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Kant-Lexikon


Herausgegeben von
Marcus Willaschek, Jürgen Stolzenberg,
Georg Mohr, Stefano Bacin
unter Mitarbeit von
Thomas Höwing, Florian Marwede, Ste� Schadow

in Verbindung mit
Eckart Förster, Heiner Klemme, Christian Klotz,
Bernd Ludwig, Peter McLaughlin, Eric Watkins

Band 1
a priori / a posteriori – Gymnastik
Herausgeber
Marcus Willaschek, Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt
Jürgen Stolzenberg, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Georg Mohr, Universität Bremen
Stefano Bacin, Università Vita-Salute San Ra�aele, Milano

ISBN 978-3-11-017259-1
e-ISBN (PDF) 978-3-11-044399-8
e-ISBN (EPUB) 978-3-11-044401-8

Library of Congress Cataloging-in-Publication Data


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36 � Ahriman

(d. i. sie bestrafen). Es ist immer derselbe Begri�, Baumgartens Metaphysica – war sie als metho-
aber anders gewandt“ (7:187 Anm.). disch der tumultuarischen entgegengesetzt (vgl.
Stefano Bacin 15:7; 16:810; → Methode).
Claudio La Rocca

Ahriman
→ Zoroaster aktiv/passiv
Aktiv (von lat. agere = handeln), ist die Art wie sich
etwas handelnd zu anderen Dingen oder Personen
akroamatisch verhält. Passiv (von lat. pati = erleiden) ist dage-
Kant nennt akroamatisch jene Beweise, die „sich gen die Art, wie sich etwas leidend zu anderen
nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedan- Dingen oder Personen verhält. Kant orientiert sich
ken) führen lassen“ (KrV A 735 / B 763). Bezogen bei dieser Unterscheidung vor allem am menschli-
auf die Art zu lehren ist akroamatisch „die Me- chen Handeln, betrachtet aber auch die → Materie
thode, sofern Jemand allein lehrt, erotematisch, als eine Einheit von aktiven und passiven Kräften.
sofern er auch frägt“ (9:149). Weitere wichtige Stel- Materie kann nur „passiv wirken“ (22:369), weil
len: 6:478; 9:71; 9:110; 28:537. die Wirkung, selbst wenn sie eine aktive Seite hat,
immer nur von außen verursacht ist. Endliche
Verwandte Stichworte Wesen sind weder völlig aktiv noch völlig passiv,
Beweis; Lehrart; Demonstration sondern bis in die Materie und Vorstellung hinein
immer eine Einheit von Kräften, die in verschiede-
Philosophische Funktion nen Proportionen aktiv und passiv zugleich sind
Akroamatisch stammt aus dem Griechischen (vgl. 21:192). Durch die aktive Beziehung zur Um-
‚akroasthai‘, was bedeutet: ‚hören‘, aber auch welt wirken Menschen, Lebewesen und Dinge auf
‚Schüler sein‘. In Bezug auf einen Beweis bedeu- ihre Umwelt ein, durch die passive Beziehung sind
tet es, dass er durch bloße Worte geführt wird, sie von ihrer Umwelt abhängig. Nur ein unendli-
im Gegensatz zum mathematischen Beweis, der ches Wesen wäre völlig aktiv, weil ohne externen
durch → Konstruktion in einem ostensiven Ver- Gegenstand handelnd (actus purus). In der KrV
fahren geführt wird (und daher zu den „Demons- zählt Kant, anders als Aristoteles, Handeln und
trationen“ gehört, „welche, wie der Ausdruck es Leiden nicht zu den Kategorien, sondern lediglich
schon anzeigt, in der Anschauung des Gegenstan- zu den „Prädicabilien“ (KrV A 82 / B 108; → actio/
des fortgehen“ (KrV A 735 / B 763; → Demonstrati- passio), die sich aus den Kategorien ableiten las-
on). Entsprechend heißen diskursive Grundsätze, sen, und bringt sie, → Leibniz folgend, mit den
die „sich nur durch Begri�e ausdrücken“ lassen Grundkräften von Substanzen in Zusammenhang
„Akroame (acroamata)“ im Gegensatz zu → Axio- (vgl. KrV A 204 / B 249). Weitere wichtige Stellen:
men (axiomata) (9:110). KrV A 455 / B 483 Anm.; 7:144; 10:130; Re�. 6953,
In Bezug auf die Lehrmethode (bzw. den ‚Vor- 19:212.
trag‘) verwendet Kant den Terminus akroama-
tisch, um denjenigen Vortrag zu bezeichnen, „da Verwandte Stichwörter
alle Andere, welchen er geschieht, bloße Zuhö- Handlung; Kraft; Sinnlichkeit; Rezeptivität/
rer sind“; er wird hier dem erotematischen Vor- Spontaneität
trag entgegengesetzt, „wo der Lehrer das, was er
seine Jünger lehren will, ihnen abfrägt“ (6:478; Philosophische Funktion
vgl. 16:806) (vgl. auch den historischen Bezug Der Verstand im weitesten Sinn ist das Vermögen,
auf Pythagoras 9:29; 28:537f.). Vor Kant (etwa bei das aktiv ist, weil nach Kant Denken ein Handeln
→ Leibniz, → Baumgarten, → Hutcheson; vgl. Rie- ist. Bei uns Menschen hat solches Handeln auch
del, Urteilskraft, S. 21f.) wurde die akroamatische eine passive Seite, weil es auf die Sinnlichkeit
Art zu lehren im allgemeinen als eine schwerver- angewiesen ist. Die menschliche Erkenntnis ist
ständliche von der esoterischen bzw. populären nicht in der Lage, die Dinge, die der Mensch er-
unterschieden. Bei → Meier aber – und auch in kennt, zu erscha�en. Wir verstehen zwar nur das,