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Warum suchen Topmanager Extremsport?

1 Mit seinen Hobbys erntet der Wirtschaftsführer Dietrich Schroeder unter Kollegen
2 nicht nur Respekt, sondern auch schiefe Blicke: In seiner Freizeit fliegt er
3 Sportflugzeuge, besteigt den Kilimandscharo, oder springt mit dem Fallschirm bis
4 zu 5600 Metern Höhe aus. Über 600 Sprünge hat er bereits absolviert, 40mal pro
5 Jahr tut er das und manchmal mit seinem 32jährigen Sohn. „Mich haben schon
6 viele Kollegen gefragt, ob ich nicht lieber Golf spielen will. Ich kann mir aber
7 einfach nicht vorstellen, mit diesem Sport glücklich zu werden“, erklärt der
8 Manager, der den freien Fall so leidenschaftlich treibt. Für ihn ist der Extremsport
9 zugleich für den Berufsalltag wichtig, weil man zum Springen und zum Managen
10 sehr viel Konzentration braucht. Bei beiden Tätigkeiten kommt es darauf an,
11 Nerven zu behalten und die richtigen Dinge in der richtigen Reihenfolge zu tun.
12 Einziger Unterschied: Beim Fall mit 50 Metern pro Sekunde wird jede
13 Fehlentscheidung mit dem Tod bestraft.

14 Warum suchen Topmanager Extremsport und neue Rekorde? Sie sitzen den
15 ganzen Tag am Schreibtisch und am Telefon und rund 90 Prozent ihres
16 beruflichen Alltags bestehen aus Kommunikation. Deshalb suchen viele Chefs in
17 ihrer Freizeit isolierte Sportarten, bei denen sie sich ganz auf sich selbst
18 konzentrieren können. So springen die einen aus Flugzeugen oder stürzen sich
19 an Gummiseilen in Abgründe; andere klettern steile Berge hinauf oder suchen
20 neue Sensationen beim Autorennen. Diese Suche erlaubt ihnen auch, sich selbst
21 zu entdecken. Diese Leute versuchen aber, immer mehr Risiko zu laufen, um
22 Grenzerfahrungen nicht nur mit dem Denken, sondern auch mit dem Körper zu
23 sammeln. Um dieses Adrenalinfieber zu erklären, hat ein Kölner Psychologe vier
24 verschiedene Motivationen ans Licht gebracht:

25 a) Angstlust. Dieser Kategorie gehören solche Leute an, die sowohl im Job wie im
26 Privatleben starke Sensationen brauchen.

27 b) Kontrollsucht. Die Lust am Risiko steht bei solchen Managern nur im


28 Vordergrund. Dahinter steckt der Wahn, alles kontrollieren zu wollen :
29 Sportgeräte, Umgebung und speziell den eigenen Körper mit seinen Reaktionen.

30 c) Grenzsuche. Menschen, die ständig ihr eigenes Limit erfahren wollen, finden in
31 extremen Disziplinen eine Antwort auf die Frage: „Wann kann ich endlich nicht
32 mehr weiter?“ Deshalb wechseln solche Grenzsucher oft ihre Sportarten.

33 d) Angstbeherrschung. Weil sie es hassen, unter Stress im Büro falsch zu


34 reagieren, wollen sich die Chefs auch in ihrer Freizeit immer wieder mit Angst

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35 konfrontieren. Solche provozierten Angstsituationen sollen ihnen helfen, später im
36 Job Erfolg zu haben.

37 So hangeln sich ein paar Manager schon jahrelang durch steile Berge. Bei
38 diesem Free climbing lernen sie, sich richtig einzuschätzen, und entdecken ihre
39 persönlichen Grenzen. Davon profitieren sie schliesslich auch im Job: Sie treffen
40 ihre Entscheidungen selbstbewusster und können bei Problemen schneller
41 improvisieren.

42 Selbst Sportarten wie Boxen gefallen den Entscheidern immer mehr : Das
43 wöchentliche Boxentraining ist ja eine exzellente Schule für den alltäglichen
44 Kampf im Büro. Auch im Beruf müssen sich jene Entscheider durchsetzen
45 können und auch fähig sein, eine Niederlage zu akzeptieren.

46 Sportlich aktive Manager besitzen eine wesentlich bessere mentale Kraft als
47 Sportabstinenzler. Sport treiben bringt noch mehr: Jemand, der sportlich aktiv ist,
48 schätzt seine Karrierechancen besser und wird erfolgreicher. „Beim Bergsteigen
49 erlebe ich mit anderen, wie man in einer solchen Situation voneinander abhängt“,
50 erklärt einer von ihnen. Diese Bergtouren verbinden körperliche Arbeit mit
51 geistiger Aktivität am besten.

52 Der Abenteurer und Extremtourist Bruno B. geht noch weiter. Für eine Gruppe
53 von mutigen Managern aus Deutschland und China organisierte er ein Trekking
54 von zwei Wochen durch die Wüste Gobi. „Dabei haben sich einige die Füsse
55 wund gelaufen“ , erinnert sich Bruno B. „Den Rest der Reise verbrachten sie auf
56 dem Rücken der mitgeführten Kamele“.

57 Für die sehr gestressten Manager wird es immer dann gefährlich, wenn die
58 Vorbereitung nicht stimmt. Alle jene, die nach 14 Stunden – oder mehr –
59 Schreibtischarbeit pro Tag keine Zeit mehr zum regelmässigen Training finden,
60 sollten eher gut steuerbare Sportarten wählen, wie Radfahren, Schwimmen oder
61 Joggen.

62 Der Fallschirmspringer Schroeder ist von diesen Disziplinen jedoch nicht sehr
63 begeistert. Als er im vergangenen Sommer auf Wunsch seiner Ehefrau
64 ausnahmsweise mit dem Fahrrad fuhr, wurde er knapp 100 Meter vor seinem
65 Haus von einem Auto erfasst. „Zum Glück habe ich beim Fallschirmspringen
66 richtiges Fallen gelernt“, kommentiert er. „Seitdem springe ich nur noch aus
67 Flugzeugen. Das ist sicherer...“

Nach einem Artikel in „Vocable“ vom 21.10.1999

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68I. (Zeilen 1- 23) : Welche Aussage paßt zum Text ? Nur eine Lösung ist
69 richtig.
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72 (______ / 21 Pkte)
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74
751.
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77a) Nicht alle Kollegen von Schroeder haben Respekt vor seiner Leidenschaft
78 zum Springen. 
79b) Alle Kollegen von Schroeder verstehen seine grosse Lust auf Springen. 
80c) Die Kollegen finden es einfach toll, dass der Wirtschaftsführer Schroeder 
81 gefährliche Hobbys hat.
82d) Unter den Kollegen begegnet Schroeder nur sanften Blicken. 
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852. Schroeder springt schon ….. regelmässig vom Flugzeug
86
87a) seit ungefähr 15 Jahren 
88b) seit der Geburt seines Sohnes 
89c) seit seinem 32. Geburtstag 
90d) seit vierzig Jahren 
91
923.
93
94a) Schroeder ist glücklich, wenn er Golf spielt. 
95b) Schroeder würde sich am Golfspielen sicher nicht freuen. 
96c) Für Schroeder sind Golf und Springen zwei Extremsportarten. 
97d) Für Schroeder ist der freie Fall keine Leidenschaft. 
98
994.
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101a) Der Extremsport ist für die Arbeit nutzlos. 
102b) Die Arbeit verlangt Konzentration, der Sport keine. 
103c) Die Arbeit sowie der Extremsport helfen, sich zu beherrschen. 
104d) Nur durch seine Arbeit lernt der Manager, in welcher Reihe er die Sachen
105 machen soll. 
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1075.
108
109a) Die Manager dürfen nur entscheiden, ob sie 50 Meter pro Sekunde fallen
110 oder nicht. 
111b) Die Topmanager müssen beim Fallschirmspringen das Risiko sehr gut
112 einschätzen, sonst kann der Fehler tödlich sein. 
113c) Beim Springen dürfen die Manager manchmal Fehler machen. 
114d) Obwohl man 50 Meter pro Sekunde fällt, ist das Springen nicht gefährlich. 
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1186.
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120a) Topmanager können sich auch in ihrer Arbeit auf sich selber konzentrieren. 
121b) Die Manager treiben individuelle Extremsportarten, weil sie sehr isoliert sind. 
122c) Die Chefs haben in ihrer Arbeit so viele Kontakte, dass sie auf der Suche
123 nach individuellen Sportarten sind. 
124d) Die Manager verfügen über etwa 90% Freizeit, deshalb suchen sie
125 individuelle Sportarten. 
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1277.
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129a) Für die Topmanager ist Extremsport das Mittel, die anderen kennen zu lernen. 
130b) Beim Sporttreiben setzen sich die Manager feste Grenzen, um das Risiko
131 zu vermeiden. 
132c) Beim Sporttreiben nehmen die Manager viele Risiken ein, um zu prüfen,
133 wie weit sie gehen können. 
134d) Topmanager laufen kein Risiko, adrenalinsüchtig zu werden. 
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II. (Zeilen 46-67) : Welche Aussagen sind richtig ( R ) ? Welche falsch ( F ) ?
Geben Sie bitte die Zeile(n) an. Wenn falsch, sagen Sie warum.

(_____ / 17 Pkte)

Aussage R/F Zeile Wenn falsch, warum ?


n

1. Manager, die Sport treiben,


sind geistig kräftiger als jene,
die sportlich nicht aktiv sind.

2. Manager, die einen Sport


treiben, machen eine
bessere Karriere.

3. Extremsportarten sollte man


erst treiben, wenn man 14
oder mehr Stunden
Schreibtischarbeit hinter sich
hat.

4. Die deutschen und


chinesischen Manager
haben die Wüste Gobi auf
Kamelen durchquert.

5. Radfahren, Schwimmen oder


Joggen sind Sportarten, auf
die man sich regelmässig
vorbereiten muss.

6. Dank seinem Hobby ist Herr


Schroeder bei einem Unfall
vom Fahrrad richtig gefallen
und dabei mit dem Leben
davongekommen.

7. Beim Bergsteigen lernt man,


wie man immer auf die
anderen zählen muss.

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