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MONIK A RESKE

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KOMPOSITION Praxisnah und leicht verständlich


Mit vielen Tipps
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MONIK A RESKE

KOMPOSITION
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2 KOMPOSI T ION

Inhaltsverzeichnis
Vorwort . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 3 Alles im richtigen Maß – Von der Skizze zum
Komposition – ein erster Blick die Proportion im Bildraum . . . . 34 gemalten Bild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70
auf die Kunst der Kunst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 4 Der Goldene Schnitt – ein faszinierendes Transfer auf den Bildträger –
Warum man Kompositionsregeln Phänomen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 die Rastermethode . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
kennen sollte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 7 Der Goldene Schnitt in der Malerei . . . . . . . . . . 40 Motiv 1: Landschaft und Architektur . . . . . . . . . . 72
Noch ein Kompositionsprinzip: Motiv 2: Vom Konkreten zum Abstrakten . . . . . . 76
Spontane Komposition Die Drittel-Regel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 Motiv 3: „Stillleben“ mit Stil . . . . . . . . . . . . . . . . 80
mit der Linie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 Proportion nach Gewicht, Maß und Zahl . . . . . 44
Vielseitige Linien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 Der neugierige Blick –
Drei Übungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 Bildideen finden Bild­betrachtung und
Ausdruckskraft und Richtung und skizzieren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 48 Bildanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 84
eigenständiger Linien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 Motive erkennen – Bildideen finden . . . . . . . . . . 49 Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder 86
Der Blick für das Motiv . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 50 Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt) . . . . . . . . . 88
Die Bildfläche – das Spielfeld 18 Von Motiv und Bildidee zur Zwei Meister – zwei Frauen . . . . . . . . . . . . . . . . . 90
Größe muss man haben – aber welche? . . . . . . . 19 Kompositionsskizze . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 52
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Bespannte Keilrahmen, Malplatten Motive in der Landschaft- transid - exl39606676-3735809626
54
Glossar
- . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
und Malkörper . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 Exkurs: Die Zeichentricks der Alten Meister . . . 56
Autorin / Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
Format muss man haben … . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 Eine kleine Kompositionsskizze anlegen . . . . . . 57
Vom Format zum Bildraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 Wie Sie Ihre Skizze prüfen können . . . . . . . . . . 58
Linien lenken den Blick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 27 Den Blick führen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60
Die Waagerechte im Bildraum . . . . . . . . . . . . . . . 27 Lineare und geometrische ­
Die Senkrechte im Bildraum . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 Kompositionsschemata . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 61
Die Diagonale im Bildraum . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 Wie kommen Spannung und
Ordnung ins Bild? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 65
Variation contra Monotonie . . . . . . . . . . . . . . . . . 67
So checken Sie Ihre Komposition . . . . . . . . . . . . 68
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Vorwort
Easy Komposition – Komposition leicht gemacht? Brauchen Bilder interessant und sehenswert gestalten zu können. Ich zeige Ihnen
überhaupt einen kompositorischen Aufbau? Oder schränken das wirklich Wichtige, damit Sie ein Bild beginnen, umsetzen und
Kompositionsregeln nur ein und sind in unserer heutigen Zeit dabei Möglichkeiten der bildnerischen Komposition nutzen können.
der Lockerheit, einer Zeit, in der fast alles möglich ist, ein „alter Sie werden mit der Zeit Prinzipien der Kompositionslehre rein
Hut“? JA und NEIN: Im Sinne einer Orientierung und Ordnung ist intuitiv einsetzen und selbst, auch durch gekonnte Kunstbetrach-
Komposition gerade in einer manchmal maß-losen Zeit wichtiger tung, ein gutes Gespür für eine gelungene Komposition entwickeln.
denn je, insbesondere im Bereich der Malerei! Mit Kenntnis und „Technik“ erreichen Sie gute Ergebnisse, bessere
Bilder und mehr Zufriedenheit mit Ihren Werken!
Wenn Sie als Malerin oder Maler keine fertigen Vorlagen abmalen,
sondern eigene Bildideen zu Ihrem eigenständigen Bild entwickeln Pierre Bonnard, ein französischer Maler des Post-Impressionismus,
möchten, dann lohnt es, sich mit dem Thema Komposition zu sagte einmal: „Jede Kunst ist Komposition – das ist der
befassen. Lernen Sie die „Sprache der Bilder“ zu sprechen. Schlüssel zu allem.“ In diesem Sinn gibt Ihnen das Buch
Nach einem einführenden Blick auf das Thema macht das Kapitel den Schlüssel zur Komposition in die Hand und öffnet ein Tor
„Spontane Komposition mit Linien“ Ihre Sinne empfänglich. zur Malerei.

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Im weiteren Verlauf erhalten Sie praktische Anregungen und
Ich wünsche Ihnen viel Freude und Erfolg dabei! -
das nötige „Handwerkszeug“, um das, was Sie in Ihren Bildern
ausdrücken möchten, sichtbar und gleichzeitig für den Betrachter
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4 KOMPOSI T ION

Komposition – ein erster Blick auf die Kunst der Kunst


Komposition bezeichnet entsprechend dem lateinischen Begriff „componere“ (zusammenstellen) ganz allgemein das Zusammenfügen
einzelner Elemente zu einem einheitlichen Ganzen. In allen Bereichen der darstellenden Kunst, sowohl in der Malerei, Zeichnung, Grafik,
Fotografie, Bildhauerei als auch in der Musik, Architektur, Stadtplanung und Gartengestaltung spricht man von Komposition. Grundlage
jeder Komposition ist immer die Beziehung der Teile untereinander und ihre Verbindung zum Ganzen.

„Es ist nicht schwer, zu komponieren. Aber es ist fabelhaft schwer,


die überflüssigen Noten unter den Tisch fallen zu lassen. “
Johannes Brahms (1833 – 1897)

Komposition in der Musik


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In der Musik versteht man unter Komponieren die
Schöpfung und Erarbeitung eines musikalischen
Kunstwerkes. Das Tonstück selbst und sein
musikalischer Aufbau werden als Komposition
bezeichnet. Tonhöhe, Tondauer, Rhythmus, Dyna-
mik, Tempo und die Wahl der Instrumente werden
in einem Werk zu einem Ganzen zusammengefügt
und ergeben den Klangkörper einer Musik.
Dass Kompositionstechniken, Harmonie- und
Formenlehre an europäischen Musikhochschulen
in einem meist zehnsemestrigen Hauptstudium
erlernt werden, zeigt, wie komplex dieses Thema
in der Musik ist.

 Musik für Auge und Ohr!

Komposition – ein erster Blick | Komposition in Musik, Architektur und Malerei | Warum man Kompositionsregeln
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Komposition – ein erster Blick auf die Kunst der Kunst | Komposition in der Musik | Komposition in der Architektur 5

Komposition in der Architektur

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 Die Piazza Dei Miracoli, der Platz der Wunder in Pisa, zeigt eindrucksvoll die Wirkung einer Komposition in der Architektur.
Von links Baptisterium, Camposanto, Dom und Campanile, seit 1987 als „Weltkulturerbe“ ausgezeichnet.

In der Architektur ist die Komposition eines der wichtigsten


Gestaltungsprinzipien und man versteht darunter die Auswahl,
Anordnung und Abstimmung verschiedener architektonischer
Mittel, beispielsweise Bauelemente, Material, Form, Farbe
oder Beleuchtung. Bei Gebäuden werden mit dem Grundriss
Räume und Gebäudeteile geordnet. Es wird festgelegt, wie
das Äußere gestaltet werden soll, wie die Fassade z. B. durch
Fenster, Blendbögen, Arkaden oder Loggien eingeteilt und ob
Ornamente angebracht werden sollen. Auch bei Ensembles von
Bauten wie der oben gezeigten Piazza Dei Miracoli in Pisa, ihren
städtebaulichen Planungen und analog dazu in der Garten- und
­L andschaftsgestaltung geht es um die optimale Gestaltung und
Zusammensetzung einzelner Elemente zu einem Ganzen.  Geometrische Formen in einer grünen Park-Oase.

kennen sollte
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6 KOMPOSI T ION

Komposition in der Malerei


In den Bereichen der Malerei, Zeichnung,
Grafik und auch der Fotografie bezeichnet der
Begriff „Komposition“ sowohl die Tätigkeit des
Künstlers, nämlich den Prozess der Gestaltung
selbst, als auch das Resultat, nämlich das
Bildgefüge, das Inhalt und Gestaltung im Bild
zur Übereinstimmung bringt.

„Komposition ist die Kunst, alle Elemente, mit


denen der Maler seine Empfindungen aus­
drücken möchte, dekorativ zu verteilen“, meinte
der Maler Henri Matisse. Das klingt einfach. Wie
aber kann der Bildaufbau organisiert werden,
welche Gestaltungsmittel und Ordnungsprin-
zipien helfen, Bildidee und Bildelemente zu
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einer Einheit verschmelzen zu lassen und den
Betrachter anzusprechen? Dieses Wissen zeugt
von Können in der Kunst! Mit dem Kennen und
Erkennen der Grundlagen einer Komposition
werden Sie im Sinne von Matisse Bildelemente
„dekorativ“ verteilen können.

Paros 

Komposition – ein erster Blick | Komposition in Musik, Architektur und Malerei | Warum man Kompositionsregeln
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Komposition in der Malerei | Warum man Kompositionsregeln kennen sollte 7

„Komposition ist ein Mittel, nicht ein Ende,


und die vollkommenste Komposition rechtfertigt nicht
ein belangloses Bild. Komposition ist ein Werkzeug,
um den Eindruck des Bildes zu steigern. “
Andreas Feininger (1906 – 1999)

Warum man Kompositionsregeln kennen sollte ! AUS DER PRAXIS


Solange Sie Ihre Bilder nach Vorlagen gemalt oder Werke anderer Maler kopiert haben, Man kann vieles durch genaues
benötigten Sie das „Mittel“ der Komposition nicht, denn Ihre Vorlage enthielt bereits eine Hinschauen erkennen!
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Komposition. Durch das Kopieren haben Sie Ihre malerischen und handwerklichen Techniken Neben der praktischen Malerei
geschult. Schon Leonardo Da Vinci schrieb in seinem „Traktat der Malerei“, dass der junge ist die intensive Bildbetrachtung
Maler nie ohne Regel studieren und im Laufe seiner Ausbildung einige Zeit auf das Betrachten eine Möglichkeit, ein Gespür für
und Nachahmen der Werke unterschiedlicher, guter Meister verwenden solle, damit er eine eine gelungene Komposition
handwerkliche Praxis im Malen erlange. zu entwickeln. Schauen Sie in
Museen und Galerien an, was
Nach dieser Phase möchten Sie eigene Bildideen umsetzen und Ihren eigenen Stil entwickeln. bekannte Maler geschaffen
Wie können Sie Ihr Bild interessant machen, ihm eine klare Aussage geben, den Betrachter haben. Studieren Sie ein oder
fesseln? Die Antwort ist einfach: Indem Sie Ihre Bildgestaltung bewusst komponieren. Jeder zwei Bilder genauer, anstatt alle
Betrachter hat eine individuelle „Sichtweise“ auf ein Bild, geprägt durch Kultur, Bildung, Bilder nur im Vorbeigehen zu
Erziehung und Erfahrung. Gleichzeitig erkennt jeder Gesetzmäßigkeiten, die ein Bild auffälli- betrachten: Was ist dargestellt,
ger, spannender, „an-sehnlicher“ machen und sein Interesse wecken. Sobald Sie diese kennen, wie ist es dargestellt und wie
werden Ihre Bilder Wirkung, Aussagekraft und eine künstlerische Entwicklung zeigen! wirkt es?

Das nächste Kapitel widmet sich spontanen Kompositionen und einem wichtigen Bildelement:
der Linie. Sie lernen erste wichtige Kompositionsprinzipien kennen.

kennen sollte
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8 KOMPOSI T ION

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Spontane Komposition mit der Linie


Bei diesem Bild von Adolf Hölzel (1853 – 1934) bilden spontane Spiralbewegungen und kreisförmige Linien, die sich schneiden und so unterschiedlich
große und kleine Flächen entstehen lassen, die Grundlage der Komposition. Eine abstrakte Komposition aus Linien: vielschichtig, dynamisch,
lebendig, fast wild und dennoch harmonisch. Als Professor für Malerei an der Stuttgarter Akademie von 1906 bis 1919 gilt Hölzel als einer der
herausragenden Pädagogen und Wegbereiter der modernen Malerei. Seiner Meinung nach geht es für den Maler und den Betrachter des Bildes
darum, das Empfinden für die harmonische Zusammenstellung der künstlerischen Mittel zu schulen. Ein künstlerisches Mittel und zugleich
wesentliches Bildelement ist die Linie, deren Ausdrucksvielfalt fast unerschöpflich ist.

Vielseitige Linien | Drei Übungen | Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


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Vielseitige Linien 9

Vielseitige Linien
Aneinandergereihte Punkte ergeben eine Linie. Schon die frühesten Höhlenzeichnungen IHRE MATERIAL-LISTE
waren lineare Ansichten. In gegenständlichen Darstellungen begrenzen Linien Umrisse und
Formen von Gegenständen und Naturerscheinungen. Als selbstständige Bildelemente formen • Weicher Bleistift, 4B oder 6B
und strukturieren sie Flächen. • STABILO Woody Buntstift
(= weich + wasserlöslich)
Wie bei Hölzel können Bilder nur aus freien Linien bestehen, deren Verlauf, Form und
• Skizzenpapier, DIN A4
Ver­hältnis zueinander die Bildaussage bestimmen. Losgelöst vom gegenständlichen Motiv
oder 30 × 30 cm
und ohne den Zwang einer perspektivischen Darstellung konnte sich die Linie in den Bildern
des 20. und 21. Jahrhunderts vielfältig entwickeln. Ihr Hauptmerkmal ist die Bewegung und • Acrylfarben: Gelb, Magenta,
deshalb ist die Linie ein wichtiges Gestaltungsmittel zur Darstellung von Bewegungsabläufen: Cyan, Schwarz , Weiß
fließend, strömend, weich, hart, abrupt, organisch, ruhig oder wirr. oder Wasserfarben
oder Aquarellfarben
• Raufasertapete
„ Sage es mir, und ich werde es vergessen; • Pinsel, mittlere Größe
zeige es mir, und- ich
- orderid werde es vielleicht behalten;
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• Pappteller als Mischpalette
lass es mich tun, und ich werde es können. “ • Wassergefäß
Johann Wolfgang von Goethe (1833 – 1897) • Mallappen, Küchenrolle

Mit diesem Zitat möchte ich Sie motivieren, selbst aktiv zu werden, einen Stift oder Pinsel in
die Hand zu nehmen und praktische Erfahrungen zu machen. Entdecken Sie mit spontanen
Kompositionen die feinen Ausdrucksqualitäten der Linien!
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10 KOMPOSI T ION

Drei Übungen
Übung 1: Zur Einstimmung

Ziel dieser Übung ist, dass Sie unterschiedliche, lockere Kompositionen mit Linien anfertigen und zu einer gewissen Gelöstheit und Groß­
zügigkeit finden. Sehen Sie diese Aufgaben als „ernstes Spiel“ und lassen Sie sich von den Ergebnissen überraschen. Führen Sie diese
Übung im Stehen aus, mit geradem Rücken und locker in Arm- und Schultergelenken, die Füße hüftbreit auseinandergestellt. Setzen Sie den
Stift bewusst an und bleiben Sie geistig vom ersten Ansatz bis zum letzten Moment an der Linie dran. Zusätzlich können Sie auch noch den
Druck variieren. Auf diese Weise ist die Komposition von Adolf Hölzel (siehe Seite 8) entstanden!

> MEIN TIPP


Mit einem selbst gemachten, be-
weglichen Passepartout-Winkel
können Sie unterschiedlich
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große Ausschnitte suchen und
durch Verschieben der Winkel
abdecken. Schneiden Sie aus
einem 50 × 70 cm großen Bogen  Beginnen Sie mit kreisenden Bewegungen ohne  Zeichnen Sie große und kleine Kreise, die sich
Papier oder Pappe vier Streifen abzusetzen. Füllen Sie das ganze Format, legen Sie überlagern, so rund wie möglich. Betonen Sie
à 12,5 × 70 cm und kleben verschiedene Schichten übereinander. Betonen Sie einige Kreise durch mehrmaliges Umrunden.
einige Formen durch mehrmaliges Wiederholen der Bleiben Sie dabei im Rhythmus der Bewegung.
Sie jeweils zwei Streifen zum
kreisenden Bewegung. Umfahren Sie die zwischen den Kreisen entstande-
Winkel aneinander. nen Formen wie Ellipsen, Dreiecke, Quadrate.

Füllen Sie nun das Format mit


waagerechten und senkrechten
Bewegungen aus. Verdichten Sie
die Linien. Betonen Sie einzelne
Bereiche und „holen“ Sie unter-
schiedliche Formen heraus. 

Vielseitige Linien | Drei Übungen | Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


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Drei Übungen 11

{ ZUSAMMENGEFASST
Diese Komposition ist interes­
sant, lebendig, kraftvoll und
zeigt folgende Gestaltungs­
prinzipien:

• gebogene und gerade Linien


(Waagerechte und Senkrechte)
• engere und weitere Abstände
• Formen: Rechtecke, Quadrate,
Rauten, Kreise, Halbkreise …
• Richtung durch Betonung der
Senkrechten
• Ruhe (links) durch ähnliche
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Größe, wenige Formen
• Aktivität (rechts) durch
unterschiedliche, viele
Formen, dichte Linien
• Überlagerung der Linien
• Unterschied im Druck:
stark, schwach
• hell und dunkel,
vorne und hinten

Machen Sie den Praxistest:


Inwieweit erfüllen Ihre
Kompositionen diese Kriterien?
Fertigen Sie weitere Entwürfe
an; richten Sie Ihr Augenmerk
dabei auf Abwechslung und
 Grafische Komposition aus Linien Vielfalt an Varianten.
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12 KOMPOSI T ION

Übung 2:
Auf dem Weg zur eigenen
­Komposition
Ziel dieser Übung ist es, den ersten
Schritt zur eigenen Komposition zu
gehen. Oft wird die Entwicklung
einer eigenen Bildidee am Anfang als
schwierig und emotional anstrengend
empfunden. Meine Erfahrung zeigt,
dass der Weg über die Gestaltung eines
ungegenständlichen Bildes leichter ist.
Lassen Sie sich dazu einmal von Ihrer
Umgebung inspirieren, denn auch in  Quelle der Inspiration: Gehwegplatten! Interessant,  Legen Sie auf Papier, Leinwand oder
ganz alltäglichen Dingen kann man wie unterschiedlich die Natur die Risse „zeichnet“. Tapete ein lockeres Liniengerüst an.
Impulse für eine gelungene Kompo­ Nehmen Sie die Gehwegplatten nur als
Anregung. Bitte nicht exakt abzeichnen,
sition finden!
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - sondern etwas Eigenes entwickeln.

Mit einem offenen Blick auf Ihre


Umwelt entwickeln Sie nach und nach
ein Gespür für das Thema Komposition.
Sie werden staunen, welche Motive sich
Ihnen bieten!

 Gestalten Sie die entstandenen Flächen farbig. Zuletzt suchen Sie sich mit
Bei der Farbwahl lassen Sie sich einfach von Ihrem Gefühl dem Passepartout Ihren
und Ihren eigenen Vorlieben leiten. Lieblingsausschnitt!

Vielseitige Linien | Drei Übungen | Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


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Drei Übungen 13

{ ZUSAMMENGEFASST
Die Komposition zeigt folgende
Gestaltungsprinzipien:

• gerade und geschwungene


Linien
• diagonale Linienführungen,
leicht von links nach rechts,
stärkere Linie leicht nach links
ansteigend
• unterschiedliche Formen:
Rechtecke, Dreiecke, Trapez
• angeschnittene Formen,
Bildrandbindung
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• Variation der Flächengröße
• Komplementär-Kontrast
(Rot – Grün)

Das Thema „Farbe“ wird in der


Kompositionslehre als Sonder-
fall der Fläche gesehen und
wird als Element der Malerei
in diesem Buch nur gestreift.
In „Farbenlehre easy“ (siehe
Buchempfehlungen Seite 94)
finden Sie dazu ausführliche
Informationen.
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14 KOMPOSI T ION

Übung 3:
Die Wahrnehmung verfeinern
Ziel dieser Übung ist es, spielerisch
weitere Qualitäten der Linie kennen zu
lernen. Sie werden damit Ihre Wahrneh-
mung für das Wesen der nur scheinbar
einfachen Striche verfeinern. Verleihen
Sie den Linien Dynamik und Rhythmus,
Spannung, Elastizität und Geschmei-
digkeit. Das einfache Ausdrucksmittel
„Linie“ kann sehr prägnant sein, dafür
ist aber jeder Strich von Bedeutung!
Widmen Sie sich deshalb dieser Übung
 Zeichnen Sie im oberen Bereich des Bildraums  Fügen Sie im unteren Teil eine etwa spiegel­
mit ganzer Aufmerksamkeit und eine spannungsvolle Wellenlinie. bildliche Linie hinzu.
Konzentration.

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Die Aufgabe erfordert einen lockeren,
freien Strich und gleichzeitig Sammlung
und innere Spannung. Gleichmäßiger
Druck und konstantes Tempo steigern
die Schönheit dieser Komposition.

 Ziehen Sie in der Mitte zwischen beiden Linien  Jeweils immer zwischen die bestehenden
eine weitere Linie. Linien in die Mitte eine weitere Linie zeichnen.
Wiederholen Sie das so lange, bis keine weiteren
Linien mehr Platz haben. Keine Linie sollte eine
andere berühren!

Vielseitige Linien | Drei Übungen | Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


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Drei Übungen 15

{ ZUSAMMENGEFASST
Die Komposition zeigt folgende
Gestaltungsprinzipien:

• konvexe (nach außen


gewölbt) und konkave (nach
innen gewölbte) Linien
Assoziation: Raum, Fläche
• waagerechte Linienführung
Assoziation: Wasser, Fließen
• Gleichförmigkeit (Linien­
führung und Druck)
Assoziation: Ruhe, Harmonie

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Tipp: Erfinden Sie täglich -
eine neue Variante einer
Linienkomposition. Es trainiert
Ihre Kreativität und Ihre
künstlerische Handschrift.
Legen Sie dafür ein kleines
Skizzenheft an.

 Linien im Fluss: Trotz einfacher Gestaltung entsteht


ein hohes Maß an Individualität und Vielfalt.
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16 KOMPOSI T ION

Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


Auf dieser Doppelseite bekommen Sie Einblick in die Ausdrucksvielfalt und Aussagekraft von Linien. Es gibt unzählige Möglichkeiten, wie
Linien wirken und wie sie kombiniert werden können. Es wird offensichtlich, dass Linien eben nicht „einfach mal so hingeworfene“ Striche
sind, sondern wichtige Bild-Elemente, die eine eigene Sprache sprechen und mit dem Betrachter einen Dialog führen.

Wirkung und Einsatz einzelner Linien

 -gerade, geometrisch
orderid  gebogen, geometrisch
- exl39606676-3735809626  organisch- exl39606676-3735809626
- transid  gezackt -
bestimmt, starr, hart, kalt, umfassend, weich, zen­ wellenartige, freie Bewegung Bewegung mit technischem,
durch Mittellage ± Ruhe, trierend ± Geborgenheit ± fließend, warm, weich bis geometrischem Charakter
Strenge schwingend, musikalisch ± Strenge, Kälte, Härte
± gefühlsbetont

Linien im Kontakt – Doppellinien

 gerade, gerichtete  spitzer Winkel + verschlun-  flacher Winkel + Bogen  dicke + dünne Linie
+ organische Linie gene, organische Linie nach unten offen + nach satter + zarter Auftrag
streng + frei bewegt hart, klar + frei, natürlich oben offen, gegenläufige ± Räumlichkeit, Nähe +
± starker Kontrast ± extreme Gegensätze Bewegung ± gegensätzliche Ferne, engere Beziehung
Beziehung, Dialog durch Parallelität

Vielseitige Linien | Drei Übungen | Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien


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Ausdruckskraft und Richtung eigenständiger Linien 17

Richtungen von Linien

 fast senkrecht  fast waagerecht + diagonal  runde, fast geschlossene  diagonal + diagonal
breiter werdende Linie gerade + gekräuselte, Linie + Bogen von links unten nach rechts
± fallend, absteigend + krakelige Linie ± Kontrast, Form + abgehackte, oben, an- und abschwellend
aufsteigend Spannung zwischen ruhig , unterbrochene Linie und von links oben nach
klar und unruhig, nervös ± Spannung, interessanter rechts unten, gezackte Linie
Dialog ± schwingender Gegensatz,
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - leise + laute Musik, Dissonanz

Linien und Liniengefüge kombiniert

 Grenzlinien  strahlenförmig  Schlangenlinien  Strukturen


Kreis als geschlossene von einem Punkt ausgehend, unregelmäßig, verschlun­ s-förmige und spitzförmige
Linie, im Zentrum oder auf den Punkt zugehende gene, verknotete Linien Linien-Komplexe
± Ruhe, Konzentration Linien ± strahlend, geordnet ± Chaos, Unruhe, ± Ordnung, Ornament,
emotional bewegt Dekoration, schriftähnlich
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18 KOMPOSI T ION

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Die Bildfläche – das Spielfeld


Die Bildgestaltung beginnt mit der Wahl der Fläche, die Inhalt, Form und Farbe trägt, dem so genannten „Bildträger“. Seine Größe und das gewählte
Format vermitteln Grundtendenzen des Ausdrucks. Beim Betrachter entsteht ein erster Eindruck. So bestimmt die Bildfläche, was sich darauf abspielt.
Stellen Sie sich einmal vor, Sie spielen Federball auf einem Fußballfeld! So ähnlich wäre die Wirkung, wenn die äußere Größe des Bildes nicht mit der
inneren Größe, dem Inhalt übereinstimmt. Oft wird in der Praxis irgendein Format unabhängig vom Motiv gewählt. Da die dem Format innewohnende
Wirkung meist nicht bekannt ist, muss sich das Motiv dem Format anpassen, anstatt umgekehrt das Format dem Motiv. Nachdem Sie dieses Kapitel
gelesen haben, wissen Sie, warum es sinnvoll ist, vor der Umsetzung Ihrer Bildidee das Format und die Ausmaße der Bildfläche festzulegen.

Größe muss man haben | Keilrahmen, Malplatten, Malkörper | Verschiedene Formate | Vom Format zum Bildraum |
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Größe muss man haben – aber welche? | Bespannte Keilrahmen, Malplatten und Malkörper 19

Größe muss man haben – aber welche?


Für die Größe eines Bildes spielen Mal- und Arbeitsweise, Bildthema und der Raum oder
Ort der Hängung des Bildes eine Rolle. Kleine Bilder erfordern eine eher detaillierte, feine
! AUS DER PRAXIS
Malweise, große eine lockere, großzügige. Kleine Bilder können sich mit stilleren, intimen, Frage: Was macht man
passiven Bildthemen befassen. Man muss sich auf sie zubewegen, nahe an sie herantreten, eigentlich mit diesen kleinen
um zarte Details wahrzunehmen und Feinheiten zu erkennen. Große Bilder dagegen brauchen Holzkeilen im Päckchen?
Raum. Riesige Bilder, z. B. in Museen, Kirchen und Palästen fordern großen Abstand vom Antwort: Die Ecken auskeilen!
Betrachter und wollen ihn so in ihren Bann ziehen. Es sind oft mächtige, historische,  welt­
bewegende Themen, die sich uns in großen Bildern förmlich aufdrängen.

Bespannte Keilrahmen, Malplatten und Malkörper


Im Handel sind Keilrahmen in kleinen und großen Formaten, quadratisch, rechteckig und
sogar oval in großer Auswahl mit unterschiedlicher Leistentiefe erhältlich. Relativ neu sind An allen vier Ecken werden die
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Keile jeweils paarweise so -
bespannte Keilrahmen im Verhältnis des Goldenen Schnittes (siehe Seite 34 ff.). Ihre Maße
in
(z. B. 55 × 34 cm, 80 × 50 cm, 105 × 65 cm) sind so abgestimmt, dass das Verhältnis zwischen jede Ecke eingebracht, dass ein
Länge und Breite fast exakt der Zahl Φ (Fi) = 1,618 entspricht. Andere Formate (z. B. Keil mit der längeren Seite zum
30 × 20  cm, 60 × 40 cm, 90 × 60 cm) entsprechen mit dem Verhältnis von 1,5 noch annähernd Rahmen hin zuerst senkrecht
dem Goldenen Schnitt. Ganz individuelle Formate können Sie selbst anfertigen oder im in den unteren Schlitz und der
Handel als Sonderanfertigung bestellen. andere in den oberen Schlitz
waagerecht eingesteckt werden.
Mit dem Hammer schlägt man
die Keile leicht ein, sodass die
Rahmenleisten in den Ecken
auseinandergetrieben und damit
das Gewebe gespannt wird.

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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20 KOMPOSI T ION

Format muss man haben …


Die Bezeichnung „Format“ stammt vom lateinischen „formare“= bilden; „formatum“ bedeutet das Geformte, Genormte oder Geordnete. In
der Malerei und Grafik bezeichnet es die geometrische Form in Länge und Breite und Lage der Bildfläche. Die gebräuchlichsten Formate sind
das Rechteck als Hoch- oder Querformat (die Maße der Höhe werden immer vor der Breite genannt) und das Quadrat. Seltener sind Rhombus
und Raute und zentrierte Formate wie Rundfläche (Tondo) und Oval.

Das Bildmotiv sollte die Wahl des Formates bestimmen, denn jedes Format hat schon von sich aus eine spezielle Ausdrucksdynamik. Das
heißt, jedes Format vermittelt eine eigene Grundstimmung und unterstützt damit die später im Bild gezeigten Elemente. Die Wahl des
Bildformates ist der erste wichtige Schritt nach der Motivwahl. Wissenswertes über die grundlegenden Merkmale der Formate und wann
man sie sinnvoll einsetzt, finden Sie auf den folgenden Seiten.

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 Querformat  Hochformat  Rhombus

 Quadrat  Raute  Tondo  Oval

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Format muss man haben … 21

Das Querformat

Das Querformat entspricht dem menschlichen Blickfeld bzw. Seheindruck am besten und
ist deshalb auch das meistgenutzte Format. Die Waagerechte (Horizontale) schafft die
{ ZUSAMMENGEFASST
Grund­stimmung dieses Formats, das eine starke Beziehung zur Erde hat. Es wirkt ruhig, still Das Querformat:
und passiv. Je größer der Unterschied zwischen Höhe und Breite, desto mehr werden diese
Ausdruckswerte verstärkt. Querformate werden besonders in der gegenständlichen Darstel- betont
lung für Landschaftsmotive, insbesondere weite Hügel- und Meerlandschaften und zeitlose • die Horizontale
Themen verwendet. Ein sehr stark in die Länge gezogenes Format strahlt verstärkt Ruhe
aus. Linien und Formen im Bildraum, die entgegengesetzt zur Horizontalen verlaufen – also wirkt
vertikale Linien – schwächen die Grundwirkung des Querformats ab. • weit
• ruhig
• passiv
• sicher
• ausgeglichen
• zeitlos
• fern
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eignet sich für
• Landschaftsdarstellungen
• stimmungsvolle
 Paul Gaugin: Arearea, 1892, 75 × 94 cm ­Bild­erzählungen
• Figurengruppen, die
ein soziales Miteinander
­verbindet
• liegende Personen

 Giovanni Fattori:
Tramonto sul mare,
1890 – 1895

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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22 KOMPOSI T ION

Das Hochformat

{ ZUSAMMENGEFASST Die Grundstimmung dieses Formats wird durch die Senkrechte (Vertikale) bestimmt. Das
Hochformat zeigt entweder eine Gerichtetheit nach oben, Richtung Himmel, oder nach unten
Das Hochformat: zur Erde. Es drückt Wachsen, Aufstreben oder Fallen, große Tiefe oder Höhe, Wachheit und
Aktivität aus. Die Vertikale kann instabil, unsicher, dominant, sogar bedrohlich wirken, gewiss
betont aber nie langweilig. Das Hochformat unterstützt Ausdruckswerte wie Größe, Stärke und
• die Vertikale Macht. Gegenständlich dargestellt können Motive wie Pflanzen, Bäume, steile Berge, Figuren
oder Gebäude sein. Dieses Format eignet sich für spannungsvolle Bilder mit Dynamik. Es
wirkt wirkt auffälliger, gerade weil es nicht so häufig genutzt wird wie das Querformat. Besonders
• lebendig markant ist die Raute. Wieder gilt: Je extremer das Verhältnis zwischen Breite und Länge des
• mächtig Formats, umso intensiver wird die Grundaussage des Formats.
• beherrschend
• bewegt
• aktiv
 Paul Cézanne:  August Macke:
Blaue Vase, Hutladen, 1913,
• elegant bis instabil 1889 – 1890, 54,5 × 44 cm
• nah 61 × 50 cm
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eignet sich für
• Blumenstillleben
• Naturdarstellungen wie
aufstrebende Bäume,
wachsende Pflanzen,
tiefe Schluchten,
hohe Berge
• Architekturdarstellungen
• (stehende) Personen,
Paare, Portraits

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Format muss man haben … 23

Quadrat und Rhombus

Mit gleich langen Seiten und gleichen Winkeln bietet das Quadrat als Fläche eine optimale
Atmosphäre der Ruhe, Neutralität oder Objektivität. Da anders als bei den bisherigen
{ ZUSAMMENGEFASST
Formaten keine Richtungen vorherrschen, können keine unterschiedlichen Kräfte wirken. Das Quadrat:
So entsteht eine Art Gleichgewicht, das Themen mit ganzheitlichem Charakter unterstützt,
zum Beispiel die vier Jahreszeiten oder die vier Elemente. Gerade für Darstellungen von betont
Harmonie und Ausgeglichenheit, sowohl im Figürlichen als auch in Abbildungen der Natur, • keine Richtung,
bietet das Quadrat ein ideales Format. Ausdrucksqualitäten wie Spannung oder Dynamik steht für Gleichgewicht
werden vom Quadrat nicht gefördert. Es sei denn, es wird auf die Spitze gestellt und wirkt
dann als Rhombus mit seinem labilen Gleichgewicht, das nur auf einem Punkt ruht. Durch wirkt
die  imaginäre Verbindung der einander gegenüberliegenden Ecken entstehen Senkrechte • harmonisch
und Waagerechte. • zentriert
• ausgleichend, ruhig
• stabil
• neutral
• objektiv
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eignet sich für
• harmonische Natur­
darstellungen, z. B.
einzelner Baum, eine Rose
• Personen, Paare, Portraits
• dekorative Themen

Der Rhombus:

Die Sonderform des Quadrats


zeigt ein labiles Gleichgewicht
und innere Spannung.
• Zu sehen im Werk von
Piet Mondrian: Victory Boogy
 Gustav Klimt:
Der Kuss – Liebespaar, Woogy, 1942 – 44.
1908/9, 180 × 180 cm Gemeentemuseum, Den Haag

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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24 KOMPOSI T ION

Tondo und Oval

{ ZUSAMMENGEFASST Die Bezeichnung „Tondo“ stammt aus dem Italienischen und ist die abgekürzte Form von
„rotondo“ für „rund“. Das kreisrunde Bild war schon in der Antike beliebt und in der Zeit der
Der Tondo: Renaissance bis zum Historismus besonders für Madonnen- und Personendarstellungen
populär. Häufig wurde diese Form in der Architektur zur Gestaltung von Kuppeln, Gewölben
betont und Nischen verwendet. Dieses Format hat keine Richtungstendenz, sondern ist auf die Mitte
• die Mitte, konzentriert, ausgerichtet, oder strahlt vom Zentrum zum Bildrand.
hebt hervor; ist nach allen
Seiten symmetrisch, Ob stehend oder liegend gewinnt das Oval durch seine Quer- oder Längsachsen an Spannung.
in der Form neutral Sein bewegliches Zentrum tritt nun in Bezug zur Umgebung. Dieses Format hat jeweils eine
Richtung und weist deutlich ein Links-Rechts oder Oben-Unten aus. Je breiter es wird, umso
eignet sich für deutlicher ergeben sich in den Brennpunkten zwei gleichwertige, kompositorische Zentren.
• Personen Tondo und Oval bieten als heute sehr ungewohnte Bildräume interessante Möglichkeiten
• geistige, kosmische und sowohl darstellender als auch gegenstandsloser Motive.
religiöse Themen

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Das Oval:

betont
• die Quer- und Längs­symmetrie;
ist spannungsvoll,
mit beweglichem Zentrum

eignet sich für


• Einzelportraits,
­Personengruppen
• Tiere  Michelangelo Buonarroti: Tondo Doni,
1504– 1505, Ø 120 cm
• Blumenbouquets
• Stillleben

 Raffael: Madonna Alba, Szene: Maria mit Christuskind


und Johannes dem Täufer, 1510, Ø 94,5 cm

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Format muss man haben … 25

Diese Komposition soll auf Skizzen


von Stadtlandschaften, Häusern und
Baugerüsten basieren und zeigt die für
Mondrian typische strukturelle Sicht auf
die Dinge. Er gibt durch den gewählten
Titel zu verstehen, dass der Gegenstand
der Darstellung nicht mehr von Bedeutung
ist. Horizontale und vertikale Strukturen
bilden einen eigenen Kosmos. Die Skizzen
scheinen eher eine Art „Vorwand“ für die
Komposition zu sein, um mit den Mitteln
der abstrakten Malerei die Schönheit der
Welt ausdrücken zu können.

Das außen begrenzende Oval bildet den


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idealen Raum für das Gleichgewicht aus
Kontrasten, Kreuzungspunkten, Knoten-
punkten (des Lebens) in seiner permanen-
ten Bewegung, zwischen Krieg und Frieden
und einer harmonischen Balance zwischen
Offenheit und Einengung.

 Piet Mondrian:
Ovale Komposition,
1914, 108 ×79 cm

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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26 KOMPOSI T ION

Vom Format zum Bildraum


Das Format von Leinwand oder Papier ist die Ebene, auf der sich das Bildgeschehen abspielt. Der Bildraum ist wie ein Zimmer zu sehen, das
nach bestimmten Kriterien und für bestimme Zwecke eingerichtet wird. Das Können des Malers zeigt sich darin, dreidimensionale, räumliche
Bildeindrücke (Höhe / Länge / Tiefe) auf dem flachen, zweidimensional begrenzten Raum (Höhe/Länge) des Formats zu zeigen.

Unsere Art und Weise zu sehen ist von unserer aufrechten Position geprägt. Wir stehen auf dem Boden, der Grundlinie. Die Augen sind auf
der Ebene des Horizontes, der so genannten Augenhöhe oder Horizontlinie. Der Himmel ist oben, die Erde unten, so ergibt sich im Bildraum
ein Oben und Unten und entsprechend unserer Körperseiten mit Armen und Beinen ein Links und Rechts. Die roten Linien unten zeigen die
räumlichen Ebenen auf dem flachen, hier waagerechten Format. Auf diese Weise wird jeder gegenständliche und ungegenständliche
Bildraum gegliedert. Im Vergleich dazu hätte die sogenannte „Vogelperspektive“ eine andere Bezugsebene (den Luftraum) und würde den
Blick von oben nach unten zeigen.

darüber
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - oben

Horizontlinie

links Mitte rechts

Grundlinie

unten
darunter

 Die untere Linie, die Grundlinie, gibt Ruhe und Festigkeit. Je höher sie liegt, umso  Diese Linien zeigen Bereiche wie oben
stärker ist ihre Wirkung. Die darüberliegende Horizontlinie wirkt leichter, schwebender. und unten, hinten und vorne, rechts und
Die Wirkung wird verstärkt, je weiter sie von der unteren entfernt ist. links, Ferne und Nähe.

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Vom Format zum Bildraum | Linien lenken den Blick | Die Waagerechte im Bildraum 27

Linien lenken den Blick


Sowohl im gegenständlichen als auch im ungegenständlichen Bild
führen Linien den Blick des Betrachters. Die Augen verfolgen die
Linien des Bildes. Sie können den Einstieg in ein Bild fördern oder
behindern. Je nach Position der Linien im Bildraum als Waage-
rechte, Senkrechte oder Schräge können sie unterschiedliche
Wirkungen und (unbewusste) Gefühle erzeugen.

So gesehen ist die bewusste Linienführung für den Maler ein


wesentliches Mittel der Gestaltung, um den Betrachter genau  Waagerechte,
an die Stellen im Bild zu führen, die ihm wichtig sind und um senkrechte und
bogen­förmige
Bild­inhalte zu ordnen. Es geht um die Wirkung der Horizontalen, Linienführung
Vertikalen und Diagonalen, die oft als Kombination, auch in in einem
bogen- oder kreuz­artigen Gliederungen, aber selten alleine abstrakten Bild.
eingesetzt werden.

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Die Waagerechte im Bildraum
Die Waagerechte ist die Linie in der menschlichen Vorstellung,
die dem Boden, auf dem er steht und geht, oder seiner liegenden
Position entspricht. Sie gibt Halt, wirkt ruhig, passiv und schwer,
zeigt die Weite oft über die Bildränder hinaus. Ganz selbstver-
ständlich wird sie in Verbindung zur Landschaft gebracht, sei es
als Trennung zwischen Himmel und Erde, Land und Wasser oder
unterschiedlichen Vegetationsbereichen. Bei jeder Landschafts­
darstellung ist sie die einfachste Bildgliederung.

 Klassisches Landschaftsbild, waagerechte


Trennung zischen Wasser und Himmel.

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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28 KOMPOSI T ION

Die Waagerechte in unterschiedlichen Lagen


» ÜBUNG
Nehmen Sie Papier und Stift zur
Hand und zeichnen Sie in einem
immer gleichen Format Hori-
zontlinien in unterschiedlicher
Höhe ein. Lassen Sie die Linien
 exakte Mitte  optische Mitte
auf sich wirken und spüren Sie
nach, welche unterschiedlichen
Empfindungen sich je nach Lage
der Horizontlinie einstellen.

 unten trägt oben  oben auf unten

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 Haben Sie auch den Eindruck,  geringe Tiefe  große Tiefe


dass das obere Rechteck
breiter als das untere wirkt?
Die waagerechte und die Die symmetrische, exakte Bildteilung kann still und tief bis unbeweglich, starr und langweilig
senkrechte Unterteilung wirken. Die optische Mitte liegt nur ein Weniges über der exakten Mitte. Ein dort platziertes
 täuschen den Unterschied vor. Motiv wirkt optisch ausgewogener.

In der zweiten Reihe teilt die Waagerechte die Fläche in zwei ungleiche Zonen. Die größere
Fläche unten trägt die obere, leichtere. Es entsteht eine spannungsvolle Ruhe und große
Nähe. Rechts ruht oder lastet oben auf unten.

In der dritten Reihe wird sichtbar, wie die Tiefenwirkung bei einer Landschaft zunimmt, je tiefer
der Horizont liegt. Probieren Sie selbst, was passiert, wenn die oberen Flächen schraffiert sind
und die unteren nicht, denn gleichzeitig spielt der Hell-Dunkel-Kontrast eine zusätzliche Rolle.

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Die Waagerechte im Bildraum 29

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 Hier liegt der Horizont ganz weit oben, um den steilen Hügel erfahrbar
zu machen und den Blick von unten nach oben in die Ferne zu lenken.

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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30 KOMPOSI T ION

Die Senkrechte im ­Bildraum


Die Senkrechte ist die zweite Gliederung im
Bild­raum und entspricht dem Menschen in seiner
aufrechten, stehenden Position und der Natur in
ihrem Bestreben, nach oben zu wachsen. Man
unterscheidet einerseits zwischen der senkrechten
Ausrichtung des Motivs wie eine aufrecht stehende
Person, ein Baum oder Hauskanten, Säulen und
dergleichen und andererseits einer senkrechten
Bildstruktur. Beim senkrechten Motiv gelten die
gleichen Prinzipien wie beim Hochformat (siehe
Seite 22). Neben diesen „inneren“ Eigenschaften,
die sich aus der Richtung des Motivs ergeben,
spielen senkrechte Linien als Gliederung des
Bildraums eine wichtige Rolle. Senkrechte teilen
das Bild in nebeneinanderliegende Zonen, führen
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vom Bildrand in das Bildinnere und können
Spannung und sogar Konfrontation bewirken.
Die gelungene Komposition zeigt sich wieder im
Zusammenspiel zwischen den unterschiedlichen
Grundrichtungen senkrechter, waage­rechter und
diagonaler, gebogener und gerader Linien.

Vertikale Linien strukturieren


das Bild und führen den Blick
Richtung Schubkarre. 

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Die Senkrechte im Bildraum 31

Die Senkrechte in unterschiedlichen Lagen

Durch die strenge Betonung der Mitte


entstehen zwei gleichwertige Flächen.
Die waagerechte Grundtendenz des
Querformats mildert die Wirkung der
Senkrechten, was zu mehr Ausgewogen-
heit führt. Dagegen betont die Senkrechte
im senkrechten Format die Wirkung.

Spannungsvolle Gliederungen entstehen


durch unterschiedlich breite Flächen.
Dies erhöht die Lebendigkeit der Gestal-
tungen. Nur kleine Verschiebungen der
Senkrechten verändern den Ausdruck des
Bildes. Zusätzlich verändert die Farb- und
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Formgestaltung die Wirkung der Fläche.

» ÜBUNG
Auf dieser Seite sehen Sie in
vereinfachter Darstellung, wie die
Lage der Senkrechten den Bildraum
Durch die regel­
mäßige, rhythmische unterschiedlich beeinflusst.
Anordnung der Nehmen Sie wieder Stift und Papier
Senkrechten im Spiel zur Hand und vollziehen Sie das
mit den geschwun- Gezeigte nach. So bekommen Sie ein
genen, senkrechten
Linien entsteht eine
Gespür dafür, wie unterschiedliche
musikalisch anmuten- Positionen einer Linie den Bildraum
de ­Komposition.  verändern können.

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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32 KOMPOSI T ION

Die Diagonale im Bildraum


Die Diagonale führt den Blick schräg in das Bild und
verleiht ihm Tiefe. Bewegung und Aktion sind dabei
immer mit im Spiel. Entsprechend unserer Leserich-
tung von links nach rechts wird eine Diagonale, die von
links unten nach rechts oben verläuft, als aufsteigend
empfunden. Diese so genannte erste Grunddiagonale
wirkt positiv und wird auch als „harmonische Diago-
nale“ bezeichnet. Sie ist anregender und hält den Blick
länger im Bild. Die zweite Grunddiagonale ist die von
links oben nach rechts unten führende, absteigende,
so genannte „disharmonische Diagonale“. Sie wirkt
negativer, ruhiger und leitet den Blick schneller aus
dem Bild. Im Quadrat wirken Diagonalen am stärksten,
da waagerechte und senkrechte Bildbegrenzungen
gleich lang sind.
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 aufsteigende  absteigende
(„harmonische“, („disharmonische“,
„lyrische“) „dramatische“)
Diagonale Diagonale

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Die Diagonale im Bildraum 33

Die Wirkung unterschiedlich gelagerter Diagonalen

Die nach oben gerichtete Diagonale wird allgemein als positiv, Von links oben nach rechts Führt die Linie von rechts
die nach unten gerichtete Diagonale als negativ empfunden. Von unten zeigt die Bewegung in oben nach links unten, geht es
links unten nach rechts oben gerichtet drückt sie Leichtigkeit, die Nähe, zurück nach Hause, noch negativer nach unten, zur
Freude und Aufbruch, Zukunft, bewegte Geborgenheit aus. Sie zurück zum Ursprung. Hier und Konfrontation, zur Krise, zum
kann aber auch haltlos, schwebend werden. Jetzt, aber eher negativ. Unbewussten bis zum Tod.

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Von rechts unten nach links oben geht die Tendenz zurück zum Am besten probieren- Sie die
gedanklichen Anfang, hinauf in eine geistige Welt, zurück in Wirkung wieder mit Stift und
Vergangenes. Verdrängtes schiebt und drängt nach oben. Papier aus, um die feinen
Unterschiede selbst zu erleben.

 Angel und Ufer links als aufsteigende


und rechts als absteigende Diagonale.
Links führt die Diagonale in das Bild,
zur Person. Der Blick bleibt länger
im Bild und wird zudem durch die
senkrechte Figur im Bild gehalten
(siehe auch Seite 60).

Linien lenken den Blick | Waagerechte, Senkrechte, Diagonale im Bildraum


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34 KOMPOSI T ION

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Alles im richtigen Maß – die Proportion im Bildraum


Um etwas Besonderes zu schaffen und die Aufmerksamkeit des Betrachters zu erlangen, gilt es, im Bild Balance und Spannung zu halten. Im Bildraum
und in Bezug zu den Bildseiten werden dafür wichtige Elemente in einem bestimmten Verhältnis, in Proportion, Maß und Zahl mit­einander in Bezie-
hung gebracht. Ob dies nun aus einem inneren Gefühl der Harmonie aus dem Künstler selbst kommt oder gezielt berechnet und geplant werden kann,
erfahren Sie im Folgenden. Seit Jahrhunderten jedenfalls sind Künstler und Wissenschaftler fasziniert von der Suche nach Ordnung und Harmonie.
Die Rede ist vom „Goldenen Schnitt“ und anderen Proportionsregeln als wirkungsvolle, aber nicht starr anzuwendende Kompositionsmittel!

Der Goldene Schnitt | Goldener Schnitt in der Malerei | Die Drittel-Regel | Proportion nach Gewicht, Maß und Zahl
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Der Goldene Schnitt – ein faszinierendes Phänomen 35

Der Goldene Schnitt – ein faszinierendes Phänomen


In der alltäglichen Welt des Betrachtens und Bemessens verwendet man die Proportion, um Beziehungen von Teilen untereinander oder zu
einem großen Ganzen auszudrücken. Sie ist auf die Ähnlichkeit zweier Verhältnisse aufgebaut. Ausdrücke wie „60 Prozent“ oder „drei Viertel“
dienen dazu, etwas zu vergleichen und in Relation zu setzen.

Man spricht vom „Goldenen Schnitt“, wenn eine Strecke ganzer Teil (a)
asymmetrisch so in zwei Teile geteilt ist, dass sich der
ganze Teil (a) zum größeren Teil (Major, b) so verhält wie
der größere Teil (b) zum kleineren Teil (Minor, a–b). größerer Teil (b) kleinerer Teil (a–b)

In der Natur gibt es unendlich viele Beispiele, in denen sich Proportionen des Goldenen Schnitts zeigen. So sind die Blütenblätter der Rose
so angeordnet, dass der Winkel zweier aufeinander folgender Blätter den Vollkreis im Verhältnis des Goldenen Schnitts teilt. Das Längen-
wachstum einiger Pflanzen scheint sich an den Proportionen des Goldenen Schnitts zu orientieren, denn die Strecken zwischen den einzelnen
Wachstumsknoten stehen in diesem Verhältnis. Seesterne und Eiskristalle zeigen gleichfalls die stetige Teilung nach dem Goldenen Schnitt.
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Beim Menschen erfolgt näherungsweise eine horizontale Teilung der gesamten Körperlänge in die kleine Strecke vom Scheitel bis zum Nabel
und die größere Strecke vom Nabel bis zu den Füßen. Das Verhältnis zwischen Kopf – Hals und Hals – Bauchnabel, Bauchnabel – Knie und
Knie – Füße sowie auch andere benachbarte Gliedmaßen wie z. B. Ober- und Unterarm sowie Fingerknochen, ja sogar die Zähne sollen in
diesem Verhältnis stehen.

Menschliche Körper­l änge von


 Die Blattachsen des Efeus stehen  Die Körperteile eines Ponys im Kopf bis Bauchnabel und von
in etwa im Goldenen Schnitt. Maß des Goldenen Schnitts. Bauchnabel bis Fußsohle. 
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36 KOMPOSI T ION

Die Geschichte des Goldenen Schnitts

Als Maßsystem oder Harmoniegesetz wurde der Goldene Schnitt schon seit der Antike, vermutlich schon beim Bau der ägyptischen Pyramiden,
eingesetzt. Der griechische Bildhauer und Mathematiker Phidias (490 – 430 v. Chr.) hat die Proportionen des Goldenen Schnitts bei seinen
Skulpturen für den Parthenon-Tempel in Athen wohl intuitiv angewandt. Von den Skulpturen ist leider keine erhalten, aber auch im Grundriss
des Parthenon-Tempels lassen sich die Proportionen basierend auf modernsten Berechnungen nachweisen.

Euklid von Alexandria (325 – 265 v. Chr.) gilt als der Mathematiklehrer aller Zeiten. Er nennt die erste schriftliche Definition des Goldenen
Schnitts in seinem Buch „Die Elemente“. Mathematisch errechnet, ergibt sich ein Verhältnis von ungefähr 1,61803 …, das mit dem griechischen
Symbol Φ (fi) bezeichnet wird.

Im 13. Jahrhundert entdeckte Leonardo von Pisa, bekannt als Fibonacci (1170 – 1250) eine ungewöhnliche Zahlenreihe, bei der sich die jeweils
folgende Zahl durch Addition der zwei vorangegangenen Zahlen errechnet: 0, 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 … Sie steht mit dem Goldenen Schnitt
in Zusammenhang, denn der Wert, der sich durch Division der größeren durch die kleinere Zahl ergibt, nähert sich der Zahl Φ.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Parthenon-Tempel, Akropolis von Athen. Als der dreieckige Giebel noch intakt war,  Parthenon-Tempel mit den Linien
passten die Dimensionen in das Goldene Rechteck (siehe Seite 39). des Goldenen Schnitts.

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Der Goldene Schnitt – ein faszinierendes Phänomen 37

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts verfasste


der Geometriker und Freund der großen
Renaissancemaler Luca Pacioli (1445 – 1517)
das umfassende Kompendium „De
divina proportione“. Darin stellte er aus
mathematischer Sicht die Anwendung der
Göttlichen Proportion dar. Leonardo da Vinci
(1452 – 1519) illustrierte dieses Werk und war
vermutlich der erste, der diese Proportion
 Jacopo de Barbari:  Proportionen des Kopfes aus Luca „sectio aurea“ (lat. goldener Schnitt) nannte.
Porträt des Luca Pacioli, 1495 Paciolis „De divina proportione“
In der Zeit der Renaissance verwendeten viele
Künstler den Goldenen Schnitt, um Ausgewo-
genheit und Schönheit zu erreichen und die
Proportionen der Natur nachzuahmen. Kunst,
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - Mathematik, Philosophie und Theologie
waren eng miteinander verbunden, und so
wurde der Goldene Schnitt auch in theolo-
gische und philo­so­phische Zusammenhänge
gestellt. Die bekannte Darstellung Leonardo
da Vincis des „Menschen in Quadrat und
Kreis“ (siehe Seite 34) wird als das Streben
des endlichen Menschen nach der Erkenntnis
des unendlichen Gottes gedeutet. Von diesem
Werk stark beeinflusst wurde Albrecht Dürer
(1471 – 1528, deutscher Maler, Grafiker,
 Albrecht Dürer: Selbstbildnis, 1500. Mathematiker und Kunsttheoretiker der
Der Kopf mit den wallenden Haaren Hoch­renais­sance), der von Pacioli in die Kunst
bildet ein Dreieck, dessen Basis das der Perspektive eingeführt wurde. Dazu reiste
Gesamtbild im Goldenen Schnitt teilt.
Die Senkrechten, die das Gesicht
er eigens nach Italien!
begrenzen, teilen die Breite des Bildes
annähernd im Goldenen Schnitt.
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38 KOMPOSI T ION

Warum wir den Goldenen Schnitt als schön empfinden

Allgemein wird die asymmetrische Teilung nach dem Goldenen Schnitt als schön und harmonisch empfunden. Sie wirkt lebendig und beinahe
wie zufällig angeordnet. Warum aber wird dieses Teilungsprinzip immer wieder mit Schönheit und Vollkommenheit in Verbindung gebracht?
Vermutlich spielt das Prinzip der Gleichheit und Einheit eine Schlüsselrolle. Möglicherweise stellt sich dieses Gefühl vollkommener Harmonie
deshalb ein, weil die Proportionen gleich sind, nicht aber die Teile selbst. Die Verhältnisse der größeren Teile zu den kleineren und vom
größeren Teil zum ganzen Teil sind immer gleich, eben 1,618 … = Φ.

Symmetrie findet sich innerhalb des Goldenen Schnittes nicht mehr in einer förmlichen Umsetzung als Gleichheit der Teile, sondern in einer
Gleichheit der Proportionen. Diese Gleichheit in den Proportionen der einzelnen Elemente lässt uns die eigentliche Asymmetrie der Teile als
harmonisch empfinden. Dass das Prinzip Goldener Schnitt Teil der Natur und damit auch Teil des Menschen selbst ist, ist ein weiterer Grund
dafür, dass wir dieses Teilungsverhältis so interessant finden.

ganzer Teil (a)

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -


größerer Teil (b) kleinerer Teil (a–b)

Stellt man die drei Teile (ganzer Teil, größerer Teil und kleinerer Teil) nebeneinander, wird deutlich, dass sich im scheinbar asymmetrischen
Verhältnis des Goldenen Schnitts gleich zweimal die Symmetrie der gleichen Proportion wiederfindet: 1. als ganzer Teil / größerer Teil und
größerer Teil / kleinerer Teil) und 2. die Symmetrie der gleichen Teile als ganzer Teil zu größerem Teil + kleinerem Teil.

ganzer Teil (a) größerer Teil (b) kleinerer Teil (a–b)

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Der Goldene Schnitt – ein faszinierendes Phänomen 39

Wirklich easy: Die Konstruktion des Goldenen Schnitts

Der Goldene Schnitt ist ein Werkzeug – „the golden rule is a tool“! Für jeden, der sich mit
» ÜBUNG
Bildgestaltung – sei es grafisch, malerisch oder fotografisch – auseinandersetzt, sollte es Teil Die Konstruktion des
des handwerklichen Wissens sein, sich einmal mit der Konstruktion des Goldenen Schnitts Goldenen Rechtecks
zu befassen. Einerseits, um das Prinzip grundsätzlich zu verstehen und andererseits, um
innerhalb des Bildraums die Punkte des Goldenen Schnitts zu definieren, oder das Format 1. Ein beliebiges Quadrat
selbst im Goldenen Schnitt festzulegen. zeichnen
2. Die untere Seite halbieren
±H
Der Goldene Schnitt in Prozentwerten 3. Eine Diagonale in die rechte,
obere Ecke ziehen ± E
Bei einem Bildformat von 100 cm Breite (= 100%) entspräche der größere Teil (b) = 61,8 cm (%) 4. Die Strecke HE abmessen
und der kleinere (a–b) = 38,2 cm (%). und in derselben Länge in H
waagerecht ansetzen ± E'
Auf diese Weise können Sie bei jedem Bildformat einfach und schnell den Goldenen Schnitt 5. Eine Senkrechte von E'
ermitteln: Ist ein Gemäldes beispielsweise 70 cm breit, wäre die größere Strecke mit 61,8 % nach oben ziehen und von E
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
gleich 43,26 cm lang, die kleinere 26,74 cm. Es genügt, eine Strecke zu berechnen, die andere ausgehend eine Waagerechte
ergibt sich automatisch. nach rechts ziehen ± G
6. Fertig ist das Goldene
Rechteck!
100 % (a)
ganzer Teil (a)

61,8 % (b) 38,2 % (a–b)

 Goldener Schnitt in Prozentwerten größerer Teil (b) kleinerer Teil (a–b)


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40 KOMPOSI T ION

Der Goldene Schnitt in der Malerei


{ ZUSAMMENGEFASST
Praktisch angewendet ist
der Goldene Schnitt von A–Z:
ästhetisch, anmutig, ausbalan-
ciert, dynamisch, faszinierend,
ganzheitlich, harmonisch, ma-
gisch, mathematisch, natürlich,
praktisch anwendbar, schön,
strukturgebend, symmetrisch
und zugleich asymmetrisch …  Die vier Varianten der
Er ist kein geheimer Code, kein Goldenen Schnittpunkte im
Buch mit sieben Siegeln, kein Querformat sind ebenso
im Hochformat gültig.
alter Hut, kein goldenes Korsett,
kein Maß aller Dinge und kein
- orderid - exl39606676-3735809626
Allheilmittel, das ohne Sinn - transid
Die asymmetrische Teilung - exl39606676-3735809626
der beiden Seitenlängen eines Rechtecks im Goldenen Schnitt-
für Kreativität und Instinkt auf ergibt insgesamt vier Varianten. Die Linien treffen sich jeweils in einem „goldenen“ Punkt.
jede Komposition angewendet
werden soll. Genau an diese Punkte setzt man bei der Bildgestaltung die Elemente, die von Bedeutung
sind, auf die man den Blick lenken möchte. Bei Dürers Selbstbildnis auf Seite 36 können Sie
Er ist eine Strategie zur selbst erkennen, dass auch mehrere Linien des Goldenen Schnitts genutzt werden können:
Gliede­rung des Bildraums, eine Dürer platzierte das Gesicht genau zwischen die beiden senkrechten Linien. Interessante,
grundlegende Proportionsregel, ungegenständliche Bildkompositionen entstehen, wenn die Linien unterschiedliche geo­
ein Fokus für die Betrachtung, metrische Flächen formen.
ein Werkzeug der Komposition,
ein goldener Schlüssel der
Malerei.

Mit der Zeit werden Sie ihn


intuitiv anwenden – gleichwohl
kann es reizvoll sein, Regeln zu  Eine Schüssel, zweimal im Goldenen Schnitt, einmal mittig platziert –
brechen. leicht zu erkennen, was mehr Spannung ins Bild bringt.

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Der Goldene Schnitt in der Malerei 41

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 „Mensch im (T)Raum“:  1 Die Figur teilt den blauen Grund senkrecht


Das Prinzip des Goldenen Schnitts im Goldenen Schnitt,
wurde intuitiv genutzt. 2 der Abstand von oben bis zum Kopf und
3 der seitliche Abstand bis zum Koffer sind im
Goldenen Schnitt und sogar die blaue Rück-
wand des Raumes wird annähernd im
Goldenen Schnitt geteilt.
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42 KOMPOSI T ION

Goldener Schnitt und Quadrat

Ein quadratisches Format eignet sich besonders für eine ausgeglichene, harmonische
Darstellung. Da das Wirkungsprinzip des Goldenen Schnitts gleichfalls als harmonisch und
ausbalancierend empfunden wird, ergänzen und steigern sich beide Ausdrucksqualitäten.
Beim quadratischen Format führt der Goldene Schnitt zu einer Fülle sehr interessanter
grafischer Kompositionsmöglichkeiten.

 Wie beim Rechteck teilt sich die Strecke im


- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - Schnitt­
Verhältnis 61,8 % und 38,2 %. In den
stellen ergeben sich die vier „goldenen“ Punkte.

 25 verschiedene Kompo-
sitionen eines Quadrats
mit symmetrischer und
asymmetrischer Teilung in
den einzelnen Quadraten.

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Der Goldene Schnitt in der Malerei | Noch ein Kompositionsprinzip: Die Drittel-Regel 43

Noch ein Kompositionsprinzip: Die Drittel-Regel


Die Drittel-Regel hat ihren Ursprung in der Fotografie und basiert auf einer symmetrischen
Bildeinteilung im Verhältnis 2/3 und 1/3. Diese horizontale und vertikale Teilung ergibt das
von der Digitalkamera bekannte Hilfsraster, das optional im Display der Kamera eingeblendet
werden kann. Beim Fotografieren wird das Hauptmotiv schnell und unkompliziert am Raster
ausgerichtet und so positioniert, dass es auf einem der vier Schnittpunkte liegt. Wenn man
diese Regel als Orientierung und nicht als „enges Korsett“ nutzt, entstehen interessante
Fotokompositionen.

Für die malerische Komposition ist die Drittel-Regel als starke Vereinfachung des Goldenen
Schnitts eine grobe Orientierung, führt aber zu weniger Spannung und Dynamik.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Linien und Flächeneinteilungen der Drittel-Regel …  … im Vergleich zum Goldenen Schnitt.


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44 KOMPOSI T ION

Proportion nach Gewicht, Maß und Zahl


Eine weitere Komponente der Bildgestaltung ist das Gleichgewicht innerhalb des Bildraums.
Wir empfinden eine Komposition als gelungen, wenn die Bildelemente in ihrer Verteilung und
1 2
Anordnung, unabhängig vom Charakter der Formen, der Farbgebung und der Hell-Dunkel-
Abstufung, so fein ausbalanciert sind, dass eine optische Ausgewogenheit entsteht.

Unterschiedliche Zonen im Bildformat


3 4
Im Bildraum gibt es Bereiche wie „oben“, „unten“, „mittig“, „seitlich“ und die damit verbun-
denen Bedeutungen und Wirkungen (siehe Seite 26). Je nachdem, wo sich die Elemente im
Bildraum befinden, werden sie unterschiedlich empfunden. In den vier Bildzonen wirken die
gleichen Elemente verschieden leicht und schwer. Zusätzlich macht es einen Unterschied, ob  In Zone 1 wirkt dasselbe Element am leichtesten,
sie frei stehen oder an den Bildrand gebunden sind. in Zone 4 am schwersten.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Zone 1: Das Element schwebt  Zone 2: Das Element wirkt  Zone 3: Links unten am  Zone 4: Das Element liegt
nach oben, wird von der Bildkante weniger schwebend, drängt eher Rand wirkt das Element nah, vorne, ruht, wirkt schwer,
gehalten, könnte auch zu schwer wieder zurück in den Bildraum, dynamisch getragen. geringe Spannung.
werden und herunterfallen. wirkt präsent, aber ferner.

 Im Vergleich dazu in den vier Zonen die gespiegelten Varianten. Die Elemente wirken wieder anders.

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Proportion nach Gewicht, Maß und Zahl 45

Die Bausteine für ein optisches Gleichgewicht

Liegt auf der einen Seite des Bildraums eine große, eckige Form, fordert die andere Seite der
{ ZUSAMMENGEFASST
Bildfläche eine ausdrucksvolle Form, die ein Gegengewicht schafft. Sonst „kippt“ das Bild und Faktoren, die die Gewichtung
beim Betrachter stellt sich ein Unwohlsein ein. Besonders in der ungegenständlichen Malerei im Bildraum beeinflussen:
spielt die Ausgewogenheit der Bildelemente eine wichtige Rolle. • vier Zonen im Bildraum:
unten schwerer, oben leichter
• Verteilung im Bildraum und
Anbindung an die Bildseiten
• Große Formen sind schwerer
als kleine
• Gegensätze: groß – klein,
rund – eckig, symmetrisch –
asymmetrisch
• Eine zu- oder abnehmende
Form gibt Auftrieb oder zieht
nach unten (z. B. zeigt ein
- orderid
 Die - „kippt“,
Komposition links exl39606676-3735809626
durch  Die kleine Form ist-zutransid - exl39606676-3735809626 -
klein für ein Gleich­ Dreieck nach oben)
die allein stehende Form links herrscht gewicht, schafft aber Spannung. Sie tritt • Licht (hell / leicht) und Schatten
ein Ungleichgewicht. mit der großen Form in Beziehung, eine Art
Kommunikation entsteht.
(dunkel / schwer)
• Haptik / Struktur. Lasierte,
transparente Flächen wirken
leichter als pastos gemalte oder
gespachtelte Bildbereiche

Tipp: Trainieren Sie Ihre Intuition!


Wenn Sie beim Malen unsicher
sind, ob etwa die Größe einer
Form stimmig ist, schneiden Sie
verschieden große Formen aus
Papier, bemalen diese entspre-
 Eine dritte, mittelgroße Form ergänzt, ergibt  Die gleiche Form diagonal gegenüber- chend der Malweise im Bild und
fast ein Gleichgewicht, wirkt dynamisch und gestellt wirkt ausgleichend, aber wenig
spielerisch. Sie könnte etwas größer sein und spannend. Eine direkte Symmetrie wäre testen, was passend ist.
näher an die andere kleine Form heranrücken. noch starrer.
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46 KOMPOSI T ION

Eins, zwei oder viele?


ZUR SYMBOLISCHEN
WIRKUNG DER ZAHLEN Proportionen, Maß und Zahl hängen bei der Gestaltung des Bildraums eng zusammen. Die Anzahl
der Bildelemente, optisch und symbolisch, ist ein zusätzlicher Aspekt der Bildkomposition.
Die Eins
Einzigartig, bestimmend, raum­ Ob eine Form singulär gezeigt wird, Elemente paarweise oder als Gruppe auftreten, beein-
füllend, einsam, in der Mitte oder flusst die Bildwirkung und verändert den Ausdruck wesentlich.
am Rand stehend, dominiert die
Bildaussage, Ganzheit, Ursprung. Eine allgemeingültige Regel aufzustellen ist nicht möglich. Sinnvoll ist, sich der Wirkung
ein oder mehrerer Bildelemente bewusst zu sein und dies bei der Komposition zu beachten.
Die Zwei Häufig wirkt eine ungerade Anzahl besser als eine gerade.
Dualismus (hell / dunkel,
Tag / Nacht, oben / unten,
gut / böse, aktiv / passiv …),
Polarität, miteinander – gegen­
einander, Paar, Zwilling,
Zweisamkeit, Schöpfung, Beginn
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
einer Entwicklung, harmonisch –
spannungsvoll – Zwietracht .

Die Drei
Antrieb, Bewegung Dynamik,
dreidimensional, Dreiheit,
Dreieinigkeit (Vater / Sohn / Geist,
Vater / Mutter / Kind), Prinzip der
Vermittlung (These – Antithese –
Synthese), Vergangenheit –
Gegenwart – Zukunft.

Die Vier
Festigung, Orientierung, Quadrat,
das Irdische, vier Himmelsrich-
 Die Werkskizze zeigt: Statt vier Gefäße (wovon zwei ähnlich sind) wären nur drei optisch besser.
tungen, Jahreszeiten, Elemente, Es wurde versucht, durch die drei rundlichen Formen auf dem Boden einen Ausgleich zu den vier
geordnet, strukturiert, vollständig. Gefäßen zu finden. Gleichzeitig führen diese als gedachte Linie in den Bildraum.

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Proportion nach Gewicht, Maß und Zahl 47

 Gute und weniger gute


Apfel­entwürfe!
Entwerfen Sie weitere
Kompositionsvarianten.
Sie werden feststellen,
dass drei oder fünf Äpfel
interessanter wirken als vier
oder zwei. Gleichwohl hängt
es immer davon ab, was Sie
als Schöpfer oder Schöpferin
des Bildes zeigen möchten.
Geht es um die Schönheit
eines einzelnen Apfels, um
die Gegenüberstellung zweier
Apfelsorten oder um die Fülle
einer Apfelernte?
Zahlreiche Anregungen
für Obststillleben finden
Sie übrigens im Werk des
 gut … französischen Malers Paul
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - Cézanne!

… weniger gut
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48 KOMPOSI T ION

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Bildideen finden und skizzieren


Wie entstehen Bildideen? Oft ist der Zufall im Spiel, sind es Impulse, Ansichten von etwas, das uns im täglichen Leben begegnet. Wir wollen
die Schönheit eines Gegenstandes, eines Ortes festhalten, realistisch malen oder abstrahieren. Auch kann der Gegenstand selbst nicht mehr von
Bedeutung, sondern eine Art „Vorwand“, ein „Modell“ für die abstrakte Komposition sein. Wie findet man solche Ideen, solche „Modelle“ und wie
kann man sie vom Kopf auf die Leinwand oder das Papier bringen? Sie erfahren in diesem Kapitel, wie Sie Bildideen finden, skizzieren, prüfen und
dazu viele praktische Tipps!

Motive erkennen | Von der Idee zur Skizze | Motiv in der Landschaft | Zeichentricks Alter Meister | Skizzen anlegen |
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Motive erkennen – Bildideen finden 49

Motive erkennen – Bildideen finden


Was könnte ich malen? Diese Frage stellt man sich oft. Was zum Malen inspiriert, ist ganz
> MEIN TIPP
individuell. Das können eine Landschaft oder einfach Dinge sein, die gefallen und die man Das kleine Skizzenbuch passt in
„konservieren“ möchte. Oder auch etwas Banales, das uns auf irgendeine Weise anspricht, ins jede Tasche und sammelt Ihre
Auge springt, sofern wir im Gewöhnlichen das Ungewöhnliche zu sehen vermögen. Lösen Sie Ideen. Sie können unterwegs
sich beim Sehen einmal davon, die Dinge räumlich als Gegenstände zu sehen. Schließen Sie schnell und leicht skizzieren,
stattdessen ein Auge und nehmen Sie zweidimensional nur die Linien wahr. Jetzt eröffnet sich notieren, was Sie speziell
eine neue, abstrakte Sehweise. Mit dem Mobiltelefon können Sie solche Objekte fotografieren interessiert, Farb- und Tonwerte
und einen Ideenspeicher anlegen. Die Welt auf diese Weise zu betrachten, ist spannend und angeben oder Bilder einkleben.
erweitert Ihre Kreativität. Legen Sie einen „Pool“ Ihrer
Ideen an, den Sie zu Hause für
In der Foto-Collage auf der linken Seite sehen Sie nicht nur eine blaue Plane mit zwei Ösen, Ihre Bilder nutzen. So nehmen
sondern eine Silhouette mit einer großen Nase, ein Gesicht mit zwei Augen, helle und dunkle, Sie interessante Dinge wahr
runde und eckige Flächen, Linien und noch vieles mehr! Bewusst wahrnehmen ist der Anfang und sehen Ihre Umwelt mit
einer Bildidee. Das malerische Achtsamkeitstraining beginnt mit Sehen, Erkennen und Erfassen! „kreativen“ Augen. Und ganz
nebenbei verbessern Sie auch
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - Ihre Zeichentechnik!

 Inspirationsquelle für das Acrylbild „Mann in Blau“ rechts war eine verrostete Landmaschine, zu sehen im Foto
links. Das Fragment einer Farbkopie wurde auf der Leinwand eingearbeitet und völlig frei weitergestaltet.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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50 KOMPOSI T ION

Der Blick für das Motiv


Zahlreiche Bildideen für eine Komposition lassen sich mit etwas Übung im Sehen aus der „ Ich möchte viel lieber
Natur und der alltäglichen Umgebung beziehen. Diese Motive eignen sich insbesondere im Einklang mit der Natur sein
für so genannte offene Kompositionen, bei denen das Sujet im Ausschnitt wiedergegeben
wird und sich über den Bildrand hinaus fortsetzt. Das Motiv wird „herangezoomt“, im Detail
als sie nachahmen. “
betrachtet. Bei einer geschlossenen Komposition bleibt das Motiv dagegen komplett im Georges Braque (1882 – 1963)
Bildraum und hat eher erzählerischen Charakter. Die unten abgebildeten Fotobeispiele sind
Anregung für die malerische Umsetzung einer Bildidee in Form einer offenen Komposition.
Durch das Fotografieren schaffen Sie den Schritt von der dreidimensionalen zur zwei­
dimensionalen Darstellung leichter, als wenn Sie die Skizze selbst anfertigen würden.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Tempelreste in venezianischer Festung  Keramik im Tarotgarten / Toskana  Landwirtschaftliches Gerät

 Wasserspiegelung  Tür in Griechenland  Motiv „Steinmauer“

Motive erkennen | Von der Idee zur Skizze | Motiv in der Landschaft | Zeichentricks Alter Meister | Skizzen anlegen |
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Der Blick für das Motiv 51

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Abstrakte Wasserspiegelung in Acryl

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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52 KOMPOSI T ION

Von Motiv und Bildidee zur Kompositionsskizze


> MEIN TIPP Motive, die zu einem Bild führen, gibt es wie Sand am Meer, nur haben Sie sie vielleicht
bisher nicht als „Motiv“ erkannt. Fündig werden Sie in grafisch hochwertigen Magazinen,
Zur Suche können Sie die Passe­ beispielsweise aus den Bereichen Reisen, Mode, „Home“ oder Architektur, die sich
partout-Winkel von Seite 11 ideal für diese Technik eignen. Ein professioneller Fotograf hat beim Fotografieren
verwenden oder Sie schneiden schon einen Teil der kompositorischen Arbeit geleistet: den Schritt von der drei- zur
in einen Bogen Papier einfach zweidimensionalen Darstellung.
ein „Fenster“ im gewünschten
Format und suchen damit einen Schritt 1: Vom Motiv zur Bildidee
Ausschnitt.
Nutzen Sie die Grundkomposition eines grafisch exzellenten Fotos als Basis. Wählen
Sie mittels eines selbst angefertigten Passepartouts einen Bereich. Finden Sie durch
das Verschieben der beiden Winkel interessante Stellen, die als Bildidee dienen
können. Wichtig ist, dass Sie das Foto anspricht und dass es variantenreich in Bezug
auf unterschiedliche Muster, Formen, Linien, Symbole oder Gegenstände ist. Es
entsteht etwas völlig Neues! Lassen Sie sich inspirieren, nie mehr werden Sie sagen:
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
„Ich weiß nicht, was ich malen soll!“

 Schritt 1:  Ausschnitt
mittels Passepartouts
finden

Motive erkennen | Von der Idee zur Skizze | Motiv in der Landschaft | Zeichentricks Alter Meister | Skizzen anlegen |
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Von Motiv und Bildidee zur Kompositionsskizze 53

Schritt 2: Bildidee in einer ersten Skizze fixieren

Nachdem Sie den Ausschnitt festgelegt


haben, legen Sie das Transparentpapier
> MEIN TIPP
auf, umfahren den äußeren Rahmen des Nie mehr ohne: Eine Rolle
Ausschnitts und kopieren das Motiv so Transparentpapier, auch als
genau wie möglich. Nehmen Sie dabei Architektenrolle bekannt, eignet
alle Linien und Details auf und bleiben sich ideal zum Durchpausen. Erste
Sie beim Abzeichnen im Fluss. Setzen Ideen und Entwürfe können mit
Sie so wenig wie möglich ab, auf diese dem lichtdurchlässigen, dünnen
Weise entstehen später geschlossene Papier schnell und präzise
Flächen. Legen Sie die Kopie aus probiert und umgesetzt werden.
Transparentpapier auf ein weißes
Papier, um einen ersten Eindruck der  Schritt 2:  Ausschnitt festlegen
Skizze zu bekommen. und erste Kopie anfertigen

- orderid
Schritt - exl39606676-3735809626
3: Unterschiedliche - transid
Kompositionsskizzen finden - exl39606676-3735809626 -
Nach dieser Methode fertigen Sie nun mindestens fünf
weitere Kopien an, bei denen Sie jeweils andere Linien
aufnehmen und weglassen, neue Wege im Motivausschnitt
und somit unterschiedliche Kompositionsskizzen finden.
Anfangs bleibt man gerne bei ähnlichen Linien hängen.
Suchen Sie deshalb bewusst andere Linien und andere
Anfänge. Beginnen Sie beispielweise einmal, von unten
„einzusteigen“, einmal von rechts, dann von links und lassen
Sie sich von den Linien im Bild führen. Sammeln Sie mit dem
Stift all die Details ein, die Sie ansprechen. Zuletzt müssen
Sie nur noch eine Skizze auswählen.

Wie Sie eine solche Kompositionsskizze genauer prüfen


 Schritt 3:  Aus vielen
Skizzen kristallisiert sich können und malerisch in ein Bild umsetzen, erfahren Sie
die Bildidee heraus. ab Seite 58.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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54 KOMPOSI T ION

Motive in der Landschaft


! AUS DER PRAXIS Draußen an der frischen Luft, in der Natur, „en plein air“ zu malen, ist ein besonderes
Erlebnis, denn man nimmt die Umgebung unmittelbar auf. Mit allen Sinnen erlebt man
Tipp: die Bildsituation, die man darstellen möchte. Während man vielleicht nicht gerade
Überlegen Sie beim Blick auf bequem auf einem Mäuerchen sitzt, hört, riecht, sieht und fühlt man. Und genau das
das Motiv, was Sie daran reizt. macht die Lebendigkeit solcher Bilder aus.
Was ist Hauptmotiv (HM) und
was Nebenmotiv (NM)? Sind es Natürlich ist es zu Beginn nicht einfach, festzulegen, was überhaupt ein Motiv sein
beim Ägäisblick vielleicht der könnte. Welchen Ausschnitt wähle ich, wo hört mein Bild auf, was kommt alles aufs
Baum (HM) und die liegende Papier und wie? Mit einigen praxisnahen Tipps wird Ihnen zukünftig weit mehr
Säule (NM) oder die Tür (HM) gelingen als nur dreidimensionale Eindrücke zweidimensional festzuhalten!
rechts mit dem Säulenstumpf
(NM), oder der Baum (HM)und
das offene Gatter (NM), oder
vielleicht etwas ganz anderes?
Nach dem Motto „weniger ist
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
mehr“ lassen Sie alles Unwich-
tige weg.

Ihren Motivsucher können Sie


noch verfeinern, indem Sie mit
Gummifäden das Fenster gemäß
der Drittelregel in neun gleiche
Bereiche teilen. Dies hilft, die
Bildgegenstände in etwa dem  Blick durch den Motivsucher  Ägäisblick
Prinzip des Goldenen Schnitts
entsprechend im Bild anzuord- Der Motivsucher: Ein einfaches Hilfsmittel
nen und Größenverhältnisse im
Bildraum einzuschätzen. Schneiden Sie mit einem Messer aus einem Karton einen Rahmen, eine Art Such-
Fenster. Schauen Sie Ihr Motiv nun durch das Fenster an, bewegen Sie den Rahmen
seitlich hin und her, bis Sie den Ausschnitt finden, der Ihnen gefällt. Je näher Sie das
Fenster zu den Augen führen, umso mehr Weite wird Ihr Bild zeigen, je weiter Sie den
Rahmen von den Augen entfernen, umso stärker wird das Motiv fokussiert.

Motive erkennen | Von der Idee zur Skizze | Motiv in der Landschaft | Zeichentricks Alter Meister | Skizzen anlegen |
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Motive in der Landschaft 55

Digitale Geräte als Motivsucher

Moderne Varianten des Motivsuchers sind Digitalkamera, Smartphone und


Tablet. Mit diesen können Sie den Ausschnitt Ihres Motivs durch Ein- und
Auszoomen festlegen und abspeichern. So können Sie jederzeit auf das Motiv
zurückgreifen. Achten Sie darauf, dass das Bild waagerecht ausgerichtet ist.
Gitternetzlinien können wieder Anhaltspunkte für die Festlegung der Bild-
schwerpunkte sein. Die ideale Variante des Motivsuchers mit einem großen
Display und im positiven Sinne ein Leichtgewicht ist ein Tablet-PC.

Motivsucher mit Fluchtlinien  Idealer Begleiter bei der Motivsuche

Mit dieser transparenten Kunststoff-Schablone (im Fachhandel erhältlich)


können Motive gesucht und mit der Rastereinteilung maßstabsgetreu auf die
Malfläche übertragen werden.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -


Gleichzeitig können Sie, selbst
wenn Sie sich noch nie mit
Perspektive beschäftigt haben, die
Prinzipien einfach nachvollziehen.
Richten Sie die schrägen Linien
des Suchers an den Linien / Kanten
der Objekte (Gebäude, Straßen …)
aus. Die rote, waagerechte Linie
entspricht der Horizontlinie, auch
Augenhöhe genannt. Alle Schrägen
 Fluchtpunkt-Motivsucher als laufen im Fluchtpunkt zusammen.
Sehhilfe für die Perspektive
Zu Beginn ist es nicht immer leicht,
zu sehen, ob eine Linie ansteigt
oder fällt. Mit diesem Motivsucher
Da der Weg ansteigt und der Betrachter unterhalb gelingt es gut, die Neigung der
steht, liegt die Kapelle über der Augenhöhe.  Linien zu erkennen!

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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56 KOMPOSI T ION

Exkurs: Die Zeichentricks der Alten Meister


! TRICKS UND TIPPS
DER ALTEN MEISTER

Schon Maler der Renaissance


wie Leonardo da Vinci, Alberti
oder Albrecht Dürer nutzten
Techniken wie die Raster­
methode oder das Abpausen
durch eine Glasscheibe. Sie
zeichneten das gesehene Bild
von einem festen Blickwinkel
aus durch einen Rahmen, der
mit Fäden bespannt war und
ein Raster bildete oder zeich-
 Albrecht Dürer:
neten den Blick direkt auf eine Der Zeichner der
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626
Glasscheibe. So übertrugen sie Laute,-1525
das Motiv auf die Leinwand.
In diesem Holzschnitt zeigt Albrecht Dürer seine Methode zum perspektivischen Ab-
Albrecht Dürer veröffentlichte zeichnen. Dabei wird das Bildmotiv mit Hilfe einer Schnur Punkt für Punkt übertragen.
1525 das Buch „Underweysung Die Schnur wird durch eine Öse an der Wand gezogen. An deren Ende ist ein kleines
der messung“, in dem sich die Gewicht befestigt, sodass die Schnur gespannt, aber gleichzeitig beweglich bleibt.
Abbildung „Vermessung der Der Befestigungspunkt an der Wand entspricht dem Standpunkt des Betrachters.
Laute“ findet und die wohl Am anderen Ende der Schnur ist ein (Zeige)Stab befestigt. Die Bildebene wird durch
komplizierteste Methode der den Rahmen dargestellt. An diesem ist eine „Tür“ befestigt, die auf- und zugeklappt
Bildübertragung eines realen werden kann und auf welcher der Zeichengrund befestigt ist. Zusätzlich benötigt man
Objektes zu sehen ist. zwei Schnüre in Länge und Breite des Rahmens. Nun wird mit dem Zeigestab ein
Punkt am Objekt berührt, die Schnur ist gespannt und verläuft durch den Rahmen.
Dieser Punkt innerhalb des Rahmens wird mit Hilfe der beiden Schnüre horizontal und
vertikal „fixiert“. Die lange Schnur mit dem Gewicht wird gelockert, sodass sich die
Tür mit dem Zeichengrund schließen lässt. Wo sich die beiden Schnüre kreuzen, wird
nun der Schnittpunkt auf den Zeichengrund übertragen. Auf diese Weise lassen sich
beliebig viele Punkte übertragen.

Motive erkennen | Von der Idee zur Skizze | Motiv in der Landschaft | Zeichentricks Alter Meister | Skizzen anlegen |
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Exkurs: Die Zeichentricks der Alten Meister | Eine kleine Kompositionsskizze anlegen 57

Eine kleine Kompositionsskizze anlegen

 Das Motiv aus verschie- … und in mehreren


denen Blickwinkeln kleinen Skizzen
fotografiert … 
festgehalten.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -


Deutlich einfacher als Dürers Methode sind kleine Kompositionsskizzen in drei bis vier
Varianten. Wozu Mühe, Zeit und Papier für Größe verschwenden, wenn es auch klein geht!
Die Größe von 3 × 4 cm reicht völlig, damit Sie einen ersten Eindruck bekommen und Fehler
korrigieren können.

Schauen Sie sich das Motiv vorher aus verschiedenen Blickwinkeln genau an und beantworten
Sie die Frage: „Was will ich zeigen?“ Geht es um die Kapelle selbst, die Kapelle unter dem
Baum oder möchten Sie auch den Weg zur Kapelle zeigen? Skizzieren Sie das Motiv sowohl im
Quer- als auch im Hochformat.

Es braucht nur wenige Minuten, um einige kleine Skizzen dieser Art zu fertigen. Sie werden
schnell sehen, ob sich das Objekt als Motiv eignet, ob Sie ein Detail im Bild später weglassen
möchten oder ein anderes, wie etwa die blaue Tür, in einem weiteren Bild „groß“ zeigen möchten.
 Der reale Fußweg führt als „Weg in das Bild“
diagonal zur Kapelle, die in etwa im Goldenen
Legen Sie zum Schluss eine Hell-Dunkel-Skizze an, indem Sie die Flächen als helle, mittlere Schnitt liegt, wenn der Rand rechts und oben
und dunkle Bereiche schraffieren. Achten Sie darauf, ein variantenreiches Spiel zwischen etwas beschnitten wird. Damit werden die
Hell und Dunkel zu schaffen. Baumkronen an den Bildrand gebunden.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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58 KOMPOSI T ION

Wie Sie Ihre Skizze prüfen können


{ PRÜFUNGSKRITERIEN
IM ÜBERBLICK
Sowohl in der gegenständlichen als auch in der abstrakten Malerei können Sie
die im Folgenden beschriebenen Prüfkriterien anwenden oder Ihre Skizze von
vorneherein entsprechend anlegen und optimieren. Einige Kriterien haben Sie bereits
• Was ist Haupt-, was ist kennengelernt: die Qualität von Linien, die Frage des richtigen Formats, das Verhältnis
Nebenmotiv? der Proportionen, Gewichtungen oder Richtungen im Bild. Gestaltungsprinzipien wie
• Wie entsteht Raumtiefe, wie Rangfolge, Proportionen, Raumtiefe oder Kontraste kommen hinzu.
verläuft der Vorder-,
der Hintergrund? Haupt- und Nebenmotiv festlegen
• Gibt es Überschneidungen
Überlegen Sie nach dem Motto „weniger ist mehr“, was Sie in Ihrem Bild zeigen
von Linien oder Objekten?
möchten! Meist neigt man dazu, ein „Panorama-Bild“ mit allen Details abbilden zu
• Wie erfolgt die Blickführung, wollen. Stellen Sie aber genau das zur Schau, was Sie an dem Motiv wirklich anspricht,
der Einstieg in das Bild? wird das Bild automatisch auch für den Betrachter interessanter. Ist es der Blick
• Wird der Blick im Bild durch das Tor mit dem Gatter, der Baum vor der Wand und dem blauen Himmel oder
gehalten? vielleicht nur das Schattenspiel der Äste auf der Wand? Räumen Sie Ihr Motiv auf und
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
• Gibt es ein Kompositions­ lassen Sie Unwichtiges weg. Gestalten Sie aus dem „Panorama-Bild“ mehrere einzelne
schema, gibt es Bildachsen? Bildvarianten.
• Wie entstehen Interesse /
Spannung /Harmonie /
Rhythmus /Variation?
• Stimmen die Proportionen,
die Gewichtungen?
• Ist das Wesentliche gezeigt,
was ist überflüssig?

 Fotomotiv und Bild: Das Hauptmotiv ist hier das Gatter mit dem Durchblick, das Nebenmotiv der Schatten des
Baumes. Der Reiz des Bildes liegt im Schatten des Baumes, nicht der Baum selbst erzeugt die Spannung.

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Wie Sie Ihre Skizze prüfen können 59

Räumliche Tiefe schaffen

Vordergrund (unterer Bereich), Mittelgrund (mittlerer Bereich) und Hintergrund (oberer


Bereich der Bildfläche) gliedern den eigentlich flachen, zweidimensionalen Bildgrund (siehe
auch Seiten 26 – 28). Verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten helfen, die Bildfläche wie eine
Bühne mit Tiefenwirkung wahrzunehmen. Dadurch wirkt das Bild interessanter, realistischer
und der Blick des Betrachters wird in die Tiefe des Bildes hineingeführt. Idealerweise gibt
es zwischen Optik und Inhalt der Ebenen einen Bezug, sodass der Vordergrund das Interesse
weckt, auf das Thema im Mittelgrund hinführt und im Hintergrund ausläuft.

Proportionsbezug

Ein Objekt im Vordergrund (Boden, Baum, Zaun, Boot …), dessen Größe allgemein bekannt ist,
gibt dem Betrachter ein Maß, mit dem er instinktiv den Mittel- und Hintergrund betrachtet. Es
entspricht der logischen Sichtweise, dass größere Objekte als näher wahrgenommen werden
und kleinere Objekte als weiter entfernt.

- orderidvon
Überlagerung - exl39606676-3735809626
Ebenen - transid - exl39606676-3735809626 -
In Landschaftsbildern und Stillleben lässt sich Tiefe durch die Überlagerung von Ebenen
beziehungsweise sich schneidende Linien erzeugen. Vergleichen Sie dazu das Foto auf Seite 58:
Baum vor Mauer, geöffnetes Tor, Felder, Meer.

Kontraste und Details

Objekte, die im Vordergrund stehen, sind klarer, exakter, intensiver, meist dunkler und zeigen
mehr Details. Im Hintergrund sind diese nicht mehr sichtbar. In der Ferne zeigt sich der Dunst
und die gleichen Objekte wirken heller, schwächer, diffuser.

Kalte und warme Farben

Warme Farben stehen im Vordergrund, weil sie die Formen heranholen. Kalte Farben dagegen
 Das kühle Rot des Gatters wirkt entfernter als das
weisen ab und führen den Blick in die Ferne. in einem warmen Rotton gehaltene Gatter im Bild
oben, das Nähe suggeriert.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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60 KOMPOSI T ION

Den Blick führen


Damit der Betrachter ein Bild, abgesehen von seinem fesselnden Inhalt, interessant findet und von ihm angezogen wird, muss er bildsprach-
lich auf die richtige Fährte gelockt werden. Da das menschliche Auge nicht gleichzeitig das ganze Bild scharf sehen kann, konzentriert es sich
auf einzelne Bereiche. Der Blick tastet das Bild ab, springt zwischen den interessanten Objekten hin und her.

Eine moderne Technik, das so genannte Eye-Tracking, kann die spontanen, nicht voll bewussten Augenbewegungen messen und aufzeigen.
In einem interessanten Versuch hat man mit dieser Methode die Augenbewegungen von Betrachtern von da Vincis Darstellung des
Abendmahls aufgezeichnet. Es wird sichtbar, dass der Goldene Schnitt ein wichtiges und praktisch einsetzbares asymmetrisches Schema
zur Gliederung der Bildfläche ist. Zudem treffen sich die Fluchtlinien der Zentralperspektive (Oberkanten der Fenster) exakt über dem Kopf
von Jesus. Genau hierhin wollte Leonardo da Vinci die Aufmerksamkeit des Betrachters lenken. Deshalb sollte in jedem Bild der Blick des
Betrachters so geführt werden, dass er automatisch zum Punkt des Interesses geleitet wird und lange im Bild verweilt.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Eye-Tracking und Leonardo da Vincis


Abendmahl: Die roten Bereiche zeigen bei
den Gesichtern von Jesus in der Mitte und
den Aposteln hohe Sehfrequenzen und damit
wichtige Bereiche der Aufmerksamkeit.

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Den Blick führen | Lineare und geometrische Kompositionsschemata 61

Lineare und geometrische Kompositionsschemata


Eine weitere Möglichkeit der Gliederung gelingt über die horizontalen, vertikalen oder diagonalen Achsen. Die Orientierung an der Mittel-
achse unterstützt Ausgewogenheit und Harmonie, sie kann aber auch eintönig wirken. Deshalb ist es sinnvoll, das Element nicht exakt auf
der mathematischen Mitte zu platzieren, sondern minimal versetzt daneben, auf der optischen Mitte. Beeindruckend, wie sich die Komposi­
tionsschemata der beiden hier abgebildeten Beispiele ähneln. Allerdings liegen zwischen Picasso und dem Buchmaler ca. 1000 Jahre!

 Die Figur des Mädchens


ist als senkrechtes
Rechteck an der
optischen Mitte (OM)
ausgerichtet. Die Linie
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - verläuft direkt von der
Briefmarke mit Motiv Fußspitze durch die
„Kind mit Taube“ von Mitte der Hände zu
Pablo Picasso, 1901  Taube und Mund.

„Der Engel mit dem


Mühlstein“ aus der Bam-  Der Engel ist zentral an
berger Apokalypse, einer der Mittelachse ausge-
Prachthandschrift nach richtet. Der Horizont
dem Text der Offenbarung verläuft hier waagerecht,
des Johannes, Insel wodurch das Kreuz­
Reichenau, um 1020  schema betont wird.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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62 KOMPOSI T ION

Lineare Diagonal-Gliederung

Die Diagonale (siehe Seite 32 ff.) ist die häufigste lineare Gliederung und ein sicherer, schneller Weg zum Ziel im Bild. Eine aufsteigende
Diagonale, von links vorne nach rechts hinten, hält den Blick länger im Bild als eine von links hinten nach rechts vorne absteigende.
Diagonalen sollten nie bis ganz in die Ecken führen, da sonst der Blick sofort aus dem Bild tritt. Auch gedachte, nicht ganz durchgezogene
Linien oder Punkte in einer Reihe erfüllen die Funktion der Blickführung. Ein blockierendes Element (Form / dunklerer Tonwert) hält den
Blick entlang der Diagonalen im Bild .

Bei der Zentralperspektive führen die Fluchtlinien den Blick durch das Bild zum Ziel, das meist am Horizont liegt. Gleiche Formen, die, in der
Größe abgestuft, nach hinten kleiner werden, weisen ebenfalls einen Weg in das Bild.

Die „Weg“-Führung, bei der ein realistischer Weg (siehe Seite 57), ein Bach oder Zaun in das Bild weist, und den „Tunnel“-Blick, der den Blick
durch ein Tor oder enge Hauswände fokussiert, machen sich auch Fotografen zunutze. Das Hauptmotiv liegt dabei im Hintergrund am Ende
des Weges oder hinter dem Tor, das als dekoratives Element im Vordergrund steht. Als „Weg­weiser“ in den Bildraum dienen auch Personen
(siehe Seite  21) und Gesten, Schrift, die von links nach rechts gelesen wird, oder Richtungssymbole wie Pfeile, Spitzen und Dreiecke.

Der Einstieg zum Bild sollte in der Nähe des Betrachters liegen, also vorne oder seitlich an den
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Bildrändern oder sollte direkten Kontakt zum Rand haben. Den Weg in das Bild versperren
dunkle, schwere, waagerechte Formen im Vordergrund.

 Diagonalen in Form gestrichelter Linien und von  Die Fluchtlinien weisen in die Tiefe, der Blick geht  Die Hauswände rechts und links fokussieren den
Bäumen führen den Blick zum liegenden Boot. zur (blauen) Kuppel. Blick, ein Treppenweg führt zum dunklen Fels.

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Lineare und geometrische Kompositionsschemata 63

Geometrische Gliederung

Neben den linearen Gliederungsmöglichkeiten gibt es auch solche, die auf einfachen
geo­metrischen Formen wie Dreieck, Kreis oder seltener auf einer L-Form basieren. Sie
entsprechen annähernd der Flächenform und werden durch die Abfolge von Hell-Dunkel-
Unterschieden, verschiedenen Elementen oder begrenzenden Linien gebildet. Diese Schemata
sind hilfreich, um Bildelemente in einer Darstellung auszurichten, zu ordnen und die inhalt­
liche Aussage (Sicherheit, Ruhe, Ebenmäßigkeit, Über-, Unterordnung) zu betonen. Oder, wie
bei der L-Form, den Blick auf das Bild und auf das meist nicht sonderlich spektakuläre Motiv
zu führen. Klassische Werke, etwa aus der Renaissance zeigen die klare, strenge Sprache
einer geometrischen Gliederung insbesondere bei der Darstellung religiöser Inhalte und
bedeutender Personen (siehe Seite 37).

Nutzen Sie als Anregung ein lockeres Kompositionsschema, das sich nicht streng, sondern nur
andeutungsweise an Erfahrungen vergangener Epochen orientiert.

 Dreieckskompositionen vermitteln Ruhe, Halt,


- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Festigkeit, Sicherheit und Konzentration.

 Franz Marc:  Paul Klee:  Paul Cezanne:


Rehe im Wald (II), 1913 / 14 Ad Parnassum, 1932 Mont Sainte-Victoire und Chateau Noir, 1905

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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64 KOMPOSI T ION

Das Grundschema erkennen

» ÜBUNG Die Werkskizze des Stilllebens mit


Früchten, Figur und Flasche von
Um das Grundschema einer Alexej von Jawlensky zeigt sowohl eine
Komposition besser zu erken- Orientierung an den Mittelachsen (rot)
nen und bei eigenen Bildern als auch am Goldenen Schnitt (grün).
selbst umzusetzen, ist es sehr Die rhythmische Reihung der Früchte
hilfreich, klassische Werke und Gefäße ist das Thema der folgenden
zu „untersuchen“ und mittels Seite.
Transparentpapier die Hauptli-
nien und Achsen einzuzeichnen.
Mit dieser „Schule des Sehens“
lernen Sie, die Grundstrukturen
zu durchschauen und in der
eigenen Skizze anzuwenden.
Ihre eigenen Kompositions-
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
skizzen können Sie mit dieser
Methode prüfen und eventuell
korrigieren.

{ ZUSAMMENGEFASST
Kompositionsschemata sind:

• Goldener Schnitt
• Diagonale Gliederung
• Orientierung an der
­Mittelachse  Alexej von Jawlensky:
Stillleben mit
• Grafische Gliederung mit Früchten, Figur und
Dreieck, Kreis oder L-Form Flasche, 1907

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Lineare und geometrische Kompositionsschemata | Wie kommen Spannung und Ordnung ins Bild? 65

Wie kommen Spannung und Ordnung ins Bild?


Dem formalen Bildaufbau liegen relativ einfache Ordnungsprinzipien zu Grunde. Dabei
geht es um die Beziehung der Bildelemente untereinander. Im Folgenden erhalten Sie einen
» ÜBUNG
Überblick über Möglichkeiten, die in einer Komposition selten alleine, aber in vielfältigen Schneiden Sie ähnliche Ele­mente
Kombinationen in der gegenständlichen und der abstrakten Malerei eingesetzt werden. – Dreiecke, Quadrate, Kreise – aus
einem farbigen Papierbogen in
Reihung und Rhythmus gleichen und unterschiedlichen
Größen aus und spielen Sie
Gleiche oder sehr ähnliche Bildelemente werden wiederholt. Bleiben Abstände und Richtung verschiedene Möglichkeiten einer
gleich, nennt man dies eine undifferenzierte Reihung. In Reihe gezeigt werden beispielsweise Ordnung durch.
Personen oder Objekte eines Stilllebens oder Bäume.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

Sich ähnelnde oder verschiedene Bildelemente wiederholen sich als Sequenz mindestens
einmal oder sind in anderer Weise rhythmisch angeordnet. Der visuelle Rhythmus kann regel-
oder unregelmäßig sein, auch in Bezug auf hell – dunkel, auf – ab, schwach – stark, kurz – lang.

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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66 KOMPOSI T ION

Gruppierung, Ballung und Streuung

Gleiche oder ähnliche Elemente werden symmetrisch


oder asymmetrisch um einen Mittelpunkt gruppiert
oder an bestimmten Teilen der Bildfläche in einem
ausgewogenen Verhältnis in Gruppen angeordnet
und verdichtet. In der gegenständlichen Malerei ist
eine gängige Form der Gruppierung von Personen
die Dreiecksform, wie Claude Monets Gemälde „Das
Frühstück im Grünen“ zeigt.

 Kompositionsprinzip der Gruppierung  Claude Monet: Das Frühstück im Grünen,


Ausschnitt, 1865. Die Personen gruppieren
sich um die weiße Picknickdecke

Bei einer Ballung werden gleiche oder ähnliche


Bildelemente mit geringem Abstand und teilweiser
Überlagerung angeordnet, wie zum Beispiel die
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Orangen im Stillleben von August Macke.

 Kompositionsprinzip der Ballung  August Macke: Hyazinthenteppich, 1910


Werden Bildelemente in regelmäßigen oder
unregelmäßigen Abständen ausgerichtet oder
zufällig angeordnet, spricht man von Streuung. Dies
führt entweder zu einer statischen, unlebendigen
oder einer dynamischen, lebendigen Wirkung.

 Kompositionsprinzip der Streuung  Paul Klee: Hammamet, Ausschnitt, 1914

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Wie kommen Spannung und Ordnung ins Bild? | Variation contra Monotonie 67

Variation contra Monotonie


Um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu fesseln, wird die Darstellung der Bildelemente
dem Prinzip der Gegensätze entsprechend variiert. In Bezug auf die Linie haben Sie einige
! KONTRASTE
AUF EINEN BLICK
kennengelernt (siehe Seite 11 f f.).
Fläche – Linie
Nun finden Sie Beispiele in Bezug auf Fläche und Form. Nehmen Sie Stift und Skizzenbuch und Form – Linie
probieren Sie in kleinen Skizzen alle gegensätzlichen Varianten der Liste einmal durch! Mehrmals rund – eckig
gemacht, ergänzt das Ihren Ideenpool, fördert die Kreativität und verbessert Ihren Bildaufbau. lang – kurz
breit – schmal
hoch – niedrig
ausgerichtet – ungerichtet
gerade – gebogen
stetig – unterbrochen
stark – schwach
stumpf – spitz
hart – weich
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - ruhig – dynamisch
offen – geschlossen
klar – diffus
aufsteigend – absteigend
strukturiert – unstrukturiert
geometrisch – organisch
positiv – negativ
scharf – unscharf
viel – wenig
groß – klein
symmetrisch – asymmetrisch

 Hier wurden einige Kontraste umgesetzt: hell – dunkel, positiv – negativ,


rund – eckig, groß – klein, geometrisch – organisch,
symmetrisch – asymmetrisch, geschlossen – offen …

Blickführung | Kompositionsschemata | Variation contra Monotonie


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68 KOMPOSI T ION

So checken Sie Ihre Komposition


„Es ist immer ein heiter Ihre Skizze ist fertig. Werfen Sie einen abschließenden, prüfenden, fragenden Blick
stimmender Anblick, darauf. Ist das Thema verständlich, zu kompliziert, die Aussage mutig? Ist die Darstel-
lung zu akademisch, zu gefällig oder verzaubert sie? Gibt es aktiven und ruhigen Raum,
wenn Prinzipienreiter ein Haupt- und Nebenthema? Die untenstehende Tabelle zeigt Ihnen im Überblick
­abgeworfen werden. “ Möglichkeiten der Gestaltung und deren Wirkung in der Darstellung. Beachten Sie, dass
Werner Finck (1902 – 1978), eine Maßnahme einen positiven Aspekt wie zum Beispiel „Ruhe“ haben kann, durch
deutscher Kabarettist Überzeichnung aber auch ins Negative abgleiten, also „langweilig“ wirken kann. Fehlt
Ihrem Bild noch etwas, ist es nicht stimmig? Hier finden Sie Lösungsansätze.

Ziel / Wirkung Ziel / Wirkung

Gestaltungs­ Gleichgewicht, Stabilität, Ruhe, Spannung, Dynamik, Aktivität,


möglichkeiten Passivität, langweilig, starr Unruhe, lebendig, chaotisch

Bildformat Quadrat, Querformat, Tondo Hochformat, Raute


- orderid - exl39606676-3735809626
Linien
-Waagerechte,
transidSenkrechte
- exl39606676-3735809626
Steigende, fallende Diagonalen,
-
Kurven-Linie: weich, fließend Zacken-Linie: schroff, aggressiv

Flächen Quadrat, Rechteck, regelmäßige Dreieck mit geringer Standfläche


Dreiecke mit stabiler Standfläche und mit spitzen Winkeln

>
Proportionen Goldener Schnitt Extreme Proportionen, ohne
MEIN TIPP Proportionen, Verzerrungen,
stark an den Rand gerückt
• Regeln sind Faustregeln
Perspektive Zentralperspektive Vogel- oder Froschperspektive,
• Richtlinien statt Dogmen ohne Perspektive, keine Tiefe Bedeutungsperspektive

• Gezielt auswählen und Ordnung Achsensymmetrie, Mitte, Asymmetrie, raus aus der
einsetzen, nicht sklavisch ­Gruppierung, Reihung, Richtung, Mitte, Ballung, Überlagerung,
abhaken Streuung, starke Einheit, gleiche Über­schneidungen, Abwechslung,
Abstände, Schwerpunkt zentriert Kontraste, Schwerpunkt randständig
• Weniger ist mehr!
• Sehen lernen und Blick Komposition geschlossene Komposition, offene Komposition,
Objekte ­formatfüllend Objekte angeschnitten
trainieren

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So checken Sie Ihre Komposition 69

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Lebendige Vielfalt: Foto-Collage, aus verschiedenen Bildern komponiert

Blickführung | Kompositionsschemata | Gruppierung, Ballung und Streuung | Variation contra Monotonie


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70 KOMPOSI T ION

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

Von der Skizze zum gemalten Bild


Nach all den Studien und Skizzen werden Sie nun das neue Wissen in eigenen Werken anwenden und Anregungen und Ideen auf die Fläche
übertragen können. Sich locker und entspannt dem Prozess des Malens zu widmen, ist der Lohn einer guten Vorbereitung.

Am Beispiel dreier unterschiedlicher Bildthemen „Landschaft und Architektur“, „Ungegenständliche Komposition“ und „Stillleben – mal anders“
lernen Sie, die Skizze zu übertragen und bis zum fertigen Bild auszuarbeiten. Anhand der malerischen Umsetzung können Sie viele Möglichkeiten
der Kompositionslehre praktisch nachvollziehen und nutzen.

Transfer auf den Bildträger – Rastermethode | Landschaft und Architektur | Vom Konkreten zum Abstrakten |
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Transfer auf den Bildträger – die Rastermethode 71

Transfer auf den Bildträger – die Rastermethode


Die Skizze ist fertig, nun muss sie maßstabgetreu auf das Bild übertragen werden. Am Anfang ist es eine Herausforderung, die kleine Skizze
auf ein großes Format zu übertragen, aber je öfter Sie dies machen, umso leichter gelingt es Ihnen.

Teilen Sie Ihre Skizze im Format 3 × 4 cm zunächst senkrecht mittig. Die so entstandenen beiden Hälften teilen Sie nochmals mittig. Dritteln
Sie die gesamte Fläche waagerecht, sodass Sie eine Rastergröße von 1 cm erhalten.

Nun teilen Sie Ihr Format (z. B. 80 × 60 cm) nach demselben Prinzip senkrecht in vier, waagerecht in drei Streifen. Verwenden Sie dazu keinen
Bleistift, sondern einen hellen Aquarellstift oder eine Pastellkreide, da Graphit durch dünne Farbschichten unschön hindurchscheint.

! AUS DER PRAXIS


Vergewissern Sie sich vor dem
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626
Übertragen der Zeichnung:-
Entspricht das ausgewählte
Format des bespannten
Keilrahmens dem Format der
 Rastereinteilung der Skizze, hier mittels Skizze? Ein quadratischer
Transparentpapier und Rastereinteilung
des Malgrundes. Entwurf kann nicht einfach auf
ein rechteckiges Format kopiert
werden. Würde seitlich einfach
Übertragen Sie nun die wesentlichen Linien der Zeichnung Kästchen für Kästchen auf den nur irgendetwas ergänzt, wäre
Malgrund. Orientieren Sie sich daran, wo die Linien der Zeichnung die (grünen) Linien des das ganze Konzept der erarbeite-
jeweiligen Kästchens schneiden und wie sie verlaufen. Zuletzt betrachten Sie die übertragene ten Kompositionsskizze hinfällig!
Zeichnung mit etwas Abstand und gleichen Feinheiten ab.

Mit einiger Übung werden Sie ganz auf das Raster verzichten können und sich visuell grob
an den Positionen Mitte, Hälfte, Drittel von den Rändern aus und innerhalb des Bildraums
orientieren. Der Vorteil der Rastermethode liegt darin, dass eine eigene, persönliche Zeich-
nung entsteht und nicht nur eine „abgepauste“ Kopie.

Stillleben mit Stil


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72 KOMPOSI T ION

Motiv 1: Landschaft und Architektur


Dieser Blick vom Balkon eines Hotels auf der griechischen Insel Amorgos hat
mir jeden Tag von Neuem gefallen. Angesprochen haben mich Details, insbe-
sondere das Haus rechts mit dem rankenden Weinstock und die charakteristische
Häusersituation mit Treppen und den typischen, hölzernen Strommasten.

Im Skizzenbuch habe ich den Ausschnitt, wie links gezeigt, festgehalten: die
Häuser mit den blauen Fensterläden, eine nach oben führende Treppe, eine von
Wein umrankte Terrasse. Der Strommast, der in der Realität weiter links stand,
ist in meinem Bildausschnitt weiter nach rechts gerückt. Aber irgendetwas war
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
nicht stimmig. Durch die Teilung der Buchseiten war die Disharmonie nicht
sofort sichtbar.

Die Skizze auf Transparentpapier macht deutlich sichtbar, dass es im Bild drei
absteigende Diagonalen gibt: den Strommast, den Stamm des Weinstocks und
die nach oben führende Treppe. Sie lenken den Blick aus dem Bild. Der dunkle
Ton von Weinstock und Strommast verstärkt diese Tendenz.

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Motiv 1: Landschaft und Architektur 73

Die Komposition optimieren

Im nächsten Schritt habe ich die Skizze ! AUS DER PRAXIS


auf dem Transparentpapier gewendet, Halten Sie sich beim Malen
damit erscheint das Bildmotiv seitenver- nicht „sklavisch“ an die reale
kehrt. Das Haus mit Treppe ist nun links Situation des Bildmotivs.
im Bild, die Oberkante der Treppe läuft Die Idee zum Bild war hier
nun ebenso als aufsteigende Diagonale beispiels­weise der Blick vom
in das Bild wie der Weinstock. Aller- Balkon. Doch das Motiv hat nur
dings führt nun der Strommast mit der den Impuls gegeben, ein Bild zu
Leitung den Blick direkt zum rechten malen, das jeder nach Belieben
Bildrand, über den Rahmen und damit gestalten darf.
aus dem Bild hinaus.
Wir wollen malen und nicht
fotografieren! Ob in der
Um den Blick im Bild zu halten, Realität das Haus mit dem
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
neige ich als „Gegenmaßnahme“ Treppenaufgang rechts oder
den Strommast nach links. Auf die der Strommast links stehen, ist
Oberkante des Flachdaches rechts für die Bildaussage und den
setzte ich zusätzlich ein Balkongitter, Betrachter ohne Bedeutung.
damit das Haus hier etwas höher
wird. In nur zwei Schritten wurde Für die Komposition und das
so die Komposition optimiert! Den spätere Bild jedoch ist es
Treppenweg rechts und die Kuppel wichtig, dass die Elemente
ergänze ich aus der Fantasie. So hat so angeordnet sind, dass die
das Bild über die Treppe von vorne gewünschte Wirkung eintritt.
rechts einen weiteren Zugang und
die kleinen Veränderungen machen
diese Komposition für den Betrachter
interessanter.

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74 KOMPOSI T ION

Zuletzt überprüfe ich die Skizze (hier 6 × 4 cm) im Hinblick auf den Goldenen
Schnitt (siehe Seite 38 ff.). Der Weinstock liegt genau im linken „goldenen“
Punkt, der mit 38,2 % von 6 cm bei 2,3 cm und mit 38,2 % von 4 cm bei 1,5  cm
liegt. Der Mast steht ziemlich exakt im Bereich des zweiten „goldenen“ Punktes
rechts. Die Hauptbildelemente konzentrieren sich auf der Waagerechten, die
durch die beiden „goldenen“ Punkte verläuft – ideal, um eine harmonische
Wirkung zu erzeugen.

Hälfte
Viertel
Hälfte Um die Komposition auf das Aquarellpapier zu überragen, rastere ich die
Skizze grob. Dazu werden eine Waagerechte bei der Hälfte von 4 cm = 2 cm
und eine Senkrechte bei der Hälfte von 6 cm = 3 cm und je eine Senkrechte im
linken und rechten Viertel = 1,5 cm eingezeichnet. An diesem Raster orientiere
ich mich grob beim Übertragen der Linien. Die fertige Zeichnung prüfe ich
nochmals – hier können noch kleine Änderungen vorgenommen werden.
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

Eine Farbskizze anzulegen, ist


eine zusätzliche Möglichkeit,
das Bild zu gestalten. Die
Kreativität des Malers erlaubt
es, auch andere als die realen
Farben zu wählen. Warum
nicht das blaue Balkonge-
länder rechts orange-braun
„streichen“ – oder doch ganz
weglassen!

 Hier wird die Wirkung, die die Veränderung der Neigung des Strommasts gebracht hat, gut sichtbar.

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Motiv 1: Landschaft und Architektur 75

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Amorgos

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76 KOMPOSI T ION

Motiv 2: Vom Konkreten zum Abstrakten


Die Methode, mit der ich von einem Foto als Vorlage über mehrere Schritte der Abstraktion eine spannende Komposition finde, ist auf den
Seiten 52 – 53 genau beschrieben. Sie werden sehen, es gelingt, selbst mit einem auf den ersten Blick so wenig interessant erscheinenden
Foto ein abstraktes Bild zu gestalten.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -


Fotomotiv:
Autobahn  Erste Skizze mit

bei Paris allen Details

 In mehreren
Zweite Skizze: Varianten (ohne
Das Motiv wurde Abb.) wurden
fokussiert, da immer wieder
der rechte obere andere Linien-
Bereich der ersten Wege genutzt
Skizze wenig und schließlich
Interes­santes ein quadratisches
bietet.  Format gewählt.

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Motiv 2: Vom Konkreten zum Abstrakten 77

Im weiteren Verlauf fertige ich von der letzten Skizze mindestens drei Kopien mit Trans­pa­rent­
papier und lege diese als Farbskizzen an. Ideal geeignet dafür ist ein Set mit Ölpastellkreiden
! AUS DER PRAXIS
in 48 Farbtönen. Orientieren Sie sich bei
der Farbwahl an den aus
Damit Bleistiftzeichnung und Farbe nicht verschmieren, wende ich das Transparentpapier der Farbenlehre bekannten
und bemale die Rückseite. Mit Hilfe der Farbskizzen erhält man einen optimalen Eindruck der Farbkontrasten. Achten Sie
Farbwahl und wie die Komposition in anderen Farbkombinationen wirkt. beispielsweise darauf, dass
die Farbtöne in Bezug auf den
Aus den Farbentwürfen wähle ich eine Variante aus. Natürlich ist es auch möglich, für eine Hell-Dunkel-Kontrast insgesamt
Serie eine zeichnerische Variante in verschiedene Farbkompositionen umzusetzen. ausgewogen wirken.

Sie erreichen Tiefenwirkung,


wenn dunklere Elemente im Vor-
dergrund stehen und Entfernteres
im Tonwert heller ist.
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Ein Blick auf den Farbkreis gibt
Ihnen Anregung, welche Farbe
zu den bisher gewählten passen
könnte.

Es muss nicht immer der


Komplementär-Kontrast sein,
auch der Qualitäts-Kontrast
zwischen reinen und getrübten
(gebrochenen) Farben führt zu
 Nachdem die ausgewählte Skizze kopiert wurde, kann man unterschiedliche Farbentwürfe anlegen. spannenden Farbkompositionen.

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78 KOMPOSI T ION

Die malerische Umsetzung

! WEITERE TIPPS
ZUR OBERFLÄCHEN­
Nachdem ich die Linienkomposition, eventuell mit der Rastermethode oder frei, auf den
Malgrund übertragen habe, beginnt die malerische Umsetzung, hier mit Acrylfarbe. Bei
GESTALTUNG gegenstandlosen Bildern ist es wichtig, dass Flächen malerisch interessant gestaltet werden.
Dies gelingt durch entsprechenden Farbauftrag, Malweise und Pinselduktus. „Duktus“
• Interessante Linienführung bezeichnet die Pinselführung, die durch die Eigenart des Malers und durch das Werkzeug
innerhalb der Fläche selbst bestimmt wird. Er kann unterschiedlich (grob, fein, flächig, homogen, heterogen,
• Farbauftrag durch Spachtel, dynamisch, statisch, frech, streng, …) sein und damit entsprechende Empfindungen wecken.
Schwamm, Lappen, Spritzen Der Farbauftrag kann pastos (deckend) oder lasierend (durchsichtig, transparent), konturen­
haft oder moduliert (übergehend) sein.
• Organische Struktur durch
Einarbeitung von Sand,
Granulat, Modelliermasse
• Collage von Stoff, Rupfen,
Papier, Wellpappe
• Gegensätze zwischen
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
rau – glatt, glänzend – matt,
hart – weich, punktartig –
flächig

 Variationen
des Motivs mit
verschiedenen
Oberflächen­
strukturen

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Motiv 2: Vom Konkreten zum Abstrakten 79

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 Vier von vielen


möglichen
Varianten,
völlig losgelöst
vom ursprüng-
lichen Motiv
einer Auto-­
bahn bei Paris

Stillleben mit Stil


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80 KOMPOSI T ION

Motiv 3: „Stillleben“ mit Stil


Ein Stillleben ist eine künstlerische Anordnung von Objekten wie Blumen, Früchte, tote Tiere, Gläser, Musikinstrumente oder Ähnliches.
Auswahl und Gruppierung erfolgen nach inhaltlichen, oft symbolischen und ästhetischen Aspekten. Diese Art der Darstellung hat sich
zu einer eigenständigen Gattung der Malerei entwickelt. Die Gegenstände können zwar stilvoll arrangiert sein, tonangebend für die
Schreibweise aber ist die Stille (Ruhe), nicht der Stil (Machart, Eigenheit, Geschmack). Der Begriff leitet sich vom englischen „still life“ ab
und dieser wiederum vom holländischen „stil leven“. Das Stillleben hatte vor allem im 17. Jahrhundert seine Blütezeit in Deutschland und
den Niederlanden; dort heißt „stil“ „unbewegt“ und wird mit einem l geschrieben.

Wir wenden uns auf den folgenden Seiten der malerischen Umsetzung eines Stilllebens zu.

- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

 Dieses Foto war der Anlass für


ein Stillleben mit Kaffeetasse.
Der Blick von oben führt zu einer
interessanten Perspektive ohne
perspektivisches Zeichnen!

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Motiv 3: „Stillleben“ mit Stil 81

Die Komposition

Schritt 1
Mit den zurechtgeschnittenen Winkeln suche ich einen passenden Aus­schnitt.
Dabei schneide ich bewusst einzelne Objekte wie Teelöffel, Strickzeug oder
Gebäck an. Ich prüfe, ob die Tasse im Bereich des Goldenen Schnittes liegt,
denn ich möchte eine angenehme, harmonische Atmosphäre erzeugen.

 Das Fotomotiv mit


verschieden ange­
legten Winkeln

Schritt 2
Mit Transparentpapier fertige ich zunächst zwei Skizzen als Kopien der
Situation an. Bei der ersten Variante lege ich die Winkel leicht schräg auf,
sodass die Linien des Strickzeugs rechts und links steil diagonal verlaufen.
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Die Skizze zeigt die Dreieckskomposition in der Mitte (Tasse, Wollknäuel
und Gebäck).

 Das Anschneiden von


Objekten bringt Dynamik
ins Bild.

Bei einer zweiten Variante lege ich die Winkel parallel zur Fotografie auf.
Links wird die Diagonale etwas flacher und rechts verläuft die Kante des
Strickzeugs nun senkrecht. Das Kopieren sämtlicher Linien hat den Vorteil,
dass ich Details sehe, beispiels­weise, wo Linien genau verlaufen, wo Hellig-
keit und Dunkelheit sind, welches Muster das Gebäck hat, welche Struktur
der Hintergrund hat. Das alles kann ich später beim Malen berücksichtigen.

 Das Kopieren lässt


den Linienverlauf
hervortreten.

Stillleben mit Stil


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82 KOMPOSI T ION

 Hier ist das Motiv im Hin­


blick auf die Collage etwas
grafischer interpretiert.
 Das Motiv,- auf ein quadratisches Format übertragen
orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
Schritt 3
Zu dem dekorativen Thema schien mir ein quadratisches Format, das Ruhe und
Harmonie betont, noch besser als ein Querformat zu passen. Deshalb habe ich
ein Quadrat auf Transparentpapier gezeichnet und dieses so platziert, dass die
Tasse im Bereich des Golden Schnitts liegt. Die Diagonale links oben und die
Senkrechten des Untergrunds geben dem Bild eine gewisse Dynamik.

Schritt 4
Zusätzlich wollte ich das Motiv noch etwas freier und lockerer gestalten. Bei
! AUS DER PRAXIS genauem Betrachten während der vorausgegangenen Kopierarbeit entstand die
Idee, die im Foto strukturierten Flächen mit verschieden Papieren, Stoffen oder
Bei mehreren Kopien gehe ich mit Spachtelmasse als Collage zu gestalten.
immer wieder vom Original aus,
da kleine Fehler in der Linien-
führung durch das Kopieren
immer größer werden.

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Motiv 3: „Stillleben“ mit Stil 83

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 Kaffeegenuss

Stillleben mit Stil


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84 KOMPOSI T ION

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Der neugierige Blick – Bildbetrachtung und Bildanalyse


Für Menschen, die selbst malen, ist Bildbetrachtung aktives, intensives Studium der Werke anderer Maler verschiedener Epochen als Quelle der Er-
kenntnis und Inspiration. Gleichwohl können Bilder oft nur verstanden werden, wenn man den kulturellen oder historischen Zusammenhang kennt.
So erweitert das Interesse an der Malerei unser Wissen und das Verständnis der Welt insgesamt. Bildbetrachtung ist mehr als eine rein technische
Analyse: Es ist intensive Wahrnehmung, bewusstes Sehen, praktische Anwendung und Profitieren von den Meistern! In der Auseinandersetzung mit
Bildern erhalten Sie neue Impulse und spannende Diskussionen über Kunst und Kultur entstehen. Die folgenden Hinweise für eine „professionelle“
Betrachtung unterstützen Sie dabei und geben interessante Einblicke in drei besondere Gemälde.

Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder | Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt) | Zwei Meister – zwei Frauen
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Der neugierige Blick – Bildbetrachtung und Bildanalyse 85

„Wenn wir uns ernsthafter mit Kunst beschäftigen, … erschließen sich uns
neue Welten. Die Kunst lässt uns an einer Fülle von Ideen und Phantasien
teilhaben. Sie regt dazu an, mehr zu sehen, mehr zu hören, mehr zu fühlen ! BILDBETRACHTUNG
IN MUSEEN,
und mehr zu denken. Sie vermag daher unser Lebensgefühl zu steigern. “ ­AUSSTELLUNGEN
Christa Murken- Altrogge, (* 1944), deutsche Kunsthistorikerin und Malerin UND GALERIEN

• Sich Zeit nehmen; Mittagszeit /


Pause dafür nutzen
• Ein Bild wählen und so
genau studieren, dass Sie es
beschreiben könnten
• Das Bild erst von Weitem,
dann aus der Nähe betrachten
• Den Blick im Bild wandern
lassen, Einzelheiten genau
ansehen
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 - • Eine eigene Meinung bilden,
aber nicht bewerten
Paul Gauguin: Ta Matete
• Skizzen und Notizen, ein
(Der Markt), 1892
Foto ohne Blitzlicht oder
eine Postkarte dienen der
Erinnerung
• Im Anschluss einen allgemei-
nen Rundgang machen
• Führung oder Audio-Guide
liefern wissenswerte Hinter­
gründe zu Bildern und
Eine Werkskizze mit Künstlern
Transparentpapier. Die • Virtuelle Museen oder das
Konturen zeigen die Google-Art-Projekt zeigen im
waagerechte Gliederung
und die Reihung der
Internet berühmte Gemälde
Köpfe und Knie (siehe sogar mit „Lupenblick“

auch Seite 88).
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86 KOMPOSI T ION

Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder


Um einen neugierigen Blick auf ein Gemälde zu werfen, ist es wichtig, unbefangen und neutral zu beobachten. Der folgende Leitfaden hilft,
Werke intensiv zu betrachten und gezielt zu analysieren. Mit einiger Übung werden Sie die Checkliste nicht mehr benötigen und bei der
Bildbetrachtung intuitiv so vorgehen. Setzen Sie den „roten Faden“ zunächst bei der Betrachtung der Bilder auf den folgenden Seiten ein!

Motiv und Wirkung Wie wirkt das Bild auf mich, wie ist mein erster Eindruck, welche Anmutung, Ausstrahlung hat es?

Fakten Maler, Format, Größe, Titel, Technik (Öl, Kohle, Acryl, Aquarell usw.)?

Was ist dargestellt? Was sehe ich im Bildraum, von vorne nach hinten, von innen nach außen vorgehend
(Vorder-, Mittel-, Hintergrund, Hauptthema, Nebenthema, Blickfang)?

• Bildmotiv Mensch Äußere Erscheinung, Alter, Geschlecht, Kleidung, Körpersprache (Haltung, Gestik, Mimik), Situation,
Handlung, Beziehung zu anderen Personen, Bezug zum Betrachter, Umgebung?

• Bildmotiv Landschaft
Art und Ausstattung der Landschaft,
- orderid - exl39606676-3735809626 - isttransid
die Darstellung der Landschaft Hauptthema oder ist sie
- exl39606676-3735809626 -
Staffage für mythologische Themen …, Einzelheiten, Figuren …, Verlauf des Horizonts?

• Bildmotiv Stillleben Welche Gegenstände, Tiere, Blumen, gibt es auffällige Dinge, wie ist die Lage der Gegenstände?

• Ungegenständliches Motiv Informell, formell, welche Formen, Linien, absolute, autonome Farbe als selbst­ständiges Thema,
Raumwirkung?

Malerische Mittel Darstellung der Bildgegenstände: naturalistisch, realistisch, in Bezug auf Proportionen, fehlende
Details, vereinfacht, abstrahiert, verzerrt, real, irreal, idealisiert?

Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder | Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt) | Zwei Meister – zwei Frauen
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Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder 87

Gestaltungsmittel

• Farbe Farbtöne (bunt, unbunt, schwachbunt), Helligkeit, Sättigung (rein, getrübt), Farbverteilung im Bild?
Verhältnis der Farben zueinander (Hell-Dunkel-Kontrast, Kalt-Warm-Kontrast, Komplementärkontrast
usw.)? Bedeutung, Symbolik, Wirkung der Farbe, Abweichung von wirklicher Farbigkeit (z. B. im
Expressionismus), Farbe in Bezug zur Fläche, Dominanz?

• Farbauftrag Pastos (teigig), lasierend (durchscheinend), „alla prima“ oder mit Übermalung, Duktus, Spuren von
Spachteln, Lappen, Schwämmen?

• Raum Wirkung der Darstellung räumlich oder flächig? Standpunkt des Betrachters: Zentralperspektive
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid
(Fluchtpunkt, Augenhöhe, Fluchtlinien), - Vogelperspektive,
Frosch- oder exl39606676-3735809626 -
Farb-Luft-Perspektive (warme
Farben vorne, kalte Farben hinten), Bedeutungsperspektive (wichtige Person ist größer dargestellt)?
Raumwirkung durch Größenstaffelung, Überdeckung? Reale, verzerrte, vernachlässigte Perspektive?

• Komposition / Bildaufbau Wie sind die Bildelemente im Bildraum platziert?


Offene Komposition (vom Bildrand angeschnitten), geschlossene Komposition (formatfüllend)?
Kompositionsschemata: Goldener Schnitt, Dreieck, L-Form, Symmetrieachsen?
Linien: Richtung (Waagerechte, Senkrechte, Diagonale), Bewegung, Verlauf (geschwungen, gerade, …),
Wirkung, Linie als Muster, als Begrenzung von Flächen?
Art und Anordnung der Formen und Ordnungsprinzipien: Reihung, Streuung, Ballung, Gruppierung,
Rhythmik?
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88 KOMPOSI T ION

Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt)


Paul Gauguin (1848 in Paris – 1903 in Atuona, Französisch Polynesien) war ein französischer Maler, der vor allem durch seine Bilder aus der
Südsee bekannt wurde. In der Natürlichkeit der Ureinwohner Polynesiens suchte er Zuflucht vor einer zunehmend industrialisierten Welt.
Doch das Paradies fand er auch dort nicht. In seinem malerischen Ausdruck strebte er nach einer gleichnishaften Darstellung, nicht nach einer
realen Abbildung. Vermutlich war das rätselhaft Unwirkliche, wie auch im Bild Ta Matete, der Markt, der eigentliche Anlass seiner Malerei.

„Erklären bedeutet in der


Malerei nicht dasselbe wie
beschreiben. Darum ziehe
ich eine suggestive Farbe
den Formen vor und in der
Komposition das Gleichnis
einem gemalten Roman. “
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -

Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt),


1892 auf Tahiti. Bevor Sie weiter­lesen,
schauen Sie sich das Gemälde von
Gauguin mit der „Checkliste“ auf Seite
86 und 87 zunächst genau an und

bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil.

Der rote Faden durch das Labyrinth der Bilder | Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt) | Zwei Meister – zwei Frauen
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Paul Gauguin: Ta Matete (Der Markt) 89

Hintergrundwissen zum Bild

Gauguin war als Maler offen für Einflüsse aus zeitgenössischer


und vor allem aus der Kunst fremder Kulturen. Es ist überliefert,
dass ihm als Inspiration Reproduktionen von Kunstwerken
dienten, die er sogar auf seine Reisen in die Südsee mitnahm.
Dass das Gemälde an die geheimnisvolle Sprache ägyptischer
Kunst erinnert, verwundert also nicht. Die sonderbar wirkende
Haltung der in einer Reihe sitzenden, streng im Profil gezeigten
jungen Frauen geht auf Wandmalereien einer ägyptischen
Grabkammer zurück. Gauguin sah diese Jahre zuvor im British
Museum in London und erwarb eine Kunstpostkarte der
Malereien. Die Werkskizze auf Seite 85 macht die besondere
Körperhaltung sichtbar.

Der Titel „Der Markt“ verweist übrigens – etwas delikat –


darauf, dass es sich um den „Markt der Frauen“ handelt und
- orderid - exl39606676-3735809626 - transid - exl39606676-3735809626 -
die Täfelchen, die zwei Mädchen in der Hand halten, sind ihre
Gesundheitsausweise.
 Damen bei einem Gastmahl, ca. 1.350 v. Chr.,
Wandmalerei einer Grab­kammer, Ausschnitt,
Theben, Ägypten.

Gauguin hat die schulmäßige Perspektive außer Acht gelassen und wie in der Malerei des alten Ägypten die Frauenfiguren formelhaft
nebeneinander dargestellt. So sind Details sichtbar, die bei einer perspektivischen Darstellung verdeckt wären. Nur die Bank ist drei­
dimensional dargestellt und allein unter ihr sind als Mittel der Raumillusion Schatten dargestellt. Formen und Umrisse sind stark vereinfacht
und stilisiert; die Frauen tragen keine individuellen Gesichtszüge. Senkrechte (Oberkörper und Bäume) und waagerechte (Vordergrund,
Oberschenkel und Bank) Linien betonen die ruhige und geheimnisvolle Stille dieser Komposition. Die Farben sind in leuchtenden Komple-
mentärkontrasten (rot – grün, orange – blau, gelb – violett) kombiniert. In den Gewändern zeigt sich ein von links nach rechts anschwellender
Klang der Farbtöne vom grünlichen Dunkelblau bis zum dichten Gelb.
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90 KOMPOSI T ION

Zwei Meister – zwei Frauen


Die Portraits des französischen Malers Paul Cézanne (1839 – 1906) und des deutschen Malers August Macke (1887 – 1914) zeigen abschließend
zwei ganz unterschiedlich wirkende Portraits, obwohl sie in ihrer Farbgebung ähnlich sind.

Paul Cézanne: Frau mit Kaffeekanne

Vermutlich war die Frau mit Kaffeekanne Cézannes Haushälterin aus der Provence. Sie wirkt bodenständig, ruhig, aber auch etwas steif und
müde. Die Komposition unterstützt diese Wirkung durch die Senkrechten im Bild (senkrechte Linien der Kassetten im Schrank, senkrechte
Reihung der Blüten links, in der Mitte des Kleides bis über den Mittelscheitel, in der Tasse mit Löffel und der Kaffeekanne). Die vereinfacht
dargestellten Formen sowie die verschiedenen Blickwinkel (frontal zur Frau, höhere Perspektive auf den Tisch, bzw. die darauf abgestellten
Gegenstände) zeigen bereits Ansätze des Kubismus. Bei diesem Portrait steht nicht die persönliche Beziehung, sondern die Studie der
Formen im Vordergrund. Die Farbigkeit ist einfach und ruhig gehalten: in den Komplementärfarben Blau und Ocker, kombiniert mit einem
warmen Braun im Vordergrund. Das hochgestellte Format unterstützt die Bildaussage.

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 Werkskizze des Gemäldes.


Paul Cézanne: Die roten Linien verdeut­
Frau mit Kaffeekanne, lichen die Kompositions­

ca. 1859 regel des Goldenen Schnitts.

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Zwei Meister – zwei Frauen 91

August Macke: Porträt mit Äpfeln

Das Gemälde von August Macke zeigt seine junge Frau Elisabeth. Sie war sein wichtigstes Modell und er porträtierte sie bis zu seinem frühen
Tod im Ersten Weltkrieg 1914 mehr als zweihundertmal! Dieses Werk entstand 1909 am Tegernsee in der Ruhe und Abgeschiedenheit
Oberbayerns. In dieser Phase hat Macke sich schon von der reinen Motivdarstellung gelöst. Er will den Schwerpunkt auf die Bildwirkung
selbst legen. Dabei interessieren ihn besonders Licht und Farbe und deren Wirkung und Zusammenklang.

Die Komposition ist geprägt von den weichen, schwingenden Linien der Stola und des Vorhangs rechts. Das dunkle, petrolfarbene Kleid von
Elisabeth hebt sich kaum von dem schwarzen Hintergrund des Raumes ab, aus dem sie heraustritt und der die Figur malerisch definiert.
Noch schwärzer ist nur ihr Haar. Ihr rosiger Teint leuchtet hell aus dem Dunkel. Schön und entrückt wirkt sie, dagegen scheinen die Hände,
die die Schale mit Äpfeln halten, etwas zu grob geraten. Die ruhige Wirkung wird vom fast quadratischen Format unterstützt.

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 Werkskizze des
August Macke: Gemäldes mit
Porträt mit Äpfeln – roten Linien
Frau des Künstlers, des Goldenen
1909 Schnitts
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Glossar

Architektenrolle: Transparentes Papier, ideal für „en plein air“: Malerei in der Natur, an der frischen Luft.
­Kompositionsskizzen
Fibonacci-Zahlenreihe: Zahlenreihe
Bildelemente: Linien (gerade, gebogen, 0,1,1,2,3,5,8,13 …, bei der sich die jeweils folgende
gezackt …), Flächen (rund, eckig, amorph …) Zahl durch Addition der beiden vorangegangenen
ergibt : 0+1=1, 1+1= 2, 2+3=5, 3+5=8 …
Bildmotiv: Thematisch prägender
Inhalt des Bildes, Motivation der Malerei. Format: Querformat, Hochformat,
Man unterscheidet zwischen Haupt- und Quadrat, Rhombus, Raute, Tondo, Oval.
Nebenmotiv, z. B. Landschaft, Naturgewalten, Maß der Höhe wird vor der Breite genannt.
Blumen, Jagdszenen, Stillleben, Architektur
und mythologischen Szenen. „Goldener Punkt“: Die vier Schnittpunkte im
Format, die sich durch Einteilung der vier Seiten nach dem
- orderid
Bildzonen: - im
Bereiche exl39606676-3735809626
Bildraum. Gleiche Bildelemente werden - transid - exl39606676-3735809626
Goldenen Schnitt ergeben. -
im Bildraum an unterschiedlichen Stellen unterschiedlich empfun-
den, z. B. unten schwerer als oben. Goldener Schnitt (GS):
Kompositionsschema,
Blickführung: Weg, der in und durch das Bild führt; Proportions­regel, asymmetri-
Fährte, auf die der Blick gelockt wird. sche Einteilung, bei der eine
Strecke asymmetrisch so in
Diagonale: aufsteigend, von links unten nach rechts oben = zwei Teile geteilt ist, dass sich
harmonische, (lyrische) Diagonale; absteigend von links oben nach der ganze Teil zum größeren
rechts unten = disharmonische, (dramatische) Diagonale. Teil so verhält wie der größere
Teil zum kleineren.
Drittel-Regel: Symmetrische Teilung in je drei Drittel, von
Fotografen bevorzugt, im Display der Digitalkamera als Gitternetz- Grundlinie: untere Linie, Standlinie im Bild, gibt Halt und
linien einstellbar. Festigkeit.

Komposition: Zusammenfügen einzelner Teile zu einem einheit-


lichen Ganzen, aus dem lat.: „componere“ = zusammenfügen.
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Kompositionsskizze: Kleine Skizze, ca. 4 × 3 cm in der Raumtiefe: entsteht durch Perspektive, Proportionsbezug
Entwurfs­phase, vor der Malerei. (Großes vorne, Kleines hinten), Überlagerung und Überschneidung,
Kontraste (vorne klarer, dunkler; hinten diffuser, heller), warme
Lineare / Geometrische Komposi­ Farben (vorne) und kalte Farben (hinten).
tionsschemata: Goldener Schnitt, Mittel-
achse, Kreuz, Diagonale, Dreieck, kreisförmige Senkrechte: wirkt lebendig, stabil, aktiv.
und L-Gliederung.
Stillleben: künstlerische Anordnung von
Offene / Geschlossene Komposition: Objekten wie Blumen, Früchte, tote Tiere,
Bei der offenen Komposition gehen die Gefäße, Gläser, Musikinstrumente.
Bildelemente über den Bildraum hinaus, sind
vom Bildrand angeschnitten. Bei der geschlossenen Komposition Tondo: Rundes Bildformat, von lat. „rotondo“
sind die Bildelemente formatfüllend, befinden sich innerhalb des für rund.
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Bildraums.
Waagerechte: gibt Halt, wirkt ruhig, passiv,
Ordnungsprinzipien: Beziehung der Elemente untereinander schwer.
wie Gruppierung, Ballung, Streuung, Reihung, Rhythmus.
Zonen im Bildformat: In den 4 Bildzonen wirken die gleichen
Passepartout: Papier- oder Kartonumrahmung, um den Blick Elemente verschieden leicht und schwer.
auf das Kunstwerk zu richten, oder
in der Skizzenphase Ausschnitte zu
finden. 1 2

Rastermethode: Maßstabgetreue
Übertragung / Vergrößerung der
3 4
Skizze auf das Bildformat mittels
Gitternetzlinien.
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Monika Reske
lebt seit 1998 in Stuttgart. Nach der Ausbildung zur Hotelkauffrau und dem Studium der Betriebswirtschaftslehre arbeitet sie bis 2001
im Bereich Marketing und Kommunikation.

Ihr intensives Interesse und die Liebe zur Malerei entwickeln sich schon früh; sie beschäftigt sich intensiv mit Aquarell-, später mit
Acrylmalerei; es folgen Studienaufenthalte in Italien und Griechenland und eine Akademievorbereitung.

In den Jahren 1998 – 2004 absolviert sie Ausbildungen zur Mallehrerin, Maltherapeutin und Mediatorin. Ab 2005 widmet sie sich als
Künstlerin und Dozentin ausschließlich der Malerei.

Mehr Informationen: Unter ihrem Logo „more-painting“ bietet sie Paint-Events als Mitarbeiter-Training in Unternehmen an und organisiert und leitet sehr
www.mo-reske.de erfolgreich Mal- und Kreativreisen in Deutschland, Italien und Griechenland. Anfänger und Fortgeschrittene schätzen sie als Person
E-Mail: atelier@mo-reske.de und Künstlerin, als Kursorganisatorin, Kreativitätstrainerin und Motivatorin. Autorin von „Farbenlehre easy“.

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Impressum
HILFESTELLUNG zu allen Fragen, die Materialien und Kreativbücher betreffen: Frau Erika Noll berät Sie. Rufen Sie an: 05052 / 91 18 58 (normale Telefongebühren)

PROJEKTMANAGEMENT UND KONZEPTION: Hannelore Irmer-Romeo


LEKTORAT: Betz Lektorat und Redaktion, Tübingen
DESIGNENTWICKLUNG UND LAYOUT: Antje Warnecke, nordendesign.de
FOTOS: frechverlag GmbH, 70499 Stuttgart; lichtpunkt, Michael Ruder (Cover, Seite 1, 27 o., 49 r., 51–53, 55, 57 r., 71, 75, 77, 78, 83, 84); fotolia (Seite 5 oben © goghy73, 5 unten
© fox 17, 18 unten © artefacti, 19 © F. Seidel, 61 © cityanimal, 80 © sokko_natalia); Monika Reske (Seite 4, 6, 10–18, 27 u., 28–34, 34, 35, 36, 38–50, 54, 57 l., 58 /59, 61, 62, 63 o.,
64 o., 65, 66 l., 67, 69, 70, 72–74, 76, 79, 81, 82, 85, 96)

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