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1. Auflage Dezember 2018

Copyright © 1966 by Charles H. Hapgood


Copyright © 2018 für die deutschsprachige Ausgabe bei
Kopp Verlag, Bertha-Benz-Straße 10, D-72108 Rottenburg

Titel der amerikanischen Originalausgabe:


Maps of the Ancient Sea Kings

Alle Rechte vorbehalten

Covergestaltung: Nicole Lechner


Übersetzung: Theresia Übelhör
Die Übersetzerin dankt dem Freundeskreis Literaturübersetzer e.V. für ein
Arbeitsstipendium, das vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und
Kunst Baden-Württemberg ermöglicht wurde.
Lektorat: Christina Neuhaus
Satz und Layout: opus verum

ISBN E-Book 978-3-86445-646-6


eBook-Produktion: GGP Media GmbH, Pößneck

Gerne senden wir Ihnen unser Verlagsverzeichnis


Kopp Verlag
Bertha-Benz-Straße 10
D-72108 Rottenburg
E-Mail: info@kopp-verlag.de
Tel.: (07472) 98 06-0
Fax: (07472) 98 06-11

Unser Buchprogramm finden Sie auch im Internet unter:


www.kopp-verlag.de

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Entdeckungen werden häufig von Menschen gemacht, die Anregungen
anderer Menschen aufgreifen und das Thema dann weiterverfolgen. Das ist
auch bei diesem Buch der Fall. Es ist das Ergebnis von 7 Jahren intensiver
Forschung, die durch eine andere Person angestoßen wurde.
Und diese Person ist Captain Arlington H. Mallery. Er wies als Erster
darauf hin, dass die Karte von Piri Reis, die 1929 wiederentdeckt, aber bereits
im Jahr 1513 angefertigt wurde und auf deutlich älteren Karten basiert, einen
Teil der Antarktis zeigt und die ursprüngliche Karte dieser Küste gezeichnet
worden sein muss, bevor die heute gewaltige antarktische Eiskappe die
Küsten des Königin-Maud-Lands überzog. Seine sensationelle Vermutung
war der Impuls für unsere Forschungen.
Deshalb widme ich dieses Buch mit großer Wertschätzung Captain
Arlington H. Mallery.

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Einleitung

Dieses Buch handelt von der Geschichte einer Entdeckung – der Entdeckung
erster stichhaltiger Belege für die These, dass es vor den in der Geschichte
bekannten Völkern bereits hochentwickelte Kulturen gegeben haben muss.
Offenbar übernahmen Seekarten die Funktion, korrekte Informationen von
Generation zu Generation weiterzugeben. Und es hat den Anschein, als ginge
der Ursprung all dieser Karten auf ein unbekanntes Volk zurück und als
hätten dieses Wissen dann die Minoer (die Hochkultur des antiken Kreta) und
die Phönizier übernommen, die etwa 1000 Jahre lang die größten Seefahrer
der Antike waren. Uns liegen Hinweise vor, dass diese Karten in der großen
Bibliothek von Alexandria aufbewahrt und studiert wurden und die dort
arbeitenden Geografen Kompilationen aus ihnen erstellten.
Noch vor der Zerstörung der großen Bibliothek müssen viele dieser Karten
in andere Wissenszentren gebracht worden sein, vermutlich vor allem nach
Konstantinopel, das während des gesamten Mittelalters ein Hort der
Gelehrsamkeit blieb. Vermutlich wurden die Karten bis zum 4. Kreuzzug
(1204 n. Chr.) dort aufbewahrt, in dessen Verlauf die Venezianer die Stadt
eroberten. Einige dieser Karten tauchten ein Jahrhundert nach diesem
»umgelenkten« Kreuzzug (die venezianische Flotte sollte eigentlich ins
Heilige Land segeln) in Europa auf. Andere kamen erst Anfang des 16.
Jahrhunderts wieder ans Tageslicht.
Auf den meisten dieser Karten sind das Mittelmeer und das Schwarze
Meer abgebildet, doch es sind auch Karten anderer Weltregionen erhalten.
Dazu zählen Karten von Nord- und Südamerika sowie der Arktis- und
Antarktisregionen, die belegen, dass diese frühen Seefahrer von Pol zu Pol
segelten. So unglaublich es auch erscheinen mag, weisen Indizien darauf hin,
dass einige Völker die Antarktis bereits in einer Zeit erkundeten, als deren
Küsten noch eisfrei waren. Darüber hinaus ist klar, dass sie ein
Navigationsinstrument zur Bestimmung der geografischen Längen besessen
haben müssen, das all jenen Werkzeugen deutlich überlegen war, die den

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Menschen der Antike, des Mittelalters und der Neuzeit bis zur zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts zur Verfügung standen.
Diese Anzeichen für eine verloren gegangene Technologie stützen und
bestätigen viele weitere Hinweise, die im vergangenen Jahrhundert zur
Untermauerung der Hypothese einer in fernen Zeiten untergegangenen
Zivilisation vorgelegt wurden. Auch wenn die etablierte Wissenschaft die
meisten dieser Belege bislang ins Reich der Mythen und Legenden verwiesen
hat, liegen uns nun Befunde vor, die nicht mehr ohne Weiteres abgetan
werden können. Sie sind so überzeugend, dass alle bisherigen Belege
unbedingt noch einmal unvoreingenommen untersucht werden müssen.
Auf die unausweichliche Frage, ob diese bemerkenswerten Karten denn
echt seien, kann ich nur antworten, dass sie – mit einer Ausnahme – alle seit
Langem bekannt sind. Die Piri-Reis-Karte von 1513 wurde zwar erst 1929
wiederentdeckt, doch ihre Echtheit ist, wie wir sehen werden, hinreichend
nachgewiesen. Auf die sich anschließende Frage, warum denn bisher
niemand auf all das gestoßen ist, kann ich nur antworten, dass Entdeckungen
nicht selten auf der Hand zu liegen scheinen – zumindest im Rückblick.

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Vorwort

Der Geograf und Geologe William Morris Davis schrieb einmal über »Den
Nutzen provokanter geologischer Hypothesen«.1 Seiner Meinung nach
wecken solche Hypothesen das Interesse, sie reizen zum Widerspruch und
stoßen damit Gärungsprozesse an, die für den Fortschritt der Geologie
nützlich sind. Ich bin mir sicher, Mister Hapgood wird mir beipflichten, dass
sein Buch eine Unmenge an provokanten kartografischen und historischen
Hypothesen enthält, die wuchern wie Weinreben am Äquator. Seine
Hypothesen werden unter den historisch orientierten konservativen
Kartografen und den kartografisch orientierten Historikern gewiss Empörung
auslösen. Doch während konservativ Gesinnte wie wilde Stiere auf rote
Tücher reagieren werden, werden Forscher mit radikalen bilderstürmerischen
Neigungen wie Bienen vom süßen Klee angelockt werden, und die Liberalen
dazwischen von einem stimulierenden Gefühl der Verwunderung erfüllt sein.
Eine Karte aus dem Jahr 1513 – die Karte des türkischen Admirals Piri
Reis – ist das Samenkorn, aus dem dieser Weinstock hervorgegangen ist.
Doch nur die westliche Hälfte dieser Karte ist erhalten geblieben. Sie zeigt
die Küste des Atlantiks von Frankreich und der Karibik im Norden bis
hinunter zu dem, was Charles Hapgood (in Übereinstimmung mit Captain A.
H. Mallery) für die Antarktis hält. Natürlich ist die Behauptung, irgendein
Teil der Antarktis sei bereits vor 1513 kartografiert worden, an und für sich
schon aufsehenerregend. Doch noch spektakulärer sind die davon
ausgehenden Thesen, die Mister Hapgood aus zusammen mit seinen
Studenten durchgeführten intensiven Untersuchungen dieser und anderer
Karten des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit entwickelt hat. Durch
diese mehr als 7 Jahre dauernden Analysen ist er zu der Überzeugung
gelangt, dass die Karten von Prototypen aus vorhellenischer Zeit (vielleicht
aber sogar aus der letzten Eiszeit!) stammen, dass diese älteren Karten auf
einem differenzierten Verständnis der sphärischen Trigonometrie von
Kartenprojektionen basieren und – das scheint noch unglaublicher zu sein –

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auf detaillierten und korrekten Kenntnissen der geografischen Breiten und
Längen der Küstenformationen eines Großteils der Erde.
Meiner Meinung nach ist Mister Hapgoods Erfindungsgeist bei der
Entwicklung seines Grundkonzepts, mit dem er die Genauigkeit der Karten
nachweist, faszinierend und kann als wichtigster Beitrag dieses Buches
betrachtet werden. Ob man seine »Identifizierungen« und »Lösungen« nun
akzeptiert oder nicht, eines ist unbestreitbar: Er hat Hypothesen aufgestellt,
die unbedingt nach weiteren Untersuchungen verlangen. Darüber hinaus
werfen seine Vermutungen, weshalb Zivilisationen verschwanden, die in
Wissenschaft und Navigation so fortschrittlich waren, dass sie die
mutmaßlich verloren gegangenen Prototypen der von ihm untersuchten
Karten erstellen konnten, interessante philosophische und ethische Fragen
auf. Hätte Sportin’ Life aus Porgy and Bess dieses Buch gelesen, dann hätte
es ihn inspiriert zu singen: »Es muss nicht unbedingt … es muss nicht
unbedingt … es muss nicht unbedingt nicht so sein.«

John K. Wright 2
Lyme, New Hampshire
7. Juni 1965

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Kapitel I
Die Schatzsuche beginnt

1929 wurde im alten Sultanspalast des einstigen Konstantinopels eine


Seekarte entdeckt, die für Furore sorgte. Sie ist auf Pergament gezeichnet und
auf den Monat Muharrem des islamischen Jahres 919 datiert, das im
christlichen Kalender 1513 entspricht. Signiert ist sie von einem türkischen
Admiral mit dem Namen Pīrī Re’īs Hacı Mehmed, der auch unter dem
Namen Piri Reis bekannt ist.1
Die Karte erregte Aufsehen, weil sie aufgrund ihrer Datierung eine der
frühesten Karten von Amerika zu sein schien. Im Jahr 1929 erlebte die Türkei
unter der Präsidentschaft von Kemal Atatürk eine sehr nationalistische Phase,
und man freute sich, eine frühe Karte Amerikas entdeckt zu haben, die von
einem türkischen Geografen angefertigt worden war. Darüber hinaus ergab
eine Überprüfung, dass diese Karte sich deutlich von allen anderen Karten
Amerikas unterschied, die im 16. Jahrhundert entstanden waren, weil sie
Südamerika und Afrika mit den korrekten relativen Längen abbildete. Das
war höchst bemerkenswert, weil die Navigatoren des 16. Jahrhunderts über
kein Instrument verfügten, mit dem sie die geografischen Längen hätten
bestimmen können, diese also nur schätzen konnten.
Ein weiteres Detail der Karte erregte besondere Aufmerksamkeit. In einer
der Legenden gibt Piri Reis an, der westliche Teil basiere auf einer Karte, die
von Kolumbus gezeichnet worden sei – eine aufregende Feststellung, denn
Geografen hatten seit mehreren Jahrhunderten erfolglos versucht, eine
»verschollene Karte von Kolumbus« ausfindig zu machen, die er in der
Karibik angefertigt haben soll. Türkische und deutsche Gelehrte untersuchten
die neu entdeckte Karte, und in Fachzeitschriften und sogar der
Boulevardpresse erschienen zahlreiche Artikel über diese Entdeckung.2
Einer dieser Artikel, der in den Illustrated London News (1) 3 erschienen
war, sprang dem amerikanischen Außenminister Henry Stimson ins Auge.
Stimson meinte, es könne sich lohnen, die tatsächliche Quelle ausfindig zu
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machen, die Piri Reis genutzt hatte – also eine möglicherweise von
Kolumbus erstellte Karte, die sich vielleicht irgendwo in der Türkei befand.
Deshalb wies er den amerikanischen Botschafter in der Türkei an, um eine
Nachforschung zu ersuchen.4 Die türkische Regierung kam dieser Bitte nach,
aber die Suche blieb erfolglos (siehe nachfolgenden Exkurs).

Exkurs

Schreiben der türkischen Botschaft in Washington zu Piri


Reis
Türkische Botschaft
Washington, D. C.

28. Januar 1965

Mr. Robert L. Merritt, Rechtsanwalt


Hippodrome Building Cleveland 14, Ohio

Sehr geehrter Herr Merritt,


in Beantwortung Ihres Schreibens vom 16. Oktober 1964 lege ich Ihnen gerne eine Fotokopie der
Piri-Reis-Karte bei, die kürzlich aus Ankara eingetroffen ist. Soweit wir wissen, wurde die
Originalkarte auf Gazellenleder gezeichnet. Wir fügen unten eine kurze Biografie von Piri Reis an,
die für Sie möglicherweise von Interesse ist.

»Er wurde in der Stadt Karaman, nahe Konya, in der Türkei geboren. Das genaue Geburtsdatum ist
unbekannt. Schon in jungen Jahren schloss er sich seinem Onkel Kemal Reis an, einem bekannten
Piraten. Bald tat er sich bei den diversen Raubzügen der kleinen Flotte seines Onkels an der
französischen und venezianischen Küste hervor. Als Kemal Reis die Seeräuberei aufgab und
während der Regierungszeit von Beyazit II. (1481–1512) in die Flotte des Osmanischen Reiches
eintrat, folgte ihm Piri Reis und wurde zum Kapitän ernannt. Durch die Schlachten von Modon und
Inebahti (Lepanto) wurde er berühmt. Laut Aussage des Historikers von Hammer gelangte er durch
seine Taten in diesen Schlachten zu ›großem Ruhm‹.

Piri Reis, dessen wirklicher Name Muhiddin Mehmed lautete, blieb auch während der
Regierungszeit von Yavuz Selim (1512–1520) und Suleiman dem Großen (1520–1566) bei der
Osmanischen Flotte. Er diente unter Hayreddin Paşa, von den christlichen Europäern Barbarossa
genannt, dem Großwesiradmiral der Flotte des Osmanischen Reiches. Im Jahr 1551 wurde er zum
Oberbefehlshaber der Flotte von Ägypten ernannt, das damals eine Kolonie des Osmanischen
Reiches war. Noch im selben Jahr unternahm er eine Eroberungsfahrt mit 31 Schiffen, nahm den
Hafen Maskat auf der arabischen Halbinsel ein und belagerte die Inseln von Hormus im Persischen
Golf. Die Inselbewohner boten ihm im Gegenzug für die Aufhebung der Belagerung Schätze an, die
er als Kriegsbeute annahm. Auf dem Rückweg erreichte ihn die Nachricht, dass eine starke
portugiesische Flotte die Zufahrt zum Persischen Golf blockiere. Er ließ alle Schätze, die er von den

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Inselbewohnern erhalten hatte, auf drei Schiffe verladen, ließ die übrigen 28 Schiffe zurück und
segelte in Richtung Istanbul. Als er die portugiesische Blockade durchbrach, verlor er eines seiner
Schiffe, aber es gelang ihm, mit den beiden verbliebenen sicher nach Ägypten zurückzukehren. Der
Statthalter von Ägypten, einer seiner politischen Widersacher, stellte die Fakten dem Sultan in
Istanbul gegenüber falsch dar und berichtete, dass ›Piri Reis lediglich mit 2 Schiffen zurückgekehrt
sei, obwohl er mit 31 losgesegelt war‹, ohne die Schätze zu erwähnen, die er mitgebracht hatte.
Suleiman geriet in Rage und befahl in seiner Wut, Piri Reis hinzurichten – das war einer der sehr
wenigen verhängnisvollen Fehler seiner 46 Jahre währenden Regierungszeit. Piri Reis wurde 1554
in Ägypten hingerichtet.

Sein berühmtestes Werk, das Segelhandbuch Kitab-i Bahriye, gilt als ausgezeichnetes geografisches
Werk seiner Zeit. Darüber hinaus fertigte er eine Weltkarte an, die in den vergangenen Jahren
mehrfach reproduziert wurde. Außerdem verfasste er zahlreiche Gedichte.«

Hochachtungsvoll
Ali Suat Cakir
Zweiter Sekretär

Doch Piri Reis lieferte noch weitere interessante Hinweise zu seinen


Ursprungskarten. Er gab an, dass er auf etwa zwanzig Quellen
zurückgegriffen habe, dass einige davon zu Zeiten Alexanders des Großen
angefertigt worden seien und manche auf mathematischen Berechnungen
basierten.5 Inzwischen hat es zwar den Anschein, als seien diese Angaben im
Wesentlichen korrekt, doch in den 1930er Jahren konnte die Fachwelt noch
keine dieser Behauptungen bestätigen.
Daher ließ das öffentliche Interesse an der Piri-Reis-Karte im Laufe der
Zeit nach. Man hörte nichts mehr von ihr, bis sie 1956 durch eine Reihe
kurioser Zufälle in Washington D. C. erneut Aufmerksamkeit erregte. Ein
Offizier der türkischen Marine hatte dem United States Hydrographic Office
eine Kopie der Karte als Geschenk mitgebracht (ohne allerdings zu wissen,
dass in der Kongressbibliothek und anderen führenden Bibliotheken der
Vereinigten Staaten bereits Faksimiles vorhanden waren). Die Karte wurde
M. I. Walters, einem Kartografen des Mitarbeiterstabs, übergeben.
Walters zeigte die Karte einem Freund, der großes Interesse an alten
Karten hegte und schon mehrfach neue Wege in Grenzbereichen der
Archäologie beschritten hatte – Captain Arlington H. Mallery. Mallery hatte
nach einer herausragenden Karriere als Ingenieur, Nautiker, Archäologe und
Autor (130) einige Jahre dem Studium alter Karten gewidmet, insbesondere
alter Karten von Nordamerika und Grönland aus der Wikingerzeit. Er nahm
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die besagte Karte mit nach Hause und gab sie schließlich mit einigen sehr
überraschenden Kommentaren wieder zurück. Seiner Meinung nach zeigte
der südlichste Teil der Karte die Buchten und Inseln der Antarktisküste des
Königin-Maud-Lands, die inzwischen von der antarktischen Eiskappe
bedeckt sind. Und das würde bedeuten, so schlussfolgerte er, dass
irgendjemand diese Küste vor der Entstehung der Eisschicht kartografiert
haben musste.
Diese Behauptung war zu radikal, um von den meisten professionellen
Geografen ernst genommen zu werden, aber Walters war der Ansicht, dass
Mallery recht haben könnte. Mallery zog andere Wissenschaftler zurate, um
seine Entdeckung zu überprüfen. Zu ihnen zählten Reverend Daniel L.
Linehan, Leiter des Weston Observatoriums am Boston College, der die
Antarktis schon bereist hatte, und Reverend Francis Heyden, Leiter des
Observatoriums der Georgetown Universität. Diese erfahrenen Gelehrten
vertrauten Mallery. Linehan und Walters nahmen am 26. August 1956
zusammen mit Mallery an einer von der Georgetown Universität
veranstalteten Radiodiskussion teil. Wie ich erfuhr, waren
Tonbandaufzeichnungen von dieser Sendung erhältlich, und ich besorgte mir
eine Kopie davon. Das Vertrauen, das Mallery von Männern wie Walters,
Linehan und Heyden entgegengebracht wurde, beeindruckte mich, und als ich
Mallery später persönlich kennenlernte, konnte ich mich selbst von seiner
Redlichkeit und Aufrichtigkeit überzeugen. Ich hatte das Gefühl, dass
Mallery trotz der Unwahrscheinlichkeit seiner Theorien und der – damals –
fehlenden Beweise recht haben könnte.
So beschloss ich, die Karte so gründlich wie möglich zu untersuchen, und
begann am Keene State College mit meinen Nachforschungen.
Diese Untersuchungen erfolgten im Rahmen meiner Lehrtätigkeit am
College, und die Studenten spielten von Anfang an eine entscheidende Rolle
dabei.6 Ich hatte es mir zur Gewohnheit gemacht, ihr Interesse für Probleme
in Grenzbereichen der Wissenschaft zu wecken, weil ich der Meinung bin,
dass ungelöste Fragen ihre Intelligenz und Fantasie mehr beflügeln als die
bereits gelösten Probleme in den Lehrbüchern. Außerdem bin ich schon lange
der Ansicht, dass der Nichtfachmann in der Forschung eine weit wichtigere
Rolle spielt, als gemeinhin angenommen wird. Ich lehre
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Wissenschaftsgeschichte, und mir ist schon lange klar, dass die meisten
radikalen Entdeckungen, die manchmal auch als »Durchbrüche« bezeichnet
werden, von den Experten der betreffenden Gebiete zunächst strikt abgelehnt
werden. Dabei ist natürlich jeder Wissenschaftler zu Beginn erst einmal
Amateur, und Kopernikus, Newton, Darwin waren Amateure, als sie ihre
wichtigsten Entdeckungen machten. Im Laufe vieler Arbeitsjahre wurden sie
schließlich zu Spezialisten auf den von ihnen selbst erst geschaffenen
Gebieten. Ein angehender Spezialist, der sich indes damit begnügt, sich nur
das Wissen anzueignen, das andere vor ihm bereits erlangt hatten, wird kaum
selbst etwas Neues anstoßen. Ein Experte ist ein Mensch, der auf seinem
Gebiet alles weiß – beziehungsweise fast alles –, aber glaubt, er wüsste alles
Wichtige. Und auch wenn er nicht der Meinung ist, alles zu wissen, dann
geht er zumindest davon aus, dass die anderen Menschen weniger und
Amateure gar nichts wissen. Deshalb hegt er trotz der Tatsache, dass es die
Amateure waren, denen unzählige wichtige Entdeckungen auf allen Gebieten
der Wissenschaft zu verdanken sind, eine törichte Verachtung für diese
Nichtfachleute.7 Und genau aus diesem Grund zögerte ich nicht, meine
Studenten mit dem Problem der Piri-Reis-Karte zu konfrontieren.

Exkurs

Piri Reis – biografische Angaben 8


Pīrī Muḥyi ’l-Dīn Re’is, osmanischer Navigator und Kartograf, war wahrscheinlich christlicher
(griechischer) Abstammung und soll Neffe des berühmten Korsaren Kemāl Re‘is gewesen sein, der
wahrscheinlich ein Abtrünniger war; siehe dazu Hans-Albrecht von Burski: Kemal Re’is, ein
Beitrag zur Geschichte der türkischen Flotte, Dissertation, Bonn, 1928, und vor allem J. H.
Mordtmann: Zur Lebensgeschichte des Kemāl Re’is, M.S.O.S., xxxii, Teil 2, Berlin, 1929, S. 39–49
und S. 231 ff. Sein Vater soll ein gewisser Hādjdjī Mehmed gewesen sein, während Piri Reis sich
im Vorwort zu seinem Segelhandbuch als Sohn von Hādjdjī Hakīrī bezeichnet, ein Name, der
möglicherweise nur deshalb gewählt wurde, weil er sich auf Pīrī reimt (siehe Sinān B.’Abd al-
Mannān oder Dāwūd B.’Abd al Wudūd und ähnliche Reimnamen der Väter von Seeräubern, die
gewöhnlich mit ’Abd kombiniert wurden). Weil Hakīrī kein ’alam, sondern höchstens ein makhlas
gewesen sein kann, ist die wahre türkische Abstammung von Piri Reis mehr als zweifelhaft, wenn er
nicht einfach Hakīrī Mehmed hieß, das heißt einen Namen trug, der später nachweisbar ist und sich
tatsächlich im Sidjilli-i‘othmāni, ii, Seite 239, findet. In derselben Quelle heißt es (S. 44), der volle
Name des Korsaren lautete Pīrī Muḥyi ’l-Dīn Re’is. Jedenfalls kann man mit Sicherheit davon
ausgehen, dass Pīrī als takhallus verstanden werden muss, während der wahre Name ’alam
wahrscheinlich Mehmed bedeutete – die Kombination Pīrī Mehmed war im 16. Jahrhundert
durchaus geläufig – das heißt ein ’alam, dem Muhyi ’l-Din als khitāb entsprach (siehe Isl., xi, 1921,
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S.20, Fußnote 3).
Vom Leben des Piri Reis ist lediglich bekannt, dass er viele Reisen unter seinem Onkel Kemāl Re’is
(gestorben 16. Shawwāl 916 = 16. Januar 1511) unternahm und sich später unter Khair ad-Din
Barbarossa (gestorben 4. Juli 1546) hervortat. Wir wissen nur, dass er sich auf diesen Raubzügen
unvergleichliche Kenntnisse über den Mittelmeerraum aneignete. Später bekleidete er das Amt des
kapudan von Ägypten und segelte in dieser Funktion von Suez in den Persischen Golf und ins
Arabische Meer. Im Jahr 945 (1547) besetzte er Aden (siehe Ludwig Forrer, Hrsg.: Die osmanische
Chronik des Rustem Pascha, Türkische Bibl., xxi, Leipzig 1923, S. 174 ff. mit Kommentaren). Im
Jahr 959 (1551) verlor er vor der Küste Arabiens einige seiner dreißig Schiffe, eroberte den Hafen
Maskat und nahm zahlreiche Einwohner zu Sklaven. Danach belagerte er Hormus, hob die
Belagerung jedoch wieder auf und kehrte nach Basra zurück, nachdem er sich durch
Bestechungsgelder dazu hatte bewegen lassen. (Soweit jedenfalls Peçevî: »’Ali, Hādjdjī Khalifa«,
Tuhfat al-Kibār, 1. Ausgabe, Bd. 28; zitiert in Hammer, J. v.: G.O.R., iii., S. 415)

Die Nachricht vom Nahen einer feindlichen Flotte veranlasste ihn dazu, mit lediglich drei Galeeren,
aber sämtlichen erbeuteten Schätzen, überhastet nach Hause zurückzukehren. Vor der Insel Bahrain
erlitt er Schiffbruch, aber es gelang ihm noch, mit zwei Schiffen Suez und schließlich Kairo zu
erreichen. Kobād Pasha, der Gouverneur von Basra, der »Hohen Pforte«, berichtete, die Expedition
sei gescheitert, woraufhin der Befehl nach Kairo geschickt wurde, Piri Reis hinzurichten. Es heißt,
er sei dort 962 (1554 oder 1555), wahrscheinlich aber bereits 959 oder 960 enthauptet worden, und
sein Besitz nach Istanbul gebracht worden. Nach seinem Tod sollen Abgesandte aus Hormus
eingetroffen sein und die Rückgabe der erbeuteten Schätze gefordert haben. Ihre Forderungen
blieben natürlich unerfüllt. Den Posten des kapudan von Ägypten erhielt ein anderer berühmter
Korsar, Murād, der entlassene sanjakbey von Katif (wahrscheinlich derselbe, der in der Legende
unter dem Namen Murād kaptan bekannt ist; siehe Heinrich Diez, Heinrich Friedrich von:
Denkwürdigkeiten von Asien, Teil I, Berlin 1811, S. 55).

Berühmt wurde Piri Reis als Autor eines Segelhandbuchs der Ägäis und des Mittelmeerraums mit
dem Titel Kitab-i Bahriye, in dem er alle von ihm bereisten Küsten mitsamt den Strömungen,
Untiefen, Landungsplätzen, Buchten, Meerengen und Häfen beschreibt. Piri Reis hatte mit der
Arbeit daran bereits unter der Herrschaft von Selim I. (gestorben Sept. 1520) begonnen, aber in
seinem Vorwort behauptet er, wohl um der Widmung an Sulaimān den Großen mehr Bedeutung zu
verleihen, erst 927 (Ende 1520) mit der Abfassung begonnen zu haben. Den fertiggestellten Atlas
schenkte er ihm im Jahr 930 (1523). Paul Kahle hat auf der Grundlage der bekannten Manuskripte
den Text sowie eine Übersetzung unter dem Titel Piri Re’is, Bahriye. Das türkische Segelhandbuch
für das Mittelländische Meer vom Jahre 1521 herausgegeben; davon sind bislang (Mitte 1935) Band
I, Textteil I, und Band II, Teil I, Abschnitt 1–28 veröffentlicht worden (Berlin und Leipzig 1926).
Von einzelnen Abschnitten gab es Vorabdrucke, insbesondere in Heinrich Friedrich von Diez, ebd.;
Sachau, E.: »Sizilien«, Centenario delle Nascita di Michele Amari, ii., Palermo 1910, S. 1 ff.;
Herzog, R.: »Ein türkisches Werk über das Ägäische Meer aus dem Jahr 1520«, Mitteilungen des
Kaiserlichen Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung, xxvii, 1902, S. 417 ff..;
Oberhummer, E.: »Zypern«, Die Insel Zypern, München 1903, S. 427–434. Weitere Teile finden
sich in Carlier de Pinon, Blochet, E. (Hrsg.), mit Abbildungen, und Foy, K.: M.S.O.S., Teil ii, xi,
1908, S. 234 ff. Vergleiche auch Taeschner, F.: Z.D.M.G., LXXVII (1923) S. 42, mit weiteren
Literaturhinweisen.

Die sogenannte »Kolumbuskarte«, die Khalil Edhem Bey im Oktober 1929 in der Serail-Bibliothek
in Istanbul entdeckte, scheint aufgrund ihrer Datierung auf das Jahr 1513 ebenfalls von Piri Reis zu

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stammen. Der Text ist türkisch und mit leuchtenden Farben auf Pergament geschrieben. Die Karte
misst 85 x 60 Zentimeter und zeigt den westlichen Teil einer Weltkarte. Darauf ist der Atlantik mit
Amerika und dem westlichen Rand der Alten Welt dargestellt. Die anderen Teile der Karte sind
verloren gegangen. Man vermutet, dass dies die Karte ist, die Piri Reis laut einer Anmerkung in
seiner Bahriye Sultan Selim 1517 schenkte, was erklären würde, weshalb sie in der Bibliothek des
Sultans aufbewahrt wurde. Vergleiche dazu Kahle, Paul: »Impronte Colombiane in una Carta Turea
del 1513«, La Cultura, Jahrgang X, Bd. I, Teil 10, Mailand und Rom, 1931; derselbe: »Una mapa de
America hecho por el turco Piri Re‘is, en el ano 1513, basandose en una mapa de Celon y en mapas
portugueses«, Investigación y Progreso, V., 12, Madrid, 1931, S. 169 ff.; derselbe: »C«, The
Illustrated London News, CLXXX, Nr. 4845, 27, Februar 1932, S. 307: »A Columbus Controversy
– and two Atlantic charts« (mit Abbildungen); Kahle, P.: Die verschollene Columbus-Karte von
1498 in einer türkischen Weltkarte von 1513 (mit 9 Karten, S. 52 ff., Berlin und Leipzig 1933); und
Oberhummer, Eugen: »Eine türkische Karte zur Entdeckung Amerikas«, Anzeiger der Akademie der
Wissenschaften in Wien, phil.-hist. Kl., 1931, S. 99–112; derselbe: »Eine Karte des Columbus in
türkischer Überlieferung«, Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Wien, LXXVII, 1934,
S. 115 ff.; sowie Kahle, P.: Geographical Review, 1933, S. 621–638.

Bibliographie: Khalifa, Hādjidji: Dhihānnumā, Stambul 1145, S. 11; derselbe: Tuhfat al-Kibār fi
Esfar āl-Bihār, Stambul 1142, S. 28a; derselbe und Flügel, E. (Hrsg.): Kashf al-Zunūn, II, S. 22 ff.
(Nr. 1689); Thureiyā, Mehmed: Sidjilli-i- ’othmāni, II, S. 44; Kahle, P.: Ebd., »Einleitung: Hans v.
Mžik, Bin Re’is und seine Bahrije«, Beiträge zur historischen Geographie, Hrsg. v. Hans von Mžik,
Leipzig und Wien 1929, S. 60–76.

(Franz Babinger)

Exkurs

Korrespondenz des amerikanischen Außenministeriums


Nr. 102
Istanbul, 26. Juli 1932

Betreff: Fotografie einer Karte für die Kongressbibliothek

An den Herrn Außenminister,


Washington

Sehr geehrter Herr Außenminister,


heute erreichte uns die nicht signierte Anweisung Nr. 13 vom 15. Juli, Aktenzeichen 103.7/2409.
Zugleich war Yusuf Akcora Bey hier zum Lunch, der nicht nur Abgeordneter der Großen
Nationalversammlung ist, sondern auch Präsident der neuen Türkischen Historischen Gesellschaft
und Leiter des erst neulich veranstalteten Kongresses in Ankara. Nach dem Essen zog er ein
Exemplar der London Illustrated News vom 23. Juli hervor und zeigte mir voller Stolz die Seiten
142 und 143 mit der ersten englischen Übersetzung eines seiner Artikel. Es handelte sich um einen
Bericht über die neue Karte, die jetzt im Besitz der türkischen Regierung ist und von der Sie mit
Ihrer Anweisung Nr. 13 eine Fotografie angefordert haben! Er erzählte mir, die Karte gehöre zwar
der Palastbibliothek von Istanbul, befände sich zur Zeit aber in Ankara, und er würde mir gerne eine
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Fotografie anfertigen lassen, wenn er sich das nächste Mal dort aufhalte, was im Laufe der nächsten
1 oder 2 Wochen der Fall sein würde. Er war ebenso überrascht wie ich über den Zufall, dass ich
wenige Stunden bevor er mir die Illustrated News mit einer Abbildung der jetzt in seinem Besitz
befindlichen Fotografie zeigte, von Ihnen eine Anfrage bezüglich ebendieser Karte erhalten habe.
Ich schlage vor, dass diese Information an die Kongressbibliothek weitergegeben wird, damit man
sich dort die Ausgabe der englischen Zeitschrift und den Artikel bereits ansehen kann, bis in Kürze
die Fotografie eintreffen wird. Es handelt sich um die Karte eines türkischen Admirals, die
angeblich auf Informationen von Christoph Kolumbus basiert.

Hochachtungsvoll
Charles H. Sherrill

103.7
CHS:FM

Nr. 111
Istanbul 4. August 1932

Betreff: Fotografie einer Karte für die Kongressbibliothek

An den Herrn Außenminister,


Washington

Sehr geehrter Herr Außenminister,


mit Bezug auf Ihre Anweisung Nr. 13, Aktenzeichen 103.7/2409 vom 15. Juli, sende ich Ihnen
Abzüge zweier Fotografien eines Teils der in dieser Anweisung erwähnten Karte zu. In meinem
Schreiben Nr. 102 vom 26. Juli habe ich bereits berichtet, dass sich die Karte jetzt im Besitz von
Yusuf Akcora Bey befindet, dem Vorsitzenden des Historikerkongresses, gegenwärtig in seinem
Haus in Ankara, und dass er mir Reproduktionen davon versprochen hat. Beim Erhalt der beiden
beiliegenden Abzüge fiel mir auf, dass sie – in Übereinstimmung mit seinem Artikel vom 23. Juli in
der London Illustrated News – lediglich einen Teil der Karte zeigen. Ich habe ihn schriftlich um eine
Fotografie der gesamten Karte gebeten (wie Sie in Anweisung Nr. 13 gefordert haben), aber die
Erfüllung dieser Bitte, die er gewiss gewähren wird, wird sich einige Wochen verzögern, weil er erst
Ende September oder Anfang Oktober wieder nach Ankara fahren wird. Am 29. Juli war ich bei ihm
in seinem Landhaus in Cooz-tepe außerhalb von Scutari (Üsküdar) zum Tee eingeladen und habe
mit ihm ausführlich über das große Interesse gesprochen, auf das die Entdeckung dieser Karte im
Westen gestoßen ist, und gratulierte ihm zur Aktualität seines Artikels in den London Illustrated
News. Ich habe heute Vormittag noch einmal mit ihm telefoniert. Vergangene Nacht hat er bis 4 Uhr
mit den Gazi im Dolmabahçe-Palast an der Neuen Türkischen Geschichte gearbeitet, in der diese
Karte abgebildet werden soll, aber er hat mir versprochen, dass ich vollständigere Fotografien
erhalten werde, sobald er sich das nächste Mal in Ankara aufhält.

Hochachtungsvoll
Charles H. Sherrill

Anlage:
1, 2: Zwei Abzüge eines Teils der Karte.

103.7/2409

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CHS:on
Istanbul, 12. August 1932

Betreff: Fotografien der Karte für die Kongressbibliothek

An den Außenminister,
Washington

Sehr geehrter Herr Außenminister,


mit Bezug auf die Anweisung Nr. 13 des Außenministeriums, Aktenzeichen 103.7/2409, vom 15.
Juli 1932 und meinem Schreiben Nr. 102 vom 26. Juli möchte ich berichten, dass Yusuf Akcora
Bey, Abgeordneter und Vorsitzender des Historikerkongresses, der in der ersten Julihälfte in Ankara
stattfand, gestern zu mir zum Mittagessen in die Botschaft kam. Er erzählte mir, dass die Karte des
türkischen Admirals aus dem Jahr 1513 der Bibliothek des ehemaligen Serails in Istanbul
zurückgegeben wurde, und versprach, mir die Genehmigung zu beschaffen, sie mir ansehen zu
dürfen. Er korrigierte meinen Eindruck bezüglich der zwei Fotoabzüge der Karte, die ich Ihnen mit
meinem Schreiben Nr. 102 zukommen ließ, nämlich dass sie nur einen Teil einer größeren Karte
zeigen würden. Das ist nicht zutreffend, denn es handelt sich um Abzüge der gesamten Karte, die
für die Kongressbibliothek angefordert wurden. Er hatte sieben weitere Fotografien mitgebracht, die
er mir folgendermaßen erläuterte:
»A« zeigt zwei Seiten des Buchs, in dem der türkische Admiral beschreibt, wie er diese Karten als
Resultat seiner eigenen Erfahrungen auf seinen Reisen gezeichnet und das Buch fertiggestellt hat,
das er dann Sultan Selim I. nach dessen Eroberung Ägyptens dort überreichte.
»B« zeigt die Meerenge von Gibraltar und Teile der spanischen und afrikanischen Küste. Die kleine
Stadt, die am oberen Rand der Fotografie inmitten der vier Hügel zu sehen ist, ist als Granada
gekennzeichnet. Man beachte die größere der beiden Inschriften entlang der nordöstlichen
Kompasslinie. Dort steht »Spanien oder Rumeli«, wahrscheinlich ein Hinweis auf die Tatsache,
dass die Türken die europäische Küste des Bosporus im Gegensatz zur asiatischen als »Rumeli«
bezeichnen.
»C« zeigt die Küste der französischen Riviera von Nizza nach Osten bis Italien.
»D« zeigt die italienische Küste von Pisa (in der oberen linken Ecke) bis hinunter nach
Civitavecchia und zur Mündung des Tibers.
»E« zeigt die Insel Rhodos.
»F« zeigt eine Inselgruppe, doch mein türkischer Freund konnte sie nicht identifizieren.
»G« ist eine weitere Karte aus dem Buch, aber weil sie keine türkischen Inschriften hat, ist nicht
bekannt, was darauf abgebildet ist.
Yusuf Akcora Bey wies ausdrücklich auf die Tatsache hin, dass sämtliche Inschriften auf diesen
Karten zwar in arabischer Schrift, aber in türkischer, nicht in arabischer Sprache geschrieben sind.
Dies gilt auch für die Inschriften auf der größeren Karte, die ich Ihnen mit meinem Schreiben Nr.
102 zugesandt habe. Er übersetzte mir die lange Inschrift, auf der es heißt, diese Karte sei nicht das
Ergebnis der Nachforschungen des türkischen Admirals, sondern von der Karte von Christoph
Kolumbus kopiert, die leider verschollen ist. Der Name Kolumbus wird darauf nicht weniger als
achtmal genannt, und von besonderem Interesse ist die Feststellung eines Zeitgenossen, dass
Kolumbus aus Genua und nicht aus Spanien stammte, wie einige spanische Autoren kürzlich
behaupteten. Dort heißt es, der Genuese Kolumbus habe sich, angeregt durch ein altes Buch, an die
Ratsherren Genuas gewandt und um Schiffe und Geld gebeten, damit er nach Japan und China
segeln könne. Das erinnert an die (nicht allgemein bekannte) Tatsache, dass Kolumbus bis zu
seinem Tod glaubte, die westlichen Inseln, die er entdeckt hatte, seien Teil von Cipango

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beziehungsweise Japan. Als die Stadtoberhäupter von Genua ihm seine Bitte ausschlugen, habe er
sich an den »Bey von Spanien« gewandt, der ihm schließlich zwei Schiffe überließ. Damit segelte er
nach Westen über das große Meer und stieß schließlich auf Land. Dort kamen ihm die völlig
nackten Einwohner entgegen und beschossen die Eindringlinge mit Pfeilen, deren Spitzen aus
Fischknochen bestanden. Kolumbus beruhigte sie schließlich und konnte sogar Fisch gegen
Glasperlen eintauschen. Da bemerkte er am Arm einer Frau ein goldenes Armband, was dazu führte,
dass er Gold, das aus den Minen in den Bergen stammte, gegen Glasperlen eintauschen konnte.
Später fand er heraus, dass die Eingeborenen auch echte Perlen besaßen, und er tauschte Glasperlen
gegen echte Perlen. Schließlich kehrte er zurück, um seine Beute dem »Bey von Spanien«
auszuhändigen, der ihn auf eine zweite Reise schickte, von der wir allerdings nur wissen, dass er
Zwiebeln und Gerste mitnahm, die bald auch von den Eingeborenen angepflanzt wurden. Ich hoffe,
weitere Informationen über diese Karte zu erhalten, und werde diese umgehend an Sie weiterleiten.

Hochachtungsvoll
Charles H. Sherrill

Anlagen:
Nr. 1–7, Fotografien von Karten eines türkischen Admirals aus dem Jahr 1513.

103.7
CHS: on

Nr. 272
Ankara, 23. Dezember 1932

Betreff: Fotografie einer Karte für die Kongressbibliothek

An den Herrn Außenminister,


Washington

Sehr geehrter Herr Außenminister,


mit Bezug auf Ihr Schreiben Nr. 58 vom 29. November möchte ich berichten, dass ich unmittelbar
nach dessen Erhalt am 13. Dezember an Yusuf Akçura
[sic] Bey (dem Vorsitzenden des im vergangenen Juli abgehaltenen Historikerkongresses)
geschrieben und ihn um die von Ihnen für die Kongressbibliothek angeforderten Informationen
gebeten habe. Ich habe gestern und heute zwei lange Gespräche mit ihm über das Thema Ihres
Schreibens Nr. 58 geführt, und er sagte mir, dass er gleich nach Erhalt meines Briefes eine
systematische und umfassende Suche angeordnet habe, um herauszufinden, »ob irgendeine Chance
bestehen könnte, dass das Original der spanischen oder italienischen Karte von Kolumbus noch
immer in den türkischen Archiven oder in den Unterlagen der Familie von Piri Reis aufbewahrt
wird«. Da Piri Reis am Ende enthauptet wurde, ist es mehr als unwahrscheinlich, dass noch
irgendetwas aufzufinden sein wird, weil der Besitz von Enthaupteten in der Regel vollständig vom
Staat konfisziert wurde.
Als Anlage sende ich Ihnen, wie von Ihnen angefordert, eine Kopie seines in den London Illustrated
News, Bd. 181, 1932, S. 142 und 143, erwähnten Briefes zu.
Hinsichtlich der »wörtlichen Übertragung und Übersetzung der Ortsnamen und anderer Legenden
auf der westlichen Hälfte der Karte« lesen Sie bitte mein Schreiben vom 19. Dezember an Mr. J.
Brent Clarke, den Leiter der Postabteilung des Ministeriums, in dem ich auf die Möglichkeit
hinweise, dass die Karte und die Übersetzungen nach meiner Abreise aus Washington an meine
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Adresse in New York geschickt wurden. Am 19. Dezember habe ich von dort Anweisung gegeben,
dass jede Sendung dieser Art umgehend mit einer Mitteilung, dies geschehe auf Instruktion Nr. 58
vom 29. November 1932 des Ministeriums, an Mr. Wallace Murray zurückgeschickt werden soll.
Was die Übersetzungen von Ali Nur Bey anbelangt, so hat er einige Türken zurate gezogen, die sich
mit der Seefahrt auskennen, doch auch diese Experten hatten an manchen Stellen Schwierigkeiten
mit den nautischen Begriffen, die der hochrangige türkische Navigator 1513 benutzt hat. Zwar ist
der Text in türkischer Sprache, aber in arabischer Schrift geschrieben, das heißt, häufig wurden bei
den Bezeichnungen auf der Karte die Vokale weggelassen, was die Übertragung der geografischen
Namen ins Englische, Spanische oder Italienische selbstverständlich erschwert. Trotz dieser
Schwierigkeiten hat Ali Nur Bey meiner Meinung nach gute Arbeit geleistet.

Hochachtungsvoll
Charles H. Sherrill

Anlage:
Nr. 1 Kopie eines Briefes

103/7/892.3
CHS:er

Anlage Nr. 1 zum Schreiben Nr. 272 vom 23. Dezember 1932 aus der Botschaft in Istanbul.

Abschrift: TÜRK TARIHI TETKIK CEMIYETI Reisliği

An den Herausgeber der Illustrated London News, London, England

Sehr geehrter Herr,


mit großer Freude haben wir die Erläuterungen zur Karte von Piri Reis, einem türkischen
Geografen, in der Ausgabe vom 25. Februar 1932 Ihres hervorragenden Magazins gelesen.
Wir bitten Sie höflich, in Ihrer Zeitschrift folgenden Text abzudrucken, der die Ergebnisse der
Untersuchungen enthält, welche wir über das Original dieser nun in unserem Besitz befindlichen
Karte durchgeführt haben und die Ihre Erläuterungen zum Teil ergänzen, zum Teil korrigieren
könnten.
Zur Untermauerung unserer Feststellungen legen wir Fotografien von zwei Seiten aus dem Buch
Bahriye von Piri Reis und fünf kleine Karten aus ebendiesem Buch bei. Wir würden uns freuen, sie
zusammen mit diesen Erläuterungen in Ihrem wertvollen Magazin veröffentlicht zu sehen.
Die fragliche Karte ist von Piri Reis auf Gazellenleder gezeichnet, der sich mit seinem detaillierten
geografischen Buch über das Mittelmeer mit dem Titel Bahriye (»Über das Meer«), durch das er
seine Fähigkeiten und sein Wissen unter Beweis stellte, unter den Gelehrten des Westens wie des
Ostens einen Namen gemacht hat.9 Piri Reis war der Neffe des berühmten Kemal Reis, der im
letzten Viertel des 15. Jahrhunderts Admiral der türkischen Mittelmeerflotte war. Laut den
historischen Quellen war das letzte offizielle Amt, das Piri Reis bekleidete, das des Admirals der
Flotten im Roten Meer und im Indischen Ozean. Piri Reis fertigte die oben erwähnte Karte in der
Stadt Gelibolu (Gallipoli) im Jahr 1513 an und überreichte sie 4 Jahre später, das heißt im Jahr
1517, persönlich Selim I., dem Eroberer von Ägypten, als dieser sich dort aufhielt.10

Wie bei vielen Karten der Antike und des Mittelalters finden sich auch auf der Karte des Piri Reis
wichtige Randnotizen zur Geschichte und Geografie einiger Küsten und Inseln.11 Alle diese
Randnotizen mit vielen Hundert Zeilen Erläuterungen sind in Türkisch geschrieben. Nur drei Zeilen
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– der Titel und die Überschriften der Karte – sind in Arabisch geschrieben, wie es der Tradition bei
allen osmanischen Denkmälern bis ins vergangene Jahrhundert hinein entsprach. Diese drei
arabischen Zeilen bestätigen, dass der Autor der Neffe von Kemal Reis war und dass er das Werk
im Jahr 1513 in Gelibolu geschrieben und zusammengestellt hat.
Bei der in unserem Besitz befindlichen Karte handelt es sich um ein Fragment, das Teil einer
Weltkarte mit großem Maßstab war. Wenn man die Fotografie der Karte sorgfältig betrachtet,
bemerkt man, dass die Randnotizen am östlichen Rand zur Hälfte abgeschnitten wurden.12
In einer dieser Randnotizen gibt der Autor detailliert an, welche Karten er in Vorbereitung für seine
Karte geprüft und studiert hat. In der Randnotiz zu den Antillen stellt er zunächst fest, dass er für die
Küsten und Inseln auf die Karte des Christoph Kolumbus zurückgegriffen habe. Dann fährt er fort
mit der Beschreibung der Reisen eines Spaniers, eines Sklaven von Kemal Reis, Piri Reis‘ Onkel,
der unter Christoph Kolumbus drei Reisen nach Amerika unternommen habe. Darüber hinaus
vermerkt er in seinen Randnotizen über die südamerikanische Küste, er habe die Karten von vier
portugiesischen Entdeckern gesehen. Dass er die Karte des Christoph Kolumbus genutzt hat, geht
aus folgenden Zeilen hervor:
»Damit diese Inseln und ihre Küsten bekannt würden, gab Kolumbus ihnen diese Namen und hielt
sie auf seiner Karte fest. Die Küsten (die Namen der Küsten) und die Inseln sind der Karte des
Kolumbus entnommen.«
Bei der Karte handelt es sich im Grunde genommen um eine Weltkarte. Deshalb studierte Piri Reis
einige der Karten, auf denen die ganze Welt dargestellt war, und er hat laut seiner eigenen
Feststellung die zur Zeit Alexanders (des Großen) entstandenen Karten, die »Mappae Mundi«, und
die acht von den Muslimen angefertigten Teilkarten studiert und geprüft.13

In einer der Randnotizen erklärt Piri Reis ausdrücklich, welche Vorarbeiten er für die Anfertigung
seiner Karte leistete:
»In diesem Abschnitt wird erklärt, wie die Karte vorbereitet wurde. Niemand besitzt gegenwärtig
eine solche Karte. Ich habe diese Karte selbst gezeichnet und vorbereitet. Zur Anfertigung dieser
Karte nutzte ich etwa zwanzig alte Karten und acht Mappae Mundi, das heißt die von den Arabern
als »Jaferiye« bezeichneten Karten aus der Zeit Alexanders des Großen, auf denen die ganze
besiedelte Welt dargestellt ist; auch die Karte der Karibik habe ich herangezogen, ebenso die von
vier Portugiesen, auf denen Indien und China geometrisch abgebildet sind. Darüber hinaus studierte
ich die Karte, die Christoph Kolumbus für den Westen gezeichnet hat. Ich habe alle diese Karten auf
einen einheitlichen Maßstab gebracht und daraus diese Karte erstellt. Meine Karte ist für die sieben
Weltmeere ebenso korrekt und verlässlich wie die Karten, auf denen die Meere unserer Länder
abgebildet sind.«
In einem gesonderten Kapitel seines Buches Bahriye erwähnt Piri Reis die Tatsache, dass er sich bei
der Zeichnung seiner Karte an die damals international anerkannten kartografischen Traditionen
gehalten hat. Die Städte und Zitadellen sind rot eingezeichnet, verlassene Orte schwarz; zerklüftete
und felsige Gegenden werden mit schwarzen Punkten markiert, Küsten und sandige Gebiete mit
roten Punkten, unter Wasser befindliche Felsen mit Kreuzen. Kurz zusammengefasst können wir
also feststellen:
1) Das in Ihrem Magazin abgedruckte Bild der Karte ist das türkische Werk eines türkischen
Seefahrers namens Piri Reis. Es ist nicht in arabischer Sprache geschrieben. Mit Ausnahme der drei
Titelzeilen ist der Rest ausschließlich in türkischer Sprache verfasst. Selbst die Orte an der
Atlantikküste Afrikas tragen türkische geografische Namen wie Babadağ (Vater-Berg), Akburun
(Weißes Kap), Yeşil Burun Adaları (Grünes Kap),Kızılburun (Rotes Kap), Uluburun (Walnuss-
Kap), Altin Irmak (Goldener Flus) und Güzel Körfez (Schöner Golf).14
2) Die Karte wurde 919 (1513) fertiggestellt und dem Padischah überreicht, nicht etwa 929
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(1523).15
3) Piri Reis erklärt, dass er in Vorbereitung für dieses Werk auf die Karten der islamischen Welt, der
portugiesischen Karten und sogar auf die Karte von Christoph Kolumbus zurückgegriffen hat. Aber
es handelt sich nicht um eine Kopie, sondern um ein Originalwerk.
4) Die in unserem Besitz befindliche Karte ist ein Fragment. Wären die übrigen Teile nicht verloren
gegangen, besäßen wir eine türkische Karte aus dem Jahr 1513, die die Alte und die Neue Welt
zeigen würde. Weil Christoph Kolumbus seine Reisen Ende des 15. Jahrhunderts unternahm, kann
man davon ausgehen, dass diese Karte, die kurz nach den neuen Entdeckungen angefertigt wurde,
eine der frühesten Karten ist, auf der alle Kontinente der Erde abgebildet sind.

Hochachtungsvoll

(Unterschrift)16

Außenministerium, Washington
20. März 1933

Antwort auf
HA 103.7/2537

Bibliothekar der Kongressbibliothek


Washington, D.C.

Sehr geehrter Herr,


das Ministerium verweist auf die frühere Korrespondenz betreffs einer Karte, die ein türkischer
Admiral mithilfe von Informationen des Kolumbus angefertigt haben soll, und fügt die Kopie eines
weiteren Schreibens zu diesem Thema, Nr. 374, vom 21. Februar 1933, vom amerikanischen
Botschafter in Istanbul bei.

Hochachtungsvoll
Für den Außenminister E. Wilder Spaulding
Assistent des historischen Beraters

Anlage:
Aus der Botschaft in Istanbul
Nr. 374, 21. Februar 1933

Anlage Nr. 2 zum Schreiben 374 vom 21. Februar 1933 aus der Botschaft in Istanbul

Übersetzung
Piri-Reis-Karte

Quelle: Brief von Yusuf Akcura Bey, Abgeordneter der Großen Nationalversammlung der Türkei,
datiert 19. Februar 1933

Akcuraociu Yusuf, Abgeordneter von Istanbul

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Ankara,
Keçiören, 19. Februar 1933

Sehr geehrter Herr Botschafter,


nach Erhalt Ihrer geschätzten Anfrage vom 17. Dezember 1932 habe ich mich sogleich mit einem
Rundschreiben an die Leiter unserer verschiedenen Museen und an einige Freunde gewandt, die sich
der Erforschung der Seefahrtsgeschichte der Türkei widmen, und sie gebeten, mir bei der Suche
nach der Originalkarte des Christoph Kolumbus und den Nachfahren des Piri Reis behilflich zu sein.
Bis heute habe ich neun Antwortschreiben erhalten. Alle meine Briefpartner behaupten, dass sich
das Testament des berühmten Admirals in keinem der türkischen Museen oder Archiven befindet.
Die Leitung des Evkaf weiß ebenfalls nichts von einem Testament, in dem von ihm oder seinen
Erben eine karitative Stiftung verfügt wurde.
Da Piri Reis 1564 in Ägypten enthauptet wurde, ist es sehr unwahrscheinlich, dass er noch
Gelegenheit dazu hatte, seinen Besitz und seine kostbaren Unterlagen seinen Erben zukommen zu
lassen. Außerdem liegen keine verlässlichen Informationen darüber vor, ob er überhaupt
Nachkommen hatte.
Doch Djevdet Bey, einer unserer Historiker, informierte mich, Kommandant Saffet Bey, der 1912
verstarb, habe ihm davon berichtet, dass er in den Archiven des Marineministeriums ein Dokument
gefunden habe, in dem davon die Rede gewesen sei, dass Sultan Selim III. (1789 – 1807) den
Nachkommen von Piri Reis eine Pension gewährt habe.
Ich werde auf der Grundlage dieser Informationen meine Nachforschungen weiterführen und Sie
über die möglichen Ergebnisse selbstverständlich in Kenntnis setzen.

Hochachtungsvoll
Akcura Yusuf

General Charles H. Sherrill,


Botschafter der Vereinigten Staaten in der Türkei

Exkurs

Die Legenden auf der Piri-Reis-Karte17


I. Dort gibt es eine Art rote Farbe namens »Vakami«, die man zunächst nicht bemerkt, weil sie sich
in einiger Entfernung befindet … Die Berge sind reich an Erzen … Dort haben manche Schafe
seidene Wolle.

II. Dieses Land ist besiedelt. Die gesamte Bevölkerung läuft nackt herum.

III. Diese Region wird »Vilayet von Antilia« genannt. Sie liegt gen Osten. Es heißt, es gebe dort
vier Arten von Papageien, weiße, rote, grüne und schwarze. Die Menschen essen das Fleisch der
Papageien und fertigen sich Haarschmuck aus Papageienfedern an. Es gibt dort einen Stein. Der
ähnelt dem schwarzen Prüfstein. Die Menschen nutzen ihn statt einer Axt. Er soll sehr hart sein …
[unleserlich]. JPe hat diesen Stein gesehen. [Piri Reis schreibt in seinem Buch Bahriye: »In den
feindlichen Schiffen, die wir im Mittelmeer kaperten, fanden wir einen Kopfschmuck aus diesen
Federn und auch einen Stein, der dem Prüfstein ähnlich sah.«]

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IV. Diese Karte wurde von Pīrī Ibn-Haji Mehmed, Neffe des Kemal Reis, in Gallipoli im Monat
muharrem des Jahres 919 gezeichnet [das heißt, zwischen dem 9. März und dem 7. April des Jahres
1513].

V. In diesem Abschnitt wird geschildert, wie diese Küsten und auch die Inseln gefunden wurden.
Diese Küsten heißen »Küsten von Antilia«. Sie wurden im Jahr 896 des arabischen Kalenders
entdeckt. Es heißt, ein ungläubiger Genuese, ein gewisser Colombo, habe sie entdeckt. Ebendiesem
Colombo war einmal ein Buch in die Hand gefallen, in dem es hieß, am Ende des Westlichen
Meeres [Atlantik], also auf der westlichen Seite, gebe es Küsten und Inseln und alle Arten von
Metallen und Edelsteinen. Nachdem der oben Genannte das Buch gründlich studiert hatte, berichtete
er den Oberen von Genua in aller Ausführlichkeit von diesen Dingen und sagte: »Kommt, gebt mir
zwei Schiffe und lasst mich diese Orte finden.« Sie antworteten: »O, du unnützer Mensch, kann ein
Ende oder eine Grenze des Westlichen Meeres gefunden werden? Sein Dunst ist voller Finsternis.«
Der oben erwähnte Colombo erkannte, dass er von den Genuesen keine Hilfe bekommen würde,
deshalb zog er weiter, ging zum Bey von Spanien [König von Spanien] und erzählte ihm seine
Geschichte. Dort erhielt er dieselbe Antwort wie in Genua. Doch Colombo richtete immer wieder
Bittgesuche an diese Leute, und schließlich gab ihm der Bey von Spanien zwei Schiffe, sorgte dafür,
dass sie gut ausgerüstet waren und sagte:
»O Colombo, wenn es geschieht, wie du sagst, wollen wir dich zum Kapudan [Admiral] dieses
Landes machen.« Damit sandte er Colombo über das Westliche Meer. Der verstorbene Gazi Kemal
hatte einen spanischen Sklaven. Dieser Sklave sagte zu Kemal Reis, dass er mit Colombo dreimal in
dieses Land gesegelt sei. Er sagte: »Zuerst erreichten wir die Straße von Gibraltar, nach dieser
Meerenge ging es dann nach Süden und Westen zwischen den beiden … [unleserlich]. Nach 4000
Meilen sahen wir vor uns eine Insel, aber allmählich verloren die Wellen ihren Schaum, das heißt,
das Meer war ruhig, und der Nordstern – die Seeleute mit ihrem Kompass sagen noch immer Stern –
wurde nach und nach verschleiert und unsichtbar, und er sagte, dass Sterne in jener Region nicht
wie bei uns hier angeordnet sind. Sie sind in anderer Anordnung zu sehen. Sie ankerten bei der
Insel, die sie zuvor schon gesehen hatten, die Menschen von der Insel kamen herbei, beschossen sie
mit Pfeilen und erlaubten ihnen nicht, an Land zu kommen und nach Auskunft zu fragen. Die
Männer und Frauen schossen Handpfeile. Die Spitzen dieser Pfeile bestanden aus Fischknochen,
und alle Menschen waren nackt und auch sehr … [unleserlich]. Als sie sahen, dass sie nicht auf der
Insel landen konnten, fuhren sie zur anderen Seite der Insel und sahen ein Boot. Als die Insassen
darin gesehen wurden, flüchtete das Boot, und die Leute darin sprangen an Land. Sie [die Spanier]
nahmen das Boot. Sie sahen, dass darin Menschenfleisch war. Diese Leute gehörten zu einem Volk,
das von Insel zu Insel zog und Menschen jagte und aß. Es hieß, Colombo habe eine weitere Insel
gesehen, und als sie sich ihr näherten, sahen sie, dass es auf dieser Insel große Schlangen gab. Sie
vermieden es, an Land zu gehen, und blieben dort 17 Tage lang. Die Bewohner dieser Insel sahen,
dass von diesem Schiff keine Gefahr drohte, fingen Fische und brachten ihnen diese in ihrem
kleinen Boot [Filika]. Diese [die Spanier] freuten sich darüber und gaben ihnen Glasperlen. Es
scheint, dass er [Colombo] in dem Buch gelesen hatte, dass Glasperlen in dieser Gegend sehr
geschätzt wurden. Als sie [die Inselbewohner] die Glasperlen sahen, brachten sie noch mehr Fisch.
Diese [die Spanier] gaben ihnen dafür immer Glasperlen. Eines Tages sahen sie Gold am Arm einer
Frau, sie nahmen das Gold und gaben ihr Glasperlen. Sie sagten ihnen, sie sollten noch mehr Gold
bringen und würden dafür noch mehr Glasperlen erhalten. Sie gingen weg und brachten viel Gold.
In ihren Bergen schien es Goldminen zu geben. Eines Tages sahen sie auch echte Perlen in der Hand
einer Person. Sie erkannten sie deutlich; sie gaben ihnen Glasperlen, und man brachte ihnen noch
mehr echte Perlen. Die Perlen fand man an der Küste dieser Insel, an einer Stelle, die einen oder
zwei Faden tief war. Sie beluden das Schiff auch mit Blutholzbäumen, nahmen auch zwei
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Eingeborene mit und brachten sie noch im selben Jahr zum Bey von Spanien. Da besagter Colombo
die Sprache dieser Menschen nicht kannte, verwendete er Zeichen. Nach dieser Fahrt sandte der Bey
von Spanien Priester und Gerste, lehrte die Eingeborenen, wie man säte und erntete und bekehrte sie
zu seiner Religion. Sie selbst hatten keinerlei Religion. Sie gingen nackt und lagen da wie Tiere.
Diese Gebiete wurden nun für alle geöffnet und wurden berühmt. Die Namen, die die Orte auf
besagten Inseln bezeichnen, wurden ihnen von Colombo gegeben, damit sie sie erkennen sollten.
Colombo war auch ein großer Astronom. Die Küsten und Inseln auf dieser Karte sind Colombos
Karte entnommen.«

VI. Dieser Teil zeigt, in welcher Art diese Karte gezeichnet wurde. Niemand in diesem Jahrhundert
besitzt eine solche Karte. Die Hand dieses armen Mannes hat sie gezeichnet, und jetzt ist sie
fertiggestellt. Aus ungefähr zwanzig Karten und Mappae Mundi – das sind Karten, die in den Tagen
von Alexander, dem Herrn der zwei Hörner, gezeichnet wurden und die die bewohnten Gebiete der
Welt zeigen. Die Araber nennen diese Karten Jaferiye – ich habe acht Jaferiyes dieser Art und eine
arabische Karte von Hind herangezogen, und die Karten, die erst vor Kurzem von vier Portugiesen
gezeichnet wurden und die Länder von Hind, Sind und China zeigen, geometrisch gezeichnet, und
auch von einer Karte der westlichen Region, gezeichnet von Colombo. Durch die Reduzierung all
dieser Karten auf einen Maßstab wurde diese endgültige Form erreicht. Dadurch ist die vorliegende
Karte für die sieben Weltmeere so korrekt und zuverlässig, wie die Karte unserer Länder von den
Seeleuten als korrekt und zuverlässig betrachtet wird.

VII. Die ungläubigen Portugiesen berichten, dass in diesem Gebiet Tag und Nacht am kürzesten 2
Stunden und am längsten 22 Stunden sind. Aber der Tag ist dort sehr warm, und in der Nacht gibt es
viel Tau.

VIII. Auf dem Weg zum Bezirk von Hind hatte ein portugiesisches Schiff von der Küste wehenden
Gegenwind. Der Wind von der Küste … [unleserlich] es [das Schiff]. Nachdem sie von einem
Sturm in südliche Richtung abgetrieben wurden, sahen sie vor sich eine Küste und steuerten sie an
[unleserlich]. Sie sahen, dass es gute Ankerplätze gab. Sie warfen Anker und gingen mit ihren
Booten an Land. Sie sahen Menschen dort herumlaufen, alle nackt. Aber sie schossen Pfeile, deren
Spitzen aus Fischknochen waren. Sie blieben dort 8 Tage. Sie handelten mit den Menschen durch
Gesten. Jenes Schiff sah diese Inseln und schrieb über sie … Das besagte Schiff kehrte nach
Portugal zurück, ohne nach Hind zu fahren, wo sie nach Ankunft Bericht erstatteten … Sie
beschrieben die Küsten im Einzelnen … Sie hatten sie entdeckt.

IX. Und in diesem Land scheint es weißhaarige Ungeheuer in dieser Form zu geben, und auch
Ochsen mit sechs Hörnern. Die ungläubigen Portugiesen schrieben es in ihre Karten …

X. Dieses Land ist eine Ödnis. Alles ist zerstört, und es wird gesagt, dass es große Schlangen dort
gibt. Deshalb landeten die ungläubigen Portugiesen nicht an diesen Küsten, und sie sollen auch sehr
heiß sein.

XI. Diese vier Schiffe sind portugiesische Schiffe. Ihre Form ist angezeigt. Sie reisten vom
westlichen Land zur Spitze von Habesh [Abessinien], um Indien zu erreichen. Sie sagten, nach
Shuluk. Die Entfernung über dieses Meer beträgt 4200 Meilen.

XII. … an dieser Küste ein Turm


… ist jedoch
… bei diesem Klima Gold
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… ein Seil nehmend
… soll gemessen werden
[Anmerkung: Die Tatsache, dass die Hälfte dieser Zeilen jeweils fehlt, ist der deutlichste Beweis
dafür, dass die Karte in zwei Teile gerissen wurde.]
XIII. Eine genuesische Kogge aus Flandern wurde von einem Sturm erfasst. Getrieben von diesem
Sturm kam sie zu diesen Inseln, dadurch wurden diese Inseln bekannt.

XIV. Es wird erzählt, dass in alter Zeit ein Priester mit Namen Sanvolrandan (der Heilige Brendan)
die sieben Meere bereiste, so sagen sie. Er landete auf diesem Fisch. Sie dachten es sei trockenes
Land und machten ein Feuer auf dem Fisch. Als der Rücken des Fisches zu brennen begann, tauchte
er ins Meer; sie stiegen wieder in ihre Boote und flohen zum Schiff. Dieses Ereignis wird von den
Portugiesen nicht berichtet. Es stammt von den alten Mappae Mundi.

XV. Diesen kleinen Inseln gaben sie den Namen Undizi Vergine. Das bedeutet Elf Jungfrauen.

XVI. Und diese Insel nannten sie Insel von Antilia. Dort gibt es viele Ungeheuer und Papageien und
viele Blutholzbäume. Sie ist nicht bewohnt.

XVII. Dieses Schiff wurde von einem Sturm an diese Küsten getrieben und blieb, wo es auflief …
Sein Name war Nicola di Giuvan. Auf seiner Karte steht geschrieben, dass die Flüsse, die man hier
sieht, zumeist Gold [in ihren Betten] haben. Als das Wasser zurückgegangen war, sammelten sie
viel Gold im Sand. Auf ihrer Karte …

XVIII. Das ist das Schiff von Portugal, das in einen Sturm geriet und zu diesem Land kam.
Einzelheiten sind auf den Rand der Karte geschrieben. [siehe VIII.]

XIX. Die ungläubigen Portugiesen gehen von hier nicht weiter nach Westen. Die ganze Seite gehört
gänzlich den Spaniern. Sie trafen eine Übereinkunft, dass 2000 Meilen westlich der Straße von
Gibraltar [eine Linie] als Grenze betrachtet werden sollte. Die Portugiesen überqueren diese Seite
nicht, sondern nur die indische, und der Süden gehört den Portugiesen.

XX. Diese Karavelle geriet in einen Sturm und wurde an diese Insel getrieben. Ihr Name war Nicola
Giuvan. Auf dieser Insel gibt es viele Ochsen mit einem Horn. Deshalb nennen sie diese Insel Isla
de Vacca, was Kuhinsel bedeutet.

XXI. Der Kapitän dieser Karavelle heißt Messir Anton der Genuese, aber er wuchs in Portugal auf.
Eines Tages geriet diese Karavelle in einen Sturm und wurde zu dieser Insel getrieben. Er fand dort
viel Ingwer und schrieb über diese Inseln.

XXII. Dieses Meer heißt Westliches Meer, aber die französischen Seeleute nennen es Mare
d‘Espagna, das heißt Spanisches Meer. Bis jetzt war es unter diesen Namen bekannt, aber Colombo,
der dieses Meer öffnete und diese Inseln bekannt machte, sowie die ungläubigen Portugiesen, die
die Region von Hind öffneten, stimmten überein, dem Meer einen neuen Namen zu geben. Sie
gaben ihm den Namen Ovo Sano [Oceano], das bedeutet »gesundes Ei«. Davor ging man davon aus,
dass das Meer kein Ende oder keine Grenze hätte, und dass am anderen Ende Dunkelheit herrscht.
Jetzt, da sie gesehen haben, dass das Meer von Küsten umgeben und wie ein See ist, gaben sie ihm
den Namen Ovo Sano.

XXIII. An diesem Ort gibt es Ochsen mit einem Horn und auch Ungeheuer mit dieser Form.

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XXIV. Diese Ungeheuer sind sieben Spannen lang [etwa 1,6 Meter]. Der Abstand zwischen ihren
Augen beträgt eine Spanne. Aber sie sind harmlose Seelen.

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Abb. 1. Die Piri-Reis-Karte; die römischen Ziffern entsprechen den übersetzten Legenden. Nach A.
Afet Inan.

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Kapitel II
Die Geheimnisse der Piri-Reis-Karte

Als wir unsere Nachforschungen begannen, waren meine Studenten und ich
gleichermaßen Amateure. Ich besaß ihnen gegenüber nur den Vorteil, mehr
Erfahrung mit wissenschaftlichen Untersuchungen zu haben; sie mir
gegenüber jenen, noch weniger zu wissen als ich und deshalb keine
Vorurteile überwinden zu müssen.
Ganz zu Beginn hegte ich eine Vorstellung – ein Vorurteil, wenn Sie so
wollen –, die unsere Entdeckungsreise zum Scheitern hätte verurteilen
können, noch bevor sie richtig begonnen hatte: Wenn diese Karte eine Kopie
einer sehr alten Karte war, die auf irgendwelchen Wegen den Türken in die
Hände gefallen und in Konstantinopel erhalten geblieben war, dann dürfte es,
wie ich meinte, zwischen dieser Karte und den Karten, die im Mittelalter in
Europa kursierten, nur sehr wenige Übereinstimmungen geben. Ich konnte
mir nicht vorstellen, dass diese Karte sowohl eine – kopierte – antike als auch
eine mittelalterliche Karte sein konnte. Deshalb war ich zunächst nicht
sonderlich interessiert, als einer meiner Studenten feststellte, dass die Karte
Ähnlichkeiten mit den Navigationskarten des Mittelalters habe. Zum Glück
behielt ich meine Meinung für mich und ermunterte die Studenten dennoch,
ihre Untersuchung in diese Richtung zu beginnen.
Bald hatten wir beträchtliche Informationen über mittelalterliche Karten
zusammengetragen. Dabei befassten wir uns nicht mit den außerordentlich
ungenauen Landkarten (siehe Abb. 2 und 3), sondern interessierten uns nur
für Seekarten, die von den Seefahrern des Mittelalters ab etwa dem
14. Jahrhundert genutzt wurden.1 Diese sogenannten »Portolankarten« 2
zeigten das Mittelmeer und das Schwarze Meer, und taten das auf
überzeugende Art und Weise. Ein Beispiel dafür ist der Portolan von
Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339 (Abb. 4). Wenn der Leser die
Linienmuster auf dieser Karte mit denen der Piri-Reis-Karte auf dem
Titelbild vergleicht, wird er feststellen, dass sie durchaus ähnlich sind. Der
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einzige Unterschied besteht darin, dass auf dem Dulcert-Portolan lediglich
das Mittelmeer und das Schwarze Meer abgebildet sind, während die Piri-
Reis-Karte die Küsten des ganzen Atlantischen Ozeans zeigt. Das
Linienmuster ist hier allerdings ganz anders als auf modernen Karten.

Abb. 2. Die mittelalterliche Weltkarte von Osma Beatus

Die Linien haben keine Ähnlichkeit mit den Breiten- und Längenlinien der
modernen Karten, die sich in gleichmäßigen Abständen schneiden und
verschiedenartige »Gitter« beziehungsweise Netze bilden. Stattdessen
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scheinen einige der Linien, zumindest auf diesen alten Karten, wie die
Speichen eines Rads von einem Mittelpunkt auf der Karte auszugehen.
Dieses strahlenförmige Muster lässt an einen Seefahrerkompass denken, und
einige dieser alten Karten sind tatsächlich wie Kompasse verziert. Die
»Speichen« haben genau die gleichen Abstände wie die Himmelsrichtungen
auf dem Kompass, wobei in manchen Fällen 16 Linien, in anderen 32
gezogen wurden.
Weil der Kompass in Europa etwa zur gleichen Zeit eingeführt wurde, wie
diese Karten entstanden, schlussfolgerten die meisten Wissenschaftler, der
Entwurf der Karten müsse dazu gedient haben, den Seefahrern des
Mittelalters die Navigation mithilfe des Kompasses zu erleichtern. Und
zweifelsohne nutzten die Navigatoren im Mittelalter diese Karten, um den
Kurs mithilfe des Kompasses zu finden, denn diese Methode wird in
zeitgenössischen Abhandlungen beschrieben (89, 179, 198). Doch als wir
diese mittelalterlichen Karten näher untersuchten, stießen wir auf eine Reihe
von Rätseln.

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Abb. 3. Die Weltkarte des Andreas Walsperger aus dem Jahr 1448

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Abb. 4. Der Portolan von Dulcert aus dem Jahr 1339

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Abb. 5. Nordenskiölds Vergleich der Mittelmeerkarte des Ptolemäus (oben) mit dem Dulcert-Portolan

Beispielsweise erfuhren wir, dass einer der führenden Wissenschaftler auf


diesem Gebiet gar nicht glaubte, dass die Karten aus dem Mittelalter
stammten. Der Polarforscher und Kartograf Alfred Erik Nordenskiöld, der
aus diesen Karten einen großartigen Atlas zusammenstellte (146) und einen
Aufsatz über ihre Geschichte verfasste (147), führte einige Gründe dafür an,
dass die Karten aus der Antike stammen müssten. Er wies zum einen darauf
hin, dass der Dulcert-Portolan und all die anderen ähnlichen Karten viel zu
genau seien, um von Seefahrern des Mittelalters gezeichnet worden zu sein,

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zum anderen auf die kuriose Tatsache, dass die überaus gelungenen Karten
keinerlei Hinweise auf eine Weiterentwicklung liefern. Die Karten vom
Beginn des 14. Jahrhunderts seien genauso gut wie diejenigen aus dem 16.
Jahrhundert. Seiner Meinung nach schien es, als habe jemand im frühen 14.
Jahrhundert eine erstaunlich akkurate Karte entdeckt, die in den folgenden
200 Jahren niemand zu verbessern vermochte. Darüber hinaus meinte
Nordenskiöld, Indizien dafür zu haben, dass nur eine einzige Modellkarte
entdeckt worden sei und dass alle in den folgenden Jahrhunderten
angefertigten Portolankarten lediglich Kopien dieses einen Originals seien. Er
nannte das unbekannte Original »Normalportolan« und wies nach, dass die
Portolankarten insgesamt ziemlich sklavische Kopien des Originals sind. Er
stellte fest:
»Die Überprüfung aller Karten ergibt: 1) Dass alle Portolankarten hinsichtlich der Umrisse des
Mittelmeers und des Schwarzen Meers fast unveränderte Kopien desselben Originals sind. 2) Dass
bei all diesen Portolankarten die gleichen Darstellungsmaßstäbe genutzt wurden.« (147, S. 24)

Nachdem Nordenskiöld festgestellt hatte, dass ein einheitlicher Maßstab auf


allen Portolankarten Verwendung findet und dieser allem Anschein nach
nicht mit den Maßeinheiten übereinstimmt, die im Mittelmeerraum
gebräuchlich waren – mit Ausnahme der katalanischen (die, wie er meinte,
wohl auf karthagischen Maßeinheiten basierten) – schlussfolgerte er:
»Deshalb besteht die Möglichkeit, dass der auf den Portolankarten genutzte Maßstab seinen
eigentlichen Ursprung in der Zeit hat, als die Phönizier und Karthager die Navigation im westlichen
Mittelmeerraum beherrschten, zumindest aber in der Zeit des Marinos von Tyros …« 3 (147, S. 24)

Nordenskiöld mutmaßte also, dass den Portolankarten ein antikes Original


zugrunde lag. Doch das war nicht alles. Ihm waren nämlich die Karten von
Claudius Ptolemäus vertraut, die aus der Antike stammen und im 15.
Jahrhundert in Europa wiederentdeckt wurden. Als er die beiden Karten
miteinander verglich, stellte er fest, dass die Portolankarten viel genauer
waren als die Karten des Ptolemäus. Er verglich auch Ptolemäus’ Karte des
Mittelmeerraums und des Schwarzen Meers mit dem Dulcert-Portolan (Abb.
5) und kam zu dem Schluss, dass die Portolankarte eindeutig überlegen war.
Lassen Sie uns an dieser Stelle einen Moment innehalten und überlegen,
was das bedeutet. Ptolemäus ist der berühmteste Geograf der Antike. Er
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arbeitete im 2. Jahrhundert n. Chr. in Alexandria in der größten Bibliothek
der antiken Welt. Ihm stand also das gesamte geografische Wissen jener Zeit
zur Verfügung. Und er war nicht nur Geograf, sondern auch Mathematiker,
denn in seinem Hauptwerk Geographia (168) stellt er sein modernes
wissenschaftliches Denken unter Beweis. Können wir ernsthaft annehmen,
dass die Seefahrer des 14. Jahrhunderts ohne all diese Kenntnisse und –
abgesehen von einem rudimentären Kompass – ohne moderne Instrumente
und ohne mathematisches Wissen eine weitaus wissenschaftlichere Karte als
Ptolemäus hervorbringen konnten?
Nordenskiöld gelangte zu der Auffassung, dass es in der Antike so etwas
wie eine geografische Tradition gegeben haben muss, die der des Ptolemäus
überlegen war, und die Seefahrer und Navigatoren jener Zeit
dementsprechend die »Normalportolankarte« verwendet haben müssen. Auf
den Einwand, dass die verschiedenen Autoren des Altertums solche Karten
nicht erwähnten, antwortete er mit dem Hinweis, dass auch im Mittelalter, als
die Portolankarten gebräuchlich waren, diese von den damaligen Gelehrten
unerwähnt blieben. Sowohl in der Antike als auch im Mittelalter lagen
offenbar Welten zwischen den wissenschaftlichen Kartografen und den
praktizierenden Navigatoren (siehe Abb. 6, 7, 8 und 9). Nordenskiöld konnte
die Frage nach dem Ursprung besagter Karten jedenfalls nicht klären. Weder
die Navigatoren des Mittelalters noch die bekannten griechischen Geografen
konnten sie gezeichnet haben. Alles wies auf ihren Ursprung in einer Kultur
mit höherem technischem Niveau als dem des Mittelalters oder der Antike
hin.4
Alle Erklärungsversuche des Ursprungs der Portolankarten wurden von
Prinz Youssouf Kamal, einem arabischen Geografen, mit recht drastischen
Worten zurückgewiesen:
»Unsere unverbesserliche Ignoranz … was den Ursprung der als Portolan- beziehungsweise
Navigationskarten bezeichneten Karten anbelangt, wird uns nur vom Halbdunkel in die Finsternis
führen. Alles, was über die Geschichte oder die Herkunft dieser Karten veröffentlicht wurde und
alles, was zukünftig darüber gesagt oder geschrieben wird, kann nichts anderes sein als
Vermutungen, Behauptungen und Fantastereien … « (107, S. 2)

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Abb. 6. Die Weltkarte von Idrisi

Abb. 7. Die Weltkarte des Ptolemäus

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Abb. 8. Die Weltkarte des Eratosthenes

Prinz Kamal sprach sich darüber hinaus gegen die Auffassung aus, dass die
Linien auf den Karten die Navigation mithilfe des Kompasses erleichtern
sollten:
»Was die Linien anbelangt, die sich schneiden und Rauten, Dreiecke oder Quadrate bilden: Ich
möchte behaupten, dass diese Linien, die aus der Zeit der alten Griechen stammen und auf
Timosthenes zurückgehen oder sogar noch weiter in die Geschichte zurückreichen, wahrscheinlich
nie gezeichnet wurden, … um dem Navigator … Entfernungen anzugeben … Die Methode, die die
Hersteller der Portolankarten verwendeten und von den alten Griechen oder anderen übernommen
hatten, diente wahrscheinlich eher dazu, die Arbeit der Kartenzeichnung zu erleichtern, als
Navigatoren mithilfe dieser Unterteilungen zu lotsen … « (107, S. 15 f.)

Der Portolanentwurf war also dank seines geometrischen Aufbaus ein


ausgezeichnetes Hilfsmittel, um dem Kartografen sowohl die Erstellung einer
neuen Karte als auch die Kopie einer vorhandenen zu erleichtern.
Gleich zu Beginn unserer Untersuchungen beschlossen drei meiner
Studenten, Leo Estes, Robert Woitkowski und Loren Livengood, sich mit der
Fragenach dem Zweck der Linien auf den Portolankarten zu befassen. Sie
fuhren nach Hanover, New Hampshire, um in der Bibliothek des Dartmouth
College die Karten aus dem Mittelalter in Augenschein zu nehmen. Bei ihrer

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Rückkehr sagte Loren Livengood, er meine jetzt zu wissen, wie die Karten
erstellt worden seien.
Es galt herauszufinden, ob es anhand der auf den Karten vorhandenen
Linien möglich wäre, ein Linienraster aus Längen und Breiten zu
konstruieren, wie es sich auf modernen Karten findet. Man musste also
feststellen, ob dieses Portolansystem in ein modernes System umgewandelt
werden konnte.

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Abb. 9. Die Weltkarte des Pomponius Mela

Livengoods Ansatz war ganz einfach. Ohne sich der tiefergehenden


Bedeutung seiner Wahl bewusst zu sein, versetzte er sich in die Lage eines
Kartografen, nicht die eines Navigators. Für ihn bestand das Problem nicht
darin, einen Hafen zu finden, sondern eine Karte anzufertigen. Obwohl er nie

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etwas von Prinz Kamal gehört hatte, gelangte er, was den Zweck der Linien
betraf, zu einer ähnlichen Schlussfolgerung wie der Prinz. Ein Kartograf
ging, so spekulierte Livengood, wahrscheinlich so vor, dass er zuerst einen
passenden Mittelpunkt für seine Karte wählte, dann einen Radius festlegte,
der lang genug war, um das abzubildende Territorium abzudecken, und
schließlich mithilfe dieses Mittelpunkts und Radius einen Kreis zog. Dann
würde er seinen Kreis halbieren und wieder und wieder unterteilen, bis er
vom Mittelpunkt bis zum Rand sechzehn Linien – jeweils in einem Winkel
von 22,5 Grad – gezogen hatte.5
Der dritte Schritt bestünde darin, innerhalb dieses Perimeters Punkte so
miteinander zu verbinden, dass man ein Quadrat erhält, wobei vier
verschiedene Quadrate möglich wären.
Im vierten Schritt würde der Kartograf eines der Quadrate wählen und
Verbindungslinien zu den gegenüberliegenden Punkten ziehen, wodurch ein
rechtwinkliges Gitternetz entstünde (Abb. 10).
Obwohl die Gelehrten der einhelligen Meinung waren, dass die
Portolankarten keine Längen- und Breitenlinien aufwiesen, war Folgendes
klar: Wenn eine der senkrechten Linien (wie zum Beispiel die Linie durch
den Mittelpunkt) zum geografischen Norden gezogen wurde, dann war diese
ein Längenmeridian und jede Linie im rechten Winkel dazu ein Breitenkreis.
Davon ausgehend, dass diesen Karten eine der berühmten Mercator-
Projektion ähnliche Projektion zugrunde liege, bei der alle Meridiane und
Parallelen gerade Linien sind, die sich im rechten Winkel schneiden (siehe
Abb. 10), wären alle senkrechten Linien Längenmeridiane und alle
horizontalen Linien Breitenkreise.6

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Abb. 10. Das Acht-Winde-System der Portolankarten. Aus der Kreis- bzw. Polarprojektion, die bei der
Piri-Reis-Karte und anderen Portolankarten Verwendung fand, lässt sich ein rechteckiges Gradnetz
konstruieren. An diesem Diagramm (gezeichnet von Isroe) kann man ersehen, wie Livengood, Estes
und Woitkowski das Problem für das Hauptnetz auf der Piri-Reis-Karte lösten (siehe Abb. 13).

Als wir dieses Konzept auf die Piri-Reis-Karte anwandten, erkannten wir,
dass der Kartograf hier einen Mittelpunkt weit östlich des erhaltenen
Fragments 7 der Weltkarte platziert und darum dann einen Kreis gezogen
hatte. Er hatte den Kreis vier Mal halbiert, das heißt sechzehn Linien in
einem Winkel von jeweils 22,5 Grad vom Mittelpunkt zum Rand gezogen.
Außerdem hatte er die vier möglichen Quadrate eingezeichnet, eventuell in
der Absicht, diese Quadrate dort, wo es notwendig wäre, zu nutzen, um in
verschiedenen Teilen der Karte mit unterschiedlicher Nordrichtung
Gradnetze einzuzeichnen.8
Leo Estes machte als Erster darauf aufmerksam, dass die
Portolanprojektion die Möglichkeit bot, auf einer Karte verschiedene
Nordrichtungen zu nutzen.
Jetzt stellte sich folgende Frage: Welches war das für uns richtige Quadrat?

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Das heißt, welches der Quadrate, die auf der Piri-Reis-Karte ausgemacht
werden konnten, war korrekt nach Norden, Süden, Osten und Westen
ausgerichtet – falls es überhaupt eines gab, das übereinstimmte?
Leo Estes fand die Lösung: Als er die Piri-Reis-Karte mit einer modernen
Karte verglich (Abb. 11, 12 und 13), entdeckte er auf der modernen Karte
einen Meridian, der mit einer Linie auf der Piri-Reis-Karte übereinzustimmen
schien – mit einer Linie, die nahe der afrikanischen Küste von Norden nach
Süden verläuft, in etwa bei 20 Grad westlicher Länge, wobei die
Kapverdischen Inseln im Westen, die Kanaren im Osten und die Azoren im
Westen liegen.
Estes war der Meinung, diese Linie könnte unser Hauptmeridian sein, eine
Linie zum geografischen Norden. Sämtliche parallel verlaufenden Linien
wären dann ebenfalls Längengrade (immer davon ausgehend, dass die
vorliegende Projektion der Mercator-Projektion irgendwie ähnelte), und alle
im rechten Winkel verlaufenden Linien dementsprechend Breitenkreise. Die
so auf der Piri-Reis-Karte identifizierten Meridiane und Breitenkreise
bildeten also vorläufig ein rechteckiges Netz, wie in Abbildung 13
dargestellt.
Der einzige Unterschied zwischen diesem großen Rechtecknetz auf der
Piri-Reis-Karte und den Netzen moderner Karten bestand darin, dass Letztere
mit den Angaben der Längen- und Breitengrade versehen sind, mit
Breitenkreisen und Meridianen in gleichen Abständen von gewöhnlich 5 oder
10 Grad. Uns war klar, dass wir das Netz der Piri-Reis-Karte in ein modernes
Netz würden umwandeln können, wenn es uns gelänge, die genauen Längen
der Breitengrade und Meridiane zu bestimmen. Das hieß, wir mussten die
genauen Längen und Breiten jeder der fünf Projektionszentren im Atlantik
finden, durch die die Linien des Netzes der Piri-Reis-Karte verliefen.

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Abb. 11. Die Ostküsten des Atlantiks in Mercator-Projektion. Vergleichen Sie den 20. Längengrad
West mit dem »Nullmeridian« der Piri-Reis-Karte (Abb. 19).

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Am Beginn unserer Untersuchung hatte ich festgestellt, dass diese fünf
Projektionszentren in gleichmäßigen Abständen auf dem Umfang eines
Kreises platziert worden waren, allerdings war der Kreis selbst ausradiert
worden (Abb. 12). Außerdem hatte ich bemerkt, dass von diesen Zentren
konvergierende Linien zu dem östlich des Kartenrands gelegenen Mittelpunkt
dieses Kreises verliefen. Das, so schien es mir damals, war eine geometrische
Konstruktion, die mithilfe der Trigonometrie zu lösen sein müsste. Allerdings
wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass den Portolankarten nach
Meinung aller Experten keine trigonometrische Berechnung zugrunde liegt.
In Unkenntnis dieser Experteneinschätzung machten wir uns auf die Suche
nach der mathematischen Grundlage der Piri-Reis-Karte. Mir war von
Anfang an klar, dass dies nur dann erfolgreich sein konnte, wenn es uns
gelingen würde, zuerst die exakte Position des Kartenmittelpunkts und dann
die genaue Radiuslänge des Kreises zu bestimmen, den der Kartograf
gezogen hatte. Zum Glück ist einer meiner Freunde, nämlich Richard W.
Strachan, Mathematiker am Massachusetts Institute of Technology. Er
erklärte mir, dass er, wenn wir ihm die notwendigen Informationen liefern
würden, mithilfe der Trigonometrie die exakten Positionen der fünf
Projektionspunkte der Piri-Reis-Karte im Atlantik mit den entsprechenden
modernen Längen- und Breitenangaben finden könnte. Dadurch könnten wir
auf der Karte ein modernes Gradnetz einzeichnen und damit jedes Detail
genau überprüfen. Nur so konnten wir Mallerys These hinsichtlich des
Kartenabschnitts verifizieren, der die Antarktis zeigt.

Exkurs

Thomas Blundevilles Anleitung zur Konstruktion


des Portolanentwurfs
»Über Seekarten und deren Anfertigung«

Man zeichne zuerst mit einem Zirkel einen verdeckten Kreis, der so groß sein soll, dass er den
Maßen Ihrer Karte entspricht; er stellt den Horizont dar. Dann teile man diesen Kreis in 4 gleiche
Teile, indem man 2 Durchmesser einzeichnet, die sich in der Mitte des besagten Kreises im rechten
Winkel schneiden, wobei die senkrechte Linie von Nord nach Süd und die waagrechte Linie von Ost
nach West verlaufen. An die vier Enden der einander kreuzenden Durchmesser setze man die vier
Hauptwinde, also Ost, West, Nord und Süd, und markiere den Norden oben mit einer Blume, den
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Osten mit einem Kreuz, wie aus der folgenden Darstellung hervorgeht. Dann teile man jedes Viertel
des besagten Kreises mit einem Zirkel in 2 gleiche Teile, markiere die Mitte jedes Viertels mit
einem Strich und ziehe durch diese Striche und durch den Kreismittelpunkt zwei Linien, die etwas
über den Umfang des Horizonts hinausreichen, sodass die beiden sich kreuzenden Linien den Kreis
in 8 Teile unterteilen, wodurch man die acht Hauptwinde erhält. Danach teile man jeden der 8 Teile
des besagten Horizonts in 2 gleiche Teile, indem man wieder zwei sich kreuzende Linien durch den
Kreismittelpunkt zieht und diese wie zuvor über den Umfang des Horizonts hinaus verlängert,
wodurch der Kreis in 16 Teile unterteilt wird. Das sollte ausreichen, denn weitere Unterteilungen
würden nur Verwirrung stiften. Am Ende jeder dieser 16 Linien zeichne man einen kleinen Kreis
ein, dessen Mittelpunkt auf dem Umfang des Horizonts zu liegen kommen muss. Diese kleinen
Kreise teile man ebenfalls in 16 Teile, und zwar mithilfe der 16 Linien, die jeweils vom Mittelpunkt
des kleinen Kreises zu dem eines anderen gezeichnet werden, so wie aus der Abbildung hervorgeht,
die es klarer zeigt, als ich es beschreiben kann. Und diese kleinen Kreise sind die 16 kleinen
Seemannskompasse, deren Linien die Winde angeben und anzeigen, wo ein Ort im Verhältnis zu
einem anderen liegt und mit welchem Wind das Schiff segeln muss. Doch neben diesen kleinen
Kreisen sollte man einen etwas größeren Kreis genau um den Mittelpunkt des Horizonts zeichnen,
der durch die 16 Linien, die durch ihn verlaufen, ebenfalls in 16 Teile unterteilt wird. Die Seeleute
nennen diesen Kreis den Mutterkompass.

Aus: N. H. Heathecote (89), in dem die Anleitung zur Konstruktion des Portolanentwurfs zitiert
wird, die Blundeville in Blundeville his Exercises, 1594 veröffentlichte.

Exkurs

Richard W. Strachan über Kartenprojektionen


Richard W. Strachan beschreibt hier einige Merkmale von Projektionen, die allem Anschein nach
bei einer oder mehreren der alten Karten Verwendung fanden. Der Leser sei daran erinnert, dass
Kartenprojektionen mechanische und mathematische Hilfsmittel zur Übertragung von Punkten der
gekrümmten Erdoberfläche auf die ebene Fläche des Papiers darstellen und daher künstlich und
komplex sind. Die Erde ist eine Kugel, und nur ein Globus kann sie im korrekten Verhältnis
abbilden. Doch mit zahlreichen Projektionen können auch auf flachem Papier Teile der Erde mit für
praktische Zwecke ausreichender Genauigkeit dargestellt werden, doch sie haben ihre jeweiligen
Schwächen und verzerren die Erde auf die eine oder andere Weise ganz beträchtlich. Der Kartograf
versucht, jene spezifische Projektion zu wählen, die für die Darstellung der Region, die er
kartografieren will, am geeignetsten ist – die Projektion, die die meisten Vorzüge und die wenigsten
Nachteile mit sich bringt. Hier definiert Strachan fünf Projektionsarten, aber es gibt noch viele
mehr. Weitere Informationen dazu finden sich bei Deetz und Adams (60).

AZIMUTAL: Bei der Azimutalprojektion berührt die Bildebene die Erde an einem Punkt. Dieser
Tangentialpunkt kann an den Polen, auf dem Äquator oder an einer beliebigen Stelle liegen. Zur
Gruppe der Azimutalprojektionen zählen einige bedeutsame Projektionen, nämlich die unten
beschriebenen stereografischen, gnomonischen und azimutal-abstandstreuen Projektionen.

STEREOGRAFISCH: Eine stereografische Projektion entsteht, wenn die Erde von einem dem
Tangentialpunkt gegenüberliegenden Punkt aus auf eine ebene Fläche projiziert wird. Die Vorzüge
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dieser Projektion bestehen darin, dass die gesamte Hemisphäre ohne starke Verzerrung abgebildet
werden kann und die Großkreise 9 durch den Tangentialpunkt als gerade Linien erscheinen.

GNOMONISCH: Eine gnomonische Projektion erhält man, wenn die Projektion der Erde vom
Erdmittelpunkt aus erfolgt. Der Vorzug dieser Projektion besteht darin, dass auch hier jeder
Großkreis eine gerade Linie bildet.

AZIMUTAL-ABSTANDSTREU: Bei dieser Projektion ist der Abstand entlang jedes Großkreises
durch einen Tangentialpunkt konstant. Eine polständige azimutal-abstandstreue Projektion stellt die
Meridiane als gerade Linien dar, die radial vom Pol ausgehen, und die Breitengrade als
abstandsgleiche konzentrische Kreise. Sie lässt sich nicht als Projektion veranschaulichen, sondern
muss konstruiert werden, indem ein Maßstab festgelegt wird und die geografischen Merkmale der
Erde Punkt für Punkt übertragen werden. Sie besitzt den großen Vorteil, dass die gesamte Erde
abgebildet werden kann. Darüber hinaus hat sie vom Tangentialpunkt (beziehungsweise »Pol«)
einen konstanten Abstandsmaßstab; und wie bei allen azimutalen Projektionen sind alle vom
Tangentialpunkt aus gemessenen Winkel winkeltreu.

CORDIFORM: In der jüngeren Literatur wird die cordiforme Projektion nicht beschrieben, daher
müssen wir auf Nordenskiölds Erläuterung zurückgreifen. Er nennt drei cordiforme Projektionen
(147, S. 86–92). Die Erste schreibt er dem Kartografen Silvanus zu und weist auf ihre Ähnlichkeit
mit der »homöotheren« Projektion des Ptolemäus hin. Die Zweite, eine ebenfalls der
»homöotheren« Projektion des Ptolemäus ähnliche Projektion, wurde vom Geografen Apianus für
eine Karte verwendet, die er 1520 anfertigte. Die Dritte wird von Johannes Werner 1514 als seine
eigene Erfindung beschrieben. Oronce Finé und später auch Mercator nutzten die zweite der
genannten Varianten. Sie wird häufig als »Werners Zweite Projektion« bezeichnet, weil er alle drei
beschrieben hat. Diese Projektion besitzt folgende Eigenschaften:
a) Der Pol dient als Mittelpunkt für die Breitenkreise, die konzentrische Kreise oder Teile davon
sind.
b) Die Größe (Durchmesser, Umfang und Abstand) der Breitenkreise wird so angepasst, dass ein
korrektes Verhältnis zwischen der Länge eines Längengrads am Äquator und an anderen
Breitengraden erreicht wird. Das heißt, der Abstand der Breitengrade wird so verändert, dass die
Länge des Längengrads auf jeder Breite korrekt ist.
c) Am Äquator ist ein Längengrad ebenso lang wie ein Breitengrad.

MERCATOR-PROJEKTION: Hierbei handelt es sich um eine zylindrische Projektion, bei der ein
Zylinder so um die Erde gelegt wird, dass er die Erde an einem Großkreis berührt und die
Erdoberfläche dadurch (von innen nach außen) auf den Zylinder projiziert wird. Der Zylinder wird
dann der Länge nach aufgeschnitten und als ebene Fläche ausgelegt. Berührt der Zylinder die Erde
am Äquator, werden die Meridiane zu vertikalen, parallelen, abstandsgleichen Geraden, und der
Äquator wird zu einer horizontalen Geraden, die durch den Kartenmittelpunkt führt.
Die Mercator-Projektion ist eine zylindrische Projektion, wird also nicht durch eine geometrische
Projektion konstruiert. Die Breitenkreise werden mathematisch berechnet. Ihr Hauptmerkmal
besteht darin, dass der Abstand zwischen den Breitenkreisen mit zunehmender Entfernung zum
Äquator größer wird, um das korrekte Verhältnis zwischen den Längen- und Breitengraden zu
erhalten, die zu den Polen hin natürlich kürzer werden. Der Vorteil dieser Projektion ist, dass sie
»konform« ist, das heißt, sie ist an jedem Punkt winkeltreu, und mit geringen Veränderungen der
Breitenangaben lassen sich Entfernungen genau messen. Für die Navigation sind Kurse als gerade
Linien dargestellt, deren Richtung von der Karte direkt abgelesen werden können.

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Die Suche nach dem Zentrum der Karte nahm etwa 3 Jahre in Anspruch. Wir
nutzten verschiedene Methoden, um die Linien bis zu jenem Punkt hin zu
verlängern, in dem sie sich schneiden würden. Von Beginn an hatten wir die
Vermutung, dass die von den fünf Projektionspunkten ausgehenden Linien
sich in Ägypten treffen und die Stadt Alexandria der Mittelpunkt der Karte
sein müsste. Dieser Gedanke gefiel mir, weil Alexandria in der Antike lange
Zeit das Zentrum von Wissenschaft und Lehre war, und es schien mir
wahrscheinlich, dass die Geografen Alexandrias, wenn sie eine Weltkarte
zeichneten, selbstverständlich ihre eigene Stadt als Mittelpunkt wählten.
Doch diese Hypothese erwies sich als falsch. Ein Widerspruch tauchte auf.
Die große Windrose im Nordatlantik schien auf dem Wendekreis des Krebses
zu liegen, und eine der aus diesem Zentrum hervorgehenden Linien führte
offensichtlich zum Mittelpunkt der Karte. Aber wir stellten fest, dass diese
Linie im rechten Winkel zu unserem Hauptmeridian verlief, was natürlich
bedeutete, dass es sich um einen Breitenkreis handelte. Da der Wendekreis
des Krebses jedoch bei 23,5° nördlicher Breite liegt, müsste die von der
Windrose ausgehende Linie auf einen Punkt in Ägypten treffen, der ebenfalls
auf 23,5° nördlicher Breite zu finden wäre. Alexandria liegt jedoch nicht auf
diesem Breitengrad, sondern bei 31° nördlicher Breite. Deshalb konnte der
Mittelpunkt unseres Kreises nicht Alexandria sein.

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Abb. 12. Die Piri-Reis-Karte: Die vom Faksimile durchgezeichneten Linien des Portolanentwurfs

Wir suchten auf der Karte des alten Ägypten nach einer passenden Stadt auf
dem Wendekreis des Krebses, die als Mittelpunkt der Karte dienen könnte.
(Wir waren noch immer auf den Gedanken fixiert, der Mittelpunkt unserer
Karte müsse irgendein wichtiger Ort wie zum Beispiel eine Stadt sein. Später
lösten wir uns jedoch von diesem falschen Konzept.)
Als wir den Wendekreis des Krebses absuchten, stießen wir auf die antike
Stadt Syene, die unmittelbar nördlich des Wendekreises lag, nahe der
heutigen Stadt Assuan, die durch den großen Staudamm weltbekannt ist. Da
erinnerten wir uns an die wissenschaftliche Meisterleistung von Eratosthenes,
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des griechischen Astronomen und Geografen des 3. Jahrhunderts v. Chr., der
den Erdumfang bestimmte, indem er den Winkel des Sonnenstands zur
Mittagszeit in Alexandria und Syene berechnete.
Über diese Erkenntnis hocherfreut, änderten wir unsere Arbeitshypothese
und nahmen Syene als Mittelpunkt der Karte an. Im Nachhinein erkannten
wir, wie vernünftig es gewesen war, den Mittelpunkt der Karte auf den
Wendekreis zu legen, auf eine astronomisch festgelegte Linie der
Erdoberfläche. Die Pole, die Wendekreise und der Äquator können durch
Himmelsbeobachtungen genau bestimmt werden, und sie waren von jeher
Grundlage der Kartografie gewesen. Und Syene war eine bedeutende Stadt
gewesen und somit als Kartenmittelpunkt geeignet. Zwei Studenten, Lee
Spencer und Ruth Baraw, fanden einen tragfähigen »Beweis« dafür, dass
Syene der Mittelpunkt der Karte sei; am Ende unserer Untersuchungen
stellten wir aber fest, dass Syene doch nicht das Zentrum der Karte bildet.
Der Radius des Kreises bereitete uns deutlich größere Schwierigkeiten.
Zunächst schien es absolut unmöglich zu sein, seine genaue Länge zu
bestimmen. Doch einige meiner Studenten begannen von der päpstlichen
Demarkationslinie zu sprechen – der Linie, die von Papst Alexander VI. 1493
gezogen und im folgenden Jahr revidiert wurde, um die portugiesischen von
den spanischen Gebietsansprüchen in den neu entdeckten Territorien zu
trennen (Abb. 14). Auf der Piri-Reis-Karte verläuft eine Linie von Norden
nach Süden und führt durch die nördliche Windrose und dann, mit einem
bestimmten Abstand westlich der Atlantikküste, durch Brasilien. Diese Linie
scheint identisch oder nahezu identisch mit der Zweiten Demarkationslinie
(von 1494) zu verlaufen, die ebenfalls durch Brasilien führte. Piri Reis hatte
die Demarkationslinie auf seiner Karte erwähnt, und wir gelangten zu dem
Schluss, dass uns diese Linie, falls es sich tatsächlich um die
Demarkationslinie handelte, Aufschluss über die geografische Länge der
nördlichen Windrose und damit über die Länge des Kreisradius mit seinem
Mittelpunkt Syene geben könnte.

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Abb. 13. Die Piri-Reis-Karte: Das vom Faksimile durchgezeichnete Hauptnetz des Portolanentwurfs

Die päpstliche Demarkationslinie soll knapp 600 Kilometer westlich der


Kapverdischen Inseln in Nordsüdrichtung verlaufen sein. Es wurde
wissenschaftlich errechnet, dass sie nach heutigen Maßangaben bei 46° 30’
westlicher Länge lag. Diese Länge wiesen wir deshalb auch der nördlichen
Windrose zu und erhielten damit unsere erste grobe Schätzung in Bezug auf
die Länge des Kreisradius. Laut diesen Ergebnissen erstreckte er sich über 79
Längengrade (32,5° plus 46,5°). Später fanden wir heraus, dass diese
Schätzung um 9,5 Längengrade vom effektiven Wert abwich, aber für den
Anfang war sie akzeptabel.
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In dieser Phase waren unsere Resultate noch zu unsicher, um einen
Versuch zu rechtfertigen, das Problem mithilfe der Trigonometrie zu lösen.
Stattdessen testeten wir unsere Ergebnisse direkt auf einem Globus, den Leo
Estes uns zur Verfügung stellte. Wir führten unseren Test durch, indem wir
einen Kreis mit dem angegebenen Radius zogen, mit Syene als Mittelpunkt;
dann zeichneten wir die Linien mit einem Winkelabstand von 22,5 Grad,
beginnend mit einer Linie zum Äquator. Das Ergebnis schien ziemlich
überzeugend zu sein, und wir waren sicher, dass wir auf dem richtigen Weg
waren.

Abb. 14. Die päpstlichen Demarkationslinien von 1493 und 1494

Doch es war reines Glück, dass wir so weit kamen, bevor wir feststellten,
dass unsere Interpretation der Demarkationslinie auf der Karte falsch war.
Auf diese Tatsache machten uns schließlich zwei andere Studenten, John F.
Malsbenden und George Batchelder, aufmerksam. Sie hatten sich während
einer unserer langen Nachtsitzungen10 über die Karte gebeugt, als
Malsbenden sich plötzlich aufrichtete und empört feststellte, unsere ganze
Arbeit sei umsonst gewesen, weil die Linie, die wir ausgesucht hatten, nicht

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die richtige sei, denn in einer von uns übersehenen Inschrift auf seiner Karte
hatte Piri Reis selbst auf eine andere Linie hingewiesen. Es war die erste
Linie, diejenige von 1493, die gar nicht durch die Windrose verläuft. Doch
unser Fehler hatte seinen Zweck erfüllt, denn die von uns auf der Piri-Reis-
Karte gewählte Linie stellte zwar keine dieser Demarkationslinien dar, lag
aber so nahe bei ihnen, dass sie uns einen ersten Hinweis auf die geografische
Länge liefern konnte.
Ein weiterer Irrtum, der sich als sehr nützlich erweisen sollte, war unsere
vorübergehende Vermutung, dass unsere Karte vielleicht nicht auf den
geografischen Norden ausgerichtet war, sondern auf den magnetischen
Norden. Später fanden wir heraus, dass viele, wenn nicht sogar alle
Portolankarten tatsächlich in etwa auf den magnetischen Norden ausgerichtet
sind. Wie bereits erwähnt, hatten einige Autoren geschrieben, dass die Linien
auf den Portolankarten in Wahrheit nur dazu dienten, die Kompassrichtung
zu finden, und deshalb selbstverständlich auf den magnetischen Norden
ausgerichtet waren.11
Im Interesse einer maximalen Genauigkeit wollte ich herausfinden, wie die
Frage des magnetischen Nordens den Längengrad der zweiten päpstlichen
Demarkationslinie beeinflussen konnte, die jetzt unseren Radius bestimmte.
Wenn die Demarkationslinie bei den Kapverdischen Inseln bei 46° 30‘
westlicher Länge verlief, müsste sie bei magnetischer Ausrichtung auf der
Breite der nördlichen Windrose etwas weiter im Westen liegen, und das
würde sich auf den Radius auswirken. Wir verbrachten einige Zeit mit
Versuchen zu berechnen, wie viel weiter im Westen die Linie verlaufen
würde. Dazu zählten wiederum einige Recherchen, um herauszufinden, wie
groß die Deklination der Kompassnadel heute in diesen Teilen des Atlantiks
ist (die Abweichung zwischen geografischer und magnetischer
Nordausrichtung), und Spekulationen darüber anzustellen, wie stark diese
Abweichungen zur Zeit von Piri Reis oder der Antike gewesen sein mochten.
Wir befanden uns in einer wahren Zwickmühle, waren verunsichert und
frustriert.
Zum Glück wurden wir durch eine weitere falsche Idee aus dieser
Sackgasse herausgeführt. Ich stellte fest, dass der um Syene als Mittelpunkt
gezeichnete Kreis mit einem Radius bis zum Schnittpunkt der mutmaßlichen
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zweiten päpstlichen Demarkationslinie mit der nördlichen Windrose durch
den heutigen magnetischen Pol zu verlaufen schien. Daraufhin gestatteten wir
uns die Annahme (denn nichts ist unmöglich), dass irgendjemand in der
Antike die Position des magnetischen Pols gekannt und bewusst einen Radius
gewählt hatte, der durch ihn hindurchführte. So unsicher diese Mutmaßung
auch sein mochte, war sie doch näherliegend als jene mit der päpstlichen
Demarkationslinie, denn in der Antike konnte niemand etwas von einer Linie
ahnen, die erst im Jahr 1494 gezogen werden sollte. Der magnetische Pol war
allerdings eine sehr unbefriedigende Arbeitshypothese, weil er nicht
feststehend ist, sondern sich ständig verschiebt; es kann also nur gerätselt
werden, wo er in der Vergangenheit genau gelegen hat.
In ebendieser Phase las ich Nordenskiölds Behauptung, dass die
Portolankarten auf den geografischen, nicht auf den magnetischen Norden
ausgerichtet seien (146, S. 17). In diesem Punkt täuschte sich Nordenskiöld
jedoch gründlich, es sei denn, er meinte, dass die Karten ursprünglich auf den
geografischen Norden ausgerichtet waren und erst später auf den
magnetischen. Doch seine Feststellung beeindruckte uns, und als ich den
Globus mit unserem eingezeichneten Kreis betrachtete, bemerkte ich
schließlich, dass dieser Kreis, der durch den magnetischen Nordpol verlief,
dem geografischen Pol in Wahrheit sehr nahekam. Wie man sich vorstellen
kann, gaben wir unsere Magnetpoltheorie rasch auf und stützten uns auf die
Arbeitshypothese, dass irgendjemand in der Antike die tatsächliche Position
des Nordpols gekannt und um das auf dem Wendekreis des Krebses gelegene
Syene einen Kreis gezogen hatte, der durch den geografischen Nordpol
verlief. Und wieder kam uns, wenn auch spät, die Einsicht: Wie der
Wendekreis des Krebses lässt sich auch der Nordpol astronomisch
bestimmen. Es handelt sich um einen exakt angegebenen Punkt auf der
Erdoberfläche.
Jetzt hatten wir das Gefühl, nach einer Fahrt über die stürmische See
endlich eine sichere Küste erreicht zu haben, denn wir waren an einem Punkt
angelangt, an dem ein Versuch denkbar war, unsere Theorie mithilfe der
Trigonometrie zu bestätigen. Wir gingen nun von folgenden Annahmen aus:
1) Der Projektionsmittelpunkt lag in Syene auf dem Wendekreis des Krebses
bei 32,5 Grad östlicher Länge. 2) Der Kreisradius verlief vom Wendekreis
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zum Nordpol über eine Strecke von 66,5 Grad. 3) Die horizontale Linie durch
den Projektionsmittelpunkt auf der Karte (Punkt III) war in Wahrheit der
Äquator. Wenn man auf der Karte die afrikanische Küste des Golfs von
Guinea betrachtet, erkennt man, dass diese Linie dem Äquator tatsächlich
sehr nahezukommen scheint. Doch dies war reine Spekulation. Wir konnten
einfach nicht wissen, ob der Kartograf der Antike genaue Kenntnisse von der
Größe der Erde hatte, was jedoch notwendig gewesen wäre, um die Position
der Pole und des Äquators korrekt bestimmen zu können. Derartige
Annahmen konnten lediglich Arbeitshypothesen sein, die zu Experimenten
dienen und abgehakt werden, sobald sie sich als falsch erweisen. Es waren
jedoch die besten Annahmen, mit denen wir bis dahin aufwarten konnten,
und uns blieb nichts anderes übrig, als mit Hypothesen zu arbeiten.
Immerhin konnten wir nun unserem Mathematiker Strachan die für eine
mathematische Analyse erforderlichen Daten liefern. Er berechnete die
Positionen aller fünf Projektionszentren auf der Piri-Reis-Karte, um ihre
genaue Länge und Breite zu bestimmen. Dafür nutzte er unseren vermuteten
Äquator als Grundlinie eines Breitengrads. Das habe ich in Abbildung 15
darzustellen versucht. Dazu zog ich den ersten Radius vom
Projektionsmittelpunkt zum Schnittpunkt des vermuteten Äquators mit dem
Kreisumfang und zeichnete dann die anderen Radien nach Norden und Süden
mit einem Winkel von 22,5 Grad ein.12 Unsere Annahme, dass es sich bei
der von uns ausgewählten Linie um den Äquator handelte, definierte somit
die geografische Breite der vier anderen Projektionspunkte. Der
angenommene Äquator war also die Bezugsgrundlage der Breite, so wie
Syene der Bezugspunkt für die geografische Länge.
Strachan berechnete die Positionen der fünf Projektionspunkte zunächst
sowohl mithilfe der sphärischen als auch der ebenen Trigonometrie. Bei
jedem weiteren Schritt wiederholte er dies, jeweils mit unterschiedlichen
Annahmen, was den Radius der Projektion und die Position ihres
Mittelpunkts anbelangte, doch in allen Fällen führte die Berechnung über die
ebene Trigonometrie zu guten Ergebnissen. Die Trigonometrie in der Ebene
ermöglichte also die Erstellung von Netzen, die der Geografie einigermaßen
entsprachen, während die Berechnungen vermittels der sphärischen
Trigonometrie zu großen Widersprüchen führten. Jedenfalls wurde klar, dass
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unsere Projektion mithilfe der ebenen Trigonometrie erstellt worden sein
musste.13

Exkurs

Ebene versus sphärische Trigonometrie auf der Piri-Reis-


Karte
Strachan berechnete mehrfach die Positionen der fünf Projektionspunkte auf der Piri-Reis-Karte
sowohl mithilfe der ebenen als auch der sphärischen Trigonometrie. Jedes Mal hatte es den
Anschein, als würden die Berechnungen nach der sphärischen Trigonometrie stärker von der
Geografie der Karte abweichen, wie der folgende Vergleich veranschaulicht. Er wurde 1960 unter
der damaligen Annahme angestellt, dass das Zentrum der Karte in Syene auf dem Wendekreis des
Krebses bei 32,5° östlicher Länge liegt, der Kreisradius von diesem Punkt aus zum Nordpol
gezogen und die Grundlinie für die Breite der Äquator der Piri-Reis-Karte ist.

Ebene Trigonometrie Sphärische Trigonometrie


1. 50,9 N; 30,5 W 1. 38,1 N; 46,1 W
2. 25,7 N; 36,4 W 2. 18,7 N; 42,0 W
3. 0,0 N; 34,4 W 3. 0,0 N; 34,0 W
4. 22,1 S; 18,5 W 4. 18,2 S; 23,1 W
5. 37,0 S; 2,6 O 5. 32,9 S; 07,1 W

Wir sehen, dass bei der ebenen Trigonometrie die maximale Breitendifferenz 87,9°, die größte
Längendifferenz 39° beträgt. Dagegen liegt die größte Breitendifferenz bei der sphärischen
Trigonometrie lediglich bei 71°, während die Längendifferenz bei 53,2° liegt. Somit hat die
Verwendung der sphärischen Trigonometrie die Wirkung, die Breiten zu komprimieren und die
Längen auf eine Weise zu vergrößern, die der Karte offenkundig nicht entspricht.

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Abb. 15. Die hypothetische Piri-Reis-Projektion mit dem Äquator als Basis

Sobald wir die genauen geografischen Breiten und Längen der fünf Zentren
auf der Piri-Reis-Karte kannten, konnten wir ein modernes Koordinatennetz
konstruieren. Die Gesamtdifferenz der Breitenangaben zwischen Punkt I und
Punkt V, angegeben durch die Millimeter auf unserer Kopie der Karte (wir
nutzten eine Durchzeichnung unserer Fotografie der Karte), lieferte uns die
Länge eines Breitengrads in Millimetern. Um auf mögliche Abweichungen
zu stoßen, maßen wir die Länge der Breitengrade zwischen jeweils zwei der
fünf Punkte getrennt. Wie in Abbildung 16 dargestellt, wiederholten wir
dieses Verfahren mit den geografischen Längen. Es stellte sich heraus, dass
die Längen der Breiten- und Längengrade praktisch identisch waren; deshalb
schien uns ein quadratisches Netz vorzuliegen. Dabei ließen wir die auf der
Karte eingezeichneten Maßstäbe unberücksichtigt, weil unmöglich
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herauszufinden war, wann beziehungsweise von wem sie gezeichnet worden
waren und welche Längenmaße dabei zum Einsatz gekommen waren.

Abb. 16. Berechnung der Länge eines Grades auf der Piri-Reis-Karte

Der nächste Schritt bestand darin, ein Koordinatensystem zu zeichnen, und


das war wirklich keine einfache Aufgabe. Nicht etwa, weil sie besonders
kompliziert war, sondern weil sie ein äußerst hohes Maß an Genauigkeit und
sehr viel Geduld erforderte. Zum Glück war einer meiner Studenten, Frank
Ryan, dafür bestens geeignet. Er hatte bei der Air Force gedient, war auf der
Westover Air Force Base in Massachusetts stationiert gewesen und in der
Kartografieabteilung des 8. Technischen Aufklärungsgeschwaders einem
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bemerkenswerten Offizier, Captain Lorenzo W. Burroughs, unterstellt
worden. Die Einheit hatte damals die Aufgabe gehabt, Karten für den Einsatz
des Strategischen Luftkommandos der US-Luftwaffe, auch unter dem Namen
SAC bekannt, anzufertigen; später wurde sie in die 8. US-Luftflotte
eingegliedert. Selbstverständlich besaß das Personal die notwendige
Fachkompetenz zur Kartenerstellung, um den hohen Ansprüchen der Air
Force zu genügen, und Frank Ryan war auf dem Gebiet der erforderlichen
Techniken gründlich ausgebildet worden. Damals war er in die Air Force
eingezogen worden, jetzt zogen wir ihn heran, damit er unser
Koordinatennetz zeichnete.
Später machte Ryan mich mit Captain Burroughs bekannt, und ich
besuchte die Luftwaffenbasis in Westover. Der Captain bot uns seine
Unterstützung bei der Vorbereitung eines Kartenentwurfs mit der Auflösung
der Projektion an und stellte uns seine Mannschaft zur Verfügung. Die
Zusammenarbeit erstreckte sich über mehr als 2 Jahre, und eine Reihe von
Offizieren und Soldaten leisteten uns in dieser Zeit wertvolle Hilfe.14 Später
überprüften Captain Burroughs und sein Vorgesetzter, Colonel Harold Z.
Ohlmeyer, unsere Arbeit und bestätigten unsere Ergebnisse (siehe
nachfolgenden Exkurs).

Exkurs

Die Korrespondenz mit Harold Ohlmeyer und


Lorenzo Burroughs
8. Technisches Aufklärungsgeschwader (SAC)
United States Air Force, Westover Air Force Base, Massachusetts

Antwort auf:
Attn of: RTC
6. Juli 1960
Betreff: Weltkarte von Admiral Piri Reis

An Professor Charles H. Hapgood


Keene Teachers College, Keene, New Hampshire

Sehr geehrter Herr Professor Hapgood,


die von Ihnen erbetene Begutachtung einiger ungewöhnlicher Merkmale auf der Weltkarte des Piri
Reis von 1513 durch unsere Organisation ist inzwischen abgeschlossen.
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Die These, der untere Teil der Karte stelle die Prinzessin-Martha-Küste von Königin-Maud-Land in
der Antarktis und die Palmer-Halbinsel dar, ist korrekt. Wir halten dies für die logischste und aller
Wahrscheinlichkeit nach richtige Interpretation der Karte.
Die geografischen Details, die auf dem unteren Kartenteil dargestellt sind, stimmen auf ganz
erstaunliche Weise mit dem seismischen Profil überein, das 1949 von der schwedisch-britisch-
norwegischen Antarktisexpedition erstellt wurde.
Dies weist darauf hin, dass diese Küstenlinie kartografiert wurde, bevor sie von der Eisschicht
überzogen wurde.
Die Eiskappe ist in dieser Region heute etwa 1,5 Kilometer dick. Wir haben keine Ahnung, wie die
Daten auf dieser Karte mit dem mutmaßlichen Stand des geografischen Wissens im Jahr 1513 in
Einklang zu bringen sind.

Harold Z. Ohlmeyer, Lt.


Colonel, USAF Commander

8. Technisches Aufklärungsgeschwader (SAC)

United States Air Force, Westover Air Force Base, Mass.

14. August 1961

Mr. Charles H. Hapgood


Keene Teachers College Keene, N.H.

Sehr geehrter Herr Professor Hapgood,


es kommt nicht häufig vor, dass wir die Gelegenheit erhalten, antike Karten zu begutachten. Die
Karten von Piri Reis (1513) und Oronteus Fineaus [sic] (1531), die Sie uns zugesandt haben, waren
für uns eine erfreuliche Herausforderung, denn es war nicht ohne Weiteres feststellbar, ob sie derart
genau sein konnten, ohne Fälschungen zu sein. Mit umso größerer Begeisterung gingen wir diese
Herausforderung an und verbrachten viele Feierabendstunden mit der Begutachtung Ihres
Manuskripts und der Karten. Sicherlich werden Sie erfreut sein zu erfahren, dass wir zu dem
Schluss gelangt sind, dass diese beiden Karten ungeachtet ihrer Datierungen aus genauen
Originalkarten zusammengesetzt wurden. Im Folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung
unserer Ergebnisse:

a. Die Lösung der von Admiral Piri Reis genutzten Portolanprojektion, die Sie mit Ihrem
Anthropologiekurs entwickelt haben, ist nahezu korrekt; denn eine Überprüfung der bekannten
geografischen Orte im Verhältnis zu dem von Mr. Richard Strachan (MIT) konstruierten Netz weist
auf eine weitgehende Übereinstimmung hin. Die Verwendung der Portolanprojektion durch Piri
Reis (mit dem Zentrum Syene, Ägypten) war eine ausgezeichnete Wahl, weil es sich um eine
entwickelbare Fläche handelt, die es erlaubt, die relative Größe und Gestalt der Erde (in diesen
Breiten) wiederzugeben. Unserer Meinung nach besaßen diejenigen, die die Originalkarte
kompilierten, hervorragende Kenntnisse der auf dieser Karte dargestellten Kontinente.

b. Wie Colonel Harold Z. Ohlmeyer in seinem Brief (vom 6. Juli 1960) an Sie feststellt, scheint im
südlichen Teil der Karte von Piri Reis tatsächlich die Prinzessin-Martha-Küste des Königin-Maud-
Lands in der Antarktis dargestellt zu sein. Die Übereinstimmung der Piri-Reis-Karte mit dem

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seismischen Profil dieses Gebietes, das von der norwegisch-britisch-schwedischen Expedition von
1949 angefertigt und durch Ihre Lösung des Netzes bestätigt wurde, lässt keinerlei Zweifel an der
Schlussfolgerung zu, dass die ursprünglichen Quellenkarten angefertigt worden sein müssen, bevor
die gegenwärtige antarktische Eiskappe die Küsten des Königin-Maud-Lands überzog.

c. Diese Genauigkeit der kartografischen Merkmale auf der Karte von Oronteus Fineaus [sic] (1531)
legt unseres Erachtens den Schluss nahe, dass auch sie zweifellos auf genauen Quellenkarten der
Antarktis basieren muss, in diesem Fall jedoch des gesamten Kontinents. Eine sorgfältige
Untersuchung ergab, dass die ursprünglichen Quellenkarten zu einer Zeit angefertigt worden sein
müssen, als die Landmassen und Binnengewässer des Kontinentes noch relativ eisfrei waren. Diese
Schlussfolgerung wird durch einen Vergleich der Karte von Oronteus Fineaus [sic] mit den
Ergebnissen der Messungen der subglazialen Topografie unterstützt, die im Internationalen
Geophysikalischen Jahr vorgenommen wurden. Dieser Vergleich zeigt darüber hinaus, dass die (in
sehr ferner Vergangenheit) angefertigten Originalquellenkarten entstanden sind, als die Antarktis
wahrscheinlich eisfrei war. Die von Oronteus Fineaus [sic] genutzte cordiforme Projektion setzt
Kenntnisse der höheren Mathematik voraus. Die Form der Antarktis weist außerdem auf die
Möglichkeit, wenn nicht gar die Wahrscheinlichkeit hin, dass die ursprünglichen Quellenkarten
mithilfe einer Art stereografischer oder gnomonischer Projektion erstellt wurden (die die
Verwendung der sphärischen Trigonometrie voraussetzt).

d. Wir sind der Überzeugung, dass die von Ihnen und Ihren Mitarbeitern gewonnenen Ergebnisse
Gültigkeit haben und dass diese äußerst bedeutsame Fragen zur Geologie und zur alten Geschichte
aufwerfen, die in jedem Fall weitere Forschungen erforderlich machen.

Wir danken Ihnen für die Gelegenheit, an der Untersuchung dieser Karten mitzuwirken. Folgende
Offiziere und Mannschaftsdienstgrade haben Captain Lorenzo W. Burroughs bei dieser Analyse
unterstützt: Captain Richard E. Covault, CWO Howard D. Minor, MStg David C. Carter, TSgt
James H. Hood, SSgt James L. Carroll und A1C Don R. Vance.

Lorenzo W. Burroughs
Captain, USAF
Chief, Cartographic Section
8th Reconnaissance Technical Sqdn (SAC)
Westover Air Force Base, Massachusetts

Bei der Erstellung des Koordinatennetzes gingen wir wie folgt vor: Alle
Längengrade zeichneten wir im Abstand von 5 Grad parallel zum
Nullmeridian ein, und alle Breitengrade wurden parallel zum angenommenen
Äquator im Abstand von 5 Grad gezogen. Diese Linien verliefen nicht immer
genau parallel zu den anderen Linien des großen Koordinatennetzes der Piri-
Reis-Karte, doch das ließ sich dadurch erklären, dass die Karte sich
möglicherweise etwas verzogen hatte oder die Linien unachtsam von der
Quellenkarte, die Piri Reis nutzte, kopiert worden waren. Hier mussten wir
mit einer Fehlerspanne rechnen, weil wir nicht ausschließen konnten, dass
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sich beim erneuten Kopieren des Äquators oder des Nullmeridians kleine
Fehler eingeschlichen hatten. Wie bei anderen Punkten konnten wir auch hier
mit dem, was wir vorliegen hatten, nur unser Bestes geben.15
Als wir das Koordinatennetz gezeichnet hatten, waren wir bereit, es zu
testen. Wir identifizierten möglichst viele Orte auf der Karte und erstellten
eine Tabelle, die ihre Längen- und Breitenangaben auf der Piri-Reis-Karte
mit den Positionen auf heutigen Karten verglich. Die Fehler der einzelnen
Positionen wurden festgehalten und deren Durchschnitt berechnet (siehe Tab.
1). Diese Tabelle ist natürlich ein Test für unseren Lösungsvorschlag der Piri-
Reis-Projektion.
Aber ich will nicht vorausgreifen. Wir stellten fest, dass einige der
Positionen auf der Piri-Reis-Karte absolut korrekt waren, andere dagegen
weit daneben lagen. Nach und nach wurden uns die Gründe für einige der
Ungenauigkeiten auf der Karte bewusst. Wir fanden heraus, dass die Karte
aus vielen Karten regionaler Gebiete zusammengesetzt war (die vielleicht
von verschiedenen Kartografen zu unterschiedlichen Zeiten gezeichnet
worden waren) und dass sich bei der Zusammensetzung der Originalkarten
Fehler eingeschlichen hatten. Ein solches Vorgehen wäre nicht überraschend,
denn es hätte damals eine gewaltige Aufgabe dargestellt, das riesige Gebiet,
das auf der Piri-Reis-Karte dargestellt ist, komplett neu zu vermessen und zu
kartografieren, und das hätte sehr viel Geld verschlungen. Zweifellos wurden
also zunächst nach und nach regionale Karten angefertigt, und diese dann
allmählich zu größeren Karten zusammengefügt, bis man schließlich
versuchte, eine Weltkarte zu erstellen. Dieser lange Prozess der
Zusammensetzung regionaler Karten muss, zumindest was den erhaltenen
Abschnitt der Piri-Reis-Karte anbelangt, bereits in der Antike abgeschlossen
worden sein. Diese Theorie wird sich meiner Meinung nach im Folgenden
bestätigen. Die Arbeit von Piri Reis bestand offenbar darin, für seine
Weltkarte eine Kompilation verschiedener Karten vorzunehmen – die
möglicherweise ihrerseits bereits Kompilationen waren.
Die Entdeckung vieler dieser Fehler war meinen Studenten zu verdanken.
Lee Spencer und Ruth Baraw untersuchten akribisch die Küste Südamerikas
und fanden heraus, dass der Kompilator tatsächlich etwa 1500 Kilometer
Küstenlänge ausgelassen hatte. Es wurde festgestellt, dass der Amazonas auf
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der Karte zweimal eingezeichnet worden war. Wir schlussfolgerten, dass der
Kompilator wohl zwei verschiedene Quellenkarten des Amazonasgebiets
vorliegen hatte, die zu unterschiedlichen Zeiten von verschiedenen
Kartografen angefertigt worden waren, und dass er fälschlicherweise glaubte,
es handele sich um zwei unterschiedliche Flüsse. Außerdem fanden wir
Hinweise darauf, dass die Position des Äquators, auf dem wir unsere
Projektion begründet hatten (was die geografische Breite anbelangt), von
einem anderen Kartografen anders berechnet worden war, sodass tatsächlich
zwei Äquatorlinien vorhanden waren. Doch am Ende konnten wir auch diese
Unstimmigkeit klären. Zu weiteren gravierenden Fehlern zählten die
Auslassung eines Teils der nördlichen Küsten von Südamerika und die
Verdopplung eines Teils dieser Küste sowie eines Teils der Karibikküste.
Daher tauchen auf der Karte eine Reihe geografischer Orte zweimal auf,
jedoch nicht in derselben Projektion. Der größte Teil der Karibik ist
gegenüber der Nordrichtung im Hauptteil der Karte um fast 90° verdreht
dargestellt.
Als wir auf unserem Koordinatensystem immer mehr Orte identifizierten
und ihre durchschnittliche Abweichung berechneten, entdeckten wir auf der
ganzen Karte einige durchgängige Fehler, die darauf hinwiesen, dass mit der
Projektion etwas nicht in Ordnung war. Wir schlossen daraus, dass noch
immer Fehler entweder bei der Lokalisierung des Kartenzentrums, der Länge
des Radius oder bei beidem vorliegen mussten. Es gab keine andere
Möglichkeit, diese Fehler aufzudecken, als alle denkbaren Alternativen in
einem Prozess von Versuch und Irrtum zu überprüfen. Das war sehr
zeitaufwendig und stellte unser aller Geduld auf eine harte Probe. Mit jeder
Änderung des angenommenen Kartenmittelpunkts oder des angenommenen
Radius musste Strachan die Berechnungen wiederholen und die Positionen
der fünf Projektionspunkte neu bestimmen. Dann musste das
Koordinatennetz neu gezeichnet und die Tabellen überarbeitet werden. Da
jedes neue Koordinatennetz weitere bis dahin unentdeckte Fehler ans Licht
brachte, mussten unter allgemeinem Ächzen und Seufzen neue Hypothesen
aufgestellt werden. Doch zu unserer Freude stellten wir einen allmählichen
Rückgang der Fehlerzahl fest, was den Schluss nahelegte, dass wir unserem
Ziel näherkamen.
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Unter den verschiedenen Alternativen zu Syene als Kartenmittelpunkt
testeten wir auch die antike Stadt Berenike am Roten Meer. Diese Stadt war
im alexandrinischen Zeitalter ein für Ägypten bedeutender Hafen gewesen,
und auch sie lag auf dem Wendekreis des Krebses. Aufgrund ihrer Bedeutung
für die Schifffahrt schien Berenike ein absolut logischer Mittelpunkt der
Karte zu sein. Wir studierten die Geschichte von Berenike, und alles schien
auf diese Stadt als Lösung unseres Rätsels hinzudeuten. Doch, wie in einem
Krimi von Agatha Christie, erwies sich der Hauptverdächtige schließlich als
unschuldig. Die Tabellen zeigten, dass die Annahme falsch sein musste, denn
die Fehlerquote nahm sogar zu. Wir mussten Berenike aufgeben, was ich
persönlich aufgrund des schönen Namens besonders bedauerte.

Exkurs

Richard W. Strachan über die Konstruktion des Gradnetzes


auf der Piri-Reis-Karte
19 Agassiz St., Apt. 24
Cambridge 40, Mass.

2. August 1960

Mr. Charles Hapgood


296 Court St.
Keene, New Hampshire

Lieber Charlie,
gerade habe ich Deinen Brief [vom 30. 7. 60] erhalten und denke, es ist das Beste, Dir gleich zu
schreiben, um ein paar Missverständnisse auf Deiner Seite auszuräumen. Du scheinst den Eindruck
zu haben, dass das Netz, das Frank16 gezeichnet hat, gut zu der von mir errechneten Lage der
Punkte passt, aber wenn Du meinst, dass das Netz unabhängig von den Breiten und Längen dieser
Punkte erstellt wurde, dann ist das falsch. Tatsache ist, dass das Netz aus den Längen und Breiten
der Punkte abgeleitet wurde. Sie hängen direkt miteinander zusammen, und hätte sich die Piri-Reis-
Karte [das Pergament, auf das sie gezeichnet wurde] nicht ausgedehnt oder zusammengezogen,
dann müssten sie zusammenfallen. Und höchstwahrscheinlich sind einige Abweichungen auf die
relative Ungenauigkeit meiner Berechnungen zurückzuführen. Ich habe nur mit
Rechenschiebergenauigkeit gearbeitet, die nicht besonders präzise ist. Die Mathematiker haben
einen Begriff für das Verfahren, nach dem das Netz konstruiert wurde, nämlich die Umwandlung
eines polaren (beziehungsweise kreisförmigen) Koordinatensystems in ein rechteckiges
(beziehungsweise netzartiges) Koordinatensystem. Diese Umwandlung erfolgt durch die
Umrechnung der Positionen unserer fünf Punkte auf dem Umfang des Kreises auf ihre Lage auf
einem rechteckigen Netz aus Längen und Breiten, wie es beim Segeln verwendet wird. Damit Du
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siehst, was ich meine, zähle ich die einzelnen Schritte der Konstruktion des Netzes auf:

1) Wir kennen die Lage der fünf Punkte im Verhältnis zu einem anderen Punkt (Syene). Diese
Positionen sind durch die Entfernung (Radius des Kreises) und die Winkel gegeben. Dieses
Verhältnis von Winkeln und Entfernungen wird als polar bezeichnet (wobei hier Syene der Pol ist).
Und wir kennen die Lage von Syene, was die geografische Länge und Breite im rechtwinkligen
Koordinatensystem anbelangt. Das ist der Schlüssel für unsere Bestimmung der jeweiligen
geografischen Länge und Breite unserer fünf Punkte, also der Ausgangspunkt.

2) Wie in der Abbildung dargestellt, können wir die geografische Breite und Länge jedes Punktes
bestimmen, indem wir die bekannten Entfernungen und Winkel von Syene nutzen und ein wenig
Trigonometrie anwenden. Wenn Du meinen Berechnungen und meiner Darstellung nicht folgen
kannst, musst Du Dich auf mein Wort verlassen. Jedenfalls erhalten wir so die Länge und Breite der
fünf Punkte.

3) Wenn wir uns vorstellen, dass diese Punkte auf einer Karte liegen, was ja der Fall ist, dann
können wir durch die Punkte ein Netz aus Längen und Breiten nach oben und unten sowie zu den
Seiten zu den noch nicht benannten Längen- und Breitenskalen zeichnen. Damit haben wir auf
unserer Breitenskala fünf Breitengrade lokalisiert und fünf Längengrade auf unserer Längenskala.
Mehr brauchen wir nicht. Als Nächstes messen wir mit einem Lineal die Abstände zwischen jeweils
zwei Punkten auf der Breitenskala. Dann berechnen wir mit einer einfachen Formel die Länge eines
Breitengrads auf der Karte:

Länge eines Grads = (Entfernung zwischen zwei Messpunkten) : (Graddifferenz zwischen den
Messpunkten)

Auf diese Weise erhalten wir die Länge eines Breitengrads auf unserer Breitenskala. Das gleiche
Verfahren wiederholen wir mit der Längenskala, um die Länge eines Längengrads auf der Karte zu
bestimmen.

4) Da wir nun die Länge eines Breiten- und Längengrads auf der Karte und die Längen und Breiten
der fünf Punkte kennen, können wir bei jedem Punkt damit beginnen, unser Längen- und
Breitennetz mit den für unsere Zwecke passenden Abständen einzuzeichnen. Die geografischen
Breiten und Längen unserer ursprünglichen fünf Punkte sollten natürlich dieselben sein wie auf dem
Netz, das wir gerade konstruiert haben, um sie zu finden.
Aber warum gibt es auf der Piri-Reis-Karte einige Abweichungen zwischen den tatsächlichen
(berechneten) Positionen der Punkte und ihrer Lage auf dem von Frank gezeichneten Netz, nachdem
ich gerade nachgewiesen habe, dass sie dieselbe Lage haben müssten? Nun, wenn unsere Annahmen
für die Bestimmung der Positionen dieser fünf Punkte korrekt sind und die Punkte auf der Karte
ursprünglich korrekt eingezeichnet wurden, dann hat sich die Karte im Laufe der Jahrhunderte
entweder verzogen (sie ist geschrumpft oder hat sich verformt), oder unsere mathematischen
Berechnungen sind nicht genau genug. Tatsächlich ist eine der folgenden Fehlerquellen denkbar:

a) Die ursprünglichen Annahmen sind falsch.


b) Die Karte wurde nicht genau gezeichnet.
c) Die Karte hat sich mit den Jahren verzogen.
d) Unsere mathematischen Berechnungen sind nicht genau genug.

Wir können nur hoffen, die Fehlerquelle zu finden, indem wir die Positionen bekannter Punkte, so
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wie sie auf der Karte dargestellt sind, mit den tatsächlichen Positionen dieser Punkte vergleichen.
Meiner Meinung nach werden wir die Fehlerquelle gewiss finden, wenn wir nur genügend solcher
Positionen miteinander vergleichen.

Wenn wir uns mit diesen kleineren Problemen befasst und sie hoffentlich gelöst haben, bleibt noch
immer die große Frage: Wer hat die Originalkarte(n) gezeichnet? Ich frage mich, ob wir das jemals
herausfinden werden.
Ich habe Dein Paket erhalten und arbeite bereits daran. Da gibt es jedenfalls jede Menge Stoff zum
Nachdenken, bevor ich Dir eine eindeutige Antwort geben kann.

Bis bald, Dick

So wandten wir uns wieder Syene zu, allerdings mit einem Unterschied. Die
Tabellen ergaben, dass die verbleibende Fehlerquote bei der Lokalisierung
des Kartenmittelpunkts nur noch gering war. Deshalb versuchten wir es mit
anderen Zentren in der Nähe von Syene im Norden, Osten, Süden und
Westen, wobei wir die Abstände nach und nach verringerten, bis wir
schließlich den Schnittpunkt zwischen dem Meridian von Alexandria, bei 30
Grad östlicher Länge, und dem Wendekreis nutzten. Und dieser erwies sich
endlich als korrekt.
Sofort begannen wir uns kritische Fragen zu stellen. Weshalb hatten wir
nicht früher daran gedacht? Warum waren wir nicht gleich zu Beginn auf
diese Tatsache gestoßen? Denn dieser Punkt vereinte alle wichtigen
Elemente: die Nutzung des Wendekreises, der auf der Astronomie basiert,
und die Verwendung des Meridians von Alexandria, dem Zentrum der
Wissenschaft in der Antike. Später sollten wir herausfinden, dass alle
griechischen Geografen ihre Karten am Meridian von Alexandria
ausrichteten.
Restfehler in den Tabellen legten den Schluss nahe, dass etwas mit
unserem Radius nicht stimmte. Wir wussten natürlich, dass unsere
Vermutung, der Kartograf habe genaue Kenntnis von der Größe der Erde
gehabt, zweifelhaft war. Wahrscheinlicher war, dass er einen Fehler gemacht
hatte. Deshalb probierten wir verschiedene Radien aus. In der Annahme, der
Kartograf könnte, so wie Ptolemäus, den Erdumfang unterschätzt haben,
kürzten wir den Radius um ein paar Grad. Doch dies erhöhte die Fehlerquote.
Daraufhin versuchten wir es mit einer Verlängerung des Radius. Und diesen
Prozess von Versuch und Irrtum wiederholten wir mit Radien, die 7°, 5°, 2°

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und 1° zu lang waren. Schließlich erzielten wir mit einem um 3 Grad
verlängerten Radius die besten Ergebnisse. Das bedeutete, dass unser Radius
nicht 66,5° betrug, wie es dem korrekten Abstand vom Wendekreis zum Pol
entspricht, sondern 69,5°. Das heißt, der Kartograf hat den Erdumfang um 4,5
Prozent überschätzt.
Von großer Bedeutung war die Tatsache, dass wir die Länge des Radius
(und damit die Länge eines Grades) hauptsächlich im Hinblick auf die
geografische Länge gesucht hatten, doch das war uns zu diesem Zeitpunkt
überhaupt nicht bewusst gewesen. Ich hatte mein Augenmerk in erster Linie
auf die Durchschnittsfehler der Längen gelegt, nicht auf diejenigen der
Breiten. Besonders interessiert war ich an den Längen entlang der
afrikanischen und südamerikanischen Küsten. Wir wählten unseren Radius
so, dass die Fehler der Längen auf ein Minimum reduziert wurden, ohne die
Fehler der Breiten übermäßig zu erhöhen. Wie sich später herausstellte, war
diese Festlegung auf die Längen ein glücklicher Zufall, weil sie uns
schließlich zu einer Entdeckung von beachtlicher Bedeutung führen sollte.
Was die Überschätzung des Erdumfangs anbelangt, so gab es in der Antike
einen Geografen, der ihn in etwa gleichem Maße überschätzt hatte, nämlich
Eratosthenes. Sollte das etwa heißen, dass Eratosthenes unser Kartograf
gewesen sein könnte? Wahrscheinlich nicht. Denn wie wir bereits gesehen
haben, basiert die Piri-Reis-Karte auf einer Quellenkarte, die ursprünglich
mithilfe der ebenen Trigonometrie erstellt worden war. Zur Zeit des
Eratosthenes war die Trigonometrie in Griechenland aber noch unbekannt.
Sie wurde mutmaßlich von Hipparch entwickelt, der ein Jahrhundert nach
Eratosthenes lebte. Hipparch entdeckte die Genauigkeit der
Tagundnachtgleichen, er erfand beziehungsweise beschrieb mathematische
Kartenprojektionen und gilt im Allgemeinen als Entwickler sowohl der
ebenen als auch der sphärischen Trigonometrie (58, S. 49 und 175, S. 86).17
Er übernahm die Schätzung des Erdumfangs von Eratosthenes (184, S. 415),
doch er kritisierte ihn dafür, dass er sich für die Erstellung seiner Karten nicht
auf die Mathematik gestützt hatte.
Bei diesem Disput zwischen Hipparch und Eratosthenes stellt sich eine
interessante Frage. Kritisierte Hipparch seinen Vorgänger, keine
mathematisch konstruierten Projektionen genutzt zu haben, auf denen er
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seine geografischen Daten hätte anordnen können? Falls ja, wirkt diese Kritik
unbegründet. Denn zur Erstellung solcher Projektionen benötigt man die
Trigonometrie. Wenn Hipparch aber die Trigonometrie selbst entwickelt hat,
wie konnte er dann Eratosthenes dafür kritisieren, sie 100 Jahre zuvor nicht
genutzt zu haben? Hipparchs Schriften sind verloren gegangen, deshalb
können wir unmöglich wissen, ob die späteren Autoren, die die Entwicklung
der Trigonometrie Hipparch zuschrieben, tatsächlich recht hatten. Vielleicht
meinten sie und auch Hipparch selbst, dass er die Trigonometrie entdeckt
hatte. Denkbar wäre, dass er sie in den alten chaldäischen Schriften fand,
deren astronomische Daten es ihm ermöglichten, die Genauigkeit der
Tagundnachtgleichen zu erkennen.
Doch das sind Spekulationen, und ich denke, das tut hier auch nichts zur
Sache. Falls Hipparch tatsächlich sowohl die ebene als auch die sphärische
Trigonometrie entwickelt hat, liefern die Piri-Reis-Karte sowie die anderen in
diesem Buch erwähnten Karten Beweise, dass er lediglich das
wiederentdeckte, was schon Tausende von Jahren zuvor bekannt gewesen
war. Viele dieser Karten müssen lange vor Hipparch angefertigt worden sein.
Doch man kann sich unmöglich vorstellen, dass sie ohne die Nutzung der
Trigonometrie so exakt hätten gezeichnet werden können.
Uns liegen weitere Hinweise vor, dass die Piri-Reis-Projektion auf
Eratosthenes’ Schätzung des Erdumfangs basiert. Die Griechen besaßen ein
Längenmaß mit der Bezeichnung Stadion. Deshalb geben griechische
Autoren Entfernungen in Stadien an. Unser Problem bestand darin, dass
dieses Längenmaß nie eindeutig definiert wurde. Daher haben wir keine
genaue Vorstellung, wie lang ein Stadion in Metern ist. Schätzungen reichen
von gut 100 bis zu fast 200 Meter. Außerdem haben wir keinen Grund zur
Annahme, dass ein Stadion eine Standardlängenangabe war. Es kann in
verschiedenen griechischen Staaten und von Jahrhundert zu Jahrhundert
unterschiedlich lang gewesen sein.
Der verstorbene Dr. George Sarton von der Harvard Universität, eine
große Autorität auf dem Gebiet der Wissenschaftsgeschichte, widmete dem
Versuch viel Zeit, die Länge des von Eratosthenes in Alexandria im 3. Jh. v.
Chr. genutzten Stadions zu bestimmen. Er kam zu dem Schluss, dass das
»Stadion des Eratosthenes« 170,38 Meter betragen habe (184, S. 105).18
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Die Auflösung der Piri-Reis-Projektion erlaubte uns, dies zu testen. Die
Überprüfung ergab, dass der Erdumfang um knapp 4,5 Prozent überschätzt
wurde. Eratosthenes gab an, der Erdumfang betrage 252 000 Stadien. Wir
überprüften die Länge seiner Stadien, indem wir den tatsächlichen
Erdumfang nahmen (40 075 km), unsere knapp 4,5 Prozent addierten und das
Resultat durch 252 000 teilten. Das Ergebnis lautete: ein Stadion betrug
166,73 Meter.
Wenn wir dieses Ergebnis mit dem von Dr. Sarton vergleichen, sehen wir,
dass die Differenz lediglich 3,66 Meter beträgt, das heißt etwa 2 Prozent. Es
hat – wieder im Nachhinein gesehen – den Anschein, als hätten wir uns all
unsere Schwierigkeiten ersparen können, wenn wir den Erdumfang des
Eratosthenes und Dr. Sartons Stadion übernommen hätten. Dann hätten wir
ein Koordinatensystem zeichnen können, das unserem endgültigen so ähnlich
gewesen wäre, dass man den Unterschied mit dem bloßen Auge nicht hätte
erkennen können.
Die nächste Phase, die allerdings sehr spät eintrat, begann mit unserer
Erkenntnis, dass Eratosthenes’ Schätzung des Erdumfangs für die Zeichnung
der Quelle der Piri-Reis-Karte genutzt worden war. Und wenn diese um 4,5
Prozent zu groß war, dann waren die Positionen der fünf Projektionspunkte
auf der Karte, die wir mithilfe der Trigonometrie ermittelt hatten, sowohl in
der Breite als auch in der Länge geringfügig verschoben. Nun war es
notwendig, das ganze Koordinatennetz neu zu zeichnen, um den Irrtum des
Eratosthenes zu korrigieren. Wir stellten fest, dass dadurch die Fehler der
Längen reduziert wurden, bis sie fast behoben waren.
Das war eine verblüffende Entwicklung. Sie konnte nur bedeuten, dass den
griechischen Kartografen in Alexandria, als sie ihre eigene Weltkarte
vorbereiteten und dabei die Angabe des Erdumfangs von Eratosthenes
nutzten, Quellenkarten vorlagen, die ohne den Fehler des Eratosthenes
gezeichnet worden waren, das heißt ohne jeglichen erkennbaren Fehler.
Dafür werden wir weitere Beweise finden, Beweise, die den Schluss
nahelegen, dass die Menschen, die diese Karten erstellten, sich auf eine
fortschrittlichere Wissenschaft stützten als die der Griechen.
Doch nun waren wir mit einem weiteren verwirrenden Problem
konfrontiert. Die Reduktion der Fehler der geografischen Längen führte dazu,
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dass die Fehler der Breiten im Durchschnitt deutlich zunahmen. Da es viel
schwieriger ist, die exakte Länge als die exakte Breite zu finden, war dies
nicht nachvollziehbar. In unserer Projektion musste also ein weiterer bis
dahin unerkannter Fehler stecken.
Wir begannen, nach diesem Fehler zu suchen, und fanden einen. Nur war
er nicht der richtige, weil er unser Problem nicht löste. Aber immerhin führte
er uns auf die richtige Spur. Wie bereits erwähnt, hatten wir die Positionen
der fünf Projektionspunkte gefunden, indem wir zuerst eine Linie vom
Zentrum der Projektion zur Schnittstelle des Kreises mit der Linie auf der
Piri-Reis-Karte zogen, die horizontal durch den mittleren Projektionspunkt,
Punkt III, verlief und von der wir annahmen, es handele sich um den
Äquator. Diesen angenommenen Äquator hatten wir als Grundlinie für die
geografische Breite übernommen (siehe Abb. 15).
Als wir die Projektion so anlegten, war uns nicht klar gewesen, dass es viel
wahrscheinlicher war, dass der Kartograf seinen ersten Radius vom
Kartenzentrum zum Nordpol ziehen würde, nicht zum Äquator (siehe Abb.
17). War dies der Fall, dann musste sein Äquator um ein paar Grad
verschoben sein, weil seine Gradlänge falsch war. Das machte neue
Berechnungen und die Zeichnung eines weiteren Koordinatennetzes
erforderlich.

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Abb. 17. Hypothetische Piri-Reis-Projektion mit dem Nordpol als Basis

Zuerst schien dieses neue Koordinatennetz alles nur noch schlimmer zu


machen, vor allem an der Küste Afrikas. Der Äquator schien um annähernd 5
Grad zu nahe an der Küste Guineas zu verlaufen. Ich war zwar frustriert über
dieses Ergebnis, bin aber dankbar, dass ich darauf bestand, das
Koordinatennetz trotz der offenkundigen Zunahme der Fehler neu zu
zeichnen, denn das Resultat führte zu einer Entdeckung von allergrößter
Bedeutung.
Zuerst dachte ich, die afrikanische Küste (und die von Europa) sei auf der
Projektion einfach zu weit in den Süden platziert worden. Doch bald erkannte
ich, dass Afrikas Küste in der korrigierten Projektion zwar zu weit südlich
lag, die französische Küste aber ihrer tatsächlichen geografischen Breite
entsprach. Ich nahm zunächst an, es läge einfach ein Fehler im Maßstab vor,
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und Piri Reis beziehungsweise der Kartograf der Antike habe für Europa und
Afrika einen zu großen Maßstab gewählt. Doch warum blieben in diesem Fall
die geografischen Längen korrekt, obwohl die Breiten
durcheinandergerieten?
Ich legte einen empirischen Maßstab für die gesamte Küste vom Golf von
Guinea bis Brest an, um zu sehen, wie sich die Breiten zueinander verhielten.
Es stellte sich heraus, dass die Fehler der Breiten entlang der Küsten minimal
waren und die ursprünglichen Kartografen ihre Breiten äußerst genau
eingehalten hatten. Daraus ergab sich, dass diejenigen, die die Karte dieser
Küsten ursprünglich gezeichnet hatten, eine andere Länge für die
geografische Breite genutzt hatten als für die geografische Länge. Mit
anderen Worten: Die Geografen, die die quadratischen Koordinatennetze der
Portolankarten entwickelten, für die wir die trigonometrische Lösung
gefunden hatten, hatten ihre Projektion offenbar auf Karten angewandt, die
ursprünglich mit einer anderen Projektion angefertigt worden waren.
Aber um welche Art von Projektion handelte es sich? Offenkundig eine,
die der Tatsache Rechnung trug, dass der Abstand der Längengrade nördlich
und südlich des Äquators immer geringer wird, weil die Meridiane in
Richtung der Pole näher zusammenrücken. Es ist möglich, das durch die
Krümmung der Meridiane darzustellen, wie wir es auf vielen der heutigen
Karten sehen, doch ebenso, indem man die Meridiane gerade verlaufen und
die Abstände der Breitengrade mit zunehmender Entfernung vom Äquator
immer größer werden lässt. Entscheidend ist, dass das Verhältnis zwischen
den Längen der Breiten- und Längengrade auf jedem Punkt der Erdoberfläche
beibehalten wird.
Selbstverständlich erkennen Geografen die Projektion, die ich hier
beschreibe, sofort. Es handelt sich nämlich um die Mercator-Projektion, die
von Gerard Mercator erfunden worden sein soll und in seinem Atlas von
1569 Anwendung fand. Vorübergehend zogen wir die Möglichkeit in
Betracht, diese Projektion könnte bereits in der Antike erfunden, dann
vergessen und im 16. Jahrhundert von Mercator wiederentdeckt worden sein.
Außerdem ergaben weitere Nachforschungen ergaben, dass die Spreizung der
Breitenkreise auch auf anderen Karten zu finden ist, wie wir unten erörtern
werden.
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Ich zögerte, ohne weitere Beweise die Annahme zu akzeptieren, dass die
Mercator-Projektion (in der vollen Bedeutung des Begriffs) bereits in der
Antike bekannt gewesen ist. Stattdessen erwog ich die Möglichkeit, die
unterschiedlichen Abstände der Breitenkreise auf der Piri-Reis-Karte könnten
willkürlich sein, was bedeutete, dass der Kartograf zwar von der
Erdkrümmung wusste, sie aber nicht zu berücksichtigen vermochte, wie es
bei der Mercator-Projektion mithilfe der sphärischen Trigonometrie
gehandhabt wird. Demzufolge wählte er einfach eine durchschnittliche Länge
für die geografische Breite und wandte diese Länge auf der gesamten Karte
an, ohne sie mit jedem Grad Entfernung vom Äquator fortlaufend
anzupassen.
Seltsamerweise fand ich wenig später heraus, dass dieses Verfahren laut
Nordenskiöld genau jenes war, das Ptolemäus auf seinen Karten verwendet
hatte. In Nordenskiölds Vergleich des Mittelmeerraums und der Region um
das Schwarze Meer auf der Karte des Ptolemäus mit dem Portolan von
Dulcert (siehe Abb. 5) ist zu erkennen, dass Dulcert die Linien der von
Ptolemäus genutzten Projektion genau so gezeichnet hat. Das ist natürlich ein
weiterer Hinweis auf den antiken Ursprung der Quelle für die Piri-Reis-
Karte.
Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. In der folgenden
Betrachtung der Karte von Nicolo de Caveri aus dem Jahr 1502 werden wir
sehen, dass das rechteckige Koordinatennetz, das von Ptolemäus genutzt
wurde und auch auf der Piri-Reis-Karte zu finden ist, seinen Ursprung in
einer antiken Anwendung der sphärischen Trigonometrie hat.
Diese späteren Entdeckungen ermöglichten es uns schließlich, für den
größten Teil der Piri-Reis-Karte ein modernes Koordinatennetz zu zeichnen,
wie es in Abbildung 18 dargestellt ist.

Exkurs

Die Piri-Reis-Karte: Die auf dem Äquator basierende


trigonometrische Projektion
Mathematische Überlegungen von Richard W. Strachan

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I.
Die Piri-Reis-Karte von 1513 scheint auf den ersten Blick eine typische Portolankarte zu sein. Eine
solche ist durch Gruppen von 8, 16 oder 32 Linien gekennzeichnet, die wie die Speichen eines
Rades von einem oder mehreren Kartenmittelpunkten ausgehen. Die Winkel zwischen diesen
Geraden, beziehungsweise Rumbenlinien, betragen gleichmäßig 45, 22,5 oder 11,25 Grad. Bislang
ging man davon aus, dass dieses System aus radialen Linien die tatsächlichen Kurse zwischen
verschiedenen Häfen anzeigen würden, das heißt Kompasskurse seien. Hingegen konnte man sich
nicht vorstellen, dass diesen Portolankarte ein mathematisches System zugrunde liege.
Doch diese Annahme wurde inzwischen durch die Entdeckungen von Professor Hapgood und
seinen Studenten widerlegt. Sie haben nachgewiesen, dass bei mehreren dieser Karten der
Portolanentwurf auf geometrischen Berechnungen basiert und sich mithilfe der ebenen oder
sphärischen Trigonometrie in moderne Netze für die geografischen Breiten und Längen umwandeln
lässt.

II.
Im Fall der Piri-Reis-Karte hat Hapgood herausgefunden, dass die 5 kleineren Projektionszentren
auf dem noch erhaltenen Fragment (dem westlichen Teil) offenbar auf dem Umfang eines Kreises
positioniert wurden, dessen Mittelpunkt sich östlich des abgetrennten Randes befinden muss.
Verlängert man die Rumbenlinien durch diese Punkte nach Osten, treffen sie sich in Ägypten am
Schnittpunkt des Wendekreises des Krebses mit dem Meridian von Alexandria. Deshalb hat es den
Anschein, als dürfte die vollständige Karte (die auch Asien zeigte) 16 dieser kleineren
Projektionszentren (jeweils im Abstand von 22,5 Grad) auf dem Kreisumfang gehabt haben.
Mathematiker würden hier von einer polaren (oder kreisförmigen) Konstruktion sprechen. Die
Aufgabe bestand darin, diese polare Projektion in das rechteckige Koordinatensystem
umzuwandeln, das wir heutzutage verwenden. Die Bezugspunkte des rechteckigen
Koordinatensystems liegen auf dem Schnittpunkt der Breiten- und Längenlinien, die das uns
vertraute Gradnetz bilden. Es ist nicht schwierig, polare Koordinaten in rechteckige umzuwandeln,
vorausgesetzt, mehrere Punkte, Winkel, Entfernungen oder eine Kombination aus diesen Faktoren
sind bekannt. Hapgood ging von folgenden Annahmen aus:

1) Das Zentrum des Portolannetzes liegt auf dem Schnittpunkt zwischen dem Wendekreis des
Krebses mit dem Meridian von Alexandria, das heißt bei 23° 30’ Nord, 30° Ost.
2) Der Radius des Kreises, auf dem die kleineren Projektionszentren liegen, hat eine Länge von
69,5°, das heißt er ist 3° länger als die Entfernung zwischen dem Wendekreis des Krebses zum
Nordpol. Das bedeutet, dass die Projektion von einem um etwa 4,5° zu großen Erdumfang ausgeht.
3) Projektionspunkt III der Karte sollte genau auf dem Äquator liegen.

Mit diesen Annahmen haben wir genügend Informationen, um die geografische Lage (Breite und
Länge) aller fünf Projektionspunkte zu bestimmen.19

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Wie in der Abbildung zu sehen ist, kennen wir die Länge der beiden Seiten des (rechtwinkligen)
Dreiecks. Wir können nun zunächst den unbekannten Winkel θ berechnen, und da wir θ und die
Länge einer Seite kennen, können wir daraus die unbekannte Länge der Seite b berechnen, die der
Breitendifferenz zwischen dem Zentrum und Punkt III entspricht. Wir rechnen folgendermaßen:

Subtrahieren wir die geografische Länge des Zentrums (das sich auf dem östlichen Längengrad
befindet) von der Länge der Seite b, dann erhalten wir die geografische Länge von Punkt III.

65,41 – 30,00 Ost = 35, 41° West


Die Position von Punkt III ist also:

00,00 Nord (vorgegeben)


35,41 West (berechnet)
Die Berechnung der übrigen Punkte verläuft ein wenig anders. Denn für diese Berechnungen
kennen wir die Länge einer Seite a des (von uns konstruierten) Dreiecks und den Winkel θ, den wir
durch Addition oder Subtraktion aus dem ursprünglichen Winkel θ erhalten, da wir wissen, dass die
Winkel zwischen den Rumbenlinien jeweils 22, 5° betragen. Die Lösung für Punkt II ist wie folgt:

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Die geografische Breite von Punkt II ist daher:

23,50 + 3,34 = 26,84° Nord


Außerdem ist:

Die geografische Länge von Punkt II ist daher:

69,42 – 30,00 = 39,42° West


Die fünf 5 Punkte haben demnach folgende geografische Lage:

Punkt Breite Länge


1 53,15 N 32,86 W
2 26,84 N 39,42 W
3 0,00 35,41 W
4 23,09 S 21,45 W
5 39,36 S 0,35 O

Wenn wir die Lage der fünf Punkte kennen, benötigen wir nur noch eine weitere Größe, um das
rechteckige Koordinatennetz konstruieren zu können. Und das ist die Richtung des geografischen
Nordens auf der Piri-Reis-Karte. Sobald Hapgood und seine Mitarbeiter den geografischen Norden
bestimmt hatten, war es unter Verwendung der auf der Karte selbst eingezeichneten Linien, die von
Nord nach Süd und von Ost nach West verlaufen und einander in den fünf Punkten schneiden, ganz
einfach, das Gradnetz zu zeichnen.

Nachtrag zu den mathematischen Erläuterungen:


Bei einer auf dem Pol basierenden Berechnung der Lage der fünf Projektionspunkte [siehe Abb. 17]
würden wir das neue Netz wie folgt konstruieren:

(1) Angenommene Lage des Mittelpunkts: 23,5 N, 30,0 O.


(2) Angenommene Länge des Radius: 69,5 Grad.
(3) Angenommen (aus geometrischen Gründen) Punkt II liegt auf derselben Breite wie der
Wendekreis und der Mittelpunkt, das heißt die Rumbenlinie von Punkt II zum Mittelpunkt fällt mit
dem Breitenkreis zusammen.
(4) Finde die geografische Länge von Punkt II.

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Länge L = 69,5° – 30,0° O = 39,5° West
Breite B = 23,5° Nord nach der Karte
(5) Berechnung der übrigen Punkte wie oben:

Punkt I:

b = 69,5 sin 22,5 = (69,5)(0,3825)


b = 26,65
B = 23,5 * 26,65 = 50,15° Nord

a = 69,5 cos 22,5 = (69,5)(0,9245)


a = 64,14
L = 64,14 – 30,00 = 34,14° West

Punkt III: dieselbe Berechung für a und b; sie bilden dasselbe Dreieck (bei Punkt III steht es
gegenüber Punkt I auf dem Kopf). Daher:

b = 26,65
B = 26,65 – 23,50 = 3,15° Süd

a = 64,14
L = 64,14 – 30,00 = 34,14° West

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Punkt IV:

Punkt V:

Diese Berechnungen sind genauer als meine vorangegangenen. Bitte beachten Sie die geringfügigen
Änderungen.

Punkt Breite Länge


I 50,15° N 34,14° W

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II 23,50° N 39,50° W
III 3,15° S 34,14° W
IV 25,60° S 19,10° W
V 40,80° S 3,35° O

Diese Zahlen mussten natürlich um den Fehler von 4,5 Prozent korrigiert werden, der auf der
falschen Berechnung des Erdumfangs durch Eratosthenes beruht. Dafür wurden den Breiten vom
Nordpol und den Längen vom Meridian von Alexandria 4,5 Prozent hinzuaddiert.

Für die Karte von de Caveri:

Sphärische Trigonometrie der Karte von de Caveri (berechnet von


E. A. Wixson):

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Nach der spärischen Trigonometrie:

cos c = cos a cos b log cos a = 9,80807-10


log cos b = 9,91069 – 10
log cos c = 58° 26' 40"

Eine unabhängige Berechnung durch Dr. John M. Frankland vom Bureau of Standards führte zu
einem ähnlichen Ergebnis, nämlich 58° 27’.

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Abb. 18
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Kapitel III
Die Details der Piri-Reis-Karte

Um die Piri-Reis-Karte aus dem Jahr 1513 genauer untersuchen zu können,


zerlege ich sie in die Teile, die den ursprünglichen Quellenkarten kleinerer
Gebiete entsprechen und von den griechischen Geografen der Schule von
Alexandria zu einer Weltkarte zusammengefügt wurden.1
Da diese Quellenkarten Teile des Ganzen sind, bezeichne ich sie im
Folgenden als »Komponentenkarten«. Auf ihnen werde ich diejenigen
geografischen Punkte angeben, die von sich aus klar sind oder aufgrund ihrer
Position im trigonometrischen Koordinatennetz plausibel erscheinen, und
ihre Positionsfehler benennen.
Da die Komponentenkarten in einigen Fällen nicht korrekt in die Weltkarte
eingefügt wurden, haben wir es mit zwei Arten von Fehlern zu tun: mit
denjenigen, die auf Fehler bei der Einfügung der lokalen Karten in die
Weltkarte zurückzuführen sind, und mit jenen, für die Fehler in den
ursprünglichen Komponentenkarten verantwortlich sind. Diese Fehler kann
man unterscheiden, denn wenn eine Komponentenkarte falsch eingefügt
wurde, sind alle Merkmale der Karte in der gleichen Richtung und im
gleichen Maßstab falsch. Wird dieser Fehler erkannt und korrigiert, dann sind
die verbleibenden Fehler die der ursprünglichen lokalen Karten. Wir haben
herausgefunden, dass die Abweichungen auf der Piri-Reis-Karte in den
meisten Fällen auf Fehler beim Zusammensetzen der Weltkarte –
wahrscheinlich schon in alexandrinischer Zeit – zurückzuführen sind, weil
Piri Reis selbst, wie wir noch sehen werden, sie gar nicht hat
zusammensetzen können. Die deutlich älteren Komponentenkarten waren um
vieles genauer. Die Piri-Reis-Karte scheint also den Beweis für einen
wissenschaftlichen Niedergang zwischen der frühesten und der klassischen
Antike zu liefern.

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1. Die Westküste von Afrika und Europa, von Kap Palmas bis
Brest, einschließlich der nordatlantischen Inseln (Kapverden,
Kanaren, Azoren und Madeira) sowie einigen Inseln im
Südatlantik

Sowohl die Längen- als auch die Breitenangaben entlang der Küsten sind
bemerkenswert genau (siehe Tab. 1). Diese Genauigkeit trifft, mit Ausnahme
von Madeira, auch auf die nordatlantischen Inselgruppen zu.
Die Genauigkeit der Längenangaben entlang der längsten Küste Afrikas
könnte einfach unserer Wahl des Zentrums und des Radius der Projektion
zugeschrieben werden, aber es gibt zwei Einwände. Erstens wurde die Länge
des Radius (das heißt, die Länge eines Grades) nicht in Bezug auf die Küste
Afrikas errechnet, sondern in Bezug auf die Breite des Atlantiks und die
Länge der südamerikanischen Küste. Wie an unserer Karte (Abb. 18) und an
Tabelle 1 zu erkennen ist, sind diese beiden durch den Atlantik getrennten
Küsten annähernd korrekt in der relativen Länge in Bezug auf das
Projektionszentrum auf dem Meridian von Alexandria abgebildet. Das
scheint zu bedeuten, dass der ursprüngliche Kartograf vom Meridian von
Alexandria bis Brasilien korrekte relative Längen durch Afrika und den
Atlantik gefunden haben muss.
Wichtig ist ebenfalls, dass die meisten Inseln auch in ihrer geografischen
Länge korrekt dargestellt sind. Es drängt sich also das Bild einer
wissenschaftlichen Leistung auf, die weit über die Fähigkeiten der
Navigatoren und Kartografen der Renaissance und des gesamten Mittelalters,
der arabischen Geografen oder der aus der Antike bekannten Geografen
hinausreicht. Und das scheint das Überleben einer kartografischen Tradition
zu belegen, die eigentlich nur durch Völker wie die Phönizier oder Minoer
überliefert worden sein kann, den großen Seevölkern, die lange vor den
Griechen lebten, diesen aber ihr seefahrerisches Wissen hinterließen.
Die Genauigkeit der Positionierung der Inseln legt den Schluss nahe, dass
sie möglicherweise auf den uralten Quellenkarten zu finden waren, auf die
Piri Reis zurückgriff. Die »Entdeckung« und Kartografierung dieser Inseln
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durch die Araber und Portugiesen im 15. Jahrhundert könnten also keine
echten Entdeckungen gewesen sein. Hingegen ist durchaus denkbar, dass die
Seefahrer des 15. Jahrhunderts diese Inseln aufgrund zufälliger
Gegebenheiten fanden (etwa weil der Wind sie vom Kurs abbrachte und so
weiter). Andererseits ist nicht auszuschließen, dass die von Piri Reis
genutzten Quellenkarten, die ja aus ferner Vergangenheit stammen, den
Menschen in Europa irgendwie bekannt waren. Möglicherweise wurde
manch frühe Reise zu einigen der Inseln, insbesondere den Azoren, sogar
unternommen, um die Genauigkeit der alten Karten zu bestätigen. Es ist
kaum möglich und nicht wirklich vorstellbar, dass die Navigatoren des 15.
Jahrhunderts die korrekte geografische Länge der Inseln ermittelt haben
können. Sie konnten sich lediglich anhand grober Schätzungen des
Kursverlaufs, basierend auf Windrichtung und – stärke, sowie der
geschätzten Geschwindigkeit ihrer Schiffe orientieren. Solche Schätzungen
wurden jedoch häufig durch Meeresströmungen und seitliche Abdrift
verfälscht, dann etwa, wenn man versuchte, gegen den Wind zu segeln.
Eine gute Beschreibung des Problems, die Position auf hoher See zu
finden, liefert ein Autor des 16. Jahrhunderts, den Admiral Morison in
seinem Buch Admiral des Weltmeeres zitiert:
»Oh, wie konnte Gott in seiner Allmacht diese schwierige und so wichtige Kunst der Navigation nur
in die Hände dieser ungeschickten und stumpfsinnigen Steuermänner legen! Und zu sehen, wie sie
sich gegenseitig fragen: ›Wie viele Grade haben Euer Ehren gefunden?‹ Einer sagt ›sechzehn‹, ein
anderer ›knapp zwanzig‹ und wieder ein anderer ›dreizehneinhalb‹. Gegenwärtig fragen sie: ›Wo
befinden sich Euer Ehren in Bezug auf das Festland? ‹ Einer sagt: ›Ich bin vierzig Meilen vom Land
entfernt‹, ein anderer ›ich würde sagen 150‹, und wieder ein anderer erklärt ›ich befinde mich heute
Früh 92 Meilen vom Land entfernt‹. Seien es nun drei oder dreihundert, keiner stimmt mit dem
anderen oder mit der Wahrheit überein.« (140, S. 321–322)

In der Zeit des Piri Reis gab es keine Hilfsmittel, mit denen ein Navigator
seine geografische Länge auf hoher See hätte bestimmen können. Ein solches
Instrument tauchte erst 250 Jahre später auf, als während der Regentschaft
von George III. das Chronometer entwickelt wurde. Es scheint unmöglich,
die Genauigkeit der Längenangaben auf der Piri-Reis-Karte mit den
Navigationskenntnissen der Zeit von Piri Reis zu erklären.
Mit den Breitengraden verhält es sich etwas anders, denn die geografische
Breite konnte im 15. und 16. Jahrhundert mithilfe von astronomischen
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Beobachtungen bestimmt werden. Doch Beobachtungen, die von
ausgebildeten Menschen mit der richtigen Ausrüstung durchgeführt wurden,
waren eines, Beobachtungen von Entdeckern etwas ganz anderes. Morison
behauptet, Kolumbus seien bei der Suche nach den Breitengraden
gravierende Fehler unterlaufen. Über dessen erste Reise schreibt er: »Wir
haben für die gesamte Fahrt nur drei Breitengrade (alle falsch) und keine
Längenangabe.« (140, S. 157) Er beschreibt einen der Versuche von
Kolumbus, seine Breite zu finden, wie folgt:
»Am Abend des 2. November (1492), zwei Tage vor Vollmond, versuchte er seine Position zu
bestimmen, indem er den Stand des Polarsterns mit seinem hölzernen Quadranten maß. Nach einer
geringen Korrektur kam er zu dem Schluss, dass Puerto Gibara, das tatsächlich bei 21° 06’ N liegt,
auf 42° N liege, auf der Breite von Cape Cod.« (140, S. 258)

So finden wir noch lange nach der vierten Reise des Kolumbus falsche
Breitenangaben von Kuba und Haiti auf den Karten der damaligen Zeit. Fast
alle Kartografen positionierten diese Inseln oberhalb statt unterhalb des
Wendekreises des Krebses.2
Doch kehren wir zum Problem der Längengrade zurück: Morison stellt
fest, dass die einzige im 16. Jahrhundert bekannte Methode zur Bestimmung
der geografischen Länge die zeitliche Messung der Sonnen- und
Mondfinsternis gewesen sei, diese aber niemand erfolgreich durchführen
konnte. Er schreibt:
»Die einzig bekannte Methode zur Bestimmung der Länge in den Tagen des Kolumbus war die
zeitliche Messung einer Sonnen- oder Mondfinsternis. Im Werk Ephemerides von Regiomontanus
und im Almanach Perpetuum von Zacuto wurden die genauen Stunden der totalen Finsternis jeweils
in Nürnberg und Salamanca vorhergesagt; wenn man diese mit der beobachteten Stunde der
Finsternis am eigenen Standort verglich und diese wiederum mit 15 multiplizierte, um die Zeit in
Krümmung umzurechnen (1 Stunde = 15° Länge), hatte man seine Länge westlich des Meridians des
Almanach-Autors. Das klingt recht simpel, doch – wie fast jeder andere in den folgenden 100 Jahren
auch – scheiterte Kolumbus bei zwei Gelegenheiten (1494 und 1503) an der Berechnung.« (140, S.
185 f.)

Morison beschreibt einen interessanten Fehlversuch aus dem Jahr 1541 (also
28 Jahre, nachdem Piri Reis seine Karte gezeichnet hatte), die geograische
Länge von Mexiko-Stadt zu finden:
»1541 wurden in Mexiko-Stadt enorme Anstrengungen von den geistigen Größen unternommen, den
Längengrad der Stadt mithilfe von zwei Mondfinsternissen zu bestimmen. Das eindrucksvolle

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Ergebnis lautete 8 Std. 2 Min. 32 Sek. (= 120° 38’ westlich von Toledo), doch die korrekte
Längendifferenz zwischen den beiden Städten beträgt 95° 12’. Den mexikanischen Gelehrten
unterlief also ein Fehler von 25,5°, das heißt von 2300 Kilometern! Noch im 18. Jahrhundert fügte
Père Labat, meines Wissens der erste Autor, der die Position von Hispaniola korrekt angab, seinem
Text folgende Warnung hinzu: ›Ich gebe die Länge nur unter der Warnung an, dass nichts unsicherer
ist und dass keine der bis heute angewandten Methoden zur Bestimmung der Länge zu verlässlichen
und sicheren Ergebnissen führt.‹« (140, S. 186)

Aufgrund dieser Rückständigkeit der Navigationswissenschaft im 16.


Jahrhundert kann ich mir nicht keine Erklärung für die Genauigkeit der Piri-
Reis-Karte hinsichtlich der geografischen Längen und Breiten vorstellen.3
Die Abbildungen 19 bis 24 belegen die schlechte Qualität der Karten aus
jener Zeit.
Was die geografischen Breiten anbelangt, zeigen sich auf der Piri-Reis-
Karte einige Schwierigkeiten. Ihre Geschichte – das heißt die Geschichte der
von Piri Reis für die Atlantikküsten genutzten Quellenkarten – muss sehr
weit zurückreichen, denn es spiegeln sich mehrere unterschiedliche Phasen
der Kartografie in ihr wider.
Zunächst dachten wir, die horizontale Linie, die durch Punkt III verläuft,
stelle den Äquator der Projektion dar. Dies ergäbe eine Konstruktion, wie in
Abbildung 16 dargestellt, bei der die Linie vom Zentrum zum Schnittpunkt
dieser horizontalen Linie mit dem Kreisumfang als Bezugsgrundlage für alle
anderen Radien dienen würde, die mit einem Winkel von jeweils 22,5 Grad
nach Norden und Süden gezogen würden. Unsere Ergebnisse lassen den
Schluss zu, dass Derartiges tatsächlich geschehen sein muss: Die
Quellenkarte, von der wir hier sprechen (und auf der Afrika, Europa und
einige der Inseln abgebildet sind), wurde zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrer
Geschichte auf diese Projektion umgewandelt. Das kann visuell oder
sozusagen empirisch erfolgt sein, indem die afrikanische Küste von Guinea
einfach in korrektem Abstand nördlich der Hauptlinie platziert wurde, die als
Äquator galt. Hinsichtlich der mathematischen Projektion war das jedoch ein
Irrtum, denn ihr Äquator liegt tatsächlich beinahe 5 Grad nördlich dieser
Linie, wie auf Abbildung 17 zu erkennen ist.
Wir kamen zu dem Schluss, dass hier ein Irrtum vorliegt, weil ein Teil der
Piri-Reis-Karte (wie wir unten erläutern werden) tatsächlich mit dem Äquator
der trigonometrischen Projektion übereinstimmt. Wahrscheinlich haben wir

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es mit der Arbeit anderer Kartografen zu tun, die die Karte zu einem anderen
Zeitpunkt und mit anderen Vorstellungen umzeichneten. Die großen
Windrosen im Nord- und Südatlantik, die offenbar die Wendekreise
markieren, wurden möglicherweise von jenen Geografen auf die Karte
gezeichnet, denen der Fehler bei der Platzierung ihrer Quellenkarte
unterlaufen war. Aus Abbildung 17 geht hervor, dass der nördliche
Projektionspunkt gemäß der trigonometrischen Projektion auf dem
Wendekreis des Krebses liegt, während der südliche nicht mit dem
Wendekreis des Steinbocks übereinstimmt. Die veränderte Projektion zeigt
den nördlichen Projektionspunkt um mehrere Grad vom Wendekreis des
Krebses verschoben, während der südliche Projektionspunkt ziemlich nahe
am Wendekreis des Steinbocks liegt. Die Geometrie der Projektion schließt
aus, dass sich beide Projektionspunkte durch irgendein Arrangement mit dem
jeweiligen Wendekreis decken. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass
derjenige, der die Breitengrade der trigonometrischen Projektion so
veränderte, dass sich der Äquator mit dem mittleren Projektionspunkt auf
dem Kreisumfang schneidet, die Längengrade der Küsten nicht veränderte,
denn die sind in beiden Systemen nahezu korrekt. Daraus können wir
schließen, dass die vollständige Quellenkarte mit Europa und Afrika einfach
um etwa 5 Grad nach Norden verschoben wurde. Das hätte hinsichtlich der
Längen zu einigen kleineren Fehlern geführt, die aber zu geringfügig
gewesen wären, um aufzufallen. Womöglich hat Piri Reis diese Veränderung
selbst vorgenommen.

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Abb. 19. Die Karte von Juan de la Cosa aus dem Jahr 1500

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Abb. 20. Die Karte von Robert Thorne aus dem Jahr 1527

Abb. 21. Die Weltkarte von Benedetto Bordone aus dem Jahr 1528

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Abb. 22. Die »Bartholomäus Kolumbus«-Karte

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Abb. 23. Die Baseler Ptolemäus-Karte von 1540

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Abb. 24. Die Johannes Ruysch-Karte von Amerika aus dem Jahr 1508. Die Abbildungen 19 bis 24
belegen die Schwachstellen der kartografischen Wissenschaft im Zeitalter der Entdeckungen. Bei den
relativen Entfernungen, den Umrissen der Landmassen und vor allem den geografischen Längen
können diese Karten bei Weitem nicht mit der Piri-Reis-Karte mithalten. Keine dieser Karten lässt die
Nutzung trigonometrischer Verfahren erkennen.

Einige der auf dieser Komponentenkarte dargestellten Inseln wurden


vielleicht von Piri Reis aufgrund jüngerer Entdeckungsreisen hinzugefügt. Zu
diesen Ergänzungen könnten Inseln zählen, die hinsichtlich ihrer Breite und
Länge völlig falsch platziert zu sein scheinen. Möglich ist aber auch, dass in
einigen Fällen (wie zum Beispiel in jenem von Madeira und Fernando da
Noronha) die Fehler in den Breitenangaben darauf zurückzuführen sind, dass
man sie, als die Komponentenkarte nach Norden verschoben wurden, einfach
vergaß.
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In Anbetracht all dessen neige ich zu der Ansicht, dass Piri Reis die
Komponentenkarte selbst nach Norden verschob, damit sie sich mit seiner
Meinung deckte, die Linie durch den mittleren Projektionspunkt (Punkt III)
stelle den Äquator dar. In diesem Fall wäre es ein Hinweis darauf, dass er
gute Kenntnisse der Breitengrade der Küste Guineas besaß. Und solche
Kenntnisse standen, wie wir noch sehen werden, als Ergebnis der
portugiesischen Erkundungen dieser Küste im 15. Jahrhundert zur
Verfügung. Diese Entdeckungsfahrten führten zu einigen sorgfältigen
wissenschaftlichen Beobachtungen der Breiten, wie sie aus Berichten der
Erkundungen Amerikas nicht hervorgegangen sind.
Zusammenfassend sei festgestellt, dass dieser Teil der Piri-Reis-Karte den
Schluss nahelegt, dass Piri Reis über eine Quellenkarte von Afrika, Europa
und den Inseln im Atlantik verfügte, die auf ursprünglichen Karten basierte,
welche ihrerseits wahrscheinlich mithilfe irgendeiner Art von
trigonometrischer, die Erdkrümmung berücksichtigender Projektion erstellt
worden waren. Mangels Alternativen scheinen wir gezwungen zu sein, den
Ursprung dieses Kartenteils einem vorhellenischen Volk zuzuschreiben –
nicht etwa Kartografen der Renaissance oder des Mittelalters, und auch nicht
den Arabern, die in Bezug auf die Längengrade genauso schlecht ausgerüstet
waren wie alle anderen, und ebensowenig den Griechen. Die Trigonometrie
der Projektion (beziehungsweise die Tatsache, dass sie auf einer Kenntnis des
Erdumfangs basierte) lässt auf Geografen Alexandrias schließen, doch die
offenkundigen Kenntnisse der geografischen Längen weisen auf ein
unbekanntes Volk hin, auf eine Seefahrernation, die Instrumente zur
Bestimmung der geografischen Länge besaß, von welchen die Griechen nur
träumen konnten, und die, soweit wir wissen, auch den Phöniziern nicht zur
Verfügung standen.

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2. Eine Spezialprojektion der Karibik, einschließlich eines Teils
der südamerikanischen Küste

Der karibische Teil der Piri-Reis-Karte bereitete uns die größten


Schwierigkeiten. Er schien völlig aus dem Rahmen zu fallen, denn die Küste
hatte den Anschein, in die falsche Richtung geneigt zu sein. Zuerst erweckte
dieser Teil den Eindruck, als wäre hier der denkbar schlechteste Kartograf am
Werk gewesen. Doch aufgrund unserer Untersuchung der Portolankarten galt
es, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass es auch auf dieser Karte mehr
als einen Norden geben könnte. Leo Estes hatte gezeigt, dass der
Portolanentwurf von einem Teil der Karte zum anderen einen Wechsel des
Nordens ermöglichte, um bei Bedarf von einem Quadrat beziehungsweise
Netz zu einem der anderen überzugehen.
Eines Tages betrachtete ich die Karte und stellte fest, dass der Karibik-
Abschnitt einen gewissen Sinn ergab, wenn ich den Kopf zur Seite neigte. Ich
erkannte, dass dieser Bereich tatsächlich auf einen anderen Norden
ausgerichtet war, und mutmaßte, dass er sich mithilfe mathematischer
Berechnungen in die Gesamtprojektion integrieren ließe. Uns war bereits klar
geworden, dass es theoretisch möglich war, irgendeinen der
Projektionspunkte der Karte herzunehmen, deren Positionen inzwischen
bekannt waren, und von ihm aus den Portolanentwurf zu wiederholen, indem
man einen Kreis mit diesem Punkt als Mitte zog und dann darin ein
Koordinatennetz zeichnete, genau wie bei der Projektion der Weltkarte. Das
ergab dann ein Trabantennetz, und der Kartograf konnte je nach seinen
Bedürfnissen seine Nordlinie wählen.
Um dieses Problem zu lösen, musste also eine Nordlinie festgelegt werden,
das heißt ein Nullmeridian. Nachdem ich auf der Karte eine Reihe
geografischer Punkte identifiziert hatte, die auf einer modernen Karibikkarte
auf dem gleichen Breitengrad liegen, verband ich diese mit einem
Breitenkreis. Dann suchte – und fand – ich auf der Piri-Reis-Projektion eine
Linie, die im rechten Winkel dazu verlief. Diese ging vom Projektionspunkt I
am oberen Kartenrand aus und teilte jenen Bereich in zwei Teile, in dem wir
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die Halbinsel Yucatán zu erkennen meinten. Der Winkel dieser Linie zu den
Meridianen des Kartenhauptteils betrug 78,75°. Das bedeutete, dass ein
Kompasspunkt (11,25°) zu einem vollen rechten Winkel gegenüber der
Nordrichtung auf der übrigen Karte fehlte.
Nach und nach konnten wir das mathematische System der
Gesamtprojektion auf diesen Kartenteil übertragen. Der gemeinsame Nenner
war Projektionspunkt I, den wir auf 51,4° nördlicher Breite und 36,9°
westlicher Länge lokalisiert hatten. Wir gingen davon aus, dass dieser Punkt
auf beiden Kartenteilen auf der gleichen Breite lag. Weil die Gradlänge, wie
wir annahmen, stets dieselbe blieb, konnten wir in Abständen von 5 Grad bis
hinunter zu null, das heißt bis zum Äquator dieser speziellen Projektion,
parallele Breitenkreise ziehen. Auf diese Weise hatten wir die geografischen
Breiten also mathematisch in die Gesamtprojektion integriert.
Nach einigen Tests stellten wir fest, dass auch auf diesem Teil der Karte
die ptolemäischen Parallelkreise angewendet worden waren.
Das Problem der Längen stellte uns allerdings vor deutlich größere
Schwierigkeiten. Unsere ersten Lösungsansätze basierten im Wesentlichen
auf Spekulationen. Schließlich wurde das Problem gelöst, indem wir eine
Linie von der Schnittstelle des Nullmeridians unserer karibischen Teilkarte
mit dem Äquator dieses Abschnitts bis zum unteren Kartenrand zogen, wo sie
sich mit dem Längenregister des nach Westen verlängerten Hauptnetzes traf.
Die geografische Länge dieses Abschnittspunkts am unteren Kartenrand
wurde zur Länge unseres lokalen Nullmeridians, und damit waren sowohl die
Breiten als auch die Längen der karibischen Teilkarte bestimmt (siehe Abb.
18).
Um eine Vorstellung davon zu gewinnen, sollte sich der Leser das gesamte
karibische Netz als von Punkt I frei hängend vor Augen führen, das dann um
78,75° gedreht wurde. Weil die Drehung der Projektion so genau ist und weil
die geografischen Längen und Breiten der identifizierbaren Orte in der
Karibik bemerkenswert exakt eingezeichnet sind, wie die Tabellen belegen
(Tabelle 1), sind wir sicher, dass die Genauigkeit dieser speziellen Projektion
kein Zufall ist.
Möglicherweise fragt sich der Leser, weshalb der Kartograf zu diesem
Mittel gegriffen hat. Darauf fällt mir nur eine einzige Antwort ein – und sie
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ist reine Spekulation –, nämlich dass ihm alte Karten der Karibik vorgelegen
haben könnten, die viele Angaben zur Breite und Länge enthielten, doch wie
eine moderne Karte nach einer Art sphärischer Projektion gezeichnet waren.
Weil er sich mit der sphärischen Trigonometrie nicht auskannte, musste er die
gekrümmte Erdoberfläche wahrscheinlich wie eine Reihe ebener Flächen
behandeln und für Gebiete, die in der geografischen Länge zu weit
auseinander liegen, unterschiedliche Nordrichtungen nutzen. Er besaß die
Klugheit, sich eine Methode auszudenken, mit deren Hilfe er die Genauigkeit
der Breiten- und Längenangaben in der Karibik retten konnte. Um das zu
erreichen, musste er lediglich den richtigen Winkel für den Norden finden,
und das ist ihm gelungen. Doch an die Genauigkeit seiner antiken Quellen
kam er wahrscheinlich nicht heran.
Diese Hypothese kann durch einen Vergleich der Piri-Reis-Karte mit einer
modernenWeltkarte untermauert werden (siehe Abb. 25, 26 und 27), die auf
einer abstandsgleichen scheitelwinkligen Projektion basiert. Diese Karte
wurde während des Zweiten Weltkriegs für die U. S. Air Force gezeichnet.
Ihr Zentrum liegt in Kairo, Ägypten, weil sich dort ein wichtiger Stützpunkt
der Air Force befand. Da Kairo nicht weit vom Projektionszentrum der Piri-
Reis-Karte entfernt ist, liefert uns diese moderne Karte eine gute Vorstellung
davon, wie die Welt auf einer Projektion dieser Art mit Ägypten als Zentrum
aussehen würde. Wenn wir auf dieser äquidistanten Karte Kuba betrachten,
stellen wir fest, dass die Karibikinsel im rechten Winkel zu einem durch
Kairo gezogenen Breitenkreis verläuft. Mit anderen Worten: Verstehen wir
die Karte als Abbildung einer ebenen Fläche, so verläuft die Längsachse
Kubas in Nordsüdrichtung, wie es auch in der Hauptprojektion der Piri-Reis-
Karte der Fall zu sein scheint. Darüber hinaus erkennen wir, dass Kuba in
beiden Fällen viel zu weit nördlich liegt.
Wie lässt sich das erklären? Gibt es eine andere Schlussfolgerung als die
Vermutung, dass der Kartograf eine sphärische Projektion vorliegen hatte, die
er nicht verstand, und dass er seine geografischen Daten (Breiten- und
Längenangaben der Orte in der Karibik) auf eine ebene Fläche übertragen
musste? Das würde natürlich bedeuten, dass die sphärische Trigonometrie
schon lange vor ihrer mutmaßlichen Erfindung durch Hipparch im 2.
Jahrhundert v. Chr. bekannt gewesen sein muss. Und das wirft eine weitere
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Frage auf: Wie kommt es, dass das Zentrum einer Weltkarte, die offenbar
lange vor Hipparch gezeichnet wurde, in Ägypten lag? Können wir davon
ausgehen, dass die frühen Ägypter über solche Kenntnisse verfügten? Wenn
nicht sie, wer dann? Ich scheue nicht davor zurück, solch heikle Fragen
aufzuwerfen. Sie lassen sich derzeit nicht beantworten, doch möglicherweise
wird irgendwann jemand die Antwort darauf finden.
Zusammenfassend sei festgestellt, dass unser Kartograf vor dem Problem
stand, den geografischen Norden sowohl für den Atlantik als auch die
Karibik zu finden, die viel weiter im Westen liegt. Da die Portolanprojektion
eine rechtwinklige Projektion, die Erde aber gekrümmt ist, liegt auf der Hand,
dass man sie nicht um viele Längengrade ausdehnen kann, ohne an einen
Punkt zu geraten, an dem die Meridiane nicht mehr nach Norden verlaufen.
Die einzige mögliche Lösung des Problems bestand also im geometrischen
Entwurf der Portolankarten, der mehrere denkbare Nordrichtungen zulässt.
Doch dazu mussten mathematische Berechnungen durchgeführt werden, denn
nur mithilfe der Trigonometrie konnte man den korrekten Winkel des
karibischen Nullmeridians bestimmen.

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Abb. 25. Weltkarte in abstandsgleicher Projektion mit Zentrum in Ägypten (U.S. Air Force)

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Abb. 26. Ausschnitt der abstandsgleichen Projektion von Abb. 25 zum Vergleich mit der Piri-Reis-
Karte

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Abb. 27. Die Projektion der Piri-Reis-Karte über die abstandsgleiche Projektion von Abb. 25 gelegt

Die spezielle Projektion der Karibik lässt einige Rückschlüsse auf die
mögliche Geschichte der Karte insgesamt zu. Zunächst einmal ist klar, dass
Piri Reis diesen Teil seiner Weltkarte nicht selbst konstruiert haben kann. In
der Renaissance waren zwei Nordrichtungen auf einer Karte undenkbar. Für
Piri Reis wäre ein Wechsel der Nordrichtung mitten im Atlantik ein völlig
irrsinniger Gedanke gewesen, und sämtliche Kartografen dieser Zeit hätten es
genauso gesehen. Doch selbst wenn er auf diesen Gedanken gekommen wäre,
selbst wenn er trigonometrische Kenntnisse gehabt haben sollte (worauf es
keinerlei Hinweise gibt)4 , kann er die Karte nicht konstruiert haben, weil
unseres Wissens weder er noch sonst irgendjemand zur damaligen Zeit
Informationen über die Längenangaben von Orten in der Karibik hatte.
Was für Piri Reis gilt, gilt auch für Kolumbus. Kolumbus kann –
einschließlich des karibischen Teilnetzes – gar keinen Teil dieser Karte,
gezeichnet haben, denn ebenso wie für Piri Reis konnte es auch für ihn auf
einer Karte nur einen Norden geben. Doch es ist denkbar, dass dieses
Teilnetz eine Lösung für eines der Probleme auf der ersten Reise des
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Kolumbus geliefert hat.
Einmal angenommen, Kolumbus habe eine Kopie dieser Karte der Karibik,
so wie wir sie auf der Piri-Reis-Karte finden, zur Hand gehabt. (Piri Reis war
dieser Meinung.) Vielleicht zeigte die Karte die Azoren oder sogar einen Teil
der europäischen Küste, sodass Kolumbus durch einfaches Nachmessen eine
Vorstellung vom Maßstab der Karte und der Entfernung zwischen Europa
und den karibischen Inseln gewinnen konnte.

Abb. 28. Die Piri-Reis-Karte von Korsika (aus dem Bahriye)

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Abb. 29. Eine moderne Karte von Korsika

Abb. 30. Die Piri-Reis-Karte von Kreta (aus dem Bahriye)

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Abb. 31. Eine moderne Karte von Kreta

Abb. 32. Die Piri-Reis-Karte des westlichen Mittelmeerraums und der Straße von Gibraltar (aus dem
Bahriye)

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Abb. 33. Eine moderne Karte des westlichen Mittelmeerraums

Wir wissen, dass er eine Karte besaß und eine Vorstellung davon hatte, wann
er auf Land stoßen würde. Aber wir wissen auch, dass er nicht dort auf Land
traf, wo er es vermutet hatte. Er musste stattdessen etwa tausend Meilen
weiter segeln und sah sich mit einer drohenden Meuterei seiner Besatzung
konfrontiert. Schließlich erreichte er die Insel San Salvador (Watling Island)
oder eine andere nahegelegene Insel.
Wenn wir die Insel San Salvador auf unserer Karte suchen (Abb. 39) und
ihre Längenangabe auf dem Koordinatennetz betrachten, erkennen wir, dass
die Insel auf diesem Netz westlich des 60. Längengrads liegt statt auf 74,5°
westlicher Länge, wo sie sich tatsächlich befindet. Doch wenn man die Karte
dreht und die Länge der Insel auf dem speziellen karibischen Teilnetz sucht,
stellt man fest, dass sie bei 80,5° westlicher Länge liegt. Damit kann man
eher verstehen, mit welchen Problemen Kolumbus konfrontiert war. Die
Tatsache, dass er die Karte, die er bei sich hatte, nicht richtig zu lesen
verstand, führte zu einem Fehler von etwa 14°, das heißt von etwa 840
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Seemeilen (1300 Kilometern) Differenz in seiner Einschätzung der
Entfernung über den Atlantik, und dieser Irrtum hätte seine Expedition
beinahe scheitern lassen.
Betrachten wir einmal, wie wahrscheinlich es ist, dass Kolumbus eine
Kopie dieser karibischen Teilkarte aus Spanien mitgenommen hatte; und
wenn, dann womöglich nicht die gesamte von Piri Reis genutzte Quellenkarte
, auf der auch Südamerika abgebildet ist. Denn allem Anschein nach ging
Kolumbus ja nicht davon aus, dass sich südlich der Karibik ein Kontinent
befindet – bis er an der Mündung des Orinoco auf Süßwasser stieß.
Wir haben bereits erwähnt, dass Piri Reis in Konstantinopel
höchstwahrscheinlich antike Karten zur Verfügung standen. Und es ist
durchaus möglich, dass Kopien dieser Karten lange vor seiner Zeit in den
Westen gelangt waren. Vor dem Fall von Konstantinopel im Jahr 1453 hatten
griechische Gelehrte auf der Flucht vor den Osmanen Tausende griechischer
Manuskripte nach Italien gebracht. Und schon viel früher, im Jahr 1204, hatte
eine venezianische Flotte, die angeblich Kreuzfahrer ins Heilige Land
bringen sollte, Konstantinopel angegriffen und erobert, woraufhin italienische
Kaufleute fast sechzig Jahre lang Zugriff auf die Kartensammlungen von
Konstantinopel besaßen.
Wir haben allen Grund zu der Annahme, dass in Europa gute Karten des
Sankt-Lorenz-Stroms erhältlich waren, bevor Kolumbus 1492 in See stach.
Die in Abbildung 34 c dargestellte Karte des Flusses und der Inseln in seiner
Mündung hatte der Kartograf Martin Behaim auf einen Globus gezeichnet,
den er vor der Rückkehr des Kolumbus von seiner ersten Reise fertigstellte.
Kolumbus war aber kein ungebildeter Seefahrer, wie manche zu glauben
scheinen, sondern des Lateinischen durchaus mächtig, was auf eine gewisse
Bildung hinweist. Und man weiß, dass er viel in Europa herumreiste, stets auf
der Suche nach Karten war und sogar mit ihnen handelte. Seine Reise war
keineswegs ein spontaner Einfall gewesen, es handelte sich vielmehr um ein
Ziel, das er viele Jahre lang beharrlich verfolgte und für das er vor allem
Karten benötigte. Der Historiker Las Casas behauptete, Kolumbus habe eine
Weltkarte besessen, die er König Ferdinand und Königin Isabella von
Kastilien gezeigt habe, was die beiden offenbar davon überzeugte, ihn und
sein Vorhaben zu unterstützen.
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Abb. 34. Vergleich von Martin Behaims Karte der Mündung des Sankt-Lorenz-Stroms, die 1492, vor
Kolumbus‘ Rückkehr von seiner ersten Reise, angefertigt wurde, mit anderen Karten: a) moderne
Karte, b) Karte von Sebastian Cabot, 1544, c) Behaim-Globus, 1492, d) Lescarbot-Karte von 1606.
Nach Hjalmar R. Holand in Explorations in America Before Columbus, New York, Twayne, 1956.

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Abb. 35. Die Toscanelli-Karte von 1474

Viele Forscher waren der Meinung, diese Karte könne diejenige gewesen
sein, die der italienische Gelehrte Toscanelli Kolumbus zugeschickt hatte
(siehe Abb. 35). Doch ein sowjetischer Wissenschaftler hat gute Argumente
gegen diese These vorgebracht und auch den Beweis geliefert, dass der Brief
von Toscanelli an Kolumbus, der der Karte beilag, eine Fälschung war (207).
Jedenfalls ist die Toscanelli-Karte, ungeachtet der Tatsache, ob Kolumbus sie
bei sich hatte oder nicht, eine sehr schlechte Karte.
Die Darstellung von Kuba auf der Piri-Reis-Karte wirft einige sehr
interessante Fragen auf.
Zunächst einmal wurde Kuba von Piri Reis mit dem falschen Namen
Espaniola bezeichnet (Hispaniola ist die Insel, auf der das heutige Haiti und
die Dominikanische Republik liegen). Dieser Irrtum wurde von Philip Kahle
bestätigt, als er die Karte in den 1930er Jahren untersuchte (106) Und nichts
könnte besser belegen, wie wenig Piri Reis über seine eigene Karte Bescheid
wusste, denn die falsche Bezeichnung von Kuba zeigt deutlich, dass er
lediglich einige mündliche Informationen von einem Seemann besaß, den
sein Onkel gefangen genommen hatte, oder von irgendeiner anderen Quelle,
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und dass er diese Informationen dann in eine bereits in seinem Besitz
befindliche Karte einfügte – eine Karte, die er in den türkischen
Schifffahrtsarchiven entdeckt haben könnte und die möglicherweise aus dem
Byzantinischen Reich stammte. Die Insel, die ich auf der Piri-Reis-Karte als
Kuba identifizieren konnte, habe ich in Abbildung 36 und 37 mit einer
modernen Karte der Insel verglichen.

Abb. 36. Kuba nach der Piri-Reis-Karte

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Abb. 37. Eine moderne Karte von Kuba und den umliegenden Inseln

Diese Gegenüberstellung zeigt, dass die Insel auf der Piri-Reis-Karte eine
Darstellung von Kuba ist, allerdings nur der östlichen Hälfte. Entlang der
Küste und des Landesinneren können wir eine Reihe von Punkten
identifizieren, die westliche Hälfte dagegen fehlt. Als wolle man dies aber
ausgleichen, wird die Insel in einem Maßstab dargestellt, der fast doppelt so
groß ist wie der Rest der Karte, sodass sie ihre tatsächliche Länge sogar noch
übersteigt. Seltsamerweise ist auf dieser Karte eine komplette westliche
Küstenlinie eingezeichnet, als hätte der Westen Kubas zur Zeit ihrer
Entstehung noch unter der Wasseroberfläche gelegen. Dafür finden wir einige
Inseln in dem Gebiet, auf dem sich heute das westliche Kuba erstreckt.

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Abb. 38. Die Piri-Reis-Darstellung von Kuba (c) verglichen mit den Versionen der Insel »Cipango« auf
dem Behaim-Globus (a) und der Karte von Bordone (b)

Es liegen zahlreiche Anhaltspunkte dafür vor, dass die Karte eines solcherart
gestutzten Kuba vor der ersten Reise des Kolumbus in Europa bekannt war.
In Abbildung 38 habe ich das Kuba der Piri-Reis-Karte mit der als
»Cipango« bezeichneten Insel auf dem Behaim-Globus, der vor der Rückkehr
von Kolumbus von seiner ersten Reise fertiggestellt worden war, und der
Karte von Bordone aus dem Jahr 1528 verglichen.

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Abb. 39. Die Weltkarte von Piri Reis aus dem Jahr 1528 (Fragment)

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Abb. 40. Die von Kolumbus besuchten Küsten (durchgezogene Linien)

Es scheint klar zu sein, dass die von Bordone gezeichnete Insel, die der von
Piri Reis noch am ähnlichsten ist, nicht auf den damals kursierenden
Informationen über Kuba basiert. Das Kuba, das auf den Karten der
Entdecker des 16. Jahrhunderts zu sehen ist, hat keinerlei Ähnlichkeiten mit
der Insel auf der Piri-Reis-Karte (siehe beispielsweise Abb. 39), denn Piri
Reis stellt Kuba in einer für die damalige Zeit typischen Form dar. Offenbar
hatte er sich zu diesem Zeitpunkt von seinen antiken Karten abgewandt.
In Anbetracht der Möglichkeit, dass in Europa vor der ersten Reise des
Kolumbus eine antike Karte der östlichen Hälfte Kubas in Umlauf war,
scheint der Gedanke recht nahe zu liegen, dass Kolumbus eine gute Karte
gefunden haben könnte, die zumindest den karibischen Teil der Piri-Reis-
Karte umfasste und ihn tatsächlich nach Amerika geführt haben könnte.
Die Darstellung Kubas auf der Piri-Reis-Karte legt den Schluss nahe, dass
der karibische Teil der Karte durch die Kompilation mehrerer lokaler Karten
entstanden war. Eine davon könnte die Karte von Hispaniola gewesen sein.
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Und auch hier haben wir wieder einen anderen Norden vorliegen. Der Pfeil
auf unserer Karte gibt die Nordrichtung von Hispaniola und einiger
umliegender Inseln an. Doch diese stimmt weder mit dem Norden des
Hauptnetzes noch mit dem des karibischen Kartenteils überein; soweit wir
erkennen können, ist sie nicht in die trigonometrische Projektion integriert.
Kolumbus kann Hispaniola unmöglich in diese Karte eingezeichnet haben,
denn wenn er etwas beherrschte, dann war es die Bestimmung des Nordens,
und er hätte Hispaniola und die anderen karibischen Inseln sicherlich nach
dem Hauptnetz der Karte ausgerichtet.

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3. Eine Karte der südamerikanischen Atlantikküste von Kap
Frio nach Norden bis zum Amazonas, mit einem
Maßstabsfehler

Auf der Piri-Reis-Karte besteht Südamerika aus einer Zusammenstellung


verschiedener lokaler Karten unterschiedlichen Maßstabs und
unterschiedlicher Ausrichtung. Dieser Teil der Karte ist in einem zu kleinen
Maßstab gezeichnet, wie das in Abbildung 18 eingefügte Netz zeigt,
allerdings sind die Längenangaben korrekt. Und möglicherweise können wir
die Geschichte dieser Karte zum Teil rekonstruieren.
Zunächst einmal handelte es sich um eine korrekte Karte der Küste. Doch
es hat den Anschein, als wäre der Kartograf davon ausgegangen, Punkt IV
der Weltprojektion liege auf dem Wendekreis des Steinbocks, und als hätte er
seinen Kartenteil so positioniert, dass der südliche Rand auf diesem
Wendekreis zu liegen kam. Dadurch verblieb der nördliche Rand aufgrund
eines Maßstabsfehlers allerdings zu weit im Süden. Doch der Kartograf mag
das nicht bemerkt haben, weil er den dargestellten Fluss nicht als den Para –
einen Mündungsarm des Amazonas – erkannte. Meiner Interpretation nach
zeigt die Karte den Verlauf des Amazonas und seinen Mündungsarm Para,
nicht die Insel Marajo. Die Karte könnte den Schluss nahelegen, dass sie aus
einer Zeit stammt, als der Para der einzige oder zumindest der
Hauptmündungsarm des Amazonas war und die Insel Marajo noch zum
Festland auf der Nordseite des Flusses gehörte. Sollte der Kartograf von der
Existenz der Insel Marajo gewusst haben, könnte ihn das daran gehindert
haben, den Fluss auf seiner Quellenkarte als Amazonas zu identifizieren.
Und, wie wir gleich sehen werden, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er
diese Insel tatsächlich gekannt hat.
Meine Interpretation dieses Kartenteils wird dadurch belegt, dass das in
unsere Durchzeichnung eingefügte Koordinatennetz mit der Topografie
übereinstimmt, wie sie in Tabelle 1 dargestellt ist.

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4. Eine Karte des Amazonas und der Insel Marajo, korrekt auf
dem Äquator und der trigonometrischen Projektion platziert,
sowie einige Teilkarten

Ein Teil der Piri-Reis-Karte, der ohne jegliche Veränderungen aus einer Zeit
zu stammen scheint, in der eine trigonometrische Projektion genutzt wurde,
um aus verschiedenen lokalen Karten eine Weltkarte zusammenzustellen, ist
die Karte des Amazonas mit einer ausgezeichneten Darstellung der Insel
Marajo. Darauf sind beide Mündungsarme des Amazonas abgebildet. Die
obere, die Mündung des eigentlichen Amazonas, findet sich auf dem
eingefügten Netz unserer Karte etwa 10° nördlich jenes Flusses, den wir als
den Para identifiziert haben; er verläuft ungefähr 5° nördlich des für Afrika
und Europa genutzten Äquators. Interessanterweise zeigen beide
Verdopplungen des Amazonas den tatsächlichen Flusslauf, während alle
Darstellungen auf späteren Karten des 16. Jahrhunderts keinerlei Ähnlichkeit
mit seinem tatsächlichen Lauf aufweisen. Darüber hinaus ist die Insel Marajo
bis zu ihrer offiziellen Entdeckung im Jahr 1543 auf keiner einzigen Karte
des 16. Jahrhunderts zu finden. Woher konnte Piri Reis eine solch präzise
Vorstellung von dieser Insel gewonnen haben? Selbst wenn er irgendwelche
Informationen über ihre Form erhalten haben sollte – wie konnte er sie
sowohl in der geografischen Breite als auch der Länge so genau in eine
mathematische Projektion integrieren, die er aller Wahrscheinlichkeit nach
nicht einmal verstand?

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Abb. 41. Mercator-Karte von Südamerika (1569)

Die Insel Marajo erfuhr nach der Zeit von Piri Reis eine ganze Reihe von
Verschiebungen. So taucht sie in der Mercator-Karte von Südamerika aus
dem Jahr 1569 (siehe Abb. 41) in der Mündung des Orinoco auf!
An der südamerikanischen Ostküste hingegen, wo heute überhaupt keine
Insel zu finden ist, zeigt die Piri-Reis-Karte eine große Insel an! Man könnte
vermuten, dass Piri Reis diese Insel erfunden hat, den zahlreichen mythischen
Inseln entsprechend, die in der Renaissance auf anderen Weltkarten
auftauchen. Piri Reis hatte tatsächlich eine solche Insel gezeichnet, der er den
Namen »Antilia« gab (Nr. 94 auf unserer Karte, Abb. 18). Während diese
aber künstlich wirkt, hat die Insel, mit der wir es hier zu tun haben, den
Anschein einer echten Insel mit Häfen und vorgelagerten Inseln. Auf einigen
Fotografien der Karte sind entlang der Küsten Bergketten (durch eine
dunklere Farbe gekennzeichnet) sowie im Binnenland eine große Hochebene
zu sehen.

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Abb. 42. Atlantikkarte von Buache

Den Rückschluss, dass hinter dieser Insel mehr steckt als die bloße Fantasie
eines Kartografen, legt eine andere Karte nahe, die der Pariser Akademie der
Künste im Jahr 1737 präsentiert wurde und mit dem Namen des
französischen Geografen Philippe Buache, einem Mitglied der Akademie, in
Verbindung gebracht wurde. Auf dieser Karte ist eine Insel eingezeichnet, die
in Form und Größe grob der Insel auf der Piri-Reis-Karte ähnelt und direkt
auf dem Äquator liegt! Zwischen dieser Insel und der Küste Afrikas ist eine
weitere Insel zu sehen, die es heute nicht mehr gibt. Auf der Karte finden sich
Hinweise, dass diese beiden Inseln schon damals nicht mehr existierten. Die
Küsten sind schraffiert dargestellt, was auf Annäherungswerte hinweist.
Innerhalb dieser Küstenstreifen sind kleine Inseln eingezeichnet, die wirken,
als handele es sich um Überreste versunkener größerer Inseln. Und es finden

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sich Hinweise, dass die Kapverden und die Kanaren früher mit dem
afrikanischen Kontinent verbunden waren. Außerdem sind Inselgruppen an
Orten im Nordatlantik abgebildet, wo heute keine einzige Insel zu finden ist
(Abb. 42).
Worum handelt es sich bei dieser Karte? Illustriert sie eine Legende der im
Atlantik versunkenen Inseln? Sollte dies der Fall sein, dann sind gewisse
Fakten hinsichtlich der Lage dieser Inseln von großer Bedeutung. Dazu zählt
die Tatsache, dass die große Insel auf der Piri-Reis-Karte direkt auf dem
mittelatlantischen Rücken liegt (früher Delfin-Rücken genannt), und zwar an
der Stelle, an der unmittelbar nördlich des Äquators und etwa 1100 Kilometer
östlich der Küste Brasiliens zwei winzige Inseln, die Felsen von Sankt Peter
und Paul, aus dem Meer ragen (siehe Abb. 43). Eine weitere Besonderheit
besteht darin, dass die weiter östlich gelegene kleinere Insel unmittelbar auf
dem Sierra-Leone-Rücken liegt, einer unterseeischen Bergkette. Und
schließlich zeigt die Karte von Buache, wie der Leser überprüfen kann, einen
Querschnitt des Äquatorialatlantiks – von Südamerika bis Afrika –, auf dem
sowohl der mittelatlantische Rücken als auch der Sierra-Leone-Rücken
dargestellt sind, wenn auch nur grob angedeutet.

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Abb. 43. Eine moderne bathymetrische Karte des Atlantiks

Viele Leute werden diese Fakten als reinen Zufall abtun. Doch obwohl keine
Beweise vorliegen, bin ich der festen Überzeugung, dass es sich hier um
mehr als bloße Zufälle handelt. Abbildung 43 zeigt den heutigen atlantischen
Meeresgrund.
Ein weiterer Teil der Piri-Reis-Karte, mit dem wir uns hier kurz befassen
wollen, zeigt am westlichen Rand Südamerikas ein bergreiches Gebiet.
Dieser Teil wurde in die Weltkarte eingefügt, jedoch ohne in die
trigonometrische Projektion integriert zu werden, denn, wie in Abbildung 18
erkennbar ist, sind sowohl in Bezug auf den Maßstab als auch die
Ausrichtung Fehler einsehbar.
Auf den ersten Blick hat es den Anschein, als wären die dargestellten
Berge für die Anden gehalten worden. Doch Kahle, einer der Ersten, der die
Karte untersuchte, wies dies mit dem Argument zurück, dass die Anden zu
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der Zeit, als Piri Reis seine Karte zeichnete, noch gar nicht entdeckt waren.
Dieser strittige Punkt gibt Anlass für folgende Überlegungen:
Erstens: Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kartograf eine
riesige Bergkette im Westen Südamerikas frei erfindet, wo tatsächlich eine
solche existiert?
Zweitens: Die verschiedenen Flüsse auf der Piri-Reis-Karte von
Südamerika, einschließlich beider Amazonasarme, entspringen in diesen
Bergen, was korrekt ist.
Drittens: Die Darstellung der Berge weist darauf hin, dass sie von Schiffen
aus gesichtet wurden, die an der Küste entlangfuhren, und nicht erfunden
wurden.
Viertens: Die Form der Küste auf der Karte stimmt mit der
südamerikanischen Küste ab etwa dem 4. südlichen Breitengrad bis circa 40
Grad Süd überein. Zwischen diesen Breitengraden verlaufen die pazifischen
Andenkordilleren parallel zur Küste. Und an dieser Küste gibt es sogar einen
Hinweis auf die Paracas-Halbinsel.
Kahle fügte eine Bobachtung an, die seiner eigenen Schlussfolgerung
offensichtlich widerspricht. Er identifizierte eines der im Hochgebirge
dargestellten Tiere als Lama, weil es die für diese Tierart typische
hervorgestreckte Zunge zeigt (106). Zwar gibt es in den Anden tatsächlich
Lamas, doch bestehen Zweifel, dass diese Tiere 1513 in Europa bekannt
waren.

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5. Eine Karte auf dem Hauptnetz, von Äquator II bis zur
Halbinsel Paria

Ein bei diesem Kartenteil interessantes Problem ist die Identifizierung des
Orinoco, denn weder der Fluss noch seine heutige Mündung sind darauf zu
erkennen. Stattdessen erstrecken sich nahe dem heutigen Flusslauf zwei lange
Buchten über eine Distanz von etwa 160 Kilometern ins Landesinnere. Die
Längenangabe auf dem Netz wäre für den Orinoco aber korrekt, und auch die
geografische Breite ist weitgehend richtig (siehe Tab. 1). Besteht die
Möglichkeit, dass sich diese Mündungsbuchten seit der Zeit, in der die
Quellenkarten gezeichnet wurden, aufgefüllt haben und sich das Delta so weit
zur Küste hin verlagert hat? Falls ja, wäre diese Ausdehnung mit der des
Deltas von Euphrat und Tigris in Mesopotamien in den vergangenen 3500
Jahren vergleichbar, als Ur, die Stadt der Chaldäer, noch an der Küste lag.

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6. Eine Karte vom Golf von Venezuela bis Yucatán, wobei etwa
7° der Küstenlinie zwischen dem Golf von Venezuela und der
Halbinsel Paria ausgelassen wurden

Von beachtlicher Bedeutung ist hier der Verlauf des Flusses Atrato. Nach
unserem Netz zeigt die Karte den Fluss auf einer Länge von 500 Kilometern
im Landesinneren, und seine Biegung nach Osten auf etwa 5 Grad nördlicher
Breite entspricht den geografischen Fakten. Das bedeutet, dass irgendjemand
vor dem Jahr 1513 den Fluss bis zu seinem Quellgebiet in den westlichen
Kordilleren erkundet haben muss. Über eine solch frühe Erkundung habe ich
keinerlei Aufzeichnungen gefunden. Auch die Halbinsel Yucatán war 1513
vermutlich noch nicht entdeckt.

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7. Die Karibik: Die Inseln über und unter dem Winde, die
Jungferninseln und Puerto Rico und das Hauptnetz der Karte;
weitere Fragen in Bezug auf Kolumbus

Auf dieser Karte sind diese Inseln hinsichtlich der geografischen Breite und
der Länge genauer platziert als auf jeder anderen Karte der damaligen Zeit.
Piri Reis schrieb in seiner langen Eintragung über Kolumbus, dieser Teil
der Karte basiere auf einer von Kolumbus gezeichneten Karte. Hier
überlappen sich zwei verschiedene Netze teilweise: Einige Inseln finden sich
auf dem Teilnetz, das wir bereits besprochen haben, andere auf dem
Hauptnetz. Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass einer der Fehler, die
Kolumbus unterliefen, darauf zurückzuführen war, dass er dieses Teilnetz
nicht verstanden hatte. Die Inseln über und unter dem Winde, die Kolumbus
entdeckte, finden sich auf dem Hauptnetz dieser Teilkarte. Nichtsdestotrotz
ist es kaum möglich, dass er sie in die Karte eingezeichnet haben könnte, wie
Piri Reis vermutete. Denn wir sehen sie in bemerkenswert korrekter
geografischer Breite und Länge auf dem trigonometrischen Gradnetz jener
Kompilation eingezeichnet, die laut unserer Hypothese aus Alexandria
stammt. Wie hätte Kolumbus diese Inseln korrekt lokalisieren können, wenn
er das Netz nicht verstand, ja, dessen Existenz nicht einmal ahnte,
geschweige denn in der Lage war, die korrekte geografische Breite oder
Länge zu bestimmen? Piri Reis aber gibt die Namen dieser Inseln an und
behauptet, Kolumbus habe sie ihnen gegeben – doch die Namen sind falsch!
(140, S. 408 f.). Offensichtlich hat Piri Reis gar keine von Kolumbus
gezeichnete Karte vor Augen gehabt, sondern sich hier auf Hörensagen
verlassen.
Eine Inselgruppe auf dem karibischen Teil der Karte, die Jungferninseln,
ist so falsch positioniert, so ungenau und in einem derart falschen Maßstab
gezeichnet, dass sie durchaus von Kolumbus hinzugefügt worden sein
könnte. Vielleicht aber hat Piri Reis sie auf der Grundlage eines
zeitgenössischen Berichts eingefügt.
Besonders außergewöhnlich ist an dieser Karte die Tatsache, dass einige
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geografische Merkmale zwei verschiedene Interpretationen zulassen, je
nachdem, welchem Netz man sie zuordnet.

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8. Die untere Ostküste Südamerikas von Bahia Blanca bis Kap
Hoorn (beziehungsweise Kap San Diego) und einige
Atlantikinseln auf dem Hauptnetz der Karte

Zwei meiner Studenten, Lee Spencer und Ruth Baraw, fanden heraus, dass
auf der Piri-Reis-Karte etwa 1500 Kilometer der Ostküste Südamerikas
einfach fehlen, weil bei der Kompilation zwei Teilkarten offenbar falsch
zusammengesetzt wurden. Forscher, die die Karte früher untersuchten –
Kahle, Goodwin und Mallery –, waren davon ausgegangen, dass die Karte
keinerlei Brüche aufweise und, so weit sie reiche, komplett sei.
Kahles Annahme einer Küste ohne Brüche basierte jedoch auf einer
ziemlich bemühten Interpretation der Karte, denn sie ging davon aus, dass die
Karte in dem fraglichen Bereich einfach nur schlecht gezeichnet worden sei.
Doch offenbar war schon vor Kahle jemand auf diesen Gedanken gekommen.
Abbildung 44 zeigt, dass diese Interpretation sich tatsächlich in das
rechteckige Netz der Karte einfügt. Der Äquator weicht von dem des
Hauptnetzes ab, doch die Länge der Breitengrade wurde dementsprechend
angepasst. Diese Maßnahme bestärkt uns in der Überzeugung, dass diese
Karte eine lange und komplexe Geschichte hat. Allerdings werden wir nie
erfahren, wie viele Menschen zu welchem Zeitpunkt hier die Hand im Spiel
hatten.
Die von Spencer und Baraw genutzte Methode, um ihre Vermutung der
Auslassung an der Küste zu bestätigen, bestand darin, dass sie versuchten,
durch Vergleiche mit einer modernen Karte bestimmte Orte zu identifizieren.
Zuerst begannen sie bei Recife und suchten Schritt für Schritt die Küste ab.
Bis Kap Frio stimmte die Piri-Reis-Karte mit der modernen Karte überein,
doch südlich davon überhaupt nicht mehr. Dann gingen sie von der
Südspitze, dem mutmaßlichen Kap Hoorn beziehungsweise Kap San Diego
(Nr. 74, Abb. 18), nach Norden und identifizierten markante Punkte. Auch
hier schien alles mit der modernen Karte übereinzustimmen, bis sie an einen
Punkt unmittelbar südlich von Kap Frio gelangten. Ab diesem Punkt kamen
sie nicht weiter, weil ein Stück der Küste fehlt. Bei der abschließenden
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Bestätigung dieser Tatsache war unser Gradnetz von großem Nutzen, weil es
uns half, die Länge des fehlenden Stücks zu bestimmen.

Abb. 44. Alternatives Netz für die Küste Südamerikas auf der Piri-Reis-Karte (siehe Tab. 15)

Die Auslassung des Küstenstreifens zwischen Kap Frio und Bahia Blanca
war offenkundig auf den Verlust von circa 16 Grad südlicher Breite und etwa
20 Grad westlicher Länge zurückzuführen. Deshalb habe ich in Tabelle 1
diese Breiten und Längen zu den auf unserem Koordinatennetz gefundenen
Angaben hinzugefügt. Danach sind die Positionen der identifizierten
geografischen Punkte weitgehend korrekt, denn sie weisen nur eine
Fehlerquote von weniger als einem Grad auf. Wichtiger noch ist jedoch die
Tatsache, dass ihre Positionen zueinander korrekt sind.
Bedeutsamerweise versucht Piri Reis gar nicht erst, auf dem südlichen Teil
dieser südamerikanischen Küste Namen anzugeben, obwohl er sonst auf
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seine Karte viele Namen aus Berichten von Entdeckern übernommen hat
(und dabei zahlreiche Fehler macht). Der Grund liegt auf der Hand: Es lagen
keine Berichte von Entdeckern vor. Dieser Küstenabschnitt war 1513 eben
noch nicht erforscht.
Auf diesem Teil der Karte sind die Falklandinseln in Bezug auf den
südlichen Teil der südamerikanischen Küste in den korrekten geografischen
Breiten eingezeichnet, doch bei der Längenangabe liegt ein Fehler von etwa 5
Grad vor. Die Falklandinseln sollen 1592 von John Davis entdeckt worden
sein, also fast 80 Jahre nach der Anfertigung der Piri-Reis-Karte (68,
S. 869)5 .
Südlich von Kap Hoorn beziehungsweise Kap San Diego scheint die Küste
auf der Piri-Reis-Karte zunächst ohne Auslassung weitergeführt zu sein, doch
wir haben einen weiteren Bruch, das heißt eine weitere Auslassung, entdeckt.

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9. Die Antarktis

Wie im Fall der Auslassung an der südamerikanischen Ostküste


identifizierten wir zunächst geografische Punkte in der Nähe von Kap Hoorn
(insbesondere Kap San Diego), dann sprangen wir zum nächsten, östlich
gelegenen Punkt. Wir gingen von der Arbeitshypothese aus, dass es sich um
Palmerland beziehungsweise die Antarktische Halbinsel handeln müsse, wie
Mallery behauptete, was voraussetzte, dass der Kartograf die Meerenge
zwischen Kap Hoorn und der Antarktischen Halbinsel ausgelassen hatte.
Diese Mutmaßung schien durch die Identifikation der Shetlandinseln gestützt
zu werden. Diese Inseln liegen nicht weit von der Antarktisküste entfernt. Die
Auslassung des dazwischen liegenden Seegebiets (der Drakestraße) würde
die Südlichen Shetlandinseln automatisch um die Breite der Meerenge, die
etwa 9 Grad beträgt, zu weit nach Norden rücken. Vergleicht man auf einem
Globus die Lage der Falkland- und der Südlichen Shetlandinseln mit den von
uns entsprechend identifizierten Punkten auf der Piri-Reis-Karte, erkennt
man, dass die Küste der Antarktis nach Norden verschoben erscheint, weil
die Drakestraße ausgelassen wurde.
Interessanterweise ist derselbe Fehler auf allen Karten der Renaissance zu
finden, auf der die Antarktis dargestellt ist. Wenn wir im folgenden Kapitel
zur Untersuchung der Karte des Oronce Finé (auch unter dem latinisierten
Namen Oronteus Finaeus bekannt) kommen, werden wir auf die
wahrscheinliche Ursache für diesen Fehler stoßen.
Die weitreichenden Konsequenzen von Captain Mallerys These, auf der
Piri-Reis-Karte sei ein Teil der Antarktis dargestellt, machen angesichts der
Tatsache, dass dieser Kontinent mutmaßlich erst 1818 entdeckt wurde, eine
besonders gründliche Untersuchung unverzichtbar, denn schließlich ist dieser
Sachverhalt von großer Tragweite. Er wirft sowohl für die Geologie als auch
für die Geschichte entscheidende Fragen auf. Wir wollen mit einem kurzen
Überblick über den historischen Hintergrund beginnen.
Auf vielen Weltkarten des 16. Jahrhunderts ist der antarktische Kontinent
dargestellt.6 Wie wir sehen werden, glaubte Gerard Mercator an dessen

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Existenz. Ein Vergleich aller Versionen legt den Schluss nahe, dass es ein
oder zwei ursprüngliche Kartenversionen mit unterschiedlichen Projektionen
gab, die wieder und wieder kopiert und nach den Vorstellungen der
jeweiligen Kartografen ergänzt wurden.
Der Glaube an die Existenz dieses Kontinents hielt sich bis in die Zeit von
Captain Cook, dessen Reisen in die Südsee nachwiesen, dass es keinen
Südkontinent gab, jedenfalls nicht in den auf diesen Karten angegebenen
geografischen Breiten (112). Daraufhin wurde die Vorstellung eines
antarktischen Kontinents mit der Erklärung aufgegeben, dass die
entsprechenden Karten das Werk von Geografen gewesen seien, die
annahmen, es müsse zum Ausgleich der Konzentration der Landmassen auf
der Nordhalbkugel am Südpol ebenfalls eine Landmasse geben. Dies schien
die einzig vernünftige Rechtfertigung dafür zu sein, denn erstens gab es
offenkundig keinen solchen Kontinent, und zweitens bestand kein Grund zur
Annahme, dass in früheren Zeiten Völker der Antike (die Römer, Griechen
oder Phönizier) diese entlegenen Regionen erforscht haben könnten.
Als wir mit unserer Untersuchung des südlichen Abschnitts der Piri-Reis-
Karte begannen, bestand unser erster Schritt darin, sie nicht mit einer flachen
Karte der Antarktis, sondern mit einem Globus zu vergleichen.7 Die nach der
Fotografie eines Globus gezeichnete Karte in Abbildung 45 zeigt eine
verblüffende Ähnlichkeit der Küste des Königin-Maud-Lands mit der
Küstenlinie auf der Piri-Reis-Karte. Hier sei ausdrücklich darauf
hingewiesen, dass die Küste des Königin-Maud-Lands auf dem modernen
Globus südlich der Küste des afrikanischen Guinea verläuft, genau wie die
Küstenlinie, auf die sich Mallery mit Blick auf die Piri-Reis-Karte bezog.8

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Abb. 45. Relative geografische Länge der Küste Guineas und der Küste des Königin-Maud-Lands in
der Antarktis zum Vergleich mit der Piri-Reis-Karte

Das war ein ermutigender Start für unsere gründliche Untersuchung.


Zunächst fragten wir uns, wie sich der betreffende Küstenabschnitt auf der
Piri-Reis-Karte hinsichtlich seiner Ausdehnung, Beschaffenheit und Position
zu den Küsten des Königin-Maud-Lands verhält. (Diese Küsten heißen
Prinzessin-Martha-Küste und Prinzessin-Astrid-Küste.) Mithilfe der
fortschreitenden Entwicklung des mathematischen Koordinatennetzes
konnten wir zumindest zwei dieser Fragen beantworten.
Zunächst einmal fanden wir heraus, dass sich die Küste auf der Piri-Reis-
Karte nach unserem Netz über 27 Längengrade erstreckt, auf einer modernen
Karte über 24 Längengrade – und das ist eine sehr bemerkenswerte
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Übereinstimmung. In den Breiten dieser Küste (bei etwa 70° Süd) beträgt ein
Längengrad lediglich etwa 30 Kilometer, sodass der Fehler nicht wirklich ins
Gewicht fällt. Außerdem zeigt das Netz, dass die Küste in der geografischen
Breite gut platziert ist. Sie liegt lediglich etwa 10° beziehungsweise 300
Kilometer zu weit westlich.
Hinsichtlich der Breitenangabe müssen wir die oben erwähnten
Auslassungen berücksichtigen – nämlich einen Teil der südamerikanischen
Küste und die Drakestraße. Diese Auslassungen betragen insgesamt etwa 25°
südlicher Breite. Wenn diese 25° den Breitenangaben hinzugerechnet
werden, die auf dem Netz für die Küste des Königin-Maud-Lands angegeben
sind, dann ergibt sich die korrekte geografische Breite (siehe Abb. 18).
Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass die Auslassungen der
südamerikanischen Küstenlinie zu einem Verlust von etwa 16° westlicher
Länge führten. Die Auslassung der Drakestraße resultierte, wie wir
festgestellt haben, in weiteren 4°, sodass sich ein Gesamtverlust von 20°
ergibt. Zusammen mit der westlichen Abweichung der Küste des Königin-
Maud-Lands von 10° führt dies zu einer Lücke von etwa 30° zwischen der
Küste und der Antarktischen Halbinsel. Dies scheint die Tatsache zu erklären,
dass das Weddell-Meer, wie wir es auf der Karte identifiziert haben, sich nur
über 10 Längengrade erstreckt anstatt über die tatsächlichen 40°.
Man könnte einwenden, dass dieses Ergebnis künstlich sei und dass wir die
Beweise absichtlich zurechtgebogen hätten, um unsere Schlussfolgerung zu
untermauern, aber das ist nicht der Fall. Meine Studenten Lee Spencer und
Ruth Baraw hatten die Auslassung von nahezu 1500 Kilometern der
südamerikanischen Küstenlinie herausgefunden, ohne an die Antarktis zu
denken. Sie waren gar nicht daran interessiert gewesen, welche Auswirkung
ihre Entdeckung für die Frage der Küste von Königin-Maud-Land haben
würde; diesen Zusammenhang haben wir erst viel später erkannt, als das
Gradnetz konstruiert wurde. Dasselbe gilt für die Auslassung der
Drakestraße, die auf der Karte leicht auszumachen ist, denn die Meerenge
fehlt einfach. Im Fall dieser beiden Auslassungen konnten wir die davon
betroffenen geografischen Längen und Breiten annähernd bestimmen.

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Abb. 46. Querschnitte durch die grönländische und antarktische Eiskappe im Königin-Maud-Land mit
Angaben zur Dicke der Eisschicht. (Aus The Geographical Journal, Juni 1954)

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Abb. 47. Route der norwegisch-britisch-schwedischen Expedition durch das Königin-Maud-Land,
1949

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Abb. 48. Das Profil der Eiskappe von Königin-Maud-Land (nach Schytt). An den Punkten A, B, C und
D liegt das Land unter dem Meeresspiegel. Man vergleiche damit die Inseln und Buchten auf dem
antarktischen Teil der Piri-Reis-Karte (siehe Abb. 18).

Darüber hinaus gibt ein Vergleich der Charakteristika der Küste des Königin-
Maud-Lands, wie sie auf der antiken und der modernen Karte dargestellt
sind, Aufschluss. Aus der modernen Karte geht hervor, dass diese Küste stark
zerklüftet ist. Zahlreiche Bergketten und einzelne Gipfel ragen aus der
heutigen Eiskappe heraus. Die Piri-Reis-Karte (Frontispiz) zeigt eine ganz
ähnliche Küste, allerdings vollkommen eisfrei. Die vielen Berge sind klar
verzeichnet, und entsprechend der kartografischen Gepflogenheit im 16.
Jahrhundert weist die dunkle Tönung einiger Inseln auf bergreiches Gelände
hin.
Um weiter ins Detail zu gehen: Mallerys Hauptargument bezog sich auf
die verblüffende Übereinstimmung der Karte mit dem seismischen
Querschnitt des Königin-Maud-Lands (siehe Abb. 46, 47, 48 und Exkurs
unten). Der Leser wird selbst erkennen, dass der Querschnitt ein zerklüftetes
Terrain zeigt, eine Küstenlinie mit Bergen im Hinterland und vorgelagerten,
hoch aufragenden Inseln. Die unterseeischen Punkte des Querschnitts
stimmen mit den Buchten zwischen den Inseln auf der Piri-Reis-Karte
überein. Dies ist eine weitere Bestätigung unserer These, und die
Identifizierung spezieller Punkte an der Küste (wie in Tabelle 1 dargestellt)
scheint sie weiter zu untermauern.
Würde es nur die Piri-Reis-Karte geben, könnte sie vielleicht nicht
überzeugen. Aber sie steht nicht allein da, sondern wir werden gleich sehen,
dass das Zeugnis dieser Karte hinsichtlich der Antarktis von mehreren
anderen Karten bestätigt wird.

Exkurs

Die Route der norwegisch-britisch-schwedischen Expedition


durch Königin-Maud-Land von 1949
Die mit Tiefenecholoten zur Durchdringung der Eiskappe ausgerüstete Expedition startete in
Maudheim an der Eisschelfküste (unmittelbar nordöstlich von Kap Norvegia), das bei 71° südlicher
Breite und 11° westlicher Länge liegt. Die Expeditionsteilnehmer überquerten das Schelfeis in ost-

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südöstlicher Richtung und erreichten die 500-Meter-Höhenlinie der Kontinentaleiskappe bei 71,5°
Süd und 7° West. Direkt östlich davon ragten Nunataks auf: in einer Entfernung von 4° und 5° die
Wittespitzen und die Steinkuppen, ein wenig weiter nordöstlich in einer Entfernung von 3° Länge
der Passat und der Boreas. Dabei handelt es sich um relativ geringe Erhebungen. An diesem Punkt
war die Expedition 150 Kilometer von Maudheim entfernt. Wie das Profil zeigte, lag die Oberfläche
des Kontinents über weitere 50 Kilometer hinweg unter dem Meeresspiegel. An einer Stelle (Punkt
A in Abb. 48) reichte das Eis bis zu 1000 Meter unter den Meeresspiegel.

Kurz bevor die Expeditionsteilnehmer die 1000-Meter-Höhenlinie erreichten, überquerten sie eine
subglaziale »Insel«, die sich ein paar hundert Meter über den Meeresspiegel erhob. Diese Insel lag
bei 6° W, 71° 40’ S und hatte einen Durchmesser von etwa 30 Kilometern. Dahinter lag die
Oberfläche bis zur 1000-Meter-Höhenlinie wieder für etwa vierzig Kilometer unter dem
Meeresspiegel (Punkt B in Abb. 48).

Unmittelbar nach der 1000-Meter-Höhenlinie stieg die unter dem Eis gelegene Oberfläche steil über
den Meeresspiegel an und erreichte unter der Eisschicht eine Höhe von etwa 750 Metern. Jetzt war
die Expedition (als die Oberfläche über den Meeresspiegel anstieg) etwa 225 Kilometer von
Maudheim entfernt. Bei 280 Kilometern Entfernung von Maudheim fiel die Oberfläche wieder unter
den Meeresspiegel ab (Punkt C in Abb. 48). Der subglaziale Berg beziehungsweise die Bergkette
lag bei 72° südlicher Breite und 5–6° westlicher Länge und erstreckte sich etwa 55 Kilometer von
Nordwest nach Südost. Eine relativ geringe Veränderung des Meeresspiegels (von etwa 200
Metern) aufgrund des Absinkens der Landmasse oder des Anstiegs des Meeresspiegels hätte diese
Landmasse in zwei Inseln zerteilen können.

Etwa 120 Kilometer weiter begann die Expedition eine höhere, jedoch immer noch unter dem Eis
liegende Bergkette zu überqueren. An einer Stelle, an der ein Berggipfel gerade die Oberfläche der
Eiskappe erreichte, wurde in einer Höhe von noch immer etwa 1000 Metern ein vorgeschobenes
Basislager errichtet. Dieses befand sich bei 72,3° südlicher Breite und 3,5° westlicher Länge. Etwa
30 Kilometer weiter wurde die Regulakette erreicht, deren Gipfel bis zu 3000 Meter hoch sind. Die
unter dem Meeresspiegel befindlichen Berge waren mit Sicherheit ein Teil der eisbedeckten
Regulakette. Noch dreimal sank die Erdoberfläche danach unter den Meeresspiegel ab, was auf
subglaziale »Inseln« schließen ließ. Selbstverständlich bewegte sich die Gruppe auf der Eiskappe
fort und bestieg nicht die Berge, die sich auf ihrem weiteren Weg im Osten und Westen aus der
Eisschicht erhoben. Doch an einer Stelle waren die Expeditionsteilnehmer gezwungen, einen
Umweg nach Westen zu machen, um einen hohen Berg, die Shubert-Spitze (2710 m), zu umgehen.
Sie kamen am Mount Ropke (2280 m) vorbei, der sich westlich von ihnen erhob, und passierten die
ebenfalls im Westen in etwa 30 Kilometern Entfernung gelegene Speiss-Spitze (2420 m). Danach
erreichten sie die Pencksenke, wo die Erdoberfläche wieder unter den Meeresspiegel abfiel, und
dann die Neumayerstufe in einer Höhe von 2500 Metern, die den Anfang des Binnenplateaus bildet.
Damit hatten sie das Neuschwabenland durchquert. Ihre Route endete bei 74,3° Süd und 0,5° Ost,
an einem Punkt, an dem die Eiskappe eine Höhe von 2700 Metern über dem Meeresspiegel erreicht.

Wenn der südliche Teil der Piri-Reis-Karte diese Küste zeigt, dann stellt sie ein Gebiet dar, das sich
über eine beträchtliche Entfernung in beide Richtungen von dieser Linie erstreckt. Sie zeigt, dass
das Meer bis zum Fuß der Neumayerstufe reichte, und die verschiedenen Berge sind als Inseln
dargestellt. Gegen Osten sind eine Reihe von Gebirgsketten eingezeichnet, während eine Halbinsel
im Westen das heutige Kap Norvegia beziehungsweise Maudheim sein könnte (Punkt A in Abb.
48). Falls die Bergketten im Landesinneren das Muhlig-Hofmann-Gebirge und das Wohlthatmassiv

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sind, dann zeigt die Piri-Reis-Karte die Antarktisküste von etwa 10° westlicher bis 15° östlicher
Länge.

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Kapitel IV
Die Antarktiskarten von Oronce Finé, Hadji Ahmed und Mercator

1. Oronce Finé

Bei unseren Nachforschungen zur Piri-Reis-Karte suchten wir


selbstverständlich nach weiteren Portolankarten aus dem Mittelalter und der
Renaissance, auf denen die Antarktis abgebildet sein könnte. Tatsächlich
wurden wir fündig, da, wie bereits erwähnt, die Kartografen des 15. und 16.
Jahrhunderts an die Existenz eines Südkontinents glaubten.
Im Laufe dieser Nachforschungen richtete ich es so ein, dass ich während
der Weihnachtsferien 1959/1960 eine gewisse Zeit in der Kongressbibliothek
verbringen konnte. Einige Wochen zuvor schrieb ich an den Leiter der
dortigen Kartenabteilung und fragte an, ob alle alten Karten aus der
fraglichen Zeit aus den Magazinen geholt und für meine Untersuchung
bereitgehalten werden könnten, insbesondere diejenigen, auf denen die
Antarktis dargestellt ist. Dr. Arch C. Gerlach, Richard W. Stephenson, sein
Assistent, und andere Mitarbeiter der Kartenabteilung waren äußerst
kooperativ, und ich stellte bei meiner Ankunft mit einer gewissen Bestürzung
fest, dass sie im Schauraum mehrere hundert Karten ausgebreitet hatten.
Langsam arbeitete ich mich durch das gewaltige Kartenmaterial durch. Ich
betrat die Bibliothek gleich nach ihrer Öffnung am Vormittag und blieb bis
zu ihrer Schließung am Abend. Dabei entdeckte ich viele faszinierende und
unerwartete Aspekte sowie eine Reihe von Portolankarten, auf denen der
Südkontinent abgebildet ist. Eines Tages fiel mein Blick auf die südliche
Hemisphäre einer Weltkarte, die 1531 von Oronce Finé 1 gezeichnet worden
war – und ich war wie versteinert. Denn offensichtlich war ich hier
tatsächlich auf eine authentische Karte der Antarktis gestoßen, davon war ich
augenblicklich überzeugt.
Die Form des Kontinentes war in seinen Umrissen dem auf unserer
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modernen Karte verblüffend ähnlich (siehe Abb. 51 und 52). Die Position des
Südpols, beinahe in der Mitte des Kontinents, schien fast korrekt zu sein. Die
Gebirgsketten an den Küsten deuteten die zahlreichen Bergzüge an, die in
den vergangenen Jahrzehnten in der Antarktis entdeckt wurden. Darüber
hinaus war offensichtlich, dass es sich hier nicht um das schlampige Werk
eines einfallsreichen Kartografen handelte. Denn die Gebirgsketten waren
einzeln eingezeichnet, bei einigen handelte es sich definitiv um
Küstengebirge, bei anderen nicht, und von den meisten Bergen führten Flüsse
ins Meer, die einen sehr natürlichen Verlauf zu nehmen und einem
überzeugenden Entwässerungssystem zu entsprechen schienen. Dies legte
natürlich den Schluss nahe, dass die Küsten eisfrei gewesen sein mussten, als
die Originalkarte gezeichnet wurde. Im Landesinneren gab es dagegen
überhaupt keine Flüsse und Berge, was darauf schließen ließ, dass es von Eis
bedeckt gewesen sein könnte.
Zur Fortführung unserer Untersuchungen stellten wir einen Vergleich der
Proportionen der Antarktis auf dieser Karte mit denen auf modernen Karten
an. Ich maß zwei Traversen durch den Kontinent auf modernen Karten und
verglich ihr Verhältnis mit dem der gleichen Traversen auf der Karte des
Oronce Finé. Diese Traversen führten (a) von der Antarktischen Halbinsel
(Palmerland) auf 69° Süd und 60° West zur Sabrina-Küste von Wilkesland
auf 66° Süd und 60° Ost2 ; und (b) vom Rossmeer (dem Königin-Maud-
Gebirge) auf 85 bis 88° Süd und 180° Ost/West zum Muhlig-Hofmann-
Gebirge im Königin-Maud-Land auf 72° Süd und 0° Ost/West, jeweils in
Zentimetern gemessen. Auf der kleinen Karte von Oronce Finé maß ich die
Traversen in Millimetern (es kam ja nur auf das Verhältnis an) und gelangte
zu folgenden Ergebnissen:

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Abb. 49. Die Weltkarte von Oronce Finé (1531)

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Abb. 50. Ausschnitt aus der Weltkarte von Finé mit der Antarktis. Die Karte ist in die heute übliche
Nordorientierung gedreht; in der oberen Hälfte sind die Südspitzen von Südamerika und Afrika
erkennbar.

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Moderne Karte
Antarktische Halbinsel bis Sabrina-Küste 78,5 cm
Rossmeer bis Königin-Maud-Küste 38,0 cm

Karte von Oronce Finé


Antarktische Halbinsel bis Sabrina-Küste 129,0 mm
Rossmeer bis Königin-Maud-Küste 73,0 mm

Daraus ergibt sich:

beziehungsweise ein Verhältnis von 8:7.

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Übereinstimmung reiner Zufall ist.


Als wir diese Karte der Antarktis nach den von Oronce Finé
eingezeichneten Breitenkreisen untersuchten, stellten wir fest, dass er die
Antarktische Halbinsel um etwa 15° zu weit nach Norden verlängert hatte.
Zunächst dachten wir, er habe vielleicht den ganzen Kontinent einfach zu
weit nach Norden in Richtung Südamerika positioniert. Doch weitere
Untersuchungen ergaben, dass die Küsten seines antarktischen Kontinents
sich in alle Richtungen zu weit erstreckten und sogar bis in die Tropen
reichten! Das Problem lag offenbar im Maßstab. Weil der Kompilator eine
Karte mit zu großem Maßstab nutzte, war er gezwungen, die Antarktische
Halbinsel bis zum Kap Hoorn auszudehnen und die Drakestraße fast ganz
verschwinden zu lassen. Darüber hinaus muss der Fehler schon vor langer
Zeit gemacht worden sein, denn wir finden denselben Irrtum auf sämtlichen
Antarktiskarten der damaligen Zeit, auch auf der von Piri Reis.

Exkurs

Richard W. Strachan über die Projektion des Oronce Finé


19 Agassiz Street, Cambridge, Mass.
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29. September 1962

Professor Charles Hapgood


Keene Teachers College, Keene, New Hampshire

Lieber Charlie,
es war für mich sehr interessant, zum ersten Mal ein Bild der Karte des Oronce Finé von 1531 vor
Augen zu bekommen. Bei der Kartenprojektion handelt es sich, wie Nordenskiöld und danach auch
Captain Burroughs festgestellt haben, um eine cordiforme Projektion. Diese scheint eine leicht
modifizierte Form der einfachen Kegelprojektion zu sein; die Breitengrade sind konzentrische
Kreise, die, wie bei der Kegelprojektion, in gleichem Abstand um den Pol gezogen werden. Doch
bei Oronce Finé sind die Meridiane gekrümmt (mit Ausnahme des 90.), wohingegen sie bei der
einfachen Kegelprojektion Geraden sein müssten. Die Krümmung der Meridiane soll die
Flächenverzerrung der Projektion möglichst gering halten. Nordenskiöld hält die »homöothere«
Projektion für die Grundlage der cordiformen Projektion. Die cordiforme Projektion ist jedenfalls
mit hoher Wahrscheinlichkeit eine mathematische Konstruktion, die geometrische und
trigonometrische Berechnungen voraussetzt, um die Merkmale der Erdoberfläche (das heißt einer
Kugel) korrekt abzubilden.

Nun zur wichtigsten Frage, die natürlich lautet: Wie hat Oronce Finé seine Karte gezeichnet? Es ist
offenkundig, dass er auf eine ältere Quellenkarte zurückgegriffen hat. Das müssen wir voraussetzen.
Und wir müssen davon ausgehen, dass die Quellenkarte mit irgendeiner Art von Gradnetz versehen
war, das bei der Anfertigung der Karte gezeichnet worden sein muss, und es bestand keine
Veranlassung, dieses zu entfernen. Die einfachste Methode, eine Karte oder Figur von einem Netz
auf ein anderes zu übertragen, besteht in der Übertragung eines Punktes nach dem anderen. Das
heißt, ein Punkt, der auf der Quellenkarte auf einer bestimmten Breite und Länge liegt, muss auf
dem neuen Netz, ungeachtet der jeweiligen Beschaffenheit der Netze, auf dieselbe Breite und Länge
übertragen werden. Dieser Prozess setzt keinerlei mathematisches oder kartografisches Wissen
voraus, er ist kinderleicht. Mir scheint das eine logische Methode der Übertragung zu sein, und ich
würde sie selbst ebenfalls nutzen. Dafür ist keinerlei neues Wissen erforderlich, sondern es handelt
sich lediglich um ein Verfahren, Daten von einem Netz auf ein anderes zu übertragen, unabhängig
von der Beschaffenheit der Netze oder der Methode, mit deren Hilfe die geografischen Erkenntnisse
auf das ursprüngliche Netz gezeichnet wurden. Demnach hätte Oronce Finé den Südpol aus eigener
Kenntnis nicht annähernd so korrekt positionieren können, wie er es tatsächlich getan hat: Er
platzierte ihn einfach an derselben Stelle, an der er bereits auf der Quellenkarte eingezeichnet war.
Dafür brauchte er keinerlei mathematische Kenntnisse.
Hilft Dir das weiter?

Mit vielen Grüßen


(Dick) Richard W. Strachan

Exkurs

Nordenskiölds Kommentar zur ersten Weltkarte des Oronce


Finé
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Mehrere Jahre vor der Veröffentlichung der cordiformen Karte [von 1538] hatte Oronce Finé eine
andere Karte ebenfalls nach Werners zweiter Projektion konstruiert, diese aber so abgeändert, dass
die Weltkarte hier aus zwei Teilen besteht. Ein Teil zeigt die nördliche Hemisphäre mit dem
Nordpol als Zentrum der Breitenkreise, der andere die südliche Hemisphäre mit dem Südpol als
Zentrum. Ein Faksimile dieser Karte findet sich auf Tafel XLI (unsere Abb. 49). Sie ist auf das Jahr
1531 datiert, erschien aber erst im Novus Orbis Regionem ac Insularum veteribus incognitarum in
Paris 1532. Sie wurde später von demselben Druckstock nachgedruckt, allerdings mit einem neuen
Titel, in dem der Name Oronce Finé fehlt, und zwar einmal für die Ausgabe der Geografie von
Heinrich Glarean, gedruckt im Breisgau 1536, und dann für eine Ausgabe im Jahr 1540 von
Pomponius Mela, Parisiis apud Christianum Wechelum.
Der Karte des Oronce Finé wurde schließlich die Ehre zuteil, von Gerard Mercator als eine der
ersten Karten, wenn auch mit einigen Änderungen, kopiert zu werden; ein Faksimile findet sich auf
Tafel XLIII … (147).

Exkurs

Ein möglicher Zusammenhang zwischen der Karte des


Oronce Finé und der Hadji Ahmed-Karte von 1559
Nordenskiöld äußert die Meinung, die Karte des Oronce Finé von 1538 könnte als Vorlage für die
Hadji Ahmed-Karte von 1559 gedient haben:
»Offensichtlich diente die Originalkarte des Finaeus auch als Vorlage für die große türkische
Cordiformkarte des Hhaggy Ahhmed aus Tunis, der sie in Venedig drucken ließ und auf das
mohammedanische Jahr 967 datierte, was unserem Jahr 1559 entspricht. Die Druckstöcke für diese
Karte, die aus irgendeinem Grund, wahrscheinlich sogar vor Erscheinen des Drucks, konfisziert
worden waren, wurden 1795 in den Depots des venezianischen Rates der Zehn wiederentdeckt und
befinden sich heute in der Biblioteca Marciana. Diese Entdeckung scheint damals für einigen
Wirbel gesorgt zu haben. Ausgelöst durch einen Aufsatz von Abbé Simon Assimani, gab sie Anlass
zu einer ganzen Reihe von Veröffentlichungen und führte zur Entstehung verschiedener Legenden
rund um die Art und Weise, wie die alten Druckstöcke in den Besitz des venezianischen Rates
gelangt sein konnten.« (147, S. 89)
Ungeachtet der hier von Nordenskiöld geäußerten Meinung scheint mir ein gründlicher Vergleich
der beiden Karten zu dem Ergebnis zu führen, dass sie mehr Unterschiede als Übereinstimmungen
aufweisen.

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Abb. 51. Vier Karten der Antarktis:
a) eine moderne Karte
b) die Karte von Oronce Finé
c) die Oronce-Finé-Karte, in eine moderne Projektion umgewandelt
d) Schoner-Globus von 1523–1524

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Abb. 52. Die Küsten der Antarktis auf der Karte von Oronce Finé (rechts), verglichen mit denen auf
der modernen Karte (links)

Es ist durchaus möglich, dass dieser Fehler auf die Auslassung eines großen
Teils der südamerikanischen Küstenlinie schon auf der antiken Quellenkarte
zurückzuführen ist, die Piri Reis nutzte, und einen ganz einfachen Grund
hatte: Es war schlichtweg kein Platz mehr dafür vorhanden!
Als wir unsere Untersuchung fortsetzten, fanden wir nach und nach heraus,
dass das von Oronce Finé gezeichnete Netz aus Breiten- und Längenkreisen

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bei der Antarktis nicht mit ihrer Darstellung auf seiner Weltkarte
übereinstimmte. Offenkundig wurde ihm von seiner Quellenkarte eine
Projektion aufgezwungen, die ursprünglich mit einer ganz anderen Art von
Gradnetz gezeichnet worden war. Doch wie sollten wir herausfinden, welcher
Art dieses ursprüngliche Netz aus Parallelen und Meridianen gewesen war?
Der erste Schritt schien auf der Hand zu liegen. Er bestand einfach darin,
das von Oronce Finé gezeichnete Liniennetz zu entfernen. Wir fertigten also
eine Durchzeichnung an und ließen diese Linien weg, behielten aber
vorläufig die Position seines Südpols und seines Polarkreises bei. Weil er die
Lage des Pols in der Mitte des Kontinents unmöglich hatte selbst bestimmen
können, gingen wir davon aus, dass der Pol auf seiner Quellenkarte
eingezeichnet gewesen sein muss.
Auf den ersten Blick erschien die Lage des Pols, wie bereits erwähnt,
korrekt zu sein, doch als wir den Vergleich der alten Karte mit modernen
fortsetzten, erkannten wir, dass dem Kartografen bei der Lokalisierung des
Pols ein Fehler von wenigen Graden unterlaufen war. Eine offenbar
korrektere Position ergab sich, als wir den Kontinent in mehrere Richtungen
vermaßen und jene Position entdeckten, die alle Durchmesser in etwa im
selben Verhältnis wie auf den modernen Karten teilte. Dabei handelte es sich
natürlich um eine Erweiterung unserer oben erwähnten ersten Messung. Es
war lediglich ein empirisches Experiment, schien aber zu einem besseren
Ergebnis hinsichtlich der geografischen Breiten der identifizierbaren Orte zu
führen.
Dann konstruierten wir ein Netz mit dem korrigierten Pol als Mittelpunkt,
denn wir nahmen an, dass die Originalprojektion die abstandsgleiche
polständige Projektion gewesen sein könnte, die schon in der Antike bekannt
gewesen sein soll (siehe Abb. 25). Bei diesem System gehen die Meridiane
als gerade Linien vom Pol aus, die Breiten werden dagegen als Kreise
dargestellt. Um die Breiten bestimmen zu können, musste ich einen Kreis
finden, dessen Abstand zum Pol bekannt ist. Es war also naheliegend, den
Polarkreis, dessen Entfernung zum Pol etwa 23,5 Grad beträgt, durch einen
Vergleich der alten mit der neuen Karte zu lokalisieren. Zufällig ist die
Antarktis kreisförmig und liegt fast vollständig innerhalb des Polarkreises.
Daher war es relativ einfach, auf der alten Karte einen Kreis um den
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Kontinent zu ziehen, der in etwa die gleiche Entfernung zu den Küsten hatte
wie auf modernen Karten. Das war eines der Verfahren, mit dem wir die
Lage des Südpols neu bestimmten.
Weil der Polarkreis 23,5° vom Pol entfernt verläuft, war es nun möglich,
die Länge eines Grades zu bestimmen, indem wir die Entfernung zum Pol auf
unserer Durchzeichnung durch 23,5 teilten. Mithilfe der so bestimmten
Gradlänge konnten wir Kreise im Abstand von jeweils 10° ziehen und somit
den 70. und 80. Breitengrad einzeichnen. Damit hatten wir die für unser Netz
notwendigen Breitenkreise.
Bei den Längengraden waren wir hingegen mit einem anderen Problem
konfrontiert. Wir hatten zunächst nicht den Eindruck, dass der Kontinent im
Verhältnis zu den anderen Kontinenten korrekt ausgerichtet war. Doch um
auf dieser alten Karte korrekte Längenangaben für unsere Antarktisküste zu
erhalten, mussten wir sie natürlich nach den Meridianen der modernen Karte
ausrichten. Denn wenn wir es hier wirklich mit einer authentischen Karte der
Antarktis zu tun hatten, die mehrere Jahrtausende überlebt hatte, bestand
durchaus die Möglichkeit, dass irgendjemand den antarktischen Teil falsch in
eine Weltkarte eingefügt hatte. Unserer Meinung nach musste der Kontinent
um etwa 20° nach Osten gedreht werden, um im korrekten Verhältnis zu den
anderen Kontinenten zu liegen. Wir wählten empirisch eine Linie aus, die wie
ein naheliegender »Nullmeridian« aussah, und zogen dann die anderen
Meridiane im Abstand von 5°, um unser Koordinatennetz zu konstruieren.
An diesem Punkt machten wir eine weitere entscheidende Entdeckung. Ich
stellte nämlich fest, dass der Kreis, den wir als den 80. Breitengrad gezogen
hatten, fast genau der Größe des Kreises entsprach, den Oronce Finé auf
seiner Karte gezogen und mit dem Namen Circulus Antarcticus versehen
hatte. Während der Polarkreis aber im Meer vor der Küste der Antarktis
verläuft, lag der Polarkreis des Oronce Finé in der Mitte des Kontinents. Das
ließ vermuten, dass Oronce Finé oder einer seiner Vorgänger bei der
Interpretation einer alten Quellenkarte einen Kreis, der den 80. Breitenkreis
darstellen sollte, fälschlicherweise für den Polarkreis gehalten hatte. Dieser
Irrtum hatte die Größe der Antarktis etwa um das Vierfache erweitert.
Höchstwahrscheinlich geht dieser Fehler in die alexandrinische Zeit oder
noch weiter zurück, weil er auf allen Antarktiskarten der Renaissance zu
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finden ist.

Abb. 53. Die moderne Karte der Antarktis. Die Zahlen stimmen mit denen auf der Oronce-Finé-Karte
überein (siehe Tab. 2)

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Abb. 54. Die Oronce-Finé-Karte von 1531; Nachzeichnung mit Projektionslinien, die mithilfe
topografischer Punkte bestimmt wurden (siehe Tab. 2)

Das Außergewöhnliche an diesem Umstand ist, dass sich die Größe des
antarktischen Kontinents auf der Oronce-Finé-Karte als korrekt erweist, wenn
man den Maßstab nach neuesten Erkenntnissen korrigiert. Der Leser kann
dies nachprüfen, indem er die Verteilung der Landmassen innerhalb und
außerhalb des Polarkreises auf der alten Karte mit einer modernen Karte
vergleicht (siehe Abb. 53 und 54).
Vielleicht fragt sich Letzterer auch, wie es dazu kommen konnte, dass eine
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Karte, die schon in der Antike uralt war, Breitenkreise im Abstand von 10
Grad enthalten konnte, obwohl das Dezimalsystem und die Einteilung des
Kreises in 360 Grad vermeintlich erstmals auf Karten der Renaissance
Verwendung fand. Doch diese Frage wird im Zusammenhang mit einer
anderen Angelegenheit beantwortet werden. Einstweilen legt die
Mutmaßung, dass man in der Antike eine korrekte Vorstellung von der Größe
der Antarktis hatte, den Schluss nahe, dass man auch eine genaue Vorstellung
von der Größe der Erde hatte, ein Wissen, von dem auch die Piri-Reis-Karte
zeugt.
Sobald wir das Gradnetz, wie oben beschrieben, konstruiert hatten,
versuchten wir auf dieser Antarktiskarte durch Vergleiche mit modernen
Karten so viele geografische Punkte wie möglich zu identifizieren. Das
Ergebnis war nahezu elektrisierend, denn die Lokalisierungsfehler
geografischer Punkte, die wir zuvor auf dem Netz des Oronce Finé
ausgemacht hatten, wurden stark reduziert. Einige der vorsichtigen
Identifikationen, die wir auf der Grundlage seines Netzes vorgenommen
hatten, mussten aufgegeben werden, doch viele neue Punkte wurden
identifiziert, sodass auf unserer Liste die identifizierten geografischen Punkte
in der Antarktis von 16 auf 32 anstiegen. Für dieses Gradnetz gaben wir
unseren empirisch gewählten 80. Breitengrad auf und nutzten stattdessen
einfach den sogenannten Circulus Antarcticus von Oronce Finé. Wie wir
feststellten, verbesserten wir damit die Genauigkeit des Netzes. Mit anderen
Worten zeigte sich immer deutlicher, dass dieser Kreis ursprünglich eindeutig
der 80. Breitengrad gewesen sein muss und nur von irgendeinem früheren
Geografen falsch bezeichnet worden war.
Doch obwohl sich die Positionen vieler geografischer Punkte nun als
erstaunlich genau erwiesen, blieben noch immer zahlreiche Fehler. So
experimentierten wir weiter, indem wir den Kontinent um ein paar Grade in
die eine oder andere Richtung drehten und damit die Position des Pols
minimal veränderten. Doch zahlreiche Abweichungen blieben.
Letztlich hatte es den Anschein, als sei diese antike Karte der Antarktis
ebenso wie die Piri-Reis-Karte aus einer Reihe lokaler Karten verschiedener
Küstenstriche zusammengesetzt worden, aber eben nicht korrekt. Eine
Analyse der Tabellen ergab, dass die geografischen Längen in den
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verschiedenen Teilen der Karte in verschiedenen Richtungen voneinander
abwichen. Im Wilkesland wichen die Längenfehler zum Beispiel meist nach
Osten ab, im Bereich des Rossmeers und des Viktorialands hingegen nach
Westen. Ich hatte die Oronce-Finé-Karte auf Klarsichtfolie nachgezeichnet,
sodass wir sie auf eine moderne Karte legen und nach Wunsch verschieben
konnten. Dadurch erkannten wir, dass die Oronce-Finé-Karte sich
erstaunlicherweise mit einer modernen Karte deckte, wir mussten sie nur an
verschiedenen Stellen verschieben, damit die einzelnen Küstensegmente
zusammenpassten. Doch es schien unmöglich zu sein, dafür zu sorgen, dass
sich alle Küstenabschnitte gleichzeitig deckten (siehe Abb. 52). Damit war
klar, dass wir eine Kompilation lokaler, von Kartografen zusammengefügter
Karten in den Händen hielten, die mit den Gebieten nicht so vertraut waren
wie diejenigen, die die einzelnen Küstenabschnitte ursprünglich kartografiert
hatten.
Wie bereits erwähnt, gingen wir lange von der Annahme aus, dass die
ursprüngliche Projektion, mit der die Kompilation durchgeführt worden war,
mit geraden Linien als Meridianen gearbeitet hatte. Doch auf dieser
Grundlage erhielten wir zu keinem Zeitpunkt eine zufriedenstellende
Übereinstimmung in der Ausrichtung der Antarktis gegenüber den anderen
Kontinenten. Deshalb war ich schließlich gezwungen, die Möglichkeit in
Betracht zu ziehen, dass die Meridiane gekrümmt gewesen sein könnten wie
diejenigen, die tatsächlich auf der Oronce-Finé-Karte zu sehen sind. Und
diese Vermutung erwies sich als richtig. Mit einem auf dieser Grundlage
gezeichneten Gradnetz (siehe Abb. 53) stieg die Zahl der auf der Karte
identifizierten geografischen Punkte von 32 auf 50, und die durchschnittliche
Fehlerzahl wurde, wie in Tabelle 2 dargestellt, erneut reduziert.3
An diesem Punkt wollen wir innehalten und der offenkundig
schwerwiegenden Frage der Eiskappe genauer nachgehen, die inzwischen
den ganzen Kontinent bedeckt. Doch wollen wir uns hier nicht mit der
geologischen Frage befassen, ob es in der Geschichte der Menschheit eine
Wärmeperiode in der Antarktis gegeben hat oder nicht, sondern uns lediglich
mit dem beschäftigen, was auf der Karte zu sehen ist. Es hat den Anschein,
als würde die Karte eisfreie Gebiete zeigen, die sich an einigen
Küstenabschnitten beachtlich weit ins Landesinnere erstrecken. Zu diesen
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Küsten zählen die des Königin-Maud-Lands, des Enderbylands, des
Wilkeslands, des Viktorialands (der Ostküste des Rossmeers) und des Marie-
Byrd-Lands. An der Westküste des Rossmeers, in Ellsworthland und Edith-
Ronne-Land jedoch finden sich keine identifizierbaren geografischen Punkte.
Ein Vergleich der Oronce-Finé-Karte mit der Karte der subglazialen
Landoberflächen der Antarktis, die während des Internationalen
Geophysikalischen Jahres 1958 von Forschungsteams verschiedener
Nationen erstellt wurde, scheint einige Mängel der Oronce-Finé-Karte zu
erklären und lässt die Frage nach dem wahrscheinlichen Ausmaß der
Vereisung in der Entstehungszeit der ursprünglichen Karten in einem neuen
Licht erscheinen.
Auf Abbildung 55 werden die Landformen unter der heutigen Eiskappe
dargestellt, wie sie im Internationalen Geophysikalischen Jahr ermittelt
wurden. Bemerkenswert ist, dass es im Westen des Rossmeers im Gegensatz
zur Oberflächenerscheinung keine Küste gibt. Vom Rossmeer bis zum
Weddell-Meer verläuft die felsige Oberfläche des Kontinents unterhalb des
Meeresspiegels, und das gilt auch für den größten Teil von Ellsworthland.
Würde die Eisdecke schmelzen, wären alle diese Gebiete flache Meere, nicht
etwa Land.
Wenn die Westküsten des Rossmeers und die Küste von Ellsworthland gar
nicht existieren, lässt sich das Fehlen erkennbarer geografischer Merkmale in
diesen Abschnitten auf der Oronce-Finé-Karte natürlich erklären. Doch die
Eiskappe scheint zum Zeitpunkt der Entstehung der Originalkarten zumindest
in der Westantarktis bereits vorhanden gewesen zu sein, weil die
Binnengewässer, die das Rossmeer, das Weddell-Meer und die Amundsensee
miteinander verbinden, nicht abgebildet sind.

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Abb. 55. Karte der subglazialen Topografie der Antarktis, ermittelt durch seismische Untersuchungen
während des Internationalen Geophysikalischen Jahres

Von besonderem Interesse ist die Antarktische Halbinsel (Palmer-Archipel).


Wie bereits erwähnt, kann auf der Oronce-Finé-Karte nur die Basis dieser
Halbinsel identifiziert werden, denn der obere Teil fehlt. Doch die Ergebnisse
der Nachforschungen während des Internationalen Geophysikalischen Jahres
besagen, dass sich dort tatsächlich keine Halbinsel befindet: Würde die
Eiskappe schmelzen, ergäbe sich dort eine Insel. Selbst wenn zum Zeitpunkt,
als die Originalkarte dieses Abschnitts der Antarktis gezeichnet wurde, ein
großer Teil der Eisschicht bereits vorhanden war, hatte sie das flache
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Meeresgebiet zwischen dem Kontinent und dieser Insel allem Anschein nach
noch nicht bedeckt.
Man muss natürlich bedenken, dass zwischen der Erstellung der frühesten
und spätesten Originalkarten der verschiedenen Teile der Antarktis
möglicherweise Jahrtausende verstrichen sind. Deshalb können wir nicht
schlussfolgern, dass es eine Zeit gab, in der die östliche Antarktis zu einem
großen Teil von Eis bedeckt war, die westliche Antarktis dagegen nicht, denn
schließlich könnten die Karten der östlichen Antarktis Jahrtausende nach den
anderen angefertigt worden sein.
Eine weitere sehr außergewöhnliche Karte kann möglicherweise
Antworten auf diese Frage liefern. Der bereits erwähnte französische Geograf
Philippe Buache hinterließ eine Karte der Antarktis, die den Kontinent zu
einem Zeitpunkt zeigen könnte, als er noch überhaupt nicht von Eis bedeckt
war (siehe Abb. 56). Vergleicht man diese mit der im Internationalen
Geophysikalischen Jahr angefertigten Karte der Landmassen (Abb. 55), kann
man sich –von einem offenkundigen Fehler in der Ausrichtung des
Kontinents im Verhältnis zu anderen Landmassen abgesehen – gut vorstellen,
dass diese Karte die Wasserverbindungen zwischen dem Rossmeer, dem
Weddell-Meer und der Bellingshausen-See zeigt.
Als wir herausgefunden hatten, dass die Meridiane der Originalkarte
gekrümmt gewesen waren, im Grunde so, wie Oronce Finé sie konstruiert
hatte, war es nicht mehr notwendig, seine Karte der Antarktis nach Osten zu
drehen, um sie mit den anderen Kontinenten in Übereinstimmung zu bringen.
Denn jetzt war klar, dass seine Quellenkarte von Südamerika und der
Antarktis wahrscheinlich aus einer einzigen Karte bestand – die relativen
geografischen Längen waren korrekt.
Die östliche Hemisphäre der Oronce Finé-Karte von 1531 ist mit den
antarktischen und südamerikanischen Teilen nicht vergleichbar. Den
Mittelmeerraum hingegen muss er anhand unkorrekter Karten, beispielsweise
ptolemäischer, anstatt korrekter Portolankarten gezeichnet haben.4
Zu den bemerkenswertesten Besonderheiten der Oronce-Finé-Karte zählt
der Teil, den wir als Rossmeer identifiziert haben. Auf der modernen Karte
sind die Stellen markiert (gestrichelte Linie in Abb. 53), an denen große
Gletscher wie der Beardmore- und der Scott-Gletscher jährlich Millionen
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Tonnen Eis ins Meer befördern. Auf der Oronce-Finé-Karte (Abb. 50) lassen
sich fjordähnliche Mündungsgebiete erkennen, außerdem breite Buchten und
Flussmündungen sowie Hinweise auf Flüsse, deren Größe den heutigen
Gletschern entspricht. Und einige dieser Fjorde sind erstaunlich nahe an den
korrekten Positionen der Gletscher dran (siehe Tab. 2).
Die offenen Buchten und Flüsse sind ein Beweis dafür, dass das Rossmeer
und seine Küsten zu dem Zeitpunkt, als diese Quellenkarte entstand, nicht
von Eis bedeckt waren. Auch große Teile des Hinterlands müssen eisfrei
gewesen sein, um die Flüsse speisen zu können. Gegenwärtig sind alle diese
Küstenstriche ebenso wie das Hinterland mit einer kilometerdicken
Eisschicht bedeckt, während auf dem Rossmeer ein mehrere 100 Meter
dickes Eisschelf treibt.
Der Gedanke, dass im Rossmeer in einer so jungen Zeit, wie sie diese
Karte angibt, ein gemäßigtes Klima geherrscht haben könnte, ist für jeden
Geologen zunächst einmal unvorstellbar. Denn nach Meinung der Geologen
besteht die Eiskappe der Antarktis wahrscheinlich seit mehreren Millionen
Jahren, obwohl es – was wirklich seltsam ist – den Anschein hat, als wäre das
Klima der Antarktis in der langen Erdgeschichte mehrfach warm und
gelegentlich sogar tropisch gewesen (85, S. 58–61).5

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Abb. 56. Subglaziale Topografie der Antarktis nach einer Darstellung des französischen Geografen
Phillip Buache aus dem 18. Jahrhundert

Gegen diesen möglichen Einwand kann ich neben der Karte selbst nur einen
weiteren Beweis ins Feld führen, aber es handelt sich um einen sehr
stichhaltigen Beweis. Im Jahr 1949 wurden bei einer der von Richard Byrd
geleiteten Antarktisexpeditionen vom Grund des Rossmeers Sedimentproben
genommen. Dr. Jack Hough von der Universität von Illinois untersuchte drei
Bohrkerne, um mehr über die Klimageschichte der Antarktis in Erfahrung zu
bringen. Die Bohrkerne wurden nach Washington zur Carnegie Institution
gebracht, wo sie mithilfe einer neuen, vom Atomphysiker Dr. W. D. Urry6
entwickelten Datierungsmethode analysiert wurden.
Dieses Verfahren zur Altersbestimmung wird verkürzt Ionium-Methode
genannt. Dabei werden drei verschiedene radioaktive Elemente analysiert, die
im Meerwasser enthalten sind. Diese Elemente sind Uran, Ionium und

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Radium und in einem bestimmten Verhältnis zueinander in jedem Gewässer
zu finden. Sie zerfallen jedoch mit verschiedenen Halbwertzeiten. Das heißt,
dass die Menge dieser radioaktiven Elemente abnimmt, wenn das sie
enthaltende Meerwasser im Sediment am Meeresgrund eingeschlossen ist
und nicht mehr zirkulieren kann. Diese Abnahme erfolgt jedoch nicht im
gleichen Verhältnis. Daher kann man anhand der Veränderungen im
Verhältnis der drei Elemente zueinander das Alter der Sedimente bestimmen,
wenn diese gehoben und im Labor analysiert werden.
Die Beschaffenheit der Sedimente am Meeresgrund unterscheidet sich je
nach den zur Zeit ihrer Ablagerung herrschenden klimatischen Verhältnissen
beträchtlich. Sedimente, die von Flüssen ins Meer transportiert wurden, sind
sehr feinkörnig und umso feinkörniger, je weiter entfernt von der
Flussmündung sie sich abgelagert haben. Wurden sie dagegen vom Eis
abgetragen, von Gletschern befördert und von Eisbergen ins Meer verbracht,
sind sie sehr grobkörnig. Und führt ein Fluss nur zu bestimmten Jahreszeiten
Wasser, das heißt aufgrund der im Inland schmelzenden Gletscher nur im
Sommer, dann werden die Sedimente ähnlich den Jahresringen eines Baumes
in Schichten beziehungsweise »Warven« abgelagert.

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Abb. 57. Die Bohrkerne vom Grund des Rossmeers

In den vom Meeresboden im Rossmeer gewonnenen Bohrkernen wurden alle


diese Sedimentarten gefunden. Wie in der Darstellung (Abb. 57) zu sehen ist,
gab es in den Bohrkernen viele verschiedene Sedimentschichten. Am
überraschendsten war die Entdeckung, dass einige der Schichten aus gut
gemischten feinkörnigen Sedimenten bestanden, wie sie gewöhnlich von
Flüssen in gemäßigten Klimazonen, das heißt in eisfreiem Land, ins Meer
transportiert werden. Die Bohrkerne beweisen also, dass in den letzten
Millionen Jahren in der Antarktis mindestens drei Perioden mit gemäßigtem
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Klima geherrscht haben und die Küsten des Rossmeers eisfrei gewesen sein
müssen.7
Diese Entdeckung könnte darauf hinweisen, dass die Vereisungsgeschichte
der Antarktis in etwa ähnlich der von Nordamerika verlaufen sein könnte, wo
in den vergangenen Millionen Jahren drei oder mehr Eiszeiten stattfanden.
Dabei wollen wir daran erinnern, dass Geologen sich nicht nur kaum
vorstellen können, dass in der Antarktis in kurzen und relativ jungen
geologischen Intervallen ein gemäßigtes Klima geherrscht haben kann,
sondern genauso wenig erklären können, wie in Nordamerika in ähnlich
kurzen Intervallen und in ebenso junger Vergangenheit ein arktisches Klima
geherrscht haben kann. Für Geologen bleiben Eiszeiten ein ungelöstes Rätsel
(85, S. 35).

Exkurs

Jack Houghs Interpretation der Bohrkerne vom Grund des


Rossmeers
Bohrkern Nr. 5 enthält eiszeitliche Meeressedimente von der Gegenwart bis in die Zeit von vor
6000 Jahren. In der Zeit zwischen vor 6000 und 15 000 Jahren ist das Sediment feinkörnig, mit
Ausnahme eines Granulats von vor etwa 12 000 Jahren. Das legt den Schluss nahe, dass der
Kontinent in dieser Periode – von einem vereinzelten Eisberg vor 12 000 Jahren abgesehen – eisfrei
war. In der Zeit von vor 15 000 bis 29 500 Jahren folgen wieder eiszeitliche Sedimente; dann gibt es
erneut eine Zone feinkörniger Sedimente aus der Zeit von vor 30 000 bis 40 000 Jahren, was wieder
auf ein eisfreies Meer hindeutet. Zwischen 40 000 und 133 500 Jahren finden sich erneut
eiszeitliche Meeresablagerungen, die in zwei Zonen mit grober und zwei Zonen mit mittelfeiner
Körnung unterteilt sind.
Der Zeitraum von vor 133 000 bis 173 000 Jahren ist durch feinkörnige Ablagerungen
gekennzeichnet, von welchen etwa die Hälfte fein geschichtet ist. Bei vor 140 000, 147 000 und 156
000 Jahren finden sich einzelne Kieselsteine. Diese Zone wird als Beleg für einen Zeitraum
interpretiert, in dem das Meer – bis auf ein paar vereinzelte Eisberge, von denen die drei
Kieselsteine stammen dürften – eisfrei war. Das geschichtete Sediment könnte auf das
jahreszeitliche Abschmelzen der Gletscher auf dem antarktischen Kontinent zurückzuführen sein.
Eiszeitliche Meeressedimente finden sich wieder zwischen vor 173 000 und 350 000 Jahren,
allerdings gibt es hier Unterschiede in der Körnung. Geschichtete feinkörnige Sedimente aus der
Zeit von vor 350 000 bis 420 000 Jahren könnten wieder Hinweise auf die regelmäßigen
Ablagerungen durch Schmelzwasser aus der Antarktis ins eisfreie Meer sein. Der unterste Teil des
Bohrkerns enthält eiszeitliche Meeressedimente, und zwar aufgrund der Hochrechnung der Zeitskala
für den jüngeren Teil des Bohrkerns aus der Zeit von vor 420 000 bis 460 000 Jahren (96, S. 257–
259).

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Von entscheidender Bedeutung ist für uns das Datum, das Dr. Urry für das
Ende der letzten Wärmeperiode im Rossmeer ermittelte. Alle drei Bohrkerne
ergaben, dass die Wärmeperiode vor etwa 6000 Jahren endete, das heißt etwa
um 4000 v. Chr. Danach begannen sich eiszeitliche Sedimente am Grund des
Rossmeers abzulagern, und damit setzte die jüngste antarktische Eiszeit ein.
Die Bohrkerne lassen darauf schließen, dass davor eine lange Wärmeperiode
geherrscht haben muss.
Wichtig an der Oronce-Finé-Karte ist die Tatsache, dass alle darauf
abgebildeten Flüsse von küstennahen Bergketten aus ins Meer fließen, mit
Ausnahme jener nahe der Südspitze Südamerikas. Dass im Inneren des
Kontinents keine Flüsse dargestellt sind, legt den Schluss nahe, dass zur Zeit
der Entstehung der Quellenkarten das Innere des Kontinents aller
Wahrscheinlichkeit nach schon von Eis bedeckt war. Die Eiskappe muss ein
sich ausbreitender Kontinentalgletscher gewesen sein, der die Gipfel der
Bergketten noch nicht überwunden und die Küsten noch nicht erreicht hatte.
Außerdem hatte er die Flüsse auf der Meeresseite der Gebirgsketten noch
nicht zum Versiegen gebracht.
Diese Situation wollen wir mit Blick auf die Prinzessin-Martha-Küste, die
wir auf der Piri-Reis-Karte identifiziert haben, genauer betrachten:
Offensichtlich hat die Eiskappe die Berge noch nicht überwunden, die
parallel zur Küste verlaufen. Angenommen aber, die Eiskappe sei vom
Südpol her vorgedrungen – welches Gebiet würde sie dann wohl zuerst
erreicht haben, die Prinzessin-Martha-Küste oder das Rossmeer? Das
Rossmeer, und die Küsten dieses Meeres wären zweifelsohne deutlich früher
vereist gewesen als die Prinzessin-Martha-Küste, möglicherweise sogar
mehrere 1000 Jahre früher. Sollte dies der Fall gewesen sein, dann fanden die
Reisen zur Prinzessin-Martha-Küste, die sich möglicherweise in der Piri-
Reis-Karte widerspiegeln, erst um etwa 1000 v. Chr. statt. Das mag einen
Historiker erleichtern, der erklären soll, wie die Karte dieser Küste entstanden
sein mag, doch in Bezug auf das Rossmeer-Gebiet hilft ihm das nicht weiter,
weil es den Anschein hat, als wäre diese Region vor mindestens 6000 Jahren
kartografiert worden.
Die Karte von Oronce Finé basiert unserer Meinung nach also auf einer
authentischen antiken Quellenkarte der Antarktis, die aus lokalen Karten der
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Küsten zusammengesetzt wurde, welche ihrerseits gezeichnet wurden, bevor
die Küsten von der antarktischen Eisdecke überzogen waren. Die einzelnen
Karten der verschiedenen Küstenabschnitte sind ziemlich genau, wenn man
die Veränderungen berücksichtigt, die durch die Vereisung entstanden sein
könnten. Darüber hinaus lässt die Gesamtkompilation, die die Küsten mit
korrekten geografischen und relativen Breiten und Längen abbildet und den
Kontinent erstaunlich präzise positioniert, auf ein verblüffendes
geografisches Wissen über die Antarktis schließen, wie es in der Neuzeit erst
im 20. Jahrhundert erreicht wurde. Der kleine Fehler in der Positionierung
des Pols mag erst durch die Kompilation der Gesamtkarte entstanden sein.
Jedenfalls scheint diese Karte unseren Eindruck zu bestätigen, dass ein Teil
der Antarktisküste auf der Piri-Reis-Karte dargestellt ist. Unsere Suche nach
zusätzlichen Beweisen war offenkundig erfolgreich.

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2. Die bemerkenswerte Karte des Hadji Ahmed

Diese türkische Karte 8 von 1559 ist in gewisser Hinsicht eine der
bemerkenswertesten, die ich je gesehen habe (siehe Abb. 58). Es besteht ein
verblüffender Unterschied zwischen der Darstellung der östlichen und der
westlichen Hemisphäre. Die östliche Hemisphäre scheint auf Quellenkarten
zu basieren, die den Geografen damals zur Verfügung standen, insbesondere
der Karte des Ptolemäus, und wirkt für die damalige Zeit nicht
außergewöhnlich. Auch der Kartenabschnitt des Mittelmeerraums verweist
deutlich auf Ptolemäus statt auf eine der viel genaueren Portolankarten. Die
afrikanischen Küsten sind hinsichtlich der Genauigkeit allerdings nicht mit
den Küsten auf der Piri-Reis-Karte von 1513 oder auf anderen Karten zu
vergleichen, auf die wir noch zu sprechen kommen werden.

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Abb. 58. Die Weltkarte von Hadji Ahmed aus dem Jahr 1559

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Abb. 59. Moderne Karte der Beringstraße

Ganz anders sieht es im Westen aus, denn hier stand dem Kartografen
offenkundig eine der außergewöhnlichsten Quellenkarten zur Verfügung. Die
Umrisse Nord- und Südamerikas wirken erstaunlich modern, insbesondere
die Westküsten. Sie scheinen der Kartografie der damaligen Zeit um etwa
200 Jahren voraus gewesen zu sein. Außerdem müssen sie mithilfe einer
ausgeklügelten sphärischen Projektion gezeichnet worden sein. Der Umriss
der heutigen Vereinigten Staaten ist nahezu perfekt abgebildet.
Diese bemerkenswerte Genauigkeit der Pazifikküsten von Nord- und
Südamerika und das Problem, sich vorstellen zu können, wie sie Mitte des
16. Jahrhunderts haben gezeichnet werden können 9 , verleiht einem anderen
Detail der Karte zusätzliche Bedeutung, nämlich der Andeutung einer
Landbrücke zwischen Alaska und Sibirien, die dieser Darstellung nach sehr
breit gewesen sein muss, vielleicht sogar 1500 Kilometer (Abb. 59). Und in
der Tat bestand während der sogenannten Eiszeit eine solche Landbrücke.
Für den Fall, dass der Leser sich hier in einer Mischung aus Erstaunen und
Schrecken abwenden sollte, bin ich gezwungen, ihn daran zu erinnern, dass
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es sich hier nur um ein Glied in einer langen Beweiskette handelt. Wir haben
die Untersuchung der Piri-Reis-Karte von 1513 abgeschlossen und sind zu
dem Schluss gelangt, dass sie einen Teil der Antarktisküste zeigt, die
gezeichnet wurde, bevor sie von der heutigen Eiskappe bedeckt war. Wir
haben die Antarktiskarte des Oronce Finé aus dem Jahr 1531 analysiert und
sind zu noch viel weitreichenderen Schlussfolgerungen gelangt.
Selbstverständlich können wir nicht wissen, in welchem Zeitraum diese
bemerkenswerten Karten der Antarktis tatsächlich entstanden sind. Doch wir
haben Beweise dafür vorgelegt, dass das eisfreie beziehungsweise nur
schwach vergletscherte Zeitalter, das sehr lange angedauert haben muss, nicht
später als vor 6000 Jahren zu Ende gegangen sein kann. Diese Warmzeit in
der Antarktis könnte mit der letzten Eiszeit in Nordamerika
zusammengefallen sein. Sollte dies der Fall sein, folgt daraus, dass diese
Karte auf Karten basiert, die nicht älter zu sein brauchen als die bereits
besprochenen.
Eine vertiefende Untersuchung enthüllte weitere interessante Fakten, deren
Genauigkeit zu überprüfen uns das bei dieser Karte genutzte Netz erlaubte.
Bei dieser speziellen Projektion sind sämtliche Meridiane gekrümmt, bis auf
einen, den wir als Nullmeridian bezeichnen. Wie der Leser unschwer
erkennen kann, verläuft er auf dieser Karte vom Nord- zum Südpol und führt
unmittelbar an der Westküste Afrikas vorbei. Die anderen Meridiane sind
jeweils im Abstand von 10 Grad eingezeichnet, ebenso wie die Breitenkreise
von Pol zu Pol. Auf dieser Karte scheint der Nullmeridian etwa dem 20.
Längengrad West auf modernen Karten zu entsprechen. Um die geografische
Länge eines Ortes zu finden, beginnen wir bei dieser Linie als 20 Grad West
und gehen in Zehnerschritten weiter, wobei wir nach Westen hin die Längen
addieren, nach Osten subtrahieren. In Tabelle 3 habe ich eine Reihe von
Orten aufgelistet und ihre Positionen auf dieser Karte mit jenen auf modernen
Karten verglichen. Im ersten Teil der Tabelle 3 finden sich Orte, die recht
nahe am Nullmeridian liegen, im zweiten Teil Orte, die weit davon entfernt
sind. Man beachte, dass die Breiten- und Längenangaben für Orte, die sich
nahe am Nullmeridian befinden, erstaunlich korrekt sind, wobei die
Genauigkeit der angegebenen Längen besonders bemerkenswert ist. Doch
diese Genauigkeit nimmt mit der Entfernung zum Nullmeridian rasch ab.
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Diese mit der Entfernung zum Nullmeridian zunehmende Ungenauigkeit
weist auf einen Fehler in der Projektion hin, nicht notwendigerweise aber auf
Fehler in der Darstellung der Küsten, die zu weit entfernt zu liegen scheinen.
Es könnte sich also um einen weiteren Übertragungsfall einer Projektion auf
eine Karte handeln, die ursprünglich mithilfe einer ganz anderen Projektion
gezeichnet wurde.
Die offensichtlich übertrieben große Darstellung der Antarktis auf der
Karte von Hadji Ahmed kann selbstverständlich dem gleichen Fehler
zugeschrieben werden, den wir auf der Oronce-Finé-Karte festgestellt haben,
nämlich auf die Verwechslung des 80. Breitengrads mit dem Polarkreis.
Doch auch unter Berücksichtigung dieses Fehlers erscheint der Kontinent auf
dieser Karte zu groß zu sein, und seine Gestalt ist kaum zu erkennen.
Um die extreme Verzerrung auf der Karte zu verstehen, müssen wir die
Polarregionen auf jeder beliebigen Mercator-Karte betrachten. Es ist
schwierig, eine moderne Mercator-Karte zu finden, auf der die Antarktis
abgebildet ist, doch jeder, der einmal eine Mercator-Weltkarte gesehen hat,
muss bemerkt haben, dass die Projektion die nördlichen Polarregionen
vergrößert. Auf diesen Karten scheint Grönland beispielsweise fast die Größe
Südamerikas zu besitzen. Das ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass die
Meridiane bei dieser Projektion parallele Linien sind, die sich nie schneiden.
Dadurch werden die Pole auf der gesamten oberen und unteren Breite
auseinandergezogen und die Geografie entsprechend verzerrt.
Damit will ich sagen, dass einige der antiken Quellenkarten der Antarktis
möglicherweise mit einer Projektion gezeichnet worden waren, die der
Mercator-Projektion zumindest insofern ähnlich war, als die Meridiane als
parallele Geraden dargestellt wurden. Eine solche Projektion gab es bereits
bei den alten Griechen und wurde laut Ptolemäus zum Beispiel von Marinos
von Tyros verwendet (39, S. 69). Wenn antike Karten mit zwei
verschiedenen Projektionen überliefert wurden – einige mit einer
kreisförmigen Projektion, wie wir sie auf der Karte von Oronce Finé
gefunden haben, und einige mit einer Projektion mit parallelen Geraden wie
bei Marinos von Tyros oder Mercator –, dann wäre das Erscheinungsbild
dieser Karte leicht erklärlich.

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3. Mercators Antarktiskarten

Gerhard Kremer, genannt Mercator, ist der berühmteste Kartograf des 16.
Jahrhunderts.10 Bis heute neigt man sogar dazu, ihm den Beginn der
wissenschaftlichen Kartografie zuzuschreiben. Jedenfalls gab es keinen
Kartografen, der so großes Interesse an der Antike zeigte, so unermüdlich
nach antiken Karten suchte und so viel Respekt gegenüber dem Wissen der
Menschen im Altertum besaß wie Mercator.
Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Mercator die
Antarktiskarte von Oronce Finé wohl kaum in seinen Atlas aufgenommen
hätte, wenn er nicht an die Existenz dieses Kontinents geglaubt hätte.
Schließlich wollte er keine Science Fiction veröffentlichen. Ganz im
Gegenteil haben wir allen Grund zu der Annahme, dass er dessen Existenz
für gegeben ansah, denn er zeichnete selbst Karten der Antarktis. Eine dieser
Karten taucht auf Blatt 9 des Atlas von 1569 auf (siehe Abb. 60). Auf den
ersten Blick konnte ich keinen Zusammenhang zwischen dieser Mercator-
Karte und der Karte des Oronce Finé erkennen, und ich hatte keinen Grund
anzunehmen, dass es sich dabei um eine korrekte Karte der Antarktisküste
handeln könnte. Doch eine gründliche Untersuchung ergab, dass eine Reihe
geografischer Punkte eindeutig identifiziert werden können (siehe Abb. 61).
Dazu zählen: Kap Dart und Kap Herlacher im Marie-Byrd-Land, die
Amundsensee, die Insel Thurston im Ellsworthland, die Fletcher-Inseln in der
Bellingshausen-See, die Alexander-I.-Insel, die Antarktische Halbinsel
(Palmer-Insel), das Weddell-Meer, Kap Norvegia, die Regulakette im
Königin-Maud-Land (als Inseln), das Muhlig-Hofmann-Gebirge (als Inseln),
die Prinz-Harald-Küste, der Shirase-Gletscher (als Bucht) an der Prinz-
Harald-Küste, die Insel Padda in der Lützow-Holm-Bucht und die Prinz-Olaf-
Küste im Enderbyland. Einige dieser geografischen Punkte sind deutlicher
erkennbar als auf der Oronce-Finé-Karte, und es scheint allgemein klar zu
sein, dass Mercator auf andere Quellenkarten zurückgreifen konnte als
Oronce Finé.
Die Projektion auf Mercators Antarktiskarte ist die nach ihm benannte. Sie

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hat gerade Meridiane, die parallel von Pol zu Pol verlaufen, und diese
vergrößern die Polarregionen, wie bereits erwähnt, natürlich deutlich.
Zunächst dachte ich, Mercator könnte seine Antarktiskarte so gezeichnet
haben, dass sie sich seiner Projektion anpasste. In diesem Fall ließe sich die
übertriebene Größe ohne Rückgriff auf andere Überlegungen erklären. Um
dies zu testen, erstellte ich eine Durchzeichnung der Karte und zog parallele
Meridiane im Abstand von zehn Grad darauf, wobei ich Mercators
Längenangaben in die Längen östlich und westlich von Greenwich
umrechnete (siehe Abb. 61). Entsprechend der kartografischen
Gepflogenheiten seiner Zeit wählte Mercator als Ausgangspunkt für seine
Zählung von 360° einen Meridian westlich der afrikanischen Küste, der heute
in etwa auf 23° West liegt. Dies erkennt man auch auf seiner Weltkarte von
1538, die ebenfalls die Antarktis zeigt (Abb. 63 und 64).11
Um Mercators System mit unserem abzugleichen, mussten wir einen
gemeinsamen Ausgangspunkt finden. Ich wählte den Meridian von
Alexandria, weil ich erkannte, dass Mercators 60. Meridian12 durch
Alexandria verlief, der nach unserem System dem 30. Längengrad Ost
entspricht.
Demnach musste sein 30. Längengrad mit unserem Nullmeridian (dem
Greenwich-Meridian) zusammenfallen. Um seine Längenangaben
dementsprechend in unser System umzuwandeln, brauchten wir allem
Anschein nach lediglich nach Osten hin 30° abzuziehen. Sein Nullmeridian
entsprach seinem 360. Meridian und sollte dementsprechend das Gegenstück
zu unserem 30. Meridian westlicher Länge bilden. Doch wie wir gesehen
haben, ist das nicht der Fall. Sein Nullmeridian, beziehungsweise sein 360.
Meridian, liegt nach unserem System ziemlich genau bei 23° westlicher
Länge. Die Diskrepanz beträgt also 7°.

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Abb. 60. Die Mercator-Karte der Antarktis von 1569

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Abb. 61. Die Mercator-Karte: Nachzeichnung mit geraden Meridianen gemäß der Mercator-Projektion
(siehe Tab. 4)

Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erklären, dass die exakte Lokalisierung
des Nullmeridians des Mercator von der Genauigkeit seiner Positionierung
der geografischen Länge der Kapverden, der Kanaren und Azoren abhängt.
Sein Nullmeridian verläuft durch die östlichste Insel der Kapverden, führt um
1,5 ° an der westlichsten Insel der Kanaren vorbei und verläuft durch die
östlichste Azoreninsel, sodass bei ihm die westlichste Insel der Kapverden
und die östlichste der Azoren auf demselben Längengrad liegen. Doch in
Wahrheit befinden sie sich nicht auf demselben Meridian. Daher hielt ich es
für das Beste, als gemeinsamen Punkt einen festen Ort wie Alexandria zu
wählen, um sein System in unseres umrechnen zu können. Doch wie wir
gerade gesehen haben, funktioniert auch das nicht – es bleibt eine
Diskrepanz.
Woran liegt das? Dies führt uns zu einem ganz wichtigen Punkt. Mercator
gilt zu Recht als großartiger Kartograf. Doch wir vergessen allzu leicht, dass
er mit den Mitteln seiner Zeit arbeiten musste, und da er die tatsächliche
Länge des Erdumfangs nicht kannte, musste er diese erraten. Wir haben
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gesehen, dass wir, je nachdem, ob wir die Längengrade von Alexandria nach
seinem oder nach unserem System berechnen, nicht an demselben Punkt
herauskommen. Wir befinden uns 7° zu weit im Westen. Wenn wir mit der
Zählung dagegen bei unserem 23. Meridian beginnen und diesen in den
Nullmeridian von Mercator verwandeln, finden wir Alexandria am Ende bei
37°östlicher Länge, also 7° zu weit im Osten. Der tatsächliche
Längenunterschied zwischen 23° West und Alexandria beträgt 53°. Eine
einfache Rechnung zeigt, dass 7° genau 13 Prozent des Längenunterschieds
sind. Mercator ging also von einem Erdumfang aus, der 13 Prozent zu kurz
war.

Exkurs

Gerard Mercator
Gerard De Kremer (1512–1594), der den Namen Gerardus Mercatorius annahm und unter dem
Namen Gerhard Mercator bekannt ist, war der führende Kartograf des 16. Jahrhunderts und der
Begründer der wissenschaftlichen Kartografie. Diesen Titel verdankt er seiner Erfindung der
berühmten »Mercator-Projektion«, die noch heute auf den meisten Karten, insbesondere den
Seekarten, Verwendung findet.
Laut Asimov (16, S. 58–59) stand Mercator zunächst unter dem Einfluss von Ptolemäus. Doch
einige Zeit nachdem er 1534 in Leuven ein Zentrum für geografische Studien gegründet hatte,
scheint er sich von Ptolemäus’ Ideen gelöst zu haben. Ein Vergleich seiner Karten mit den
Portolankarten legt meiner Meinung nach den Schluss nahe, dass er sich von Ptolemäus
wahrscheinlich deshalb abwandte, weil er die Überlegenheit der Portolankarten erkannte. Nicht nur
aus seinen Karten von der Antarktis, sondern auch aus seinen Karten von Südamerika geht eindeutig
hervor, dass er auf antike Karten zurückgriff. Es hat den Anschein, als habe er sich bei seiner Karte
von Südamerika 1538 auf eine antike Karte gestützt, sich für seinen Atlas von 1569 jedoch auf die
Berichte der Entdecker verlassen.
Die Karten Mercators waren in ihrer künstlerischen Ausarbeitung einzigartig. Doch auch sie
belegen, wie wir gesehen haben, die falsche Einschätzung des Erdumfangs im 16. Jahrhundert.
Daher sind die Entfernungen auf seinen Karten weniger genau als auf den antiken Karten, die auf
einer vergleichsweise exakten Schätzung des Erdumfangs basierten. Auch wenn Mercator die
Grundlage für die neuzeitliche wissenschaftliche Kartografie legte, erreichte er also nicht das
technische Niveau der Antike.

Es wäre hochinteressant, seine Quellenkarten ausfindig zu machen. In dieser Hoffnung wechselte


mein Student Alfred Isroe vom Keene State College zur Universität von Amsterdam und verbrachte
von 1964 bis 1965 sehr viel Zeit mit der Suche nach diesen Karten. Doch trotz der hervorragenden
Unterstützung durch die niederländischen Behörden blieb die Suche erfolglos. Offensichtlich sind
Mercators Quellenkarten verschollen. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, dann wäre das ein
weiteres Beispiel für den sorglosen Umgang der Renaissance mit alten Manuskripten, die von rein

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praktischem und wissenschaftlichem Wert waren, denn die Humanisten konzentrierten sich auf die
Sammlung und Restauration der Manuskripte antiker klassischer Literatur, interessierten sich aber
kaum für die Naturwissenschaften. In der Zeit zwischen den religiösen Wirren der Reformation und
der Entstehung der aristokratischen Vorlieben für die Humanisten wurden, wie bereits erwähnt, die
Druckerpressen hauptsächlich für die Verbreitung nichtwissenschaftlicher Texte genutzt. Deshalb
war die Renaissance nicht nur ein Zeitalter der Wiederentdeckung der Antike, sondern auch eine
Zeit, in der ein großer Teil des wissenschaftlichen Vermächtnisses der Vergangenheit verloren ging.

Bei der Untersuchung der Mercator-Karte von 1569 bestand mein erster
Schritt darin, einen Bezugspunkt für die geografische Länge zu wählen. Ich
war der Meinung, unser Nullmeridian, der die Küste des Königin-Maud-
Lands zwischen der Regulakette und dem Muhlig-Hofmann-Gebirge
durchschneidet, würde sich als experimenteller Ausgangspunkt eignen. Ohne
den Unterschied in der Länge von 1° zu berücksichtigen, zog ich meine
Meridiane mit demselben Abstand wie Mercator, nummerierte sie jedoch
nach unserem modernen System. Die so ermittelten Fehler in den
Längenangaben verschiedener Punkte brachten mich zu der Überzeugung,
dass Mercator seine Quellenkarte nicht umgezeichnet, sondern einfach eine
mit einer ganz anderen Projektion erstellte Karte genommen und diese auf
seine Karte übertragen hat.
Nach meiner Vermutung muss es sich bei dieser ursprünglichen Projektion
um eine polständige mit geraden Meridianen gehandelt haben, denn in
diesem Fall mussten die Breitengrade als Kreise eingezeichnet sein. Wie der
Leser sehen kann (Abb. 61), liegen die Punkte zwar auf einem Halbkreis,
befinden sich aber in etwa auf der gleichen geografischen Breite,
durchschnittlich etwa 70° Süd, wie die nachfolgende Liste zeigt:
Kap Dart 73,5 S
Kap Herlacher 74,0 S
Amundsensee 72,0 S
Insel Thurston 72,0 S
Fletcher-Inseln 73,0 S
Alexander-I.-Insel 69–73 S
Bellingshausen-See 71,0 S
Antarktische Halbinsel (gestrichelt) 70,0 S
Weddell-Meer 72,0 S
Kap Norvegia 71,0 S
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Regulakette 72,0 S
Muhlig-Hofmann-Gebirge 71–73 S
Prinz-Harald-Küste 69–70 S
Shirase-Gletscher 70,0 S
Insel Padda 69,0 S
Caseybucht 67,5 S
Edward-VIII.-Bucht 67,0 S

Abb. 62. Die Mercator-Karte der Antarktis: Nachzeichnung mit überlagerter Polarprojektion (siehe
Tab. 4)

Daraus ergibt sich, dass die Breitengrade auf dieser Karte ursprünglich Kreise
waren, und tatsächlich konnte ich mit einem Zirkel einen Kreis ziehen, der
nahe an allen diesen Punkten vorbeiführte. Mithilfe einer Reihe von
Experimenten lokalisierten wir schließlich einen Punkt als Südpol, der eine
für die meisten Orte zufriedenstellende Breite von 70° Süd hatte. Es war ganz
einfach, mithilfe des Pols und des 70. Breitengrads die Länge eines
Breitengrads zu bestimmen und den 80., 75., 70. und 65. Breitengrad

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einzuzeichnen. Daraufhin konnten wir, wie in Tabelle 4 dargestellt, die
geografischen Breiten und Längen der verschiedenen Punkte überprüfen –
und fanden unser Netz weitgehend bestätigt.
Diese Ergebnisse weisen darauf hin, dass Mercator eine Karte der
Antarktis zur Verfügung hatte, auch wenn er nicht in der Lage war, die darauf
befindlichen Punkte in seine eigene Projektion zu übertragen. Die Fehler der
Längengrade sind weniger gravierend als sie erscheinen, da in den hohen
Breiten der Antarktis ein Längengrad sehr kurz ist.
Wie wir gesehen haben, hatte Mercator schon im Jahr 1538 eine Weltkarte
angefertigt, auf der auch die Antarktis dargestellt ist. Die Ähnlichkeit mit der
Karte des Oronce Finé ist offensichtlich, dennoch gibt es gravierende
Unterschiede. Wie Oronce Finé hat auch Mercator auf dem Kontinent einen
Polarkreis eingezeichnet, allerdings mit einer anderen Entfernung zum Pol.
Er scheint also den Maßstab geändert zu haben. Auf der Karte des Oronce
Finé schien der sogenannte Circulus Antarcticus eine falsche Auslegung des
80. Breitengrads auf der Quellenkarte zu sein, wie die geografische
Übereinstimmung mit dem nach dieser Annahme gezeichneten
Koordinatennetz belegt. Durch seine Verschiebung zerstörte Mercator den
ursprünglichen Maßstab. Daher ist es uns unmöglich, auf dieser Karte ein
Netz aus Breitengraden zu rekonstruieren, wie es uns auf der anderen Karte
gelungen ist. Doch die geografischen Längen sind bemerkenswert genau
(siehe Tab. 5).
Allem Anschein nach nutzte Mercator ständig antike Quellenkarten. Was
aus diesen Karten geworden ist, wissen wir zwar nicht, doch wir können –
zumindest in einigen Fällen – erkennen, wo er sich auf diese stützte und wo
er sich von zeitgenössischen Entdeckungen beeinflussen ließ.
Für die Darstellung der Antarktis kann er sich nur auf diese antiken
Quellen gestützt haben.13 Die hier genutzten Quellenkarten erhielt er
möglicherweise von Oronce Finé, der sie in der Bibliothek der Pariser
Akademie der Künste, heute Teil der Bibliothèque Nationale, entdeckt haben
könnte. Denkbar ist auch, dass er eigene Quellenkarten besaß. So stützte er
sich für Grönland auf die Zeno-Karte des Nordens und stellte die Gebirge
entsprechend der damaligen Gepflogenheiten dar, auf seiner Karte von
Südamerika (Abb. 41) hingegen finden sich eine Reihe interessanter neuer
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Punkte.
Hinsichtlich der nördlichen Küste muss er sich sowohl auf antike Karten
als auch zeitgenössische Entdeckungen gestützt haben. Den Amazonas hat er
im Verhältnis zum Äquator falsch abgebildet, genauso wie er auch auf der
Piri-Reis-Karte zu sehen ist, doch der Verlauf des Amazonas ist durch eine
Reihe schlangenförmiger Windungen stilisiert dargestellt. Die Insel Marajo,
die auf der mathematischen Projektion der Piri-Reis-Karte korrekt auf dem
Äquator liegt, wird hier mit der Insel Trinidad vor der Mündung des Orinoco
verwechselt, wodurch Trinidad viel zu groß dargestellt ist. Die südliche
Ostküste Südamerikas, vom Wendekreis des Steinbocks bis Kap Hoorn, ist
sehr ungenau gezeichnet, offenkundig nach Berichten der Entdecker,
während die Westküste völlig deformiert abgebildet ist.
Seltsamerweise hat Mercator die Westküste Südamerikas auf seiner Karte
von 1538, also 30 Jahre früher, wesentlich korrekter gezeichnet (Abb. 43).
Wie ist das zu erklären? Ich vermute, dass er sich bei seiner ersten Karte auf
die antiken Quellen stützte, während er sich bei seiner Karte von 1569 auf die
zeitgenössischen Entdecker verließ, die den Küstenverlauf jedoch nur erraten
konnten, weil sie es nicht verstanden, die geografischen Längen korrekt zu
bestimmen.

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Abb. 63. Mercators Weltkarte aus dem Jahr 1538

Abb. 64. Mercators Weltkarte von 1538, auf Greenwich-Länge umgezeichnet (siehe Tab. 5)
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Kapitel V
Die alten Karten von Ost und West

Wie bereits erwähnt, stellte Nordenskiöld in seinem Aufsatz über die


Portolankarten fest, diese seien zu genau, um aus dem Mittelalter stammen zu
können. Er fand Beweise dafür, dass sie wahrscheinlich schon in der Antike
neben den weniger guten Karten von Eratosthenes, Pomponius Mela und
Ptolemäus existierten, und wagte sogar die Vermutung, sie könnten zur Zeit
der Karthager entstanden sein. Wir wollen nun einige dieser Karten daraufhin
überprüfen, wie genau sie tatsächlich sind, und ob sie möglicherweise mit
einem weltweiten System hoch entwickelter Karten aus vorgriechischer Zeit
in Verbindung gebracht werden können.

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1. Die Portolankarte von Angelino Dulcert aus dem Jahr 1339

Der Dulcert-Portolan von 1339 ist eine frühe Version der


»Normalportolankarte« – jener sehr genauen Karte, die Anfang des 14.
Jahrhunderts scheinbar aus dem Nichts plötzlich in Europa auftauchte. Diese
Art von Karten wurde während des Mittelalters und der Renaissance nicht
weiterentwickelt, sondern einfach immer wieder kopiert (siehe Abb. 3).
In Abbildung 65 habe ich das Gradnetz dieser Karte konstruiert, wobei ich
von der Annahme ausging, dass es sich um ein quadratisches Netz handeln
müsse. Ich identifizierte eine Reihe geografischer Punkte auf der Karte und
bestimmte daraus, welche Längen und Breiten die Karte abdeckte. Dann
berechnete ich die Länge eines Grades, indem ich die Anzahl der
abgedeckten Längen- und Breitengrade der Karte durch die Kartenabstände
in Millimetern dividierte. Und tatsächlich zeigte sich, dass ein quadratisches
Netz vorlag.
Dieses Netz musste ich an irgendeinem festen Bezugspunkt ausrichten. Für
ein erstes Experiment wählte ich Kap Bon in Tunesien, einen Ort, der sich
einst in der Nähe des antiken Karthago befand – in der Vorstellung, dass
diese Karte in der Antike von Karthagern gezeichnet worden sein könnte, die
Karthago als Zentrum verwendet hatten. Ich konstruierte mein erstes Netz in
der Annahme, dass die vertikale Linie (beziehungsweise der Nullmeridian)
durch die Mitte der Portolanprojektion auf den geografischen Norden
ausgerichtet war (siehe Abb. 3). Die daraus erstellte Tabelle ergab Fehler, die
darauf hinwiesen, dass die Karte nicht genau auf den geografischen Norden
ausgerichtet war, sondern um etwa 6 Grad nach Osten abwich. Es hatte den
Anschein, als würden diese 6 Grad genau der Kompassdeklination zur
damaligen Zeit im Mittelmeerraum entsprechen. Ein auf dieser Grundlage
gezeichnetes Netz führte jedoch zu weiteren Fehlern, die auf Alexandria als
besseren möglichen Bezugspunkt für die Karte als Kap Bon hinzuweisen
schienen. Ein auf Alexandria basierendes Netz erwies sich als sehr
zufriedenstellend hinsichtlich der geografischen Breiten, führte bei den
geografischen Längen jedoch zu Abweichungen von etwa 2 Grad. Schließlich

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zeichnete ich noch ein letztes Netz, dessen geografische Breite auf dem
Breitenkreis von Alexandria und dessen geografische Länge auf dem
Meridian von Gibraltar basierte. Dieses Netz entpuppte sich als äußerst
überzeugend (siehe Tab. 6).
Als ich es auf die Portolankarte von Dulcert übertrug, kamen einige sehr
interessante Fakten ans Licht. Erstens scheint die Karte deutlich mehr
geografische Informationen zu enthalten, als man von den Seefahrern und
Kartografen des Mittelalters vernünftigerweise erwarten kann. Zunächst ist
darauf hinzuweisen, dass die Karte aus drei Teilen besteht: aus einer sehr
akkuraten Karte des Mittelmeerraums, der Region um das Schwarze Meer
und der Küsten Europas bis zu den Hebriden hinauf; aus einer sehr
ungenauen Karte des Baltikums; und aus einer sehr ungenauen Karte des
östlichen Raums einschließlich des Persischen Golfs und des Indischen
Ozeans. Es hatte den Anschein, als wären die ungenauen Teile der Karte
einfach an den Kern des Portolan angefügt worden, denn sie geben
offensichtlich den geografischen Wissensstand des Mittelalters wieder. Der
eigentliche Portolan ist dagegen ein beeindruckend wissenschaftliches Werk.
So geht aus der Tabelle beispielsweise hervor, dass die Breitenangaben aller
Orte, vielleicht mit Ausnahme der Region um das Schwarze Meer, zu korrekt
sind, um von Seefahrern des Mittelalters bestimmt worden zu sein. Die
bemerkenswerte Genauigkeit im Hinblick auf die Breitenangaben reicht von
der Nordspitze Irlands bis zur Sinai-Halbinsel und Assuan im Süden
Ägyptens.

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Abb. 65. Die Portolankarte von Dulcert mit einem nach geografischen Besonderheiten empirisch
konstruierten Gradnetz (siehe Tab. 6a)

Doch noch verblüffender ist die Genauigkeit der geografischen Längen . Auf
diesem Netz sind die Längenangaben des Mittelmeerraums und des
Schwarzen Meers bis auf 0,5 Grad korrekt angegeben, was eine hohe
wissenschaftliche Genauigkeit bei der Bestimmung des Verhältnisses
zwischen Breite und Länge darstellt. Das konnte dem Kartografen aber nur
gelingen, wenn ihm präzise Informationen über die relative geografische
Länge vieler Orte auf der gesamten Strecke von Galway in Irland bis zur
östlichen Biegung des Don in Russland vorlagen. Nordenskiöld hatte
offenbar absolut recht mit seiner Feststellung, kein Kartograf des Mittelalters
habe eine solche Karte zeichnen können, und nicht einmal Mercator im 16.
Jahrhundert sei dies gelungen.
Noch ein weiterer Punkt ist erwähnenswert. Wie war es ohne die Hilfe der
Trigonometrie möglich, eine so genaue Karte einer riesigen Region zu
zeichnen, wie sie auf dem Dulcert-Portolan dargestellt ist – immerhin haben
wir es hier mit mehr als 1500 Kilometer in Nordsüdrichtung und an die 5000
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Kilometer in Ostwestrichtung zu tun? Wir müssen bedenken, dass das
Problem des Kartografen darin bestand, Punkte auf der sphärischen
Erdoberfläche so auf eine ebene Fläche zu übertragen, dass die Entfernungen
und Landformen korrekt erhalten blieben. Dafür musste die Krümmung
mithilfe der Trigonometrie berechnet und auf eine Ebene übertragen
werden.1 Dass dies beim Dulcert-Portolan wahrscheinlich der Fall war,
werden wir weiter unten nachweisen.
Zusammenfassend können wir Folgendes feststellen: Weil der Dulcert-
Portolan im Wesentlichen Nordenskiölds »Normalportolankarte« entspricht,
haben wir hier Beweise vorliegen, dass alle Portolankarten von einer
gemeinsamen Quelle aus ferner Vergangenheit abstammen.

Exkurs

Richard W. Strachan über die Notwendigkeit, beim


Kartografieren großer Gebiete die Trigonometrie zu nutzen
Massachusetts Institute of Technology
Cambridge, Massachusetts,
18. April 1965

Mr. Charles Hapgood


Keene State College
Keene, N. H.

Lieber Charlie,
um Deine Frage bezüglich der Möglichkeit, sehr große Gebiete der Erdoberfläche ohne Nutzung der
Mathematik zu kartografieren, zu beantworten, kann ich nur meine Überzeugung zum Ausdruck
bringen, dass die Quellenkarte oder – karten, von der Deine antiken Karten abstammen, aus einem
oder mehreren der folgenden Gründe auf einer mathematischen Grundlage basieren müssen:

1) Die Bestimmung der Lokalisierung von Orten auf einem Kontinent im Verhältnis zueinander
erfordert zumindest Methoden der Triangulation. Über große Entfernungen (in der Größenordnung
von 1000 Meilen) müssen wegen der Erdkrümmung Korrekturen vorgenommen werden, die
Kenntnisse der sphärischen Trigonometrie voraussetzen.
2) Die Positionierung von Kontinenten im Verhältnis zueinander erfordert Kenntnisse der
Kugelgestalt der Erde und die Nutzung der sphärischen Trigonometrie.
3) Kulturen mit diesem Wissen sowie den nötigen Präzisionsinstrumenten, um die notwendigen
Messungen zur Lokalisationsbestimmung durchführen zu können, würden zur Erstellung von See-
und Landkarten mit Sicherheit ihre mathematische Technologie einsetzen. Die Anwendung des
Portolan-Koordinatensystems muss gewiss nachträglich erfolgt sein, denn es wäre für die
Konstruktion solcher Karten keineswegs nützlich.
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4) Deine Entdeckung, dass bei den Karten von Piri Reis, de Caveri und den chinesischen Karten
offenbar eine Art von Mercator-Projektion genutzt wurde, war für mich eine große Überraschung.2
Doch angesichts der Technik, die für die Anfertigung von so genauen Karten benötigt wird, wirkt
diese Entdeckung aufgrund der großen Nützlichkeit der Mercator-Projektion für die Navigation
weniger verblüffend. Diese ist natürlich komplexer als die einfache geometrische Projektion. Bei
dieser Projektion (die mit zunehmender Breite die Ausdehnung der Breitengrade berücksichtigt)
muss ein trigonometrisches Verfahren zur Koordinatenumrechnung verwendet worden sein.

Ich hoffe, damit Deine Frage beantwortet zu haben.

Viele Grüße
Dick [Strachan]

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2. Die Weltkarte von Nicolo de Caveri (auch de Canerio
genannt) aus dem Jahr 1502

Bevor die Piri-Reis-Karte in zwei Teile zerlegt wurde, umfasste sie auch den
gesamten afrikanischen Kontinent sowie Asien. In Anbetracht dessen und
aufgrund der Wahrscheinlichkeit, dass andere Kopien und Versionen der
Quellenkarte, die Piri Reis für Afrika nutzte (oder von Kompilatoren in
Alexandria verwendet wurden), die Zeiten überdauert haben könnten,
begannen wir nach einer Karte von Afrika zu suchen, die mit derselben
Projektion gezeichnet war. Und schließlich glaubten wir eine solche Karte
gefunden zu haben.
Schon beim ersten Blick auf Karte des Nicolo de Caveri von 1502 (siehe
Abb. 66) hatte ich das Gefühl, dass unsere Suche erfolgreich war. Der Teil
mit dem Süden Afrikas (vom Äquator nach Süden) wirkte erstaunlich
modern, und ich war ziemlich überzeugt, dass es sich hier um eine
authentische antike Karte handelte, die in der Renaissance auf die übliche
Weise verändert worden war.
Die Vielzahl der leicht identifizierbaren Punkte an den Küsten erleichterte
uns die Aufgabe, den Maßstab zu bestimmen und ein Gradnetz zu
konstruieren. Die Positionen der geografischen Punkte auf dem Netz deuteten
darauf hin, dass es dem Kartografen gelungen war, sowohl die geografischen
Breiten als auch die Längen erstaunlich korrekt zu bestimmen. Die Fehler der
Breitenangaben betrugen im Durchschnitt lediglich 1,6 Grad und die der
Längen nur 1,4 Grad. Wir hielten es für erstaunlich, dass die Längen noch
genauer getroffen waren als die Breiten.
Zunächst gelang es uns weder, die Karte direkt in die Piri-Reis-Projektion
einzufügen, noch konnten wir den mathematischen Aufbau enträtseln, der ihr
meiner Überzeugung nach zugrunde lag. Doch dann lieferte uns die
Entdeckung der magnetischen Ausrichtung des Dulcert-Portolans den
Schlüssel zur Lösung.
Im Zentrum des afrikanischen Kontinents befindet sich eine sehr große
Windrose, die offenbar den Mittelpunkt des Portolanentwurfs bildet. Da ich
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sie aber nicht auf irgendeinem wichtigen Breitenkreis oder Meridian
vermutete, hatte ich sie zunächst nicht mit der Projektion der Piri-Reis-Karte
in Verbindung bringen können, bis ich auf den Gedanken kam, dass diese
Karte ja auf den magnetischen Norden ausgerichtet sein könnte. Experimente
ergaben zwar, dass die Ausrichtung der Karte um etwa 11,25 Grad nach
Osten abwich, doch man brauchte die Karte, beziehungsweise ihr Zentrum,
lediglich nach Westen zu drehen, um sie auf den geografischen Norden
auszurichten. In Abbildung 67 ist zu sehen, wie wir das taten und wie das
Kartenzentrum durch diese Drehung auf dem Äquator – und auf dem
Meridian von Alexandria! – zu liegen kam.
Das war eine außergewöhnliche Entdeckung. Sie stellte so etwas wie einen
Beweis dafür dar, dass die ursprüngliche Karte aus Alexandria stammen
musste. Außerdem demonstrierte sie, dass die Originalkarte auf den
geografischen Norden ausgerichtet war und die magnetische Ausrichtung
wahrscheinlich von de Caveri oder einem anderen Geografen aus späterer
Zeit vorgenommen wurde. Warum dieser Geograf die Karte mehr als doppelt
so weit nach Osten drehte, als es der magnetischen Ausrichtung entsprach, ist
allerdings schwer zu erklären – denn das führte alle Kompasskurse in die Irre.
Derselbe Fehler ist übrigens auf zahlreichen anderen Portolankarten
festzustellen.
Nachdem nun der korrekte Mittelpunkt der Karte offenbar gefunden war,
hielt ich es für möglich, ihre mathematische Struktur zu entschlüsseln und ein
auf der Trigonometrie basierendes Netz zu konstruieren.
Und das war einfacher als erwartet. Eine Reihe unbedeutenderer
Projektionspunkte befinden sich in gleichen Abständen auf der Karte und
liegen offensichtlich auf dem Kreis der Portolanprojektion. Für die
Entschlüsselung der ihr zugrunde liegenden Trigonometrie mussten wir
lediglich die exakte Länge des Kreisradius finden. Dafür benötigten wir nur
die genaue geografische Länge und Breite eines dieser unbedeutenderen
Projektionspunkte. Zum Glück lag einer von ihnen unmittelbar vor Land’s
End, dem westlichsten Punkt Englands, den wir bei 50 Grad nördlicher Breite
und 5,5 Grad westlicher Länge lokalisieren konnten. Damit hatten wir die
zwei Koordinaten, die wir für eine trigonometrische Berechnung benötigten.

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Abb. 66. Weltkarte von Nicolo de Caveri (1502)

Aufgrund unserer Erfahrungen mit der Piri-Reis-Karte gingen wir zunächst


davon aus, dass hier die ebene Trigonometrie angewandt worden war, und
errechneten die Länge des Radius auf etwa 61,3 Grad. Diese Berechnung
lieferte uns die geografischen Breiten der beiden auf dem Kreis liegenden
Projektionspunkte am Schnittpunkt mit dem Nullmeridian, und damit
erhielten wir die Länge eines Breitengrades. Da wir das rechteckige Gradnetz

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der Piri-Reis-Karte zu diesem Zeitpunkt noch nicht entschlüsselt hatten,
vermuteten wir, dass die Länge der Breiten- und Längengrade gleich sein
müsste, und zeichneten für die Karte ein quadratisches Gradnetz. Daraus
ergaben sich einige erstaunliche Fakten.

Abb. 67. Die Weltkarte von de Caveri (1502) mit einem rechteckigen, mittels sphärischer
Trigonometrie erstellten Gradnetz. Siehe Tabelle 7

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Die größte Überraschung betraf das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Aus
einem Vergleich mit dem Dulcert-Portolan wurde nämlich offensichtlich,
dass die Karte von de Caveri auf einer »Normalportolankarte« basierte,
obwohl sie nicht sonderlich detailliert ausgearbeitet war, was angesichts der
Tatsache, dass sie ein viel größeres Gebiet abbildete, nur natürlich erschien.
Dieser Teil der Caveri-Karte stellte jedoch offenbar einen integralen
Bestandteil der Afrikakarte dar, war also nicht angefügt worden.
Anscheinend waren sie von Anfang an mit derselben trigonometrischen
Projektion gezeichnet worden. Dies soll im Folgenden nachgewiesen werden.
Nach unserem quadratischen Gradnetz zeigte eine Tabelle mit 37
geografischen Punkten eine erstaunliche Genauigkeit der Karte in Bezug auf
die geografischen Breiten und Längen. So stellten wir zum Beispiel fest, dass
die durchschnittliche Abweichung der Breite von elf Orten (Gibraltar, die
Nordküsten von Sardinien, Sizilien, Zypern, Kreta, Kap Bon, Bengasi,
Lesbos, Bosporus, Sewastopol und Batum) bei lediglich 0,5 Grad lag. Der
Längenabstand zwischen Gibraltar und Batum war korrekt und proportional
zum Breitenabstand, was den Schluss nahelegt, dass die ursprüngliche
Quellenkarte keinen nennenswerten Fehler hinsichtlich des Erdumfangs
aufwies. Die trigonometrische Entschlüsselung der Karte von de Caveri
schien darauf hinzudeuten, dass die Normalportolankarte und letztlich die
ganze Portolankarten-Gruppe auf der Grundlage der Trigonometrie erstellt
worden waren.3
Die anderen Teile der Karte von de Caveri sind nicht so akkurat gezeichnet
wie der Mittelmeerraum und die Region um das Schwarze Meer. Der östliche
Abschnitt (einschließlich Arabiens und des oberen Teils der afrikanischen
Küste am Indischen Ozean) ist offenbar von de Caveri selbst oder einem
anderen Kartografen an die genaue Quellenkarte angefügt worden. Er passt
nicht zum Gradnetz und scheint auf Ptolemäus zurückzugehen. Ein weiterer
Abschnitt hoch im Norden, der das Baltikum zeigt, scheint ebenfalls
ursprünglich eine separate Quellenkarte gewesen zu sein, die irgendwann
einmal – falsch – an den Hauptteil angefügt wurde.
Weitere Fehler tauchten auf dem trigonometrischen Hauptteil der Karte
auf. Geografische Punkte an der afrikanischen Westküste – vom Kap der
Guten Hoffnung bis zur Mündung des Niger – lagen im Durchschnitt um 4°
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zu weit im Süden. Andere Punkte – von Freetown bis Gibraltar – lagen
durchschnittlich um 3,6° zu weit nördlich. Der Breitenfehler – vom Kap der
Guten Hoffnung bis Gibraltar – beträgt insgesamt 5,5°, wodurch sich eine
Abweichung der Länge des Breitengrads von etwa 8 Prozent ergibt. Der
Breitenfehler nimmt nach Norden an den Küsten Europas bis nach Irland
weiter zu.
Zunächst vermutete ich, dies könnte auf einen Maßstabsfehler auf der
Quellenkarte zurückzuführen sein, doch ich konnte keine entsprechenden
Längenfehler ausmachen. Ein Maßstabsfehler müsste jedoch zu
proportionalen Abweichungen sowohl bei den Längen als auch den Breiten
führen. Entlang der afrikanischen und europäischen Küsten waren zwar
gravierendere Längenabweichungen festzustellen als im Mittelmeerraum,
doch diese ließen nicht auf einen Irrtum hinsichtlich der Länge eines
Längengrads schließen. Vom Kap der Guten Hoffnung bis zur Walfischbucht
an der Westküste betrug die Abweichung durchschnittlich 3,5° West, vom
Kongo bis zum Kap Three Points waren es 3,5° Ost, und vom Kap Palmas bis
Gibraltar waren die Längenfehler vernachlässigbar. An den europäischen
Küsten, vom Kap St. Vincent bis Londonderry in Irland, betrugen sie im
Durchschnitt 3,5° Ost. Hier gab es keinerlei Hinweise auf einen
Maßstabsfehler und – angesichts der Verteilung der Breitenfehler im
Mittelmeerraum – auch keine Anzeichen für einen Fehler in der Ausrichtung
des Kontinents. Allerdings änderten wir die Ausrichtung später und erhöhten
die Verschiebung zur magnetischen Ausrichtung von 11,25° auf 12°.
Die offensichtliche Zunahme der Breitenfehler im Mittelmeerraum mit
wachsender Entfernung vom Äquator gewann nach unserer Entdeckung des
rechteckigen Gradnetzes auf der Piri-Reis-Karte an Bedeutung. Denn wenn
für die Abweichungen kein Maßstabsfehler verantwortlich war, konnte es die
ursprüngliche Projektion sein: Sie könnte die Erdkrümmung durch Spreizung
der Breitengrade mit zunehmendem Abstand zum Äquator berücksichtigt
haben, genauso wie es bei der modernen Mercator-Projektion der Fall ist. Da
es aber bisher nur unbestätigte Hinweise darauf gab, dass das Prinzip der
Mercator-Projektion im Europa des Mittelalters und im alten China bereits
bekannt war, beschlossen wir, der Frage nachzugehen. Charles Halgren von
den Caru Studios war so freundlich, für die Karte ein Mercator-Gradnetz zu
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konstruieren, das anschließend von William Briesemeister überprüft wurde.
Leider stellte sich heraus, dass kein Grund zu der Annahme vorlag, die
ursprüngliche Quellenkarte könnte anhand irgendeiner der Mercator-
Projektion ähnlichen Karte gezeichnet worden sein.
Damit waren wir wieder an unserem Ausgangspunkt angelangt, nämlich
der Frage nach Alternativen zur ebenen und sphärischen Trigonometrie. Ich
beschloss, ein Netz auf Grundlage der sphärischen Trigonometrie zu
konstruieren, um festzustellen, ob wir unser Problem dadurch lösen konnten.
Drei Personen – Richard Strachan, Professor E. A. Wixson von der
mathematischen Fakultät des Keene State College und Dr. J. M. Frankland
vom Bureau of Standards – berechneten unabhängig voneinander mithilfe der
sphärischen Trigonometrie die Länge eines Grads und kamen zu demselben
Ergebnis, nämlich dass der Radius der Projektion 58,5 Grad betrug. Das
Diagramm in Abbildung 67 zeigt, dass die Längen- und Breitengrade nach
dieser Berechnung verschieden lang sind; damit haben wir es auch hier, wie
im Fall des empirisch ermittelten Netzes der Piri-Reis-Karte, mit einem
rechteckigen Gradnetz zu tun. Dieses auf der sphärischen Trigonometrie
basierende Netz löste unser Problem mit den Breitenabweichungen, wie aus
Tabelle 7 hervorgeht. Wir waren also zu folgenden Ergebnisse gekommen:
1. Hinsichtlich der Längen im Bereich des Mittelmeerraums und des
Schwarzen Meers: Die durchschnittliche Längenabweichung beträgt an zwölf
Orten – von Gibraltar (5,5° W) bis Batum (42° O) – etwa 0,2 Grad,
beziehungsweise weniger als 20 Kilometer. Über die Gesamtdistanz von
47,5° (circa 4800 Kilometer) zwischen Gibraltar und Batum stellten wir eine
Abweichung von nur einem Grad fest, was etwa 2 Prozent der Distanz
entspricht.
2. Hinsichtlich der Breiten an den Atlantikküsten: Vom Kap der Guten
Hoffnung (35,5° S) bis Londonderry in Irland (55° N) – über eine
Gesamtdistanz von 90,5° – beträgt die Abweichung 1 Grad und damit etwa 1
Prozent der Distanz. An vielen Punkten dazwischen liegen größere
Breitenfehler vor, doch dabei kann es sich um Verzerrungen der lokalen
Geografie aufgrund von schlampig arbeitenden Kopisten handeln. Die
Genauigkeit der östlichen und westlichen Längen im Mittelmeerraum sowie
der nördlichen und südlichen Breiten im Atlantik belegen die allgemeine
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Genauigkeit des auf der sphärischen Trigonometrie basierenden Gradnetzes.
3. Hinsichtlich der Breitengrade im Bereich des Mittelmeerraums und des
Schwarzen Meers: In dieser Region ist ein gleichmäßiger Fehler von
durchschnittlich 3° festzustellen, wodurch sie zu weit im Süden zu liegen
kommt. Die relativen Breiten von geografischen Punkten sind jedoch gut
getroffen. Die Abweichungen von dem Standardfehler von 3° liegen im
Durchschnitt bei 1°. Wahrscheinlich ist dieser allgemeine Fehler auf die
Kompilatoren zurückzuführen, die die ursprünglichen Karten des
Mittelmeerraums und der Atlantikküsten in die trigonometrische Projektion
übertrugen.
Diese Ergebnisse unserer Untersuchung der Karte von de Caveri haben
großen Einfluss auf unsere Sicht der Piri-Reis-Karte und weiterer Karten, auf
die wir später noch zu sprechen kommen werden. Vieles spricht für die
Annahme, dass die Quellenkarten, die Piri Reis für die Darstellung von
Afrika und Europa und möglicherweise auch der amerikanischen Küsten
nutzte, auf der sphärischen Trigonometrie basierten.
Die Caveri-Karte von 1502, auf der sowohl die Westküste Afrikas als auch
die afrikanische Ostküste am Indischen Ozean dargestellt sind, wirft ein
weiteres Problem auf, insbesondere für diejenigen, die ihren Ursprung den
Portugiesen und anderen Entdeckern des 15. Jahrhunderts zuschreiben
wollen. Eine Untersuchung der Entdeckungsgeschichte der afrikanischen
Küsten im Jahrhundert vor der Entstehung dieser Karte liefert keine
verlässliche Grundlage für die Annahme, dass diese Entdecker die Karte
gezeichnet oder auch nur die Kartografen zu Hause mit den dafür nötigen
Daten versorgt haben können.
Zunächst einmal scheinen die Portugiesen im Jahr 1471, also nur 31 Jahre,
bevor de Caveri diese Karte zeichnete, noch nicht einmal bis zur Mündung
des Niger vorgedrungen zu sein, die 4 Grad nördlich des Äquators an der
Westküste liegt. Der portugiesische Wissenschaftler Armando Cortesão
schreibt:
» … die Portugiesen entdeckten den gesamten Golf von Guinea im dritten Viertel des 15.
Jahrhunderts; den Rio Lagos, an dem das heutige Lagos, die Hauptstadt Nigerias liegt, also nicht
weit von Ife entfernt, haben sie erstmals 1471 erreicht … «

Lagos befindet sich auf 6 Grad nördlicher Breite und 3,5 Grad östlicher
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Länge, und zwischen Lagos und der Nigermündung erstrecken sich etwa 150
Kilometer Küstenlinie. Boies Penrose lieferte in seiner wissenschaftlichen
Abhandlung über das Zeitalter der Entdeckungen eine Chronologie der
Erkundung der afrikanischen Küsten und stellte fest, dass die Portugiesen
1774 gerade einmal Kap St. Catharine, 2 Grad südlich des Äquators, erreicht
hatten (162, S. 43). Daraus geht eindeutig hervor, dass die Portugiesen nur
ein Vierteljahrhundert bevor die Caveri-Karte zusammengesetzt wurde, mit
der Erkundung der Westküste zwischen dem Äquator und dem Kap der
Guten Hoffnung noch nicht einmal begonnen hatten, von der Erforschung der
Ostküste ganz zu schweigen.
Um zu verstehen, wie unmöglich es den Portugiesen oder anderen
europäischen Entdeckern gewesen wäre, diese Küsten korrekt zu
kartografieren, selbst wenn sie diese bereits erforscht hätten, müssen wir
wissen, dass Seekarten mit Gradeinteilung, bei der die vielen Grade in immer
kleinere Einheiten unterteilt werden, erst nach 1496 von Seefahrern benutzt
wurden. Selbst wenn es dem Navigator also gelungen wäre, die geografische
Länge zu bestimmen – was er ja aber nicht konnte –, hätte er die Länge auf
den Karten gar nicht einzeichnen können, und dasselbe gilt für die Breiten. In
der folgenden Passage beschreibt Penrose den Stand der nautischen
Wissenschaft kurz vor 1502:
»König Juan [von Portugal] hatte großes Interesse … an der Kosmologie und Astronomie und berief
ein Expertenkomitee – die Junta – unter Leitung der brillanten jüdischen Gelehrten Joseph Vizinho
und Abraham Zacuto, die sich mit dem Problem der Positionsbestimmung auf See befassen sollten.
Zacuto hatte in den 10 Jahren zuvor seinen noch nicht veröffentlichten Almanach Perpetuum auf
Hebräisch verfasst, die fortschrittlichste Abhandlung zu diesem Thema, in der auch vollständige
Tabellen der Sonnendeklination enthalten waren. Doch weil der Text in einem sehr technischen Stil
und einer Sprache geschrieben war, die die meisten Seefahrer nicht beherrschten, erlangte das Werk
kaum praktische Bedeutung. Deshalb übersetzte Vizinho es ins Lateinische (gedruckt 1496 in Leira)
und gab später eine verkürzte Version heraus … Ein Ergebnis dieser technischen Forschung war die
Expedition, die Vizinho 1485 entlang der Küste Guineas bis hinunter nach Fernando Po unternahm,
um die Deklination der Sonne [also die geografische Breite] in ganz Guinea zu bestimmen … Die
Beobachtungen der Expedition von Vinzinho führten in Portugal zur Einführung von Seekarten mit
Gradeinteilungen … « (162, S. 44–45)

In der Zeitspanne zwischen der Erforschung der Küste ab dem Jahr 1496, als
Seekarten mit Gradeinteilung eingeführt wurden, und dem Jahr 1502 finden
sich keine Anhaltspunkte für die Annahme, dass die Caveri-Karte von 1502

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in Zusammenhang damit stehen könnte. Der bedeutende Entdecker Diogo
Cão, der den Kongo erkundete und bis zur Breite von 13 Grad Süd vorstieß,
kehrte 1484 nach Portugal zurück (162, S. 45–47). Auf seiner nächsten Reise
stieß er 9 Grad weiter nach Süden vor und kehrte 1487 nach Portugal zurück,
also 5 Jahre, bevor de Caveri seine Karte zeichnete. Zwischen dem Punkt,
den Diogo Cão erreicht hatte, und dem Kap der Guten Hoffnung lagen noch
immer 1300 Kilometer unerforschte Küste.
Es steht natürlich außer Frage, dass Bartolomeu Diaz 1488 das Kap der
Guten Hoffnung umsegelte, doch bei dieser Expedition war es nicht um die
Erstellung von Karten gegangen. Diaz war nicht an der Küste entlang bis zum
Kap gefahren, sondern wurde direkt südlich von Cabo da Volta (Lüderitz) bei
27 Grad Süd vom Wind abgetrieben, umrundete das Kap und traf erst 400
Kilometer weiter östlich wieder auf Land! Bereits im Jahr 1489 kehrte er
nach Portugal zurück (162, S. 47).
Die nächste Expedition nach Diaz war diejenige des Vasco da Gama, der
1497 von Portugal lossegelte und 1499 wieder zurückkehrte. Es ist denkbar,
dass bei dieser Expedition Seekarten mit Gradeinteilung zum Einsatz kamen,
denn die Entdeckungsfahrt war sehr gut vorbereitet. Penrose schreibt:
»Vier Schiffe wurden unter der Aufsicht von Bartolomeu Diaz gebaut … Bischof Diogo Ortiz rüstete
die Flotte mit Karten und Büchern aus, und Abraham Zacuto steuerte astronomische Instrumente bei,
erstellte Deklinationstabellen und unterwies die Schiffsoffiziere in der Kunst der astronomischen
Beobachtung …« (162, S. 50)

Diese Flotte hat möglicherweise einige korrekte Beobachtungen der


geografischen Breiten entlang der Küsten gemacht, doch das war nicht ihre
eigentliche Aufgabe, sondern ihr Ziel war Indien. Vasco da Gama plante
seinen Kurs daher so, dass er sich von der Küste möglichst fernhielt. Er folgte
ihr nur über eine kurze Strecke, dann steuerte er die Kapverden an, nahm
schließlich »Kurs Südwest und segelte auf den Ozean hinaus, um den
Kalmen und Strömungen des Golfs von Guinea auszuweichen« (162, S. 51).
Am 8. November 1497 erreichte er St. Helena, stach einige Tage später
wieder in See und umrundete das Kap der Guten Hoffnung, ohne einen
weiteren Hafen anzusteuern. Erst in der Mossel Bay, etwa 500 Kilometer
östlich des Kaps, traf er wieder auf Land. Er steuerte an der Küste noch
einige weitere Orte an, bevor er auf den Indischen Ozean hinaus in Richtung
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Indien segelte, doch die afrikanische Küste war bei seiner Fahrt zumeist
außer Sichtweite, deshalb kann er sie nicht kartografiert haben.
Möglicherweise hat er die geografischen Breiten seiner Anlaufhäfen
bestimmt, doch auf keinen Fall die geografischen Längen.
Zusammenfassend können wir also festhalten, dass weder Vasco da Gama
noch Bartolomeu Diaz noch irgendeiner ihrer Vorläufer eine genaue
kartografische Erfassung der West- und Ostküsten Afrikas, wie wir sie auf
der Karte von de Caveri vorfinden, hätten bewerkstelligen können.

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3. Die venezianische Karte von 1484

Zu den bemerkenswertesten Portolankarten zählt ein Exemplar, das im Jahr


1484 in Venedig entdeckt oder sogar gezeichnet wurde (siehe Abb. 68).
Diese Karte ist deshalb beachtenswert, weil sie sehr genau ist und sowohl auf
der Trigonometrie als auch dem in der Antike bekannten sogenannten
»Zwölf-Winde-System« basiert. Was den zweiten Gesichtspunkt anbelangt,
scheint sie unter den bekannten Portolankarten einzigartig zu sein. Wir
werden diese Aspekte in umgekehrter Reihenfolge erläutern.
Beim ursprünglichen Portolanentwurf, den der Leser bereits kennengelernt
hat, wird der Kreis so unterteilt, dass im Zentrum Winkel von 180°, 90°, 45°,
22,5° und 11,25° entstehen (gelegentlich wird noch eine weitere Teilung mit
einem Winkel von 5,75° vorgenommen). Dies wurde bereits erläutert (siehe
Abb. 9). Darüber hinaus gab es in der Antike das sogenannte »System der
zwölf Winde«. Alfred Isroe, einer meiner Studenten, hat neben dem System
der acht Winde auch das kompliziertere System der zwölf Winde diagrafisch
dargestellt (siehe Abb. 69). Dies erfordert nicht nur die Halbierung der
Winkel, sondern auch die Teilung der Hemisphären in drei Teile, was
wiederum voraussetzt, dass das Verhältnis zwischen dem Kreisumfang und
dessen Durchmesser bekannt ist. Durch dieses System ergeben sich Winkel
von 60°, 30°, 15° und 5°; es scheint in Verbindung mit der Einteilung des
Kreises in 360° zu stehen, die schon in der Antike bekannt war, aber in der
Renaissance nicht genutzt wurde – zumindest nicht für die Navigation.

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Abb. 68. Venezianische Karte der afrikanischen Küste (1484)

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Zahlreiche Autoren berichten von der Verwendung des Systems der zwölf
Winde in der Antike. Laut Taylor (197, S. 54) wurde es vom griechischen
Geografen Timosthenes, einem unmittelbaren Vorläufer von Eratosthenes,
angewandt. Eratosthenes soll es angeblich zu Gunsten des Systems der acht
Winde aufgegeben haben, weil es für Seefahrer zu schwierig gewesen sei (39,
S. 124 f.).4 Unter den Römern, die allerdings wenig Interesse an der Seefahrt
hatten, blieb es das bevorzugte System, und im Mittelalter war es nicht nur
bekannt 5 , sondern soll sogar nach der Wiederentdeckung der ptolemäischen
Karten in deren frühesten Ausgaben verwendet worden sein.
Als ich die venezianische Karte zum ersten Mal untersuchte, verblüffte
mich am meisten, dass sie ein quadratisches Gradnetz hatte, das deutlicher zu
erkennen war als auf jeder anderen Karte, die ich bisher gesehen hatte, und
den Portolanentwurf beherrschte, der auf den geografischen Norden
ausgerichtet zu sein schien. Erst nach eingehender Analyse fand ich heraus,
dass die Ausrichtung in Wahrheit um etwa 6 Grad nach Osten hin abwich.
Offensichtlich besaß diese Karte ein Liniennetz für die Breiten und Längen,
die diagonalen Linien aber waren weniger stark gezeichnet als auf den
meisten anderen Portolankarten. Eine Überprüfung wies auf die Möglichkeit
hin, mithilfe der Trigonometrie eine Lösung für diese Karte zu finden.
Der erste Schritt bestand darin, diese Karte sorgfältig mit einer
zuverlässigen Karte der afrikanischen Küste zu vergleichen. Dies ergab, dass
jene Forscher, die bisher davon ausgegangen waren, die Karte stelle die
Küsten von der Meerenge von Gibraltar bis zum Kap der Guten Hoffnung
beziehungsweise zu einem Punkt unweit des Kaps dar, sich offenkundig
geirrt hatten. Es zeigte sich nämlich, dass die Karte im Norden lediglich bis
26 oder 27 Grad nördlicher Breite reichte und im Süden nur bis wenige Grad
südlich des Äquators.
Dank der Intervalle des Zwölf-Winde-Systems war es einfach, ein
gleichseitiges Dreieck mit der Spitze auf dem 27. Breitengrad und der Basis
auf dem Äquator zu zeichnen und mithilfe trigonometrischer Tabellen die
Länge eines Grads zu bestimmen. Ein quadratisches Netz, das auf der so
ermittelten Länge eines Grads basierte, schien sehr gute Ergebnisse zu
liefern, zumindest was die geografischen Breiten anbelangte. Die
Breitenangaben sämtlicher identifizierten Punkte an der Küste schienen bis
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auf weniger als 0,33 Grad beziehungsweise knapp 40 Kilometer korrekt zu
sein.

Abb. 69. Diagramm des Systems der zwölf Winde, das sich auf der venezianischen Karte findet (von
A. Isroe erstellt)

Exkurs

Versuche, das Zwölf-Winde-System an den Kompass


anzupassen
In einer Abhandlung mit dem Titel Early Nautical Charts (89) gibt Niels Hugh de Vaudrey
Heathecote vom University College in London Hinweise auf die Nutzung des Zwölf-Winde-
Systems für den Kompass. Nachdem er den üblichen 32-Punkte-Kompass erläutert hat, schreibt er:

»Es scheint ein weiteres System genutzt worden zu sein, bei dem der ›Wind‹ nicht in vier
Viertelwinde, sondern in sechs ›Sechstelwinde‹ unterteilt wurde, sodass es auf dem Kompass zum
Beispiel zwischen Nordwest und Nordnordwest statt einem zwei Punkte gab. Ich selbst habe nur
eine einzige Karte mit dieser Kompasseinteilung gesehen; sie findet sich in einer Kartensammlung
mehrerer venezianischer Kartografen der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts (British Museum MS.,
Egerton 73, Bd. 36). Breusing stellt fest, dass es sich um ein französisches System handelt

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(Breusing: ›La Toleta de Marteloio‹, Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie, 2, S. 129).
Offenkundig ist es weniger praktisch als das mediterrane System und scheint nicht sehr
gebräuchlich gewesen zu sein.«

Abb. 70. Die venezianische Karte von 1484 mit einem modernen, nach der Geografie empirisch
konstruierten Gradnetz, das durch die ebene Trigonometrie bestätigt wurde (siehe Tab. 8)

Die geografischen Längen hingegen waren nicht so genau getroffen, bei


ihnen herrschte eine Fehlerquote von durchschnittlich einem Grad. Zwar
schien das relativ unerheblich, doch ließ ihre Verteilung auf einen Fehler in
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der Projektion schließen. Die Punkte ganz im Osten lagen zu weit östlich, die
Punkte im Westen zu weit westlich, sodass es sich um eine Frage der Länge
eines Längengrads handeln musste. Waren die Breiten- und Längengrade
tatsächlich gleich lang, wie wir vermutet hatten?
In dieser Situation schien es das Beste zu sein, die Trigonometrie beiseite
zu lassen und empirisch ein Gradnetz zu konstruieren, um festzustellen, ob
die Breiten- und Längengrade gleich lang waren. Die Neuausrichtung der
Karte auf den geografischen Norden ergab, dass der obere Rand der Karte
nicht bei 26 oder 27 Grad, sondern bei 24 Grad Nord lag. Messungen zeigten,
dass die Grade nicht ganz gleich waren. Es hatte den Anschein, als wären die
Breitengrade ein bisschen kürzer als die Längengrade. Doch
erstaunlicherweise stellte sich heraus, dass die Länge des empirisch
ermittelten Längengrads genauso lang war wie die mithilfe der Trigonometrie
ermittelte Länge (siehe Abb. 71 und Tab. 8). Es ist eine Sache, das Gradnetz
einer Karte zu bestimmen, die bereits gezeichnet ist, doch eine ganz andere,
die Karte selbst zu zeichnen. Unsere Arbeit zeigte, dass die Karte
ursprünglich mit einer ebenen trigonometrischen Projektion konstruiert
worden sein musste. Des Weiteren war interessant, dass die Spitze des
Dreiecks bei 24 Grad Nord lag, denn die griechischen Geografen
(Eratosthenes, Hipparch und ihre Nachfolger) übernahmen diesen Punkt der
Einfachheit halber als Wendekreis, obwohl sie wussten, dass der Wert nicht
ganz stimmte. Offensichtlich sollte die Karte also astronomisch zwischen
dem Wendekreis des Krebses und dem Äquator festgelegt sein.

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Abb. 71. Die Trigonometrie der venezianischen Karte. Gegeben ist ein gleichseitiges Dreieck, A-B-C-
D, auf der Erdoberfläche zwischen einem Punkt bei 23,5° nördlicher Breite und dem Äquator (A-B),
wobei die Länge von C-D gleich 23,5° ist. Die Aufgabe: Die Länge von A-D in Grad herauszufinden,
um die Länge des Längengrads auf der Karte zu bestimmen. (Das Verhältnis 1000 : 0,577 stammt aus
Natural Trigonometric Functions, Chemical Rubber Company Tables, Hrsg.: C. D. Hodgman,
Cleveland, 1956, S. 107.)

Es gibt Indizien dafür, dass irgendein Navigator des 15. Jahrhunderts am


südlichen Rand der Karte ein Stück Küstenlinie hinzufügt hat. Denn südlich
von Kap Lopez bis zum Kongo und Benguela nehmen die Breitenfehler
deutlich zu, und sie sind von jener Art, wie man sie von Navigatoren des 15.
Jahrhunderts erwarten würde.
Ein weiteres Detail sollte unsere Beachtung finden: Nahe São Tomé taucht
am Äquator eine zusätzliche Insel auf. Die Tatsache, dass diese zweite Insel
(Nr. 19 in Abb. 70) zum Äquator auf der zum magnetischen Norden
ausgerichteten Projektion das gleiche Verhältnis hat wie die andere Insel, die
wir als São Tomé identifiziert hatten, zum echten Äquator, legt den Schluss
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nahe, dass Nr. 19 von jemandem eingefügt wurde, der die afrikanische
Äquatorialküste erforschte, als die Karte bereits auf 6 Grad Ost, also auf den
magnetischen Norden ausgerichtet war. Das würde natürlich bedeuten, dass
die ursprünglichen Entdecker den geografischen Norden, nicht den
magnetischen Norden genutzt hatten. Ein nach dem Kompass segelnder
Navigator des 15. Jahrhunderts könnte diese Karte mit sich geführt haben und
ihr, die die Insel bereits zeigte, allerdings an ihrer auf dem ursprünglichen
Gradnetz korrekten Position, eine zweite Insel hinzugefügt haben.
Aber warum waren diese Entdecker nicht so ehrlich zuzugeben, dass sie
die Küsten mithilfe von Karten erkundeten, die um ein Vielfaches besser
waren als jene, die sie selbst hätten zeichnen können? Und warum sickerte es
nicht durch, dass die Portugiesen die Trigonometrie und das System der
zwölf Winde nutzten und Mittel besaßen, um die geografische Länge zu
bestimmen? König Johann von Portugal muss einen sehr effizienten
Sicherheitsdienst gehabt haben!

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4. Die Karte des Opicinus de Canistris von 1335 bis 1337

Unsere Entdeckung des Systems der zwölf Winde auf der venezianischen
Karte von 1484 veranlasste uns, nach weiteren derartigen Karten zu suchen.
Mehrere Personen beteiligten sich an dieser Suche. Richard W. Stephenson
von der Kartenabteilung der Kongressbibliothek durchforstete seine
Kartensammlungen, und Dr. Alexander Vietor, Kurator für Karten in der
Bibliothek der Yale University machte sich für uns ebenfalls auf die Suche,
allerdings ohne Erfolg. Schließlich entdeckte Alfred Isroe das Zwölf-Winde-
System in stark abgewandelter Form auf der Karte des Opicinus de Canistris
aus den Jahren 1335 bis 1337 6 (siehe Abb. 72).
Auf den ersten Blick sieht sie wie viele Karten des Mittelalters aus, die aus
den sonderbaren Vorstellungen und dem begrenzten Wissen ihrer Zeit
hervorgegangen sind. Hier wurde großer Einfallsreichtum darauf verwandt,
die Geografie menschlichen Körpern anzupassen – etwa den Körpern eines
Mannes und einer Frau, die in ein reges Gespräch vertieft zu sein scheinen
und von weiteren menschlichen Köpfen umgeben sind. Allerdings scheint
dieser Anthropomorphismus die geografische Darstellung nicht sonderlich zu
beeinträchtigen.

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Abb. 72. Die Karte von Opicinus de Canistris von 1335–1337. Das quadratische Gradnetz spricht für
eine der Projektionen, die Nordenskiöld Rolemy beziehungsweise Marinos von Tyros zuschrieb. In
Alexandria schneiden sich einer der Längen- und einer der Breitengrade (siehe Nachzeichnung in Abb.
73). Setzt man Abstände von 5° voraus, weist die Karte eine erstaunliche Genauigkeit hinsichtlich der
Längen und Breiten vieler geografischer Punkte auf.

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Abb. 73. Die Karte von Opicinus de Canistris (Ausschnitt nachgezeichnet)

Denn unter den diversen irregulären Linien auf dieser Karte, von denen viele
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die menschlichen Gestalten vervollständigen sollen, entdeckte Isroe einige
Geraden, die auf erhalten gebliebene Teile des Originalentwurfs schließen
ließen und an die Portolankarten erinnerten. Winkelmessungen ergaben, dass
die Winkel zwar nicht genau denen des Zwölf-Winde-Systems entsprachen,
ihnen aber deutlich näherkamen als den Winkeln, die für das Acht-Winde-
System charakteristisch sind.
Ich griff Isroes Vorschlag auf und versuchte, den ursprünglichen
Kartenentwurf zu rekonstruieren. Dazu begradigte ich die zwei Linien, die
vom Projektionszentrum auf der linken Kartenseite ausgingen, in der
Annahme, dass sie ursprünglich als eine gerade Linie gedacht gewesen
waren. Und dafür war nur eine kleine Änderung erforderlich, doch durch
diese Änderung stimmten auf einmal alle anderen Winkel der Schnittpunkte
der von Isroe auf der Fotografie der Originalkarte gezogenen Linien mit dem
Zwölf-Winde-System überein (siehe Abb. 74 und 75).

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Abb. 74. Karte des Opicinus de Canistris, Zeichnung mit Projektionslinien

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Abb. 75. Karte des Opicinus de Canistris, mit nach dem Zwölf-Winde-System ausgerichteten
Projektionslinien

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Abb. 76. Karte des Opicinus de Canistris, neu ausgerichtet

Neben diesen Hinweisen auf das ursprüngliche Zwölf-Winde-System auf


dieser Karte entdeckte ich eine gerade Linie im Mittelmeerraum, die mir ein
Breitenkreis der Originalkarte zu sein schien. Als ich diese Linie mit der
heutigen Geografie des Mittelmeerraums verglich, stellte ich fest, dass sie
eine Ausrichtung der ganzen Karte auf 11,5 oder 12 Grad östlich zum
geografischen Norden anzeigte, wie es bei vielen der als Portolane
eingestuften Karten der Fall ist. Als ich die Karte drehte, um diese
offenkundig magnetische Ausrichtung zu berücksichtigen und sie auf den
geografischen Norden auszurichten, erkannte ich, dass der fragliche
Breitenkreis der Breitengrad von Alexandria war (siehe Abb. 76). Wie es
scheint, ist diese Karte – wie auch die ganze Familie mittelalterlicher Karten
– in Wahrheit kein Originalerzeugnis des Mittelalters, sondern die
verschlechterte Version einer antiken Karte, die sehr wahrscheinlich von den
Geografen der Schule von Alexandria angefertigt worden war.

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5. Die Reinel-Karte des Indischen Ozeans

Nachdem wir eine Karte von Afrika gefunden hatten, die offenbar auf der
antiken mathematischen Kartografie basierte, hielt ich es für wichtig
herauszufinden, ob es nicht möglich wäre, dieses System auf Asien
auszudehnen. Damit hätte ich klären können, ob die antiken Kartografen
eines untergegangenen Volkes es auch weiter nach Osten ausgedehnt hatten.
Zu diesem Zweck nahm ich mir eine Karte vor, die als die älteste
portugiesische Karte des Indischen Ozeans gilt (siehe Abb. 77). Auf der
Grundlage meiner Erkenntnisse mit anderen Karten versuchte ich, empirisch
eine Lösung für das Gradnetz dieser Karte zu finden, und machte dabei einige
erstaunliche Entdeckungen. Eine davon betraf das Ausmaß der in dieser
Karte zum Ausdruck gebrachten geografischen Kenntnisse. Ich fand heraus,
dass sie eine Reihe von Inseln im Atlantik zeigte, aber auch bemerkenswerte
Kenntnisse der Archipele im Indischen Ozean unter Beweis stellte (siehe
Tabelle 9). Als ich mithilfe identifizierbarer geografischer Orte auf der Karte
ein Gradnetz anfertigte, stellte ich erstaunt fest, dass diese Karte offenbar als
erste und einzige der Portolankarten die Küste Australiens abbildet.
Außerdem schienen auf der Karte einige der Karolinen-Inseln im Pazifik
dargestellt zu sein. Die Breiten- und Längenangaben auf dieser Karte sind
verblüffend genau, auch wenn Australien zu weit im Norden liegt.
Als ich die Karte genauer untersuchte, stellte ich fest, dass die Neigung der
australischen Küste und ihre geografische Breite falsch angegeben waren.
Das erinnerte mich an den Fall der Karibik auf der Piri-Reis-Karte. War es
denkbar, dass wir hier das weitere Beispiel eines Teilnetzes mit einer anderen
Nordausrichtung vorliegen hatten, das in die Weltprojektion von Piri Reis
integriert war? Ein Vergleich mit der von der Air Force gezeichneten
Weltkarte mit dem Zentrum Kairo (siehe Abb. 25) stimmte mich äußerst
nachdenklich. Und als ich eine Durchzeichnung dieser Karte auf die Piri-
Reis-Projektion legte, zeigte sich, dass der Entwurf der Piri-Reis-Projektion
nicht nur für die Karibik, sondern auch für dieses Gebiet genutzt werden
konnte.

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Somit war für mich klar, dass diese Karte deutlich mehr geografisches
Wissen verriet, als die Portugiesen zu Beginn des 16. Jahrhunderts besaßen,
insbesondere mehr Kenntnisse der Längen, als von ihnen erwartet werden
konnte. Ihre Darstellung der Küsten ließ dagegen sehr zu wünschen übrig,
und sie wirkte wie eine früher einmal sehr genaue Karte, die von Navigatoren
ohne Kenntnis der exakten kartografischen Methoden wieder und wieder
kopiert worden war.

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6. Eine Karte von China aus dem 12. Jahrhundert

Um herauszufinden, ob das System der antiken Karten sich über den


Indischen Ozean noch weiter nach Osten ausdehnen ließ, untersuchte ich
auch die zur Verfügung stehenden chinesischen und japanischen Karten.
Trotz der hervorragenden Unterstützung durch die Angestellten der
großartigen Diet-Bibliothek (sie ist mit der US-Kongressbibliothek
vergleichbar), die mir viele alte japanische Karten zusandten, konnte ich
keine Exemplare finden, die irgendwelche Ähnlichkeiten mit den
europäischen Portolankarten besaßen, mit Ausnahme einiger vergleichsweise
junger Karten, die durch die europäische Kartografie beeinflusst sein
konnten.
In China hatte ich dann mehr Glück, und das war einzig und allein dem
großen Werk von Joseph Needham, Wissenschaft und Zivilisation in China
(145), zu verdanken. In Band III dieses Werkes ist eine sehr bemerkenswerte
Karte abgebildet, die 1137 in China in Stein geritzt wurde. Doch es ist
bekannt, dass diese Karte wesentlich älteren Ursprungs ist, auch wenn ihr
wahres Entstehungsdatum unbekannt ist. Deshalb stellt sie uns ebenso vor
Rätsel wie die europäischen Portolankarten. Ein Vergleich des auf dieser
Karte abgebildeten Flusssystems mit dem auf einer modernen Karte Chinas
belegt eine erstaunliche Genauigkeit (siehe Abb. 80 und 81). Diese Karte
wurde offenkundig mit ausgezeichneten Kenntnissen hinsichtlich der
Längengrade gezeichnet, so wie wir sie auf den Portolankarten finden, nicht
aber auf den antiken Karten der Griechen und Römer, und wie sie für die
Kartografie in China und Japan zur Zeit des Mittelalters mit Sicherheit nicht
typisch waren.

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Abb. 77. Portugiesische Karte des Indischen Ozeans von Jorge Reinel, 1510

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Abb. 78. Portugiesische Karte des Indischen Ozeans mit einem Gradnetz, für das die Länge eines
Breitengrads zwischen den beiden Wendekreisen berechnet wurde; außerdem wurde davon
ausgegangen, dass die Breiten- und Längengrade dieselbe Länge haben. Siehe Tabelle 9.

Joseph Needham und vermutlich auch die chinesischen Gelehrten, die diese
Karte studierten, gingen offenbar davon aus, dass ihr quadratisches Gradnetz
das ursprüngliche Netz war, mit dem sie erstellt worden war. Diese
Schlussfolgerung war für sie absolut naheliegend. Ich dagegen hatte gerade
erst herausgefunden, dass das der ebenen Trigonometrie eigene quadratische
Netz der Portolanprojektion offenkundig nicht das Originalnetz war, mit dem
einige der von Piri Reis und anderen Kartografen genutzte Quellenkarten
gezeichnet worden waren, sondern dass die Quellenkarte von Piri Reis
ursprünglich mit irgendeinem rechteckigen Gradnetz angefertigt worden war.
Deshalb beschloss ich, das Gradnetz dieser chinesischen Karte einem Test zu
unterziehen.

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Abb. 79. Chinesische Karte aus dem 12. Jahrhundert

Zuerst versuchte ich, auf einer Durchzeichnung der Karte die Länge eines
Breitengrads zu bestimmen. Wie schon zuvor bestand das Verfahren darin,
eine Reihe leicht und klar identifizierbarer geografischer Punkte zu wählen
und ihre Breiten auf einer modernen Karte zu suchen. Diese Punkte waren
zwischen dem äußersten Norden und dem äußersten Süden Chinas verstreut.
Ich zog Linien von diesen Punkten bis zum Rand der Durchzeichnung und
errechnete die Länge eines Breitengrads, indem ich den in Millimetern
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gemessenen Abstand zwischen diesen Linien durch die Zahl der Breitengrade
zwischen den identifizierten Punkten dividierte.
Dies wiederholte ich, um die Länge eines Längengrads zu ermitteln. Zwar
nahm ich an, dass ich dasselbe Ergebnis erhalten würde, war aber dennoch
ganz aufgeregt, als ich die Längenangaben identifizierbarer geografischer
Punkte notierte und von diesen Linien zum unteren Rand der
Durchzeichnung zog. Da nicht auszuschließen war, dass einer der gewählten
Punkte auf der Karte falsch positioniert sein könnte, nutzte ich jeweils
mehrere geografische Punkte, um die Länge der Grade zu bestimmen. Denn
würde ich mich nur auf zwei Punkte im äußersten Norden und Süden
beziehungsweise Osten und Westen verlassen, hätte dies zu einem Fehler in
der Länge eines Grades führen können.
Als ich meine Berechnung des Längengrads auf der Karte abschloss, war
ich wirklich wie elektrisiert, denn er war eindeutig kürzer als ein Breitengrad.
Das heißt, es handelte sich hier tatsächlich um das rechteckige Gradnetz, das
wir auch auf der Piri-Reis-Karte, den Karten des Ptolemäus und – mithilfe
der sphärischen Trigonometrie – auf der Karte von de Caveri nachgewiesen
hatten! Das quadratische Netz, das wir auf dieser chinesischen Karte
gefunden hatten, war also eindeutig in Unkenntnis der wahren Projektion auf
die Karte übertragen worden. Aus dieser Feststellung und der Tatsache, dass
das quadratische Netz dem quadratischen Portolannetz sehr ähnlich war,
ergab sich eine erstaunliche Parallele, die auf einen historischen
Zusammenhang zwischen dieser und den europäischen Karten schließen ließ.
Man gestatte mir an dieser Stelle die Spekulation, dass wir hier einen Beweis
dafür vorliegen haben könnten, dass die vor 5000 oder 10 000 Jahren
untergegangene Zivilisation ihre kartografische Erfassung nicht nur auf Nord-
und Südamerika und die Antarktis, sondern sogar bis nach China ausgedehnt
hatte.

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Abb. 80. Die alte chinesische Karte mit einem anhand der Geografie empirisch konstruierten Netz der
Längen und Breiten. Die Zahlen geben identifizierte geografische Punkte an. Siehe Tabelle 10a.

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Abb. 81. Eine moderne Karte von China, auf der die Zahlen die gleichen geografischen Orte markieren
wie in Abb. 80

Das auf diese Karte übertragene quadratische Netz ist ein Beleg für den
gleichen wissenschaftlichen Niedergang, den wir in Europa beobachtet
haben, als eine fortschrittliche, auf der sphärischen Trigonometrie und
effizienten Instrumenten zur Bestimmung der Längen und Breiten basierende
Kartografie von der deutlich schlechteren Kartografie der Griechen abgelöst

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wurde und die geografische Wissenschaft der Antike im Mittelalter
schließlich sogar ganz verloren ging. Das quadratische Netz der chinesischen
Karte wurde offenkundig von Menschen auf die ursprüngliche Karte
übertragen, die keine Ahnung von der Wissenschaft hatten, mit deren Hilfe
sie einst gezeichnet worden war.
Es gibt weitere Indizien dafür, dass die Karte in ihrer heutigen Form in
einer Zeit des wissenschaftlichen Niedergangs in China angefertigt wurde.
Denn trotz der außergewöhnlichen Genauigkeit der geografischen
Darstellung des chinesischen Binnenlandes sind die Küsten kaum zu
erkennen, sondern lediglich schematisch angedeutet. Das lässt mich
vermuten, dass die Karte in einer Zeit in Stein gemeißelt wurde, als China
sich nicht für die Außenwelt interessierte, sondern nur für sein weitläufiges
Flusssystem, über das der Handelsverkehr des ungeheuer wohlhabenden
Kaiserreichs abgewickelt wurde. Auf der Originalkarte waren die Küsten
womöglich noch detailliert dargestellt gewesen, doch im 12. Jahrhundert
interessierte sich offenbar niemand mehr dafür.
Die Karte zeigt einige Flüsse, die in eine andere Richtung fließen als auf
modernen Karten. Das weist aber nicht notwendigerweise auf Fehler der
antiken Karte hin, da die chinesischen Flüsse – insbesondere der Huang He,
der »Gelbe Fluss« – ihren Lauf gelegentlich verändern, und das mit
katastrophalen Folgen. So wird der Gelbe Fluss tatsächlich auch »Chinas
Sorge« genannt, denn er hat innerhalb von 150 Jahren drei Mal seinen
Verlauf geändert. Auf der alten Karte ist sein Lauf nördlich des heutigen
dargestellt, doch dieser Verlauf durch eines der nördlichen Täler ist absolut
nachvollziehbar.
Ich unterzog das von mir konstruierte Netz einer äußerst sorgfältigen
Prüfung. Mit seiner Hilfe identifizierte ich viele weitere geografische Punkte,
zumeist solche am Zusammenfluss größerer Flüsse, ignorierte jedoch alle
Orte, die irgendwie zweifelhaft waren. Diese geografischen Punkte und die
Abweichungen ihrer Lage habe ich in den Tabellen 10a, 10b und 10c
aufgelistet und sie zu diesem Zweck zu vier Gruppen zusammengefasst, die
dem nordwestlichen, nordöstlichen, südwestlichen und südöstlichen
Quadranten Chinas entsprechen. Für jeden Quadranten ermittelte ich die
durchschnittlichen Abweichungen beziehungsweise Fehler der Breiten- und
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Längenangaben mit folgenden Ergebnissen:
Quadrant Anzahl der Orte Durchschnittliche Abweichung
1. Nordwesten 8 0,4° Breite, 0,0° Länge
2. Nordosten 10 0,0° Breite, 0,0° Länge
3. Südwesten 9 1,3° Breite, 1,2° Länge
4. Südosten 7 0,8° Breite, 1,2° Länge

Damit haben wir einen Beleg dafür, dass die Kartografen zu jener Zeit, in der
diese Karte von China angefertigt wurde, Mittel und Wege kannten, die
geografischen Längen ebenso genau zu bestimmen wie die geografischen
Breiten – genauso, wie es auch bei den europäischen Portolankarten der Fall
war. Sowohl die Präzision der Karte als auch die Form des Gradnetzes, das
dem der Karte von de Caveri sehr ähnlich ist, legt den Schluss nahe, dass die
Originalkarte auf der sphärischen Trigonometrie basierte.
Zur weiteren Überprüfung des von mir gezeichneten Gradnetzes listete ich
sämtliche identifizierbaren geografischen Punkte ganz im Süden und Norden
auf und berechnete die Abweichungen der Breitenangaben. Auch die
geografischen Punkte ganz im Osten und Westen notierte ich mir und
berechnete ihre Längenabweichungen (Tabellen 10b und 10c). Die
durchschnittliche Breitenabweichung betrug im Norden weniger als 0,5 Grad
(also weniger als 50 Kilometer) und ging im Süden gegen null (vier Orte
lagen 1 Grad zu weit im Süden und vier 1,2 Grad zu weit im Norden). Was
die geografischen Längen anbetraf, gingen die Abweichungen sowohl nach
Osten als auch nach Westen gegen null. Daher gab es keinerlei Hinweise
darauf, dass das für diese Karte konstruierte Netz mit gravierenden Fehlern
behaftet gewesen war.
Meiner Meinung nach liefert diese Karte einen eindeutigen Beweis für die
Existenz einer weltweiten Zivilisation in ferner Vergangenheit, deren
Kartografen buchstäblich die ganze Welt erfassten, und zwar mit
gleichwertigen Methoden und mathematischen Kenntnissen sowie einem
einheitlichen technologischen Entwicklungsstand, der wahrscheinlich zu der
gleichen Art von Instrumenten führte. Mithin betrachte ich diese chinesische
Karte als Schlussstein der in diesem Buch aufgestellten Hypothese. Für mich
beantwortet sie die Frage, ob diese alte Kultur, die einst bis in die Antarktis
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vorgedrungen war und aus der alle alten Karten Europas hervorgingen,
tatsächlich eine weltweite Kultur war.

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Kapitel VI
Die alten Karten des Nordens

Wie wir gesehen haben, führte die Analyse verschiedener Karten zu


überraschenden Ergebnissen, die nicht nur landläufig akzeptierte
Vorstellungen von der frühen Geschichte, insbesondere jener der Kartografie,
sondern auch grundlegende Konzepte der Geologie infrage zu stellen
scheinen. Anhand der bisher untersuchten Karten haben wir Hinweise auf
Reisen nach Amerika und in die Antarktis gefunden, die vor der Zeit unserer
ältesten historischen Aufzeichnungen stattgefunden haben müssen – Reisen,
die Menschen oder Völker unternahmen, von denen uns gar nichts überliefert
ist. Die Karte des Oronce Finé scheint die erstaunliche Tatsache zu
dokumentieren, dass die Antarktis, als sie noch weitgehend, wenn nicht sogar
gänzlich eisfrei war, von Menschen bereist und möglicherweise sogar
besiedelt worden ist. Das heißt natürlich, dass dies schon vor sehr langer Zeit
geschehen sein muss. Folglich werden wir uns in diesem Kapitel damit
befassen, inwiefern die Beweise auf der Karte des Oronce Finé die
Zivilisation dieser ursprünglichen Kartografen einem Zeitraum zuordnen, der
in der nördlichen Hemisphäre mit der Eiszeit zusammenfällt.
Fakten stehen nie für sich allein, je nach Kontext kann eine Feststellung
ganz unterschiedliche Bedeutungen haben. Demgemäß sollen die Karten,
denen wir uns nun zuwenden, auch nicht im luftleeren Raum betrachtet,
sondern im Zusammenhang mit unseren bisherigen Erkenntnissen beurteilt
werden. Sollten sie ebenfalls auf ein enormes Alter kartografischer Tradition
hinweisen, können die genannten Indizien nicht so leicht abgetan werden,
wie es möglich wäre, wenn sie alleine dastünden. Ich kann nicht behaupten,
dass die Beweise so stichhaltig sind, dass sie jeden überzeugen werden,
sondern gebe offen zu, dass sie Zweifel zulassen und auf unterschiedliche
Weise interpretiert werden können. Dennoch zögere ich nicht, hier meine
Interpretation darzulegen.

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1. Die Zeno-Karte von 1380

Angeblich wurde die Zeno-Karte von 1380 (siehe Abb. 82) von den
Venezianern Nicolò und Antonio Zeno gezeichnet, die im 14. Jahrhundert
bekanntermaßen eine Reise nach Grönland unternahmen und möglicherweise
auch Neuschottland erreichten. 200 Jahre später entdeckte ein Nachfahre
dieser Zenos – einer in Venedig bedeutenden Familie – unter den
Familienunterlagen eine vor sich hinschimmelnde Karte und kopierte sie.
Dabei scheint er die Linien der alten, höchstwahrscheinlich dem Portolan
ähnlichen Projektion weggelassen und versucht zu haben, sie durch eine der
neueren, in der Renaissance entwickelten Projektionen zu ersetzen.
Die Untersuchung dieser Karte ergibt, dass sie wahrscheinlich nicht von
den Gebrüdern Zeno angefertigt wurde. Erstens, weil die Karte neben den
Küsten Norwegens, Schwedens, Dänemarks, Deutschlands und Schottlands
auch die Shetlandinseln und die Färöer zeigt, obwohl die beiden Brüder nur
Island und Grönland bereist haben sollen. Zweitens, weil eine empirisch
konstruierte Polarprojektion (Abb. 83) ergibt, dass die geografischen Längen
und Breiten vieler der auf der Karte verstreut liegenden Orte erstaunlich
korrekt angegeben sind (siehe Tabelle 11a). Es ist kaum vorstellbar, dass im
14. Jahrhundert irgendjemand für all diese Orte die korrekten geografischen
Breiten bestimmen konnte, von den Längen ganz zu schweigen. Wenn man
davon ausgeht, dass die Karte auf einer korrekten Bestimmung der Längen
quer über den Atlantik basiert, dann entpuppen sich die Breitenangaben der
Orte als ebenfalls nahezu korrekt, sodass die ursprünglichen Kartografen die
korrekten relativen Längen eines Breiten- und Längengrads im Nordatlantik
gekannt haben müssen. Dies legt den Schluss nahe, dass sie fundierte
Informationen besaßen, nach denen sie ihre Karte zeichnen konnten.
Und ein dritter Punkt: Wenn wir den 30. Meridian östlicher Länge – den
durch Alexandria verlaufenden Meridian – als Nullmeridian wählen und zwei
Nordrichtungen nutzen wie auf der Piri-Reis-Karte (allerdings in unserem
Fall im rechten Winkel zueinander), können wir für diese Karte eine typische
Portolanprojektion zeichnen, die fast ebenso genau ist wie die

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Polarprojektion (siehe Abb. 84 und Tabelle 11b). Es spricht einiges dafür,
dass dies beabsichtigt war. Denn es sieht ganz danach aus, als hätten die
frühen Kartografen irgendwo und irgendwann eine ausgezeichnete Karte des
Nordatlantiks und der Arktis zur Verfügung gehabt, die in einer auf der
sphärischen Trigonometrie basierenden Projektion angefertigt worden war,
und als hätten sie ihre ebene Projektion sehr gekonnt darauf übertragen.
Wieso sie das taten, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Jedenfalls
müssen sie alle notwendigen Informationen über die Breiten und Längen der
geografischen Punkte besessen haben, vielleicht hatten sie diese dem
ursprünglichen Netz der Karte entnehmen können. Hatten sie mit den zwei
Nordausrichtungen auf ihrer Karte irgendein Spiel im Sinn? Es gibt ja
zahlreiche Beispiele vager mittelalterlicher Karten, die offenbar als
Kryptogramme oder Bilderrätsel gedacht waren.
Die Vermutung, dass diese Karte sehr alt sein muss, geht aus einer
Besonderheit hervor, auf die Captain Mallery erstmals aufmerksam machte.
Er wies nämlich darauf hin, dass Grönland auf der Zeno-Karte ohne Eiskappe
dargestellt ist (130), hingegen mit zahlreichen Bergen im Landesinneren und
Flüssen, die an manchen Stellen, an denen sich heute große Berggletscher
durch Täler zur Küste schieben, ins Meer münden. Auch machte Mallery auf
ein ebenes Gebiet auf der Karte aufmerksam, das sich, auf halber Strecke von
einigen Bergen unterbrochen, durch ganz Grönland zieht, und erklärte, dass
die Erkenntnisse jüngerer seismischer Expeditionen die unter dem Eis
liegende Topografie der Zeno-Karte bestätigt hätten. Tatsächlich hatte die
französische Polarexpedition von Paul-Emile Victor 1847–49 die Eiskappe
Grönlands überquert und ein dementsprechendes seismisches Profil der
Eisdecke erstellt. (Diese Profile finden sich auf Abb. 46.)
Man könnte einwenden, dass das auf der Zeno-Karte dargestellte ebene
Gebiet in Grönland über dem Meeresspiegel liegt, wohingegen die
Expedition von Victor ergab, dass Grönland durch eine Meerenge in zwei
oder drei Inseln geteilt wird. Das lässt sich jedoch dadurch erklären, dass die
ursprüngliche Karte angefertigt wurde, als Grönland eisfrei war und das
Gebiet höher lag als heute. Als dann jedoch die sehr schwere und über 1,5
Kilometer dicke Eiskappe entstand, könnte das Land wegen des enormen
Gewichts unter das Niveau des Meeresspiegels abgesunken sein.
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Abb. 82. Die Zeno-Karte von 1380

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Abb. 83. Die Zeno-Karte mit einer rekonstruierten Polarprojektion. Siehe Tabelle 11a.

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Abb. 84. Die Zeno-Karte mit quadratischer Portolanprojektion. Siehe Tabelle 11b.

Während Captain Mallery diesen Aspekt der Karte als Beweis für die These
betrachtete, dass die Karte vor sehr langer Zeit entstanden ist, sollte er meiner
Meinung nach im Zusammenhang mit den Erkenntnissen aus den übrigen
alten Karten gesehen werden, auch wenn man ihn allein einfach übergehen
könnte. Denn die auf Grönland eingezeichneten Berge, Täler und Flüsse, so
könnte man argumentieren, könnten der Fantasie mittelalterlicher
Kartografen entsprungen und das ebene Gebiet, das sich durch Grönland
erstreckt, reiner Zufall sein. Der Leser sollte, wie bereits gesagt, seine
eigenen Schlüsse ziehen.
Jede der von uns untersuchten Karten stellte uns vor neue Probleme, doch
die Zeno-Karte stellte eine besonders große Herausforderung dar. Weil ich
meiner Lösung nur Schritt für Schritt näherkam und man den Prozess nur
verstehen kann, wenn man ihm chronologisch folgt, versuche ich hier, jeden
einzelnen Schritt separat zu erläutern.

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Zunächst muss ich betonen, dass ich, als ich mit der Analyse der Karte
begann, nicht die geringste Ahnung hatte, was dabei herauskommen würde.
Ja, ich war nicht einmal zuversichtlich, überhaupt irgendetwas Besonderes
auf ihr zu entdecken, denn mich entmutigte die Tatsache, dass der dem
Portolan ähnliche Entwurf der Karte, der meiner Vermutung nach der
ursprüngliche gewesen sein musste, offenkundig von einem Familienmitglied
der Zeno im 16. Jahrhundert durch ein moderneres Netz ersetzt worden war,
was eine Lösung nach Art der Piri-Reis-Karte unmöglich machte. Nachdem
es ebenso wenig meinen Studenten wie den Kartografen der U. S. Air Force
gelungen war, das Problem zu lösen, legten wir die Karte beiseite, und ich
wollte mich nicht mehr mit ihr befassen.
Mallery hatte diese alte Karte in seinem Buch Lost America erwähnt und
ihre Genauigkeit in Bezug auf viele Punkte in Grönland nachgewiesen, indem
er ein auf diesen geografischen Punkten basierendes Gradnetz konstruierte,
das er allerdings nicht auf die ganze Karte ausdehnte. Darüber hinaus nahm
er an, dass die große Insel im Osten Grönlands auf der Zeno-Karte nicht
Island darstellen sollte, sondern es sich um die Gunnbjorns Skerries handelte,
eine Inselgruppe, die sich im Mittelalter entlang der grönländischen Küste
erstreckt haben soll, inzwischen aber zum Teil unter dem Meeresspiegel liegt
und zum Teil von der grönländischen Eisschicht bedeckt ist. Dieser
Interpretation konnten wir jedoch nicht zustimmen.1
Im März 1964, während der Abfassung des Manuskripts für das
vorliegende Buch, beschloss ich, einen letzten Blick auf diese knifflige Karte
zu werfen und Mallerys Analyse genau zu überprüfen, um zu sehen, ob sie
wirklich so genau ist, wie er behauptete. Ich war nämlich auf einen Artikel
des Geologen William H. Hobbs (93) gestoßen, der Grönland durch seine
Expeditionen gut kannte und erklärte, die Karte sei bemerkenswert exakt.
Also zog ich die Karte doch noch einmal hervor, sah sie mir an und breitete
zum Vergleich ein paar moderne Karten derselben Region aus – Karten des
Nordatlantiks und der Arktis.
Zuerst fiel mir auf, dass es sich bei dem Netz der Karte nicht um den
Portolanentwurf handelte, sondern eher um einen kreisförmigen,
polständigen. Der Vergleich mit den modernen Karten ließ mich den Sinn
dieses Entwurfs erkennen, schließlich ging es hier um die Polregion. Doch
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hatte es den Anschein, als wäre dafür weder das quadratische noch das
rechteckige Gradnetz der anderen alten Karten geeignet. Die in Grönland
nach Norden zeigenden Meridiane konnten nicht parallel zu den in Norwegen
nach Norden weisenden Meridianen verlaufen, sondern mussten an den Polen
zusammentreffen. Allerdings kam mir damals nicht in den Sinn, dass das
Problem durch die Nutzung zweier Nordrichtungen zu lösen sein könnte.
War es möglich, dass es sich doch um die Originalprojektion handelte, so
wie die Gebrüder Zeno sie im 14. Jahrhundert vorgefunden hatten?
Ich machte mich daran, die Projektion genauer zu untersuchen. Davon
ausgehend, dass jeder Abstand zwischen den Meridianen und Breitenkreisen
1 Grad darstellte, zählte ich die Grade, um herauszufinden, wie viele
Längengrade es quer über den Atlantik gab. Ich wählte zwei leicht
erkennbare Punkte aus, Kap Farewell an der Spitze Grönlands und Kap
Lindesnes an der Spitze Norwegens, die jeweils annähernd auf der gleichen
Breite liegen. Da Kap Farewell bei 44° westlicher Länge und Kap Lindesnes
bei 5° 30’ östlicher Länge liegen, beläuft sich die gesamte Längendifferenz
auf etwa 49,5°. Zählte ich auf der Zeno-Karte jedoch jeden Meridian als 1
Grad, betrug die Längendifferenz lediglich 30°, also viel zu wenig. Bei den
Breiten war es ähnlich. Als ich bei der tatsächlichen Position von Kap
Farewell bei 60° nördlicher Breite beginnend nach Norden zählte, lag der
nördlichste identifizierbare Punkt Grönlands, Kap Atholl an der Westküste,
nur auf 67° anstatt auf 77° nördlicher Breite (allerdings liegt Kap Farewell
auf der Karte schon fälschlicherweise fast 6° zu weit im Norden, wie der
Leser selbst erkennen kann).
Also spielte ich mit dem Gedanken, dass dem Familienmitglied der Zeno
im 16. Jahrhundert ein Fehler unterlaufen war. Möglicherweise hatte er das
Gradnetz falsch interpretiert, oder jeder Abstand entsprach 2 Grad
geografischer Länge oder Breite statt nur einem. Doch auch diese Idee war
nicht wirklich zufriedenstellend, weil sich damit über den Atlantik eine
Längendifferenz von 60° anstelle der korrekten 49,5° ergeben hätte. Darüber
hinaus kam mir die Krümmung der Breitenkreise quer über den Atlantik für
die hohe Breite Grönlands nicht ausreichend vor. Ein Vergleich mit
modernen Karten der Polarregion machte den Krümmungsunterschied
augenfällig und den Eindruck, die Krümmung auf der Zeno-Karte eignete
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sich allenfalls für deutlich niedrigere Breiten.
Schließlich war, geografisch gesehen, klar, dass das Netz weder den
Norden Grönlands noch Norwegens korrekt abbildete: Die Meridiane
müssten viel stärker zusammenlaufen. Und wenn die auf der Karte
eingezeichneten Meridiane zu ihrem Schnittpunkt hin verlängert werden,
liegt der so ermittelte Pol viel zu weit nördlich von Grönland (dessen
nördlichster Punkt tatsächlich nur 6° vom Pol entfernt ist), was heißt, dass die
Insel zu weit nach Süden verschoben ist.
Daraus schloss ich, dass irgendjemand irgendwann einen Fehler gemacht
hatte, als er diese Art von Projektion auf die Karte übertrug. Es konnte
durchaus der Zeno aus dem 16. Jahrhundert gewesen sein, wohl aber kaum
die Gebrüder Zeno, denn im 14. Jahrhundert nutzte niemand
Kreisprojektionen für Breiten- und Längennetze.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als noch einmal von vorn zu beginnen
und eine Projektion zu zeichnen, die mit der Karte übereinstimmte – nicht nur
in Bezug auf Grönland, sondern auf die Karte insgesamt. Zunächst einmal
musste ich die korrekte Position des Nordpols finden. Im ersten Schritt suchte
ich zwei Orte zu beiden Seiten des Atlantiks, die etwa auf derselben Breite
liegen. Wie bereits erwähnt, wählte ich Kap Farewell in Grönland auf 60°
nördlicher Breite und Kap Lindesnes in Norwegen auf 58° nördlicher Breite
aus. Diese beiden Punkte sind auf der Zeno-Karte deutlich zu erkennen. Nun
versuchte ich, von Kap Farewell bis unmittelbar nördlich von Kap Lindesnes
eine gebogene Linie zu ziehen, die den 60. Breitengrad darstellen sollte.
Dafür suchte ich auf der Zeno-Karte nach der Nordrichtung für Grönland und
Norwegen und zeichnete Linien ein, die direkt nach Norden führten, bis sie
sich in einem Punkt, dem Nordpol, trafen. Der erste Versuch war ein
Fehlschlag, denn als ich um diesen Punkt einen Kreis mit einem Radius bis
Kap Farewell zog, verlief dieser nicht unmittelbar nördlich von Kap
Lindesnes. Ich experimentierte herum, indem ich den Pol nach oben oder
unten und ein wenig zur Seite verschob, bis ich einen Punkt fand, von dem
aus ich einen Kreis ziehen konnte, der Grönland und Norwegen auf derselben
Breite schnitt (60° Nord), das heißt auf der Breite von Kap Farewell und Kap
Lindesnes. Daraufhin brauchte ich den Radius nur noch durch 30 zu
dividieren (die Zahl der Breitengrade zwischen dem 60. Breitengrad und dem
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Pol), um die Länge eines Grades zu berechnen, und konnte mein Netz
zeichnen. Dieses Netz ähnelte dem der Originalkarte zwar sehr, allerdings
war es anders ausgerichtet, und die Breitenkreise waren stärker gekrümmt.
Jetzt konnten die Meridiane von diesem Pol leicht mit einem Abstand von 5
Grad, beginnend bei Kap Farewell auf 44° westlicher Länge, eingezeichnet
werden.
Doch das so gezeichnete erste Netz erwies sich bei Tests als nicht genau
genug. Mein Pol lag – offenbar aufgrund eines Fehlers bei der Suche nach
der Nordrichtung in Grönland und Norwegen – zu weit im Süden, Kap
Farewell und Kap Lindesnes lagen in der Länge 21,5° zu weit auseinander.
Weil ich mit meiner Zählung der Grade in der Annahme bei Kap Farewell
begonnen hatte, dass dieser Punkt auf der korrekten Länge liege (44° West)
fand ich Kap Lindesnes 21,4° zu weit im Osten. Doch die Breitenangaben
aller dieser Punkte schienen bemerkenswert genau zu sein. Ich hatte
befürchtet, die Breitenangaben würden durcheinandergeraten, wenn ich das
Netz so korrigierte, dass ich quer über den Atlantik die korrekten Längen
erhielt. Und ich erwog, dass die alte Karte wahrscheinlich eher in Bezug auf
die Länge als die Breite Fehler aufweisen könnte.
Da ich jedoch die Annahme für angebracht hielt, dass der frühe Kartograf
die genauen relativen Längen von Norwegen und Grönland gekannt hat,
verschob ich den Pol so weit nach Norden, bis sich die Meridiane von Kap
Farewell und Kap Lindesnes dort genau in einem Winkel von 49,5°, also der
exakten Längendifferenz, trafen. Dadurch veränderte sich die Länge eines
Breiten- wie auch eines Längengrads ganz beträchtlich. Einigermaßen
besorgt, zeichnete ich ein neues Netz auf die Karte (wie in Abb. 83
dargestellt) und erstellte eine Tabelle der Positionen bestimmter Orte. Zu
meinem Erstaunen fand ich heraus, dass sich durch die Änderung der Länge
um einen Längengrad die Genauigkeit der Breitenangaben auf der gesamten
Karte deutlich verbesserte. Wie genau der Kartograf die geografischen
Längen und Breiten bestimmter Punkte im Nordatlantik kannte, wird aus
Tabelle 11a ersichtlich. Die Navigatoren, die ihm diese Daten lieferten,
müssen gute Instrumente zur Bestimmung der Breiten und Längen besessen
haben. Höchstwahrscheinlich wussten sie auch, welche Entfernungen sie
zurücklegten, und kannten den Erdumfang sehr genau.
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Selbstverständlich wurde diese Karte nicht von den Gebrüdern Zeno
angefertigt, denn sie bereisten ja nur einen kleinen Teil des auf der Karte
dargestellten Gebiets. Außerdem hatten sie keine Möglichkeit, die Längen zu
ermitteln, und Ende des 14. Jahrhunderts konnten sie auch die genauen
Breiten von Punkten an der grönländischen Küste nicht bestimmt haben.
Soweit wir wissen, hatten sie keine Vorstellung vom tatsächlichen
Erdumfang – nicht einmal die Schätzung des Ptolemäus, so falsch sie auch
war, stand ihnen zur Verfügung.

Abb. 85. Weltkarte mit stereografischer Projektion

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Die Karte war also höchstwahrscheinlich die Kopie einer antiken Karte, und
es ist aufregend, über deren Ursprung zu spekulieren. Möglicherweise
gelangte eine Version davon von Konstantinopel nach Venedig, eventuell
kurz nach dem 4. Kreuzzug von 1204, als die Venezianer Konstantinopel
eroberten. Als ich die verschiedenen Projektionen untersuchte, die von
Kartografen der Antike und der Neuzeit genutzt wurden (60), fiel mir auf,
dass Grönland auf einer mit stereografischer Projektion erstellten Weltkarte
in einem ähnlichen Winkel zu Norwegen dargestellt ist wie auf der Zeno-
Karte (siehe Abb. 85). Und die stereografische Projektion kannte man schon
in der Antike.

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2. Die Karte von Ptolemäus

Eines der bedeutendsten Ereignisse des 15. Jahrhunderts war die Entdeckung
der Werke von Claudius Ptolemäus, dem letzten großen Geografen und
Kartografen der klassischen Antike, der im 2. Jahrhundert n. Chr. lebte. Zu
diesen Werken gehörte eine Abhandlung über die Geografie, die noch heute
von großem Interesse ist, Tabellen der Breiten- und Längenangaben
bekannter geografischer Orte sowie eine umfangreiche Kartensammlung.
Die Karten wurden zwar Ptolemäus zugeschrieben, aber man geht nicht
davon aus, dass er sie tatsächlich selbst gezeichnet hat. Einige Fachleute
meinen, sie seien irgendwann im Mittelalter oder sogar erst im 15.
Jahrhundert mithilfe der Tabellen rekonstruiert worden, andere wenden
dagegen ein, dass weder im Mittelalter noch im 15. Jahrhundert
irgendjemand in der Lage gewesen sei, derartige Karten anhand der von
Ptolemäus überlieferten Tabellen so detailliert zu rekonstruieren. Zu ihnen
zählt auch der dänische Wissenschaftler Gudmund Schütt, der eine
Abhandlung über Ptolemäus verfasste. Schütt schreibt:
»Bekanntlich erlebte die Erforschung der Geographie nach dem Ende des Römischen Reiches oder
sogar schon zuvor einen bedauerlichen Niedergang. Wie sollten also im Mittelalter unkundige
Kopisten die gewaltige Aufgabe übernommen haben, auf der Grundlage der ptolemäischen Texte
einen detaillierten Atlas zu konstruieren, und diese Aufgabe so bemerkenswert gut erfüllt haben? Das
ist undenkbar. Die uns vorliegenden Manuskript-Atlanten sind auf den ersten Blick als Kopien eines
antiken Originals zu erkennen, angefertigt von einem Experten … auf dem höchsten Stand der
geografischen Wissenschaft zur Zeit der klassischen Antike.« (186)

Gudmund Schütt führt weitere Belege an, die seine Schlussfolgerung recht
detailliert untermauern, so die Beobachtung, dass die im 15. Jahrhundert
entdeckten Manuskript-Atlanten des Ptolemäus anderen überlieferten Werken
des 4. Jahrhunderts stilistisch ähnlicher sind als jene aus dem 5. und 6.
Jahrhundert. Das würde bedeuten, dass diese Karten, wenn sie nicht von
Ptolemäus selbst gezeichnet wurden, von einem Kartografen angefertigt
wurden, der etwa 200 Jahre nach Ptolemäus lebte. Es ist also denkbar, dass es
sich um gute Kopien von Karten handelt, die er selbst gezeichnet hat.
Ptolemäus arbeitete in der Bibliothek von Alexandria, und dort stand ihm
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nicht nur das zeitgenössische geografische Wissen über die damals bekannte
Welt zur Verfügung (siehe seine Weltkarte, Abb. 6), sondern auch die Werke
früherer Geografen, wie zum Beispiel Marinos von Tyros, sowie die Karten,
die im Laufe des 500-jährigen Bestehens der Bibliothek gesammelt worden
waren. Es gilt als wahrscheinlich, dass Ptolemäus die Vorlagen einiger der
Karten, die wir in diesem Buch untersucht haben, gesehen hat, auch wenn
ihm vielleicht nicht klar war, wie weitgehend diese der Kartografie seiner
Zeit überlegen waren.
Die Karte, mit der wir uns nun befassen wollen2 , ähnelt im Stil
denjenigen, die im 15. Jahrhundert in allen Ptolemäus-Atlanten veröffentlicht
wurden. Wie die anderen, stellt auch diese ein beträchtliches Wissen über die
geografischen Breiten der Orte unter Beweis, doch eine äußerst schwache
Vorstellung von den geografischen Längen. Ptolemäus musste sich für seine
Schätzungen der Entfernungen im Römischen Reich auf die Berichte von
Reisenden und ähnliche Informationen stützen, denn es lagen nur wenige
geografische Informationen durch astronomische Beobachtungen vor. Und
diese bezogen sich nur auf die geografischen Breiten, weil es keine
wissenschaftliche Methode gab, um die geografische Länge von Orten zu
bestimmen. Daher waren die Formen von Ländern und Ozeanen auf den
Karten des Ptolemäus stark verzerrt, wie wir bei Nordenskiölds Vergleich
zwischen der Mittelmeerkarte des Ptolemäus und dem Dulcert-Portolan
gesehen haben (Abb. 4).
Auf der Karte des Nordens von Ptolemäus sind diese Charakteristika
ebenfalls zu erkennen (Abb. 86 und 87). Unsere Version der Karte scheint
von zwei Kopisten angefertigt worden zu sein. Der Teil, auf dem
Großbritannien und Irland dargestellt sind, hat zwar die ptolemäischen
Umrisse, zeigt jedoch im Landesinneren keinerlei Details, sondern lediglich
geometrisch anmutende Verzierungen. Die anderen Teile der Karte ähneln
dagegen eher den typischen Karten des Ptolemäus und zeigen eine Vielzahl
authentischer geografischer Einzelheiten, wie zum Beispiel die Seen in
Südschweden.
Das bemerkenswerteste Detail der Karte ist der offensichtliche Hinweis auf
die Vergletscherung der Region, denn sie zeigt Grönland weitgehend, wenn
auch nicht ganz, von Eis bedeckt. Der Umriss der Insel ähnelt dem auf der
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Zeno-Karte und könnte auf die gleiche antike Quelle zurückzuführen sein.
Die Eisschicht ist künstlerisch angedeutet, sie scheint zu glänzen, als würde
das Sonnenlicht von der vereisten Erdoberfläche reflektiert. Und es hat den
Anschein, als wäre die Eisschicht zur Zeit der Entstehung dieser Karte
deutlich kleiner gewesen als heute (man nimmt an, dass dies zur Zeit der
frühen Besiedlung durch die Norweger tatsächlich der Fall war).
Wenn wir unser Augenmerk auf Südschweden lenken, erkennen wir
weitere Hinweise auf eine Vereisung. Zwar gibt es in Skandinavien auch
heute noch Gletscher, doch nicht in diesem Teil Schwedens. Die Karte aber
weist Merkmale auf, die jenen der grönländischen Eisschicht ähneln. So
unglaublich es auch erscheinen mag, deuten sie tatsächlich die verbliebenen
Gletscher an, die das Land am Ende der letzten Eiszeit, vor etwa 10 000
Jahren, bedeckten. Einige feine Details verstärken diesen Eindruck. So geben
die dargestellten Binnenseen die Umrisse der heutigen Seen wieder, und die
Flüsse, die Gletscherbächen zu ähneln scheinen, fließen von den
»Gletschern« in die Seen. Meiner Ansicht nach ist das ein deutlicher Hinweis
auf das rasche Schmelzen der Gletscher während des Rückgangs der
Eisschicht. Selbstverständlich konnten die Menschen im 15. Jahrhundert, im
frühen Mittelalter oder in römischer Zeit nicht ahnen, dass es in Nordeuropa
einmal eine Eiszeit gegeben hatte. Sie konnten sich Gletscher in
Südschweden weder vorgestellt und noch ausgedacht haben.

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Abb. 86. Eine Karte des Nordens von Ptolemäus

Abb. 87. Nachzeichnung der Ptolemäischen Karte des Nordens

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Abb. 88. Physiografische Karte Südschwedens

Doch noch weitere Details verdienen Beachtung, denn ähnliche


Charakteristika – entlang von Bergketten oder nicht – lassen sich auch
jenseits der Küsten Deutschlands und des Baltikums feststellen. In
Deutschland beginnen sie im Erzgebirge beziehungsweise im Harz, in
korrekter geografischer Länge zu Schweden, und erstrecken sich über das
Riesengebirge und die Sudeten nach Osten bis zu den Karpaten, wo sie, dem
Verlauf des Gebirges folgend, nach Süden führen. Auf der Karte ist zu sehen,
dass der Gletscher sich danach nach Norden wendet, wo er ziemlich genau
dem weißrussischen Hochland folgt (östlich der Grenze zu Polen) und im
livländischen Hochland bei 57 Grad Nord, in korrekter relativer Breite zu
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Südschweden, endet.
Ich glaube nicht, dass man diese Charakteristika als Gebirgszüge abtun
kann, auch wenn die Kopisten des 15. Jahrhunderts sie für Berge gehalten
haben müssen. Natürlich ist klar, dass sich am Ende der Eiszeit die Gletscher
in den Bergregionen am längsten hielten, doch in Südschweden gibt es keine
Berge, ebenso wenig in Polen und Livland. Um das zu veranschaulichen,
zeigt Abbildung 88 die heutige Topografie Südschwedens.
Wenn wir die Ptolemäus-Karte des Nordens mit der Zeno-Karte
vergleichen, erkennen wir, dass beide zwar Ähnlichkeiten aufweisen, aber auf
Quellen basieren müssen, die in verschiedenen Zeiten entstanden sind. Falls
die ursprüngliche Quelle der Ptolemäus-Karte vom Ende der Eiszeit stammt,
muss die der Zeno-Karte noch deutlich früheren Ursprungs gewesen sein.

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3. Die Karte des Andrea Benincasa von 1508

Diese Karte3 ist eine der besten Portolankarten überhaupt (siehe Abb. 89).
Eine Untersuchung ergab, dass sie auf den magnetischen Nordpol, auf 6 Grad
Ost, ausgerichtet ist.
Um das Gradnetz für diese Karte zeichnen zu können, bestimmten wir
zunächst die Länge eines Längengrads, indem wir den Abstand zwischen
zwei bekannten geografischen Punkten auf der Karte in Millimetern maßen –
in diesem Fall zwischen Gibraltar und Batum – und durch deren tatsächliche
Längendifferenz dividierten. Die Länge eines Breitengrads wurde
gleicherweise mithilfe von Punkten an der Atlantikküste von Kap Jubi bis
Irland und im Osten von Kairo bis Jalta ermittelt. Für den Längengrad ergab
sich auf unserer Durchzeichnung der Karte ein Wert von 7 Millimetern, und
ein Breitengrad maß im Atlantik 9 Millimeter, im Osten dagegen 5
Millimeter. Weil der Wert eines Längengrads genau dazwischen lag, wählten
wir ihn als Einheit für unser Netz. Im Osten hatten wir nicht genügend
identifizierbare Punkte (und zu wenig Breite), um ein verlässliches Maß für
die Länge eines Grads exakt berechnen zu können (Abb. 90).
Das Netz musste auf irgendeinen geografischen Bezugspunkt ausgerichtet
werden. Wir wählten dafür Kap Bon, unweit des ehemaligen Karthago, weil
es zentral gelegen und auf der Karte gut zu erkennen ist. Dabei fiel uns ein
Fehler von etwa 1 Grad auf, der sich auf die ganze Karte auswirkte und
unsere Meridiane um 1 Grad nach Osten verschob. Gleichwohl wies das so
konstruierte Netz auf eine verblüffende Genauigkeit der Karte als Ganzes hin.
Aus Tabelle 12 geht hervor, dass der Längenfehler auf der Basis des von uns
bestimmten Wertes von 1 Grad bei insgesamt 47 Grad (beziehungsweise
circa 5000 Kilometern) zwischen Batum und Gibraltar im Durchschnitt
weniger als 1 Grad beträgt. Dies lässt darauf schließen, dass der Kartograf,
der hier am Werk war, die genauen relativen geografischen Längen von Orten
bestimmen konnte, was Ptolemäus, wie wir gerade gesehen haben, noch nicht
vermochte.
Um den bemerkenswertesten Aspekt dieser Karte würdigen zu können,

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muss die Tatsache hervorgehoben werden, dass es sich um eine der
genauesten Portolankarten handelt, was die detaillierte Darstellung der
Küsten anbelangt. Zudem zeigen ihre genauen Breiten- und Längenangaben,
dass sie wie einige der anderen Karten ursprünglich nur mithilfe der
sphärischen Trigonometrie gezeichnet worden sein kann. Deshalb ist sie im
wahrsten Sinne des Wortes ein wissenschaftliches Werk.
Ein fragwürdiger Aspekt findet sich im Norden der Karte, der auf den
ersten Blick wie eine äußerst schlechte Darstellung der Ostsee aussieht. Ein
Vergleich mit einer modernen Karte zeigt, dass die Ostsee sich fast genau
von Nord nach Süd erstreckt, während sie auf dieser ansonsten so genauen
Karte von Ost nach West verläuft; außerdem gibt es weder Hinweise auf den
nördlichen Teil der Ostsee, den Bottnischen Meerbusen oder den Finnischen
Meerbusen. Was kann der Grund dafür sein? Diese Karte stammt aus dem
Jahr 1508, als die Ostsee längst bestens erforscht war. Schon seit 300 Jahren
war sie zu dieser Zeit ein stark frequentierter Handelsweg, auf dem viele
Handelsschiffe und die Flotte der Hanse verkehrten. Und wie aus seiner
Karte des Nordens hervorgeht, kannte auch Ptolemäus ihre Umrisse gut.
Wenn wir diesen Bereich auf der Benincasa-Karte betrachten, bemerken
wir Details, die sich von der Darstellung von Wasserflächen auf den Karten
des 15. und 16. Jahrhunderts deutlich unterscheiden. Handelt es sich
tatsächlich um die Ostsee – oder etwa um eine Eismasse? Sollen die dicken
Kleckse am südlichen Rand Häfen an der deutschen Ostseeküste darstellen,
oder handelt es sich womöglich um Gletscherseen? Sind die vermeintlichen
Inseln wirklich Inseln oder bereits eisfreie Flächen inmitten der
schmelzenden Eiskappe? Ich war von dieser Möglichkeit ganz fasziniert und
hielt die Beweise für sehr überzeugend, als ich feststellte, dass die Umrisse
der südlichen »Ostsee« ganz genau der Südgrenze der skandinavischen
Eiskappe vor etwa 14 000 Jahren entsprachen. Weitere Untersuchungen
ergaben leider, dass diese Eiskappe tatsächlich der Ostseeküste weitgehend
folgte (siehe Abb. 91).
Auf allen Karten, die diese fragliche Darstellung der Ostsee zeigen, gibt es
in der Ostseeküste einen Bruch. Der genaue Teil der Portolankarten reicht bis
Großbritannien und die Niederlande. Für alles Weitere wurde offensichtlich
auf eine andere Quellenkarte zurückgegriffen, die jedoch falsch interpretiert
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wurde, sodass die Küste der Niederlande für die von Dänemark gehalten
wurde, wodurch sie um etwa 400 Kilometer nach Westen verschoben und ein
Teil ihrer Küstenlinie ausgelassen wurde. Diese offenbar verzerrte Karte der
Ostsee kursierte möglicherweise in südlichen Ländern – in Portugal und
Italien –, wo die tatsächlichen Umrisse der Ostsee weniger bekannt waren.
Ich vermute, dass Kartografen in besagten Ländern auf diese alte Karte
gestoßen sind, die zusammen mit anderen Karten aus Konstantinopel oder
anderswoher nach Europa gelangt sein mag, und sie mit der
Normalportolankarte kombinierten.

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Abb. 89. Karte des Andrea Benincasa von 1508

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Abb. 90. Die Karte von Andrea Benincasa mit einem nach geografischen Merkmalen empirisch
konstruierten quadratischen Netz. Siehe Tabelle 12.

Möglich wäre auch, dass die Ostsee in der späten Eiszeit tatsächlich die auf
der Karte dargestellte Form hatte, denn die nördlichen Ausläufer – der
Bottnische Meerbusen und der Finnische Meerbusen – waren wahrscheinlich
noch lange von Eis bedeckt, als die südliche Ostsee schon eisfrei war. Weil
diese Meerbusen sehr flach sind, könnten sie sich sogar über dem
Meeresspiegel befunden haben, als der Meeresspiegel noch einige Meter
tiefer lag.

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Abb. 91. Die Vereisung der Ostsee

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4. Die Portolankarte von Jehudi Ibn Ben Zara aus Alexandria

Wie bereits erwähnt, hielt Nordenskiöld sämtliche Portolankarten für Kopien


eines und desselben Originals. Ich habe den Eindruck, dass der Portolan von
Jehudi Ibn Ben Zara aus Alexandria (siehe Abb. 92) diesem Original sehr
nahekommen könnte 4 .
Weil diese Portolankarte den anderen hinsichtlich der Feinheit der
Küstendarstellung eindeutig überlegen wirkte, schien mir ihre genaue
Untersuchung sinnvoll zu sein. Und in der Tat, als ich sie mit modernen
Karten verglich, war ich erstaunt, dass kein noch so kleines Inselchen fehlte.
So stellte ich zum Beispiel fest, dass der Kartograf an der französischen
Küste neben den Hauptmerkmalen auch die nördlich der Gironde-Mündung
liegenden winzigen Inseln Île de Ré und Île d’Oléron eingezeichnet hatte.
Nördlich der Loire-Mündung findet man die Belle Île und zwei weitere kleine
Inseln. Vor Brest zeichnete er die Île d’Ouessant ein. Und ähnlich feine
Details findet man an sämtlichen Küsten.
Das für die Karte konstruierte Gradnetz (Abb. 93) deutete tatsächlich auf
eine erstaunliche Genauigkeit der relativen geografischen Breiten und Längen
hin. Die Gesamtlänge zwischen Gibraltar und dem Asowschen Meer weicht
lediglich um 0,5 Grad, die Gesamtbreite zwischen Kap Jubi und Kap Clear in
Irland nur um 1,5 Grad vom tatsächlichen Wert ab. Der durchschnittliche
Breitenfehler beträgt auf der ganzen Karte weniger als 1 Grad, der
durchschnittliche Längenfehler dagegen ein wenig mehr (siehe Tabelle 13).
Was die Karte insgesamt anbelangt, so ergaben sich keine Hinweise auf ein
rechteckiges Gradnetz, sondern sie scheint, wie die Benincasa-Karte auch,
nach einem quadratischen Netz gezeichnet worden zu sein.
Doch es sollte sich eine Komplikation ergeben, als mein Student Alfred
Isroe mich auf einen der bemerkenswertesten Aspekte der Karte aufmerksam
machte, nämlich fünf Medaillons in den Ecken der Karte, in denen die
Kartografen der Renaissance Gesichter als Symbole für die Winde
zeichneten. Zwar folgten sie hierin prinzipiell einer Konvention ihrer Zeit,
doch nicht in der Art und Weise, wie sie sie zeichneten. Üblicherweise sind

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derartige Gesichter auf den Portolankarten der Renaissance mit
aufgeblasenen Wangen dargestellt, die kräftig in die jeweilige Windrichtung
blasen, die Gesichter auf der Ben-Zara-Karte aber sind für die Kartografie der
Renaissance völlig untypisch. Ihre Wangen sind nicht aufgeblasen, die
Gesichter wirken ruhig und aristokratisch, und die angedeutete Kleidung
entspricht nicht dem Stil der Zeit.

Abb. 92. Die Portolankarte des Jehudi Ibn Ben Zara aus Alexandria von 1497

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Abb. 93. Die Ibn-Ben-Zara-Karte mit einem nach der Geografie empirisch konstruierten quadratischen
Netz. Siehe Tabelle 13.

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Abb. 94. Die Medaillons auf der Ibn-Ben-Zara-Karte.

Isroe äußerte zunächst die Meinung, die Gesichter ähnelten jenen auf den
Ikonen in griechisch-orthodoxen Kirchen, so wie sie im 7. und 8. Jahrhundert
n. Chr. in der berühmten Ikonenschule in Parnassos angefertigt wurden. Das
war wirklich aufregend. Konnte es sein, dass wir hier eine genaue Kopie
einer antiken Portolankarte vorliegen hatten, die über ein griechisches Kloster
des 8. Jahrhunderts zu uns gelangt war? Selbstverständlich hatte Ibn Ben
Zara seine Karte mit modernen Namen versehen, doch womöglich war dies ja
die einzige Änderung, die er an seiner antiken Quellenkarte vorgenommen
hatte. Diese Frage verlangte nach einer gründlichen Überprüfung.
Ich nahm die Karte mit zu meiner Tante, Mrs. Norman Hapgood, die sich
als Philologin und Übersetzerin mit der russischen und anderen
osteuropäischen Sprachen auskennt. Sie erklärte mir, dass die Gesichter auf
sie koptisch wirkten. Daraufhin recherchierte ich im Fogg Museum der
Harvard Universität und wurde für meine Mühen belohnt, denn eine Reihe
von Abhandlungen brachte etwas Licht ins Dunkel.
In einer der beiden aufschlussreichsten unter ihnen (80, 4) beschreibt
Wladimir de Gruneisen die vor dem Aufstieg des Christentums entstandene
Kunst der Kopten als »frivole, spirituel, profondément raffiné et
aristocratique par excellence«5 . Der Leser mag selbst beurteilen, ob die
kleinen Gesichter dieser Beschreibung entsprechen (Abb. 94). Jedenfalls gibt
es, wie ich im Zusammenhang mit der Karte von Piri Reis und anderen
bereits angedeutet habe, gute Gründe für die Annahme, dass die
Portolankarten tatsächlich über Alexandria zu uns gelangt sind und von
alexandrinischen Geografen kopiert und zusammengesetzt wurden. Sie
könnten die flache Portolanprojektion selbst entwickelt haben, und
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infolgedessen könnten die hellenistisch anmutenden Gesichter recht
bedeutsam sein.
Wie bereits erwähnt, wies das für diese Karte konstruierte Netz darauf hin,
dass bei der Anfertigung der Karte oder zumindest ihrer Kompilation aus
regionalen Karten kein rechteckiges, sondern ein quadratisches Gradnetz
verwendet wurde. Tabelle 13 gibt deutliche Hinweise darauf.
Daher war ich sehr überrascht, als Warren Lee, einer meiner Studenten,
herausfand, dass zumindest für Spanien das von der Topografie vorgegebene
Netz rechteckig, nicht quadratisch war (siehe Abb. 95 und Tabelle 14). Das
ist tatsächlich verblüffend. Wie ist das zu erklären? Müssen wir annehmen,
dass der Kartograf, der die Karte zusammenfügte und seine Sache so gut
machte, einzelne Karten verschiedener Länder nutzte, darunter eine Karte
von Spanien, die früher und möglicherweise mit derselben Projektion
entstanden war wie die Caveri-Karte?
Doch Warren Lee hatten wir noch eine weitere interessante Beobachtung
zu verdanken, denn während seiner Analyse des spanischen Teils der Karte
fiel ihm auf, dass an der Mündung des Guadalquivir eine tiefe Bucht
eingezeichnet ist. Auf modernen Karten findet sich an dieser Stelle ein
breites, von Sümpfen durchzogenes Delta von etwa 50 Kilometern Breite und
80 Kilometern Länge. Die Bucht auf der Ben-Zara-Karte könnte also die
Küstenlinie vor der Entstehung des Guadalquivir-Deltas zeigen. Da der
Guadalquivir kein besonders großer Fluss ist und keine immense
Sedimentfracht transportiert, dürfte es sehr lange gedauert haben, bis das
Delta entstanden war. Bereits auf mehreren anderen von uns untersuchten
Karten finden sich Indizien dafür, dass das Delta sich bildete, nachdem die
Karten gezeichnet worden waren, doch in keinem anderen Fall ist die
Beweislage so klar wie hier.
Außerdem war uns wichtig herauszufinden, ob wir in der bemerkenswert
detaillierten Darstellung der Inseln, insbesondere der ägäischen,
möglicherweise Hinweise für eine Veränderung des Meeresspiegels seit
Anfertigung der Originalkarte erkennen würden. Ein Vergleich der Ägäis auf
der Karte von Ibn Ben Zara (Abb. 97) mit einer modernen Karte (Abb. 98)
legt den Schluss nahe, dass viele Inseln mittlerweile versunken sind, denn auf
der modernen Karte finden sich deutlich weniger Inseln, und viele davon sind
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kleiner, als sie auf der alten Karte dargestellt sind. Das wirft die Frage auf,
wieso ein Kartograf, der selbst die kleinsten Inseln äußerst sorgfältig und
sämtliche Küstenmerkmale möglichst genau gezeichnet hat, in der Ägäis auf
einmal von allen guten Geistern verlassen sein sollte und das Meer mit
erfundenen Inseln füllte, während er gleichzeitig die realen Inseln in ihrer
korrekten Lage zueinander einzeichnete?

Abb. 95. Die Ibn-Ben-Zara-Karte: Der Spanien darstellende Teil, mit einem nach der Geografie
empirisch konstruierten rechteckigen Gradnetz. Siehe Tabelle 14.

Wie der Leser gewiss selbst feststellen wird, zeigt eine Ecke dieser Karte

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offenbar ähnliche Gestaltungsmerkmale, wie wir sie auf der Benincasa-Karte
als mögliche Eiskappe interpretiert haben. Während wir in letzterem Fall
jedoch eine unklare Beweislage einräumen mussten, finden wir auf dieser
Karte weitere Indizien, nämlich Darstellungen in Mittelengland und
Mittelirland, die als Gletscher interpretiert werden können (siehe Abb. 99).

Abb. 96. Spanienkarte von Ptolemäus

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Abb. 97. Die Ägäis auf der Karte des Ibn Ben Zara

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Abb. 98. Die Ägäis auf einer modernen Karte

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Abb. 99. Nachzeichnung des westlichen Teils der Ibn-Ben-Zara-Karte

Zumindest hängen bei der Benincasa-Karte alle Belege miteinander


zusammen: die große Zeitspanne, die für die Entstehung des Guadalquivir-
Deltas erforderlich war, die Hinweise auf einen niedrigeren Meeresspiegel
zur Zeit, als die ursprüngliche Karte angefertigt wurde (die, wie wir jetzt
wissen, schon am Ende der Eiszeit existiert haben muss), und nun auch die
Reste von Gletschern auf den Britischen Inseln.

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Kapitel VII
Die wissenschaftliche Bedeutung der Karten

1. Sphärische Trigonometrie

Als wir mit unserer Untersuchung der alten Karten begannen, hatten wir
zunächst nur ein Ziel vor Augen: Wir wollten herausfinden, ob auf der Piri-
Reis-Karte von 1513 tatsächlich die Küste der Antarktis abgebildet ist. Dies
führte uns zu einer denkbaren Lösung bezüglich der Piri-Reis-Projektion. Wir
entdeckten, dass die Projektion der von Piri Reis für die Atlantikküsten
(sowohl der Alten als auch der Neuen Welt) genutzten Quellenkarte
offenkundig auf der ebenen Trigonometrie und auf der Eratosthenes
zugeschriebenen Berechnung des Erdumfangs basierte, und stellten eine
Übereinstimmung zwischen der bei dieser Projektion genutzten Länge eines
griechischen Stadions und der von Dr. George Sarton bestimmten Länge fest.
Dann bekamen wir heraus, dass das Zentrum der Projektion auf dem
Schnittpunkt des Wendekreises des Krebses mit dem Meridian von
Alexandria lag und dass die Nutzung des Meridians von Alexandria der
Gepflogenheit der altgriechischen Geografen entsprach. Und das kam ja der
Behauptung von Piri Reis persönlich entgegen, dass einige seiner
Quellenkarten aus der Zeit Alexanders des Großen stammten.
Daher hatten wir starke Argumente für die Schlussfolgerung, dass die Piri-
Reis-Karte auf antiken Quellen basiert. In der Tat scheint sie ein
überraschend hohes Niveau der Wissenschaft in Alexandria zu belegen, und
das würde bedeuten, dass die Geografen des »Museions« – der der Bibliothek
von Alexandria angeschlossenen großen Akademie – das Problem der
Anwendung der Mathematik innerhalb der Kartografie gelöst haben könnten,
was alle bekannten Geografen von Eratosthenes bis Ptolemäus für notwendig
erachteten, aber nicht umsetzen konnten. Es hat jedoch den Anschein, als
wäre dies bereits vor der Zeit des Ptolemäus (2. Jahrhundert n. Chr.)
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gelungen, ein späteres Datum ist kaum vorstellbar. Die einzige Epoche, in der
die Wissenschaft zwischen der Zeit von Ptolemäus und der Renaissance eine
Blüte erlebte, war die große Ära der arabischen Wissenschaft zwischen dem
10. und 13. Jahrhundert, doch die arabischen Karten aus dieser Zeit geben
keinerlei Hinweise auf die Anwendung der Trigonometrie innerhalb der
Kartografie, sie bieten lediglich schöne Bilder.
Wir haben bereits erwähnt, dass Hipparch im 2. Jahrhundert v. Chr. nicht
nur die ebene und die sphärische Trigonometrie entdeckte beziehungsweise
wiederentdeckte, sondern auch eine oder mehrere Arten der auf der
sphärischen Trigonometrie basierenden mathematischen Kartenprojektionen
entwickelte. Wir wissen nicht, ob er selbst Karten anfertigte – denkbar wäre
es –, doch zu Lebzeiten kann er diese Projektionen unmöglich angewendet
haben, weil ihm die dafür notwendigen Daten von Orten in den bekannten
Regionen der Erde in Form von korrekten Breiten- und Längenangaben nicht
zur Verfügung standen. Genau darin lag nämlich die große Schwäche der
griechischen Kartografie. In der griechischen Antike war die Mathematik der
Entwicklung mechanischer Instrumente weit voraus: Es gab einfach keine
Instrumente, um die geografische Länge von Orten leicht und korrekt zu
bestimmen. Doch die Piri-Reis-Karte und die anderen Karten, die wir
untersucht haben, scheinen den Schluss nahezulegen, dass solch ein
Instrument beziehungsweise solche Instrumente einst tatsächlich existierten
und von Menschen genutzt wurden, die die korrekte Größe des Erdumfangs
kannten. Außerdem drängt sich der Eindruck auf, dass diese Menschen einen
großen Teil der Erde bereist hatten. Nord- und Südamerika scheinen ihnen
recht vertraut gewesen zu sein, und sie haben die Küsten der Antarktis
kartografiert.
Als ein sehr seltsames und scheinbar widersprüchliches Rätsel erwies sich
die offenkundige Verwendung der ebenen Trigonometrie zu einer Zeit, in der
laut Geschichtsschreibung die sphärische Trigonometrie bereits bekannt war.
Warum finden wir auf der Piri-Reis-Projektion, wie wiederholte Experimente
ergeben haben, Hinweise für die Nutzung der ebenen Trigonometrie, obwohl
die griechischen Geografen nach Hipparch bereits mit der Theorie der
sphärischen Trigonometrie für die Kartografie vertraut waren? (Allerdings
konnten sie diese unseres Wissens nach nicht praktisch umsetzen.) Es ist
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nicht sehr wahrscheinlich, dass die Karte genau in der Lebensphase des
Hipparch gezeichnet wurde, als er die Entwicklung der ebenen Trigonometrie
abgeschlossen, die sphärische Trigonometrie jedoch noch nicht entwickelt
hatte.
Ein Weg zur Lösung dieses Rätsels zeigte sich zunächst durch eine kuriose
Tatsache, die sich anhand der Tabellen auf der Piri-Reis-Karte ergab:
Während wir eine äußerst bemerkenswerte Genauigkeit der Längenangaben
feststellten, schienen die Breitenangaben seltsamerweise weniger korrekt zu
sein, insbesondere in Richtung Nordeuropa nahmen die Breitenfehler
gleichmäßig und fortlaufend zu. Es schien, als wäre die Originalkarte unter
Berücksichtigung der Erdkrümmung gezeichnet worden. Die Möglichkeit,
dass dies nur einem Maßstabsfehler zuzuschreiben war, konnten wir
ausschließen. Wir stellten fest, dass die Länge eines Breitengrads auf der
ursprünglichen Quellenkarte länger gewesen war als die Länge eines
Längengrads, konnten jedoch nicht klären, ob die größere Durchschnittslänge
eines Breitengrads auf ein willkürlich festgelegtes Verhältnis zwischen den
Längen- und Breitengraden, basierend auf dem Verhältnis eines bestimmten
Breitenkreises, zurückging oder ob der Abstand der Breitengrade stetig
zunahm. Im ersten Fall hätten wir es mit der Methode zu tun, die
Nordenskiöld 1 Ptolemäus zuschrieb, im zweiten Fall hätten wir so etwas wie
eine Mercator-Projektion vorliegen, eine auf der sphärischen Trigonometrie
basierende Projektion. (Siehe Exkurs S. 56 f.)

Exkurs

Nordenskiölds Kommentar zur Projektion des Marinos von


Tyros
Folgendes schreibt Nordenskiöld über die Projektion des Marinos von Tyros, die er mit der
abstandsgleichen rechteckigen beziehungsweise abstandsgleichen zylindrischen Projektion des
Ptolemäus in Verbindung bringt:

»Der Kürze halber benenne ich diese Projektion nach Marinos von Tyros, der diese laut Ptolemäus
für seine Karten nutzte, aber ich gehe davon aus, dass sie schon früher von unbekannten
Kartografen verwendet wurde. Die Meridiane und Breitenkreise sind abstandsgleiche Geraden, die
im rechten Winkel zueinander verlaufen und so gezeichnet sind, dass auf dem mittleren
beziehungsweise Hauptbreitengrad der Karte das korrekte Verhältnis zwischen den Breiten- und

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Längengraden erhalten bleibt. Wird der Äquator dafür ausgewählt, dann ist das Skalennetz
quadratisch. Die 26 Karten in allen älteren Manuskripten des Ptolemäus sind nach dieser Projektion
gezeichnet …« (147, S. 85).
Es könnte durchaus eine Verbindung zwischen den rechteckigen Netzen, die wir auf der Piri-Reis-
Karte, den chinesischen Karten sowie dem spanischen Abschnitt der Ben-Zara-Karte finden, und der
hier von Nordenskiöld beschriebenen Projektion bestehen. In diesem Fall würde unsere Lösung der
Karte von de Caveri ein Problem aufwerfen, denn hier ergab die Berechnung mithilfe der
sphärischen Trigonometrie ein rechteckiges Netz.

Ein anderer Teil der Piri-Reis-Karte deutete darauf hin, dass die sphärische
Trigonometrie schon in sehr ferner Vergangenheit genutzt wurde. Dabei
handelte es sich um den Karibik-Teil, der den Schluss nahelegte, dass die
Originalkartografie auf einer Art von scheitelwinkliger, abstandsgleicher
Polarprojektion basierte. Außerdem wies die Genauigkeit der Breiten- und
Längenangaben hier darauf hin, dass der Kartograf, der die eine Projektion in
die andere umwandelte, sehr genau wusste, was er tat, und die korrekten
geografischen Längen und Breiten der Karibik kannte.
Während wir eine Karte nach der anderen untersuchten, sammelten wir
immer mehr Beweise dafür, dass die sphärische Trigonometrie und ihre
Anwendung bei der Kartografie schon lange vor der griechischen Antike
bekannt gewesen waren. Die Zeno-Karte des Nordens veranschaulichte die
Umwandlung einer ursprünglichen sphärischen Trigonometrie-Anwendung in
die flache Portolanprojektion.
Im Fall der Antarktiskarte des Oronce Finé wurde deutlich, wie weit die
Kenntnisse der sphärischen Trigonometrie und ihre Anwendung auf
anspruchsvolle Kartenprojektionen tatsächlich zurückzuverfolgen sind. Hier
hatte niemand versucht, eine antike Karte in die Portolanprojektion
umzuwandeln, sondern unsere lange und intensive Untersuchung führte uns
allmählich zu der Erkenntnis, dass die Originalkarte mit einer der
cordiformen Projektion ähnlichen Projektion gezeichnet worden sein musste,
die in der Renaissance bekannt war und genutzt wurde. Dabei handelte es
sich um eine Projektion mit gekrümmten Meridianen. Unsere Freunde von
der Kartografieabteilung der U. S. Air Force hatten eine solche Projektion
zwar schon vermutet 2 , aber sie genauer zu bestimmen ist kaum möglich;
allerdings ist undenkbar, dass sie ohne sphärische Trigonometrie hätte
gezeichnet werden können. Besonders faszinierend ist, dass diese Karte, folgt
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man ihren geologischen Hinweisen, älter zu sein scheint als die meisten
anderen Karten – also ein Alter besitzt, das das Alter der bis jetzt bekannten
frühesten schriftlichen Überlieferungen um ein Mehrfaches übertrifft.
Die Portolankarten des Mittelmeerraums und des Schwarzen Meers, die
offenkundig aus dem 14. und 15. Jahrhundert stammen, weisen, wie wir
festgestellt haben, im Verhältnis von Breiten und Längen eine Genauigkeit
auf, die laut Strachan (Exkurs S. 193 f.) die Anwendung der sphärischen
Trigonometrie voraussetzt.3 Da half uns die Caveri-Karte von 1502 weiter.
Erstens handelte es sich bei ihr um eine Karte des Mittelmeers und des
Schwarzen Meers, die im Wesentlichen den im 14. und 15. Jahrhundert
gebräuchlichen Portolankarten ähnlich war – der Art, die Nordenskiöld als
»Normalportolankarte« bezeichnete. Zunächst versuchten wir, die Projektion
dieser Karte mithilfe der ebenen Trigonometrie zu entschlüsseln, weil wir wie
bei der Piri-Reis-Karte eine außergewöhnliche Genauigkeit bei den
Längenangaben, aber mit wachsendem Abstand zum Äquator zunehmende
Breitenfehler festgestellt hatten. Wir probierten verschiedene Möglichkeiten
aus, um dieses Problem zu lösen. Unter anderem versuchten wir es mit der
Mercator-Projektion, indem wir die Breitenkreise spreizten, die Meridiane
jedoch unverändert ließen. Das war ein sehr aufwendiger Test, der jedoch
nicht zu zufriedenstellenden Ergebnissen führte. Schließlich wandten wir die
sphärische Trigonometrie an, und es funktionierte. Es ist interessant, dass die
Anwendung der sphärischen Trigonometrie zu demselben rechteckigen
Gradnetz zu führen scheint, das wir empirisch bei der Piri-Reis-Karte und der
chinesischen Karte von Yü Chi Thu ermittelt hatten.

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2. Das Zwölf-Winde-System

Zwischen den hypothetisch uralten Karten, die wir besprochen haben, und
der fernen Zivilisation, aus der sie womöglich hervorgegangen sind, könnte
es eine Verbindung geben: das sogenannte »Zwölf-Winde-System«, denn
auch dieses scheint aus fernster Vergangenheit zu stammen.
Der Wissenschaft ist die Tatsache schon lange bekannt, dass es vor dem
Typus des Portolanentwurfs, der auch als »Acht-Winde-System« bezeichnet
wird und im Mittelalter und der Renaissance für die Portolankarten
verwendet wurde, in der Antike eine andere Methode gab, nämlich das oben
bereits erläuterte Zwölf-Winde-System. Bis wir auf der venezianischen Karte
von 1484 das Zwölf-Winde-System entdeckten, war kein Portolan bekannt,
der auf diesem System basierte.4 Die Nutzung des Zwölf-Winde-Systems für
diese Karte und die Tatsache, dass sie mithilfe der Trigonometrie konstruiert
wurde, sind stichhaltige Beweise für den antiken Ursprung dieses Systems.
Aus Sicht der Wissenschaftsgeschichte ist das Zwölf-Winde-System von
ganz besonderer Bedeutung, denn es beinhaltete, wie wir bereits
hervorgehoben haben, die Unterteilung des Kreises in zwölf Segmente von
jeweils 30 Grad beziehungsweise in sechs Segmente von jeweils 60 Grad
(Siehe Abb. 69). Das setzt die Unterteilung des Kreises in 360 Grad voraus.
Diese Tatsache stellt eine interessante Verbindung zur babylonischen
Wissenschaft her. Das Zahlensystem der Babylonier basierte nämlich auf der
Zahl 60 und den Dezimalzahlen, und wahrscheinlich sind sie es, die die
Einteilung des Kreises in 360 Grad und die Zeiteinteilung, wie wir sie noch
heute kennen, erfunden haben.
Außerdem hatten die Babylonier einen Tierkreis, und der wurde in zwölf
Zeichen von jeweils 30 Grad unterteilt. Dabei entsprachen die
Konstellationen des Tierkreises aber natürlich nicht exakt den zwölf Zeichen,
weil es sich bei Letzteren um mathematische Unterteilungen handelt.
Wie E.G.R. Taylor hervorhebt (197, S. 40), wurden in der Antike die
Sterne für die Navigation genutzt, daher stellten die Tierkreiszeichen und die
anderen Sternenkonstellationen der nördlichen und südlichen Hemisphäre

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(siehe nachfolgenden Exkurs) eine Art in den Himmel gezeichnete Karte
dar.5 Die Babylonier und Phönizier unterhielten einst sehr enge
Beziehungen, und wir können uns durchaus vorstellen, dass die Phönizier
diese grundlegenden Elemente der babylonischen Wissenschaft auf die
Kartografie anwandten. Das Zwölf-Winde-System dürfte das Ergebnis dieser
Bemühungen gewesen sein.
Wir dürfen uns nicht durch die Tatsache verwirren lassen, dass die 360-
Grad-Einteilung auch für die heutige Navigation genutzt wird. Die Methode,
den Kreis zu unterteilen, ist nicht neu, sondern die älteste bekannte Art, den
Kreis zu unterteilen. Und weil dabei die Zählung in Zehnerschritten erfolgt,
ist dies die einzige Erklärung dafür, weshalb die antike Quellenkarte der
Antarktis, die wahrscheinlich Jahrtausende vor den Babyloniern und
Phöniziern gezeichnet wurde, den Kreis aufweist, den Oronce Finé für den
Polarkreis hielt, der jedoch, wie wir nachgewiesen haben, den 80.
Breitenkreis darstellen könnte. Das bedeutet, dass es den 360-Grad-Kreis und
das Zwölf-Winde-System schon sehr lange, bevor Babylon aufstieg und
Tyros und Sidon von den Phöniziern erbaut wurden, gab. Die babylonische
Wissenschaft ging also möglicherweise auf eine deutlich ältere Kultur
zurück.
Es bestehen merkwürdige Verbindungen und Ähnlichkeiten zwischen der
antiken Wissenschaft der Griechen, Ägypter, Babylonier und Chinesen,
wobei man Indien und Mittelamerika nicht vergessen darf. Ich habe einige
Artikel über diese Verbindungen zusammengestellt, die insbesondere
belegen, dass sowohl die Babylonier als auch die Chinesen Zahlensysteme
benutzten, die sehr gut mit der Dezimalrechnung des Zwölf-Winde-Systems
zusammenpassen.

Exkurs

Darstellung der Sternenkonstellationen als Kennzeichen der


Breiten auf der Piri-Reis-Karte
Angesichts des offenkundigen Zusammenhangs zwischen dem Zwölf-Winde-System und den alten
babylonischen Tierkreiszeichen sowie der verschiedenen Indizien, dass die Seefahrer der Antike die
Sternenkonstellation zur Navigation nutzten, wäre es nicht erstaunlich, wenn wir auf antiken Karten

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Darstellungen der Sternbilder fänden. Einige Schiffe und Tiere auf der Piri-Reis-Karte könnten
solche Darstellungen sein.
Der verstorbene Archibald Thomas Robertson aus Boston, ein Experte der esoterischen
Überlieferungen in der antiken Navigation und Astronomie, machte mich erstmals darauf
aufmerksam. Er war der Meinung, Piri Reis könnte einige der Tiere und Schiffe auf den von ihm
genutzten antiken Quellenkarten kopiert (und missverstanden) und einige andere nach Lust und
Laune hinzugefügt haben.
Robertson meinte, die große Schlange in dem Gebiet der Antarktis, das wir für das Königin-Maud-
Land halten, sollte ursprünglich die Sternkonstellation der Hydra (der Wasserschlange) darstellen,
ein Sternbild, das am südlichen Himmel, nur zwischen 70° und 72° südlicher Breite, genau jener
Breite zu sehen ist, auf der die Küste des Königin-Maud-Lands liegt (während der Zeit der
Frühlings-Tagundnachtgleichen auf der Nordhalbkugel). Das Schiff vor der Küste des Landes, das
wir für Argentinien halten, könnte seiner Ansicht nach das Sternbild Argo (Schiff) bedeuten, das in
dieser Jahreszeit bei 55° südlicher Breite zu sehen ist; und auch das wäre korrekt. Folgen wir diesem
Gedankengang, können wir davon ausgehen, dass weitere alte Sternbilder durch den Stier (Taurus)
in Brasilien und das dem Wolf ähnliche Wesen (Lupus) im Süden dargestellt sind. Der Stier
befindet sich in Brasilien auf der Höhe des Äquators, und das wäre ebenfalls korrekt, denn der Stier
gehört zum Tierkreis.6
Es wäre durchaus verständlich, wenn Piri Reis oder andere Kartografen des Mittelalters, der
Renaissance sowie arabischer Provenienz diese Figuren auf den antiken Karten missverstanden und
sie fälschlicherweise als Hinweise auf historische Ereignisse oder die örtliche Tierwelt
interpretierten. Und es wäre nachvollziehbar, wenn sie eigene Bilder hinzufügten. Piri Reis
jedenfalls hat das getan, denn die ihm fremden Schiffe auf der antiken Karte ersetzte er ganz
selbstverständlich durch Schiffstypen, die er kannte, nämlich durch die Schiffe des 16. Jahrhunderts,
und verknüpfte sie mit bekannten oder mutmaßlichen historischen Ereignissen, wie zum Beispiel
den Reisen des Heiligen Brendan oder den Fahrten des Bartolomeu Diaz. Außerdem scheint er in
Übereinstimmung mit den Gepflogenheiten der Kartografen seiner Zeit auf mittelalterliche
Fabelwesen zurückgegriffen zu haben.

Exkurs

Marshall Clagett über die Wissenschaft in der Antike


Über die ägyptische Geometrie:
»Die größten mathematischen Leistungen der Ägypter lagen auf dem Gebiet der Geometrie … Die
Ägypter konnten die Flächen und Volumen einer Reihe von Figuren berechnen, wie zum Beispiel
die Fläche eines Dreiecks und Trapezes, das Volumen eines zylindrischen Gefäßes oder des
Stumpfs einer quadratischen Pyramide, und vielleicht sogar die Oberfläche einer Halbkugel (aber
das ist nicht bestätigt). Ihre geometrischen Kenntnisse wurden mit Sicherheit durch den hohen
Entwicklungsstand der Baukunst und des Vermessungswesens gefördert …« (52, S. 26)

Über die Mathematik der Babylonier:


»Wenn wir uns Mesopotamien zuwenden, finden wir dort zumindest ab 1800 v. Chr. eine
babylonische Mathematik vor, deren Entwicklungsstand jenem der Ägypter überlegen war. Obwohl
auch sie, wie die meisten der veröffentlichten Tafeln erkennen lassen, stark empirisch geprägt war,

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scheint sie dennoch zu einem eher theoretischen Ausdruck tendiert zu haben. Der Schlüssel für die
Fortschritte, die die Babylonier in der Mathematik erzielten, scheint auf ihrem erstaunlich einfachen
Zahlensystem begründet gewesen zu sein, das hier kurz erläutert werden soll.
1. Obwohl es einige Merkmale des Dezimalsystems enthält, handelte es sich im Wesentlichen um
ein Sexagesimalsystem. Das heißt, es basierte auf der Zahl 60 und deren Potenzen.
2. Das System war sehr allgemein und ermöglichte eine starke Verkürzung. Sämtliche Zahlen
konnten durch = 1 und = 10 geschrieben werden. Mit diesen Symbolen ließen sich die Zahlen
von 1 bis 59 darstellen: = 2, = 21 usw. Man griff auf alle möglichen Tricks zurück, um zu
vermeiden, dass alle diese Symbole in langen Ketten aneinandergereiht werden mussten. Sie
konnten nicht nur die Zahlen von 1–59 darstellen, sondern darüber hinaus die Zahlen von 1–59 mit
jeder beliebigen Potenz von 60. Deshalb konnte man nicht wissen, ob die beiden Symbole auf
2 –1
einer Tafel 20 oder 20 x 60 bzw. 20 x 60 oder 20 x 60 bedeuteten, solange aus den Details der
gestellten Aufgabe nicht eindeutig hervorging, um welche Größenordnung es sich handeln musste.
Darüber hinaus veränderten diese Symbole je nach ihrer Stelle in der Reihe ihren Wert, das heißt, es
handelt sich wie bei unserem Dezimalsystem um ein Stellenwertsystem. Verändert eine Ziffer in
unserem Dezimalsystem die Position im Verhältnis zu den Folgezahlen, erhöht sich ihr Wert um
eine Zehnerpotenz: 0,1; 1; 10; 100 usw. Wenn also das Zeichen in der Zahl an der letzten
Stelle den Wert 1, an der ersten Stelle den Wert 60 hat, ergibt die Zeichenkette die Zahl 71. (Wenn
aber das Symbol an der letzten Stelle für 60 steht, dann steht es an der ersten Stelle für 602, und
die Zahl ergibt den Wert 4260:602 plus 11 x 60.)
Die babylonische Mathematik entwickelte erst sehr spät ein Gegenstück für das, was im
Dezimalsystem als Null bezeichnet wird – das heißt ein Zeichen, das das Fehlen einer Einheit an der
jeweiligen Stelle anzeigt. Im Dezimalsystem bedeutet 101, dass ein Hunderter, kein Zehner und eine
Eins vorhanden sind. Anstelle der Null könnte man auch einfach eine Leerstelle lassen und 1 1
schreiben. Und genau dies tat man im babylonischen System, bis ein eigenes Zeichen für die Null
beziehungsweise ein Äquivalent eingeführt wurde.
Durch dieses wirklich bemerkenswerte Zahlensystem von der harten Arbeit der Rechnerei befreit,
… machten die Babylonier in der Algebra beachtliche Fortschritte …« (52, S. 28–30)

Bartel Leendert van der Waerden fasst die Merkmale der babylonischen Astronomie wie folgt
zusammen:

»… Die Grundgedanken der babylonischen Astronomie sind: die Vorstellung der periodischen
Wiederkehr der Himmelserscheinungen, die künstliche Einteilung des Tierkreises in 12
Tierkreiszeichen von jeweils 30 Grad, die Nutzung von Längen- und Breitenangaben als
Koordinaten von Sternen und Planeten sowie die Annäherung empirischer Funktionen durch lineare,
quadratische und kubische Funktionen, berechnet mithilfe arithmetischer Reihen ersten, zweiten und
dritten Grades.« (216, S. 50)

John Needham schreibt über die frühe Entwicklung eines Zahlensystems in China, das dem der
Babylonier ähnlich war:

»Im Land des Gelben Flusses wurde ein Dezimalstellensystem mit einer Leerstelle für die Null
früher eingeführt als irgendwo sonst, und damit einher ging auch die dezimale Zeiteinteilung.
Chinesische Handwerker berechneten ihre Arbeiten schon im 1. Jahrhundert v. Chr. mithilfe von
Messschiebern mit Dezimaleinteilung. Das mathematische Denken der Chinesen war immer in
erster Linie algebraisch, nicht geometrisch … « (145, S. 118 f.)

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Wir haben also Hinweise darauf, dass zwischen den babylonischen und den chinesischen
Wissenschaften Verbindungen bestanden, entweder durch zeitgenössische Kontakte oder durch
Überlieferung einer gemeinsamen Quelle.
Vergleicht man die babylonische mit der chinesischen, ägyptischen und griechischen Wissenschaft,
dann stellt man fest, dass es in Ägypten eine sehr beachtliche Entwicklung der Geometrie gab, nicht
aber der Algebra. In Babylon und China kam es hingegen zu einer bemerkenswerten Entwicklung
der Algebra, nicht jedoch der Geometrie. Es bestanden erstaunliche Ähnlichkeiten zwischen den
babylonischen und chinesischen Zahlensystemen, diese wiesen jedoch keinerlei
Übereinstimmungen mit dem ägyptischen auf.
Wir haben jedoch gesehen, dass die für die Kartografie angewandte Wissenschaft alle diese
Kenntnisse innerhalb einer Kultur voraussetzte. Für den Portolanentwurf war geometrisches Wissen
Voraussetzung; die babylonische Unterteilung des Tierkreises zeigte sich im Zwölf-Winde-System;
dasselbe galt für die 60 als Einheit (6 Mal die Einheit 60 im Kreis). Das Dezimalsystem findet sich
durch die Einteilung des Kreises in 360 Grad auf der Karte des Oronce Finé (denn der 80.
Breitengrad musste, wie wir gesehen haben, von den Menschen eingezeichnet worden sein, die die
Antarktis kartografierten).
Haben wir hier möglicherweise Beweise vorliegen, dass das unbekannte Volk, das diese Karten
ursprünglich zeichnete, alle diese verschiedenen wissenschaftlichen Kenntnisse zusammen besaß,
und dass beim Untergang seiner Kultur verschiedene Überreste die Zeitläufte an verschiedenen
Orten überdauert haben? Angenommen, ein »Trägervolk« – ein vermittelndes Volk wie zum
Beispiel die Phönizier – sei dasjenige gewesen, das alle diese wissenschaftlichen Errungenschaften
von dieser untergegangenen Kultur übernahm. Nehmen wir weiterhin an, dass dieses »Trägervolk«
die einzelnen wissenschaftlichen Aspekte durch Handelskontakte an die uns bekannten Kulturen des
Altertums weitergab. Die Babylonier und die Chinesen übernahmen einige Elemente dieses alten
Erbes, die Ägypter andere und die südamerikanischen Indianervölker wieder andere. Und natürlich
dürfen wir Indien nicht vergessen. Denn offenkundig stammt unser Zeichen für die Null von dort,
und nirgendwo sonst auf der Welt sind die Traditionen einer großen alten Weltkultur noch so gut
erhalten wie in Indien.

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3. Das Alter der kartografischen Tradition: geologische
Probleme

Wir müssen nun überprüfen, inwieweit die von unseren Karten gelieferten
Beweise für ein hohes Alter der kartografischen Tradition sprechen. Diese
Indizien sind geologischer Natur. Zunächst gibt es welche, die auf
Veränderungen der Küstenlinien seit der Entstehung der Karten schließen
lasssen. Doch diese sind unzuverlässig, denn man könnte sie auch einer
ungenauen Kartografie zuschreiben. Das vielleicht eindrucksvollste Beispiel
ist das der tiefen Bucht auf der Ibn-Ben-Zara-Karte von Spanien an der
heutigen Stelle des Guadalquivir-Deltas. Hier gibt es Anzeichen dafür, dass
sich seit Anfertigung der Karte ein Delta von 50 Kilometern Breite und 80
Kilometern Länge gebildet hat, was selbstverständlich eine lange Zeitspanne
in Anspruch genommen haben muss. Und es gibt (ebenfalls auf der Ibn-Ben-
Zara-Karte) Hinweise auf einen niedrigeren Meeresspiegel. Trotz der
allgemeinen Genauigkeit der Karte sind in der Ägäis zahlreiche Inseln
eingezeichnet, die es heute dort nicht gibt, und einige Inseln sind größer
dargestellt, als sie heute sind. Auch das könnte an und für sich auf eine
unsaubere Kartografie zurückzuführen sein, aber einen wirklichen Grund für
diese Schlussfolgerung gibt es nicht. Dasselbe gilt für die Hinweise auf
eiszeitliche Gletscherreste in Schweden, Deutschland, England und Irland auf
den Karten von Benincasa und Ibn Ben Zara sowie auf der Karte des Nordens
von Ptolemäus. Diese Beweise hängen alle miteinander zusammen und
deuten in die gleiche Richtung – auf einen sehr frühen Beginn der
kartografischen Wissenschaft.
Der wichtigste Beweis für das Alter der Karten findet sich jedoch in der
Darstellung der Antarktis, insbesondere auf den Karten von Mercator, Piri
Reis und Oronce Finé. Diese Karten zeigen offenbar alle einen Kontinent, auf
dem ein gemäßigtes Klima herrschte. Und geologische Indizien wie die drei
Bohrkerne mit den Sedimenten vom Grund des Rossmeers legen den Schluss
nahe, dass dort bis vor etwa 6000 Jahren tatsächlich eine Wärmeperiode
geherrscht haben könnte.
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Da dieser Sachverhalt hauptsächlich geologischer Art ist, ist es ratsam, die
Erörterung mit einer kurzen Beschreibung der gegenwärtigen Verhältnisse in
der Antarktis zu beginnen, und zwar mit einer Zusammenfassung der
geologischen Konzepte hinsichtlich der klimatischen Geschichte des
Kontinents und der Ursachen von Eiszeiten allgemein.
Ein Blick auf jede aktuelle Karte der Antarktis zeigt, dass der Kontinent
ganz von Eis bedeckt ist. Früher ging man davon aus, das Innere des
Kontinents bestehe aus einem sehr hohen Plateau, das von einer etwa 2
Kilometer dicken Eisschicht bedeckt sei. Inzwischen hat man aber
herausgefunden, dass es kein Hochplateau ist, sondern das Felsgestein des
Kontinents nicht weiter über dem Meeresspiegel liegt als zum Beispiel
Nordamerika und Europa. Die Eiskappe ist demnach deutlich dicker, als
früher vermutet, und erreicht an manchen Stellen eine Stärke von mehr als 3
Kilometern. In manchen Gegenden liegt das Felsgestein unter dem
Meeresspiegel, sodass bei einer Eisschmelze große Binnenseen oder – meere
und zahlreiche Buchten zum Vorschein kämen.
Was die Geschichte dieser immensen Eiskappe anbelangt, so erklären uns
die Geologen zunächst einmal, dass sie seit Millionen Jahren existiere – seit
der Zeit des Miozäns oder sogar des Pliozäns. Wäre ihre Meinung korrekt,
dann wäre es aber höchst unwahrscheinlich, dass Menschen die Antarktis
hätten kartografieren können, als die Küsten eisfrei waren. Denn damals gab
es, soweit wir wissen, den Menschen noch gar nicht.7
Die aktuell gültigen geologischen Meinungen können jedoch falsch sein.
Zunächst einmal stellt die frühe Klimageschichte der Antarktis Geologen vor
große Rätsel. Man könnte vermuten, die Eisschicht sei auf die Tatsache
zurückzuführen, dass der Kontinent am Südpol gelegen ist, und sei so alt wie
die frühesten geologischen Funde, das heißt etwa 2 Milliarden Jahre. Doch
das ist weit gefehlt. Vor einigen Jahren fasste ich die derzeit bekannten
Fakten zu diesem Thema wie folgt zusammen:
»… Diejenigen, die in Zweifel ziehen, dass in der Antarktis vor 10 000 Jahren ein gemäßigtes Klima
geherrscht haben könnte,8 müssen daran erinnert werden, dass in der Antarktis
nachgewiesenermaßen mehrfach ein solches Klima herrschte.«

Soweit wir heute wissen, stammen die ersten Beweise für eine Eiszeit in der
Antarktis aus dem Eozän vor etwa 60 Millionen Jahren. In den 1,5 Milliarden
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Jahren davor gibt es hingegen keine Hinweise auf polare Verhältnisse,
allerdings traten in anderen Teilen der Erde deutlich früher Eiszeiten auf (85,
S. 59).
Damals zitierte ich Thomas R. Henry, der in seinem Buch The White
Continent die Indizien zusammenfasste, nach denen in den Edsel-Ford-
Bergen in der Antarktis fast 5000 Meter dicke Faltschichten von
Sedimentgestein nachzuweisen sind, das von Fließgewässern abgelagert
worden sein muss, als der Kontinent noch eisfrei war:
»Der größere Teil der Erosion fand wahrscheinlich statt, als die Antarktis im Wesentlichen eisfrei
war, weil die Struktur des Gesteins deutlich darauf hinweist, dass die ursprünglichen Sedimente, aus
dem es entstanden ist, von Wasser befördert wurden.9 Eine solche Anhäufung erfordert eine immens
lange Periode mit gemäßigtem Klima im Leben des sich ständig verändernden Planeten.« (85, S. 59)

Ein anderer Autor hat Indizien für warme Korallenmeere beschrieben, die
sich vor mehreren 100 Millionen Jahren quer über die Antarktis erstreckten
(85, S. 245).
Eine vernünftige Schlussfolgerung aus diesen Beweisen, die ich in meinem
Buch Earth’s Shifting Crust (Die Verschiebung der Erdkruste, 1958)
vorgestellt habe, lautet, dass die Antarktis in den Zeiten, in denen dort ein
gemäßigtes Klima herrschte, sich nicht am Südpol befunden haben kann. Und
um das zu erklären, gibt es mindestens drei Möglichkeiten. Erstens die
Vermutung, dass sich die Lage der Erdachse veränderte. Zweitens die
Vermutung, dass die Kontinente nicht fest mit der Erdkruste verbunden sind,
sondern auf dem halbgeschmolzenen nichtkristallinen Gestein liegen, auf
dem sie sich allmählich verschieben. Und die dritte Vermutung lautet, dass
sich die ganze Erdkruste hin und wieder verlagert und sich über dem weichen
Erdkern verschiebt, so wie die Schale einer Apfelsine, wenn sie lose wäre,
sich über dem Inneren der Frucht verschieben würde.
Während der Abfassung von Earth’s Shifting Crust untersuchte ich diese
alternativen Konzepte. Die Einwände gegen die Theorie der Verlagerung der
Erdachse waren tatsächlich überzeugend, denn keine Kraft der Welt scheint
dazu in der Lage zu sein, und jede Kraft, die vom Weltraum aus auf die Erde
einwirken könnte (wie zum Beispiel eine Kollision mit einem anderen
Himmelskörper), hätte wahrscheinlich alles Leben auf der Erde ausgelöscht.
Die Theorie der Kontinentaldrift wurde 1912 von Alfred Wegener
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aufgestellt. Er hatte sich schon lange über Fossilfunde von Pflanzen und
Tieren an Orten, die von den Klimazonen weit entfernt waren, in denen heute
ähnliche Spezies vorkommen, gewundert und war zu der Überzeugung
gelangt, dass die Kontinente ursprünglich einen einzigen Landblock bildeten,
der auseinanderbrach und mit der Zeit auseinanderdriftete. Sein Theorie der
Kraft, die dazu geführt haben könnte, hielten Physiker jedoch für nicht
akzeptabel, deshalb wurde sie nur von wenigen Wissenschaftlern anerkannt,
in der Mehrzahl von Biologen. In den vergangenen Jahren jedoch wurde sie
durch den Vorschlag eines neuen »Mechanismus«, der für die Drift
verantwortlich sein könnte, wieder zum Leben erweckt. Diesen Vorschlag
machte der kanadische Physiker H. Tuzo Wilson, er basiert auf den
vermuteten Effekten von Konvektionsströmungen geschmolzenen Gesteins
tief im Erdinneren (216).
Uns interessiert hier nur ein Aspekt dieser wiederbelebten Theorie der
Kontinentaldrift, nämlich die Geschwindigkeit, mit der sie vermutlich
vonstatten ging. Da es laut Wilson die Strömungen unter der Erdkruste sind,
die die Kontinente bewegen, kann die Kontinentalverschiebung nur sehr
langsam erfolgen. Nach seiner Schätzung beträgt sie etwa einen Zentimeter
pro Jahr, das heißt einen Meter in 100 Jahren, was einem Kilometer in 100
000 Jahren entspräche.
Wegener stellte die Theorie der Kontinentaldrift auf, um nicht nur die
Verteilung der fossilen Spezies, sondern auch die Entstehung von Eiszeiten
erklären zu können. Und es ist klar, dass seine Theorie sehr wohl Eiszeiten
erklären kann, die sich vor Hunderten von Millionen Jahren ereigneten (wie
zum Beispiel diejenigen im Erdzeitalter des Perm-Karbon), weil ein
Kontinent in 100 Millionen Jahren eine beträchtliche Strecke (etwa 1600
Kilometer) zurücklegen kann, aber nicht die jüngeren Eiszeiten. Innerhalb der
letzten Million Jahre gab es in Nordamerika vier solche Eiszeiten. Die letzte,
die erst vor etwa 8000 Jahren zu Ende ging, erreichte ihren Höhepunkt nur 10
000 Jahre vor ihrem Ende.10 Damit fand also innerhalb weniger als 10 000
Jahren eine gewaltige klimatische Veränderung statt, in deren Folge ein
Kontinentalgletscher in Nordamerika eine Fläche von 10 Millionen
Quadratkilometern bedeckte. Aus geologischer Sicht ist das ein unglaublich
kurzer Zeitraum, und das Rätsel der Eiszeiten bleibt bis heute eines der
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ungelösten Probleme der Geologie.11
In meinem Buch Earth’s Shifting Crust habe ich mit der Hilfe meines
Mitarbeiters James Campbell versucht, die dritte der hier genannten
Alternativen zu untersuchen – die Verlagerung der gesamten Erdkruste über
den inneren Erdschichten – und einen Mechanismus ins Spiel zu bringen, der
dafür verantwortlich sein könnte. Earth’s Shifting Crust habe ich unter
anderem in der Absicht geschrieben, die jüngste Eiszeit in Nordamerika zu
erklären. Ich war der Meinung, dass wir, wenn es uns gelänge, eine
akzeptable Erklärung für diese Eiszeit zu finden, über die wir am meisten
wissen, eine Fährte für jene Eiszeiten finden könnten, die schon lange
zurückliegen und über die uns sehr wenig bekannt ist. Dieses Verfahren
entspricht dem bewährten Prinzip, sich vom Bekannten zum Unbekannten
vorzuarbeiten.
Campbell und ich gingen von der Annahme aus, dass die Erdkruste auf
einer sehr instabilen, buchstäblich flüssigen Schicht liegt. Auf Anregung des
Ingenieurs Hugh Auchincloss Brown hin überlegten wir, dass eine Kraft, die
so stark ist, dass sie die gesamte Erdkruste über dieser instabilen Schicht zu
verschieben vermag, auch die Zentrifugalwirkung der Eiskappen selbst sein
könnte. In der Antarktis liegt der Schwerpunkt der großen Eiskappe aufgrund
der Form des Kontinents etwa 500 Kilometer vom Pol entfernt. Weil sich die
Erde dreht, führt diese Ausmittigkeit zu einem Zentrifugaleffekt, der sich
horizontal auf die gesamte Erdkruste auswirkt und sie tendenziell in Richtung
Äquator verschiebt. Campbell berechnete mathematisch, welche Kräfte
hierdurch theoretisch in der antarktischen Eiskappe hervorgerufen werden,
und stellte fest, dass sie in etwa die notwendige Stärke besitzen, um ein
Krustenversagen und damit einen Bruch der Kruste auslösen zu können – und
dieser Bruch könnte wiederum zu einer Verschiebung der gesamten
Erdkruste führen. Diese Krustenverschiebungstheorie ist insofern
überzeugend, als der beschriebene Mechanismus eine anhaltende Kraft
liefern würde, die die Kruste über weite Entfernungen verschieben könnte
und darüber hinaus erklären würde, weshalb die Verschiebungen enden,
bevor die vereisten Kontinente tatsächlich bis zum Äquator gelangen. Denn
je weiter sich die Eiskappen vom Pol entfernen, desto mehr nimmt ihre
Zentrifugalwirkung zu, sodass sie die Erdkruste über eine größere Distanz
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verschieben können. Weil die Eiskappen in den gemäßigten Zonen jedoch
abschmelzen, müsste dieseVerschiebung irgendwann wieder zum Stillstand
kommen.12

Exkurs

Albert Einstein über die Theorie der Krustenverschiebung


»Häufig erhalte ich Schreiben von Leuten, die meinen Rat zu ihren unveröffentlichten Ideen suchen.
Selbstverständlich sind diese Konzepte nur sehr selten von wissenschaftlichem Wert. Doch das
Schreiben von Mr. Hapgood hat mich elektrisiert. Seine Idee ist originell, sehr einfach, und wenn
sie sich beweisen lässt, auch von großer Bedeutung für alle Bereiche, die mit der Geschichte der
Erdoberfläche zusammenhängen.
Viele empirische Daten weisen darauf hin, dass an jedem Punkt der Erdoberfläche, der gründlich
erforscht wurde, in jüngerer Zeit offenbar zahlreiche klimatische Veränderungen stattgefunden
haben. Das ist laut Hapgood erklärbar, wenn die gewissermaßen feste äußere Erdkruste sich von
Zeit zu Zeit über den zähflüssigen, formbaren und möglicherweise sogar flüssigen inneren
Erdschichten verschiebt. Zu solchen Verschiebungen kann es in der Folge von vergleichsweise
geringer Krafteinwirkung auf die Kruste kommen, die durch die Erdrotation entsteht. Und diese
Verschiebungen neigen wiederum dazu, die Rotationsachse der Erdkruste zu verändern.
In den Polargebieten kommt es ständig zur Ablagerung von Eis, das nicht gleichmäßig um den Pol
verteilt wird. Die Erdrotation wirkt sich auf diese ungleich verteilten Eismassen aus und erzeugt
eine Zentrifugalkraft, die sich auf die feste Erdkruste überträgt. Die auf diese Weise zunehmende
Zentrifugalkraft wird, wenn sie eine gewisse Stärke erreicht, zu einer Verschiebung der Erdkruste
gegenüber dem Erdkern führen, und diese wird die Polarregionen in Richtung Äquator verschieben.
Die Erdkruste ist zweifellos so fest, dass sie sich nicht proportional zur Eisablagerung verschiebt.
Zweifelhaft ist lediglich die Annahme, dass sie sich gegenüber den inneren Schichten leicht
verschieben kann.
Der Autor beschränkt sich jedoch nicht auf die Erläuterung seiner Idee. Er legt darüber hinaus
vorsichtig und verständlich das außerordentlich umfangreiche Material dar, das seine
Verschiebungstheorie stützt. Ich denke, diese außergewöhnliche und sogar faszinierende Idee
verdient die ernsthafte Beachtung eines jeden, der sich mit der Theorie der Erdentwicklung befasst.
Ich möchte mit einem Gedanken schließen, der mir beim Schreiben dieser Zeilen in den Sinn kam:
Wenn die Erdkruste sich tatsächlich so leicht über den unteren Schichten verschieben kann, wie
diese Theorie besagt, dann müssen die festen Massen an der Erdoberfläche so verteilt sein, dass sie
keine weiteren nennenswerten Zentrifugalkräfte erzeugen, die die Erdkruste durch die
Zentrifugalwirkung verschieben würden. Ich denke, diese Schlussfolgerung müsste sich, zumindest
annähernd, verifizieren lassen. Diese Zentrifugalkraft müsste jedenfalls geringer sein, als die von
den abgelagerten Eismassen erzeugte.«13

Als Campbell und ich diese Theorie auf die letzte Eiszeit in Nordamerika
anwandten, gingen wir davon aus, dass die Eisansammlungen während des
Höhepunkts dieser Eiszeit ausreichten, um eine Krustenverschiebung in Gang
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zu setzen. Diese würde Nordamerika nach Süden in Richtung Äquator
verlagern, und die Verschiebung würde sich fortsetzen, bis die Hudson Bay
oder die Provinz Quebec, die im Zentrum der Eiskappe lagen und sich laut
unserer Theorie ursprünglich am Nordpol befanden, ihre gegenwärtige Breite
erreicht hätten. An diesem Punkt wäre die Eiskappe so weit abgeschmolzen,
dass die Verschiebung zum Stillstand gekommen wäre. Die Erdkruste hätte
sich bis zu diesem Punkt entlang des 90. westlichen Längengrads jedoch um
mehr als 3000 Kilometer verschoben.
Aber was wäre mit dem Rest der westlichen Hemisphäre, wenn
Nordamerika um etwa 3000 Kilometer weiter nach Süden verlagert worden
wäre? Weil die Erdkruste sich als Ganzes in Bewegung gesetzt hätte, wäre
die gesamte Hemisphäre entsprechend verschoben worden. Damit hätte sich
auch Südamerika nach Süden verlagert, und Ostasien auf der anderen Seite
der Erde hätte sich natürlich in der entgegengesetzten Richtung, also nach
Norden, verschoben. Ein großer Teil meines Buches Earth’s Shifting Crust
ist dem Nachweis gewidmet, dass in dieser Zeit das Klima in Sibirien
deutlich kälter wurde.
Doch kehren wir zur Antarktis zurück: Es ist natürlich klar, dass, wenn
sich die westliche Hemisphäre am 90. Meridian entlang um 3000 Kilometer
nach Süden verschoben hat, sich auch die Antarktis entsprechend verlagert
haben muss. Sie muss zuvor also 3000 Kilometer weiter im Norden gelegen
haben, das heißt in einer gemäßigten oder kaltgemäßigten Klimazone
außerhalb des Polarkreises. Während der Verschiebung wäre es dort nach und
nach kälter geworden, eine Eiskappe hätte sich gebildet und langsam
aufgebaut, bis sie ihr heutiges Ausmaß erreichte.
Dieser Theorie folgend, lässt sich die Karte des Oronce Finé also dergestalt
interpretieren, dass sie die eisfreien Küsten der Antarktis zeigt. Dass im
Binnenland keine Gewässer abgebildet sind, die das Rossmeer, die
Bellinghausen-See und das Weddell-Meer miteinander verbunden hätten,
könnte bedeuten, dass in der Zeit, als die Originalkarte entstand, in einigen
Teilen der Antarktis die Vergletscherung bereits weit fortgeschritten war.
Außerdem legt die Karte nahe, dass in Küstennähe noch immer Flüsse von
den Bergen ins Meer flossen und die Buchten entlang der Küste des
Rossmeers (trotz seiner heutigen Nähe zum Pol) noch nicht von Eis bedeckt
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waren. Offenbar war die Antarktis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz
vereist. Wenn wir nun die Bohrkerne aus dem Rossmeer als stichhaltige
Beweise hinzunehmen, können wir schlussfolgern, dass die Küsten vor etwa
6000 Jahren von der Eiskappe bedeckt waren. Wir können uns schwer
vorstellen, dass die Seefahrer und Kartografen unserer hypothetischen
weltumspannenden, aber untergegangenen Zivilisation das Rossmeer in
stürmischen, frostigen Zeiten bereist haben, als die Eiszeit auf dem Kontinent
gerade einsetzte. Deshalb scheint es nicht unvernünftig zu sein, eine
Zeitspanne von mindestens 2000 Jahren für die letzte Übergangsphase
zwischen dem von Oronce Finé auf seiner Karte gezeichneten Bild und den
heutigen Bedingungen einzuräumen. Tatsächlich war diese Zeitspanne
wahrscheinlich zwei- oder dreimal so lang.
Offenbar reicht die kartografische Überlieferung der alten Karten also
zumindest in die Zeit zurück, in der sich die Gletscher auf der Nordhalbkugel
bereits zurückzogen. Deshalb sollten wir die Hinweise auf späteiszeitliche
Bedingungen, wie wir sie auf den Karten von Ptolemäus, Benincasa und Ibn
Ben Zara finden, nicht leichtfertig abtun.

Exkurs

Die Vinland-Karte
Kurz bevor dieses Buch in Druck gehen sollte, wurde ein Bericht über die Entdeckung einer
Weltkarte veröffentlicht, die offenbar um 1450 gezeichnet wurde und einen Teil Nordamerikas zeigt
14 . Die Geschichte der Entdeckung dieser Karte ist, so wie sie in der Presse dargestellt wird,
hochinteressant, und die Karte selbst belegt ohne Zweifel, dass Amerika im Mittelalter, also schon
vor Kolumbus, (wahrscheinlich von Wikingern) besucht wurde.
Der Leser dieses Buches wird selbstverständlich wissen wollen, ob diese neue Karte irgendwelche
Verbindungen mit den hier erörterten Karten aufweist. Die Antwort lautet nein. Die Vinland-Karte
besitzt keinen erkennbaren Zusammenhang mit den alten Seekarten. Obwohl Amerika darauf
abgebildet ist, handelt es sich hier um ein typisches Beispiel für die unwissenschaftliche Kartografie
des Mittelalters. Mit Ausnahme Grönlands ist die Gestalt der Küsten – selbst im Mittelmeerraum –
äußerst ungenau gezeichnet. Darüber hinaus ist die Karte ein weiterer Beleg für die von uns
wiederholt hervorgehobene Tatsache, dass die Geografen des Mittelalters einfach nicht in der Lage
waren, die überaus wissenschaftlichen Portolankarten zu konstruieren.
Die Tatsache, dass die Darstellung Grönlands relativ gut gelungen ist, mag dem Einfluss der
deutlich überlegenen Zeno-Karte des Nordens zu verdanken sein, die die Gebrüder Zeno etwa 60
Jahre früher gezeichnet haben sollen. Ich habe Beweise vorgelegt, die die Ansicht stützen, dass die
Zeno-Karte die Kopie einer antiken Karte sein muss, die unter Verwendung der Trigonometrie

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angefertigt wurde und auf guten Kenntnissen des Erdumfangs basierte. Die vergleichsweise genaue
Darstellung Grönlands auf der Vinland-Karte könnte also auf den fortwirkenden Einfluss der
antiken Kartografie zurückzuführen sein.

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Kapitel VIII
Eine untergegangene Zivilisation

Die in den antiken Karten gefundenen Indizien verweisen auf eine


Zivilisation, die noch vor der Entstehung aller bisher bekannten frühen
Kulturen existiert zu haben scheint. Und zwar auf eine hochentwickelte,
vergleichsweise fortschrittliche Zivilisation, die entweder in einer bestimmten
Region ansässig war und von dort weltweiten Handel betrieb, oder aber im
wahren Sinne des Wortes eine weltweite Kultur darstellte. Diese Kultur muss,
zumindest auf einigen Gebieten, den Zivilisationen der Ägypter, Griechen
oder Römer sogar um einiges voraus gewesen sein. So war sie in der
Astronomie, der Nautik, der Kartografie und möglicherweise auch im
Schiffbau jedem kulturellen Stand vor dem 18. Jahrhundert überlegen. Denn
erst im 18. Jahrhundert wurde dann ein verlässliches Instrument zur
Bestimmung der geografischen Länge entwickelt. Und erst im 18.
Jahrhundert konnte der Erdumfang genau bestimmt werden. Erst im 19.
Jahrhundert wurde damit begonnen, Schiffe zum Zweck des Walfangs oder
der Erforschung der Arktis und Antarktis auszusenden. Doch hatte dies, wie
die von uns überprüften Karten beweisen, ein vorgeschichtliches Volk bereits
lange zuvor getan.
Eine Kartografie von diesem Ausmaß lässt sowohl auf wirtschaftliche
Motivation als auch auf ökonomische Ressourcen schließen und gibt
Hinweise auf eine organisierte Regierung. Denn die kartografische Erfassung
eines Kontinents wie der Antarktis verlangt eine umfassende Organisation,
zahlreiche Forschungsexpeditionen, viele Phasen der Zusammenführung
lokaler Beobachtungen und regionaler Karten zu einer allgemeinen Karte,
und das alles unter einer zentralen Leitung. Darüber hinaus ist es
unwahrscheinlich, dass Navigation und Kartografie die einzigen von diesen
Menschen entwickelten Wissenschaften waren, beziehungsweise dass ihr
notwendiges mathematisches Wissen lediglich bei der Kartografie praktische
Anwendung fand.
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Doch wie hoch der Entwicklungsstand auch immer gewesen sein mag,
diese Zivilisation ging unter, möglicherweise plötzlich, wahrscheinlich aber
schrittweise. Und ihr Verschwinden hatte Auswirkungen, die wir ernsthaft
untersuchen sollten. Grundsätzlich führt es uns, wenn man mir gestattet, hier
ein wenig zu philosophieren, zu folgenden vier Schlussfolgerungen:
1. Das Konzept der einfachen linearen Entwicklung der Gesellschaft seit
der Kultur des Paläolithikums (Altsteinzeit) über die verschiedenen Phasen
des Neolithikums (Jungsteinzeit), der Bronze- und Eisenzeit muss
aufgegeben werden. Wir stellen fest, dass heute auf allen Kontinenten
primitive Kulturen neben fortschrittlichen modernen Gesellschaften
existieren – die Aborigines in Australien, die Buschmänner in Südafrika,
echte Naturvölker in Südamerika und Neuguinea; und auch in den
Vereinigten Staaten gibt es noch einige Stammesvölker. Wir müssen also
davon ausgehen, dass es vor 20 000 oder mehr Jahren, als Steinzeitmenschen
in Europa ums Überleben kämpften, in anderen Regionen der Erde
hochentwickelte Kulturen gab, und dass uns von diesen ein Teil ihres
einstigen Wissens überliefert wurde.
2. Jede Kultur enthält den Keim ihres eigenen Zerfalls. Zu jeder Zeit
existieren gleichzeitig Kräfte des Fortschritts und der Zerstörung, sie bauen
auf oder reißen ein, und offenkundig haben allzu häufig die zerstörerischen
Kräfte die Oberhand gewonnen. Davon zeugen die bekannten Fälle des
Niedergangs von Hochkulturen wie die des antiken Kreta, Troja, Babylon,
der Griechen und Römer, und dieser Liste könnte man problemlos zwanzig
weitere Namen hinzufügen. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass auch
Kreta und Troja lange Zeit für Mythen gehalten wurden.
3. Jede Zivilisation entwickelt offenbar irgendwann eine Technologie, die
zugleich ihre eigene Vernichtung ermöglicht, und bisher haben alle
Zivilisationen diese Technologie auch tatsächlich eingesetzt. Und das ist
nicht verwunderlich, denn sobald der Mensch gelernt hatte,
Verteidigungsmauern zu errichten, lernten andere Menschen, diese
einzureißen. Je größer der Entwicklungsstand einer Zivilisation ist, desto
weiter breitet sie sich aus, und umso größer müssen die Möglichkeiten für
ihre Zerstörung sein. Genau deshalb verfügen wir heute mit der weltweiten
Ausbreitung der modernen Zivilisation auch über Atomwaffen, die alles
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Leben auf der Erde auslöschen könnten. Das ist ganz einfach. Und absolut
logisch.
4. Je fortschrittlicher eine Kultur ist, desto eher wird sie zerstört, und desto
weniger Beweise für ihre Existenz bleiben übrig. Nehmen wir als Beispiel
New York. Angenommen, die Stadt würde durch eine Wasserstoffbombe
zerstört werden, wie viel des früheren Lebens würden Anthropologen nach
2000 Jahren noch rekonstruieren können? Selbst wenn ein paar Bücher
erhalten bleiben würden, wäre es absolut unmöglich, eine Vorstellung vom
einstigen Lebensgefühl in New York zu gewinnen.

In meiner Jugendzeit war ich von einem ganz schlichten Vertrauen in den
Fortschritt beseelt. Mir schien es unmöglich zu sein, dass die Menschheit,
nachdem sie einmal einen Meilenstein des Fortschritts überwunden hätte,
denselben Meilenstein in entgegengesetzter Richtung noch einmal
überwinden könnte. Sobald das Telefon erfunden war, blieb es erfunden.
Wenn frühere Zivilisationen untergegangen waren, dann lag das meiner
Meinung nach nur daran, dass sie das Geheimnis des Fortschritts nicht
erkannt hatten. Aber Wissenschaft bedeutete für mich permanenten
Fortschritt ohne Weg zurück, jede Generation würde weiter und weiter
drängen und die Grenzen zum Unbekannten hin verschieben, und dieser
Fortschritt würde ewig so weitergehen.
Auch wenn die meisten Menschen noch immer dieser Meinung sind, und
das trotz der zwei Weltkriege und der Drohung, dass in einem dritten alles
Leben auf der Erde ausgelöscht werden könnte, haben die beiden Weltkriege
das Vertrauen in den Fortschritt durchaus erschüttert. Doch auch ohne die
traurige Geschichte des 20. Jahrhunderts gab es nie eine solide Grundlage für
die Annahme, dass der Fortschritt ein automatischer Prozess sei. Fortschritt
oder Niedergang einer Zivilisation sind lediglich eine Frage der Balance
zwischen dem, was die Menschheit in einer bestimmten Epoche hervorbringt,
und dem, was sie zerstört. Manchmal bringt unsere Spezies eine Weile lang
mehr hervor, als sie zerstört, und macht »Fortschritte«, dann wiederum
zerstört sie mit größerer Effektivität – um nicht zu sagen Wissenschaftlichkeit
–, als sie hervorbringt, und es kommt zum Niedergang. Man vergleiche zum
Beispiel die Zeitspanne, die die Flächenbombardierungen durch die

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amerikanischen und britischen Luftstreitkräfte im Zweiten Weltkrieg
benötigten, um die meisten deutschen Städte in Schutt und Asche zu legen,
darunter das einmalige Dresden mit seinen unersetzlichen Zeugnissen der
mittelalterlichen Architektur, mit der Zeitspanne, die für den Bau dieser
Städte benötig wurde. Oder denken Sie an die Zerstörung des ältesten
Klosters Europas auf dem Monte Cassino innerhalb weniger Sekunden durch
amerikanische Bomber.
Die traurige Geschichte der Zerstörung, in der der Mensch (selbst in guten
Zeiten) fast ebenso viel vernichtet, wie er erschafft, beginnt jedoch nicht mit
dem 20. Jahrhundert. Nehmen wir den Fall der Vernichtung von
Bibliotheken: Eine Bibliothek niederzubrennen hat etwas besonders
Empörendes, denn in gewisser Weise symbolisiert ein solcher Akt den
gesamten eben erwähnten Prozess. In der antiken Welt der Römer und
Griechen gab es viele Bibliotheken. Die berühmteste von allen war die
Bibliothek von Alexandria in Ägypten, die im 3. Jahrhundert v. Chr. von
Alexander dem Großen gegründet worden war. 500 Jahre später soll sie über
eine Million Schriften beherbergt haben, und in ihr wurde das gesamte
Wissen der antiken westlichen Welt aufbewahrt – über Technik und
Wissenschaft, Literatur und Geschichte.
Diese Bibliothek, das Erbe unzähliger Generationen, wurde
niedergebrannt. Die Details sind nicht bekannt, aber vermutlich gab es
mindestens drei Brände. Der erste ereignete sich, als Julius Caesar Alexandria
eroberte. Die Bürger setzten sich zur Wehr, und in der Schlacht wurde etwa
ein Drittel der Bibliothek zerstört. Angeblich rief Caesar eine öffentliche
Versammlung der Bürger ein und beschuldigte sie auf sadistische Weise, für
die Zerstörung selbst verantwortlich zu sein, weil sie ihm Widerstand
geleistet hätten! Aus seiner Sicht hatte Rom das Recht, Ägypten zu erobern,
die Alexandriner verhielten sich also falsch, als sie sich widersetzten. So
denken Menschen auch heute noch.
Es gibt Hinweise dafür, dass ein großer Teil der Bibliothek, die nach der
Herrschaft des Julius Caesar wieder restauriert und sogar stark erweitert
worden war, dann von einem christlichen Mob zerstört wurde, angestachelt
durch die Predigten eines fanatischen Bischofs, der sie – natürlich
»richtigerweise« – darauf hinwies, dass die Bibliothek nichts weiter sei als
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ein Hort heidnischer Lehren und damit eine tickende Zeitbombe, deren
Explosion die ganze christliche Welt vernichten könnte. Aber wer sind wir,
um mit dem Finger auf diesen unwissenden Mob von damals zeigen zu
dürfen? Auch im 20. Jahrhundert wurden Bücher verbrannt. Und damit
spreche ich nicht nur von Hitlers infamer Bücherverbrennung. Amerikanische
Bibliotheken werden heutzutage von Agenten diverser selbsternannter Hüter
von Moral und Religion gnadenlos durchforstet – und so verschwinden
Bücher einfach von den Regalen! Tausende jährlich! Und selbstverständlich
waren in den vergangenen Jahren auch in anderen Ländern amerikanische
Bibliotheken das vorrangige Ziel antiamerikanischer Mobs (59, 100, 159, 188
und 203).
Das letzte Kapitel der Zerstörung der Bibliothek von Alexandria wurde
von einem Brand geschrieben, den die Araber nach der Eroberung Ägyptens
im 7. Jahrhundert legten. Es kursieren zwei Varianten der Ereignisse. Laut
der ersten antwortete der siegreiche Kalif, als er gefragt wurde, was mit der
Bibliothek geschehen solle, dass alles, was der islamischen Lehre
widerspreche, zerstört werden müsse, und alles andere sich ohnehin bereits
im Koran fände. Deshalb wurde die Bibliothek vollständig zerstört (100,
S. 95–97). Laut der zweiten Version fanden die verschwitzten, staubigen und
durstigen arabischen Legionen, die gerade aus der Wüste angekommen
waren, die riesigen römischen Bäder der Stadt zwar unzerstört und benutzbar
vor, aber ohne Brennmaterial zur Erwärmung des Wassers, sodass die
Pergamente der Bibliothek als Brennstoff dienen mussten. So traurig dieser
eventuelle Grund für die Zerstörung der Bibliothek auch sein mag, moralisch
wäre er zumindest eher zu rechtfertigen als die anderen.
Die Römer zerstörten auch eine Bibliothek, die für dieses Buch von
Bedeutung ist. Denn im Jahr 146 v. Chr. brannten sie Karthago nieder, die
Hauptstadt ihrer Erzfeinde, die ihnen in allem, was mit Wissenschaft zu tun
hatte, überlegen waren. Die Bibliothek von Karthago soll etwa 500 000
Schriften beherbergt haben, und in diesen ging es zweifellos auch um die
Geschichte und die Wissenschaften der Phönizier.
Für Leser, die sich fragen sollten, wie viel von dem gesamten Wissen der
antiken Welt durch diese und zahlreiche andere Akte der Zerstörung verloren
ging, lautet die Antwort: 90 Prozent oder mehr. Ein paar Fakten können dazu
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beitragen, eine Vorstellung von den Verlusten zu gewinnen. Der berühmteste
Wissenschaftler der Antike war Aristoteles, sein Denken beherrschte 1500
Jahre lang die Welt. Er verfasste zahlreiche Werke, und man müsste meinen,
dass zumindest diese Werke vor der Zerstörung gerettet wurden. Das war
aber nicht der Fall. Nur eines seiner Werke ist in der Originalfassung erhalten
geblieben, die Verfassung Athens. Alle seine anderen sogenannten »Werke«
sind lediglich in Form von Versionen auf uns gekommen, die auf Notizen
seiner Schüler beruhten und mehrfach überarbeitet wurden. Wenn ich an die
Notizen meiner Studenten denke, läuft mir da ein kalter Schauer über den
Rücken, und ich frage mich, wie viele der Gedanken von Aristoteles
tatsächlich überliefert sind. Darüber hinaus schrieb Aristoteles viele
literarische Texte, die als stilistische Meisterwerke galten. Sie sind alle
verloren gegangen.
Eine ebenso berühmte Figur der Zivilisationsgeschichte ist Platon. Seine
Dialoge, einschließlich seines großartigen Werkes Der Staat, sind erhalten
geblieben. Doch wie vielen Menschen ist bekannt, dass es sich hier nur um
seine populären Schriften handelt? Alle seine Werke, die er für seine wirklich
wissenschaftlichen und technischen Arbeiten hielt, sind verloren gegangen.
Dasselbe gilt für die großen griechischen Tragödienschreiber Aischylos,
Euripides und Sophokles. Wir besitzen lediglich eine Handvoll – etwa 10
Prozent – der von ihnen verfassten Theaterstücke.
Wir kennen also nur einen Ausschnitt der kulturellen Produktion der
Antike, und dieser ist nicht notwendigerweise repräsentativ, sondern ganze
Aspekte der antiken Kultur sind in Vergessenheit geraten. Die erhaltenen
Fragmente stammen aus Schriften, die von denjenigen, die in den
Jahrhunderten nach der Auflösung der antiken Zivilisation Kirche und Staat
beherrschten, für wertvoll erachtet wurden. Die Kirchenmänner interessierten
sich für moralische Fragen, die gebildeten Laien – in der Mehrzahl
Aristokraten – widmeten sich den großen Klassikern von Kunst und Literatur.
Die Wissenschaft hingegen wurde vernachlässigt.
Wir haben also sehr viel verloren, doch tatsächlich ist uns weit mehr
erhalten geblieben, als manche Menschen glauben mögen. Als ich mich an
diese Arbeit machte, kannte ich keine stichhaltigen Beweise für die Existenz
einer vorgeschichtlichen fortschrittlichen Weltzivilisation, obwohl mir
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bewusst war, dass andere Menschen an deren ehemalige Existenz glauben.
Da ich nun auf den Karten Beweise gefunden habe, die ich als stichhaltig
betrachte, um diese Frage positiv zu beantworten, fallen mir überall weitere
Hinweise auf.
Der Leser wird sich natürlich fragen, wie es sein kann, dass eine große
weltweite Zivilisation existieren und verschwinden konnte, ohne andere
Spuren als die auf diesen Karten zu hinterlassen. Um eine Antwort auf diese
Frage zu finden, müssen wir auf eines der bekanntesten Prinzipien der
menschlichen Psychologie verweisen: Wir finden nur das, wonach wir
suchen. Damit meine ich nicht, dass wir nie zufällig auf etwas stoßen,
sondern vielmehr, dass wir Fakten für gewöhnlich so lange übersehen,
ignorieren oder übergehen, bis wir ein Motiv dafür haben, sie zu bemerken.
Darwin sagte einmal, um Neues zu entdecken, brauche man eine Theorie
(keine festgelegte dogmatische Theorie natürlich, sondern eine
experimentelle Hypothese). Mit der Evolutionstheorie beispielsweise
begannen die Menschen ihren Blickwinkel zu erweitern und fanden Tausende
neuer Fakten, die die Theorie untermauerten und bestätigten. Dasselbe war
500 Jahre zuvor mit der geologischen Theorie von Sir Charles Lyell
geschehen. Diese fiel zeitlich mit dem Beginn der modernen Astronomie
zusammen, als Kopernikus eine neue Theorie des Sonnensystems aufstellte.
Seitdem glaubten die Menschen nicht mehr ernsthaft daran, dass es vor den
uns bekannten Kulturen eine fortschrittliche Zivilisation gegeben haben
könne. Und daher wurden alle diesbezüglichen Beweise ignoriert.
Doch wenn wir einen Blick auf die Geschichte der archäologischen
Forschung im 19. Jahrhundert werfen, wird uns klar, dass sie hauptsächlich in
der Wiederentdeckung untergegangener Zivilisationen bestand. Jacquetta
Hawkes widmet in ihrer faszinierenden Anthologie der Schriften einiger der
wichtigsten Archäologen aller Zeiten (86) den »Untergegangenen
Zivilisationen« einen ganzen Abschnitt.
Diese Geschichte beginnt um 1811 in Mesopotamien mit der
Wiederentdeckung Babylons durch Claudius Rich und setzt sich mit Paul
Emile Botta, Henry Layard und Henry Rawlinson fort, die das alte Assyrien
wieder zum Leben erweckten. Die Geschichte Ägyptens konnte erforscht
werden, nachdem Champollion das Problem der ägyptischen Hieroglyphen
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entschlüsselt hatte, und gegen Ende des Jahrhunderts entriss Heinrich
Schliemann Troja dem Reich der Legenden, und Sir Arthur Evans erfüllte die
Mythen Kretas mit realem Leben. Und erst vor wenigen Jahren reihte sich
eine weitere fortschrittliche Kultur mit seltsam modernem Luxus, die an den
Ufern des Indus vor 5000 Jahren geblüht hatte, in die Gruppe der
wiederentdeckten, einst untergegangenen Zivilisationen ein.
Aber ist das alles? Ist dieser Entdeckungsprozess zu Ende? Gibt es keine
weiteren untergegangenen Zivilisationen, die ihrer Wiederentdeckung
harren? Wäre dies der Fall, dann würde es dem Verlauf der Geschichte an
sich zuwiderlaufen. Fantasielose Menschen machten sich über all diese
Entdeckungen lustig und hetzten sogar gegen die Entdecker. Und genau
dieselben Menschen akzeptieren inzwischen alles, was in der Vergangenheit
entdeckt wurde, weisen gleichzeitig jedoch die Möglichkeit von sich, dass
noch mehr zu entdecken sein könnte.
Wir wollen unsere Zusammenfassung von Beweisen für die Existenz
untergegangener Zivilisationen mit Ägypten beginnen. Die Gelehrten sind
sich über die wissenschaftlichen Leistungen der Ägypter insgesamt uneins,
hinsichtlich spezieller Aspekte jedoch absolut nicht. Es hat sich gezeigt, dass
die Kenntnisse der Ägypter in der Astronomie und Geometrie schon in der 4.
Dynastie bemerkenswert waren, denn sie besaßen einen doppelten Kalender,
der als »wissenschaftlichste, je von Menschen genutzte
Kalenderkombination« (77, S. 7) beschrieben wurde. Doch dieses
Kalendersystem könnte bereits 4241 v. Chr. in Gebrauch gewesen sein. Ein
Wissenschaftshistoriker schreibt dazu:
»Manche Forscher vermuten sogar, dass die Wissenschaft, die wir zu Beginn der schriftlich
überlieferten Geschichte sehen, nicht die Wissenschaft in ihren Anfängen ist, sondern die Überreste
der Wissenschaft einer großen, aber bis jetzt noch nicht entdeckten Zivilisation.« (77, S. 12)

Einige wissenschaftliche Kenntnisse antiker Völker sind angesichts der


Grobschlächtigkeit der wissenschaftlichen Instrumente, die sie vermutlich
besessen haben, kaum zu erklären. So sollen die Maya beispielsweise die
Länge des tropischen Jahres unglaublich genau gemessen haben. Ihr Ergebnis
belief sich auf 365,2420 Tage, im Vergleich zu unserer heutigen Zahl von
365,2423 Tagen. Angeblich haben sie auch die Länge des Mondumlaufs mit
einer Abweichung von weniger als 0,0004 Tagen (10, S. 150) berechnet. Wie
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konnten sie zu solchen Ergebnissen gelangen?
George Rawlinson stellte in einer Abhandlung über die babylonische
Wissenschaft Folgendes fest: »Die genaue Länge des chaldäischen Jahres soll
365 Tage, 6 Stunden und 11 Minuten betragen haben, was eine Abweichung
von zwei Sekunden gegenüber der tatsächlichen Länge des Sternjahres
bedeutet« (173, II, S. 576). Außerdem merkte er an:
»Angeblich liegen stichhaltige Beweise vor, dass sie [die Chaldäer] die vier Jupitermonde beobachtet
hatten, und es besteht Grund zu der Annahme, dass ihnen auch die sieben Saturnmonde bekannt
waren … « (173, II, S. 577)

Selbstverständlich könnten die Maya, die Babylonier und Ägypter dieses


Wissen mithilfe von Instrumenten oder Methoden gewonnen haben, von
denen wir nichts wissen. Doch es ist auch möglich, dass ihnen dieses Wissen
von demselben vorgeschichtlichen Volk überliefert wurde, das auch unsere
Karten hervorbrachte.
Die Tatsache, dass uns weite Bereiche der antiken Wissenschaft verborgen
geblieben sind, wurde jüngst auf verblüffende Weise durch die Entdeckung
eines in der Antike entwickelten und gebauten Computers vor Augen geführt.
Er wurde im Jahr 1901 von Tauchern im Wrack einer griechischen Galeere
entdeckt, die im 1. Jahrhundert v. Chr. vor der griechischen Insel Antikythera
gesunken war. Er wurde ins Nationalmuseum nach Athen gebracht, über
einen langen Zeitraum sorgfältig gereinigt und schließlich von Professor
Derek de Solla Price von der Universität Yale untersucht. Professor Price
fand heraus, dass es sich um ein Planetarium handelt, eine Maschine, die den
Aufgang und Untergang der bekannten Planeten zeigt und folglich sehr
kompliziert ist. Besonders erstaunlich daran ist jedoch die Fortschrittlichkeit
des Getriebes, das Professor Price als im Grunde modern bezeichnete.
Wenn derartige technische und mechanische Kenntnisse in Vergessenheit
geraten konnten, ist natürlich klar, dass dasselbe auch mit dem geografischen
und kartografischen Wissen der Griechen geschehen konnte, egal ob sie
dieses selbst entwickelten oder von anderen Völkern übernommen hatten.
Vielleicht sollte an dieser Stelle angemerkt werden, dass nicht nur während
des Niedergangs der antiken Kulturen uraltes Wissen verloren ging. Zunächst
hatten ja die Araber vieles davon aufbewahrt, und ein Teil davon floss
zweifelsohne in die westliche Kultur des Mittelalters ein. Möglicherweise
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finden wir einen Nachhall davon in den bemerkenswerten mechanischen
Konzepten des mittelalterlichen Mönchs Roger Bacon oder sogar in einigen
der Ideen von Leonardo da Vinci. Doch in der Renaissance scheint es dann
zu großen Verlusten gekommen zu sein. Das war zum Teil auf die Erfindung
des Buchdrucks zurückzuführen, denn das Monopol über die Druckerpressen
des 15. und 16. Jahrhunderts teilten sich zwei Kategorien von Büchern:
religiöse Abhandlungen (katholische und protestantische) und humanistische
Bücher über Kunst und Literatur. Die Wissenschaft war zu diesem Zeitpunkt
hingegen nur von geringem Interesse, und so lagen die wissenschaftlichen
Manuskripte herum und verrotteten. Angeblich hat Lord Francis Bacon auf
diese bedauerliche Vernachlässigung wissenschaftlicher Dokumente
aufmerksam gemacht.
Ich kenne viele weitere Hinweise dieser Art, die in der ganzen Welt zu
finden sind und auf die uralte Tradition einer fortschrittlichen Kultur
schließen lassen, doch da ihre Untersuchung bis jetzt so unvollständig ist, hat
es keinen Sinn, näher auf sie einzugehen.1 Doch es gibt ein Thema, das zu
erwähnen ich mir nicht verkneifen kann, obwohl dies sehr umstritten ist und
ich die Untersuchung selbst durchgeführt habe.
Unmittelbar außerhalb von Mexiko-Stadt steht eine runde Stufenpyramide,
die vor langer Zeit von der Lava eines nahen Vulkans verschüttet wurde: die
Pyramide von Cuicuilco. Sie ist kein bloßer Hügel, sondern ein komplexes
Steinbauwerk, das auf eine vergleichsweise fortschrittliche Gesellschaft
schließen lässt. Der Lavastrom schloss die Pyramide auf drei Seiten ein und
bedeckte eine Fläche von etwa 150 Quadratkilometern mit einer 1,5 bis 10
Meter dicken Lavaschicht. Diese so entstandene Schicht aus Lavagestein
nennt man Pedrigal.
Geologen, die diese Schicht erforschten, versuchten anhand des
Oberflächenzustands und der Menge des sich darauf angesammelten losen
Sediments das Alter der Pyramide zu bestimmen und gelangten schließlich zu
dem Ergebnis, dass sie vor etwa 7000 Jahren entstanden sein muss. Das
würde bedeuten, dass die mexikanische Pyramide deutlich älter ist als die
Pyramiden Ägyptens, deren älteste etwa 5000 Jahre alt ist. Doch diesen
Befund konnten Archäologen nicht akzeptieren und waren der einhelligen
Meinung, dass die Pyramide frühestens aus dem 7. oder 8. Jahrhundert v.
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Chr. stammen könne. Die Entwicklung der Radiokarbondatierung nach dem
Zweiten Weltkrieg half jedoch, neues Licht auf diese strittige Frage zu
werfen.
Die Methode der Radiokarbondatierung wurde vom Nuklearphysiker
Willard F. Libby von der Universität Chicago entwickelt. Sie basiert auf der
Entdeckung, dass ein sehr geringer Prozentsatz des im Kohlendioxid in der
Atmosphäre enthaltenen Kohlenstoffs radioaktiv ist und, wie alle
radioaktiven Substanzen, mit einer messbaren Rate an Masse verliert.
Radioaktiver Kohlenstoff (C 14) besitzt eine Halbwertszeit von etwa 5000
Jahren. Jedes Lebewesen, das mit der Luft Kohlendioxid aufnimmt, enthält,
solange es lebt, denselben Prozentsatz an radioaktivem Kohlenstoff wie die
Atmosphäre, doch nach seinem Tod versiegt die Zufuhr aus der Atmosphäre
und die bereits aufgenommene Menge wird abgebaut. Nach einiger Zeit wird
der Anteil des radioaktiven Kohlenstoffs in der abgestorbenen Pflanze oder
dem toten Tier geringer sein als in der Atmosphäre, und durch die exakte
Messung der Differenz kann man den Zeitraum bestimmen, der seit dem Tod
der Pflanze oder des Tieres verstrichen ist. Damit haben wir eine Methode
zur »genauen Datierung« archäologischen oder geologischen Materials zur
Hand. Trotz vieler Schwierigkeiten gilt sie für einen Zeitraum von 40 000
Jahren mit einer bestimmten Fehlerquote allgemein als verlässlich.
Die erste Radiokarbondatierung der Cuicuilco-Pyramide wurde von Dr.
Libby vorgenommen (124). Er nutzte die Probe eines Kohlestücks, das unter
dem Pedrigal in unmittelbarer Nähe von Tonfragmenten gefunden wurde,
welche den Töpfereien der sogenannten »archaischen Periode« der
indianischen Zivilisation in Mexiko stilistisch ähnlich waren. Das Ergebnis
war ein Befund von 2422 Jahren, mit einer Fehlerspanne von plus/minus 250
Jahren. Es hatte also den Anschein, als stamme das Kohlestück von einem
Baum, der zwischen 209 und 709 v. Chr. abgestorben war oder verbrannt
wurde. Dagegen war nicht sicher, dass damit auch der Lavastrom datiert war,
denn das Kohlestück hatte nicht unbedingt etwas mit der Lava zu tun, da das
Holz noch vor dem Lavastrom von Menschen verbrannt worden sein könnte
(möglicherweise als Brennholz zum Kochen). Doch die Fundstelle der Kohle
direkt unter der Lavaschicht legte den Schluss nahe, dass zwischen dem
Verbrennen des Holzstücks und dem Lavastrom nicht viel Zeit vergangen
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sein konnte.
Weitere Radiokarbondatierungen lieferten uns neue Informationen über
Cuicuilco. Zwischen 1957 und 1962 wurde eine Reihe von Kohleproben, die
aus verschiedenen Tiefen unter dem Pedrigal entnommen worden waren, im
Labor der Universität von Südkalifornien (UCLA) einer
Radiokarbondatierung unterzogen.2 Eine dieser Proben stand in direktem
Zusammenhang mit dem Lavastrom und wurde auf etwa 414 n. Chr. datiert.
Sie wurde von den Archäologen angesichts anderer Beweise jedoch um 200
Jahre älter eingeschätzt. Die Fachleute waren sich einig, dass sich der
Lavastrom wahrscheinlich um 200 v. Chr. ergossen hatte.
Das scheint auf den ersten Blick die Behauptung zu widerlegen, dass die
Pyramide sehr alt ist, und stattdessen darauf hinzuweisen, dass sie von den
gleichen Menschen erbaut worden sein könnte, die auch die anderen
Pyramiden in der Nähe von Mexiko-Stadt errichtet hatten. Doch es gibt einen
weiteren Aspekt, der bisher offenbar übersehen wurde. Die Archäologen, die
über das Alter von Cuicuilco diskutierten, hatten den Bericht jenes Mannes
nicht aufmerksam gelesen, der 1920 die Pyramide im Auftrag der
mexikanischen Regierung ausgegraben hatte, nämlich Byron S. Cummings,
ein amerikanischer Archäologe.3
Cummings arbeitete sich durch den Pedrigal hindurch und entdeckte unter
ihm eine Erdschicht mit Tonfragmenten und Figurinen, die zunächst der
archaischen Kultur zuzugehören schienen. Als er weitergrub, fand er auf dem
Grund dieser »archaischen« Schicht Ablagerungen vulkanischer Asche und
darunter Hinweise auf eine ganz andere Kultur, die der archaischen
vorangegangen sein musste. Seiner Meinung nach deuteten auch die
Tonfragmente und die Figurinen auf ein kulturelles Niveau hin, das nicht nur
höher war als das der archaischen Kultur, sondern noch nicht einmal
Verbindungen mit dieser Kultur aufwies. Als er noch tiefer vordrang, stieß er
auf dem Grund dieser Schicht auf eine weitere Schicht vulkanischer Asche,
arbeitete sich auch durch diese hindurch und erreichte schließlich abermals
eine Schicht mit Artefakten – Tonfragmenten und Figurinen. Diese ähnelten
jenen der oberen Schicht, waren aber gröber gearbeitet. Schließlich stieß
Cummings in einer Tiefe von 5,5 Metern auf ein Steinpflaster, das um die
Pyramide von Cuicuilco herumführte und offenbar zu der Zeit angelegt
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worden war, in der die Pyramide erbaut wurde.
Cummings nahm eine Schätzung vor, wie lange es wohl gedauert haben
mochte, bis sich die 5,5 Meter dicke Sedimentschicht zwischen der
Unterseite des Pedrigals und dem Tempelpflaster angesammelt hatte.
Zunächst schätzte er das Alter der Pedrigallava auf 2000 Jahre und kam damit
der Wahrheit schon sehr nahe. Dann maß er die Dicke der Sedimentschicht,
die sich über dem Pedrigal angesammelt hatte, und nutzte diese als Maßstab,
um die Zeit zu bestimmen, die es brauchte, um die Sedimente darunter
anzuhäufen. Seiner Schätzung nach dauerte es 6500 Jahre, bis die 5,5 Meter
dicke Sedimentschicht angehäuft war.
Als Antwort auf den Einwand, dass die Ablagerung der Sedimente in der
Zeit vor dem Vulkanausbruch anders und schneller hätte erfolgt sein können,
wies Cummings darauf hin, dass die Art der Sedimente selbst auf eine sehr
lange Zeitspanne schließen ließe. Die drei Kulturschichten sind jeweils durch
zwei Schichten vulkanischer Asche voneinander getrennt, und über jeder
Ascheschicht befindet sich eine dicke Schicht steriler Erde ohne Hinweise auf
irgendeine Art von Vegetation. Und in jedem dieser Fälle benötigte die
Bildung einer neuen Schicht humusreicher Erde über der sterilen Schicht
wahrscheinlich mehrere Jahrhunderte, erst nachdem dieser Prozess
abgeschlossen war, tauchte eine neue Schicht von Artefakten auf.
Die Befunde legen laut Cummings den Schluss nahe, dass erstens die
Pyramide von den Menschen, die sie erbaut hatten, aus irgendeinem Grund
aufgegeben wurde, und dass zweitens die Region um die Pyramide lange Zeit
später von einem primitiveren Volk mit groben Werkzeugen und Töpfereien
besiedelt wurde. Wieder später bereitete der Ausbruch eines oder mehrerer
der umliegenden Vulkane dieser Besiedlung ein Ende und führte zur
Ablagerung einer Schicht vulkanischer Asche. Erneut verging eine lange
Zeitspanne, neue Muttererde bildete sich, und die Region wurde wieder
besiedelt, dieses Mal von einem fortschrittlichen Volk, dessen Artefakte
nahelegen, dass es sich um Nachkommen des früheren Volkes handelte.
Allem Anschein nach fand der Prozess seiner kulturellen Entwicklung in
einer anderen, möglicherweise nahegelegenen Region statt. Wieder lange Zeit
später scheint ein weiterer Vulkanausbruch auch diese fortschrittliche Kultur
vernichtet und zu einem kompletten kulturellen Bruch geführt zu haben, denn
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das dritte Volk, das die Region besiedelte, jenes der archaischen Kultur,
scheint keinerlei Verbindung zu seinen Vorgängern gehabt zu haben. Und
erst nachdem all dies stattgefunden hatte, bildete sich der Pedrigal.
Eine Bestätigung für die Schätzung von Cummings, dass es 6500 Jahre
gedauert haben muss, bis sich diese Sedimentschichten gebildet hatten,
lieferten die oben erwähnten Radiokarbondatierungen der Kohleproben. Sie
wurden verschiedenen Tiefen unter dem Pedrigal entnommen, allerdings in
einer Entfernung von etwa 30 Metern zur Pyramide. Sie alle bestanden aus
Kohle. In der Reihenfolge der Tiefe unter der Lava ergaben ihre Datierungen
folgende Ergebnisse:
Tabelle A: Ergebnisse der Cuicuilco-Radiokarbondatierungen
Nummer Tiefe in Meter Alter Fehlermarge (+/-
Jahre)
UCLA-228, Cuicuilco A-2 mit Lava verbunden 414 n. Chr. 65
UCLA-205, Cuicuilco B-1 1,35 160 n. Chr. 75
UCLA-206, Cuicuilco B-1 2,30 15 n. Chr. 80
UCLA-602, Cuicuilco B- 2,30 240 v. Chr.* 80
17
UCLA-208, Cuicuilco B-4 2,35 150 v. Chr. 150
UCLA-603, Cuicuilco B- 2,40 280 v. Chr. 80
18
UCLA-207, Cuicuilco B-3 2,45 650 v. Chr.* 70
UCLA-209, Cuicuilco B-5 2,65 350 v. Chr. 70
UCLA-594, Cuicuilco B-9 4,35 610 v. Chr. 80
UCLA-210, Cuicuilco B-6 4,55 2030 v. Chr.* 60
UCLA-595, Cuicuilco B- 4,55 540 v. Chr. 100
10
UCLA-596, Cuicuilco B- 4,65 610 v. Chr. 100
11
UCLA-597, Cuicuilco B- 5,10 1870 v. Chr. 100
12
UCLA-598, Cuicuilco B- 5,10 1870 v. Chr. 100
13
UCLA-211, Cuicuilco B-7 5,35 4765 v. Chr.* 90
UCLA-212, Cuicuilco B-8 5,80 2100 v. Chr. 75
UCLA-600, Cuicuilco B- 6,30 1980 v. Chr. 100
15
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UCLA-599, Cuicuilco B- 6,55 1900 v. Chr. 200
14
UCLA-601, Cuicuilco B- 6,55 2160 v. Chr.* 120
16
*Proben UCLA-602, 207, 210 und 211 sind anomal.

Wenn wir jene Proben außer Acht lassen, die nicht der chronologischen
Reihenfolge entsprechen (UCLA-602, 207, 210 und 211), auf
Verunreinigungen der Sedimente durch die Grabung (oder durch andere
Ursachen in früheren Zeiten) hinweisen und die Anhäufung der Sedimente
mit der Zeitspanne vergleichen, die zwischen zwei Proben verstrichen ist,
stellen wir fest, dass die Akkumulationsrate sehr große Unterschiede
aufweist.
Tabelle B: Akkumulationsrate der Ablagerungen
Nummer Akkumulation Zeit Rate (circa)
UCLA-228,205 135 cm 254 Jahre 10 cm/19 Jahre
UCLA-205, 206 90 cm 145 Jahre 10 cm/6 Jahre
UCLA-206, 208 5 cm 165 Jahre 10 cm/330 Jahre
UCLA-208, 603 10 cm 130 Jahre 10 cm/130 Jahre
UCLA-603, 209 25 cm 70 Jahre 10 cm/28 Jahre
UCLA-209, 594 170 cm 260 Jahre 10 cm/15 Jahre
UCLA-594, 596 35 cm -- --
UCLA-596, 597 40 cm 1260 Jahre 10 cm/315 Jahre
UCLA-597, 212 70 cm 230 Jahre 10 cm/33 Jahre
UCLA-212, 601 75 cm 60 Jahre 10 cm/8 Jahre

Nehmen wir die Daten 414 n. Chr. und 2160 v. Chr. als obersten und
untersten Wert unserer Sedimentschichten (Tabelle A) an, könnten wir davon
ausgehen, dass sich 21 Prozent der Schicht innerhalb von 2574 Jahren vor der
Entstehung des Pedrigals angesammelt haben, das heißt im Durchschnitt 30
Zentimeter in 119 Jahren. Die unterschiedlichen Akkumulationsraten könnten
einfach darauf zurückzuführen sein, dass die Sedimente schon in früher Zeit
aufgewühlt worden waren. Oder sie zeigen möglicherweise Veränderungen in
Perioden vulkanischer Eruptionen an, in denen die Rate hoch war, doch in
den nachfolgenden Perioden, in denen es keine menschliche Besiedlung und
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nur wenig Vegetation gab, die Ablagerungen sehr gering waren. Die Proben
wurden allesamt von Stellen menschlicher Besiedlung genommen, das heißt
von Hügeln unter dem Pedrigal, die die Ruinen von Gebäuden enthielten und
wo die Akkumulationsrate von Sedimenten natürlich höher war.
Entscheidend ist, dass die Radiokarbonproben, die nahe der Pyramide
entnommen wurden, uns zwar annähernde Datierungen der verschiedenen
Phasen von archaischen beziehungsweise vorgeschichtlichen Kulturen in
dieser Region liefern, aber bisher zu keiner Datierung der Pyramide selbst
führen. Bisher scheinen keine Ausgrabungen unter dem von Cummings
erwähnten Pflasterweg, der die Pyramide umgibt, vorgenommen worden zu
sein. Es gibt jedoch Hinweise dafür, dass die Gebäude in der Nähe der
Pyramide unter dem Pedrigal, die inzwischen datiert sind, von Menschen
errichtet wurden, die die Region besiedelten, nachdem die Pyramide
aufgegeben worden war. Cummings jedenfalls führt Argumente für seine
Überzeugung an (siehe nachfolgenden Exkurs), dass das Bauwerk lange Zeit
genutzt wurde.

Exkurs

Byron Cummings über die Pyramide von Cuicuilco


Byron Cummings schreibt in seiner Broschüre (56, S. 40), nachdem er die Ausgrabung der
verschiedenen Pflasterwege um die Pyramide von Cuicuilco geschildert hat:

»… Diese sechs Pflasterwege mit den dazugehörigen sechs Schreinen, die alle in unterschiedlicher
Tiefe unterhalb der verkohlten Schicht liegen, welche auf den Zeitpunkt der Eruption des Xitli und
der Entstehung des Pedrigals schließen lassen, sprechen eine klare und überzeugende Sprache. Das
unterste Pflaster liegt mehr als 5,5 Meter unter der Oberfläche. Die 3,5 bis 6 Meter dicke
Schuttschicht über der Basis und die 5,5 Meter dicke Schicht nach und nach angesammelter
Sedimente, die sich wahrscheinlich schon vor der christlichen Zeitrechnung ablagerten, sowie die
Zusammensetzung des Bauwerks selbst sprechen dafür, dass die Erbauer der Pyramide wohl in der
fernsten Vergangenheit der Besiedlung im Tal von Mexiko zu suchen sind.«

Die anschließende Erläuterung Cummings‘ über das wahrscheinliche Alter der Pyramide seien hier
vollständig zitiert:

»Das hohe Alter des Tempels«


Cuicuilco erzählt ganz deutlich seine eigene Geschichte. Das grobe Zyklopenmauerwerk, das ohne
Verwendung irgendeiner Art von Mörtel zusammengefügt wurde, die massive Kegelform und die
großen Wege, die anstelle von Stufen hoch hinaufführen – dies alles belegt, dass das Bauwerk von

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primitiven Menschen errichtet wurde und dass die Erbauer kaum mit den Grundlagen der
Architektur vertraut waren. Die Fundamente liegen unter einer 3,5 bis 6 Meter dicken Schuttschicht,
die wiederum von drei Lavaströmen überdeckt wurde, welche über die Hänge flossen und in rascher
Folge eine 3 bis 6 Meter dicke Lavaschicht bildeten. Der alte Tempel war damals bereits komplett
von verschiedenen Schichten aus Gestein und Erde, Vulkanasche und Bimsstein verschüttet, sodass
die Lavaströme, als sie um den Hügel flossen und seine Hänge hinaufkrochen, nirgends die Mauern
des alten Bauwerks berührten. Jahrhunderte müssen verstrichen sein, und mehrere Ausbrüche des
Ajusco müssen die Plattformen und Mauern der Pyramide unter mehreren Schichten Asche und
Bimsstein begraben haben, ehe der Xitli seinen Feuerstrom freisetzte. Eine 70 bis 90 Zentimeter
dicke Erdschicht hat sich seitdem über dieser verbrannten schwarzen Lava angesammelt, die die
Fußabdrücke der verheerenden Ausbrüche des Xitli darstellen. Sorgfältige Messungen wurden an
mehreren Stellen dieser seit der Eruption des Xitli angehäuften Schichten und der Ansammlungen
direkt unter und zwischen dem Pflaster, das die Pyramide umgibt, sowie den unter der Lavadecke
befindlichen Ablagerungen vorgenommen, und sie führten jeweils zu demselben Ergebnis: Wenn
die Ansammlung der Schicht seit der Eruption des Xitli 2000 Jahre in Anspruch genommen hat,
dann hat es, wenden wir denselben Maßstab an, 6500 Jahre gedauert, bis sich die Schicht unter der
Lava bildete, und das bedeutet, dass Cuicuilco vor etwa 8500 Jahren verfallen sein muss. Doch
manche Wissenschaftler werden einwenden: ›Welche Beweise haben wir dafür, dass die
Ablagerungen unter der Lavaschicht sich nicht schneller ansammelten, denn dort ging ja mehrfach
Vulkanasche nieder?‹ Es ist zutreffend, dass vulkanische Ablagerungen eine Rolle spielten, doch die
Tatsache, dass es drei Schichten aus Stein und organischem Boden gibt, die Steinwerkzeuge,
Keramiken und Figurinen dreier verschiedener Stufen der Handwerkskunst enthalten und von zwei
massiven Schichten vulkanischer Asche, Bimsstein und eingelagertem Sand voneinander getrennt
sind, lassen darauf schließen, dass dazwischen eher Jahrhunderte als Monate oder Jahre vergangen
sein müssen. Die beiden umfassenden Erweiterungen der Pyramide und die wiederholte Befestigung
der breiten Rampen, die zur Spitze des Bauwerks führen, machen klar, dass es nicht nur für kurze
Zeit als Zentrum religiöser Zeremonien genutzt wurde. Die 5,5 Meter hohen Ablagerungen über der
ursprünglichen Plattform und die sechs übereinanderliegenden Pflaster mit den jeweils
dazugehörenden Plattformen beziehungsweise Altären, die alle schon vor dem Ausbruch des Xitli
verschüttet wurden, belegen die lange Nutzung dieses imposanten Hügels als sakralen
Versammlungsort. Die verstorbene Mrs. Nuthall, eine ausgewiesene Azteken-Expertin, hat
herausgefunden, dass das Wort Cuicuilco einen Ort bezeichnet, an dem man sang und tanzte. Und
alles an diesem Bauwerk bestätigt diese Interpretation. Hier haben sich Männer und Frauen
versammelt, um den großen Geistern zu huldigen, die, wie sie meinten, ihr Leben und Schicksal
bestimmten. Hier tanzten und sangen sie offenbar über viele Jahrhunderte zu Ehren ihrer Götter und
zum Wohl ihrer Mitmenschen. Cuicuilco ist ein Monument des religiösen Eifers und der
organisierten Macht und Beharrlichkeit der frühesten Bewohner des Tals von Mexiko. Es handelt
sich um einen großartigen Tempel, der von der Hingabe an die Götter und der Unterwürfigkeit
gegenüber dem Willen der großen Oberhäupter zeugt. Er belegt die Anfänge jener Architektur, die
sich bis zu den Pyramiden und Altären von Teotihuacan weiterentwickelte. In jedem Fall ist er der
älteste Tempel, der bis jetzt auf dem amerikanischen Kontinent entdeckt wurde. Alles, was wir
bislang über ihn wissen, spricht für ein sehr hohes Alter und sollte ein starker Anreiz dafür sein, die
archaische Kultur von Mexiko noch weiter zu erforschen.«

In diesem Fall wäre die Pyramide spätestens um 2160 v. Chr. aufgegeben


worden. Das sagt jedoch nichts über das Datum ihrer Erbauung aus, denn die
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Ausmaße und die Bauweise weisen auf ein fortschrittliches Volk hin, das vor
4000 oder 5000 Jahren in Mexiko eine Blütezeit erlebt hat. Und damit
könnten wir hier ein Relikt jenes Volkes vor uns haben, das die ganze Welt
bereiste und jene fortschrittlichen wissenschaftlichen Kenntnisse besaß, die
für die Anfertigung unserer alten Karten erforderlich waren.
Aber Vorsicht: Ich erwarte nicht, dass, wissenschaftlich betrachtet,
bezüglich der Pyramide von Cuicuilco bereits das letzte Wort gesprochen
worden ist, sondern möchte lediglich auf eine Möglichkeit hinweisen. Ich bin
der Meinung, dass diese Pyramide und einige andere Fundorte in Mexiko und
Südamerika einer neuerlichen Erforschung unterzogen werden sollten, um
herauszufinden, ob sie nicht tatsächlich mit einer vorgeschichtlichen
Zivilisation in Verbindung stehen könnten, auf deren Existenz die Karten so
eindeutig hinweisen und die eine weltweite Zivilisation gewesen sein muss,
zumindest was die Entdeckungsfahrten und die Kartografie anbelangt. In den
vergangenen 100 Jahren wurden wiederholt Entdeckungen gemacht, die nach
Aussage ihrer Urheber selbst auf die Existenz einer uralten fortschrittlichen
Zivilisation hinweisen. Von Archäologen wurden diese Entdeckungen
zumeist ignoriert und als Fantasieprodukt oder Schwindel diskreditiert. Die
Aufgabe, diese alten und vielleicht fälschlicherweise abgelehnten
Entdeckungen zu überprüfen und weiter zu erforschen, wird viel Zeit und
Geld in Anspruch nehmen und zahlreichen Wissenschaftlern sehr viel
Engagement abverlangen. Doch man hat noch nicht einmal damit begonnen,
nach neuen Indizien und Beweisen zu suchen.

Exkurs

Anton W. Brøgger über ein »Goldenes Zeitalter«


der Navigation
Vilhjálmur Stefánsson (191) erwähnt den Hinweis eines norwegischen Historikers auf ein
»Goldenes Zeitalter« der Navigation in ferner Vergangenheit:

»All denjenigen, die ihre Ausbildung vor 40 oder mehr Jahren absolviert haben, als man noch davon
ausging, die Hochseeschifffahrt habe mit den Phöniziern ihren Anfang genommen, wird es ziemlich
schwer fallen zu glauben, dass die Menschen schon sehr viel früher zumindest über drei Weltmeere
gesegelt sind – über den Atlantik, über den Indischen und den Pazifischen Ozean. Tatsächlich
scheint nur einer Gruppe von Wissenschaftlern diese Art des Denkens ganz natürlich zu sein,
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nämlich den Archäologen, insbesondere denjenigen, die sich mit der späten Steinzeit und den
verschiedenen Bronzezeitaltern beschäftigen …«

Professor Anton W. Brøgger sorgte nicht für besonders großes Aufsehen beziehungsweise löste
zumindest keinen Sturm der Entrüstung aus, als er 1936 bei einem internationalen
Archäologenkongress in Oslo, bei dem er den Vorsitz hatte, einen Vortrag über ein Goldenes
Zeitalter der Hochseeschifffahrt hielt, das seinen Höhepunkt, wie er meint, vielleicht schon 3000
Jahre v. Chr. erreichte und nach 1500 v. Chr. seinen Niedergang erlebte, sodass (laut dieser Theorie)
genau der Zeitraum, den wir bislang als den Beginn der echten Seefahrt erachteten, also die Zeit der
Phönizier, in Wahrheit nur den Tiefpunkt einer Kurve darstellte, die danach langsam wieder anstieg,
bis sie im Zeitalter der Wikinger, das heißt vor etwa 1500 Jahren, einen neuen Höhepunkt erreichte.
Dass die Menschen der Alten Welt in Brøggers Goldenem Zeitalter der Navigation vor 5000 Jahren
oder sogar noch früher den amerikanischen Kontinent, von Brasilien bis Grönland, entdeckten, kann
bislang lediglich als möglich beziehungsweise wahrscheinlich gelten. Mit Sicherheit lässt sich dies
bislang noch nicht belegen, aber wir können beweisen, dass es wahrscheinlich so war.

Neben der Archäologie gibt es noch zwei weitere Gebiete, in welchen sich
stichhaltige Beweise einer weltweiten alten Zivilisation finden. Das erste ist
das Gebiet der Sprachwissenschaft, in der das Problem des Ursprungs der
Hauptsprachfamilien und der verschiedenen Sprachgruppen überdacht
werden sollte. Es gab Wissenschaftler, die behaupteten, die meisten Sprachen
wiesen auf einen gemeinsamen Ursprung hin, von dem alle Sprachgruppen
abstammten (wie zum Beispiel die indogermanische etc.). Einer von ihnen
war Arnold D. Wadler, er widmete sein gesamtes Berufsleben dieser Frage.
Ich weiß nicht, ob die in seinem Buch (212) aufgestellten Thesen haltbar
sind, aber sie bieten meiner Meinung nach einen brauchbaren
wissenschaftlichen Ansatz. Außerdem ist es interessant, dass die antike
Literatur allenthalben Bezug auf die Tradition einer universellen Sprache
nimmt.
So lesen wir in der Genesis: »Alle Menschen hatten die gleiche Sprache
und gebrauchten die gleichen Worte.« Lincoln Barnett stellt in seinem Buch
Treasure of Our Tongue fest:
»Die Vorstellung, dass alle Menschen einmal die gleiche Sprache gesprochen haben, findet sich
nicht nur in der Genesis. Sie wird in alten ägyptischen und frühen buddhistischen und hinduistischen
Schriften zum Ausdruck gebracht, und im 16. Jahrhundert gingen mehrere europäische Philosophen
dieser Frage ernsthaft nach … « (24, S. 46)

Das zweite Forschungsgebiet ist das der vergleichenden Mythologie. Seit


einigen Jahren führe ich im Rahmen meiner Anthropologie-Kurse
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Forschungen auf dem Gebiet der Mythologie durch. Aus unseren
Forschungen ist das Konzept hervorgegangen, und zwar, wie ich behaupten
kann, mit großer Deutlichkeit, dass die großen mythologischen Systeme
weltweit buchstäblich die gleichen sind. Überall finden sich die gleichen
Grundmuster und die gleichen Hauptgottheiten – in Europa, in Asien, in
Nord- und Südamerika und in Ozeanien. In Tabelle C sind die Götter der vier
Elemente aufgelistet – Feuer, Luft, Erde, Wasser –, die in den Mythologien
weltweit zu finden sind.
Über die Mythologie wurden zahlreiche Theorien aufgestellt. Eine davon
schrieb die Ähnlichkeiten der Mythen einem gemeinsamen Ursprung in
Ägypten zu. Sie wurde allgemein zurückgewiesen, weil die Verbreitung
ägyptischer Mythen nach Amerika, Indien, China oder Ozeanien nicht
nachgewiesen werden konnte. Sollte es zu dieser Verbreitung wirklich
gekommen sein, müsste der Ursprung weiter zurückliegen und auf eine
Kultur zurückgehen, die vor den Ägyptern existierte. Eine andere Theorie
schreibt diese Ähnlichkeiten dem menschlichen Instinkt zu. Ihre Befürworter
argumentieren, dass die Mythen sich auf die Instinkte des Menschen gründen,
und die seien bei allen Menschen dieselben. Diese Theorie hat ihre
Schwächen, weil erstens die meisten heutigen Psychologen die Existenz
solcher Instinkte anzweifeln und zweitens diese Instinkte, falls es sie
tatsächlich gibt, nur auf ganz allgemeine Aspekte wie zum Beispiel Liebe,
Hass, mystische Gefühle und so weiter angewendet werden können. Die in
der Tabelle erkennbaren Ähnlichkeiten zwischen den Mythen sind indes zu
spezifisch, um sie allgemeinen Instinkten zuschreiben zu können.
Tabelle C: Die Götter der vier Elemente in verschiedenen Kulturen*
Feuer Luft Erde Wasser
Ägypter Re Shu Geb, Gea Nu, Nunu**
Babylonier Girru Anu Enlil Ea
Hebräer Gabriel Raphael Raashiel Rediyas
Phönizier Ouranos Aura Gea Ashera
Perser*** Atar Ahura Mazda Ameretet Anahita
Inder Agni Yayu Prithivi Varuna
Chinesen König Mu How-Chu Yen-Lo-Wang Mo-Hi-Hai
Japaner Ama-Terashu Amida Ohonamochi Susa-No O

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Iraner *** Asha; Atar Vohu Manah Oka Spenta Armati Hauvatet Apaosha
Oeshma Manah Bushyasta
Norweger Thor Tyr Odin Njord
Inka Manco-Capac Supay Pachacamac Viracocha
Azteken Ometecutli Tezcatlipoca Omeciuatl Tlaloc
Maya Kulkulcan Bacabs Voltan Itzamna
Slaven Swa Byelun Raj Peroun
Finnen Feuer-Mädchen Ukko Ilmatar Kul Uasa
* Zusammengestellt vom Anthropologie-Kurs am Keene State College.
** In Ägypten gab es je nach Epoche für die vier Elemente verschiedene Götter.
*** Die persische und iranische Mythologie sind nicht identisch; in der iranischen Mythologie haben
die vier Götter der Elemente jeweils einen Gegenpart, wodurch der Gegensatz zwischen Gut und Böse
repräsentiert wird.

Daraus lässt sich grundsätzlich auf die Möglichkeit schließen, dass die
genannten Indizien auf eine sehr alte weltweite Zivilisation beziehungsweise
Kultur hinweisen, die in fernster Vergangenheit über einen beträchtlichen
Zeitraum hinweg einen Großteil der Erde beherrscht haben muss. Wir haben
eine Vielzahl von Hinweisen gefunden, deren weitere Erforschung gewiss
lohnend sein wird.

Exkurs

Zur Geschichte der Seefahrt und des Schiffsbaus


Im Verlauf der Untersuchungen dieser Karten wurde der Navigation und dem Schiffsbau früherer
Zeiten sehr viel Aufmerksamkeit gewidmet, insbesondere dem Einfluss, den die Phönizier hierin
möglicherweise auf die Griechen ausgeübt hatten. Aus Platzgründen erschien es uns das Beste zu
sein, auf eine umfassende Erörterung dieses Themas in diesem Buch zu verzichten, doch einige der
Literaturhinweise finden sich in der Bibliografie (Nr. 34, 38, 41, 49, 86, 99, 102, 114, 189, 209, 210
und 211).

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Geografische Tabellen

Tabelle 1: Die Karte des Piri Reis von 1513

Ort Tatsächl. Position Piri Reis Abweichung


(a) Afrika
1. Annobon-Inseln 2,0 S 2,0 S 0,0
6,0 O 0,0 6,0 W
2. Cavally (Fluss)
3. Kap Palmas 4,0 N 5,0 N 1,0 N
8,0 W 2,5 W 5,5 O
4. St.-Paul (Fluss) 7,0 N 6,0 N 1,0 S
11,0 W 7,5 W 3,5 O
5. Mano (Fluss) 7,5 N 6,0 N 1,5 S
12,0 W 9,0 W 3,0 O
6. Freetown 8,5 N 7,5 N 1,0 S
15,5 W 12,0 W 3,5 O
7. Bijagos-Inseln 11,0 N 10,0 N 1,0 S
16,0 W 15,0 W 1,0 O
8. Gambia (Fluss) 13,5 N 13,0 N 0,5 S
16,5 W 16,0 W 0,5 O
9. Dakar 15,0 N 14,0 N 1,0 S
17,0 W 17,5 W 0,5 W
10. Senegal (Fluss) 16,0 N 15,0 N 1,0 S
16,5 W 16,0 W 0,5 O
11. Kap Blanc 21,0 N 21,0 N 0,0
17,0 W 18,0 W 1,0 W
12. Kap Jubi 28,0 N 25,5 N 2,5 S
13,0 W 15,0 W 2,0 W
13. Sebu (Fluss) 34,3 N 32,0 N 2,3 S
9,0 W 8,0 W 1,0 O
(b) Europa
14. Gibraltar 36,0 N 35,0 N 1,0 S

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5,5 W 7,0 W 1,5 W
15. Guadalquivir 37,0 N 37,0 N 0,0
6,3 W 7,0 W 0,7 W
16. Kap St. Vincent 37,0 N 36,0 N 1,0 S
9,0 W 11,0 W 2,0 W
17. Tagus (Lissabon) 38,5 N 38,0 N 0,0
9,0 W 11,0 W 2,0 W
18. Kap Finisterre 43,0 N 43,0 N 0,0
9,0 W 12,0 W 3,0 W
19. Gironde
20. Brest 48,0 N 48,0 N 0,0
5,0 W 8,0 W 3,0 W
(c) Inseln im Nordatlantik
21. Kapverden 15–17 N 14–19 N 0,0
22–25 W 23–29 W 0,0
22. Kanaren 27–29 N 26–28 N 1,0 S
13–17W 14–20 W 1,0 W
23. Madeira 36,6 N 31,0 N 5,6 N
17,0 W 17,0 W 0,0
24. Azoren 37–39 N 36–40 N 0,0
25–31 W 25–32 W 0,0
(d) Die Karibik auf Netz B
Weil die Geografie des Hauptnetzes um 4.4° nach Norden verschoben wurde, damit es mit der Linie
durch Punkt III als Äquator übereinstimmt, verschob sich die Geografie der Karibik um etwa 4° nach
Westen. Diese Abweichung ist in der folgenden Tabelle berücksichtigt.
25. Kuba
(a) Golf von 20,5 N 18,0 N -4,0 2,5 S
Guacanayabo 77,5 W 88,0 W 7,5 W
(b) Guantanamo- 20,0 N 18,0 N -4,0 2,0 S
Bucht 75,0 W 86,0 W 7,0 W
(c) Bahia de Nipe 21,0 N 21,5 N -4,0 0,5 N
77,5 W 85,0 W 3,5 W
(d) Bahia de la Gloria 22,0 N 22,0 N -4,0 0,0
77,5 W 88,0 W 6,5 W
(e) Camaguey- 21,0 N 20,0 N -4,0 1,0 S
Gebirge 77–79 W 85–89 W 4,0 W
(f) Sierra Maestra 20,0 N 18,0 N -4,0 2,0 S
76–77 W 84–86 W 4,0 W
26. Insel Andros 23–25 N 26,0 N -4,0 2,0 N
76–77 W 92–96 W 12,0 W

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27. San Salvador 24,0 N 26,5 N -4,0 2,5 N
74,5 W 84,5 W 6,0 W
28. Isla de Pinos 22,0 N 16,0 N -4,0 6,0 S
83,0 W 91,0 W 4,0 W
29. Jamaica 18,0 N 15–16 N -4,0 2,5 S
77,0 W 86,0 W 5,0 W
30. Hispaniola (Santo 18–20 N 16–19 N -4,0 1,0 S
Domingo, Haiti) 68–74 W 74–76 W 0,0
31. Puerto Rico 18–19 N 21,0 N -4,0 1,5 N
66–67 W 74,0 W 3,5 W
(e) Süd- und mittelamerikanische Küsten auf Netz B
32. Rio Moroni 6,0 N 11,0 N -4,0 5,0 N
54,0 W 59,0 W 1,0 W
33. Corantijn (Fluss) 6,0 N 10,0 N -4,0 4,0 N
57,0 W 60,0 W 1,0 O
34. Essequibo (Fluss) 7,0 N 10,0 N -4,0 3,0 N
58,0 W 61,5 W 1,0 O
35. Orinoco 9–10 N 14,0 N -4,0 4,5 N
61–63 W 67,0 W 1,0 W
36. Golf von 11–12 N 13,0 N -4,0 1,5 N
Venezuela 71,0 W 76,0 W 1,0 W
37. Pt. Gallinas 12,5 N 14,5 N -4,0 2,0 N
72,5 W 77,5 W 1,0 W
38. Magdalena 11,0 N 12,5 N -4,0 1,5 N
(Fluss) 75,0 W 79,5 W 0,5 W
39. Golf von Uraba 8,0 N 10,5 N -4,0 2,5 N
77,0 W 79,0 W 2,0 O
40. Honduras (Kap 15,0 N 13,0 N -4,0 2,0 S
Gracias a Dios) 83,0 W 86,0 W 1,0 O
41. Yucatan 21,0 N 15,0 N -4,0 6,0 S
88,0 W 96,0 W 4,0 W
(f) Die Küsten Süd- und Mittelamerikas (auf dem Hauptnetz und auf Teilnetz C)
42. Kap Frio 23,0 S 23,0 S 0,0
42,0 W 38,0 W 4,0 O
43. Salvador 13,0 S 13,5 S 0,5 S
39,0 W 38,0 W 1,0 O
44. Rio San 11,5 S 10,5 S 1,0 N
Francisco 36,5 W 37,0 W 0,5 W
45. Recife 8,0 S 7,0 S 1,0 N
(Pernambuco) 35,0 W 34,5 W 0,5 O

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46. Kap Sao Rocque 5,0 S 6,5 S 1,5 S
36,0 W 36,0 W 0,0
47. Rio Parahyba 3,0 S 4,0 S 1,0 S
42,0 W 40,0 W 2,0 O
48. Bahia São 2,5 S 4,0 S 1,5 S
Marcos 44,0 W 45,0 W 1,0 W
49. Serras de Gurupi, de Desordam, de Negro
50. Amazonas (1) 0,5 S 0,5 S 0,0
Para 48,0 W 48,0 W 0,0
51. Amazonas (2) 0,5 S 2,0 N 2,5 N
Para 48,0 W 50,0 W 2,0 W
52. Amazonas (2) 0,0 4,0 N 4,0 N
westlicher 50,0 W 53,0 W 3,0 W
Mündungsarm
53. Insel Marajó
54. Essequibo (Fluss) 7,0 N 5,0 N 2,0 S
58,5 W 60,0 W 1,5 W
55. Mündung des 9–10 N 6,5–7,5 N 2,5 S
Orinoco 61–63 W 62,5 W 0,0
56. Halbinsel Paria 10,5 N 7–9 N 2,5 S
62–63 W 61,0 W 1,5 O
(g) Karibische Inseln auf dem Hauptnetz
57. Martinique 14,5 N 14,5 N 0,0
61,0 W 59,0 W 2,0 O
58. Guadaloupe 16,3 N 17,0 N 0,7 N
61,5 W 60,0 W 1,5 O
59. Antigua 17,0 N 19,0 N 2,0 N
62,0 W 59,0 W 3,0 O
60. Inseln über dem 17–18 N 17–21 N 0,0
Wind 61–63 W 60–63 W 0,0
61. Jungferninseln 18,5 N 26–28 N ~ 9,0 N
64,5 W 62–65 W 0,0
(h) Mittelamerikanische Küste
Zwischen der Halbinsel Paria und dem Golf von Venezuela ist ein Teil der Küste ausgelassen worden;
das führt zu einem Verlust von etwa 4,5° westlicher Länge. Diese Abweichung wurde durch die
Addition von jeweils 4,5° zu den westlichen Längen ausgeglichen.
62. Golf von 11–12 N 10–11 N +4,5 0,0
Venezuela 71,0 W 65,0 W 1,5 O
63. Magdalena 11,0 N 10,0 N +4,5 1,0 S
(Fluss) 75,0 W 68,0 W 2,5 O

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64. Atrato (Fluss) 8,0 N 8,0 N +4,5 0,0
77,0 W 73,0 W 0,5 W
65. Honduras (Kap 15,0 N 17,0 N +4,5 2,0 N
Gracias a Dios) 82,5 W 72,0 W 6,0 O
66. Yucatan 21,0 N 24,0 N +4,5 3,0 N
88,0 W 77,0 W 6,6 O
(i) Untere Ostküste Südamerikas und einige Atlantikinseln (auf dem Hauptnetz der Karte)
Ein bei der Kompilation entstandener Fehler führte hier zur Auslassung der gesamten Küste zwischen
Kap Frio und Bahia Bianca. Daher fehlen fast 1500 Kilometer Küstenlinie, mit einem Gesamtverlust
von 16° Breite in Richtung Süden und 20° Länge in Richtung Westen. In der Tabelle wurden diese
Abweichung korrigiert.
67. Bahia Bianca 39,0 S 22,0 S +16 1,0 N
62,0 W 40,0 W +20 2,0 O
68. Rio Colorado 40,0 S 22,5 S +16 1,5 N
62,0 W 41,0 W +20 1,0 O
69. Golf von San 42,5 S 25,0 S +16 1,5 N
Mathias 64,0 W 42,5 W +20 1,5 O
70. Rio Negro 41,0 S 25,0 S +16 0,0
(Argentinien) 63,0 W 43,0 W +20 0,0
71. Rio Chubua 44,0 S 27,0 S +16 1,0 N
65,0 W 47,5 W +20 2,5 W
72. Golf von San 47,0 S 27,5 S +16 3,5 N
Gorge 66,0 W 45,0 W +20 1,0 O
73. Bahia Grande 50–52 S 30,0 S +16 5,0 N
69,0 W 47,0 W +20 2,0 O
74. Kap San Diego 55,0 S 35,0 S +16 4,0 N
(nahe Kap Hoorn) 65,0 W 46,5 W +20 1,5 W
75. Falklandinseln 52,0 S 30–32 S +16 5,0 N
60,0 W 43–45 W +20 4,0 W
An diesem Punkt findet sich ein weiterer Bruch in der Karte, nämlich die Auslassung der Drakestraße.
Das führt zu einem weiteren Verlust von etwa 9° Breite. Der gesamte Breitenverlust beläuft sich damit
nun auf 25°.
76. Südliche 61,0 S 33–34 S +25 2,5 N
Shetlandinseln 60,0 W 40–43 W +20 0,0
77. Südgeorgien anomal (siehe unten)
(j) Antarktis
78. Antarktische 65,0 S 36,0 S +25 4,0 N
Halbinsel 60,0 W 40,0 W +20 0,0
79. Weddell-Meer 67–75 S 37,0 S +25 ~ 8,0 N
20–60 W 30–40 W
An dieser Stelle wird der Fehler in der westlichen Länge durch einen großen Fehler in der gesamten,
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vom Weddell-Meer abgedeckten geografischen Länge überkompensiert. Auf der modernen Karte
erstreckt sich das Weddell-Meer über 40°, auf der Piri-Reis-Karte nur über 10°. Daher subtrahieren
wir nun 10° von den festgestellten geografischen Längen.
80. Mt. Ropke, 72.5 S 42.5 S + 25 5,0 N
Königin-Maud-Land 4,0 W 15,0 W -10 1,0 W
81. Regulakette 72,5 S 42,5 S +25 5,0 N
2,5 W 12,5 W -10 0,0
82. Muhlig- 71–73 S 41–43 S +25 4,0 N
Hofmann-Gebirge 1–6 O 7–10 W -10 0,0
83. Pencksenke 73,0 S 45,0 S +25 4,0 N
2,5 W 12,0 W -10 0,0
84. Neumeyerstufe 73,5 S 45,0 S +25 3,5 N
2,0 W 12,0 W -10 0,0
85. Drygalskiberge 71–73 S 40,0 S +25 7,0 N
8–14 O 2,0 O -10 0,0
86. Vorpostenspitze 71,5 S 42,5 S +25 3,0 N
16,0 O 6,0 O -10 0,0
87. Boreas-, Passat- 71,5 S 37–38 S +25 4,0 N
Nunatak 4,0 W 11–14 W -10 0,0
(k) Inseln im Südatlantik (auf dem Hauptnetz der Karte)
88. Tristan d’Acunha 37,0 S 33,0 S 4,0 N
12,5 W 12,5 W 0,0
89. Insel Gough 40,3 S 35,5 S 4,8 N
10,0 W 9,0 W 1,0 O
77. Südgeorgien 54,5 S 36,0 S 18,5 N
37,0 W 37–38 W 0,0
95. Fernando da 4,0 S 10,0 S 6,0 S
Naronha 31,0 W 30,0 W 1,0 O
Der Breitenfehler lässt darauf schließen, dass die Insel im Verhältnis zu Amazonas (1), jedoch im
Maßstab des Hauptnetzes auf der Karte eingezeichnet wurde.
(l) Pazifikküste Südamerikas
90a, 90b Küstengebirge der Anden
91. Halbinsel Paracas
92. Valparaiso
(m) Nicht existierende Inseln
93. Insel über dem mittelatlantischen Rücken
94. Insel, die von Piri Reis »Antilia« genannt wurde

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Tabelle 2: Die Karte des Oronce Finé von 1531, Antarktis

Ort Tatsächl. Position Oronce Finé Abweichungen


(a) Königin-Maud-Land
1. Kap Norvegia 71,5 S 66,5 S 5,0 N
12,0 W 6,0 W 6,0 O
2. Regulakette 72–73 S 68–69 S 4,0 N
2–5 W 0–3 O ~ 5,0 O
3. Pencksenke 71–74 S 66,5–69 S ~ 3,0 N
3,0 W 4,0 O 7,0 O
4. Neumeyerstufe 73,0 S 68–69 S 4,0 N
0–4 W 0,5 O ~ 4,0 O
5. Muhlig-Hofmann-Gebirge u. 71–73 S 70–71 S 0,0
Wohlthatmassiv 0–15 O 10–15 O 0,0
6. Sor Rondanne u. Belgica Mts. 72,0 S 72–73 S 0,0
22–33 O 20–30 O 0,0
7. Prinz-Harald-Küste, Lützow- 69–70 S 70,0 S 0,0
Holm-Bucht, Shirasegletscher 35–40 O 35–37 O 0,0
8. Königin-Fabiola-Gebirge 76–77 S 73,0 S ~ 3,0 N
35–36 O 30–40 O 0,0
(b) Enderbyland
9. Caseybucht (Lenabucht) od. 67,0 S 70,0 S 3,0 N
Amundsenbucht 48–50 O 48,0 O 0,0
10. Nyegebirge, Sandercook- 73,0 S 72–73 S 0,0
Nunataker 49,0 O 50,0 O 1,0 O
11. Edward-VIII-Bucht 66–67 S 69–70 S 3,0 S
(Kempküste) 58–60 O 55,0 O 4,0 W
12. Schwartzkette, Raynergipfel, 71–74 S 71–73 S 0,0
Dismalgebirge, Leckiekette, 54–57 O 60–75 O 12,0 O
Knuckleygipfel usw.
13. Amery-Schelfeis, 73–78 S 67,0 S 8,5 N
MacKenziebucht, Prydzbucht 70–75 S 73,0 O 0,0
14. Prinz-Charles-Gebirge und 72–74 S 68–70 S 4,0 N
umliegende Gipfel 60–69 O 70–75 O 5,0 O
(c) Wilkesland
15. Philippigletscher, 67,0 S 66,0 S 1,0 N
Posadowskybucht 88–89 O 77,0 O 11,5 W
16. Denman-Scott-Gletscher 66–67 S 66,0 S 1,0 N
(Shakleton-Schelfeis) 99–101 O 85,0 O 11,5 W
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18. Vincennesbucht 66–67 S 65.0 S 1,5 N
109 O 105.0 O 4,0 W
19. Tottengletscher 67,0 S 66,0 S 1,0 N
115–117 O 112,0 O 4,0 W
20. Tümmlerbucht 67,0 S 67,0 S 0,0
128–130 O 122,0 O 7,0 W
21. Merzgletscher 68,0 S 70,0 S 2,0 S
144–145 O 140,0 O 4,5 W
22. MacLean-Nunatak, Carroll- 67–68 S 70–71 S 3,0 S
Nunatak, Auroragipfel, Medigan- 143–145 O 132–134 O 11,0 W
Nunatak usw.
23. Pennellgletscher, 69,0 S 70,0 S 1,0 S
Lauritzenbucht 157–158 O 150,0 O 7,5 W
(d) Viktorialand und Rossmeer
24. Rennickbucht 70,5 S 72,5 S 2,0 S
162,0 O 155,0 O 7,0 W
25. Arctic Institute Range 70–73 S 74–75 S 3,5 S
161–162 O 150–155 O 7,0 W
26. Newnes-Schelfeis und 73,5 S 74,5 S 1,0 S
Gletscher 167,0 O 170,0 O 3,0 O
27. Ross-Insel (Mt. Erebus) 77,5 S 76,5 S 1,0 S
168,0 O 172,0 O 4,0 O
28. Ferrer-Taylor-Gletscher 77–78 S 77,0 S 0,0
159–163 O 160–170 O 0,0
29. Bumerangkette und 77–78 S 77–79 S 0,0
umliegende Gipfel, 159–163 O 142–152 O 14,0 O
(Escaladegipfel, Portal Mt., Mt.
Harmsworth usw.)
30. Gebirgsgruppe: Mt. 80–82 S 79–80 S 1,5 N
Christmas, Mt. Nares, Mt. Albert 157–160 O 140–150 O ~ 13,5 W
Markham, Pyramid Mts., Mt.
Wharton, Mt. Field, Mt.
Hamilton
31. Königin-Alexandra-Kette 84–85 S 84–87 S 0,0
160–165 O 145–155 O ~ 10,0 W
32. Königin-Maud-Kette 87,0 S 81–82 S 5,5 N
140 W-180 O/W 140–160 O ~ 20–40 O
33. Nimrodgletscher 82,5 S 81,0 S 1,5 S
157–163 O 160–175 O ~ 0,0
34. Beardmoregletscher 84–85 S 82–84 S 0,0
170,0 O 170 O-170 W ~ 0,0

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36. Leverettgletscher 85,5 S 81–82 S 4,0 N
150,0 W 140–160 W 0,0
37. Supporting Party Mountain 85,3 S 80,0 S 5,3 N
oder Mt. Gould 150,0 W 160,0 W 10,0 W
38. Thiel- und Horlichgebirge 86,0 S 83–85 S 3,0 N
90–130 W 130–150 W ~ 30,0 W
39. Namenlose Bucht an der 80–81 S 77,5 S 3,0 N
Westküste des Rossmeeres 150,0 W 150–160 W 0,0
40. Prestrude-Einfahrt, 78,0 S 74,0 S 4,0 N
Kielgletscher 157–159 W 160,0 W 2,0 W
42. Halbinsel Edward VII. 77–78 S 72–73 S 5,0 N
155–158 W 158–165 W ~ 4,0 W
43. Sulzbergerbucht 77,0 S 73,5 S 3,5 N
146–154 W 150–155 W ~ 0,0
44. Heute überflutetes Land?
(e) Marie-Byrd-Land
45. Edsel-Ford-Kette 76–78 S 73–74 S 3,5 N
142,0 W 135–143 W 0,0
46. Executive Committee Range 77,0 S 73,0 S 4,0 N
125–130 W 130–135 W ~ 5,0 W
47. Kap Dart, Wrigleygolf, Getz- 75,0 S 70,5 S 4,5 N
Schelfeis 130,0 W 130,0 W 0,0
48. Kap Herlacher, Halbinsel 74,0 S 72,0 S 2,0 N
Martin 114,0 W 108,0 W 6,0 O
49. Kohlerkette, Crarygebirge 76–77 S 74–75 S 2,5 N
111–118 W 108–115W 0,0
50. Halbinsel Canisteo 74,0 S 74,0 S 0.0
102,0 W 98,0 W 4.0 O
51. Hudsongebirge 74–75 S 72–74 S 1.0 N
99,0 W 105–110 W ~ 8.0 W
(f) Ellsworthland
52. Jonesgebirge 73,5 S 74,0 S 0.5 S
94,0 W 100,0 W 6,0 W
53. Einfahrt zum Ellsworthland, 73–80 S (?) 72–74 S 0,0
die offenbar unter der Eiskappe 80–95 W 85–95 W 0,0
liegt
54. Basis der Antarktischen Halbinsel
55. Weddell-Meer fast in Verbindung mit Rossmeer?
56. Verdopplung der Küstenlinie in Ellsworthland?
57. Verdopplung der Basis der Antarktischen Halbinsel?
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58. Berkner-Insel im Weddell-Meer, nach Norden über den Kontinentalschelf hinausreichend?

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Tabelle 3: Karte des Hadji Ahmed von 1559, nur Antarktis

Ort Tatsächl. Position Türkische Karte Abweichung


(a) Orte nahe dem Nullmeridian
Magellanstraße 54 S 49 S 5,0 S
68–73 W 68–73 W 0,0
Kap Hoorn 55 S 51 S 4,0 S
65 W 70 W 5,0 W
Amazonas 1S 1S 0,0
50 W 50 W 0,0
Rio de la Plata 35 S 35 S 0,0
55 W 51 W 4,0 O
Kap Frio 23,5 S 23 S 5,0 N
43 W 43 W 0,0
Halbinsel Paria 10,5 N 10 N 0,5 S
62 W 70 W 8,0 W
Hudson 41 N 51 N 10,0 N
72 W 72 W 0,0
Gibraltar 35 N 31 N 4,0 S
7W 10 W 3,0 W
(b) Orte fern dem Nullmeridian
Chilenische Küste 25–50 S 40–49 S ~ 7,5 S
72 W 80 W 8,0 W
Haiti 19–20 N 19–20 N 0,0
70 W 80 W 10,0 W
Texanische Küste 29 N 29 N 0,0
99 W 110 W 11,0 W
Ceylon 6N 9N 3,0 N
80 O 110 O 30,0 O
Aden 12 N 12 N 0,0
60 O 45 O 15,0 W
Golf von Kalifornien 23,5 N 30 N 6,5 N
130–140 W 110 W 25,0 O

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Tabelle 4: Mercators Weltkarte von 1569 (Antarktisküste in
Polarprojektion)

Ort Tatsächl. Position Mercator Abweichung


1. Kap Dart (Mt. Siple, 73,5 S 63,0 S 10,0 N
Marie-Byrd-Land) 121,0 W 95,0 W 26,0 O
2. Kap Herlacher (Marie- 74,0 S 65,0 S 11,0 N
Byrd-Land) 114,0 W 92,0 W 22,0 O
5. Amundsensee 72,0 S 69–71 S 1,0 N
90–104 W 90–100 W 0,0
4. Insel Thurston 72,0 S 70,0 S 2,0 N
(Eightsküste, Ellsworthland) 88–93 W 81–84 W ~ 7,0 O
5. Fletcher-Inseln 71–82 S 72–75 S 0,0
(Bellinghausensee) 71–82 W 70–80 W 0,0
6. Alexander-I-Insel 72,0 S 72,5 S 0,5 S
67,0 W 58,0 W 9,0 O
7. Antarktische Halbinsel* 70,0 S 72,0 S 1,5 S
60,0 W 47,0 W 13,0 O
8. Weddell-Meer** 72–73 S 72–75 S 0,0
35–50 W 35–40 W 0,0
9. Kap Norvegia (Königin- 71,0 S 75,0 S 4,0 S
Maud-Land) 28,0 W 20,0 W 8,0 O
10. Regulakette (Königin- 72,0 S 77,0 S 5,0 S
Maud-Land) 4,0 W 5,0 W 1,0 W
11. Muhlig-Hofmann- 72,0 S 77,0 S 5,0 S
Gebirge (Königin-Maud- 3–8 O 2–7 O 0,0
Land)
12. Prinz-Harald-Küste 70,0 S 74,0 S 4.0 S
20–31 O 30–40 O 10,0 O
13. Shirasegletscher (Prinz- 70,0 S 71,0 S 1,5 S
Harald-Küste) 38–40 O 42,0 O 7,0 O
14. Insel Padda (Lützow- 69,5 S 73,5 S 3,5 S
Holm-Bucht) 35,0 O 45,0 O 6,0 O
15. Prinz-Olaf-Küste 68,5 S 73,0 S 4,5 S
33–40 O 45–50 O 11,0 O
* Abgeschnitten.
** Die Längen von Orten westlich des Weddell-Meeres können um 10° abweichen, weil das Weddell-
Meer zu schmal dargestellt ist; derselbe Fehler findet sich auch auf der Piri-Reis-Karte.

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Tabelle 5: Mercators Weltkarte von 1538

Ort Tatsächl. Position Mercator


(a) Antarktis
1. Antarktische Halbinsel, bei 70° S 60–70 W 74,0 W
abgeschnitten
2. Weddell-Meer 25–55 W 26–42 W
3. Cairdküste 20–30 W 10–18 W
4., 5. Prinzessin-Martha- und Prinzessin- 20 W-20 O 0,0
Astrid-Küste, Königin-Maud-Land
6. Prinz-Harald-Küste 30–35 O 2W-6 O
7. MacKenzie- und Prydzbucht 70–80 O 38–46 O
8. Denmangletscher und Eiszunge 100,0 O 68,0 O
9. Vincennesbucht 110,0 O 78,0 O
10. Beardmoregletscher, Rossmeer 170,0 O 142,0 O
11. Robert-Scott-Gletscher, Rossmeer 150,0 W 150,0 O
12. Amundsensee 110–120 W 162–170W
13. Insel Alexander 70–75 W 82,0 W
(b) Südamerika
14. Chilenische Küste 70–75 W 74,0 W
15. Falklandinseln (als eine große Insel)? 60,0 W 58,66 W
16. Golf von San Gorge, Argentinien 65–67 W 50,0 W
17. Golf von San Mathias, Argentinien 64–65 W 42,0 W
18. Arica (Peru-Bolivien) 70,0 W 66,0 W
19. Pt. Aguia 81,0 W 74,0 W
20. Golf von Guayaquil (Ecuador) 80,0 W 74,0 W
21. Ensenada di Tumaco (Kolumbien) 79,0 W 71,0 W
(c) Neuseeland
22. Neuseeland »Los roccos Insula« 165–180 O 102–110 O
(d) Afrika
23. Kap der Guten Hoffnung 18,5 O 22,0 O
24. St.-Helena-Bucht 18,0 O 21,0 O
25. Walfischbucht 15,0 O 12,0 O
26. Laurenco-Marquez-Bucht 33,0 O 36,0 O
27. Kap San Sebastian 35,0 O 42,0 O
28. Madagaskar 45,0 O 46–50 O
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Tabelle 6a: Dulcert-Portolankarte von 1339

Ort Tatsächl. Position Dulcert Abweichung


1. Malin Head, Irland 55,2 N 56,5 N 1,5 N
7,0 W 7,0 W 0,0
2. Galway, Irland 53,0 N 53,0 N 0,0
9,0 W 8,0 W 1,0 O
5. Kap Clear, Irland 51,5 N 50,5 N 1,0 S
9,0 W 8,0 W 1,0 O
4. Hebriden 57–58,5 N 57–58 N 0,0
6–7 W 4–5 W 2,0 O
5. Moray Firth, Schottland 57,7 N 57,0 N 0,7 S
3,5–4 W 1,5 W ~ 2,0 O
6. Solway Firth 55,0 N 55,0 N 0,0
3–4 W 5,5 W ~ 0,0
7. Land’s End, England 50,0 N 50,0 N 0,0
6,0 W 4,5 W 1,5 O
8. Scilly-Inseln 50,0 N 50,0 N 0,0
6,5 W 5–6 W 1,0 O
9. The Wash 53,0 N 53,5 N 0,5 N
0,3 O 1,0 W 1,5 W
10. Themse 51,3 N 51,5 N 0,2 N
0,5 O 0,5 W 1,0 W
11. Isle of Wight 50,6 N 50,4 N 0,2 S
1,3 W 2,0 W 0,7 W
12. Calais 50,7 N 50,4 N 0,3 S
2,0 O 0,0 2,0 W
13. Brest 48,5 N 47,5 N 1,0 S
4,5 W 4,0 W 0,5 O
14. Belle Isle 47,2 N 46,2 N 1,0 S
3,0 W 3,0 W 0,0
15. Loire 47,2 N 46,2 N 1,0 S
2,0 W 2,5 W 0,5 W
16. Gironde 45,5 N 44,0 N 1,5 S
1,0 W 2,0 W 1,0 W
17. Kap Finisterre, Spanien 43,0 N 42,5 N 0,5 S
9,0 W 8,5 W 0,5 W
18. Tagus, Portugal 39,0 N 37,0 N 2,0 S
9,0 W 7,0 W 2,0 O

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19. Guadalquivir 37,0 N 35,5 N 1,5 S
6,3 W 7,0 W 0,7 W
20. Gibraltar 36,0 N 34,9 N 1,1 S
5,5 W 5,0 W 0,5 O
21. Sebu (Fluss) 35,0 N 32,0 N 3,0 S
6,0 W 7,5 W 1,5 W
22. Madeira 32,5 N 30,0 N 2,5 S
16–17 W 13,0 W 3,5 O
23. Kap Jubi 27,0 N 27,0 N 0,0
13,0 W 11,5 W 2,0 O
24. Fuerteventura (Kanaren) 28,0 N 30,0 N 2,0 N
14,0 W 13,0 W 1,0 O
25. Cartagena 37,5 N 36,5 N 1,0 S
1,0 W 0,5 W 0,5 O
26. Mallorca 39,9 N 39,0 N 0,9 S
3,0 O 3,0 O 0,0
27. Marseille 42,0 N 44,0 N 2,0 N
5,0 O 6,0 O 1,0 O
28. Kap Corse, Korsika 43,5 N 43,5 N 0,0
9,3 O 9,5 O 0,2 O
29. Cagliari, Sardinien 39,0 N 37,0 N 2,0 S
9,0 O 9,5 O 0,5 O
30. Kap Bon, Tunesien 37,0 N 36,0 N 1,0 S
11,0 O 11,5 O 0,5 O
31. Kap Passero, Sizilien 36,5 N 35,5 N 1,0 S
15,0 O 15,0 O 0,0
32. Bengasi, Libyen 32,0 N 30,0 N 2,0 S
20,0 O 20,0 O 0,0
33. Triest 46,0 N 47,5 N 1,5 N
14,0 O 14,5 O 0,5 O
34. Korfu 40,2 N 40,0 N 0,2 S
20,0 O 20,0 O 0,0
35. Kalamai, Peloponnes 37,0 N 37,0 N 0,0
22,0 O 22,5 O 0,5 O
36. Bosporus 41,0 N 44,0 N 3,0 N
29,0 O 28,5 O 0,5 W
37. Donau 45,0 N 50,0 N 5,0 N
34,5 O 29,5 O 5,0 W
38. Sebastopol 44,5 N 49,3 N 4,8 N
33,5 O 33,5 O 0,0
39. Rostow 47,3 N 53,0 N 5,7 N
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39,5 O 38,0 O 1,5 W
40. Don-Biegung 49,0 N 52,5 N 3,5 N
44,0 O 44,5 O 0,5 O
41. Wolga (Wolgograd) 49,0 N 55,0 N 6,0 N
44,5 O 47,0 O 2,5 O
42. Batum 41,5 N 45,0 N 3,5 N
41,5 O 41,5 O 0,0
43. Kap Andreas, Zypern 36,0 N 37,0 N 1,0 N
34,5 O 35,5 O 1,0 O
44. Kreta, Südküste 37,5 N 35,0 N 2,5 S
24,5–26 O 24–26 O 0,0
45. Rhodos 36,0 N 37,0 N 1,0 N
28,0 O 28,0 O 0,0
46. Antalya 37,0 N 37,5 N 0,5 N
30,7 O 31,5 O 0,8 O
47. Alexandria 31,0 N vorauss. richtig
30,0 O 32,0 O 2,0 O
48. Assuan 24,0 N 24,0 N 0,0
33,0 O 34,0 O 1,0 O
49. Ras Muhammad, Sinai 27,5 N 27,5 N 0,0
34,0 O 35,5 O 1,5 O
50. Indische Küste*
* Scheint der indischen Küste von etwa 25 ° Nord, 62° Ost bis etwa 22° Nord, 70° Ost zu gleichen.

Analyse der Dulcert-Portolankarte.


Wenn wir eine Gruppe der nördlichsten Punkte im Atlantik auf dieser Karte mit den tatsächlichen
geografischen Breiten vergleichen, ergeben sich folgende Abweichungen:

Tabelle 6b

Ort Abweichung
1. Malin Head, Irland 1,3 N
2. Galway, Irland 0,0
3. Kap Clear, Irland 1,0 S
4. Hebriden 0,0
5. Moray Firth, Schottland 0,0
6. Solway Firth 0,0
7. Land’s End 0,0
8. Scilly-Inseln 0,0
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9. The Wash 0,5 N
10. Themse 0,2 N
11. Isle of Wight 0,2 S

Wir stellen fest, dass Irland zu groß abgebildet erscheint, die Breitenangaben aber ansonsten
weitgehend korrekt sind. Sie basieren auf dem Breitengrad von Alexandria, die unsere
Grundbreitenlinie bildet, und sind deshalb im Verhältnis zur geografischen Breite dieser Stadt korrekt.
Die Breitenabweichungen der südlicher gelegenen Punkte weisen nicht auf nennenswerte
Abweichungen in der Länge eines Breitengrads hin. Was die Längen anbelangt, so weist die
Positionierung einer Reihe von westlich gelegenen Orten, von Nordirland bis Kap Juby, auf
bemerkenswerte Kenntnisse ihrer relativen Längen hin:

Tabelle 6c

Ort Abweichung
1. Malin Head, Irland 0,0
2. Galway, Irland 1,0 O
5. Kap Clear, Irland 1,0 O
4. Hebriden 2,0 O
7 Land’s End 1,5 O
8., 9. The Wash 1,3 W
10. Themse 1,0 W
11. Isle of Wight 0,7 W
12. Calais 2,0 W
13. Brest 0,5 O
14. Belle Isle 0,0
15. Loire 0,5 W
16. Gironde 1,0 W
17. Kap Finisterre 0,5 W
18. Tagus 2,0 O
19. Guadalquivir 0,7 W
20. Gibraltar 0,5 O
21. Sebu (Fluss) 1,5 W
22. Madeira 3,5 O
23. Kap Jubi 2,0 O

Hier gibt es Hinweise auf einen Maßstabsfehler in Großbritannien, das heißt, dass Punkte im Westen zu
weit östlich und Punkte im Osten zu weit westlich liegen. Ein Vergleich der Längenangaben für Orte
im östlichen Teil der Karte ergibt eine ähnliche Genauigkeit bei den geografischen Längen:
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Tabelle 6d

Ort Abweichung
34. Korfu 0,0
35. Kalamai 0,5 O
36. Bosporus 0,5 W
37. Donau 5,0 W
38. Sebastopol 0,0
39. Rostow 1,5 W
40. Don-Biegung 0,5 O
41. Wolgograd 2,5 O
42. Batum 0,0
45. Rhodos 0,0
46. Antalya 0,8 O
48. Assuan 1,0 O

Die relativen geografischen Längen dieser Orte sind scheinbar bemerkenswert korrekt . Sie befinden
sich auch in ebenso korrektem Verhältnis zu den Punkten an der Atlantikküste. Das heißt, es gelang
dem Kartografen, die geografischen Längen von Orten korrekt zu bestimmen, die über eine Ost-West-
Strecke von fast 5000 Kilometern verstreut liegen.

Tabelle 7: Caveri-Karte von 1502 (Gradnetz auf der Grundlage der


sphärischen Trigonometrie erstellt)

Ort Tatsächl. Position Caveri Abweichung


1. Kap der Guten Hoffnung 35,5 S 37,0 S 1,5 S
18,5 O 14,0 O 4,5 W
2. Kap Columbine 33,0 S 35,5 S 2,5 S
18,0 O 14,0 O 4,0 W
3. Walfischbuch, Pelikanspitze 23,0 S 22,5 S 0,5 N
15,0 O 10,0 O 5,0 W
4. Kongo (Mündung) 6,0 S 13,0 S 7,0 S
12,2 O 14,0 O 1,8 O
5. Kap Lopez 1,0 S 5,0 S 4,0 S
9,0 O 10,0 O 1,0 O
6. Insel São Tomé 0,0 4,0 S 3,0 S
6,0 O 8,0 O 2,0 O
7. Nigerdelta 4,0 N 1,0 N 3,0 S
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6,0 O 8,0 O 2,0 O
8. Kap Three Points 5,0 N 3,5 N 1,5 S
2,0 W 5,0 W 3,0 W
9. Kap Palmas 4,5 N 4,0 N 0,5 S
8,0 W 9,0 W 1,0 W
10. Freetown 8,0 N 10,0 N 2,0 N
13,5 W 17,5 W 4,0 W
11. Dakar 15,0 N 17,0 N 2,0 N
17,0 W 20,0 W 3,0 W
12. Kap Blanc 21,0 N 24,0 N 3,0 N
17,0 W 20,0 W 3,0 W
13. Kap Jubi 28,0 N 28,0 N 0,0
13,0 W 15,5 W 2,5 W
14. Gibraltar 36,0 N 34,5 N 1,5 S
5,5 W 5,5 W 0,0
15. Kap Bon 37,0 N 34,0 N 3,0 S
11,0 O 11,0 O 0,0
16. Bengasi 32,0 N 28,0 N 4,0 S
20,0 O 19,5 O 0,5 W
17. Alexandria 31,0 N 26,5 N 4,5 S
30,0 O 30,0 O (Vorauss.)
18. Zypern 35,0 N 32,0 N 3,0 S
32–34 O 32–34 O 0,0
19. Kreta 35,0 N 32,0 N 3,0 S
24–26 O 25,0 O 0,0
20. Lesbos 39,0 N 36,0 N 3,0 S
26,0 O 26,5 O 0,5 O
21. Bosporus 41,0 N 39,0 N 2,0 S
29,0 O 29,5 O 0,5 O
22. Sebastopol 44,5 N 41,0 N 3,5 S
34,5 O 35,0 O 0,5 O
23. Batum (Kaukasus) 42,0 N 38,0 N 4,0 S
42,0 O 43,0 O 1,0 O
24. Sizilien 36–37 N 34,0 N 2,5 S
13–15 O 15,0 O 0,0
25. Sardinien 39–41 N 35–38 N 3,0 S
8–10 O 9–10 O 0,0
26. Kap St. Vincent 37,0 N 36,0 N 1,0 S
11,0 W 10,0 W 1,0 O
27. Kap Finisterre 43,0 N 42,0 N 1,0 S
9,0 W 9,0 W 0,0
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28. Brest 48,0 N 47,0 N 1,0 S
5,0 W 4,0 W 1,0 O
29. Kap Clear (Irland) 52,0 N 49,5 N 2,5 S
10,0 W 8W 2,0 O
30. Londonderry 55,0 N 54,5 N 0,5 S
7,5 W 6,5 W 1,0 O
31. Dänemark (Nordküste) 50–53 N 56,0 N 4,5 N
8–10 O 7,5 O 2,5 W
32. Rigaer Bucht 57,5 N 52,5 N 5,0 S
23–24 O 25,0 O 1,5 O
33. Insel Saarma (Rigaer Bucht) 57,5 N 55,0 N 2,5 S
22,5 O 24,0 O 1,5 O
Afrikanische Ostküste
34. Laurenco Marquez 25,0 S 27,0 S 2,0 S
33,0 O 35,0 O 2,0 O
35. Beira* 20,0 S 15,0 S 5,0 N
35,0 O 45,0 O 10,0 O
36. Kap Guardafui (Ras Assir)* 12,0 N 1,0 N 11,0 S
51,0 O 69,0 O 18,0 O
37. Al Hadd, Oman* 22,5 N 19,0 N 3,5 S
60,0 O 79,5 O 19,5 O
* Ptolemäischer Kartenteil.

Analyse der Caveri-Karte mit einem auf der sphärischen Trigonometrie basierenden Netz. Die Karte
besteht aus drei Hauptabschnitten. Der genaueste Teil, der auf der alten Portolan-Tradition basiert, zeigt
die Atlantikküsten von Afrika und Europa sowie die Küsten des Mittelmeers und des Schwarzen
Meers. Ein ungenauer östlicher, auf Ptolomäus basierender Teil zeigt die Ostküste Afrikas (nördlich
von Laurenço Marques, dem heutigen Maputo), das Rote Meer und Arabien. Der dritte Abschnitt ist
eine ungenaue Karte eines Teils des Baltikums. In der folgenden Vergleichstabelle bleiben die
unwissenschaftlichen Teile der Karte unberücksichtigt, berücksichtigt werden nur die Teile, die
offenkundig im Zusammenhang mit der alten Portolan-Tradition stehen: Der Teil der Karte nach
Ptolomäus:

Ort Breitenfehler Längenfehler


a. Westküste Afrikas
1. Kap der Guten Hoffnung 1,5 S 4,5 W
2. Kap Columbine 2,5 S 4,0 W
3. Walfischbucht, Pelikanspitze 0,5 N 5,0 W
4. Kongo (Mündung) 7,0 S 1,8 O
5. Kap Lopez 4,0 S 1,0 O
6. São Tomé 4,0 S 2,0 O

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7. Nigerdelta 3,0 S 2,0 O
8. Kap Three Points 1,5 S 3,0 W
9. Kap Palmas 0,5 S 1,0 W
10. Freetown 2,0 N 4,0 W
11. Dakar 2,0 N 3,0 W
12. Kap Blanc 3,0 N 3,0 W
13. Kap Jubi 0,0 2,5 W
b. Europäische Atlantikküste
14. Gibraltar 1,5 S 0,0
26. Kap St. Vincent 1,0 S 1,0 O
27. Kap Finisterre 1,0 S 0,0
28. Brest 1,0 S 0,0
29. Kap Clear 2,5 S 2,0 O
30. Londonderry 0,5 S 1,0 O
c. Mittelmeer und Schwarzes Meer
14. Gibraltar 1,5 S 0,0
15. Kap Bon 3,0 S 0,0
16. Bengasi 4,0 S 0,5 W
17. Alexandria 4,5 S 0,0 (Vorauss.)
18. Zypern 3,0 S 0,0
19. Kreta 3,0 S 0,0
20. Lesbos 3,0 S 0,5 O
21. Bosporus 2,0 S 0,5 O
22. Sebastopol 3,5 S 0,5 O
23. Batum 4,0 S 1,0 O
24. Sizilien 2,5 S 0,0
25. Sardinien 3,0 S 0,0

Tabelle 8: Venezianische Karte von 1484


Berücksichtigt sind die Positionen der identifizierten geografischen Punkte auf dem empirisch
konstruierten Netz. Die Länge eines Breitengrades wurde für den Bereich zwischen Villa Cisneros, bei
24° Nord, und dem Äquator durch Vergleich mit der Geografie ermittelt. Die Länge eines Längengrads
wurde mithilfe des Längenabstands zwischen Dakar und Kap Lopez bestimmt. Es zeigte sich, dass
diese praktisch identisch sind. Für das Netz wurde die Länge in Bezug auf die geografische Länge von
Dakar, für die Breite der vorgefundene Äquator gewählt. Anstelle der ursprünglich magnetischen
Ausrichtung wurde die Karte auf den geografischen Nordpol ausgerichtet.

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Ort Tatsächl. Position Venezian. Karte Abweichung
1. Villa Cisneros 24,0 N 24,0 N (Vorauss.)
16,0 W 16,0 W 0,0
2. Kap Blanc 21,0 N 21,5 N 0,5 N
17,0 W 17,0 W 0,0
3. Kap Minik 19,3 N 20,0 N 0,7 N
16,0 W 16,0 W 0,0
4. Senegal (Fluss) 16,0 N 16,0 N 0,0
17,0 W 17,0 W 0,0
5. Dakar 14,0 N 15,5 N 1,5 N
17,5 W 17,5 W (Vorauss.)
6. Gambia (Fluss) 12,5 N 14,5 N 2,0 N
17,0 W 17,0 W 0,0
7. São Nicolau, Kapverden 16,5 N 18,5 N 2,0 N
24,0 W 24,0 W 0,0
8. São Tiago, Kapverden 16,0 N 17,0 N 1,0 N
24,0 W 23,0 W 1,0 O
9. Kap Roxe 12,5 N 13,0 N 0,5 N
17,0 W 17,0 W 0,0
10. Bijagos-Inseln 11,0 N 12,0 N 1,0 N
16,0 W 16,0 W 0,0
11. Freetown 8,5 N 8,5 N 0,0
13,0 W 13,5 W 0,5 W
12. Kap Palmas 4,5 N 5,0 N 0,5 N
7,5 W 7,5 W 0,0
13. Kap Three Points 5,0 N 5,0 N 0,0
2,0 W 2,5 W 0,5 W
14. Volta (Flussmündung) 6,0 N 6,0 N 0,0
0,5 O 0,5 O 0,0
15. Lagos 6,5 N 7,0 N 0,5 N
3,5 O 4,0 O 0,5 O
16. Nigerdelta 4,5 N 5,0 N 0,5 N
6–7 O 6–7 O 0,0
17. Fernando Po 3,5 N 3,5 N 0,0
9,0 O 9,5 O 0,5 O
18. São Tome 0,0 0,0 (Vorauss.)
7,0 O 6,0 O 1,0 W
19. Nicht vorhandene Insel, möglicherweise Duplikat von São Tome
20. Kap Lopez 1,0 S 1,0 S 0,0
9,0 O 9,0 O (Vorauss.)

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21. Kongo (Mündung) 6,0 S 9,0 S 3,0 S
12,0 O 12,0 O 0,0
22. Benguela 12,5 S 16,0 S 3,5 S
13,0 O 11,0 O 2,0 W

Analyse der Fehler auf der venezianischen Karte. Diese Tabelle belegt, dass dem Kartografen bei den
meisten der auf der Karte dargestellten Küsten eine erstaunliche Genauigkeit der relativen
geografischen Breiten und Längen gelungen ist. Abgesehen von der südlichen Verlängerung der Küste
finden sich lediglich in den Breitenangaben von Dakar, dem Gambia-Fluss und den Kapverden
ernsthafte Verzerrungen.

Ort Breitenfehler Längenfehler


1. Villa Cisneros (Vorauss.) 0,0
2. Kap Blanc 0,5 N 0,0
3. Kap Minik 0,7 N 0,0
4. Senegal (Fluss) 0,0 0,0
5. Dakar 1,5 N (Vorauss.)
6. Gambia (Fluss) 2,0 N 0,0
7. São Nicolau 2,0 N 0,0
8. São Tiago 1,0 N 1,0 O
9. Kap Roxe 0,5 N 0,0
10. Bijagos-Inseln 1,0 N 0,0
11. Freetown 0,0 0,5 W
12. Kap Palmas 0,5 N 0,0
15. Kap Three Points 0,0 0,5 W
14. Volta (Fluss) 0,0 0,0
15. Lagos 0,5 N 0,0
16. Niger (Fluss) 0,5 N 0,0
17. Fernando Po 0,0 0,5 O
18. São Tom6 (Vorauss.) 1,0 W
21. Kongo (Mündung)* 3,0 S 0,0 O
22. Benguela* 3,5 S 2,0 W
* Werte für Breite und Länge fallen aus dem Rahmen. Möglicherweise später hinzugefügt.

Tabelle 9: Die Reinel-Karte des Indischen Ozeans

Ort Tatsächl. Position Reinel Abweichung


1. St.-Paul-Felsen 0,0 0,0 0,0

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29,0 W 33,0 W 4,0 W
2. Ascension (St. Helena) 8,5 S 16,0 S 8,0 S
14,5 W 15,0 W 0,5 W
3. São Tomé 0,0 0,0 0,0
0,0 7,0 W 7,0 W
4. Tristan d’Achunha 37,0 S 40,0 S 3,0 S
12,5 W 8–15 W 0,0
5. Kongo (Mündung) 6,0 S 6,0 S 0,0
12,0 O 8,0 O 4,0 W
6. Kapstadt 34,5 S 35,0 S 0,5 S
18,5 O 15,0 O 3,5 W
7. Kap St. Marie, 25,5 S 26,0 S 0,5 S
Madagaskar 45,0 O 45,0 O 0,0
8. Daressalam, Tansania 7,0 S 9,0 S 2,0 S
39,5 O 40,0 O 0,5 O
9. Sansibar
10. Komoren 11–13 S 10–16 S 0,0
43–45 O 41–46 O 0,0
11. Kap St. André, 16,0 S 17,0 S 1,0 S
Madagaskar 44,5 O 44,5 O 0,0
12. Kap d’Ambre 12,0 S 12,0 S 0,0
49,5 O 53,0 O 3,5 O
13. Kap Guardafui (Ras 12,0 N 12,0 N 0,0
Assir) 51,0 O 57,0 O 6,0 O
14. Seychellen und 4–7 S 3–5 S 0,0
Amiranten 53–56 O 55–59 O 2,0 O
15. Al Hadd, Arabien 27,5 N 22,0 N 5,5 S
60,0 O 70,0 O 10,0 O
16. Reunion 21,0 S 21–25 S 0,0
55,5 O 72–74 O 17,0
17. Mauritius 20,0 S 23–24 S 3,5 S
57,0 O 78,0 O 21,0 O
18. Mündung des Indus (kein 24,0 N 23,0 N 1,0 S
Delta eingez.) 68,0 O 81,0 O 13,0 O
19. Lakkadiven 10–13 N 8–13 N 0,0
72–74 O 78–82 O 6,0 O
20. Malediven 1–6 N 4 N-5 S 0,0
73–74 O 80–85 O 10,0 O
21. Ceylon 6–8 N 7–10 N 2,0 N
80–82 O 89–90 O 9,0 O
23. Kap Leeuwin, Australien 34,5 S 17,0 S 17,5 N
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115,0 O 104,0 O 11,0 W
23. Nordwestkap, Australien 22,0 S 1,0 S 21,0 N
114,0 O 106,0 O 8,0 W
24. Karolinen (Ulul, Truk) 7–10 N 5 N-5 S ~ 8,0 N
147–150 O 155–140 O ~ 10,0W

Tabelle 10a: Chinesische Karte von 1137

Ort Tatsächl. Position Karte von 1137 Abweichung


a. Nordwestlicher Quadrant
18. Zusammenfluss von 36,4 N 37,0 N 0,6 N
Datong und Xining 103,0 O 103,3 O 0,3 O
15. Biegung des Huang bei 38,5 N 37,0 N 1,5 S
Ningsia 107,2 O 107,5 O 0,3 O
16. Zusammenfluss von 38,0 N 38,0 N 0,0
Huang und Qingshui 106,0 O 105,5 O 0,5 W
17. Zusammenfluss von 35,5 N 35,3 N 0,2 S
Huang und Fen 110,5 O 110,5 O 0,0
19. Ostbiegung des Huang 34,5 N 34,5 N 0,0
bei Dali 110,0 O 110,5 O 0,5 O
20. Zusammenfluss von Qing 34,4 N 35,0 N 0,6 N
und Wei 109,0 O 109,0 O 0,0
28. Biegung des Tao 34,5 N 35,0 N 0,5 N
104,0 O 103,0 O 1,0 W
47. Zusammenfluss von 36,0 N 36,0 N 0,0
Huang und Tao 103,0 O 103,0 O 0,0
b. Nordöstlicher Quadrant
1. Penglai 37,7 N 37,7 N 0,0
120,6 O 119,5 O 1,1 W
2. Chenshan Jiao (Spitze der 37,4 N 37,7 N 0,3 N
Halbinsel Shandong) 122,5 O 122,0 O 0,5 W
11. See (Dong Hu) im 36,0 N 35–36 N 0,0
einstigen Lauf des Huang 116,0 O 116,0 O 0,0
13. Südbiegung des Huang 40,0 N 40,0 N 0,0
bei Togtoh 111,2 O 111,6 O 0,4 O
22. Zusammenfluss von 35,0 N 35,2 N 0,2 N
Huang und Qin 113,3 O 113,3 O 0,0
26. Quelle des Ziya 37,0 N 36,6 N 0,4 S
113,2 O 113,3 O 0,1 O

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29. Insel im Tai Hu (See) 30,7 N 31,0 N 0,3 N
120,5 O 120,3 O 0,2 W
42. Mündung des Chang 31,5 N 32,0 N 0,5 N
Jiang (Jangtse-Kiang) 122,0 O 121,0 O 1,0 W
43. Hongze Hu (See) 33,2 N 32,0 N 1,2 S
118,5 O 118,0 O 0,5 W
44. Da Kou, einstige 37,7 N 37,8 N 0,1 N
Mündung des Huang (1852– 118,8 O 117,5 O 1,3 W
1938)
c. Südwestlicher Quadrant
8. Zusammenfluss von Gui 23,5 N 23,3 N 0,2 S
und You bei Guiping 110,0 O 113,0 O 3,0 O
21. Chongqing an der 29,3 N 29,3 N 0,0
Mündung des Fou in den 106,0 O 106,5 O 0,5 O
Chang Jiang
23. Zusammenfluss des 30,0 N 29,5 N 0,5 S
Chang Jiang und des Wu 107,5 O 106,5 O 1,0 W
24. Westbiegung des Wu 28,0 N 26,7 N 1,3 S
106,2 O 107,5 O 1,3 O
27. Zusammenfluss von Zhi 27,9 N 27,1 N 0,8 S
und Qingshui 110,1 O 111,9 O 1,8 O
35. Zusammenfluss von 29,7 N 27,5 N 2,2 S
Chang Jiang und Min bei 104,5 O 104,5 O 0,0
Yibin
36. Chengdu am Min 30,5 N 28,5 N 2,0 S
104,0 O 104,5 O 0,5 O
25. Zusammenfluss von 26,5 N 27,7 N 1,2 N
Chang Jiang und Yalong 101,7 O 103,2 O 1,5 O
50. Quelle des Zhi Shui 26,5 N 25,5 N 1,2 S
110,5 O 112,2 O 1,7 O
d. Südöstlicher Quadrant
9. Dongting Hu (See) 29,0 N 28–29 N 0,0
112–113 O 113,5–114,5 O 1,5 O
10. Zusammenfluss von 30,5 N 30,7 N 0,2 N
Chang Jiang und Han Shui 114,0 O 115,0 O 1,0 O
bei Wuhan
4. Mündung des Fuchun 30,4 N 29,7 N 0,7 S
121,0 O 121,0 O 0,0
6. Mündung des Gui 22,0 N 22,6 N 0,6 N
113,0 O 115,5 O 2,5 O
39. Mündung des Da Xi 23,0 N 25,7 N 2,7 N
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121,0 O 122,5 O 1,5 O
46. Poyang Hu (See) 29,0 N 30,0 N 1,0 N
116,5 O 117,5 O 1,0 O
49. Ganzhou (Jiangxi) 25,8 N 26,7 N 0,9 N
115,0 O 116,5 O 1,5 O

Tabelle 10b: Nördlichste und südlichste Breitenfehler auf der


chinesischen Karte von 1137
Die durchschnittlichen Abweichungen der Breitenangaben der nördlichsten und südlichsten Punkte
betragen im Norden etwa 0,4° (einige weiter im Norden, die anderen weiter im Süden) und im Süden
etwas mehr als ein Grad, etwa gleichmäßig nach Norden und Süden, sodass die von uns ermittelte
Länge eines Breitengrads korrekt sein dürfte.

Nördlichste Punkte: nördlich des 35. Breitengrads


18. Zusammenfluss von Datong und Xining 0,6 N
15. Biegung des Huang bei Ningsia 1,5 S
16. Zusammenfluss von Huang und Qingshui 0,0
17. Zusammenfluss von Huang und Fen 0,2 S
47. Zusammenfluss Huang und Tao 0,0
1. Penglai 0,0
2. Chanchan Jiao 0,3 N
11. Dong Hu (See) 0,0
13. Südbiegung des Huang 0,0
22. Zusammenfluss von Huang und Qin 0,2 N
26. Quelle des Ziya 0,4 S
44. Da Kou, einstige Mündung des Huang 0,1 N
Südlichste Punkte: südlich des 28. Breitengrads
8. Zusammenfluss von Gui und You 0,2 S
25. Zusammenfluss von Chang Jiang und Yalong 1,0 N
50. Quelle des Zhi Shui 1,2 S
24. Westbiegung des Wu 1,3 S
27. Zusammenfluss von Zhi und Qingshui 0,8 S
6. Mündung des Gui 0,6 N
39. Mündund des Da Xi 2,5 N
49. Ganzhou (Jiangxi) 0,9 N

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Tabelle 10c: Längenfehler bei den östlichsten und westlichsten
Punkten der chinesischen Karte von 1137
Die Längenangaben der Punkte zeigen, dass wir die korrekte Länge des Längengrads ermittelt haben
und dass die Längen der Breiten- und Längeneinheiten wie bei der Mercator-Projektion voneinander
abweichen, obwohl die Projektion nicht mathematisch berechnet wurde.

Orte im Süden, östlich des 104. Längengrads


18. Zusammenfluss von Datong und Xining 0,3 O
28. Biegung des Tao 1,0 W
47. Zusammenfluss von Chang Jiang und Tao 0,0
35. Zusammenfluss von Chang Jiang und Min 0,0
36. Chengdu 0,5 O
Orte westlich des 116. Längengrads
1. Penglai 1,1 W
2. Chenchan Jiao 0,5 W
11. Dong Hu (See) 0,0
29. Insel im Tai Hu (See) 0,2 W
4. Mündung des Fuchun 0,0
39. Mündung des Da Xi 1,5 O
46. Poyang Hu (See) 1,0 O
Längenfehler
im Westen im Osten
0,3 O 1,1 W
1,0 W 0,5 W
0,0 0,0
0,0 0,2 W
0,5 O 0,0
1,5 O 1,5 O
1,0 O

Tabelle 11a: Zeno-Karte des Nordens (Polarprojektion)*

Ort Breitenfehler Längenfehler


Westküste Grönlands
1. Kap Farewell ** ***

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2. Nanortalik 0,1 S 3,0 O
3. Julianehaab 1,0 N 1,5 W
4. Kebberline Bugt
5. Godthaab 0,0 4,0 O
6. Kangamiut 0,0 3,0 O
7. Diskoinsel 1,0 S 8,0 O
8. Karrats Fjord 0,5 N 13,0 O
9. Kap Atholl 3,5 S 25,0 O
Ostküste Grönlands
10. Tingmiamiut 0,0 0,5 W
11. Dannebrogs 1,5 S 1,0 W
12. Kap Dan
13. Kap Gustav Holm 0,5 S 2,5 W
14. Gunnbioms Fjord 0,5 N 2,5 O
15. Kap Brewster 0,0 3,0 W
16. Inseln Ymirs, Geographical Society und Traill
17. Kong Oscars Fjord 0,5 N 0,0
18. Hovgaard-Halbinsel 1.0 S 9,0 O
19. Germania Land Island 3.0 S 20,0 O
20. Keflavik (als Insel) 0,5 S 7,0 W
21. Vik 0,5 N 8,0 W
22. Seydisfjordur 0,5 N 7,0 W
23. Raufarhofn 3,0 N 4,0 W
Norwegen, Dänemark, Deutschland, Shetlandinseln, Färöer, Schottland
31. Kap Lindesnes (Vorauss. richtig) (Vorauss. richtig)
52. Oslo Fjord 2,0 N 1,5 W
33. Kopenhagen 0,5 S 0,5 O
34. Elbe 2,0 S 0,0
35. Weser 0,5 S 1,0 W
36. Shetlandinseln 0,0 ~ 6,0 W
37. Färöer 0,0 ~ 6,0 W
38. Schottland (Nordspitze) 3,5 S ~ 10,0 W
* Fehler nach der empirisch aus der Geografie konstruierten Polarprojektion mit geraden Meridianen.
** Bezugspunkt. Breite daher voraussetzungsgemäß korrekt.
*** Bezugspunkt. Länge daher voraussetzungsgemäß korrekt.

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Tabelle 11b: Zeno-Karte des Nordens (Portolanprojektion)*

Ort Breitenfehler Längenfehler


Westküste Grönlands
1. Kap Farewell ** ***
2. Julianehaab 0,0 2,0 O
3. Sarmiligarssak Fjord 1,0 N 2,0 O
4. Godthaab 1,5 S 3,0 O
5. Diskobucht 2,0 S 3,0 O
6. Melville Bugt 2,0 S 14,0 O
7. Kap Atholl 1,5 S 22,0 O
Ostküste Grönlands
8. Sermilik Fjord 3,0 N 5,0 W
9. Scoresby Sund 5,0 N 11,0 W
Norwegen, Dänemark, Deutschland usw.
10. Nordkap? 5,5 S? 15,0 W?
11. Serja 2,5 S 9,0 W
12. Trondheim Fjord 1,0 N 14,0 W
13. Kap Lindesnes 0,0 10,0 W
14. Alborg, Dänemark 0,5 S 10,5 W
15. Elbe 4,0 S 16,0 W
* Fehler nach dem 3. Gradnetz der Portolanprojektion, mit zwei Nordrichtungen, auf der Basis des
Meridians von Alexandria, wie über das zweite Gradnetz gefunden.
** Bezugspunkt. Breite daher voraussetzungsgemäß korrekt.
*** Bezugspunkt. Länge daher voraussetzungsgemäß korrekt.

Tabelle 12: Portolankarte des Andrea Benincasa von 1508

Ort Tatsächl. Position Benincasa Abweichung


1. Kap Jubi 28,0 N 27,0 N 1,0 S
13,0 W 15,0 W 2,0 W
2. Kap Guir 30,5 N 30,5 N 0,0
10,0 W 10,0 W 0,0
3. Mojador 31,5 N 32,0 N 0,5 N
10,0 W 10,0 W 0,0
4. Mazagan (am Oum er Rbia) 33,5 N 34,0 N 0,5 N

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8,5 W 6,5 W 2,0 W
5. Gibraltar 36,5 N 36,0 N 0,5 S
5,5 W 6,0 W 0,5 W
6. Guadalquivir 37,0 N 37,0 N 0,0
6,5 W 6,5 W 0,0
7. Kap St. Vincent 37,5 N 37,5 N 0,0
9,0 W 9,0 W 0,0
8. Lissabon 38,5 N 39,5 N 1,0 N
9,5 W 8,5 W 1,0 O
9. Kap Finisterre 43,0 N 44,5 N 1,5 N
9,5 W 9,0 W 0,5 O
10. Kap von Peñas 43,5 N 45,0 N 1,5 N
6,0 W 6,0 W 0,0
11. Brest 48,5 N 51,0 N 2,5 N
5,0 W 5,0 W 0,0
12. Cherbourg 49,5 N 52,0 N 2,5 N
1,5 W 2,5 W 1,0 W
13. Calais 51,0 N 53,5 N 2,5 N
2,0 O 2,0 O 0,0
14. Land’s End 50,0 N 53,0 N 3,0 N
5,5 W 5,5 W 0,0
15. Kap Clear, Irland 51,5 N 54,0 N 2,5 N
9,5 W 9,0 W 0,5 O
16. Mailn Head, Irland 55,0 N 59,0 N 4,0 N
7,5 W 7,5 W 0,0
17. Firth of Forth 56,0 N 57,5 N 1,5 N
3,0 W 1,0 W 2,0 O
18. Kinnard’s Head 57,5 N 61,0 N 3,5 N
2,0 W 1,5 W 0,5 O
19. Rhein 52,0 N 54,0 N 2,0 N
4,0 O 2,5 O 1,5 W
20. Elbe 54,0 N 56,0 N 2,0 N
9,0 O 2,0 O 7,0 W
21. Erzgebirge 50–51 N 56–58 N 5,0 N
12–16 O 13–15 O 0,0
22. Schwedische Südküste ~ 58,0 N 63,0 N 5,0 N
5–10 O 2 W-3 O 6,0 W
24. The Wash, England 53,0 N 56,0 N 5,0 N
0,0 1,0 W 1,0 W
25. Der Lauf der Donau von den Alpen bis zum Schwarzen Meer ist rein fiktiv, nur Anfangs- und
Endpunkt sind korrekt; es handelt sich eventuell um eine mittelalterliche Hinzufügung.
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26. Die Alpen sind in der mittelalterlichen Tradition gezeichnet und wahrscheinlich von einem
neuzeitlichen Geografen hinzugefügt worden (wie auch die Gebirge in Afrika).
Mittelmeer und Schwarzes Meer
27. Moulouya (Fluss) 35,0 N 35,0 N 0,0
2,5 W 2,5 W 0,0
28. Kap Bon 37,0 N 37,5 N 0,5 N
11,0 O 10,0 O 1,0 W
29. Insel Djerba 34,0 N 35,0 N 1,0 N
11,0 O 11,0 O 0,0
30. Kap Misurata 32,5 N 32,0 N 0,5 S
15,3 O 15,0 O 0,3 W
31. Bengasi 32,0 N 31,5 N 0,5 S
20,0 O 19,0 O 1,0 W
32. Alexandria 31,0 N 32,0 N 1,0 N
30,0 O 31,0 O 1,0 O
33. Zypern 34,5–35,5 N 37–38 N 2,5 N
32,5–34,5 O 32–34,5 O 0,0
34. Kreta (Südküste) 35,0 N 36,0 N 1,0 N
23–27 O 23–26,5 O 1,0 W
35. Bosporus 41,0 N 45,0 N 4,0 N
29,0 O 28,5 O 0,5 W
36. Jalta 44,5 N 50,0 N 5,5 N
34,0 O 33,0 O 1,0 W
37. Batum 41,5 N 46,5 N 5,0 N
41,5 O 42,0 O 0,5 O
Mittleres Mittelmeer (Nordküste)
38. Triest 46,0 N 49,0 N 3,0 N
14,0 O 13,0 O 1,0 W
39. Marseille 43,0 N 45,0 N 2,0 N
5,0 O 5,0 O 0,0
40. Das Rote Meer ist ohne den Golf von Aqabah und ohne den Golf von Suez dargestellt. Die Breite
(Nordspitze 28° N) und die Länge (35–40° O) sind korrekt.

Tabelle 13: Die Karte des Jehudi Ibn Ben Zara aus Alexandria

Ort Tatsächl. Position Ben Zara Abweichung


1. Kap Jubi 28,0 N ~ 28,0 N 0,0
13,0 W ~ 14,0 W 1,0 W
2. Kap Guir 30,5 N 31,5 N 1,0 N
10,0 W 10,0 W 0,0
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3. Mojador 31,5 N 32,5 N 1,0 N
10,0 W 9,0 W 1,0 O
4. Mazagan (am Our er Rbia) 33,5 N 34,0 N 0,5 N
8,5 W 7,0 W 1,5 O
5. Gibraltar 36,5 N 35,5 N 1,0 S
5,5 W 4,5 W 1,0 O
6. Guadalquivir 37,0 N 37,0 N 0,0
6,5 W 5,0 W 1,5 O
7. Kap St. Vincent 37,5 N 37,5 N 0,0
9,0 W 7,5 W 1,5 O
8. Tagus (Lissabon) 38,5 N 39,5 N 1,0 N
9,5 W 7,0 W 2,5 O
9. Oporto (Douro) 41,0 N 41,5 N 0,5 N
8,5 W 6,0 W 2,5 O
10. Kap Finisterre 43,0 N 44,0 N 1,0 N
9,5 W 7,0 W 2,5 O
11. Kap von Peñas 43,5 N 45,0 N 1,5 N
6,0 W 4,0 W 2,0 O
12. Kap Machichaco 43,5 N 44,0 N 0,5 N
3,0 W 1,5 W 1,5 O
13. Arcachon, Frankreich 44,5 N 45,0 N 0,5 N
1,0 W 0,0 1,0 O
14. Gironde 45,5 N 46,0 N 0,5 N
1,0 W 0,0 1,0 O
15. Loire 47,0 N 48,5 N 1,5 N
3,0 W 0,5 W 2,5 O
16. Île d’Ouessant (vor Brest) 48,5 N 50,0 N 1,5 N
5,0 W 3,0 W 2,0 O
17. Cherbourg 49,5 N 51,5 N 2,0 N
1,5 W 0,0 1,5 O
18. Calais 51,0 N 52,0 N 1,0 N
2,0 O 2,5 O 0,5 O
19. Isle of Wight 50,5 N 52,5 N 2,0 N
1,0 W 0,5 O 1,5 O
20. Land’s End 50,0 N 52,5 N 2,5 N
5,5 W 2,5 W 5,0 O
21. Scilly-Inseln
22. St.-Brides-Bucht 52,0 N 54,5 N 2,5 N
5,0 W 2,0 W 3,0 O
23. Kap Clear, Irland 51,5 N 53,0 N 1,5 N
9,5 W 7,0 W 2,5 O
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24. Carnsore Point 52,3 N 54,0 N 1,7 N
6,5 W 4,0 W 2,5 O
25. Rhein 52,0 N 52,5 N 0,5 N
4,0 O 4,0 O 0,0
26. Elbe 54,0 N 55,0 N 1,0 N
9,0 O 5,0 O 4,0 W
27. Erzgebirge 50–51 N 53–56 N ~ 2,0 N
12–16 O 13–16 O 0,0
28. Alpen 44–48 N 46–50 N 2,0 N
6–16 O 6–16 O 0,0
Mittelmeer
29. Kap Tres Forcas, Marokko 35,5 N 35,0 N 0,5 S
3,0 W 2,0 W 1,0 O
30. Moulouya (Fluss)
31. Kap Bon 37,0 N 36,0 N 1,0 S
11,0 O 10,5 O 0,5 W
32. Insel Kerkennah
33. Insel Djerba 34,0 N 33,0 N 1,0 S
11,0 O 10,5 O 0,5 W
34. Kap Misurata 32,5 N 31,0 N 1,5 S
15,3 O 15,0 O 0,3 W
35. Bengasi 32,0 N 30,0 N 2,0 S
20,0 O 19,0 O 1,0 W
36. Res et Tin 32,5 N 31,0 N 1,5 S
23,0 O 22,5 O 0,5 W
37. Alexandria 31,0 N 29,0 N 2,0 S
20,0 O (Vorauss. richtig) (Vorauss. richtig)
38. Zypern 34,5–35,5 N 33–34 N 1,5 S
32,5–34,5 O 32–34 O 0,0
39. Bosporus 41,0 N 41,0 N 0,0
29,0 O 28,5 O 0,5 W
40. Jalta 44,5 N 46,0 N 1,5 N
34,0 O 34,5 O 0,5 O
41. Dolschanskaja (Asowsches 46,0 N 48,0 N 2,0 N
Meer) 38,0 O 38,0 O 0,0
Mittleres Mittelmeer
42. Kythera 36,3 N 35,0 N 1,3 S
23,0 O 22,5 O 0,5 W
43. Triest 46,0 N 47,5 N 1,5 N
14,0 O 15,0 O 1,0 O

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44. Genua 44,3 N 44,5 N 0,2 N
9,0 O 9,0 O 0,0
45. Sizilien, Nordküste 38,0 N 37,0 N 1,0 S
12,5–15,5 O 12,5–15 O 0,0
46. Rhône 43,5 N 44,5 N 1,0 N
5,0 O 5,0 O 0,0
47. Mallorca 39,5–40 N 39,5 N 0,0
3,0 O 3,0 O 0,0

Tabelle 14: Karte des Ibn Ben Zara (spanischer Teil)

Ort Tatsächl. Position Ben Zara Abweichung


1. Tarifa 36,0 N 35,8 N 0,2 S
5,5 W 6,4 W 0,9 W
2. La Línea 36,2 N 35,8 N 0,4 S
5,3 W 6,0 W 0,7 W
3. Málaga 36,7 N 36,2 N 0,5 S
4,3 W 5,0 W 0,7 W
4. Motril 36,7 N 36,1 N 0,6 S
3,5 W 3,7 W 0,3 O
5. Almería 36,8 N 36,3 N 0,5 S
2,5 W 2,2 W 0,3 O
6. Kap von Gata 36,7 N 36,1 N 0,6 S
2,2 W 2,0 W 0,2 O
7. Kap von Palos 37,7 N 36,9 N 0,8 S
0,7 W 0,0 0,7 O
8. Alicante 38,2 N 37,5 N 0,7 S
0,5 W 0,3 O 0,8 O
9. Kap von Nao? 38,7 N 38,2 N 0,5 S
0,2 O 1,2 O 1,0 O
10. Valencia 39,5 N 39,0 N 0,5 S
0,2 W 0,8 O 1,0 O
12. Kap von Tortosa 40,7 N 40,5 N 0,4 S
0,2 O 2,3 O 2,1 O
13. Kap Trafalgar 36,2 N 36,0 N 0,2 S
6,0 W 6,7 W 0,7 W
14. Cádiz 36,5 N 36,2 N 0,3 S
6,2 W 6,7 W 0,5 W
15. Delta des Guadalquivir 36,7 N 36,7 N 0,0
6,2 W 6,7 W 0,5 W

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16. Huelva 37,2 N 37,2 N 0,0
7,0 W 7,5 W 0,5 W
17. Faro 37,0 N 36,8 N 0,2 S
8,0 W 8,7 W 0,7 W
18. Kap von São Vicente 37,0 N 37,0 N 0,0
9,0 W 9,7 W 0,7 W
19. Kap Sines 38,0 N 38,0 N 0,0
8,7 W 9,0 W 0,3 W
20. Kap Espichel 38,5 N 38,6 N 0,1 N
9,2 W 9,2 W 0,0
21. Lissabon 38,7 N 38,8 N 0,1 N
9,2 W 9,2 W 0,0
22. Kap Carvoeiro 39,5 N 39,7 N 0,2 N
9,5 W 9,3 W 0,2 O
23. Insel Farilhöes 39,5 N 39,7 N 0,2 N
9,7 W 9,6 W 0,1 O
24. Kap Mondego 40,2 N 40,2 N 0,0
9,0 W 8,9 W 0,1 O
25. Oporto 41,2 N 41,0 N 0,2 S
8,7 W 8,2 W 0,5 O
26. Vigo 42,2 N 42,0 N 0,2 S
8,7 W 8,6 W 0,1 O
27. Kap Finsterre 42,7 N 43,0 N 0,3 N
9,2 W 8,9 W 0,3 O
28. La Coruña 43,5 N 43,2 N 0,3 S
8,3 W 7,8 W 0,5 O
29. Kap Ortegal 43,7 N 43,7 N 0,0
7,7 W 7,4 W 0,3 O
30. Kap von Peñas 43,7 N 43,5 N 0,2 S
6,0 W 5,3 W 0,7 O
31. Santander 43,5 N 42,9 N 0,6 S
3,7 W 3,7 W 0,0
32. Kap Machichaco 43,5 N 43,0 N 0,5 S
2,7 W 2,3 W 0,4 O
33. San Sebastian 43,2 N 42,8 N 0,4 S
2,7 W 1,3 W 1,4 O
34. Biarritz 43,5 N 42,9 N 0,6 S
1,5 W 1,0 W 0,5 O

Analyse der Fehler auf der Karte des Ibn Ben Zara. Ein kleiner Fehler bei der Länge eines Längengrads
könnte zu Abweichungen bei den Längenangaben der Orte in Spanien von etwa 30 Kilometern geführt

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haben, während ein geringfügigerer Fehler bei der Länge des Breitengrads zu Abweichungen von
durchschnittlich etwa 10 Kilometern führten.

Ort Breitenfehler Längenfehler


(a) Ostküste 0,5 S* 0,2 O
(b) Westküste 0,0 0,1 O
(c) Nordküste 0,4 S 0,4 O
(d) Südküste 0,3 S* 0,0
* Zwei Orte fallen aus dem Rahmen und wurden nicht zur Berechnung des Mittelwerts herangezogen.
„Längenfehler für Entfernungen zwischen Ost- und Westküste: 0,3°
Breitenfehler für Entfernungen zwischen Nord- und Südküste: 0,1°“

Tabelle 15: Alternatives Gradnetz für die Ostküste Südamerikas


(Piri-Reis-Karte)

Ort Tatsächl. Position Alternatives Abweichung


Gradnetz
1. Amazonas (Para) 0,0 0,0 (Vorauss. richtig)
48,0 W 48,0 W (Vorauss. richtig)
2. Bahia de São Marcos 2,0 S 3,0 S 1,0 S
44,0 W 44,0 W 0,0
3. Parnaiba 3,0 S 3,0 S 0,0
42,0 W 41,0 W 1,0 O
4. Fortaleza 3,5 S 3,0 S 0,5 N
38,5 W 37,5 W 1,0 O
5. Kap von São Roque 5,0 S 2,5 S 2,5 N
35,5 W 36,0 W 0,5 W
6. Recife 8,0 S 4,5 S 3,5 N
35,0 W 34,5 W 0,5 O
7. Rio São Francisco 10,5 S 7,5 S 3,0 N
36,5 W 36,5 W 0,0
8. Salvador 13,0 S 10,0 s 3,0 N
38,5 W 38,0 W 0,5 O
9.–11. Ponta de Baleia 17,6 S 16,0 S 1,6 N
39,0 W 39,0 W 0,0
12. Kap von São Tomé (und Rio 22,0 S 19,0 S 3,0 N
Paraiba) 41,0 W 40,0 W 1,0 O
13. Kap Frio 23,0 S 22,0 S 1,0 N
42,0 W 41,0 W 1,0 O

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14a. Rio de Janeiro 23,0 S 23,0 S (Vorauss. richtig)
43,0 W 44,0 W 1,0 W
14b. Bahia de Ilha Grande 23,0 S 24,0 S 1,0 S
44,5 W 45,0 W 0,5 W

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Bibliografie

Die Literaturliste enthält Werke, auf die im Text verwiesen wird, sowie eine
Auswahl wichtiger Bücher zum Thema.

1. »A Columbus Controversy« [Piri-Reis-Karte] Illustrated London News,


27. Februar 1932.
2. İnan, Ayşe Afet (und Yolac, Leman, Übers.): The Oldest Map of
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3. Afrique (Afrikakarte, Blätter 1 und 3: Nordwestafrika und Westafrika
bis zur Goldküste), Institut Géographique Nationale, Paris, 1940–41.
4. Ainalov, D. V. (und Sobolovitch, E. und S., Übers.): The Hellenistic
Origins of Byzantine Art, , N. J. Rutgers University Press, New
Brunswick, 1961.
5. Akçura, Yusuf: »Piri Re’is Haritasi hakkinda izahname«, Turk Tarihi
Arastirma Kurumu yayinlarindan, Nr. 1, Istanbul, 1935.
6. Akçura, Yusuf: »Turkish Interest in America in 1513: Piri Re’is’ Chart
of the Atlantic«, Illustrated London News, 23. Juli 1932.
7. Amalgia, Roberto (Hrsg.): Monumenta Cartographica Vaticana, 5 Bde,
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9. American Oxford Atlas, Oxford University Press, New York, 1951.
10. Andrews, E. Wylls: »Chronology and Astronomy in the Maya Area«,
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Appleton Century, New York und London, o. J.
11. Andrews, M. C.: »The British Isles in the Nautical Charts of the 14th
and 15th Centuries«, Geographical Journal LXVII, 1926, S. 474–481.
12. Andrews, M. C.: »The Study and Classificaton of Medieval Mappae
Mundi, Archeologia LXXXV, 1926, S. 61–76.
13. Andrews, M. C.: »Scotland in the Portolan Charts«, Scottish
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Geographical Magazine XLII,1926, S. 129–153, 195–213.
14. Anthiaume, Abbé A.: Cartes marines, constructions navales, voyages de
découverte chez les Normandes, 1500–1650, Dumont, Paris, 1916.
15. Ashe, Geoffrey: Land to the West, The Viking Press, New York, 1962.
16. Asimov, Isaac: Asimov’s Biographical Encyclopedia of Science and
Technology, Doubleday, Garden City, 1964.
17. Headquarters, Quartermaster Research and Enginieering Command,
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Geografi), lose Blätter.
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National Isolation«, Imago Mundi X,1953, S. 125 – 128.
21. Babcock, William H.: »Legendary Islands of the Atlantic«, American
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22. Bagrow, Leo: Geschichte der Kartographie, Safari-Verlag, Berlin, 1951.
23. Bagrow, Leo: »A Tale from the Bosphorus. Some Impressions of my
Work at the Topkapu Seray Library, Sommer of 1954«, Imago Mundi
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24. Barnett, Lincoln: Treasure of Our Tongue, Knopf, New York, 1964.
25. Beazley, Charles Raymond: The Dawn of Modern Geography, 3 Bde., J.
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26. Beazley, Charles Raymond: Prince Henry the Navigator, New York und
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November 1960.
28. Belov, M.: »A Windfall among Manuscripts« (übersetzt für E. A.
Kendall), Vednyi Transport,17. August 1961.
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33. Blundeville, Thomas: M. Blundeville His Exercises [… ,] A New and
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42. Callis, Helmut G.: China, Confucian and Communist, Henry Holt, New
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43. Caras, Roger A.: Antarctica – Land of Frozen Time, Chilton Books,
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106. Kahle, Paul: »The Lost Map of Columbus«, The Geographical Review
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107. Kamal, Prinz Youssouf: Hallucinations Scientifiques (Les Portulans), E.
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117. Kretschmer, Konradund Petermans, A.: »Die verschollene Kolumbus-
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118. Kretschmer, Konrad: Die historischen Karten zur Entdeckung Amerikas,
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120. Leithauser, Joachim G. von: Mappae Mundi: die geistige Eroberung der
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121. Lelewel, Joachim: Géographie du Moyen-Age accompagné d’Atlas et de
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122. Lelewel, Joachim: Pythéas de Marseille et la géographie de son Temps,
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123. Lewis, W. N.,: The Splendid Century, Life in the France of Louis XIV,
Doubleday Anchor Books, Garden City, New York, 1957.
124. Libby, Willard F.: Radiocarbon Dating, The Chicago University Press,
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126. Lynham, Edward: The Map-Maker’s Art, The Batchworth Press,
London, 1953.
127. McElroy, John W.: »The Ocean Navigation of Columbus on His First
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128. Maggiolo, Visconte de: Atlas of Portolan Charts, The Hispanic Society
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129. Major, R. H.: Voyages of the Zeno Brothers, The Hakluyt Society,
London, 1873; The Massachusetts Historical Society, Boston, 1875.
130. Mallery, Arlington H.: Lost America, The Overlook Printing Co.,
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(Vervielfältigung).

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136. Miller, Konrad (Hrsg.): Mappae Arabicae, Privatdruck, Stuttgart, 1926–
1929.
137. Miller, Konrad: Mappaemundi: Die ältesten Weltkarten, 6 Bde., Roth,
Stuttgart, 1895–1898.
138. Monumenta Cartographica Africae et Aegypti, siehe Kamal (108).
139. Amalgia, Roberto (Hrsg.): siehe (7).
140. Morison, Samuel E.: Admiral of the Ocean Sea, Little, Brown and
Company, Boston, 1942.
141. Columbus, Christopher: Mariner, Mentor Books, 1956.
142. Morison, Samuel E.: Admiral of the Ocean Sea: A Life of Christopher
Columbus, 1956.
143. Motzo, Bacchisio R. (Hrsg.): Il compasso da navigare; opera italiana
della metà del secolo XIII […], Universita, Cagliari, 1947.
144. Needham, Joseph: »Poverties and Triumphs of the Chinese Scientific
Tradition« (in 55).
145. Needham, Joseph: Science and Civilization in China, 3 Bde., Cambridge
University Press, 1959; dt. Teilausgabe: Wissenschaft und Zivilisation in
China, Suhrkamp, Frankfurt a. Main, 1984.
146. Nordenskiöld, A. E.: Facsimile-Atlas to the Early History of
Cartography, with Reproductions of the Most Important Maps Printed
in the XVth and XVIth Centuries, Stockholm, 1889.
147. Nordenskiöld, A. E.: Periplus: An Essay in the Early History of Charts
and Sailing Directions, Norstedt, Stockholm, 1897.
148. Norlund, Niels Erick: Islands Kortleagning en Historisk Fremstilling,

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Geodaetsk Instituts Publication VII, Ejnar Munksgaard, Kopenhagen,
1944.
149. »Notice of a British Discovery of Antarctica in 1819«, Blackwood’s
Magazine VII, August 1920, S. 566.
150. Hoefer, F. (Hrsg.): Nouvelle Biographie Universelle depuis les temps les
plus reculés jusqu’à nos jours, 46 Bde., Firmin Didot Frères, Paris,
1852–1866.
151. Nowell, Charles E.: The Great Discoveries and the First Colonial
Empires, Ithaca, Cornell University Press, New York, 4. Auflage, 1964.
152. Nuňez, Pedro: Tratado da Sphera, Lissabon, 1537.
153. Nunn, George E.: The Geographical Conceptions of Columbus,
American Geographical Society, New York, 1924.
154. Oberhummer, A. K.: »Eine türkische Karte zur Entdeckung Amerikas«,
Anzeiger der Akademie der Wissenschaften, Philos.-histor. Klasse 68,
Wien, 1931, S. 99–112.
155. »Antarctica«, Oceanographic Atlas of the Polar Seas, U.S.
Hydrographic Office Publication 705, Teil 1, 1957.
156. Orontius Finaeus, Biographie, Siehe Oronce Finé: Nouvelle Biographie
Universelle (150).
157. Finaeus, Orontius: Cartes Géographiques dessignées par O. Finé:
Galliae totius nova descriptio, Paris, 1525/1557; Venedig 1561/1566;
Cosmographia universalis, Paris 1536/1566 (verschollen?).
158. Parry, J. H.: The Age of Reconnaissance, Mentor Books 597, 1963.
159. Parsons, Edward Alexander: The Alexandrian Library, Elsevier,
Amsterdam, London, New York, 1952.
160. Pauvels, Louis, und Bergier, Jacques: The Dawn of Magic, Anthony
Gibbs and Phillips, London, 1963.
161. Pears, Edwin: The Destruction of the Greek Empire and the Story of the
Capture of Constantinople by the Turks, Longmans, Green and Co.,
New York, 1903.
162. Penrose, Boies: Travel and Discovery in the Renaissance, 1420–1620,
Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1955.
163. Petermanns Geographische Mitteilungen aus Justus Perthes’

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Geographischer Anstalt XXXIX, Nr. 182 (Mercator), Justus Perthes,
Gotha, 1915.
164. Piri Reis (Muhiddin ibn Mahmud oder Ahmet Muhiddin): Kitabe
Bahriye, 2 Bde., De Gruyter, Berlin, 1926.
165. Pohl, Frederick J.: Atlantic Crossings Before Columbus, W. W. Norton,
New York, 1961.
166. Cortesao, Armando und da Mota, Avelino Teixeiro (Hrsg.): Portugaliae
Monumenta Cartographica, 4 Bde., (portugiesisch und englisch),
Lissabon, 1960.
167. Price, Derek de Solla: »An Ancient Greek Computer«, The Scientific
American CC, Nr. 6,Juni 1959.
168. Ptolemy, Claudius (und Stevenson, E. L., Hersg. Und Übers.): The
Geography, mit Reproduktionen der Karten, The New York Public
Library, New York, 1932; dt.: Des Klaudios Ptolemaios Einführung in
die darstellende Erdkunde, Wien, 1938.
169. Pullè, Francesco Lorenzo: La Cartographia antica dell’ India (Bd. I:
Byzantinische und arabische Karten; Bd. II: Mittelalter und frühe
Renaissance; Ergänzungsband zu Bd. II: Der Orient; Bd. III: Das
Jahrhundert der Entdeckungen), 1901–1932..
170. »Radiocarbon«, Ergänzungsheft zu American Journal of Science I-VII,
New Haven: Yale University Press, 1959–1965.
171. Rainaud, Armand: Le Continent Austral, hypothèses et découvertes,
Armand Colin, Paris, 1893.
172. Ravenstein, E. G.: Martin Behaim, His Life and Works, George Philip
and Son, London, 1908.
173. Rawlinson, George: The Five Great Monarchies of the Ancient Eastern
World, 3 Bde., 4. Ausgabe, Scribner and Welford, New York, 1880.
174. George, Rawlinson: History of Phoenicia, 1889.
175. Reymond, Arnold: History of the Sciences in Graeco-Roman Antiquity,
Dutton, New York, 1932.
176. Ristow, W. W., und Legear, C. E.: A Guide to Historical Cartography,
The Library of Congress, Washington, D. C., 1960.
177. Robbins, Roland W. und Jones, Evan: Hidden America, Knopf, New
York, 1959.
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178. Roncière, siehe (119).
179. Rotz, John: John Rotz, His Books on Hydrography, Brit. Mus. Ms. 20,
E.IX, 1542.
180. Rouse, Irving: »Prehistory of the West Indies«, Science CXLIV, Nr.
3618, 11. Mai 1964.
181. Salinari, Marina Emiliani: »An Atlas of the 15th Century Preserved in
the Library of the former Serail in Constantinople«, Imago Mundi III,
1951, S. 101 f.
182. Santarem, Vicomte de: Atlas Composé de Mappemondes, de portulans
et de cartes hydrographiques et historiques depuis le VIe jusqu’au XVIIe
siècle, E. Thunot, Paris, 1849.
183. Sarton, George: A Guide to the History of Science, The Ronald Press,
New York, 1952.
184. Sarton, George: Hellenistic Science and Culture in the Last Three
Centuries B. C., Harvard University Press, Cambridge, Mass., 1952.
185. Schlumberger, Gustave: Le siège, la prise et le sac de Constantinople
par les turcs en 1453, Librairie Plon, Paris, 1913.
186. Schütt, Gudmund: Ptolemy’s Maps of Northern Europe: A
Reconstruction of the Prototypes, Royal Danish Geographical Society,
H. Hagerup, Kopenhagen, 1917.
187. Selen, H. Sadi: Piri Re’is in Simali Amerika, Haritasi, Bulletin Nr. II’den
ayri basim, Devlet Basimevi, Istanbul, 1937.
188. Sharpe, Samuel: Alexandrian Chronology from the Building of the City
until Its Conquest by the Arabs (A. D. 640), London, 1857.
189. Silverberg, Robert: Lost Cities and Vanished Civilizations, Chilton
Books, Philadelphia, 1962.
190. Stahl, William Harris: Ptolemy’s Geography: A select bibliography, The
New York Public Library, New York, 1953.
191. Stefánsson, Vilhjálmur: Greenland, Doubleday, Doran and Co., New
York, 1942.
192. Steger, Ernst: Untersuchungen über italienische Seekarten des
Mittelalters auf Grund der kartometrischen Methode, Kästner,
Göttingen, 1896.

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193. Stevens, Henry: Johann Schöner, a reproduction of his globe of 1523
long lost, H, Stevens & Son, London, 1888.
194. Stevenson, Edward Luther: Marine World Chart of Nicolo de Canerio
Januensis (1502), De Vinne Press, New York, 1908.
195. Stevenson, Edward Luther: Terrestrial and Celestial Globes, Their
History an Construction …, 2 Bde., Hispanic Society of America, Yale
University Press, New Haven, 1921.
196. Strabo: The Geography of Strabo, The Loeb Classical Library,
Heinemann, London; Putnam, New York, 1923–1938; dt.: Strabons
Erdbeschreibung, 2 Bde., Stuttgart 1856–1862; sowie Strabo
Geographica, Marix Verlag, 2005.
197. Taylor, E. G. R.: The Haven-Finding Art: A History of Navigation from
Odysseus to Captain Cook, Abelard-Schuman, New York, 1957.
198. Taylor, E. G. R.: »Jean Rotz and the Marine Chart«, Journal of the
Institute of Navigation VII, Nr. 2, April 1954, S. 136–143.
199. Taylor, E. G. R.: »The Navigation Manual of Columbus«, Journal of the
Institute of Navigation V, Nr. 1, Januar 1952, S. 42–54.
200. Taylor, E. G. R.: »The Oldest Mediterranean Pilot (Carta Pisana)« ,
Journal of the Institute of Navigation IV, Nr. 81, 1951.
201. Teleki, Paul: Atlas zur Geschichte der Kartographie der Japanischen
Inseln, Budapest, 1909; K. W. Hiersemann, Leipzig, 1909.
202. Thalamas, A.: La Géographie [de Eratosthenes], Dissertation Harvard
University 1921.
203. Thompson, James W.: Ancient Libraries, University of California Press,
1940.
204. Tooley, R. V.: Maps of Antarctica: A list of early maps of the South
Polar Region, Map Collector’s Circle, Durrant House, Chiswell Street,
London E. C. 1, England, o.J.
205. Tooley, R. V.: Maps and Map Makers, B. T. Botsford, London, 1949,
1952.
206. True, David O.. »Correspondence relating to the Piri Re’is Map«,
Archiv der American Geographic Society, New York City.
207. Tseukernik, David: »Did Columbus Discover America?« (englische

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Zusammenfassung des vom Autor in der sowjetischen Zeitschrift Novy
Mir im Oktober 1963 veröffentlichten Artikels).
208. Uhden, Richard: »The Oldest Original Portugese Chart of the Indian
Ocean, A. D. 1509«, Imago Mundi III, 1939.
209. Verrill, A. Hyatt: America’s Ancient Civilizations, Putnam, New York,
1939.
210. Villiers, Alan John: Men, Ships and the Sea, National Geographical
Society, Washington, D. C., 1962.
211. Villiers, Alan John: Wild Ocean, McGraw-Hill, New York, 1957.
212. Wadler, Arnold D.: The Origin of Language, The American Press for
Art and Science, New York, 1948.
213. Waltari, Mika: The Wanderer, Putnam, New York, 1951; Pocket Books,
1964, (ein Kapitel über Piri Reis).
214. Waerden, B. L. van der: »Basic Ideas and Methods in Babylonian and
Greek Astronomy« (in 55).
215. Wieder, F. C. (Hrsg.): Monumenta Cartographica; Reproductions of
Unique and Rare Maps, 5 Bde., Nijhoff, Den Haag, 1925–1933.
216. Wilson, A. Tuzo: »Continental Drift«, Scientific American CCVIII, Nr.
4, April 1963, S. 2–16.
217. Winsor, Justin: A Bibliography of Ptolemy’s Geography, Harvard
University Press, Cambridge, Mass., 1884.
218. Winsor, Justin, Narrative and Critical History of America, Boston und
New York: Houghton Mifflin & Co., 1889.
219. Winter, Heinirch: »Catalan Portolan Maps and Their Place in the Total
View of Cartographic Development«, Imago Mundi XI, 1954.
220. Winter, Heinrich: »A Late Portolan Chart at Madrid, and Late Portolan
Charts in General, Imago Mundi VII, 1950.
221. Winter, Heinrich: »The Origin of the Sea-Chart«, Imago Mundi XIII,
1951, S. 39 ff.; siehe auch seine Antwort auf Richard Uhden zur Frage
des Kompasses in Imago Mundi V.
222. Winter, Heinrich: »The True Position of H. Wagner in the Controversy
of the Compass Chart«, Imago Mundi V, 1948.
223. Worcester, Donald E. und Schaeffer, Wendell C.: The Growth and

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Culture of Latin America, Oxford University Press, New York, 1956.
224. Briesemeister, William: World Map, Miller Cylindrical Projection, 1
Degree Grid prepared by the American Geographical Society for the
U.S. Department of State, Outline Series Nr. 7, 1982–84.
225. Wright, Helen S.: The Seventh Continent, Richard G. Badger, Boston;
The Gorham Press, New York, 1918.
226. Wright, John Kirtland: The Geographical Lore of the Time of the
Crusades, The American Geographical Society, New York, 1925.
227. Wright, John Kirtland: The Leonardo Map of the World, 1452–1453,
American Geographical Society Library Series 4, 1928.
228. Wright, John Kirtland und Platt, Elizabeth T.: Aids to Geographical
Research, New York: American Geographical Society Research Series
22, 1947.
229. Wytfleet, Corneille: Descriptionis Prolomaicae Augmentum, Leuven:
Johannis Bogardi, 1598 (Antarktiskarte S. 100 f.); Neuauflage
Amsterdam und Israel mit Einleitung von R. A. Skelton, 1964.

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Nachweise

Der Autor möchte folgenden Personen und Institutionen für die


Genehmigung danken, Material in diesem Buch abdrucken zu dürfen:

Clagett, Marshall: Greek Sciences in Antiquity, Abelard-Schumann,


Limited, New York, 1955.
Morison, Samuel Eliot: Admiral of the Ocean Sea, 1942; Genehmigung
des Nachdrucks durch Altantic-Little, Brown and Company, Boston.
Kamal, Prinz Youssouf: Hallucinations Scientifiques (Les Portolans), E.
J. Brill, Ltd., Leiden (Niederlande), 1937.
Houtsma, M. Th. (Hrsg.) u. a.: »The Netherlands, and the Editorial
Board« in: Encyclopaedia of Islam, E. J. Brill, Ltd., Leiden, 1936.
Needham, Joseph: Science and Civilization in China, Bd. III, Cambridge
University Press, New York, 1959.
Penrose, Boies: Travel and Discovery in the Renaissance, 1420–1620,
Harvard University Press, Cambridge, Massachusetts, 1955.
Dr. Âfet İnan, A. und Yolaç, Leman (Übers.): The Oldest Map of
America, Nationalbibliothek Ankara, Türkei, 1954.
Der Königlichen Dänischen Geographischen Gesellschaft für die
Veröffentlichung von Schütt, Gudmund: Ptolemy’s Maps of Northern
Europe: A Reconstruction of the Prototypes, H. Hagerup, Kopenhagen,
1917.
Dem Map Collectors Circle, London, für die Nutzung der Buache-Karte
der Antarktis.
Twayne Publishers, Inc., New York, für die Genehmigung, die Karte der
Mündungen des Sankt-Lorenz-Stroms zu übernehmen aus: Holand,
Hjalmar R.: Explorations in America Before Columbus, 1956.

Die Karten wurden von den Caru Studios, Inc., New York, nach Charles H.
Hapgoods Zeichnungen angepasst.

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Danksagungen

Schon immer habe ich wissenschaftliche Arbeit als sozialen Prozess


verstanden. Als Student der Wissenschaftsgeschichte habe ich gelernt, dass
jeder wissenschaftliche Fortschritt das Produkt der Zusammenarbeit vieler
Forscher ist, selbst wenn der Eindruck vorherrscht, er sei nur einem einzelnen
Wissenschaftler zu verdanken. Aus diesem Grund möchte ich hier die
Verdienste der vielen Menschen würdigen, die zu dem vorliegenden Werk
beigetragen haben.
Für die Anregungen zu diesem Projekt bin ich Ruth Verrill aus Chiefland,
Florida, zu großem Dank verpflichtet. Sie hat mich überhaupt erst auf die
Arbeit von Captain Arlington H. Mallery aufmerksam machte.
Meine Studenten übernahmen bei der Forschungsarbeit von Anfang an
eine aktive Rolle, und viele von ihnen steuerten wichtige Beiträge bei und
werden an entsprechender Stelle im Buch erwähnt. Zu diesen zählen Ernest
Adams, Ronald Bailey, Ruth Baraw, George Batchelder, Richard Cotter, Don
Dougal, Clayton Dow, James D. Enderson, Leo Estes, Sidney B. Gove,
William Greer, Gary Howard, Alfred Isroe, Warren Lee, Marcia Leslie,
Loren Livengood, John F. Malsbenden, John Poor, Frank Ryan, Alan
Schuerger, Robert Simenson, Lee Spencer, Margaret Waugh, Robert Jan
Woitkowski und meine Söhne Frederick und William.
Vom dritten Jahr unserer Untersuchungen an hatten wir das Glück, von
Captain Lorenzo W. Burroughs, dem Leiter der Kartografieabteilung des 8.
Technischen Aufklärungsgeschwaders der Air-Force-Basis in Westover,
Massachusetts, unterstützt zu werden. Captain Burroughs und sein
Vorgesetzter, Colonel Harold Z. Ohlmeyer, analysierten unsere
Untersuchungsergebnisse der Karten von Piri Reis und Oronce Finé und
bestätigten uns die Resultate schriftlich. Doch Captain Burroughs tat weit
mehr, als nur unsere Schlussfolgerungen zu überprüfen. Seine zahlreichen
Vorschläge waren für uns von unschätzbarem Wert. Außerdem ermunterte er
die Mitglieder seiner Kartografieabteilung, uns ihre Zeit und Hilfe zur

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Verfügung zu stellen. Zu den Offizieren und Mannschaftsmitgliedern der Air
Force, die uns unterstützten, zählen Captain Richard E. Covault, Captain B.
Farmer, Chief Warrant Officer Howard D. Minor, Master Sergeant Clifton M
Dover, Master Sergeant David C. Carter, Technical Sergeant James H. Hood,
Staff Sergeant James L. Carroll, Airman First Class Don R. Vance und
Airman Second Class R. Lefever.
Zahlreiche Menschen im ganzen Land zeigten Interesse an unserer Arbeit
und trugen mit ihren wertvollen Informationen und Ratschlägen bei. Dazu
zählen William Briesemeister, leitender Kartograf der American
Geographical Society, inzwischen im Ruhestand, der das Manuskript dieses
Buches gegenlas und Vorschläge für die Vorbereitung der verschiedenen
Karten unterbreitete; David C. Ericson vom Lamont Geological Observatory,
der verstorbene Archibald T. Robertson aus Boston, Robert L. Merritt aus
Cleveland, Ohio, der das Manuskript prüfte und viele wissenschaftliche
Informationen beisteuerte; Miss Elizabeth Kendall aus Washington D. C., die
freundlicherweise Artikel aus der sowjetischen Presse zur Piri-Reis-Karte für
mich übersetzte; und meine Tante Norman Hapgood, die viele Vorschläge
machte. Auch Niels West, Dino Fabris, Margaret Allen, Paul R. Swann bin
ich zu Dank verpflichtet; ebenso Dr. Arch Gerlach, Walter Ristow und
Richard W. Stephenson von der Kongressbibliothek; Miss Nordis Felland,
Bibliothekarin der American Geographical Society, E. Pognon und M. Hervé
von der Bibliothèque Nationale in Paris; I. Hatsukade von der Diet-
Bibliothek in Tokio sowie dem Personal der Hispanic Society of America in
New York. Außerdem danke ich dem ehemaligen Sultan von Sansibar und
Kaiser Haile Selassie von Äthiopien für die Zusammenarbeit bei der Suche
nach alten Karten des Ostens.
Mein Dank geht auch an das US-Außenministerium für die Kopie von
Briefen, die mit der Entdeckung der Piri-Reis-Karte zu tun haben. Darüber
hinaus möchte ich der American Geographical Society dafür danken, dass sie
für mich Absprachen mit der amerikanischen Botschaft in Ankara traf, um
spezielle Fotografien der Piri-Reis-Karte anfertigen lassen zu können.
Ich darf meinen tiefen persönlichen Dank an Mr. und Mrs. Philip Martin
aus Keene, New Hampshire, meine hervorragenden Fotografen, nicht
vergessen, die die Geduld aufbrachten, zahllose Karten wieder und wieder zu
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fotografieren, und das, obwohl ich sie immer zur Eile antrieb; und an meine
Sekretärin Miss Eileen Sullivan, die unter ähnlich schwierigen Bedingungen
arbeitete und dennoch nie die Geduld verlor.
Am meisten zu Dank aber verpflichtet bin ich Dr. K. Wright, dem
ehemaligen Direktor der American Geographical Society, der nicht nur das
Vorwort zu diesem Buch verfasste, sondern auch das gesamte Manuskript
gegenlas und viele äußerst wertvolle Ratschläge sowohl für inhaltliche als
auch stilistische Verbesserungen beisteuerte, und Charles W. Halgren von
den Caru Studios in New York, der uns neben den Vorbereitungen für unsere
Zeichnungen mit vielen wertvollen Ratschlägen in technischen Fragen zur
Seite stand.

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Vorwort
1 Science, Bd. 63, 1926, S. 463–468.
2 John K. Wright, der an der Universität Harvard Geschichte studierte und dort auch promovierte,
war 36 Jahre lang für die American Geographical Society in New York tätig, in den letzten 11
Jahren seiner Tätigkeit als deren Direktor. Sein Buch Human Nature in Geography wurde 1966
von der Harvard University Press veröffentlicht.

Kapitel 1
1 Der Titel »Admiral« – Re’is – wurde Bestandteil seines Namens, der »Piri Ry-iss« ausgesprochen
wurde. Wir schreiben fortan Piri Reis (Anm. d. Lektors).
2 Siehe im Literaturverzeichnis die Nummern 1, 2, 5, 6, 23, 27, 28, 36, 40, 61,78, 83, 104, 105, 106,
109, 115, 117, 154, 181, 187, 208, 215.
3 Die in Klammern gesetzten Zahlen verweisen auf die betreffenden Nummern im
Literaturverzeichnis.
4 Siehe Korrespondenz, Exkurs S. 20–30.
5 Eine Übersetzung aller Legenden auf der Karte findet sich im Exkurs S. 31–36.
6 Siehe Danksagungen.
7 Der verstorbene James H. Campbell, der in jungen Jahren mit Thomas A. Edison
zusammenarbeitete, erzählte einmal, Edison habe bei der Erörterung eines schwierigen Problems
gesagt, das Problem sei für Spezialisten zu schwierig. Man müsse darauf warten, dass es von
einem Amateur gelöst werde.
8 Aus der Encyclopedia of Islam.
9 In diesem Buch finden sich 207 gute Karten von Piri Reis mit einer Fülle von korrekten und
wissenschaftlichen Informationen (siehe die beigefügten Fotografien der Karten von Malta,
Sizilien, Korsika, Venedig und der Umgebung von Gibraltar). Piri Reis verfasste dieses Buch
Bahriye (»Über das Meer«) in Gelibolu, 8 Jahre nach Anfertigung der oben erwähnten Karte. 7
Jahre später überarbeitete und verbesserte es der Autor und schenkte es Kanum Siileyman
(Suleiman dem Großen) in Istanbul. Kopien des Werkes finden sich in den Bibliotheken von
Istanbul (im Topkapi-Museum, im Marinemuseum und den Bibliotheken der Hagia Sofia und der
Nuruosmaniye-Moschee), aber auch in der Bibliothek von Dresden, der Universitätsbibliothek von
Bologna und in der Bibliothèque Nationale de Paris. Professor Kahle von der Universität Bonn hat
neben den Artikeln, die er über dieses Buch geschrieben hat, jüngst die Initiative ergriffen, eine
Neuauflage herauszubringen.
10 In der Einleitung zu seinem Buch gibt Piri Reis einige Erläuterungen zu diesen Karten und
schreibt dann über seine eigene Karte: »Neulich habe ich eine detailliertere Karte angefertigt und
sie Selim (Sultan Selim) in Ägypten geschenkt, und er hat mich dazu beglückwünscht. Auf dieser
Karte habe ich die neuesten Informationen über das Indische und das Chinesische Meer

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festgehalten, die damals auf den Karten schon dargestellt wurden, aber hier nicht bekannt waren.«
(Die Fotografie des Originals dieser Feststellung ist als Nr. 7 beigefügt.)
11 Siehe die Notizen am westlichen Rand der Karte.
12 Siehe die Randnotiz in der südöstlichen Ecke der Karte.
13 Orientalisten haben jüngst zu Recht darauf hingewiesen, dass man nicht von einer arabischen
Kultur sprechen kann. Stattdessen sollte eher von einer islamischen Kultur die Rede sein. Denn
die, die diese Kultur entwickelten, waren nicht alle Araber, sondern, obwohl sie arabisch sprachen,
mehrheitlich Perser und Türken.
14 Siehe die Westküste Afrikas auf der Karte.
15 Das Datum ist in der Titelzeile der Karte genannt: »Tis’a ashara va tis’s mi’a«
(neunhundertneunzehn).
16 Diese Briefe befinden sich in den National Archives in Washington, D. C.
17 Aus »Die älteste Karte von Amerika« von Professor Dr. Afet Inan, Ankara, 1954, S. 28–34. Die
römischen Ziffern beziehen sich auf die Hauptkarte.

Kapitel 2
1 Die Karten in diesem Buch sind, wenn nicht anders angegeben, dem Vatikan-Atlas (139) oder dem
Nordenskiöld-Atlas (146) entnommen.
2 Der Begriff »Portolan« beziehungsweise »Portulan« bezeichnet ursprünglich Bücher mit nautischen
Informationen über Landmarken, Meeresströmungen und Hafenverhältnisse, die die Seefahrer von
Hafen zu Hafen (port) führen sollten.
3 Marinos von Tyros lebte im 2. Jahrhundert v. Chr.; er war Geograf und Wegbereiter von Claudius
Ptolemäus.
4 Auch die Araber, die im frühen Mittelalter für ihre wissenschaftlichen Leistungen berühmt waren,
konnten diese Karte nicht gezeichnet haben. Denn ihre Karten sind noch ungenauer als die des
Ptolemäus (siehe Abb. 6).
5 Diese Winkel konnten nach Wunsch noch einmal halbiert werden, sodass sich 32 Radien mit
jeweils einem Winkel von 11,25° ergaben.
6 Siehe Exkurse S. 55 und 56 ff.
7 Die vollständige Karte zeigte auch Afrika und Asien. Laut Piri Reis war es eine Karte »der sieben
Weltmeere«. Der östliche Teil fehlt, aber es gab ursprünglich auch einen nördlichen Teil, der
ebenfalls verloren gegangen ist. Diesen Hinweis verdanke ich Alexander Vietor von der Yale
University.
8 Da die Erde rund ist, der Portolanentwurf aber auf einer ebenen Projektion beruhte (also auf der
ebenen Geometrie), die der Kugelform der Erde nicht Rechnung tragen kann, würden die
parallelen Meridiane immer weiter vom geografischen Norden abweichen, je weiter sie vom
Nullmeridian entfernt sind. Der Portolanentwurf kompensiert dies, wie wir im nächsten Kapitel
sehen werden, durch die Nutzung verschiedener Nordausrichtungen.
9 Ein Großkreis ist ein Kreis um die Erde, der dem gesamten Umfang entspricht. So ist der Äquator
beispielsweise ein Großkreis, aber er ist auch der einzige Breitenkreis, der ein Großkreis ist. Alle
anderen Breitenkreise sind kleiner und deshalb keine Großkreise. Der Großkreis umschreibt eine
Ebene, die die Erde in zwei Hälften teilt; Großkreise können in jeder Richtung um die Erde
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gezeichnet werden. (Charles Hapgood)
10 Das Interesse an der Karte war so groß, dass die Studenten häufig abends in mein Apartment
kamen und wir bis in die frühen Morgenstunden diskutierten.
11 Siehe Literaturhinweise Nr. 89, 116, 143, 179, 199, 200 und 223.
12 Für die Bestimmung dieser Positionen siehe Abb. 18. Details über die Berechnungen finden sich
im Anhang.
13 Ein Vergleich der Ergebnisse findet sich im Exkurs.
14 Siehe Danksagungen.
15 Siehe auch Strachans Erläuterungen, Exkurs oben
16 Frank Ryan.
17 Van der Waerden (214) schreibt jedoch Apollonios, einem früheren griechischen Wissenschaftler,
Kenntnisse der ebenen Trigonometrie zu. Ihr tatsächlicher Ursprung bleibt also unbekannt.
18 Also entsprechen 6 Stadien bei Eratosthenes etwa 1 Kilometer.
19 Versuche mit der ebenen und der sphärischen Trigonometrie ergaben, dass die ebene
Trigonometrie zu besseren Ergebnissen führte, was die Übereinstimmung von Gradnetz und
Geografie anbelangt. Deshalb nutzten wir in diesem Fall die ebene Trigonometrie.

Kapitel 3
1 Allerdings möchte ich die Möglichkeit nicht ausschließen, dass eines Tages eine andere plausible
Erklärung für die Quelle dieser Kompilation auftauchen könnte.
2 Zu diesen Karten zählen die Karte von Juan de la Cosa von 1500 (Abb. 19), die Cantino-Karte von
1502, die sogenannte Bartholomeus Kolumbus-Karte von 1503 (Abb. 22), die Waldseemüller-
Karten von 1507 und 1516, die Ruysch-Karte von 1508 (Abb. 24), die Robert Thorne-Karte von
1527 und die Miguel Vilanovano-Karte von 1535. Es gibt jedoch noch viele andere Karten.
3 W. H. Lewis zitiert in seinem Buch »The Splendid Century« (Doubleday, 1957, S. 227 f.) einen
Ausschnitt aus den Memoiren des Abbé de Choisy (1644–1724), anderthalb Jahrhunderte nach
Piri Reis, über die Schwierigkeiten, die geografischen Längen zu bestimmen: »Pater Fontenay hält
eine Vorlesung über die Navigation und spricht nicht nur über die Tatsache, dass die
Längenbestimmung noch nicht gefunden wurde, sondern auch über den Grund, aus dem sie nie
gefunden werden kann …«
4 Zum Glück besitzen wir mit dem Kitab-i Bahriye von Piri Reis (164) eine umfangreiche
Abhandlung über die Geografie des Mittelmeerraums, die zahlreiche von ihm selbst gezeichnete
Karten enthält. Ihre Merkmale sind sehr interessant, und wie bei fast allen arabischen Karten ist
die Darstellung gut. Aber es fehlt jede Art von Projektion, ja sie besitzen nicht einmal Maßstäbe
für Entfernungen. Und sie geben keine Kompassrichtungen an, wie es bei den Portolankarten der
Fall ist (siehe Abb. 28–33).
5 Diese Entdeckung wurde von manchen Gelehrten allerdings Amerigo Vespucci zugeschrieben.
6 Neben den später noch zu besprechenden Karten zählen dazu die Karten von Robert Thome (1527),
Sebastian Münster (1545), Giacomo Gastaldi (1546), Abraham Ortelius (1570), Plancius (1592),
Hondius (1602), Sanson (1651) und Seller (1670); siehe R. V. Tooley (204).
7 Wir entschlossen uns zu diesem Schritt, weil flache Karten die Geografie auf die eine oder andere

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Weise verzerren und wir uns nicht sicher sein konnten, einen guten Vergleich ziehen zu können,
solange wir keine Karte mit genau der richtigen Projektion vorliegen hatten.
8 Nachdem Mallerys Thesen vom Radiosender der Universität Georgetown publik gemacht worden
waren, veröffentlichte die französische Zeitschrift Science et Vie (109) einen sehr wirren Artikel,
der von der sowjetischen Presse aufgegriffen wurde (28). Ein sowjetischer Wissenschaftler wies
Mallerys These wahrscheinlich deshalb zurück, weil er die Küste des Königin-Maud-Lands mit
dem Königin-Maud-Gebirge auf der gegenüberliegenden Seite des Kontinents verwechselte.

Kapitel 4
1 Siehe 3 Exkurse S. 149 f., 151.
2 Wir wählten den Messpunkt an der Stelle, an der sich die Halbinsel verbreitert, weil
Untersuchungen gezeigt hatten, dass der obere schmale Teil der Halbinsel auf der Oronce-Finé-
Karte ausgelassen wurde, wie es offensichtlich auch bei der Piri-Reis-Karte der Fall war.
3 Dies hat natürlich starke Auswirkungen auf unseren visuellen Vergleich der alten mit der modernen
Karte. Weil sie mit unterschiedlichen Projektionen gezeichnet wurden, würden sie auch dann
anders aussehen, wenn sie identisch wären. Deshalb könnten die Übereinstimmungen tatsächlich
größer sein, als es den Anschein hat. Tabelle 2 lässt jedenfalls darauf schließen. In Abbildung 51 c
hat Charles Halgren von den Caru Studios in New York die Oronce-Finé-Karte nach einer
Projektion mit geraden Meridianen nachgezeichnet. Man vergleiche sie mit der modernen Karte.
4 Weitere Erläuterungen zur Projektion der Oronce-Finé-Karte finden sich in den Exkursen S. 70 ff.
und S. 149 ff.
5 Siehe Kapitel VII.
6 Nicht zu verwechseln mit einem anderen Kernphysiker, Dr. Harold D. Urey von der Universität von
Chicago.
7 Siehe nachfolgenden Exkurs, Jack Hougs Interpretation der Bohrkerne.
8 Für eine Erläuterung dieser Karte siehe Marie Armand d’Avesac-Macaya, Note sur une
Mappemonde Turque (19).
9 Mehr als 200 Jahre, bevor die Lösung des Längenproblems gefunden wurde.
10 Eine Kurzbiografie Mercators findet sich im Exkurs auf S. 178 f.
11 Mallery behauptete, diese Mercator-Karte müsse auf einer authentischen antiken Quellenkarte
basieren (131).
12 Auf seiner Weltkarte von 1538.
13 Weil dieser Kontinent erst 250 Jahre später »entdeckt« wurde.

Kapitel 5
1 Siehe Exkurs S. 193 f.
2 Später stellte sich dies jedoch als Irrtum heraus.
3 Eine Ausnahme bildet hier jedoch die älteste der sogenannten Portolankarten, die Carta Pisana, die
wahrscheinlich aus dem 13. Jahrhundert stammt. In diesem Fall wurde der typische
Portolanentwurf auf eine äußerst minderwertige Karte angewandt, die entweder im Mittelalter
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gezeichnet wurde oder eine sehr schlampige Kopie einer genauen Portolankarte darstellte. Diese
letzte Vermutung wird durch die Tatsache bestätigt, dass der Kartograf den Portolanentwurf
verpfuschte. Dieser besteht aus zwei Kreisen, doch der Kartograf zeichnete sie mit
unterschiedlichen Durchmessern und zog kaum eine Linie wirklich gerade.
4 Allerdings unternahmen die Venezianer offenbar den Versuch, es zusammen mit dem Kompass zu
nutzen. Siehe Exkurs S. 208
5 Siehe den folgenden Abschnitt über die Karte von de Canestris.
6 Isroe hatte das Keene State College verlassen und war an die Universität von Amsterdam
gewechselt, wo er auf meinen Vorschlag hin an einem Forschungsprojekt teilnahm. Mein großer
Wunsch war, die Quellenkarten aufzuspüren, die Mercator für seinen »Atlas« von 1569 nutzte.
Trotz der Unterstützung durch die Regierung der Niederlande wurden die Quellenkarten leider
nicht gefunden. Doch wie wir hier sehen, gelang Isroe eine bedeutende Entdeckung.

Kapitel 6
1 Obwohl wir Mallerys Schlussfolgerungen nicht teilen, wollen wir hervorheben, dass ihm
Anerkennung gebührt, weil er diese Karte als Erster studiert und damit wertvolle Vorarbeit für die
Analyse der Piri-Reis-Karte geleistet hat.
2 Ich habe drei Versionen dieser Karte gesehen. Die auf Abbildung 26 reproduzierte Karte stammt
aus den Monumenta Cartographica Vaticana (dem Vatikan-Atlas), Bd. I, Tafel LII, und trägt den
Titel »Carta dei Paesi Settentrionale dell‘ Europa Contenant la Geographia di Tolemeo«.
3 »Carta Nautica de Andrea Benincasa« (Ancona, 1508) Borg. VIII, in Monumenta Cartographica
Vaticana, Bd. I, Tafel XX.
4 »Carta Nautica di Iehudi Ben Zara«, Alessandrio d’Egitto, 1497, Borg. VII, Monumenta
Cartographica Vaticana, Bd. I, Tafel XIX.
5 »flach, spirituell, äußerst verfeinert und sehr aristokratisch.«

Kapitel7
1 Siehe nachfolgenden Exkurs
2 Siehe Exkurs S. 70 ff.
3 Das heißt, eine anspruchsvolle Kartenprojektion wurde mithilfe der sphärischen Trigonometrie
konstruiert, dann wurden die geografischen Punkte darauf bestimmt, deren Position in Länge und
Breite mithilfe von bemerkenswert präzisen Instrumenten bestätigt wurde.
4 Siehe jedoch Exkurs S. 208
5 Diese Vorstellung geht auf einen wenig bekannten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts zurück.
6 Der Tierkreis beschränkte sich damals auf die Sternbilder am Äquator – auf den Bereich, in dem
sich die Sonne bewegt.
7 Bis heute geht man davon aus, dass es menschenähnliche Wesen, die vielleicht intelligenter waren,
als man bisher vermutete, schon vor etwa 1 700 000 Jahren gab. Doch über den Ursprung des
Menschen gibt es nur wenig Gewissheit.
8 Wie aus den von Jack Hough untersuchten Bohrkernen hervorgeht.
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9 Gegenwärtig gibt es in der Antarktis natürlich keine fließenden Gewässer, weil bis auf wenige
Stellen, an denen das Eis im antarktischen Sommer schmilzt, alles gefroren ist.
10 Siehe Kap. 2 von Earth’s Shifting Crust.
11 Eine neue, von den Professoren Ewing und Donn von der Columbia Universität und vom City
College aufgestellte Theorie hat auf einen möglichen Faktor aufmerksam gemacht, der zu den
jüngeren Eiszeiten beigetragen haben könnte, aber sie weist gravierende Schwächen auf.
12 Die beste Zusammenfassung dieser Theorie findet sich in dem von Albert Einstein verfassten
Vorwort zu Earth’s Shifting Crust.
13 Aus dem Vorwort von Albert Einstein zu Charles Hapgood, Earth’s Shifting Crust, New York,
Pantheon, 1958.
14 Manston, Thomas E. und Painter, George D.: The Vinland Map and the Tartar Relation, New
Haven, The Yale University Press, 1965.

Kapitel 8
1 Zwei jüngere Entwicklungen von großem Interesse haben neue Beweise für wissenschaftliche
Kenntnisse in jenem Zeitalter geliefert, das wir als Steinzeit bezeichnen. Die eine besteht in
Belegen für die Nutzung eines fortschrittlichen Mondkalenders schon vor 35 000 Jahren (133), die
andere ist die mithilfe eines Computers gewonnene Erkenntnis, dass die Erbauer von Stonehenge
tatsächlich gute Astronomen waren (87, 88).
2 »Radiocarbon«, Beilage zum American Journal of Science, Bd. 5, S. 12–13, und Bd. 6, S. 332–334.
3 Bei der Ausgrabung der Pyramide wurde Cummings von Dr. Manuel Gamio und Jose Ortiz von der
Direccion de Anthropologia, dem Amt für Anthropologie der mexikanischen Regierung,
unterstützt. Finanziert wurde die Ausgrabung von der National Geographic Society von
Washington D. C., und Cummings’ Bericht wurde 1933 von der University of Arizona Press,
Tucson, veröffentlicht (56).

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Graham Hancock: Die Magier der Götter • gebunden • 688 Seiten •
inkl. 32-seitigem Farbbildteil • zahlreiche Abbildungen • ISBN 978-3-
86445-622-0 • 29,99 €
e-Book • ISBN 978-3-86445-641-1 • 27,99 €

Was verborgen war, kommt jetzt ans Licht!


Gegen Ende der letzten Eiszeit, vor 12 800 Jahren, näherte sich ein
gigantischer Komet, der Tausende von Jahren zuvor ins Sonnensystem
eingetreten war, unserem Heimatplaneten. Der Komet zerbrach in
viele Stücke, von denen einige auf der Erdoberfläche einschlugen, was
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eine Katastrophe globalen Ausmaßes hervorrief, wie sie seit der
Vernichtung der Dinosaurier nicht mehr stattgefunden hatte.
Zumindest acht der Fragmente trafen die nordamerikanische
Eisplatte, während weitere Fragmente auf der nordeuropäischen
Eisplatte zerbarsten.

Durch den Aufprall der über einen Kilometer großen Kometenbrocken, die
mit einer Geschwindigkeit von rund 100 000 Kilometern pro Stunde
unterwegs waren, wurde eine enorme Hitze erzeugt, die auf der Stelle
Millionen Kubikkilometer Eis verflüssigte, die Erdkruste destabilisierte
und eine globale Flut auslöste. Die Erinnerung daran findet sich in Mythen
aus aller Welt.

Die in diesem Buch dargelegten Beweise lassen keinen Zweifel daran, dass
eine in der Eiszeit blühende Hochkultur durch globale Naturkatastrophen,
die vor 12 800 Jahren begannen und vor 11 600 Jahren endeten, zerstört
wurde.

Allerdings gab es offensichtlich auch Überlebende, die es irgendwie


schafften, diese apokalyptischen Naturgewalten zu überstehen. In den
Legenden werden sie als »die Weisen«, »die Leuchtenden«, als »Magier«
oder als »Mysterienlehrer des Himmels« bezeichnet. In ihren großen
Schiffen reisten sie um die Welt, um in allen Erdteilen eine neue kulturelle
Saat auszubringen und damit das Licht der Zivilisation am Leuchten zu
halten. Sie errichteten ihre megalithischen Bauwerke an strategischen
Punkten wie Baalbek im Libanon, Göbekli Tepe in der Türkei, Gizeh in
Ägypten, im alten Sumer, in Mexiko, Peru und auch im pazifischen Raum
– so wurde erst kürzlich eine riesige Pyramide in Indonesien entdeckt.
Egal, wo sie hinkamen, überall brachten sie die Erinnerungen an eine Zeit
mit sich, in der die Menschheit ihren Einklang mit dem Kosmos verlor und
dafür einen hohen Preis bezahlte.

Sie brachten nicht nur Erinnerungen mit sich, sondern auch eine Warnung
an künftige Generationen … denn der Komet, der vor 12 800 Jahren
begann, eine solche Spur der Zerstörung nach sich zu ziehen, mag uns
noch weiteres Unheil bescheren. Astronomen glauben, dass ein »dunkles«
Trümmerfragment von über 30 Kilometern Größe noch immer unsere Erde
bedroht.
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Eine in Göbekli Tepe, der Sphinx und den ägyptischen Pyramiden
kodierte astronomische Botschaft warnt vor der »großen Rückkehr« –
in der heutigen Zeit.

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Erich von Däniken: Galaktische Horizonte • gebunden
383 Seiten • zahlreiche Abbildungen • ISBN 978-3-86445-573-5 • 22,99

e-Book • ISBN 978-3-86445-585-8 • 19,99 €

Aufbruch in neue Dimensionen


Faszinierende Indizien für außerirdische Kontakte und ein »Aufbruch
zur Vernunft« bei den Paläo-SETI-Kritikern

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Dass Bewohner von fremden Planeten vor Jahrtausenden auf die Erde
kamen und die Entwicklung der Menschheit beeinflussten, passt nicht
in das propagierte Geschichtsbild. Von unserer Wissenschaftselite
wird ein möglicher Kontakt mit Außerirdischen ignoriert.
Wissenschaftler und Journalisten packen das Thema nicht an, aus
Angst, ihre Glaubwürdigkeit zu verlieren.

Doch es gibt Hoffnung! Erich von Däniken beobachtet einen »Aufbruch


zur Vernunft«, den er in dieser Anthologie dokumentiert. Während in
Europa immer noch Tiefschlaf herrscht, beginnt sich der Zeitgeist in
Amerika zunehmend zu ändern. Die Wissenschaft zieht immer häufiger in
Betracht, dass extraterrestrische Zivilisationen in unsere Geschichte
eingegriffen haben könnten. Da berichten Nachrichtenmagazine wie
Newsweek in einer Sonderausgabe objektiv vom Jahrestreffen der »Ancient
Astronaut Society«. Da führt die Diskussion über Kollisionen von
Neutronensternen oder Schwarzen Löchern zu »Alien-Spekulationen«. Da
suchen renommierte Forscher wie der Physiker Dr. Paul Davies nach ETI-
Spuren auf Planeten unseres Sonnensystems.

Erich von Däniken zeigt in diesem Buch, dass Entwicklungen wie diese
dringend geboten sind. Denn das Argument der Paläo-SETI-Kritiker, nach
dem es keine Indizien für historische Kontakte mit Außerirdischen gibt,
trifft nicht zu. Es existieren unzählige Beweise! Und Erich von Däniken
fügt in diesem Buch weitere hinzu. Zusammen mit Autoren wie Peter
Fiebag, Reinhard Habeck, Edison Boaventura und Prof. Shamsey Oloko
präsentiert der Bestsellerautor einmal mehr atemberaubende Spuren eines
Kontakts mit extraterrestrischen Zivilisationen. Themen dieser Anthologie
sind unter anderem:

• Der Computer von Antikythera: Wer erschuf in der Antike ein


kompliziertes Differenzialgetriebe?
• Das mysteriöse Verschwinden eines Schweizer Bauern, der ohne
Erinnerung 15 Tage später in Mailand wieder auftaucht – völlig
haarlos und mit verbranntem Gesicht.
• Der seltsame Schöpfungsritus des Selk’nam-Volkes in Feuerland.
• Der erste UFO-Bericht Brasiliens aus dem Jahr 1846.
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• Das technisch ausgefeilte Modell eines modernen Schwungrads, das
in einem 5000 Jahre alten Grab gefunden wurde.
• Die merkwürdigen Abbildungen von »fliegenden Pfahlbauten« im
italienischen Valcamonica.
• Die von einer Art Engel vorgenommene »Brustöffnung« an
Muhammad, die der Gründer des Islam problemlos überstand.

»Wir sind alle längst in der Zukunft angekommen.


Unser galaktischer Horizont öffnet sich.« Erich von Däniken

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Luc Bürgin: Lexikon der verbotenen Geschichte • gebunden
304 Seiten • durchgehend farbig illustriert • ISBN 978-3-86445-562-9 •
22,99 €

Verbotene Geschichte:
Die neuesten Erkenntnisse werden jetzt enthüllt!
In diesem reich illustrierten Kompendium dokumentiert Luc Bürgin,
Herausgeber des legendären mysteries-Magazins, was uns Historiker
und Mainstream-Medien verheimlichen. Er enthüllt von A bis Z, was
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NICHT in unseren Geschichtsbüchern geschrieben steht!

Über 250 Farbfotos dokumentieren unterdrückte Entdeckungen, die


Historiker und Archäologen in Erklärungsnot bringen: kontroverse
Erkenntnisse, die unser Weltbild auf den Kopf stellen und enthüllen, was
der Öffentlichkeit verschwiegen wird. Verbotenes Wissen, das nie publik
werden sollte. Ungelöste Rätsel und unbekannte Geheimnisse aus allen
Epochen – von Deutschland bis zu den fernsten Inseln im Pazifik.

Was wird uns verheimlicht?

Wussten Sie beispielsweise, dass die Freiheitsstatue ursprünglich Ägypten


erleuchten sollte, ehe sie von Freimaurern nach Amerika entführt wurde?
Oder dass Schüler von Leonardo da Vinci auch weibliche Jünger in ihr
»Abendmahl« schmuggelten? Was hat es mit den rätselhaften
Quecksilberfunden unter den Pyramiden von Teotihuacan auf sich? Und
welche explosive Zeitbombe tickt bis heute unter dem Rathaus im
bayerischen Bad Tölz?

Vertuscht der Vatikan die Existenz eines legendären Inka-Paradieses im


Dschungel? Bewundern Touristen im Pariser Louvre eine moderne
Fälschung der »Mona Lisa«? Sahen sich unsere Urahnen mit Dinosauriern
konfrontiert? Ist Papst Franziskus Roms letzter Pontifex? Wussten die
alten Inder bereits über Gentechnik Bescheid? Und welche geheimen
Zahlenmysterien verbergen sich in der jüdischen Thora?

Tauchen Sie mit dem Autor ein in die rätselhafte Welt unserer Vorfahren.
Erfahren Sie, was es mit Mexikos Monsterkeller oder der legendären
Schatzinsel auf sich hat – und bei welchen GPS-Koordinaten ein
technologisches Artefakt aus grauer Vorzeit in einem europäischen
Hochgebirge schlummert. Ganz zu schweigen vom dreistesten Tempelraub
der Neuzeit, den Ägyptens Regierung bis heute hartnäckig verheimlicht …

Luc Bürgins Werk ist Ihr Reiseführer in eine Welt der geheimen Ent-
deckungen. Seine Reise führt Sie quer über alle Kontinente, durch
unzugängliche Höhlen, geheimnisvolle Pyramiden, alte Tempel,
verwunschene Wälder und staubige Museumskeller. Er offenbart Ihnen
verheimlichte Funde und unterdrückte Artefakte, die Ihr Weltbild für
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immer verändern werden.

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Erich von Däniken (Hrsg.): Neue Erkenntnisse • gebunden • 218 Seiten
durchgehend farbig illustriert • ISBN 978-3-86445-614-5 • 19,99 €
e-Book • ISBN 978-3-86445-637-4 • 17,99 €

Die neuesten Zeugnisse einer uralten Wahrheit


Erich von Däniken präsentiert Ihnen in diesem Buch seine neuesten
und spektakulärsten Forschungsergebnisse. Er verbindet diese neuen
Indizien intelligent mit denen, die sich in mittlerweile 41 Werken von
ihm niedergeschlagen haben. Dabei wird deutlich: Auch diese neuen
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Erkenntnisse stützen die Theorie, die der Bestsellerautor seit Langem
vertritt. Vor Tausenden von Jahren kamen Außerirdische auf die
Erde; sie vermittelten den Menschen bis dahin unbekannte
Fertigkeiten und sorgten für einen Wissenssprung.

Der Krieg der Götter

Uralte Schriften aus Indien, Sibirien, Tahiti und vielen anderen Regionen
der Erde berichten unabhängig voneinander von einem Krieg der Götter im
Weltall. In der Schlacht wurden Waffen von unvorstellbarer
Zerstörungskraft eingesetzt. Beim Einsatz einer dieser Waffen explodierte
ein kompletter Planet.

Über Jahre regnete es Feuer vom Himmel

Überlieferungen aus allen Teilen der Erde schildern übereinstimmend und


in Details die grauenhaften Auswirkungen der Schlacht im All. Über Jahre
hinweg gingen endlose Meteoritenschauer auf die Erde nieder. Die
Menschen der damaligen Zeit versuchten, sich davor zu schützen, und
schufen so weitere Zeugnisse, die den Sternenkrieg und den Kontakt mit
Wesen von anderen Planeten belegen.

Millionenstädte unter der Erde

Um vor den zerstörerischen Gesteinsbrocken sicher zu sein, gruben die


Menschen kilometerlange Gänge unter der Erde; sie schafften dort auch
Platz für Dörfer und ganze Städte. Erich von Däniken illustriert dies mit
beeindruckenden Beispielen, die auf der ganzen Welt zu finden sind.

Die dreifingrigen Wesen von Nazca

Zu den neuen Entdeckungen, die Erich von Däniken in diesem Buch


präsentiert, gehört auch ein Ereignis, das man nur als sensationell
bezeichnen kann: 2017 wurde der Autor darüber informiert, dass in der
Nähe des peruanischen Ortes Nazca merkwürdige mumifizierte Wesen
gefunden wurden, die vor mehreren Tausend Jahren gelebt hatten, drei
Finger und drei Zehen aufwiesen und außergewöhnlich lang gezogene
Köpfe hatten. Einer der Mumien war – offensichtlich vor mehreren
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Tausend Jahren – ein Metallplättchen unter die Haut implantiert worden.
Die Wissenschaftler sind sich einig:

Diese Wesen stammen nicht von der Erde!

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