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Sephardische Musik

Die Kultur der Sephardim ist sehr Alt und findet sich auf der ganzen Welt verstreut.
Gebräuche, Musik und Sprache der Sepharden haben sich über Jahrhunderte erhalten
und entwickelt. Vor allem in Marokko, Lateinamerika, Griechenland und der Türkei wird die
Sepharisch-Iberische Musikkultur noch gelebt. Die Sephardischen Gemeinden sind sich
ihres Kulturerbes bewusst und vor allem bei der älteren Generation findet man den
alltäglichen Gebrauch der judäo-spanischen Sprache Ladino.

Historische Einführung

Der Ursprung der Sephardischen Kultur lässt sich bis in das 1.Jh. n.Chr. auf der Iberischen
Halbinsel zurück verfolgen. Unter römischer und westgotischer Herrschaft erlebte die
jüdische Bevölkerung eine Zeit der Toleranz und Zufriedenheit. Dies änderte sich jedoch
als der westgotische König Sisebut den christlichen Glauben annahm und 613 n.Chr. die
Zwangstaufen einführte. Damit begann die erste große Welle der Judenverfolgung.
Nachdem die westgotische Herrschaft 711 n.Chr. von den Berbern vernichtet wurde, durfte
der jüdische Glaube wieder praktiziert werden und erlebte unter der moslimischen
Regierung eine Blütezeit. Im 12. Jh. übernahmen allerdings die Almohaden die Macht, die
für einen wesentlich intoleranteren Islam standen und die jüdische Bevölkerung sah sich
vor die Wahl der Auswanderung oder Konvertierung zum Islam gestellt. Während der
Rückeroberung von Iberia, der Reconquista, im 12. und 13.Jh. durch das Christentum gab
es eine erneute Religionsfreiheit. Die jüdischen Gemeinden unterstanden zwar direkt der
Krone, hatten aber ein eigenes Gericht und es war gestattet, dass Juden hohe politische
Ämter bekleiden. Der Wohlstand der jüdischen Gemeinden führte allerdings zu Unmut
beim Rest der Bevölkerung und breitete sich in ganz Spanien und den Balearen aus. Als
im 14.Jh. die Inquisition eingeführt wurde eskalierte die Wut 1391 in Sevillia zu einem
Pogrom. Tausende Juden wurden ermordet und verbrannt, zehntausende wurden
gezwungen den christlichen Glauben anzunehmen und die, die noch lebten und sich
weigerten wurden als Sklaven verkauft. Vor allem die Marranen waren von der Inquisition
schwer betroffen.

Daniel Knoop

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Sephardische Musik

Konvertierte Juden nannte man Marranen. Im Spanischen und Portugiesischen bedeutet


marrano (marrão) Schwein, hergeleitet vom Lateinischen verres für Eber, Wildsau.
Marrano kann auch vom spanischen Verb marrar (irren, verfehlen) stammen und hat dann
die Bedeutung von Abtrünniger. Nach anderen Quellen könnte das Wort auch vom
arabischen Begriff marana für biegsam, flexibel abgeleitet sein.
Nach Abschluss der Reconquista Spaniens, wurde am 31.3.1492 von König Ferdinand II.
und Königin Isabella I., den Katholischen Königen, das Alhambra Edikt erlassen und
zwang alle Sepharden ins Exil oder zum Christlichen Glauben überzutreten. Im Zuge des
Edikts gab es eine erneute Verfolgungswelle und viele Juden wanderten nach
Marokko/Nordafrika, Italien, Portugal und durch einen persönlichen Erlass des Sultans ins
osmanische Reich aus. Durch die Diaspora bildete sich eine eigene Sprache der
Sepharden, das Judenspanisch auch Ladino genannt. Die meisten gingen nach Istanbul,
Safed, Kairo, Thessaloniki, Ancona und Venedig. In Portugal gestaltete sich das Leben der
Sepharden und Marranen als sehr schwierig, entspannte sich allerdings unter König Dom
Manuel I. Dies änderte sich als der König von Portugal die Tochter der Katholischen
Könige von Spanien, Isabella, heiraten will. Dem Antrag wurde nur unter der Bedingung,
dass alle Juden sofort Ausgewiesen werden, zugestimmt. Dies konnte sich Dom Manuel I.
jedoch nicht leisten und ließ im Jahre 1497 alle Juden in Portugal Zwangstaufen. Der
König gewährte den Neuchristen eine Amnestie, die sie vor Verfolgung und einer
Gesetzgebung nur für Cristãos novos schützen sollte.
Die Stellung der portugiesischen Neuchristen in der Gesellschaft war sehr einflussreich
und sie konnten Schlüsselpositionen im Finanzwesen und im Großhandel beziehen. Oft
waren sie auch führend im Bereich der Wissenschaft. Dank ihrem Einfluss konnten sie fast
vierzig Jahre verhindern, dass in Portugal die Inquisition eingeführt wurde. Trotz ihrer
Immunität blieben sie nicht vor der Verfolgung durch die Altchristen verschont und zur
Osterzeit des Jahres 1506 ereignete sich das Massaker von Lissabon wo mehr als 2000
Neuchristen den Tod fanden. Durch die Einführung der Inquisition in Portugal 1536 die
sich bis in die Kolonialgebiete Mexiko und Goa ausweitete, setzte eine erneute
Auswanderungswelle ein. Da die meisten Juden und Marranen im Großhandel tätig waren
gingen viele in die Hafenstädte Europas. Im Jahre 1833 wurde die Inquisition endgültig
abgeschafft und viele Sepharden kehrten nach Spanien zurück. Anfang des 20.Jh machte
der spanische Senator Angel Pulido Fernandez eine Reise durch Europa und fand an
vielen Orten jüdische Gemeinden die noch immer Spanisch Bzw. Ladino sprachen. Zurück
in Spanien setzte er sich für die Rückkehr und Neuansiedlung der Spanier ohne Land ein.
Die Regierung gewährte den Nachkommen der Sephardi die spanische
Staatsbürgerschaft, die Franco ihnen aber wieder aberkannte. Bis zum heutigen Tag
gestaltet sich die Rückkehr nach Spanien für sephardische Juden als problematisch.

Daniel Knoop

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