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Victor G.

Marian
Maschinenelemente und Mechatronik

1. Festigkeitslehre: Beanspruchungsarten (Kurzfassung)

Spannung, Dehnung, Elastizitätsmodul


Die mechanische Spannung σ ist ein Begriff aus der Festigkeitslehre, einem Teilgebiet der
technischen Mechanik. Sie ist die Kraft pro Flächeneinheit, die in einer gedachten
Schnittfläche durch einen Körper, eine Flüssigkeit oder ein Gas wirkt.
Allgemein ist die Spannung σ (engl. stress, fr. contrainte) der Betrag der Kraft F (engl. force)
pro Flächeninhalt A (engl. area):
F
σ=
A
Die auf ursprüngliche Länge bezogene Längenänderung heißt Dehnung.
∆l
ε=
l
Nach dem Hookeschen Gesetz (lineare Elastizitätstheorie) ist das Verhältnis
Spannung/Dehnung konstant und gleich dem Elastizitätsmodul.
σ
E=
ε

Spannungs - Dehnungsdiagramm
Als Elastizitätsgrenze bezeichnet man den Wert der mechanischen Spannung, bei dessen
Überschreiten plastische Deformation stattfindet. Im Spannungs-Dehnungs-Diagramm ist es
der Punkt, in dem die Spannungskurve vom linearen Verlauf abweicht. Dieser Punkt ist aber
nicht eindeutig definiert, sondern von der Meßmethode abhängig.
Die Elastizitätsgrenze kann entweder als Streckgrenze (Re) oder als Dehngrenze (Rp)
auftreten. Eine Streckgrenze liegt vor, wenn beim Aufbringen einer Dehnung die Spannung
nicht weiter ansteigt. Die Dehngrenze ist die auf einen Körper aufgebrachte Spannung, die
nach dem Entlasten eine geringe Verformung ergibt. Die gemessene Verformung wird mit
angegeben. Der übliche Wert ist 0,2% (Rp0,2).

Abbildung 1 Spannungs/Dehnungs-Diagramm

Als Zugfestigkeit (Rm) wird die maximale im Zugversuch erreichte Spannung bezeichnet.
Wenn die Probe nicht an diesem Punkt bricht, sinkt die Zugspannung bis zum Bruch wieder

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ab. Das Formelzeichen der Zugfestigkeit ist Rm. Dimension der Zugfestigkeit ist Kraft pro
Fläche. Häufig verwendete Maßeinheiten ist N/mm² oder MPa (MegaPascal).

Zulässige Spannung
Aus Sicherheitsgründen dürfen die Bauteile nur mit einem Teil der zu bleibenden
Verformung, zum Bruch oder Dauerbruch führendem Grenzspannung σlim belastet werden.
σ lim
σ zul =
ν
σzul – zulässige Spannung
σlim – Grenzspannung je nach Beanspruchungsart und Belastungsfall
ν – Sicherheitszahl

Arten der Beanspruchung


Zug
Stab wird gezogen, er erfährt eine
Verlängerung.
Die Zulässige Zugspannung ist :
R
σ zzul = e
ν
oder
Rm
σ zzul =
ν
σz – Zugspannung
σzzul – Zulässige Zugspannung
Abbildung 2 [1] Re – Streckgrenze
Rm – Zugfestigkeit
Der freigemachte Stab ergibt zwei Kräfte
ν – Sicherheitszahl
F, die in Richtung der Stabachse, d.h.
senkrecht zum Querschnitt, wirken; der

Druck

Richtung der Stabachse wirken; er wird


gedrückt und erfährt eine Verkürzung.
Die Zulässige Druckspannung ist :
σ dF
σ dzul = für Stahl
ν
oder
4 Rm
σ dzul = für Gusseisen
ν
σdF – Quentschgrenze
σdzul – Zulässige Druckspannung
Abbildung 3 [1]

Der Stab, Abbildung 3, wird ebenfalls


durch zwei Kräfte F beansprucht, die in

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Abscherung
haben das Bestreben, die Teile des Stabes
in diesem Querschnitt gegeneinander zu
verschieben.

F
τa =
S

τ aB
τ azul =
ν

Abbildung 4 [1] τazul – Zulässige Scherspannung


τaB – Scherfestigkeit
Auf dem Stab wirken zwei gleichgröße,
entgegengesetzt gerichtete Kräfte F
senkrecht zur Stabachse, Abbildung 4, und

Biegung
Bei beanspruchung auf Biegung treten im
Bauteil Zug- und Druckspannungen auf.
Die Maximale Spannung in die Randzone
des Bauteils wird berechnet, sie darf die
zulässige Biegespannung nicht übersreiten.
M Fl
σb = b =
W W
σb – Biegespannung
Mb – Biegemoment
W – axiales Wiederstandsmoment
Abbildung 5 [1] F – Biegekraft

Torsion

Auf den Stab wirkt ein


Torsionsmoment der versucht, die
einzelnen Querschnitte des Stabes
gegeneinander zu verdrehen.

Mt
τt =
Wp
τt – Torsionsspannung
Mt – Torsionsmoment
Wp – Polares Wiederstadsmoment
Abbildung 6 [1]

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Vergleich verschiedene Wiederstadsmomente [1]

Polares
Axiales Wiederstadsmoment
Form des Querschnits Wiederstandsmoment
W (Biegung)
Wp (Torsion)
Rundprofil
πd 3 πd 3
d W= Wp =
32 16

Rundes Hohlprofil
π (D 4 − d 4 ) π (D 4 − d 4 )
W = W =
d D 32 D 16 D

Vierkantprofil
z h3
Wx =
6
x x h W p = 0.208h 3
2h 3
Wz =
z 12

Rechteckprofil
y bh 2
Wx =
h 6
x x hb 2
Wy =
6
b
Schrifttum: [1] Fischer, U., und andere, Tabellenbuch Metall, 2006, Europa Lehrmittel Verlag