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Streite außergerichtlich klären

Prozesse vor Gericht kosten Geld, Zeit und Nerven. Darum ist es oft besser, einen Streit möglichst außergerichtlich zu
klären. Dabei helfen Ihnen in Niedersachsen etwa 600 Schiedspersonen. Ihre Aufgabe ist es, mit den Streitenden eine
gemeinsame Lösung zu finden. Dies gelingt oft.
Die Schiedspersonen arbeiten auch im Strafrecht. Bei so genannten Privatklagedelikten erhebt die Staatsanwaltschaft
nur Anklage, wenn dies im öffentlichen Interesse liegt. Dazu gehören z. B. Hausfriedensbruch, Beleidigung,
Körperverletzung, Bedrohung oder Sachbeschädigung. Wenn die Staatsanwaltschaft bei diesen Delikten keine
Anklage erhebt, können Sie vor Gericht eine Privatklage erheben, wenn Sie der Verletzte sind. Zuvor müssen Sie aber
vor einer Schiedsperson einen sogenannten Sühneversuch unternehmen. Dies kann zum Beispiel eine Entschuldigung
des Straftäters für seine Tat sein, aber auch andere Lösungen sind denkbar.
Schiedspersonen schlichten aber auch viele bürgerlich-rechtliche Streitigkeiten. Dabei geht es nicht nur um die
Klärung des Streits, sondern auch um die Wiederherstellung eines guten Verhältnisses aller Beteiligten. Das sind vor
allem Streitigkeiten zwischen Nachbarn oder Bekannten, zum Beispiel über Behauptungen, die einer von beiden
aufgestellt hat oder Sachen die der eine getan oder unterlassen hat.
Bevor ein solcher Streit vor Gericht geht, sollten Sie zuerst mit Hilfe einer Schiedsperson versuchen, sich zu einigen.
Für bestimmte Streitigkeiten müssen Sie sogar zur Schiedsperson gehen, bevor Sie vor Gericht eine Klage erheben
können. Dazu zählen das Nachbarrecht, Ansprüche wegen Verletzung der persönlichen Ehre und einige Ansprüche
aus dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Eine Klage vor dem Amtsgericht ist in diesen Fällen erst zulässig,
wenn versucht wurde, den Streit in einem Schiedsverfahren beizulegen, dies aber erfolglos blieb.
Den Namen und die Adresse der für Sie zuständigen Schiedsperson erfahren Sie bei Ihrer Gemeindeverwaltung, Ihrem
Amtsgericht und jeder Polizeidienststelle.

Schlichtungsstellen

Es ist immer das Beste, wenn Sie einen Streit ohne gerichtliche Hilfe klären. Dafür gibt es in Deutschland viele
verschiedene Schlichtungsstellen. Je nachdem, worüber Sie sich streiten, sind unterschiedliche Schlichtungsstellen
zuständig.

Wenn Sie zum Beispiel mit Ihrem Verkäufer über einen kaputten Fernseher streiten, können Sie zu einer
Schlichtungsstelle der Industrie-und Handelskammer gehen.

Es kann auch sein, dass Sie sich beim Hausbau mit dem Dachdecker streiten. Dann können Sie sich an eine der
Bauschlichtungsstellen in Niedersachsen wenden (z. B. Hannover, Osnabrück, Oldenburg). Bei Streiten zwischen
selbständigen Handwerkern und Ihnen als Auftraggeber können Sie die Schlichtungsstellen der Handwerkskammern
aufsuchen.

Schieds- und Schlichtungsstellen gibt es auch für:

 das Kraftfahrzeughandwerk
 den Gebrauchtwagenhandel
 Streite mit Ärztinnen oder Ärzten
 Streite mit Architektinnen und Architekten
 Streite mit Steuerberaterinnen und Steuerberatern

Was ist Mediation?

Konflikte können auch mit Hilfe der so genannten Mediation gelöst werden. Dieses Verfahren zielt darauf ab, einen
Streit durch eine selbstbestimmte und einvernehmliche Regelung zu klären. Die beteiligten Personen versuchen
zusammen mit einer vermittelnden Person eine Lösung für den Streit zu finden, die auch die Interessen dritter
Personen wahrt, z. B. die der gemeinsamen Kinder. Gleichzeitig soll die herbeigeführte Lösung Folgestreitigkeiten
vermeiden. Die vermittelnden Personen sind speziell für dieses Verfahren ausgebildet.

Mediation im Güterichterverfahren
Einvernehmliche Streitbeilegung trotz Klage?
Bei vielen Streitigkeiten scheint der Gang zum Gericht ohne Alternative zu sein.
Wer aber einmal einen Rechtsstreit geführt hat, weiß, dass persönliche oder geschäftliche Beziehungen im
Gerichtsprozess leiden können:

 Die Fronten verhärten sich,


 Das Gespräch findet nur noch über die eingeschalteten Anwälte statt,
 Oft folgen weitere Prozesse.

Das kann misslich sein, wenn die Beziehungen auch für die Zukunft wichtig sind wie zum Beispiel die zu
Vermietern/Mietern, Nachbarn oder Geschäftspartnern.

Gibt es nach Klageerhebung noch einen Weg zurück an den Verhandlungstisch?

Es gibt ihn:

Seit dem Jahre 2002 wird in Niedersächsischen Gerichten Mediation angeboten, seit dem Jahre 2013 im Rahmen des
so genannten Güterichterverfahrens.

Mediation ist ein Konfliktregelungsverfahren, bei dem die Parteien mit Hilfe eines besonders ausgebildeten neutralen
Dritten versuchen, eine einvernehmliche Lösung ihres Konflikts zu finden. Die Mediatorin oder der Mediator
entscheidet nicht, sondern fördert und moderiert das Gespräch der Parteien und unterstützt so die Suche nach einer
interessengerechten Lösung. Gelingt es, ein solches Gespräch in Gang zu setzen, so sind regelmäßig umfassende und
nachhaltig befriedigende Lösungen zu erzielen.

Wesentliche Merkmale der Mediation sind:

 Freiwilligkeit (bezüglich Beginn, Durchführung und Ende der Mediation),


 Unparteilichkeit der Mediatorin oder des Mediators,
 Nichtöffentlichkeit und Vertraulichkeit des Verfahrens.

Güterichterverfahren

Nachdem in den Jahren 2002 bis 2005 die Mediation im Rahmen eines Modellvorhabens erprobt und in den
Folgejahren wegen der guten Resonanz und der hohen Erfolgsquote immer weiter ausgebaut worden sind, bieten die
Gerichte in Niedersachsen seit dem Jahre 2013 Mediation im Rahmen des so genannten Güterichterverfahrens an.

Die Güterichterinnen und Güterichter unterstützen die Konfliktparteien in einer vertraulichen Verhandlung dabei,
gemeinsam eine einvernehmliche, selbstbestimmte und für alle tragbare Lösung zu entwickeln. Die besondere
Gesprächsführung stellt dabei die Interessen und Bedürfnisse der Beteiligten in den Mittelpunkt. Die Güterichter sind
neutral und allparteilich. Sie geben grundsätzlich keinen rechtlichen Rat. Das Güterichterverfahren ist erfolgreich: In
drei von vier Fällen kommt es zu einer Einigung. Wenn das Gespräch ohne Ergebnis endet, wird das
Gerichtsverfahren fortgesetzt; die oder der Güterichter wirkt hieran nicht mit.

Vorgerichtliche Mediation

Selbstverständlich muss nicht erst eine Klage erhoben werden, um eine Mediation durchzuführen. Im Gegenteil kann
eine außergerichtliche Streitbeilegung Kosten, Zeit und Nerven sparen. Verschiedene Schlichtungseinrichtungen und
freiberufliche Mediatoren bieten diese Form der Streitbeilegung außergerichtlich an. Es ist deshalb sinnvoll, sich
frühzeitig über diese Möglichkeit zu informieren.