 60
zuständige Fachministerium kann im des Betriebsverfassungsgesetzes oder
Einvernehmen mit dem Bundesmi- zur Mitwirkungsvertretung nach § 52
nisterium für Bildung und Forschung des Neunten Buches Sozialgesetz-
nach Anhörung des Hauptausschus- buch sind (außerbetriebliche Aus-
ses des Bundesinstituts für Berufs- zubildende), wählen eine besondere
bildung durch Rechtsverordnung im Interessenvertretung.
Ausland erworbene Prüfungszeug-
nisse den entsprechenden Zeugnissen
über das Bestehen der Abschluss-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 97

(2) Absatz 1 findet keine Anwendung auf Zustimmung des Bundesrates bedarf,
Berufsbildungseinrichtungen von Abschlüsse der höherqualifizieren-
Religionsgemeinschaften sowie auf den Berufsbildung anerkennen und
andere Berufsbildungseinrichtun- hierfür Prüfungsregelungen erlassen
gen, soweit sie eigene gleichwertige (Fortbildungsordnungen).
Regelungen getroffen haben. (2) Die Fortbildungsordnungen haben
festzulegen:
§ 52 1. die Bezeichnung des Fortbil-
Verordnungsermächtigung dungsabschlusses,
Das Bundesministerium für Bildung 2. die Fortbildungsstufe,
und Forschung kann durch Rechtsver- 3. das Ziel, den Inhalt und die An-
ordnung, die nicht der Zustimmung forderungen der Prüfung,
des Bundesrates bedarf, die Fragen 4. die Zulassungsvoraussetzungen
bestimmen, auf die sich die Beteiligung für die Prüfung und
erstreckt, die Zusammensetzung und die 5. das Prüfungsverfahren.
Amtszeit der Interessenvertretung, die (3) Abweichend von Absatz 1 werden
Durchführung der Wahl, insbesondere Fortbildungsordnungen
die Feststellung der Wahlberechtigung 1. in den Berufen der Landwirt-
und der Wählbarkeit sowie Art und Um- schaft, einschließlich der länd-
fang der Beteiligung. lichen Hauswirtschaft, durch das
Bundesministerium für Ernäh-
Kapitel 2 rung und Landwirtschaft im
Berufliche Fortbildung Einvernehmen mit dem Bundes-
ministerium für Bildung und
Abschnitt 1 Forschung erlassen und
Fortbildungsordnungen des Bundes 2. in Berufen der Hauswirtschaft
durch das Bundesministerium
§ 53 für Wirtschaft und Energie im
Fortbildungsordnungen der höherquali- Einvernehmen mit dem Bundes-
fizierenden Berufsbildung ministerium für Bildung und
(1) Als Grundlage für eine einheitliche Forschung erlassen.
höherqualifizierende Berufsbildung
kann das Bundesministerium für § 53a
Bildung und Forschung im Einver- Fortbildungsstufen
nehmen mit dem Bundesministe- (1) Die Fortbildungsstufen der höher-
rium für Wirtschaft und Energie qualifizierenden Berufsbildung sind
oder mit dem sonst zuständigen 1. als erste Fortbildungsstufe der
Fachministerium nach Anhörung Geprüfte Berufsspezialist und die
des Hauptausschusses des Bundes- Geprüfte Berufsspezialistin,
instituts für Berufsbildung durch 2. als zweite Fortbildungsstufe der
Rechtsverordnung, die nicht der Bachelor Professional und
98 AUSBILDUNG & BERUF

3. als dritte Fortbildungsstufe der für“ oder „Geprüfte Berufsspezialis-


Master Professional. tin für“. Die Fortbildungsordnung
(2) Jede Fortbildungsordnung, die eine kann vorsehen, dass dieser Ab-
höherqualifizierende Berufsbildung schlussbezeichnung eine weitere
der ersten Fortbildungsstufe regelt, Abschlussbezeichnung vorangestellt
soll auf einen Abschluss der zweiten wird. Diese Abschlussbezeichnung
Fortbildungsstufe hinführen. der ersten beruflichen Fortbildungs-
stufe darf nur führen, wer
§ 53b 1. die Prüfung der ersten berufli-
Geprüfter Berufsspezialist und Geprüfte chen Fortbildungsstufe bestanden
Berufsspezialistin hat oder
(1) Den Fortbildungsabschluss des Ge- 2. die Prüfung einer gleichwertigen
prüften Berufsspezialisten oder der beruflichen Fortbildung auf der
Geprüften Berufsspezialistin erlangt, Grundlage bundes- oder landes-
wer eine Prüfung der ersten beruf- rechtlicher Regelungen, die diese
lichen Fortbildungsstufe besteht. Abschlussbezeichnung vorsehen,
(2) In der Fortbildungsprüfung der bestanden hat.
ersten beruflichen Fortbildungsstufe
wird festgestellt, ob der Prüfling § 53c
1. die Fertigkeiten, Kenntnisse und Bachelor Professional
Fähigkeiten, die er in der Regel (1) Den Fortbildungsabschluss Bachelor
im Rahmen der Berufsausbildung Professional erlangt, wer eine Prü-
erworben hat, vertieft hat und fung der zweiten beruflichen Fort-
2. die in der Regel im Rahmen der bildungsstufe erfolgreich besteht.
Berufsausbildung erworbene be- (2) In der Fortbildungsprüfung der
rufliche Handlungsfähigkeit um zweiten beruflichen Fortbildungs-
neue Fertigkeiten, Kenntnisse und stufe wird festgestellt, ob der
Fähigkeiten ergänzt hat. Prüfling in der Lage ist, Fach- und
Der Lernumfang für den Erwerb Führungsfunktionen zu überneh-
dieser Fertigkeiten, Kenntnisse und men, in denen zu verantwortende
Fähigkeiten soll mindestens 400 Leitungsprozesse von Organisatio-
Stunden betragen. nen eigenständig gesteuert werden,
(3) Als Voraussetzung zur Zulassung für eigenständig ausgeführt werden und
eine Prüfung der ersten beruflichen dafür Mitarbeiter und Mitarbeiterin-
Fortbildungsstufe ist als Regelzugang nen geführt werden. Der Lernum-
der Abschluss in einem anerkannten fang für den Erwerb dieser Fertigkei-
Ausbildungsberuf vorzusehen. ten, Kenntnisse und Fähigkeiten soll
(4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs- mindestens 1200 Stunden betragen.
abschlusses der ersten beruflichen
Fortbildungsstufe beginnt mit den
Wörtern „Geprüfter Berufsspezialist
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 99

(3) Als Voraussetzung zur Zulassung für 1. die Fertigkeiten, Kenntnisse und
eine Prüfung der zweiten berufli- Fähigkeiten, die er in der Regel
chen Fortbildungsstufe ist als Regel- mit der Vorbereitung auf eine
zugang vorzusehen: Fortbildungsprüfung der zweiten
1. der Abschluss in einem anerkann- Fortbildungsstufe erworben hat,
ten Ausbildungsberuf oder vertieft hat und
2. ein Abschluss der ersten beruf- 2. neue Fertigkeiten, Kenntnisse und
lichen Fortbildungsstufe. Fähigkeiten erworben hat, die
(4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs- erforderlich sind für die verant-
abschlusses der zweiten beruflichen wortliche Führung von Organi-
Fortbildungsstufe beginnt mit den sationen oder zur Bearbeitung
Wörtern „Bachelor Professional von neuen, komplexen Aufgaben-
in“. Die Fortbildungsordnung kann und Problemstellungen wie der
vorsehen, dass dieser Abschlussbe- Entwicklung von Verfahren und
zeichnung eine weitere Abschluss- Produkten.
bezeichnung vorangestellt wird. Die Der Lernumfang für den Erwerb
Abschlussbezeichnung der zweiten dieser Fertigkeiten, Kenntnisse
beruflichen Fortbildungsstufe darf und Fähigkeiten soll mindestens
nur führen, wer 1600 Stunden betragen.
1. die Prüfung der zweiten berufli- (3) Als Voraussetzung zur Zulassung für
chen Fortbildungsstufe bestanden eine Prüfung der dritten beruflichen
hat oder Fortbildungsstufe ist als Regelzugang
2. die Prüfung einer gleichwertigen ein Abschluss auf der zweiten beruf-
beruflichen Fortbildung auf der lichen Fortbildungsstufe vorzusehen.
Grundlage bundes- oder landes- (4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs-
rechtlicher Regelungen, die diese abschlusses der dritten beruflichen
Abschlussbezeichnung vorsehen, Fortbildungsstufe beginnt mit den
bestanden hat. Wörtern „Master Professional in“. Die
Fortbildungsordnung kann vorsehen,
§ 53d dass dieser Abschlussbezeichnung
Master Professional eine weitere Abschlussbezeichnung
(1) Den Fortbildungsabschluss Master vorangestellt wird. Die Abschlussbe­
Professional erlangt, wer die Prüfung zeichnung der dritten beruflichen
der dritten beruflichen Fortbildungs- Fort­bildungsstufe darf nur führen, wer
stufe besteht. 1. die Prüfung der dritten berufli-
(2) In der Fortbildungsprüfung der drit- chen Fortbildungsstufe bestanden
ten beruflichen Fortbildungsstufe hat oder
wird festgestellt, ob der Prüfling
100 AUSBILDUNG & BERUF

2. die Prüfung einer gleichwertigen ministerium für Bildung und


beruflichen Fortbildung auf der Forschung erlassen und
Grundlage bundes- oder landes- 2. in Berufen der Hauswirtschaft
rechtlicher Regelungen, die diese durch das Bundesministerium
Abschlussbezeichnung vorsehen, für Wirtschaft und Energie im
bestanden hat. Einvernehmen mit dem Bundes-
ministerium für Bildung und
§ 53e Forschung erlassen.
Anpassungsfortbildungsordnungen
(1) Als Grundlage für eine einheitliche Abschnitt 2
Anpassungsfortbildung kann das Fortbildungsprüfungsregelungen der
Bundesministerium für Bildung und zuständigen Stellen
Forschung im Einvernehmen mit
dem Bundesministerium für Wirt- § 54
schaft und Energie oder dem sonst Fortbildungsprüfungsregelungen der
zuständigen Fachministerium nach zuständigen Stellen
Anhörung des Hauptausschusses des (1) Sofern für einen Fortbildungsab-
Bundesinstituts für Berufsbildung schluss weder eine Fortbildungsord-
durch Rechtsverordnung, die nicht nung noch eine Anpassungsfortbil-
der Zustimmung des Bundesrates dungsordnung erlassen worden ist,
bedarf, Fortbildungsabschlüsse kann die zuständige Stelle Fortbil-
anerkennen und hierfür Prüfungsre- dungsprüfungsregelungen erlassen.
gelungen erlassen (Anpassungsfort- Wird im Fall des § 71 Absatz 8 als zu-
bildungsordnungen). ständige Stelle eine Landesbehörde
(2) Die Anpassungsfortbildungsordnun- bestimmt, so erlässt die zuständige
gen haben festzulegen: Landesregierung die Fortbildungs-
1. die Bezeichnung des Fortbil- prüfungsregelungen durch Rechts-
dungsabschlusses, verordnung. Die Ermächtigung nach
2. das Ziel, den Inhalt und die An- Satz 2 kann durch Rechtsverordnung
forderungen der Prüfung, auf die von ihr bestimmte zuständige
3. die Zulassungsvoraussetzungen Stelle übertragen werden.
und (2) Die Fortbildungsprüfungsregelun-
4. das Prüfungsverfahren. gen haben festzulegen:
(3) Abweichend von Absatz 1 werden 1. die Bezeichnung des Fortbil-
Anpassungsfortbildungsordnungen dungsabschlusses,
1. in den Berufen der Landwirt- 2. das Ziel, den Inhalt und die An-
schaft, einschließlich der länd- forderungen der Prüfungen,
lichen Hauswirtschaft, durch das 3. die Zulassungsvoraussetzungen
Bundesministerium für Ernäh- für die Prüfung und
rung und Landwirtschaft im 4. das Prüfungsverfahren.
Einvernehmen mit dem Bundes-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 101

(3) Bestätigt die zuständige oberste Abschnitt 3


Landesbehörde, Ausländische Vorqualifikationen,
1. dass die Fortbildungsprüfungs- Prüfungen
regelungen die Voraussetzungen
des § 53b Absatz 2 und 3 sowie § 55
des § 53a Absatz 2 erfüllen, so Berücksichtigung ausländischer
beginnt die Bezeichnung des Vor­qualifikationen
Fortbildungsabschlusses mit den Sofern Fortbildungsordnungen, Anpas­
Wörtern „Geprüfter Berufsspezia- sungsfortbildungsordnungen oder
list für“ oder „Geprüfte Berufsspe- Fortbildungsprüfungsregelungen nach
zialistin für“, § 54 Zulassungsvoraussetzungen zu
2. dass die Fortbildungsprüfungs- Prüfungen vorsehen, sind ausländische
regelungen die Voraussetzungen Bildungsabschlüsse und Zeiten der
des § 53c Absatz 2 und 3 erfüllen, Berufstätigkeit im Ausland zu berück-
so beginnt die Bezeichnung des sichtigen.
Fortbildungsabschlusses mit den
Wörtern „Bachelor Professional § 56
in“, Fortbildungsprüfungen
3. dass die Fortbildungsprüfungs- (1) Für die Durchführung von Prüfungen
regelungen die Voraussetzungen im Bereich der beruflichen Fortbil-
des § 53d Absatz 2 und 3 erfüllen, dung errichtet die zuständige Stelle
so beginnt die Bezeichnung des Prüfungsausschüsse. § 37 Absatz 2
Fortbildungsabschlusses mit den Satz 1 und 2 und Absatz 3 Satz 1 sowie
Wörtern „Master Professional in“. § 39 Absatz 1 Satz 2, Absatz 2 und 3
Der Abschlussbezeichnung nach und die §§ 40 bis 42, 46 und 47 sind
Satz 1 ist in Klammern ein Zusatz entsprechend anzuwenden.
beizufügen, aus dem sich zweifelsfrei (2) Der Prüfling ist auf Antrag von der
die zuständige Stelle ergibt, die die Ablegung einzelner Prüfungsbe-
Fortbildungsprüfungsregelungen standteile durch die zuständige Stelle
erlassen hat. Die Fortbildungsprü- zu befreien, wenn
fungsregelungen können vorsehen, 1. er eine andere vergleichbare
dass dieser Abschlussbezeichnung Prüfung vor einer öffentlichen
eine weitere Abschlussbezeichnung oder einer staatlich anerkannten
vorangestellt wird. Bildungseinrichtung oder vor
(4) Eine Abschlussbezeichnung, die in einem staatlichen Prüfungsaus-
einer von der zuständigen obersten schuss erfolgreich abgelegt hat
Landesbehörde bestätigten Fortbil- und
dungsprüfungsregelung enthalten 2. die Anmeldung zur Fortbildungs-
ist, darf nur führen, wer die Prüfung prüfung innerhalb von zehn
bestanden hat. Jahren nach der Bekanntgabe des
Bestehens der Prüfung erfolgt.
102 AUSBILDUNG & BERUF

§ 57 3. die Anforderungen der Umschu-


Gleichstellung von Prüfungszeugnissen lungsprüfung und die Zulas-
Das Bundesministerium für Wirtschaft sungsvoraussetzungen sowie
und Energie oder das sonst zuständige 4. das Prüfungsverfahren der
Fachministerium kann im Einverneh- Umschu­lung
men mit dem Bundesministerium für unter Berücksichtigung der be­sonderen
Bildung und Forschung nach Anhörung Erfordernisse der beruflichen Erwachse-
des Hauptausschusses des Bundesins- nenbildung bestimmen (Umschulungs-
tituts für Berufsbildung durch Rechts- ordnung).
verordnung Prüfungszeugnisse, die
außerhalb des Anwendungsbereichs § 59
dieses Gesetzes oder im Ausland erwor- Umschulungsprüfungsregelungen der
ben worden sind, den entsprechenden zuständigen Stellen
Zeugnissen über das Bestehen einer Soweit Rechtsverordnungen nach § 58
Fortbildungsprüfung auf der Grundlage nicht erlassen sind, kann die zuständige
der §§ 53b bis 53e und 54 gleichstellen, Stelle Umschulungsprüfungsregelungen
wenn die in der Prüfung nachzuweisen- erlassen. Wird im Fall des § 71 Absatz 8
den beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse als zuständige Stelle eine Landesbehör-
und Fähigkeiten gleichwertig sind. de bestimmt, so erlässt die zuständige
Landesregierung die Umschulungs-
Kapitel 3 prüfungsregelungen durch Rechts-
Berufliche Umschulung verordnung. Die Ermächtigung nach
Satz 2 kann durch Rechtsverordnung
§ 58 auf die von ihr bestimmte zuständige
Umschulungsordnung Stelle übertragen werden. Die zustän-
Als Grundlage für eine geordnete und dige Stelle regelt die Bezeichnung des
einheitliche berufliche Umschulung Umschulungsabschlusses, Ziel, Inhalt
kann das Bundesministerium für und Anforderungen der Prüfungen, die
Bildung und Forschung im Einverneh- Zulassungsvoraussetzungen sowie das
men mit dem Bundesministerium für Prüfungsverfahren unter Berücksich-
Wirtschaft und Energie oder dem sonst tigung der besonderen Erfordernisse
zuständigen Fachministerium nach beruflicher Erwachsenenbildung.
Anhörung des Hauptausschusses des
Bundesinstituts für Berufsbildung durch § 60
Rechtsverordnung, die nicht der Zustim- Umschulung für einen anerkannten
mung des Bundesrates bedarf, Ausbildungsberuf
1. die Bezeichnung des Umschu- Sofern sich die Umschulungsordnung
lungsabschlusses, (§ 58) oder eine Regelung der zuständi-
2. das Ziel, den Inhalt, die Art und gen Stelle (§ 59) auf die Umschulung für
Dauer der Umschulung, einen anerkannten Ausbildungsberuf
richtet, sind das Ausbildungsberufsbild
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 103

(§ 5 Absatz 1 Nummer 3), der Ausbil- (3) Für die Durchführung von Prü-
dungsrahmenplan (§ 5 Absatz 1 Num- fungen im Bereich der beruflichen
mer 4) und die Prüfungsanforderungen Umschulung errichtet die zustän-
(§ 5 Absatz 1 Nummer 5) zugrunde zu le- dige Stelle Prüfungsausschüsse. § 37
gen. Die §§ 27 bis 33 gelten entsprechend. Absatz 2 und 3 sowie § 39 Absatz 2
und die §§ 40 bis 42, 46 und 47 gelten
§ 61 entsprechend.
Berücksichtigung ausländischer (4) Der Prüfling ist auf Antrag von
Vorqualifikationen der Ablegung einzelner Prüfungs-
Sofern die Umschulungsordnung (§ 58) bestandteile durch die zuständige
oder eine Regelung der zuständigen Stelle zu befreien, wenn er eine
Stelle (§ 59) Zulassungsvoraussetzungen andere vergleichbare Prüfung vor
vorsieht, sind ausländische Bildungsab- einer öffentlichen oder staatlich an-
schlüsse und Zeiten der Berufstätigkeit erkannten Bildungseinrichtung oder
im Ausland zu berücksichtigen. vor einem staatlichen Prüfungsaus-
schuss erfolgreich abgelegt hat und
§ 62 die Anmeldung zur Umschulungs-
Umschulungsmaßnahmen; prüfung innerhalb von zehn Jahren
Umschulungs­prüfungen nach der Bekanntgabe des Bestehens
(1) Maßnahmen der beruflichen Um- der anderen Prüfung erfolgt.
schulung müssen nach Inhalt, Art,
Ziel und Dauer den besonderen § 63
Erfordernissen der beruflichen Er- Gleichstellung von Prüfungszeugnissen
wachsenenbildung entsprechen. Das Bundesministerium für Wirtschaft
(2) Umschulende haben die Durchfüh- und Energie oder das sonst zuständige
rung der beruflichen Umschulung Fachministerium kann im Einverneh-
vor Beginn der Maßnahme der men mit dem Bundesministerium für
zuständigen Stelle schriftlich anzu- Bildung und Forschung nach Anhörung
zeigen. Die Anzeigepflicht erstreckt des Hauptausschusses des Bundesins-
sich auf den wesentlichen Inhalt des tituts für Berufsbildung durch Rechts-
Umschulungsverhältnisses. Bei Ab- verordnung außerhalb des Anwen-
schluss eines Umschulungsvertrages dungsbereichs dieses Gesetzes oder im
ist eine Ausfertigung der Vertrags- Ausland erworbene Prüfungszeugnisse
niederschrift beizufügen. den entsprechenden Zeugnissen über
das Bestehen einer Umschulungsprü-
fung auf der Grundlage der §§ 58 und 59
gleichstellen, wenn die in der Prüfung
nachzuweisenden beruflichen Fertig-
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
gleichwertig sind.
104 AUSBILDUNG & BERUF

Kapitel 4 § 66
Berufsbildung für besondere Ausbildungsregelungen der zuständigen
Personengruppen Stellen
(1) Für behinderte Menschen, für die
Abschnitt 1 wegen Art und Schwere ihrer Be-
Berufsbildung behinderter Menschen hinderung eine Ausbildung in einem
anerkannten Ausbildungsberuf
§ 64 nicht in Betracht kommt, treffen die
Berufsausbildung zuständigen Stellen auf Antrag der
Behinderte Menschen (§ 2 Absatz 1 Satz 1 behinderten Menschen oder ihrer
des Neunten Buches Sozialgesetzbuch) gesetzlichen Vertreter oder Ver-
sollen in anerkannten Ausbildungsberu- treterinnen Ausbildungsregelungen
fen ausgebildet werden. entsprechend den Empfehlungen
des Hauptausschusses des Bundes-
§ 65 instituts für Berufsbildung. Die
Berufsausbildung in anerkannten Ausbildungsinhalte sollen unter
Ausbildungsberufen Berücksichtigung von Lage und Ent-
(1) Regelungen nach den §§ 9 und 47 wicklung des allgemeinen Arbeits-
sollen die besonderen Verhältnisse marktes aus den Inhalten anerkann-
behinderter Menschen berücksich- ter Ausbildungsberufe entwickelt
tigen. Dies gilt insbesondere für die werden. Im Antrag nach Satz 1 ist
zeitliche und sachliche Gliederung eine Ausbildungsmöglichkeit in dem
der Ausbildung, die Dauer von angestrebten Ausbildungsgang nach-
Prüfungszeiten, die Zulassung von zuweisen.
Hilfsmitteln und die Inanspruch- (2) § 65 Absatz 2 Satz 1 gilt entsprechend.
nahme von Hilfeleistungen Dritter
wie Gebärdensprachdolmetscher für § 67
hörbehinderte Menschen. Berufliche Fortbildung, berufliche
(2) Der Berufsausbildungsvertrag mit ei- Umschulung
nem behinderten Menschen ist in das Für die berufliche Fortbildung und die
Verzeichnis der Berufsausbildungs- berufliche Umschulung behinderter
verhältnisse (§ 34) einzutragen. Der Menschen gelten die §§ 64 bis 66 ent-
behinderte Mensch ist zur Abschluss- sprechend, soweit es Art und Schwere
prüfung auch zuzulassen, wenn die der Behinderung erfordern.
Voraussetzungen des § 43 Absatz 1
Nummer 2 und 3 nicht vorliegen. Abschnitt 2
Berufsausbildungsvorbereitung
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 105

§ 68 Ausbildungsordnungen zuständigen


Personenkreis und Anforderungen Fachministerien nach Anhörung
(1) Die Berufsausbildungsvorbereitung des Hauptausschusses des Bundes-
richtet sich an lernbeeinträchtigte instituts für Berufsbildung durch
oder sozial benachteiligte Perso- Rechtsverordnung, die nicht der
nen, deren Entwicklungsstand eine Zustimmung des Bundesrates bedarf.
erfolgreiche Ausbildung in einem
anerkannten Ausbildungsberuf § 70
noch nicht erwarten lässt. Sie muss Überwachung, Beratung
nach Inhalt, Art, Ziel und Dauer den (1) Die nach Landesrecht zuständige
besonderen Erfordernissen des in Behörde hat die Berufsausbildungs-
Satz 1 genannten Personenkreises vorbereitung zu untersagen, wenn
entsprechen und durch umfassende die Voraussetzungen des § 68 Absatz 1
sozialpädagogische Betreuung und nicht vorliegen.
Unterstützung begleitet werden. (2) Der Anbieter hat die Durchführung
(2) Für die Berufsausbildungsvorberei- von Maßnahmen der Berufsausbil-
tung, die nicht im Rahmen des Drit- dungsvorbereitung vor Beginn der
ten Buches Sozialgesetzbuch oder Maßnahme der zuständigen Stelle
anderer vergleichbarer, öffentlich schriftlich anzuzeigen. Die Anzeige-
geförderter Maßnahmen durch- pflicht erstreckt sich auf den wesent-
geführt wird, gelten die §§ 27 bis 33 lichen Inhalt des Qualifizierungsver-
entsprechend. trages.
(3) Die Absätze 1 und 2 sowie § 76
§ 69 finden keine Anwendung, soweit
Qualifizierungsbausteine, Bescheinigung die Berufsausbildungsvorbereitung
(1) Die Vermittlung von Grundlagen für im Rahmen des Dritten Buches
den Erwerb beruflicher Handlungs- Sozialgesetzbuch oder anderer ver­
fähigkeit (§ 1 Absatz 2) kann insbe- gleichbarer, öffentlich geförderter
sondere durch inhaltlich und zeitlich Maßnahmen durchgeführt wird.
abgegrenzte Lerneinheiten erfolgen,
die aus den Inhalten anerkannter Teil 3
Ausbildungsberufe entwickelt wer- Organisation der Berufsbildung
den (Qualifizierungsbausteine).
(2) Über vermittelte Grundlagen für Kapitel 1
den Erwerb beruflicher Handlungs- Zuständige Stellen; zuständige
fähigkeit stellt der Anbieter der Behörden
Berufsausbildungsvorbereitung
eine Bescheinigung aus. Das Nähere Abschnitt 1
regelt das Bundesministerium für Bestimmung der zuständigen Stelle
Bildung und Forschung im Einver-
nehmen mit den für den Erlass von
106 AUSBILDUNG & BERUF

§ 71 werke, zulassungsfreier Handwerke


Zuständige Stellen und handwerksähnlicher Gewerbe
(1) Für die Berufsbildung in Berufen der durchgeführt wird, ist abweichend
Handwerksordnung ist die Hand- von den Absätzen 2 bis 6 die Hand-
werkskammer zuständige Stelle im werkskammer zuständige Stelle im
Sinne dieses Gesetzes. Sinne dieses Gesetzes.
(2) Für die Berufsbildung in nichthand- (8) Soweit Kammern für einzelne Be-
werklichen Gewerbeberufen ist die rufsbereiche der Absätze 1 bis 6 nicht
Industrie- und Handelskammer bestehen, bestimmt das Land die
zuständige Stelle im Sinne dieses zuständige Stelle.
Gesetzes. (9) Zuständige Stellen können verein-
(3) Für die Berufsbildung in Berufen der baren, dass die ihnen jeweils durch
Landwirtschaft, einschließlich der Gesetz zugewiesenen Aufgaben im
ländlichen Hauswirtschaft, ist die Bereich der Berufsbildung durch
Landwirtschaftskammer zuständige eine von ihnen für die Beteiligten
Stelle im Sinne dieses Gesetzes. wahrgenommen werden. Die Ver-
(4) Für die Berufsbildung der Fachange- einbarung bedarf der Genehmigung
stellten im Bereich der Rechtspflege durch die zuständigen obersten
sind jeweils für ihren Bereich die Bundes- oder Landesbehörden.
Rechtsanwalts-, Patentanwalts- und
Notarkammern und für ihren Tätig- § 72
keitsbereich die Notarkassen zustän- Bestimmung durch Rechtsverordnung
dige Stelle im Sinne dieses Gesetzes. Das zuständige Fachministerium kann
(5) Für die Berufsbildung der Fach- im Einvernehmen mit dem Bundes-
angestellten im Bereich der Wirt- ministerium für Bildung und Forschung
schaftsprüfung und Steuerberatung durch Rechtsverordnung mit Zustim-
sind jeweils für ihren Bereich die mung des Bundesrates für Berufsberei-
Wirtschaftsprüferkammern und die che, die durch § 71 nicht geregelt sind,
Steuerberaterkammern zuständige die zuständige Stelle bestimmen.
Stelle im Sinne dieses Gesetzes.
(6) Für die Berufsbildung der Fachan- § 73
gestellten im Bereich der Gesund- Zuständige Stellen im Bereich des öffent-
heitsdienstberufe sind jeweils für lichen Dienstes
ihren Bereich die Ärzte-, Zahnärzte-, (1) Im öffentlichen Dienst bestimmt für
Tierärzte- und Apothekerkammern den Bund die oberste Bundesbehör-
zuständige Stelle im Sinne dieses de für ihren Geschäftsbereich die
Gesetzes. zuständige Stelle
(7) Soweit die Berufsausbildungsvor- 1. in den Fällen der §§ 32, 33 und 76
bereitung, die Berufsausbildung und sowie der §§ 23, 24 und 41a der
die berufliche Umschulung in Betrie- Handwerksordnung,
ben zulassungspflichtiger Hand-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 107

2. für die Berufsbildung in anderen Abschnitt 2


als den durch die §§ 71 und 72 Überwachung der Berufsbildung
erfassten Berufsbereichen;
dies gilt auch für die der Aufsicht des § 76
Bundes unterstehenden Körper- Überwachung, Beratung
schaften, Anstalten und Stiftungen (1) Die zuständige Stelle überwacht die
des öffentlichen Rechts. Durchführung
(2) Im öffentlichen Dienst bestimmen 1. der Berufsausbildungsvorberei-
die Länder für ihren Bereich sowie tung,
für die Gemeinden und Gemeinde- 2. der Berufsausbildung und
verbände die zuständige Stelle für 3. der beruflichen Umschulung
die Berufsbildung in anderen als und fördert diese durch Beratung der
den durch die §§ 71 und 72 erfassten an der Berufsbildung beteiligten Per-
Berufsbereichen. Dies gilt auch für sonen. Sie hat zu diesem Zweck Be-
die der Aufsicht der Länder unter- rater oder Beraterinnen zu bestellen.
stehenden Körperschaften, Anstalten (2) Ausbildende, Umschulende und An-
und Stiftungen des öffentlichen bieter von Maßnahmen der Berufs-
Rechts. ausbildungsvorbereitung sind auf
(3) § 71 Absatz 9 gilt entsprechend. Verlangen verpflichtet, die für die
Überwachung notwendigen Aus-
§ 74 künfte zu erteilen und Unterlagen
Erweiterte Zuständigkeit vorzulegen sowie die Besichtigung
§ 73 gilt entsprechend für Ausbildungs- der Ausbildungsstätten zu gestatten.
berufe, in denen im Bereich der Kirchen (3) Die Durchführung von Auslandsauf-
und sonstigen Religionsgemeinschaften enthalten nach § 2 Absatz 3 über-
des öffentlichen Rechts oder außerhalb wacht und fördert die zuständige
des öffentlichen Dienstes nach Aus- Stelle in geeigneter Weise. Beträgt die
bildungsordnungen des öffentlichen Dauer eines Ausbildungsabschnitts
Dienstes ausgebildet wird. im Ausland mehr als acht Wochen,
ist hierfür ein mit der zuständigen
§ 75 Stelle abgestimmter Plan erforder-
Zuständige Stellen im Bereich der lich.
Kirchen und sonstigen Religionsgemein- (4) Auskunftspflichtige können die Aus-
schaften des öffentlichen Rechts kunft auf solche Fragen verweigern,
Die Kirchen und sonstigen Religions- deren Beantwortung sie selbst oder
gemeinschaften des öffentlichen Rechts einen der in § 52 der Strafprozess-
bestimmen für ihren Bereich die zu- ordnung bezeichneten Angehörigen
ständige Stelle für die Berufsbildung in der Gefahr strafgerichtlicher Ver-
anderen als den durch die §§ 71, 72 und folgung oder eines Verfahrens nach
74 erfassten Berufsbereichen. Die §§ 77 dem Gesetz über Ordnungswidrig-
bis 80 finden keine Anwendung. keiten aussetzen würde.
108 AUSBILDUNG & BERUF

(5) Die zuständige Stelle teilt der Auf- (3) Die Tätigkeit im Berufsbildungsaus-
sichtsbehörde nach dem Jugend- schuss ist ehrenamtlich. Für bare
arbeitsschutzgesetz Wahrnehmun- Auslagen und für Zeitversäumnis ist,
gen mit, die für die Durchführung soweit eine Entschädigung nicht von
des Jugendarbeitsschutzgesetzes von anderer Seite gewährt wird, eine an-
Bedeutung sein können. gemessene Entschädigung zu zahlen,
deren Höhe von der zuständigen
Abschnitt 3 Stelle mit Genehmigung der obersten
Berufsbildungsausschuss der zuständigen Landesbehörde festgesetzt wird.
Stelle (4) Die Mitglieder können nach Anhören
der an ihrer Berufung Beteiligten aus
§ 77 wichtigem Grund abberufen werden.
Errichtung (5) Die Mitglieder haben Stellvertreter
(1) Die zuständige Stelle errichtet einen oder Stellvertreterinnen. Die Absätze
Berufsbildungsausschuss. Ihm gehö- 1 bis 4 gelten für die Stellvertreter und
ren sechs Beauftragte der Arbeitgeber, Stellvertreterinnen entsprechend.
sechs Beauftragte der Arbeitnehmer (6) Der Berufsbildungsausschuss wählt
und sechs Lehrkräfte an berufsbil- ein Mitglied, das den Vorsitz führt,
denden Schulen an, die Lehrkräfte und ein weiteres Mitglied, das den
mit beratender Stimme. Vorsitz stellvertretend übernimmt.
(2) Die Beauftragten der Arbeitgeber Der Vorsitz und seine Stellvertretung
werden auf Vorschlag der zustän- sollen nicht derselben Mitglieder-
digen Stelle, die Beauftragten der gruppe angehören.
Arbeitnehmer auf Vorschlag der
im Bezirk der zuständigen Stelle § 78
bestehenden Gewerkschaften und Beschlussfähigkeit, Abstimmung
selbstständigen Vereinigungen von (1) Der Berufsbildungsausschuss ist
Arbeitnehmern mit sozial- oder beschlussfähig, wenn mehr als die
berufspolitischer Zwecksetzung, Hälfte seiner stimmberechtigten
die Lehrkräfte an berufsbildenden Mitglieder anwesend ist. Er beschließt
Schulen von der nach Landesrecht mit der Mehrheit der abgegebenen
zuständigen Behörde längstens für Stimmen.
vier Jahre als Mitglieder berufen. (2) Zur Wirksamkeit eines Beschlusses
ist es erforderlich, dass der Gegen-
stand bei der Einberufung des Aus-
schusses bezeichnet ist, es sei denn,
dass er mit Zustimmung von zwei
Dritteln der stimmberechtigten Mit-
glieder nachträglich auf die Tages-
ordnung gesetzt wird.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 109

§ 79 2. Zahl und Ergebnisse von durchge-


Aufgaben führten Prüfungen sowie hierbei
(1) Der Berufsbildungsausschuss ist in gewonnene Erfahrungen,
allen wichtigen Angelegenheiten der 3. Tätigkeit der Berater und Berate-
beruflichen Bildung zu unterrichten rinnen nach § 76 Absatz 1 Satz 2,
und zu hören. Er hat im Rahmen 4. für den räumlichen und fach-
seiner Aufgaben auf eine stetige lichen Zuständigkeitsbereich der
Entwicklung der Qualität der beruf- zuständigen Stelle neue Formen,
lichen Bildung hinzuwirken. Inhalte und Methoden der Be-
(2) Wichtige Angelegenheiten, in denen rufsbildung,
der Berufsbildungsausschuss anzu- 5. Stellungnahmen oder Vorschläge
hören ist, sind insbesondere: der zuständigen Stelle gegenüber
1. Erlass von Verwaltungsgrund- anderen Stellen und Behörden,
sätzen über die Eignung von soweit sie sich auf die Durchfüh-
Ausbildungs- und Umschu- rung dieses Gesetzes oder der auf
lungsstätten, für das Führen von Grund dieses Gesetzes erlassenen
Ausbildungsnachweisen nach Rechtsvorschriften beziehen,
§ 13 Satz 2 Nummer 7, für die 6. Bau eigener überbetrieblicher
Verkürzung der Ausbildungsdau- Berufsbildungsstätten,
er, für die vorzeitige Zulassung 7. Beschlüsse nach Absatz 5 sowie
zur Abschlussprüfung, für die beschlossene Haushaltsansätze
Durchführung der Prüfungen, zur Durchführung der Berufsbil-
zur Durchführung von über- und dung mit Ausnahme der Perso-
außerbetrieblicher Ausbildung nalkosten,
sowie Verwaltungsrichtlinien zur 8. Verfahren zur Beilegung von
beruflichen Bildung, Streitigkeiten aus Ausbildungs-
2. Umsetzung der vom Landesaus- verhältnissen,
schuss für Berufsbildung empfoh- 9. Arbeitsmarktfragen, soweit sie die
lenen Maßnahmen, Berufsbildung im Zuständigkeits-
3. wesentliche inhaltliche Änderun- bereich der zuständigen Stelle
gen des Ausbildungsvertragsmus- berühren.
ters. (4) Der Berufsbildungsausschuss hat
(3) Wichtige Angelegenheiten, in denen die auf Grund dieses Gesetzes von
der Berufsbildungsausschuss zu der zuständigen Stelle zu erlas-
unterrichten ist, sind insbesondere: senden Rechtsvorschriften für die
1. Zahl und Art der der zuständigen Durchführung der Berufsbildung zu
Stelle angezeigten Maßnahmen beschließen. Gegen Beschlüsse, die
der Berufsausbildungsvorberei- gegen Gesetz oder Satzung versto-
tung und beruflichen Umschu- ßen, kann die zur Vertretung der zu-
lung sowie der eingetragenen ständigen Stelle berechtigte Person
Berufsausbildungsverhältnisse, innerhalb einer Woche Einspruch
110 AUSBILDUNG & BERUF

einlegen. Der Einspruch ist zu be- Abschnitt 4


gründen und hat aufschiebende Wir- Zuständige Behörden
kung. Der Berufsbildungsausschuss
hat seinen Beschluss zu überprüfen § 81
und erneut zu beschließen. Zuständige Behörden
(5) Beschlüsse, zu deren Durchführung (1) Im Bereich des Bundes ist die oberste
die für Berufsbildung im laufenden Bundesbehörde oder die von ihr be-
Haushalt vorgesehenen Mittel nicht stimmte Behörde die zuständige Be-
ausreichen, bedürfen für ihre Wirk- hörde im Sinne des § 30 Absatz 6, der
samkeit der Zustimmung der für den §§ 32, 33, 40 Absatz 6 und der §§ 47,
Haushaltsplan zuständigen Organe. 54 Absatz 3 und des § 77 Absatz 2
Das Gleiche gilt für Beschlüsse, zu und 3.
deren Durchführung in folgenden (2) Ist eine oberste Bundesbehörde oder
Haushaltsjahren Mittel bereitgestellt eine oberste Landesbehörde zustän-
werden müssen, die die Ausgaben für dige Stelle im Sinne dieses Gesetzes,
Berufsbildung des laufenden Haus- so bedarf es im Fall des § 40 Absatz 6,
halts nicht unwesentlich übersteigen. des § 47 Absatz 1 und des § 77 Ab-
(6) Abweichend von § 77 Absatz 1 haben satz 3 keiner Genehmigung und im
die Lehrkräfte Stimmrecht bei Be- Fall des § 54 keiner Bestätigung.
schlüssen zu Angelegenheiten der
Berufsausbildungsvorbereitung Kapitel 2
und Berufsausbildung, soweit sich Landesausschüsse für Berufsbildung
die Beschlüsse unmittelbar auf die
Organisation der schulischen Berufs- § 82
bildung auswirken. Errichtung, Geschäftsordnung,
Abstimmung
§ 80 (1) Bei der Landesregierung wird ein
Geschäftsordnung Landesausschuss für Berufsbildung
Der Berufsbildungsausschuss gibt sich errichtet. Er setzt sich zusammen aus
eine Geschäftsordnung. Sie kann die einer gleichen Zahl von Beauftragten
Bildung von Unterausschüssen vorsehen der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer
und bestimmen, dass ihnen nicht nur und der obersten Landesbehörden.
Mitglieder des Ausschusses angehören. Die Hälfte der Beauftragten der
Für die Unterausschüsse gelten § 77 Ab- obersten Landesbehörden muss in
satz 2 bis 6 und § 78 entsprechend. Fragen des Schulwesens sachverstän-
dig sein.
(2) Die Mitglieder des Landesausschus-
ses werden längstens für vier Jahre
von der Landesregierung berufen,
die Beauftragten der Arbeitgeber
auf Vorschlag der auf Landesebene
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 111

bestehenden Zusammenschlüsse der ausschusses angehören. Absatz 2


Kammern, der Arbeitgeberverbände Satz 2 gilt für die Unterausschüsse
und der Unternehmerverbände, hinsichtlich der Entschädigung
die Beauftragten der Arbeitnehmer entsprechend. An den Sitzungen des
auf Vorschlag der auf Landesebene Landesausschusses und der Unter-
bestehenden Gewerkschaften und ausschüsse können Vertreter der be-
selbstständigen Vereinigungen von teiligten obersten Landesbehörden,
Arbeitnehmern mit sozial- oder der Gemeinden und Gemeindever-
berufspolitischer Zwecksetzung. Die bände sowie der Agentur für Arbeit
Tätigkeit im Landesausschuss ist teilnehmen.
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und (5) Der Landesausschuss ist beschluss-
für Zeitversäumnis ist, soweit eine fähig, wenn mehr als die Hälfte
Entschädigung nicht von anderer seiner Mitglieder anwesend ist. Er
Seite gewährt wird, eine angemesse- beschließt mit der Mehrheit der
ne Entschädigung zu zahlen, deren abgegebenen Stimmen.
Höhe von der Landesregierung oder
der von ihr bestimmten obersten § 83
Landesbehörde festgesetzt wird. Die Aufgaben
Mitglieder können nach Anhören (1) Der Landesausschuss hat die Landes-
der an ihrer Berufung Beteiligten regierung in den Fragen der Berufs-
aus wichtigem Grund abberufen bildung zu beraten, die sich für das
werden. Der Ausschuss wählt ein Land ergeben. Er hat im Rahmen
Mitglied, das den Vorsitz führt, und seiner Aufgaben auf eine stetige
ein weiteres Mitglied, das den Vorsitz Entwicklung der Qualität der beruf-
stellvertretend übernimmt. Der Vor- lichen Bildung hinzuwirken.
sitz und seine Stellvertretung sollen (2) Er hat insbesondere im Interesse
nicht derselben Mitgliedergruppe einer einheitlichen Berufsbildung
angehören. auf eine Zusammenarbeit zwischen
(3) Die Mitglieder haben Stellvertreter der schulischen Berufsbildung und
oder Stellvertreterinnen. Die Ab- der Berufsbildung nach diesem
sätze 1 und 2 gelten für die Stell- Gesetz sowie auf eine Berücksich-
vertreter und Stellvertreterinnen tigung der Berufsbildung bei der
entsprechend. Neuordnung und Weiterentwicklung
(4) Der Landesausschuss gibt sich eine des Schulwesens hinzuwirken. Der
Geschäftsordnung, die der Geneh- Landesausschuss kann zur Stärkung
migung der Landesregierung oder der regionalen Ausbildungs- und Be-
der von ihr bestimmten obersten schäftigungssituation Empfehlungen
Landesbehörde bedarf. Sie kann die zur inhaltlichen und organisatori-
Bildung von Unterausschüssen vor- schen Abstimmung und zur Ver-
sehen und bestimmen, dass ihnen besserung der Ausbildungsangebote
nicht nur Mitglieder des Landes- aussprechen.
112 AUSBILDUNG & BERUF

Teil 4 voraussehbaren Nachfrage und des


Berufsbildungsforschung, Planung langfristig zu erwartenden Bedarfs
und Statistik an Ausbildungsplätzen möglichst
günstig genutzt werden.
§ 84
Ziele der Berufsbildungsforschung § 86
Die Berufsbildungsforschung soll Berufsbildungsbericht
1. Grundlagen der Berufsbildung (1) Das Bundesministerium für Bildung
klären, und Forschung hat Entwicklungen
2. inländische, europäische und in der beruflichen Bildung ständig
internationale Entwicklungen in zu beobachten und darüber bis zum
der Berufsbildung beobachten, 15. Mai jeden Jahres der Bundes-
3. Anforderungen an Inhalte und regierung einen Bericht (Berufs-
Ziele der Berufsbildung ermitteln, bildungsbericht) vorzulegen. In dem
4. Weiterentwicklungen der Bericht sind Stand und voraussicht-
Berufsbildung in Hinblick auf liche Weiterentwicklungen der Be-
gewandelte wirtschaftliche, ge- rufsbildung darzustellen. Erscheint
sellschaftliche und technische die Sicherung eines regional und
Erfordernisse vorbereiten, sektoral ausgewogenen Angebots an
5. Instrumente und Verfahren der Ausbildungsplätzen als gefährdet,
Vermittlung von Berufsbildung sollen in den Bericht Vorschläge für
sowie den Wissens- und Techno- die Behebung aufgenommen wer-
logietransfer fördern. den.
(2) Der Bericht soll angeben
§ 85 1. für das vergangene Kalenderjahr
Ziele der Berufsbildungsplanung a) auf der Grundlage von An-
(1) Durch die Berufsbildungsplanung gaben der zuständigen Stellen
sind Grundlagen für eine ab- die in das Verzeichnis der
gestimmte und den technischen, Berufsausbildungsverhältnisse
wirtschaftlichen und gesellschaftli- nach diesem Gesetz oder der
chen Anforderungen entsprechende Handwerksordnung eingetra-
Entwicklung der beruflichen Bildung genen Berufsausbildungsver-
zu schaffen. träge, die vor dem 1. Oktober
(2) Die Berufsbildungsplanung hat ins- des vergangenen Jahres in den
besondere dazu beizutragen, dass die vorangegangenen zwölf Mo-
Ausbildungsstätten nach Art, Zahl, naten abgeschlossen worden
Größe und Standort ein qualita- sind und am 30. September
tiv und quantitativ ausreichendes des vergangenen Jahres noch
Angebot an beruflichen Ausbil- bestehen, sowie
dungsplätzen gewährleisten und b) die Zahl der am 30. September
dass sie unter Berücksichtigung der des vergangenen Jahres nicht
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 113

besetzten, der Bundesagentur § 88


für Arbeit zur Vermittlung an- Erhebungen
gebotenen Ausbildungsplätze (1) Die jährliche Bundesstatistik erfasst
und die Zahl der zu diesem 1. für jeden Berufsausbildungsver-
Zeitpunkt bei der Bundes- trag:
agentur für Arbeit gemeldeten a) Geschlecht, Geburtsjahr,
Ausbildungsplätze suchenden Staatsangehörigkeit der Auszu-
Personen; bildenden,
2. für das laufende Kalenderjahr b) Amtlicher Gemeindeschlüssel
a) die bis zum 30. September des des Wohnortes der Auszubil-
laufenden Jahres zu erwarten- denden bei Vertragsabschluss,
de Zahl der Ausbildungsplätze c) allgemeinbildender Schul-
suchenden Personen, abschluss, vorausgegangene
b) eine Einschätzung des bis zum Teilnahme an berufsvorbe-
30. September des laufenden reitender Qualifizierung oder
Jahres zu erwartenden Ange- beruflicher Grundbildung,
bots an Ausbildungsplätzen. vorherige Berufsausbildung
sowie vorheriges Studium der
§ 87 Auszubildenden,
Zweck und Durchführung der Berufsbil- d) Ausbildungsberuf einschließ-
dungsstatistik lich Fachrichtung,
(1) Für Zwecke der Planung und Ord- e) Amtlicher Gemeindeschlüssel
nung der Berufsbildung wird eine und geografische Gitterzelle
Bundesstatistik durchgeführt. der Ausbildungsstätte, Wirt-
(2) Das Bundesinstitut für Berufsbil- schaftszweig, Zugehörigkeit
dung und die Bundesagentur für zum öffentlichen Dienst,
Arbeit unterstützen das Statistische f) Verkürzung der Ausbildungs-
Bundesamt bei der technischen und dauer, Teilzeitberufsausbil-
methodischen Vorbereitung der dung, Dauer der Probezeit,
Statistik. g) die bei Vertragsabschluss ver-
(3) Das Erhebungs- und Aufbereitungs- einbarte Vergütung für jedes
programm ist im Benehmen mit Ausbildungsjahr,
dem Bundesinstitut für Berufsbil- h) Tag, Monat und Jahr des ver-
dung so zu gestalten, dass die erho- traglich vereinbarten Beginns
benen Daten für Zwecke der Planung und Endes der aktuellen Aus-
und Ordnung der Berufsbildung im bildung, Tag, Monat und Jahr
Rahmen der jeweiligen Zuständig- einer vorzeitigen Auflösung des
keiten Verwendung finden können. Berufsausbildungsverhältnisses,
i) Anschlussvertrag bei Anrech-
nung einer zuvor absolvierten
dualen Berufsausbildung nach
114 AUSBILDUNG & BERUF

diesem Gesetz oder nach der Vierten Buches Sozialgesetzbuch. Die


Handwerksordnung mit An- Hilfsmerkmale sind zum frühest-
gabe des Ausbildungsberufs, möglichen Zeitpunkt, spätestens
j) Art der Förderung bei überwie- jedoch nach Abschluss der wieder-
gend öffentlich, insbesondere kehrenden Erhebung, zu löschen.
auf Grund des Dritten Buches Die Merkmale nach Absatz 1 Satz 1
Sozialgesetzbuch geförderten Nummer 1 Buchstabe e Wirtschafts-
Berufsausbildungsverhältnissen, zweig, Amtlicher Gemeindeschlüssel
k) Tag, Monat und Jahr der Ab- und geografische Gitterzelle dürfen
schlussprüfung, Art der Zulas- mittels des Hilfsmerkmals Betriebs-
sung zur Prüfung, Tag, Monat nummer der Ausbildungsstätte nach
und Jahr der Wiederholungs- § 18i Absatz 1 oder § 18k Absatz 1 des
prüfungen, Prüfungserfolg, Vierten Buches Sozialgesetzbuch aus
l) ausbildungsintegrierendes den Daten des Statistikregisters nach
duales Studium, § 13 Absatz 1 des Bundesstatistikge-
2. für jede Prüfungsteilnahme in setzes ermittelt werden und mit den
der beruflichen Bildung mit Daten nach Absatz 1 Satz 1 und nach
Ausnahme der durch Nummer 1 Absatz 2 Satz 1 zusammengeführt
erfassten Ausbildungsverträge: werden.
Geschlecht, Geburtsjahr und (3) Auskunftspflichtig sind die zuständi-
Vorbildung der Teilnehmenden, gen Stellen.
Berufsrichtung, Wiederholungs- (4) Zu Zwecken der Erstellung der
prüfung, Art der Prüfung, Prü- Berufsbildungsberichterstattung
fungserfolg, sowie zur Durchführung der Berufs-
3. für jeden Ausbilder und jede Aus- bildungsforschung nach § 84 werden
bilderin: Geschlecht, Geburtsjahr, die nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1
Art der fachlichen Eignung. bis 3 erhobenen Daten als Einzelan-
Der Berichtszeitraum für die Erhe- gaben vom Statistischen Bundesamt
bungen ist das Kalenderjahr. Die An- und von den statistischen Ämtern
gaben werden mit dem Datenstand der Länder verarbeitet und an das
zum 31. Dezember des Berichtszeit- Bundesinstitut für Berufsbildung
raums erhoben. übermittelt. Hierzu wird beim Bun-
(2) Hilfsmerkmale sind Name und desinstitut für Berufsbildung eine
Anschrift der Auskunftspflichti- Organisationseinheit eingerichtet,
gen, die laufenden Nummern der die räumlich, organisatorisch und
Datensätze zu den Auszubildenden, personell von den anderen Aufga-
den Prüfungsteilnehmenden und benbereichen des Bundesinstituts
den Ausbildern und Ausbilderin- für Berufsbildung zu trennen ist. Die
nen sowie die Betriebsnummer in der Organisationseinheit tätigen
der Ausbildungsstätte nach § 18i Personen müssen Amtsträger oder
Absatz 1 oder § 18k Absatz 1 des für den öffentlichen Dienst beson-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 115

ders Verpflichtete sein. Sie dürfen gaben können dem Bundesinstitut


aus ihrer Tätigkeit gewonnene für Berufsbildung von obersten
Erkenntnisse nur zur Erstellung des Bundesbehörden im Einvernehmen
Berufsbildungsberichts sowie zur mit dem Bundesministerium für
Durchführung der Berufsbildungs- Bildung und Forschung übertragen
forschung verwenden. Die nach werden. Die wesentlichen Ergebnisse
Satz 1 übermittelten Daten dürfen der Forschungsarbeit des Bundes-
nicht mit anderen personenbezo- instituts für Berufsbildung sind zu
genen Daten zusammengeführt veröffentlichen.
werden. Das Nähere zur Ausführung (3) Das Bundesinstitut für Berufsbil-
der Sätze 2 und 3 regelt das Bun- dung hat die sonstigen Aufgaben:
desministerium für Bildung und 1. nach Weisung des zuständigen
Forschung durch Erlass. Bundesministeriums
a) an der Vorbereitung von Aus-
Teil 5 bildungsordnungen und sons-
Bundesinstitut für Berufsbildung tigen Rechtsverordnungen, die
nach diesem Gesetz oder nach
§ 89 dem zweiten Teil der Hand-
Bundesinstitut für Berufsbildung werksordnung zu erlassen sind,
Das Bundesinstitut für Berufsbildung ist mitzuwirken,
eine bundesunmittelbare rechtsfähige b) an der Vorbereitung des Be-
Anstalt des öffentlichen Rechts. Es hat rufsbildungsberichts mitzuwir-
seinen Sitz in Bonn. ken,
c) an der Durchführung der
§ 90 Berufsbildungsstatistik nach
Aufgaben Maßgabe des § 87 mitzuwirken,
(1) Das Bundesinstitut für Berufs- d) Modellversuche einschließlich
bildung führt seine Aufgaben im wissenschaftlicher Begleit-
Rahmen der Bildungspolitik der untersuchungen zu fördern,
Bundesregierung durch. e) an der internationalen Zusam-
(2) Das Bundesinstitut für Berufs- menarbeit in der beruflichen
bildung hat die Aufgabe, durch Bildung mitzuwirken,
wissenschaftliche Forschung zur f) weitere Verwaltungsaufgaben
Berufsbildungsforschung beizu- des Bundes zur Förderung der
tragen. Die Forschung wird auf der Berufsbildung zu übernehmen;
Grundlage eines jährlichen For- 2. nach allgemeinen Verwaltungs-
schungsprogramms durchgeführt; vorschriften des zuständigen
das Forschungsprogramm bedarf Bundesministeriums die Förde-
der Genehmigung des Bundes- rung überbetrieblicher Berufs-
ministeriums für Bildung und bildungsstätten durchzuführen
Forschung. Weitere Forschungsauf- und die Planung, Errichtung und
116 AUSBILDUNG & BERUF

Weiterentwicklung dieser Ein- § 92


richtungen zu unterstützen; Hauptausschuss
3. das Verzeichnis der anerkannten (1) Der Hauptausschuss hat neben den
Ausbildungsberufe zu führen und ihm durch sonstige Vorschriften die-
zu veröffentlichen; ses Gesetzes zugewiesenen Aufgaben
4. die im Fernunterrichtsschutz- folgende weitere Aufgaben:
gesetz beschriebenen Aufgaben 1. er beschließt über die Angelegen-
nach den vom Hauptausschuss heiten des Bundesinstituts für Be-
erlassenen und vom zuständigen rufsbildung, soweit sie nicht dem
Bundesministerium genehmigten Präsidenten oder der Präsidentin
Richtlinien wahrzunehmen und übertragen sind;
durch Förderung von Entwick- 2. er berät die Bundesregierung
lungsvorhaben zur Verbesserung in grundsätzlichen Fragen der
und Ausbau des berufsbildenden Berufsbildung und kann eine
Fernunterrichts beizutragen. Stellungnahme zu dem Entwurf
(3a) Das Bundesinstitut für Berufsbil- des Berufsbildungsberichts ab-
dung nimmt die Aufgaben nach § 53 geben;
Absatz 5 Satz 1 und § 54 des Pflege- 3. er beschließt das jährliche For-
berufegesetzes wahr. schungsprogramm;
(4) Das Bundesinstitut für Berufsbil- 4. er kann Empfehlungen zur ein-
dung kann mit Zustimmung des heitlichen Anwendung dieses
Bundesministeriums für Bildung Gesetzes geben;
und Forschung mit Stellen außer- 5. er kann zu den vom Bundes-
halb der Bundesverwaltung Verträge institut vorbereiteten Entwürfen
zur Übernahme weiterer Aufgaben der Verordnungen gemäß § 4
schließen. Absatz 1 unter Berücksichtigung
der entsprechenden Entwürfe der
§ 91 schulischen Rahmenlehrpläne
Organe Stellung nehmen;
Die Organe des Bundesinstituts für 6. er beschließt über die in § 90
Berufsbildung sind: Absatz 3 Nummer 3 und 4 sowie
1. der Hauptausschuss, § 97 Absatz 4 genannten Angele-
2. der Präsident oder die Präsidentin. genheiten des Bundesinstituts für
Berufsbildung.
(2) Der Präsident oder die Präsidentin
unterrichtet den Hauptausschuss
unverzüglich über erteilte Weisun-
gen zur Durchführung von Aufgaben
nach § 90 Absatz 3 Nummer 1 und
erlassene Verwaltungsvorschriften
nach § 90 Absatz 3 Nummer 2.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 117

(3) Dem Hauptausschuss gehören je Vorsitzende wird der Reihe nach von
acht Beauftragte der Arbeitgeber, der den Beauftragten der Arbeitgeber,
Arbeitnehmer und der Länder sowie der Arbeitnehmer, der Länder und
fünf Beauftragte des Bundes an. Die des Bundes vorgeschlagen.
Beauftragten des Bundes führen (6) Die Tätigkeit im Hauptausschuss
acht Stimmen, die nur einheitlich ist ehrenamtlich. Für bare Auslagen
abgegeben werden können; bei der und Verdienstausfälle ist, soweit eine
Beratung der Bundesregierung in Entschädigung nicht von anderer
grundsätzlichen Fragen der Berufs- Seite gewährt wird, eine angemes-
bildung, bei der Stellungnahme zum sene Entschädigung zu zahlen,
Entwurf des Berufsbildungsberichts deren Höhe vom Bundesinstitut für
und im Rahmen von Anhörungen Berufsbildung mit Genehmigung
nach diesem Gesetz haben sie kein des Bundesministeriums für Bildung
Stimmrecht. An den Sitzungen des und Forschung festgesetzt wird. Die
Hauptausschusses können je ein Genehmigung ergeht im Einverneh-
Beauftragter oder eine Beauftrag- men mit dem Bundesministerium
te der Bundesagentur für Arbeit, der Finanzen.
der auf Bundesebene bestehenden (7) Die Mitglieder können nach Anhö-
kommunalen Spitzenverbände sowie ren der an ihrer Berufung Beteiligten
des wissenschaftlichen Beirats mit aus wichtigem Grund abberufen
beratender Stimme teilnehmen. werden.
(4) Die Beauftragten der Arbeitge- (8) Die Beauftragten haben Stellvertre-
ber werden auf Vorschlag der auf ter oder Stellvertreterinnen. Die Ab-
Bundesebene bestehenden Zu- sätze 4, 6 und 7 gelten entsprechend.
sammenschlüsse der Kammern, (9) Der Hauptausschuss kann nach nä-
Arbeitgeberverbände und Unter- herer Regelung der Satzung Unter-
nehmensverbände, die Beauftragten ausschüsse einsetzen, denen auch
der Arbeitnehmer auf Vorschlag der andere als Mitglieder des Hauptaus-
auf Bundesebene bestehenden Ge- schusses angehören können. Den
werkschaften, die Beauftragten des Unterausschüssen sollen Beauftragte
Bundes auf Vorschlag der Bundes- der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer,
regierung und die Beauftragten der der Länder und des Bundes angehö-
Länder auf Vorschlag des Bundes- ren. Die Absätze 4 bis 7 gelten für die
rates vom Bundesministerium für Unterausschüsse entsprechend.
Bildung und Forschung längstens für (10) Bei der Wahrnehmung seiner Auf-
vier Jahre berufen. gaben unterliegt der Hauptausschuss
(5) Der Hauptausschuss wählt auf die keinen Weisungen.
Dauer eines Jahres ein Mitglied, das
den Vorsitz führt, und ein weiteres
Mitglied, das den Vorsitz stellver-
tretend übernimmt. Der oder die
118 AUSBILDUNG & BERUF

§ 93 3. zu den jährlichen Berichten über


Präsident oder Präsidentin die wissenschaftlichen Ergebnisse
(1) Der Präsident oder die Präsidentin des Bundesinstituts für Berufsbil-
vertritt das Bundesinstitut für Be- dung.
rufsbildung gerichtlich und außer- (2) Zur Wahrnehmung seiner Auf-
gerichtlich. Er oder sie verwaltet das gaben werden dem Beirat von dem
Bundesinstitut und führt dessen Auf- Präsidenten oder der Präsidentin des
gaben durch. Soweit er oder sie nicht Bundesinstituts für Berufsbildung
Weisungen und allgemeine Verwal- die erforderlichen Auskünfte erteilt.
tungsvorschriften des zuständigen Auf Wunsch werden ihm einmal
Bundesministeriums zu beachten hat jährlich im Rahmen von Kolloquien
(§ 90 Absatz 3 Nummer 1 und 2), führt die wissenschaftlichen Arbeiten des
er oder sie die Aufgaben nach Richt- Bundesinstituts für Berufsbildung
linien des Hauptausschusses durch. erläutert.
(2) Der Präsident oder die Präsidentin (3) Dem Beirat gehören bis zu elf an-
wird auf Vorschlag der Bundesregie- erkannte Fachleute auf dem Gebiet
rung, der Ständige Vertreter oder die der Berufsbildungsforschung aus
Ständige Vertreterin des Präsidenten dem In- und Ausland an, die nicht
oder der Präsidentin auf Vorschlag Angehörige des Bundesinstituts für
des Bundesministeriums für Bildung Berufsbildung sind. Sie werden von
und Forschung im Benehmen mit dem Präsidenten oder der Präsiden-
dem Präsidenten oder der Präsiden- tin des Bundesinstituts für Berufs-
tin unter Berufung in das Beamten- bildung im Einvernehmen mit dem
verhältnis von dem Bundespräsi- Bundesministerium für Bildung und
denten oder der Bundespräsidentin Forschung auf vier Jahre bestellt.
ernannt. Einmalige Wiederberufung in Folge
ist möglich. An den Sitzungen des
§ 94 wissenschaftlichen Beirats können
Wissenschaftlicher Beirat vier Mitglieder des Hauptausschus-
(1) Der wissenschaftliche Beirat berät ses, und zwar je ein Beauftragter
die Organe des Bundesinstituts für oder eine Beauftragte der Arbeit-
Berufsbildung durch Stellungnah- geber, der Arbeitnehmer, der Länder
men und Empfehlungen und des Bundes, ohne Stimmrecht
1. zum Forschungsprogramm des teilnehmen.
Bundesinstituts für Berufsbildung, (4) Der wissenschaftliche Beirat kann
2. zur Zusammenarbeit des Instituts sich eine Geschäftsordnung geben.
mit Hochschulen und anderen (5) § 92 Absatz 6 gilt entsprechend.
Forschungseinrichtungen und
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 119

§ 95 ein Mitglied, das die gesetzliche


Ausschuss für Fragen behinderter Rentenversicherung vertritt,
Menschen ein Mitglied, das die gesetzliche
(1) Zur Beratung des Bundesinstituts für Unfallversicherung vertritt,
Berufsbildung bei seinen Aufgaben ein Mitglied, das die Freie Wohl-
auf dem Gebiet der beruflichen fahrtspflege vertritt,
Bildung behinderter Menschen wird zwei Mitglieder, die Einrichtungen
ein ständiger Unterausschuss des der beruflichen Rehabilitation
Hauptausschusses errichtet. Der Aus- vertreten,
schuss hat darauf hinzuwirken, dass sechs weitere für die berufliche
die besonderen Belange der behin- Bildung behinderter Menschen sach-
derten Menschen in der beruflichen kundige Personen, die in Bildungs-
Bildung berücksichtigt werden und stätten oder ambulanten Diensten
die berufliche Bildung behinderter für behinderte Menschen tätig sind.
Menschen mit den übrigen Leistun- (3) Der Ausschuss kann behinderte
gen zur Teilhabe am Arbeitsleben Menschen, die beruflich ausgebildet,
koordiniert wird. Das Bundesinstitut fortgebildet oder umgeschult wer-
für Berufsbildung trifft Entschei- den, zu den Beratungen hinzuziehen.
dungen über die Durchführung von
Forschungsvorhaben, die die beruf- § 96
liche Bildung behinderter Menschen Finanzierung des Bundesinstituts für
betreffen, unter Berücksichtigung Berufsbildung
von Vorschlägen des Ausschusses. (1) Die Ausgaben für die Errichtung
(2) Der Ausschuss besteht aus 17 Mit- und Verwaltung des Bundesinstituts
gliedern, die von dem Präsidenten für Berufsbildung werden durch
oder der Präsidentin längstens für Zuschüsse des Bundes gedeckt. Die
vier Jahre berufen werden. Eine Höhe der Zuschüsse des Bundes
Wiederberufung ist zulässig. Die regelt das Haushaltsgesetz.
Mitglieder des Ausschusses werden (2) Die Ausgaben zur Durchführung von
auf Vorschlag des Beirats für die Teil- Aufträgen nach § 90 Absatz 2 Satz 3
habe behinderter Menschen (§ 86 des und von Aufgaben nach § 90 Absatz 3
Neunten Buches Sozialgesetzbuch) Nummer 1 Buchstabe f werden
berufen, und zwar durch das beauftragende Bundes-
ein Mitglied, das die Arbeitnehmer ministerium gedeckt. Die Ausgaben
vertritt, zur Durchführung von Verträgen
ein Mitglied, das die Arbeitgeber nach § 90 Absatz 4 sind durch den
vertritt, Vertragspartner zu decken.
drei Mitglieder, die Organisationen
behinderter Menschen vertreten,
ein Mitglied, das die Bundesagentur
für Arbeit vertritt,
120 AUSBILDUNG & BERUF

§ 97 § 98
Haushalt Satzung
(1) Der Haushaltsplan wird von dem (1) Durch die Satzung des Bundesinsti-
Präsidenten oder der Präsidentin tuts für Berufsbildung sind
aufgestellt. Der Hauptausschuss stellt 1. die Art und Weise der Aufgaben-
den Haushaltsplan fest. erfüllung (§ 90 Absatz 2 und 3)
(2) Der Haushaltsplan bedarf der Ge- sowie
nehmigung des Bundesministeriums 2. die Organisation
für Bildung und Forschung. Die Ge- näher zu regeln.
nehmigung erstreckt sich auch auf (2) Der Hauptausschuss beschließt mit
die Zweckmäßigkeit der Ansätze. einer Mehrheit von vier Fünfteln der
(3) Der Haushaltsplan soll rechtzeitig vor Stimmen seiner Mitglieder die Sat-
Einreichung der Voranschläge zum zung. Sie bedarf der Genehmigung
Bundeshaushalt, spätestens zum 15. des Bundesministeriums für Bildung
Oktober des vorhergehenden Jahres, und Forschung und ist im Bundes-
dem Bundesministerium für Bildung anzeiger bekannt zu geben.
und Forschung vorgelegt werden. (3) Absatz 2 gilt für Satzungsänderun-
(4) Über- und außerplanmäßige Aus- gen entsprechend.
gaben können vom Hauptausschuss
auf Vorschlag des Präsidenten oder § 99
der Präsidentin bewilligt werden. Die Personal
Bewilligung bedarf der Einwilligung (1) Die Aufgaben des Bundesinstituts für
des Bundesministeriums für Bildung Berufsbildung werden von Beamten,
und Forschung und des Bundes- Beamtinnen und Dienstkräften, die
ministeriums der Finanzen. Die als Angestellte, Arbeiter und Arbeite-
Sätze 1 und 2 gelten entsprechend rinnen beschäftigt sind, wahrgenom-
für Maßnahmen, durch die für das men. Es ist Dienstherr im Sinne des
Bundesinstitut für Berufsbildung § 2 des Bundesbeamtengesetzes. Die
Verpflichtungen entstehen können, Beamten und Beamtinnen sind Bun-
für die Ausgaben im Haushaltsplan desbeamte und Bundesbeamtinnen.
nicht veranschlagt sind. (2) Das Bundesministerium für Bildung
(5) Nach Ende des Haushaltsjahres wird und Forschung ernennt und entlässt
die Rechnung von dem Präsidenten die Beamten und Beamtinnen des
oder der Präsidentin aufgestellt. Die Bundesinstituts, soweit das Recht
Entlastung obliegt dem Hauptaus- zur Ernennung und Entlassung der
schuss. Sie bedarf nicht der Ge- Beamten und Beamtinnen, deren
nehmigung nach § 109 Absatz 3 der Amt in der Bundesbesoldungsord-
Bundeshaushaltsordnung. nung B aufgeführt ist, nicht von dem
Bundespräsidenten oder der Bun-
despräsidentin ausgeübt wird. Das
zuständige Bundesministerium kann
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 121

seine Befugnisse auf den Präsidenten Teil 6


oder die Präsidentin übertragen. Bußgeldvorschriften
(3) Oberste Dienstbehörde für die Beam-
ten und Beamtinnen des Bundes- § 101
instituts ist das Bundesministerium Bußgeldvorschriften
für Bildung und Forschung. Es kann (1) Ordnungswidrig handelt, wer
seine Befugnisse auf den Präsidenten 1. entgegen § 11 Absatz 1 Satz 1,
oder die Präsidentin übertragen. § 144 auch in Verbindung mit Absatz 4,
Absatz 1 des Bundesbeamtengesetzes den wesentlichen Inhalt des
und § 83 Absatz 1 des Bundesdiszipli- Vertrages oder eine wesentliche
nargesetzes bleiben unberührt. Änderung nicht, nicht richtig,
(4) Auf die Angestellten, Arbeiter und Ar- nicht vollständig, nicht in der vor-
beiterinnen des Bundesinstituts sind geschriebenen Weise oder nicht
die für Arbeitnehmer und Arbeit- rechtzeitig niederlegt,
nehmerinnen des Bundes geltenden 2. entgegen § 11 Absatz 3, auch in
Tarifverträge und sonstigen Bestim- Verbindung mit Absatz 4, eine
mungen anzuwenden. Ausnahmen Ausfertigung der Niederschrift
bedürfen der vorherigen Zustim- nicht oder nicht rechtzeitig aus-
mung des Bundesministeriums für händigt,
Bildung und Forschung; die Zustim- 3. entgegen § 14 Absatz 3 Auszu-
mung ergeht im Einvernehmen mit bildenden eine Verrichtung über-
dem Bundesministerium des Innern, trägt, die dem Ausbildungszweck
für Bau und Heimat und dem Bundes- nicht dient,
ministerium der Finanzen. 4. entgegen § 15 Absatz 1 Satz 1
oder 2 Auszubildende beschäftigt
§ 100 oder nicht freistellt,
Aufsicht über das Bundesinstitut für 5. entgegen § 18 Absatz 3 Satz 1,
Berufsbildung auch in Verbindung mit Satz 2,
Das Bundesinstitut für Berufsbildung eine dort genannte Vergütung
unterliegt, soweit in diesem Gesetz nicht nicht, nicht richtig, nicht vollstän-
weitergehende Aufsichtsbefugnisse dig oder nicht rechtzeitig zahlt,
vorgesehen sind, der Rechtsaufsicht des 6. entgegen § 28 Absatz 1 oder 2
Bundesministeriums für Bildung und Auszubildende einstellt oder aus-
Forschung. bildet,
7. einer vollziehbaren Anordnung
nach § 33 Absatz 1 oder 2 zuwi-
derhandelt,
8. entgegen § 36 Absatz 1 Satz 1
oder 2, jeweils auch in Verbin-
dung mit Satz 3, die Eintragung
in das dort genannte Verzeich-
122 AUSBILDUNG & BERUF

nis nicht oder nicht rechtzeitig Teil 7


beantragt oder eine Ausfertigung Übergangs- und Schlussvorschriften
der Vertragsniederschrift nicht
beifügt, § 102
9. entgegen § 53b Absatz 4 Satz 3, Gleichstellung von Abschlusszeugnissen
§ 53c Absatz 4 Satz 3, § 53d Ab- im Rahmen der deutschen Einheit
satz 4 Satz 3 und § 54 Absatz 4 Prüfungszeugnisse nach der Systematik
eine Abschlussbezeichnung führt der Ausbildungsberufe und der Systema-
oder tik der Facharbeiterberufe und Prü-
10. entgegen § 76 Absatz 2 eine Aus- fungszeugnisse nach § 37 Absatz 2 stehen
kunft nicht, nicht richtig, nicht einander gleich.
vollständig oder nicht rechtzeitig
erteilt, eine Unterlage nicht, nicht § 103
richtig, nicht vollständig oder Fortgeltung bestehender Regelungen
nicht rechtzeitig vorlegt oder eine (1) Die vor dem 1. September 1969 an-
Besichtigung nicht oder nicht erkannten Lehrberufe und Anlern-
rechtzeitig gestattet. berufe oder vergleichbar geregel-
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann in den ten Ausbildungsberufe gelten als
Fällen des Absatzes 1 Nummer 3 bis 7 Ausbildungsberufe im Sinne des § 4.
mit einer Geldbuße bis zu fünftau- Die Berufsbilder, die Berufsbildungs-
send Euro, in den übrigen Fällen mit pläne, die Prüfungsanforderungen
einer Geldbuße bis zu tausend Euro und die Prüfungsordnungen für
geahndet werden. diese Berufe sind bis zum Erlass von
Ausbildungsordnungen nach § 4 und
der Prüfungsordnungen nach § 47
anzuwenden.
(2) Die vor dem 1. September 1969
erteilten Prüfungszeugnisse in Beru-
fen, die nach Absatz 1 als anerkannte
Ausbildungsberufe gelten, stehen
Prüfungszeugnissen nach § 37 Ab-
satz 2 gleich.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – BERUFSBILDUNGSGESETZ 123

(3) Auf Ausbildungsverträge, die vor § 106


dem 30. September 2017 abgeschlos- Übergangsregelung
sen wurden oder bis zu diesem Zeit- (1) Auf Berufsausbildungsverträge, die
punkt abgeschlossen werden, sind § 5 bis zum Ablauf des 31. Dezember
Absatz 2 Satz 1, § 11 Absatz 1 Satz 2, 2019 abgeschlossen werden, ist § 17
§ 13 Satz 2, die §§ 14, 43 Absatz 1 in der bis dahin geltenden Fassung
Nummer 2, § 79 Absatz 2 Nummer 1 anzuwenden.
sowie § 101 Absatz 1 Nummer 3 in (2) Für Berufsausbildungsverträge mit
ihrer bis zum 5. April 2017 geltenden Ausbildungsbeginn ab dem 1. Januar
Fassung weiter anzuwenden. 2020 gelten § 34 Absatz 2 Nummer 7
und § 88 Absatz 1 Satz 1 Nummer 1
§ 104 Buchstabe g in der ab dem 1. Januar
Übertragung von Zuständigkeiten 2020 geltenden Fassung. Im Übrigen
Die Landesregierungen werden ermäch- sind für Berufsausbildungsverträge
tigt, durch Rechtsverordnung die nach mit Ausbildungsbeginn bis zum
diesem Gesetz den nach Landesrecht Ablauf des 31. Dezember 2020 die
zuständigen Behörden übertragenen §§ 34, 35 Absatz 3 Satz 1 und § 88 in
Zuständigkeiten nach den §§ 27, 30, der am 31. Dezember 2019 geltenden
32, 33 und 70 auf zuständige Stellen zu Fassung weiterhin anzuwenden.
übertragen. (3) Sofern für einen anerkannten
Fortbildungsabschluss eine Fortbil-
§ 105 dungsordnung auf Grund des § 53 in
Evaluation der bis zum Ablauf des 31. Dezember
Die Regelungen zur Mindestvergütung, 2019 geltenden Fassung erlassen
zu Prüferdelegationen und die Rege- worden ist, ist diese Fortbildungs-
lung des § 5 Absatz 2 Satz 1 Nummer 2a ordnung bis zum erstmaligen Erlass
werden vom Bundesinstitut für Berufs- einer Fortbildungsordnung nach § 53
bildung fünf Jahre nach dem Inkraft- in der ab dem 1. Januar 2020 gelten-
treten des Gesetzes zur Modernisierung den Fassung weiterhin anzuwenden.
und Stärkung der beruflichen Bildung Sofern eine Fortbildungsprüfungs-
wissenschaftlich evaluiert. regelung nach § 54 in der bis zum
Ablauf des 31. Dezember 2019
geltenden Fassung erlassen worden
ist, ist diese Fortbildungsprüfungs-
regelung bis zum erstmaligen Erlass
einer Fortbildungsprüfungsregelung
nach § 54 in der ab dem 1. Januar
2020 geltenden Fassung weiterhin
anzuwenden.
124 AUSBILDUNG & BERUF

2 Handwerksordnung

Gesetz zur Ordnung des Handwerks (HwO) in der Fassung der Bekanntmachung vom
24. September 1998 (BGBl. I S. 3074; 2006 I S. 2095), die zuletzt durch Artikel 6 des
Gesetzes vom 19. Juni 2020 (BGBl. I S. 1403) geändert worden ist

-nicht amtliche Veröffentlichung-

Inhaltsübersicht

Erster Teil: Ausübung eines Handwerks und eines handwerksähnlichen Gewerbes

Erster Abschnitt: Berechtigung zum selbständigen §§ 1 – 5 b


Betrieb eines zulassungspflichtigen
Handwerks

Zweiter Abschnitt: Handwerksrolle §§ 6 – 17

Dritter Abschnitt: Zulassungsfreie Handwerke und §§ 18 – 20


handwerksähnliche Gewerbe

Zweiter Teil: Berufsbildung im Handwerk

Erster Abschnitt: Berechtigung zum Einstellen und §§ 21 – 24


Ausbilden

Zweiter Abschnitt: Ausbildungsordnung, §§ 25 – 27 d


Änderung der Ausbildungszeit

Dritter Abschnitt: Verzeichnis der §§ 28 – 30


Berufsausbildungs­verhältnisse

Vierter Abschnitt: Prüfungswesen §§ 31 – 40 a

Fünfter Abschnitt: Regelung und Überwachung der §§ 41 – 41 a


Berufsausbildung

Sechster Abschnitt: Berufliche Fortbildung, berufliche §§ 42 – 42 r


Umschulung
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 125

Siebenter Abschnitt: Berufliche Bildung behinderter §§ 42 p – 42 v


Menschen, Berufsausbildungs­vorbereitung

Achter Abschnitt: Berufsbildungsausschuss §§ 43 – 44 b

Dritter Teil: Meisterprüfung, Meistertitel

Erster Abschnitt: Meisterprüfung in einem §§ 45 – 51


zulassungspflichtigen Handwerk

Zweiter Abschnitt: Meisterprüfung in einem §§ 51 a – 51 e


zulassungsfreien Handwerk oder in
einem handwerksähnlichen Gewerbe

Vierter Teil: Organisation des Handwerks

Erster Abschnitt: Handwerksinnungen §§ 52 – 78

Zweiter Abschnitt: Innungsverbände §§ 79 – 85

Dritter Abschnitt: Kreishandwerkerschaften §§ 86 – 89

Vierter Abschnitt: Handwerkskammern §§ 90 – 116

Fünfter Teil: Bußgeld-, Übergangs- und Schlussvorschriften

Erster Abschnitt: Bußgeldvorschriften §§ 117 – 118 a

Zweiter Abschnitt: Übergangsvorschriften §§ 119 – 124 c

Dritter Abschnitt: Schlussvorschriften §§ 125 – 126


126 AUSBILDUNG & BERUF

Anlage A: Verzeichnis der Gewerbe, die als Nr. 1 – 41


zulassungspflichtige Handwerke
betrieben werden können

Anlage B: Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungsfreie


Hand­werke oder handwerksähnliche Gewerbe
betrieben werden können

Abschnitt 1 Nr. 1 – 53

Abschnitt 2 Nr. 1 – 57

Anlage C: Wahlordnung für die Wahlen der Mitglieder


der Vollversammlung der Handwerkskammern

Erster Abschnitt: Zeitpunkt der Wahl, Wahlleiter und §§ 1 – 2


Wahlausschuss

Zweiter Abschnitt: Wahlbezirk § 3

Dritter Abschnitt: Aufteilung der Mitglieder der § 4


Vollversammlung

Vierter Abschnitt: (weggefallen)

Fünfter Abschnitt: Wahlvorschläge §§ 7 – 11

Sechster Abschnitt: Wahl §§ 12 – 18

Siebenter Abschnitt: (weggefallen)

Achter Abschnitt: Wegfall der Wahlhandlung § 20

Neunter Abschnitt: Beschwerdeverfahren, Kosten §§ 21 – 22

Anlage: Muster des Wahlberechtigungsscheins


ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 127

Anlage D: Art der personenbezogenen Daten in der Handwerksrolle,


in dem Verzeichnis der Inhaber eines zulassungsfreien
Handwerks oder handwerksähnlichen Gewerbes und in
der Lehrlingsrolle

I. Handwerksrolle

II. Verzeichnis der Inhaber eines zulassungsfreien


Handwerks oder handwerksähnlichen Gewerbes

III. Lehrlingsrolle
128 AUSBILDUNG & BERUF

Erster Teil 3. nicht aus einem zulassungs-


Ausübung eines Handwerks und pflichtigen Handwerk entstanden
eines handwerksähnlichen Gewerbes sind.
Die Ausübung mehrerer Tätigkeiten
Erster Abschnitt im Sinne des Satzes 2 Nr. 1 und 2 ist
Berechtigung zum selbständigen Betrieb zulässig, es sei denn, die Gesamt-
eines zulassungspflichtigen Handwerks betrachtung ergibt, dass sie für ein
bestimmtes zulassungspflichtiges
§ 1 Handwerk wesentlich sind.
(1) Der selbständige Betrieb eines zu- (3) Das Bundesministerium für Wirt-
lassungspflichtigen Handwerks als schaft und Energie wird ermäch-
stehendes Gewerbe ist nur den in tigt, durch Rechtsverordnung mit
der Handwerksrolle eingetragenen Zustimmung des Bundesrates die
natürlichen und juristischen Per- Anlage A zu diesem Gesetz dadurch
sonen und Personengesellschaften zu ändern, daß es darin aufgeführte
gestattet. Personengesellschaften im Gewerbe streicht, ganz oder teilweise
Sinne dieses Gesetzes sind Personen- zusammenfaßt oder trennt oder Be-
handelsgesellschaften und Gesell- zeichnungen für sie festsetzt, soweit
schaften des bürgerlichen Rechts. es die technische und wirtschaftliche
(2) Ein Gewerbebetrieb ist ein Betrieb Entwicklung erfordert.
eines zulassungspflichtigen Hand-
werks, wenn er handwerksmäßig § 2
betrieben wird und ein Gewerbe Die Vorschriften dieses Gesetzes für den
vollständig umfaßt, das in der Anlage selbständigen Betrieb eines zulassungs-
A aufgeführt ist, oder Tätigkeiten aus- pflichtigen Handwerks gelten auch
geübt werden, die für dieses Gewerbe 1. für gewerbliche Betriebe des Bun-
wesentlich sind (wesent­liche Tätig- des, der Länder, der Gemeinden
keiten). Keine wesentlichen Tätigkei- und der sonstigen juristischen
ten sind insbesondere solche, die Personen des öffentlichen Rechts,
1. in einem Zeitraum von bis zu drei in denen Waren zum Absatz an
Monaten erlernt werden können, Dritte handwerksmäßig herge-
2. zwar eine längere Anlernzeit stellt oder Leistungen für Dritte
verlangen, aber für das Gesamt- handwerksmäßig bewirkt werden,
bild des betreffenden zulassungs- 2. für handwerkliche Nebenbetriebe,
pflichtigen Handwerks neben- die mit einem Versorgungs- oder
sächlich sind und deswegen nicht sonstigen Betrieb der in Nummer
die Fertigkeiten und Kenntnisse 1 bezeichneten öffentlich-rechtli-
erfordern, auf die die Ausbildung chen Stellen verbunden sind,
in diesem Handwerk hauptsäch-
lich ausgerichtet ist, oder
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 129

3. für handwerkliche Nebenbetriebe, b) in unentgeltlichen Pflege-,


die mit einem Unternehmen ei- Installa­tions-, Instandhaltungs-
nes zulassungspflichtigen Hand- oder Instandsetzungsarbeiten
werks, der Industrie, des Handels, bestehen oder
der Landwirtschaft oder sonstiger c) in entgeltlichen Pflege-,
Wirtschafts- und Berufszweige Installa­tions-, Instandhaltungs-
verbunden sind. oder Instandsetzungsarbeiten
an solchen Gegenständen be-
§ 3 stehen, die in einem Hauptbe-
(1) Ein handwerklicher Nebenbetrieb trieb selbst hergestellt worden
im Sinne des § 2 Nr. 2 und 3 liegt vor, sind oder für die der Hauptbe-
wenn in ihm Waren zum Absatz an trieb als Hersteller im Sinne des
Dritte handwerksmäßig hergestellt Produkthaftungsgesetzes gilt.
oder Leistungen für Dritte hand-
werksmäßig bewirkt werden, es sei § 4
denn, daß eine solche Tätigkeit nur (1) Nach dem Tod des Inhabers eines
in unerheblichem Umfang ausge- Betriebs dürfen der Ehegatte, der
übt wird, oder daß es sich um einen Lebenspartner, der Erbe, der Testa-
Hilfsbetrieb handelt. mentsvollstrecker, Nachlassverwalter,
(2) Eine Tätigkeit im Sinne des Ab- Nachlassinsolvenzverwalter oder
satzes 1 ist unerheblich, wenn sie Nachlasspfleger den Betrieb fortfüh-
während eines Jahres die durch- ren, ohne die Voraussetzungen für die
schnittliche Arbeitszeit eines ohne Eintragung in die Handwerksrolle zu
Hilfskräfte Vollzeit arbeitenden Be- erfüllen. Sie haben dafür Sorge zu tra-
triebs des betreffenden Handwerks- gen, dass unverzüglich ein Betriebs-
zweigs nicht übersteigt. leiter (§ 7 Abs. 1) bestellt wird. Die
(3) Hilfsbetriebe im Sinne des Absatzes 1 Handwerkskammer kann in Härte­
sind unselbständige, der wirtschaftli- fällen eine angemessene Frist setzen,
chen Zweckbestimmung des Haupt- wenn eine ordnungsgemäße Führung
betriebs dienende Betriebe eines des Betriebs gewährleistet ist.
zulassungspflichtigen Handwerks, (2) Nach dem Ausscheiden des Betriebs-
wenn sie leiters haben der in die Handwerks-
1. Arbeiten für den Hauptbetrieb rolle eingetragene Inhaber eines
oder für andere dem Inhaber des Betriebs eines zulassungspflichtigen
Hauptbetriebs ganz oder über- Handwerks oder sein Rechtsnachfol-
wiegend gehörende Betriebe ger oder sonstige verfügungsberech-
ausführen oder tigte Nachfolger unverzüglich für die
2. Leistungen an Dritte bewirken, die Einsetzung eines anderen Betriebs-
a) als handwerkliche Arbeiten leiters zu sorgen.
untergeordneter Art zur ge-
brauchsfertigen Überlassung
üblich sind oder
130 AUSBILDUNG & BERUF

§ 5 § 5b
Wer ein Handwerk nach § 1 Abs. 1 be- Verfahren über eine einheitliche Stelle
treibt, kann hierbei auch Arbeiten in Verwaltungsverfahren nach diesem
anderen Handwerken nach § 1 Abs. 1 Gesetz oder nach einer auf Grund dieses
ausführen, wenn sie mit dem Leistungs- Gesetzes erlassenen Rechtsverordnung
angebot seines Gewerbes technisch können über eine einheitliche Stelle ab-
oder fachlich zusammenhängen oder es gewickelt werden.
wirtschaftlich ergänzen.
Zweiter Abschnitt
§ 5a Handwerksrolle
(1) Öffentliche Stellen, die in Verfahren
auf Grund dieses Gesetzes zu betei- § 6
ligen sind, werden über das Ergebnis (1) Die Handwerkskammer hat ein
unterrichtet, soweit dies zur Erfüllung Verzeichnis zu führen, in welches
ihrer Aufgaben erforderlich ist. Der die Inhaber von Betrieben zulas-
Empfänger darf die übermittelten sungspflichtiger Handwerke ihres
Daten nur für den Zweck verarbeiten, Bezirks nach Maßgabe der Anlage D
für dessen Erfüllung sie ihm übermit- Abschnitt I zu diesem Gesetz mit
telt worden sind. dem von ihnen zu betreibenden
(2) Handwerkskammern unterrich- Handwerk oder bei Ausübung
ten sich, soweit dieses Gesetz keine mehrerer Handwerke mit diesen
besonderen Vorschriften enthält, Handwerken einzutragen sind
gegenseitig, auch durch Übermittlung (Handwerksrolle).
personenbezogener Daten, und durch (2) Eine Einzelauskunft aus der Hand-
Abruf im automatisierten Verfahren, werksrolle ist jedem zu erteilen, der
soweit dies zur Feststellung erfor- ein berechtigtes Interesse glaubhaft
derlich ist, ob der Betriebsleiter die darlegt. Eine listenmäßige Übermitt-
Voraussetzungen für die Eintragung lung von Daten aus der Handwerks-
in die Handwerksrolle erfüllt und ob rolle an nicht-öffentliche Stellen ist
er seine Aufgaben ordnungsgemäß unbeschadet des Absatzes 4 zulässig,
wahrnimmt. Das Bundesministerium wenn sie zur Erfüllung der Aufgaben
für Wirtschaft und Energie wird er- der Handwerkskammer erforderlich
mächtigt, durch Rechtsverordnung ist oder wenn der Auskunftbegeh-
mit Zustimmung des Bundesrates rende ein berechtigtes Interesse an
Einzelheiten eines Abrufs im auto- der Kenntnis der zu übermittelnden
matisierten Verfahren zu regeln. Daten glaubhaft darlegt und kein
Grund zu der Annahme besteht, daß
die betroffene Person ein schutzwür-
diges Interesse an dem Ausschluß
der Übermittlung hat. Ein solcher
Grund besteht nicht, wenn Vor- und
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 131

Familienname des Betriebsinhabers eines zulassungspflichtigen Hand-


oder des gesetzlichen Vertreters werks (§ 1 Abs. 1) zur Erfüllung ihrer
oder des Betriebsleiters oder des Aufgaben erforderlich ist.
für die technische Leitung des (4) Die Übermittlung von Daten durch
Betriebes verantwortlichen persön- öffentliche Stellen an nicht-öffent­
lich haftenden Gesellschafters, die liche Stellen ist zulässig, wenn der
Firma, das ausgeübte Handwerk Empfänger sich gegenüber der
oder die Anschrift der gewerb- übermittelnden öffentlichen Stelle
lichen Niederlassung übermittelt verpflichtet hat, die Daten nur für
werden. Die Übermittlung von den Zweck zu verarbeiten, zu dessen
Daten nach den Sätzen 2 und 3 ist Erfüllung sie ihm übermittelt werden.
nicht zulässig, wenn die betroffene Öffentliche Stellen dürfen die ihnen
Person widersprochen hat. Auf die übermittelten Daten nur zu dem
Widerspruchsmöglichkeit sind die Zweck verarbeiten, zu dessen Erfül-
betroffenen Personen unbescha- lung sie ihnen übermittelt wurden.
det der Verordnung (EU) 2016/679 (5) Für das Verändern und das Ein-
des Europäischen Parlaments und schränken der Verarbeitung der
des Rates vom 27. April 2016 zum Daten in der Handwerksrolle gelten
Schutz natürlicher Personen bei der unbeschadet der Verordnung (EU)
Verarbeitung personenbezogener 2016/679 die Datenschutzgesetze
Daten, zum freien Datenverkehr der Länder.
und zur Aufhebung der Richtlinie
95/46/ EG (Datenschutz-Grundver- § 7
ordnung) (ABl. L 119 vom 4.5.2016, (1) Als Inhaber eines Betriebs eines
S. 1; L 314 vom 22.11.2016, S. 72; zulassungspflichtigen Handwerks
L 127 vom 23.5.2018, S. 2) in der wird eine natürliche oder juristische
jeweils geltenden Fassung vor der Person oder eine Personengesell-
ersten Übermittlung schriftlich oder schaft in die Handwerksrolle ein-
elektronisch hinzuweisen. Von der getragen, wenn der Betriebsleiter die
Datenübermittlung ausgeschlossen Voraussetzungen für die Eintragung
sind die Wohnanschriften der Be- in die Handwerksrolle mit dem zu
triebsinhaber und der Betriebsleiter betreibenden Handwerk oder einem
sowie deren elektronische mit diesem verwandten Handwerk
Kontaktdaten, beispielsweise E-Mail- erfüllt. Das Bundesministerium für
Adresse, Webseite, Telefaxnummer, Wirtschaft und Energie bestimmt
Telefonnummer. durch Rechtsverordnung mit Zu-
(3) Öffentlichen Stellen sind auf Ersu- stimmung des Bundesrates, welche
chen Daten aus der Handwerksrolle zulassungspflichtige Handwerke
zu übermitteln, soweit die Kenntnis sich so nahestehen, daß die Beherr-
tatsächlicher oder rechtlicher Ver- schung des einen zulassungspflichti-
hältnisse des Inhabers eines Betriebs gen Handwerks die fachgerechte
132 AUSBILDUNG & BERUF

Ausübung wesentlicher Tätigkeiten Europäischen Union, einem anderen


des anderen zulassungspflichtigen Vertragsstaat des Abkommens über
Handwerks ermöglicht (verwandte den Europäischen Wirtschaftsraum
zulassungspflichtige Handwerke). oder in der Schweiz erteilt wurden;
(1a) In die Handwerksrolle wird eingetra- falls neben dem Studium eine Be-
gen, wer in dem von ihm zu betrei- rufsausbildung gefordert wird, ist zu-
benden oder in einem mit diesem sätzlich der Nachweis zu erbringen,
verwandten zulassungspflichtigen dass diese abgeschlossen ist. Die Ent-
Handwerk die Meisterprüfung be- scheidung, ob die Voraussetzungen
standen hat. für die Eintragung erfüllt sind, trifft
(2) In die Handwerksrolle werden ferner die Handwerkskammer. Das Bundes-
Ingenieure, Absolventen von techni- ministerium für Wirtschaft und
schen Hochschulen und von staat- Energie kann zum Zwecke der Ein-
lichen oder staatlich anerkannten tragung in die Handwerksrolle nach
Fachschulen für Technik und für Ge- Satz 1 im Einvernehmen mit dem
staltung mit dem zulassungspflichti- Bundesministerium für Bildung und
gen Handwerk eingetragen, dem der Forschung durch Rechtsverordnung
Studien- oder der Schulschwerpunkt mit Zustimmung des Bundesrates
ihrer Prüfung entspricht. Dies gilt die Voraussetzungen bestimmen,
auch für Personen, die eine andere, unter denen die in Studien- oder
der Meisterprüfung für die Aus- Schulschwerpunkten abgelegten
übung des betreffenden zulassungs- Prüfungen nach Satz 1 Meister-
pflichtigen Handwerks mindestens prüfungen in zulassungspflichtigen
gleichwertige deutsche staatliche Handwerken entsprechen.
oder staatlich anerkannte Prüfung (2a) Das Bundesministerium für Wirt-
erfolgreich abgelegt haben. Dazu schaft und Energie kann durch
gehören auch Prüfungen auf Grund Rechtsverordnung mit Zustimmung
einer nach § 42 dieses Gesetzes oder des Bundesrates bestimmen, daß in
nach § 53 des Berufsbildungsgesetzes die Handwerksrolle einzutragen ist,
erlassenen Rechtsverordnung, soweit wer in einem anderen Mitgliedstaat
sie gleichwertig sind. Der Abschluss- der Europäischen Gemeinschaft
prüfung an einer deutschen Hoch- oder in einem anderen Vertragsstaat
schule gleichgestellt sind Diplome, des Abkommens über den Euro-
die nach Abschluss einer Ausbil- päischen Wirtschaftsraum eine der
dung von mindestens drei Jahren Meisterprü­fung für die Ausübung
oder einer Teilzeitausbildung von des zu be­treibenden Gewerbes oder
entsprechender Dauer an einer Uni- wesentlicher Tätigkeiten dieses
versität, einer Hochschule oder einer Gewerbes gleichwertige Berechti-
anderen Ausbildungseinrichtung mit gung zur Ausübung eines Gewerbes
gleichwertigem Ausbildungsniveau erworben hat.
in einem anderen Mitgliedstaat der
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 133

(3) In die Handwerksrolle wird ferner § 7b


eingetragen, wer eine Ausnahmebe- (1) Eine Ausübungsberechtigung für
willigung nach § 8 oder § 9 Abs. 1 oder zulassungspflichtige Handwerke,
eine Gleichwertigkeitsfeststellung ausgenommen in den Fällen der
nach § 50b für das zu betreibende zu- Nummern 12 und 33 bis 37 der
lassungspflichtige Handwerk oder für Anlage A, erhält, wer
ein diesem verwandtes zulassungs- 1. eine Gesellenprüfung in dem
pflichtiges Handwerk besitzt. zu betreibenden zulassungs-
(4) bis (6) (weggefallen) pflichtigen Handwerk oder in
(7) In die Handwerksrolle wird einge- einem mit diesem verwandten
tragen, wer für das zu betreibende zulassungspflichtigen Handwerk
Gewerbe oder für ein mit diesem oder eine Abschlussprüfung in
verwandtes Gewerbe eine Aus- einem dem zu betreibenden zu-
übungsberechtigung nach § 7a oder lassungspflichtigen Handwerk
§ 7b besitzt. entsprechenden anerkannten
(8) (weggefallen) Ausbildungsberuf bestanden hat
(9) Vertriebene und Spätaussiedler, die und
vor dem erstmaligen Verlassen ihrer 2. in dem zu betreibenden zulas-
Herkunftsgebiete eine der Meister- sungspflichtigen Handwerk oder
prüfung gleichwertige Prüfung im in einem mit diesem verwandten
Ausland bestanden haben, sind in die zulassungspflichtigen Handwerk
Handwerksrolle einzutragen. Satz 1 oder in einem dem zu betrei-
ist auf Vertriebene, die am 2. Oktober benden zulassungspflichtigen
1990 ihren ständigen Aufenthalt Handwerk entsprechenden Beruf
in dem in Artikel 3 des Einigungs- eine Tätigkeit von insgesamt
vertrages genannten Gebiet hatten, sechs Jahren ausgeübt hat, davon
anzuwenden. insgesamt vier Jahre in leitender
Stellung. Eine leitende Stellung
§ 7a ist dann anzunehmen, wenn
(1) Wer ein Handwerk nach § 1 betreibt, dem Gesellen eigenverantwort-
erhält eine Ausübungsberechtigung liche Entscheidungsbefugnisse
für ein anderes Gewerbe der Anlage in einem Betrieb oder in einem
A oder für wesentliche Tätigkeiten wesentlichen Betriebsteil über-
dieses Gewerbes, wenn die hierfür tragen worden sind. Der Nachweis
erforderlichen Kenntnisse und Fer- hierüber kann durch Arbeitszeug-
tigkeiten nachgewiesen sind; dabei nisse, Stellenbeschreibungen oder
sind auch seine bisherigen beruf- in anderer Weise erbracht werden.
lichen Erfahrungen und Tätigkeiten Im Falle einer Gleichwertigkeits-
zu berücksichtigen. feststellung nach § 40a wird nur
(2) § 8 Abs. 2 bis 4 gilt entsprechend. die Berufserfahrung nach Ertei-
lung derselben berücksichtigt.
134 AUSBILDUNG & BERUF

3. Die ausgeübte Tätigkeit muss danach für ihn eine unzumutbare


zumindest eine wesentliche Tätig- Belastung bedeuten würde. Ein Aus-
keit des zulassungspflichtigen nahmefall liegt auch dann vor, wenn
Handwerks umfasst haben, für der Antragsteller eine Prüfung auf
das die Ausübungsberechtigung Grund einer nach § 42 dieses Geset-
beantragt wurde. zes oder § 53 des Berufsbildungsge-
(1a) Die für die selbständige Handwerks- setzes erlassenen Rechtsverordnung
ausübung erforderlichen betriebs- bestanden hat.
wirtschaftlichen, kaufmännischen (2) Die Ausnahmebewilligung kann
und rechtlichen Kenntnisse gelten in unter Auflagen oder Bedingungen
der Regel durch die Berufserfahrung oder befristet erteilt und auf einen
nach Absatz 1 Nr. 2 als nachgewiesen. wesentlichen Teil der Tätigkeiten
Soweit dies nicht der Fall ist, sind beschränkt werden, die zu einem
die erforderlichen Kenntnisse durch in der Anlage A zu diesem Gesetz
Teilnahme an Lehrgängen oder auf aufgeführten Gewerbe gehören; in
sonstige Weise nachzuweisen. diesem Fall genügt der Nachweis der
(2) Die Ausübungsberechtigung wird hierfür erforderlichen Kenntnisse
auf Antrag des Gewerbetreibenden und Fertigkeiten.
von der höheren Verwaltungsbehör- (3) Die Ausnahmebewilligung wird auf
de nach Anhörung der Handwerks- Antrag des Gewerbetreibenden von
kammer zu den Voraussetzungen des der höheren Verwaltungsbehörde
Absatzes 1 erteilt. Im Übrigen gilt § 8 nach Anhörung der Handwerks-
Abs. 3 Satz 2 bis 5 und Abs. 4 entspre- kammer zu den Voraussetzungen der
chend. Absätze 1 und 2 und des § 1 Abs. 2
erteilt. Die Handwerkskammer kann
§ 8 eine Stellungnahme der fachlich
(1) In Ausnahmefällen ist eine Bewilli- zuständigen Innung oder Berufsver-
gung zur Eintragung in die Hand- einigung einholen, wenn der Antrag-
werksrolle (Ausnahmebewilligung) steller ausdrücklich zustimmt. Sie
zu erteilen, wenn die zur selbständi- hat ihre Stellungnahme einzuholen,
gen Ausübung des von dem Antrag- wenn der Antragsteller es verlangt.
steller zu betreibenden zulassungs- Die Landesregierungen werden er-
pflichtigen Handwerks notwendigen mächtigt, durch Rechtsverordnung
Kenntnisse und Fertigkeiten nach- zu bestimmen, daß abweichend von
gewiesen sind; dabei sind auch seine Satz 1 an Stelle der höheren Verwal-
bisherigen beruflichen Erfahrungen tungsbehörde eine andere Behörde
und Tätigkeiten zu berücksichtigen. zuständig ist. Sie können diese
Ein Ausnahmefall liegt vor, wenn die Ermächtigung auf oberste Landes-
Ablegung einer Meisterprüfung zum behörden übertragen.
Zeitpunkt der Antragstellung oder
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 135

(4) Gegen die Entscheidung steht neben zur Eintragung in die Handwerks-
dem Antragsteller auch der Hand- rolle zu erteilen ist,
werkskammer der Verwaltungs- 2. unter welchen Voraussetzungen
rechtsweg offen; die Handwerks- einem Staatsangehörigen eines
kammer ist beizuladen. der vorgenannten Staaten, der
im Inland keine gewerbliche
§ 9 Niederlassung unterhält, die
(1) Das Bundesministerium für Wirt- grenzüberschreitende Dienst-
schaft und Energie wird ermäch- leistungserbringung in einem
tigt, durch Rechtsverordnung mit zulassungspflichtigen Handwerk
Zustimmung des Bundesrates zur gestattet ist und
Durchführung von Richtlinien der 3. wie die Verfahren zur Ausstellung
Europäischen Union über die Aner- des Europäischen Berufsaus-
kennung von Berufsqualifikationen weises und zur Anerkennung von
im Rahmen der Niederlassungsfrei- Berufs­qualifikationen in den in
heit, des freien Dienstleistungsver- den Nummern 1 und 2 genann-
kehrs und der Arbeitnehmerfrei- ten Fällen unter Verwendung
zügigkeit und zur Durchführung von Europäischen Berufsaus-
des Abkommens vom 2. Mai 1992 weisen sowie die Anwendung des
über den Europäischen Wirtschafts- Vorwarnmechanismus gemäß
raum (BGBl. 1993 II S. 267) sowie des der Richtlinie 2005/36/EG des
Abkommens zwischen der Euro- Europäischen Parlaments und
päischen Gemeinschaft und ihren des Rates vom 7. September
Mitgliedstaaten einerseits und der 2005 über die Anerkennung von
Schweizerischen Eidgenossenschaft Berufsqualifikationen (ABl. L 255
andererseits über die Freizügigkeit vom 30.9.2005, S. 22), die zuletzt
vom 21. Juni 1999 (ABl. EG 2002 durch den Delegierten Beschluss
Nr. L 114 S. 6) zu bestimmen, (EU) 2016/790 (ABl. L 134 vom
1. unter welchen Voraussetzungen 24.5.2016, S. 135) geändert worden
einem Staatsangehörigen eines ist, ausgestaltet sind.
Mitgliedstaates der Europäischen In den in Satz 1 Nr. 1 genannten
Union, eines Vertragsstaates des Fällen bleibt § 8 Abs. 1 unberührt; § 8
Abkommens über den Europäi- Abs. 2 bis 4 gilt entsprechend. In den
schen Wirtschaftsraum oder der in Satz 1 Nr. 2 genannten Fällen ist
Schweiz, der im Inland zur Aus- § 1 Abs. 1 nicht anzuwenden.
übung eines zulassungspflichti- (2) In den Fällen des § 7 Abs. 2a und des
gen Handwerks eine gewerbliche § 50a findet § 1 Abs. 1 keine Anwen-
Niederlassung unterhalten oder dung, wenn der selbständige Betrieb
als Betriebsleiter tätig werden im Inland keine Niederlassung
will, eine Ausnahmebewilligung unterhält.
136 AUSBILDUNG & BERUF

§ 10 § 11
(1) Die Eintragung in die Handwerksrol- Die Handwerkskammer hat dem Ge-
le erfolgt auf Antrag oder von Amts werbetreibenden die beabsichtigte
wegen. Wenn die Voraussetzungen Eintragung in die Handwerksrolle gegen
zur Eintragung in die Handwerks- Empfangsbescheinigung mitzuteilen;
rolle vorliegen, ist die Eintragung gleichzeitig und in gleicher Weise hat sie
innerhalb von drei Monaten nach dies der Industrie- und Handelskammer
Eingang des Antrags einschließlich mitzuteilen, wenn der Gewerbetreibende
der voll­ständigen Unterlagen vorzu- dieser angehört.
nehmen. Hat die Handwerkskammer
nicht innerhalb der Frist des Satzes 2 § 12
eingetragen, gilt die Eintragung als Gegen die Entscheidung über die
erfolgt. Die Vorschriften des Ver- Eintragung eines der Industrie- und
waltungsverfahrensgesetzes über Handelskammer angehörigen Gewerbe-
die Genehmigungsfiktion gelten treibenden in die Handwerksrolle steht
entsprechend. neben dem Gewerbetreibenden auch
(2) Über die Eintragung in die Hand- der Industrie- und Handelskammer der
werksrolle hat die Handwerks- Verwaltungsrechtsweg offen.
kammer eine Bescheinigung
auszustellen (Handwerkskarte). In § 13
die Handwerkskarte sind einzu- (1) Die Eintragung in die Handwerks-
tragen der Name und die Anschrift rolle wird auf Antrag oder von Amts
des Inhabers eines Betriebs eines wegen gelöscht, wenn die Voraus-
zulassungspflichtigen Handwerks, setzungen für die Eintragung nicht
der Betriebssitz, das zu betreibende vorliegen.
zulassungspflichtige Handwerk und (2) Wird der Gewerbebetrieb nicht
bei Ausübung mehrerer zulas- handwerksmäßig betrieben, so kann
sungspflichtiger Handwerke diese auch die Industrie- und Handels-
Handwerke sowie der Zeitpunkt der kammer die Löschung der Eintra-
Eintragung in die Handwerksrolle. In gung beantragen.
den Fällen des § 7 Abs. 1 ist zusätz- (3) Die Handwerkskammer hat dem
lich der Name des Betriebsleiters, des Gewerbetreibenden die beabsichtig-
für die technische Leitung verant- te Löschung der Eintragung in die
wortlichen persönlich haftenden Handwerksrolle gegen Empfangsbe-
Gesellschafters oder des Leiters eines scheinigung mitzuteilen.
Nebenbetriebes einzutragen. (4) Wird die Eintragung in die Hand-
Die Höhe der für die Ausstellung der werksrolle gelöscht, so ist die Hand-
Handwerkskarte zu entrichtenden werkskarte an die Handwerkskam-
Gebühr wird durch die Handwerks- mer zurückzugeben.
kammer mit Genehmigung der
obersten Landesbehörde bestimmt.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 137

(5) Die nach Absatz 1 in der Handwerks- § 16


rolle gelöschten Daten sind für wei- (1) Wer den Betrieb eines zulassungs-
tere dreißig Jahre ab dem Zeitpunkt pflichtigen Handwerks nach § 1
der Löschung in einem gesonderten anfängt, hat gleichzeitig mit der
Dateisystem zu speichern. Eine Ein- nach § 14 der Gewerbeordnung zu
zelauskunft aus diesem Dateisystem erstattenden Anzeige der hiernach
ist jedem zu erteilen, der ein berech- zuständigen Behörde die über die
tigtes Interesse glaubhaft darlegt, Eintragung in die Handwerksrolle
soweit die betroffene Person kein ausgestellte Handwerkskarte (§ 10
schutzwürdiges Interesse an dem Abs. 2) vorzulegen. Der Inhaber eines
Ausschluss der Übermittlung hat. § 6 Hauptbetriebs im Sinne des § 3 Abs. 3
Absatz 3 bis 5 gilt entsprechend. hat der für die Entgegennahme der
Anzeige nach § 14 der Gewerbeord-
§ 14 nung zuständigen Behörde die Aus-
Ein in die Handwerksrolle eingetragener übung eines handwerklichen Neben-
Gewerbetreibender kann die Löschung oder Hilfsbetriebs anzuzeigen.
mit der Begründung, dass der Gewerbe- (2) Der Gewerbetreibende hat ferner
betrieb kein Betrieb eines zulassungs- der Handwerkskammer, in deren
pflichtigen Handwerks im Sinne des § 1 Bezirk seine gewerbliche Niederlas-
Abs. 2 ist, erst nach Ablauf eines Jahres sung liegt oder die nach § 6 Abs. 2 für
seit Eintritt der Unanfechtbarkeit der seine Eintragung in die Handwerks-
Eintragung und nur dann beantragen, rolle zuständig ist, unverzüglich den
wenn sich die Voraussetzungen für die Beginn und die Beendigung seines
Eintragung wesentlich geändert haben. Betriebs und in den Fällen des § 7
Satz 1 gilt für den Antrag der Industrie- Abs. 1 die Bestellung und Abberu-
und Handelskammer nach § 13 Abs. 2 fung des Betriebsleiters anzuzeigen;
entsprechend. bei juristischen Personen sind auch
die Namen der gesetzlichen Ver-
§ 15 treter, bei Personengesellschaften
Ist einem Gewerbetreibenden die Eintra- die Namen der für die technische
gung in die Handwerksrolle abgelehnt Leitung verantwortlichen und der
worden, so kann er die Eintragung mit vertretungsberechtigten Gesellschaf-
der Begründung, daß der Gewerbebe- ter anzuzeigen.
trieb nunmehr Handwerksbetrieb ist,
erst nach Ablauf eines Jahres seit Eintritt
der Unanfechtbarkeit der Ablehnung
und nur dann beantragen, wenn sich
die Voraussetzungen für die Ablehnung
wesentlich geändert haben.
138 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Wird der selbständige Betrieb eines ministerium für Wirtschaft und
zulassungspflichtigen Handwerks Energie. Das Bundesministerium
als stehendes Gewerbe entgegen für Wirtschaft und Energie benennt
den Vorschriften dieses Gesetzes aus- auch das vorsitzende Mitglied, wenn
geübt, so kann die nach Landesrecht sich die Trägerorganisationen nicht
zuständige Behörde die Fortset- innerhalb eines Monats einigen kön-
zung des Betriebs untersagen. Die nen, nachdem beide ihre Vorschläge
Untersagung ist nur zulässig, wenn für das gemeinsam zu benennende
die Handwerkskammer und die In- Mitglied unterbreitet haben. Die
dustrie- und Handelskammer zuvor Schlichtungskommission gibt sich
angehört worden sind und in einer eine Geschäftsordnung.
gemeinsamen Erklärung mitgeteilt (6) Das Bundesministerium für Wirt-
haben, dass sie die Voraussetzungen schaft und Energie wird ermäch-
einer Untersagung als gegeben an- tigt, durch Rechtsverordnung mit
sehen. Zustimmung des Bundesrates das
(4) Können sich die Handwerkskammer Schlichtungsverfahren zu regeln.
und die Industrie- und Handels- (7) Hält die zuständige Behörde die
kammer nicht über eine gemeinsa- Erklärung nach Absatz 3 Satz 2
me Erklärung nach Absatz 3 Satz 2 oder die Entscheidung der Schlich-
verständigen, entscheidet eine von tungskommission für rechtswidrig,
dem Deutschen Industrie- und kann sie unmittelbar die Entschei-
Handelskammertag und dem dung der obersten Landesbehörde
Deutschen Handwerkskammertag herbeiführen.
(Trägerorganisationen) gemeinsam (8) Bei Gefahr im Verzug kann die zu-
für die Dauer von jeweils vier Jahren ständige Behörde die Fortsetzung
gebildete Schlichtungskommission. des Gewerbes auch ohne Einhaltung
Die Schlichtungskommission ist des Verfahrens nach Absatz 3 Satz 2
erstmals zum 1. Juli 2004 zu bilden. und Absatz 4 vorläufig untersagen.
(5) Der Schlichtungskommission (9) Die Ausübung des untersagten
gehören drei Mitglieder an, von Gewerbes durch den Gewerbetrei-
denen je ein Mitglied von jeder benden kann durch Schließung der
Trägerorganisation und ein Mitglied Betriebs- und Geschäftsräume oder
von beiden Trägerorganisationen durch andere geeignete Maßnahmen
gemeinsam zu benennen sind. Das verhindert werden.
gemeinsam benannte Mitglied führt (10) Die Schlichtungskommission kann
den Vorsitz. Hat eine Trägerorgani- auch angerufen werden, wenn sich
sation ein Mitglied nicht innerhalb in den Fällen des § 90 Abs. 3 die
von einem Monat nach Benennung Handwerkskammer und die Indust-
des Mitglieds der anderen Träger- rie- und Handelskammer nicht über
organisation benannt, so erfolgt die Zugehörigkeit eines Gewerbetrei-
die Benennung durch das Bundes- benden zur Handwerkskammer oder
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 139

zur Industrie- und Handelskammer (2) Die Beauftragten der Handwerks-


einigen können. Die Absätze 4 bis 6 kammer sind nach Maßgabe des § 29
gelten entsprechend. Hält der Ge- Abs. 2 der Gewerbeordnung befugt,
werbetreibende die Entscheidung zu dem in Absatz 1 bezeichneten
der Schlichtungskommission für Zweck Grundstücke und Geschäfts-
rechtswidrig, so entscheidet die räume des Auskunftspflichtigen zu
oberste Landesbehörde. § 12 gilt ent- betreten und dort Prüfungen und
sprechend. Besichtigungen vorzunehmen. Der
Auskunftspflichtige hat diese Maß-
§ 17 nahmen zu dulden. Das Grundrecht
(1) Die in der Handwerksrolle eingetra- der Unverletzlichkeit der Wohnung
genen oder in diese einzutragenden (Artikel 13 des Grundgesetzes) wird
Gewerbetreibenden sind verpflichtet, insoweit eingeschränkt.
der Handwerkskammer die für die (3) Der Auskunftspflichtige kann die
Prüfung der Eintragungsvorausset- Auskunft auf solche Fragen verwei-
zungen erforderliche Auskunft über gern, deren Beantwortung ihn selbst
Art und Umfang ihres Betriebs, über oder einen der in § 383 Abs. 1 Nr. 1
die Betriebsstätte, über die Zahl der bis 3 der Zivilprozeßordnung be-
im Betrieb beschäftigten gelernten zeichneten Angehörigen der Gefahr
und ungelernten Personen und strafgerichtlicher Verfolgung oder
über handwerkliche Prüfungen des eines Verfahrens nach dem Gesetz
Betriebsinhabers und des Betriebs- über Ordnungswidrigkeiten ausset-
leiters sowie über die vertragliche zen würde.
und praktische Ausgestaltung des (4) Sofern ein Gewerbetreibender ohne
Betriebsleiterverhältnisses zu er- Angabe von Name und Anschrift
teilen sowie auf Verlangen sämt- unter einem Telekommunikations-
liche Dokumente vorzulegen, die anschluß Handwerksleistungen
zur Prüfung der Eintragung in die anbietet und Anhaltspunkte dafür
Handwerksrolle und zur Aufrecht- bestehen, daß er den selbständi-
erhaltung der Eintragung in der gen Betrieb eines Handwerks als
Handwerksrolle erforderlich sind. stehendes Gewerbe entgegen den
Auskünfte, Nachweise und Informa- Vorschriften dieses Gesetzes ausübt,
tionen, die für die Prüfung der Ein- ist der Anbieter der Telekommunika-
tragungsvoraussetzungen nach Satz tionsdienstleistung verpflichtet, den
1 nicht erforderlich sind, dürfen von Handwerkskammern auf Verlangen
der Handwerkskammer nicht, auch Namen und Anschrift des Anschluß-
nicht für Zwecke der Verfolgung von inhabers unentgeltlich mitzuteilen.
Straftaten oder Ordnungswidrigkei-
ten, verwertet werden. Die Hand-
werkskammer kann für die Erteilung
der Auskunft eine Frist setzen.
140 AUSBILDUNG & BERUF

Dritter Abschnitt § 19


Zulassungsfreie Handwerke und hand- Die Handwerkskammer hat ein Ver-
werksähnliche Gewerbe zeichnis zu führen, in welches die Inha-
ber eines Betriebs eines zulassungsfreien
§ 18 Handwerks oder eines handwerksähn-
(1) Wer den selbständigen Betrieb eines lichen Gewerbes nach Maßgabe der An-
zulassungsfreien Handwerks oder lage D Abschnitt II zu diesem Gesetz mit
eines handwerksähnlichen Gewerbes dem von ihnen betriebenen Gewerbe
als stehendes Gewerbe beginnt oder oder bei Ausübung mehrerer Gewerbe
beendet, hat dies unverzüglich der mit diesen Gewerben einzutragen sind.
Handwerkskammer, in deren Bezirk § 6 Abs. 2 bis 5 gilt entsprechend.
seine gewerbliche Niederlassung
liegt, anzuzeigen. Bei juristischen § 20
Personen sind auch die Namen der Auf zulassungsfreie Handwerke und
gesetzlichen Vertreter, bei Personen- handwerksähnliche Gewerbe finden
gesellschaften die Namen der ver- § 10 Abs. 1, die §§ 11, 12, 13 Abs. 1 bis 3, 5,
tretungsberechtigten Gesellschafter §§ 14, 15 und 17 entsprechend Anwen-
anzuzeigen. dung. § 5a Abs. 2 Satz 1 findet entspre-
(2) Ein Gewerbe ist ein zulassungsfreies chende Anwendung, soweit dies zur
Handwerk im Sinne dieses Gesetzes, Feststellung erforderlich ist, ob die Vor-
wenn es handwerksmäßig betrieben aussetzungen für die Eintragung in das
wird und in Anlage B Abschnitt 1 Verzeichnis der Inhaber eines Betriebs
zu diesem Gesetz aufgeführt ist. Ein eines zulassungsfreien oder eines hand-
Gewerbe ist ein handwerksähnliches werksähnlichen Gewerbes vorliegen.
Gewerbe im Sinne dieses Gesetzes,
wenn es handwerksähnlich betrie- Zweiter Teil
ben wird und in Anlage B Abschnitt 2 Berufsbildung im Handwerk
zu diesem Gesetz aufgeführt ist.
(3) Das Bundesministerium für Wirt- Erster Abschnitt
schaft und Energie wird ermäch- Berechtigung zum Einstellen und
tigt, durch Rechtsverordnung mit Ausbilden
Zustimmung des Bundesrates die
Anlage B zu diesem Gesetz dadurch § 21
zu ändern, daß es darin aufgeführte (1) Lehrlinge (Auszubildende) dürfen
Gewerbe streicht, ganz oder teil- nur eingestellt und ausgebildet wer-
weise zusammenfaßt oder trennt, den, wenn
Bezeichnungen für sie festsetzt oder 1. die Ausbildungsstätte nach Art
die Gewerbegruppen aufteilt, soweit und Einrichtung für die Berufs-
es die technische und wirtschaftliche ausbildung geeignet ist, und
Entwicklung erfordert. 2. die Zahl der Lehrlinge (Auszubil-
denden) in einem angemessenen
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 141

Verhältnis zur Zahl der Ausbil- § 22a


dungsplätze oder zur Zahl der Persönlich nicht geeignet ist insbeson-
beschäftigten Fachkräfte steht, dere, wer
es sei denn, dass anderenfalls die 1. Kinder und Jugendliche nicht
Berufsausbildung nicht gefährdet beschäftigen darf oder
wird. 2. wiederholt oder schwer gegen
(2) Eine Ausbildungsstätte, in der die dieses Gesetz oder die auf Grund
erforderlichen beruflichen Fertig- dieses Gesetzes erlassenen Vor-
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten schriften und Bestimmungen
nicht in vollem Umfang vermittelt verstoßen hat.
werden können, gilt als geeignet,
wenn diese durch Ausbildungsmaß- § 22b
nahmen außerhalb der Ausbildungs- (1) Fachlich geeignet ist, wer die
stätte vermittelt werden. beruflichen sowie die berufs- und
arbeitspädagogischen Fertigkeiten,
§ 22 Kenntnisse und Fähigkeiten besitzt,
(1) Lehrlinge (Auszubildende) darf nur die für die Vermittlung der Ausbil-
einstellen, wer persönlich geeignet dungsinhalte erforderlich sind.
ist. Lehrlinge (Auszubildende) darf (2) In einem zulassungspflichtigen
nur ausbilden, wer persönlich und Handwerk besitzt die fachliche
fachlich geeignet ist. Eignung, wer
(2) Wer fachlich nicht geeignet ist oder 1. die Meisterprüfung in dem zu-
wer nicht selbst ausbildet, darf lassungspflichtigen Handwerk, in
Lehrlinge (Auszubildende) nur dann dem ausgebildet werden soll, oder
einstellen, wenn er persönlich und in einem mit diesem verwandten
fachlich geeignete Ausbilder bestellt, Handwerk bestanden hat oder
die die Ausbildungsinhalte unmittel- 2. in dem zulassungspflichtigen
bar, verantwortlich und in wesent- Handwerk, in dem ausgebildet
lichem Umfang vermitteln. werden soll, oder in einem mit
(3) Unter der Verantwortung des diesem verwandten Handwerk
Ausbilders kann bei der Berufsaus- a) die Voraussetzungen zur Ein-
bildung mitwirken, wer selbst nicht tragung in die Handwerksrolle
Ausbilder ist, aber abweichend von nach § 7 erfüllt oder
den besonderen Voraussetzungen b) eine Ausübungsberechtigung
des § 22b die für die Vermittlung von nach § 7a oder § 7b erhalten
Ausbildungsinhalten erforderlichen hat oder
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse
und Fähigkeiten besitzt und persön-
lich geeignet ist.
142 AUSBILDUNG & BERUF

c) eine Ausnahmebewilligung 5. eine Gleichwertigkeitsfeststellung


nach § 8 oder nach § 9 Abs. 1 nach § 51e oder einen Bildungsab-
Satz 1 Nr. 1 erhalten hat schluss besitzt, dessen Gleichwer-
und den Teil IV der Meisterprü- tigkeit nach anderen rechtlichen
fung oder eine gleichwertige Regelungen festgestellt worden ist
andere Prüfung, insbesondere und im Falle der Nummern 2 bis 5
eine Ausbildereignungsprü- eine angemessene Zeit in seinem
fung auf der Grundlage einer Beruf praktisch tätig gewesen ist.
nach § 30 Abs. 5 des Berufs- Der Abschlussprüfung an einer
bildungsgesetzes erlassenen deutschen Hochschule gemäß
Rechtsverordnung, bestanden Satz 1 Nr. 4 gleichgestellt sind
hat. Diplome nach § 7 Abs. 2 Satz 4.
(3) In einem zulassungsfreien Hand- Für den Nachweis der berufs- und
werk oder einem handwerksähn- arbeitspädagogischen Fertigkei-
lichen Gewerbe besitzt die für die ten, Kenntnisse und Fähigkeiten
fachliche Eignung erforderlichen finden die auf der Grundlage des
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse § 30 Abs. 5 des Berufsbildungs-
und Fähigkeiten, wer gesetzes erlassenen Rechtsverord-
1. die Meisterprüfung in dem zu- nungen Anwendung.
lassungsfreien Handwerk oder (4) Das Bundesministerium für Wirt-
in dem handwerksähnlichen Ge- schaft und Energie kann nach
werbe, in dem ausgebildet werden Anhörung des Hauptausschusses des
soll, bestanden hat, Bundesinstituts für Berufsbildung
2. die Gesellen- oder Abschlussprü- durch Rechtsverordnung, die nicht
fung in einer dem Ausbildungsbe- der Zustimmung des Bundesrates
ruf entsprechenden Fachrichtung bedarf, bestimmen, dass der Erwerb
bestanden hat, berufs- und arbeitspädagogischer
3. eine anerkannte Prüfung an Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
einer Ausbildungsstätte oder vor keiten gesondert nachzuweisen
einer Prüfungsbehörde oder eine ist. Dabei können Inhalt, Umfang
Abschlussprüfung an einer staat- und Abschluss der Maßnahmen für
lichen oder staatlich anerkannten den Nachweis geregelt werden. Das
Schule in einer dem Ausbildungs- Bestehen des Teils IV der Meisterprü-
beruf entsprechenden Fachrich- fung gilt als Nachweis.
tung bestanden hat, (5) Die nach Landesrecht zuständige
4. eine Abschlussprüfung an einer Behörde kann Personen, die die Vor-
deutschen Hochschule in einer aussetzungen der Absätze 2, 3 und 4
dem Ausbildungsberuf entspre- nicht erfüllen, die fachliche Eignung
chenden Fachrichtung bestanden nach Anhören der Handwerkskam-
hat oder mer widerruflich zuerkennen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 143

§ 22c ist eine Gefährdung des Lehrlings


(1) In den Fällen des § 22b Abs. 3 besitzt (Auszubildenden) zu erwarten oder
die für die fachliche Eignung er- wird der Mangel nicht innerhalb
forderlichen beruflichen Fertigkeiten, der gesetzten Frist beseitigt, so hat
Kenntnisse und Fähigkeiten auch, wer die Handwerkskammer der nach
die Voraussetzungen für die Anerken- Landesrecht zuständigen Behörde
nung seiner Berufsqualifikation nach dies mitzuteilen.
der Richtlinie 2005/36/EG erfüllt,
sofern er eine angemessene Zeit in § 24
seinem Beruf praktisch tätig gewesen (1) Die nach Landesrecht zuständige
ist. Behörde kann für eine bestimmte
(2) Die Anerkennung kann unter den in Ausbildungsstätte das Einstellen und
Artikel 14 der in Absatz 1 genannten Ausbilden untersagen, wenn die
Richtlinie aufgeführten Voraus- Voraussetzungen nach § 21 nicht
setzungen davon abhängig gemacht oder nicht mehr vorliegen.
werden, dass der Antragsteller oder (2) Die nach Landesrecht zuständige
die Antragstellerin zunächst einen Behörde hat das Einstellen und
höchstens dreijährigen Anpassungs- Ausbilden zu untersagen, wenn die
lehrgang ableistet oder eine Eig- persönliche oder fachliche Eignung
nungsprüfung ablegt. nicht oder nicht mehr vorliegt.
(3) Die Entscheidung über die Anerken- (3) Vor der Untersagung sind die Be-
nung trifft die Handwerkskammer. teiligten und die Handwerkskammer
Sie kann die Durchführung von An- zu hören. Dies gilt nicht in den Fällen
passungslehrgängen und Eignungs- des § 22a Nr. 1.
prüfungen regeln.
Zweiter Abschnitt
§ 23 Ausbildungsordnung, Änderung der
(1) Die Handwerkskammer hat dar- Ausbildungszeit
über zu wachen, dass die Eignung
der Ausbildungsstätte sowie die § 25
persönliche und fachliche Eignung (1) Als Grundlage für eine geordnete
vorliegen. und einheitliche Berufsausbildung
(2) Werden Mängel der Eignung festge- kann das Bundesministerium für
stellt, so hat die Handwerkskammer, Wirtschaft und Energie im Einver-
falls der Mangel zu beheben und eine nehmen mit dem Bundesministe-
Gefährdung des Lehrlings (Auszu- rium für Bildung und Forschung
bildenden) nicht zu erwarten ist, den durch Rechtsverordnung, die nicht
Ausbildenden aufzufordern, inner- der Zustimmung des Bundesrates
halb einer von ihr gesetzten Frist den bedarf, für Gewerbe der Anlage A
Mangel zu beseitigen. Ist der Mangel und der Anlage B Ausbildungsberufe
der Eignung nicht zu beheben oder staatlich anerkennen und hierfür
144 AUSBILDUNG & BERUF

Ausbildungsordnungen nach § 26 § 26


erlassen. Dabei können in einem (1) Die Ausbildungsordnung hat fest­
Gewerbe mehrere Ausbildungsberufe zulegen
staatlich anerkannt werden, soweit 1. die Bezeichnung des Ausbildungs-
dies wegen der Breite des Gewerbes berufes, der anerkannt wird; sie
erforderlich ist; die in diesen Berufen kann von der Gewerbebezeich-
abgelegten Gesellenprüfungen sind nung abweichen, muss jedoch
Prüfungen im Sinne des § 49 Abs. 1 inhaltlich von der Gewerbebe-
oder § 51a Abs. 5 Satz 1. zeichnung abgedeckt sein,
(2) Für einen anerkannten Ausbildungs- 2. die Ausbildungsdauer; sie soll
beruf darf nur nach der Ausbildungs- nicht mehr als drei und nicht
ordnung ausgebildet werden. weniger als zwei Jahre betragen,
(3) In anderen als anerkannten Aus- 3. die beruflichen Fertigkeiten,
bildungsberufen dürfen Jugendliche Kenntnisse und Fähigkeiten,
unter 18 Jahren nicht ausgebildet die mindestens Gegenstand der
werden, soweit die Berufsausbildung Berufsausbildung sind (Ausbil-
nicht auf den Besuch weiterführen- dungsberufsbild),
der Bildungsgänge vorbereitet. 4. eine Anleitung zur sachlichen
(4) Wird die Ausbildungsordnung eines und zeitlichen Gliederung der
Ausbildungsberufs aufgehoben oder Vermittlung der beruflichen Fer-
geändert oder werden Gewerbe in tigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
der Anlage A oder in der Anlage B keiten (Ausbildungsrahmenplan),
gestrichen, zusammengefasst oder 5. die Prüfungsanforderungen.
getrennt, so sind für bestehende Bei der Festlegung der Fertigkeiten,
Berufsausbildungsverhältnisse wei- Kenntnisse und Fähigkeiten nach
terhin die bis zu dem Zeitpunkt der Satz 1 Nummer 3 ist insbesondere
Aufhebung oder Änderung gelten- die technologische und digitale Ent-
den Vorschriften anzuwenden, es sei wicklung zu beachten.
denn, die ändernde Verordnung sieht (2) Die Ausbildungsordnung kann vor-
eine abweichende Regelung vor. sehen,
(5) Das Bundesministerium für Wirt- 1. dass die Berufsausbildung in
schaft und Energie informiert die sachlich und zeitlich besonders
Länder frühzeitig über Neuord- gegliederten, aufeinander auf-
nungskonzepte und bezieht sie in die bauenden Stufen erfolgt; nach
Abstimmung ein. den einzelnen Stufen soll ein
Ausbildungsabschluss vorgese-
hen werden, der sowohl zu einer
qualifizierten beruflichen Tätig-
keit im Sinne des § 1 Abs. 3 des
Berufsbildungsgesetzes befähigt,
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 145

als auch die Fortsetzung der Be- 5. dass über das in Absatz 1 Nr. 3 be-
rufsausbildung in weiteren Stufen schriebene Ausbildungsberufsbild
ermöglicht (Stufenausbildung), hinaus zusätzliche berufliche Fer-
2. dass die Gesellenprüfung in zwei tigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
zeitlich auseinander fallenden keiten vermittelt werden können,
Teilen durchgeführt wird, die die berufliche Handlungsfä-
2a. dass im Fall einer Regelung nach higkeit ergänzen oder erweitern,
Nummer 2 bei nicht bestande- 6. dass Teile der Berufsausbildung
ner Gesellenprüfung in einem in geeigneten Einrichtungen
drei- oder dreieinhalbjährigen außerhalb der Ausbildungsstätte
Ausbildungsberuf, der auf einem durchgeführt werden, wenn und
zweijährigen Ausbildungsberuf soweit es die Berufsausbildung
aufbaut, der Abschluss des zwei- erfordert (überbetriebliche Berufs-
jährigen Ausbildungsberufs er- ausbildung).
worben wird, sofern im ersten Teil Im Fall des Satzes 1 Nummer 2a be-
der Gesellenprüfung mindestens darf es eines Antrags der Lehrlinge
ausreichende Prüfungsleistungen (Auszubildenden). Im Fall des Satzes
erbracht worden sind, 1 Nummer 4 bedarf es der Verein-
2b. dass Auszubildende bei erfolg- barung der Vertragsparteien. Im
reichem Abschluss eines zwei- Rahmen der Ordnungsverfahren soll
jährigen Ausbildungsberufs vom stets geprüft werden, ob Regelungen
ersten Teil der Gesellenprüfung nach Nummer 1, 2, 2a, 2b und 4 sinn-
oder einer Zwischenprüfung eines voll und möglich sind.
darauf aufbauenden drei- oder
dreieinhalbjährigen Ausbildungs- § 27
berufs befreit sind, Zur Entwicklung und Erprobung neuer
3. dass abweichend von § 25 Abs. 4 Ausbildungs- und Prüfungsformen kann
die Berufsausbildung in diesem das Bundesministerium für Wirtschaft
Ausbildungsberuf unter Anrech- und Energie im Einvernehmen mit dem
nung der bereits zurückgelegten Bundesministerium für Bildung und
Ausbildungszeit fortgesetzt Forschung nach Anhörung des Haupt-
werden kann, wenn die Vertrags- ausschusses des Bundesinstituts für
parteien dies vereinbaren, Berufsbildung durch Rechtsverordnung,
4. dass auf die Dauer der durch die die nicht der Zustimmung des Bundes-
Ausbildungsordnung geregelten rates bedarf, Ausnahmen von § 25 Abs. 2
Berufsausbildung die Dauer einer und 3 sowie den §§ 26, 31 und 39 zulas-
anderen abgeschlossenen Berufs- sen, die auch auf eine bestimmte Art und
ausbildung ganz oder teilweise Zahl von Ausbildungsstätten beschränkt
anzurechnen ist, werden können.
146 AUSBILDUNG & BERUF

§ 27a der täglichen oder der wöchentli-


(1) Die Landesregierungen können chen Ausbildungszeit zu vereinbaren.
nach Anhörung des Landesaus- Die Kürzung der täglichen oder der
schusses für Berufsbildung durch wöchentlichen Ausbildungszeit darf
Rechtsverordnung bestimmen, dass nicht mehr als 50 Prozent betragen.
der Besuch eines Bildungsganges (2) Die Dauer der Teilzeitberufsausbil-
berufsbildender Schulen oder die dung verlängert sich entsprechend,
Berufsausbildung in einer sonstigen höchstens jedoch bis zum Einein-
Einrichtung ganz oder teilweise auf halbfachen der Dauer, die in der Aus-
die Ausbildungsdauer angerech- bildungsordnung für die betreffende
net wird. Die Ermächtigung kann Berufsausbildung in Vollzeit fest-
durch Rechtsverordnung auf oberste gelegt ist. Die Dauer der Teilzeitbe-
Landesbehörden weiter übertragen rufsausbildung ist auf ganze Monate
werden. abzurunden. § 27c Absatz 2 bleibt
(2) Ist keine Rechtsverordnung nach unberührt.
Absatz 1 erlassen, kann eine Anrech- (3) Auf Verlangen des Lehrlings (Aus-
nung der Ausbildungsdauer durch zubildenden) verlängert sich die
die zuständige Stelle im Einzelfall Ausbildungsdauer auch über die
erfolgen. Für die Entscheidung über Höchstdauer nach Absatz 2 Satz 1
die Anrechnung kann der Haupt- hinaus bis zur nächsten möglichen
ausschuss des Bundesinstituts für Gesellenprüfung.
Berufsbildung Empfehlungen be- (4) Der Antrag auf Eintragung des
schließen. Berufsausbildungsvertrages nach
(3) Die Anrechnung bedarf des gemein- § 30 Absatz 1 in das Verzeichnis
samen Antrags des Lehrlings (Aus- der Berufsausbildungsverhältnisse
zubildenden) und des Ausbildenden. (Lehrlingsrolle) für eine Teilzeit-
Der Antrag ist an die Handwerks- berufsausbildung kann mit einem
kammer zu richten. Er kann sich auf Antrag auf Verkürzung der Aus-
Teile des höchstzulässigen Anrech- bildungsdauer nach § 27c Absatz 1
nungszeitraums beschränken. verbunden werden.
(4) Ein Anrechnungszeitraum muss in
ganzen Monaten durch sechs teilbar § 27c
sein. (1) Auf gemeinsamen Antrag des Lehr-
lings (Auszubildenden) und des
§ 27b Ausbildenden hat die Handwerks-
(1) Die Berufsausbildung kann in kammer die Ausbildungsdauer zu
Teilzeit durchgeführt werden. Im kürzen, wenn zu erwarten ist, dass
Berufsausbildungsvertrag ist dazu das Ausbildungsziel in der gekürzten
für die gesamte Ausbildungszeit oder Dauer erreicht wird.
für einen bestimmten Zeitraum der
Berufsausbildung die Verkürzung
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 147

(2) In Ausnahmefällen kann die Hand- dungsverhältnisse nach Maßgabe


werkskammer auf Antrag des der Anlage D Abschnitt III zu diesem
Lehrlings (Auszubildenden) die Gesetz einzurichten und zu führen
Ausbildungsdauer verlängern, wenn (Lehrlingsrolle). Die Eintragung ist
die Verlängerung erforderlich ist, um für den Lehrling (Auszubildenden)
das Ausbildungsziel zu erreichen. Vor gebührenfrei.
der Entscheidung nach Satz 1 ist der (2) Die nach Absatz 1 gespeicherten
Ausbildende zu hören. Daten sind an öffentliche Stellen
(3) Für die Entscheidung über die und an nicht-öffentliche Stellen
Verkürzung oder Verlängerung der zu übermitteln, soweit dies zu den
Ausbildungsdauer kann der Haupt- in Absatz 1 genannten Zwecken
ausschuss des Bundesinstituts für erforderlich ist. Werden Daten an
Berufsbildung Empfehlungen be- nicht-öffentliche Stellen übermittelt,
schließen. so ist die jeweils betroffene Person
unbeschadet der Verordnung (EU)
§ 27d 2016/679 hiervon zu benachrich-
Werden in einem Betrieb zwei ver- tigen, es sei denn, dass sie von der
wandte Handwerke ausgeübt, so kann in Übermittlung auf andere Weise
beiden Handwerken in einer verkürzten Kenntnis erlangt.
Gesamtausbildungszeit gleichzeitig (3) Die Übermittlung von Daten durch
ausgebildet werden. Das Bundesmi- öffentliche Stellen an nicht-öffent-
nisterium für Wirtschaft und Energie liche Stellen ist zulässig, wenn der
bestimmt im Einvernehmen mit dem jeweilige Empfänger sich gegenüber
Bundesministerium für Bildung und der übermittelnden öffentlichen
Forschung durch Rechtsverordnung für Stelle verpflichtet hat, die Daten nur
welche verwandte Handwerke eine Ge- für den Zweck zu verarbeiten, zu
samtausbildungszeit vereinbart werden dessen Erfüllung sie ihm übermittelt
kann und die Dauer der Gesamtausbil- werden. Öffentliche Stellen dürfen
dungszeit. die ihnen übermittelten Daten nur
zu dem Zweck verarbeiten, zu dessen
Dritter Abschnitt Erfüllung sie ihnen übermittelt wur-
Verzeichnis der Berufsausbildungs­ den.
verhältnisse (4) Für das Verändern und das Ein-
schränken der Verarbeitung der
§ 28 Daten in der Lehrlingsrolle gelten
(1) Die Handwerkskammer hat zur unbeschadet der Verordnung (EU)
Regelung, Überwachung, Förderung 2016/679 die Datenschutzgesetze der
und zum Nachweis der Berufsausbil- Länder.
dung in anerkannten Ausbildungs-
berufen ein Verzeichnis der in ihrem
Bezirk bestehenden Berufsausbil-
148 AUSBILDUNG & BERUF

(5) Die Eintragungen sind am Ende des Tag, Monat und Jahr einer vorzei-
Kalenderjahres, in dem das Berufs- tigen Auflösung des Ausbildungs-
ausbildungsverhältnis beendet wird, verhältnisses.
in der Lehrlingsrolle zu löschen. Bei der Datenübermittlung sind
(6) Die nach Absatz 5 gelöschten Daten dem jeweiligen Stand der Technik
sind in einem gesonderten Datei- entsprechende Maßnahmen zur
system zu speichern, solange und Sicherstellung von Datenschutz und
soweit dies für den Nachweis der Datensicherheit nach den Artikeln
Berufsausbildung erforderlich ist, 24, 25 und 32 der Verordnung (EU)
höchstens jedoch 60 Jahre. Die Über- 2016/679 zu treffen, die insbesonde-
mittlung von Daten ist nur unter re die Vertraulichkeit, Unversehrt-
den Voraussetzungen des Absatzes 2 heit und Zurechenbarkeit der Daten
zulässig. gewährleisten.
(7) Zur Verbesserung der Ausbildungs- (8) Im Übrigen darf die Handwerkskam-
vermittlung, zur Verbesserung der mer Daten aus dem Berufsausbil-
Zuverlässigkeit und Aktualität der dungsvertrag, die nicht nach Absatz
Ausbildungsvermittlungsstatistik 1 oder Absatz 6 gespeichert sind,
sowie zur Verbesserung der Feststel- nur für die in Absatz 1 genannten
lung von Angebot und Nachfrage auf Zwecke sowie in den Fällen des § 88
dem Ausbildungsmarkt übermittelt Abs. 2 des Berufsbildungsgesetzes
die Handwerkskammer folgende übermitteln.
Daten aus der Lehrlingsrolle an die
Bundesagentur für Arbeit: § 29
1. Name, Geburtsname, Vorname, (1) Ein Berufsausbildungsvertrag und
Geburtsdatum und Anschrift des Änderungen seines wesentlichen
Lehrlings (Auszubildenden), Inhalts sind in die Lehrlingsrolle ein-
2. Name und Anschrift der Aus- zutragen, wenn
bildenden, Name, Anschrift und 1. der Berufsausbildungsvertrag den
Amtlicher Gemeindeschlüssel gesetzlichen Vorschriften und der
der Ausbildungsstätte, Wirt- Ausbildungsordnung entspricht,
schaftszweig, Betriebsnummer 2. die persönliche und fachliche
der Ausbildungsstätte nach § 18i Eignung sowie die Eignung der
Absatz 1 oder § 18k Absatz 1 des Ausbildungsstätte für das Einstel-
Vierten Buches Sozialgesetzbuch, len und Ausbilden vorliegen und
Zugehörigkeit zum öffentlichen 3. für Auszubildende unter 18 Jah-
Dienst, ren die ärztliche Bescheinigung
3. Ausbildungsberuf einschließlich über die Erstuntersuchung nach
Fachrichtung sowie § 32 Abs. 1 des Jugendarbeits-
4. Tag, Monat und Jahr des vertrag- schutzgesetzes zur Einsicht vor-
lich vereinbarten Beginns und gelegt wird.
Endes der Berufsausbildung sowie
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 149

(2) Die Eintragung ist abzulehnen oder Vierter Abschnitt


zu löschen, wenn die Eintragungs- Prüfungswesen
voraussetzungen nicht vorliegen und
der Mangel nicht nach § 23 Abs. 2 § 31
behoben wird. Die Eintragung ist (1) In den anerkannten Ausbildungs-
ferner zu löschen, wenn die ärztliche berufen (Gewerbe der Anlage A oder
Bescheinigung über die erste Nach- der Anlage B) sind Gesellenprüfun-
untersuchung nach § 33 Abs. 1 des gen durchzuführen. Die Prüfung
Jugendarbeitsschutzgesetzes nicht kann im Falle des Nichtbestehens
spätestens am Tag der Anmeldung zweimal wiederholt werden. Sofern
des Auszubildenden zur Zwischen- die Gesellenprüfung in zwei zeitlich
prüfung oder zum ersten Teil der auseinander fallenden Teilen durch-
Gesellenprüfung zur Einsicht vor- geführt wird, ist der erste Teil der
gelegt und der Mangel nicht nach Gesellenprüfung nicht eigenständig
§ 23 Abs. 2 behoben wird. wiederholbar.
(2) Dem Prüfling ist ein Zeugnis auszu-
§ 30 stellen. Dem Ausbildenden werden
(1) Der Ausbildende hat unverzüglich auf dessen Verlangen die Ergebnisse
nach Abschluß des Berufsausbil- der Gesellenprüfung des Lehrlings
dungsvertrags die Eintragung in die (Auszubildenden) übermittelt.
Lehrlingsrolle zu beantragen. Sofern die Gesellenprüfung in zwei
Der Antrag kann schriftlich oder zeitlich auseinander fallenden Teilen
elektronisch gestellt werden; eine durchgeführt wird, ist das Ergebnis
Kopie der Vertragsniederschrift der Prüfungsleistung im ersten Teil
ist jeweils beizufügen. Auf einen der Gesellenprüfung dem Prüfling
betrieblichen Ausbildungsplan im schriftlich mitzuteilen.
Sinne des § 11 Absatz 1 Satz 2 Num- (3) Dem Zeugnis ist auf Antrag des Lehr-
mer 1 des Berufsbildungsgesetzes, lings (Auszubildenden) eine eng-
der der zuständigen Stelle bereits lischsprachige und eine französisch-
vorliegt, kann dabei Bezug genom- sprachige Übersetzung beizufügen.
men werden. Entsprechendes gilt Auf Antrag des Lehrlings (Auszu-
bei Änderungen des wesentlichen bildenden) ist das Ergebnis berufs-
Vertragsinhalts. schulischer Leistungsfeststellungen
(2) Der Ausbildende hat anzuzeigen auf dem Zeugnis auszuweisen. Der
1. eine vorausgegangene allgemeine Lehrling (Auszubildende) hat den
und berufliche Ausbildung des Nachweis der berufsschulischen
Lehrlings (Auszubildenden), Leistungsfeststellungen dem Antrag
2. die Bestellung von Ausbildern. beizufügen.
(4) Die Prüfung ist für den Lehrling
(Auszubildenden) gebührenfrei.
150 AUSBILDUNG & BERUF

§ 32 (4) Prüfungsausschüsse oder Prüferdele-


Durch die Gesellenprüfung ist festzu- gationen nach § 35a Absatz 2 können
stellen, ob der Prüfling die berufliche zur Bewertung einzelner, nicht
Handlungsfähigkeit im Sinne des § 1 mündlich zu erbringender Prüfungs-
Abs. 3 des Berufsbildungsgesetzes leistungen gutachterliche Stellung-
erworben hat. In ihr soll der Prüfling nahmen Dritter, insbesondere
nachweisen, dass er die erforderlichen berufsbildender Schulen, einholen.
beruflichen Fertigkeiten beherrscht, die Im Rahmen der Begutachtung nach
notwendigen beruflichen Kenntnisse Satz 1 sind die wesentlichen Abläufe
und Fähigkeiten besitzt und mit dem im zu dokumentieren und die für die
Berufsschulunterricht zu vermittelnden, Bewertung erheblichen Tatsachen
für die Berufsausbildung wesentlichen festzuhalten.
Lehrstoff vertraut ist. Die Ausbildungs-
ordnung ist zugrunde zu legen. § 34
(1) Der Prüfungsausschuß besteht aus
§ 33 mindestens drei Mitgliedern. Die
(1) Für die Durchführung der Ge- Mitglieder müssen für die Prüfungs-
sellenprüfung errichtet die Hand- gebiete sachkundig und für die Mit-
werkskammer Prüfungsausschüsse. wirkung im Prüfungswesen geeignet
Mehrere Handwerkskammern sein.
können bei einer von ihnen gemein- (2) Dem Prüfungsausschuss müssen als
same Prüfungsausschüsse errich- Mitglieder für zulassungspflichtige
ten. Die Handwerkskammer kann Handwerke Arbeitgeber oder Be-
Handwerksinnungen ermächtigen, triebsleiter und Arbeitnehmer in
Prüfungsausschüsse zu errichten, gleicher Zahl, für zulassungsfreie
wenn die Leistungsfähigkeit der Handwerke oder handwerksähnliche
Handwerksinnung die ordnungs- Gewerbe Beauftragte der Arbeitgeber
gemäße Durchführung der Prüfung und Arbeitnehmer in gleicher Zahl
sicherstellt. sowie mindestens eine Lehrkraft
(2) Werden von einer Handwerksinnung einer berufsbildenden Schule an-
Prüfungsausschüsse errichtet, so gehören. Mindestens zwei Drittel der
sind sie für die Abnahme der Gesel- Gesamtzahl der Mitglieder müssen
lenprüfung aller Lehrlinge (Auszu- in zulassungspflichtigen Handwer-
bildenden) der in der Handwerks- ken Arbeitgeber und Arbeitnehmer,
innung vertretenen Handwerke ihres in zulassungsfreien Handwerken
Bezirks zuständig, soweit nicht die oder handwerksähnlichen Gewerben
Handwerkskammer etwas anderes Beauftragte der Arbeitgeber und der
bestimmt. Arbeitnehmer sein. Die Mitglieder
(3) Prüfungsausschüsse oder Prüfer- haben Stellvertreter. Die Mitglie-
delegationen nach § 35a Absatz 2 der und die Stellvertreter werden
nehmen die Prüfungsleistungen ab. längstens für fünf Jahre berufen oder
gewählt.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 151

(3) Die Arbeitgeber müssen in dem zu- Mehrheit der Gesellenvertreter in


lassungspflichtigen Handwerk, für der Vollversammlung der Hand-
das der Prüfungsausschuß errichtet werkskammer berufen. Die Lehrkraft
ist, die Meisterprüfung abgelegt einer berufsbildenden Schule wird
haben oder zum Ausbilden berech- im Einvernehmen mit der Schul-
tigt sein. In dem zulassungsfreien aufsichtsbehörde oder der von ihr
Handwerk oder in dem handwerks- bestimmten Stelle berufen.
ähnlichen Gewerbe, für das der (5) Für die mit Ermächtigung der Hand-
Prüfungsausschuss errichtet ist, werkskammer von der Handwerks-
müssen die Arbeitgeber oder die innung errichteten Prüfungsaus-
Beauftragten der Arbeitgeber die schüsse werden die Arbeitgeber und
Gesellenprüfung oder eine entspre- die Beauftragten der Arbeitgeber
chende Abschlussprüfung in einem von der Innungsversammlung, die
anerkannten Ausbildungsberuf Arbeitnehmer und die Beauftragten
nach § 4 des Berufsbildungsgesetzes der Arbeitnehmer von dem Gesel-
bestanden haben und in diesem lenausschuß gewählt. Die Lehrkraft
Handwerk oder in diesem Gewerbe einer berufsbildenden Schule wird
tätig sein. Die Arbeitnehmer und im Einvernehmen mit der Schulauf-
die Beauftragten der Arbeitnehmer sichtsbehörde oder der von ihr be-
müssen die Gesellenprüfung in dem stimmten Stelle nach Anhörung der
zulassungspflichtigen oder zulas- Handwerksinnung von der Hand-
sungsfreien Handwerk oder in dem werkskammer berufen.
handwerksähnlichen Gewerbe, für (6) Die Mitglieder der Prüfungsaus-
das der Prüfungsausschuss errichtet schüsse können nach Anhörung der
ist, oder eine entsprechende Ab- an ihrer Berufung Beteiligten aus
schlussprüfung in einem anerkann- wichtigem Grund abberufen werden.
ten Ausbildungsberuf nach § 4 des Die Absätze 4 und 5 gelten für die
Berufsbildungsgesetzes bestanden Stellvertreter entsprechend.
haben und in diesem Handwerk oder (7) Die Handwerkskammer oder die
in diesem Gewerbe tätig sein. Arbeit- nach § 33 Absatz 1 Satz 3 von der
nehmer, die eine entsprechende Handwerkskammer zur Errichtung
ausländische Befähigung erworben von Prüfungsausschüssen er-
haben und handwerklich tätig sind, mächtigte Handwerksinnung kann
können in den Prüfungsausschuß weitere Prüfende für den Einsatz in
berufen werden. Prüferdelegationen nach § 35a Ab-
(4) Die Mitglieder werden von der satz 2 berufen. Die Berufung weiterer
Handwerkskammer berufen. Die Prüfender kann auf bestimmte Prüf-
Arbeitnehmer und die Beauftragten oder Fachgebiete beschränkt werden.
der Arbeitnehmer der von der Hand- Die Absätze 4 bis 6 sind entspre-
werkskammer errichteten Prüfungs- chend anzuwenden.
ausschüsse werden auf Vorschlag der
152 AUSBILDUNG & BERUF

(8) Die für die Berufung von Prüfungs- (10) Von Absatz 2 darf nur abgewichen
ausschussmitgliedern Vorschlagsbe- werden, wenn anderenfalls die er-
rechtigten sind über die Anzahl und forderliche Zahl von Mitgliedern des
die Größe der einzurichtenden Prü- Prüfungsausschusses nicht berufen
fungsausschüsse sowie über die Zahl werden kann.
der von ihnen vorzuschlagenden
weiteren Prüfenden zu unterrichten. § 35
Die Vorschlagsberechtigten werden Der Prüfungsausschuß wählt aus seiner
von der Handwerkskammer oder im Mitte einen Vorsitzenden und dessen
Fall des § 33 Absatz 1 Satz 2 von der Stellvertreter. Der Vorsitzende und sein
Innung darüber unterrichtet, welche Stellvertreter sollen nicht derselben Mit-
der von ihnen vorgeschlagenen gliedergruppe angehören. Der Prüfungs-
Mitglieder sowie Stellvertreter und ausschuß ist beschlußfähig, wenn zwei
Stellvertreterinnen und weiteren Drittel der Mitglieder, mindestens drei,
Prüfenden berufen wurden. mitwirken. Er beschließt mit der Mehr-
(9) Die Tätigkeit im Prüfungsausschuss heit der abgegebenen Stimmen.
oder in einer Prüferdelegation ist Bei Stimmengleichheit gibt die Stimme
ehrenamtlich. Für bare Auslagen und des Vorsitzenden den Ausschlag.
für Zeitversäumnis ist, soweit eine
Entschädigung nicht von anderer § 35a
Seite gewährt wird, eine angemesse- (1) Der Prüfungsausschuss fasst die
ne Entschädigung zu zahlen, deren Beschlüsse über
Höhe von der Handwerkskammer 1. die Noten zur Bewertung einzel-
mit Genehmigung der obersten ner Prüfungsleistungen, die er
Landesbehörde festgesetzt wird. Die selbst abgenommen hat,
Entschädigung für Zeitversäumnis 2. die Noten zur Bewertung der
hat mindestens im Umfang von § 16 Prüfung insgesamt sowie
des Justizvergütungs- und -ent- 3. das Bestehen oder Nichtbestehen
schädigungsgesetzes in der jeweils der Gesellenprüfung.
geltenden Fassung zu erfolgen. (2) Die zuständige Stelle kann im Ein-
(9a) Prüfende sind von ihrem Arbeitgeber vernehmen mit den Mitgliedern des
von der Erbringung der Arbeitsleis- Prüfungsausschusses die Abnahme
tung freizustellen, wenn und abschließende Bewertung von
1. es zur ordnungsgemäßen Durch- Prüfungsleistungen auf Prüferdele-
führung der ihnen durch das gationen übertragen. Für die Zusam-
Gesetz zugewiesenen Aufgaben mensetzung von Prüferdelegationen
erforderlich ist und und für die Abstimmungen in der
2. wichtige betriebliche Gründe Prüferdelegation sind § 34 Absatz 1
nicht entgegenstehen. bis 3 und § 35 Satz 3 bis 5 entspre-
chend anzuwenden. Mitglieder von
Prüferdelegationen können die
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 153

Mitglieder des Prüfungsausschusses, Bewertungsschlüssels erfolgten


deren Stellvertreter und Stellver- Bewertungen der beiden Prüfenden
treterinnen sowie weitere Prüfende um nicht mehr als 10 Prozent der
sein, die durch die Handwerks- erreichbaren Punkte voneinander
kammer nach § 34 Absatz 7 berufen ab, so errechnet sich die endgültige
worden sind. Bewertung aus dem Durchschnitt
(3) Die zuständige Stelle hat vor Beginn der beiden Bewertungen. Bei einer
der Prüfung über die Bildung von größeren Abweichung erfolgt die
Prüferdelegationen, über deren endgültige Bewertung durch ein
Mitglieder sowie über deren Stell- vorab bestimmtes weiteres Mitglied
vertreter und Stellvertreterinnen zu des Prüfungsausschusses oder der
entscheiden. Prüfende können Mit- Prüferdelegation.
glieder mehrerer Prüferdelegationen (6) Sieht die Ausbildungsordnung vor,
sein. Sind verschiedene Prüfungsleis- dass Auszubildende bei erfolgrei-
tungen derart aufeinander bezogen, chem Abschluss eines zweijährigen
dass deren Beurteilung nur einheit- Ausbildungsberufs vom ersten Teil
lich erfolgen kann, so müssen diese der Gesellenprüfung eines darauf
Prüfungsleistungen von denselben aufbauenden drei- oder dreieinhalb-
Prüfenden abgenommen werden. jährigen Ausbildungsberufs befreit
(4) Nach § 38 Absatz 2 Satz 2 erstellte sind, so ist das Ergebnis der Gesellen-
oder ausgewählte Antwort-Wahl- prüfung des zweijährigen Ausbil-
Aufgaben können automatisiert aus- dungsberufs vom Prüfungsausschuss
gewertet werden, wenn das Aufga- als das Ergebnis des ersten Teils der
benerstellungs- oder Aufgabenaus- Gesellenprüfung des auf dem zwei-
wahlgremium festgelegt hat, welche jährigen Ausbildungsberuf aufbau-
Antworten als zutreffend anerkannt enden drei- oder dreieinhalbjährigen
werden. Die Ergebnisse sind vom Ausbildungsberufs zu übernehmen.
Prüfungsausschuss zu übernehmen.
(5) Der Prüfungsausschuss oder die § 36
Prüferdelegation kann einvernehm- (1) Zur Gesellenprüfung ist zuzulassen,
lich die Abnahme und Bewertung 1. wer die Ausbildungsdauer
einzelner schriftlicher oder sons- zurückgelegt hat oder wessen
tiger Prüfungsleistungen, deren Ausbildungsdauer nicht später als
Bewertung unabhängig von der zwei Monate nach dem Prüfungs-
Anwesenheit bei der Erbringung termin endet,
erfolgen kann, so vornehmen, dass
zwei seiner oder ihrer Mitglieder
die Prüfungsleistungen selbständig
und unabhängig bewerten. Weichen
die auf der Grundlage des in der
Prüfungsordnung vorgesehenen
154 AUSBILDUNG & BERUF

2. wer an vorgeschriebenen Zwi- § 36a


schenprüfungen teilgenommen (1) Sofern die Gesellenprüfung in zwei
sowie einen vom Ausbilder und zeitlich auseinander fallenden Teilen
Auszubildenden unterzeich- durchgeführt wird, ist über die
neten Ausbildungsnachweis Zulassung jeweils gesondert zu ent-
nach § 13 Satz 2 Nummer 7 des scheiden.
Berufsbildungsge­setzes vorgelegt (2) Zum ersten Teil der Gesellenprüfung
hat und ist zuzulassen, wer die in der Aus-
3. wessen Berufsausbildungsver- bildungsordnung vorgeschriebene,
hältnis in die Lehrlingsrolle ein- erforderliche Ausbildungsdauer
getragen oder aus einem Grund zurückgelegt hat und die Voraus-
nicht eingetragen ist, den weder setzungen des § 36 Abs. 1 Nr. 2 und 3
der Lehrling (Auszubildende) erfüllt.
noch dessen gesetzlicher Vertreter (3) Zum zweiten Teil der Gesellenprü-
zu vertreten hat. fung ist zuzulassen, wer
(2) Zur Gesellenprüfung ist ferner zuzu- 1. über die Voraussetzungen des § 36
lassen, wer in einer berufsbildenden Absatz 1 hinaus am ersten Teil der
Schule oder einer sonstigen Berufs- Gesellenprüfung teilgenommen
bildungseinrichtung ausgebildet hat,
worden ist, wenn dieser Bildungs- 2. auf Grund einer Rechtsverord-
gang der Berufsausbildung in einem nung nach § 26 Absatz 2 Satz 1
anerkannten Ausbildungsberuf Nummer 2b von der Ablegung des
(Gewerbe der Anlage A oder der An- ersten Teils der Gesellenprüfung
lage B) entspricht. Ein Bildungsgang befreit ist oder
entspricht der Berufsausbildung in 3. aus Gründen, die er nicht zu
einem anerkannten Ausbildungsbe- vertreten hat, am ersten Teil der
ruf, wenn er Gesellenprüfung nicht teilgenom-
1. nach Inhalt, Anforderung und men hat.
zeitlichem Umfang der jeweiligen Im Fall des Satzes 1 Nummer 3 ist
Ausbildungsordnung gleichwertig der erste Teil der Gesellenprüfung
ist, zusammen mit dem zweiten Teil
2. systematisch, insbesondere im abzulegen.
Rahmen einer sachlichen und
zeitlichen Gliederung durchge- § 37
führt wird, und (1) Der Lehrling (Auszubildende) kann
3. durch Lernortkooperation einen nach Anhörung des Ausbildenden
angemessenen Anteil an fachprak- und der Berufsschule vor Ablauf
tischer Ausbildung gewährleistet. seiner Ausbildungszeit zur Gesellen-
prüfung zugelassen werden, wenn
seine Leistungen dies rechtfertigen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 155

(2) Zur Gesellenprüfung ist auch zu- (2) Auszubildenden, die Elternzeit in
zulassen, wer nachweist, dass er Anspruch genommen haben, darf bei
mindestens das Eineinhalbfache der Entscheidung über die Zulassung
der Zeit, die als Ausbildungsdauer hieraus kein Nachteil erwachsen.
vorgeschrieben ist, in dem Be-
ruf tätig gewesen ist, in dem er die § 38
Prüfung ablegen will. Als Zeiten der (1) Die Handwerkskammer hat eine
Berufstätigkeit gelten auch Aus- Prüfungsordnung für die Gesellen-
bildungszeiten in einem anderen, prüfung zu erlassen. Die Prüfungs-
einschlägigen Ausbildungsberuf. ordnung bedarf der Genehmigung
Vom Nachweis der Mindestzeit der zuständigen obersten Landes-
nach Satz 1 kann ganz oder teilweise behörde.
abgesehen werden, wenn durch Vor- (2) Die Prüfungsordnung muss die Zu-
lage von Zeugnissen oder auf andere lassung, die Gliederung der Prü-
Weise glaubhaft gemacht wird, dass fung, die Bewertungsmaßstäbe, die
der Bewerber die berufliche Hand- Erteilung der Prüfungszeugnisse,
lungsfähigkeit erworben hat, die die die Folgen von Verstößen gegen die
Zulassung zur Prüfung rechtfertigt. Prüfungsordnung und die Wieder-
Ausländische Bildungsabschlüsse holungsprüfung regeln. Sie kann
und Zeiten der Berufstätigkeit im vorsehen, dass Prüfungsaufgaben,
Ausland sind dabei zu berücksichti- die überregional oder von einem
gen. Aufgabenerstellungsausschuss bei
(3) Soldaten auf Zeit und ehemalige Sol- der Handwerkskammer erstellt oder
daten sind nach Absatz 2 Satz 3 zur ausgewählt werden, zu übernehmen
Gesellenprüfung zuzulassen, wenn sind, sofern diese Aufgaben von
das Bundesministerium der Vertei- Gremien erstellt oder ausgewählt
digung oder die von ihm bestimmte werden, die entsprechend § 34 Abs. 2
Stelle bescheinigt, dass der Bewerber zusammengesetzt sind.
berufliche Fertigkeiten, Kenntnis- (3) Der Hauptausschuss des Bundes-
se und Fähigkeiten erworben hat, instituts für Berufsbildung erlässt für
welche die Zulassung zur Prüfung die Prüfungsordnung Richtlinien.
rechtfertigen.
§ 39
§ 37a (1) Während der Berufsausbildung ist
(1) Über die Zulassung zur Gesellen- zur Ermittlung des Ausbildungs-
prüfung entscheidet der Vorsitzende stands eine Zwischenprüfung ent-
des Prüfungsausschusses. Hält er die sprechend der Ausbildungsordnung
Zulassungsvoraussetzungen nicht durchzuführen. Die §§ 31 bis 33
für gegeben, so entscheidet der Prü- gelten entsprechend.
fungsausschuss.
156 AUSBILDUNG & BERUF

(2) Die Zwischenprüfung entfällt, sofern die Berufsausbildung und die in der
1. die Ausbildungsordnung vorsieht, Prüfung nachzuweisenden beruf-
dass die Gesellenprüfung in zwei lichen Fertigkeiten, Kenntnisse und
zeitlich auseinanderfallenden Fähigkeiten gleichwertig sind.
Teilen durchgeführt wird, oder (2) Das Bundesministerium für Wirt-
2. die Ausbildungsordnung vorsieht, schaft und Energie kann im Einver-
dass auf die Dauer der durch die nehmen mit dem Bundesministeri-
Ausbildungsordnung geregelten um für Bildung und Forschung nach
Berufsausbildung die Dauer einer Anhörung des Hauptausschusses des
anderen abgeschlossenen Berufs- Bundesinstituts für Berufsbildung
ausbildung im Umfang von min- durch Rechtsverordnung im Ausland
destens zwei Jahren anzurechnen erworbene Prüfungszeugnisse den
ist, und die Vertragsparteien die entsprechenden Zeugnissen über
Anrechnung mit mindestens das Bestehen der Gesellenprüfung
dieser Dauer vereinbart haben. gleichstellen, wenn die in der Prü-
(3) Umzuschulende sind auf ihren An- fung nachzuweisenden beruflichen
trag zur Zwischenprüfung zuzulassen. Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig-
keiten gleichwertig sind.
§ 39a
(1) Zusätzliche berufliche Fertigkeiten, § 40a
Kenntnisse und Fähigkeiten nach Ausländische Ausbildungsnachweise ste-
§ 26 Abs. 2 Nr. 5 werden gesondert hen der Gesellenprüfung im Sinne dieses
geprüft und bescheinigt. Das Er- Gesetzes und der auf ihm beruhenden
gebnis der Prüfung nach § 31 bleibt Rechtsverordnungen gleich, wenn ihre
unberührt. Gleichwertigkeit festgestellt wurde. § 50b
(2) § 31 Abs. 3 und 4 sowie die §§ 33 bis Absatz 4 gilt entsprechend. Die Vor-
35a und 38 gelten entsprechend. schriften des Berufsqualifikationsfest-
stellungsgesetzes für nicht reglementier-
§ 40 te Berufe sowie § 17 sind anzuwenden.
(1) Das Bundesministerium für Wirt-
schaft und Energie kann im Einver- Fünfter Abschnitt
nehmen mit dem Bundesministeri- Regelung und Überwachung der Berufs-
um für Bildung und Forschung nach ausbildung
Anhörung des Hauptausschusses
des Bundesinstituts für Berufs- § 41
bildung durch Rechtsverordnung Soweit Vorschriften nicht bestehen,
außerhalb des Anwendungsbereichs regelt die Handwerkskammer die
dieses Gesetzes erworbene Prü- Durchführung der Berufsausbildung im
fungszeugnisse den entsprechenden Rahmen der gesetzlichen Vorschriften.
Zeugnissen über das Bestehen der
Gesellenprüfung gleichstellen, wenn
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 157

§ 41a Sechster Abschnitt


(1) Die Handwerkskammer überwacht Berufliche Fortbildung, berufliche
die Durchführung Umschulung
1. der Berufsausbildungsvorberei-
tung, § 42
2. der Berufsausbildung und (1) Als Grundlage für eine einheitliche
3. der beruflichen Umschulung höherqualifizierende Berufsbildung
und fördert diese durch Beratung kann das Bundesministerium für
der an der Berufsbildung beteiligten Bildung und Forschung im Einver-
Personen. Sie hat zu diesem Zweck nehmen mit dem Bundesministeri-
Berater zu bestellen. § 111 ist anzu- um für Wirtschaft und Energie nach
wenden. Anhörung des Hauptausschusses des
(2) Ausbildende, Umschulende und An- Bundesinstituts für Berufsbildung
bieter von Maßnahmen der Berufs- durch Rechtsverordnung, die nicht
ausbildungsvorbereitung sind auf der Zustimmung des Bundesrates
Verlangen verpflichtet, die für die bedarf, Abschlüsse der höherquali-
Überwachung notwendigen Aus- fizierenden Berufsbildung anerken-
künfte zu erteilen und Unterlagen nen und hierfür Prüfungsregelungen
vorzulegen sowie die Besichtigung erlassen (Fortbildungsordnungen).
der Ausbildungsstätten zu gestatten. (2) Die Fortbildungsordnungen haben
(3) Die Durchführung von Auslands- festzulegen:
aufenthalten nach § 2 Abs. 3 des 1. die Bezeichnung des Fortbil-
Berufsbildungsgesetzes überwacht dungsabschlusses,
und fördert die Handwerkskammer 2. die Fortbildungsstufe,
in geeigneter Weise. Beträgt die Dau- 3. das Ziel, den Inhalt und die An-
er eines Ausbildungsabschnitts im forderungen der Prüfung,
Ausland mehr als acht Wochen, ist 4. die Zulassungsvoraussetzungen
hierfür ein mit der Handwerkskam- für die Prüfung und
mer abgestimmter Plan erforderlich. 5. das Prüfungsverfahren.
(4) Die Handwerkskammer teilt der
Aufsichtsbehörde nach dem Jugend- § 42a
arbeitsschutzgesetz Wahrnehmun- (1) Die Fortbildungsstufen der höher-
gen mit, die für die Durchführung qualifizierenden Berufsbildung sind
des Jugendarbeitsschutzgesetzes von 1. als erste Fortbildungsstufe der
Bedeutung sein können. Geprüfte Berufsspezialist und die
Geprüfte Berufsspezialistin,
2. als zweite Fortbildungsstufe der
Bachelor Professional und
3. als dritte Fortbildungsstufe der
Master Professional.
158 AUSBILDUNG & BERUF

(2) Jede Fortbildungsordnung, die eine Abschlussbezeichnung vorangestellt


höherqualifizierende Berufsbildung wird. Die Abschlussbezeichnung der
der ersten Fortbildungsstufe regelt, ersten beruflichen Fortbildungsstufe
soll auf einen Abschluss der zweiten darf nur führen, wer
Fortbildungsstufe hinführen. 1. die Prüfung der ersten berufli-
chen Fortbildungsstufe bestanden
§ 42b hat oder
(1) Den Fortbildungsabschluss des Ge- 2. die Prüfung einer gleichwertigen
prüften Berufsspezialisten oder der beruflichen Fortbildung auf der
Geprüften Berufsspezialistin erlangt, Grundlage bundes- oder landes-
wer eine Prüfung der ersten beruf- rechtlicher Regelungen, die diese
lichen Fortbildungsstufe besteht. Abschlussbezeichnung vorsehen,
(2) In der Fortbildungsprüfung der bestanden hat.
ersten beruflichen Fortbildungsstufe
wird festgestellt, ob der Prüfling § 42c
1. die Fertigkeiten, Kenntnisse und (1) Den Fortbildungsabschluss Bachelor
Fähigkeiten, die er in der Regel Professional erlangt, wer eine Prü-
im Rahmen der Berufsausbildung fung der zweiten beruflichen Fort-
erworben hat, vertieft hat und bildungsstufe erfolgreich besteht.
2. die in der Regel im Rahmen der (2) In der Fortbildungsprüfung der
Berufsausbildung erworbene be- zweiten beruflichen Fortbildungs-
rufliche Handlungsfähigkeit um stufe wird festgestellt, ob der
neue Fertigkeiten, Kenntnisse und Prüfling in der Lage ist, Fach- und
Fähigkeiten ergänzt hat. Führungsfunktionen zu überneh-
Der Lernumfang für den Erwerb men, in denen zu verantwortende
dieser Fertigkeiten, Kenntnisse und Leitungsprozesse von Organisatio-
Fähigkeiten soll mindestens 400 nen eigenständig gesteuert werden,
Stunden betragen. eigenständig ausgeführt werden und
(3) Als Zulassungsvoraussetzung für dafür Mitarbeiter und Mitarbeiterin-
eine Prüfung der ersten beruflichen nen geführt werden. Der Lernum-
Fortbildungsstufe ist als Regelzugang fang für den Erwerb dieser Fertigkei-
der Abschluss in einem anerkannten ten, Kenntnisse und Fähigkeiten soll
Ausbildungsberuf vorzusehen. mindestens 1 200 Stunden betragen.
(4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs- (3) Als Voraussetzung zur Zulassung für
abschlusses der ersten beruflichen eine Prüfung der zweiten berufli-
Fortbildungsstufe beginnt mit den chen Fortbildungsstufe ist als Regel-
Wörtern „Geprüfter Berufsspezialist zugang vorzusehen:
für“ oder „Geprüfte Berufsspezialis- 1. der Abschluss in einem anerkann-
tin für“. Die Fortbildungsordnung ten Ausbildungsberuf oder
kann vorsehen, dass dieser Ab- 2. ein Abschluss der ersten beruf-
schlussbezeichnung eine weitere lichen Fortbildungsstufe.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 159

(4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs- von neuen, komplexen Aufgaben-


abschlusses der zweiten beruflichen und Problemstellungen wie der
Fortbildungsstufe beginnt mit den Entwicklung von Verfahren und
Wörtern „Bachelor Professional Produkten.
in“. Die Fortbildungsordnung kann Der Lernumfang für den Erwerb
vorsehen, dass dieser Abschlussbe- dieser Fertigkeiten, Kenntnisse und
zeichnung eine weitere Abschluss- Fähigkeiten soll mindestens 1 600
bezeichnung vorangestellt wird. Die Stunden betragen.
Abschlussbezeichnung der zweiten (3) Als Voraussetzung zur Zulassung für
beruflichen Fortbildungsstufe darf eine Prüfung der dritten beruflichen
nur führen, wer Fortbildungsstufe ist als Regelzugang
1. die Prüfung der zweiten berufli- ein Abschluss auf der zweiten beruf-
chen Fortbildungsstufe bestanden lichen Fortbildungsstufe oder eine
hat oder bestandene Meisterprüfung vorzu-
2. die Prüfung einer gleichwertigen sehen.
beruflichen Fortbildung auf der (4) Die Bezeichnung eines Fortbildungs-
Grundlage bundes- oder landes- abschlusses der dritten beruflichen
rechtlicher Regelungen, die diese Fortbildungsstufe beginnt mit den
Abschlussbezeichnung vorsehen, Wörtern „Master Professional in“.
bestanden hat. Die Fortbildungsordnung kann
Die §§ 51 und 51d bleiben unberührt. vorsehen, dass dieser Abschlussbe-
zeichnung eine weitere Abschluss-
§ 42d bezeichnung vorangestellt wird. Die
(1) Den Fortbildungsabschluss Master Abschlussbezeichnung der dritten
Professional erlangt, wer die Prüfung beruflichen Fortbildungsstufe darf
der dritten beruflichen Fortbildungs- führen, wer
stufe besteht. 1. die Prüfung der dritten berufli-
(2) In der Fortbildungsprüfung der drit- chen Fortbildungsstufe bestanden
ten beruflichen Fortbildungsstufe hat oder
wird festgestellt, ob der Prüfling 2. die Prüfung einer gleichwertigen
1. die Fertigkeiten, Kenntnisse und beruflichen Fortbildung auf der
Fähigkeiten, die er in der Regel Grundlage bundes- oder landes-
mit der Vorbereitung auf eine rechtlicher Regelungen, die diese
Fortbildungsprüfung der zweiten Abschlussbezeichnung vorsehen,
Fortbildungsstufe erworben hat, bestanden hat.
vertieft hat und
2. neue Fertigkeiten, Kenntnisse und
Fähigkeiten erworben hat, die
erforderlich sind für die verant-
wortliche Führung von Organi-
sationen oder zur Bearbeitung
160 AUSBILDUNG & BERUF

§ 42e (3) Bestätigt die zuständige oberste


(1) Als Grundlage für eine einheitliche Landesbehörde,
Anpassungsfortbildung kann das 1. dass die Fortbildungsprüfungs-
Bundesministerium für Bildung und regelungen die Voraussetzungen
Forschung im Einvernehmen mit des § 42b Absatz 2 und 3 sowie
dem Bundesministerium für Wirt- des § 42a Absatz 2 erfüllen, so
schaft und Energie nach Anhörung beginnt die Bezeichnung des
des Hauptausschusses des Bundes- Fortbildungsabschlusses mit den
instituts für Berufsbildung durch Wörtern „Geprüfter Berufsspezia-
Rechtsverordnung, die nicht der list für“ oder „Geprüfte Berufsspe-
Zustimmung des Bundesrates bedarf, zialistin für“,
Fortbildungsabschlüsse anerkennen 2. dass die Fortbildungsprüfungs-
und hierfür Prüfungsregelungen regelungen die Voraussetzungen
erlassen (Anpassungsfortbildungs- des § 42c Absatz 2 und 3 erfüllen,
ordnungen). so beginnt die Bezeichnung des
(2) Die Anpassungsfortbildungsordnun- Fortbildungsabschlusses mit den
gen haben festzulegen: Wörtern „Bachelor Professional in“,
1. die Bezeichnung des Fortbil- 3. dass die Fortbildungsprüfungs-
dungsabschlusses, regelungen die Voraussetzungen
2. das Ziel, den Inhalt und die des § 42d Absatz 2 und 3 erfüllen,
Anforderungen der Prüfung, so beginnt die Bezeichnung des
3. die Zulassungsvoraussetzungen Fortbildungsabschlusses mit den
und Wörtern „Master Professional in“.
4. das Prüfungsverfahren. Der Abschlussbezeichnung nach
Satz 1 ist in Klammern ein Zusatz
§ 42f beizufügen, aus dem sich zwei-
(1) Sofern für einen Fortbildungsab- felsfrei die Handwerkskammer
schluss weder eine Fortbildungs- ergibt, die die Fortbildungsprü-
ordnung noch eine Anpassungsfort- fungsregelungen erlassen hat. Die
bildungsordnung erlassen worden Fortbildungsprüfungsregelungen
ist, kann die Handwerkskammer können vorsehen, dass dieser Ab-
Fortbildungsprüfungsregelungen schlussbezeichnung eine weitere
erlassen. Abschlussbezeichnung vorange-
(2) Die Fortbildungsprüfungsregelun- stellt wird.
gen haben festzulegen: (4) Eine Abschlussbezeichnung, die in
1. die Bezeichnung des Fortbil- einer von der zuständigen obersten
dungsabschlusses, Landesbehörde bestätigten Fortbil-
2. das Ziel, den Inhalt und die An- dungsprüfungsregelung enthalten
forderungen der Prüfungen, ist, darf nur führen, wer die Prüfung
3. die Zulassungsvoraussetzungen bestanden hat. § 42c Absatz 4 Satz
für die Prüfung und 2 und 3 sowie § 42d Absatz 4 Satz 2
4. das Prüfungsverfahren. und 3 bleiben unberührt.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 161

§ 42g Hauptausschusses des Bundesinstituts


Sofern Fortbildungsordnungen, An- für Berufsbildung durch Rechtsverord-
passungsfortbildungsordnungen oder nung Prüfungszeugnisse, die außerhalb
Fortbildungsprüfungsregelungen nach des Anwendungsbereichs dieses Gesetzes
§ 42f Zulassungsvoraussetzungen zu oder im Ausland erworben worden
Prüfungen vorsehen, sind ausländische sind, den entsprechenden Zeugnissen
Bildungsabschlüsse und Zeiten der über das Bestehen einer Fortbildungs-
Berufstätigkeit im Ausland zu berück- prüfung auf der Grundlage der §§ 42b
sichtigen. bis 42f gleichstellen, wenn die in der
Prüfung nachzuweisenden beruflichen
§ 42h Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten
(1) Für die Durchführung von Prüfun- gleichwertig sind.
gen im Bereich der beruflichen Fort-
bildung errichtet die Handwerks- § 42j
kammer Prüfungsausschüsse. § 31 Als Grundlage für eine geordnete und
Absatz 2 Satz 1 und 2 und Absatz 3 einheitliche berufliche Umschulung
Satz 1 sowie § 33 Absatz 1 Satz 2, Ab- kann das Bundesministerium für Bil-
satz 3 und 4 und die §§ 34 bis 35a, 37a dung und Forschung im Einvernehmen
und 38 sind entsprechend anzuwen- mit dem Bundesministerium für Wirt-
den. schaft und Energie nach Anhörung des
(2) Der Prüfling ist auf Antrag von der Hauptausschusses des Bundesinstituts
Ablegung einzelner Prüfungsbe- für Berufsbildung durch Rechtsver-
standteile durch die Handwerkskam- ordnung, die nicht der Zustimmung des
mer zu befreien, wenn Bundesrates bedarf,
1. er eine andere vergleichbare 1. die Bezeichnung des Umschu-
Prüfung vor einer öffentlichen lungsabschlusses,
oder einer staatlich anerkannten 2. das Ziel, den Inhalt, die Art und
Bildungseinrichtung oder vor Dauer der Umschulung,
einem staatlichen Prüfungsaus- 3. die Anforderungen der Umschu-
schuss erfolgreich abgelegt hat lungsprüfung und ihre Zulas-
und sungsvoraussetzungen sowie
2. die Anmeldung zur Fortbildungs- 4. das Prüfungsverfahren der Um­
prüfung innerhalb von zehn schulung
Jahren nach der Bekanntgabe des unter Berücksichtigung der besonderen
Bestehens der Prüfung erfolgt. Erfordernisse der beruflichen Erwachse-
nenbildung bestimmen (Umschulungs-
§ 42i ordnung).
Das Bundesministerium für Wirtschaft
und Energie kann im Einvernehmen mit
dem Bundesministerium für Bildung
und Forschung nach Anhörung des
162 AUSBILDUNG & BERUF

§ 42k (2) Der Umschulende hat die Durch-


Soweit Rechtsverordnungen nach § 42j führung der beruflichen Umschu-
nicht erlassen sind, kann die Hand- lung unverzüglich vor Beginn der
werkskammer Umschulungsprüfungs- Maßnahme der Handwerkskammer
regelungen erlassen. Die Handwerks- schriftlich anzuzeigen. Die An-
kammer regelt die Bezeichnung des zeigepflicht erstreckt sich auf den
Umschulungsabschlusses, Ziel, Inhalt wesentlichen Inhalt des Umschu-
und Anforderungen der Prüfungen, lungsverhältnisses. Bei Abschluss
ihre Zulassungsvoraussetzungen sowie eines Umschulungsvertrages ist eine
das Prüfungsverfahren unter Berück- Ausfertigung der Vertragsnieder-
sichtigung der besonderen Erfordernisse schrift beizufügen.
beruflicher Erwachsenenbildung. (3) Für die Durchführung von Prüfun-
gen im Bereich der beruflichen Um-
§ 42l schulung errichtet die Handwerks-
Sofern sich die Umschulungsordnung kammer Prüfungsausschüsse. § 31
(§ 42j) oder eine Regelung der Hand- Abs. 2 und 3 sowie § 33 Absatz 3 und
werkskammer (§ 42k) auf die Um- die §§ 34 bis 35a, 37a und 38 gelten
schulung für einen anerkannten entsprechend.
Ausbildungsberuf (Gewerbe der Anlage (4) Der Prüfling ist auf Antrag von der
A oder der Anlage B) richtet, sind das Ablegung einzelner Prüfungsbe­
Ausbildungsberufsbild (§ 26 Abs. 1 Nr. 3), standteile durch die Handwerks­
der Ausbildungsrahmenplan (§ 26 Abs. 1 kammer zu befreien, wenn er eine
Nr. 4) und die Prüfungsanforderungen andere vergleichbare Prüfung vor
(§ 26 Abs. 1 Nr. 5) zugrunde zu legen. Die einer öffentlichen oder staatlich an-
§§ 21 bis 24 gelten entsprechend. erkannten Bildungseinrichtung oder
vor einem staatlichen Prüfungsaus-
§ 42m schuss erfolgreich abgelegt hat und
Sofern die Umschulungsordnung (§ 42j) die Anmeldung zur Umschulungs-
oder eine Regelung der Handwerkskam- prüfung innerhalb von zehn Jahren
mer (§ 42k) Zulassungsvoraussetzungen nach der Bekanntgabe des Bestehens
vorsieht, sind ausländische Bildungsab- der anderen Prüfung erfolgt.
schlüsse und Zeiten der Berufstätigkeit
im Ausland zu berücksichtigen. § 42o
Das Bundesministerium für Wirtschaft
§ 42n und Energie kann im Einvernehmen mit
(1) Maßnahmen der beruflichen Um- dem Bundesministerium für Bildung
schulung müssen nach Inhalt, Art, und Forschung nach Anhörung des
Ziel und Dauer den besonderen Hauptausschusses des Bundesinstituts
Erfordernissen der beruflichen Er- für Berufsbildung durch Rechtsverord-
wachsenenbildung entsprechen. nung außerhalb des Anwendungsbe-
reichs dieses Gesetzes oder im Ausland
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 163

erworbene Prüfungszeugnisse den § 42r


entsprechenden Zeugnissen über das (1) Für behinderte Menschen, für die
Bestehen einer Umschulungsprüfung wegen Art und Schwere ihrer Be-
auf der Grundlage der §§ 42j und 42k hinderung eine Ausbildung in einem
gleichstellen, wenn die in der Prüfung anerkannten Ausbildungsberuf
nachzuweisenden beruflichen Fertig- nicht in Betracht kommt, trifft die
keiten, Kenntnisse und Fähigkeiten Handwerkskammer auf Antrag der
gleichwertig sind. behinderten Menschen oder ihrer
gesetzlichen Vertreter Ausbildungs-
Siebenter Abschnitt regelungen entsprechend den Em­
Berufliche Bildung behinderter Men- pfehlungen des Hauptausschusses
schen, Berufsausbildungsvorbereitung des Bundesinstituts für Berufsbil-
dung. Die Ausbildungsinhalte sollen
§ 42p unter Berücksichtigung von Lage
Behinderte Menschen (§ 2 Abs. 1 Satz 1 und Entwicklung des allgemeinen
des Neunten Buches Sozialgesetzbuch) Arbeitsmarktes aus den Inhalten
sollen in anerkannten Ausbildungsberu- anerkannter Ausbildungsberufe
fen ausgebildet werden. entwickelt werden.
Im Antrag nach Satz 1 ist eine
§ 42q Ausbildungsmöglichkeit in dem
(1) Regelungen nach den §§ 38 und 41 angestrebten Ausbildungsgang nach-
sollen die besonderen Verhältnisse zuweisen.
behinderter Menschen berücksich- (2) § 42q Absatz 2 Satz 1 ist entspre-
tigen. Dies gilt insbesondere für die chend anzuwenden.
zeitliche und sachliche Gliederung
der Ausbildung, die Dauer von § 42s
Prüfungszeiten, die Zulassung von Für die berufliche Fortbildung und die
Hilfsmitteln und die Inanspruch- berufliche Umschulung behinderter
nahme von Hilfeleistungen Dritter, Menschen gelten die §§ 42p bis 42r ent-
wie Gebärdendolmetscher für hör- sprechend, soweit Art und Schwere der
behinderte Menschen. Behinderung dies erfordern.
(2) Der Berufsausbildungsvertrag mit
einem behinderten Menschen ist in § 42t
die Lehrlingsrolle (§ 28) einzutragen. (1) Die Berufsausbildungsvorbereitung
Der behinderte Mensch ist zur Gesel- richtet sich an lernbeeinträchtigte
lenprüfung auch zuzulassen, wenn oder sozial benachteiligte Personen,
die Voraussetzungen des § 36 Abs. 1 deren Entwicklungsstand eine er-
Nr. 2 und 3 nicht vorliegen. folgreiche Ausbildung in einem an-
erkannten Ausbildungsberuf (Gewer-
be der Anlage A oder der Anlage B)
noch nicht erwarten lässt. Sie muss
164 AUSBILDUNG & BERUF

nach Inhalt, Art, Ziel und Dauer den § 42v


besonderen Erfordernissen des in (1) Die nach Landesrecht zuständige Be-
Satz 1 genannten Personenkreises hörde hat die Berufsausbildungsvor-
entsprechen und durch umfassende bereitung zu untersagen, wenn die
sozialpädagogische Betreuung und Voraussetzungen des § 42t Absatz 1
Unterstützung begleitet werden. nicht vorliegen.
(2) Für die Berufsausbildungsvorberei- (2) Der Anbieter hat die Durchführung
tung, die nicht im Rahmen des Drit- von Maßnahmen der Berufsausbil-
ten Buches Sozialgesetzbuch oder dungsvorbereitung vor Beginn der
anderer vergleichbarer, öffentlich Maßnahme der Handwerkskammer
geförderter Maßnahmen durch- schriftlich anzuzeigen. Die Anzeige-
geführt wird, gelten die §§ 21 bis 24 pflicht erstreckt sich auf den wesent-
entsprechend. lichen Inhalt des Qualifizierungsver-
trages.
§ 42u (3) Die Absätze 1 und 2 sowie § 41a
(1) Die Vermittlung von Grundlagen für finden keine Anwendung, soweit
den Erwerb beruflicher Handlungs- die Berufsausbildungsvorbereitung
fähigkeit (§ 1 Abs. 2 des Berufs- im Rahmen des Dritten Buches
bildungsgesetzes) kann insbeson- Sozialgesetzbuch oder anderer
dere durch inhaltlich und zeitlich vergleichbarer, öffentlich geförderter
abgegrenzte Lerneinheiten erfolgen, Maßnahmen durchgeführt wird.
die aus den Inhalten anerkannter
Ausbildungsberufe (Gewerbe der An- Achter Abschnitt
lage A oder der Anlage B) entwickelt Berufsbildungsausschuß
werden (Qualifizierungsbausteine).
(2) Über vermittelte Grundlagen für den § 43
Erwerb beruflicher Handlungsfähig- (1) Die Handwerkskammer errichtet
keit stellt der Anbieter der Berufsaus- einen Berufsausbildungsausschuß.
bildungsvorbereitung eine Beschei- Ihm gehören sechs Arbeitgeber, sechs
nigung aus. Das Nähere regelt das Arbeitnehmer und sechs Lehrkräfte
Bundesministerium für Bildung und an berufsbildenden Schulen an, die
Forschung im Einvernehmen mit Lehrkräfte mit beratender Stimme.
dem Bundesministerium für Wirt- (2) Die Vertreter der Arbeitgeber werden
schaft und Energie nach Anhörung von der Gruppe der Arbeitgeber, die
des Hauptausschusses des Bundes- Vertreter der Arbeitnehmer von der
instituts für Berufsbildung durch Gruppe der Vertreter der Gesellen
Rechtsverordnung, die nicht der und der anderen Arbeitnehmer mit
Zustimmung des Bundesrates bedarf. einer abgeschlossenen Berufsaus-
bildung in der Vollversammlung
gewählt. Die Lehrkräfte an berufs-
bildenden Schulen werden von
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 165

der nach Landesrecht zuständigen 1. Erlass von Verwaltungsgrund-


Behörde als Mitglieder berufen. sätzen über die Eignung von
Die Amtszeit der Mitglieder beträgt Ausbildungs- und Umschu-
längstens fünf Jahre. lungsstätten, für das Führen
(3) § 34 Absatz 9 gilt entsprechend von Ausbildungsnachweisen
(4) Die Mitglieder können nach Anhören nach § 13 Satz 2 Nummer 7 des
der an ihrer Berufung Beteiligten aus Berufsbildungsgesetzes, für die
wichtigem Grund abberufen werden. Verkürzung der Ausbildungsdau-
(5) Die Mitglieder haben Stellvertreter, er, für die vorzeitige Zulassung
die bei Verhinderung der Mitglieder zur Gesellenprüfung, für die
an deren Stelle treten. Die Absätze 1 Durchführung der Prüfungen,
bis 4 gelten für die Stellvertreter ent- zur Durchführung von über- und
sprechend. außerbetrieblicher Ausbildung
(6) Der Berufsbildungsausschuß wählt sowie Verwaltungsrichtlinien zur
aus seiner Mitte einen Vorsitzenden beruflichen Bildung,
und dessen Stellvertreter. Der Vorsit- 2. Umsetzung der vom Landesaus-
zende und sein Stellvertreter sollen schuss für Berufsbildung (§ 82 des
nicht derselben Mitgliedergruppe Berufsbildungsgesetzes) empfoh-
angehören. lenen Maßnahmen,
3. wesentliche inhaltliche Ände-
§ 44 rungen des Ausbildungsvertrags­
(1) Der Berufsbildungsausschuß ist in musters.
allen wichtigen Angelegenheiten der (3) Wichtige Angelegenheiten, in denen
beruflichen Bildung zu unterrichten der Berufsbildungsausschuss zu
und zu hören. Er hat im Rahmen unterrichten ist, sind insbesondere:
seiner Aufgaben auf eine stetige 1. Zahl und Art der der Handwerks-
Entwicklung der Qualität der beruf- kammer angezeigten Maßnahmen
lichen Bildung hinzuwirken. der Berufsausbildungsvorberei-
(2) Wichtige Angelegenheiten, in denen tung und beruflichen Umschu-
der Berufsbildungsausschuss anzu- lung sowie der eingetragenen
hören ist, sind insbesondere: Berufsausbildungsverhältnisse,
2. Zahl und Ergebnisse von durchge-
führten Prüfungen sowie hierbei
gewonnene Erfahrungen,
3. Tätigkeit der Berater und Berate-
rinnen nach § 41a Abs. 1 Satz 2,
4. für den räumlichen und fach-
lichen Zuständigkeitsbereich
der Handwerkskammer neue
Formen, Inhalte und Methoden
der Berufsbildung,
166 AUSBILDUNG & BERUF

5. Stellungnahmen oder Vorschläge sammlung angenommen, wenn sie


der Handwerkskammer gegen- nicht mit einer Mehrheit von drei
über anderen Stellen und Behör- Vierteln der Mitglieder der Vollver-
den, soweit sie sich auf die Durch- sammlung in ihrer nächsten Sitzung
führung dieses Gesetzes oder geändert oder abgelehnt werden.
der auf Grund dieses Gesetzes Beschlüsse, zu deren Durchführung
erlassenen Rechtsvorschriften im die für Berufsbildung im laufenden
Bereich der beruflichen Bildung Haushalt vorgesehenen Mittel nicht
beziehen, ausreichen oder zu deren Durchfüh-
6. Bau eigener überbetrieblicher rung in folgenden Haushaltsjahren
Berufsbildungsstätten, Mittel bereitgestellt werden müssen,
7. Beschlüsse nach Absatz 5 sowie die die Ausgaben für Berufsbildung
beschlossene Haushaltsansätze des laufenden Haushalts nicht un-
zur Durchführung der Berufsbil- wesentlich übersteigen, bedürfen der
dung mit Ausnahme der Perso- Zustimmung der Vollversammlung.
nalkosten, (6) Abweichend von § 43 Abs. 1 haben
8. Verfahren zur Beilegung von die Lehrkräfte Stimmrecht bei Be-
Streitigkeiten aus Ausbildungs- schlüssen zu Angelegenheiten der
verhältnissen, Berufsausbildungsvorbereitung
9. Arbeitsmarktfragen, soweit sie die und Berufsausbildung, soweit sich
Berufsbildung im Zuständigkeits- die Beschlüsse unmittelbar auf die
bereich der Handwerkskammer Organisation der schulischen Berufs-
berühren. bildung (§ 2 Abs. 1 Nr. 2 des Berufs-
(4) Vor einer Beschlußfassung in bildungsgesetzes) auswirken.
der Vollversammlung über Vor-
schriften zur Durchführung der § 44a
Berufsbildung, insbesondere nach (1) Der Berufsbildungsausschuß ist
den §§ 41, 42, 42f und 42j bis 42l, beschlußfähig, wenn mehr als die
ist die Stellungnahme des Berufs- Hälfte seiner stimmberechtigten
bildungsausschusses einzuholen. Mitglieder anwesend ist. Er be-
Der Berufsbildungsausschuß kann schließt mit der Mehrheit der ab-
der Vollversammlung auch von sich gegebenen Stimmen.
aus Vorschläge für Vorschriften zur (2) Zur Wirksamkeit eines Beschlusses
Durchführung der Berufsbildung ist es erforderlich, daß der Gegen-
vorlegen. Die Stellungnahmen und stand bei der Einberufung des Aus-
Vorschläge des Berufsbildungsaus- schusses bezeichnet ist, es sei denn,
schusses sind zu begründen. daß er mit Zustimmung von zwei
(5) Die Vorschläge und Stellungnah- Dritteln der stimmberechtigten Mit-
men des Berufsbildungsausschusses glieder nachträglich auf die Tages-
gelten vorbehaltlich der Vorschrift ordnung gesetzt wird.
des Satzes 2 als von der Vollver-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 167

§ 44b (2) Durch die Meisterprüfung ist festzu-


Der Berufsbildungsausschuß gibt sich stellen, ob der Prüfling befähigt ist,
eine Geschäftsordnung. Sie kann die ein zulassungspflichtiges Handwerk
Bildung von Unterausschüssen vorsehen meisterhaft auszuüben und selb-
und bestimmen, daß ihnen nicht nur ständig zu führen sowie Lehrlinge
Mitglieder des Ausschusses angehören. ordnungsgemäß auszubilden. Wer
Für die Unterausschüsse gelten § 43 Abs. die Meisterprüfung bestanden hat,
2 bis 6 und § 44a entsprechend. hat damit auch den Fortbildungs-
abschluss Bachelor Professional
Dritter Teil erlangt.
Meisterprüfung, Meistertitel (3) Der Prüfling hat in vier selbständi-
gen Prüfungsteilen nachzuweisen,
Erster Abschnitt dass er wesentliche Tätigkeiten
Meisterprüfung in einem zulassungs- seines Handwerks meisterhaft ver-
pflichtigen Handwerk richten kann (Teil I), die erforder-
lichen fachtheoretischen Kenntnisse
§ 45 (Teil II), die erforderlichen betriebs-
(1) Als Grundlage für ein geordnetes wirtschaftlichen, kaufmännischen
und einheitliches Meisterprüfungs- und rechtlichen Kenntnisse (Teil III)
wesen für zulassungspflichtige sowie die erforderlichen berufs- und
Handwerke kann das Bundes- arbeitspädagogischen Kenntnisse
ministerium für Wirtschaft und (Teil IV) besitzt.
Energie im Einvernehmen mit dem (4) Bei der Prüfung in Teil I können
Bundesministerium für Bildung und in der Rechtsverordnung Schwer-
Forschung durch Rechtsverordnung, punkte gebildet werden. In dem
die nicht der Zustimmung des Bun- schwerpunktspezifischen Bereich
desrates bedarf, bestimmen, hat der Prüfling nachzuweisen, dass
1. welche Fertigkeiten und Kennt- er wesentliche Tätigkeiten in dem
nisse in den einzelnen zulas- von ihm gewählten Schwerpunkt
sungspflichtigen Handwerken meisterhaft verrichten kann. Für
zum Zwecke der Meisterprüfung den schwerpunktübergreifenden
zu berücksichtigen (Meisterprü- Bereich sind die Grundfertigkeiten
fungsberufsbild A) und Grundkenntnisse nachzuweisen,
2. welche Anforderungen in der die die fachgerechte Ausübung auch
Meisterprüfung zu stellen sind dieser Tätigkeiten ermöglichen.
und
3. welche handwerksspezifischen § 46
Verfahrensregelungen in der (1) Der Prüfling ist von der Ablegung
Meisterprüfung gelten. einzelner Teile der Meisterprüfung
befreit, wenn er eine dem jeweiligen
Teil der Meisterprüfung vergleich-
168 AUSBILDUNG & BERUF

bare Prüfung auf Grund einer nach erkannten Bildungseinrichtung oder


§ 42 oder § 51a Abs. 1 in Verbindung vor einem staatlichen Prüfungsaus-
mit Abs. 2 dieses Gesetzes oder § 53 schuss erfolgreich abgelegt hat.
des Berufsbildungsgesetzes erlas- (4) Der Meisterprüfungsausschuss ent-
senen Rechtsverordnung oder eine scheidet auf Antrag des Prüflings
andere vergleichbare Prüfung vor auch über Befreiungen auf Grund
einer öffentlichen oder staatlich an- ausländischer Bildungsabschlüsse.
erkannten Bildungseinrichtung oder
vor einem staatlichen Prüfungsaus- § 47
schuss erfolgreich abgelegt hat. Er ist (1) Die Meisterprüfung wird durch
von der Ablegung der Teile III und IV Meisterprüfungsausschüsse ab-
befreit, wenn er die Meisterprüfung genommen. Für die Handwerke
in einem anderen zulassungspflichti- werden Meisterprüfungsausschüsse
gen oder zulassungsfreien Handwerk als staatliche Prüfungsbehörden am
oder in einem handwerksähnlichen Sitz der Handwerkskammer für ihren
Gewerbe bestanden hat. Bezirk errichtet. Die oberste Landes-
(2) Prüflinge, die andere deutsche behörde kann in besonderen Fällen
staatliche oder staatlich anerkann- die Errichtung eines Meisterprü-
te Prüfungen mit Erfolg abgelegt fungsausschusses für mehrere Hand-
haben, sind auf Antrag durch den werkskammerbezirke anordnen und
Meisterprüfungsausschuss von ein- hiermit die für den Sitz des Meister-
zelnen Teilen der Meisterprüfung zu prüfungsausschusses zuständige
befreien, wenn bei diesen Prüfungen höhere Verwaltungsbehörde beauf-
mindestens die gleichen Anforde- tragen. Soll der Meisterprüfungsaus-
rungen gestellt werden wie in der schuß für Handwerkskammerbezirke
Meisterprüfung. Der Abschlussprü- mehrerer Länder zuständig sein, so
fung an einer deutschen Hochschule bedarf es hierfür des Einvernehmens
gleichgestellt sind Diplome nach § 7 der beteiligten obersten Landes-
Abs. 2 Satz 4. behörden. Die Landesregierungen
(3) Der Prüfling ist auf Antrag von der werden ermächtigt, durch Rechts-
Ablegung der Prüfung in gleicharti- verordnung zu bestimmen, daß
gen Prüfungsbereichen, Prüfungsfä- abweichend von Satz 3 an Stelle der
chern oder Handlungsfeldern durch obersten Landesbehörde die höhere
den Meisterprüfungsausschuss zu Verwaltungsbehörde zuständig ist.
befreien, wenn er die Meisterprüfung Sie können diese Ermächtigung auf
in einem anderen zulassungspflichti- oberste Landesbehörden übertragen.
gen oder zulassungsfreien Hand- (2) Die höhere Verwaltungsbehörde
werk oder handwerksähnlichen errichtet die Meisterprüfungsaus-
Gewerbe bestanden hat oder eine schüsse nach Anhörung der Hand-
andere vergleichbare Prüfung vor werkskammer und ernennt auf
einer öffentlichen oder staatlich an- Grund ihrer Vorschläge die Mitglie-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 169

der und die Stellvertreter für längs- sowie in den kaufmännischen, recht-
tens fünf Jahre. Die Geschäftsfüh- lichen und berufserzieherischen
rung der Meisterprüfungsausschüsse Kenntnissen soll ein Beisitzer bestellt
liegt bei der Handwerkskammer. werden, der in diesen Prüfungsge-
bieten besonders sachkundig ist und
§ 48 dem Handwerk nicht anzugehören
(1) Der Meisterprüfungsausschuß be- braucht.
steht aus fünf Mitgliedern; für die (6) § 34 Absatz 6 Satz 1 und Absatz 9 ist
Mitglieder sind Stellvertreter zu beru- entsprechend anzuwenden.
fen. Die Mitglieder und die Stellver-
treter sollen das vierundzwanzigste § 49
Lebensjahr vollendet haben. (1) Zur Meisterprüfung ist zuzulassen,
(2) Der Vorsitzende braucht nicht wer eine Gesellenprüfung in dem
in einem zulassungspflichtigen zulassungspflichtigen Handwerk,
Handwerk tätig zu sein; er soll dem in dem er die Meisterprüfung ab-
zulassungspflichtigen Handwerk, für legen will, oder in einem damit
welches der Meisterprüfungsaus- verwandten zulassungspflichtigen
schuss errichtet ist, nicht angehören. Handwerk oder eine entsprechende
(3) Zwei Beisitzer müssen das Handwerk, Abschlussprüfung in einem aner-
für das der Meisterprüfungsausschuß kannten Ausbildungsberuf oder eine
errichtet ist, mindestens seit einem Prüfung auf Grund einer nach § 45
Jahr selbständig als stehendes Gewer- oder § 51a Abs. 1 in Verbindung mit
be betreiben und in diesem Hand- Abs. 2 erlassenen Rechtsverordnung
werk die Meisterprüfung abgelegt bestanden hat oder eine Gleichwer-
haben oder das Recht zum Ausbilden tigkeitsfeststellung nach § 40a für
von Lehrlingen besitzen oder in dem das entsprechende zulassungs-
zulassungspflichtigen Handwerk als pflichtige Handwerk oder für ein
Betriebsleiter, die in ihrer Person die verwandtes zulassungspflichtiges
Voraussetzungen zur Eintragung in Handwerk besitzt.
die Handwerksrolle erfüllen, tätig (2) Zur Meisterprüfung ist auch zuzu-
sein. lassen, wer eine andere Gesellen-
(4) Ein Beisitzer soll ein Geselle sein, prüfung oder eine andere Abschluss-
der in dem zulassungspflichtigen prüfung in einem anerkannten
Handwerk, für das der Meister- Ausbildungsberuf bestanden hat
prüfungsausschuß errichtet ist, die und in dem zulassungspflichtigen
Meisterprüfung abgelegt hat oder das Handwerk, in dem er die Meisterprü-
Recht zum Ausbilden von Lehrlingen fung ablegen will, eine mehrjährige
besitzt und in dem betreffenden zu- Berufstätigkeit ausgeübt hat. Für die
lassungspflichtigen Handwerk tätig ist. Zeit der Berufstätigkeit dürfen nicht
(5) Für die Abnahme der Prüfung in der mehr als drei Jahre gefordert werden.
wirtschaftlichen Betriebsführung Ferner ist der erfolgreiche Abschluss
170 AUSBILDUNG & BERUF

einer Fachschule bei einjährigen (5) Die Zulassung wird vom Vorsitzen-
Fachschulen mit einem Jahr, bei den des Meisterprüfungsausschusses
mehrjährigen Fachschulen mit zwei ausgesprochen. Hält der Vorsitzende
Jahren auf die Berufstätigkeit anzu- die Zulassungsvoraussetzungen
rechnen. nicht für gegeben, so entscheidet der
(3) Ist der Prüfling in dem zulassungs- Prüfungsausschuß.
pflichtigen Handwerk, in dem er
die Meisterprüfung ablegen will, § 50
selbständig, als Werkmeister oder (1) Die durch die Abnahme der Meister-
in ähnlicher Stellung tätig gewesen, prüfung entstehenden Kosten trägt
oder weist er eine der Gesellentätig­ die Handwerkskammer. Das Zulas-
keit gleichwertige praktische sungsverfahren sowie das allgemeine
Tätigkeit nach, so ist die Zeit dieser Prüfungsverfahren werden durch
Tätigkeit anzurechnen. eine von der Handwerkskammer mit
(4) Die Handwerkskammer kann auf Genehmigung der obersten Landes-
Antrag behörde zu erlassende Meisterprü-
1. eine auf drei Jahre festgesetzte fungsordnung geregelt.
Dauer der Berufstätigkeit unter (2) Das Bundesministerium für Wirt-
besonderer Berücksichtigung der schaft und Energie wird ermäch-
in der Gesellen- oder Abschluss- tigt, durch Rechtsverordnung mit
prüfung und während der Zeit Zustimmung des Bundesrates
der Berufstätigkeit nachgewie- Vorschriften über das Zulassungs-
senen beruflichen Befähigung verfahren sowie das allgemeine Prü-
abkürzen, fungsverfahren nach Absatz 1 Satz 2
2. in Ausnahmefällen von den Vor- zu erlassen. Die Rechtsverordnung
aussetzungen der Absätze 1 bis 4 kann insbesondere die Zulassung
ganz oder teilweise befreien, zur Prüfung, das Bewertungssystem,
3. unter Berücksichtigung aus- die Erteilung der Prüfungszeugnisse,
ländischer Bildungsabschlüsse die Folgen von Verstößen gegen die
und Zeiten der Berufstätigkeit im Prüfungsvorschriften und die Wie-
Ausland von den Voraussetzun- derholungsprüfung regeln.
gen der Absätze 1 bis 4 ganz oder
teilweise befreien. § 50a
Die Handwerkskammer kann eine Das Bundesministerium für Wirtschaft
Stellungnahme des Meisterprü- und Energie kann im Einvernehmen mit
fungsausschusses einholen. dem Bundesministerium für Bildung
und Forschung durch Rechtsverordnung
mit Zustimmung des Bundesrates im
Ausland erworbene Prüfungszeugnisse
den entsprechenden Zeugnissen über
das Bestehen einer deutschen Meis-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 171

terprüfung in zulassungspflichtigen 2. die Antragstellerin oder der An-


Handwerken gleichstellen, wenn an den tragsteller im Ausbildungsstaat
Bildungsgang und in den Prüfungen zur Ausübung des zu betrei-
gleichwertige Anforderungen gestellt benden zulassungspflichtigen
werden. Die Vorschriften des Bundesver- Handwerks berechtigt ist oder die
triebenengesetzes bleiben unberührt. Berechtigung zur Ausübung des
zu betreibenden Handwerks aus
§ 50b Gründen verwehrt wurde, die der
(1) Die Gleichwertigkeit ist festzustellen, Ausübung im Inland nicht ent-
1. wenn die Antragstellerin oder der gegenstehen, und
Antragsteller einen Ausbildungs- 3. zwischen der nachgewiesenen
nachweis besitzt, der im Ausland Befähigung und der Meister-
erworben wurde, und prüfung in dem zu betreibenden
2. dieser Ausbildungsnachweis – zulassungspflichtigen Handwerk
soweit erforderlich – unter Be- keine wesentlichen Unterschiede
rücksichtigung sonstiger Befä- bestehen.
higungsnachweise der Meister- (3) Wesentliche Unterschiede zwischen
prüfung in dem zu betreibenden der nachgewiesenen Befähigung und
zulassungspflichtigen Handwerk der entsprechenden Meisterprüfung
gleichwertig ist. liegen vor, sofern
Ausbildungsnachweise sind Prü- 1. sich der im Ausland erworbene
fungszeugnisse und sonstige Ausbildungsnachweis auf Fertig-
Befähigungsnachweise, die von keiten und Kenntnisse bezieht,
verantwortlichen Stellen für den Ab- die sich wesentlich von den
schluss einer erfolgreich absolvierten Fertigkeiten und Kenntnissen der
Berufsbildung ausgestellt werden. entsprechenden Meisterprüfung
(2) Ein Ausbildungsnachweis – soweit unterscheiden; dabei sind Inhalt
erforderlich – unter Berücksichtigung und Dauer der Ausbildung zu be-
sonstiger Befähigungsnachweise ist rücksichtigen,
als gleichwertig anzusehen, sofern 2. die entsprechenden Fertigkei-
1. der im Ausland erworbene Aus- ten und Kenntnisse maßgeblich
bildungsnachweis, bezogen auf für die Ausübung zumindest
die Meisterprüfung, in dem zu einer wesentlichen Tätigkeit des
betreibenden zulassungspflichti- zulassungs­pflichtigen Handwerks
gen Handwerk die Befähigung zu sind und
vergleichbaren beruflichen Tätig- 3. die Antragstellerin oder der An-
keiten belegt, tragsteller diese Unterschiede
nicht durch sonstige Befähi-
gungsnachweise oder nachgewie-
sene einschlägige Berufserfah-
rung ausgeglichen hat.
172 AUSBILDUNG & BERUF

(4) Kann die Antragstellerin oder der (6) § 8 Absatz 2 und 3 Satz 2 und 3 gilt
Antragsteller die für die Feststellung entsprechend. Im Übrigen sind
der Gleichwertigkeit erforderlichen die Vorschriften des Berufsquali-
Nachweise nicht oder nur teilweise fikationsfeststellungsgesetzes über
vorlegen, bestehen Zweifel an der reglementierte Berufe sowie § 17
Echtheit oder Richtigkeit der Nach- anzuwenden.
weise oder sind diese inhaltlich nicht
ausreichend, kann die Handwerks- § 51
kammer, insbesondere in Fällen, in (1) Die Ausbildungsbezeichnung
denen bei der Gleichwertigkeitsfest- Meister/Meisterin in Verbindung
stellung Berufserfahrung herange- mit einem zulassungspflichtigen
zogen wird, die für einen Vergleich Handwerk oder in Verbindung mit
mit der Meisterprüfung in dem zu einer anderen Ausbildungsbezeich-
betreibenden zulassungspflichtigen nung, die auf eine Tätigkeit in einem
Handwerk relevanten beruflichen oder mehreren zulassungspflichti-
Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähig- gen Handwerken hinweist, darf nur
keiten der Antragstellerin oder des führen, wer für dieses zulassungs-
Antragstellers im Rahmen geeigneter pflichtige Handwerk oder für diese
Verfahren feststellen. Geeignete Ver- zulassungspflichtigen Handwerke
fahren sind insbesondere Arbeitspro- die Meisterprüfung bestanden hat.
ben, Fachgespräche sowie praktische (2) Wer eine Ausbildungsbezeichnung
und theoretische Prüfungen. nach Absatz 1 führen darf, darf zu-
(5) Sofern die Gleichwertigkeit wegen sätzlich die Bezeichnung „Bachelor
wesentlicher Unterschiede zu der Professional in“ unter Angabe des
entsprechenden Meisterprüfung Handwerks führen, für das er eine
nicht festgestellt werden kann, kann Ausbildungsbezeichnung nach Ab-
die Handwerkskammer zur Fest- satz 1 zu führen berechtigt ist.
stellung der Gleichwertigkeit die
Teilnahme an einem Anpassungs- Zweiter Abschnitt
lehrgang, der Gegenstand einer Be- Meisterprüfung in einem zulassungs­
wertung ist, oder das Ablegen einer freien Handwerk oder in einem hand-
Eignungsprüfung verlangen. Ver- werksähnlichen Gewerbe
langt die Handwerkskammer eine
Eignungsprüfung, soll sie ermögli- § 51a
chen, dass diese innerhalb von sechs (1) Für zulassungsfreie Handwerke oder
Monaten abgelegt werden kann. handwerksähnliche Gewerbe, für
die eine Ausbildungsordnung nach
§ 25 dieses Gesetzes oder nach § 4
des Berufsbildungsgesetzes erlassen
worden ist, kann eine Meisterprü-
fung abgelegt werden.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 173

(2) Als Grundlage für ein geordnetes arbeitspädagogischen Kenntnisse


und einheitliches Meisterprüfungs- (Teil IV) besitzt. § 45 Absatz 2 Satz 2
wesen für Handwerke oder Gewerbe ist entsprechend anzuwenden.
im Sinne des Absatzes 1 kann das (4) Zum Nachweis der Fertigkeiten und
Bundesministerium für Wirtschaft Kenntnisse führt die Handwerks-
und Energie im Einvernehmen mit kammer Prüfungen durch und
dem Bundesministerium für Bildung errichtet zu diesem Zweck Prüfungs-
und Forschung durch Rechtsverord- ausschüsse. Die durch die Abnahme
nung, die nicht der Zustimmung des der Meisterprüfung entstehenden
Bundesrates bedarf, bestimmen, Kosten trägt die Handwerkskammer.
1. welche Fertigkeiten und Kennt- (5) Zur Prüfung ist zuzulassen, wer eine
nisse in den einzelnen zulas- Gesellenprüfung oder eine Ab-
sungsfreien Handwerken oder schlussprüfung in einem anerkann-
handwerksähnlichen Gewerben ten Ausbildungsberuf bestanden
zum Zwecke der Meisterprüfung hat oder eine Gleichwertigkeits-
zu berücksichtigen sind (Meister- feststellung nach § 40a besitzt. Die
prüfungsberufsbild B), Handwerkskammer kann auf Antrag
2. welche Anforderungen in der in Ausnahmefällen von der Zulas-
Meisterprüfung zu stellen sind sungsvoraussetzung befreien. Für die
und Ablegung des Teils III der Meister-
3. welche handwerks- und gewerbe- prüfung entfällt die Zulassungsvor-
spezifischen Verfahrensregelun- aussetzung.
gen in der Meisterprüfung gelten. (6) Für Befreiungen gilt § 46 entspre-
(3) Durch die Meisterprüfung ist chend.
festzustellen, ob der Prüfling eine (7) Das Bundesministerium für Wirt-
besondere Befähigung in einem schaft und Energie kann durch
zulassungsfreien Handwerk oder Rechtsverordnung mit Zustimmung
in einem handwerksähnlichen Ge- des Bundesrates Vorschriften über
werbe erworben hat und Lehrlinge das Zulassungsverfahren sowie das
ordnungsgemäß ausbilden kann. Zu allgemeine Prüfungsverfahren er-
diesem Zweck hat der Prüfling in lassen. Die Rechtsverordnung kann
vier selbständigen Prüfungsteilen insbesondere die Zulassung zur
nachzuweisen, dass er Tätigkeiten Prüfung, das Bewertungssystem, die
seines zulassungsfreien Handwerks Erteilung der Prüfungszeugnisse, die
oder seines handwerksähnlichen Ge- Folgen von Verstößen gegen die Prü-
werbes meisterhaft verrichten kann fungsvorschriften und die Wieder-
(Teil I), besondere fachtheoretische holungsprüfung regeln.
Kenntnisse (Teil II), besondere be-
triebswirtschaftliche, kaufmännische
und rechtliche Kenntnisse (Teil III)
sowie die erforderlichen berufs- und
174 AUSBILDUNG & BERUF

§ 51b (6) Für die Abnahme der Prüfung der


(1) Die Handwerkskammer errichtet an betriebswirtschaftlichen, kaufmän-
ihrem Sitz für ihren Bezirk Meister- nischen und rechtlichen Kenntnisse
prüfungsausschüsse. Mehrere Hand- sowie der berufs- und arbeitspä-
werkskammern können bei einer dagogischen Kenntnisse soll ein
von ihnen gemeinsame Meisterprü- Beisitzer bestellt werden, der in
fungsausschüsse errichten. diesen Prüfungsgebieten besonders
(2) Der Meisterprüfungsausschuss be- sachkundig ist und einem zulas-
steht aus fünf Mitgliedern; für die sungsfreien Handwerk oder einem
Mitglieder sind Stellvertreter zu be- handwerksähnlichen Gewerbe nicht
rufen. Sie werden für längstens fünf anzugehören braucht.
Jahre ernannt. (7) § 34 Absatz 6 Satz 1 und Absatz 9 ist
(3) Der Vorsitzende braucht nicht in entsprechend anzuwenden.
einem zulassungsfreien Handwerk
oder einem handwerksähnlichen § 51c
Gewerbe tätig zu sein; er soll dem Das Bundesministerium für Wirtschaft
zulassungsfreien Handwerk oder und Energie kann im Einvernehmen mit
dem handwerksähnlichen Gewerbe, dem Bundesministerium für Bildung
für welches der Meisterprüfungsaus- und Forschung durch Rechtsverordnung
schuss errichtet ist, nicht angehören. mit Zustimmung des Bundesrates im
(4) Zwei Beisitzer müssen das zulassungs- Ausland erworbene Prüfungszeugnisse
freie Handwerk oder das handwerks- den entsprechenden Zeugnissen über
ähnliche Gewerbe, für das der Meis- das Bestehen einer deutschen Meister-
terprüfungsausschuss errichtet ist, prüfung in einem zulassungsfreien
mindestens seit einem Jahr selbstän- Handwerk oder handwerksähnlichen
dig als stehendes Gewerbe betreiben Gewerbe gleichstellen, wenn an den
und in diesem zulassungsfreien Hand- Bildungsgang und in den Prüfungen
werk oder in diesem handwerksähn- gleichwertige Anforderungen gestellt
lichen Gewerbe die Meisterprüfung werden. Die Vorschriften des Bundesver-
abgelegt haben oder das Recht zum triebenengesetzes bleiben unberührt.
Ausbilden von Lehrlingen besitzen.
(5) Ein Beisitzer soll ein Geselle sein, § 51d
der in dem zulassungsfreien Hand- Die Ausbildungsbezeichnung Meister/
werk oder in dem handwerks- Meisterin in Verbindung mit einem
ähnlichen Gewerbe, für das der zulassungsfreien Handwerk oder hand-
Meisterprüfungs­ausschuss errichtet werksähnlichen Gewerbe darf nur füh-
ist, die Mei­sterprüfung abgelegt ren, wer die Prüfung nach § 51a Abs. 3
hat oder das Recht zum Ausbilden in diesem Handwerk oder Gewerbe
von Lehrlingen besitzt und in dem bestanden hat. § 51 Absatz 2 ist entspre-
betreffenden zulassungsfreien Hand- chend anzuwenden.
werk oder handwerksähnlichen
Gewerbe tätig ist.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 175

§ 51e die Mitglieder an dem Leben und


Im Fall der Gleichwertigkeit eines im den Einrichtungen der Handwerks-
Ausland erworbenen Ausbildungsnach- innung teilnehmen können. Der In-
weises mit der Meisterprüfung ist die nungsbezirk hat sich mindestens mit
Gleichwertigkeit festzustellen. § 50b gilt dem Gebiet einer kreisfreien Stadt
entsprechend. oder eines Landkreises zu decken.
Die Handwerkskammer kann unter
Vierter Teil den Voraussetzungen des Satzes 1
Organisation des Handwerks eine andere Abgrenzung zulassen.
(3) Der Innungsbezirk soll sich nicht
Erster Abschnitt über den Bezirk einer Handwerks-
Handwerksinnungen kammer hinaus erstrecken. Soll der
Innungsbezirk über den Bezirk einer
§ 52 Handwerkskammer hinaus erstreckt
(1) Inhaber von Betrieben des gleichen werden, so bedarf die Bezirksabgren-
zulassungspflichtigen Handwerks zung der Genehmigung durch die
oder des gleichen zulassungsfrei- oberste Landesbehörde. Soll sich der
en Handwerks oder des gleichen Innungsbezirk auch auf ein anderes
handwerksähnlichen Gewerbes oder Land erstrecken, so kann die Geneh-
solcher Handwerke oder handwerks- migung nur im Einvernehmen mit
ähnlicher Gewerbe, die sich fachlich den beteiligten obersten Landesbe-
oder wirtschaftlich nahestehen, hörden erteilt werden.
können zur Förderung ihrer ge-
meinsamen gewerblichen Interessen § 53
innerhalb eines bestimmten Bezirks Die Handwerksinnung ist eine Körper-
zu einer Handwerksinnung zusam- schaft des öffentlichen Rechts. Sie wird
mentreten. Voraussetzung ist, dass mit Genehmigung der Satzung rechts-
für das jeweilige Gewerbe eine Aus- fähig.
bildungsordnung erlassen worden
ist. Für jedes Gewerbe kann in dem § 54
gleichen Bezirk nur eine Handwerks- (1) Aufgabe der Handwerksinnung ist,
innung gebildet werden; sie ist allein die gemeinsamen gewerblichen In-
berechtigt, die Bezeichnung Innung teressen ihrer Mitglieder zu fördern.
in Verbindung mit dem Gewerbe zu Insbesondere hat sie
führen, für das sie errichtet ist. 1. den Gemeingeist und die Berufs-
(2) Der Innungsbezirk soll unter Be- ehre zu pflegen,
rücksichtigung einheitlicher Wirt- 2. ein gutes Verhältnis zwischen
schaftsgebiete so abgegrenzt sein, Meistern, Gesellen und Lehrlin-
daß die Zahl der Innungsmitglieder gen anzustreben,
ausreicht, um die Handwerksinnung
leistungsfähig zu gestalten, und daß
176 AUSBILDUNG & BERUF

3. entsprechend den Vorschriften der Betriebsführung schaffen und


der Handwerkskammer die Lehr- fördern,
lingsausbildung zu regeln und zu 2. bei der Vergebung öffentlicher
überwachen sowie für die beruf- Lieferungen und Leistungen die
liche Ausbildung der Lehrlinge Vergebungsstellen beraten,
zu sorgen und ihre charakterliche 3. das handwerkliche Pressewesen
Entwicklung zu fördern, unterstützen.
4. die Gesellenprüfungen abzu- (3) Die Handwerksinnung kann
nehmen und hierfür Gesellen- 1. Tarifverträge abschließen, soweit
prüfungsausschüsse zu errichten, und solange solche Verträge nicht
sofern sie von der Handwerks- durch den Innungsverband für
kammer dazu ermächtigt ist, den Bereich der Handwerksin-
5. das handwerkliche Können der nung geschlossen sind,
Meister und Gesellen zu fördern; 2. für ihre Mitglieder und deren An-
zu diesem Zweck kann sie ins- gehörige Unterstützungskassen
besondere Fachschulen errichten für Fälle der Krankheit, des Todes,
oder unterstützen und Lehrgänge der Arbeitsunfähigkeit oder sons-
veranstalten, tiger Bedürftigkeit errichten,
6. bei der Verwaltung der Berufs- 3. bei Streitigkeiten zwischen den
schulen gemäß den bundes- und Innungsmitgliedern und ihren
landesrechtlichen Bestimmungen Auftraggebern auf Antrag ver­
mitzuwirken, mitteln.
7. das Genossenschaftswesen im (4) Die Handwerksinnung kann auch
Handwerk zu fördern, sonstige Maßnahmen zur Förderung
8. über Angelegenheiten der in ihr der gemeinsamen gewerblichen
vertretenen Handwerke den Be- Interessen der Innungsmitglieder
hörden Gutachten und Auskünfte durchführen.
zu erstatten, (5) Die Errichtung und die Rechtsver-
9. die sonstigen handwerklichen Or- hältnisse der Innungskrankenkas-
ganisationen und Einrichtungen sen richten sich nach den hierfür
in der Erfüllung ihrer Aufgaben geltenden bundesrechtlichen Be-
zu unterstützen, stimmungen.
10. die von der Handwerkskammer
innerhalb ihrer Zuständigkeit § 55
erlassenen Vorschriften und An- (1) Die Aufgaben der Handwerksinnung,
ordnungen durchzuführen. ihre Verwaltung und die Rechtsver-
(2) Die Handwerksinnung soll hältnisse ihrer Mitglieder sind, soweit
1. zwecks Erhöhung der Wirt- gesetzlich nichts darüber bestimmt
schaftlichkeit der Betriebe ihrer ist, durch die Satzung zu regeln.
Mitglieder Einrichtungen zur Ver-
besserung der Arbeitsweise und
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 177

(2) Die Satzung muß Bestimmungen (2) Die Genehmigung ist zu versagen,
enthalten über wenn
1. den Namen, den Sitz und den Be- 1. die Satzung den gesetzlichen Vor-
zirk der Handwerksinnung sowie schriften nicht entspricht,
die Handwerke, für welche die 2. die durch die Satzung vorgese-
Handwerksinnung errichtet ist, hene Begrenzung des Innungs-
2. die Aufgaben der Handwerksin- bezirks die nach § 52 Abs. 3 Satz 2
nung, erforderliche Genehmigung nicht
3. den Eintritt, den Austritt und den erhalten hat.
Ausschluß der Mitglieder,
4. die Rechte und Pflichten der § 57
Mitglieder sowie die Bemessungs- (1) Soll in der Handwerksinnung eine
grundlage für die Erhebung der Einrichtung der im § 54 Abs. 3 Nr. 2
Mitgliedsbeiträge, vorgesehenen Art getroffen wer-
5. die Einberufung der Innungsver- den, so sind die dafür erforderlichen
sammlung, das Stimmrecht in ihr Bestimmungen in Nebensatzungen
und die Art der Beschlußfassung, zusammenzufassen. Diese bedürfen
6. die Bildung des Vorstands, der Genehmigung der Handwerks-
7. die Bildung des Gesellenaus- kammer des Bezirks, in dem die
schusses, Handwerksinnung ihren Sitz hat.
8. die Beurkundung der Beschlüsse (2) Über die Einnahmen und Ausgaben
der Innungsversammlung und solcher Einrichtungen ist getrennt
des Vorstands, Rechnung zu führen und das hierfür
9. die Aufstellung des Haushalts- bestimmte Vermögen gesondert
plans sowie die Aufstellung und von dem Innungsvermögen zu
Prüfung der Jahresrechnung, verwalten. Das getrennt verwaltete
10. die Voraussetzungen für die Vermögen darf für andere Zwecke
Änderung der Satzung und für die nicht verwandt werden. Die Gläubi-
Auflösung der Handwerksinnung ger haben das Recht auf gesonderte
sowie den Erlaß und die Ände- Befriedigung aus diesem Vermögen.
rung der Nebensatzungen,
11. die Verwendung des bei der Auf- § 58
lösung der Handwerksinnung (1) Mitglied bei der Handwerksinnung
verbleibenden Vermögens. kann jeder Inhaber eines Betriebs
eines Handwerks oder eines hand-
§ 56 werksähnlichen Gewerbes werden,
(1) Die Satzung der Handwerksinnung der das Gewerbe ausübt, für welches
bedarf der Genehmigung durch die die Handwerksinnung gebildet ist.
Handwerkskammer des Bezirks, in Die Handwerksinnung kann durch
dem die Handwerksinnung ihren Satzung im Rahmen ihrer örtlichen
Sitz nimmt. Zuständigkeit bestimmen, dass
178 AUSBILDUNG & BERUF

Gewerbetreibende, die ein dem Ge- § 61


werbe, für welches die Handwerks- (1) Die Innungsversammlung beschließt
innung gebildet ist, fachlich oder über alle Angelegenheiten der Hand-
wirtschaftlich nahestehendes hand- werksinnung, soweit sie nicht vom
werksähnliches Gewerbe ausüben, Vorstand oder den Ausschüssen
für das keine Ausbildungsordnung wahrzunehmen sind. Die Innungs-
erlassen worden ist, Mitglied der versammlung besteht aus den Mit-
Handwerksinnung werden können. gliedern der Handwerksinnung. Die
(2) Übt der Inhaber eines Betriebs eines Satzung kann bestimmen, daß die
Handwerks oder eines handwerks- Innungsversammlung aus Vertretern
ähnlichen Gewerbes mehrere Ge- besteht, die von den Mitgliedern
werbe aus, so kann er allen für diese der Handwerksinnung aus ihrer
Gewerbe gebildeten Handwerksin- Mitte gewählt werden (Vertreterver-
nungen angehören. sammlung); es kann auch bestimmt
(3) Dem Inhaber eines Betriebs eines werden, daß nur einzelne Obliegen-
Handwerks oder eines handwerks- heiten der Innungsversammlung
ähnlichen Gewerbes, das den durch eine Vertreterversammlung
gesetzlichen und satzungsmäßigen wahrgenommen werden.
Vorschriften entspricht, darf der Ein- (2) Der Innungsversammlung obliegt im
tritt in die Handwerksinnung nicht besonderen
versagt werden. 1. die Feststellung des Haushalts-
(4) Von der Erfüllung der gesetzlichen plans und die Bewilligung von
und satzungsmäßigen Bedingungen Ausgaben, die im Haushaltsplan
kann zugunsten einzelner nicht ab- nicht vorgesehen sind;
gesehen werden. 2. die Beschlußfassung über die
Höhe der Innungsbeiträge und
§ 59 über die Festsetzung von Gebüh-
Die Handwerksinnung kann Gastmit- ren; Gebühren können auch von
glieder aufnehmen, die dem Handwerk, Nichtmitgliedern, die Tätigkeiten
für das die Innung gebildet ist, beruflich oder Einrichtungen der Innung
oder wirtschaftlich nahestehen. Ihre in Anspruch nehmen, erhoben
Rechte und Pflichten sind in der Satzung werden;
zu regeln. An der Innungsversammlung 3. die Prüfung und Abnahme der
nehmen sie mit beratender Stimme teil. Jahresrechnung;
4. die Wahl des Vorstands und derje-
§ 60 nigen Mitglieder der Ausschüsse,
Die Organe der Handwerksinnung sind die der Zahl der Innungsmitglie-
1. die Innungsversammlung, der zu entnehmen sind;
2. der Vorstand, 5. die Einsetzung besonderer Aus-
3. die Ausschüsse. schüsse zur Vorbereitung einzel-
ner Angelegenheiten;
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 179

6. der Erlaß von Vorschriften über nachträglich auf die Tagesordnung


die Lehrlingsausbildung (§ 54 gesetzt wird, sofern es sich nicht um
Abs. 1 Nr. 3); einen Beschluß über eine Satzungs-
7. die Beschlußfassung über änderung oder Auflösung der Hand-
a) den Erwerb, die Veräußerung werksinnung handelt.
oder die dingliche Belastung (2) Beschlüsse der Innungsversamm-
von Grundeigentum, lung werden mit einfacher Mehrheit
b) die Veräußerung von Gegen- der erschienenen Mitglieder gefaßt.
ständen, die einen geschicht- Zu Beschlüssen über Änderungen
lichen, wissenschaftlichen oder der Satzung der Handwerksinnung
Kunstwert haben, ist eine Mehrheit von drei Vierteln
c) die Ermächtigung zur Aufnah- der erschienenen Mitglieder erfor-
me von Krediten, derlich. Der Beschluß auf Auflösung
d) den Abschluß von Verträgen, der Handwerksinnung kann nur
durch welche der Handwerks- mit einer Mehrheit von drei Vierteln
innung fortlaufende Ver- der stimmberechtigten Mitglieder
pflichtungen auferlegt werden, gefaßt werden. Sind in der ersten In-
mit Ausnahme der laufenden nungsversammlung drei Viertel der
Geschäfte der Verwaltung, Stimmberechtigten nicht erschienen,
e) die Anlegung des Innungsver- so ist binnen vier Wochen eine zwei-
mögens; te Innungsversammlung einzube-
8. die Beschlußfassung über die rufen, in welcher der Auflösungsbe-
Änderung der Satzung und die schluß mit einer Mehrheit von drei
Auflösung der Handwerksinnung; Vierteln der erschienenen Mitglieder
9. die Beschlußfassung über den gefaßt werden kann. Satz 3 gilt für
Erwerb und die Beendigung der den Beschluß zur Bildung einer
Mitgliedschaft beim Landesin- Vertreterversammlung (§ 61 Abs. 1
nungsverband. Satz 3) mit der Maßgabe, daß er auch
(3) Die nach Absatz 2 Nr. 6, 7 und 8 im Wege schriftlicher Abstimmung
gefaßten Beschlüsse bedürfen der gefaßt werden kann.
Genehmigung durch die Hand- (3) Die Innungsversammlung ist in
werkskammer. den durch die Satzung bestimmten
Fällen sowie dann einzuberufen,
§ 62 wenn das Interesse der Handwerks-
(1) Zur Gültigkeit eines Beschlusses der innung es erfordert. Sie ist ferner
Innungsversammlung ist erforder- einzuberufen, wenn der durch die
lich, daß der Gegenstand bei ihrer Satzung bestimmte Teil oder in Er-
Einberufung bezeichnet ist, es sei mangelung einer Bestimmung der
denn, daß er in der Innungsver- zehnte Teil der Mitglieder die Ein-
sammlung mit Zustimmung von drei berufung schriftlich unter Angabe
Vierteln der erschienenen Mitglieder des Zwecks und der Gründe verlangt;
180 AUSBILDUNG & BERUF

wird dem Verlangen nicht entspro- (3) Die Übertragung und die Übernah-
chen oder erfordert es das Interesse me der Rechte bedarf der schrift-
der Handwerksinnung, so kann die lichen Erklärung gegenüber der
Handwerkskammer die Innungsver- Handwerksinnung.
sammlung einberufen und leiten.
§ 66
§ 63 (1) Der Vorstand der Handwerksinnung
Stimmberechtigt in der Innungsver- wird von der Innungsversammlung
sammlung sind die Mitglieder der für die in der Satzung bestimmte
Handwerksinnung im Sinne des § 58 Zeit mit verdeckten Stimmzetteln
Abs. 1. Für eine juristische Person oder gewählt. Die Wahl durch Zuruf ist
eine Personengesellschaft kann nur eine zulässig, wenn niemand widerspricht.
Stimme abgegeben werden, auch wenn Über die Wahlhandlung ist eine Nie-
mehrere vertretungsberechtigte Perso- derschrift anzufertigen. Die Wahl des
nen vorhanden sind. Vorstands ist der Handwerkskam-
mer binnen einer Woche anzuzeigen.
§ 64 (2) Die Satzung kann bestimmen, daß
Ein Mitglied ist nicht stimmberechtigt, die Bestellung des Vorstands jeder-
wenn die Beschlußfassung die Vor- zeit widerruflich ist. Die Satzung
nahme eines Rechtsgeschäfts oder kann ferner bestimmen, daß der
die Einleitung oder Erledigung eines Widerruf nur zulässig ist, wenn ein
Rechtsstreits zwischen ihm und der wichtiger Grund vorliegt; ein sol-
Handwerksinnung betrifft. cher Grund ist insbesondere grobe
Pflichtverletzung oder Unfähigkeit.
§ 65 (3) Der Vorstand vertritt die Hand-
(1) Ein gemäß § 63 stimmberechtigtes werksinnung gerichtlich und außer-
Mitglied, das Inhaber eines Neben- gerichtlich. Durch die Satzung kann
betriebs im Sinne des § 2 Nr. 2 oder die Vertretung einem oder mehreren
3 ist, kann sein Stimmrecht auf den Mitgliedern des Vorstands oder dem
Leiter des Nebenbetriebs übertragen, Geschäftsführer übertragen werden.
falls dieser die Pflichten über- Als Ausweis genügt bei allen Rechts-
nimmt, die seinen Vollmachtgebern geschäften die Bescheinigung der
gegenüber der Handwerksinnung Handwerkskammer, daß die darin
obliegen. bezeichneten Personen zur Zeit den
(2) Die Satzung kann die Übertragung Vorstand bilden.
der in Absatz 1 bezeichneten Rechte (4) Die Mitglieder des Vorstands verwal-
unter den dort gesetzten Vorausset- ten ihr Amt als Ehrenamt unentgelt-
zungen auch in anderen Ausnahme- lich; es kann ihnen nach näherer Be-
fällen zulassen. stimmung der Satzung Ersatz barer
Auslagen und eine Entschädigung
für Zeitversäumnis gewährt werden.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 181

§ 67 2. bei Maßnahmen zur Förde-


(1) Die Handwerksinnung kann zur rung und Überwachung der
Wahrnehmung einzelner Angelegen- beruflichen Ausbildung und zur
heiten Ausschüsse bilden. Förderung der charakterlichen
(2) Zur Förderung der Berufsbildung ist Entwicklung der Lehrlinge (§ 54
ein Ausschuß zu bilden. Er besteht Abs. 1 Nr. 3),
aus einem Vorsitzenden und min- 3. bei der Errichtung der Gesellen-
destens vier Beisitzern, von denen prüfungsausschüsse (§ 54 Abs. 1
die Hälfte Innungsmitglieder, die in Nr. 4),
der Regel Gesellen oder Lehrlinge 4. bei Maßnahmen zur Förderung
beschäftigen, und die andere Hälfte des handwerklichen Könnens der
Gesellen sein müssen. Gesellen, insbesondere bei der Er-
(3) Die Handwerksinnung kann einen richtung oder Unterstützung der
Ausschuß zur Schlichtung von Strei- zu dieser Förderung bestimmten
tigkeiten zwischen Ausbildenden Fachschulen und Lehrgänge (§ 54
und Lehrlingen (Auszubildenden) Abs. 1 Nr. 5),
errichten, der für alle Berufsausbil- 5. bei der Mitwirkung an der Ver-
dungsverhältnisse der in der Hand- waltung der Berufsschulen gemäß
werksinnung vertretenen Hand- den Vorschriften der Unterrichts-
werke ihres Bezirks zuständig ist. Die verwaltungen (§ 54 Abs. 1 Nr. 6),
Handwerkskammer erläßt die hierfür 6. bei der Wahl oder Benennung der
erforderliche Verfahrensordnung. Vorsitzenden von Ausschüssen,
bei denen die Mitwirkung der Ge-
§ 68 sellen durch Gesetz oder Satzung
(1) Im Interesse eines guten Verhält- vorgesehen ist,
nisses zwischen den Innungsmitglie­ 7. bei der Begründung und Ver-
dern und den bei ihnen beschäftig­ waltung aller Einrichtungen,
ten Gesellen (§ 54 Abs. 1 Nr. 2) wird für welche die Gesellen Beiträge
bei der Handwerksinnung ein Gesel- entrichten oder eine besondere
lenausschuß errichtet. Der Gesellen- Mühewaltung übernehmen, oder
ausschuß hat die Gesellenmitglieder die zu ihrer Unterstützung be-
der Ausschüsse zu wählen, bei denen stimmt sind.
die Mitwirkung der Gesellen durch (3) Die Beteiligung des Gesellenaus-
Gesetz oder Satzung vorgesehen ist. schusses hat mit der Maßgabe zu
(2) Der Gesellenausschuß ist zu beteiligen erfolgen, daß
1. bei Erlaß von Vorschriften über 1. bei der Beratung und Beschluß-
die Regelung der Lehrlingsausbil- fassung des Vorstands der Hand-
dung (§ 54 Abs. 1 Nr. 3), werksinnung mindestens ein Mit-
glied des Gesellenausschusses mit
vollem Stimmrecht teilnimmt,
182 AUSBILDUNG & BERUF

2. bei der Beratung und Beschluß- (3) Die Mitglieder des Gesellenausschus-
fassung der Innungsversammlung ses werden mit verdeckten Stimm-
seine sämtlichen Mitglieder mit zetteln in allgemeiner, unmittelbarer
vollem Stimmrecht teilnehmen, und gleicher Wahl gewählt. Zum
3. bei der Verwaltung von Einrich- Zwecke der Wahl ist eine Wahlver-
tungen, für welche die Gesellen sammlung einzuberufen; in der
Aufwendungen zu machen haben, Versammlung können durch Zuruf
vom Gesellenausschuß gewählte Wahlvorschläge gemacht werden.
Gesellen in gleicher Zahl zu be- Führt die Wahlversammlung zu kei-
teiligen sind wie die Innungsmit- nem Ergebnis, so ist auf Grund von
glieder. schriftlichen Wahlvorschlägen nach
(4) Zur Durchführung von Beschlüssen den Grundsätzen der Verhältniswahl
der Innungsversammlung in den in zu wählen; jeder Wahlvorschlag muß
Absatz 2 bezeichneten Angelegen- die Namen von ebensovielen Bewer-
heiten bedarf es der Zustimmung des bern enthalten, wie Mitglieder des
Gesellenausschusses. Wird die Zu- Gesellenausschusses zu wählen sind;
stimmung versagt oder nicht in an- wird nur ein gültiger Wahlvorschlag
gemessener Frist erteilt, so kann die eingereicht, so gelten die darin be-
Handwerksinnung die Entscheidung zeichneten Bewerber als gewählt. Die
der Handwerkskammer binnen eines Satzung trifft die näheren Bestim-
Monats beantragen. mungen über die Zusammensetzung
(5) Die Beteiligung des Gesellenaus- des Gesellenausschusses und über
schusses entfällt in den Angelegen- das Wahlverfahren, insbesondere
heiten, die Gegenstand eines von darüber, wie viele Unterschriften für
der Handwerksinnung oder von einen gültigen schriftlichen Wahl-
dem Innungsverband abgeschlos- vorschlag erforderlich sind.
senen oder abzuschließenden Tarif- (4) Die Mitglieder des Gesellenausschus-
vertrags sind. ses dürfen in der Ausübung ihrer
Tätigkeit nicht behindert werden.
§ 69 Auch dürfen sie deswegen nicht be-
(1) Der Gesellenausschuß besteht aus nachteiligt oder begünstigt werden.
dem Vorsitzenden (Altgesellen) und Die Mitglieder des Gesellenausschus-
einer weiteren Zahl von Mitgliedern. ses sind, soweit es zur ordnungs-
(2) Für die Mitglieder des Gesellenaus- gemäßen Durchführung der ihnen
schusses sind Stellvertreter zu wäh- gesetzlich zugewiesenen Aufgaben
len, die im Falle der Verhinderung erforderlich ist und wichtige betrieb-
oder des Ausscheidens für den Rest liche Gründe nicht entgegenstehen,
der Wahlzeit in der Reihenfolge der von ihrer beruflichen Tätigkeit ohne
Wahl eintreten. Minderung des Arbeitsentgelts frei-
zustellen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 183

(5) Das Ergebnis der Wahl der Mitglieder eintretender Arbeitslosigkeit behalten
des Gesellenausschusses ist in den für sie ihr Amt bis zum Ende der Wahlzeit.
die Bekanntmachung der zuständi-
gen Handwerkskammer bestimmten § 73
Organen zu veröffentlichen. (1) Die der Handwerksinnung und
ihrem Gesellenausschuß erwachsen-
§ 70 den Kosten sind, soweit sie aus den
Berechtigt zur Wahl des Gesellenaus- Erträgen des Vermögens oder aus
schusses sind die bei einem Innungsmit- anderen Einnahmen keine Deckung
glied beschäftigten Gesellen. finden, von den Innungsmitgliedern
durch Beiträge aufzubringen. Zu den
§ 71 Kosten des Gesellenausschusses zäh-
(1) Wählbar ist jeder Geselle, der len auch die anteiligen Lohn- und
1. volljährig ist, Lohnnebenkosten, die dem Arbeit-
2. eine Gesellenprüfung oder eine geber durch die Freistellung der Mit-
entsprechende Abschlußprüfung glieder des Gesellenausschusses von
abgelegt hat und ihrer beruflichen Tätigkeit entstehen.
3. seit mindestens drei Monaten Diese Kosten sind dem Arbeitgeber
in dem Betrieb eines der Hand- auf Antrag von der Innung zu erstat-
werksinnung angehörenden ten.
selbständigen Handwerkers be- (2) Die Handwerksinnung kann für die
schäftigt ist. Benutzung der von ihr getroffenen
(2) Über die Wahlhandlung ist eine Einrichtungen Gebühren erheben.
Niederschrift anzufertigen. (3) Soweit die Handwerksinnung ihre
Beiträge nach dem Gewerbesteuer-
§ 71a meßbetrag, Gewerbekapital, Gewer-
Eine kurzzeitige Arbeitslosigkeit läßt beertrag, Gewinn aus Gewerbebe-
das Wahlrecht nach den §§ 70 und 71 trieb oder der Lohnsumme bemißt,
unberührt, wenn diese zum Zeitpunkt gilt § 113 Abs. 2 Satz 2, 3 und 8 bis 11.
der Wahl nicht länger als drei Monate (4) Die Beiträge und Gebühren werden
besteht. auf Antrag des Innungsvorstands
nach den für die Beitreibung von
§ 72 Gemeindeabgaben geltenden lan-
Mitglieder des Gesellenausschusses desrechtlichen Vorschriften
behalten, auch wenn sie nicht mehr bei beigetrieben.
Innungsmitgliedern beschäftigt sind,
solange sie im Bezirk der Handwerks-
innung im Betrieb eines selbständigen
Handwerkers verbleiben, die Mitglied-
schaft noch bis zum Ende der Wahlzeit,
jedoch höchstens für ein Jahr. Im Falle
184 AUSBILDUNG & BERUF

§ 74 § 77
Die Handwerksinnung ist für den Scha- (1) Die Eröffnung des Insolvenzverfah-
den verantwortlich, den der Vorstand, rens über das Vermögen der Hand-
ein Mitglied des Vorstands oder ein werksinnung hat die Auflösung kraft
anderer satzungsmäßig berufener Ver- Gesetzes zur Folge.
treter durch eine in Ausführung der ihm (2) Der Vorstand hat im Falle der
zustehenden Verrichtungen begangene, Zahlungsunfähigkeit oder der
zum Schadensersatz verpflichtende Überschuldung die Eröffnung des
Handlung einem Dritten zufügt. Insolvenzverfahrens oder des ge-
richtlichen Vergleichsverfahrens
§ 75 zu beantragen. Wird die Stellung
Die Aufsicht über die Handwerksinnung des Antrags verzögert, so sind die
führt die Handwerkskammer, in deren Vorstandsmitglieder, denen ein Ver-
Bezirk die Handwerksinnung ihren Sitz schulden zur Last fällt, den Gläubi-
hat. Die Aufsicht erstreckt sich darauf, gern für den daraus entstehenden
daß Gesetz und Satzung beachtet, insbe- Schaden verantwortlich; sie haften
sondere daß die der Handwerksinnung als Gesamtschuldner.
übertragenen Aufgaben erfüllt werden.
§ 78
§ 76 (1) Wird die Handwerksinnung durch
Die Handwerksinnung kann durch die Beschluß der Innungsversammlung
Handwerkskammer nach Anhörung oder durch die Handwerkskammer
des Landesinnungsverbands aufgelöst aufgelöst, so wird das Innungsver-
werden, mögen in entsprechender Anwen-
1. wenn sie durch einen gesetzwid- dung der §§ 47 bis 53 des Bürgerli-
rigen Beschluß der Mitgliederver- chen Gesetzbuchs liquidiert.
sammlung oder durch gesetzwid- (2) Wird eine Innung geteilt oder wird
riges Verhalten des Vorstands das der Innungsbezirk neu abgegrenzt,
Gemeinwohl gefährdet, so findet eine Vermögensauseinan-
2. wenn sie andere als die gesetzlich dersetzung statt, die der Genehmi-
oder satzungsmäßig zulässigen gung der für den Sitz der Innung
Zwecke verfolgt, zuständigen Handwerkskammer
3. wenn die Zahl ihrer Mitglieder bedarf; kommt eine Einigung über
so weit zurückgeht, daß die die Vermögensauseinandersetzung
Erfüllung der gesetzlichen und nicht zustande, so entscheidet die für
satzungsmäßigen Aufgaben ge- den Innungsbezirk zuständige Hand-
fährdet erscheint. werkskammer. Erstreckt sich der
Innungsbezirk auf mehrere Hand-
werkskammerbezirke, so kann die
Genehmigung oder Entscheidung
nur im Einvernehmen mit den betei-
ligten Handwerkskammern ergehen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 185

Zweiter Abschnitt § 81


Innungsverbände (1) Der Landesinnungsverband hat die
Aufgabe,
§ 79 1. die Interessen des Handwerks
(1) Der Landesinnungsverband ist der wahrzunehmen, für das er ge-
Zusammenschluß von Handwerks- bildet ist,
innungen des gleichen Handwerks 2. die angeschlossenen Handwerks-
oder sich fachlich oder wirtschaftlich innungen in der Erfüllung ihrer
nahestehender Handwerke im Bezirk gesetzlichen und satzungsmäßi-
eines Landes. Für mehrere Bundes- gen Aufgaben zu unterstützen,
länder kann ein gemeinsamer Lan- 3. den Behörden Anregungen und
desinnungsverband gebildet werden. Vorschläge zu unterbreiten sowie
(2) Innerhalb eines Landes kann in der ihnen auf Verlangen Gutachten
Regel nur ein Landesinnungsver- zu erstatten.
band für dasselbe Handwerk oder (2) Er ist befugt, Fachschulen und Fach-
für sich fachlich oder wirtschaftlich kurse einzurichten oder zu fördern.
nahestehende Handwerke gebildet
werden. Ausnahmen können von der § 82
obersten Landesbehörde zugelassen Der Landesinnungsverband kann
werden. ferner die wirtschaftlichen und sozialen
(3) Durch die Satzung kann bestimmt Interessen der den Handwerksinnungen
werden, daß selbständige Hand- angehörenden Mitglieder fördern. Zu
werker dem Landesinnungsverband diesem Zweck kann er insbesondere
ihres Handwerks als Einzelmitglieder 1. Einrichtungen zur Erhöhung der
beitreten können. Leistungsfähigkeit der Betriebe,
vor allem in technischer und
§ 80 betriebswirtschaftlicher Hinsicht,
Der Landesinnungsverband ist eine schaffen oder unterstützen,
juristische Person des privaten Rechts; 2. den gemeinschaftlichen Ein-
er wird mit Genehmigung der Satzung kauf und die gemeinschaftliche
rechtsfähig. Die Satzung und ihre Ände- Übernahme von Lieferungen und
rung bedürfen der Genehmigung durch Leistungen durch die Bildung
die oberste Landesbehörde. Im Falle von Genossenschaften, Arbeits-
eines gemeinsamen Landesinnungs- gemeinschaften oder auf sonstige
verbandes nach § 79 Abs. 1 Satz 2 ist die Weise im Rahmen der allgemei-
Genehmigung durch die für den Sitz des nen Gesetze fördern,
Landesinnungsverbandes zuständige 3. Tarifverträge abschließen.
oberste Landesbehörde im Einver-
nehmen mit den beteiligten obersten
Landesbehörden zu erteilen. Die Satzung
muß den Bestimmungen des § 55 Abs. 2
entsprechen.
186 AUSBILDUNG & BERUF

§ 83 § 84
(1) Auf den Landesinnungsverband Durch die Satzung kann bestimmt wer-
finden entsprechende Anwendung: den, daß sich Vereinigungen von Inha-
1. § 55 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 bis 6, bern handwerksähnlicher Betriebe oder
8 bis 9 und hinsichtlich der Vor- Inhaber handwerksähnlicher Betriebe
aussetzungen für die Änderung einem Landesinnungsverband anschlie-
der Satzung und für die Auflö- ßen können. In diesem Fall obliegt dem
sung des Landesinnungsverbands Landesinnungsverband nach Maßgabe
Nummer 10 sowie Nummer 11, der §§ 81 und 82 auch die Wahrnehmung
2. §§ 60, 61 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 der Interessen des handwerksähnlichen
und hinsichtlich der Beschlußfas- Gewerbes. § 83 Abs. 2 gilt entsprechend
sung über die Höhe der Beiträge für die Vertretung des handwerksähn-
zum Landesinnungsverband lichen Gewerbes in der Mitgliederver-
Nummer 2 sowie Nummern 3 bis sammlung.
5 und 7 bis 8,
3. §§ 59, 62, 64, 66 und 74, § 85
4. § 39 und §§ 41 bis 53 des Bürger- (1) Der Bundesinnungsverband ist
lichen Gesetzbuchs. der Zusammenschluß von Landes-
(2) Die Mitgliederversammlung besteht innungsverbänden des gleichen
aus den Vertretern der angeschlos- Handwerks oder sich fachlich oder
senen Handwerksinnungen und im wirtschaftlich nahestehender Hand-
Falle des § 79 Abs. 3 auch aus den von werke im Bundesgebiet.
den Einzelmitgliedern nach näherer (2) Auf den Bundesinnungsverband
Bestimmung der Satzung gewählten finden die Vorschriften dieses Ab-
Vertretern. Die Satzung kann bestim- schnitts sinngemäß Anwendung. Die
men, daß die Handwerksinnungen nach § 80 erforderliche Genehmi-
und die Gruppe der Einzelmitglieder gung der Satzung und ihrer Ände-
entsprechend der Zahl der Mitglie- rung erfolgt durch das Bundesminis-
der der Handwerksinnungen und terium für Wirtschaft und Energie.
der Einzelmitglieder mehrere Stim-
men haben und die Stimmen einer Dritter Abschnitt
Handwerksinnung oder der Gruppe Kreishandwerker­schaften
der Einzelmitglieder uneinheitlich
abgegeben werden können. § 86
(3) Nach näherer Bestimmung der Die Handwerksinnungen, die in einem
Satzung können bis zur Hälfte der Stadt- oder Landkreis ihren Sitz haben,
Mitglieder des Vorstands Personen bilden die Kreishandwerkerschaft. Die
sein, die nicht von der Mitgliederver- Handwerkskammer kann eine andere
sammlung gewählt sind. Abgrenzung zulassen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 187

§ 87 das Stimmrecht für die von ihnen ver-


Die Kreishandwerkerschaft hat die Auf- tretenen Handwerksinnungen aus. Jede
gabe, Handwerksinnung hat eine Stimme.
1. die Gesamtinteressen des selb- Die Satzung kann bestimmen, daß den
ständigen Handwerks und des Handwerksinnungen entsprechend der
handwerksähnlichen Gewerbes Zahl ihrer Mitglieder bis höchstens zwei
sowie die gemeinsamen Inter- Zusatzstimmen zuerkannt und die Stim-
essen der Handwerksinnungen men einer Handwerksinnung uneinheit-
ihres Bezirks wahrzunehmen, lich abgegeben werden können.
2. die Handwerksinnungen bei
der Erfüllung ihrer Aufgaben zu § 89
unterstützen, (1) Auf die Kreishandwerkerschaft fin-
3. Einrichtungen zur Förderung den entsprechende Anwendung:
und Vertretung der gewerblichen, 1. § 53 und § 55 mit Ausnahme des
wirtschaftlichen und sozialen Absatzes 2 Nummern 3 und 7
Interessen der Mitglieder der sowie hinsichtlich der Voraus-
Handwerksinnungen zu schaffen setzungen für die Änderung der
oder zu unterstützen, Satzung § 55 Abs. 2 Nr. 10,
4. die Behörden bei den das selb- 2. § 56 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1,
ständige Handwerk und das 3. § 60 und § 61 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1
handwerksähnliche Gewerbe bis 5, 7 und hinsichtlich der Be-
ihres Bezirks berührenden Maß- schlußfassung über die Änderung
nahmen zu unterstützen und der Satzung Nummer 8; die nach
ihnen Anregungen, Auskünfte § 61 Abs. 2 Nr. 1 bis 3, 7 und 8
und Gutachten zu erteilen, gefaßten Beschlüsse bedürfen der
5. die Geschäfte der Handwerks- Genehmigung der Handwerks-
innungen auf deren Ansuchen zu kammer,
führen, 4. § 62 Abs. 1, Abs. 2 Sätze 1 und 2
6. die von der Handwerkskammer sowie Abs. 3,
innerhalb ihrer Zuständigkeit 5. §§ 64, 66, 67 Abs. 1 und §§ 73 bis
erlassenen Vorschriften und 77.
Anordnungen durchzuführen; (2) Wird die Kreishandwerkerschaft
die Handwerkskammer hat sich durch die Handwerkskammer aufge-
an den hierdurch entstehenden löst, so wird das Vermögen der Kreis-
Kosten angemessen zu beteiligen. handwerkerschaft in entsprechender
Anwendung der §§ 47 bis 53 des
§ 88 Bürgerlichen Gesetzbuchs liquidiert.
Die Mitgliederversammlung der Kreis- § 78 Abs. 2 gilt entsprechend.
handwerkerschaft besteht aus Ver-
tretern der Handwerksinnungen. Die
Vertreter oder ihre Stellvertreter üben
188 AUSBILDUNG & BERUF

Vierter Abschnitt abgeschlossenen Gesellenausbildung


Handwerkskammern im Wesentlichen entsprechen.
(4) Absatz 3 findet nur unter der Voraus-
§ 90 setzung Anwendung, dass die Tätig-
(1) Zur Vertretung der Interessen des keit in einer dem Handwerk ent-
Handwerks werden Handwerkskam- sprechenden Betriebsform erbracht
mern errichtet; sie sind Körperschaf- wird. Satz 1 und Absatz 3 gelten nur
ten des öffentlichen Rechts. für Gewerbetreibende, die erstmalig
(2) Zur Handwerkskammer gehören nach dem 30. Dezember 2003 eine
die Inhaber eines Betriebs eines gewerbliche Tätigkeit anmelden. Die
Handwerks und eines handwerks- Handwerkskammer hat ein Ver-
ähnlichen Gewerbes des Handwerks- zeichnis zu führen, in welches die
kammerbezirks sowie die Gesellen, Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 ihres
andere Arbeitnehmer mit einer Bezirks nach Maßgabe der Anlage D
abgeschlossenen Berufsausbildung Abschnitt IV zu diesem Gesetz mit
und die Lehrlinge dieser Gewerbe- dem von ihnen betriebenen Gewerbe
treibenden. einzutragen sind (Verzeichnis der
(3) Zur Handwerkskammer gehören Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 der
auch Personen, die im Kammer- Handwerksordnung).
bezirk selbständig eine gewerbliche (5) Die Landesregierungen werden er-
Tätigkeit nach § 1 Abs. 2 Satz 2 Nr. 1 mächtigt, durch Rechtsverordnung
ausüben, wenn Handwerkskammern zu errichten
1. sie die Gesellenprüfung in einem und die Bezirke der Handwerks-
zulassungspflichtigen Handwerk kammern zu bestimmen; die Bezirke
erfolgreich abgelegt haben, sollen sich in der Regel mit denen der
2. die betreffende Tätigkeit Bestand- höheren Verwaltungsbehörde decken.
teil der Erstausbildung in diesem Wird der Bezirk einer Handwerks-
zulassungspflichtigen Handwerk kammer nach Satz 1 geändert, muss
war und eine Vermögensauseinandersetzung
3. die Tätigkeit den überwiegenden erfolgen, welche der Genehmigung
Teil der gewerblichen Tätigkeit durch die oberste Landesbehörde
ausmacht. bedarf. Können sich die beteiligten
Satz 1 gilt entsprechend auch für Handwerkskammern hierüber nicht
Personen, die ausbildungsvorbe- einigen, so entscheidet die oberste
reitende Maßnahmen erfolgreich Landesbehörde.
absolviert haben, wenn diese Maß-
nahmen überwiegend Ausbildungs-
inhalte in Ausbildungsordnungen
vermitteln, die nach § 25 erlassen
worden sind und insgesamt einer
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 189

§ 91 6. Meisterprüfungsordnungen für


(1) Aufgabe der Handwerkskammer ist die einzelnen Handwerke zu er-
insbesondere, lassen (§ 50) und die Geschäfte des
1. die Interessen des Handwerks zu Meisterprüfungsausschusses (§ 47
fördern und für einen gerechten Abs. 2) zu führen,
Ausgleich der Interessen der 6a. die Gleichwertigkeit festzustellen
einzelnen Handwerke und ihrer (§§ 40a, 50b, 51e)
Organisationen zu sorgen, 7. die technische und betriebs-
2. die Behörden in der Förderung wirtschaftliche Fortbildung
des Handwerks durch Anregun- der Meister und Gesellen zur
gen, Vorschläge und durch Erstat- Erhaltung und Steigerung der
tung von Gutachten zu unterstüt- Leistungsfähigkeit des Handwerks
zen und regelmäßig Berichte über in Zusammenarbeit mit den
die Verhältnisse des Handwerks Innungsverbänden zu fördern,
zu erstatten, die erforderlichen Einrichtungen
3. die Handwerksrolle (§ 6) zu hierfür zu schaffen oder zu unter-
führen, stützen und zu diesem Zweck
4. die Berufsausbildung zu regeln eine Gewerbeförderungsstelle zu
(§ 41), Vorschriften hierfür zu unterhalten,
erlassen, ihre Durchführung zu 7a. Maßnahmen zur Förderung und
überwachen (§ 41a) sowie eine Durchführung der Berufsbildung,
Lehrlingsrolle (§ 28 Absatz 1) zu insbesondere der Berufsausbil-
führen, dungsvorbereitung, Berufsaus-
4a. Vorschriften für Prüfungen im bildung, beruflichen Fortbildung
Rahmen einer beruflichen Fort- und beruflichen Umschulung, so-
bildung oder Umschulung zu wie der technischen und betriebs-
erlassen und Prüfungsausschüsse wirtschaftlichen Weiterbildung,
hierfür zu errichten, insbesondere Sachkundenach-
5. Gesellenprüfungsordnungen für weise und Sachkundeprüfungen
die einzelnen Handwerke zu er- nach gesetzlichen Vorschriften,
lassen (§ 38), Prüfungsausschüsse nach Vorschriften der Unfall-
für die Abnahme der Gesellenprü- versicherungsträger oder nach
fungen zu errichten oder Hand- technischen Normvorschriften
werksinnungen zu der Errichtung in Zusammenarbeit mit den
von Gesellenprüfungsausschüs- Innungsverbänden anzubieten,
sen zu ermächtigen (§ 37) und die 8. Sachverständige zur Erstattung
ordnungsmäßige Durchführung von Gutachten über Waren, Leis-
der Gesellenprüfungen zu über- tungen und Preise von Handwer-
wachen, kern zu bestellen und zu vereidi-
gen,
190 AUSBILDUNG & BERUF

9. die wirtschaftlichen Interessen (2a) Die Länder können durch Gesetz der
des Handwerks und die ihnen Handwerkskammer ermöglichen,
dienenden Einrichtungen, ins- sich an einer Einrichtung zu beteili-
besondere das Genossenschafts- gen, die Aufgaben einer einheitlichen
wesen zu fördern, Stelle im Sinne des Verwaltungsver-
10. die Formgestaltung im Handwerk fahrensgesetzes erfüllt.
zu fördern, (3) Die Handwerkskammer soll in allen
11. Vermittlungsstellen zur Beilegung wichtigen das Handwerk und das
von Streitigkeiten zwischen Inha- handwerksähnliche Gewerbe be-
bern eines Betriebs eines Hand- rührenden Angelegenheiten gehört
werks und ihren Auftraggebern werden.
einzurichten, (4) Absatz 1 Nr. 1, 2 und 7 bis 13 findet
12. Ursprungszeugnisse über in auf handwerksähnliche Gewerbe
Handwerksbetrieben gefertigte entsprechende Anwendung.
Erzeugnisse und andere dem
Wirtschaftsverkehr dienende § 92
Bescheinigungen auszustellen, Die Organe der Handwerkskammer sind
soweit nicht Rechtsvorschriften 1. die Mitgliederversammlung
diese Aufgaben anderen Stellen (Vollversammlung),
zuweisen, 2. der Vorstand,
13. die Maßnahmen zur Unterstüt- 3. die Ausschüsse.
zung notleidender Handwerker
sowie Gesellen und anderer § 93
Arbeitnehmer mit einer abge- (1) Die Vollversammlung besteht aus
schlossenen Berufsausbildung zu gewählten Mitgliedern. Ein Drittel
treffen oder zu unterstützen. der Mitglieder müssen Gesellen
(1a) Die Länder können durch Gesetz oder andere Arbeitnehmer mit einer
der Handwerkskammer die Auf- abgeschlossenen Berufsausbildung
gaben einer einheitlichen Stelle im sein, die in dem Betrieb eines Gewer-
Sinne des Verwaltungsverfahrens- bes der Anlage A oder Betrieb eines
gesetzes übertragen. Das Gesetz Gewerbes der Anlage B beschäftigt
regelt, welche Aufgabenbereiche von sind.
der Zuweisung erfasst sind. Dabei (2) Durch die Satzung ist die Zahl der
kann das Gesetz vorsehen, dass die Mitglieder der Vollversammlung und
Handwerkskammer auch für nicht ihre Aufteilung auf die einzelnen
Kammerzugehörige tätig wird. Das in den Anlagen A und B zu diesem
Gesetz regelt auch die Aufsicht. Gesetz aufgeführten Gewerbe zu be-
(2) Die Handwerkskammer kann ge- stimmen. Die Satzung kann bestim-
meinsam mit der Industrie- und men, dass die Aufteilung der Zahl
Handelskammer Prüfungsausschüs- der Mitglieder der Vollversammlung
se errichten. auch die Personen nach § 90 Abs. 3
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 191

und 4 zu berücksichtigen hat. Bei im Briefwahlverfahren durchgeführt.


der Aufteilung sollen die wirtschaft- (2) Das Wahlverfahren regelt sich nach
lichen Besonderheiten und die wirt- der diesem Gesetz als Anlage C bei-
schaftliche Bedeutung der einzelnen gefügten Wahlordnung.
Gewerbe berücksichtigt werden.
(3) Für jedes Mitglied sind mindestens § 96
ein, aber höchstens zwei Stellvertre- (1) Berechtigt zur Wahl der Vertreter
ter zu wählen, die im Verhinderungs- des Handwerks und des handwerks-
fall oder im Falle des Ausscheidens ähnlichen Gewerbes sind die in
der Mitglieder einzutreten haben. der Handwerksrolle (§ 6) oder im
(4) Die Vollversammlung kann sich Verzeichnis nach § 19 eingetrage-
nach näherer Bestimmung der nen natürlichen und juristischen
Satzung bis zu einem Fünftel der Personen und Personengesellschaf-
Mitgliederzahl durch Zuwahl von ten sowie die in das Verzeichnis
sachverständigen Personen unter nach § 90 Abs. 4 Satz 2 eingetragenen
Wahrung der in Absatz 1 festgeleg- natürlichen Personen. Die nach § 90
ten Verhältniszahl ergänzen; diese Abs. 4 Satz 2 eingetragenen Perso-
haben gleiche Rechte und Pflichten nen sind zur Wahl der Vertreter der
wie die gewählten Mitglieder der Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 be-
Vollversammlung. Die Zuwahl der rechtigt, sofern die Satzung dies nach
sachverständigen Personen, die auf § 93 bestimmt. Das Wahlrecht kann
das Drittel der Gesellen und anderer nur von volljährigen Personen aus-
Arbeitnehmer mit einer abgeschlos- geübt werden. Juristische Personen
senen Berufsausbildung anzurech- und Personengesellschaften haben
nen sind, erfolgt auf Vorschlag der jeweils nur eine Stimme.
Mehrheit dieser Gruppe. (2) Nicht wahlberechtigt sind Personen,
die infolge strafgerichtlicher Ver-
§ 94 urteilung das Recht, in öffentlichen
Die Mitglieder der Vollversammlung sind Angelegenheiten zu wählen oder zu
Vertreter des gesamten Handwerks und stimmen, nicht besitzen.
des handwerksähnlichen Gewerbes und (3) An der Ausübung des Wahlrechts ist
als solche an Aufträge und Weisungen behindert,
nicht gebunden. § 66 Abs. 4, § 69 Abs. 4 1. wer wegen Geisteskrankheit oder
und § 73 Abs. 1 gelten entsprechend. Geistesschwäche in einem psych-
iatrischen Krankenhaus unterge-
§ 95 bracht ist,
(1) Die Mitglieder der Vollversammlung 2. wer sich in Straf- oder Untersu-
und ihre Stellvertreter werden durch chungshaft befindet,
Listen in allgemeiner, freier, gleicher 3. wer infolge gerichtlicher oder
und geheimer Wahl gewählt. Die polizeilicher Anordnung in Ver-
Wahlen zur Vollversammlung werden wahrung gehalten wird.
192 AUSBILDUNG & BERUF

§ 97 (2) Bei der Berechnung der Fristen in


(1) Wählbar als Vertreter der zulassungs- Absatz 1 Nr. 1 Buchstabe a und Nr. 2
pflichtigen Handwerke sind Buchstabe b sind die Tätigkeiten als
1. die wahlberechtigten natürlichen selbständiger Handwerker in einem
Personen, sofern sie zulassungspflichtigen Handwerk
a) im Bezirk der Handwerkskam- und als gesetzlicher Vertreter oder
mer seit mindestens einem Jahr vertretungsberechtigter Gesellschaf-
ohne Unterbrechung ein Hand- ter einer in der Handwerksrolle ein-
werk selbständig betreiben, getragenen juristischen Person oder
b) die Befugnis zum Ausbilden Personengesellschaft gegenseitig
von Lehrlingen besitzen, anzurechnen.
c) am Wahltag volljährig sind (3) Für die Wahl der Vertreter der zulas-
2. die gesetzlichen Vertreter der sungsfreien Handwerke, der hand-
wahlberechtigten juristischen werksähnlichen Gewerbe und der
Personen und die vertretungs- Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 gelten
berechtigten Gesellschafter der die Absätze 1 und 2 entsprechend.
wahlberechtigten Personengesell-
schaften, sofern § 98
a) die von ihnen vertretene juris- (1) Berechtigt zur Wahl der Vertreter der
tische Person oder Personenge- Arbeitnehmer in der Handwerks-
sellschaft im Bezirk der Hand- kammer sind die Gesellen und die
werkskammer seit mindestens weiteren Arbeitnehmer mit abge-
einem Jahr ein Handwerk schlossener Berufsausbildung, sofern
selbständig betreibt und sie am Tag der Wahl volljährig sind
b) sie im Bezirk der Handwerks- und in einem Betrieb eines Hand-
kammer seit mindestens werks oder eines handwerksähnli-
einem Jahr ohne Unterbre- chen Gewerbes beschäftigt sind. § 96
chung gesetzliche Vertreter Abs. 2 und 3 findet Anwendung.
oder vertretungsberechtigte (2) Kurzzeitig bestehende Arbeitslosig-
Gesellschafter einer in der keit läßt das Wahlrecht unberührt,
Handwerksrolle eingetrage- wenn diese zum Zeitpunkt der Wahl
nen juristischen Person oder nicht länger als drei Monate besteht.
Personengesellschaft sind, am
Wahltag volljährig sind. § 99
Nicht wählbar ist, wer infolge Wählbar zum Vertreter der Arbeit-
Richterspruchs die Fähigkeit zur nehmer in der Vollversammlung sind
Bekleidung öffentlicher Ämter die wahlberechtigten Arbeitnehmer im
oder infolge strafgerichtlicher Sinne des § 90 Abs. 2, sofern sie
Verurteilung die Fähigkeit, Rechte
aus öffentlichen Wahlen zu er-
langen, nicht besitzt.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 193

1. am Wahltag volljährig sind, (3) Richtet sich der Einspruch gegen
2. eine Gesellenprüfung oder eine die Wahl insgesamt, so ist er binnen
andere Abschlußprüfung ab- einem Monat nach der Bekanntgabe
gelegt haben oder, wenn sie in des Wahlergebnisses bei der Hand-
einem Betrieb eines handwerks- werkskammer einzulegen. Er kann
ähnlichen Gewerbes beschäftigt nur darauf gestützt werden, daß
sind, nicht nur vorübergehend 1. gegen das Gesetz oder gegen die
mit Arbeiten betraut sind, die auf Grund des Gesetzes erlasse-
gewöhnlich nur von einem Ge- nen Wahlvorschriften verstoßen
sellen oder einem Arbeitnehmer worden ist und
ausgeführt werden, der einen 2. der Verstoß geeignet war, das Er-
Berufsabschluß hat. gebnis der Wahl zu beeinflussen.

§ 100 § 102
(1) Die Handwerkskammer prüft die (1) Der Gewählte kann die Annahme der
Gültigkeit der Wahl ihrer Mitglieder Wahl nur ablehnen, wenn er
von Amts wegen. 1. das sechzigste Lebensjahr voll-
(2) Das Ergebnis der Wahl ist öffentlich endet hat oder
bekanntzumachen. 2. durch Krankheit oder Gebrechen
verhindert ist, das Amt ordnungs-
§ 101 mäßig zu führen.
(1) Gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl (2) Ablehnungsgründe sind nur zu be-
kann jeder Wahlberechtigte inner- rücksichtigen, wenn sie binnen zwei
halb von einem Monat nach der Wochen nach der Bekanntgabe des
Bekanntgabe des Wahlergebnisses Wahlergebnisses bei der Handwerks-
Einspruch erheben; der Einspruch kammer geltend gemacht worden
eines Inhabers eines Betriebs eines sind.
Handwerks oder handwerksähnli- (3) Mitglieder der Handwerkskammer
chen Gewerbes kann sich nur gegen können nach Vollendung des sech-
die Wahl der Vertreter der Handwer- zigsten Lebensjahrs ihr Amt nieder-
ke und handwerksähnlichen Gewer- legen.
be, der Einspruch eines Gesellen oder
anderen Arbeitnehmers mit einer § 103
abgeschlossenen Berufsausbildung (1) Die Wahl zur Handwerkskammer
nur gegen die Wahl der Vertreter der erfolgt auf fünf Jahre. Eine Wieder-
Arbeitnehmer richten. wahl ist zulässig.
(2) Der Einspruch gegen die Wahl eines (2) Nach Ablauf der Wahlzeit bleiben die
Gewählten kann nur auf eine Ver- Gewählten solange im Amt, bis ihre
letzung der Vorschriften der §§ 96 bis Nachfolger eintreten.
99 gestützt werden.
194 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Die Vertreter der Arbeitnehmer be- eine Satzung zu erlassen. Über eine
halten, auch wenn sie nicht mehr im Änderung der Satzung beschließt
Betrieb eines Handwerks oder eines die Vollversammlung; der Beschluß
handwerksähnlichen Gewerbes be- bedarf der Genehmigung durch die
schäftigt sind, solange sie im Bezirk oberste Landesbehörde.
der Handwerkskammer verbleiben, (2) Die Satzung muß Bestimmungen
das Amt noch bis zum Ende der enthalten über
Wahlzeit, jedoch höchstens für ein 1. den Namen, den Sitz und den
Jahr. Im Falle der Arbeitslosigkeit be- Bezirk der Handwerkskammer,
halten sie das Amt bis zum Ende der 2. die Zahl der Mitglieder der Hand-
Wahlzeit. werkskammer und der Stellver-
treter sowie die Reihenfolge ihres
§ 104 Eintritts im Falle der Behinderung
(1) Mitglieder der Vollversammlung oder des Ausscheidens der Mit-
haben aus dem Amt auszuscheiden, glieder,
wenn sie durch Krankheit oder Ge- 3. die Verteilung der Mitglieder
brechen verhindert sind, das Amt und der Stellvertreter auf die im
ordnungsmäßig zu führen oder Bezirk der Handwerkskammer
wenn Tatsachen eintreten, die ihre vertretenen Handwerke,
Wählbarkeit ausschließen. 4. die Zuwahl zur Handwerkskam-
(2) Gesetzliche Vertreter juristischer mer,
Personen und vertretungsberechtig- 5. die Wahl des Vorstands und seine
te Gesellschafter der Personengesell- Befugnisse,
schaften haben ferner aus dem Amt 6. die Einberufung der Handwerks-
auszuscheiden, wenn kammer und ihrer Organe,
1. sie die Vertretungsbefugnis ver- 7. die Form der Beschlußfassung
loren haben, und die Beurkundung der Be-
2. die juristische Person oder die schlüsse der Handwerkskammer
Personengesellschaft in der und des Vorstands,
Handwerksrolle oder in dem 8. die Erstellung einer mittelfris-
Verzeichnis nach § 19 gelöscht tigen Finanzplanung und deren
worden ist. Übermittlung an die Vollver-
(3) Weigert sich das Mitglied auszu- sammlung,
scheiden, so ist es von der obersten 9. die Aufstellung und Genehmi-
Landesbehörde nach Anhörung der gung des Haushaltsplans,
Handwerkskammer seines Amtes zu 10. die Aufstellung, Prüfung und
entheben. Abnahme der Jahresrechnung
sowie über die Übertragung der
§ 105 Prüfung auf eine unabhängige
(1) Für die Handwerkskammer ist Stelle außerhalb der Handwerks-
von der obersten Landesbehörde kammer,
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 195

11. die Voraussetzungen und die hebung von Gebühren,


Form einer Änderung der Sat- 6. der Erlaß einer Haushalts-,
zung, Kassen- und Rechnungslegungs-
12. die Organe einschließlich elek- ordnung,
tronischer Medien, in denen die 7. die Prüfung und Abnahme der
Bekanntmachungen der Hand- Jahresrechnung und die Ent-
werkskammer zu veröffentlichen scheidung darüber, durch welche
sind. unabhängige Stelle die Jahres-
(3) Die Satzung darf keine Bestimmung rechnung geprüft werden soll,
enthalten, die mit den in diesem 8. die Beteiligung an Gesellschaften
Gesetz bezeichneten Aufgaben der des privaten und öffentlichen
Handwerkskammer nicht in Ver- Rechts und die Aufrechterhaltung
bindung steht oder gesetzlichen der Beteiligung,
Vorschriften zuwiderläuft. 8a. die Beteiligung an einer Einrich-
(4) Die Satzung nach Absatz 1 Satz 1 ist tung nach § 91 Abs. 2a,
in dem amtlichen Organ der für den 9. der Erwerb und die Veräußerung
Sitz der Handwerkskammer zustän- von Grundeigentum,
digen höheren Verwaltungsbehörde 10. der Erlaß von Vorschriften über
bekanntzumachen. die Berufsausbildung, berufliche
Fortbildung und berufliche Um-
§ 106 schulung (§ 91 Abs. 1 Nr. 4 und 4a),
(1) Der Beschlußfassung der Vollver- 11. der Erlaß der Gesellen- und
sammlung bleibt vorbehalten Meisterprüfungsordnungen (§ 91
1. die Wahl des Vorstandes und der Abs. 1 Nr. 5 und 6),
Ausschüsse, 12. der Erlaß der Vorschriften über
2. die Zuwahl von sachverständigen die öffentliche Bestellung und
Personen (§ 93 Abs. 4), Vereidigung von Sachverständi-
3. die Wahl des Geschäftsführers, bei gen (§ 91 Abs. 1 Nr. 8),
mehreren Geschäftsführern des 13. die Festsetzung der den Mitglie-
Hauptgeschäftsführers und der dern zu gewährenden Entschädi-
Geschäftsführer, gung (§ 94),
4. die Feststellung des Haushalts- 14. die Änderung der Satzung.
plans einschließlich des Stellen- (2) Die nach Absatz 1 Nr. 3 bis 7, 10 bis
plans, die Bewilligung von Aus- 12 und 14 gefaßten Beschlüsse
gaben, die nicht im Haushaltsplan bedürfen der Genehmigung durch
vorgesehen sind, die Ermächti- die oberste Landesbehörde. Die
gung zur Aufnahme von Krediten Beschlüsse nach Absatz 1 Nr. 5,
und die dingliche Belastung von 10 bis 12 und 14 sind in den für die
Grundeigentum, Bekanntmachungen der Handwerks-
5. die Festsetzung der Beiträge zur kammern bestimmten Organen
Handwerkskammer und die Er- einschließlich der elektronischen
196 AUSBILDUNG & BERUF

Medien (§ 105 Abs. 2 Nr. 12) zu ver- zu veröffentlichen. Nach dem Erlass
öffentlichen. der Vorschrift ist ihre Übereinstim-
(3) Die Satzung nach Absatz 1 Nummer mung mit dem Verhältnismäßig-
12 und deren Änderungen müssen keitsgrundsatz zu überwachen und
im Einklang mit den Vorgaben des bei einer Änderung der Umstände zu
auf sie anzuwendenden europäi- prüfen, ob die Vorschrift anzupassen
schen Rechts stehen. Insbesondere ist.
sind bei neuen oder zu ändernden (5) Die oberste Landesbehörde hat bei
Vorschriften, die dem Anwendungs- der nach Absatz 2 Satz 1 erforder-
bereich der Richtlinie 2005/36/EG lichen Genehmigung zu prüfen, ob
in der jeweils geltenden Fassung die Vorgaben der Richtlinie (EU)
unterfallen, die Vorgaben der Richt- 2018/958 in der jeweils geltenden
linie (EU) 2018/958 des Europäischen Fassung eingehalten wurden. Zu
Parlaments und des Rates vom 28. diesem Zweck hat ihr die Handwerks-
Juni 2018 über eine Verhältnismä- kammer die Unterlagen zuzuleiten,
ßigkeitsprüfung vor Erlass neuer aus denen sich die Einhaltung der
Berufsreglementierungen (ABl. L 173 Vorgaben ergibt. Insbesondere sind
vom 9.7.2018, S. 25) in der jeweils die Gründe zu übermitteln, auf Grund
geltenden Fassung einzuhalten. derer die Vollversammlung der Hand-
(4) Die Vorschriften sind anhand der in werkskammer die Vorschriften und
den Artikeln 5 bis 7 der Richtlinie Satzungen oder deren Änderungen
(EU) 2018/958 festgelegten Krite- als gerechtfertigt, notwendig und ver-
rien auf ihre Verhältnismäßigkeit hältnismäßig beurteilt hat.
zu prüfen. Der Umfang der Prüfung
muss im Verhältnis zu der Art, dem § 107
Inhalt und den Auswirkungen der Die Handwerkskammer kann zu ihren
Vorschrift stehen. Die Vorschrift ist Verhandlungen Sachverständige mit be-
so ausführlich zu erläutern, dass ihre ratender Stimme zuziehen.
Übereinstimmung mit dem Verhält-
nismäßigkeitsgrundsatz bewertet § 108
werden kann. Die Gründe, aus denen (1) Die Vollversammlung wählt aus
sich ergibt, dass sie gerechtfertigt ihrer Mitte den Vorstand. Ein Drittel
und verhältnismäßig ist, sind durch der Mitglieder müssen Gesellen oder
qualitative und, soweit möglich und andere Arbeitnehmer mit abge-
relevant, quantitative Elemente zu schlossener Berufsausbildung sein.
substantiieren. Mindestens zwei (2) Der Vorstand besteht nach näherer
Wochen vor der Beschlussfassung der Bestimmung der Satzung aus dem
Vollversammlung über die Vorschrift Vorsitzenden (Präsidenten), zwei
ist auf der Internetseite der jeweiligen Stellvertretern (Vizepräsidenten),
Handwerkskammer ein Entwurf mit von denen einer Geselle oder ein
der Gelegenheit zur Stellungnahme anderer Arbeitnehmer mit abge-
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 197

schlossener Berufsausbildung sein § 110


muß, und einer weiteren Zahl von Die Vollversammlung kann unter Wah-
Mitgliedern. rung der im § 93 Abs. 1 bestimmten Ver-
(3) Der Präsident wird von der Vollver- hältniszahl aus ihrer Mitte Ausschüsse
sammlung mit absoluter Stimmen- bilden und sie mit besonderen regelmä-
mehrheit der anwesenden Mitglieder ßigen oder vorübergehenden Aufgaben
gewählt. Fällt die Mehrzahl der Stim- betrauen. § 107 findet entsprechende
men nicht auf eine Person, so findet Anwendung.
eine engere Wahl zwischen den
beiden Personen statt, welche die § 111
meisten Stimmen erhalten haben. (1) Die in die Handwerksrolle und in
(4) Die Wahl der Vizepräsidenten darf das Verzeichnis nach § 19 eingetrage-
nicht gegen die Mehrheit der Stim- nen Gewerbetreibenden haben der
men der Gruppe, der sie angehören, Handwerkskammer die zur Durch-
erfolgen. Erfolgt in zwei Wahlgän- führung von Rechtsvorschriften
gen keine Entscheidung, so ent- über die Berufsbildung und der von
scheidet ab dem dritten Wahlgang der Handwerkskammer erlassenen
die Stimmenmehrheit der jeweils Vorschriften, Anordnungen und der
betroffenen Gruppe. Gleiches gilt für sonstigen von ihr getroffenen Maß-
die Wahl der weiteren Mitglieder des nahmen erforderlichen Auskünfte zu
Vorstands. erteilen und Unterlagen vorzulegen.
(5) Die Wahl des Präsidenten und Die Handwerkskammer kann für
seiner Stellvertreter ist der obersten die Erteilung der Auskunft eine Frist
Landesbehörde binnen einer Woche setzen.
anzuzeigen. (2) Die von der Handwerkskammer mit
(6) Als Ausweis des Vorstands genügt der Einholung von Auskünften be-
eine Bescheinigung der obersten auftragten Personen sind befugt, zu
Landesbehörde, daß die darin be- dem in Absatz 1 bezeichneten Zweck
zeichneten Personen zur Zeit den die Betriebsräume, Betriebsein-
Vorstand bilden. richtungen und Ausbildungsplätze
sowie die für den Aufenthalt und
§ 109 die Unterkunft der Lehrlinge und
Dem Vorstand obliegt die Verwaltung Gesellen bestimmten Räume oder
der Handwerkskammer; Präsident und Einrichtungen zu betreten und dort
Hauptgeschäftsführer vertreten die Prüfungen und Besichtigungen vor-
Handwerkskammer gerichtlich und zunehmen. Der Auskunftspflichtige
außergerichtlich. Das Nähere regelt die hat die Maßnahme von Satz 1 zu
Satzung, die auch bestimmen kann, daß dulden. Das Grundrecht der Un-
die Handwerkskammer durch zwei Vor- verletzlichkeit der Wohnung (Artikel
standsmitglieder vertreten wird. 13 des Grundgesetzes) wird insoweit
eingeschränkt.
198 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Der Auskunftspflichtige kann die Mitgliedern der Handwerkskammer


Auskunft auf solche Fragen verwei- nach § 90 Abs. 3 nach einem von der
gern, deren Beantwortung ihn selbst Handwerkskammer mit Genehmi-
oder einen der in § 383 Abs. 1 Nr. 1 gung der obersten Landesbehörde
bis 3 der Zivilprozeßordnung be- festgesetzten Beitragsmaßstab ge-
zeichneten Angehörigen der Gefahr tragen.
strafgerichtlicher Verfolgung oder (2) Die Handwerkskammer kann als
eines Verfahrens nach dem Gesetz Beiträge auch Grundbeiträge, Zu-
über Ordnungswidrigkeiten ausset- satzbeiträge und außerdem Son-
zen würde. derbeiträge erheben. Die Beiträge
können nach der Leistungskraft
§ 112 der beitragspflichtigen Kammerzu-
(1) Die Handwerkskammer kann bei gehörigen gestaffelt werden. Soweit
Zuwiderhandlungen gegen die die Handwerkskammer Beiträge
von ihr innerhalb ihrer Zuständig- nach dem Gewerbesteuermeßbetrag,
keit erlassenen Vorschriften oder Gewerbeertrag oder Gewinn aus
Anordnungen Ordnungsgeld bis zu Gewerbebetrieb bemißt, richtet sich
fünfhundert Euro festsetzen. die Zulässigkeit der Mitteilung der
(2) Das Ordnungsgeld muß vorher hierfür erforderlichen Besteuerungs-
schriftlich angedroht werden. Die grundlagen durch die Finanzbehör-
Androhung und die Festsetzung des den für die Beitragsbemessung nach
Ordnungsgelds sind dem Betroffe- § 31 der Abgabenordnung. Personen,
nen zuzustellen. die nach § 90 Abs. 3 Mitglied der
(3) Gegen die Androhung und die Fest- Handwerkskammer sind und deren
setzung des Ordnungsgelds steht Gewerbeertrag nach dem Gewerbe-
dem Betroffenen der Verwaltungs- steuergesetz oder, soweit für das
rechtsweg offen. Bemessungsjahr ein Gewerbesteuer-
(4) Das Ordnungsgeld fließt der Hand- messbetrag nicht festgesetzt wird,
werkskammer zu. Es wird auf Antrag deren nach dem Einkommen- oder
des Vorstands der Handwerkskam- Körperschaftsteuergesetz ermit-
mer nach Maßgabe des § 113 Abs. 2 telter Gewinn aus Gewerbebetrieb
Satz 1 beigetrieben. 5 200 Euro nicht übersteigt, sind vom
Beitrag befreit. Natürliche Personen,
§ 113 die erstmalig ein Gewerbe ange-
(1) Die durch die Errichtung und meldet haben, sind für das Jahr der
Tätigkeit der Handwerkskammer Anmeldung von der Entrichtung des
entstehenden Kosten werden, soweit Grundbeitrages und des Zusatzbei-
sie nicht anderweitig gedeckt sind, trages, für das zweite und dritte Jahr
von den Inhabern eines Betriebs von der Entrichtung der Hälfte des
eines Handwerks und eines hand- Grundbeitrages und vom Zusatz-
werksähnlichen Gewerbes sowie den beitrag und für das vierte Jahr von
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 199

der Entrichtung des Zusatzbeitrages schäftigtenzahl oder nach der Lohn-


befreit, soweit deren Gewerbeertrag summe bemessen werden. Soweit
nach dem Gewerbesteuergesetz oder, die Beiträge nach der Lohnsumme
soweit für das Bemessungsjahr ein bemessen werden, sind die beitrags-
Gewerbesteuermessbetrag nicht pflichtigen Kammerzugehörigen
festgesetzt wird, deren nach dem verpflichtet, der Handwerkskammer
Einkommensteuergesetz ermittelter Auskunft durch Übermittlung eines
Gewinn aus Gewerbebetrieb 25 000 Doppels des Lohnnachweises nach
Euro nicht übersteigt. § 165 des Siebten Buches Sozial-
Die Beitragsbefreiung nach Satz 5 gesetzbuch zu geben. Soweit die
ist nur auf Kammerzugehörige an- Handwerkskammer Beiträge nach
zuwenden, deren Gewerbeanzeige der Zahl der Beschäftigten bemißt,
nach dem 31. Dezember 2003 erfolgt. ist sie berechtigt, bei den beitrags-
Wenn zum Zeitpunkt der Verab- pflichtigen Kammerzugehörigen die
schiedung der Haushaltssatzung zu Zahl der Beschäftigten zu erheben.
besorgen ist, dass bei einer Kammer Die übermittelten Daten dürfen nur
auf Grund der Besonderheiten der für Zwecke der Beitragsfestsetzung
Wirtschaftsstruktur ihres Bezirks verarbeitet sowie gemäß § 5 Nr. 7 des
die Zahl der Beitragspflichtigen, die Statistikregistergesetzes zum Auf-
einen Beitrag zahlen, durch die in bau und zur Führung des Statistik-
den Sätzen 4 und 5 geregelten Bei- registers den statistischen Ämtern
tragsbefreiungen auf weniger als 55 der Länder und dem Statistischen
vom Hundert aller ihr zugehörigen Bundesamt übermittelt werden.
Gewerbetreibenden sinkt, kann die Die beitragspflichtigen Kammer-
Vollversammlung für das betreffen- zugehörigen sind verpflichtet, der
de Haushaltsjahr eine entsprechende Handwerkskammer Auskunft über
Herabsetzung der dort genannten die zur Festsetzung der Beiträge er-
Grenzen für den Gewerbeertrag oder forderlichen Grundlagen zu erteilen;
den Gewinn aus Gewerbebetrieb be- die Handwerkskammer ist berech-
schließen. Die Handwerkskammern tigt, die sich hierauf beziehenden
und ihre Gemeinschaftseinrich- Geschäftsunterlagen einzusehen und
tungen, die öffentliche Stellen im für die Erteilung der Auskunft eine
Sinne des § 2 Absatz 2 des Bundes- Frist zu setzen.
datenschutzgesetzes sind, erheben
zur Festsetzung der Beiträge die
genannten Bemessungsgrundlagen
bei den Finanzbehörden.
Bis zum 31. Dezember 1997 können
die Beiträge in dem in Artikel 3 des
Einigungsvertrages genannten Ge-
biet auch nach dem Umsatz, der Be-
200 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Die Beiträge der Inhaber von Betrie- § 114


ben eines Handwerks oder hand- (aufgehoben)
werksähnlichen Gewerbes oder der
Mitglieder der Handwerkskammer § 115
nach § 90 Abs. 3 werden von den (1) Die oberste Landesbehörde führt
Gemeinden auf Grund einer von der die Staatsaufsicht über die Hand-
Handwerkskammer aufzustellenden werkskammer. Die Staatsaufsicht
Aufbringungsliste nach den für Ge- beschränkt sich darauf, soweit nicht
meindeabgaben geltenden landes- anderes bestimmt ist, daß Gesetz
rechtlichen Vorschriften eingezogen und Satzung beachtet, insbesondere
und beigetrieben. Die Gemeinden die den Handwerkskammern über-
können für ihre Tätigkeit eine tragenen Aufgaben erfüllt werden.
angemessene Vergütung von der (2) Die Aufsichtsbehörde kann, falls
Handwerkskammer beanspruchen, andere Aufsichtsmittel nicht aus-
deren Höhe im Streitfall die höhere reichen, die Vollversammlung auf-
Verwaltungsbehörde festsetzt. Die lösen, wenn sich die Kammer trotz
Landesregierung kann durch Rechts- wiederholter Aufforderung nicht
verordnung auf Antrag der Hand- im Rahmen der für sie geltenden
werkskammer eine andere Form der Rechtsvorschriften hält. Innerhalb
Beitragseinziehung und Beitragsbei- von drei Monaten nach Eintritt der
treibung zulassen. Die Landesregie- Unanfechtbarkeit der Anordnung
rung kann die Ermächtigung auf die über die Auflösung ist eine Neuwahl
zuständige oberste Landesbehörde vorzunehmen. Der bisherige Vor-
übertragen. stand führt seine Geschäfte bis zum
(4) Die Handwerkskammer kann Amtsantritt des neuen Vorstands
für Amtshandlungen und für die weiter und bereitet die Neuwahl der
Inanspruchnahme besonderer Vollversammlung vor.
Einrichtungen oder Tätigkeiten mit
Genehmigung der obersten Landes- § 116
behörde Gebühren erheben. Für ihre Die Landesregierungen werden er-
Beitreibung gilt Absatz 3. mächtigt, durch Rechtsverordnung die
zuständigen Behörden abweichend von
§ 104 Abs. 3 und § 108 Abs. 6 zu bestim-
men. Sie können diese Ermächtigung auf
oberste Landesbehörden übertragen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 201

Fünfter Teil Vornahme von Prüfungen oder


Bußgeld-, Übergangs- und Besichtigungen nicht duldet,
Schluß­vorschriften 3. Lehrlinge (Auszubildende) ein-
stellt oder ausbildet, obwohl er
Erster Abschnitt nach § 22a Nr. 1 persönlich oder
Bußgeldvorschriften nach § 22b Abs. 1 fachlich nicht
geeignet ist,
§ 117 4. entgegen § 22 Abs. 2 einen Lehr-
(1) Ordnungswidrig handelt, wer ling (Auszubildenden) einstellt,
1. entgegen § 1 Abs. 1 Satz 1 ein dort 5. Lehrlinge (Auszubildende) ein-
genanntes Gewerbe als stehendes stellt oder ausbildet, obwohl ihm
Gewerbe selbständig betreibt oder das Einstellen oder Ausbilden
2. entgegen § 42b Absatz 4 Satz 3, nach § 24 untersagt worden ist,
§ 42c Absatz 4 Satz 3, § 42d Ab- 6. entgegen § 30 die Eintragung in
satz 4 Satz 3, § 42f Absatz 4 Satz 1, die Lehrlingsrolle nicht oder nicht
§ 51 Absatz 1 oder § 51d Satz 1 eine rechtzeitig beantragt oder eine
dort genannte Abschluss- oder Ausfertigung der Vertragsnieder-
Ausbildungsbezeichnung führt. schrift nicht beifügt,
(2) Die Ordnungswidrigkeit nach Ab- 7. einer Rechtsverordnung nach § 9
satz 1 Nr. 1 kann mit einer Geld- Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 zuwiderhandelt,
buße bis zu zehntausend Euro, die soweit sie für einen bestimmten
Ordnungswidrigkeit nach Absatz 1 Tatbestand auf diese Bußgeldvor-
Nr. 2 kann mit einer Geldbuße bis zu schrift verweist.
fünftausend Euro geahndet werden. (2) Die Ordnungswidrigkeiten nach
Absatz 1 Nr. 1, 2, 6 und 7 können mit
§ 118 einer Geldbuße bis zu eintausend
(1) Ordnungswidrig handelt, wer Euro, die Ordnungswidrigkeiten
1. eine Anzeige nach § 16 Abs. 2 oder nach Absatz 1 Nr. 3 bis 5 können mit
§ 18 Abs. 1 nicht, nicht richtig, einer Geldbuße bis zu fünftausend
nicht vollständig oder nicht Euro geahndet werden.
rechtzeitig erstattet,
2. entgegen § 17 Abs. 1 oder Abs. 2 § 118a
Satz 2, § 111 Abs. 1 oder Abs. 2 Die zuständige Behörde unterrichtet die
Satz 2 oder § 113 Abs. 2 Satz 11, zuständige Handwerkskammer über die
auch in Verbindung mit § 73 Einleitung von und die abschließende
Abs. 3, eine Auskunft nicht, Entscheidung in Verfahren wegen Ord-
nicht richtig, nicht vollständig nungswidrigkeiten nach den §§ 117 und
oder nicht rechtzeitig erteilt, 118. Gleiches gilt für Verfahren wegen
Unterlagen nicht vorlegt oder Ordnungswidrigkeiten nach dem Gesetz
das Betreten von Grundstücken zur Bekämpfung der Schwarzarbeit in
oder Geschäftsräumen oder die der Fassung der Bekanntmachung vom
202 AUSBILDUNG & BERUF

29. Januar 1982, zuletzt geändert durch (2) Ist ein nach Absatz 1 Satz 1 be-
Anlage I Kapitel VIII Sachgebiet E Nr. 3 rechtigter Gewerbetreibender bei
des Einigungsvertrages vom 31. August Inkrafttreten dieses Gesetzes nicht
1990 in Verbindung mit Artikel 1 des in der Handwerksrolle eingetragen,
Gesetzes vom 23. September 1990 (BGBl. so ist er auf Antrag oder von Amts
1990 II S. 885, 1038), in seiner jeweils wegen binnen drei Monaten in die
geltenden Fassung, soweit Gegenstand Handwerksrolle einzutragen.
des Verfahrens eine handwerkliche (3) Die Absätze 1 und 2 gelten für Ge-
Tätigkeit ist. werbe, die in die Anlage A zu diesem
Gesetz aufgenommen werden, ent-
Zweiter Abschnitt sprechend. In diesen Fällen darf nach
Übergangsvorschriften dem Wechsel des Betriebsleiters
einer juristischen Person oder eines
§ 119 für die technische Leitung verant-
(1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes wortlichen persönlich haftenden
vorhandene Berechtigung eines Ge- Gesellschafters einer Personengesell-
werbetreibenden, ein Handwerk als schaft oder des Leiters eines Betriebs
stehendes Gewerbe selbständig zu im Sinne des § 7 Abs. 5 oder 6 der
betreiben, bleibt bestehen. Für juristi- Betrieb für die Dauer von drei Jahren
sche Personen, Personengesellschaf- fortgeführt werden, ohne daß die
ten und Betriebe im Sinne des § 7 Voraussetzungen für die Eintragung
Abs. 5 oder 6 gilt dies nur, wenn und in die Handwerksrolle erfüllt sind.
solange der Betrieb von einer Person Zur Verhütung von Gefahren für
geleitet wird, die am 1. April 1998 die öffentliche Sicherheit kann die
Betriebsleiter oder für die technische höhere Verwaltungsbehörde die
Leitung verantwortlicher persön- Fortführung des Betriebs davon
lich haftender Gesellschafter oder abhängig machen, daß er von einem
Leiter eines Betriebs im Sinne des § 7 Handwerker geleitet wird, der die
Abs. 5 und 6 ist; das gleiche gilt für Voraussetzungen für die Eintragung
Personen, die eine dem Betriebsleiter in die Handwerksrolle erfüllt.
vergleichbare Stellung haben. Soweit (4) Werden in der Anlage A zu diesem
die Berechtigung zur Ausübung eines Gesetz aufgeführte Gewerbe durch
selbständigen Handwerks anderen Gesetz oder durch eine nach § 1
bundesrechtlichen Beschränkungen Abs. 3 erlassene Rechtsverordnung
als den in diesem Gesetz bestimmten zusammengefaßt, so ist der selb-
unterworfen ist, bleiben diese Vor- ständige Handwerker, der eines der
schriften unberührt. zusammengefaßten Handwerke
betreibt, mit dem durch die Zusam-
menfassung entstandenen Handwerk
in die Handwerksrolle einzutragen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 203

(5) Soweit durch Gesetz oder durch § 120


Rechtsverordnung nach § 1 Abs. 3 (1) Die am 31. Dezember 2003 vor-
Handwerke oder handwerksähnliche handene Befugnis zur Einstellung
Gewerbe zusammengefasst werden, oder zur Ausbildung von Lehrlingen
gelten die vor dem Inkrafttreten der (Auszubildenden) in Handwerksbe-
jeweiligen Änderungsvorschrift nach trieben bleibt erhalten.
§ 25 dieses Gesetzes oder nach § 4 (2) Wer bis zum 31. März 1998 die Be-
des Berufsbildungsgesetzes erlas- fugnis zur Ausbildung von Lehr-
senen Ausbildungsordnungen und lingen (Auszubildenden) in einem
die nach § 45 Abs. 1 oder § 51a Abs. 1 Gewerbe erworben hat, das in die
in Verbindung mit Abs. 2 sowie die Anlage A zu diesem Gesetz auf-
nach § 50 Abs. 2 oder § 51a Abs. 7 genommen wird, gilt im Sinne des
dieses Gesetzes erlassenen Rechts- § 22b Abs. 1 als fachlich geeignet.
vorschriften bis zum Erlass neuer
Rechtsverordnungen nach diesem § 121
Gesetz fort. Satz 1 gilt entsprechend Der Meisterprüfung im Sinne des § 45
für noch bestehende Vorschriften bleiben die in § 133 Abs. 10 der Gewer-
gemäß § 122 Abs. 2 und 4. beordnung bezeichneten Prüfungen
(6) Soweit durch Gesetz zulassungs- gleichgestellt, sofern sie vor Inkraft-
pflichtige Handwerke in die An- treten dieses Gesetzes abgelegt worden
lage B überführt werden, gilt für die sind.
Ausbildungsordnungen Absatz 5
entsprechend. Die bis zum 31. De- § 122
zember 2003 begonnenen Meister- (1) Werden zulassungspflichtige
prüfungsverfahren sind auf Antrag Handwerke durch Gesetz oder
des Prüf-lings nach den bis dahin durch eine nach § 1 Abs. 3 erlassene
geltenden Vorschriften von den vor Rechtsverordnung getrennt oder
dem 31. Dezember 2003 von der zusammengefasst, so können auch
höheren Verwaltungsbehörde errich- solche Personen als Beisitzer der
teten Meisterprüfungsausschüssen Gesellen- oder Meisterprüfungsaus-
abzuschließen. schüsse der durch die Trennung oder
(7) In den Fällen des Absatzes 3 Satz Zusammenfassung entstandenen
1 liegt ein Ausnahmefall nach § 8 Handwerke oder handwerksähn-
Abs. 1 Satz 2 auch dann vor, wenn lichen Gewerbe berufen werden, die
zum Zeitpunkt der Antragstellung in dem getrennten oder in einem
für das zu betreibende Handwerk der zusammengefassten Handwerke
eine Rechtsverordnung nach § 45 oder handwerksähnlichen Gewerbe
noch nicht in Kraft getreten ist. die Gesellen- oder Meisterprüfung
abgelegt haben oder das Recht zum
Ausbilden von Lehrlingen besitzen
und im Falle des § 48 Abs. 3 seit min-
204 AUSBILDUNG & BERUF

destens einem Jahr in dem Hand- werden, so gelten für die Zulassung
werk, für das der Meisterprüfungs- zur Prüfung die Bestimmungen der
ausschuss errichtet ist, selbständig §§ 49 und 50 entsprechend.
tätig sind. (2) Absatz 1 gilt entsprechend für ein
(2) Die für die einzelnen Handwerke Gewerbe, das in die Anlage A auf-
oder handwerksähnlichen Gewerbe genommen wird.
geltenden Gesellen-, Abschluss- und
Meisterprüfungsvorschriften sind § 124
bis zum Inkrafttreten der nach § 25 (1) Die bei Inkrafttreten dieses Gesetzes
Abs. 1 und § 38 sowie § 45 Abs. 1 Nr. 2 bestehenden Handwerksinnungen
dieses Gesetzes oder nach § 4 des oder Handwerkerinnungen, Kreis-
Berufsbildungsgesetzes vorgesehe- handwerkerschaften oder Kreisin-
nen Prüfungsverordnungen anzu- nungsverbände, Innungsverbände
wenden, soweit sie nicht mit diesem und Handwerkskammern sind nach
Gesetz im Widerspruch stehen. Dies den Bestimmungen dieses Gesetzes
gilt für die nach § 50 Abs. 1 Satz 2 er- bis zum 30. September 1954 um-
lassenen Meisterprüfungsordnungen zubilden; bis zu ihrer Umbildung
sowie für die nach § 50 Abs. 2 erlasse- gelten sie als Handwerksinnungen,
ne Rechtsverordnung entsprechend. Kreishandwerkerschaften, Innungs-
(3) Die für die einzelnen Handwerke verbände und Handwerkskammern
oder handwerksähnlichen Gewerbe im Sinne dieses Gesetzes. Wenn sie
geltenden Berufsbilder oder Meister- sich nicht bis zum 30. September
prüfungsverordnungen sind bis zum 1954 umgebildet haben, sind sie
Inkrafttreten von Rechtsverordnun- aufgelöst. Endet die Wahlzeit der
gen nach § 45 Abs. 1 und § 51a Abs. 1 in Mitglieder einer Handwerkskammer
Verbindung mit Abs. 2 anzuwenden. vor dem 30. September 1954, so wird
(4) Die für die einzelnen Handwerke sie bis zu der Umbildung der Hand-
oder handwerksähnlichen Gewerbe werkskammer nach Satz 1, längstens
geltenden fachlichen Vorschriften jedoch bis zum 30. September 1954
sind bis zum Inkrafttreten von verlängert.
Rechtsverordnungen nach § 25 (2) Die nach diesem Gesetz umgebilde-
Abs. 1, § 45 Abs. 1 und § 51a Abs. 1 in ten Handwerksinnungen, Kreishand-
Verbindung mit Abs. 2 anzuwenden. werkerschaften, Innungsverbände
und Handwerkskammern gelten als
§ 123 Rechtsnachfolger der entsprechen-
(1) Beantragt ein Gewerbetreibender, der den bisher bestehenden Handwerks-
bis zum 31. Dezember 2003 berechtigt organisationen.
ist, ein zulassungspflichtiges Hand-
werk als stehendes Gewerbe selbstän-
dig zu betreiben, in diesem Handwerk
zur Meisterprüfung zugelassen zu
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 205

(3) Soweit für die bisher bestehenden § 124b


Handwerksorganisationen eine Die Landesregierungen werden er-
Rechtsnachfolge nicht eintritt, findet mächtigt, durch Rechtsverordnung die
eine Vermögensauseinandersetzung nach diesem Gesetz den höheren Ver-
nach den für sie bisher geltenden waltungsbehörden oder den sonstigen
gesetzlichen Bestimmungen statt. nach Landesrecht zuständigen Behörden
Bei Meinungsverschiedenheiten übertragenen Zuständigkeiten nach den
entscheidet die nach dem geltenden §§ 7a, 7b, 8, 9, 22b, 23, 24 und 42v auf
Recht zuständige Aufsichtsbehörde. andere Behörden oder auf Handwerks-
kammern zu übertragen. Satz 1 gilt auch
§ 124a für die Zuständigkeiten nach § 16 Ab-
(1) Verfahren zur Wahl der Vollver- satz 3; eine Übertragung auf Handwerks-
sammlung von Handwerkskam- kammern ist jedoch ausgeschlossen. Die
mern, die nach den Satzungsbestim- Staatsaufsicht nach § 115 Abs. 1 umfasst
mungen bis zum 31. Dezember 2004 im Falle einer Übertragung von Zu-
zu beginnen sind, können nach den ständigkeiten nach den §§ 7a, 7b, 8 und 9
bisherigen Vorschriften zu Ende auch die Fachaufsicht.
geführt werden. Durch Beschluss der
Vollversammlung kann die Wahl- § 124c
zeit nach Wahlen, die entsprechend (1) Die Mitglieder der Vollversamm-
Satz 1 nach den bisherigen Vor- lung, der Innungsversammlung,
schriften zu Ende geführt werden, der Mitgliederversammlung, der
in Abweichung von § 103 Abs. 1 Satz Delegiertenversammlung, der Vor-
1 verkürzt werden. Wahlzeiten, die stände und der Ausschüsse (Organe)
nach den Satzungsbestimmungen der Handwerksorganisationen nach
bis zum 31. Dezember 2004 en- dem Vierten Teil sowie der Haupt-
den, können durch Beschluss der geschäftsführer einer Handwerks-
Vollversammlung bis zu einem Jahr kammer bleiben auch nach Ablauf
verlängert werden, um die Wahl zur ihrer Amtszeit bis zur Abberufung
Handwerkskammer nach den neuen oder bis zur Bestellung ihrer Nach-
Vorschriften durchzuführen. folger im Amt. Regelungen in Gesetz
Die Verlängerung oder Verkürzung oder Satzung über das Ausscheiden,
der Wahlzeiten sind der obersten insbesondere den Widerruf, der Be-
Landesbehörde anzuzeigen. stellung oder des Ausscheidens eines
(2) Für das Verfahren der Wahl zu einer Mitglieds, bleiben unberührt.
Vollversammlung einer Hand- (2) Der Vorstand einer Handwerks-
werkskammer, deren laufende organisation im Sinne des Absatzes 1
Wahlperiode nach dem 14. Februar kann auch ohne Ermächtigung in
2020 und spätestens zum Ablauf des der Satzung durch Beschluss den
31. Dezember 2020 endet, gilt Absatz Mitgliedern der Organe seiner Hand-
1 entsprechend. werksorganisation ermöglichen,
206 AUSBILDUNG & BERUF

1. an einer Sitzung ohne Anwesen- (4) In den Fällen des Absatzes 2 Satz 1
heit am Versammlungsort teil- Nummer 2 oder des Absatzes 3 Satz 1
zunehmen und Mitgliederrechte Nummer 2
im Wege der elektronischen 1. ist ein Beschluss gültig, wenn
Kommunikation auszuüben oder a) alle Mitglieder beteiligt
2. ohne Teilnahme an einer Sitzung ­wurden,
ihre Stimmen vor der Durchfüh- b) mindestens die Hälfte der
rung oder ohne Durchführung Mitglieder ihre Stimmen bis zu
der Sitzung in Textform gegen- dem gesetzten Termin in Text-
über dem Vorstand abzugeben form oder ihre Stimme in der
Zu einer Sitzung oder Beschlussfas- Sitzung abgegeben haben und
sung eines Organs darf abweichend c) der Beschluss mit der nach
von anderslautenden gesetzlichen Gesetz oder der jeweiligen Sat-
oder satzungsrechtlichen Bestim- zung erforderlichen Mehrheit
mungen in Textform eingeladen gefasst wurde,
werden. In der Einladung ist der Be- 2. sind die Vorschriften über die Öf-
schluss nach Satz 1 bekannt zu geben. fentlichkeit von Sitzungen nicht
(3) Der Präsident einer Handwerkskam- anzuwenden.
mer kann auch ohne Ermächtigung in (5) Die Absätze 1, 3 und 4 gelten für
der Satzung durch Beschluss den Mit- Meisterprüfungsausschüsse nach
gliedern des Vorstandes ermöglichen, § 47 entsprechend.
1. an einer Sitzung ohne Anwesen- (6) Die Absätze 1 bis 5 sind ab dem 1. Ja-
heit am Versammlungsort teil- nuar 2022 nicht mehr anzuwenden.
zunehmen und Mitgliederrechte
im Wege der elektronischen Dritter Abschnitt
Kommunikation auszuüben oder Schlußvorschriften
2. ohne Teilnahme an einer Sitzung
ihre Stimmen vor der Durchfüh- § 125
rung oder ohne Durchführung (1) Auf Ausbildungsverträge, die vor
der Sitzung in Textform gegen- dem 30. September 2017 abgeschlos-
über dem Präsidenten abzugeben. sen wurden oder bis zu diesem
In der Einladung zur Sitzung oder Zeitpunkt abgeschlossen werden,
zur Beschlussfassung ist der Be- sind § 6 Absatz 2 Satz 5, § 26 Absatz 2
schluss nach Satz 1 bekannt zu ge- Satz 1, § 36 Absatz 1 Nummer 2 und
ben. Die Sätze 1 und 2 gelten für die § 44 Absatz 2 Nummer 1 in ihrer bis
übrigen Handwerksorganisationen zum 5. April 2017 geltenden Fassung
nach dem Vierten Teil entsprechend. weiter anzuwenden.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 207

(2) Sofern für einen anerkannten § 126


Fort­bild­ungsabschluss eine Fortbil- (1) Wer am 13. Februar 2020 einen
dungsordnung auf Grund des § 42 in Betrieb eines zulassungsfreien
der bis zum Ablauf des 31. Dezember Handwerks innehat, das in Anlage B
2019 geltenden Fassung erlassen Abschnitt 1 Nummer 1, 2, 3, 4, 12, 13,
wor­den ist, ist diese Fortbildungsord­ 15, 17, 27, 34, 44 oder 53 in der am
nung bis zum erstmaligen Erlass 13. Februar 2020 geltenden Fassung
ei­ner Fortbildungsordnung nach § 42 aufgeführt ist, ist abweichend von § 7
in der ab dem 1. Januar 2020 gelten- Absatz 1a auch ohne eine bestandene
den Fassung weiterhin anzuwenden. Meisterprüfung des Betriebsleiters
Sofern eine Fortbildungsprüfungs­ mit dem ausgeübten Handwerk
regelung nach § 42a in der bis zum von Amts wegen in die Handwerks-
Ablauf des 31. Dezember 2019 rolle umzutragen. Bis zum Voll-
gel­tenden Fassung erlassen worden zug der Umtragung nach Satz 1 ist
ist, ist diese Fortbildungsprüfungsre­ abweichend von § 1 Absatz 1 Satz 1
gelung bis zum erstmaligen Erlass der Betrieb des Handwerks ab dem
einer Fortbildungsprüfungsregelung 14. Februar 2020 gestattet.
nach § 42f in der ab dem 1. Januar (2) Wer am 13. Februar 2020 einen
2020 geltenden Fassung weiterhin handwerklichen Nebenbetrieb
anzuwenden. eines zulassungsfreien Handwerks
(3) Für Berufsausbildungsverträge mit innehat, das in Anlage B Abschnitt 1
Ausbildungsbeginn ab dem 1. Januar Nummer 1, 2, 3, 4, 12, 13, 15, 17, 27,
2020 ist das Datum „bei Vertrags- 34, 44 oder 53 in der am 13. Februar
abschluss vereinbarte Vergütung für 2020 geltenden Fassung aufgeführt
jedes Ausbildungsjahr“ in der Lehr- ist, und nicht in das Verzeichnis nach
lingsrolle nach § 28 Absatz 1 und der § 19 Satz 1 eingetragen ist, ist abwei-
Anlage D Abschnitt III Nummer 4 in chend von § 7 Absatz 1a auch ohne
der ab dem 1. Januar 2020 geltenden eine bestandene Meisterprüfung des
Fassung zu speichern. Im Übrigen Betriebsleiters mit dem ausgeübten
sind für Berufsausbildungsverträge Handwerk auf Antrag in die Hand-
mit Ausbildungsbeginn bis zum Ab- werksrolle einzutragen. Der Antrag
lauf des 31. Dezember 2020 § 28 und ist innerhalb eines Jahres nach dem
die Anlage D in der am 31. Dezember 14. Februar 2020 bei der zuständigen
2019 geltenden Fassung weiterhin Handwerkskammer unter Beifügen
anzuwenden. oder Vorlegen geeigneter Nachweise
für das Innehaben eines handwerk-
lichen Nebenbetriebs zu stellen.
Bis zum Vollzug der Eintragung in
die Handwerksrolle aufgrund eines
Antrags nach Satz 1 oder bis zur
rechtskräftigen Entscheidung über
208 AUSBILDUNG & BERUF

eine ablehnende Entscheidung ist (4) Wird ab dem 14. Februar 2020 der
abweichend von § 1 Absatz 1 Satz 1 Inhaber eines Betriebs, der nach Ab-
der Betrieb des Handwerks als hand- satz 1 Satz 1 von Amts wegen in die
werklicher Nebenbetrieb ab dem Handwerksrolle umzutragen ist oder
14. Februar 2020 gestattet. umgetragen wurde, um einen weite-
(3) Der Inhaber eines Betriebs, der nach ren Eigentümer oder Gesellschafter
Absatz 1 von Amts wegen in die erweitert, so muss das Erfüllen der
Handwerksrolle umzutragen ist oder Anforderung für die Eintragung in
umgetragen wurde, bleibt in der die Handwerksrolle nach § 7 Absatz
Handwerksrolle eingetragen, auch 1a, 2, 3, 7 oder 9 innerhalb von sechs
wenn einzelne Eigentümer oder Monaten nach der Erweiterung
Gesellschafter nach dem 13. Februar durch Vorlage geeigneter Unterlagen
2020 ausscheiden. gegenüber der zuständigen Hand-
werkskammer nachgewiesen wer-
den. Liegt der Nachweis gegenüber
der zuständigen Handwerkskammer
innerhalb der vorgenannten Frist
nicht vor, so ist die Eintragung des
Betriebs in der Handwerksrolle zu
löschen. Im Übrigen bleibt § 4 un-
berührt.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 209

Anlage A Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungspflichtige Handwerke


betrieben werden können (§ 1 Absatz 2)

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 142 – 143)

Nummer
1 Maurer und Betonbauer 33 Augenoptiker
2 Ofen- und Luftheizungsbauer 34 Hörakustiker
3 Zimmerer 35 Orthopädietechniker
4 Dachdecker 36 Orthopädieschuhmacher
5 Straßenbauer 37 Zahntechniker
6 Wärme-, Kälte- und Schallschutz­ 38 Friseure
isolierer 39 Glaser
7 Brunnenbauer 40 Glasbläser und Glasapparatebauer
8 Steinmetzen und Steinbildhauer 41 Mechaniker für Reifen- und Vulka-
9 Stuckateure nisationstechnik
10 Maler und Lackierer 42 Fliesen-, Platten- und Mosaikleger
11 Gerüstbauer 43 Betonstein- und Terrazzohersteller
12 Schornsteinfeger 44 Estrichleger
13 Metallbauer 45 Behälter- und Apparatebauer
14 Chirurgiemechaniker 46 Parkettleger
15 Karosserie- und Fahrzeugbauer 47 Rollladen- und Sonnenschutz­
16 Feinwerkmechaniker techniker
17 Zweiradmechaniker 48 Drechsler (Elfenbeinschnitzer) und
18 Kälteanlagenbauer Holzspielzeugmacher
19 Informationstechniker 49 Böttcher
20 Kraftfahrzeugtechniker 50 Glasveredler
21 Landmaschinenmechaniker 51 Schilder- und
22 Büchsenmacher Lichtreklamehersteller
23 Klempner 52 Raumausstatter
24 Installateur und Heizungsbauer 53 Orgel- und Harmoniumbauer
25 Elektrotechniker
26 Elektromaschinenbauer
27 Tischler
28 Boots- und Schiffbauer
29 Seiler
30 Bäcker
31 Konditoren
32 Fleischer
210 AUSBILDUNG & BERUF

Anlage B Verzeichnis der Gewerbe, die als zulassungsfreie Handwerke


oder handwerksähnliche Gewerbe betrieben werden können (§ 18 Absatz 2)

(Fundstelle: BGBl. I 2020, 143 – 144)

Abschnitt 1
Zulassungsfreie Handwerke

Nummer
1 entfällt 30 Weinküfer
2 entfällt 31 Textilreiniger
3 entfällt 32 Wachszieher
4 entfällt 33 Gebäudereiniger
5 Uhrmacher 34 entfällt
6 Graveure 35 Feinoptiker
7 Metallbildner 36 Glas- und Porzellanmaler
8 Galvaniseure 37 Edelsteinschleifer und -graveure
9 Metall- und Glockengießer 38 Fotografen
10 Schneidwerkzeugmechaniker 39 Buchbinder
11 Gold- und Silberschmiede 40 Drucker
12 entfällt 41 Siebdrucker
13 entfällt 42 Flexografen
14 Modellbauer 43 Keramiker
15 entfällt 44 entfällt
16 Holzbildhauer 45 Klavier- und Cembalobauer
17 entfällt 46 Handzuginstrumentenmacher
18 Korb- und Flechtwerkgestalter 47 Geigenbauer
19 Maßschneider 48 Bogenmacher
20 Textilgestalter (Sticker, Weber, 49 Metallblasinstrumentenmacher
Klöppler, Posamentierer, Stricker) 50 Holzblasinstrumentenmacher
21 Modisten 51 Zupfinstrumentenmacher
22 (weggefallen) 52 Vergolder
23 Segelmacher 53 entfällt
24 Kürschner 54 Holz- und Bautenschützer
25 Schuhmacher (Mauerschutz und Holzimpräg­
26 Sattler und Feintäschner nierung in Gebäuden)
27 entfällt 55 Bestatter
28 Müller
29 Brauer und Mälzer
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 211

Abschnitt 2
Handwerksähnliche Gewerbe

Nummer
1 Eisenflechter 27 Dekorationsnäher
2 Bautentrocknungsgewerbe (ohne Schau­fensterdekoration)
3 Bodenleger 28 Fleckteppichhersteller
4 Asphaltierer (ohne Straßenbau) 29 (weggefallen)
5 Fuger (im Hochbau) 30 Theaterkostümnäher
6 entfällt 31 Plisseebrenner
7 Rammgewerbe (Einrammen von 32 (weggefallen)
Pfählen im Wasserbau) 33 Stoffmaler
8 Betonbohrer und -schneider 34 (weggefallen)
9 Theater- und Ausstattungsmaler 35 Textil-Handdrucker
10 Herstellung von Drahtgestellen 36 Kunststopfer
für Dekorationszwecke in 37 Änderungsschneider
Sonder­anfertigung 38 Handschuhmacher
11 Metallschleifer und Metallpolierer 39 Ausführung einfacher
12 Metallsägen-Schärfer Schuh­reparaturen
13 Tankschutzbetriebe (Korrosions- 40 Gerber
schutz von Öltanks für Feuerungs­ 41 Innerei-Fleischer (Kuttler)
anlagen ohne chemische Verfahren) 42 Speiseeishersteller (mit Vertrieb von
14 Fahrzeugverwerter Speiseeis mit üblichem Zubehör)
15 Rohr- und Kanalreiniger 43 Fleischzerleger, Ausbeiner
16 Kabelverleger im Hochbau 44 Appreteure, Dekateure
(ohne Anschlussarbeiten) 45 Schnellreiniger
17 Holzschuhmacher 46 Teppichreiniger
18 Holzblockmacher 47 Getränkeleitungsreiniger
19 Daubenhauer 48 Kosmetiker
20 Holz-Leitermacher 49 Maskenbildner
(Sonderan­fertigung) 50 entfällt
21 Muldenhauer 51 Lampenschirmhersteller
22 Holzreifenmacher (Sonder­anfertigung)
23 Holzschindelmacher 52 Klavierstimmer
24 Einbau von genormten Baufertig- 53 Theaterplastiker
teilen (zum Beispiel Fenster, Türen, 54 Requisiteure
Zargen, Regale) 55 Schirmmacher
25 Bürsten- und Pinselmacher 56 Steindrucker
26 Bügelanstalten für 57 Schlagzeugmacher
Herren-Oberbekleidung
212 AUSBILDUNG & BERUF

Anlage C Wahlordnung für die Wahlen b) die Firma, wenn der selbstän-
der Mitglieder der Vollversammlung dige Handwerker eine Firma
der Handwerkskammern führt, die sich auf den Hand-
werksbetrieb bezieht, die Web-
Text siehe: HwWahlO seite des Handwerksbetriebes
sowie dessen Etablissementbe-
Anlage D Art der personenbezogenen zeichnung;
Daten in der Handwerksrolle, in c) Ort und Straße der gewerbli-
dem Verzeichnis der Inhaber eines chen Niederlassung;
zulassungsfreien Handwerks oder d) das zu betreibende Handwerk
handwerksähnlichen Gewerbes und oder bei Ausübung mehrerer
in der Lehrlingsrolle Handwerke diese Handwerke;
I. In der Handwerksrolle sind folgende e) die Bezeichnung der Rechts-
Daten zu speichern: vorschriften, nach denen der
1. bei natürlichen Personen selbständige Handwerker
a) Name, Vorname, Geburtsname, die Voraussetzungen für die
Geburtsdatum, Staatsange- Eintragung in die Handwerks-
hörigkeit, Wohnanschrift und rolle erfüllt und in dem zu
elektronische Kontaktdaten, betreibenden Handwerk zur
beispielsweise E-Mail-Adresse, Ausbildung von Lehrlingen
Webseite, Telefaxnummer oder befugt ist; hat der selbständige
Telefonnummer, des Betriebs- Handwerker die zur Ausübung
inhabers, bei nicht voll ge- des zu betreibenden Hand-
schäftsfähigen Personen auch werks notwendigen Kenntnisse
der Name, Vorname des gesetz- und Fertigkeiten durch eine
lichen Vertreters; im Falle des Prüfung nachgewiesen, so sind
§ 4 Absatz 2 oder im Falle des auch Art, Ort und Zeitpunkt
§ 7 Absatz 1 Satz 1 der Hand- dieser Prüfung sowie die Stelle,
werksordnung sind auch der vor der die Prüfung abgelegt
Name, Vorname, Geburtsname, wurde, einzutragen;
Geburtsdatum, Staatsange- f) der Zeitpunkt der Eintragung
hörigkeit, Wohnanschrift und in die Handwerksrolle;
elektronische Kontaktdaten, 2. bei juristischen Personen
beispielsweise E-Mail- Adresse, a) die Firma oder der Name der
Internet-Adresse, Telefaxnum- juristischen Person, deren
mer oder Telefonnummer, des Internetseite und Firmierung
Betriebsleiters sowie die für sowie Ort und Straße der
ihn in Betracht kommenden gewerblichen Niederlassung;
Angaben nach Buchstabe e ein-
zutragen;
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 213

b) Name, Vorname, Geburtsname, technische Leitung des Betrie-


Geburtsdatum, Staatsange- bes verantwortlichen persön-
hörigkeit, Wohnanschrift und lich haftenden Gesellschafters
elektronische Kontaktdaten, oder im Falle des § 7 Absatz 1
beispielsweise E-Mail-Adresse, Satz 1 des Betriebsleiters An-
Webseite, Telefaxnummer oder gaben über eine Vertretungs-
Telefonnummer, der gesetz- befugnis und die für ihn in
lichen Vertreter; Betracht kommenden Angaben
c) das zu betreibende Handwerk nach Nummer 1 Buchstabe e;
oder bei Ausübung mehrerer c) Name, Vorname, Geburtsname,
Handwerke diese Handwerke; Geburtsdatum, Staatsange-
d) Name, Vorname, Geburtsname, hörigkeit, Wohnanschrift und
Geburtsdatum, Staatsange- elektronische Kontaktdaten,
hörigkeit, Wohnanschrift und beispielsweise E-Mail-Adresse,
elektronische Kontaktdaten, Webseite, Telefaxnummer oder
beispielsweise E-Mail-Adresse, Telefonnummer, der übrigen
Webseite, Telefaxnummer oder Gesellschafter, Angaben über
Telefonnummer, des Betriebs- eine Vertretungsbefugnis
leiters sowie die für ihn in und die für ihn in Betracht
Betracht kommenden Angaben kommenden Angaben nach
nach Nummer 1 Buchstabe e; Nummer 1 Buchstabe e;
e) der Zeitpunkt der Eintragung d) das zu betreibende Handwerk
in die Handwerksrolle; oder bei Ausübung mehrerer
3. bei Personengesellschaften Handwerke diese Handwerke;
a) bei Personenhandelsgesell- e) der Zeitpunkt der Eintragung
schaften die Firma, bei Ge- in die Handwerksrolle;
sellschaften des Bürgerlichen 4. bei handwerklichen Nebenbetrie-
Rechts die Bezeichnung, unter ben
der sie das Handwerk be- a) Angaben über den Inhaber
treiben, deren Webseite und des Nebenbetriebes in ent-
Firmierung sowie der Ort und sprechender Anwendung der
die Straße der gewerblichen Nummer 1 Buchstabe a bis c,
Niederlassung; Nummer 2 Buchstabe a und b
b) Name, Vorname, Geburtsname, und Nummer 3 Buchstabe a
Geburtsdatum, Staatsange- und c;
hörigkeit, Wohnanschrift und b) das zu betreibende Handwerk
elektronische Kontaktdaten, oder bei Ausübung mehrerer
beispielsweise E-Mail-Adresse, Handwerke diese Handwerke;
Webseite, Telefaxnummer oder
Telefonnummer, des für die
214 AUSBILDUNG & BERUF

c) Bezeichnung oder Firma und III. In der Lehrlingsrolle sind folgende
Gegenstand sowie Ort und personenbezogene Daten zu
Straße der gewerblichen Nie- speichern:
derlassung des Unternehmens, 1. bei den Ausbildenden,
mit dem der Nebenbetrieb a) die in der Handwerksrolle ein-
verbunden ist; getragen sind:
d) Bezeichnung oder Firma, deren die Eintragungen in der Hand-
Internetseite und Firmierung werksrolle, soweit sie für die
sowie Ort und Straße der ge- Zwecke der Führung der Lehr-
werblichen Niederlassung des lingsrolle erforderlich sind;
Nebenbetriebs; b) die nicht in der Handwerks-
e) Name, Vorname, Geburtsname, rolle eingetragen sind:die der
Geburtsdatum, Staatsange- Eintragung nach Abschnitt I
hörigkeit, Wohnanschrift und Nummer 1 Buchstabe a
elektronische Kontaktdaten, entsprechenden Daten mit
beispielsweise E-Mail-Adresse, Ausnahme der Daten zum Be-
Webseite, Telefaxnummer oder triebsleiter zum Zeitpunkt der
Telefonnummer, des Leiters Eintragung in die Handwerks-
des Nebenbetriebes und die rolle und die Angaben zu Ab-
für ihn in Betracht kommen- schnitt I Nummer 1 Buchsta-
den Angaben nach Nummer 1 be e, soweit sie für die Zwecke
Buchstabe e; der Lehrlingsrolle erforderlich
f) der Zeitpunkt der Eintragung sind;
in die Handwerksrolle. 2. bei den Ausbildern:
II. Abschnitt I gilt entsprechend für das Name, Geburtsname, Vorname,
Verzeichnis der Inhaber von Betrie- Geschlecht, Geburtsdatum, An-
ben in zulassungsfreien Handwerken schrift, elektronische Kontaktda-
oder handwerksähnlichen Gewer- ten, beispielsweise E-Mail-Adresse,
ben. Dieses Verzeichnis braucht nicht Webseite, Telefaxnummer oder
die gleichen Angaben wie die Hand- Telefonnummer, Art der fachli-
werksrolle zu enthalten. Mindestin- chen Eignung;
halt sind die wesentlichen betriebli- 3. bei den Auszubildenden
chen Verhältnisse einschließlich der a) beim Lehrling:
wichtigsten persönlichen Daten des Name, Geburtsname, Vorname,
Betriebsinhabers. Geschlecht, Geburtsdatum,
Staatsangehörigkeit, allge-
meinbildender Schulabschluss,
vorausgegangene Teilnahme
an berufsvorbereitender
Qualifizierung oder beruflicher
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – HANDWERKSORDNUNG 215

Grundbildung, vorherige Be- bildungsstätte, Wirtschaftszweig,


rufsausbildung sowie vorheri- Betriebsnummer der Ausbildungs-
ges Studium, Anschlussvertrag stätte nach § 18i Absatz 1 oder
bei Anrechnung einer zuvor § 18k Absatz 1 des Vierten Buches
absolvierten dualen Berufs- Sozialgesetzbuch, Zugehörigkeit
ausbildung nach dem Berufs- zum öffentlichen Dienst.
bildungsgesetz oder der Hand- IV. In das Verzeichnis der Unter-
werksordnung einschließlich nehmer nach § 90 Abs. 3 und 4 der
Ausbildungsberuf, Anschrift Handwerksordnung werden die
des Lehrlings und dessen Personen nach § 90 Abs. 3 und 4 der
elektronische Kontaktdaten, Handwerksordnung mit den nach
beispielsweise E-Mail-Adresse, Abschnitt I Nr. 1 Buchstabe a und c
Webseite, Telefaxnummer oder geforderten Angaben für natürliche
Telefonnummer; Personen sowie der Zeitpunkt der
b) bei gesetzlichen Vertretern: Gewerbeanmeldung eingetragen.
Name, Vorname und Anschrift
der gesetzlichen Vertreter;
4. beim Ausbildungsverhältnis:
Ausbildungsberuf einschließlich
Fachrichtung, ausbildungsinte-
grierendes duales Studium, Tag,
Monat und Jahr des Abschlusses
des Ausbildungsvertrages, Aus-
bildungsdauer, Tag, Monat und
Jahr des vertraglich vereinbarten
Beginns und Endes der Berufs-
ausbildung, Tag, Monat und Jahr
einer vorzeitigen Auflösung des
Ausbildungsverhältnisses, Dauer
der Probezeit, Verkürzung der Aus-
bildungsdauer, Teilzeitberufsaus-
bildung, die bei Vertragsabschluss
vereinbarte Vergütung für jedes
Ausbildungsjahr, Art der Förde-
rung bei überwiegend öffentlich,
insbesondere auf Grund des
Dritten Buches Sozialgesetzbuch
geförderten Berufsausbildungsver-
hältnissen, Anschrift und Amt-
licher Gemeindeschlüssel der Aus-
216 AUSBILDUNG & BERUF

3 Jugendarbeitsschutzgesetz

Gesetz zum Schutze der arbeitenden Jugend (JArbSchG) in der Fassung vom 12. April
1976 (BGBl. I S. 965), das zuletzt durch Artikel 3 des Gesetzes vom 12. Dezember 2019
(BGBl. I S. 2522) geändert worden ist.

-nicht amtliche Veröffentlichung-

Inhaltsübersicht

Erster Abschnitt
Allgemeine Vorschriften

Geltungsbereich § 1
Kind, Jugendlicher § 2
Arbeitgeber § 3
Arbeitszeit § 4

Zweiter Abschnitt
Beschäftigung von Kindern

Verbot der Beschäftigung von Kindern § 5


Behördliche Ausnahmen für Veranstaltungen § 6
Beschäftigung von nicht vollzeitschulpflichtigen Kindern § 7

Dritter Abschnitt
Beschäftigung Jugendlicher

ERSTER TITEL
Arbeitszeit und Freizeit
Dauer der Arbeitszeit § 8
Berufsschule § 9
Prüfungen und außerbetriebliche Ausbildungsmaßnahmen § 10
Ruhepausen, Aufenthaltsräume § 11
Schichtzeit § 12
Tägliche Freizeit § 13
Nachtruhe § 14
Fünf-Tage-Woche § 15
Samstagsruhe § 16
Sonntagsruhe § 17
Feiertagsruhe § 18
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 217

Urlaub § 19
Binnenschiffahrt § 20
Ausnahmen in besonderen Fällen § 21
Abweichende Regelungen § 21a
Ermächtigung § 21b

ZWEITER TITEL
Beschäftigungsverbote und -beschränkungen
Gefährliche Arbeiten § 22
Akkordarbeit; tempoabhängige Arbeiten § 23
Arbeiten unter Tage § 24
Verbot der Beschäftigung durch bestimmte Personen § 25
Ermächtigungen § 26
Behördliche Anordnungen und Ausnahmen § 27

DRITTER TITEL
Sonstige Pflichten des Arbeitgebers
Menschengerechte Gestaltung der Arbeit § 28
Beurteilung der Arbeitsbedingungen § 28a
Unterweisung über Gefahren § 29
Häusliche Gemeinschaft § 30
Züchtigungsverbot; Verbot der Abgabe von Alkohol und Tabak § 31

VIERTER TITEL
Gesundheitliche Betreuung
Erstuntersuchung § 32
Erste Nachuntersuchung § 33
Weitere Nachuntersuchungen § 34
Außerordentliche Nachuntersuchung § 35
Ärztliche Untersuchungen und Wechsel des Arbeitgebers § 36
Inhalt und Durchführung der ärztlichen Untersuchungen § 37
Ergänzungsuntersuchung § 38
Mitteilung, Bescheinigung § 39
Bescheinigung mit Gefährdungsvermerk § 40
Aufbewahren der ärztlichen Bescheinigungen § 41
Eingreifen der Aufsichtsbehörde § 42
Freistellung für Untersuchungen § 43
Kosten der Untersuchungen § 44
Gegenseitige Unterrichtung der Ärzte § 45
Ermächtigungen § 46
218 AUSBILDUNG & BERUF

Vierter Abschnitt
Durchführung des Gesetzes

ERSTER TITEL
Aushänge und Verzeichnisse
Bekanntgabe des Gesetzes und der Aufsichtsbehörde § 47
Aushang über Arbeitszeit und Pausen § 48
Verzeichnisse der Jugendlichen § 49
Auskunft; Vorlage der Verzeichnisse § 50

ZWEITER TITEL
Aufsicht
Aufsichtsbehörde; Besichtigungsrechte und Berichtspflicht § 51
(weggefallen) § 52
Mitteilung über Verstöße § 53
Ausnahmebewilligungen § 54

DRITTER TITEL
Ausschüsse für Jugendarbeitsschutz
Bildung des Landesausschusses für Jugendarbeitsschutz § 55
Bildung des Ausschusses für Jugendarbeitsschutz
bei der Aufsichtsbehörde § 56
Aufgaben der Ausschüsse § 57

Fünfter Abschnitt
Straf- und Bußgeldvorschriften

Bußgeld- und Strafvorschriften § 58


Bußgeldvorschriften § 59
Verwaltungsvorschriften für die Verfolgung und Ahndung
von Ordnungswidrigkeiten § 60
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 219

Sechster Abschnitt
Schlußvorschriften

Beschäftigung von Jugendlichen auf Kauffahrteischiffen § 61


Beschäftigung im Vollzug einer Freiheitsentziehung § 62
Änderung des Berufsbildungsgesetzes § 63
Änderung der Handwerksordnung § 64
Änderung des Bundesbeamtengesetzes § 65
Änderung des Beamtenrechtsrahmengesetzes § 66
Änderung des Bundeszentralregistergesetzes § 67
Änderung der Gewerbeordnung § 68
Änderung von Verordnungen § 69
Änderung des Gesetzes über Betriebsärzte,
Sicherheitsingenieure und andere Fachkräfte für Arbeitssicherheit § 70
Berlin-Klausel § 71
Inkrafttreten § 72
220 AUSBILDUNG & BERUF

Erster Abschnitt (3) Auf Jugendliche, die der Vollzeit-


Allgemeine Vorschriften schulpflicht unterliegen, finden die
für Kinder geltenden Vorschriften
§ 1 Anwendung.
Geltungsbereich
(1) Dieses Gesetz gilt in der Bundes­ § 3
republik Deutschland und in der Arbeitgeber
aus­schließlichen Wirtschaftszone Arbeitgeber im Sinne dieses Gesetzes ist,
für die Beschäftigung von Personen, wer ein Kind oder einen Jugendlichen
die noch nicht 18 Jahre alt sind, gemäß § 1 beschäftigt.
1. in der Berufsausbildung,
2. als Arbeitnehmer oder § 4
Heimarbeiter, Arbeitszeit
3. mit sonstigen Dienstleistungen, (1) Tägliche Arbeitszeit ist die Zeit vom
die der Arbeitsleistung von Beginn bis zum Ende der täglichen
Arbeitnehmern oder Heim­ Beschäftigung ohne die Ruhepausen
arbeitern ähnlich sind, (§ 11).
4. in einem der Berufsausbildung (2) Schichtzeit ist die tägliche Arbeitszeit
ähnlichen Ausbildungsverhältnis. unter Hinzurechnung der Ruhepau-
(2) Dieses Gesetz gilt nicht sen (§ 11).
1. für geringfügige Hilfeleistungen, (3) Im Bergbau unter Tage gilt die
soweit sie gelegentlich Schichtzeit als Arbeitszeit. Sie wird
a) aus Gefälligkeit, gerechnet vom Betreten des Förder-
b) auf Grund familienrechtlicher korbs bei der Einfahrt bis zum Ver-
Vorschriften, lassen des Förderkorbs bei der Aus-
c) in Einrichtungen der fahrt oder vom Eintritt des einzelnen
Jugendhilfe, Beschäftigten in das Stollenmund-
d) in Einrichtungen zur loch bis zu seinem Wiederaustritt.
Eingliederung Behinderter (4) Für die Berechnung der wöchent-
erbracht werden, lichen Arbeitszeit ist als Woche die
2. für die Beschäftigung durch die Zeit von Montag bis einschließlich
Personensorgeberechtigten im Sonntag zugrunde zu legen. Die
Familienhaushalt. Arbeitszeit, die an einem Werktag
infolge eines gesetzlichen Feiertags
§ 2 ausfällt, wird auf die wöchentliche
Kind, Jugendlicher Arbeitszeit angerechnet.
(1) Kind im Sinne dieses Gesetzes ist, (5) Wird ein Kind oder ein Jugendlicher
wer noch nicht 15 Jahre alt ist. von mehreren Arbeitgebern be-
(2) Jugendlicher im Sinne dieses Gesetzes schäftigt, so werden die Arbeits- und
ist, wer 15, aber noch nicht 18 Jahre Schichtzeiten sowie die Arbeitstage
alt ist. zusammengerechnet.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 221

Zweiter Abschnitt Stunden täglich, in landwirtschaft-


Beschäftigung von Kindern lichen Familienbetrieben nicht mehr
als drei Stunden täglich, nicht zwi-
§ 5 schen 18 und 8 Uhr, nicht vor dem
Verbot der Beschäftigung von Kindern Schulunterricht und nicht während
(1) Die Beschäftigung von Kindern des Schulunterrichts beschäftigt
(§ 2 Abs. 1) ist verboten. werden. Auf die Beschäftigung
(2) Das Verbot des Absatzes 1 gilt nicht finden die §§ 15 bis 31 entsprechende
für die Beschäftigung von Kindern Anwendung.
1. zum Zwecke der Beschäftigungs- (4) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner
und Arbeitstherapie, nicht für die Beschäftigung von
2. im Rahmen des Betriebsprakti- Jugendlichen (§ 2 Abs. 3) während
kums während der Vollzeitschul- der Schulferien für höchstens vier
pflicht, Wochen im Kalenderjahr. Auf die
3. in Erfüllung einer richterlichen Beschäftigung finden die §§ 8 bis 31
Weisung. entsprechende Anwendung.
Auf die Beschäftigung finden § 7 (4a) Die Bundesregierung hat durch
Satz 1 Nr. 2 und die §§ 9 bis 46 Rechtsverordnung mit Zustimmung
entsprechende Anwendung. des Bundesrates die Beschäftigung
(3) Das Verbot des Absatzes 1 gilt ferner nach Absatz 3 näher zu bestimmen.
nicht für die Beschäftigung von Kin- (4b) Der Arbeitgeber unterrichtet die Per-
dern über 13 Jahre mit Einwilligung sonensorgeberechtigten der von ihm
des Personensorgeberechtigten, beschäftigten Kinder über mögliche
soweit die Beschäftigung leicht und Gefahren sowie über alle zu ihrer
für Kinder geeignet ist. Die Beschäf- Sicherheit und ihrem Gesundheits-
tigung ist leicht, wenn sie auf Grund schutz getroffenen Maßnahmen.
ihrer Beschaffenheit und der beson- (5) Für Veranstaltungen kann die Auf-
deren Bedingungen, unter denen sie sichtsbehörde Ausnahmen gemäß § 6
ausgeführt wird, bewilligen.
1. die Sicherheit, Gesundheit und
Entwicklung der Kinder, § 6
2. ihren Schulbesuch, ihre Betei­ Behördliche Ausnahmen für
ligung an Maßnahmen zur Veranstaltungen
Berufswahlvorbereitung oder (1) Die Aufsichtsbehörde kann auf
Berufsausbildung, die von der Antrag bewilligen, daß
zuständigen Stelle anerkannt 1. bei Theatervorstellungen Kinder
sind, und über sechs Jahre bis zu vier
3. ihre Fähigkeit, dem Unterricht Stunden täglich in der Zeit von
mit Nutzen zu folgen, 10 bis 23 Uhr,
nicht nachteilig beeinflußt. Die
Kinder dürfen nicht mehr als zwei
222 AUSBILDUNG & BERUF

2. bei Musikaufführungen und tigung der körperlichen oder


anderen Aufführungen, bei seelisch-geistigen Entwicklung
Werbeveranstaltungen sowie getroffen sind,
bei Aufnahmen im Rundfunk 4. Betreuung und Beaufsichtigung
(Hörfunk und Fernsehen), auf des Kindes bei der Beschäftigung
Ton- und Bildträger sowie bei sichergestellt sind,
Film- und Fotoaufnahmen 5. nach Beendigung der Beschäfti-
a) Kinder über drei bis sechs Jahre gung eine ununterbrochene Frei-
bis zu zwei Stunden täglich in zeit von mindestens 14 Stunden
der Zeit von 8 bis 17 Uhr, eingehalten wird,
b) Kinder über sechs Jahre bis zu 6. das Fortkommen in der Schule
drei Stunden täglich in der Zeit nicht beeinträchtigt wird.
von 8 bis 22 Uhr (3) Die Aufsichtsbehörde bestimmt,
gestaltend mitwirken und an den 1. wie lange, zu welcher Zeit und an
erforderlichen Proben teilneh- welchem Tag das Kind beschäftigt
men. Eine Ausnahme darf nicht werden darf,
bewilligt werden für die Mitwir- 2. Dauer und Lage der Ruhepausen,
kung in Kabaretts, Tanzlokalen 3. die Höchstdauer des täglichen
und ähnlichen Betrieben sowie Aufenthalts an der Beschäfti-
auf Vergnügungsparks, Kirmessen, gungsstätte.
Jahrmärkten und bei ähnlichen (4) Die Entscheidung der Aufsichtsbe-
Veranstaltungen, Schaustellungen hörde ist dem Arbeitgeber schriftlich
oder Darbietungen. bekanntzugeben. Er darf das Kind
(2) Die Aufsichtsbehörde darf nach An- erst nach Empfang des Bewilligungs-
hörung des zuständigen Jugendamts bescheids beschäftigen.
die Beschäftigung nur bewilligen,
wenn § 7
1. die Personensorgeberechtigten Beschäftigung von nicht vollzeitschul-
in die Beschäftigung schriftlich pflichtigen Kindern
eingewilligt haben, Kinder, die der Vollzeitschulpflicht nicht
2. der Aufsichtsbehörde eine nicht mehr unterliegen, dürfen
länger als vor drei Monaten aus- 1. im Berufsausbildungsverhältnis,
gestellte ärztliche Bescheinigung 2. außerhalb eines Berufsaus-
vorgelegt wird, nach der gesund- bildungsverhältnisses nur mit
heitliche Bedenken gegen die leichten und für sie geeigneten
Beschäftigung nicht bestehen, Tätigkeiten bis zu sieben Stunden
3. die erforderlichen Vorkehrungen täglich und 35 Stunden wöchent-
und Maßnahmen zum Schutz lich
des Kindes gegen Gefahren für beschäftigt werden. Auf die Beschäfti-
Leben und Gesundheit sowie zur gung finden die §§ 8 bis 46 entsprechen-
Vermeidung einer Beeinträch- de Anwendung.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 223

Dritter Abschnitt § 9


Beschäftigung Jugendlicher Berufsschule
(1) Der Arbeitgeber hat den Jugendli-
Erster Titel chen für die Teilnahme am Berufs-
Arbeitszeit und Freizeit schulunterricht freizustellen. Er darf
den Jugendlichen nicht beschäftigen
§ 8 1. vor einem vor 9 Uhr beginnenden
Dauer der Arbeitszeit Unterricht; dies gilt auch für Per-
(1) Jugendliche dürfen nicht mehr als sonen, die über 18 Jahre alt und
acht Stunden täglich und nicht mehr noch berufsschulpflichtig sind,
als 40 Stunden wöchentlich beschäf- 2. an einem Berufsschultag mit
tigt werden. mehr als fünf Unterrichtsstunden
(2) Wenn in Verbindung mit Feierta- von mindestens je 45 Minuten,
gen an Werktagen nicht gearbeitet einmal in der Woche,
wird, damit die Beschäftigten eine 3. in Berufsschulwochen mit einem
längere zusammenhängende Frei- planmäßigen Blockunterricht
zeit haben, so darf die ausfallende von mindestens 25 Stunden an
Arbeitszeit auf die Werktage von fünf mindestens fünf Tagen; zusätzli-
zusammenhängenden, die Ausfall- che betriebliche Ausbildungsver-
tage einschließenden Wochen nur anstaltungen bis zu zwei Stunden
dergestalt verteilt werden, daß die wöchentlich sind zulässig.
Wochenarbeitszeit im Durchschnitt (2) Auf die Arbeitszeit des Jugendlichen
dieser fünf Wochen 40 Stunden nicht werden angerechnet
überschreitet. Die tägliche Arbeits- 1. Berufsschultage nach Absatz 1
zeit darf hierbei achteinhalb Stunden Satz 2 Nummer 2 mit der durch-
nicht überschreiten. schnittlichen täglichen Arbeits-
(2a) Wenn an einzelnen Werktagen zeit,
die Arbeitszeit auf weniger als 2. Berufsschulwochen nach Absatz 1
acht Stunden verkürzt ist, können Satz 2 Nummer 3 mit der durch-
Jugendliche an den übrigen Werk- schnittlichen wöchentlichen
tagen derselben Woche achteinhalb Arbeitszeit,
Stunden beschäftigt werden. 3. im Übrigen die Unterrichtszeit
(3) In der Landwirtschaft dürfen einschließlich der Pausen.
Jugendliche über 16 Jahre während (3) Ein Entgeltausfall darf durch den
der Erntezeit nicht mehr als neun Besuch der Berufsschule nicht ein-
Stunden täglich und nicht mehr als treten.
85 Stunden in der Doppelwoche be- (4) (weggefallen)
schäftigt werden.
224 AUSBILDUNG & BERUF

§ 10 (2) Die Ruhepausen müssen in ange-


Prüfungen und außerbetriebliche messener zeitlicher Lage gewährt
Ausbildungsmaßnahmen werden, frühestens eine Stunde nach
(1) Der Arbeitgeber hat den Jugendli- Beginn und spätestens eine Stunde
chen vor Ende der Arbeitszeit. Länger als
1. für die Teilnahme an Prüfungen viereinhalb Stunden hintereinan-
und Ausbildungsmaßnahmen, die der dürfen Jugendliche nicht ohne
auf Grund öffentlich-rechtlicher Ruhepause beschäftigt werden.
oder vertraglicher Bestimmungen (3) Der Aufenthalt während der Ruhe-
außerhalb der Ausbildungsstätte pausen in Arbeitsräumen darf den
durchzuführen sind, Jugendlichen nur gestattet werden,
2. an dem Arbeitstag, der der schrift- wenn die Arbeit in diesen Räumen
lichen Abschlußprüfung unmit- während dieser Zeit eingestellt ist
telbar vorangeht, und auch sonst die notwendige Er-
freizustellen. holung nicht beeinträchtigt wird.
(2) Auf die Arbeitszeit des Jugendlichen (4) Absatz 3 gilt nicht für den Bergbau
werden angerechnet unter Tage.
1. die Freistellung nach Absatz 1
Nr. 1 mit der Zeit der Teilnahme § 12
einschließlich der Pausen, Schichtzeit
2. die Freistellung nach Absatz 1 Bei der Beschäftigung Jugendlicher darf
Nr. 2 mit der durchschnittlichen die Schichtzeit (§ 4 Abs. 2) 10 Stunden, im
täglichen Arbeitszeit. Bergbau unter Tage 8 Stunden, im Gast-
Ein Entgeltausfall darf nicht ein- stättengewerbe, in der Landwirtschaft, in
treten. der Tierhaltung, auf Bau- und Montage-
stellen 11 Stunden nicht überschreiten.
§ 11
Ruhepausen, Aufenthaltsräume § 13
(1) Jugendlichen müssen im voraus Tägliche Freizeit
feststehende Ruhepausen von an- Nach Beendigung der täglichen Arbeits-
gemessener Dauer gewährt werden. zeit dürfen Jugendliche nicht vor Ablauf
Die Ruhepausen müssen mindestens einer ununterbrochenen Freizeit von
betragen mindestens 12 Stunden beschäftigt
1. 30 Minuten bei einer Arbeitszeit werden.
von mehr als viereinhalb bis zu
sechs Stunden, § 14
2. 60 Minuten bei einer Arbeitszeit Nachtruhe
von mehr als sechs Stunden. (1) Jugendliche dürfen nur in der Zeit
Als Ruhepause gilt nur eine Arbeits- von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden.
unterbrechung von mindestens
15 Minuten.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 225

(2) Jugendliche über 16 Jahre dürfen sind berechtigt, sich vor Beginn
1. im Gaststätten- und Schausteller- der Beschäftigung und danach in
gewerbe bis 22 Uhr, regelmäßigen Zeitabständen arbeits-
2. in mehrschichtigen Betrieben medizinisch untersuchen zu lassen.
bis 23 Uhr, Die Kosten der Untersuchungen hat
3. in der Landwirtschaft ab 5 Uhr der Arbeitgeber zu tragen, sofern er
oder bis 21 Uhr, diese nicht kostenlos durch einen
4. in Bäckereien und Konditoreien Betriebsarzt oder einen überbetrieb-
ab 5 Uhr lichen Dienst von Betriebsärzten
beschäftigt werden. anbietet.
(3) Jugendliche über 17 Jahre dürfen (7) Jugendliche dürfen bei Musikauf-
in Bäckereien ab 4 Uhr beschäftigt führungen, Theatervorstellungen
werden. und anderen Aufführungen, bei
(4) An dem einem Berufsschultag un- Aufnahmen im Rundfunk (Hör-
mittelbar vorangehenden Tag dürfen funk und Fernsehen), auf Ton- und
Jugendliche auch nach Absatz 2 Nr. 1 Bildträger sowie bei Film- und
bis 3 nicht nach 20 Uhr beschäftigt Fotoaufnahmen bis 23 Uhr gestal-
werden, wenn der Berufsschulunter- tend mitwirken. Eine Mitwirkung ist
richt am Berufsschultag vor 9 Uhr nicht zulässig bei Veranstaltungen,
beginnt. Schaustellungen oder Darbietun-
(5) Nach vorheriger Anzeige an die gen, bei denen die Anwesenheit
Aufsichtsbehörde dürfen in Betrie- Jugendlicher nach den Vorschriften
ben, in denen die übliche Arbeitszeit des Jugendschutzgesetzes verboten
aus verkehrstechnischen Gründen ist. Nach Beendigung der Tätigkeit
nach 20 Uhr endet, Jugendliche bis dürfen Jugendliche nicht vor Ablauf
21 Uhr beschäftigt werden, soweit einer ununterbrochenen Freizeit von
sie hierdurch unnötige Wartezeiten mindestens 14 Stunden beschäftigt
vermeiden können. Nach vorheriger werden.
Anzeige an die Aufsichtsbehörde
dürfen ferner in mehrschichtigen § 15
Betrieben Jugendliche über 16 Jahre Fünf-Tage-Woche
ab 5.30 Uhr oder bis 23.30 Uhr Jugendliche dürfen nur an fünf Tagen
beschäftigt werden, soweit sie hier- in der Woche beschäftigt werden. Die
durch unnötige Wartezeiten beiden wöchentlichen Ruhetage sollen
vermeiden können. nach Möglichkeit aufeinander folgen.
(6) Jugendliche dürfen in Betrieben, in
denen die Beschäftigten in außerge-
wöhnlichem Grade der Einwirkung
von Hitze ausgesetzt sind, in der
warmen Jahreszeit ab 5 Uhr be-
schäftigt werden. Die Jugendlichen
226 AUSBILDUNG & BERUF

§ 16 erfolgen, wenn die Jugendlichen


Samstagsruhe an diesem Tag keinen Berufsschul-
(1) An Samstagen dürfen Jugendliche unterricht haben.
nicht beschäftigt werden. (4) Können Jugendliche in den Fällen
(2) Zulässig ist die Beschäftigung Ju- des Absatzes 2 Nr. 2 am Samstag
gendlicher an Samstagen nur nicht acht Stunden beschäftigt wer-
1. in Krankenanstalten sowie in Al- den, kann der Unterschied zwischen
ten-, Pflege- und Kinderheimen, der tatsächlichen und der nach § 8
2. in offenen Verkaufsstellen, in Abs. 1 höchstzulässigen Arbeitszeit
Betrieben mit offenen Verkaufs- an dem Tag bis 13 Uhr ausgeglichen
stellen, in Bäckereien und Kondi- werden, an dem die Jugendlichen
toreien, im Friseurhandwerk und nach Absatz 3 Satz 1 freizustellen sind.
im Marktverkehr,
3. im Verkehrswesen, § 17
4. in der Landwirtschaft und Tier- Sonntagsruhe
haltung, (1) An Sonntagen dürfen Jugendliche
5. im Familienhaushalt, nicht beschäftigt werden.
6. im Gaststätten- und Schausteller- (2) Zulässig ist die Beschäftigung
gewerbe, Jugendlicher an Sonntagen nur
7. bei Musikaufführungen, Thea- 1. in Krankenanstalten sowie in
tervorstellungen und anderen Alten-, Pflege- und Kinderheimen,
Aufführungen, bei Aufnahmen im 2. in der Landwirtschaft und Tier-
Rundfunk (Hörfunk und Fernse­ haltung mit Arbeiten, die auch an
hen), auf Ton- und Bildträger so- Sonn- und Feiertagen naturnot-
wie bei Film- und Fotoaufnahmen, wendig vorgenommen werden
8. bei außerbetrieblichen Ausbil- müssen,
dungsmaßnahmen, 3. im Familienhaushalt, wenn der
9. beim Sport, Jugendliche in die häusliche
10. im ärztlichen Notdienst, Gemeinschaft aufgenommen ist,
11. in Reparaturwerkstätten für 4. im Schaustellergewerbe,
Kraftfahrzeuge. 5. bei Musikaufführungen, Theater-
Mindestens zwei Samstage im Monat vorstellungen und anderen Auf-
sollen beschäftigungsfrei bleiben. führungen sowie bei Direktsen-
(3) Werden Jugendliche am Samstag dungen im Rundfunk (Hörfunk
beschäftigt, ist ihnen die Fünf- und Fernsehen),
Tage-Woche (§ 15) durch Freistellung 6. beim Sport,
an einem anderen berufsschulfreien 7. im ärztlichen Notdienst,
Arbeitstag derselben Woche sicher- 8. im Gaststättengewerbe.
zustellen. In Betrieben mit einem Jeder zweite Sonntag soll, mindestens
Betriebsruhetag in der Woche kann zwei Sonntage im Monat müssen
die Freistellung auch an diesem Tag beschäftigungsfrei bleiben.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 227

(3) Werden Jugendliche am Sonntag § 19


beschäftigt, ist ihnen die Fünf-Tage- Urlaub
Woche (§ 15) durch Freistellung an (1) Der Arbeitgeber hat Jugendlichen für
einem anderen berufsschulfreien jedes Kalenderjahr einen bezahlten
Arbeitstag derselben Woche sicher- Erholungsurlaub zu gewähren.
zustellen. In Betrieben mit einem (2) Der Urlaub beträgt jährlich
Betriebsruhetag in der Woche kann 1. mindestens 30 Werktage, wenn
die Freistellung auch an diesem Tag der Jugendliche zu Beginn des
erfolgen, wenn die Jugendlichen Kalenderjahrs noch nicht 16 Jahre
an diesem Tag keinen Berufsschul- alt ist,
unterricht haben. 2. mindestens 27 Werktage, wenn
der Jugendliche zu Beginn des
§ 18 Kalenderjahrs noch nicht 17 Jahre
Feiertagsruhe alt ist,
(1) Am 24. und 31. Dezember nach 3. mindestens 25 Werktage, wenn
14 Uhr und an gesetzlichen Feier- der Jugendliche zu Beginn des
tagen dürfen Jugendliche nicht Kalenderjahrs noch nicht 18 Jahre
beschäftigt werden. alt ist.
(2) Zulässig ist die Beschäftigung Jugendliche, die im Bergbau unter
Jugendlicher an gesetzlichen Feier- Tage beschäftigt werden, erhalten
tagen in den Fällen des § 17 Abs. 2, in jeder Altersgruppe einen zusätz-
ausgenommen am 25. Dezember, lichen Urlaub von drei Werktagen.
am 1. Januar, am ersten Osterfeiertag (3) Der Urlaub soll Berufsschülern in
und am 1. Mai. der Zeit der Berufsschulferien ge-
(3) Für die Beschäftigung an einem geben werden. Soweit er nicht in den
gesetzlichen Feiertag, der auf einem Berufsschulferien gegeben wird, ist
Werktag fällt, ist der Jugendliche für jeden Berufsschultag, an dem die
an einem anderen berufsschulfrei- Berufsschule während des Urlaubs
en Arbeitstag derselben oder der besucht wird, ein weiterer Urlaubs-
folgenden Woche freizustellen. In tag zu gewähren.
Betrieben mit einem Betriebsruhetag (4) Im übrigen gelten für den Urlaub der
in der Woche kann die Freistellung Jugendlichen § 3 Abs. 2, §§ 4 bis 12
auch an diesem Tag erfolgen, wenn und § 13 Abs. 3 des Bundesurlaubs-
die Jugendlichen an diesem Tag gesetzes. Der Auftraggeber oder Zwi-
keinen Berufsschulunterricht haben. schenmeister hat jedoch abweichend
von § 12 Nr. 1 des Bundesurlaubs-
gesetzes den jugendlichen Heim-
arbeitern für jedes Kalenderjahr
einen bezahlten Erholungsurlaub
entsprechend Absatz 2 zu gewähren;
das Urlaubsentgelt der jugendlichen
228 AUSBILDUNG & BERUF

Heimarbeiter beträgt bei einem gewähren, spätestens, wenn ihnen


Urlaub von 30 Werktagen 11,6 vom 10 freie Tage zustehen.
Hundert, bei einem Urlaub von (2) In der gewerblichen Binnenschiff-
27 Werktagen 10,3 vom Hundert und fahrt hat der Arbeitgeber Aufzeich-
bei einem Urlaub von 25 Werktagen nungen nach Absatz 3 über die
9,5 vom Hundert. tägliche Arbeits- oder Freizeit jedes
Jugendlichen zu führen, um eine
§ 20 Kontrolle der Einhaltung der §§ 8 bis
Binnenschiffahrt 21a dieses Gesetzes zu ermöglichen.
(1) In der Binnenschiffahrt gelten Die Aufzeichnungen sind in geeig-
folgende Abweichungen: neten Zeitabständen, spätestens bis
1. Abweichend von § 12 darf die zum nächsten Monatsende, gemein-
Schichtzeit Jugendlicher über sam vom Arbeitgeber oder seinem
16 Jahre während der Fahrt bis auf Vertreter und von dem Jugendlichen
14 Stunden täglich ausgedehnt zu prüfen und zu bestätigen. Im
werden, wenn ihre Arbeitszeit Anschluss müssen die Aufzeichnun-
sechs Stunden täglich nicht über- gen für mindestens zwölf Monate
schreitet. Ihre tägliche Freizeit an Bord aufbewahrt werden und
kann abweichend von § 13 der dem Jugendlichen ist eine Kopie der
Ausdehnung der Schichtzeit bestätigten Aufzeichnungen auszu-
entsprechend bis auf 10 Stunden händigen. Der Jugendliche hat die
verkürzt werden. Kopien daraufhin zwölf Monate für
2. Abweichend von § 14 Abs. 1 eine Kontrolle bereitzuhalten.
dürfen Jugendliche über 16 Jahre (3) Die Aufzeichnungen nach Absatz 2
während der Fahrt bis 22 Uhr be- müssen mindestens folgende An-
schäftigt werden. gaben enthalten:
3. Abweichend von §§ 15, 16 Abs. 1, 1. Name des Schiffes,
§ 17 Abs. 1 und § 18 Abs. 1 dürfen 2. Name des Jugendlichen,
Jugendliche an jedem Tag der 3. Name des verantwortlichen
Woche beschäftigt werden, Schiffsführers,
jedoch nicht am 24. Dezember, 4. Datum des jeweiligen Arbeits-
an den Weihnachtsfeiertagen, am oder Ruhetages,
31. Dezember, am 1. Januar, an 5. für jeden Tag der Beschäftigung,
den Osterfeiertagen und am 1. Mai. ob es sich um einen Arbeits- oder
Für die Beschäftigung an einem um einen Ruhetag handelt sowie
Samstag, Sonntag und an einem 6. Beginn und Ende der täglichen
gesetzlichen Feiertag, der auf einen Arbeitszeit oder der täglichen
Werktag fällt, ist ihnen je ein freier Freizeit.
Tag zu gewähren. Diese freien Tage
sind den Jugendlichen in Verbin-
dung mit anderen freien Tagen zu
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 229

§ 21 3. abweichend von § 12 die Schicht-


Ausnahmen in besonderen Fällen zeit mit Ausnahme des Bergbaus
(1) Die §§ 8 und 11 bis 18 finden keine unter Tage bis zu einer Stunde
Anwendung auf die Beschäftigung täglich zu verlängern,
Jugendlicher mit vorübergehenden 4. abweichend von § 16 Abs. 1 und 2
und unaufschiebbaren Arbeiten in Jugendliche an 26 Samstagen im
Notfällen, soweit erwachsene Be- Jahr oder an jedem Samstag zu
schäftigte nicht zur Verfügung stehen. beschäftigen, wenn statt dessen
(2) Wird in den Fällen des Absatzes 1 der Jugendliche an einem anderen
über die Arbeitszeit des § 8 hinaus Werktag derselben Woche von der
Mehrarbeit geleistet, so ist sie durch Beschäftigung freigestellt wird,
entsprechende Verkürzung der 5. abweichend von den §§ 15, 16
Arbeitszeit innerhalb der folgenden Abs. 3 und 4, § 17 Abs. 3 und
drei Wochen auszugleichen. § 18 Abs. 3 Jugendliche bei einer
(3) (weggefallen) Beschäftigung an einem Sams-
tag oder an einem Sonn- oder
§ 21a Feiertag unter vier Stunden an
Abweichende Regelungen einem anderen Arbeitstag der-
(1) In einem Tarifvertrag oder auf Grund selben oder der folgenden Woche
eines Tarifvertrages in einer Be- vor- oder nachmittags von der
triebsvereinbarung kann zugelassen Beschäftigung freizustellen,
werden 6. abweichend von § 17 Abs. 2 Satz 2
1. abweichend von den §§ 8, 15, 16 Jugendliche im Gaststätten- und
Abs. 3 und 4, § 17 Abs. 3 und § 18 Schaustellergewerbe sowie in
Abs. 3 die Arbeitszeit bis zu neun der Landwirtschaft während der
Stunden täglich, 44 Stunden wö- Saison oder der Erntezeit an drei
chentlich und bis zu fünfeinhalb Sonntagen im Monat zu beschäf-
Tagen in der Woche anders zu tigen.
verteilen, jedoch nur unter Ein- (2) Im Geltungsbereich eines Tarif-
haltung einer durchschnittlichen vertrages nach Absatz 1 kann die
Wochenarbeitszeit von 40 Stun- abweichende tarifvertragliche
den in einem Ausgleichszeitraum Regelung im Betrieb eines nicht
von zwei Monaten, tarifgebundenen Arbeitgebers durch
2. abweichend von § 11 Abs. 1 Satz 2 Betriebsvereinbarung oder, wenn
Nr. 2 und Abs. 2 die Ruhepausen ein Betriebsrat nicht besteht, durch
bis zu 15 Minuten zu kürzen und schriftliche Vereinbarung zwischen
die Lage der Pausen anders zu dem Arbeitgeber und dem Jugend-
bestimmen, lichen übernommen werden.
230 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Die Kirchen und die öffent- 3. mit Arbeiten, die mit Unfallgefah-
lich-rechtlichen Religionsgesell- ren verbunden sind, von denen
schaften können die in Absatz 1 anzunehmen ist, daß Jugendliche
genannten Abweichungen in ihren sie wegen mangelnden Sicher-
Regelungen vorsehen. heitsbewußtseins oder mangeln-
der Erfahrung nicht erkennen
§ 21b oder nicht abwenden können,
Das Bundesministerium für Arbeit und 4. mit Arbeiten, bei denen ihre
Soziales kann im Interesse der Berufs- Gesundheit durch außergewöhn-
ausbildung oder der Zusammenarbeit liche Hitze oder Kälte oder starke
von Jugendlichen und Erwachsenen Nässe gefährdet wird,
durch Rechtsverordnung mit Zustim- 5. mit Arbeiten, bei denen sie schäd-
mung des Bundesrates Ausnahmen von lichen Einwirkungen von Lärm,
den Vorschriften Erschütterungen oder Strahlen
1. des § 8, der §§ 11 und 12, der §§ 15 und ausgesetzt sind,
16, des § 17 Abs. 2 und 3 sowie des § 18 6. mit Arbeiten, bei denen sie schäd-
Abs. 3 im Rahmen des § 21 a Abs. 1, lichen Einwirkungen von Gefahr-
2. des § 14, jedoch nicht vor 5 Uhr und stoffen im Sinne der Gefahrstoff-
nicht nach 23 Uhr, sowie verordnung ausgesetzt sind,
3. des § 17 Abs. 1 und § 18 Abs. 1 an 7. mit Arbeiten, bei denen sie
höchstens 26 Sonn- und Feier­tagen schädlichen Einwirkungen von
im Jahr biologischen Arbeitsstoffen im
zulassen, soweit eine Beeinträchtigung Sinne der Biostoffverordnung
der Gesundheit oder der körperlichen ausgesetzt sind.
oder seelisch-geistigen Entwicklung der (2) Absatz 1 Nr. 3 bis 7 gilt nicht für die
Jugendlichen nicht zu befürchten ist. Beschäftigung Jugendlicher, soweit
1. dies zur Erreichung ihres Aus-
Zweiter Titel bildungszieles erforderlich ist,
Beschäftigungsverbote und 2. ihr Schutz durch die Aufsicht
-beschränkungen eines Fachkundigen gewährleistet
ist und
§ 22 3. der Luftgrenzwert bei gefähr-
Gefährliche Arbeiten lichen Stoffen (Absatz 1 Nr. 6)
(1) Jugendliche dürfen nicht beschäftigt unterschritten wird.
werden Satz 1 findet keine Anwendung auf
1. mit Arbeiten, die ihre physische gezielte Tätigkeiten mit biologischen
oder psychische Leistungsfähig- Arbeitsstoffen der Risikogruppen
keit übersteigen, 3 und 4 im Sinne der Biostoffver-
2. mit Arbeiten, bei denen sie sitt- ordnung sowie auf nicht gezielte
lichen Gefahren ausgesetzt sind, Tätigkeiten, die nach der Biostoff-
verordnung der Schutzstufe 3 oder 4
zuzuordnen sind.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 231

(3) Werden Jugendliche in einem (2) Absatz 1 gilt nicht für die Beschäfti-
Betrieb beschäftigt, für den ein gung Jugendlicher über 16 Jahre,
Betriebsarzt oder eine Fachkraft 1. soweit dies zur Erreichung ihres
für Arbeitssicherheit verpflichtet Ausbildungsziels erforderlich ist,
ist, muß ihre betriebsärztliche oder 2. wenn sie eine Berufsausbildung
sicherheitstechnische Betreuung für die Beschäftigung unter Tage
sichergestellt sein. abgeschlossen haben oder
3. wenn sie an einer von der Bergbe-
§ 23 hörde genehmigten Ausbildungs-
Akkordarbeit, tempoabhängige Arbeiten maßnahme für Bergjungarbeiter
(1) Jugendliche dürfen nicht beschäftigt teilnehmen oder teilgenommen
werden haben
1. mit Akkordarbeit und sonstigen und ihr Schutz durch die Aufsicht
Arbeiten, bei denen durch ein eines Fachkundigen gewährleistet ist.
gesteigertes Arbeitstempo ein hö-
heres Entgelt erzielt werden kann, § 25
2. in einer Arbeitsgruppe mit er- Verbot der Beschäftigung durch
wachsenen Arbeitnehmern, die bestimmte Personen
mit Arbeiten nach Nummer 1 (1) Personen, die
beschäftigt werden, 1. wegen eines Verbrechens zu einer
3. mit Arbeiten, bei denen ihr Freiheitsstrafe von mindestens
Arbeitstempo nicht nur gelegent- zwei Jahren,
lich vorgeschrieben, vorgegeben 2. wegen einer vorsätzlichen Straf-
oder auf andere Weise erzwungen tat, die sie unter Verletzung der
wird. ihnen als Arbeitgeber, Ausbilden-
(2) Absatz 1 Nr. 2 gilt nicht für die Be- der oder Ausbilder obliegenden
schäftigung Jugendlicher, Pflichten zum Nachteil von Kin-
1. soweit dies zur Erreichung ihres dern oder Jugendlichen begangen
Ausbildungsziels erforderlich ist haben, zu einer Freiheitsstrafe
oder von mehr als drei Monaten,
2. wenn sie eine Berufsausbildung 3. wegen einer Straftat nach den
für diese Beschäftigung abge- §§ 109h, 171, 174 bis 184i, 225, 232
schlossen haben bis 233a des Strafgesetzbuches,
und ihr Schutz durch die Aufsicht 4. wegen einer Straftat nach dem
eines Fachkundigen gewährleistet ist. Betäubungsmittelgesetz oder
5. wegen einer Straftat nach dem
§ 24 Jugendschutzgesetz oder nach
Arbeiten unter Tage dem Gesetz über die Verbreitung
(1) Jugendliche dürfen nicht mit Arbei- jugendgefährdender Schriften
ten unter Tage beschäftigt werden. wenigstens zweimal
232 AUSBILDUNG & BERUF

rechtskräftig verurteilt worden 1. die für Kinder, die der Vollzeitschul-


sind, dürfen Jugendliche nicht be- pflicht nicht mehr unterliegen,
schäftigen sowie im Rahmen eines geeigneten und leichten Tätigkeiten
Rechtsverhältnisses im Sinne des § 1 nach § 7 Satz 1 Nr. 2 und die Arbeiten
nicht beaufsichtigen, nicht anweisen, nach § 22 Abs. 1 und den §§ 23 und 24
nicht ausbilden und nicht mit der näher bestimmen,
Beaufsichtigung, Anweisung oder 2. über die Beschäftigungsverbote in
Ausbildung von Jugendlichen be- den §§ 22 bis 25 hinaus die Beschäf-
auftragt werden. Eine Verurteilung tigung Jugendlicher in bestimmten
bleibt außer Betracht, wenn seit dem Betriebsarten oder mit bestimmten
Tag ihrer Rechtskraft fünf Jahre ver- Arbeiten verbieten oder beschrän-
strichen sind. Die Zeit, in welcher der ken, wenn sie bei diesen Arbeiten
Täter auf behördliche Anordnung in infolge ihres Entwicklungsstands in
einer Anstalt verwahrt worden ist, besonderem Maß Gefahren ausge-
wird nicht eingerechnet. setzt sind oder wenn das Verbot oder
(2) Das Verbot des Absatzes 1 Satz 1 gilt die Beschränkung der Beschäftigung
auch für Personen, gegen die wegen infolge der technischen Entwicklung
einer Ordnungswidrigkeit nach§ 58 oder neuer arbeitsmedizinischer
Abs. 1 bis 4 wenigstens dreimal eine oder sicherheitstechnischer Erkennt-
Geldbuße rechtskräftig festgesetzt nisse notwendig ist.
worden ist. Eine Geldbuße bleibt
außer Betracht, wenn seit dem Tag § 27
ihrer rechtskräftigen Festsetzung Behördliche Anordnungen und
fünf Jahre verstrichen sind. Ausnahmen
(3) Das Verbot des Absatzes 1 und 2 gilt (1) Die Aufsichtsbehörde kann in Ein-
nicht für die Beschäftigung durch zelfällen feststellen, ob eine Arbeit
die Personensorgeberechtigten. unter die Beschäftigungsverbote
oder -beschränkungen der §§ 22 bis
§ 26 24 oder einer Rechtsverordnung
Ermächtigungen nach § 26 fällt. Sie kann in Einzelfäl-
Das Bundesministerium für Arbeit und len die Beschäftigung Jugendlicher
Soziales kann zum Schutz der Jugend- mit bestimmten Arbeiten über die
lichen gegen Gefahren für Leben und Beschäftigungsverbote und -be-
Gesundheit sowie zur Vermeidung einer schränkungen der §§ 22 bis 24 und
Beeinträchtigung der körperlichen oder einer Rechtsverordnung nach § 26
seelisch-geistigen Entwicklung durch hinaus verbieten oder beschränken,
Rechtsverordnung mit Zustimmung des wenn diese Arbeiten mit Gefahren
Bundesrates für Leben, Gesundheit oder für die
körperliche oder seelisch-geistige
Entwicklung der Jugendlichen
verbunden sind.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 233

(2) Die zuständige Behörde kann Dritter Titel


1. den Personen, die die Pflichten, Sonstige Pflichten des Arbeitgebers
die ihnen kraft Gesetzes zuguns-
ten der von ihnen beschäftigten, § 28
beaufsichtigten, angewiesenen Menschengerechte Gestaltung der Arbeit
oder auszubildenden Kinder und (1) Der Arbeitgeber hat bei der Ein-
Jugendlichen obliegen, wiederholt richtung und der Unterhaltung
oder gröblich verletzt haben, der Arbeitsstätte einschließlich der
2. den Personen, gegen die Tatsa- Maschinen, Werkzeuge und Geräte
chen vorliegen, die sie in sittlicher und bei der Regelung der Beschäf-
Beziehung zur Beschäftigung, tigung die Vorkehrungen und Maß-
Beaufsichtigung, Anweisung oder nahmen zu treffen, die zum Schutz
Ausbildung von Kindern und der Jugendlichen gegen Gefahren
Jugendlichen ungeeignet erschei- für Leben und Gesundheit sowie zur
nen lassen, Vermeidung einer Beeinträchtigung
verbieten, Kinder und Jugendliche zu der körperlichen oder seelisch-geis-
beschäftigen oder im Rahmen eines tigen Entwicklung der Jugendlichen
Rechtsverhältnisses im Sinne des § 1 erforderlich sind. Hierbei sind das
zu beaufsichtigen, anzuweisen oder mangelnde Sicherheitsbewußtsein,
auszubilden. die mangelnde Erfahrung und der
(3) Die Aufsichtsbehörde kann auf An- Entwicklungsstand der Jugendlichen
trag Ausnahmen von § 23 Abs. 1 Nr. 2 zu berücksichtigen und die allge-
und 3 für Jugendliche über 16 Jahre mein anerkannten sicherheitstech-
bewilligen, nischen und arbeitsmedizinischen
1. wenn die Art der Arbeit oder das Regeln sowie die sonstigen gesi-
Arbeitstempo eine Beeinträch- cherten arbeitswissenschaftlichen
tigung der Gesundheit oder der Erkenntnisse zu beachten.
körperlichen oder seelisch-geis- (2) Das Bundesministerium für Arbeit
tigen Entwicklung des Jugendli- und Soziales kann durch Rechts-
chen nicht befürchten lassen und verordnung mit Zustimmung des
2. wenn eine nicht länger als vor Bundesrates bestimmen, welche
drei Monaten ausgestellte ärzt- Vorkehrungen und Maßnahmen der
liche Bescheinigung vorgelegt Arbeitgeber zur Erfüllung der sich
wird, nach der gesundheitliche aus Absatz 1 ergebenden Pflichten zu
Bedenken gegen die Beschäfti- treffen hat.
gung nicht bestehen.
234 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Die Aufsichtsbehörde kann in Einzel- (2) Die Unterweisungen sind in ange-
fällen anordnen, welche Vorkehrun- messenen Zeitabständen, mindestens
gen und Maßnahmen zur Durchfüh- aber halbjährlich, zu wiederholen.
rung des Absatzes 1 oder einer vom (3) Der Arbeitgeber beteiligt die Be-
Bundesministerium für Arbeit und triebsärzte und die Fachkräfte für
Soziales gemäß Absatz 2 erlassenen Arbeitssicherheit an der Planung,
Verordnung zu treffen sind. Durchführung und Überwachung
der für die Sicherheit und den
§ 28a Gesundheitsschutz bei der Beschäf­
Beurteilung der Arbeitsbedingungen tigung Jugendlicher geltenden
Vor Beginn der Beschäftigung Jugendli- Vorschriften.
cher und bei wesentlicher Änderung der
Arbeitsbedingungen hat der Arbeitgeber § 30
die mit der Beschäftigung verbundenen Häusliche Gemeinschaft
Gefährdungen Jugendlicher zu beurtei- (1) Hat der Arbeitgeber einen Jugend-
len. Im übrigen gelten die Vorschriften lichen in die häusliche Gemeinschaft
des Arbeitsschutzgesetzes. aufgenommen, so muß er
1. ihm eine Unterkunft zur Ver-
§ 29 fügung stellen und dafür sorgen,
Unterweisung über Gefahren daß sie so beschaffen, ausgestattet
(1) Der Arbeitgeber hat die Jugendli- und belegt ist und so benutzt
chen vor Beginn der Beschäftigung wird, daß die Gesundheit des
und bei wesentlicher Änderung der Jugendlichen nicht beeinträchtigt
Arbeitsbedingungen über die Unfall- wird, und
und Gesundheitsgefahren, denen sie 2. ihm bei einer Erkrankung, jedoch
bei der Beschäftigung ausgesetzt sind, nicht über die Beendigung der
sowie über die Einrichtungen und Beschäftigung hinaus, die er-
Maßnahmen zur Abwendung dieser forderliche Pflege und ärztliche
Gefahren zu unterweisen. Er hat die Behandlung zuteil werden lassen,
Jugendlichen vor der erstmaligen soweit diese nicht von einem So-
Beschäftigung an Maschinen oder zialversicherungsträger geleistet
gefährlichen Arbeitsstellen oder mit wird.
Arbeiten, bei denen sie mit gesund- (2) Die Aufsichtsbehörde kann im
heitsgefährdenden Stoffen in Berüh- Einzelfall anordnen, welchen Anfor-
rung kommen, über die besonderen derungen die Unterkunft (Absatz 1
Gefahren dieser Arbeiten sowie über Nr. 1) und die Pflege bei Erkrankun-
das bei ihrer Verrichtung erforder- gen (Absatz 1 Nr. 2) genügen müssen.
liche Verhalten zu unterweisen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 235

§ 31 schäftigung mit leichten Arbeiten,


Züchtigungsverbot, Verbot der Abgabe von denen keine gesundheitlichen
von Alkohol und Tabak Nachteile für den Jugendlichen zu
(1) Wer Jugendliche beschäftigt oder befürchten sind.
im Rahmen eines Rechtsverhält-
nisses im Sinne des § 1 beaufsichtigt, § 33
anweist oder ausbildet, darf sie nicht Erste Nachuntersuchung
körperlich züchtigen. (1) Ein Jahr nach Aufnahme der ersten
(2) Wer Jugendliche beschäftigt, muß Beschäftigung hat sich der Arbeit-
sie vor körperlicher Züchtigung und geber die Bescheinigung eines Arztes
Mißhandlung und vor sittlicher darüber vorlegen zu lassen, daß der
Gefährdung durch andere bei ihm Jugendliche nachuntersucht worden
Beschäftigte und durch Mitglieder ist (erste Nachuntersuchung). Die
seines Haushalts an der Arbeitsstätte Nachuntersuchung darf nicht länger
und in seinem Haus schützen. Soweit als drei Monate zurückliegen. Der
deren Abgabe nach § 9 Absatz 1 oder Arbeitgeber soll den Jugendlichen
§ 10 Absatz 1 und 4 des Jugend- neun Monate nach Aufnahme der
schutzgesetzes verboten ist, darf ersten Beschäftigung nachdrücklich
der Arbeitgeber Jugendlichen keine auf den Zeitpunkt, bis zu dem der
alkoholischen Getränke, Tabakwaren Jugendliche ihm die ärztliche Be-
oder anderen dort genannten Er- scheinigung nach Satz 1 vorzulegen
zeugnisse geben. hat, hinweisen und ihn auffordern,
die Nachuntersuchung bis dahin
Vierter Titel durchführen zu lassen.
Gesundheitliche Betreuung (2) Legt der Jugendliche die Bescheini-
gung nicht nach Ablauf eines Jahres
§ 32 vor, hat ihn der Arbeitgeber inner-
Erstuntersuchung halb eines Monats unter Hinweis
(1) Ein Jugendlicher, der in das Berufs- auf das Beschäftigungsverbot nach
leben eintritt, darf nur beschäftigt Absatz 3 schriftlich aufzufordern,
werden, wenn ihm die Bescheinigung vorzulegen.
1. er innerhalb der letzten vierzehn Je eine Durchschrift des Aufforde-
Monate von einem Arzt unter- rungsschreibens hat der Arbeitgeber
sucht worden ist (Erstuntersu- dem Personensorgeberechtigten und
chung) und dem Betriebs- oder Personalrat zu-
2. dem Arbeitgeber eine von diesem zusenden.
Arzt ausgestellte Bescheinigung (3) Der Jugendliche darf nach Ablauf
vorliegt. von 14 Monaten nach Aufnahme der
(2) Absatz 1 gilt nicht für eine nur ersten Beschäftigung nicht weiter-
geringfügige oder eine nicht länger beschäftigt werden, solange er die
als zwei Monate dauernde Be- Bescheinigung nicht vorgelegt hat.
236 AUSBILDUNG & BERUF

§ 34 Beschäftigung ein Jahr vergangen ist,


Weitere Nachuntersuchungen die Bescheinigung über die erste Nach-
Nach Ablauf jedes weiteren Jahres nach untersuchung (§ 33) vorliegen.
der ersten Nachuntersuchung kann sich
der Jugendliche erneut nachuntersu- § 37
chen lassen (weitere Nachuntersuchun- Inhalt und Durchführung der ärztlichen
gen). Der Arbeitgeber soll ihn auf diese Untersuchungen
Möglichkeit rechtzeitig hinweisen und (1) Die ärztlichen Untersuchungen
darauf hinwirken, daß der Jugendliche haben sich auf den Gesundheits- und
ihm die Bescheinigung über die weitere Entwicklungsstand und die kör-
Nachuntersuchung vorlegt. perliche Beschaffenheit, die Nach-
untersuchungen außerdem auf die
§ 35 Auswirkungen der Beschäftigung
Außerordentliche Nachuntersuchung auf Gesundheit und Entwicklung des
(1) Der Arzt soll eine außerordentliche Jugendlichen zu erstrecken.
Nachuntersuchung anordnen, wenn (2) Der Arzt hat unter Berücksichtigung
eine Untersuchung ergibt, daß der Krankheitsvorgeschichte des
1. ein Jugendlicher hinter dem Jugendlichen auf Grund der Unter-
seinem Alter entsprechenden suchungen zu beurteilen,
Entwicklungsstand zurückgeblie- 1. ob die Gesundheit oder die Ent-
ben ist, wicklung des Jugendlichen durch
2. gesundheitliche Schwächen oder die Ausführung bestimmter
Schäden vorhanden sind, Arbeiten oder durch die Be-
3. die Auswirkungen der Beschäf- schäftigung während bestimmter
tigung auf die Gesundheit oder Zeiten gefährdet wird,
Entwicklung des Jugendlichen 2. ob besondere der Gesundheit die-
noch nicht zu übersehen sind. nende Maßnahmen einschließ-
(2) Die in § 33 Abs. 1 festgelegten Fristen lich Maßnahmen zur Verbesse-
werden durch die Anordnung einer rung des Impfstatus erforderlich
außerordentlichen Nachuntersu- sind,
chung nicht berührt. 3. ob eine außerordentliche Nach-
untersuchung (§ 35 Abs. 1) erfor-
§ 36 derlich ist.
Ärztliche Untersuchungen und Wechsel (3) Der Arzt hat schriftlich festzuhalten:
des Arbeitgebers 1. den Untersuchungsbefund,
Wechselt der Jugendliche den Arbeitge- 2. die Arbeiten, durch deren Aus-
ber, so darf ihn der neue Arbeitgeber erst führung er die Gesundheit oder
beschäftigen, wenn ihm die Bescheini- die Entwicklung des Jugendlichen
gung über die Erstuntersuchung (§ 32 für gefährdet hält,
Abs. 1) und, falls seit der Aufnahme der
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 237

3. die besonderen der Gesundheit Arbeiten zu vermerken, durch deren


dienenden Maßnahmen ein- Ausführung er die Gesundheit oder
schließlich Maßnahmen zur die Entwicklung des Jugendlichen
Verbesserung des Impfstatus, für gefährdet hält.
4. die Anordnung einer außeror-
dentlichen Nachuntersuchung § 40
(§ 35 Abs. 1). Bescheinigung mit Gefährdungsvermerk
(1) Enthält die Bescheinigung des Arztes
§ 38 (§ 39 Abs. 2) einen Vermerk über
Ergänzungsuntersuchung Arbeiten, durch deren Ausführung er
Kann der Arzt den Gesundheits- und die Gesundheit oder die Entwicklung
Entwicklungsstand des Jugendlichen des Jugendlichen für gefährdet hält,
nur beurteilen, wenn das Ergebnis einer so darf der Jugendliche mit solchen
Ergänzungsuntersuchung durch einen Arbeiten nicht beschäftigt werden.
anderen Arzt oder einen Zahnarzt vor- (2) Die Aufsichtsbehörde kann die Be-
liegt, so hat er die Ergänzungsuntersu- schäftigung des Jugendlichen mit
chung zu veranlassen und ihre Notwen- den in der Bescheinigung des Arztes
digkeit schriftlich zu begründen. (§ 39 Abs. 2) vermerkten Arbeiten im
Einvernehmen mit einem Arzt zulas-
§ 39 sen und die Zulassung mit Auflagen
Mitteilung, Bescheinigung verbinden.
(1) Der Arzt hat dem Personensorgebe-
rechtigten schriftlich mitzuteilen: § 41
1. das wesentliche Ergebnis der Aufbewahren der ärztlichen
Untersuchung, Bescheinigungen
2. die Arbeiten, durch deren Aus- (1) Der Arbeitgeber hat die ärztlichen
führung er die Gesundheit oder Bescheinigungen bis zur Beendigung
die Entwicklung des Jugendlichen der Beschäftigung, längstens jedoch
für gefährdet hält, bis zur Vollendung des 18. Lebens-
3. die besonderen der Gesundheit jahrs des Jugendlichen aufzube-
dienenden Maßnahmen ein- wahren und der Aufsichtsbehörde
schließlich Maßnahmen zur sowie der Berufsgenossenschaft auf
Verbesserung des Impfstatus, Verlangen zur Einsicht vorzulegen
4. die Anordnung einer außeror- oder einzusenden.
dentlichen Nachuntersuchung (2) Scheidet der Jugendliche aus dem
(§ 35 Abs. 1). Beschäftigungsverhältnis aus, so hat
(2) Der Arzt hat eine für den Arbeitgeber ihm der Arbeitgeber die Bescheini-
bestimmte Bescheinigung darüber gungen auszuhändigen.
auszustellen, daß die Untersuchung
stattgefunden hat und darin die
238 AUSBILDUNG & BERUF

§ 42 (2) Unter den Voraussetzungen des


Eingreifen der Aufsichtsbehörde Absatzes 1 kann der Amtsarzt des
Die Aufsichtsbehörde hat, wenn die dem Gesundheitsamts einem Arzt, der
Jugendlichen übertragenen Arbeiten Ge- einen Jugendlichen nach diesem
fahren für seine Gesundheit befürchten Abschnitt untersucht, Einsicht in
lassen, dies dem Personensorgeberech- andere in seiner Dienststelle vorhan-
tigten und dem Arbeitgeber mitzuteilen dene Unterlagen über Gesundheit
und den Jugendlichen aufzufordern, sich und Entwicklung des Jugendlichen
durch einen von ihr ermächtigten Arzt gewähren.
untersuchen zu lassen.
§ 46
§ 43 Ermächtigungen
Freistellung für Untersuchungen (1) Das Bundesministerium für Arbeit
Der Arbeitgeber hat den Jugendlichen und Soziales kann zum Zweck einer
für die Durchführung der ärztlichen gleichmäßigen und wirksamen
Untersuchungen nach diesem Abschnitt gesundheitlichen Betreuung durch
freizustellen. Ein Entgeltausfall darf Rechtsverordnung mit Zustimmung
hierdurch nicht eintreten. des Bundesrates Vorschriften über
die Durchführung der ärztlichen
§ 44 Untersuchungen und über die für
Kosten der Untersuchungen die Aufzeichnungen der Untersu-
Die Kosten der Untersuchungen trägt chungsbefunde, die Bescheinigun-
das Land. gen und Mitteilungen zu verwen-
denden Vordrucke erlassen.
§ 45 (2) Die Landesregierung kann durch
Gegenseitige Unterrichtung der Ärzte Rechtsverordnung
(1) Die Ärzte, die Untersuchungen nach 1. zur Vermeidung von mehreren
diesem Abschnitt vorgenommen Untersuchungen innerhalb eines
haben, müssen, wenn der Personen- kurzen Zeitraums aus verschie-
sorgeberechtigte und der Jugendli- denen Anlässen bestimmen,
che damit einverstanden sind, daß die Untersuchungen nach
1. dem staatlichen Gewerbearzt, den §§ 32 bis 34 zusammen mit
2. dem Arzt, der einen Jugendlichen Untersuchungen nach anderen
nach diesem Abschnitt nach- Vorschriften durchzuführen sind,
untersucht, und hierbei von der Frist des
auf Verlangen die Aufzeichnungen § 32 Abs. 1 Nr. 1 bis zu drei Mona-
über die Untersuchungsbefunde zur ten abweichen,
Einsicht aushändigen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 239

2. zur Vereinfachung der Abrechnung des Geburtsdatums und der Wohnan-


a) Pauschbeträge für die Kosten schrift zu führen, in denen das Datum
der ärztlichen Untersuchungen des Beginns der Beschäftigung bei ihnen,
im Rahmen der geltenden Ge- bei einer Beschäftigung unter Tage auch
bührenordnungen festsetzen, das Datum des Beginns dieser Beschäfti-
b) Vorschriften über die Erstat- gung, enthalten ist.
tung der Kosten beim Zusam-
mentreffen mehrerer Unter- § 50
suchungen nach Nummer 1 Auskunft, Vorlage der Verzeichnisse
erlassen. (1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, der
Aufsichtsbehörde auf Verlangen
Vierter Abschnitt 1. die zur Erfüllung ihrer Aufgaben
Durchführung des Gesetzes erforderlichen Angaben wahrheits-
gemäß und vollständig zu machen,
Erster Titel 2. die Verzeichnisse gemäß § 49, die
Aushänge und Verzeichnisse Unterlagen, aus denen Name,
Beschäftigungsart und -zeiten der
§ 47 Jugendlichen sowie Lohn- und
Bekanntgabe des Gesetzes und der Gehaltszahlungen ersichtlich
Aufsichtsbehörde sind, und alle sonstigen Unter-
Arbeitgeber, die regelmäßig mindestens lagen, die sich auf die nach Num-
einen Jugendlichen beschäftigen, haben mer 1 zu machenden Angaben
einen Abdruck dieses Gesetzes und die beziehen, zur Einsicht vorzulegen
Anschrift der zuständigen Aufsichtsbe- oder einzusenden.
hörde an geeigneter Stelle im Betrieb zur (2) Die Verzeichnisse und Unterlagen
Einsicht auszulegen oder auszuhängen. sind mindestens bis zum Ablauf von
zwei Jahren nach der letzten Ein-
§ 48 tragung aufzubewahren.
Aushang über Arbeitszeit und Pausen
Arbeitgeber, die regelmäßig mindestens Zweiter Titel
drei Jugendliche beschäftigen, haben Aufsicht
einen Aushang über Beginn und Ende
der regelmäßigen täglichen Arbeitszeit § 51
und der Pausen der Jugendlichen an ge- Aufsichtsbehörde, Besichtigungsrechte
eigneter Stelle im Betrieb anzubringen. und Berichtspflicht
(1) Die Aufsicht über die Ausführung
§ 49 dieses Gesetzes und der auf Grund
Verzeichnisse der Jugendlichen dieses Gesetzes erlassenen Rechts-
Arbeitgeber haben Verzeichnisse der bei verordnungen obliegt der nach
ihnen beschäftigten Jugendlichen unter Landesrecht zuständigen Behörde
Angabe des Vor- und Familiennamens, (Aufsichtsbehörde). Die Landesregie-
240 AUSBILDUNG & BERUF

rung kann durch Rechtsverordnung Die zuständige Agentur für Arbeit erhält
die Aufsicht über die Ausführung eine Durchschrift dieser Mitteilung.
dieser Vorschriften in Familienhaus-
halten auf gelegentliche Prüfungen § 54
beschränken. Ausnahmebewilligungen
(2) Die Beauftragten der Aufsichtsbe- (1) Ausnahmen, die die Aufsichtsbehör-
hörde sind berechtigt, die Arbeits- de nach diesem Gesetz oder den auf
stätten während der üblichen Grund dieses Gesetzes erlassenen
Betriebs- und Arbeitszeit zu betreten Rechtsverordnungen bewilligen
und zu besichtigen; außerhalb dieser kann, sind zu befristen. Die Ausnah-
Zeit oder wenn sich die Arbeits- mebewilligungen können
stätten in einer Wohnung befin- 1. mit einer Bedingung erlassen
den, dürfen sie nur zur Verhütung werden,
von dringenden Gefahren für die 2. mit einer Auflage oder mit einem
öffentliche Sicherheit und Ordnung Vorbehalt der nachträglichen
betreten und besichtigt werden. Der Aufnahme, Änderung oder Er-
Arbeitgeber hat das Betreten und gänzung einer Auflage verbunden
Besichtigen der Arbeitsstätten zu werden und
gestatten. Das Grundrecht der Un- 3. jederzeit widerrufen werden.
verletzlichkeit der Wohnung (Artikel (2) Ausnahmen können nur für einzelne
13 des Grundgesetzes) wird insoweit Beschäftigte, einzelne Betriebe oder
eingeschränkt. einzelne Teile des Betriebs bewilligt
(3) Die Aufsichtsbehörden haben im werden.
Rahmen der Jahresberichte nach (3) Ist eine Ausnahme für einen Betrieb
§ 139b Abs. 3 der Gewerbeordnung oder einen Teil des Betriebs bewilligt
über ihre Aufsichtstätigkeit gemäß worden, so hat der Arbeitgeber hier-
Absatz 1 zu berichten. über an geeigneter Stelle im Betrieb
einen Aushang anzubringen.
§ 52
(weggefallen) Dritter Titel
Ausschüsse für Jugendarbeitsschutz
§ 53
Mitteilung über Verstöße § 55
Die Aufsichtsbehörde teilt schwer- Bildung des Landesausschusses für
wiegende Verstöße gegen die Vor- Jugendarbeitsschutz
schriften dieses Gesetzes oder gegen die (1) Bei der von der Landesregierung
auf Grund dieses Gesetzes erlassenen bestimmten obersten Landesbe-
Rechtsverordnungen der nach dem hörde wird ein Landesausschuß für
Berufsbildungsgesetz oder der Hand- Jugendarbeitsschutz gebildet.
werksordnung zuständigen Stelle mit.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 241

(2) Dem Landesausschuß gehören als (6) Die Mitglieder haben Stellvertreter.
Mitglieder an: Die Absätze 2 bis 5 gelten für die
1. je sechs Vertreter der Arbeitgeber Stellvertreter entsprechend.
und der Arbeitnehmer, (7) Der Landesausschuß wählt aus
2. ein Vertreter des Landesjugend- seiner Mitte einen Vorsitzenden und
rings, dessen Stellvertreter. Der Vorsit-
3. ein von der Bundesagentur für Ar- zende und sein Stellvertreter sollen
beit benannter Vertreter und je ein nicht derselben Mitgliedergruppe
Vertreter des Landesjugendamts, angehören.
der für das Gesundheitswesen zu- (8) Der Landesausschuß gibt sich eine
ständigen obersten Landesbehörde Geschäftsordnung. Die Geschäfts-
und der für die berufsbildenden ordnung kann die Bildung von
Schulen zuständigen obersten Unterausschüssen vorsehen und be-
Landesbehörde und stimmen, daß ihnen ausnahmsweise
4. ein Arzt. nicht nur Mitglieder des Landes-
(3) Die Mitglieder des Landesausschus- ausschusses angehören. Absatz 4
ses werden von der von der Landes- Satz 2 gilt für die Unterausschüsse
regierung bestimmten obersten hinsichtlich der Entschädigung
Landesbehörde berufen, die Vertreter entsprechend. An den Sitzungen des
der Arbeitgeber und Arbeitnehmer Landesausschusses und der Unter-
auf Vorschlag der auf Landesebene ausschüsse können Vertreter der be-
bestehenden Arbeitgeberverbände teiligten obersten Landesbehörden
und Gewerkschaften, der Arzt auf teilnehmen.
Vorschlag der Landesärztekammer,
die übrigen Vertreter auf Vorschlag § 56
der in Absatz 2 Nr. 2 und 3 genann- Bildung des Ausschusses für Jugend-
ten Stellen. arbeitsschutz bei der Aufsichtsbehörde
(4) Die Tätigkeit im Landesausschuß (1) Bei der Aufsichtsbehörde wird ein
ist ehrenamtlich. Für bare Auslagen Ausschuß für Jugendarbeitsschutz ge-
und für Entgeltausfall ist, soweit eine bildet. In Städten, in denen mehrere
Entschädigung nicht von anderer Aufsichtsbehörden ihren Sitz haben,
Seite gewährt wird, eine angemesse- wird ein gemeinsamer Ausschuß
ne Entschädigung zu zahlen, deren für Jugendarbeitsschutz gebildet. In
Höhe nach Landesrecht oder von Ländern, in denen nicht mehr als
der von der Landesregierung be- zwei Aufsichtsbehörden eingerichtet
stimmten obersten Landesbehörde sind, übernimmt der Landesausschuß
festgesetzt wird. für Jugendarbeitsschutz die Aufgaben
(5) Die Mitglieder können nach Anhö- dieses Ausschusses.
ren der an ihrer Berufung beteiligten
Stellen aus wichtigem Grund abbe-
rufen werden.
242 AUSBILDUNG & BERUF

(2) Dem Ausschuß gehören als (2) Die oberste Landesbehörde beteiligt
Mitglieder an: den Landesausschuß in Angelegen-
1. je sechs Vertreter der Arbeitgeber heiten von besonderer Bedeutung,
und der Arbeitnehmer, insbesondere vor Erlaß von Rechts-
2. ein Vertreter des im Bezirk der vorschriften zur Durchführung
Aufsichtsbehörde wirkenden dieses Gesetzes.
Jugendrings, (3) Der Landesausschuß hat über seine
3. je ein Vertreter eines Arbeits-, Tätigkeit im Zusammenhang mit dem
Jugend- und Gesundheitsamts, Bericht der Aufsichtsbehörden nach
4. ein Arzt und ein Lehrer an einer § 51 Abs. 3 zu berichten.
berufsbildenden Schule. (4) Der Ausschuß für Jugendarbeits-
(3) Die Mitglieder des Jugendarbeits- schutz bei der Aufsichtsbehörde
schutzausschusses werden von berät diese in allen allgemeinen
der Aufsichtsbehörde berufen, Angelegenheiten des Jugendarbeits-
die Vertreter der Arbeitgeber und schutzes und macht dem Landesaus-
Arbeitnehmer auf Vorschlag der im schuß Vorschläge für die Durchfüh-
Aufsichtsbezirk bestehenden Arbeit- rung dieses Gesetzes. Er klärt über
geberverbände und Gewerkschaften, Inhalt und Ziel des Jugendarbeits-
der Arzt auf Vorschlag der Ärzte- schutzes auf.
kammer, der Lehrer auf Vorschlag
der nach Landesrecht zuständigen Fünfter Abschnitt
Behörde, die übrigen Vertreter Straf- und Bußgeldvorschriften
auf Vorschlag der in Absatz 2 Nr. 2
und 3 genannten Stellen. § 55 Abs. 4 § 58
bis 8 gilt mit der Maßgabe entspre- Bußgeld- und Strafvorschriften
chend, daß die Entschädigung von (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Ar­
der Aufsichtsbehörde mit Genehmi- beitgeber vorsätzlich oder fahrlässig
gung der von der Landesregierung 1. entgegen § 5 Abs. 1, auch in Ver-
bestimmten obersten Landesbehör- bindung mit § 2 Abs. 3, ein Kind
de festgesetzt wird. oder einen Jugendlichen, der der
Vollzeitschulpflicht unterliegt,
§ 57 beschäftigt,
Aufgaben der Ausschüsse 2. entgegen § 5 Abs. 3 Satz 1 oder
(1) Der Landesausschuß berät die oberste Satz 3, jeweils auch in Verbin-
Landesbehörde in allen allgemeinen dung mit § 2 Abs. 3, ein Kind über
Angelegenheiten des Jugendarbeits- 13 Jahre oder einen Jugendlichen,
schutzes und macht Vorschläge für der der Vollzeitschulpflicht unter-
die Durchführung dieses Gesetzes. Er liegt, in anderer als der zugelasse-
klärt über Inhalt und Ziel des Jugend- nen Weise beschäftigt,
arbeitsschutzes auf. 3. (weggefallen)
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 243

4. entgegen § 7 Satz 1 Nr. 2, auch in 14. entgegen § 17 Abs. 1 einen Jugend-
Verbindung mit einer Rechtsver- lichen an Sonntagen beschäftigt
ordnung nach § 26 Nr. 1, ein Kind, oder entgegen § 17 Abs. 2 Satz 2
das der Vollzeitschulpflicht nicht Halbsatz 2 oder Abs. 3 Satz 1 den
mehr unterliegt, in anderer als der Jugendlichen nicht freistellt,
zugelassenen Weise beschäftigt, 15. entgegen § 18 Abs. 1 einen Jugend­
5. entgegen § 8 einen Jugendlichen lichen am 24. oder 31. Dezember
über die zulässige Dauer der nach 14 Uhr oder an gesetzlichen
Arbeitszeit hinaus beschäftigt, Feiertagen beschäftigt oder ent-
6. entgegen § 9 Absatz 1 einen Ju- gegen § 18 Abs. 3 nicht freistellt,
gendlichen beschäftigt oder nicht 16. entgegen § 19 Abs. 1, auch in Ver-
freistellt, bindung mit Abs. 2 Satz 1 oder 2,
7. entgegen § 10 Abs. 1 einen oder entgegen § 19 Abs. 3 Satz 2
Jugendlichen für die Teilnahme oder Abs. 4 Satz 2 Urlaub nicht
an Prüfungen oder Ausbildungs- oder nicht mit der vorgeschriebe-
maßnahmen oder an dem nen Dauer gewährt,
Arbeitstag, der der schriftlichen 17. entgegen § 21 Abs. 2 die geleistete
Abschlußprüfung unmittelbar Mehrarbeit durch Verkürzung der
vorangeht, nicht freistellt, Arbeitszeit nicht ausgleicht,
8. entgegen § 11 Abs. 1 oder 2 Ruhe- 18. entgegen § 22 Abs. 1, auch in
pausen nicht, nicht mit der vor- Verbindung mit einer Rechtsver-
geschriebenen Mindestdauer oder ordnung nach § 26 Nr. 1, einen
nicht in der vorgeschriebenen Jugendlichen mit den dort ge-
zeitlichen Lage gewährt, nannten Arbeiten beschäftigt,
9. entgegen § 12 einen Jugendlichen 19. entgegen § 23 Abs. 1, auch in
über die zulässige Schichtzeit Verbindung mit einer Rechtsver-
hinaus beschäftigt, ordnung nach § 26 Nr. 1, einen
10. entgegen § 13 die Mindestfreizeit Jugendlichen mit Arbeiten mit
nicht gewährt, Lohnanreiz, in einer Arbeits-
11. entgegen § 14 Abs. 1 einen gruppe mit Erwachsenen, deren
Jugendlichen außerhalb der Zeit Entgelt vom Ergebnis ihrer Arbeit
von 6 bis 20 Uhr oder entgegen abhängt, oder mit tempoabhängi-
§ 14 Abs. 7 Satz 3 vor Ablauf der gen Arbeiten beschäftigt,
Mindestfreizeit beschäftigt, 20. entgegen § 24 Abs. 1, auch in
12. entgegen § 15 einen Jugendlichen Verbindung mit einer Rechtsver-
an mehr als fünf Tagen in der ordnung nach § 26 Nr. 1, einen
Woche beschäftigt, Jugendlichen mit Arbeiten unter
13. entgegen § 16 Abs. 1 einen Jugend- Tage beschäftigt,
lichen an Samstagen beschäftigt 21. entgegen § 31 Abs. 2 Satz 2 einem
oder entgegen § 16 Abs. 3 Satz 1 Jugendlichen ein dort genanntes
den Jugendlichen nicht freistellt, Getränk, Tabakwaren oder ein
dort genanntes Erzeugnis gibt,
244 AUSBILDUNG & BERUF

22. entgegen § 32 Abs. 1 einen bestimmten Tatbestand auf die


Jugendlichen ohne ärztliche Be- Bußgeldvorschrift verweist.
scheinigung über die Erstunter- (2) Ordnungswidrig handelt, wer vor-
suchung beschäftigt, sätzlich oder fahrlässig entgegen § 25
23. entgegen § 33 Abs. 3 einen Abs. 1 Satz 1 oder Abs. 2 Satz 1 einen
Jugendlichen ohne ärztliche Be- Jugendlichen beschäftigt, beaufsich-
scheinigung über die erste Nach- tigt, anweist oder ausbildet, obwohl
untersuchung weiterbeschäftigt, ihm dies verboten ist, oder einen
24. entgegen § 36 einen Jugendlichen anderen, dem dies verboten ist, mit
ohne Vorlage der erforderlichen der Beaufsichtigung, Anweisung oder
ärztlichen Bescheinigungen Ausbildung eines Jugendlichen beauf-
beschäftigt, tragt.
25. entgegen § 40 Abs. 1 einen Ju- (3) Absatz 1 Nr. 4, 6 bis 29 und Absatz 2
gendlichen mit Arbeiten beschäf- gelten auch für die Beschäftigung
tigt, durch deren Ausführung der von Kindern (§ 2 Abs. 1) oder Jugend-
Arzt nach der von ihm erteilten lichen, die der Vollzeitschulpflicht
Bescheinigung die Gesundheit unterliegen (§ 2 Abs. 3), nach § 5 Abs. 2
oder die Entwicklung des Jugend- Absatz 1 Nr. 6 bis 29 und Absatz 2 gel-
lichen für gefährdet hält, ten auch für die Beschäftigung von
26. einer Rechtsverordnung nach Kindern, die der Vollzeitschulpflicht
a) § 26 Nr. 2 oder nicht mehr unterliegen, nach § 7.
b) §  28 Abs. 2 (4) Die Ordnungswidrigkeit kann mit
zuwiderhandelt, soweit sie für einer Geldbuße bis zu fünfzehntau-
einen bestimmten Tatbestand auf send Euro geahndet werden.
diese Bußgeldvorschrift verweist, (5) Wer vorsätzlich eine in Absatz 1, 2
27. einer vollziehbaren Anordnung oder 3 bezeichnete Handlung begeht
der Aufsichtsbehörde nach § 6 und dadurch ein Kind, einen Jugend-
Abs. 3, § 27 Abs. 1 Satz 2 oder lichen oder im Fall des Absatzes 1
Abs. 2, § 28 Abs. 3 oder § 30 Abs. 2 Nr. 6 eine Person, die noch nicht
zuwiderhandelt, 21 Jahre alt ist, in ihrer Gesundheit
28. einer vollziehbaren Auflage der oder Arbeitskraft gefährdet, wird mit
Aufsichtsbehörde nach § 6 Abs. 1, Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder
§ 14 Abs. 7, § 27 Abs. 3 oder § 40 mit Geldstrafe bestraft. Ebenso wird
Abs. 2, jeweils in Verbindung mit bestraft, wer eine in Absatz 1, 2 oder
§ 54 Abs. 1, zuwiderhandelt, 3 bezeichnete Handlung beharrlich
29. einer vollziehbaren Anordnung wiederholt.
oder Auflage der Aufsichtsbehör- (6) Wer in den Fällen des Absatzes 5 Satz 1
de auf Grund einer Rechtsver- die Gefahr fahrlässig verursacht, wird
ordnung nach § 26 Nr. 2 oder § 28 mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Mo-
Abs. 2 zuwiderhandelt, soweit naten oder mit Geldstrafe bis zu ein-
die Rechtsverordnung für einen hundertachtzig Tagessätzen bestraft.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – JUGENDARBEITSSCHUTZGESETZ 245

§ 59 10. entgegen § 50 Abs. 1 Angaben


Bußgeldvorschriften nicht, nicht richtig oder nicht
(1) Ordnungswidrig handelt, wer als vollständig macht oder Verzeich-
Arbeitgeber vorsätzlich oder fahr­ nisse oder Unterlagen nicht vor-
lässig legt oder einsendet oder entgegen
1. entgegen § 6 Abs. 4 Satz 2 ein Kind § 50 Abs. 2 Verzeichnisse oder
vor Erhalt des Bewilligungsbe- Unterlagen nicht oder nicht
scheids beschäftigt, vorschriftsmäßig aufbewahrt,
2. entgegen § 11 Abs. 3 den Aufent- 11. entgegen § 51 Abs. 2 Satz 2 das
halt in Arbeitsräumen gestattet, Betreten oder Besichtigen der
2a. entgegen § 20 Absatz 2 Satz 1 eine Arbeitsstätten nicht gestattet,
Aufzeichnung nicht oder nicht 12. entgegen § 54 Abs. 3 einen Aus-
richtig führt, hang nicht anbringt.
2b. entgegen § 20 Absatz 2 Satz 3 eine (2) Absatz 1 Nr. 2 bis 6 gilt auch für
Aufzeichnung nicht oder nicht die Beschäftigung von Kindern (§ 2
mindestens zwölf Monate aufbe- Abs. 1 und 3) nach § 5 Abs. 2 Satz 1.
wahrt, (3) Die Ordnungswidrigkeit kann mit
3. entgegen § 29 einen Jugendlichen einer Geldbuße bis zu zweitausend-
über Gefahren nicht, nicht richtig fünfhundert Euro geahndet werden.
oder nicht rechtzeitig unterweist,
4. entgegen § 33 Abs. 2 Satz 1 einen § 60
Jugendlichen nicht oder nicht Verwaltungsvorschriften für die
rechtzeitig zur Vorlage einer ärzt- Ver­folgung und Ahndung von Ordnungs­
lichen Bescheinigung auffordert, widrigkeiten
5. entgegen § 41 die ärztliche Be- Der Bundesminister für Arbeit und
scheinigung nicht aufbewahrt, Sozialordnung kann mit Zustimmung
vorlegt, einsendet oder aushändigt, des Bundesrates allgemeine Verwal-
6. entgegen § 43 Satz 1 einen Ju- tungsvorschriften für die Verfolgung
gendlichen für ärztliche Untersu- und Ahndung von Ordnungswidrig-
chungen nicht freistellt, keiten nach §§ 58 und 59 durch die
7. entgegen § 47 einen Abdruck des Verwaltungsbehörde (§ 35 des Gesetzes
Gesetzes oder die Anschrift der über Ordnungswidrigkeiten) und über
zuständigen Aufsichtsbehörde die Erteilung einer Verwarnung (§§ 56, 58
nicht auslegt oder aushängt, Abs. 2 des Gesetzes über Ordnungswid-
8. entgegen § 48 Arbeitszeit und rigkeiten) wegen einer Ordnungswidrig-
Pausen nicht oder nicht in der vor- keit nach §§ 58 und 59 erlassen.
geschriebenen Weise aushängt,
9. entgegen § 49 ein Verzeichnis
nicht oder nicht in der vorge-
schriebenen Weise führt,
246 AUSBILDUNG & BERUF

Sechster Abschnitt §§ 63 bis 70


Schlußvorschriften (Änderungsvorschriften)

§ 61 § 71
Beschäftigung von Jugendlichen auf (weggefallen)
Kauffahrteischiffen
Für die Beschäftigung von Jugendlichen § 72
als Besatzungsmitglieder auf Kauffahr- Inkrafttreten
teischiffen im Sinne des § 3 des Seear- (1) Dieses Gesetz tritt am 1. Mai 1976 in
beitsgesetzes gilt anstelle dieses Gesetzes Kraft.
das Seearbeitsgesetz. (2) (Aufhebungsvorschrift)
(3) Die auf Grund des § 37 Abs. 2 und des
§ 62 § 53 des Jugendarbeitsschutzgesetzes
Beschäftigung im Vollzug einer Freiheits- vom 9. August 1960, des § 20 Abs. 1 des
entziehung Jugendschutzgesetzes vom 30. April
(1) Die Vorschriften dieses Gesetzes 1938 und des § 120e der Gewerbeord-
gelten für die Beschäftigung Jugend- nung erlassenen Vorschriften bleiben
licher (§ 2 Abs. 2) im Vollzug einer unberührt. Sie können, soweit sie
gerichtlich angeordneten Freiheits- den Geltungsbereich dieses Gesetzes
entziehung entsprechend, soweit betreffen, durch Rechtsverordnungen
es sich nicht nur um gelegentliche, auf Grund des § 26 oder des § 46 ge-
geringfügige Hilfeleistungen handelt ändert oder aufgehoben werden.
und soweit in den Absätzen 2 bis 4 (4) Vorschriften in Rechtsverordnun-
nichts anderes bestimmt ist. gen, die durch § 69 dieses Gesetzes
(2) Im Vollzug einer gerichtlich ange- geändert werden, können vom
ordneten Freiheitsentziehung finden Bundesministerium für Arbeit und
§ 19, §§ 47 bis 50 keine Anwendung. Soziales im Rahmen der bestehen-
(3) Die §§ 13, 14, 15, 16, 17 und 18 Abs. 1 den Ermächtigungen geändert oder
und 2 gelten im Vollzug einer ge- aufgehoben werden.
richtlich angeordneten Freiheitsent- (5) Verweisungen auf Vorschriften des
ziehung nicht für die Beschäftigung Jugendarbeitsschutzgesetzes vom
jugendlicher Anstaltsinsassen mit 9. August 1960 gelten als Verwei-
der Zubereitung und Ausgabe der sungen auf die entsprechenden
Anstaltsverpflegung. Vorschrif­ten dieses Gesetzes oder der
(4) § 18 Abs. 1 und 2 gilt nicht für die auf Grund dieses Gesetzes erlassenen
Beschäftigung jugendlicher Anstalts- Rechtsverordnungen.
insassen in landwirtschaftlichen
Betrieben der Vollzugsanstalten mit
Arbeiten, die auch an Sonn- und
Feiertagen naturnotwendig vorge-
nommen werden müssen.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – AUSBILDER-EIGNUNGSVERORDNUNG 247

4 Ausbilder-Eignungsverordnung

Ausbilder-Eignungsverordnung (AEVO)
vom 21. Januar 2009 (BGBl. I S. 88)

-nicht amtliche Veröffentlichung-

Auf Grund des § 30 Absatz 5 des Berufsbildungsgesetzes vom 23. März 2005
(BGBl. I S. 931) verordnet das Bundesministerium für Bildung und Forschung
nach Anhörung des Hauptausschusses des Bundesinstituts für Berufsbildung:

§ 1 § 3
Geltungsbereich Handlungsfelder
Ausbilder und Ausbilderinnen haben (1) Das Handlungsfeld nach § 2 Num-
für die Ausbildung in anerkannten mer 1 umfasst die berufs- und
Ausbildungsberufen nach dem Berufs- arbeitspädagogische Eignung, Ausbil-
bildungsgesetz den Erwerb der berufs- dungsvoraussetzungen zu prüfen und
und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Ausbildung zu planen. Die Ausbilder
Kenntnisse und Fähigkeiten nach dieser und Ausbilderinnen sind dabei in der
Verordnung nachzuweisen. Dies gilt Lage,
nicht für die Ausbildung im Bereich der 1. die Vorteile und den Nutzen be-
Angehörigen der freien Berufe. trieblicher Ausbildung darstellen
und begründen zu können,
§ 2 2. bei den Planungen und Entschei-
Berufs- und arbeitspädagogische Eignung dungen hinsichtlich des betrieb-
Die berufs- und arbeitspädagogische lichen Ausbildungsbedarfs auf der
Eignung umfasst die Kompetenz zum Grundlage der rechtlichen, tarif-
selbstständigen Planen, Durchführen vertraglichen und betrieblichen
und Kontrollieren der Berufsausbildung Rahmenbedingungen mitzuwir-
in den Handlungsfeldern: ken,
1. Ausbildungsvoraussetzungen 3. die Strukturen des Berufsbildungs-
prüfen und Ausbildung planen, systems und seine Schnittstellen
2. Ausbildung vorbereiten und bei darzustellen,
der Einstellung von Auszubilden- 4. Ausbildungsberufe für den Be-
den mitwirken, trieb auszuwählen und dies zu
3. Ausbildung durchführen und begründen,
4. Ausbildung abschließen.
248 AUSBILDUNG & BERUF

5. die Eignung des Betriebes für die 3. den Kooperationsbedarf zu er-


Ausbildung in dem angestrebten mitteln und sich inhaltlich sowie
Ausbildungsberuf zu prüfen organisatorisch mit den Koopera-
sowie, ob und inwieweit Ausbil- tionspartnern, insbesondere der
dungsinhalte durch Maßnahmen Berufsschule, abzustimmen,
außerhalb der Ausbildungsstätte, 4. Kriterien und Verfahren zur Aus-
insbesondere Ausbildung im Ver- wahl von Auszubildenden auch
bund, überbetriebliche und außer- unter Berücksichtigung ihrer Ver-
betriebliche Ausbildung, vermittelt schiedenartigkeit anzuwenden,
werden können, 5. den Berufsausbildungsvertrag
6. die Möglichkeiten des Einsatzes vorzubereiten und die Eintragung
von auf die Berufsausbildung des Vertrages bei der zuständigen
vorbereitenden Maßnahmen ein- Stelle zu veranlassen sowie
zuschätzen sowie 6. die Möglichkeiten zu prüfen, ob
7. im Betrieb die Aufgaben der an der Teile der Berufsausbildung im
Ausbildung Mitwirkenden unter Ausland durchgeführt werden
Berücksichtigung ihrer Funktio- können.
nen und Qualifikationen abzu- (3) Das Handlungsfeld nach § 2 Num-
stimmen. mer 3 umfasst die berufs- und
(2) Das Handlungsfeld nach § 2 Num- arbeitspädagogische Eignung, selbst-
mer 2 umfasst die berufs- und ständiges Lernen in berufstypischen
arbeitspädagogische Eignung, die Arbeits- und Geschäftsprozessen
Ausbildung unter Berücksichtigung handlungsorientiert zu fördern. Die
organisatorischer sowie rechtlicher Ausbilder und Ausbilderinnen sind
Aspekte vorzubereiten. Die Ausbil- dabei in der Lage,
der und Aus­bilderinnen sind dabei 1. lernförderliche Bedingungen und
in der Lage, eine motivierende Lernkultur
1. auf der Grundlage einer Ausbil- zu schaffen, Rückmeldungen zu
dungsordnung einen betrieblichen geben und zu empfangen,
Ausbildungsplan zu erstellen, der 2. die Probezeit zu organisieren, zu
sich insbesondere an berufstypi- gestalten und zu bewerten,
schen Arbeits- und Geschäftspro- 3. aus dem betrieblichen Ausbil-
zessen orientiert, dungsplan und den berufstypi-
2. die Möglichkeiten der Mitwir- schen Arbeits- und Geschäfts-
kung und Mitbestimmung der prozessen betriebliche Lern- und
betrieblichen Interessenvertre- Arbeitsaufgaben zu entwickeln
tungen in der Berufsbildung zu und zu gestalten,
berücksichtigen, 4. Ausbildungsmethoden und
-medien zielgruppengerecht aus-
zuwählen und situationsspezifisch
einzusetzen,
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – AUSBILDER-EIGNUNGSVERORDNUNG 249

5. Auszubildende bei Lernschwie- 1. Auszubildende auf die Abschluss-


rigkeiten durch individuelle oder Gesellenprüfung unter
Gestaltung der Ausbildung und Berücksichtigung der Prüfungs-
Lernberatung zu unterstützen, termine vorzubereiten und die
bei Bedarf ausbildungsunterstüt- Ausbildung zu einem erfolgrei-
zende Hilfen einzusetzen und die chen Abschluss zu führen,
Möglichkeit zur Verlängerung der 2. für die Anmeldung der Auszu-
Ausbildungszeit zu prüfen, bildenden zu Prüfungen bei der
6. Auszubildenden zusätzliche zuständigen Stelle zu sorgen und
Ausbildungsangebote, insbeson- diese auf durchführungsrelevante
dere in Form von Zusatzquali- Besonderheiten hinzuweisen,
fikationen, zu machen und die 3. an der Erstellung eines schriftli-
Möglichkeit der Verkürzung der chen Zeugnisses auf der Grund-
Ausbildungsdauer und die der lage von Leistungsbeurteilungen
vorzeitigen Zulassung zur Ab- mitzuwirken sowie
schlussprüfung zu prüfen, 4. Auszubildende über betriebliche
7. die soziale und persönliche Ent- Entwicklungswege und berufliche
wicklung von Auszubildenden zu Weiterbildungsmöglichkeiten zu
fördern, Probleme und Konflikte informieren und zu beraten.
rechtzeitig zu erkennen sowie auf
eine Lösung hinzuwirken, § 4
8. Leistungen festzustellen und zu Nachweis der Eignung
bewerten, Leistungsbeurteilungen (1) Die Eignung nach § 2 ist in einer
Dritter und Prüfungsergebnisse Prüfung nachzuweisen. Die Prüfung
auszuwerten, Beurteilungsgesprä- besteht aus einem schriftlichen und
che zu führen, Rückschlüsse für einem praktischen Teil. Die Prüfung
den weiteren Ausbildungsverlauf ist bestanden, wenn jeder Prüfungs-
zu ziehen sowie teil mit mindestens „ausreichend“
9. interkulturelle Kompetenzen zu bewertet wurde. Innerhalb eines
fördern. Prüfungsverfahrens kann eine
(4) Das Handlungsfeld nach § 2 Num- nicht bestandene Prüfung zweimal
mer 4 umfasst die berufs- und wiederholt werden. Ein bestandener
arbeitspädagogische Eignung, die Prüfungsteil kann dabei angerechnet
Ausbildung zu einem erfolgreichen werden.
Abschluss zu führen und dem Aus- (2) Im schriftlichen Teil der Prüfung
zubildenden Perspektiven für seine sind fallbezogene Aufgaben aus allen
berufliche Weiterentwicklung aufzu- Handlungsfeldern zu bearbeiten. Die
zeigen. Die Ausbilder und Ausbilde- schriftliche Prüfung soll drei Stun-
rinnen sind dabei in der Lage, den dauern.
250 AUSBILDUNG & BERUF

(3) Der praktische Teil der Prüfung § 5


besteht aus der Präsentation einer Zeugnis
Ausbildungssituation und einem Über die bestandene Prüfung ist jeweils
Fachgespräch mit einer Dauer von ein Zeugnis nach den Anlagen 1 und 2
insgesamt höchstens 30 Minu- auszustellen.
ten. Hierfür wählt der Prüfungs-
teilnehmer eine berufstypische § 6
Ausbildungs­situation aus. Die Andere Nachweise
Präsentation soll 15 Minuten nicht (1) Wer die Prüfung nach einer vor
überschreiten. Die Auswahl und Inkrafttreten dieser Verordnung
Gestaltung der Ausbildungssituation geltenden Ausbilder-Eignungs-
sind im Fachgespräch zu erläutern. verordnung bestanden hat, die auf
Anstelle der Präsentation kann eine Grund des Berufsbildungsgesetzes
Ausbildungssituation auch praktisch erlassen worden ist, gilt für die
durchgeführt werden. Berufsausbildung als im Sinne dieser
(4) Im Bereich der Landwirtschaft Verordnung berufs- und arbeits­
und im Bereich der Hauswirtschaft pädagogisch geeignet.
besteht der praktische Teil aus der (2) Wer durch eine Meisterprüfung oder
Durchführung einer vom Prüfungs- eine andere Prüfung der beruflichen
teilnehmer in Abstimmung mit dem Fortbildung nach der Handwerks-
Prüfungsausschuss auszuwählenden ordnung oder dem Berufsbildungs-
Ausbildungssituation und einem gesetz eine berufs- und arbeitspäda-
Fachgespräch, in dem die Auswahl gogische Eignung nachgewiesen hat,
und Gestaltung der Ausbildungs- gilt für die Berufsausbildung als im
situation zu begründen sind. Die Sinne dieser Verordnung berufs- und
Prüfung im praktischen Teil soll arbeitspädagogisch geeignet.
höchstens 60 Minuten dauern. (3) Wer eine sonstige staatliche, staatlich
(5) Für die Abnahme der Prüfung er- anerkannte oder von einer öffent-
richtet die zuständige Stelle einen lich-rechtlichen Körperschaft ab-
Prüfungsausschuss. § 37 Absatz 2 genommene Prüfung bestanden hat,
und 3, § 39 Absatz 1 Satz 2, die §§ 40 deren Inhalt den in § 3 genannten
bis 42, 46 und 47 des Berufsbildungs- Anforderungen ganz oder teilweise
gesetzes gelten entsprechend. entspricht, kann von der zuständigen
Stelle auf Antrag ganz oder teilweise
von der Prüfung nach § 4 befreit
werden. Die zuständige Stelle erteilt
darüber eine Bescheinigung.
ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – AUSBILDER-EIGNUNGSVERORDNUNG 251

(4) Die zuständige Stelle kann von der § 8


Vorlage des Nachweises über den Übergangsregelung
Erwerb der berufs- und arbeitspäd- Begonnene Prüfungsverfahren können
agogischen Fertigkeiten, Kenntnisse bis zum Ablauf des 31. Juli 2010 nach den
und Fähigkeiten auf Antrag befreien, bisherigen Vorschriften zu Ende geführt
wenn das Vorliegen berufs- und werden. Die zuständige Stelle kann auf
arbeitspädagogischer Eignung auf Antrag des Prüfungsteilnehmers oder
andere Weise glaubhaft gemacht der Prüfungsteilnehmerin die Wieder-
wird und die ordnungsgemäße Aus- holungsprüfung nach dieser Verordnung
bildung sichergestellt ist. Die zustän- durchführen; § 4 Absatz 1 Satz 5 findet
dige Stelle kann Auflagen erteilen. in diesem Fall keine Anwendung. Im
Auf Antrag erteilt die zuständige Übrigen kann bei der Anmeldung zur
Stelle hierüber eine Bescheinigung. Prüfung bis zum Ablauf des 30. April
2010 die Anwendung der bisherigen Vor-
§ 7 schriften beantragt werden.
Fortführen der Ausbildertätigkeit
Wer vor dem 1. August 2009 als Ausbil- § 9
der im Sinne des § 28 Absatz 1 Satz 2 des Inkrafttreten, Außerkrafttreten
Berufsbildungsgesetzes tätig war, ist vom Diese Verordnung tritt am 1. August
Nachweis nach den §§ 5 und 6 dieser 2009 in Kraft.
Verordnung befreit, es sei denn, dass die
bisherige Ausbildertätigkeit zu Bean-
standungen mit einer Aufforderung zur
Mängelbeseitigung durch die zuständige
Stelle geführt hat. Sind nach Aufforde-
rung die Mängel beseitigt worden und
Gefährdungen für eine ordnungsgemä-
ße Ausbildung nicht zu erwarten, kann
die zuständige Stelle vom Nachweis nach
den §§ 5 und 6 befreien; sie kann dabei
Auflagen erteilen.
252 AUSBILDUNG & BERUF

Anlage 1 (zu § 5)

MUSTER

(Bezeichnung der zuständigen Stelle)

ZEUGNIS

Herr/Frau

geboren am

in

hat am

die Prüfung

nach der Ausbilder-Eignungsverordnung vom 21. Januar 2009


(BGBl. I S. 88) bestanden.

Damit wurden die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und


Fähigkeiten im Sinne des § 30 des Berufsbildungsgesetzes nachgewiesen.

Ort/Datum

Unterschrift(en)

(Siegel der zuständigen Stelle)


ANHANG A: RECHTSGRUNDLAGEN – AUSBILDER-EIGNUNGSVERORDNUNG 253

Anlage 2 (zu § 5)

MUSTER

(Bezeichnung der zuständigen Stelle)

ZEUGNIS

Herr/Frau

geboren am

in

hat am

die Prüfung

nach der Ausbilder-Eignungsverordnung vom 21. Januar 2009 (BGBl. I S. 88) mit
folgenden Ergebnissen bestanden:

Punkte Note

1. Schriftlicher Prüfungsteil

2. Praktischer Prüfungsteil

Damit wurden die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und


Fähigkeiten im Sinne des § 30 des Berufsbildungsgesetzes nachgewiesen.

Ort/Datum

Unterschrift(en)

(Siegel der zuständigen Stelle)


254 AUSBILDUNG & BERUF

Anhang B: Service

1 Ausbildungsvertragsmuster

Berufsausbildungsvertrag
(§§ 10, 11 des Berufsbildungsgesetzes – BBiG)

Zwischen

(Name und Anschrift des Ausbildenden* (Ausbildungsbetriebs))1

und

(Name und Anschrift der/des Auszubildenden)

geboren am

gesetzlich vertreten durch2

wird nachstehender Berufsausbildungsvertrag zur Ausbildung im Ausbildungsberuf

(wenn einschlägig, bitte einschließlich Fachrichtung, Schwerpunkt, Wahlqualifika-


tion(en) und/oder Einsatzgebiet nach der Ausbildungsordnung bezeichnen) nach Maß-
gabe der Ausbildungsordnung3 geschlossen:

* Soweit keine geschlechtsneutrale Formulierung gewählt wird, dient dies allein der Vereinfachung der
Lesbarkeit. Auch dort werden alle Menschen angesprochen – unabhängig von ihrem Geschlecht (m/w/d).
ANHANG B: SERVICE 255

§ 1 – Dauer der Ausbildung

1. (Dauer)

Die Ausbildungsdauer beträgt nach der Ausbildungsordnung Jahre/Monate.


 Auf die Ausbildungsdauer wird die Berufsausbildung zum 4
bzw. eine
berufliche Vorbildung in mit Monaten angerechnet.5
Die Berufsausbildung wird in
 Vollzeit
 Teilzeit6 ( % der Ausbildungszeit in Vollzeit)
durchgeführt. Die Ausbildungsdauer verlängert sich aufgrund der Teilzeit
um Monate.
 Die Ausbildungsdauer verkürzt sich vorbehaltlich der Entscheidung der zuständi-
gen Stelle aufgrund um Monate7.
 Die Berufsausbildung wird im Rahmen eines ausbildungsintegrierenden dualen
Studiums absolviert.
Das Berufsbildungsverhältnis
beginnt am
und endet am 8
.

2. (Probezeit)

Die Probezeit beträgt Monate9. Wird die Ausbildung während der Probezeit
um mehr als ein Drittel dieser Zeit unterbrochen, so verlängert sich die Probezeit um
den Zeitraum der Unterbrechung.

3. (Vorzeitige Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses)

Bestehen Auszubildende vor Ablauf der in Nummer 1 vereinbarten Ausbildungsdauer


die Abschlussprüfung, so endet das Berufsausbildungsverhältnis mit Bekanntgabe des
Ergebnisses durch den Prüfungsausschuss.

4. (Verlängerung des Berufsausbildungsverhältnisses)

Bestehen Auszubildende die Abschlussprüfung nicht, so verlängert sich das Berufsaus-


bildungsverhältnis auf ihr Verlangen bis zur nächstmöglichen Wiederholungsprüfung,
höchstens um ein Jahr.
256 AUSBILDUNG & BERUF

§ 2 – Ermächtigung zur Anmeldung zu Prüfungen

Die/der Auszubildende ermächtigen den Ausbildenden, sie/ihn in ihrem/seinem


Namen zu Prüfungen im Rahmen der Ausbildung anzumelden; siehe näher § 4 Num-
mer 11 dieses Vertrags.

§ 3 – Ausbildungsstätte

Die Ausbildung findet vorbehaltlich der Regelungen nach § 4 Nummer 12 in

(Ausbildungsstätte)

und den mit dem Betriebssitz für die Ausbildung üblicherweise zusammenhängenden
Bau-, Montage- und sonstigen Arbeitsstellen statt.

§ 4 – Pflichten des Ausbildenden

Der Ausbildende verpflichtet sich,

1. (Ausbildungsziel)

dafür zu sorgen, dass der/dem Auszubildenden die berufliche Handlungsfähigkeit ver-


mittelt wird, die zum Erreichen des Ausbildungsziels erforderlich ist, und die Berufs-
ausbildung nach den beigefügten Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung
des Ausbildungsablaufs so durchzuführen, dass das Ausbildungsziel in der vorgesehe-
nen Ausbildungszeit erreicht werden kann;

2. (Ausbilderinnen/Ausbilder)

selbst auszubilden oder eine/einen persönlich und fachlich geeignete/geeigneten Aus-


bilderin/Ausbilder ausdrücklich damit zu beauftragen und diese/diesen der/dem Aus-
zubildenden jeweils schriftlich bekannt zu geben;

3. (Ausbildungsordnung)

der/dem Auszubildenden vor Beginn der Ausbildung die Ausbildungsordnung kosten-


los auszuhändigen;
ANHANG B: SERVICE 257

4. (Ausbildungsmittel)

der/dem Auszubildenden kostenlos die Ausbildungsmittel, insbesondere Werkzeuge,


Werkstoffe und Fachliteratur zur Verfügung zu stellen, die für die Ausbildung in den
betrieblichen und überbetrieblichen Ausbildungsstätten und zum Ablegen von Zwi-
schen- und Abschlussprüfungen10, auch soweit solche nach Beendigung des Berufsaus-
bildungsverhältnisses und in zeitlichem Zusammenhang damit stattfinden, erforder-
lich sind;

5. (Besuch der Berufsschule und von Ausbildungsmaßnahmen


außerhalb der Ausbildungsstätte; Prüfungen)

die/den Auszubildende/n zum Besuch der Berufsschule anzuhalten und freizustellen


bzw. nicht zu beschäftigen. Der Ausbildende verpflichtet sich daneben, die/den Aus-
zubildende/n, wenn Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte vorge-
schrieben oder nach Nummer 12 durchzuführen sind, freizustellen. Das Gleiche gilt für
die Teilnahme an Prüfungen und an dem Arbeitstag, der der schriftlichen Abschluss-
prüfung unmittelbar vorangeht.

6. (Führung von schriftlichen oder elektronischen Ausbildungs-


nachweisen)

schriftliche oder elektronische11 Ausbildungsnachweise der/dem Auszubildenden für


die Berufsausbildung kostenfrei zur Verfügung zu stellen und ihnen Gelegenheit zu
geben, die Ausbildungsnachweise während der Ausbildungszeit am Arbeitsplatz zu
führen.

Die/der Ausbildende wird die/den Auszubildende/n zum ordnungsgemäßen Führen


der Ausbildungsnachweise anhalten und dies durch regelmäßige Abzeichnung oder in
sonstiger geeigneter Weise bestätigen;

7. (Ausbildungsbezogene Tätigkeiten)

der/dem Auszubildenden nur Aufgaben zu übertragen, die dem Ausbildungszweck die-


nen und ihren/seinen körperlichen Kräften angemessen sind;

8. (Sorgepflicht)

dafür zu sorgen, dass die/der Auszubildende charakterlich gefördert sowie sittlich und
körperlich nicht gefährdet wird;
258 AUSBILDUNG & BERUF

9. (Ärztliche Untersuchungen)

sofern die/der Auszubildende noch nicht 18 Jahre alt ist, sich Bescheinigungen gemäß
den §§ 32, 33 des Jugendarbeitsschutzgesetzes darüber vorlegen zu lassen, dass sie/er
a) vor der Aufnahme der Ausbildung untersucht und
b) vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres nachuntersucht worden ist;

10. (Eintragungsantrag)
unverzüglich nach Abschluss des Berufsausbildungsvertrags die Eintragung in das Ver-
zeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse bei der zuständigen Stelle unter Beifügung
der Vertragsniederschriften und – bei Auszubildenden unter 18 Jahren – einer Kopie
oder Mehrfertigung der ärztlichen Bescheinigung über die Erstuntersuchung gemäß
§ 32 des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu beantragen; Entsprechendes gilt bei späteren
Änderungen des wesentlichen Vertragsinhalts;

11. (Anmeldung zu Prüfungen)

die/den Auszubildende/n im Rahmen einer gemäß § 2 dieses Vertrags erteilten Er-
mächtigung rechtzeitig zu den angesetzten Zwischen- und Abschlussprüfungen oder
zum ersten und zweiten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung anzumelden und
für die Teilnahme freizustellen sowie der Anmeldung zur Zwischenprüfung oder zum
ersten Teil einer gestreckten Abschlussprüfung bei Auszubildenden, die noch nicht
18 Jahre alt sind, eine Kopie oder Mehrfertigung der ärztlichen Bescheinigung über die
erste Nachuntersuchung gemäß § 33 des Jugendarbeitsschutzgesetzes beizufügen; die/
der Auszubildende erhalten eine Kopie des Anmeldeantrags;

12. (soweit zutreffend: Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der


Ausbildungsstätte)

§ 5 – Pflichten der/des Auszubildenden

Die/Der Auszubildende hat sich zu bemühen, die berufliche Handlungsfähigkeit zu er-


werben, die erforderlich ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Sie/Er verpflichtet
sich insbesondere,
ANHANG B: SERVICE 259

1. (Lernpflicht)

die ihr/ihm im Rahmen ihrer/seiner Berufsausbildung übertragenen Aufgaben sorg-


fältig auszuführen;

2. (Berufsschulunterricht, Prüfungen und sonstige Maßnahmen)

am Berufsschulunterricht und an Prüfungen sowie an Ausbildungsmaßnahmen außer-­


halb der Ausbildungsstätte teilzunehmen, für die sie/er nach § 4 Nummer 5, 11 und 12
freigestellt bzw. nicht beschäftigt wird;

3. (Weisungsgebundenheit)
den Weisungen zu folgen, die ihr/ihm im Rahmen der Berufsausbildung von Ausbilden-
den, von Ausbilderinnen oder Ausbildern oder von anderen weisungsberechtigten Per-
sonen, soweit sie als weisungsberechtigt bekannt gemacht worden sind, erteilt werden;

4. (Betriebliche Ordnung)

die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung zu beachten;

5. (Sorgfaltspflicht)

Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln und sie nur
zu den ihr/ihm übertragenen Arbeiten zu verwenden;

6. (Betriebsgeheimnisse)

über Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse Stillschweigen zu wahren;

7. (Führung von schriftlichen oder elektronischen11


Ausbildungsnachweisen)

die vorgeschriebenen schriftlichen oder elektronischen Ausbildungsnachweise ord­


nungs­­gemäß zu führen und regelmäßig vorzulegen;

8. (Benachrichtigung)

bei Fernbleiben von der betrieblichen Ausbildung, vom Berufsschulunterricht oder von
sonstigen Ausbildungsveranstaltungen dem Ausbildenden unter Angabe von Gründen
unverzüglich Nachricht zu geben. Bei einer Arbeitsunfähigkeit infolge von Krankheit,
die länger als drei Kalendertage dauert, hat die/der Auszubildende eine ärztliche Be-
scheinigung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit sowie deren voraussichtliche
260 AUSBILDUNG & BERUF

Dauer spätestens an dem darauffolgenden Arbeitstag vorzulegen. Der Ausbildende ist


berechtigt, die Vorlage der ärztlichen Bescheinigung früher zu verlangen. Dauert die
Arbeitsunfähigkeit länger als in der Bescheinigung angegeben, ist die/der Auszubil-
dende verpflichtet, eine neue ärztliche Bescheinigung vorzulegen;

9. (Ärztliche Untersuchungen)
soweit auf sie/ihn die Bestimmungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes Anwendung
finden, sich gemäß den §§ 32 und 33 dieses Gesetzes ärztlich
a) vor Beginn der Ausbildung untersuchen
b) vor Ablauf des ersten Ausbildungsjahres nachuntersuchen zu lassen
und die Bescheinigungen hierüber dem Ausbildenden vorzulegen.

§ 6 – Vergütung und sonstige Leistungen

1. (Höhe und Fälligkeit)

  Das Ausbildungsverhältnis fällt in den Geltungsbereich des folgenden Tarifvertrags:

 
Das Ausbildungsverhältnis fällt nicht in den Geltungsbereich eines gültigen
Tarifvertrags.

Der Ausbildende zahlt der/dem Auszubildenden eine angemessene Vergütung in


Höhe von monatlich
Euro brutto im ersten Ausbildungsjahr,
Euro brutto im zweiten Ausbildungsjahr,
Euro brutto im dritten Ausbildungsjahr,
Euro brutto im vierten Ausbildungsjahr.

Eine über die vereinbarte regelmäßige tägliche Ausbildungszeit hinausgehende Be-


schäftigung wird besonders vergütet oder durch entsprechende Freizeit ausgeglichen.

Die Vergütung wird spätestens am letzten Arbeitstag des Monats gezahlt. Das auf die
Urlaubszeit entfallende Entgelt (Urlaubsentgelt) wird vor Antritt des Urlaubs ausgezahlt.

Die Beiträge für die Sozialversicherung tragen die Vertragschließenden nach Maßgabe
der gesetzlichen Bestimmungen.

2. (Sachleistungen)

Soweit die/der Ausbildende der/dem Auszubildenden Kost und/oder Wohnung ge-


währt, gilt die in der Anlage beigefügte Regelung.
ANHANG B: SERVICE 261

3. (Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte)


Ausbildende tragen die Kosten für Maßnahmen außerhalb der Ausbildungsstätte nach
§ 4 Nummer 5, soweit sie nicht anderweitig gedeckt sind. Ist eine auswärtige Unterbrin-
gung erforderlich, so können Auszubildenden anteilige Kosten für Verpflegung in dem
Umfang in Rechnung gestellt werden, in dem diese Kosten einsparen. Die Anrechnung
von anteiligen Kosten und Sachbezugswerten nach § 17 Absatz 6 BBiG darf 75 % der
vereinbarten Bruttovergütung nicht übersteigen.

4. (Berufskleidung)
Wird vom Ausbildenden eine besondere Berufskleidung vorgeschrieben, so wird sie
von ihm zur Verfügung gestellt.

5. (Fortzahlung der Vergütung)

Der/Dem Auszubildenden wird die Vergütung auch gezahlt


a) für die Zeit der Freistellung gemäß § 4 Nummer 5, 11 und 12 dieses Vertrags sowie
gemäß § 10 Absatz 1 Nummer 2 und § 43 des Jugendarbeitsschutzgesetzes
b) bis zur Dauer von sechs Wochen, wenn sie/er
aa) sich für die Berufsausbildung bereithält, diese aber ausfällt,
bb) aus einem sonstigen, in ihrer/seiner Person liegenden Grund unverschuldet
verhindert ist, die Pflichten aus dem Berufsausbildungsverhältnis zu erfüllen,
cc) bei Krankheit nach Maßgabe des Entgeltfortzahlungsgesetzes.

§ 7 – Ausbildungszeit, Anrechnung und Urlaub

1. (Tägliche und wöchentliche Ausbildungszeit12)

a) Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit beträgt Stunden13


b) Die durchschnittliche wöchentliche Ausbildungszeit beträgt Stunden.

2. (Anrechnung)

Auf die Ausbildungszeit der Auszubildenden werden angerechnet


a)  die Berufsschulunterrichtszeit einschließlich der Pausen nach § 15 Absatz 1
Satz 2 Nummer 1 BBiG bzw. § 9 Absatz 2 Nummer 3 des Jugendarbeitsschutz-
gesetzes (JArbSchG),
b) Berufsschultage nach § 15 Absatz 1 Satz 2 Nummer 2 BBiG bzw. § 9 Absatz 1
Satz 2 Nummer 2 JArbSchG mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit,
c) Berufsschulwochen nach § 15 Absatz 1 Satz 2 Nummer 3 BBiG bzw. § 9 Absatz 1 Satz 2
Nummer 3 JArbSchG mit der durchschnittlichen wöchentlichen Ausbildungszeit,
d) die Freistellung nach § 15 Absatz 1 Satz 2 Nummer 4 BBiG bzw. § 10 Absatz 1
Nummer 1 JArbSchG mit der Zeit der Teilnahme einschließlich der Pausen und
262 AUSBILDUNG & BERUF

e) die Freistellung nach § 15 Absatz 1 Satz 2 Nummer 5 BBiG bzw. § 10 Absatz 1
Nummer 2 JArbSchG mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit.

3. (Urlaub)
Der Ausbildende gewährt der/dem Auszubildenden Urlaub nach den geltenden
Bestimmungen. Es besteht ein Urlaubsanspruch
auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr ,
auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr ,
auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr ,
auf Werktage oder Arbeitstage im Jahr .

4. (Lage des Urlaubs)

Der Urlaub soll zusammenhängend und in der Zeit der Berufsschulferien erteilt und
genommen werden. Während des Urlaubs darf die/der Auszubildende keine dem
Urlaubszweck widersprechende Erwerbsarbeit leisten.

§ 8 – Kündigung

1. (Kündigung während der Probezeit)

Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis ohne Einhaltung einer


Kündigungsfrist und ohne Angabe von Gründen gekündigt werden.

2. (Kündigungsgründe)

Nach der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis nur gekündigt werden


a) aus einem wichtigen Grund14 ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist
b) von der/dem Auszubildenden mit einer Kündigungsfrist von vier Wochen, wenn
sie/er die Berufsausbildung aufgeben oder sich für eine andere Berufstätigkeit
ausbilden lassen will.

3. (Form der Kündigung)

Die Kündigung muss schriftlich, im Fall der Nummer 2 unter Angabe der Kündigungs-
gründe erfolgen.

4. (Unwirksamkeit einer Kündigung)


Eine Kündigung aus einem wichtigen Grund ist unwirksam, wenn die ihr zugrunde
liegenden Tatsachen dem zur Kündigung Berechtigten länger als zwei Wochen bekannt
sind. Ist ein Schlichtungsverfahren gemäß § 10 eingeleitet, so wird bis zu dessen Been-
digung der Lauf dieser Frist gehemmt.
ANHANG B: SERVICE 263

5. (Schadensersatz bei vorzeitiger Beendigung)

Wird das Berufsausbildungsverhältnis nach Ablauf der Probezeit vorzeitig gelöst, so


kann der Ausbildende oder die/der Auszubildende Ersatz des Schadens verlangen,
wenn die andere Person den Grund für die Auflösung zu vertreten hat. Das gilt nicht bei
Kündigung wegen Aufgabe oder Wechsels der Berufsausbildung (Nummer 2 Buchstabe b).
Der Anspruch erlischt, wenn er nicht innerhalb von drei Monaten nach Beendigung des
Berufsausbildungsverhältnisses geltend gemacht wird.

6. (Aufgabe des Betriebs, Wegfall der Ausbildungseignung)

Bei Kündigung des Berufsausbildungsverhältnisses wegen Betriebsaufgabe oder wegen


Wegfalls der Ausbildungseignung verpflichten sich Ausbildende, sich mit Hilfe der Be-
rufsberatung der zuständigen Arbeitsagentur rechtzeitig um eine weitere Ausbildung
im bisherigen Ausbildungsberuf in einer anderen geeigneten Ausbildungsstätte zu be-
mühen.

§ 9 – Betriebliches Zeugnis

Die/der Ausbildende hat der/dem Auszubildenden bei Beendigung des Berufsausbil-


dungsverhältnisses ein Zeugnis auszustellen. Die elektronische Form ist ausgeschlos-
sen. Hat der Ausbildende die Berufsausbildung nicht selbst durchgeführt, so soll auch
die Ausbilderin oder der Ausbilder das Zeugnis unterschreiben. Es muss Angaben
enthalten über Art, Dauer und Ziel der Berufsausbildung sowie über die erworbenen
beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten der/des Auszubildenden. Auf
Verlangen der/des Auszubildenden sind auch Angaben über Verhalten und Leistung
aufzunehmen.

§ 10 – Beilegung von Streitigkeiten

Bei Streitigkeiten aus dem bestehenden Berufsausbildungsverhältnis ist vor Inan-


spruchnahme des Arbeitsgerichts der nach § 111 Absatz 2 des Arbeitsgerichtsgesetzes
errichtete Schlichtungsausschuss anzurufen, sofern ein solcher bei der zuständigen
Stelle besteht.

§ 11 – Erfüllungsort

Erfüllungsort für alle Ansprüche aus diesem Vertrag ist der Ort der Ausbildungsstätte.
264 AUSBILDUNG & BERUF

§ 12 – Sonstige Vereinbarungen15;


Hinweis auf Betriebs- bzw. Dienstvereinbarungen

Rechtswirksame Nebenabreden, die das Berufsausbildungsverhältnis betreffen, kön-


nen nur durch schriftliche Ergänzung im Rahmen des § 12 dieses Berufsausbildungs-
vertrags getroffen werden.

Vorstehender Vertrag ist in Ausfertigungen (bei Mündeln fach) ausgestellt und


von den Vertragsschließenden eigenhändig unterschrieben worden.

, den
(Ort) (Datum)

Die/der Ausbildende: Die/der Auszubildende:


(Stempel und Unterschrift)

Die gesetzlichen Vertreter


des/der Auszubildenden:

Vater:

und
Mutter:

oder
Vormund:

Dieser Vertrag ist in das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse eingetragen


am unter Nummer

Vorgemerkt zur Prüfung für (Siegel)


ANHANG B: SERVICE 265

Anlage gemäß § 4 Nummer 1 des


Berufs­ausbildungsvertrags

Angaben zur sachlichen und zeitlichen Gliederung des Berufsausbildungsablaufs:

Anlage gemäß § 6 Nummer 2 des


Berufs­ausbildungsvertrags

Ausbildende gewähren Auszubildenden angemessene Wohnung und Verpflegung im


Rahmen der Hausgemeinschaft. Diese Leistungen können in Höhe der nach § 17 des
Vierten Buches Sozialgesetzbuch festgesetzten Sachbezugswerte angerechnet werden,
jedoch nicht über 75 % der Bruttovergütung hinaus. Können Auszubildende während
der Zeit, für welche die Vergütung fortzuzahlen ist, aus berechtigtem Grund Sachleis-
tungen nicht abnehmen (z. B. bei Urlaub, Krankenhausaufenthalt etc.), so sind diese
nach den Sachbezugswerten abzugelten.

Merkblatt zum Berufsausbildungsvertrag

Der Berufsausbildungsvertrag wird zwischen der/dem Ausbildenden und der/den Aus-


zubildenden geschlossen. Ausbildende/r ist diejenige natürliche oder juristische Person
(z. B. GmbH), die einen anderen zur Berufsausbildung einstellt. Davon zu unterscheiden
sind diejenigen, die die Ausbildung praktisch durchführen. Das können der Ausbilden-
de selbst oder von ihm beauftragte Ausbilder oder Ausbilderinnen sein. Auszubildende
sind diejenigen, die ausgebildet werden. Im Fall der Minderjährigkeit ist zum Vertrags-
schluss die Zustimmung der gesetzlichen Vertreter erforderlich. Für Jugendliche unter
18 Jahren darf ein Berufsausbildungsvertrag nur in einem anerkannten Ausbildungsbe-
ruf abgeschlossen werden. Ausbildungsberufe werden durch Rechtsverordnung gemäß
den §§ 4, 5 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) und den §§ 25, 26 der Handwerksordnung
(HwO) anerkannt. Solange dies nicht geschehen ist, sind gemäß § 103 Absatz 1 BBiG
die bisherigen Ordnungsmittel (Berufsbild, Berufsbildungsplan und Prüfungsanforde-
rungen) bzw. gemäß § 122 Absatz 4 HwO die fachlichen Vorschriften anzuwenden. Das
amtliche Verzeichnis der anerkannten Ausbildungsberufe kann bei der Berufsberatung
der Agentur für Arbeit oder bei der zuständigen Stelle eingesehen werden. Ist durch den
übereinstimmenden Willen, dass eine Ausbildung in diesem Ausbildungsberuf stattfin-
den soll, zwischen den Vertragspartnern der Ausbildungsvertrag zustande gekommen,
so muss unverzüglich, spätestens vor Beginn der Berufsausbildung, die Vertragsnieder-
schrift ausgefertigt werden. Als Niederschrift dient das von der zuständigen Stelle vor-
gesehene Muster des Berufsausbildungsvertrags. Unverzüglich nach Ausfertigung der
Vertragsniederschrift hat der Ausbildende bei der zuständigen Stelle die Eintragung in
das Verzeichnis der Berufsausbildungsverhältnisse zu beantragen.
266 AUSBILDUNG & BERUF

Bei der Ausfertigung der Vertragsniederschrift ist im Einzelnen Folgendes zu beachten:

§ 1 – Dauer der Ausbildung

Zu Nummer 1 (Dauer)

Die vorgeschriebene Ausbildungsdauer ist der Ausbildungsordnung zu entnehmen. Die


tatsächliche Dauer der Ausbildung ist unter Berücksichtigung von etwaigen Verkür-
zungen oder Anrechnungen im Vertrag mit dem Datum des Beginns und des Endes
anzugeben.

Eine längere Dauer als in der Ausbildungsordnung vorgeschrieben, darf nicht ver-
einbart werden. Es ist aber möglich, dass während der Laufzeit des Ausbildungsver-
hältnisses die/der Auszubildende im Ausnahmefall einen Verlängerungsantrag stellt,
den die zuständige Stelle genehmigen kann, wenn die Verlängerung erforderlich ist,
um das Ausbildungsziel zu erreichen. Gegebenenfalls kann auf die Ausbildungsdauer
eine vorherige Berufsausbildung oder nach besonderen Bestimmungen der einzelnen
Bundesländer oder bei Fehlen einer solchen Rechtsverordnung des Landes durch die
zuständige Stelle im Einzelfall eine anderweitige berufliche Vorbildung wie etwa ein
Berufsgrundbildungsjahr ganz oder teilweise angerechnet werden.

Die zuständige Stelle hat auf gemeinsamen Antrag die/der Auszubildenden und Aus-
bildenden die Ausbildungsdauer zu kürzen, wenn zu erwarten ist, dass die/der Auszu-
bildende das Ausbildungsziel in der gekürzten Dauer erreicht. Für die Entscheidung
im Einzelfall sind die Empfehlungen des Hauptausschusses des Bundesinstituts für
Berufsbildung und der jeweiligen zuständigen Stelle maßgebend.

Die Verkürzung der Ausbildungsdauer oder die Anrechnung auf die Ausbildungsdauer
ist in § 1 Nummer 1 der Vertragsniederschrift unter Angabe des bereits abgeleisteten
Anrechnungszeitraums bzw. der besuchten Schulen auszuweisen.

Über die vertraglich vereinbarten Verkürzungen und Anrechnungen hinaus eröffnet


das BBiG die Möglichkeit der vorzeitigen Zulassung zur Abschlussprüfung (§ 45 Absatz 1
BBiG, § 37 Absatz 1 HwO). Das Nähere regelt die Prüfungsordnung der zuständigen Stelle.

Der Berufsausbildungsvertrag endet spätestens mit Ablauf der vereinbarten Ausbil-


dungsdauer. Im Berufsausbildungsvertrag ist die Vereinbarung einer Weiterbeschäf-
tigung nach Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses unzulässig. Außerhalb
des Berufsausbildungsvertrags kann eine solche Vereinbarung frühestens während der
letzten sechs Monate des bestehenden Berufsausbildungsverhältnisses getroffen wer-
den. Wenn die Vertragsparteien dies beabsichtigen, soll im Interesse der Vertragsklar-
heit innerhalb der letzten sechs Monate des bestehenden Berufsausbildungsverhältnis-
ses eine entsprechende Willensäußerung der/des Auszubildenden erfolgen.

Das Arbeitsverhältnis kann auf unbestimmte Zeit oder befristet eingegangen werden.
ANHANG B: SERVICE 267

Bei einer Befristung sind die Bestimmungen des Teilzeit- und Befristungsgesetzes zu
beachten.

§ 2 – Ermächtigung zur Anmeldung zu Prüfungen

Entgegen verbreiteter früherer Praxis steht die Anmeldung zu Prüfungen grundsätz-


lich der bzw. dem Auszubildenden selbst zu. Der Ausbildende kann zur Prüfung nicht
bereits aus eigenem Recht anmelden, sondern nur infolge einer Ermächtigung; eine
solche in § 2 vorgesehene Ermächtigung ist aber auch nachdrücklich zu empfehlen, um
eine fristgerechte Anmeldung zur Prüfung zu gewährleisten und eine ungewollte Un-
terbrechung des Vertragsverhältnisses zu vermeiden. Eine Unterbrechung mit der Fol-
ge des Wegfalls der Ausbildungsvergütung könnte eintreten, wenn die Prüfung infolge
verspäteter Anmeldung erst nach Ende der vereinbarten Ausbildungsdauer anberaumt
werden könnte, § 21 Absatz 1 BBiG.

§ 3 – Ausbildungsstätte

Hier ist aufzuführen,


a) wenn die gesamte Ausbildung nur in einer Ausbildungsstätte vorgenommen wird:
der Ort der Ausbildungsstätte;
b)wenn die Ausbildung in mehreren Ausbildungsstätten vorgenommen wird: die Be-
zeichnung der Ausbildungsstätten mit Angabe des Ortes.

§ 4 – Pflichten des Ausbildenden

Zu Nummer 1 (Ausbildungsziel)

Dem Berufsausbildungsvertrag sind Angaben über die sachliche und zeitliche Glie-
derung der Berufsausbildung als Anlage beizufügen. Der Ausbildungsablauf ist unter
Zugrundelegung des Ausbildungsrahmenplans gemäß § 5 BBiG bzw. § 26 HwO den be-
trieblichen Gegebenheiten entsprechend so aufzugliedern, dass sowohl die zeitliche
Folge als auch der sachliche Aufbau der Berufsausbildung ersichtlich ist.
268 AUSBILDUNG & BERUF

Zu Nummer 5 (Besuch der Berufsschule und von Ausbildungsmaßnah-


men außerhalb der Ausbildungsstätte; Prüfungen)

Der Ausbildende hat erwachsene Auszubildende in folgenden Fällen freizustellen:


a) für die Teilnahme am Berufsschulunterricht,
b) an einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden von mindestens je
45 Minuten, einmal in der Woche,
c) in Berufsschulwochen mit einem planmäßigen Blockunterricht von mindestens
25 Wochenstunden an mindestens fünf Tagen; zusätzliche betriebliche Ausbildungs-
veranstaltungen bis zu zwei Stunden wöchentlich sind zulässig,
d)  für Ausbildungsmaßnahmen, die außerhalb der Ausbildungsstätte vorgeschrieben
oder nach Nummer 12 durchzuführen sind, sowie die Teilnahme an Prüfungen,
e) an dem Arbeitstag, der der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorangeht.

Der Ausbildende darf jugendliche Auszubildende in den vorgenannten Fällen der


Buchstaben b und c nicht beschäftigen und haben sie in den Fällen der Buchstaben a,
d und e freizustellen.

Daneben darf der Ausbildende Auszubildende vor einem vor 9 Uhr beginnenden
Berufsschulunterricht nicht beschäftigen.

Zu Nummer 9 (Untersuchungen)

Nach § 32 des Jugendarbeitsschutzgesetzes (JArbSchG) darf der Ausbildende mit der
Berufsausbildung einer/eines Jugendlichen nur beginnen, wenn dieser innerhalb der
letzten 14 Monate von einem Arzt untersucht worden ist und ihm eine von diesem
Arzt ausgestellte Bescheinigung vorliegt. Der Ausbildende hat sich vor Ablauf des ers-
ten Ausbildungsjahres die Bescheinigung eines Arztes darüber vorlegen zu lassen, dass
der Jugendliche nachuntersucht worden ist.

Zu Nummer 10 (Eintragungsantrag)

Der Eintragungsantrag muss vor Beginn des Berufsausbildungsverhältnisses bei der


zuständigen Stelle gestellt werden, nicht etwa erst während der Probezeit. Dem Antrag
sind die Vertragsniederschriften in der von der zuständigen Stelle benötigten Stück-
zahl und die sonstigen Formblätter der zuständigen Stelle beizufügen. Auch nachträg-
liche Änderungen des Vertragsinhalts, die von dem ursprünglich der zuständigen Stelle
eingereichten Text des Vertrags und der Anlagen abweichen, müssen der zuständigen
Stelle unverzüglich mitgeteilt werden.

Zu Nummer 11 (Anmeldung zu Prüfungen)

Siehe Erläuterung zu § 2.


ANHANG B: SERVICE 269

Zu Nummer 12 (Ausbildungsmaßnahmen außerhalb der


Ausbildungsstätte)

An dieser Stelle sind diejenigen Ausbildungsmaßnahmen einzutragen, die außerhalb


der Ausbildungsstätte durchgeführt werden. Für diese Maßnahmen trägt der Ausbil-
dende die Kosten entsprechend § 6 Nummer 3 des Berufsausbildungsvertrags.

§ 5 – Pflichten der/des Auszubildenden

Zu Nummer 4 (Betriebliche Ordnung)

Die für die Ausbildungsstätte geltende Ordnung kann z. B. betreffen: Sicherheits- und
Unfallverhütungsvorschriften, Anlegen von Schutzkleidung, Vorschriften über das Be-
treten von Werkstätten und bestimmten Räumen, Benutzungsordnungen für Sozialein-
richtungen, allgemeine Hausordnung usw., soweit sie nicht zu den Bestimmungen des
BBiG im Widerspruch stehen. Der Ausbildende hat die Auszubildenden auf bestehende
Ordnungen hinzuweisen. Die Auszubildenden sollen sich auch selbst über die Ordnun-
gen informieren, wenn diese in der Ausbildungsstätte allgemein zugänglich sind.

Zu Nummer 6 (Betriebsgeheimnisse)

Die Auszubildenden haben über die ihnen als Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse be-
zeichneten Tatsachen hinaus auch dann Stillschweigen zu bewahren, wenn sie eindeu-
tig erkennen mussten, dass es sich um Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse handelt.

§ 6 – Vergütung und sonstige Leistungen

Zu Nummer 1 (Höhe und Fälligkeit)

In die vorgesehenen Zeilen der Vertragsniederschrift ist die der/dem Auszubildenden


zu gewährende Vergütung für jedes Ausbildungsjahr einzutragen. Die Vergütung muss
mit fortschreitender Berufsausbildung, mindestens jährlich, ansteigen.

Fällt das Ausbildungsverhältnis in den Geltungsbereich eines Tarifvertrags, ist dieser


die Grundlage für die Beurteilung der Angemessenheit der Ausbildungsvergütung ent-
sprechend der nachfolgenden Regelungen. Auch bei bestehender Tarifbindung steht es
den Vertragsparteien frei, eine über den tariflich festgelegten Sätzen liegende Ausbil-
dungsvergütung zu vereinbaren.

Fällt das Ausbildungsverhältnis nicht in den Geltungsbereich eines Tarifvertrags, so gel-


ten die nachfolgenden Regelungen zur Mindestvergütung.
270 AUSBILDUNG & BERUF

1. Mindestvergütung

Vorbehaltlich der nachstehenden Sonderregelungen ist die Angemessenheit einer Ver-


gütung ausgeschlossen, wenn sie die Mindestvergütung nach § 17 Absatz 2 BBiG unter-
schreitet.

Dabei ergeben sich für die Mindestvergütung bei einem Ausbildungsbeginn in den Jah-
ren 2020 bis 2023 folgende Beträge:

a) wenn die Berufsausbildung zwischen dem 1. Januar 2020 und dem 31. Dezember 2020
begonnen wird, monatlich
Euro 515,00 brutto im ersten Ausbildungsjahr,
Euro 608,00 brutto im zweiten Ausbildungsjahr,
Euro 695,00 brutto im dritten Ausbildungsjahr,
Euro 721,00 brutto im vierten Ausbildungsjahr.
b) wenn die Berufsausbildung zwischen dem 1. Januar 2021 und dem 31. Dezember 2021
begonnen wird, monatlich
Euro 550,00 brutto im ersten Ausbildungsjahr,
Euro 649,00 brutto im zweiten Ausbildungsjahr,
Euro 743,00 brutto im dritten Ausbildungsjahr,
Euro 770,00 brutto im vierten Ausbildungsjahr.
c) wenn die Berufsausbildung zwischen dem 1. Januar 2022 und dem 31. Dezember 2022
begonnen wird, monatlich
Euro 585,00 brutto im er