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Politisch - anthropologische

<^ Revue
Monatsschrift für das soziale und geistige Leben
der Völker.

Die Menschenrassen Europas.


Dr. Ottsttv Kraitschck.

Die romanischen Völker.


Wenn wir bei der Anordnung des Stoffes die Rassenverwandt-
schaft berücksichtigen, so müssen wir Frankreich an die Spitze der
romanischen Vknak stellefi» da es unter diesen zweifellos der germa-
nischen Wdt rassenhaft am nächsten steht Das Material für eine
Darstellung der Anthropologie dieses Landes ist außerordentlich reichlich,
da gerade hier die Wissenschaft vom Menschen schon früh eifrig
betrieben wurde und eine große Zahl hervorragender Forscher auf
diesem Gebiete tätig war und ist
Im allgemeinen Teile wurde von dem großen Keile brachycephaler
Bevölkerung gesprochen» der sich zwischen die noidische und die
mitteittndische Zone der Langköpfic^keit einschiebt Die Spitze dieses
Keiles nun !ie^ in Frankreich. Nacn der bei Ripley (pa^. 138) wieder-
ge^ebenen Karte Collignons reicht das Gebiet höherer Brachycephalie
(Über Index 83) an der Ostgrenze Frankreichs etwa von Sedan bis
nahe an das Mittelmeer, ohne dieses aber zu berühren. Ziehen wir
mm von Sedvi gegen die Mitte der Kflste zwischen Bayonne und
der OaronnemOndung eine etwas nach Sfiden ausgebogene Linie^
femer eine gerade von der Sturaquelle bis etwa Lourdes, so haben
wir dieses Oebiet ungefähr umgrenzt. Im wesentlichen sind es die
gebirgigen Teile Frankreichs, doch halten die Brachycephalen auch die
Ebenen der Oascogne, sowie die Niederungen des Saone- und Rhone-
lales IwselzL bi vielen Departements dieser Zone steigt der Durch-
schnittsindex auf 85 und 86, im Zentralplateau Aor, um Chälons s. S.
und im südlichen Savoyen bis 87 und 88. Von diesem Kern sehr hoher
Brachycephalie aus nimmt sie g^en die Ränder zu allmählich ab.
Außerdem gibt es jedoch noch ein zweites Oebiet, wo die Brachy-
cephalie ebenfalls stärker vertreten ist Es sind die hügeligen i^nd-
schaffen von Anjou, Maine, der südlichen und westUchen Normandle
und dnes Teiles der Bretagne. Der Durchschnittsindex der Departements
hält sich hier meist unter 84, erreicht nirgends 85. Die beiden brachy*
cephaien Gebiete werden durch einen Streifen relativ langköpfiger
Bevölkerung getrennt, der, nur in der Gegend von Orleans stark dn-

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geschnOrt, in ziemlich gleichbleibender Breite von der bel^schen
krenze gegen die Landes zu sich erstreckt Uebendl bleibt hier der
mittlere Index unter 83. Eine zweite Zone relativer LangköpfigkeH
folgt dem Ufer des Mittdmeeres von der spanischen zur italienisaien
Grenze^
Die mittlere Körperhöhe ist im Nordosten Frankreichs viel
bedeutender als im Südwesten. Eine von der Halbinsel Cotentin bis
etvi/a Grenoble gezogene Linie trennt die beiden Größenzonen. In
der ersteren beträgt die Durchschnittsgrüße meist ungefähr 165 cm,
ist in einigen Gegenden, besonders in Lothringen, der alten Fragntf-
Schaft und bei Lyon aber noch bedeutender. Im südwestlichen Teile
bleibt die mittlere Körpergröße fast durchaus unter 165 cm, sinkt
jedoch in ausgedefmfen Strichen auf 103 crn, hie und da noch tiefer
herab. Die kleinste Bevölkerung besitzen Ferigord, Limousin und ein
Teil der BreUgne (160-163 cm)>).
Betrachtet man die Karte der Farbenmerkmale so fällt sofort
eine gewisse Aehnlichkeit mit der Darstellung der Körperhöhe in
die Augen. Die Gebiete rehitiv größerer Körperhöhe im Nordosten
sind auch die hellerer Pigmentierung. Decken sich auch die Grenz-
linien nicht ganz genau, so ist doch die Uebereinstimmung im grof?en
und ganzen nicht zu verkennen. Es hat den Anschein, daß beide
Eigenschaften von den in das Land eingedrungenen Eroberern
nordischer Rasse herstammen. Auffallend ist jedoch, daß zwischen
der Verbreitung dieser Eigenschaften und der der SchSdelformen
keine Uebereinstimmung besteht. Die nordöstliche Zone relativ großer
und blonder Bevölkerung ist im Norden relativ langköpfig, im Süden
aber zum Teil hochg^radig brachycephal. Ebenso ist die dunkle, klein-
wüchsige Bevölkerung des Südwestens teils lang-, teils sehr kurz-
köpfig. Im letzteren Falle ist die Erklärung leicht gefunden. Es sind
hier eben beide dunklen Rassen, die brachycephale und die mittd-
lindtsche vertreten Bezüglich der blonden Bevölkerung Hegt aber die
Sache anders. Wie sollen wir z. R. erklären, daß das ziemlich brachy-
cephale Departement Beifort eine weit blondere Bevölkerunp^ besitzt,
als das Departement Aisne, das hart an der Grenze der Langköpfigkeit
steht (unter Index 81)? tirsteres nimmt unter den nach dem ürad
der dunklen F9rfoung geordneten Departements den siebenten, ielzteres
den achtundzwanzigsten Platz ein. Aehnliche Beispiele ließen sich
noch mehrere anführen*). Es sei gestattet, hier der Vermutung Auf-
druck zu pfeben, daß in solchen Fällen vielleicht an eine Beimischung
mittelländischer Langkopfe in den relativ dolichocephalen Gegenden
des Nordostens gedacht werden könnte, deren Verbreitungsgebiet
sich ja in neoHttiischer Zeit Ober ganz Frankreich bis nach Belgien
hinein erstreckte und deren Spuren in der gegenwärtigen Bevölkerung
der Bretagne auch unzweifelfiaft nachgewiesen sind. Sie wären als

^ Karte bei Ripley, pag. 149.


«) Ripley, pag. 147.
^) z. B. das Verhältnis im Departement Jura.
Seiir auffallend ist Hier ist die
Bevölkerung hochgradig brachycephal (8S) und doch nimmt es bezüglich der dunklen
Farben die elfte »eile ein. Ein Oegenstüctr bildet das Departement Seine et CHse
bei Paris mit einem Index von nur 81 /i, da^ erst an dreiunddreißigster Stelle erscheint
lieber die Haar- und Augenfarbe siehe Topinard, Revue d'anthr^ 1889, pag. 511

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Bindeglied zwischen den südfranzösischen und den britischen An-
gdiöi^;en dieser Rasse zu betrachten, die jedoch durch den brachy-
cephalen Keil von ihien nlchsten Verwandten am Ufer des Mittelmeeres
getrennt worden sind. FQr diese Annahme spricht auch der Umstand,
daß die Körpergröße im allgemeinen in dem mehr langköpfigen Teile
der blonden Zone geringer ist als in dem brachycephalen. Es bleiben
freilich hinsichtlich der Beziehungen der verschiedenen Merkmale zu
einander noch genug Anomalien über, die nicht so einfach erldärt
werden können und od deren Entstehung verschiedene Faldoren mit-
gewirkt haben dürften.
Bisher wurden nur die einzelnen Teile Frankreichs untereinander
verglichen, es handelt sich jedoch auch darum, zu untersuchen, welche
Stellung das französische Volk bezüglich seiner Pigmentierung unter
den europäischen Völkern einnimmt Ein direkter Vergleich ist nicht
möglich, da Topinaid nach einer eigenartigen Methode vorgegangen
is^ die von der bei uns und in Deutediland befolgten staric abweicht
Er sondert nämlich bei Augen und Haaren nur die ausgesprochen
hellen und die ausgesprochen dunklen Töne aus, die übrigen als
„moyens" bezeichnend. Trotzdem haben wir einen recht guten Anhalts-
punkt für den Vergleich. Erfreulicherweise wurde nämlich auch Elsaß-
Lothringen in die Untersudning einbezogen. Wir wissen nun, daß
dieses Land in der schon erwähnten Rahenfolge der Departements
die achte Stelle einnimmt. Bedenkt man nun, daß es nach der deutschen
Schulstatistik an letzter Stelle steht, so geht daraus hervor, daß nur
sieben Departements Frankreichs von einer heller pigmentierten
Bevölkerung bewohnt werden, als der die dunkelste Bewohnerschaft
beizende Teil Deutschlands, alle anderen achtzig Departements dagegen
dumdere Bevölicerung t)esftzen. Es dflrften die Landstriche hdlster
Pigmentierung in Frankreich also ungefähr mit dem übrigen Süd-
doitschland gleich stehen. Auch die deutsch-österreichischen Lander
dürften sich nicht viel davon unterscheiden. Nehmen wir hier
Weisbachs extreme Farben, „blond" und „rot" einerseits, das leider
nur für Niederösterreich ausgeschiedene „dunkelbraun" und „schwärzt
andererseits, so lassen sie sich wohl Topfnards „dairs" und Jonoh,"
vergleichen. Im genannten Kronlande sind nun diese extremen Farben
mit je 21 pO. vertreten, In dem blondesten Departement Frankreichs,
Manche, mit 28 pCt. und 2Q pCt. in beiden Gebieten halten sich
also Helle und Dunkle die Wage. Da aber Niederösterreich unter allen
von Weisbach untersuchten deutsch-österreichischen Kronländem die
dunicdste Bevölicerung besitzt, so konunen die anderen bezüglich des
luarhube zum Teil noch Aber Manche zu stehen^).
Pkoientsatzes heller
Bezdcfanenderweise ist jener Landstrich Frankreichs der blondeste,
in welchem noch im Laufe des Mittelalters eine Verstärkung des
nordischen Elementes erfolgte: die Normandie. Ihr schließt sich die
Landschaft Artois an, wo ja im Mittelalter das niederfränkische,

Kirnten 35 j>Ct, Ober5sterreidi 35 pCt., Steiermark 28 pCi; nur Salzburg


')
bleibt pCL zunick, freilich werden hier auch die Dunkelbraunen sehr selten sein,
mit 21
was schon aus dem fast vollständigen Fehlen der Schwarzen hervorgeht (1,5 pCt).
Es ist bemerkenswert daß auch Beddoe für Wien und die Normandie fast die gleichen
Zahlen gefunden hat Es wird dadurch unsere AnffMtung tdbön bestätigt (Topinud,
Qements de l'aiithrop., pag.m)
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vlimische Idiom noch weit veibreitel war und wo es noch heute bi
und um Dunkirchen gesprochen wird.
Von größtem Interesse ist eine eingehendere Betrachtung der in
Cotentin herrschenden Verhällnissa Man sieht hier deutlich (Karte bd
Ripley, pag. 151), daß die langköpfige Bevölkerung vom Meere aus
vordrang und die Brachycephalen nach dem Inneren rurflckdrängte,
wo es (legenden mit sehr rundköpfiger Bevölkerung gibt (Index 85—87),
wrihrend in den Küstengegenden der Durchschnittsindex meist zwischen
80 und 82 schwankt. Wir finden hier also auf engem Räume sehr
große anthropologische Gegensätze vereinigt, eine Folge der geschicht-
lichen Entwicklung. Aehnlich liegen die Dinge auch in der benadi-
harten Bratasne Zwrischen der Normandie und den unmitteibar an
sie grenzenden Departements Cötes du Nord und llle et Villaine
besteht ein schroffer Gegensatz. Hier herrscht nämlich hochgradige
Brachycephalie (Index 84), ferner stehen sie unter den nach der
Piginentierung geordneten Departements an einundvierzigster und fünt-
undvierzigster SIdle» wahrend die Normandie» wie erinnerlich, die
blondeste Bevölkerung von ganz Frankreich besitzt Weiter gegen
Westen und Süden nimmt die Rundköpfigkeit und die dunkle
Komplexion wieder ab, so daß der Süden der Bretagne, Morbihan,
der Normandie anthropologisch sehr nahe steht Die Masse der
BevOlIcerung setzt sidi hi der Bretagne, besonders im Imwm, aus
Brachycephalen zusammen, die dem ranen Typus oft recht nahe stehen
(Topinard, on the anthr. of Rritany, Ref. Zcntralhl., 18QS), doch bewdst
das häufige Auftreten blauer Augen, daß auch sie einen Einschlag
nordischen Blutes besitzen. Im Departement Cötes du Nord hat nun
die Analyse der anthropologischen Verhältnisse in den einzelnen
Arrondlssements das intcfessante Resultat eiigeben, daß sich iiier die
drei europäischen Hauptnissen nebeneinander behauptet haben. Die
Bewohner der Arrondissements St. Brieuc, Louddac und Gninegamp
gehören, wie ihr hoher Durchschnittsindex (84—85) und ihre dunkle
Färbung beweisen, überwiegend der brachvceplialen Rasse an. Dinan
und Lannion fallen jedoch durch ihren niedrigen index (82) und die
grofie Zahl von Langköpfen auf (30 pCt.), unterscheiden sich aber
voneinander auffallend betreffs der Körpergröße und Komplexion. In
ersterem Arrondissement sind die Bewohner relativ groß (165 cm) und
relativ blond (36 pCt blond. 38 pCt. dunkel), in letzterem sehr klein
(161 cm) und relativ dunicd (20 pCi und 48 pCt). Daraus ergibt
sich, daß die Langköpfe in Dhum meist der nordischen, in Lannion
meist der mittelländischen Rasse angehören müssen. Besonders häufig
erscheint diese im äußersten Norden von Lannion an der Küste, wohin
sie als älteste Rasse des Gebietes von den später eingewanderten
zurflcl^fedrängt wurde. Hier haben sich ihre I^seneigenschaften fast
unverändert erhalten: Die Größe ist gering, der Schädel lang, das
Gesicht in der Jochbogengegen d breit, doch länger als bei den typischen
Rundköpfen (erinnert also an den Cro-Magnon-Typus), Haare und
Augen sind meist dunkel, ott schwarz, die Hautfarbe ist etienfaiis relativ
dunkel Es sind die Nachkommen der neolithischen Langköpf^ von
denen im ersten Teile die Rede war. Die Verstiilamg des nordischen
Elementes erfolgte in Dinan durch die Einwanderung von Briten, die
vor den Angelsachsen aus ihrer Hdmat flohen (CoU^gnon, Bult de la

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socf^t6 d'a., 1890). Der Reichtum der Bretagne an anthropologischen
Raritäten ist aber damit noch nicht erschöpft. Auch die brachycephale
Rasse treffen wir hier in voller Reinheit an. Sudwestlich von Quimper
wohnen die Bigouden von Pont Abbe, die den mongoluiden Typus
l

in so auffdlenifer Wd$e zur Schau tragen, daß sfe vihi ihren Nachbarn
als Chinesen bezeichnet werden, von verschiedenen Beol>achtern jedoch
mit Lappen verglichen worden sind. (Herv^ Les Mongoloides en
France, Rev. mens., 1898.)
Ein anthropologischer Gegensatz zwischen den französischen
und den keltischen Teilen der Bretagne ist nicht nachweisbar.
Betrachtenwir nun den sudwestlichen Teil der iangköpfigen
Zone um Umoge^ Perigueux und Angouleme. Der Durchschnittsindex
ist niedrig und shilet auf weite StrecKen unter 90, die Körpergröße ist
gering, die Färbung meist dunkeP). Die Bevölkerung besteht also hier
fiberwiegend aus Mitteltändem und besitzt, wie aus den Portraits bei
Ripley (pag. 172) hervorgeht, den Cro-Magnon Typus. Ueberall ist
aber doch auch noch das blonde Element beigemischt, das in einigen
Gegenden sogar stärker hervortritt besonders in den Departements
Croise und Charente Inf^rieure.
Südlich Östlich von der eben besprochenen Gegend liegen
und
jene Geibiete Frankreichs, wo
die brachycephale Rasse sich in ihrer
größten Reinheit erhalten hat. Hochgradige Brarhycephalie, Kleinheit
und dunkle Färbung sind hier verbunden, auch die Hautfarbe zeigt
eine dunklere Tönung. Da und dort tritt auch der reine mongoioide
Typus auf.
Aehniiche Verhaltnisse herrschen in Savoyen und der Dauphin^
doch mit dem Unterschiede, daß hier die Bevölkerung zum Teil hoch-
wüchsiger und etwas heller pigmentiert erscheint. Der bei Ripley,
pag. 3Q, abgebildete Savoyarde zeigt alle Eigenschaften des typischen
Kundkopfes.
in der relativ Iangköpfigen Zone an den Ufern des Mittelmeeres
muß man nach Cdtlgnon (L*Anthrop^ 1890) zwei Regionen unter-
scheiden, eine westliche und eine östliche. In der westlichen (katato-
nischen) Region erinnert der Gesichtstypus an die Cro-Magnon-Rasse,
während in der östlichen (ligurischen) Region die Gesichter mehr oval
sind. In dieser litoraien Zone erreicht auch die dunkle Färbung ihren
höchsten Grad. Das Departement Var (östlich von Marseille) nimmt
mit 64 pCt Dunkel- und nur 6 pCt. Hellhaarigen die letzte Stelle dn.
Die Grundlage der Bevölkerung Fnuikrddis bestM also aus
den beiden dunklen Rassen, von denen die mittelländische in den
Ebenen nördlich der Garonne und an der Mittelm eerkOste dominiert,
jedoch auch im Norden vertreten ist, die brachycephale aber fast
überall vorkommt, besonders rein jedoch im Zentralplateau, in den
Westaipen und in gewissen Teilen der Bretagne auftritt. Ueberall sind
«fiese Kassen beeinflußt durch das blonde nordische Element, am
stbksten im Norden und Osten, wo zum Teile dessen Eigenschaften
das Uet)ei]gewicht eriangt haben.

') Die fraslicfaen Departements stehen an viemndfünfzigster bis sechsund-


ivkr Sidl? dunkle Haare (jtoadU) sind mit 46-^, helle nur mit 14-16 pCL

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Der alte Adel hat auch In Frankreich den nordischen Typus
besser bewahrt. Aus den altfranzösischen Dichtungen geht her\or,
daß dieser das Schönheitsideal der höfischen Kreise des 12. und 13.
Jahrhunderts war (Loubier, das Ideal der männlichen Schönheit bei den
altfr. Dichtem, 1890). Doch auch heute noch zeigen z. B. die Falken
der Rouergue (hobereaux rouergats), der Adel des Departements
Aveyron, fast ausschließlich diesen Typus. In allen alten Familien der
Rouergue herrschen blondes Haar, blaue Augen, weiße Haut und
frischrote Gesiclitsfarbe vor, während unter der übrigen Bevölkerung^
nur zwei rein Blonde auf fünfzig Individuen kommen. Die Gestalt
der Edelleute ist achhoik und hodi» cBe der Bauern jedoch meist klein
und untersetzt (Durand de Gros, Bull de la soc d'anthr., 1889). Es
kann wohl keinem Zweifel unterliegen, daß Frankreich durch die
Revolution, der ein bedeutender Teil der höheren Schichten, des Adels-
und des Bürgerstandes zum Opfer gefallen ist, eine große Linbuße
an nordischem Blute erlitten hat.
Fflr Italien liegen die an mehr als 200000 StelluttgspfUchtigen
voieenommenen Messungen Livis vor, deren Ergebnisse er in einem
großen Werke, Antropologia militare^ niedergelegt hat^). Wir ersehen
aus den Anfraben dieses Forschers, daß auch die Bevölkerung Italiens
nicht einheitlich ist. Oberitaiien fallt noch in den Bereich mittel-
europäischer Brachycephalie (Index 84 öö). Gegen Süden zu wird
jedoch der Durchschnittsindex immer niedriger, um in Basilicata auf,
in Apulien und Calabrien unter 80 zu sinken. Die Menschen sind
hier wieder fiberwiegend langköpfig, die mittelländische Rasse, die
^eg;en Süden zu immer häufig^er beip^emischt erscheint, bildet nun den
Hauptbestandteil der Bevölkerung, Die in Südfrankreich an der Meeres-
köstc sich erstreckende Zone geringer Brachycephalie setzt sich südlich
vom Apennin auch nach Italien hinein fort und stellt so die Verbindung
zwischen den beiden sfldeuropäischen Zentren der mittdlindischcn
Rasse, dem spanischen und dem unteritalienischen her.
Die Durchschnittsgröße der männlichen Bevölkerung Italiens im
Stellung^pflichtigen Alter beträgt nur 162,4 cm, bleibt also weit hinter
der Süddeutschlands (zirka 165 cm), der deutsch-österreichischen Alpen-
länder (zirka 166—107 cm) und Frankreichs (zirka 165 crn) zurück.
Auch in dieser Beziehung läßt sich wieder ein auffallender OegensatE
zwischen Ober- und Unteritalien konstatieren. Während in der lom-
bardischen Ebene die mittlere Körperhöhe zwischen 165 cm in
Venezien und 163 cm in Piemont schwankt, beträgt sie in Unteritalien
nur 160 cm (Apulien) bis 159 cm (Basilicata und Calabrien). Miltd-
italien stellt den Uebergang zwischen beiden Extremen her.
Die Farbe der Haare und der Augen ist in Italien überwiegend
dunkel. Nur 9 pCi Blonder^ und 31 pCt Hellftugiger weist das
Königreich auf, unter denen wieder die Grauäugigen doppelt so stark
vertreten sind als die Blauäugigen. Auch die Hautfarbe ist über-
wiegend bräunlich. Natürlich ist auch die Verteilung dieser Eigen-
schaften nicht gleichmäßig. Da die blonden Völker von Norden
') Fin Teil derselben wurde in dem kleioeQ Weilcdien desselben VcifMSen^
Antropometria, reproduziert (Mailand, 1900).
ÄHierliei ist zu bemericeii, daß dieses Bh»d radi oodi den voo WäOaA
nun l)ezeiclineten Fari)enton umfiBL

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kamen und sich solche wiederholt in Oberitalien angesiedelt hatten,
ist es begreiflich, daß hier die hclleii Farben liftufiger sind als im Süden.
Die lieUste Bevölkerung besitzt Veneden, wo den 13 pCt Blonden
25 pCi Schwarzhaarige gegenfiberstehen und lichte Augen sich doch
nocn mit 41 pCt. behaupten (16 pCt. blaue). Hier ist auch die lichte
Haut (colorito roseo) noch mit 49 pCt. vertreten. Es ist jedoch klar,
dali audi in diesem Teile Italiens die dunklen Rassen im Uebergewicht
sind. Am entgegengesetzten Ende der Reihe steht Calabrien mit nur
4 pCt Blofiden gegenüber 44 pCi Schwarzhaarigen, 80 pCt Dunicd*
äugigen und nur 25 pCt Weißhäutigen
Es ist selbstverständlich, daß die Verbindiin,[> blonder Haare und
blauer Augen in Italien nur sehr selten auftreten kann (3 pCt), der
dunkle Typus (im strengeren Sinne) aber häufig sein muß (25 pCt).
Die Beziehungen anderer Merkmale zueinander bieten zum Teil Gelegen-
heit zu recht interessanten Erwägungen. So sflien wir z. B^ daß sich
in den brachycephalen Teilen Italiens lange Schädel etwas häufiger
mit hoher Gestalt verbinden als mit niedriger, während in den dolicho-
cephalen das Um|>ekehrte stattfindet In ersterem Falle handelt es sich
eben um die grolie nordische, in letzterem um die kleine mittelländische
Rasse. Erfahren wir weiter noch, daii auch dne größere Qesichts-
tmd Nasenlänge, konvexe Nasenfumi und hdle Hatttrarbe häufiger bei
Großen vorkommen, so dürfen wir vermuten, daß es sich auch hieibei
um Eigenschaften der nordischen Rasse handelt. Damit hängt es auch
zusammen, daß in Unteritalien kurze Gesichter, breite und konkave
Nasen viel häufiger sind als in Oberitalien (zum Teil nach Zampa,
Zdtschr. f. Ethnol., 1880). Die Abnahme der Gesichts- und Nasenlänge
ist wahrscheinlich dem Hervortreten des Cro-Magnon-Elementes zuzu-
sclireiben; wie aber soU man die Zunahme der Stumpfnasen erklären?
Beachtenswert ist der Unterschied in der Durchschnittsgröße
zwischen Venezien und Piemont. Die bedeutendere Körperhöhe der
Venezianer ist wahrscheinlich durch den Einfluß der großen söd-
slavischen Brachycephalen zu erklären, der uns ja auch schon in
Kärnten begegnet ist Im westlichen Teile der Poebene, wohin diese
nicht gelangt sind, herrscht dieselbe geringe DurchschnittsgrOB^ wie
im südwestlichen Frankreich. Noch eine andere auffallende Erschdnung
so!! hier Urwähnung finden: Livis Untersuchiinp^en haben erget)en,
daß im ganzen Königreiche blonde Haare in den über 400 hoch m
gelegenen Teilen des Landes häufiger vorkommen als in den tiefer
gelegenen. Livi will die^e Erscheinung aui ungünstige soziale Ver-
Säitnisse zurflckfflhren, die die normale Entwicklung des Rsmentes
hintanhalten sollen. Es sa hier jedoch einer anderen Auffassung
Ausdruck gegeben: Es wurde wiederholt darauf hingewiesen (Penkn
hat eine ganze Menge von Beispielen zusammengestellt), daß in Ländern
mit warmem Klima sich die blonde Koniplexion besser in höheren,
d. h. kühleren Regionen beliaupten könne. Sollten wir nicht auch in
Itadien diese Ersdetnung vor uns haben? Die Frage wSre^ ob auch
bei unvermischten dunklen Völkern die in höherer Lage wohnenden
hellere Haarfarbe besitzen. Wäre das bewiesen, dann könnte man der
Ansicht Livis beipflichten. Solange das Phänomen aber nur von
solchen Völkern bekannt ist, die nachweislich durch die blonde Rasse
beeinflußt sind, ist die andere Erklärung vorzuziehen.

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Die iijrrifiilsehe Halbtneel war im Alteriam das Land der ÜMicr.
Sie ist es in anfhropologisdier Hinsicfat geblieben bis auf den heutigen
Tag, trotzdem aucn sie von vielen Invasionen heimgesucht wurde.
Wahrscheinh'ch sind schon in neolithischer Zeit blonde Stämme hierher
ffekommen, die sich dann auch nach dem Norden Afrikas weiter aus-
breiteten. Später folgten die Kelten, die sich sehr weit über das Land
veibrdfd haben ntmen, wie mn den vielen Orlsnamcn auf „brigaT
hervoigelit; die phönildsch-punische und die römische Kolonisation
brachten kaum dne nennenswerte Einwanderung. In der Völker-
wanderung^szeit erschienen Sueven, Vandalen, Alanen und Westgoten
auf Iberiens Boden, endlich wurde es die Beute der Araber, mit denen
auch zahlreiche Berber aus Afrika herüberkamen.
Ohne EinfluB sind diese Invasionen gewiß nicht geblieben, doch
ist esihnen nicht gelungen, den anthropologischen Habitus der
Bevölkerung wesentlich zu ändern. Der Grundstock derselt>en «Mti
nach wie vor der kleinwüchsigen, dunklen, langköpfigen MitteTmeer-
rasse an. Da auch alle anderen in das Land eingedrungenen Völker
überwiegend dolichocephal waren, so finden wir bezüglich der Schädd-
form hier ähnliche Verhältnisse wie in Großbritannien und Irland.
Ob die wenigen Bnchycephalen mit den Kelten ins Land
gekommen sind, mag dahingestellt bleiben. Wahrscheinlich sind sie
Ausläufer der in Frankreich so zahlreich vertretenen Rundköpfe, denen
sie auch in typolo^i scher Hinsicht gleichen. Wo sie in größerer Zahl
und wenig ven^iischt beisammen wohnen, gleichen sie der neoUthischen
Rasse von Grenelle.
Der mittlere Kopiindex bctrigt hi Spanien 78, in dem noch
reinrassigeren Portugä bloß 76. Brachycephale sind in ersterem
27 pCt, in letzterem aber nur 11 pCt. vorhanden. Am häufigsten
treten die Brachycephalen in Asturien und Oalicien auf, doch macht
sich ihr Einfluß auch noch in der portugiesischen Provinz Minho
bemerkbar, wo sie Fonseca Cardoso in den Bergen von Vianna nach-
«wiesen hat (Ref. ZentralbL, 1900, pag;. 91). Er schildert diese
Bevölkerung als klein, brflnet^ brachycepnal fzirica 85)^ brdtgesichlfg;
mit kürzerer, konkaver Nase. Es ist derselbe Typus, wie er uns
in neolithischen Orlbem oder bei den Bigouden von Pont TAbb^
begegnete.
Unter den Dolichocephalen finden sich zwei Varietäten. Das
Gesicht ist bald breit, bald lang. In der ersteren Form erkennen wir
den Typus von Baumes- Chaudes oder Cio-Magnon wieder. Die
andere Form entspricht teils der langgeslchtlgen Form der Mittel»
länder, teils mag sie auch auf Beimischung der nordischen Rasse
zurückzuführen sein.
Die Durchschnittsgrüße der Portugiesen wird mit 162, die der
Spanier mit 164 cm angegeben, doch gibt es Gegenden in Spanien,
wo die Bevölkerung mätr ato J^ttelgröfie erreicht, besonders im
Osten und Nordosten, eine Erscheinung, die noch ihrer Erklärung
harrt. Vielleicht gibt es in Südeuropa eine Varietät der mittelländischen
Rasse von höherem Wüchse, vielleicht hat man es mit einem Ein-
schlage arabisch-berberischen Blutes zu tun.
Ueber die Haarfarbe liegt für Spanien noch keine Statistik vor,
für Portugal gibt Ripley nur 2 pCt Hellhaarige und 20 pCt Schwiiz*

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haarige an, während der Rest braune Haare besitzen soll. Die Ver-
teilung der Augaifafbcn ist wieder fflr Spanien, lüdit aber für
Portugal bel<jinnt Der höchste Prozentsatz heller Augen ^) (grui und
graublau) findet sich in jenen Teilen der Halbinsel, welche an den
Rumpf Europas grenzen, die also auch am meisten der Einwirkung
der nordischen Völker ausgesetzt waren. Die baskischen Provinzen
Navarra, Aragon stehen mit zirka J5 pCi obenan, dann folgen die
bcideii fCastlMii mit 21 pCi Alle mderen Landschaften bleiben unter
16 pCt, an letzter Stelle steht Andalusien ndt nur 10 pCt Es ist
nun sehr bezeichnend, daß die Gegenden, wo blaue Augen häufiger
vorkommen, sich fast vollständig mit denen vorherrschender Leptorrhinie
decken. Das Volk nennt große lange Nasen entsprechend ihrer
geographischen Verteilung auch baskische oder altkastilische. Auch
als aristokratische werden sie bezeichnet Es würde das darauf hin-
deuten» daß hn alten Add sich auch liier noch sermanisdics Bhit
bcwer erhalten hat als im Voll^ was auch durch das häufigere Vor-
kommen der blonden Komplexion bei jenem bestätigt wird (Durand
de Oros, Bull, de la soc d'anthr., 1879). Der Gotenadel hatte jeden-
falls fast ausschließlich nordischen Typus. Im Gegensatz zum dunkel-
häutigen Volke wurde er als „blaubiütig" bezeichnet, da durch die
Kehle Kflfpcrhaut das Venenblut bttuHdi duithschimmerte (Pftschc^
Die Arier).
Sind auch in Oallden helle Augen nur in geringer Anzahl nach-
gewiesen worden, so kommt doch nach Hoyos und Aranzadi in den
kleinen Küstenstädten häufig ein Typus mit rosiger Haut, zuweilen
blonden Haaren, häufiger blondem Bari vor. Die Leute sind groß
und hager.
lieber einige Provinzen Portugals liegen Monographien vor; da
sie einen guten Einblick in die 2^sammensetzung der Bevölkerung
gewähren, sd das Wichtigste daraus angefOhrt In der von Fonseca
Cardoso untersuchten Provinz Minho im nördlichen Portugal (Ref.
Zentralbl., 1900, pag. Ql) ist die Bevölkerung meist braunäugig nnd
besitzt dunkelbraune, selten schwarze Haare (11 pCt.), der Kopfindex
Ist für portugiesische Veriiältnisse hoch (78). Durch Analyse des
Materiales gelang es dem Autor hier, die drei europäischen Orund-
nssen nachzuweisen. Den Grundstock bildet die langköpfige Rasse
mit kürzerem Gesichte (Baumes-Chaudes). Ihre Körpergröße schwankt
zwischen 159 und 163 cm. Sie ist noch zu 30 pCt. rein erhalten.
Neben ihr erscheint, wie schon erwähnt, die brachycephale Rasse von
Orenelle (10 pCt. rein) und die nordische (9 pCt.). Die letztere zeichnet
sich, abgesehen von heller Färbung, durch ihr langes Gesicht, lange
und gebogene Nase, sowie dne ^Bere Körpertiöhe (163—168 cm)
aus. Auch hier treffen wir sie wie in Oaiicien hauptsächlich an der
KOste. Der Rest der Bevölkerung besteht aus Mischlingen. In der
weiter südlich gelegenen Provinz Beira (Gonzales Lopes, Ref. Zentralbl.,
1902, pag. IQ) ist die Langköpfi^keit viel ausgesprochener, da das
Gebiet weiter von dem bradiycephaien Nordwestspanien entfernt liegt
Der mittlere Index beträgt nur mehr 75. Auch hier ist die HaarfaiBe

Diese Angaben entstammen meist einem Auftttze VOH HoyOl StSaz UOd
Telesforo Aranzadi, Archiv, pag. 424.

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vorherrschend dimkettmnin, doch sdiehien^) die Schwanhaarigen
häufiger, Blonden seltener zu sdn. Die Gesichter sind meist
die
ländlich, doch bei etwa einem Viertel auch kurz. Es sind also beide
Vanationen des mittelländischen Typus vertreten. Auffallend is^
daß auch in Portugal eine ziemlich große Anzahl konkaver Nasen
anzutreffen ist, eine Erscheinung, die wir auch fflr ünteritalien fest-
konntea
steüeii
im wesentlichen dem mittelländischen Stamme sind auch die
Basken zuzurechnen. Freilich sind sie durchaus kein unveraiisdltes
Volk. Von der linguistischen Seite der Baskenfrage soll hier ab-
gesehen werden. Es genügt uns zu konstatieren, daß sie eine mit
den indogermanischen Sprachen nicht verwandte Sprache reden, jeden-
falls also einer vorarischen Bevölkerungsscliicht angehören, die der
sprachlichen Arisierung entgangen ist, während sie bd ihren Nachbarn
durchdrang, olme daß damit aber auch eine physische Arisierung ver-
bunden g^ewescn wäre. Ja, in Spanien zeitjt sich soj^nr die sonder-
bare Erscheinung^, daß die keine indogermanische Sprache besitzenden
Basken heller pigmentiert sind und auch sonst der nordischen Rasse
näher stehen als die heute arisierteii übrigen Iberer (Hoyos und
Aranzadi, a. a. O.). Der scheinbare Widerspruch ist leicht gelöst, wenn
man bedenkt, daß die Iberer der pyrenäischen Halbinsel ihre Indo-
germanische Sprache ja nicht der Invasion eines nordischen Volkes,
sondern der römischen Okkupation verdanken. Das in dem baskischen
Volke vorhandene nordische Element rührt entweder von den Blonden
her, die in prähistorischen Zeiten sicii über den Südwesten Europas
ausbreitelen oder vielleicht von den Kelten, die mit iberischen Stämmen
zu dem Mischvolke der KdUberer*) verschmolzen*
Zwischen den französischen und den spanischen Basken l)esteht
ein wesentlicher Unterschied, die ersteren sind nämlich brachycephal,
die letzteren dolichocephal, wälirend der Gesichtstypus auf beiden
Seiten der Pyrenäen ziemlich gleich erscheint, im spanischen Basken-
lande steigt der mittlere Index, abgesehen von einer geringfügigen
Ausnahme, nicht fiber 78^ im französischen fällt er nicht unter 79,
steigt jedoch bis 84 (Ripley, pag. 189). Die Brachycephalie der fran-
zösischen Basken ist keine isolierte Erscheinung, sie hängt vielmehr
mit der keilförmigen Zone hrachycephaler Bevölkerung zusammen, von
der schon wiederholt die Rede war. Bei der hier erfolg^ten Mischung
zwischen Miltelländern und Brachycephalen ist die Scliädclform der
letzteren, doch die Oesichtsform der ersteren auf die Mischlinge Ober-
gegangen. Vergleicht man jedoch die Abbildungen französischer Basken
bei Ripley mit denen spanischer (pag. 1Q3 und 201), so bemerkt man
doch, daß bei ersteren durch die brachycepliale Beimischung eine
gewisse Vergröbcrung des Gesichtstypus eingetreten ist, besonders
autfaiiend sind die ausgewölbten Schläfen, die ja den üebergang von
dem schmalen Gesichtsteile zum breiten Schidel vermitteln mOssen;
bei den langköpfigen Typen (z. B. No. 48) findet sich diese Erscheinung
nicht Der Schä<Kl selbst ist t>ei den brachycephalen Baslcen absolut

') DaMinho 3202 Individuen, in Beira aber nur 251 untersucht wnnJen,
in
häben die für letzteres gewonnenen Resultate natürlich weniger Wert
') Die Kelten gingen bei dieser Mischung in sprachlicher Beaebung in dea

Iberern auf.

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l>ng, gleichzeitig aber auch breit, so daß der Index doch höher
erschemen muß. Die bei Ripley im Profil abgebildeten französischen
Basken erscheinen der Kopfform nach (besonders No. 46) eher dolicho-
cephal als brachyccphnl. Es hat allen Anschein, daß wir es hier mit
Mischformen zu tun haben, wie sie in ähnlicher Weise auch dort
entstanden sind, wo die iangküpfige nordische Rasse sich mit der
brachycephalen mischte. Das eigentümliche, sehr lange und sehr
schmale dreieckige Oesicht, diese typische Form» durch die sich
die Basken nach Collignon (PAnthrop., 18Q4, pag. 276) von allen
Nachbarn unterscheiden, dürfte wohl durch lan^dnucrnde Inzucht dieses
abgeschlossen lebenden Volices zu erklären sein. Erwähnt sei noch,
daß sich die Basken durch höhere Gestalt von ihren französischen
Nachbarn unterscheiden und auch in Spanien höher gewachsen sind
als die Bewohner der Müte und des Westens.
Die großen Inseln des westlichen Mittdraeerbeckens sind ebenso
wie die pyrenäische Halbinsel fast ausschließlich von Mittelländem
bewohnt, nur in Sizilien verrät ein höherer Durchschnittsindex (79,0)
das Vorhandensein stärkerer brachycephaler Beimischungen.
Am wenigsten vermischt ist die Bevölkerung Sardiniens, wo der
mittlere Index 77,5 beträgt. Die Schwarzhaarigen bilden hier, was In
keiner Provinz des festländischen Italien der Fall ist, die Mehrzahl der
Bewohnerschaft (55 pCt.), während die Blonden kaum 2 pCt erreichen.
Nicht einmal ein fflnftel der Sarden besitzt weiße Haut Die Nasen
sind auch hier oft breit und konkav. Erinnern wir uns an dieselbe
Erscheinung in Portugal und Unteritalien, so gewinnt es den Anschein,
daß in der Gruppe der Mittelländcr auch ein Element enthalten sei,
welches einen negroiden Charakter besitzt.
In Corsica beträgt der mittlere Index auch 77, eine größere
Beimischung^ von Bmchycephalen ist nur im Norden (20 pCt) nach-
weisbar, während die Mitte, besonders der Bezirk von Corte rein
dolichocepha! ist (mittlerer Index 75)^). Mahondeau^) hat nun die
Bevölkerung dieser Oegend genauer untersticht und gefunden, daß
hier ein dem Cro-Ma^non-Typus sehr verwandtes Element vorherrscht.
Hellhaarige sind auf Corsica etwas häufiger vertreten als in Sardinien
(7 pCt). Die Körpergröße ist auf beiden Inseln gering. Der große
Corse Napoleon ist nicht aus dieser mittelländischen Bevölkerung
hervorgegangen. Die Familie ßonaparte stammte vom italienischen
Festlande, wo einige adelij^e Familien dieses Namens nachweisbar sind.
Die nach Corsica ausgewanderten Bonapartes gehörten dem Patriziate
Ajaccios an, dem auch |iie Mutter Napoleons entstammte. Dieser
besaß kastanienliraune Haare und hellbkiue Augen, der Kopf soll nach
Angabe Ammons (Natflriiche Auslese) rund gewesen sein, doch dOrfte
es sich hier um eine dolichoid-brachycephale Mischform handeln; die
Körperhöhe war gering (163 cm), das einzige Merkmal, das er mit der
Mehrzahl seiner Landsleute gemein hatte. Er ist also wahrscheinlich
als ein Mischling der brachvcephalen und der nordischen Rasse auf-
zufassen, welch' letztere sich auch in der Gestaltung des Gesichtes
stalle bemerldnr macht

') Faüot L'indice cephaliquede la pop Corse, Revue d'Anthrop., 1889» |iag.241.
Kevue mens, de t'ecoie d'anthr. Iii, pag. 257.

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Veiigleicht man die drei Mittelmeerinseln Sizilien, Sardinien und
Malta fvon Corsica mu6 leider aus technischen Orflnden abgiesehen
werden) bezQglich der Haarfurben» so bemerkt man eine «feutlidie
Reihenfolge, die sich ans den geographischen VerhäHnissen erk!arf.
Das vom europäischen Festlande aus am leichtesten zugängliche
Sizilien besitzt nur 38 pCt. Schwarzhaarige, das weiter abgelegene, von
Invasionen hellhaariger Völker jedenfalls weniger betroffene Sardinien
hat deren schon 55 pCi, wflhrend sie In Malta auf 66 pCi^) anwachsen.
Zu den romanischen Völkern gehören auch die Rumänen.
Denikers Indexkarte zeigt in den rumänischen Gebieten Siebenbürgens
und der Bukowina hochgradige Brachycephalie, Ober die In dem
Königreich herrschende SchädelTorm wissen wir bis jetzt noch nichts
Sicheres. Unter den Rumänen der Bukowina fand Himmel mehr als
50 pCt HypeibrBchycephale, Langköpfe sind hier wohl, wenn flbcr-
haupt, nur sehr späriicn vertreten. Die Fäifoung ist bei den Ruminen
im allgemeinen dunkel. Oliedenare sagt, daß sie sehr schwer von
Spaniern und Italienern zu unterscheiden seien (Ripley, pa^. 428) und
Zograf hebt die dunkle Hautfarbe (teint basane) der Moldo-Walaclien
hervor (Les peuples de la Russie). Trotz dieses Vorherrschens dunkier
Faibenmerkmale kommen im rumänischen Volke doch auch blonde
Elemente vor, die aber nicht dem ganzen Volke beigemischt sind»
sondern sich mehr geschlossen in gewissen Gegenden erhalten zu
haben scheinen. Sehr auffallend ist es, wenn Himmel unter den
Rumänen der Bukowina neben 41 pCt. Angehörigen des rein dunklen
Typus 25 pCt des rein lichten gefunden hat. Ein solches Vorwalten
der reinen Typen gegenüber den sonst bei Misch Völkern vor-
henrschenden Mischtypen darfte wohl nur in der angegebenen Weise
zu erklären sein. Von den Motzen, einem im Gebirge des westlichen
Siebenbfir^en wohnenden Zweige der Rumänen berichtet Slavici, daß
sie Leute seien von hoher, schlanker Gestalt, länglichem Gesichte,
blauen Äugten, die oft unter auffallend starken Augenbrauen hervor-
blicken, iiue Nasen seien spitz und lang, zuweilen leicht gebogen, ihre
Haare rOtlich-gdb. Dieser Typus stellt den rumSnIschen Oebirgstypus
dar, der in der Ebene selten vorlcommt (Penka, Herkunft d. pag. 109).
Es ist wahrscheinlich, daß man es hier mit einem Reste der alten
Thraker zu tun hat Der bei Ripley abgebildete Typus ungrinscher
Rumänen (pag. 410) weicht in jeder Hinsicht von dem eben
geschilderten ab und repräsentiert die unvermischte brachycephale^
ordtgeslchtige Rasse.
Aus unserer Darstellung der romanischen Völker geht deutlich
hervor, daB von einer romanischen Rasse Icnne Rede sein Icann, wenn
dieses Wort Im naturwissenschaftlichen Sinne gebraucht wird, dem
einzigen, in dem es vemflnftigerweise angewendet werden kann.
Konnten wir bei den germanischen Völkern konstatieren, daß der als
ursprünglicher Träger germanischer Sprache und germanischen Wesens
zu betrachtende nordische Typus bei einigen Völkern dieser Gruppen
noch vorherrscht, bei den anderen wenigstens dn wesentlicher Bestand-
teil der Mischung ist, so können wir bei den romanischen Völkern
dnen solchen TrSgier der romanischen Sprachen nicht nadiwdsen.

^) Nach Topinards Elements, pag. 339.

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Die Römer selbst waren
schon ein Mischvolk, das sich wahr*
ja
schdnKch aus alleii Hauptrassen zusammensetzte^
drei curopttschen
In die Provinzen wanderten aber nicht nur Italilcer, sondern auch
romanisierte Bewohner anderer Provinzen des weiten Reiches ein,
weshalb diese römische Einwanderung anthropologisch von recht
bunter Zusammensetzung gewesen sein mag. In manchen Reichstcilen
hat Oberhaupt keine wesentliche Besiedlung durch Kömer stattgefunden
und die Romanfeiening war rein sprachlich, durch die konsequente
Anwendung des Lateinischen als Staatssprache bedhigi Die Romanen
bilden also eine Spndigrappe^ kaum eine eigene Kulturgruppe; denn
die bei ihnen wirksamen antiken Kulturelemente sind größtenteils auch
von den germanischen Völkern aufgenommen worden, sicher aber
keine Rasse.
Zum Unterschiede von den Völkern der germanischen Gnippe
henrschen bd den Romanen die dunklen Rassen unbedingt vor und
nur Frankreich besitzt besonders im Nordosten eine nennensvrerte
Beimischung des nordischen Elementes, das at>cr auch bei den anderen
romanischen Völkern nicht vollständig fehlt Die nordische Rasse hat
aber doch die größte Bedeutung für die Entwicklung der romanischen
Nationen. Einer ihrer Zweige schuf den romisclien Staat und machte
seine Sprache zur lierrschenden in ganz Süd- und Westeuropa. Nach
dem Zusammenbruche des rOndscnen Wdlreiches aber waren die
et)enfalls der nordischen Rasse angehörigen Oermanen das staaten-
bildende Element Sie haben auf den chaotischen Trümmern des
Römerreiches neue Staatswesen aufgerichtet, in denen sich dann
allmählich die romanischen Nationen des südlichen und westlichen
Europas entwickelten. Oing auch die Sprache der Eroberer bald in
dar Oer Besiegten auf, so tuben doch erstere von ihiem Wesen mehr
als man gemeinhin annimmt dem unter ihrer Führung stehenden Staats-
wesen aufgeprägt und Frankreich erscheint im Mittelalter trotz seiner
romanischen Sprache als ein wesentlich er manisches Land, dessen
maßgebende Stände überwiegend germanischer Abkunft waren.
Im Anschlüsse an die romanischen Völker sollen nun jene ver-
einzelten SUnrnie bchanddt werden, die keiner der groBen Spradh-
funiUen zugerechnet werden können. Die Nousricchen und die
Altancten.
Die Bewohner des europäischen Orients und der benachbarten
Teile Asiens, welche sich heute der griechischen Sprache bedienen,
sind sehr mannigfaltigen Ursprungs und zeigen daher bemerkenswerte
Schwankungen hi ihren anttuopolo^ischen Mericmalen. Die griechisch
sprechende Bevölkerung; des Königreichs Oriechenland besteht nur
zum Teti aus den Nachkommen der antiken Bewohner des Landes,
Slaven und Albanesen haben in bedeutendem Maße zum Aufbau des
neugriechischen Volkstumes beigetragen. Wie im ersten Teile dieser
Arbeit ausgeführt wurde, war das nordische Element unter den alten
Griechen in nicht unbehfchtlicher Menge vorhanden, unter den Neu-
griechen iedoch ist es nur spSriich vertreten. Unter Hat 1800 von
Omstein untersuchten Soldaten besaßen kaum 10 pCt blonde Haare
und nur 7 pCt. blaue Augen. Helle Augen Oberhaupt besaßen aller-
dings mehr als ein Viertel Die dunklen Farben uberwogen also bei
Haaren und Augen weitaus, doch ist eigentliche Schwarzhaarigkeit

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trotzdem selten. Die Gesichter scheinen meist länglich zu seni, erinnern
aJ)er in ihrem Ausdruck mehr an den mittelländischen als an den
nordischen Typus (Ripley, No. 175, 176). Die von Weisbach (Mit!,
d. Wiener anthr. Ges., U) untersuchten Schädel ergaben eine sehr lange
Indexreihe, die von Index 68 bis Index Q3, also von extremer Dolicho-
cephalie bis zu ausgeprägter Hyperbrachycephalie reicht; doch sind
die Brschycephalen Tn d^ Ueberzahl iSaiHcers Indexkarte ze^ in
Griechenland einen bunten V/echsei iangicApfiger und biachycephalcr
Bevölkern np^en.
Weit brachycephaler als die europäischen Griechen fand Neoph>4os
(1' Anthropologie, 18Q1, pag. 25) die Griechen des nordöstlichen Klein-
asiens. 142 von ihm untersuchte Männer hatten einen mittleren Index
von 87, nicht ein Index unter 80 wurde beobachtet, die Hauptmasse
war hyperbrachycephal. Die Gesichter waren von sehr verschiedener
Länge, doch gilt die Regel: Je rundköpfiger, desto breitgesichtiger.
Haare und Augen sind fast ausschlieBlich dunkel, doch sind wirklich
schwarze Haare auch hier verhältnismäßig selten (15 pCt). Hier haben
wir also nur wenig durch nordisches Biut beeinflußte, sprachlich
hellenislerte Angehörige der alten randköpflgen Rasse Kknusiens vor
uns. Ein ganz anderer Typus herrscht wieder tKsi den Oriecfaen von
Adalia an der Südkuste lOeinasiens vor. Er zeigt eine ausgesprochene
Verwandtschaft mit dem semitischen (Luschan, Archiv, IQ, pag. 31)
In einigen Gebieten hat sich jedoch auch bei den Neugriechen
der nordische Typus besser behauptet Auf dem griechischen Festlande
lebt er noch fort bei den Maniaten im südlichen Pdoponnes, die Hueppe
als die mit Taygetosslaven vermischten Nachlcommen der Eleuthero-
lakonen auffaßt (Rassen- und Sozialhygiene der Griechen). Die
Sphakianer auf der Insel Kreta sind nach dem Berichte des öster-
reichischen Generalkonsuls Hahn hochgewachsen, blondhaarig, blau-
äugig und von blühender Gesichtsfarbe. Sie bewohnen die fast
unzugänglichen Abhänge der weißen Berge (Penka, Origines, pag. 24).
Hier auf diesen Beiigeshölien ist nicht nur das lOima der Erhaitun|r
der nordischen Farbenmerkmale günstig, sondern auch die Möglichkeit
einer Mischung mit anderen Rassen viel geringer als in anderen Teilen
der Insel, wo daher die dunklen Elemente weitaus überwiegen.
Die Urteile Ober die körperliche Beschaffenheit der Aibanesen
sind sehr widersprechend; bald werden sie als hell und langköpfig,
liald als dunkel und rundköpfig geschildert. Keine dieser Schilderungen
ist riditig in Bezug auf das ganze Volk, doch werden einzelne Gruppen
desselben dadurch annähernd richtig charakterisiert. Schon Prichard
führt aus, daß die Nordalbanesen braun und untersetzt, die Sudalbanesen
aber hell, schlank und hochgewachsen seien. Verschiedene neuere
Beobachtungen haben es wahrscheinlich gemacht, daß sowohl die Lang-
köpFigkeit ms auch die helle Pigmentierung gegen Süden zunehmea
Aus den Messungen, die Olfldc an 30 aus dem nördlichen AUMnien
stammenden Albuiesen voigenommen hat^X abgibt sich» daß auch die
*) Zur phys. Anthrop. der Aibanesen, Wissensdi. Mitteil. aus Bosnien und

der Herzegowiiui V, pag. 365. Die von Glück gewonnenen Zahlen sollen hier
nicht wiedergegeben werden, da sie wegen der Gcrini^Tfüpfgkeit des Materials keine

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NbrdiliNmesen Icdnen diiheiUichefi Typus reprflsoitieren, sondon aus
hellen und dunklen» langköpfigen und rundköpftgen Elementen gemisdit
sind, wobei jedoch dunkle Komplexion und Brachycephalie vorherrschen.
Den reinen langköpfigen und langgesichtigen Typus fand Glück viel
seltener vertreten als den reinen kurzkopfigen und breitgesichtigen.
Die Albanesen, die Hueppe im Pelouonnese sah, besaüen vorwiegend
dnen Index unter 80, waren falung blauäugig und besaBen meist
blonde oder hellbraune Haare. Nicht selten fand sich bei ihnen der
ausgesprochene nordische Typus. Auffallend groß soll auch die 21ah\
heller Leute bei der sich aus Albanesen und Maniaten rekrutierenden
Leibwache des griechischen Königs sein (Rassen urui Sozialhygiene).
Die von ^mpa Ethnologie, IBäO, pag. 167) unter-
(Zeitschr. f.

suchten Albanesen von CosenzaCalabrien, die von Im 15. Jahr-


in
hundertaus Morea eingewanderten Kolonisten abstammen, unterscheiden
sich von der übrigen Bevölkerung noch heute durch heilere Flibung
und höhere Brachycephalie. Während unter den Calabresem Im
allp^emeinen nur 4 pCt. Blonde, 20 pCt. Helläugige, 25 pCt. Weiß-
häutige, hingegen 44 pCt. Schwarzhaarige gezählt wurden, fand Zampa
unter den Albanesen 27 pCt Blonde, keinen Schwarzhaarigen, 47 pCt.
mit hdlen Augen und 70 pCt mit wdBer Haut Der Durchschnitts-
index der Calabreser wurde mit 78,4 ermittelt, der der Albanesen von
Cosenza aber betrug 80,0. Trotz der Innren seit der Einwanderung
verstrichenen Zeit ist der Rassengct^ensatz zwischen den [lingeborencn
und den Eingewanderten nicht verwischt worden. Erstere gehören über-
wiegend der mittelländischen Rasseugruppe an, letztere repräsentieren im
weuntlichen eine Mischung der noraischen Rasse mit BniGhycephalen

Die anthropolo^'sche
Geschichts- und Gesellschaftstheorie.
Dr. Ludwig WoltiDiim.
XI.

E. Gibbon intuitivem Scharfblick die Ursachen des


hatte mit
Untergangs des römischen Reichs in einer physischen Verschlechterung
der lässe erioumi Neuerdings hat O. Seeck') das Problem wieder
aufgenommen, um an demselben Beispiel die „Gesetze des historischen
Werdens und Vergehens''
darzuleihen. Von Seeck«; „Geschichte des
Untergangs der antiken Welt" sind bisher zwei Bände erschienen.
Sie l^sen deutlich erkennen, daß der Verfasser in naturwissenschaft-
lichan Geiste denkt und anthropolosfische Ursachen fflr die Blfite
und den Verfall der Nattonen fai erster Linie verantwortlich macht
Er weist nach, daß es eine quantitative und qualitative Ver-
schlechterung der Rasse war, die im ersten und zweiten Jahr-

') Audi hier darf man auf die mttgneteitten Prozenizahlen kefn aNzn groBei
0*wiclit legen, da es sich mu um 50 lncli\üiuen handelt.
_ *) Otto Seeck, Oescbichte des Untergangs der antücen Welt Berlin, 1897.
SinawoUi fr TroscheL

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