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Aus der Struktur der Leim-

fäden des Konzeptmo -


dells sind am realisierten
Haus die schräg stehen-
Text Jan Friedrich Fotos Stefan Müller den Staketen geworden.
Modellfoto: Architekten,
Lageplan im Maßstab
1:5000

haupt nicht mehr Land, aber mindestens genau-


so wenig Stadt sind. Vielleicht ist die Wirkung
von maschinell bearbeitetem Holz in seiner Am-
bivalenz zwischen natürlich und künstlich, ro-
bust und verletzlich ein sträflich unterschätzter
Vermittler zwischen Nicht-Stadt und Nicht-Land.
Holz mag das Potenzial innewohnen, Peripherien
zu Orten ganz eigener Prägung zu machen.
Doch muss ein Gewerbe-Bauherr, der sich die-
ser Tage für einen Holzbau entscheidet, an-
scheinend immer noch einer sein, der unmittel-
bar oder zumindest mittelbar mit Holz zu tun
hat. So wie die Firma Jowat in Detmold, die seit
hundert Jahren Leime und andere Klebstoffe
für die unterschiedlichsten Anwendungen her-
stellt, allem voran für die Möbelindustrie. Nicht,
dass auf dem Gelände von Jowat, das sich am
nördlichen Rand Detmolds entlang einer Bun-
desstraße erstreckt, bisher schon viel mit Holz
gebaut worden wäre. Nein, das neue „Haus der
Technik“ auf einem Grundstück gegenüber auf
der anderen Straßenseite, ist der erste Holzbau
des Unternehmens.
Das Haus der Technik beherbergt ein buntes
Programm: ein Auditorium für 200 Besucher, in
Nicht nur außen am Sockel, dem die Firma Schulungen und andere Veranstal-
sondern auch im Foyer

Robust
tungen durchführt, das aber auch extern ver-
Das Firmengebäude, das IfuH, CKRS und Roe-
sollte Sichtbeton die holz-
dominierte Materialpalet­- mietet wird; eine Ausstellung zur Unternehmens-
geschichte; Werkstätten, Maschinenräume und
dig Schop Architekten für einen Klebstoff-
te vervollständigen. Der Bau-
herr war allerdings so un­
Labore, in denen die Mitarbeiter die Haltbarkeit
zufrieden mit der Ausfüh-
rungsqualität der Ortbeton-
wände, dass er sie kurzer-
hersteller in Detmold geplant haben, befeu- von Klebstoffen testen und Neuentwicklungen
aus der Taufe heben; außerdem eine Reihe von
hand spachteln und weiß
streichen ließ. ert die Frage, warum nicht vor allem am Büros und Technikräumen. Insgesamt rund
5000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche.
Stadtrand viel häufiger mit Holz gebaut wird Der Bauherr beauftragte Züblin Timber, die
Holzbautochter der Baufirma Züblin, als Gene-
Weshalb Wohn- oder Bürohäuser aus Holz in un- genheit werden lässt, sind Industriebauten in der ralunternehmer mit dem Bau des Hauses. Der
seren Innenstädten nur vereinzelt anzutreffen Regel unproblematisch. Generalunternehmer wiederum beauftragte
sind, das ist eine Frage, über die man sich treff- Was auch immer der Grund ist, warum sich IfuH Architekten mit Roedig Schop Architekten
lich den Kopf zerbrechen kann. Dass Holz aber Holzkonstruktionen im Gewerbebau bisher nicht und CKRS Architekten aus Berlin mit der Ent-
auch in den Industriegebieten rund um unsere weiter durchgesetzt haben – es ist bedauerlich. wurfs- und Ausführungsplanung. Das Nutzungs-
Städte derart selten als Baumaterial vorkommt, Jeder mit einigem Anspruch gemachte Holzbau, programm, das zum einen Teil gestapelte, ein-
ist ein Umstand, der eigentlich weitaus verwun- der sich doch einmal zwischen all die Blech-, Be- geschossige Räume, zum anderen Teil doppel-
derlicher ist. Schließlich sind die Spannweiten, tonfertigteil- oder Sonst-wie-Hallen und Bürorie- geschossige Hallen erforderte, organisierten
die es für die üblichen Fertigungs- oder Lager- gel verirrt hat, bringt die architektonische Ver- die Planer unter einem einzigen mächtigen, von
hallen zu überwinden gilt, mit den Mitteln des nachlässigung derartiger Gewerbegebiete umso Leimholzbindern getragenen Dach.
zeitgenössischen Holz- und Holzhybridbaus bes- schmerzhafter ins Bewusstsein. Gleichzeitig Gestaltprägend für das Haus sind mehrere
tens zu schaffen. Und auch in Sachen Brand- zeigen die wenigen Holzbauten, die es dort gibt, Dutzend Staketen, schräg stehende Kanthöl-
schutz, der mehrgeschossige Häuser in Holz- was für ein passendes Material Holz doch ist zer, die Dachkante und Betonsockel rund um die
bauweise zu einer kniffligen Planungsangele- für diese „städtischen“ Ränder, die freilich über- drei verglasten Seiten des Gebäudes zusammen-

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binden. Man ist an Mikadostäbe erinnert, die je-
mand versuchte, in einer Reihe auszuwerfen.
Die Staketen gehören nicht zum Tragwerk, son-
dern sind als zweite Fassadenschicht vor der
Holz-Glas-Fassade, als „Filter“, zu lesen. Die Idee
dazu verdankt sich einem Arbeitsmodell: Die Ar-
chitekten bestrichen zwei Holzplatten mit Leim,
pressten sie zusammen und zogen sie wieder
auseinander. Die Struktur aus Leimfänden, die
so im Zwischenraum entstand, materialisiert
Architekten sich am fertigen Gebäude in Form der Staketen.
IfuH Architekten Partner- Die bildhafte Wiedererkennbarkeit, die die Ar-
schaft P. Koch, C. Roedig, chitekten dem Haus der Technik verliehen, macht
D. Rozynski mit roedig. es stark genug, dass es sich in der disparaten
schop architekten (LP 1–4)
Umgebung behaupten kann. Und die Figur ist aus-
und CKRS Architekten
(LP 5), Berlin reichend robust, um einige Schwächen in Detail-
lierung und Ausführung auszuhalten. Die sind vor
Mitarbeit
allem wohl dem Umstand geschuldet, dass die
Robert Marte, Marin Bala-
Architekten nicht Auftragnehmer des Bauherrn,
banov, Matthias Wey-
rauch, Radu Slach, Nadina sondern des Generalunternehmers waren, wo-
Dienel durch der übliche Kostendruck noch einmal erheb-
lich stieg. Holz kann eine Menge ab. Nicht zu-
Tragwerksplanung
letzt das macht es zu einem perfekten Mitstrei-
B. Walter, Aachen
ter gegen die Banalität des Stadtrands.
Planung TGA
Heinz Kluge, Ettlingen (HLS)
Schlindwein, Bruchsal
(Elektro und MSR)

Freianlagen
HochC Landschaftsarchi-
tektur, Berlin

Brandschutzgutachten
Eberl-Pacan, Berlin

Generalunternehmer

Über die Galerie gelangen Ed. Züblin AG,


1 Auditorium Bereich Züblin Timber
Besucher durch die Ma-
2 Foyer/Ausstellung schinenhallen hindurch zu
3 Maschinenraum den Büros. Das Auditori- Bauherr
um lässt sich mittels einer Jowat SE, Detmold
4 Labor
Schiebewand in zwei
5 Lager gleichzeitig nutzbare Ver-
6 6 Archiv anstaltungsräume teilen.
7 Küche Die Decke in den Labors ist
7 keine reine Holzkonstruk-
5 tion, sondern eine Holz-Be-
ton-Verbunddecke.
Grundrisse und Schnitt im
Maßstab 1 :750
Die schräg stehenden Sta-
keten werfen die Frage
auf, ob sie nun Tragkonstruk-
tion sind oder nicht. Sie
sind es nicht.

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