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Ausgabe 5/2005

Freundliche Grüße
aus der OF-Redaktion Inhalt
OF Mosaik 4
in illusterer Kreis von Prominenz und Kompetenz gibt
E dieser OF-Ausgabe, so hoffen wir zumindest, liebe
Leserinnen und Leser, besonderes Gewicht. Die Autorenliste
OF-Podium
Prof. Dr. Hans Küng
6

wird angeführt von IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge, der Das olympische Menschenbild
die notwendige Wertediskussion im internationalen Sport Ein antikes Ideal und seine zeitgemäße Interpretation 8
Prof. Dr. Hans Lenk
anmahnt und sie mit den Rahmenbedingungen der Olympi-
schen Bewegung in Verbindung bringt. Schon die nüchter- Olympische Charta: Die „Bibel“ der Bewegung muss sich
nen Zahlen allein sind schlagende Argumente für die an der olympischen Wirklichkeit messen lassen 12
beachtliche sportliche Dimension weltweit. Entscheidende
Dr. Stefan Volknant
Zukunftsfragen lauten: Werden die eigentlich optimalen Die erzieherischen Werte des Sports müssen wieder die
Rahmenbedingungen immer verantwortungsvoll genutzt? Oberhand gewinnen 16
Haben die vielfältigen Gefährdungen nicht längst das solide Dr. Jacques Rogge
Fundament angegriffen? Oder ist das Welttheater des Wo Ying ist, da ist auch Yang
Sports gar auf dem besten Wege in ein Dauer-Desaster von China vor den Spielen in Peking: Entwicklungsland und
Manipulation und Korrumpierbarkeit? sportliche Großmacht zugleich 18
Prof. Dr. Helmut Digel
Jacques Rogge, der Mann am olympischen Regiepult, hält Wenn es um die Seele der Spitzensportler geht 21
zumindest ein Plädoyer für die richtigen Weichenstellungen. Stephan Brust
Das tut auch Professor Dr. Hans Küng, dem wir das OF- Kienbaum gestern, heute und morgen:
Podium reserviert haben. Der Präsident der Stiftung Welt- Deutschlands Bundesleistungszentrum Nummer eins 24
ethos sieht in der Globalisierung des Sports auch die Not- Hansjürgen Wille
wendigkeit, globale ethische Grundprinzipien zum Maß aller Athleten Service Gesellschaft mit sozialem Kern: Über
Dinge zu machen. Doch die wiederum müssen, so Küng, Philosophie und Arbeitspraxis einer Säule des Spitzensports 28
nicht neu erfunden werden. Die elementaren Regeln des Hans Wilhelm Gäb
menschlichen Miteinanders, seit Jahrtausenden gültig, Der barmherzige Marathon des Sports 31
sollten reichen. Man muss sich nur daran halten - im Sport Walter Mirwald
wie im Leben.
OF-Kommentare 34
Michael Gernandt, Dr. Andreas Höfer, Harald Pieper
Den Bogen zur Historie schlägt schließlich auch Professor
Dr. Hans Lenk. Der Philosoph und Olympiasieger, gerade erst Was macht eigentlich ...: Volker Beck 36
zum Präsidenten der Weltakademie der Philosophie gewählt Steffen Haffner
worden, stellt das olympische Menschenbild in den Mittel- Der Wald bewegt 38
punkt seiner Betrachtungen. Und die zentrale Forderung Dr. Hans Jägemann
lautet, das antike Ideal zeitgemäß zu interpretieren. Ein Medienwelt im Wandel - mit dem Sport als Motor 42
Ansinnen, das mit den Vordergründigkeiten und inflationä- Dr. Thomas Horky
ren Begleiterscheinungen des heutigen Sportbetriebs kaum
Ein dunkles Kapitel der Sportgeschichte
vereinbar scheint. Aber gerade deshalb nicht als verzichtbar Jüdische Sportlerinnen und Sportler in Deutschland:
angesehen werden darf... Soviel Wertediskussion ist jeden- Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat 44
falls selten. Mit dem OF also gegen den allgemeinen Trend. Prof. Dr. Lorenz Peiffer
OF-Galerie 48
Ihr Harald Pieper König Fußball und die Frauen - Künstlerinnen und die WM
Bianca Schreiber-Rietig
Nachrichten des Nationalen Olympischen Komitees 50
Impressum 67
Nachrichten der Deutschen Olympischen Gesellschaft 69
Nachrichten des Deutschen Olympischen Instituts 79
Deutsches Sport & Olympia Museum 83

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Ruder-Olympiasieger generell zur Leistungsbereitschaft legte in
jungen Jahren Lenks Klassenlehrer und
ten in Deutschland in Höhe von 42
Milliarden Euro besteht. Neben dem für

Hans Lenk ist Welt-Präsi- väterlicher Freund Karl Adam, der liebe-
voll "Ruderprofessor aus Ratzeburg"
Sportstätten und Umweltfragen zustän-
digen DSB-Vizepräsidenten Dr. Hans-

dent der Philosophen genannt wurde und für viele internatio-


nalen Erfolge als Bundestrainer verant-
Georg Moldenhauer hat auch der SPD-
Bundestagsabgeordnete Dr. Peter
wortlich zeichnete. Danckert schon mehrfach die Forderung
er Ruder-Olympiasieger im Deutsch- nach einem Goldenen Plan 3 erhoben,
D land-Achter des Jahres 1960, Prof. der dem Goldenen Plan der Bundesrepu-
Dr. Hans Lenk, wurde in Mexiko bei der
Generalversammlung des Internationalen Goldener Plan 3 gefordert blik der 50-er und 60-er-Jahre und dem
Goldenen Plan Ost folgen müsste.
Instituts der Philosophie zum Weltpräsi-
denten dieser Organisation gewählt. as Präsidium des Deutschen Sport-
Damit übernahm zum ersten Mal ein
deutscher Philosoph dieses höchste
D bundes (DSB) will sich dafür einset-
zen, dass ein gesamtdeutsches Sportstät- Wasser steht im Mittelpunkt
wissenschaftliche Amt der Philosophie in
der Weltakademie dieses Faches. Der 70
tenprogramm, ein Goldener Plan 3, auf
den Weg gebracht wird. Damit soll auf des Naturathlon 2006
Jahre alte Philosophie-Professor aus den zum Teil sehr schlechten Zustand der
Waldbronn bei Karlsruhe mit Gastprofes-
suren in vielen Städten der Welt hatte
schon zuvor in etlichen bedeutenden
Sportanlagen in allen Teilen Deutschlands
reagiert werden. Die Thematik soll in den
Forderungskatalog des DSB aufgenom-
U nter dem Titel "Naturathlon Wasser"
starten das Bundesumweltministeri-
um und das Bundesamt für Naturschutz
nationalen und internationalen Wissen- men und an Regierung und Parlament im Jahr 2006 eine große Kampagne zum
schafts-Gremien wichtige Positionen herangetragen werden. Experten des Thema "Freizeit am Fluss", die auch vom
ausgeübt. Den Grundstein zum Deutschen Sportbundes haben errechnet, Deutschen Sportbund unterstützt wird.
Forschungsdrang in der Philosophie und dass ein Sanierungsbedarf an Sportstät- Ein Ideenwettbewerb für Verbände bildet

Mut machen, Solidarität beweisen, Leben retten


Sportler wollen eine Million Organspendeausweise verteilen

F ehlende Informationen und Ängste


dominieren noch immer, wenn es um
das Ja oder Nein zur Organspende geht.
Becker, Franz Beckenbauer, Rosi Mitter-
maier, Karl-Heinz Rummenigge und
Jürgen Klinsmann andere Menschen
Nur elf Prozent der Deutschen besitzen daran, dem für jedermann unvermeidli-
einen Organspendeausweis. Diese Zahl chen Lebensende mit der Bereitschaft zur
erhöhen und Leben retten will der Verein Organspende einen besonderen Sinn zu
Sportler für Organspende e.V. (VSO), in geben. Immer mehr prominente Spitzen-
dem sich prominente Sportler und sportler machen im VSO mit. Zuletzt
Medienpersönlichkeiten engagieren. traten etwa die Olympiasiegerinnen Birgit
Helfen soll dabei ein neu aufgelegtes Fischer (Kanu) und Yvonne Bönisch (Judo)
Informations-Faltblatt. Neben wichtigen dem Verein bei, in dem junge, starke und
Hinweisen enthält es jetzt zwei heraus- erfolgreiche Menschen sich zu Lebzeiten
trennbare Organspendeausweise. Mit der mit dem Lebensende befassen, was
Auflage von 500.000 Exemplaren können durchaus nicht selbstverständlich ist. Sie
so eine Million Ausweise bei Sportereig- alle diskutieren die Organspende positiv
nissen, Messen, anderen Großveranstal- in der Öffentlichkeit und machen durch
tungen und an interessierte Einzelperso- ihr Vorbild auch den vielen Kranken auf
nen verteilt werden. den Wartelisten Mut.

Auf der Frontseite des Faltblatts erinnern Das neue Faltblatt ist in kleineren wie
die prominenten Gesichter von Michael größeren Mengen kostenlos per E-Mail
Schumacher, Franziska van Almsick, Boris über die VSO-Geschäftsstelle

4 OF-MOS AIK
den ersten Teil der Kampagne. Gesucht
werden außergewöhnliche und Erfolg Leichtathletik-Interesse Interesse an diesem Kreativwettbewerb
zeigt, wie groß die Vorfreude auf die
versprechende Aktionen oder Infostand-
Ideen, insbesondere zum Thema Flüsse. in der Bevölkerung nach Fußball-Weltmeisterschaft bei den Schu-
len im In- und Ausland ist", sagt Hessens
Teilnehmen können Sport- und Natur-
schutzverbände, Vereine sowie Akteure wie vor hoch Kultusministerin Karin Wolf, die gemein-
sam mit Rudi Völler die Schirmherrschaft
dieser Kampagne übernommen hat.

D as Interesse der Deutschen an der


Leichtathletik ist seit Jahren sehr
hoch, die Hälfte der Bundesbürger (50%)
Anmeldun-
gen zum
Wettbewerb
begeistert sich trotz mangelnder Fernseh- sind noch
präsenz und sportlicher Erfolglosigkeit für bis zum 15.
die olympische Kernsportart. Dies ent- Dezember
aus Städten und Gemeinden. Einsende- spricht einer Zielgruppe von insgesamt 2006
schluss des Ideenwettbewerbs ist der 32,2 Mio. Bundesbürgern. Das ist das möglich;
1.12.2005. Zu gewinnen gibt es bis zu Ergebnis einer Marktforschungs-Studie weitere Informationen auch im Internet
2.000 Euro für die beste Idee. Nähere des Kölner Unternehmens SPORT+MARKT unter www.FIFAworldcup.com/
Infos zum Naturathlon 2006 und dem AG. Das stabile Interesse an der Leicht- Talente 2006.
Ideenwettbewerb unter athletik überrascht, sie wird zurzeit selten
www.bfn.de/naturathlon2006 oder im Fernsehen übertragen, alle hochklassi-
telefonisch unter der "Naturathlon
Wasser"-Hotline 030/2887 61-37.
gen Meetings sind nur noch im Sparten-
kanal Eurosport zu sehen. Außerdem Dopingopfer - Entschädi-
spielen deutsche Athleten auf internatio-
naler Ebene nur noch eine untergeordne- gung abgeschlossen
te Rolle. "Noch ist die Leichtathletik ein
schlafender Riese, der sein Potenzial in
der Bevölkerung nicht umsetzen kann. Ob
die Fangemeinde ohne sportliche Erfolge
D rei Jahre nach Inkrafttreten des
Dopingopfer-Hilfegesetzes (DOHG)
wurde das einzige Klageverfahren durch
aber weiter so groß bleiben wird, ist Klagerücknahme beendet. Damit konnte
(kontakt@vso.de) oder direkt beim fraglich. Denn mehr als ein Drittel der in den letzten Wochen die Schlusszah-
Kooperationspartner, der Bundeszentrale Anhänger ist 60 Jahre und älter, die lung an die 193 anerkannten Dopingop-
für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), jungen Sportfans haben andere Interes- fer überwiesen werden. Insgesamt waren
51101 Köln (Bestellnummer 60 282 000), sen", erklärte SPORT+MARKT-Sprecher 308 Anträge beim Bundesverwaltungs-
abrufbar. Durch sein handliches Format Stephan Schroeder. amt eingereicht und bearbeitet worden.
und die sportliche Aufmachung bietet es 194 Antragssteller (63 %) wurden als
sich zur Auslage bei Veranstaltungen anspruchsberechtigt anerkannt und
ebenso an, wie als Blickfänger in Arzt-
praxen oder öffentlichen Einrichtungen.
Großes Interesse an erhielten vor der Schlusszahlung drei
Abschlagszahlungen. 108 Antragsteller

In dem vom Sporthilfe-Vorsitzenden


Schulkampagne zur (35 %) mussten abgelehnt werden und 6
Antragsteller (2 %) zogen ihren Antrag
Hans Wilhelm Gäb 1998 gegründeten
VSO werben mehr als vierzig Olympiasie-
Fußball-WM zurück. Aus den insgesamt zur Verfü-
gung stehenden 2,025 Millionen Euro
ger und Weltmeister für die Organspende konnten jedem anerkannten Dopingopfer
rund 10.400 Euro ausbezahlt werden.
und führen einen Spenderausweis. Gäb
ist selber lebertransplantiert. Sein engster
Mitarbeiter ist Hartwig Gauder. Dem
A uf unerwartet großes Interesse stößt
die Schulkampagne zur FIFA WM
2006 in Deutschland. Unter dem Motto
"Sportlerinnen und Sportler aus der
ehemaligen DDR haben teilweise erhebli-
früheren Olympiasieger im Gehen wurde "Talente 2006 - Die FIFA WM in der che Gesundheitsschäden durch staatli-
das Leben durch eine Herztransplantati- Schule" liegen rund tausend Bewerbun- ches Zwangsdoping in der DDR erlitten.
on gerettet. Doch immer noch sterben gen von Schulen aus zahlreichen Ländern Eine Entschädigung für deren seelisches
jedes Jahr in Deutschland mehr als vor. Die Schülerinnen und Schüler sind und körperliches Leiden ist kaum mög-
tausend Menschen, die wegen Organ- aufgefordert, ein Projekt in fünf soge- lich. Die Unterstützung aus dem Doping-
mangels nicht transplantiert werden nannten Kreativ-Kategorien zum Thema opfer-Hilfefonds der Bundesregierung
können. Auf den Wartelisten für ein "Die Welt zu Gast bei Freunden" vorzule- soll aus humanitären und sozialen
lebensrettendes Organ stehen rund gen. Es winken attraktive Preise, darunter Gründen einen kleinen Ausgleich für das
12.000 Kranke, darunter Hunderte von ein Auftritt beim großen Talente-Festival Leid schaffen", erklärte Bundesinnenmi-
Kindern. am 10. und 11. Mai 2006 rund um das nister Otto Schily.
Berliner Olympiastadion: "Das rege

OF-MOS AIK 5
W
enn man vom "Geist" des Sports spricht, meint der Sport ist angewiesen darauf und soll beitragen zu einer
man die Bereitschaft zum Fair Play, zur Chancen- Kultur der Gewaltlosigkeit und der Ehrfurcht vor dem Leben.
gleichheit, zur Wahrhaftigkeit. Der Sport hat zwar
eigene Regeln, aber er braucht keine besondere Ethik, keine Ein Zweites: Wir alle, die wir den Sport lieben, wissen, was
Sonderethik. Der Sport braucht sich nur an die allgemeinen das bedeuten kann: Ein Spiel, ein Wettkampf, ein Wettrennen
ethischen Grundsätze zu halten, die für alle Bereiche des wird gewonnen durch Korruption, bewusste Täuschung, durch
Lebens, auch für den Sport, gelten. In einer Gesellschaft wie eine falsche Entscheidung des Schiedsrichters oder die Partei-
der unsrigen verstehen sie sich vielfach nicht mehr von lichkeit der Jury, durch irgendeine Form von Ungerechtigkeit.
selbst. Sie müssen wieder neu zum Bewusstsein gebracht Hier ist der uralte, von allen Religionen vertretene universale
werden, angefangen in Familie und Schule. Imperativ der Menschlichkeit in Anschlag zu bringen: Nicht
stehlen, betrügen, bestechen, korrumpieren. Oder positiv:
Dabei braucht ja nun das Rad des Ethos wahrhaftig nicht neu Handle gerecht und fair! Auch der Sport ist angewiesen
erfunden zu werden. Man braucht sich in der Tat nur auf die darauf und soll beitragen zu einer Kultur der Solidarität und
uralten Zeugnisse, Gebote und Regeln zu besinnen, die sich einer gerechten Weltordnung.
faktisch seit der Menschwerdung des Menschen aus dem
Tierreich in der Menschheit langsam durchgesetzt haben und Ein Drittes: Wir alle, die wir den Sport lieben, wissen sofort,
die am Sinai unter die Autorität des einen Gottes Israels und was gemeint ist, wenn gesagt wird: er/sie hat jemanden um
auch der Christen und Muslime gestellt wurden. Gebote und den Sieg betrogen - etwa durch Doping, durch unfaires
Regeln, die aber auch von den anderen großen Religionen Verschaffen von Vorteilen, durch Verweigerung der Chancen-
und Philosophien vertreten werden. Ja, es gibt tatsächlich gleichheit,
globale ethische Regeln, die für Europa und Amerika so gut durch Verlet-
gelten wie für Japan, China und Indien. Dies ist wichtig für zen beim
eine Zeit, die eine noch nie dagewesene Globalisierung des Spiel, durch
Sports und in erster Linie des Fußballs erfahren hat, so dass irgendeine
heute auch die kleinsten Nationen der Erde zumindest über Art von
eine Fußball-Nationalmannschaft verfügen wollen. Ohne sie Unredlich-
würde kein UEFA-Cup oder Champions League, keine Welt- keit. Wichtig
meisterschaft und keine Olympiade stattfinden können. ist da der
uralte, von
Das heißt nun aber grundsätzlich: Der globale Sport braucht allen Reli-
ein globales Ethos, der Weltsport braucht ein Weltethos. Dies gionen
ist nicht eine neue Ideologie, nicht eine neue Religion, gar vertretene
Einheitsreligion. Nein, das gemeinsame Menschheitsethos universale
besteht aus einigen seit Jahrtausenden geltenden, elementa- Imperativ
ren ethischen Regeln, ohne die eine Gesellschaft, ein Staat, der Mensch-
ein Unternehmen, eine Schulklasse und eben auch ein Fuß- lichkeit:
ballspiel nicht fair funktionieren kann. Nicht lügen,
täuschen,
Ein Erstes: Wir alle, die wir den Sport lieben, erschrecken fälschen,
immer wieder über das Ausmaß an Gewalt, das der Sport manipulie-
freisetzen oder auf sich ziehen kann. Auf dem Spielfeld wird ren. Oder
der Gegner oft genug zum Feind, den es mit allen Mitteln zu positiv: Rede und handle wahrhaftig! Auch der Sport ist
bekämpfen gilt. Einsatz von Gewalt verletzt oft die körperli- angewiesen darauf und soll beitragen zu einer Kultur der
che Integrität des Mitspielers. Sportliche Großveranstaltungen Wahrhaftigkeit, in der jeder Mensch ein Recht hat auf Wahr-
ziehen gewaltbereite Gruppen auf sich. Das Ausmaß an heit und Wahrhaftigkeit.
verbaler und körperlicher Aggression reißt Abgründe auf.
Gegner werden provoziert, diffamiert. Fans werden gewalttä- Ein Viertes: Wie lange hat es gedauert, dass im Sport wirkli-
tig gegeneinander oder gar gegen die Spieler. Fremdenfeindli- che Geschlechtergleichheit herrschte. In manchen Sportarten
che Aggressionen toben sich aus. Es ist daher ein uralter, von ist sie schon vollkommener verwirklicht als in anderen. Wie
allen Religionen und natürlich auch vom Christentum vertre- sehr haben Frauen um gleiche Chancen kämpfen müssen. Wie
tener universaler Imperativ der Menschlichkeit in Erinnerung sehr haben sie in bestimmten Sportarten Verachtung, Gering-
zu rufen: Du sollst nicht töten, nicht verletzen, quälen, fol- schätzung auf sich gezogen. Wie wenig wurden sie in ihrem
tern. Vielmehr positiv: Hab Ehrfurcht vor dem Leben! Auch sportlichen Leistungsvermögen ernst genommen. Hier muss

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dem universalen, von allen Religionen heute vertretenen Seite besteht aus etwas anderem, das genauso zur Wirklich-
Imperativ Respekt verschafft werden: Das andere Geschlecht keit gehört: Anstacheln von Chauvinismus, nationalistische
nicht verachten, missbrauchen, erniedrigen, entwürdigen, Überheblichkeit den anderen gegenüber, Feindbild-Produkti-
sondern positiv: Achtet und liebet einander! Auch der Sport on, "Ersatzkrieg". Statt Völkerverständigung noch mehr Völ-
soll beitragen zu einer Kultur der Gleichberechtigung und der kerstereotypen, Völkerfeindschaften. Statt Weltbürgertum
Partnerschaft von Mann und Frau. nationalistischer Größenwahn.

Letzten Endes wird es bei all diesen ethischen Werten und Aber unleugbar ist auch: Globalisierung des Sports bedeutet
Normen auf zwei Grundprinzipien eines gemeinsamen auch eine Chance. Der Sport hat eine einzigartige Chance,
Menschheitsethos hinauslaufen: Menschen vieler Nationen, Kulturen und Religionen zusam-
menzubringen. Er hat eine Nationen, Kulturen und Religionen
- Einmal das Prinzip der Humanität, der wahren Mensch- transzendierende Bedeutung. Das ist für die interkulturelle
lichkeit: Jeder Mensch - ob Mann oder Frau, jung oder alt, und interreligiöse Verständigung von großer symbolischer
weiß oder farbig, reich oder arm - soll wahrhaft mensch- Kraft. Menschen können sich dadurch auf ein Regelwerk des
lich, human und nicht inhuman oder gar bestialisch Verhaltens verständigen - unabhängig von ihren nationalen,
behandelt werden. kulturellen oder religiösen Prägungen. Sie üben mit Hilfe des
Sports Begegnung ein, Zusammenarbeit, Verständigung. Und
- Dann die Regel der Gegenseitigkeit (Reziprozität), die da es im Sport eben um mehr als nur um "Regeln" geht,
Goldene Regel: "Was Du nicht willst, das man Dir tut, das vielmehr um einen bestimmten "Geist", ist auch dies von

OF-PODIUM
Plädoyer für eine neue
Glaubwürdigkeit des Sports
Von Hans Küng, Präsident der Stiftung Weltethos

tue auch nicht den andern." - Eine Regel, die auch zwi- größter kultur- und religionspolitischer Bedeutung. Der Geist
schen verschiedenen Mannschaften, Fans und Nationen der Fairness, Chancen-gleichheit, Toleranz, Menschenwürde,
gilt. Partnerschaftlichkeit kann von Menschen gelebt werden aus
allen Kulturen und Religionen. Nicht weil sie damit ihre
Der Sport hat sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts immer Religionen und Kulturen abstreifen oder abschleifen müssten,
mehr internationalisiert, eine Entwicklung, die durchaus sondern weil sie für diese Ideale und Werte in ihren Kulturen
ambivalent zu beurteilen ist. Globalisierung des Sports bedeu- und Religionen Anhalt finden. Das ist ein Plädoyer für eine
tet Gefährdung: Nationen- und kulturenübergreifende Ver- neue Glaubwürdigkeit des Sports. Zu ihr haben alle ihren
ständigung und Zusammenarbeit ist ja nur die schöne Seite Beitrag zu leisten: die Spieler und Athleten, die Schiedsrichter,
der Medaille. Durch internationalen sportlichen Wettbewerb die Funktionäre und natürlich auch das Publikum, wir alle.
realisierte Ideale von Völkerverständigung und Weltbürger-
tum sind ja nur die Lichtseite des Phänomens. Die dunkle

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Das olympische Menschenbild
Ein antikes Ideal und seine zeitgemäße Interpretation
Von Hans Lenk

M
an hat den Menschen durch viele einzelne Wesens- körperlicher und intellektueller Fähigkeiten kann geradezu als
züge zu kennzeichnen versucht. Er wurde gleichzei- eine Alternative oder als Ergänzung zum außenorientierten
tig aufgefasst als der Werkzeuge benutzende, der Begriff des technologischen Menschen verstanden werden.
denkende, der handelnde, der sprachfähige, der arbeitende,
der schöpferische oder Mängel ausgleichende Mensch u.a. - Unter dem Gesichtspunkt des olympischen Menschenbildes,
Insbesondere im Sport versteht man ihn als Homo ludens, das sich natürlich vorrangig auf den Sport bezieht, gibt es ein
competens und movens, d.h. als den spielenden, wettkämp- Merkmal, das bisher nicht genügend diskutiert worden ist. Der
fenden und sich bewegenden Menschen. Ein antikes Ideal ist Mensch ist nicht nur das handelnde, sondern auch das leis-
dabei noch nicht erwähnt worden: jenes, das hier im Zentrum tende Wesen. Eigene Leistung, schöpferische persönliche
steht, nämlich das Bild des homerisch-olympischen Menschen. Handlung, die unter gewissen Qualitäts- und Gütemaßstäben
Dieses Menschenbild der Selbststeigerung, Selbstvervollkomm- bewertet wird, sind ideale Züge, die das Bild vom handelnden
nung und der Orientierung an selbsterbrachten Leistungen Wesen weiter verfeinern. "Eigenhandlung" und "Eigenleistung"
und Leistungssteigerungen in der Konkurrenz natürlich- spielen für die Charakterisierung des Menschen eine mitent-
scheidende Rolle.

Eigenleistung
kann verstanden
werden als kreati-
ves nach außen
wirkendes Eigen-
handeln. Leistung
ist kein bloßes
Naturphänomen -
trotz natürlicher
Grundlage -,
sondern zugleich
physische, psycho-
physische, sozial-
kulturelle, ja,
geistige und
symbolische
Tätigkeit bzw.
Errungenschaft
und besitzt gerade
wegen seines
Handlungscharak-
ters eine besonde-
re soziale und

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pädagogische Bedeutung - selbst und besonders auch dann, ferischen, spielenden, handelnden, leistenden und sich bewe-
wenn es sich um eine symbolische Leistung handelt. Auf das genden Menschen notwendig miteinander verbunden, ja,
Eigenhandeln kommt es an. Eigenleistung ist und bleibt Aus- verschiedene Seiten ein und derselben Charakterisierung.
druck persönlicher Handlungsfreiheit, der Kreativität, des Schöpferisches und sinnvolles Leben ist stets persönliche
Selbstverständnisses und der Selbstentwicklung. Das "Prinzip Aktivität, Handlung und Leistung.
Eigenhandeln" ist eine - von pädagogischen Theorien sowie
philosophisch immer noch nicht genügend berücksichtigte - Das sportliche Handeln und Leisten ist natürlich ein ausge-
entscheidende Bedingung der Selbstverwirklichung und des zeichnetes Beispiel, Träger und Medium engagierten aktiven
Selbstverständnisses. Es gewinnt besondere Aktualität in einer Lebens in diesem ursprünglichen Sinne des Eigenhandelns und
Welt, die immer mehr zu einer verwalteten wird, durch Über- Eigenleistens. Neben dem künstlerischen und geistigen Schaf-
macht der Institutionen bestimmt. fen ist es in einer Welt von vorherrschenden und alles beherr-
schenden Institutionen und bildlichen Darstellungen fast nur
Bereiche, in denen das kreative Eigenhandeln besonders der aktive Sport, der im eigentlichen psychophysischen Sinne
gepflegt und entwickelt wird, gewinnen in unserer Welt noch wirkliche Handlung geblieben ist. Sportliches Handeln
tendenziell erheblich an Bedeutung - wie etwa künstlerische und Leisten kann nicht delegiert, stellvertretend abgeleistet,
und sportliche Aktivitäten. Dies gilt umso mehr, als unsere vorgetäuscht oder erschlichen werden. In diesem Sinne ist die
Welt nicht nur allzu sehr eine verwaltete geworden ist. normale sportliche Leistung Resultat persönlicher Bemühung
Sondern auch die durch Bild-, Ton- und Schriftkonserven und persönlichen Einsatzes. Sie ist idealerweise eine echte und
vermittelte Informationsberieselung und passiver Konsum ehrliche Leistung, eine Handlung, die zu einer angemessenen
scheinen das Eigenhandeln immer mehr zu ersetzen. Die Wertung führt. Sporthandlungen und -leistungen erfordern
Mechanismen der Mediatisierung, Kodifizierung, Vorfabrizie- persönlichen Einsatz, manchmal - besonders im Bereich von
rung neigen dazu, vereint mit denen der verwalteten Welt, Spitzenleistungen - eine fast totale Hingabe. Gerade auch bei
das Eigenhandeln in letzte Nischen zurückzudrängen: Eigen- sportlichen Leistungen ist es nicht mit rein körperlichen
handeln scheint nur noch Freizeithobby zu bleiben. Im soge- Prozessen getan, sondern es handelt sich stets um psycho-
nannten Ernstbereich des Lebens "funktioniert" der sprich- physische. Die sportliche Leistung erfordert auch besonders
wörtlich gemeine Mensch nur noch, hier (eigen)handelt er hohen personalen und psychischen Einsatz, mentale Vorberei-
nicht mehr. Dieses Bild ist sicherlich überzogen, doch enthält tung (mentales Training!), "geistige" Vorbereitung und Verar-
es nicht ein Moment der Wahrheit? Mensch sein heißt beitung.
kreativ sein: Homo creator - somit heißt kreativ sein: Eigen-
handeln und
Eigenleistung
pflegen. Homo
performator - ein
Ideal des authen-
tisch selber han-
delnden Men-
schen, das nicht
verloren gehen
darf. Es macht
gerade ein Kern-
element auch des
olympischen
Menschenbildes
aus. Wenn Leben
im emphatischen
Sinne persönli-
ches, authenti-
sches oder gar
schöpferisches
Handeln, Leisten
und aktives
Durchführen ist,
so sind die Leit-
bilder vom schöp-

9
Darüber hinaus ist das olympische Menschenbild - wie Cou- Der Sport, betonte Coubertin immer wieder, leiste neben der
bertin nicht müde wurde zu wiederholen - nicht auf die physischen auch eine "moralische und geistige Erziehung".
körperliche Leistung beschränkt, sondern soll sich auf andere Coubertin versteht in diesem Sinne die olympische Idee als
Leistungsqualifikationen beziehen: "Die Qualifikation stellt eine Idee der vielseitigen Leistungs- und Einsatzelite auf
sich unter mehrfachem Blickwinkel dar", schrieb Coubertin Grund gleicher Ausgangsposition. Egalitäre, gleiche Bedingun-
1910, "sie kann technisch, ethnisch, sozial, moralisch sein." gen sind wesentlich. Erst dann kann das von Pater Didon
Coubertins olympische Idee richtet sich auf ein allgemeines stammende Motto "Citius, altius, fortius!" ("Schneller, höher,
Bildungsideal, auf das Programm einer sportlichen Erziehung, stärker oder tapferer") Ausdruck einer im obigen Sinne ver-
das sich nur "der Materie Sport" bedient, um "körperliche, standenen Eigenleistung sein.
geistige und sittliche Fähigkeiten" zu steigern. Sport sei ein
ideales Mittel, sich selbst zu prüfen und einzuschätzen, "sich Schließlich ist Eigenleistung ein Symbol der sich selber
selbst zu kennen, zu führen und zu überwinden", sich selbst bestimmenden und profilierenden Persönlichkeit: Selbstüber-
zu erziehen, und sich selbst bewusst zu verbessern oder zu windung, das Bewusstsein, eine schwierige Aufgabe geschafft
vervollkommnen. Die olympische Idee ist somit ein Keim zu haben, vermittelt das Gefühl einer besonderen Handlungs-
praktischer Lebensphilosophie zur charakterlichen Erziehung. freiheit, eben weil man sich einer selbstgewählten Aufgabe
verschrieben, diese eigenständig durchgeführt und
durchgehalten oder ein achtbares Ergebnis erzielt
hat. So mag eine sportliche Eigenleistung das
Erlebnis eigener Handlungsfreiheit aktualisieren.
Zwar gibt es besonders im organisierten Wett-
kampf-Spitzensport Gefahren und Fälle der Mani-
pulation, der Entfremdung und des Zwangs durch
Funktionäre, autoritäre Trainer oder öffentlichen
Erwartungsdruck. Aber dies sind zweifellos Ver-
fallserscheinungen, die nicht das eigentliche
beispielhafte Erleben des Athleten und die ideale
Struktur der freien und freiwilligen Sporthandlung
charakterisieren. Letztlich kann nur jemand sich
einem außergewöhnlich anstrengenden Trainings-
programm widmen und außerordentliche oder
selbst nur relative, persönliche Bestleistungen
erzielen, wenn er sich freiwillig mit dem Ziel, der
Aufgabe und der Tätigkeit identifiziert. Man kann
jemanden zum Marschieren zwingen, aber nicht
zum Aufstellen eines Weltrekords.

Peleus gab seinem Sohn Achilles den Spruch mit


auf den Weg: "stets der Beste zu sein und die
anderen zu übertreffen!" (Homer: Ilias VI, 205; XI,
794). Diese konkurrenz-orientierte Auffassung der
Leistung, die von dem Love-Story-Autor und
Marathonläufer Segal der "Achilleskomplex" der
griechischen Kultur genannt wurde, ist charakteris-
tisch für das olympische Verständnis von Leistun-
gen. Die olympische Idee ist daher durch ein
besonderes Leistungsprinzip gekennzeichnet,
nämlich das der Wettkampfleistung auf Spitzenni-
veau. Das olympische Menschenbild ist das des
eigenleistenden Wesens auf höchstem Niveau.

Doch selbst in der Olympischen Bewegung soll


diese rigorose Orientierung am Besten und am
Sieger relativiert werden durch Coubertins wohl-
bekanntes Schlagwort: "Das Wichtigste in den

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Olympischen Spielen ist nicht, zu gewinnen, sondern teilzu- haben." Das wird gerade heute in der Medien- und Publicity-
nehmen." Erzieherisch gesprochen, im Sinne der pädagogi- Gesellschaft viel zu wenig beachtet.
schen Deutung der Olympischen Idee, ist es in der Tat wich-
tiger als zu siegen, unter höchstem Einsatz seine beste Diese Olympische Idee hat zwar wie erwähnt ihre internatio-
persönliche Leistung zu erringen, um etwa an den Olympi- nale Anziehungskraft in verschiedenen Kulturen bewiesen; sie
schen Spielen teilnehmen zu können. Die förderlichen Wir- ist verallgemeinerbar und wichtig für alle Erziehung zum
kungen und Einflüsse eines langjährigen intensiven sportli- engagierten, aktiven Leisten und Leben unter hohem Gütean-
chen Trainings und der Hochleistungsmotivation können spruch. Sie wird diese Ziele aber besonders heutzutage kaum
durchaus von jemandem erreicht werden, der schließlich völlig von inhumanen Überspitzungen und Übertreibungen
nicht die goldene oder überhaupt eine Medaille gewinnt. Oft sowie von manipulativen (pharmakologischen oder psycholo-
und besonders heutzutage ist es auch geradezu eine beson- gischen), politischen und kommerziellen Verzerrungen ver-
dere Herausforderung an Charakter und Erziehung, den schonen können. Der Wettkampf- und Leistungsgedanke, die
verführerischen Versprechungen und Verlockungen nach Idee einer sportlichen Leistungselite, die Chancengleichheit,
einem olympischen Sieg zu widerstehen, besonders für junge der Fairplay-Wert, das Verbot jeglicher Diskriminierung nach
noch unreife, noch nicht ausreichend "mündige" Athleten. Rasse, Klasse, Nation, Konfession und Kultur sowie die Idee,
Der Olympiasieger hat sozusagen erst noch einen persönli- Sportler verschiedener Sparten zusammen-zuführen - all diese
chen Reifetest zu bestehen angesichts trügerischer Publizität Ziele kombinieren sich mit dem Wunsch, sie in einem festli-
und verlockender Angebote, die ihn aber vom eigentlichen chen Rahmen, dem der Olympischen Spiele, alle vier Jahre
Weg abzulenken, abzuziehen drohen. Pythagoras soll sogar zum Ausdruck zu bringen, und mit dem Ziel der Unabhängig-
gemeint haben, es sei (erzieherisch) sehr wichtig, in den keit des Sports, der Spiele, der Olympischen Komitees und der
großen Spielen wie in Olympia zu kämpfen, teilzunehmen, Sportler selbst zu einem Komplex, den man "Olympische Idee"
aber es sei auch wichtig, dort nicht zu gewinnen! Der Sieg nennen kann.
würde nur den Neid bei Freunden erregen und beim Sieger
"Arroganz" erzeugen. Schon damals waren auch die Verfüh- Das Menschenbild vom eigenleistenden Wesen gibt dieser Idee
rungen für Sieger zu groß... einen olympisch-erzieherischen Akzent - ebenso wie die
Verallgemeinerung der Leistungsbereitschaft auf andere,
Der olympische Athlet ist in der Tat ein hervorragendes Bei- nicht-sportliche Handlungsfelder. So kann das olympische
spiel, idealerweise ein Vorbild des eigenleistenden Menschen Menschenbild als des auf höchstem Niveau eigenleistenden
auf Spitzenniveau. Die Olympische Idee mit ihrer Idee der Wesens auf andere Lebensbereiche ausstrahlen. OF

wettkampforientierten Höchstleistung, wie sie in dem olympi-


schen "Citius, altius, fortius" und in dem Worte Homers
zugleich zum
Ausdruck kommt -
verkörpert sich im
Ideal des olympi-
schen Athleten.
Sein Bestes gege-
ben zu haben, sich
vollständig einge-
setzt zu haben,
gut und fair
gekämpft zu
haben - das ist
der Kern der
Olympischen Idee.
Coubertin selbst
übertrug dies
schon 1908 auf
das Leben allge-
mein: "Das Wich-
tige im Leben ist
nicht, gesiegt zu
haben, sondern
gut gekämpft zu

11
Olympische Charta
Die "Bibel" der Bewegung muss sich an der
olympischen Wirklichkeit messen lassen
Von Stefan Volknant

Ein langer Weg in die Gegenwart


A
ls Pierre de Coubertin am 23. Juli 1894 in der Pariser
Sorbonne seine Idee von der Wiedereinführung der
Olympischen Spiele vortrug, konnte der französische
Baron nicht ahnen, was aus seiner Vision werden würde. Im 78 Delegierte aus nur neun Ländern fanden sich am 23. Juni
August 2004, als das Ereignis 108 Jahre nach den ersten Spielen 1894 auf Initiative Pierre de Coubertins in Paris zusammen
der Neuzeit und über 1600 Jahre nach dem Ende der antiken und verabschiedeten eine Sieben-Punkte-Erklärung. Sie
Spiele nach Griechenland zurückkehrte, war sie die größte bekundeten, die Olympischen Spiele in moderner Form wie-
Veranstaltung der Welt. deraufleben lassen und die Teilnahme im Wesentlichen auf
Amateure und wünschenswerte Sportarten beschränken zu
"Das würde Coubertin freuen", meint Prof. Dr. Norbert Müller, wollen. Ein Vier-Jahres-Rhythmus wurde festgeschrieben und
im Juli 2005 zu Beginn der 45. Session an der Internationalen die Spiele der ersten und zweiten Olympiade nach Athen bzw.
Olympischen Akademie (IOA) mit dem Athen-Preis geehrtes Paris vergeben. Der kurze Text dieser Erklärung, die zusam-
persönliches Mitglied des NOK und Coubertin-Forscher an der men mit einer aus acht Punkten bestehenden Amateurdefini-
Universität Mainz über den Gründervater der Olympischen tion und den Namen der ersten 13 Mitglieder des IOC einen
Spiele der Neuzeit. Coubertin habe, so vermutete Prof. Müller Monat später in der ersten Ausgabe des Bulletin du Comité
im Umfeld der Athener Spiele, allerdings nicht vorausgesehen, International des Jeux Olympiques veröffentlicht wurde,
dass seine Idee so ausufere, und er würde sich im "olympischen bildete die erste Handlungs- und Rechtsgrundlage der Olym-
Gebäude" heute vermutlich nicht mehr zurechtfinden. pischen Bewegung.

Das "olympische Gebäude", so wie wir es heute antreffen und Wie Prof. Dr. Christoph Vedder und Prof. Dr. Manfred Lämmer
das mit so beeindruckenden Zahlen zu imponieren weiß, wurde in einer deutschen Übersetzung der Charta im Jahr 2001
anhand von Bauplänen errichtet, deren Fortschreibung sich berichten, entwickelten sich in der Folge zunächst unter
detailliert nachvollziehen lässt. Aus ersten Protokollen resultie- maßgeblicher Einflussnahme von Pierre de Coubertin selbst
rende Skizzen wurden später unter dem Titel "Olympische Gepflogenheiten und Regeln heraus, die sowohl die Veran-
Charta" weitergeführt, die im vergangenen Jahrhundert zahlrei- staltung der Olympischen Spiele als auch die Verfahrensweise
che Veränderungen erfahren hat. innerhalb des IOC steuerten. Zunächst nur in Statuten und
Bestimmungen festgehalten, kam es 1908 zum ersten Mal zur
Nicht allein für die aktuelle Fusionsdebatte zwischen DSB und Veröffentlichung einer Schrift, die die Ziele der Olympischen
NOK, sondern auch bei der Diskussion um die Weiterentwick- Bewegung, das Wahlverfahren und die Abhaltung von Sitzun-
lung des Olympischen Programms während der 117. IOC- gen knapp umriss. Sie trug den Titel eines Reglements.
Session im August 2005 in Singapur oder bei den Entscheidun-
gen zur Wahl der Olympiastadt 2012 stand sie im Zentrum der Nach einer Reihe von Behelfsdrucken erschien nach der 22.
Erörterung. Die Olympische Charta ist das insgesamt wohl am IOC-Session 1923 in Rom erstmals ein Heft, das den Titel
meisten nachgefragte Dokument der Olympischen Bewegung. Charta der Olympischen Spiele enthielt und sowohl die

12
Grundsätze der Veranstaltung als auch die Rolle der NOK's die Geschichte des Sports der letzten 100 Jahre wider", urtei-
definierte. Doch erst die Festlegungen aus dem Jahr 1924 len Prof. Dr. Manfred Lämmer und Dr. Christoph Vedder.
gelten, so Vedder und Lämmer, 30 Jahre nach dem Pariser
Gründungskongress als erster Versuch des IOC, alle die Olym- Heute umfasst die Olympische Charta die fünf Kapitel "Die
pische Bewegung und die Olympischen Spiele betreffenden Olympische Bewegung", "Das Internationale Olympische
Beschlüsse und Gepflogenheiten systematisch zusammenzu- Komitee", "Die Internationalen Fachverbände", "Die Nationa-
fassen. Sie erteilen verbindliche Vorgaben an internationale len Olympischen Komitees" und "Die Olympischen Spiele". Auf
Sportverbände und Organisationskomitees, beschäftigen sich den 109 Seiten der zuletzt am 1. September 2004 neu aufge-
mit Programm und Ablauf der Spiele. Mit ihnen beginnt die legten Charta (http://multimedia.olympic.org/pdf/en_report_
eigentliche Geschichte des olympischen Regelwerks, das 122.pdf) werden insgesamt 61 Regeln sowie zahlreiche Aus-
heute als Olympische Charta bezeichnet wird. In den kom- führungsbestimmungen dargestellt. Das ausführlichste Kapi-
menden Jahrzehnten wurde die Charta beständig weiterent- tel widmet sich auf mehr als 40 Seiten den Olympischen
wickelt, in verschiedene Sprachen übersetzt und unter ver- Spielen. Hierbei geht es u.a. um die Wahl der Bewerberstadt,
schiedenen Titeln herausgegeben. die Zuständigkeiten bei der Organisation der Spiele, die
Anforderungen an Olympisches Dorf, Kulturprogramm, Anti-
Bis heute ist sie ein vielschichtiges Dokument mit vielseitigem Doping-Programm, Olympisches Programm, Jugendlager,
Anspruch geblieben. Nicht zuletzt ist sie auch ein Dokument Medien sowie Fragen des Protokolls.
der Zeitgeschichte des Sports. Die Aufnahme neuer Sportar-
ten in das olympische Programm, die technische Entwicklung, Im Kapitel vier wird Rolle und Aufgabe der NOK's ausführlich
die Rolle der Politik, die Möglichkeiten der Manipulation und dargestellt. Im Zusammenhang mit der geplanten Fusion der
die steigende Bedeutung der Medien führten in immer kürze- beiden Dachverbände DSB und NOK war hier zuletzt Regel 29
ren Abständen zu Veränderungen und Ergänzungen. So samt Ausführungsbestimmungen Gegenstand der Diskussion.
wurde u.a. 1989 ein systematischer Neuentwurf vorgelegt Um Fragen der Anerkennung geht es auch im Kapitel drei -
und 1990 verabschiedet. Doch auch in den folgenden Jahren Internationale Fachverbände. Aufgaben und Zuständigkeiten
wurden weiter wichtige Änderungen verfügt. Zuletzt haben sind Gegenstand der Kapitel eins und zwei, in denen es um
die seit 1997 aufgedeckten Unregelmäßigkeiten und Unzu- die Grundlagen der Olympischen Bewegung und das Interna-
länglichkeiten im IOC einen tief greifenden Reformprozess tionale Olympische Komitee geht.
ausgelöst.
Sportwissenschaftler wie etwa Prof. Dr. Sven Güldenpfennig
Er hat neben personellen Konsequenzen auch zu gravieren- (Aachen) und Generationen von Sportstudentinnen und
den Änderungen der Olympischen Charta geführt. Sie betref- Sportstudenten haben das Dokument als Schlüsseltext der
fen u.a. die Schaffung einer Ethik-Kommission, eines Verhal- Olympischen Bewegung analysiert. Nicht selten wurde es
tenskodex und die Einführung von Sanktionen für IOC- dabei heftiger Kritik unterzogen, die sich auf systematische,
Mitglieder, den Ausschluss von IOC-Mitgliedern von der inhaltliche, sprachliche, fachliche, juristische, sportpolitische
Stimmabgabe in besonderen, die Unabhängigkeit tangieren- und kulturtheoretische Sachverhalte bezog. Die Olympische
den Situationen, die Neuorganisation der Wahl der Gastge- Charta muss sich in erster Linie an der olympischen Wirklich-
berstädte, die Funktion der Koordinierungsstädte, die Erset- keit messen lassen und umgekehrt die Olympische Bewegung
zung des
Medical Code
durch den
Anti-Doping
Code, die
Errichtung
eines und
Unterwer-
fung unter
einen Court
of Arbitrati-
on for Sport.
"In der
Entwicklung
der olympi-
schen Regeln
spiegelt sich

13
und die Olympischen Spiele an den Aussagen der Olympi- Prof. Dr. Helmut Digel als die eigentlich strukturbestimmenden
schen Charta. Merkmale des olympischen Sports erkannt hat.

Das "olympische Gebäude", das auf der Basis der Olympi- Coubertins Vorstellungen waren einst von Prinzipien geprägt.
schen Charta konstruiert wurde, hat zuletzt in Athen Milliar- Es ging ihm um Bildung und Vervollkommnung, um das Ideal
den von Fernsehzuschauern begeistert. Die Bewerber für des Amateurismus, um die Bindung des Sports an ethische
künftige Spiele stehen Schlange. Olympia hat den Kalten Regeln und um die Friedensidee. Und auch dass es Widersprü-
Krieg, Terror, Boykotte, Doping- oder Bestechungsskandale che zwischen Realität und Idealität gibt, wusste Coubertin
überstanden. Die Kraft seiner in der Olympischen Charta vermutlich schon. Die Berufung auf hohe Werte und edle Ziele
geregelten Symbolik mit dem Einmarsch der Nationen, den kann auch der Bemäntelung von Fehlentwicklungen oder der
fünf Ringen, der olympischen Fahne oder dem Fackellauf und Durchsetzung von handfesten Interessen dienen: Nicht nur im
dem olympischen Eid erwies sich als stärker. Heute stehen der IOC aber auch dort. Kritikern erscheinen manche der in der
Kampf gegen Gigantismus und für Nachhaltigkeit, die zuneh- Charta festgehaltenen Normen und Werte deshalb als wirklich-
mende Verrechtlichung oder Kommerzialisierung des Sports keitsfern. Längst wissen wir, dass nicht nur Sportler gegen
auf der Agenda. Auch das dokumentiert die Olympische ethische Regeln verstoßen, sondern auch Funktionäre und
Charta. Die Tatsache, dass sich die Olympischen Spiele der Schiedsrichter. Und selbst die obersten Olympier haben es mit
Neuzeit trotz Rückschlägen und Krisen bislang behauptet der olympischen Moral, wie wir nicht erst seit dem Korrupti-
haben, spricht für die Großartigkeit ihrer Idee und zumindest onsskandal wissen, nicht immer besonders genau genommen.
nicht gegen die regelnde Kraft dieses Dokuments, das oft zu Rechtfertigt es diese Erkenntnis, sich von den Grundsätzen,
Unrecht mit der Charta der Vereinten Nationen verglichen von der Mission und der Rolle, die die Olympische Bewegung
wurde. einnimmt und wie sie die Charta in ihren fundamentalen
Prinzipien als Präambel darstellt, zu verabschieden?

Die Charta als Ausdruck dessen, was Es fällt schwer, eine empirische Basis dafür zu erkennen. Eher

olympisch sein kann und darf liegt die umgekehrte Schlussfolgerung nahe. Die Olympischen
Spiele und der olympische Sport werden eine Zukunft haben,
die vom IOC auch weiterhin über die Olympische Charta
Die Olympische Charta und deren Werte mag heute nur noch gesteuert wird. Dabei kann der olympische Sport eine kulturelle
einen Teil der Realität des olympischen Sports abbilden. Bereicherung sein und natürlich auch das Gegenteil. "Die
Umfangreiche Vertragswerke, Sideletter, Durchführungsbestim- Athletik kann die edelsten wie die niedrigsten Leidenschaften
mungen, Codices, Manuals, Handbücher etc. sind an ihre Seite ins Spiel bringen, sie kann Uneigennützigkeit und Ehrgefühl
getreten, um sie zu entlasten, um Dinge gemäß der heutigen genauso entwickeln wie Geldgier, sie kann ritterlich oder
geschäftlichen Gepflogenheiten und des gesellschaftlichen verderbt, männlich oder roh sein. Schließlich kann man sie
Protokolls zu regeln. Allein die Vorbereitungsliteratur und die genauso gut verwenden, den Frieden zu festigen wie Krieg
für die Entsendung der Olympiamannschaften relevanten vorzubereiten", wusste Coubertin bereits 1894. Aufgabe und
Dokumente füllen ganze Bibliotheken. Und natürlich gibt es Herausforderung der Olympischen Bewegung bleibt es deshalb
auch eine olympische Wirklichkeit fernab der Regularien, die bis heute, die Olympische Charta zu gestalten und zu leben.
Olympische Entwicklung ist kein unausweichli-
ches Schicksal, sondern ein Ergebnis der sport-
politischen und organisatorischen Gestaltung.
Sie an die Regeln, Normen und Werte der Olym-
pischen Charta zu binden, hat sich als keine
schlechte Lösung erwiesen.

So ist es letztlich die kontinuierliche Weiterent-


wicklung der Charta, die im Interesse des olym-
pischen Sports liegt. Denn: nur ein leistungsstar-
ker, sympathischer, ausstrahlender, fairer,
dopingfreier und nachhaltiger olympischer
Spitzensport rechtfertigt öffentliche Anerken-
nung und Unterstützung. Von einer überzeugen-
den Charta profitiert der olympische Sport
deshalb nicht zuletzt im Interesse seiner Selbst-
erhaltung. OF

14
Die D
ie Gründung dieses Internationalen Olympia-Forums
in Frankfurt zeugt von Weitsicht der Organisatoren.
Der Austausch von Ideen und Meinungen zwischen
verschiedenen Sparten der Wissenschaft und der Gesellschaft
ist essentiell. Der Sport und die olympische Bewegung können

erzieherischen
nicht isoliert handeln. Wir brauchen den Meinungsaustausch,
damit wir uns immer wieder die richtigen Fragen stellen.
Diesen Fragen stellen wir uns auch hier in der historischen
Frankfurter Paulskirche, der "Wiege der deutschen Demokra-
tie".

Werte des
Wo steht der Sport zu Beginn dieses neuen Jahrtausends, und
welche Bedeutung kommt einer der Kernaussagen der Olym-
pischen Charta - "für eine friedlichere und bessere Welt" - zu?
Niemand wird bestreiten, dass der Sport in der heutigen
Gesellschaft eine sehr wichtige Rolle spielt. Vier Erfolgsfakto-

Sports müssen
ren tragen dazu bei: Volkssport und Spitzensport sind heute
populärer denn je. 850 Millionen Menschen treiben in 202
Ländern Sport. Allein in der Europäischen Union gibt es über
700.000 Sportvereine. Die Zuschauerzahlen wie beispielsweise
bei den letzten Olympischen Spielen in Athen, die weltweit

wieder die
täglich von 3,9 Milliarden Menschen verfolgt wurden, steigen
exponentiell.

Zwei Prozent des Bruttoinlandsproduktes in den Industrielän-


dern entfallen auf den Sport. Der Sport kann auf große finan-
zielle Unterstützung zählen, namentlich die Einnahmen aus

Oberhand
Fernsehrechten und von Top-Sponsoren. Der Sport kann auch
auf die Unterstützung der Regierungen zählen. Ohne solide
gesetzliche Grundlagen ließe sich der Sport in den einzelnen
Ländern nicht fördern und könnte den Auswüchsen in einigen
Bereichen nicht Einhalt geboten werden. Dies sind aus meiner

gewinnen
Sicht die Erfolgsfaktoren des Sports. Es gäbe aber kein schlim-
meres Versäumnis, als in Selbstzufriedenheit zu verfallen. Der
Sport muss sich wichtigen Herausforderungen stellen. Das
Internationale Olympische Komitee scheut sich nicht davor.

Als Grundproblem möchte ich eine Aussage in den Mittel-


punkt meiner Ausführungen stellen: "Wenn der Sport an
seinen Preis denkt, verliert er seine Werte." Diese Aussage gilt
sowohl für das Individuum als auch für die Gesellschaft. Um
Von IOC-Präsident jeden Preis gewinnen zu wollen führt unweigerlich auf Irrwe-
ge. Um jeden Preis das meiste aus seinem Sport herausholen
Jacques Rogge zu wollen birgt Gefahren. Um jeden Preis das Prestige eines
Sieges auszunützen schadet dem Sport. In der Vergangenheit
wie auch heute widersteht der Sport diesen Versuchungen
nicht immer. Ich will es gerne eingestehen, es ist nicht einfach,
Als Hauptredner des ersten "Internationalen Olympia-Forums" hat dagegen anzukämpfen, und es gibt schon gar nicht ein Wun-
Jacques Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen derrezept dafür. Wir können und müssen uns aber auf die
Komitees (IOC), am 27. September 2005 in der Frankfurter Pauls- Grundwerte des Sports besinnen und uns gemeinsam für
kirche über die Stellung des Sports in der modernen Gesellschaft einen humanistischen Sport, gestützt auf wahre Werte, einset-
gesprochen. Bei der vom Nationalen Olympischen Komitee für zen. Die erzieherischen Werte des Sports müssen wieder die
Deutschland und dem Deutschen Olympischen Institut ausgerich- Oberhand gewinnen.
teten Veranstaltung sagte Rogge unter anderem:

16
Wo liegen die größten Gefahren für den Sport? Die Liste ist und Athleten aus allen Ländern der Welt wird die Teilnahme
lang: Doping, Gewalt, Rassismus, Korruption, Gesundheits- an den Spielen ermöglicht. Das IOC unterstützt durch die
schäden, Entwürdigung, Egoismus und neuerdings auch "Olympic Solidarity" jährlich mit vielen Millionen Euro die
Sportsöldner. Wie können wir dagegen ankämpfen? Nehmen Sportbewegungen in aufstrebenden Ländern. Dies ist ein
wir Doping als Beispiel. Während der Winterspiele in Salt Lake materieller Beitrag für eine friedlichere und bessere Welt.
City 2002 haben wir mehr Dopingsünder gestellt als je zuvor Basisarbeit zur Friedensförderung ist aber vor allem die Wei-
in der Geschichte aller tergabe von Werten. Der
Winterspiele zusammen. Sport ist eine ideale
Jede Überführung eines Plattform, um die
Dopingsünders betrach- Jugend für Werte wie
te ich als einen Erfolg. Fair Play, Toleranz und
Wir haben heute präzise Respekt zu sensibilisie-
Regeln, einen Anti- ren. Spitzenathleten
Doping-Kodex, und auch kommt dabei eine
die nötigen Instrumente, wichtige Vorbildfunktion
wie etwa die Welt-Anti- zu. Und was im Sport
Doping-Agentur, um gilt, gilt auch im Leben
diese durchzusetzen. oder im Verhältnis
Wie beim Doping muss zwischen den Staaten.
auch in den anderen
Bereichen nach demsel- Auch wenn ihr Wert vor
ben Modell vorgegangen allem symbolisch ist,
werden: klare Regeln trägt die "Olympische
und die dazu benötigten Waffenruhe", basierend
Mittel, um sie durchzu- auf den Spielen der
setzen. So hat das IOC Antike, ihren Teil zur
einen Ethikkodex aufge- Friedenssensibilisierung
stellt, der für seine bei. Die Teilnahme aller
Mitglieder, alle Nationa- Balkanstaaten an den
len Olympischen Komi- Spielen 1992 in Barcelo-
tees und auch die na, das gemeinsame
Internationalen Sport- Auftreten von Süd- und
verbände, verbindlich ist. Nordkorea an den
Eine unabhängige Eröffnungsfeiern von
Kommission wacht mit Sydney und Athen, sind
Argusaugen über mögli- Beispiele dafür. Gefah-
che Verfehlungen, die dann auch geahndet werden. Dieses ren wie dem Terrorismus, wie leider schon 1972 während der
Rezept kann und Muss in allen genannten Fällen umgesetzt Spiele in München erlebt, sind und bleiben wir dennoch
werden, damit wir die Verstöße in den Griff bekommen. weiterhin ausgesetzt. Der Sicherheit gilt deshalb unsere obers-
te Priorität bei den Spielen. Das IOC nimmt auch seine soziale
Ohne irgend etwas beschönigen zu wollen, stelle ich dennoch Verantwortung wahr. Es unterstützt in Zusammenarbeit mit
fest, dass gerade die Olympischen Spiele in mehreren Berei- dem Internationalen Paralympischen Komitee den Behinder-
chen als Vorbild gelten können. Gewalt und Rassismus haben tensport; arbeitet mit UN-Organisationen in humanitären
die olympischen Stadien nicht erreicht. Das Fest der Jugend ist Aktionen zusammen und kämpft gemeinsam mit UN Aids
bisher immer ein Fest geblieben und hat seinen völkerverbin- gegen die Verbreitung des HI-Virus. Alle Olympiabewerbungen
denden Charakter beibehalten. Der Sport kann und muss zur werden heute auch nach klaren Richtlinien auf ihre wirt-
Verminderung von Problemen wie der Armut, dem sozialen schaftliche, soziale und umweltschonende Nachhaltigkeit
Gefälle zwischen Nord und Süd, der Benachteiligung von geprüft. Der Sport und die Olympische Bewegung werden
Frauen oder der Diskrepanz zwischen Spitzensport und Volks- auch in Zukunft erfolgreich bleiben, wenn wir all diese
sport seinen Beitrag leisten. In den Industrieländern drohen Herausforderungen annehmen und vor allem die soziale wie
mit der Konkurrenz anderer Freizeitbeschäftigungen - Stich- auch die erzieherische Rolle des Sports, verkörpert durch die
wort Internet und Game-boy - der Bewegungsmangel und die olympischen Werte, in den Vordergrund rücken. Und vergessen
damit verbundene Tendenz zum Übergewicht bei Jugendli- wir nicht: Die Olympischen Spiele bleiben weiterhin der Traum
chen. Die Olympische Bewegung ist heute universeller denn je, aller Sportler. OF

17
Wo Ying ist, da ist auch Yang
China vor den Spielen in Peking:
Entwicklungsland und sportliche
Großmacht zugleich
Von Helmut Digel

18
Z
urückhaltung und Bescheidenheit, das scheinen heraus- wurde für die Spiele von Peking im Jahr 2008 der dritte Platz
ragende Merkmale der chinesischen Mentalität zu sein. in der Goldmedaillienwertung vorgegeben. In 14 bis 16
So werden zumindest aus europäischer Sicht Chinesin- Sportarten soll China den Platz eins bis drei erreichen, und in
nen und Chinesen häufig gekennzeichnet. Begegnet man 22 bis 26 Sportarten muss das Finale angestrebt werden.
chinesischen Athletinnen und Athleten, chinesischen Trainern 1997 begann die jüngste Phase, jene Phase, in der wir uns
und Trainerinnen sowie den Verantwortlichen des chinesischen derzeit befinden und die von den Chinesen selbst als "Phase
Sports, so scheinen diese Merkmale auch den chinesischen der Konstruktion" bezeichnet wird. Man könnte sie aber auch
Sport zu kennzeichnen. Olympische Ehren zu gewinnen, das die Phase des Erfolges nennen. 1997 wurde dabei zur ersten
haben sie sich vorgenommen, als vorbildliche Gastgeber der nationalen Spitzensportkonferenz eingeladen, und unter der
Olympischen Spiele im Jahr 2008. Doch wo Ying ist, da ist Führung der Generalverwaltung wurde das Ziel für Peking
auch Yang, und längst gehören zur chinesischen Sportharmo- 2008 noch etwas genauer präzisiert. 15 Goldmedaillen sind
nie auch das Erfolgsbewusstsein, die Selbstsicherheit und vor demnach zu gewinnen. Um dies zu erreichen, sind 20 neue
allem klare Zielvorstellungen. Hochleistungszentren zu gründen, und das sportartspezifi-
sche Management in den olympischen Sportarten ist grund-
Wer heute die Verantwortlichen des chinesischen Sports trifft, legend zu verbessern. Vor allem geht es um eine Reform der
dem wird ein Sportsystem offenbart, das sich durch eine Sportverwaltung.
nachvollziehbare Geschichte, durch eine herausfordernde
Gegenwart und durch eine sorgfältig projizierte Zukunft Die Verbände erhalten sehr viel mehr Freiheiten bei gleichzei-
auszeichnet. Die eigentliche Geschichte des modernen Hoch- tig neuen ökonomischen Möglichkeiten. Für die weniger
leistungssports in China beginnt mit dem Jahr 1979, als sich erfolgreichen Sportarten werden spezifische Unterstützungs-
das neue und moderne China abzeichnete, die Kulturrevoluti- programme aufgelegt, und die zentralistische Steuerung der
on als beendet erklärt war und die kommunistische Partei sich Provinzen wird optimiert, um auf diese Weise sehr viel stärker
zu einem Hochleistungssport bekannte, der der nationalen auf die Ressourcen zurückzugreifen, die diesbezüglich in den
Repräsentation dienen sollte, der darüber hinaus aber auch Provinzen Chinas existieren. Die Olympischen Spiele von
einen wichtigen Beitrag zur Öffnung und internationalen Athen wurden dabei dezidiert als Vorbereitung der Olympi-
Verständigung zu leisten hatte. Die erste Phase ihrer Sportent- schen Spiele im Jahr 2008 definiert. Man war bemüht, alle
wicklung bezeichnen die Chinesen selbst als "Phase der Explo- olympischen Disziplinen zu beschicken. Jungen Athletinnen
ration". Es war die Zeit der ersten Versuche. Viel Optimismus und Athleten sollte dabei die Chance gegeben werden, sich in
war dabei zu beobachten, aber nicht weniger häufig kam es der internationalen Konkurrenz zu bewähren, Erfahrung zu
zu Verwirrungen, und mancher Irrweg war dabei die Folge. sammeln, um auf diese Weise bestens vorbereitet zu sein als
Gastgeber der Olympischen Spiele im Jahr 2008. Für die
Zur Exploration gehörte vor allem die Beobachtung erfolgrei- Vorbereitung der olympischen Erfolge bedarf es dabei der
cher Nationen und der vorsichtige Aufbau eigener Trainings- gezielten Expertise. Wissenschaftliche Experten aus allen
und Wettkampfstrukturen. Erfolge waren in dieser Zeit die Ländern werden dabei hospitiert, teilweise werden ausländi-
Ausnahme. Die ökonomische Entwicklung konnte noch keine sche Trainer für einzelne olympische Disziplinen unter Vertrag
ausreichende Basis für das gesellschaftspolitisch angestrebte genommen.
Hochleistungssystem gewähren. Diese Phase reichte bis zu
den Olympischen Spielen in Seoul. Nachdem man 1988 bei Im Büro der internationalen Kommunikation wird sorgfältig
den Spielen von Seoul nur fünf Goldmedaillen erreichen die Entwicklung der Spitzensportnationen der Welt beobach-
konnte, wurde die zweite Phase, die "Phase der Orientierung", tet, um auf diese Weise über die Qualität und Quantität der
wie sie offiziell bezeichnet wurde und die bis Athen 2004 sportlichen Höchstleistungen in den konkurrierenden Natio-
reichen sollte, eingeläutet. 1992 wurde dabei von Prof. Tian, nen informiert zu sein. Eine besondere Initiative gilt den
einem der wichtigen Chefdenker des chinesischen Sports, der Ballsportarten. Sie sind besonders populär bei der chinesi-
"Winning Olympic Honour"-Plan entworfen. 1993 erhielt schen Bevölkerung, und es wird deshalb angestrebt, zumin-
dieser Plan eine gesetzliche Grundlage und 1994 wurde er dest in einigen der olympischen Ballsportarten Medaillen zu
vom Parlament verabschiedet. Ziel dieses Plans war die Errich- erringen. Gleichzeitig bedarf es aber auch des Erhalts der
tung eines Multisportsystems auf der Grundlage neuer sport- früheren olympischen Erfolge. Deshalb werden die Erfolgsga-
ökonomischer Verhältnisse. Die Generalverwaltung für Sport ranten Gerätturnen, Badminton und Tischtennis privilegiert
zeichnete für die Reform verantwortlich; es sollte dabei vor gefördert. Sechs Prinzipien, die zur Entwicklung sportlicher
allem das Missverhältnis zwischen sportlicher und ökonomi- Höchstleistung im olympischen Sport zu beachten sind,
scher Entwicklung ausgeglichen werden. haben dabei im Alltag des chinesischen Hochleistungssports
eine herausragende Bedeutung. Athleten, Trainer und die
In diesem Plan wurden aber auch zum ersten Mal klare Ziele verantwortlichen Funktionäre wissen zum einen, dass ein
für die Olympischen Spiele der Zukunft gesteckt, und es Erfolg im Hochleistungsport nur über hartes Training erreich-

19
bar ist. Nicht weniger bedeutsam ist das zweite Prinzip: auf die sportlichen Höchstleistungen umfassend begleitet
Erfolg im Hochleistungssport basiert auf langjähriger Erfah- und überwacht. Das Nationale Institut für Sportwissenschaft
rung. Deshalb sind sportliche Erfolge mit Konsequenz und spielt dabei eine entscheidende Rolle. Dessen biomechani-
mit der Bereitschaft zum langen Atem anzustreben. sche, sportmedizinische, trainingswissenschaftliche, physio-
therapeutische Beratungs- und Serviceleistungen sind bei-
Wie in keiner Sportnation der Welt sind sich die Beteiligten spielhaft.
im chinesischen Hochleistungssport drittens bewusst, dass
olympische Spitzenleistungen nur durch die Unterstützung Gewiss gibt es in China auch Probleme, gewiss gibt es auch
der Wissenschaften und der Technologie erreicht werden manche Fehlentwicklung, und gewiss gibt es auch olympi-
können und dass es darauf ankommt, die geeigneten Techno- sche Disziplinen, bei denen die Vorbereitung nicht so gelingt,
logien so zu optimieren, dass der Athlet bei seiner sportlichen wie sie planmäßig definiert ist. Auch in China gibt es
Höchstleistung in angemessener Weise unterstützt werden Schiedsrichterskandale, auch Wettprobleme sind zu beobach-
kann. Typisch für das Gesellschaftssystem Chinas ist das ten, die Vereinsgründungen im Fußball kommen nicht so
vierte Prinzip. Traditionelles Denken muss im Hochleistungs- schnell voran, wie sie sich der Verband wünschen würde, und
sport ständig in Frage gestellt werden. Der Hochleistungs- in manchen Profivereinen fehlt es an ausreichenden Nach-
sport ist auf ständige Modernisierung angewiesen, Bewährtes wuchsstrukturen. Auch im Tischtennis sind viele gute Spieler
kann sich nur über Reflexion bewähren. Das fünfte Prinzip auf Auslandseinsätze angewiesen, weil die nationalen Sport-
selbst ist ein derart reflexives Prinzip, es handelt von der strukturen sich nur teilweise als tragfähig erweisen. Trotz
Tatsache, dass das Hochleistungssportpotenzial in der chine- aller neuen ökonomischen Errungenschaften, trotz enormer
sischen Gesellschaft systematisch erkundet werden muss. Der Gewinnmöglichkeiten für die Athletinnen und Athleten bei
Generationenvertrag ist einzuhalten, die Suche nach den sportlichen Erfolgen, trotz höchster Prämien durch die Kom-
Talenten muss täglich stattfinden. Schließlich und sechstens munen, Provinzen und den Staat gibt es nach wie vor erheb-
ist der chinesische Hochleistungssport der olympischen Idee liche ökonomische Engpässe.
der Globalisierung verpflichtet. Deshalb muss die Globalisie-
rung der olympischen Idee in ganz China gefördert werden. Gerade in Bezug auf den Sport in den Provinzen muss
erkannt werden, dass China Entwicklungsland ist, dass China
Wer in diesen Tagen chinesische Athletinnen und Athleten ein Schwellenland ist, in dem die soziale Lage in vielen Pro-
mit ihren Trainern im Wettkampf und im Training beobachtet, vinzen kritisch und die Lebensverhältnisse der großen Mehr-
der kann erkennen, wie grundlegend für das chinesische heit der Bevölkerung durch Mangel und Armut geprägt sind.
Hochleistungssportsystem diese Prinzipien sind. Der chinesi- Der Hochleistungssport ist jedoch gerade angesichts dieser
sche Hochleistungssport befindet sich ohne Zweifel in einer Situation ein beispielloses Angebot zum sozialen Aufstieg für
Phase des "Take off". Nachdem die Infrastrukturen auf eine Kinder und Jugendliche, und die erfolgreichen Hochleistungs-
nahezu einmalige Weise geschaffen wurden und es nun in sportler wie Hürdenolympiasieger Jai Xiang oder der mehrfa-
allen Provinzen Trainings- und Wettkampfstätten gibt, wer- che Olympiasieger im Kunstturnen, Li Xiao Shuang, sind mit
den überall Athleten von gut ausgebildeten Trainern trainiert ihrem erreichten Wohlstand und ihrer herausragenden Rolle
und über eine zentralistische Steuerung in ihrer Vorbereitung in der chinesischen Gesellschaft willkommene Modelle und
Vorbilder.

Wie in keinem anderen Land der Welt sind die Kinder und
Jugendlichen bereit, sich einem harten Training zu unterwer-
fen, unter Bedingungen zu trainieren, wie sie insbesondere
in Europa schon längst nicht mehr anzutreffen sind und
Strapazen und Belastungen auf sich zu nehmen, wie sie in
Wohlstandsgesellschaften nicht mehr gefordert werden
können. Der Erfolg des chinesischen Hochleistungssports ist
deshalb wohl kaum aufzuhalten. Die Olympischen Spiele in
Peking im Jahre 2008 werden diesbezüglich eine eindrucks-
volle Demonstration sein. Wie kaum jemals zuvor wird es zu
einer Auseinandersetzung der drei größten Mächte der Welt
kommen. USA und Russland werden bemüht sein, ihre Füh-
rungsposition zu halten. Doch Vieles spricht dafür, dass
China die eigentliche Großmacht des olympischen Sports
werden wird. OF

20
Wenn es um die Seele der
Spitzensportler geht
Von Stephan Brust

F
ür viele war es ein ganz normaler Sonntag - ein nor- Dietmar Ness ist einer dieser Experten. Seit 1993 Sportmentor,
maler Sonntag im August. Doch für sie war er ein zunächst ehrenamtlich, seit 1998 hauptamtlich. Der dreifache
besonderer Sonntag. Und enorm wichtig: Während der Familienvater aus dem Westerwald hat schon jede Menge
Olympischen Spiele in Athen traf sich ein Teil der Athleten Sport-Events erlebt. Ob die Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in
morgens im Olympischen Dorf, um zu beten. Gott nah zu Frankreich, die Olympischen Spiele 2000 in Sydney und die
sein. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit versteht sich. Denn Fußball-EM in diesem Jahr, wo er jeweils Einzelsportler betreut
nur so hatte jeder Einzelne auch die Möglichkeit, Ruhe zu hat. Oder die Leichtathletik-EM 2002 in München und die
finden, um gerade Erlebtes zu verarbeiten und neue Kraft zu Olympischen Spiele in Athen, wo er als offiziell akkreditierter
tanken für die Medaillenjagd, die noch folgen sollte. Das Sportmentor gefordert war. Um nur einige Highlights zu
Klientel: querbeet. Vom Olympiasieger bis zum Teilnehmer, nennen. Ness ist ein gefragter Mann. Ingesamt hat er Kontakt
der im unteren Drittel der Ergebnislisten auftauchte. Erfolge zu mehr als 300 Sportlern, Trainern und Funktionären ver-
spielten hier keine Rolle. Sich austauschen in der Welt, in der schiedenster Nationalitäten. Auch sonntags bei den Gottes-
nur noch Siege zählen, das Konkurrenzdenken für einen diensten im Olympischen Dorf in Athen war er hautnah dabei.
Augenblick vergessen, darauf kam es an. Und: Gott erfahren. "Ein Sportmentor müsste fester Bestandteil jeder National-
mannschaft sein", unterstreicht er, "es ist ja nicht so wie bei
Schließlich haben auch Spitzensportler eine Seele. Was nach normalen Ärzten, dass die Sportler mit irgendeiner Verletzung
außen hin oft so professionell wirkt, kann tief im Inneren zu uns kommen und nach einer Behandlung wieder nach
ganz anders aussehen. Manch einer ist unter dem gehörigen Hause gehen. Der Sportler muss ein Vertrauensverhältnis
Druck schon regelrecht in sich zusammen gebrochen. Ski- aufbauen. Das braucht Zeit."
springer Sven Hannawald gehört in Deutschland zu den
prominentesten Fällen. Wer wie er im Mittelpunkt einer
ganzen Nation stand, muss auch mental Höchstleistungen
erbringen - und gut beraten sein. Wie man sie auch bezeich- "Egal ob ich gewinne oder verliere,
nen mag oder sie sich selbst bezeichnen - Mental-Trainer,
Sportmentor, Sportpsychologe: sie werden im heutigen Sport da ist jemand für mich da"
immer bedeutender. Natürlich grasen auch auf diesem Sektor
einige schwarze Schafe, die auf den ersten Blick nur schwer Wissen Sie noch? Karl Friesen, dieser Teufelskerl zwischen den
auszumachen sind. Äußerlich professionell, innerlich kriminell. Pfosten der Eishockey-Nationalmannschaft, zig Mal Deutscher
Darauf bedacht, die Bekanntheit des Athleten für sich selbst Meister und bis zu seinem Karriere-Ende 1998 einer der
zu nutzen, Bares in die eigene Kasse fließen zu lassen, den beliebtesten Kufencracks in Deutschland. Er wurde von Bodo
Sportler nach allen Regeln der Kunst zu hintergehen. Gefähr- Sandrock, einem Freund von Dietmar Ness, über viele Jahre
lich wird es vor allem dann, wenn sich die Athleten schnell betreut und betonte immer wieder: "Es tut einfach gut zu
mit all ihren Problemen, die sie tagtäglich beschäftigen, für wissen: Da ist jemand für mich da, egal ob ich gewinne oder
den zunächst so vertraut wirkenden Berater öffnen und im verliere, ob ich gut spiele oder schlecht." Nicht im Sinne von
Endeffekt Munition gegen sich selbst liefern. Deshalb geben "Schulterklopfer, hey, alles super" (O-Ton Friesen), sondern in
Experten Sportlern den Rat: Es langsam angehen lassen. Wie enger Verbundenheit und Freundschaft, realistisch und boden-
im normalen Leben. ständig. Friesen: "Das hat mir geholfen, auf dem Eis immer
mein Bestes zu geben." Heute hat er ein Sportgeschäft in

21
Kanada, trainiert selbst eine Universitätsmannschaft und gibt - das ist der Schlüssel, um hundertprozentiges Vertrauen
genau diese Erfahrungen an die "jungen Wilden" weiter. aufbauen zu können. Nur so funktioniert die Partnerschaft.
"Das Allerwichtigste ist", unterstreicht Ness, "dass wir den
Dietmar Ness oder Bodo Sandrock sind keine Fitness-Spezialis- Athleten zeigen, dass sie als Menschen vor Gott einen großen
ten, die sich eines ausgeklügelten Trainingsprogramms bedie- Wert haben - unabhängig von einer guten oder schlechten
nen, um das Letzte aus dem Athleten herauszukitzeln. Sie sind Platzierung."
in erster Linie sympathische Charaktere, die mit ihrer Art, auf
andere Menschen zuzugehen, überzeugen. Ihre Arbeit basiert Wie sehr die mentale Beratung, der Glaube, aber auch der
auf Vertrauen. Sie sind kompetent und fördern die Leistung Austausch untereinander in der heutigen Welt des Leistungs-
ihrer Athleten. Horst Brune, ehemaliger Geschäftsführer des sports an Bedeutung gewonnen haben, dokumentieren unter
Volleyball-Spitzenclubs Bayer Wuppertal, der lange mit Diet- anderem so genannte Bibelkreise. Extra für Spitzensportler.
mar Ness im Europapokal zusammenarbeitete, sagt: "Dietmar "Hier suchen wir nicht nur die Verbindung zu Gott, hier kann
kann sehr gut mit Menschen umgehen. Er kann auch man auch alles bereden - negative und positive Momente.
geschickt auf egozentrisches Gehabe reagieren." Diese gewisse Das ist sehr wichtig für mich", erklärt beispielsweise Shelley
Einfühlsamkeit, auch im größten Stress ruhig zu bleiben, selbst Thompson, 21 Jahre alt und eine der großen Hoffnungen im
dann, wenn für den Athleten gerade die Welt zusammenbricht deutschen Frauenfußball. Obwohl die Düsseldorferin für
Vizemeister FCR Duisburg in der ver-
gangenen Bundesliga-Runde 30 Mal
das Runde im Eckigen untergebracht
und dabei mit elf Toren in drei Spielen
einen neuen Bundesliga-Rekord aufge-
stellt hatte, wurde sie von Tina Theune-
Meyer nicht zur Europameisterschaft
nach England mitgenommen. Ein
schwerer Schlag in jungen Jahren.
Gerade nach einer solch erfolgreichen
Saison. Doch die gebürtige Rheinlände-
rin, die zurzeit in Düsseldorf Medien-
und Kulturwissenschaften studiert,
kann damit umgehen. Weil sie positiv
denkt und sagt: "Ich weiß: Alles im
Leben ist für etwas gut. Auch diese
Erfahrung." Ihr Geheimnis ist ihr Glau-
be, die Nähe zu Gott. "Mein Glaube gibt
mir Kraft." So hat sie mit 21 schon
gelernt, wie man Rückschläge verkraftet
- und parallel dazu, wie man trotz
sportlichem Höhenflug auf dem Teppich
bleibt.

Apropos Rückschläge. Das Szenario


schreckt jeden Sportler ab. Vier Jahre
lang hartes Training, Tag für Tag. Endlich
wird der Traum "Olympische Spiele"
wahr und dann: Verletzung wenige
Stunden vor dem Wettkampf. In einer
Allerweltssituation im Olympischen Dorf
umgeknickt, von einer auf die andere
Sekunde alles verloren, den Traum
ausgeträumt. Und wer ist da? Je nach
Bekanntheitsgrad eine Meldung oder
mehr in der Presse, das war´s. Die beglei-
tenden Trainer haben just in dem
Moment nicht die Zeit, sich intensiv um

22
den ausgefallenen Athleten zu kümmern. Sie sind verantwort- ten des Sports. Vom Profifußball bis zum so beliebten Pferde-
lich für das ganze Team, müssen sehen, dass die anderen in der rennen der Briten. Einer der bekanntesten "Sportseelsorger"
Mannschaft ihre Leistung abrufen. Und werden am Erfolg auf der Insel ist John Boyers, der die Premiere-League-Kicker
gemessen. Ob und wie der verletzte Athlet dieses Erlebnis von Manchester United betreut. Er sorgte unter anderem auch
verarbeitet, ist zunächst sekundär. "Von diesen Fällen hatte ich dafür, dass Ness als einer von 28 offiziell akkreditierten Seel-
in Athen gleich zwei kurz hintereinander", erinnert sich Ness. sorgern weltweit im Olympischen Dorf in Athen arbeiten
Zwei junge Sportlerinnen, die unter Tränen verzweifelt jeman- durfte. Ein erfahrener, einflussreicher Mann, der im Grunde
den suchten, um sich den Frust von der Seele zu reden, mit aber genauso wie seine Kollegen eines stets in den Mittel-
dieser Situation einigermaßen klarzukommen. "Wenn man sich punkt seiner Arbeit stellt: Menschlichkeit.
verletzt oder eine sportliche Durststrecke erlebt, gibt es viel
weniger Menschen, die den Kontakt zu dir suchen", bestätigt Dazu passt auch die Geschichte von Ralf Schumann, dreifa-
der ehemalige Fußballprofi Jens Rasiejewski (unter anderem cher Olympiasieger mit der Schnellfeuerpistole, die er kürzlich
Eintracht Frankfurt, Hannover 96, FC St. Pauli). "In diesen in der aktuellen Ausgabe der Deutschen Schützenzeitung
Phasen ist es unheimlich wichtig, jemanden zu haben, der sich erzählt hat. Nach seinem Triumph in Athen lernte er bei
gerade dann um dich bemüht." seinem Auftritt in der Talkshow "Beckmann" auf der Aida den
früheren Weltklasseturner Andreas Wecker kennen. Eine
Begegnung, die sein Leben veränderte, wie er sagt. "Andreas

Idealvorstellung: Zusammenspiel von Wecker hat mir geholfen, zu Jesus zu kommen." Wecker
öffnete Schumann die Augen, nachdem der schon in den

Sportmentor und Sportpsychologe Monaten zuvor einige merkwürdige Dinge erlebt hatte. Im
Gespräch mit Wecker stellte sich heraus: Es war eine Offenba-
rung. "Ich weiß, dass sich das alles anhört, als würde ich
Dietmar Ness´ Idealvorstellung: ein Athlet oder eine Mann- übertreiben, aber genau so ist es gewesen." Mehr als drei
schaft profitieren vom Zusammenspiel eines Sportmentoren Monate vor den Spielen habe er gesehen, dass er Olympiasie-
und eines Sportpsychologen. "Denn es ist doch klar", sagt ger werden würde. "Es lief ein Film vor meinen Augen ab. Ich
Ness, "wenn ich mich als Mentor mit dem Psychologen gut habe die Siegerehrung gesehen. Es ist in Athen alles genau so
verstehe und ein Athlet mit einem Problem zu mir kommt, das gewesen, wie ich es vorher gesehen habe, in jedem Detail." Als
eher auf ein Krankheitsbild hindeutet, geht der Sportler mit Andreas Wecker dann den Bezug zu Gott, Jesus und dem
Sicherheit nach meiner Empfehlung schneller auf den Psycho- Heiligen Geist hergestellt habe, "hat es Klick gemacht", so
logen zu als ohne diese Vertrauensbrücke." So kann dem Schumann. Seitdem habe sich seine gesamte Lebensqualität
Athleten schneller geholfen werden. Ness sieht Sportmentoren "verbessert". "Es geht nicht nur um das Gewinnen", macht
eher als "begleitende Ratgeber". "Wir können nur bis zu einer Schumann abschließend deutlich, "es geht ums Leben. Es gibt
gewissen Grenze beraten", sagt er. Wenn diese überschritten einfach etwas, das stärker ist." OF

ist, sprich, der Athlet psy-


chisch krank erscheint,
kommt der Psychologe mit
seinen speziellen Kenntnissen
und Therapiemethoden ins
Spiel. Eines sei aber ganz
wichtig: "Ich darf als Mentor
nie den Fehler machen, alles
für den Athleten leisten zu
wollen. Ich muss ein profes-
sioneller Partner sein und je
nach Bedürfnis kompetente
Personen vermitteln, um
sicherzustellen, dass dem
Athleten auch optimal
geholfen wird", stellt Ness
heraus.

England arbeitet seit Jahren


schon vorbildlich, was Men-
toring angeht. In allen Spar-
Shelley Thompson

23
Kienbaum gestern,
heute und morgen:
Deutschlands Bundesleistungszentrum
Nummer eins
Von Hansjürgen Wille

oldmedaillen statt Granaten. Einst Sägewerk, später Zeit besitzt: "Zehn Spitzenverbände haben sie zu ihrem Trai-

G Munitionsfabrik, nach dem Zweiten Weltkrieg dann


Kaderschmiede des DDR-Hochleistungssports und jetzt
Deutschlands Bundesleistungszentrum Nummer eins. Kien-
ningszentrum erkoren, was ein bemerkenswerter Fakt ist." Ob
aus Dortmund oder Chemnitz, vom Königssee in Bayern oder
von der Insel Rügen, gern kommen die Athleten und Athletin-
baum, gestern und heute, wie die einzelnen Etappen unter- nen ins Bundessleistungszentrum nach Kienbaum, das sich in
schiedlicher kaum ausfallen können. Eine gute halbe Auto- den letzten anderthalb Jahrzehnten zum allgemeinen Treff-
stunde östlich von Berlin befindet sich in einem 60 Hektar punkt des deutschen Spitzensports entwickelt hat.
großen Waldstück und direkt am Liebenberger See gelegen
jene Trainingsstätte, die von Leichtathleten und Kanuten, Kein Wunder auch, denn die Ausstattung der Anlage lässt sich
Turnern und Volleyballern gleichermaßen geschätzt und schlichtweg als ideal bezeichnen. Sowohl die Unterkunfts- als
gelobt wird. So manch eine Olympiasiegerin und so manch ein auch die Lehrräume sind in der jüngsten Vergangenheit auf
Weltmeister holte sich hier die Kondition, Kraft, Ausdauer und den neuesten Stand gebracht worden, gleiches gilt für die
Schnelligkeit für den großen Erfolg. vielfältigen Trainingsmöglichkeiten, die allen Anforderungen
genügen und den modernsten Voraussetzungen entsprechen.
Anlässlich des Jubiläums "50 Jahre Weltklasse in Kienbaum - Rund 41 Millionen Euro hat im letzten Jahrzehnt das Bundes-
50 Jahre Spitzensport in Kienbaum" wurde aber nicht nur in innenministerium für Investitionen und den Unterhalt beige-
Nostalgie geschwärmt und noch einmal die glorreiche Vergan- steuert. So entstanden nach und nach eine moderne Dreifel-
genheit herauf beschworen, wenngleich viele Athleten des derhalle, die sich besonders für Volleyball und Rhythmische
ehemaligen DDR-Sports die Gelegenheit zur einer freudigen Gymnastik eignet, die angeschlossene Sportmedizin mit allem
Wiedersehensfeier nutzten. Nein, Dr. Hans-Georg Moldenhau- Drum und Dran, ein neuer Kraftraum, mehrere Bungalows und
er als Vorsitzender der Trägergemeinschaft dieser Institution das Kanuzentrum. Außerdem wurden die große Mehrzweck-
unterstrich in seiner Begrüßungsrede vor vielen prominenten halle, die vor allem den Werfern zugute kommt, das Unter-
Gästen den hohen Stellenwert, den die Anlage in der Jetzt- kunftsgebäude in Kienbaum II sowie zuletzt der Küchentrakt

24
mit dem Tagungszentrum saniert, das nach einjähriger
Umbauzeit wieder seiner Bestimmung übergeben wurde. Und
zwar im Beisein von "Täve" Schur, Roland Matthes, Udo Beyer,
Marlies Göhr, Kathrin Boron oder auch Andreas Dittmer, der
als noch aktiver Kanute vor kurzem in den Vorstand der Trä-
gergemeinschaft gewählt wurde und hier die Funktion eines
Schatzmeisters übernahm.

"Für mich gibt es nichts Vergleichbares in Deutschland", erklär-


te mit berechtigtem Stolz DSB-Präsident Manfred von Richt-
hofen. "Es war allerdings nicht einfach nach der Wende, dieses
besondere Leistungszentrum für den Sport zu erhalten. Wir
mussten unendlich viel Überzeugungsarbeit leisten, denn in
Bezug auf die DDR-Vergangenheit waren viele Verantwortliche
in der Bundesrepublik, darunter auch Beamte aus dem Innen-
ministerium, der Auffassung, dass Kienbaum aus mannigfalti-
gen Gründen keine Daseinsberechtigung mehr besäße und
daher nicht mehr aufrecht erhalten werden sollte, zumal die
Dopingpraxis hier einst zum Alltag gehörte. Trotz aller Vorbe-
halte waren wir im DSB-Präsidium und im Landessportbund
Berlin, dessen Präsident ich damals war, sowie einige wichtige
Spitzenverbände anderer Auffassung und befürworteten die
Fortführung, denn die Einrichtung konnte doch schließlich
nichts für das System."

Für eine Weiterexistenz der Anlage sprachen nicht nur die


idyllische Umgebung, die absolute Ruhe und die Abgeschie-
denheit fernab von jeglichem Trubel, sondern auch die Anbin-
dung an eine Großstadt. Denn Kienbaum befindet sich unmit-
telbar vor den Toren Berlins und ist somit verkehrstechnisch
gut zu erreichen. Neben einigen bundespolitischen Hürden
gab es aber auch noch andere Hindernisse zu meistern. So die
ernsthaften Probleme mit dem Landessportbund Brandenburg
und der Landesregierung in Potsdam, die unisono der Sport-
schule Lindow den Vorzug gaben und nicht gewillt waren,
dem Aufsichtsrat von Kienbaum beizutreten geschweige denn,
sich an den notwendigen Sanierungs- beziehungsweise Unter-
haltungskosten zu beteiligen.

In mühevollen Gesprächen konnte jedoch die Sache 1995 zu


einem guten Ende geführt werden, wobei in erster Linie die
erfolgreichen Verhandlungen mit dem jeweils zuständigen
Bundesinnenminister, Kanter und Schily, die Rettung von
Kienbaum beschleunigten. Aber auch mit der Oberfinanzdirek-
tion Cottbus, die letztendlich das Sagen in der Grundstücks-
frage hatte, konnte Einigkeit erzielt werden. Inzwischen hat
der Landessportbund Brandenburg seine Vorbehalte aufgege-
ben und gehört wie Berlin und übrigens auch Nordrhein-
Westfalen dem Trägerverein an, ebenso die Verbände der
Leichtathleten, Turner, Kanuten, Volleyballer, Tischtennisspieler,
Schützen, Triathleten, Bob- und Schlittensportler sowie Behin-
dertensportler, die vor allem im Hinblick auf Großereignisse
Kienbaum gern bevorzugen.

Die Führungscrew

25
Ursprünglich befand sich auf dem waldreichen Areal am aber auch Kanuten, für die eigens ein Wasserbecken entstand,
Liebenberger See eine Sägemühle, deren Betrieb sich aller- mussten hier "unter Tage arbeiten" und ihre Einheiten absol-
dings als nicht rentabel genug erwies und schließlich einge- vieren, wobei es sich, wie der Geher Ronald Weigel erzählte,
stellt wurde. Die halb verfallenen Gebäude dienten über um einen Aufenthalt zwischen vier Stunden und zehn Tagen
mehrere Jahre hinweg den Dorfarmen als notdürftige Unter- handelte. Nur mit gewissem Widerwillen erinnert sich auch
künfte. Doch schon während des Ersten Weltkriegs, vor allem eine Birgit Fischer an jene Zeit. Übrigens war sogar daran
aber während der Hitler-Diktatur, wurden die Räume ausge- gedacht, eine unterirdische 200-m-Laufbahn zu bauen. Doch
baut, mit feuerfesten Kellern versehen, um Handgranaten dazu kam es wegen der Wende nicht mehr.
herzustellen. Nach 1945 wurde auf Anweisung der Roten
Armee die Munitionsfabrik sofort geschlossen, die Maschinen Inzwischen kam das Thema der Unterdruckkammer immer
demontiert und der Besitzer enteignet. Nach einem dreijähri- wieder einmal auf die Tagesordnung, doch die Mehrzahl der
gen Leerstand übernahm die Deutsche Wirtschaftskommission Verbände lehnte eine Reaktivierung ab, weil es heutzutage
das Anwesen und entschloss sich zum Bau eines Erholungs- einfachere und billigere Methoden des Höhetrainings gibt.
heimes, vorrangig für Künstler, Wissenschaftler und Staats- Noch im Sommer vergangenen Jahres hatten allerdings bei
funktionäre der DDR. Die Einweihung fand am 17. September einem Besuch des Bundestags-Sportausschusses mehrere
1949 statt. Vertreter aus der Leichtathletik, dem Ski- und Judosport, aber
auch vom Rudern für den Erhalt der Anlage plädiert, wollten
Doch schon bald änderten die Verantwortlichen ihre Pläne allerdings erst die Aussagen der Mediziner und Erkenntnisse
und machten 1952 aus Kienbaum eine zentrale Sport- und der Sportwissenschaftler abwarten. Die fielen jedoch mehr-
Trainingsstätte, die in den folgenden Jahren mehr und mehr heitlich negativ aus. Die große Frage heißt nun: Was wird aus
zu einer abgeschirmten Kaderschmiede des DTSB ausgebaut dem unterirdischen Komplex? Die Vorschläge reichen dabei
wurde. Vor allem, als dann Anfang der achtziger Jahre die von Abreißen über Diskokeller bis hin zu einem Museum.
geheime, in den tiefen märkischen Sand hinein gegrabene
und von außen kaum zu erkennende Unterdruckkammer Dieses Problem ist allerdings derzeit zweitrangig. Nach der
entstand, wo ein Training in Höhen von 2.500 bis 3.600 gerade erfolgten Sanierung des Essentraktes und Tagungszen-
Metern simuliert werden konnte. Langstreckler, Radfahrer, trums kommt als nächstes Projekt die Schwimmhalle an die

26
Reihe, die dringend einer Überholung bedarf. Damit dürfte In erster Linie bleibt die Anlage den Bundeskader-Athleten der
dann die erste große Sanierungs- und Umbauphase abge- Kategorien A, B, C vorbehalten, was zu zwei Dritteln auch der
schlossen sein, meint der Geschäftsführer des Bundesleis- Fall ist. Gibt es allerdings zu gewissen Zeiten freie Kapazitäten,
tungszentrums Klaus-Peter Nowack. "Die Gelder seitens des so können Seminare oder Lehrgänge von Verbänden, Institu-
BMI sind bereits genehmigt, so dass Anfang Januar mit den tionen beziehungsweise anderen Sportgruppen stattfinden.
Arbeiten begonnen werden kann, die etwa ein Jahr lang Selbstverständlich würde es das Bundesleistungszentrum auch
dauern. Ferner muss eines Tages das Hauptgebäude, für das verkraften, sollte im nächsten Jahr eine ausländische Natio-
derzeit ein neues Nutzungskonzept erarbeitet wird, saniert nalmannschaft hier vier Wochen lang ihr Quartier anlässlich
werden, ebenfalls die Leichtathletik-Anlage und die Ballspiel- der Fußball-Weltmeisterschaft aufschlagen, um sich auf die
halle in Kienbaum II sowie einige alte Pavillons." Spiele vorzubereiten. Dr. Moldenhauer, zugleich auch DSB-
und DFB-Vizepräsident, stellte erfreut fest: "Auf jeden Fall
Dass Kienbaum von den Sportlern angenommen wird, beweist wurden wir in den FIFA-Katalog aufgenommen, der den
die jährliche Auslastung von 67 Prozent. Seit 1991 kamen qualifizierten Teilnehmerländern zugesandt wurde. Allein das
insgesamt 750.000 Besucher, die immer wieder versicherten, spricht für die Güte unserer Anlage."
sich hier ausgesprochen wohl zu fühlen, weil alle Mitarbeiter,
angefangen vom Technischen Leiter Erhard Gräbert und der Die 41 Millionen Euro, die vom BMI für Investitionen und
Verwaltungsleiterin Rita Tietze bis hin zum einfachen Hand- Unterhaltskosten in den letzten acht Jahren ausgegeben
werker beziehungsweise der Servicekraft in der Küche, stets wurden, sind "gut angelegtes Geld", erklärte der Staatssekretär
bereit sind, den Gästen jeglichen Wunsch von den Lippen Dr. Göttrik Wewer bei einem Besuch und meinte dann
abzulesen. Und nicht zuletzt ein Sven Ottke, inzwischen abge- schmunzelnd weiter: "Kienbaum ist uns lieb und teuer." Die
tretener Box-Weltmeister im Supermittelgewicht, stellte fest: Anlage, die nach der Wende angestaubt, veraltet und dringend
"Hier wird man umsorgt wie bei Muttern." Die Speerwerferin sanierungsbedürftig war, ist inzwischen aufpoliert worden und
Steffi Nerius sprach sogar von ihrer "zweiten Heimat", und stellt derzeit eine wahre Perle des deutschen Sports dar.
Nadine Kleinert, die in Athen Olympiazweite im Kugelstoßen 61.474 Sportler und Sportlerinnen, die durchschnittlich Jahr
wurde, meinte, "dass die Silbermedaille ohne Kienbaum nicht für Jahr hierher kommen, können das nur bestätigen. OF

möglich gewesen wäre".

27
Athleten N
ach ihrer Gründung 1967 galt die Stiftung Deutsche
Sporthilfe lange Zeit als "Sozialwerk des deutschen
Sports". Doch ebenso wie der Spitzensport in den

Service
vergangenen knapp 40 Jahren eine rasante Entwicklung hinter
sich hat, so hat auch die Sporthilfe ihre Unterstützung von
Athleten an die gewandelten Gegebenheiten anpassen und
ausbauen müssen. Heute versteht sich die Sporthilfe eher als
leistungsorientierte "Athleten Service Gesellschaft" denn als

Gesellschaft
Sozialwerk. Doch der soziale Kern ist geblieben: Rund ein
Drittel der Fördergelder fließt in die vielschichtige soziale
Absicherung der Sportler.

Die Sporthilfe wurde als "Sozialwerk des Sports" gegründet,


um deutschen Athleten unter den Amateursportbedingungen

mit sozialem
der sechziger Jahre ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sportli-
che Höchstleistungen erreichen konnten. Denn angesichts der
Bemühungen anderer, oftmals totalitärer Staaten, ihre spit-
zensportliche Elite als außenpolitischen Nachweis nationaler
und ideologischer Überlegenheit zu nutzen und ihr deswegen

Kern
auch ein soziales Sicherungssystem zu schaffen, fürchtete
Deutschland, bei internationalen Wettkämpfen auf lange Sicht
ins Hintertreffen zu geraten. Zur Erinnerung: Die gesamtdeut-
sche Mannschaft mit den extrem erfolgreichen "Staatsama-
teuren" der DDR ging 1964 zum letzten Mal bei Olympia an
den Start.

Über Philosophie 1968 waren die bundesdeutschen Athleten auf sich gestellt.
Neben Talent und Ehrgeiz entschieden zunehmend die Trai-
ningsbedingungen der Athleten den Kampf um die Spitzen-

und Arbeitspraxis
plätze im internationalen Sport. Die soziale und gesellschaftli-
che Unterstützung der Athleten wurde in diesem Umfeld zu
einer entscheidenden Größe bei der Entwicklung sportlicher

einer Säule des


Leistungsfähigkeit. Die Zeit des voll berufstätigen Olympiasie-
gers war vorbei. Deutschland wollte beweisen, dass die Unter-
stützung und Förderung von Topleistungen im internationalen
Sport in einer demokratischen Gesellschaft auch ohne staatli-

Spitzensports
che Absicherung und in Freiwilligkeit möglich gemacht wer-
den konnte.

In der Stiftungsurkunde ist festgehalten, dass die Sporthilfe


mit dem Ziel errichtet wurde, "in ihrem Bereich einen Beitrag
zur Lösung der sozialen und gesellschaftspolitischen Probleme
Von Hans Wilhelm Gäb, des Leistungssports zu leisten". Dass dieser Beitrag später
Vorsitzender des Vorstands der einmal Größenordnungen von jährlich rund zwölf Millionen
Euro umfassen würde, hatte damals niemand geahnt. Kleine
Stiftung Deutsche Sporthilfe Einzelbeträge, die damals von den Athleten beantragt wurden,
kennzeichnen die Förderleistungen der ersten Stunde. Manfred
Germar, Gründungsmitglied des über die Fördermittel ent-
scheidenden Gutachterausschusses, erinnert sich noch an die
erste Sitzung am 29. Juli 1967: "Der erste Antrag, der behan-
delt wurde, war der des Eiskunstläufers Wolfgang Danne. Eine
Beihilfe zu den Arztkosten von 400 DM, für damalige Verhält-
nisse ein hoher Betrag, wurde einstimmig genehmigt." Weitere
Anträge behandelten Studienbeihilfen, Kostenübernahme für

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Nachhilfeunterricht, Fahrtkosten, Beschaffung leistungssport- Auch bei der Beurteilung der Förderwürdigkeit werden nach
freundlicher Arbeitsplätze, usw. Heide Ecker-Rosendahl spricht wie vor soziale Kriterien berücksichtigt - wobei seit Überarbei-
noch heute rückblickend gerne anerkennend von den "Sport- tung des Förderkonzepts nach den Olympischen Spielen von
hilfe-Steaks", die den Athleten auf die Beine
halfen.

Innerhalb der ersten fünf Jahre ihres Bestehens,


bis zu den Olympischen Spielen in München,
konnte die Sporthilfe ihre Fördermittel von
ursprünglich 77.000 DM auf insgesamt fast 10
Millionen DM steigern. Der erste Vorsitzende
Josef Neckermann sprach in Vorstandsetagen vor
und konnte die deutsche Wirtschaft für die Idee
der Sporthilfe begeistern. Er ließ sich dafür gerne
als "Bettler der Nation" bezeichnen. Neben sei-
nem herausragenden Renommee, das er sich
gleichermaßen als erfolgreicher Sportler und
Unternehmer erworben hatte, waren es die
damaligen sozialen Verhältnisse innerhalb eines
noch nicht kommerzialisierten Sports, die noch
unwichtige Rolle der elektronischen Medien als
Markt für Sponsoren und die noch nachklingen-
den Traditionen des klassischen Mäzenatentums,
welche die Erfolgsgeschichte der Sporthilfe
beeinflussten. Als Neckermann sich 1988 aus
dem Vorstand des "Sozialwerks des Sports" verab-
schiedete, wie er es gerne nannte, hatte er insge-
samt knapp 210 Millionen DM zur Förderung der
Athleten zusammen gebracht (bis heute sind es
335 Millionen Euro). Der Visionär hatte in 21
Jahren eine Förder-Institution etabliert, die aus
der deutschen Sportlandschaft nicht mehr weg-
zudenken war.

Freilich haben sich die Anforderungen an einen


Spitzensportler in den vergangenen 38 Jahren
radikal gewandelt, nicht zuletzt durch die im
Jahre 1981 vom IOC beschlossene Aufhebung des
Amateurpassus für Olympioniken. Das Span-
nungsfeld aus Medien, Sport und Wirtschaft
vernetzte sich in Folge immer stärker und gibt
heute den Rahmen vor, in dem professioneller
Spitzensport stattfindet. Auch die Fördermittel
und -maßnahmen, derer sich die Sporthilfe
bedient, um erfolgreich zu sein, mussten ständig
erweitert werden. Der Grundsatz jedoch blieb
gleich: "Die Stiftung dient ausschließlich und unmittelbar dem Sydney 2000 die leistungsbezogenen Kriterien dominieren. Die
gemeinnützigen Zweck, Sportler und Sportlerinnen, die sich Begrifflichkeit "Sozialwerk des deutschen Sports" mag zwar
auf sportliche Spitzenleistungen vorbereiten, solche erbringen noch im Kern zutreffen, als Leistungsbeschreibung für die
oder erbracht haben, zum Ausgleich für ihre Inanspruchnahme Sporthilfe war diese Aussage jedoch nicht mehr hinreichend.
durch die Gesellschaft und bei der nationalen Repräsentation Sie würde das heutige Tätigkeitsfeld der Stiftung allzu sehr
ideell und materiell durch alle dazu geeigneten Maßnahmen einengen. Die Sporthilfe bietet ihren rund 3.800 geförderten
zu fördern." So heißt es in der Verfassung der Stiftung, die den Athleten mittlerweile ein umfangreiches Dienstleistungs-Paket
Förderauftrag definiert, auch heute noch wie zu Beginn. an, das weitaus umfassender aufgestellt ist. Der soziale Kern

29
jedoch ist nach wie vor essentieller Bestandteil der modernen "Notfall-Förderung". Im kommenden Frühjahr erwartet sie
Athleten Service Gesellschaft. Zwillinge, danach aber geht es in Richtung Peking 2008
weiter.
Wie schnell tragische Ereignisse eine sportliche Karriere enden
lassen und den Athleten in eine schwierige Lebenssituation Die soziale Absicherung der geförderten Athleten gehört zu
bringen können, hat zuletzt der folgenschwere Unfall von den Kernzielen der Sporthilfe. Neben Versicherungsschutz und
Ronny Ziesmer gezeigt. In solchen Fällen hat die Stiftung individuellen Sonderhilfen, die eine unmittelbare Absicherung
Deutsche Sporthilfe in der Vergangenheit durch die Einrich- für den Ausnahmefall darstellen, spielen strukturelle Hilfen
tung von Sonderfonds für verunglückte Athleten wiederholt wie "Laufbahnberatung" oder "Duale Karriereplanung" eine
soziale Verantwortung übernommen. Die bekanntesten Sport- maßgebliche Rolle. Vielen Top-Sportlern fehlt häufig die Zeit,
hilfe-Hilfsfonds sind der Deckarm-Fonds für den 1978 verun- optimal und zielgerichtet Sport und Beruf miteinander zu
glückten Handball-Weltmeister Joachim Deckarm, der Wolfs- verbinden. Oft muss der Beruf zu Gunsten des Sports zurück-
hohl-Fonds für den querschnittsgelähmten Radfahrer Rolf- stehen. Nur die wenigsten deutschen Spitzensportler können
Dieter Wolfshohl oder jetzt aktuell der Ziesmer-Fonds für den von ihrem Sport leben, insbesondere nach der sportlichen
querschnittsgelähmten Turner Ronny Ziesmer. Die Fonds sind Karriere stehen viele vor einem "schwarzen Loch". Deshalb ist
in der Regel mit einem hohen Kapitalbetrag ausgestattet, es notwendig, gemeinsam mit den Athleten frühzeitig eine
deren Zinserlöse einen Teil der jährlich anfallenden Betreu- eigene Karriereplanung zu entwickeln, mit deren Hilfe Sport,
ungskosten tragen. Die Fonds werden gespeist von Spenden- Schule und Beruf in Einklang gebracht werden können. Neben
aktionen der Bevölkerung und mit gezielten Hilfsaktionen in "Berufsorientierungsseminaren" gehören Leistungen wie die
der sportlichen Umgebung. Verdienstausfallerstattung oder Ausbildungsbeihilfen, Inter-
natskosten oder Studienbeihilfen zu diesem Bereich, für den
Gegen die kleineren "Pannen" des Sportalltags wappnet die die Sporthilfe allein im Jahr 2004 fast drei Millionen Euro
Sporthilfe ihre Athleten durch ein umfangreiches Versiche- aufbrachte.
rungspaket. Gemeinsam mit der ARAG Versicherungs-AG
wurde ein Fürsorgepaket mit Haftpflicht-, Unfall- und Rechts- Besonders erfolgreiche Sportler haben seit über 20 Jahren
schutz-Versicherung aufgelegt, das ebenso zur "Standardaus- zusätzlich die Chance, für einen beruflichen Abschluss oder
stattung" eines jeden geförderten Athleten gehört wie eine eine Weiterqualifizierung auch nach Ende der sportlichen
spezielle Auslandsreise-Krankenversicherung bei der EUROPA Laufbahn finanzielle Unterstützung zu erhalten - über ein
Krankenvers. AG. Letztere ist eigens auf die Bedürfnisse von "Sporthilfe-Stipendium". Die sportlichen Kriterien hierfür
Sportlern abgestimmt, wie z.B. längere und häufige Auslands- liegen sehr hoch. Medaillengewinne bei Olympischen Spielen
aufenthalte bei Wettkämpfen oder Lehrgängen. Allein 400.000 und Weltmeisterschaften sind Mindestvoraussetzung. Neben
Euro wendet die Sporthilfe jährlich für Versicherungsprämien den Leistungskriterien werden die inhaltliche Antragsbegrün-
auf, um ihren Sportlern dieses Maß an Sicherheit für den Fall dung, aber auch das besondere Engagement und eine vorbild-
der Fälle bieten zu können. liche Haltung während der sportlichen Laufbahn für die
Genehmigung eines Stipendiums berücksichtigt. Derzeit
Für viele deutsche Athleten ist die Sporthilfe häufig nach wie profitieren von dieser Sondermaßnahme u.a. die Gewichthe-
vor die einzige regelmäßige Geldquelle. Auch wenn nach dem ber Oliver Caruso und Marc Huster sowie die beiden Hockey-
selbstauferlegten Subsidiaritätsprinzip unsere finanziellen "Golden-Girls" Franziska Gude und Denise Klecker.
Leistungen stets nur ergänzend wirken, so ist für viele Sportler
doch die monatliche Zuwendung eine zuverlässige und ent- Diese und ähnliche Maßnahmen bilden das Fundament, auf
scheidend wichtige finanzielle Einnahme. Um so härter trifft dem die soziale und materielle Förderung des Spitzensports in
es Athleten, die auf Grund einer besonderen beruflichen oder Deutschland aufbaut. Doch ist die Stabilität dieser Förderung
familiären Situation oder auch verletzungsbedingt die vorge- abhängig von gesellschaftspolitischen Überzeugungen in
gebenen Leistungskriterien nicht mehr erfüllen können und Wirtschaft, Politik und Bevölkerung. Wer fair erkämpfte Erfol-
dadurch ihren Kader-Status verlieren. Vielfach entfällt so die ge deutscher Athleten als Motivation für unsere Bundesrepu-
formale Voraussetzung für die Förderung. Der S-Kader (Son- blik ansieht, wer Siege bei internationalen Wettbewerben als
der-Kader) der Sporthilfe hilft. Hier können Athleten aufge- ein Teil des Gütesiegels "Made in Germany" versteht, wer die
nommen werden, bei denen das reguläre Fördersystem über- Leistungsbereitschaft tausender junger Top-Athleten als
gangsweise nicht greift. Hockeyspieler Christian Blunck, Signal und Vorbild in einer derzeit ein wenig müde wirkenden
Ruderin Kathrin Boron, Judoka Katja Gerber oder Skispringer Gesellschaft erkennt - der sollte mithelfen, die Stiftung Deut-
Jens Weißflog sind einige prominente Fälle, bei denen auf sche Sporthilfe als eine ebenso leistungsbejahende wie ver-
diese Art die sportliche Perspektive erhalten wurde. Katrin antwortungsvoll handelnde Institution unseres Landes zu
Rutschow-Stomporowski, Ruder-Olympiasiegerin von Athen, unterstützen. OF

profitiert aktuell von dieser schnellen und unbürokratischen

30
G
eld regiert die Welt. Und wenn es knapp wird wie Spenden in Höhe von 100.000 Euro zusammen. Die Stiftung
derzeit in bundesdeutschen Landen, dann heißt es Deutsche Sporthilfe, der Deutsche Sportbund und der Deut-
allenthalben in Politiker-Reden, den Gürtel enger zu sche Turner-Bund richteten ein Spendenkonto ein, auf das
schnallen. Dann wird an Gemeinsinn und Solidarität appel- bereits mehr als 300.000 Euro geflossen sind. In der Pause von
liert, weil die Kassen nun mal leer sind und es irgendwie Bundesligakämpfen der Kunstturner wurde für Ziesmer
weitergehen muss. Um so bemerkenswerter ist, dass immer gesammelt, und die Deutsche Sporthilfe und die Frankfurter
dann aus leeren Kassen noch viel herauszuholen ist, wenn die Sportpresse veranstalteten beispielsweise Benefiz-Golfturniere
Menschen bei Katastrophen - sei des die Sturmflut vor unse- für den verunglückten Turner. Die DTB-Benefiz-Gala in der
rer Haustür im Osten Deutschlands vor drei Jahren oder die Berliner Max Schmeling-Halle wurde zum Höhepunkt der
jüngste Tsunami-Tragödie in Südostasien - um Hilfe gebeten Aktion "Hilfe für Ronny Ziemer".
werden. Die Bereitschaft zu helfen ist gesamtgesellschaftlich
betrachtet auch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen vorhanden. Zum 18. Mal findet am zweiten November-Sonntag dieses
Aber konstant - Krise hin, Krise her - spielt der Sport eine Jahres der sogenannte Arque-Lauf über 33,735 Kilometer von
ganz besondere Rolle, wenn es ums Helfen geht. Schon
häufig war vom "Millionenspiel der Menschlichkeit" oder vom
"Marathon der Barmherzigkeit" die Rede. Denn so wie einer-

Der
seits gigantische Summen in schwindelerregender Höhe beim
Pokern um Fernsehrechte oder für Gehälter und Transfers
balltretender Jungunternehmer gezahlt werden, so eröffnet
sich im Bereich des Sports ein offenbar unversiegbares Spen-
denpotenzial, das von weltumspannenden Benefiz-Aktionen

barmherzige
bis hin zu Hilfsmaßnahmen in unseren mehr als 90.000
Sportvereinen jährlich Summen freisetzt, die sich im hohen
Milliardenbereich bewegen.

Der Beispiele gibt es unendlich viele. Mit einem Lauf durchs


ganze Land, mit dem er den Krebs besiegen wollte, startete im

Marathon des
Sommer 1980 der damals 22-jährige Kanadier Terry Fox. Der
junge Mann, dessen rechtes, vom Knochenkrebs befallenes
Bein amputiert worden war, lief bei seinem Marathon der
Hoffnung 5.374 Kilometer, dann musste er aufgeben. Terry Fox
starb im Juni 1981. Aber die Erinnerung an ihn lebt in den

Sports
Terry Fox-Läufen bis heute weiter. Sie haben bisher umgerech-
net schon 250 Millionen Euro für die Krebsforschung erbracht.

Mehr als 3.600 Teilnehmer starteten Ende September in Frank-


furt am Main beim "Race for the cure", einem fünf Kilometer-
Lauf rund um das Museumsufer. Mit dem Erlös soll Forschung
für die Früherkennung und Heilung von Brustkrebs betrieben
werden. Die Startgelder der von dem Verein "Komen Deutsch-
land" veranstaltenden Laufserie kommen Kliniken und Bera-
tungsstellen zugute. Im vergangenen Jahr kamen mehr als
Von Walter Mirwald
200.000 Euro zusammen. Als Botschafterin für "Komen" setzt
sich auch die ehemalige Olympiasiegerin im Weitsprung, Heike
Drechsler, ein.
Kelkheim nach Mainz statt, mit dessen Erlös die Arbeitsge-
Eine Welle der Hilfsbereitschaft erfuhr auch Ronny Ziesmer, meinschaft für Querschnittgelähmte mit Spina bifida/Rhein-
dessen Schicksal die Nation erschütterte. Wenige Wochen vor Main-Nahe e.V. - kurz Arque genannt - unterstützt wird.
dem großen Ziel, der Teilnahme an den Olympischen Spielen Initiator dieses Laufes ist der 50 Jahre alte frühere fünfmalige
2004 in Athen, verletzte sich der Kunstturner beim Abschluss- deutsche Meister auf den Mittelstrecken, Michael Lederer, der
training im Bundesleistungszentrum Kienbaum beim Sprung für den OSC Hoechst und den ASC Darmstadt startete. Lederer
so schwer, dass er vermutlich für immer vom Hals abwärts lief am Silvestermorgen 1988 von seinem Wohnort Kelkheim
gelähmt bleiben wird. Mit Aktionen im Olympiastudio von zur Mainzer Universitätsklinik, um seinen querschnittgelähmt
ARD und ZDF kamen bereits während der Spiele von Athen geborenen Sohn Matthias zu besuchen. Damit wurde der

31
Arque-Lauf aus der Taufe gehoben, an dem regelmäßig nahe- gibt der veranstaltende Verein Frankfurter Sportpresse an die
zu eintausend Sportler, die in fünf Leistungsgruppen - betreut Franz-Beckenbauer-Stiftung weiter, die unverschuldet in Not
von sogenannten Pacemakern - die Distanz absolvieren und geratenen Menschen hilft. Die Handball-Bundesliga engagier-
mit ihren Meldegeldern die Arque unterstützen. Rund 800.000 te sich mit ihren Vereinen im Kampf gegen Krebskrankheiten:
Euro sind bisher aus diesem Lauf in die Kasse der Organisation Zusammen mit der Deutschen Krebshilfe informierte die
geflossen, die mit diesen Mitteln unter anderem wichtige Handball-Szene bei allen neun Begegnungen des 4. Spieltages
medizinische Geräte angeschafft hat und betreute Wochen- vom 16. bis zum 18. September 2005 über das Thema Krebs
end- und Urlaubsreisen für junge Querschnittgelähmte finan- und sammelte Spenden. Und auch beim 4. Münster-Marathon
zierte. wurde die Deutsche Krebshilfe unterstützt. Von den Einnah-
men aus der Startgebühr der 4.000 Teilnehmer wurden jeweils
In Sulzbach im Main-Taunus-Kreis ist an einem Sonntag im 50 Cent gespendet, und es gab einen T-Shirt-Verkauf zu
Frühjahr fast der gesamte Ort auf den Beinen, um bei einem Gunsten der Krebshilfe.
Volkslauf über sechs Kilometer Geld für die Kinderkrebsstation
der Frankfurter Universitätsklinik zu sammeln. Eine Kinderärz- Unzählige Beispiele könnten noch angeführt werden. Überall
tin hatte die Idee, der Bürgermeister übernahm die Schirmer- in unserem Land wird der Sport im allerbesten Sinne zur Hilfe
herrschaft, Schulen, Kindergärten, Vereine und Sponsoren für den Nächsten genutzt. Im kleinen Verein ebenso wie bei
sorgen für die Verpflegung. Fallschirmspringer kommen zum den großen Stiftungen, deren Namensgeber Max Schmeling,
Finale als Attraktion vom Himmel. Der frühere Leiter der Boris Becker, Michael Stich oder Sepp Herberger sind. Aber
Kinderkrebsstation, Prof. Dr. Bernhard Kornhuber, ist Stamm- auch über die Landesgrenzen hinaus wird dem Sport und
gast und hilft bei der Amerikanischen Versteigerung Geld durch Sport geholfen. DSB-Präsident Manfred von Richthofen
einsammeln, und sein Nachfolger, Prof. Dr. Thomas Klingebiel, hatte anlässlich seines 70. Geburtstages im März 2004 statt
läuft selbst mit. In elf Jahren kamen in der 8.600-Seelenge- Geschenke um Spenden für den Aufbau des Sports im
meinde rund 180.000 Euro für die krebskranken Kinder zusam- geschundenen Afghanistan gebeten. 20.000 Euro kamen
men. Ein Dorf steht Kopf für die gute Sache. Und der Motor zusammen, mit dem der Entwicklungshelfer Holger Obermann
ist der Sport. 60 Kilometer von der Hauptstadt Kabul entfernt ein Sportzen-
trum, den Manfred von Richthofen-Play-Ground, errichten
In der Frankfurter Alten Oper feiern 2.800 Gäste in jedem ließ.
Herbst den Deutschen Sportpresseball. Den Erlös der Tombola

32
Häufig stehen weniger bekannte Sportler aber auch bei Spen- Es wurde ein Verein "Zukunft für Johannes Hablik" gegründet,
denaktionen im Schatten der prominenteren Leidensgenossen. der auch die Spenden aus Sulzbach einsetzt, um das mit zu
Während der einstige Nationalmannschaftsturner Ronny finanzieren, was Krankenkasse und Versicherung nicht zahlen.
Ziesmer vom Bundeskanzler empfangen und auf Grund seines So wurde mit den Spendengeldern ein elektrischer Rollstuhl
unbändigen Lebenswillens als Vorkämpfer von knapp 200.000 und ein behindertengerechtes Auto mit finanziert. Der Spen-
Querschnittgelähmten in Deutschland zum Medienstar den-Eintreiber Klaus Beyer befürchtet aber, dass Johannes
geworden ist, droht das schwere Schicksal des 24 Jahre alten Hablik, der, assistiert von seiner Schwester Christina, trotz
Turners Johannes Hablik aus Neutsch bei Darmstadt in Verges- allem sein Sportstudium an der TH Darmstadt fortführt, in
senheit zu geraten. Hablik war am 3. November 2002 bei einer Hessen vergessen wird. Deshalb will er die Spendenaktion mit
Bodenübung während eines Landesliga-Wettkampfes so Volldampf fortsetzen. Bei nahezu allen Wettkampfveranstal-
schwer gestürzt, dass er für immer vom Hals abwärts gelähmt tungen des Hessischen Turnverbandes bauen Klaus und Dorit
sein wird. Johannes Hablik hat drei Jahre nach dem Unfall Beyer ihren Benefiz-Verkaufsstand auf. Der Terminplan ist
nach wie vor große Probleme - sowohl gesundheitlicher als prall gefüllt.
auch finanzieller Art. Aber er kann auf Freunde bauen, die für
ihn kämpfen und mit außergewöhnlichem Engagement Geld Sportlerinnen und Sportler sind dankbar dafür, dass sie sich
sammeln, zum Beispiel in der Main-Taunus-Gemeinde Sulz- austoben können beim Joggen, beim Fußball, Handball oder in
bach. Dorit und Klaus Beyer von der Turnabteilung der TSG vielen anderen Sportarten und Disziplinen. Sie erleben Lebens-
starteten unter dem Motto "friends4jo" (Freunde für Johan- freude und Lebensqualität pur bei ihrer täglichen oder
nes) mit einer kleinen Schar von Helfern eine beispielhafte wöchentlichen Bewegungstherapie. Sie wissen es zu schätzen,
Hilfsaktion. Sie verkauften bei Turnveranstaltungen und aktiv sein zu können. Und sie sind bereit Danke zu sagen für
anderen Gelegenheiten zunächst T-Shirts mit dem Aufdruck dieses Geschenk, auch dadurch, dass sie anderen helfen,
"friends4jo", selbstgebastelte Teddys und Kalender und später denen es nicht so gut geht. Dieses Millionenspiel der Mensch-
auch Kaffeebecher, Handtücher, Duschtücher, Baseball-Caps, lichkeit zeigt die helfende Dimension des Sports. Ein Lichtblick
Fleecedecken, Warnwesten, Schlüsselanhänger, Aktentaschen, in Zeiten zunehmender sozialer Kälte und einem offensichtli-
Sporttaschen, Regenschirme und Wein. Vor einem Jahr wurde chen Trend zum Egoismus. OF

im Beisein von Johannes Hablik der Erlös aus dem Jahr 2003
in Höhe von 9.150 Euro übergeben. 2004 konnte der Spen-
denbetrag noch erhöht werden auf 10.850 Euro.

33
Über die Kultur des
daraus resultierenden egozentrischen Ansprüche und
Verhaltensweisen dieser Sportler sind die Herausforderung
an ein leistungsförderndes Miteinander schlechthin. Eine

Umgangs
unglückliche Konstellation entsteht zumal dann, wenn
Sportler vom Typ mündiger Athlet auf Betreuungspersonal
mit seinerseits eingleisiger Ausrichtung und Defiziten in
Bereichen außerhalb des Sportfachlichen trifft.

D er nacholympische Sommer ist vorüber, das Grau des


Herbstes regt zum Grübeln an, weshalb der Sport-
freund sich fragt, was denn - neben einigen Pfützen in
Die Ursache für das Dilemma sind Engpässe in den Wegen
der Kommunikation. Wie einfach sie beseitigt werden
können, hat der Frankfurter Soziologe und Leichtathletik-
den Erfolgsbilanzen - hängen blieb vom feuchten Jahr eins Vizepräsident Eike Emrich angedeutet, als er Streit "die
nach Athen. Da wird der kritische Blick schnell haften beste Form sozialer Interaktion" nannte. Streit, wohlge-
bleiben an zwei Disziplinen, die sich gern klassisch nennen merkt, in der Art liberaler Meinungskonfrontation. Immer-
im Sinne Olympias, als seine Kernsportarten firmieren und hin: Am Ende haben an den Tatorten Helsinki (Leichtathle-
gelegentlich schon mal die Befindlichkeit des gesamten ten) und Montreal (Schwimmer) vermutlich alle begriffen:
deutschen Sports reflektieren: Leichtathletik und Schwim- Athleten und Funktionäre im Haupt- und Ehrenamt wissen
men. Die beiden sind in ihrem Selbstverständnis, ihrer zu wenig von einander, weil sie es versäumt haben, eine
Neigung zu ausgeprägter Individualität, überhaupt in ihrer "Kultur des Umgangs zu entwickeln nach dem Prinzip des
ganzen Ausrichtung zweieiigen Zwillingen nicht unähnlich. Fairplay" (Clemens Prokop). Lebte Papa Heuß noch, hätte
Selbst die naturgegebene Notwendigkeit zur zeitversetzten er nach diesem Sommer der Missverständnisse wohl
Wortmeldung ist ihnen eigen: Schwimmer sind einen gesagt: Nun streitet mal schön!
Atemzug eher an der Reihe als Leichtathleten, bei Olympi-
schen Spielen, wenn sie die erste Woche für sich reklamie- Michael Gernandt
ren, und in der Abfolge von Weltmeisterschaften jeweils
im Sommer des selben Jahres.

Der doppelte Armstrong:


Diese Gesetzmäßigkeit mag der Grund dafür sein, dass
Vorfälle bei Schwimmern und Leichtathleten besonders
intensiv berührten. Gemeint ist die in erheblicher Aufla-

Zwei Seiten einer Medaille


genstärke und bewusst unmittelbar vor WM-Beginn geäu-
ßerte Kritik der Weltklassesportler Steffi Nerius (Leichtath-
letik) und Stev Theloke (Schwimmen) an Führungspersonal
und Programmen ihrer Verbände. Die Folgen der Inter-
views, die sich wie eine konzertierte Aktion ausnahmen
(die sie, zumindest aus Athletensicht nicht gewesen ist):
Theloke erhielt den Laufpass und Nerius, nach einer Aus-
sprache mit dem von ihr angegriffenen Verbandspräsiden-
J ede Medaille hat zwei Seiten. Dies ist nicht nur ein
Axiom der Numismatik, sondern entspricht auch einer
Erfahrung des alltäglichen Lebens. Nicht zuletzt Spitzen-
ten Clemens Prokop, Bronze im Speerwurf. sportler könnten ein Lied davon singen. Dass es sich dabei
oft um ein Klagelied handelt, mag der Fall Armstrong
In der vorliegenden Causa verursacht Nachdenklichkeit eindrucksvoll bestätigen. Schließlich sieht sich der Weltre-
nun nicht vorrangig die Frage, ob der eingeschlagene Weg kordler des Radsports auch nach dem erklärten Karriereen-
für die Funktionärsschelte via Medien der richtige war und de und zwar mehr denn je - mit der schmerzlichen
welcher Verband die daraus entstandenen Probleme effek- Erkenntnis konfrontiert, dass sportlicher Lorbeer mit Licht
tiver gelöst hat. Vielmehr muss doch erörtert werden, wie mit Schatten verbunden ist.
warum es zu derlei Konflikten überhaupt kommt und, im
Fall der Erkenntnis, wie sie künftig zu vermeiden sind, Ob sich der vermeintliche Delinquent bei seinen Gipfel-
schließlich bergen sie erhebliches Störpotenzial in sich. Die stürmen nun dies- oder jenseits der Legalität bewegte,
Ursachen gründen zum einen in der Komplexität der müssen Juristen entscheiden, während die - weit kompli-
Sportarten Leichtathletik und Schwimmen mit jeweils ziertere - Frage nach der Legitimität der von ihm bevor-
mehr als 40 Disziplinen und Athletenzahlen, welche die zugten Mittel und Methoden eine große Schar von Anhän-
Teamstärke einer (auch deshalb leichter zu führenden) gern und Kritikern des Sports beschäftigen mag. Sicher:
Fußball-Nationalmannschaft um das Zwei- bis Dreifache Schon im Sinne der Wahrheit - welch großes Wort! - tut
übertreffen. Zum anderen: Die Individualität und die Aufklärung Not. Und im Bemühen um einen sauberen

34 OF-KOMMENTAR
In Grenzbereichen
Sport - welch große Vision! - gilt es auch, Konsequenzen
zu ziehen. Welche und von wem auch immer.

Genau dies ist aber die ewige Frage, und auch diese Zeilen
müssen die Antwort schuldig bleiben. Hier soll der Blick
nur auf einen speziellen, wenn auch keineswegs neben- ie kritisch-ketzerisch verkündete "McDonaldisierung"
sächlichen Aspekt gelenkt werden, nämlich auf die Moral -
und zwar auf die des Betrachters. Gemeint sind damit
D der Welt schreitet munter voran, und der Sport findet
sich im Zentrum dieser Entwicklung. Man kann sich seiner
einmal nicht die Medien oder deren Vertreter, sondern die Ereignisflut jedenfalls kaum entziehen. Ebenso laut wie
Massen, die sich an der Strecke oder vor den Bildschirmen penetrant wird öffentliche Aufmerksamkeit für alles und
für das spektakuläre Geschehen in Alpe d'Huez und auf jedes eingefordert, was ein sportliches Etikett trägt. Und
den Champs Élysées zu begeistern vermögen, also letztlich wenn's internationalen Zuschnitt hat, sind die Superlative
wir alle. ohnehin noch einen Deut schriller zu vernehmen.

Wollen wir die Helden der Landstraße und Prachtboule- Was heißt da noch Sommer- oder Wintersport, Frühjahrs-
vards nicht immer steilere Rampen hochfliegen und immer auftakt oder herbstlicher Ausklang? Längst werden Jahres-
gefährlicheren Zielankünften entgegensprinten sehen? zeiten ignoriert, Saisonhöhepunkte zum Dauerbrenner
Und verspüren wir nicht leise Enttäuschung, wenn nicht gemacht, Halle und freie Natur bedarfsgerecht und
unterschwelligen Groll, wenn die von uns favorisierte bewusst verwechselt. Im Labyrinth von Meisterschaften
Größe dem Größten der Großen wieder einmal das Wasser und Meetings, Pokalentscheidungen und Cupwettbewerben
nicht reichen konnte? Und mischt sich in unser Befremden mit allen ihren branchenunterschiedlichen Ablegern hilft
nicht Genugtuung oder gar Schadenfreude, wenn sich der kein Kompass. Wenn man nun berücksichtigt, dass neben
vermeintlich Unangreifbare dann doch noch hat erwischen diesem ausufernden Wettkampfkalender des traditionellen
lassen? organisierten Sports selbst der sozusagen unkontrollierte
Wildwuchs blüht wie nie, dann wird die Ursachenfor-
Sollten wir aber unsere Helden nur auf den Sockel heben, schung leicht zur Chaosanalyse.
um sie beizeiten genüsslich vom selben stoßen zu können,
tragen wir Mitverantwortung am "doppelten Armstrong", Auch dort, wo Bewegungs-Extremisten die Grenzen der
der - ungeachtet seines Tuns und Lassens - immer irgend- menschlichen Leistungsfähigkeit ignorieren, wo der
wie Täter und Opfer zugleich sein muss. Zumindest dies Rekordfanatismus den kleinsten Anflug von Vernunft
aber sollten wir bei aller Aufgeregtheit nicht aus den Lügen straft, wo Skurriles sich mit Abartigem verbindet,
Augen verlieren: Die Armstrongs dieser Welt haben kein beschwört man gerne den Sportsgeist. Fälschlicher Weise.
Monopol auf Doppelmoral und Scheinheiligkeit. Auch wir Denn was haben beispielsweise Langläufe über hunderte
sollten endlich begreifen, dass die Medaille zwei Seiten von Kilometern, die Bewältigung von Extremstrecken im
hat. Schwimmen oder Radfahren und andere körperliche
Herausforderungen in Todeszonen mit herkömmlichem
Andreas Höfer Sport zu tun? Warum drängen Verrücktheiten vom Ehe-
frauen-Tragen und Sumpf-Tauchen bis zum Extrembügeln
auf Berggipfeln ernsthaft in die sportlichen Hitlisten?

Eine der Antworten lautet: Weil Ultra-Kicks, Stammtisch-


Schwachsinn und Schlagzeilen-Produktion heutzutage
durchaus kompatibel sind - Zukunftssteigerungen nicht
ausgeschlossen, wie sich beispielsweise im virtuellen
Bereich der Computerspiele bereits andeutet. Für berech-
tigte Zweifel an der Patenschaft des Sports scheint es zu
spät. Denn er selbst hat schließlich zu viele Weichen in
falsche Richtungen gestellt.

Harald Pieper

OF-KOMMENTAR 35
Was macht eigentlich ...

Volk er Beck
Von Steffen Haffner

D
er Wirt in der Vereinsgaststätte bringt Volker Beck te dann erst einmal Platzverbot über den Übeltäter. "Aber mein
schnell noch Bratkartoffeln mit Wurst und Salat. Die Autogramm von Jürgen May habe ich gekriegt."
Zeit ist knapp für den Bundestrainer der 400-Meter-
Hürdenläufer. Nach dem einstündigen Interview wird das Trai- Die Umstände waren nicht einfach. Die Familie des Vaters war
ning draußen auf dem Sportgelände in Frankfurt-Niederrad in Berlin ausgebombt und zog nach Bad Langensalza in Thürin-
folgen. Es regnet. Kunststoffbahn und Rasenplatz liegen trist gen, wo Volker Becks Mutter zu Hause war. Der Vater, ein
hinter den Fensterscheiben. gelernter Zimmermann,
Der Thüringer ist braunge- schulte um, wurde erst Heizer
brannt, hat sich ein paar und dann Lokführer bei der
schöne Tage in Usedom an der Reichsbahn. "Später bin ich
Ostsee gegönnt. Der straffe manchmal mit ihm von Erfurt
Körper des 1,91 Meter langen nach Nordhausen auf der Lok
Schlaks verrät den Athleten mitgefahren." Daraus ist ein
von einst. Im Westen Hobby geworden mit einer
Deutschlands wissen nur Modelleisenbahn, die wieder
Kenner von seinem Olympia- mehr zu Ehren kommen soll,
sieg. Im Osten, speziell in wenn der Zeitdruck nachlässt.
seiner Heimatstadt Nordhau- Volker, der Ende Juni 1956
sen, ist er bekannter, und in drei Jahre nach seinem Bruder
Erfurt, wo der Hürdenläufer Lutz-Günther geboren wurde,
für den SC Turbine startete, war das Sorgenkind. Immer
genießt er noch heute unge- wieder brach er mit Schaum
brochene Popularität. vorm Mund zusammen. Das
Damoklesschwert eines
Die Karriere bis hin zum Tumorverdachts schwebte
Olympiagold von Moskau über ihm. Die Großeltern
1980 verlief keineswegs schleppten ihn zu einem alten
gradlinig. In den ersten drei Arzt. "Der schickte alle weg.
Grundschuljahren verriet der Ich war allein mit ihm im
Junge Bewegungstalent beim Zimmer. Danach hatte ich die
Turnen und wurde in Berlin Probleme nicht mehr. Was der
sogar Spartakiade-Sieger. mit mir gemacht hat, weiß
Seine erste Berührung mit der keiner."
Leichtathletik verlief in dieser Zeit heftig. "Ich war Autogramm-
jäger. Bei einem Sportfest war ich hinter Manfred Matuschewski Für die Turnerei wurde er allmählich zu groß. Er begann "gleich
und Jürgen May, der bei uns um die Ecke wohnte, her. Ich bin ganz begeistert" mit der Leichtathletik. Der Trainer sagte: "Du
quer über den Platz gelaufen, und in der Kurve hat mich ein warst Turner, also läufst du am besten Hürden." Als er elf Jahre
200-Meter-Läufer volley genommen. Das war Bernhard Ger- war, starb seine Mutter an Krebs, mit 37 Jahren. Die Großeltern
meshausen, der 1976 in Innsbruck Doppel-Olympiasieger im väterlicherseits zogen ins Haus und kümmerten sich um die
Bobfahren wurde." Sein späterer Leichtathletik-Trainer verhäng- beiden Jungs. 1968 erhielt Volker eine Einladung an die Kinder-

36
und Jugend-Sport- wäre, hätte ich nicht gewonnen. Denn Edwin Moses war ganz
schule (KJS) nach klar die Nummer eins. Harald Schmid war auch in guter Verfas-
Erfurt. Die Oma war sung. Aber ich wäre als Drittbester in der Welt um die Medaillen
dagegen. Der Vater mitgelaufen. Hinter Moses wäre alles offen gewesen." Auf dem
sagte: "Junge, Du Olympiasieg liegt für ihn der Boykottschatten. "Als Athlet will
kannst gehen. Aber man doch gegen die weltbeste Konkurrenz antreten." Auch hat
komm nicht nach er geahnt, wie es den "Boykottopfern" wie Harald Schmid oder
sechs Wochen wieder Guido Kratschmer zumute war. "Vier Jahre später, als wir das
nach Hause. Zieh das beim Gegenboykott gegen die Spiele von Los Angeles selber
Ding durch." Wenn er erleben mussten, wussten wir erst richtig, was das bedeutet
alles mal satt hatte, nach Jahren harter Vorbereitung."
halfen ihm diese
Worte über die Hür- Nach der Wende landete der Diplom-Sportlehrer, Trainer und
den. Elf Jahre Internat 400-Meter-Hürden-Lehrwart des Deutschen Verbandes für
haben ihm viel abge- Leichtathletik der DDR auf Vermittlung von Harald Schmid als
fordert. "Wir mussten Autoverkäufer im Spessart-Ort Wächtersbach. Mit dem Konkur-
jeden Morgen um sechs Uhr aufstehen. Deshalb fällt es mir renten von einst und Läuferidol der alten Bundesrepublik pflegt
heute nicht schwer, täglich kurz nach fünf aufzustehen und drei er mittlerweile einen eher sachlichen Umgang. Zum Glück
Mal die Woche eine Stunde im Wald zu laufen." konnte er bald als Bundestrainer in seinen angestammten Beruf
zurückkehren. Mit seiner Frau Gitta, die an der privaten Kant-
Mitte der siebziger Jahre setzten die ersten internationalen Schule in Frankfurt Deutsch und Mathematik unterrichtet, lebt
Erfolge neue Anreize. "1975 wurde ich in Athen Zweiter der Volker Beck in Haseltal, einem Vorort von Bad Orb, mit den
Junioren-Europameisterschaft hinter meinem Klubkameraden
Andreas Münch. Das hat mich geärgert. Denn ich war begabter,
aber Andreas war fleißiger. Ich sagte mir: ‚Du musst anfangen
zu arbeiten.' " 1976 im Trainingslager in Sotschi am Schwarzen
Meer traf der DDR-Athlet John Akii-Bua. Der legendäre, so früh
gestorbene Olympiasieger von München 1972 demonstrierte
ihm, wieviel man trainieren muss. Im gleichen Jahr gewann der
Zwanzigjährige in 49,76 Sekunden die Olympiaqualifikation für
Montreal und lag im Weltmaßstab an vierter Stelle. "Ich war
dann tief enttäuscht, als ich nicht für die Spiele nominiert
wurde. Angeblich war ich zu jung." Nach der Wende erfuhr er
den wahren Grund: ein Disziplinarverfahren, weil er einmal mit
andern Athleten zu ausgiebig gefeiert und ein zweites Mal den
Zapfenstreich von 22.00 Uhr leicht überschritten hatte.

Im Jahr darauf unterbot er als erster Deutscher mit 48,90


Sekunden die 49-Sekunden-Marke. Beim Weltcup in Düsseldorf
("ein riesiges Erlebnis") wurde er in 48,83 Sekunden hinter
Weltrekordler Edwin Moses und vor Harald Schmid (48,85)
Zweiter und unterlag im wiederholten Lauf über 400 Meter in Wäldern des Spessarts vor der Tür. Sohn Volker Beck junior steht
der DDR-Rekordzeit von 45,50 Sekunden. Den ersten Lauf hatte inzwischen als Versicherungskaufmann auf eigenen Füßen.
der Thüringer sogar gewonnen, doch die Jury gab einem Protest
der Kubaner statt, weil der Doppelolympiasieger Alberto Juanto- Zu den Schützlingen von Beck senior gehören die Hürdenläufer
rena (400 und 800 Meter) unverschuldet das Startsignal ver- Christian Duma, WM-Halbfinalist von Helsinki, Sebastian Gazka,
passt hatte. Thomas Goller und seit einem Jahr Nils Schumann. Der lange
verletzte 800-Meter-Olympiasieger von Sydney "ist auf ganz
Die Olympischen Spiele von Moskau wurden dann zum großen gutem Weg". Beck weiter: "Ein Testlauf nach Helsinki ist sehr
Höhepunkt der Karriere. Bei nasskaltem Wetter überspurtete der positiv ausgefallen. Er ist schmerzfrei, belastungsfähig und geht
Deutsche, der auf der ungünstigen Bahn acht laufen musste, wieder voll ins Training." Wie aufs Stichwort erscheint dessen
auf den letzten Metern den bis zur letzten Hürde führenden kahler Kopf am Fenster, begleitet von seiner Freundin, der 400-
Russen Wassili Archipenko. "In meiner Euphorie habe ich die Meter-Läuferin Corinna Fink. Volker Beck ruft ihm zu: "Nils, in
Pfiffe des chauvinistischen Moskauer Publikums gar nicht wahr zwei Minuten bin ich da. Sie können sich schon einlaufen." Das
genommen." Beck, der in 48,70 Sekunden siegte, gibt zu, dass er Interview ist zu Ende, die gewohnte Arbeit beginnt.
vom Olympiaboykott profitierte: "Wenn alles normal gelaufen

37
Der Wald bewegt
Von Hans Jägemann

38
D
ie meisten Menschen haben eine emotionale Bezie- Verlegung von Parkplätzen viel erreichen. Insgesamt gilt,
hung zum Wald, die tiefer geht als andere Bindungen Aktivitäten dort zu binden, wo sie verträglich sind. Auch
und die vielleicht auch typisch deutsch ist. Diese Umwelterziehung kann zur Konfliktprävention beitragen. Viele
Beziehung ist in das Spannungsfeld zwischen Furcht und Forstämter betreiben eine aktive Informationsvermittlung
Ehrfurcht einzuordnen. Die Furcht vor dem dunklen, unbe- durch Kurse und themenbezogene Exkursionen. Wichtig ist
kannten, unheimlichen Wald war schon im Deutschlandbild aber auch, dass Schulen, Sportvereine und andere Institutio-
der alten Römer eine Bremse für weitere Expansionsgelüste. nen das nötige Basiswissen vermitteln. Dabei können Forst-
Auch der Bevölkerung war der Wald nicht geheuer, wie etwa fachleute die erforderliche Sachkunde aus erster Hand ein-
die Geschichte von "Hänsel und Gretel" der Brüder Grimm bringen.
anschaulich zeigt. Da sah man besser zu, dass man draußen
blieb, und wenn sich das nicht vermeiden ließ, musste zu Es ist an der Zeit, auf das Verhältnis des Menschen zur Natur
Methoden der Angstbewältigung wie dem sprichwörtlichen einzugehen und dabei an das eingangs erwähnte Spannungs-
Pfeifen im Walde Zuflucht genommen werden. feld zwischen Furcht und Ehrfurcht anzuknüpfen. Man darf
annehmen, dass trotz der immensen Besucherzahlen große
Mit der Aufklärung setzte sich nach und nach ein romantisch Teile der Bevölkerung schon seit Monaten oder Jahren nicht
gefärbtes Naturbild durch, das nicht die Gefahren, sondern die mehr im Wald waren. Darüber sollten wir eher betrübt als
ästhetischen Qualitäten der Natur betonte. Es entstand ein erfreut sein! Furcht vor dem Wald kann nicht die Ursache sein,
ehrfürchtiges, ein schwärmerisches Bild vom Wald: Der Wald eher wahrscheinlich Erziehungsdefizite und ein Wertesystem,
als die widerspruchsfreie, idyllische Gegenwelt zur hektischen bei dem Wald und Natur unter ferner liefen rangieren, weil sie
Zivilisation, der Ort, an dem der Mensch zu sich selbst finden nicht "cool" oder "angesagt" genug sind. Doch auch die regel-
kann. Auch heute gibt es noch ein Fortwirken dieser hochro- mäßigen Waldbesucher haben augenscheinlich längst nicht
mantischen Einstellung - und es wäre ja auch schade, wenn alle ein von Ehrfurcht, Erbauung und Rücksichtnahme
es anders wäre. Bei den Besuchern des Waldes oder - wie wir geprägtes Verhältnis zum Wald. Für viele reduziert sich die
heute auch sagen, den Nutzern - ist gewiss noch viel von Wahrnehmung ihres Aktionsraumes auf rein physische Gege-
dieser Haltung vorhanden. Auch die meisten Forstleute dürf- benheiten: Wegebeschaffenheit, Gefälle, Schwierigkeitsgrad,
ten ihren Beruf nicht nur wegen der Holzproduktion gewählt Entfernung; Herausforderungen also, an denen man sich
haben. messen und an denen man wachsen kann, zum Beispiel der
"geile" Montainbike-Singletrail, die konditionsfördernde lange
Der Wald wird aber nicht nur von romantischen Schwärmern Steigung für Läufer, der Kletterfels mit dem ultimativen
besucht, er war und ist mit den vielfältigsten Nutzungsan- Schwierigkeitsgrad.
sprüchen konfrontiert, die immer bunter, immer facettenrei-
cher und teilweise auch bizarrer werden. Der Wald ist zur Für andere stehen die Verheißungen der Fitness- und Gesund-
bevorzugten Spielwiese einer hedonistischen Gesellschaft heitsapostel im Vordergrund: Zehn Kilo weniger in zwei
geworden, in der Fitness und ewige Jugend nicht nur im Trend Wochen, straffe Figur und knackiger Hintern: Da trägt man
liegen, sondern fast schon zur Pflicht geworden sind. Früher dann ergeben seine Problemzonen durch den Wald und hofft
haben die Menschen ihre Schweine zur Mast in den Wald auf rasche Besserung. Die Anforderungen einer modernen
getrieben, heute treiben die Lifestylemagazine die Menschen Gesellschaft können ja so gnadenlos sein! Das sollte uns aber
dorthin: zum Gegenteil. Keine Frage: die Belastung der Wälder immer noch wesentlich lieber sein als das gleichfalls grassie-
durch Sportler und Erholungssuchende ist heute nicht nur rende Phänomen, dass gesunde Menschen minutenlang auf
anders, sondern auch insgesamt deutlich größer geworden. den Aufzug warten, um ein Stockwerk tiefer zu fahren und
Bei einer so intensiven Nutzung bleiben Konflikte nicht aus. abends in einem Fitnessstudio an der Treppensteigmaschine
Einerseits soziale Konflikte zwischen verschiedenen Nutzer- ihren Bewegungsmangel bekämpfen. Viele sparen sich den
gruppen, andererseits zwischen Nutzung und dem erforderli- Weg in den Wald und absolvieren ihr Lauftraining auf einem
chen Schutz der ökologischen und auch anderer Funktionen Laufband mit einstellbarer Geschwindigkeit oder das Radfah-
des Waldes. ren auf einem Heimtrainer. Angeblich ist wissenschaftlich
belegt, dass dies vor allem im Winter gesünder ist als der
Zum Abbau solcher Konflikte haben sich Lenkungsmaßnah- Aufenthalt draußen. In Wirklichkeit ist das selbstgewählte
men bewährt wie Beschilderungen, Hinweise auf Sehenswür- Eindimensionalität, ein freiwilliges Hamsterdasein im Laufrad,
digkeiten und ein guter Wegezustand als Anreize, bestimmte eine Amputation an unserer inneren Natur.
Wege zu wählen. Hindernisse wie Hecken oder Gräben aber
auch das Schließen von Wegen oder eine bewusst schlechte Noch problematischer ist die verbreitete Passivität vieler
Wegebeschaffenheit sorgen automatisch für Ruhe. Weil Menschen, die Sport nur noch als Zuschauer im Stadion oder
offensichtlich für die meisten Menschen die Natur erst da vor dem Fernseher erleben. Schließlich ist der Mensch seiner
anfängt, wo die Straße aufhört, kann man auch mit der genetischen Ausstattung nach immer noch ein "Steppenren-

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ner". Bewegungsmangel macht ihn krank. Immer mehr Men- die in Gefahr sind, aus Unwissen gegen eigene Prinzipien zu
schen wissen und beherzigen das. Insgesamt kann jedenfalls verstoßen. Und dann gibt es, wer wollte das leugnen, vor
festgehalten werden: Sport ist im Zentrum der Gesellschaft allem bei den sogenannten Trendsportarten und in den ent-
angekommen, kaum einer mag sich ausschließen, schließlich sprechenden Szenen, einen Bodensatz von Ignoranten und
muss man fit sein für den Beruf und attraktiv für die anderen. sogar Tabubrechern, denen es eigentlich erst richtig Spaß
Das hat auch Folgen für das Verhalten in der Natur. Was macht, wenn man gegen Verbote verstößt. Hier stellt sich
Ausgleich und Gegenwelt zum beruflichen und alltäglichen dann häufig die Frage, ob man solches Fehlverhalten resig-
Stress sein soll, wird häufig zur Reproduktion dieses Stresses niert hinnimmt oder pauschale Maßnahmen ergreift, die auch
mit anderen Mitteln. Früher eher erholsame oder sogar kon- die vielen, die sich korrekt verhalten, mit treffen. In gravieren-
templative Aktivitäten wie Wandern, Klettern, Radfahren oder den Fällen kann man nur dazu raten, mit ordnungsrechtlichen
Wasserwandern wurden teilweise durch Addition sportlicher Maßnahmen zu drohen und sie auch anzuwenden: das spricht
Elemente wie Schwierigkeit, Schnelligkeit und Wettbewerb in sich herum und kann rasch helfen. Das kann auch verhindern,
ihrem Wesen verändert. Zum Bergsteigen kam das Sportklet- dass eine Minderheit für die harmlose Mehrheit Verbote
tern, zum Radfahren das Mountainbiking mit verschiedenen provoziert.
Disziplinen.
Bei der Diskussion über Konzepte und konkrete Planungen ist
Bestimmten früher ganzheitliche Aktivitäten das Bild, bei es sinnvoll, den Bewegungsraum Wald räumlich zu differen-
denen vor dem Abfahrtsskilauf das lange Steigen bergauf, vor zieren. Man sollte insbesondere die Funktion der Wälder in
der Talfahrt mit dem Rad der mühsame Aufstieg, vor der unmittelbarer Nachbarschaft zu den Städten anders diskutie-
Wildwasserkanutour das Ziehen und Tragen des Kanus zum ren als die der entfernt liegenden. Auf die stadtnahen Wälder
Startplatz standen, und dabei die Natur mit Jahreszeiten, entfällt der weitaus größte Teil der Erholungs- und Sportakti-
Wetter, Wind und Temperatur intensiv erlebt werden konnte, vitäten. Deshalb stellt sich dort die Frage nach angemessenen
reduziert sich die sportliche Tätigkeit heute dank technischer Strategien anders. Es handelt sich um Gebiete, die in der Regel
Hilfsmittel mehr und mehr auf den sportlichen Kern. Aus der höchstens 10 km tief sind und die für die Bevölkerung als Orte
Tagestour wird eine mehrfache Wiederholung derselben der Feierabend- und Wochenenderholung hohe Bedeutung
Betätigung. Dies wird noch dadurch verstärkt, dass eine haben. In geringerem Umfang können auch noch Wälder in
Sportart immer weniger gründlich erlernt und lange, manch- stark frequentierten Tourismusgebieten in diese Kategorie
mal lebenslang ausgeübt und perfektioniert wird. Heute eingeordnet werden. §1 Abs.13 des Bundesnaturschutzgesetz-
werden regelmäßig Kurse angeboten, in denen man an einem tes weist ausdrücklich auf die Bedeutung siedlungsnaher
Wochenende gleich drei anspruchsvolle Sportarten "lernen" Bereiche hin und fordert dazu auf, dort "ausreichende Flächen
kann, z. B. Mountainbiking, Paragliding und Wildwasserkanu- für die Erholung bereitzustellen". Gerade unter Nachhaltig-
fahren. Als Voraussetzung genügen Mut und eine gewisse keitsgesichtspunkten kommt diesen "siedlungsnahen Berei-
Fitness. Kommerziell angebotener Sport hat sich einen festen chen" eine besondere Bedeutung zu. Angebote in der Nähe
Platz erobert. Die Angebote von heute müssen immer exoti- der Wohnungen entlasten periphere Räume und damit in der
scher und spektakulärer, gerne auch gefährlich sein, es darf Regel schutzwürdige Gebiete von Nutzungsdruck. Sie sind
allerdings garantiert nichts passieren. Dieser Trend produziert leichter und auch preiswerter zu erreichen und geben damit
Aktive, die ihre Sportart und ihr Sportgerät nicht gründlich auch Menschen ohne Auto oder mit eingeschränkter Mobilität
beherrschen. Die Folgen sind unvermeidlich: einerseits unge- eine Chance auf Sport und Erholung.
wolltes Fehlverhalten auf Grund mangelnder technischer
Fertigkeiten und andererseits eine starke Konzentration auf Gefördert werden solche Konzepte durch eine planmäßige
technische Anforderungen, die Naturwahrnehmung verhin- Verknüpfung der Aktionsräume im Wald mit den Wohnquar-
dert. tieren. Warum müssen die Aktivitäten eigentlich immer am
Parkplatz am Waldrand beginnen und nicht schon an der
Dies muss man wissen, wenn man sich auf seine "Zielgruppe" Haustür? Mit einer entsprechenden Verkehrsplanung, mit
einstellen will, sei es, um Konflikte zu entschärfen, sei es, um Beschilderung und Information kann häufig der Weg zum
ihr erfolgreich etwas anzubieten. Dabei genügt es nicht, die Sport im Wald auch zuhause beginnen und so verhindert
Aktivitäten nach Sportarten zu sortieren und beispielsweise werden, dass aus Sport immer wieder Motorsport und damit
Strategien für "die" Reiter oder "die" Moutainbiker zu entwi- Umweltbelastung wird, die auch dem Wald zusetzt. Insbeson-
ckeln. Dafür ist die Bandbreite an Verhalten innerhalb dieser dere die Rolle des Fahrrads auf dem Weg zum Sport muss
Gruppen zu groß. Da gibt es die, die ihr Umwelteinmaleins durch eine aktive Planung und eine gezielte Imageverbesse-
gelernt haben, umweltgerechtes Verhalten als Gewinn und rung gestärkt werden: Es ist viel sportlicher, das Rad zu neh-
nicht als Einschränkung verstehen und alles richtig machen. men, außerdem spart man sich das Warmmachen. Verbin-
Leider sind dies immer noch viel zu wenige. Dann gibt es die, dungswege von Wohngebieten zum Wald bieten auch viele
denen es an Wissen, nicht aber am guten Willen mangelt, und Möglichkeiten zur ökologischen und ästhetischen Aufwertung

40
im Stadtgebiet und entfalten damit gleich doppelte Wirkung. längst überwunden geglaubte Zeiten verlangt wird. Heute
In letzter Zeit drohen aber neue Gefahren: Durch Mittelkür- heizt aber auch der Wald dem Sport immer mehr ein: Es gibt
zungen, Personalabbau und den verstärkten Druck vieler bereits Beispiele für den Einsatz von Holzpellets- und Hack-
Länder, ihre Wälder zu Geldquellen zu machen, gerät gerade schnitzelheizungen in Sportanlagen. Der Sport holt sich
in den für Erholung und Sport so wichtigen stadtnahen sozusagen die im Wald gelassene Energie auf andere Weise
Wäldern eine gute Entwicklung ins Stocken. Ein Forstamtslei- zurück und trägt so zum Klimaschutz und zur Verbesserung
ter fragte kürzlich, wie lange Läufer es eigentlich noch klag- der Ertragssituation der Wälder bei: Der Beginn einer guten
los hinnehmen, dass der halbe Wald voll geschlagener Bäume Symbiose.
liegt, was Wege blockiert und beschädigt und zu wochenlan-
gen Sperren führt. Bei der großen Bedeutung der stadtnahen Heute bringen die Menschen eher Unruhe in den Wald, als
Wälder für die Erholung müssen dort andere Maßstäbe dass sie dort Ruhe suchen. Sie konfrontieren dieses Ökosys-
gelten. Da gibt es eine Parallele zu den großen innerstädti- tem, das selbst der Erholung bedarf, mit vielfältigsten
schen Parks, wie dem Englischen Garten in München, die Ansprüchen für ihre aktive Erholung. Das bedeutet aber nicht
durchaus ähnliche Funktionen erfüllen. Sie haben einen nur millionenfache Problemanlässe für die sicherlich schwie-
hohen Freizeitwert und halten Tausende von Menschen Tag rige Harmonisierung der Nutzungsansprüche mit den Schutz-
für Tag und vor allem an Wochenenden in der Stadt. Sie erfordernissen. Es eröffnet auch millionenfache Chancen, den
verhindern so einen regelmäßigen Exodus in entferntere, modernen Menschen wieder näher an seine natürlichen
empfindliche Gebiete und ein entsprechendes Verkehrsauf- Lebensgrundlagen heranzuführen und so auch mehr Ver-
kommen. Niemand käme auf die absurde Idee zu verlangen, ständnis für die zu wecken, die den Wald pflegen, erhalten
dass sich solche Parks aus dem Holzverkauf zu finanzieren und gestalten. OF

haben. Jeder wird


zustimmen, dass ihre
Unterhaltung eine
öffentliche, steuerfi-
nanzierte Aufgabe ist.
Diese Gesichtspunkte
müssten, zumindest
eingeschränkt, auch
für die Erholungswäl-
der gelten.

Bereits 1927 hat der


Frankfurter Oberbür-
germeister Ludwig
Landmann bei der
Begrüßung der Teil-
nehmer der Jahresta-
gung des Deutschen
Forstvereins zur
Überraschung vieler
erklärt: "Für meine
Stadt spielt die
ertragswirtschaftliche
Seite des Waldes gar
keine Rolle mehr
gegenüber dessen
gesundheitlichen,
sozialen, geistigen
und seelischen Funk-
tionen." Da kann es
nur verwundern,
wenn fast 80 Jahre
später mit neuen
Worten ein Rückfall in

41
Medienwelt
und wird einen globalen
Siegeszug antreten." Wie
diese Allianz in Zukunft
jedoch aussehen soll - darü-
ber bestand auch bei den
Fachleuten Uneinigkeit.

im Wandel
Als Zauberwort gilt allen
Beteiligten HDTV, das High
Definition Television. Es
verspricht Bilder von hoher
Farbbrillanz und in fünf Mal
höherer Auflösung als beim
bisherigen PAL-Format.
"HDTV hat mich sehr beein-
druckt", schwärmte Bayern-
München-Chef Karl-Heinz

mit dem Sport als Motor


Rummenigge, "man hat den
Eindruck von 3-D-Bildern
und ist halb im Stadion
dabei." Zur WM werden alle
Bilder in HDTV-Qualität
erstellt - allerdings verfügen
die wenigsten Zuschauer
über ein Gerät, das dies auch
Von Thomas Horky darstellen kann. Die ARD hat
sich deshalb entschlossen,
die WM im alten Modus
auszustrahlen, allein Premie-

D
em Sportjournalismus steht im Jahr der Fußball- re wird alle Spiele in hochauflösenden Bildern anbieten.
Weltmeisterschaft 2006 ein Wandel bevor. Was sich in
der Vergangenheit wie eine Runderneuerung ankün- Eine weitere Neuerung ist das Bildformat 16:9, dass zur WM
digte, scheint tiefgehende Strukturveränderungen des Berufs- das 4:3-Format ablöst. Am 3. September konnten die Fern-
feldes nach sich zu ziehen. Ende des vergangenen Jahres war sehzuschauer im ZDF mit Länderspiel, Übertragungen vom
erstmals ein offen brennender Streit zwischen den verschie- Hockey und Rudern sowie dem Aktuellen Sportstudio ("XXL
denen Medien Fernsehen, Print und Hörfunk im Sport zutage Sport im Kinoformat") das von der Bild-Zeitung "Balken-
getreten und hatte tiefe Gräben offen gelegt - im Vorfeld des Fußball" titulierte Format erleben. "Ich glaube, das stört die
Medien-Ereignisses im kommenden Jahr in Deutschland rückt wenigsten", erklärte WDR-Intendant Fritz Pleitgen - auch
nun der Sportjournalismus soweit in den Fokus von Medien, wenn er selbst die Verbreitung mit 16:9-Fernsehgeräten bis
Wirtschaft und Gesellschaft, dass die Folge eine weitere zum Jahresende mit "unter 10 Prozent" bezifferte. Tatsächlich
Differenzierung von Angeboten, Inhalten und Verbreitungs- gab es nach dem Länderspiel Proteste von Zuschauern, Bild
techniken sein wird. hatte sogar "Balken zum Ausschneiden" angeboten, um
gegen die Formatumstellung zu protestieren. Profitieren wird
Ein Aspekt ist die Digitalisierung des Sportjournalismus: 2006 vor allem die Industrie, denn die verspricht sich durch die
soll der Sport erneut als Motor der Medienentwicklung die- WM einen Impuls ähnlich dem Verkauf von Fernsehgeräten
nen wie bereits 1954, als der Weltmeistertitel dem Fernsehen bei der WM 1954.
zum Durchbruch verhalf oder 1972, als die Olympischen
Spiele in München die Farbe in deutsche Wohnzimmer brach- Bei den digitalen Verbreitungstechniken soll die Weltmeister-
ten. Nach ersten Gehversuchen 2004 bei Fußball-EM und schaft dem sogenannten DVB-H einen Schub geben. Digital
Olympia in Athen soll der Sportjournalismus eine Art Seismo- Video Broadcast for Handhelds bedeutet die Möglichkeit,
graph für die digitale Zukunft der Medien sein. "Fußball und Fernsehbilder auf das mobile Telefon zu senden - eine Wei-
Fernsehen waren immer Verbündete", erklärte Hertha BSC- terentwicklung des DVB-T, des digitalen Antennenfernsehens,
Präsident Bernd Schiphorst Anfang September bei einem zusammen mit UMTS. Ob sich der Zuschauer tatsächlich ein
Medienforum, "das digitale Fernsehen hat Marktreife erreicht Spiel auf dem Miniaturbildschirm seines Handys live ansehen

42
möchte, ist jedoch mehr als fraglich. Warum auch?
Schließlich wird es die WM weitgehend im Free-TV,
auf den Fanfesten in mehreren Städten oder in
Kneipen geben. "Wir hoffen auf Live-Bewegtbilder
von der WM", so Matthias Immel von T-Mobile,
"aber es wird ein Nischenmarkt bleiben." Die Deut-
sche Fußball-Liga (DFL) will jetzt in Zusammenar-
beit mit dem Software-Giganten Microsoft als
Versuchsprojekt Liveübertragungen von Bundesli-
gaspielen auf Handys anbieten. T-Mobile setzt
dagegen bei der Vermarktung von DVB-H vor
allem auf mobiles "Live-Betting".

Diese Entwicklung wird veränderte Inhalte des


Sportjournalismus zur Folge haben. Das Event
Fußball-WM 2006 hat eine so überragende Bedeu-
tung, dass andere Ressorts sich immer stärker mit
dem Sport beschäftigen - und auch beschäftigen
müssen. Denn die Themen des Sports berühren mittlerweile sie Beachvolleyball präsentiert haben, hat dem Sport nicht
nicht nur Wirtschaft, Medienressort oder gesellschaftliche geholfen", meinte Bundestrainer Jörg Ahmann. "Diesen Blöd-
Bereiche, sondern sie werden teils komplett ausgelagert. Auf sinn, dauernd auf den Po zu zoomen und den Sport hinten
der Berliner Tagung wurde mehr als deutlich, dass der Sport anzustellen, finden die Leute gar nicht gut."
ein immenser Bedeutungsfaktor der Medienwirtschaft gewor-
den ist - und dass dies einen gänzlich neuen Sportjournalis- Der dritte Aspekt der strukturellen Veränderungen hat seine
mus hervorbringt. So erzeugen Angebote wie Fußball auf dem Ursache in der sich weiter zuspitzenden Rechtesituation des
Handy neue Programmformate, die mit "Near-Live"-Sport Sportjournalismus. So hat die DFL vor Beginn der neuen
und "Live-Live-Sport" geradezu lustige Titel erhalten haben. Bundesligasaison zu einer Verschärfung der Situation beige-
tragen, in dem sie die Printmedien in ihren Zugangsmöglich-
Welche positiven Folgen diese redaktionelle Differenzierung keiten zu Quellen der Berichterstattung heftig beschneiden
(zumindest in den Printmedien) haben können, zeigt, dass wollte. Ebenso sollten die Arbeitsmöglichkeiten für Fotogra-
2005 der Henri-Nannen-Preis erstmals seit mehreren Jahren fen eingeschränkt werden, obwohl sie in noch stärkerem
wieder an zwei Sportjournalisten verliehen wurde. Für ihre Maße die Transporteure für Werbebotschaften auf Trikots und
investigativen Recherchen rund um den Finanzskandal von Banden sind und somit für Einnahmen der Sponsoren und
Borussia Dortmund wurden Freddie Röckenhaus (Süddeut- damit der Medienwirtschaft dienen. Es hat nach mehreren
sche Zeitung) und Thomas Hennecke (Kicker) ausgezeichnet. Verhandlungen zwar eine Einigung gegeben - aber der Vor-
Die Ausweitung der sportlichen Thematiken auf andere stoß der DFL dürfte nicht der letzte seiner Art gewesen sein;
Ressorts und andere gesellschaftliche Systeme ist so weit und die WM mit ihrer starken - auch vom Weltverband FIFA
fortgeschritten, dass zukünftig eine neue Art der Programm- vorgegebenen - Reglementierung dürfte der Diskussion
aufteilung in den Redaktionen vorstellbar ist und das Sport- weiter Vorschub leisten. Auch die Vergabe der Senderechte
ressort neue Qualität gewinnen kann. der Champions League für Free- und Pay-TV ab 2006 erstmals
an eine Senderkette (Premiere) belegt den immer stärkeren
Allerdings fördert die WM schon jetzt auch Medieninszenie- Einfluss des Sportrechtehandels auf die Möglichkeit zur
rungen, die dem Sport künstlich zu Bedeutung verhelfen - Produktion von sportjournalistischen Inhalten.
und allein Einschaltquoten und Auflagen steigen lassen
sollen. So interviewt der TV-Komiker Oliver Pocher Sport- Was dies für den Sportjournalismus der Zukunft bedeuten
Stars für die Bild am Sonntag, VIVA-Moderator Tobi Schlegl kann, ist noch nicht endgültig abzusehen. Rechtezahlungen
ist seit einem Jahr für die Sport-Bild tätig: Prominente reden für Printmedien sind nur ein denkbares Mittel der Veranstal-
mit Prominenten - der Sportjournalismus gibt damit einen ter, durch Differenzierung der bestehenden Rechte neue
Teil seiner Kompetenz ab. Im Fernsehsport gab es zunächst Geldquellen zu generieren und den Sportjournalismus indi-
einhelligen Jubel, als sich RTL die Senderechte für Beachvol- rekt auch inhaltlich zu dirigieren. Da der Zugang zu Quellen
leyball sicherte. Nach den ersten Übertragungen wurde dann der Berichterstattung für den Sportjournalismus daher in
Kritik an der Inszenierung mit Erotik, Musik und Klamauk laut, Zukunft stärker an finanzielle Möglichkeiten gekoppelt ist,
noch während der laufenden Serie kürzte RTL auf Grund werden sich die Medien verändern müssen. Dies sollten sie als
schwacher Einschaltquoten die Sendezeiten. "Die Weise, wie Chance nutzen. OF

43
Ein dunkles Kapitel der Sportgeschichte
Jüdische Sportlerinnen und Sportler in Deutschland:
Ausgrenzung und Verfolgung im NS-Staat
Von Lorenz Peiffer

I
n der Geschichte der deutschen Turn- und Sportbewegung bildeten auch weitgehend ihr soziales Umfeld. So wie die
haben deutsche Juden - oder korrekter ausgedrückt - einzelnen Juden Mitglied waren in den deutschen Turn- und
Deutsche jüdischen Glaubens vor allem im 20. Jahrhundert Sportvereinen, so waren die jüdischen Vereine integriert in die
eine wichtige Rolle gespielt. Neben der Gründung eigener deutschen Turn- und Sportverbände. Die Fußball-, Handball-
jüdischer Turn- und Sportvereine ab der Wende vom 19. zum oder Hockeymannschaften der jüdischen Vereine nahmen
20. Jahrhundert finden wir zahlreiche Juden als Gründungs- selbstverständlich an den Ligaspielen der entsprechenden
mitglieder, in wichtigen Führungspositionen, als Mäzene und deutschen Sportverbände teil. Ein Spiel zwischen einer jüdi-
natürlich als Sportlerinnen und Sportler in deutschen, soge- schen Fußballmannschaft und einer deutschen Mannschaft
nannten paritätischen Turn- und Sportvereinen. gehörte zum normalen Fußballalltag. Jüdische Leichtathleten,
Turner, Schwimmer nahmen teil an lokalen, regionalen und
Nachdem am 22. Oktober 1898 in Berlin eine Gruppe junger überregionalen Wettkämpfen und Meisterschaften. Deutsch zu
jüdischer Akademiker mit "Bar Kochba Berlin" den ersten sein und gleichzeitig Jude zu sein war bis Anfang des Jahres
jüdischen Turnverein gegründet hatte, bildeten sich auch in 1933 kein Widerspruch! Der Großteil der deutschen Juden
anderen deutschen Städten mit größeren jüdischen Gemeinden fühlte und verstand sich als Deutsche, und es war selbstver-
(1902 Bar Kochba Hamburg, 1904 Bar Kochba Frankfurt/Main, ständlich, Mitglied in deutschen gesellschaftlichen und kultu-
1908 Bar Kochba Breslau) weitere jüdische Turnvereine. Ihre rellen Organisationen und Verbänden zu sein - und dazu zählte
Zahl blieb jedoch überschaubar. So zählte der deutsche Makka- auch die Mitgliedschaft in den deutschen Turn- und Sportver-
bi-Kreis innerhalb der internationalen Makkabi-Organisation bis einen.
1933 insgesamt "nur" ca. 30 Vereine mit ca. 8.000 Mitgliedern.
In den Sportgruppen des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten
hatten sich bis 1933 ca. 7.000 Mitglieder zusammengeschlos- Der 30. Januar 1933 und die Folgen der
sen, und in dem im Jahre 1925 gegründeten "Verband Jüdisch-
Neutraler Turn- und Sportvereine Westdeutschlands" waren bis nationalsozialistischen Machtübernahme
1933 18 Vereine mit ca. 5.000 Mitgliedern organisiert. Damit
gehörten zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch die Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am
Nationalsozialisten im Jahre 1933 ca. 3-4% der ca. 540.000 30. Januar 1933 änderte sich diese Situation schlagartig. Das
Mitglieder der jüdischen Glaubensgemeinschaft in Deutschland Jahr 1933 ist gekennzeichnet durch einen politischen und
eigenständigen jüdischen Turn- und Sportvereinen an. gesellschaftlichen Wandlungsprozess, der in der deutschen
Geschichte einmalig ist. Bis zu diesem Zeitpunkt geltende
Die Mehrzahl der jüdischen Sportlerinnen und Sportler war bis ethische und moralische Wertvorstellungen und Normen,
1933 Mitglied in den deutschen, paritätischen Turn- und demokratische Prinzipien und grundlegende Elemente einer
Sportvereinen. Die genaue Zahl wird sich nie feststellen lassen, humanitären Gesellschaft verloren ihre Gültigkeit. Menschen
denn es liegen darüber keine Angaben vor. Jüdische Sportlerin- wurden zu Staatsfeinden, weil sie eine andere politische Mei-
nen und Sportler waren durch ihre Mitgliedschaft in den nung vertraten oder weil sie der jüdischen Glaubensrichtung
deutschen Vereinen integriert in die deutsche Turn- und Sport- angehörten. Der Antisemitismus, "die rassistisch begründete
bewegung - ein Zeichen für die weitgehende Assimilation der Judenfeindschaft" wurde in Deutschland zur Staatsdoktrin. Der
Juden in der deutschen Gesellschaft zu Beginn des 20. Jahr- erste vorläufige Höhepunkt der nazistischen Gewalt war das
hunderts. Deutsche Vereine waren ihre sportliche Heimat und reichsweite Pogrom am 1. April 1933 gegen jüdische Geschäf-

44
te, Anwaltskanzleien und Arztpraxen. Der Machteroberungs- Prozess begann bereits in den ersten Wochen und Monaten
prozess der Nationalsozialisten ist in den ersten Wochen und nach der nationalsozialistischen Machtübernahme. In vorausei-
Monaten nach dem 30. Januar 1933 nicht von einer kleinen lendem Gehorsam entledigten sich die Vereine und ihre Ver-
politischen Elite gesteuert und durchgeführt worden, sondern bände ihrer demokratischen Traditionen, bekannten sich offen
war getragen von einer breiten Massenloyalität in der deut- zu den rassistischen, antidemokratischen und militaristischen
schen Bevölkerung und den verschiedenen gesellschaftlichen Zielen der neuen Machthaber und gingen bereitwillig Bündnis-
Organisationen. se mit den Terrororganisationen ein. So trugen Turner fortan
bei ihren Vereinsversammlungen und -aktivitäten SA-Unifor-
Die Nazis hatten zu keiner Zeit ein Geheimnis aus den Grund- men oder die der Partei oder der SS. In der Deutschen Turn-
sätzen und Zielen ihrer zukünftigen Politik gemacht, sondern schule Berlin gaben sich "Turnerschafter und SA-Führer (...) die
offen in Wort und Schrift dargelegt, wer Träger des neuen Hand zur Tatgemeinschaft", die SA übernahm Ordnungsfunk-
politischen Systems sein sollte und welche Menschen in dem tionen bei dem großen Deutschen Turnfest im Juli 1933 in
zukünftigen nationalsozialistischen Deutschland keinen Platz Stuttgart und beteiligte sich am Unterhaltungsprogramm mit
mehr hatten. Bei aller Widersprüchlichkeit in seiner politisch- ihren Musikkapellen. Wenige Wochen zuvor hatten diese
ideologischen Programmatik verfolgte der Nationalsozialismus "braunen Banden"
mehrere konkrete Ziele: Die Zerstörung der Grundlagen der überall in Deutsch-
Demokratie, die Zerschlagung der organisierten Arbeiterbewe- land die "roten"
gung, die Militarisierung der deutschen Gesellschaft und die Turnbrüder und -
"Lösung der Judenfrage". Alle diese Ziele sollten münden in schwestern terro-
einer Neuordnung Europas auf der Grundlage der nationalso- risiert, verfolgt
zialistischen Herrschaft. Dieser Rückfall einer vermeintlich und teilweise
zivilisierten Gesellschaft in die Barbarei - die Ausgrenzung und ermordet, in
Liquidierung politisch "Andersdenkender" und rassisch "Anders- Stuttgart verbrü-
artiger" bis hin zum systematisch geplanten und betriebenen derten sie sich mit
Völkermord - spiegelt sich auch wider in der Politik und tägli- den bürgerlichen
chen Praxis der deutschen Turn- und Sportbewegung. Turnern.

Die Turn- und Sportbewegung in der Erste Schritte zur


Militarisierung

Phase der "nationalsozialistischen ihrer turnerischen


Arbeit hatte die

Revolution" Turnerschaft
bereits Ende der
20er/Anfang der
An dem politischen und gesellschaftlichen Wandlungsprozess 30er Jahre vollzo-
waren auch nichtstaatliche und parteiungebundene Organisa- gen. An republika-
tionen wie die deutsche Turn- und Sportbewegung und ihre nische Traditionen
Funktionäre aktiv beteiligt. Diese Erkenntnisse der zeithistori- der 1848er Zeit
schen Forschung über den Konstituierungsprozess des NS- hatte die Deutsche
Regimes und die Rolle gesellschaftlicher Organisationen in Turnerschaft nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der
diesem Prozess sind in den letzten Jahren auch in der sporthis- Ausrufung der Weimarer Republik nicht angeknüpft, und ein
torischen Forschung rezipiert worden. In jüngeren Arbeiten positives Verhältnis zu dem Weimarer Staat hatte sie zu keiner
wird nicht mehr die Frage nach der Instrumentalisierung - der Zeit gefunden. Nationale und völkische Elemente bildeten die
Vereinnahmung - der Turn- und Sportbewegung durch die Eckpfeiler der geistig-politischen Sinnrichtung der Arbeit und
Nazis gestellt, zumal diese Sichtweise und Fragestellung auto- Politik der Turnerschaft in der Zeit der Weimarer Republik.
matisch die "Opferrolle" der Verbände impliziert und themati- Spätestens mit der Aufnahme der Mitarbeit in dem "Reichsku-
siert. Vielmehr steht die Frage nach der Rolle der Turn- und ratorium für Jugendertüchtigung" und der Einbeziehung des
Sportverbände als Handelnde im Machteroberungsprozess der Wehrturnens in die turnerische Arbeit Ende des Jahres 1932
Nationalsozialisten und der "kumulativen Radikalisierung" im ordnete sich die Turnerschaft in den "illustren Kreis völkisch
Jahre 1933 im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses. gesinnter und militanter Antidemokraten" ein. Die Deutsche
Turnerschaft war nie in Weimar angekommen. Bereits vor 1933
Die deutschen Turn- und Sportvereine und -verbände waren an durchziehen Rassismus und Antisemitismus die Geschichte der
dieser Phase der "nationalsozialistischen Revolution" - dem deutschen Turn- und Sportbewegung wie ein roter Faden. War
politischen Machteroberungsprozess - aktiv beteiligt. Dieser in der deutschen Turnbewegung bereits im ausgehenden 19.

45
Jahrhundert "mit dem Abtragen der Dämme gegen die antise- sischen antisemitischen Grundhaltungen, als bislang angenom-
mitische Flut" begonnen worden, breitete sich der offene men. Bei der Umsetzung entwickelten die Vereine unterschied-
Antisemitismus nach dem 30. Januar 1933 wie eine Flutwelle liche und teilweise subtile Strategien. In einigen Vereinen
in der Deutschen Turnerschaft aus. wurde den jüdischen Mitgliedern direkt der Ausschluss mitge-
teilt. So schloss der Brief des Vereinsführers an ein jüdisches
Die Geschichte des Rassismus und Antisemitismus in Deutsch- Mitglied mit der Bemerkung: "Wir glauben annehmen zu
land zeigt, dass Ausgrenzung der erste Schritt auf dem Weg können, dass sie sich mit diesem Beschluss einverstanden
zur endgültigen physischen Vernichtung der Juden durch die erklären, werden, und danken Ihnen hiermit bestens für die in
Nationalsozialisten war. Der Prozess der "Dehumanisierung" unserem Interesse geleisteten Dienste." Andere Vereine forder-
der jüdischen Bevölkerung begann mit ihrer Ausgrenzung und ten ihre jüdischen Mitglieder auf, durch freiwilligen Austritt
endete in den nationalsozialistischen Vernichtungslagern! So dem Ausschluss zuvorzukommen. Mit dem dann in der Regel
wurde aus der fortgeschrittenen Integration der Juden in der erfolgten "freiwilligen" Austritt der jüdischen Mitglieder konn-
deutschen Gesellschaft und damit auch im deutschen Sport ten die Vereine ihr Gesicht wahren! Andere Vereine erklärten
nach dem 30. Januar 1933 zunächst Diskriminierung und sich z. B. schon im April 1933 öffentlich für Judenfrei".
Ausschluss. Obwohl der nationalsozialistische Reichssportfüh-
rer von Tschammer und Osten weder die Turn- und Sportverei- Die Deutsche Turnerschaft hatte in ihrer Bestimmung, wer als
ne angewiesen hatte, ihre jüdischen Mitglieder auszuschließen, Jude zu gelten hatte, den Vereinen keinen Ermessensspielraum
noch den deutschen Vereinen den Kontakt mit jüdischen gelassen. "Der Begriff des Juden aber wird nicht durch den
Vereinen verboten hatte, führte die Praxis der deutschen Turn- Glauben, sondern durch das Blut bestimmt. Jude ist, wer von
und Sportvereine die jüdischen Mitglieder und die jüdischen jüdischen Eltern stammt. Dazu genügt, daß ein Teil der Großel-
Vereine bereits in den ersten Wochen und Monaten der NS- tern jüdischen Blutes ist." Die zunächst vorgenommene Ein-
Herrschaft in eine sportliche und damit auch gesellschaftliche schränkung, dass diejenigen, "die am Weltkriege als Front-
Ghettoisierung. kämpfer teilgenommen haben oder deren Söhne oder Väter im
Weltkriege gefallen sind", vom Ausschluss ausgenommen sind
Deutsche Turn- und Sportvereine und ihre Verbände zählten zu - diese Einschränkung entsprach den Bestimmungen des
den ersten gesellschaftlichen Organisationen, die sich durch Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums -, hob
den Ausschluss ihrer jüdischen Mitglieder freiwillig an dem Neuendorff wenige Wochen später auf und verfügte die
gesellschaftlichen und politischen Wandlungsprozess des Vollarisierung der Deutschen Turnerschaft bis zum Deutschen
Jahres 1933, dem nationalsozialistischen Machteroberungspro- Turnfest im Juli 1933 in Stuttgart. Mit der Verkündung der
zess beteiligten und damit zur "kumulativen Radikalisierung" Nürnberger Rassegesetze 1935 durch die nationalsozialisti-
beitrugen. schen Machthaber zeigte sich, dass die DT in der Bestimmung,
wer als Jude zu gelten hatte, radikaler gegen die Juden in ihren

Die Praxis der "Arisierung" in der eigenen Reihen vorgegangen war als der NS-Staat gegen die
jüdische Bevölkerung! In der "Ersten Verordnung zum Reichs-

deutschen Turn- und Sportbewegung bürgergesetz" vom 14.11.1935 wurde in §5 Abs. 2 bestimmt:
"Als Jude gilt auch der von zwei volljüdischen Großeltern
abstammende Staatsangehörige jüdische Mischling." Damit
Der Ausschluss der jüdischen Mitglieder begann nahezu zeit- erwies sich die Neuendorff'sche Vorgabe an die Vereine der DT
gleich auf den unterschiedlichen Ebenen der deutschen Turn- zweieinhalb Jahre später als falsch und selbst im juristischen
und Sportbewegung. Eine unrühmliche Vorreiterrolle spielte Sinne des NS-Staates als "unrecht" - soweit man in dieser
der größte Verband der damaligen Zeit - die Deutsche Turner- Frage überhaupt juristische Maßstäbe anlegen kann.
schaft unter Führung Edmund Neuendorffs. Nachdem sich die
Turnerschaft Anfang April 1933 einstimmig zum arischen Auch andere Sportverbände dokumentierten bereits im April
Grundsatz bekannt hatte, verpflichtete Neuendorff die Vereine, 1933 ihr Bekenntnis zum Nationalsozialismus u.a. in der Auf-
bis zum Deutschen Turnfest Anfang Juli in Stuttgart "alle nahme des "Arierparagaphen" in ihre Satzungen, die DT über-
jüdischen Mitglieder aus ihren Reihen auszuscheiden. Mit traf diese Verbände jedoch durch die Radikalität ihrer Bestim-
dieser Ausscheidung ist sofort zu beginnen (...)". Die von Neu- mungen und ihres Vorgehens.
endorff gewählte Ausdrucksform "auszuscheiden" suggerierte
den Vereinen, dass sie ohne Skrupel Fremdes aus ihren Reihen Der Deutsche Fußballbund veröffentlichte am 19. April 1933
zu entfernen hatten. Mit dieser Verpflichtung der Vereine im Verbandsorgan Kicker eine Amtliche Bekanntmachung, in
wusste sich Neuendorff offensichtlich im Einklang mit Forde- der er seinen Untergliederungen und Vereinen mitteilte: "Der
rungen aus den Untergliederungen seiner Organisation. In den Vorstand des DFB und der Vorstand der Deutschen Sportbehör-
Vereinen entsprach die Aufforderung, die jüdischen Mitglieder de halten Angehörige der jüdischen Rasse, ebenso auch Perso-
"auszuscheiden", offensichtlich stärker verbreiteten zeitgenös- nen, die sich als Mitglieder der marxistischen Bewegung

46
herausgestellt haben, in führenden Stellungen der Landesver- Julius ,Juller' Hirsch war der erste deutsche Fußballnational-
bände und Vereine nicht für tragbar. Die Landesverbände und spieler jüdischen Glaubens. Aus der Zeitung erfuhr er im April
Vereine werden aufgefordert, die entsprechenden Maßnahmen, 1933, dass auch die großen Fußballsportvereine in Süddeutsch-
soweit diese nicht bereits getroffen wurden, zu veranlassen." land und darunter auch sein Verein, der Karlsruher FV, den
Auch von diesen Verbänden wurde die nationalsozialistische Entschluss gefasst hätten, die jüdischen Mitglieder aus den
Definition des Judentums als Rasse und nicht als Glaubensge- Vereinen zu entfernen. Um einem Ausschluss zuvorzukommen,
meinschaft unmittelbar übernommen. Damit war auch in erklärte Hirsch am 10. April seinen Austritt aus dem Verein,
diesen Verbänden das Tor für den Ausschluss jüdischer Mitglie- dem er seit 1902 angehörte. Hirsch spielte vorübergehend in
der offiziell von Verbandsseite aus geöffnet, auch wenn es zu Frankreich, schloss sich dann aber dem Jüdischen Turnclub 03
diesem Zeitpunkt "nur" die Amtsträger auf den verschiedenen Karlsruhe an. Am 1. März 1943 wurde Julius Hirsch mit elf
Ebenen betraf. Einen Tag später sagte der Verband Brandenbur- weiteren badischen Juden von Karlsruhe nach Auschwitz
gischer Ballspielvereine in seinem Amtsblatt "Die Fußball- deportiert. Es war der letzte Transport Karlsruher Juden nach
Woche" die Punktspiele des jüdischen Vereins S.C. Hakoah Auschwitz. Das letzte Lebenszeichen war eine Karte zum 16.
Berlin ab und untersagte dem Verein auch den Abschluss von Geburtstag seiner Tochter Esther vom 3. März 1943. Im Jahre
Freundschaftsspielen. 1950
erklärte
Wie groß die Zahl der aus den deutschen Turn- und Sportver- das Amts-
einen ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder gewesen ist, lässt gericht
sich nicht feststellen. Aber was sagen Zahlen letztlich aus? Sie Karlsruhe
sind in der Wahrnehmung häufig nur abstrakte und statisti- Julius
sche Größen und verstellen den Blick für die sich dahinter Hirsch für
verbergenden persönlichen und menschlichen Schicksale! In tot.
ihrem Beitrag "Geschichtsvergessenheit und Geschichtsverses-
senheit revisited" kommt Ute Frevert in ihrer Analyse der In den
Erinnerungskultur und Vergangenheitspolitik in Deutschland offiziellen
über die Zeit des Nationalsozialismus und insbesondere des Geschich-
Holocaust zu dem Ergebnis, dass durch die amerikanische TV- ten des
Serie "Holocaust", die das Schicksal einer jüdischen Familie Deutschen
dokumentiert, Geschichte "intimisiert" und "emotionalisiert" Fußball-
wurde. "Das bis dahin namenlose, lediglich in abstrakten Todes- Bundes
zahlen präsente Schicksal der jüdischen Bevölkerung bekam ein und des
Gesicht; es wurde persönlich nachvollziehbar und damit erst Deutschen
,wirklich'." Tennis
Bundes
Vor diesem Hintergrund soll abschließend die Praxis der "Arisie- finden das
rung" innerhalb des deutschen Sports und das Schicksal jüdi- Schicksal
scher Sportler an zwei Beispielen verdeutlicht werden: David von Julius
Prenn war Anfang der 30er Jahre der beste deutsche Tennis- Hirsch und
spieler, der selbstverständlich für Deutschland im Davis-Cup David Prenn nur am Rande Erwähnung. Wie steht es über-
spielte. Im April 1933 wurde David Prenn durch seinen eigenen haupt mit der Erinnerung in der deutschen Turn- und Sportbe-
Verband aus der deutschen Davis-Cup-Mannschaft ausge- wegung an die eigene Geschichte in den Jahren 1933-1945?
schlossen. David Prenn war Jude! Seine ehemaligen Gegner, die Gern werden mit dem Hinweis auf "Gleichschaltung" und
englischen Tennisspieler Bunny Austin und Fred Perry wandten spätere Auflösung die Turn- und Sportverbände als "Opfer" der
sich daraufhin in der "Times" am 14. April protestierend an die nationalsozialistischen Politik dargestellt, ohne auf die Rolle der
Öffentlichkeit. deutschen Turn- und Sportbewegung in den unterschiedlichen
Phasen des nationalsozialistischen Machteroberungsprozesses
Auch das Engagement des schwedischen Königs Gustav Adolf und Machtkonsolidierungsprozesses einzugehen.
von Schweden, der anlässlich eines Besuchs in Berlin nach dem
Empfang durch Hitler und Hindenburg ein Tennisspiel mit Dabei war die Turn- und Sportbewegung ein aktives Element in
David Prenn austrug, änderte nichts an dem Ausschluss Prenns dem nationalsozialistischen Machteroberungsprozess. Sie hat
aus dem deutschen Tennis-Davis-Cup-Team und aus dem sich aktiv eingebunden in den damaligen politischen und
deutschen Tennissport. David Prenn emigrierte nach England. gesellschaftlichen Wandlungsprozess, der letztlich zur Ermor-
dung und Vernichtung von Millionen Menschen durch den
Holocaust und den Zweiten Weltkrieg geführt hat. OF

47
König Fußball und die Frauen - Künstlerinnen und die WM
ich dem Thema Fußball als Frau zu nähern - das kann mit rinnen, die sich mit dem Thema rund um den Ball auseinander-
S einem bösen Foul enden. Noch immer sind manche Männer
der Meinung, Frauen hätten keine Ahnung von dieser männli-
setzen. Sie wurde fündig: Elf nationale und internationale Künst-
lerinnen widmen sich dem Spiel der elf Freunde auf sehr origi-
chen Passion, obwohl diese doch nun schon hinlänglich bewie- nelle Weise. Eine, die antritt, ist die Aachenerin Michaele Brüll,
sen haben, dass sie auch kicken können. Und sogar die Spielre- die seit 2002 in Berlin lebt und (wie alle anderen, die im Team
geln beherrschen. Dennoch: Lieber sieht man(n) sie am Spielfeld- sind) schon eine Reihe erfolgreicher Ausstellungen gestaltet hat.
rand. Aber so ins Abseits stellen lassen sich die weiblichen Fans Sie greift nicht zu Stutzen und Beinschonern, sondern zu Netz-
der Fußballkunst nicht mehr. Und sie nähern sich auf ungewöhn- strümpfen, um Fußball(er) ins rechte Licht zu setzen. Foto-
liche Weise dem Sujet ihrer neu entdeckten Leidenschaft. Sie Fußballszenen (mit Vorliebe von ihrem Heimatverein Alemannia
werfen auch schon mal einen künstlerischen Blick auf die Män- Aachen) werden mit Nylon umgarnt und lassen neue Perspekti-
ner-Domäne. "König Fußball und die Frauen" ist das Thema einer ven nach dem Motto "Beine, Hosen, Leidenschaft" auf Spieler,
Ausstellung, die von Mai bis Juli 2006 in Berlin in der Galerie im Spiel und Umfeld zu.
Körnerpark geplant ist.
Anne Dettmer dagegen steht auf Gummi: Farbenprächtige
Auf die Idee kam die Kuratorin Bettina Lukacevic durch Gesprä- Körper stürmen und kämpfen miteinander um das runde Leder.
che im Bekanntenkreis. "Ich habe festgestellt, dass oft in großen Und an der weißen Wand scheint die Bewegung Wirklichkeit zu
und kleinen Runden über Fußball geredet wird. Männergesprä- sein. Die Skulpturen sind aus drei Millimeter dicken Gummi-
che. Wenn eine Frau sich da einmischt, wird sie immer noch schnüren, die waagerecht an der Wand mit Hilfe von Nägeln
nicht ernst genommen. Aber warum? Auch Frauen fasziniert das festgehalten werden. Erst auf den zweiten Blick fällt etwas an
Spiel." Und deshalb machte sie sich auf die Suche nach Künstle- den Körpern auf: Die Akteure sind kopflos, haben keine Hände -

48 OF-G ALERIE
und das Schlimmste für einen Dribbelkünstler: Es fehlen die allem nicht den Mund. Sie sind Stars bei der Mexikanerin Angeli-
massigen Oberschenkel und die Füße, die doch immer so filigra- ka Chio, die mit neuen Medien arbeitet. Sie stürmt mit Fußball-
ne Schießtechniken zelebrieren. In Ton hält die Österreicherin Kommentaren, unterlegt mit einem deutsch-spanischen Popsong
Barbara Beranek Bewegung fest. Fußball ist für die Wienerin und passenden Bildern über den Rasen - und am Ende steht ein
"Heldentum, Patriotismus, Macht, Sex und Geld". Und deshalb Karaoke-Video.
will sie elf Figuren schaffen, ihre "Mannschaft" eben: Natürlich
wird jede Position unter humorvollen Aspekten auf den Platz Fußball aus künstlerischer Frauensicht ist aber offensichtlich
gestellt. Ihre Landsfrau Isabella Krizek entdeckt den Ball als nicht unterstützenswert. Zumindest nach Meinung derer, die an
lohendes Stickobjekt, stichelt und reflektiert über den "Hype um den kulturellen Projekttöpfen sitzen. Bettina Lukacevic musste
den Rasen". auf der Suche nach Sponsoren für die Ausstellung gegen Vorur-
teile ankämpfen. "Frauen und Fußball? Nein, das passt nicht so",
Mit ihrem Thema "Fußballer/inas" richtet die Saarländerin Doris war der gängige Kommentar, mit dem sie abgeschmettert wurde,
Hinzen-Röhrig auch eine Hommage an die Frauen, die sich "mit ohne wirkliche Argumente zum Konzept zu hören. In das Kultur-
zunehmendem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl eine programm der Bundesregierung zur Fußballweltmeisterschaft
Männerdomäne nach der anderen erschließen, ohne ihre Weib- passte die Ausstellung angeblich auch nicht, "weil sie zu lokal
lichkeit dabei aufzugeben". Bewegungsvermögen und Beinakro- bezogen ist", was für andere Projekte des 30 Millionen Euro
batik, aber auch stramme Fußballerwaden sind ihre Spielwiese, teuren Kulturprogramms, das es übrigens zum ersten Mal bei
die sie sich aus Fotocollage und Malerei schafft. Olli Kahn oder einer WM gibt, ebenso gilt. Aufgeben will die "Elf" nicht. Sie will
Jens Lehmann könnten sie verstehen: Torschüsse und Torhüter, im Mai 2006 auflaufen. Der Anstoß ist jedenfalls fest eingeplant.
die Panik des Torwarts beim Elfmeter, die Angst vor dem Ball Und die Fußballkünstlerinnen hoffen auf einen Sturmlauf des
interessieren die Malerin Katja Wüstehube. Und so zeigt sie: Publikums im Körnerpark.
Hände ringen - (tolle) Hechte springen - und acht Keeper halten
einen Ball. Während Sportkommentatoren oft nichts halten - vor Bianka Schreiber-Rietig

OF-G ALERIE 49
Nachrichten des NOK

"Schafft Olympia Frieden?" "Wiege der Demokratie" eingangs als


richtigen Ort für kritisch-konstruktive
von 18 Prozent 1980 in Moskau zwar auf
nahezu 50 Prozent erhöht haben, im IOC
Auseinandersetzungen im Sport bezeichnet selbst aber bildeten die momentan zwölf
Internationales Olympisches hatte. "Mit dem IOF wollen wir die Ideale Vertreterinnen weiter eine verschwindende
der Olympischen Bewegung in der Stadt des Minderheit gegenüber den über 100 Män-
Forum Frankfurt kritischen Diskurses, an der historischen nern: „Das tut mir leid“, gestand der Mann
Stätte demokratischer Rede und Gegenrede, aus Gent und versprach Besserung: „Wir
IOC-Präsident Jacques Rogge, der Schweizer der Frankfurter Paulskirche, zur Diskussion müssen mit gutem Beispiel vorangehen.“
Moraltheologe und Präsident der World stellen und Anspruch und Zustand der Zur Überwindung des Nord-Süd-Gefälles
Ethic Foundation Professor Dr. Hans Küng, Olympischen Bewegung" reflektieren, und der höchst ungleichen Medaillen- und
Doppelolympiasiegerin Heike Drechsler und erläuterte NOK-Generalsekretär Bernhard Startchancen zwischen armen und reichen
der Präsident des Bundesverbandes Deut- Schwank das Ziel der mit knapp 800 Besu- Ländern sind hingegen laut Rogge die
scher Banken und Sprecher des Vorstandes chern bereits im ersten Jahr ihres Bestehens Weichen schon klar gestellt. Etwa 90 Pro-
der Commerzbank AG Klaus-Peter Müller - hervorragend angenommene Veranstaltung. zent der insgesamt rund 4,5 Milliarden
mit dieser Runde versuchte ZDF-Moderator Neben Petra Roth, Dr. Steinbach und Dr. Dollar, die das IOC für den Verkauf der TV-
Michael Steinbrecher am Dienstag, dem Bender begrüßte auch der Hessische Innen- Rechte und durch Sponsoring aus den
27.09.2005 in der Frankfurter Paulskirche minister Volker Bouffier in einer kurzen Spielen 2010 in Vancouver und 2012 in
auszuloten, ob die Olympische Bewegung Ansprache die neue Initiative des NOK. London erlöst, sollen im `Kampf gegen
das zu leisten imstande ist, was ihr Begrün- Ungerechtigkeit´ an Entwicklungsländer
der Pierre de Coubertin vor 109 Jahren IOC-Präsident Rogge umverteilt werden. Der IOC-Präsident, der
anstrebte: friedliche Koexistenz durch als Segler von 1968 bis 1976 selbst dreimal
sportliche Begegnung. Den Boden für diese forderte Stärkung der aktiv an Olympischen Spielen teilnahm,
Diskussion hatte IOC-Präsident Rogge zuvor olympischen Werte erhofft sich daraus zugleich einen wichtigen
mit einem Grundsatzreferat zu den Heraus- Nebeneffekt. Schon heute seien die NOKs
forderungen des Sports im 21. Jahrhundert IOC-Präsident Jacques Rogge betrachtet die finanziell unabhängiger und damit freier in
gelegt (vgl. Seite 16 in diesem Heft). Stärkung der ethischen und moralischen ihren Entscheidungen als vor 20 Jahren.
Werte des Sports als größte Zukunfts- Boykottszenarien wie 1980 in Moskau und
Eine neue Veranstaltung in Herausforderung der olympischen Bewe- 1984 in Los Angeles würden sich daher
gung. Gut gefüllte IOC-Kassen und ein nicht wiederholen, meinte Rogge.
der Paulskirche weltweites Interesse an den Olympischen
Spielen seien optimale Rahmenbedingungen "Der Sport kann eine bessere
NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach brachte dafür, meinte der 63 Jahre alte Belgier.
eingangs der Veranstaltung die Hoffnung Zugleich mahnte er jedoch: „Wenn der Welt schaffen"
zum Ausdruck, mit der neuen Reihe Inter- Sport sich nur um seinen Preis kümmert,
nationales Olympisches Forum Frankfurt dann verliert er seine Werte.“ Es dürfe daher Den exemplarischen Charakter des Sports
(IOF) eine Kernaufgabe der den NOKs in der nicht nur um das Materielle gehen, bekräf- und seine Vorbildfunktion für die Gesell-
Olympischen Charta zugewiesenen Aufga- tigte Rogge: Die zentrale Frage sei: "Sind wir schaft hob Prof. Dr. Hans Küng hervor, ohne
ben zu erfüllen: "Wir sind überzeugt von der auch da gut, wo es um nicht greifbare seine "dunklen Seiten" in Abrede stellen zu
Olympischen Idee und der Olympischen Werte geht." Deshalb will der Mediziner den wollen. Zugleich unterstrich er die Verant-
Bewegung, doch dabei muss auch Raum für Fokus mehr als bisher auf Ethos und Fair- wortung des Einzelnen bei der Einhaltung
kritische Reflexion und konstruktiven Dialog ness gerichtet sehen. Internationaler Kampf geschriebener und ungeschriebener Regeln
sein", sagte Steinbach, der dem Mitveran- gegen Rassismus und Korruption, Schutz des Sports. Zugleich appelierte er an Tugen-
stalter Deutsches Olympisches Institut der Würde des Athleten, Abwehr von den wie Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeit,
dankte und dabei den Bogen zum langjähri- Sportsöldnern, die für Geld Nationalität und Ehrfurcht vor dem Leben und Gewaltlosig-
gen NOK-Präsidenten Willi Daume als Startrecht tauschen und eine Stärkung des keit, die zum Teil in einer einfachen Bürger-
Initiator dieser Einrichtung spannte. Stein- Schieds- und Kamprichterwesens: So ethik ihre Entsprechung fänden. Wie IOC-
bachs Dank galt darüber hinaus der Wirt- beschrieb Rogge einige der Felder, auf Präsident Rogge erinnerte auch Commerz-
schaftsinitiative FrankfurtRheinMain, für die denen das IOC und der internationale Sport bank-Vorstandssprecher Claus Peter Müller
deren Vorsitzender, Fraport-Vorstandschef Anstrengungen bündeln müssten. Gleiches an hervorragende Beispiele des Fair Play im
Dr. Wilhelm Bender begrüßte sowie der gelte hinsichtlich einer höheren Frauenquo- Sport und nannte dabei historische wie
gastgebenden Frankfurter Oberbürgermeis- te im IOC. Bis zu den Olympischen Spielen aktuelle Beispiele von der Sportlerfreund-
terin Petra Roth, die die Paulskirche als 2012 werde sich der Anteil der Athletinnen schaft eines Luz Long mit Jesse Owens, die

50
51
vor dem Rassenwahn des dritten Reiches gerufen. Schriftliche Stellungnahmen und Antragsrecht für die Konferenzen der
Bestand hatte bis hin zu Bianca Kappler, die Positionen der Mitgliedsorganisationen Spitzenverbände und der Landessportbünde,
eine ihr zugesprochene Weitsprung-Weite wurden dabei bewertet und diskutiert. In für die Vollversammlung der Deutschen
zu ihren Ungunsten korrigiert wissen wollte. dem Gespräch wurde deutlich, dass die Sportjugend, die Frauenvollversammlung
Müller empfahl dem Sport solche Leistun- Gültigkeit der IOC-Charta weit reichende und die Vollversammlung der Aktiven vor.
gen des Fair Play in einer herausragenderen Konsequenzen für die Strukturen einer Außerdem wurde von Seiten des NOK
Weise als bisher zu würdigen, um einen gemeinsamen Dachorganisation hat. Vor zugesagt, sich beim IOC dafür einzusetzen,
noch besseren Beitrag zur Pflege einer Ethik allem die Landessportbünde hatten zuvor an dass die Festlegung der Mitgliedsbeiträge
des Sports zu leisten. ihrem gegenüber den olympischen Verbän- nur mit 2/3-Mehrheit der Mitgliederver-
den geringeren Stimmengewicht in der sammlung erfolgen kann. Im nunmehr
Weitsprung-Doppel-Olympiasiegerin Heike neuen Organisation Kritik geübt. verabschiedeten Entwurf bleibt es allerdings
Drechsler beschrieb Olympische Spiele bei einer Stimmenverteilung von etwa
einerseits als Erlebnis der Freiheit, anderer- Nach einem Gipfeltreffen mit IOC-Präsident einem Drittel für die Landessportbünde.
seits beschrieb sie auch den Grat der Versu- Jacques Rogge, an dem NOK-Präsident Dr.
chung zu Betrug und Manipulation aus Steinbach, die beiden deutschen IOC- Die Arbeit der Gemeinsamen Strukturkom-
wirtschaftlichen und existenziellen Zwän- Mitglieder Prof. Walther Tröger und Dr. mission von NOK und DSB ist damit vorläu-
gen. IOC-Präsident Rogge blieb es überlas- Thomas Bach sowie DSB-Präsident Manfred fig beendet. Der Satzungsentwurf wurde in
sen, abschließend darauf hinzuweisen, man von Richthofen und Ekkehard Wienholtz den Sitzungen der beiden Präsidien am 6.
könne vom Sport zwar nicht erwarten, (Kiel) als Vertreter der LSB teilgenommen und 7. Oktober als Bestandteil des Ver-
Dinge zu erreichen, die in 4000 Jahren hatten, hatte NOK-Chef Klaus Steinbach schmelzungsvertrags verabschiedet und
Zivilisation nicht umgesetzt werden konn- verdeutlicht, dass die IOC-Charta ein Über- dann den Mitgliedsorganisationen zur
ten, allerdings hätten gerade Olympische stimmen der olympischen Verbände auch in Beratung übersandt.
Spiele in der Vergangenheit immer wieder Teilbereichen nicht zulässt, solle die neue
Signale für ein friedliches Miteinander Organisation Anerkennung durch das IOC Die Kommission hält an ihrem Gesamt-
gesetzt. finden. Zeitplan fest. Dies bedeutet, dass Ände-
rungsanträge laut Satzung bis 4. November
„Der Sport kann einen besseren Menschen bei den beiden Dachorganisationen einge-
und damit eine bessere Welt schaffen“, Satzungsentwurf hen müssen. Eine weitere Beratung und
sagte der IOC-Präsident. Am Ende des 1. Meinungsbildung ist möglich, wenn Einig-
Internationalen Olympischen Forums Frank- überarbeitet keit unter den beiden Präsidien über den
furt zog NOK-Präsident Dr. Steinbach ein Letztentwurf festgestellt wird. Beim DSB-
positives Fazit: „Das Thema sei allerdings so Der Ende September überarbeitete Sat- Bundestag und der NOK-Mitgliederver-
anspruchsvoll gewesen, dass man nur zungsentwurf sieht nun unter anderem ein sammlung selbst ist nur eine Entscheidung
bestimmte Facetten beleuchten konnte“.

Mögliche Fusion von


DSB und NOK geht in
entscheidende Phase
Auf dem Weg zu einem möglichen neuen
Dachverband des deutschen Sports steht
die entscheidende Phase bevor. Gemäß der
Planungen der Strukturkommission sollen
die Mitgliederversammlungen von DSB und
NOK am 10. Dezember in Köln die Auflö-
sung beider Verbände beschließen, um am
20. Mai 2006 die Fusion zu ermöglichen.

Die gemeinsame Strukturkommission von


DSB und NOK hat Vertreter der verschiede-
nen Mitgliedsorganisationen (olympische
Verbände, nicht-olympische Verbände,
Landessportbünde) Ende September zu
einer letzten Beratung über den mittlerwei- Baustelle Fusion: Das dpa-Foto aus dem Jahr 1999 zeigt Kräne über dem Regierungsviertel
le vorliegenden Satzungsentwurf für die (nahe des Reichstages mit der Kuppel des Fernsehturms als markantem Punkt.)
gemeinsame Dachorganisation zusammen-

52
für oder gegen eine Fusion zu fällen. Mit
diesem Ablaufplan soll gewährleistet wer-
Graf Landsberg-Velen vergeben. Mit der
Ludwig-Wolker-Plakette würdigt der DSB NOK-Mitglied Prof. Dr.
den, dass der deutsche Sport zügig zu einer
.neuen gemeinsamen Führungsstruktur
alle zwei Jahre eine Person für herausragen-
de Leistungen um die Förderung der Werte Norbert Müller geehrt
findet.
Der Griechische Staatspräsident Karolos
Papoulias überreichte persönlich auf der

IOC-Mitglied Walther Tröger Pnyx von Athen, dem antiken Versamm-


lungsort gegenüber der Akropolis, den

in Vilna ausgezeichnet "Athen-Preis" des Hellenischen Olympischen


Komitees an Professor Norbert Müller vom
Fachbereich Sport der Johannes Gutenberg-
Für seine Verdienste um den Aufbau und die Universität. Vor 200 Delegierten aus 102
Zusammenarbeit der europäischen NOKs
über vierzig Jahre wurde IOC-Mitglied und
NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger in Vilna

NOK-Vizepräsident Graf Landsberg-Velen,


hier im Gespräch mit NOK-Präsident Dr.
Steinbach und DSB-Präsident Manfred von
Richthofen

des Sports in seiner ethischen und morali-


schen Dimension und erinnert dabei an den
Mitbegründer des DSB, der eine große und
wichtige Rolle in der konfessionellen Sport- Staatspräsident Karolos Papoulias (l.) ehrt
bewegung spielte. "Reiter-Graf" Landsberg- NOK-Mitglied Prof. Dr. Müller
Velen hat sich in vielen verantwortlichen
Ehrenämtern in den Dienst der Gesellschaft Ländern wurde die weltweit führende Rolle
gestellt, so unter anderem als Vizepräsident der Mainzer Forschungsgruppe Olympia
des Deutschen Sportbundes und des Natio- unter Leitung von Professor Müller anläss-
nalen Olympischen Komitees für Deutsch- lich der Eröffnung der 45. Session der
IOC-Mitglied und NOK-Ehrenpräsident land sowie als langjähriger Präsident der Internationalen Olympischen Akademie
Prof. Walther Tröger Deutschen Reiterlichen Vereinigung. Dieter (IOA) am 27.07.2005 in bisher einmaliger
Graf Landsberg-Velen hat sich in seiner Form herausgestellt. Der jährlich zu verge-
(Litauen) mit dem Kommandeurskreuz des gesamten Tätigkeit im Sport stets für diese bende Preis wurde in Erinnerung an die für
Staatlichen Verdienstordens für Leistungen ethischen Grundlagen eingesetzt. Griechenland so erfolgreich durchgeführten
im Sport ausgezeichnet. Die Ehrung erfolgte Olympischen Spiele 2004 gestiftet. Prof.
im Rahmen des 11. Europäischen Fair Play Müller ist der erste Preisträger.
Kongresses (20.-25. September 2005), bei
dem Professor Tröger die Vertretung von Gewichtheber-Präsident Die Laudatio stellte Professor Müllers
IOC, EOC u nd NOK für Deutschland wahr-
nahm und seinerseits den Europäischen Fair Umbach ausgezeichnet außergewöhnlichen Einsatz für die wissen-
schaftliche Grundlegung der olympischen
Play Preis 2004 an den Präsidenten des Ideale, seine Aufbauarbeit einer nationalen
Nationalen Olympischen Komitees für Claus Umbach, Präsident des Bundesverban- und internationalen Olympischen Akademie
Litauen, Arturas Poviliunas, übergab. des Deutscher Gewichtheber (BVDG), ist für und die damit verbundene Ausbildung von
sein ehrenamtliches Engagement im Sport zahllosen Nachwuchswissenschaftlern auf
mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande dem olympischen Forschungsfeld seit über

Graf Landsberg-Velen ausgezeichnet worden. Der 56 Jahre alte


Rektor der Erich-Kästner-Gesamtschule in
30 Jahren heraus. Als Mitglied der IOA habe
er weltweite Pionerarbeit geleistet.

Träger der Ludwig-Wolker Baunatal erhielt die Auszeichnung aus den


Händen des hessischen Innenministers

Plakette 2005 Volker Bouffier. Umbach engagiert sich seit


seiner Schulzeit im Sport und war anfangs Dr. Georg Huber als Sport-
Anlässlich einer Gedenkfeier zum 50.
als Ruderer aktiv. 1982 wurde er in den
Vorstand der Gewichtheberjugend gewählt, arzt des Jahres gewürdigt
Todestag des "Sportprälaten" Ludwig Wolker vor fünf Jahren trat er das Amt als BDVG-
im Barocken Schloss in Münster wurde die Präsident an und wurde Mitglied im Natio- Zur Auszeichnung "Sportarzt des Jahres" hat
Ludwig-Wolker-Plakette des Deutschen nalen Olympischen Komitee für Deutsch- NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach, im
Sportbundes an NOK-Vizepräsident Dieter land. Hauptberuf Ärztlicher Direktor der Hoch-

53
waldkliniken im saarländischen Weiskirchen, Festsaal des Hamburger Rathauses die
Dr. Georg Huber, einem langjährig tätigen Sonderbriefmarke zu Ehren von Max
Arzt der deutschen Olympiamannschaften Schmeling vorgestellt, der am 28. Septem-
gratuliert. Die ber 100 Jahre alt geworden wäre. Der
Ehrung wird von bislang einzige deutsche Schwergewichts-
der Gesellschaft Boxweltmeister war am 2. Februar gestor-
für Orthopä- ben. Eine Erstausgabe der Marke überreichte
disch-Traumato- Eichel an Hamburgs Bürgermeister Ole von
logische Sport- Beust, Dr. Klaus Steinbach, den Präsidenten
medizin (GOTS) des Nationalen Olympischen Komitees für
seit dem Jahr Deutschlands, Hamburgs Ehrenbürger Uwe
2002 verliehen. Seeler und den Ehrenvorsitzenden der Max-
Sie erfolgte Schmeling-Stiftung, Dr. Claus Robert Agte.
bereits im Juni in "Schmeling war gelebte Menschlichkeit",
München. sagte Eichel in seiner Rede, `er war ein
Dr. Georg Huber
Meister aller Klassen und ein Meister des
Der 62jährige Dr. Fairplay". NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach
Georg Huber ist seit 1972 Mitglied der wies unter anderem auf die langjährige
deutschen Olympiamannschaften. Seit 1988 Unterstützung des deutschen Sportidols für
betreut er Paralympics-Mannschaften, seit die Stiftung Deutsche Sporthilfe hin, der er
1997 deutsche Gehörlosen-Teams bei den insgesamt einen Millionenbetrag zukommen
Deaflympics. Im Jahr 2003 wurde Dr. Georg ließ. Uwe Seeler rief junge Sportler auf,
Huber, der auch Mannschaftsarzt der Auch NOK-Mitglied Eberhard Gienger "sich an Max zu orientieren: Dann seid ihr
alpinen Ski-Nationalmannschaft ist, bereits (MdB) engagiert sich seit vielen Jahren für auf dem richtigen Weg, Erfolg zu haben."
mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande die Tour der Hoffnung. Hier beim Start der Die Marke im Wert von 55 Cent ist seit dem
ausgezeichnet. "Dein beispielloses Engage- Tour 1995 vor dem Brandenburger Tor. 8. September an den Schaltern der Deut-
ment für die deutschen Olympiamannschaf- schen Post erhältlich
ten und später auch für Paralympics- und mehrfache Weltmeisterin. Dr. Bach bezeich-
Gehörlosen-Teams verpflichten die deutsche nete die Prominentenfahrt als "einzigartige
Olympische Bewegung zu großer Dankbar-
keit.", schrieb NOK-Präsident Dr. Klaus
Solidarität des Sports mit Schwächeren und
als leuchtendes Beispiel für den olympi- 60. Geburtstag von
Steinbach an den an der Universitätsklinik
Freiburg tätigen Kardiologen und Arbeits-
schen Geist". Noch nie habe das IOC die
Coubertin Medaille an eine Organisation DTB-Präsident Brechtken
mediziner, zu dessen Hobbies auch das verliehen. Weltweit haben bislang nur
Bergwandern und das Motorradfahren dreißig Personen diese hohe olympische Anlässlich eines Empfangs zum 60. Geburts-
zählen. Auszeichnung erhalten. tag von DTB-Präsident Rainer Brechtken am

Coubertin-Medaille für Sonderbriefmarke für


die Tour der Hoffnung Max Schmeling
Mit einem Spendenrekord von 941.000 Euro Vor rund 200 geladenen Gästen hat Bun-
ist die "Radtour der Hoffnung" zugunsten desfinanzminister Hans Eichel im August im
krebskranker Kinder beendet worden. 211
Sportler und Künstler haben sich beteiligt.
Vier Tage lang radelte das Fahrerfeld über
345 Kilometer für den guten Zweck. Seit
dem Etappenziel Tauberbischofsheim darf
sich die Goodwill-Tour auch mit olympi-
schen Lorbeer schmücken. Dr. Thomas Bach,
Mitglied des Internationalen Olympischen
Komitees (IOC), der sich mit Tauberbischofs-
heimer Fechtern ebenfalls aufs Rad ge-
schwungen hatte, überreichte der Tour-
Schirmherrin Petra Behle die Pierre-de- (vlnr, hinten): Eberhard Gienger, Klaus
Coubertin-Medaille in Gold für besonderes Olympiasieger Henry Maske zeigt am Riegert, Erwin Staudt, Günther H. Oettinger
soziales Engagement durch Sport. Petra 24.08.2005 im Hamburger Rathaus die Max und Dr. Klaus Steinbach, vorne: Rainer
Behle ist Biathlon-Olympiasiegerin und Schmeling-Sonderbriefmarke Brechtken.

54
8. September 2005 in Frankfurt am Main Nach der Zustimmung durch das NOK- beit mit dem NOK steigt hoffentlich auch
überbrachte NOK-Präsident Dr. Klaus Stein- Präsidium stand der Unterzeichnung der die sportpolitische Bedeutung unseres
bach herzliche Grüße des NOK-Präsidiums. Vereinbarung beim 70. Bundesfinale in Wettbewerbs, der immerhin der größte
Brechtken sei ein "stets sachkundiger Berlin nichts mehr im Wege und NOK- Schulsportwettbewerb der Welt ist." Die
Sportpolitiker, den auf treffende Weise all Präsident Dr. Klaus Steinbach ließ es sich Vertragsunterzeichnung erfolgte durch den
jenes zu kennzeichnen scheint, was man nicht nehmen, am Pressegespräch im Sony NOK-Präsidenten und den Vorstandsvorsit-
meint, wenn man einen Menschen als Center am Potsdamer Platz teilzunehmen. zenden Reinhard Peters sowie durch die
leidenschaftlichen Olympier" bezeichnet, Der Präsident bezeichnete die Vereinbarung Vizevorsitzenden der Deutschen Schulsport-
sagte Steinbach im Rahmen einer kleinen mit der Deutschen Schulsportstiftung als stiftung Dietmar Hiersemann und Karl
Ansprache in der Bundesturnschule. längst überfälligen Schritt: "Wo Olympia Weinmann im Beisein des Berliner Staatsse-
drauf steht, muss auch Olympia drin sein kretärs Thomas Härtel, der den Schulter-
Rainer Brechtken, der anlässlich der NOK- und wo Olympia drin ist, muss auch Olym- schluss sehr begrüßte und sich dadurch
Mitgliederversammlung im November 2002 pia drauf stehen. Das NOK und die Deutsche neue Impulse und zusätzliche Motivation
in das NOK-Präsidium gewählt wurde, sei Schulsportstiftung arbeiten auf gemeinsa- für den Bundeswettbewerb erhofft.
dafür bekannt, Probleme stets auf den men Feldern und unsere Zielgruppen über-
Punkt zu bringen und dabei die praktische schneiden sich. Wir sind sicher, dass unsere
Umsetzung sportpolitischer Maßnahmen im Aktivitäten deshalb auf fruchtbaren Boden Dr. Andreas Höfer berichtet
Blick zu behalten. Insbesondere die laufende fallen werden." Durch die Zusammenarbeit von der 7. Lehrerfortbildung
Strukturdebatte im deutschen Sport habe er möchte das NOK den 900.000 teilnehmen-
dabei an federführender Stelle mitgestaltet. den Schüler/-innen die Olympische Idee "Alles fließt" - oder, wie die alten Griechen
näher bringen und sie u.a. für Themen wie sagten, "panta rhei". Dieses, von einem
Fair Play und den Kampf gegen Doping "dunklen Philosophen" aus Ephesos namens
Olympische Erziehung sensibilisieren. Die Aktivitäten sollen auf
verschiedenen Ebenen ansetzen und natür-
Heraklit um 500 vor Christus auf den Punkt
gebrachte Grundgesetz irdischen Daseins,
lich auch die Bundesfinale einschließen. Das dem sich allenfalls Reformvorhaben der
Neue Kooperation mit NOK hat sich bislang bereits an den Winter- deutschen Politik zu entziehen vermögen,
finalveranstaltungen beteiligt - u.a. mit gilt allemal für den Alpheios. Davon konn-
Jugend trainiert für Olympia Ausstellungen über die Historie der Olympi- ten sich kürzlich zumindest diejenigen vor
schen Spiele, einem Quiz und dem "NOK-
Im Rahmen des "Jugend trainiert für Olym- Olympiastudio" mit prominenten Talkgästen.
pia"-Herbstfinales wurde die Kooperations- Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen
vereinbarung zwischen der Deutschen Schulsportstiftung, Reinhard Peters nannte
Schulsportstiftung und dem Nationalen die Unterzeichnung der Vereinbarung einen
Olympischen Komitee für Deutschland weiteren Meilenstein in der 36-jährigen
unterschrieben und besiegelt. JTFO-Geschichte. "Durch die Zusammenar-

Der Leiter der 7. Lehrerfortbildung Kurato-


riumsvorsitzender Robert Marxen (l.) mit
NOK-Abteilungsleiter Achim Bueble.

Ort überzeugen, die dem Angebot des


Grazer Altphilologen Prof. Ingomar Weilers
folgten und sich in aller Frühe mit ihm auf
den Weg zu diesem Fluss im Tal Olympias zu
machen. Sicher eine beruhigende, doch
beileibe nicht die einzige, auch nicht die
wichtigste Erkenntnis der 7. Lehrerfortbil-
dung des NOK für Deutschland im grie-
chischen Olympia.

Der inzwischen 68jährige Experte für antike


Sportgeschichte betätigte sich freilich nicht
NOK-Präsident Dr. Steinbach (2. v.l.) bei der Vertragsunterzeichnung mit Karl Weinmann, stv. nur als Pfadfinder und Vor-Läufer auf den
Vorsitzender Deutsche Schulsportstiftung (l.), Dietmar Hiersemann, Vors. Kommission Spuren des Göttervaters Zeus, sondern, im
Jugend trainiert für Olympia, Reinhard Peters, Vors. Deutsche Schulsporstiftung und Thomas Zusammenspiel mit dem gelernten Archäo-
Härtel, Berliner Bildungsstaatssekretär. logen und neuen Direktor des Deutschen

55
Sport- und Olympiamuseums, Dr. Christian digkeiten durchaus Parallelen zur vermeint- Auf diese Problematik wies der Frankfurter,
Wacker, als äußerst kundiger und anregen- lich guten alten Zeit des olympischen Sports bald Saarbrücker Sportwissenschaftler Eike
der Reiseleiter. Ihre Führungen durch die aufweisen. Emrich in seinem Einführungsvortrag hin,
Ausgrabungsgelände und Museen der um es am Beispiel des Dopings eindrucksvoll
weltberühmten Kult- und Sportstätten des Damit wurde der Finger in eine Wunde durchzudeklinieren. Wenn ihn dies aber
Altertums zählten zu den Höhepunkten der gelegt, die all denen zu schaffen macht, die nicht von einem Plädoyer für eine effektive
siebentägigen Veranstaltung, zumal sie auch sich im Sinne der Olympischen Idee pädago- "Werteerziehung durch Sport" abhielt,
den Bogen zur neuern Geschichte des gisch engagieren. Wie will man nämlich mochte das nicht nur die teilnehmenden
Lehrerinnen und Lehrer, sondern auch die
Verantwortlichen der Fortbildungsmaßnah-
me zu bestätigen und motivieren. Schließ-
lich ist das NOK, namentlich sein "Kuratori-
um Olympische Akademie und Olympische
Erziehung" seit Jahrzehnten in vorbildlicher
Weise darum bemüht, seinen satzungsge-
mäßen Auftrag einer Förderung der Olympi-
schen Idee wirkungsvoll umzusetzen, wobei
die Protagonisten pädagogischer Basisarbeit
naturgemäß eine wichtige Zielgruppe
darstellen.

Umso erfreulicher ist die Resonanz. Wie in


der Vergangenheit nahmen auch dieses Mal
mehr als achtzig Lehrerinnen und Lehrer aus
ganz Deutschland sowie je zwei Kolleginnen
und Kollegen aus Dänemark und Liechten-
stein das inzwischen gleichsam institutio-
nelle Angebot an, bei doch erheblicher
Das Referententeam mit (v.l.) Dr. Christian Wacker, Rolf Geßmann, Robert Marxen, Margare- finanzieller Selbstbeteiligung eine ebenso
te Schorr, Claudia Brill, Achim Bueble, Monika Müller, Hennes Weiß, Peter Mey, Prof. Dr. anstrengende wie anregende Woche in der
Ingomar Weiler und Claus Kretschmer. Internationalen Olympischen Akademie auf
sich zu nehmen. Eindrucksvoll war auch das
Großfests des Sports zu schlagen vermoch- junge Menschen für die gute Sache begeis- Engagement der Teilnehmer, die keineswegs
ten. Sehr erhellend waren insbesondere die tern, wenn diese - Stichwort Doping und nur instruieren lassen wollten, sondern auch
Hinweise darauf, dass viele der heute oft Kommerz - gleichzeitig auch negative ihre eigenen Ideen einbrachten und vielfäl-
beklagten Fehlentwicklungen und Fragwür- Assoziationen weckt? tigen bereits durchgeführte oder angedach-
te Projekte vorstellten.

Dass im Rahmen der entsprechenden


Aktivitäten neben der Förderung sportlicher
Werte wie Fairness, gegenseitige Achtung
oder Rücksichtnahme durchaus auch das
Prinzip der Leistung im Blickpunkt steht,
musste nicht zuletzt Bernhard Schwank
erfreuen. Schließlich hatte der Generalse-
kretär - angesichts einer nicht nur fusions-
bedingt großen Arbeitsbelastung auch eine
Leistung - den weiten Weg ins ferne Olym-
pia auf sich genommen, um allein dadurch
sowie explizit im Rahmen eines Vortrags die
Wertschätzung pädagogischer Arbeit im
Sinne der Olympischen Idee, also auch im
Sinne sportlichen Leistens durch das NOK
für Deutschland zu dokumentieren.

Möglicherweise hat auch er die Erkenntnis


mit nach Hause genommen, dass die huma-
nen Werte des Sports nicht nur in den
Gruppenfoto der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der 7. Lehrerfortbildung des NOK in großen Arenen der Welt oder auf den
Olympia vor der Internationalen Olympischen Akademie Fernsehschirmen zur Geltung kommen

56
(sollten), sondern auch und vielleicht noch Die Vereinbarung dient der Erneuerung der Olympischen Spiele in Athen an, die den
viel mehr an der Basis und in der Breite des Tradition und der Organisation des Fackel- Winterspielen in Turin vorangingen".
Eisbergs. In diesem Sinne ist es ermutigend, laufs als Werbemaßnahme für die Spiele in
dass auch in deutschen Schulen - trotz oder Griechenland und Italien.
vielleicht gerade wegen des Pisa-Schocks - Symbol der Winterspiele
wenn auch nicht alles, so doch immerhin Die Olympische Flamme wird am 27. No- eingeweiht
einiges im Fluss ist. vember in Olympia entzündet. Nach zehn
Tagen auf griechischem Territorium wird die In Turin ist Ende September ein 69 Meter
Flamme am 6. Dezember in Athen im hoher Bogen eingeweiht worden, das

Olympische Spiele antiken Panathinaikon Stadion eintreffen.


Dort wird das Feuer an das Turiner Organi-
Symbol der Olympischen Winterspiele vom
10. bis 26. Februar 2006. Die Konstruktion,

Turin 2006 sationskomitee übergeben. die das Turiner Industrieviertel Lingotto mit
einem der Olympiadörfer verbindet, wurde
Am 7. Dezember wird ein Flugzeug die von 30 internationalen Architekten unter
Sportfachliche Nominierungs Flamme nach Rom bringen, wo sie von der Leitung des Italieners Benedetto Came-
Staatspräsident Ciampi entgegengenommen rana entworfen. Der 55 Meter breite und
kriterien stehen wird. Am Morgen des 8. Dezember startet

Die in enger und vertrauensvoller Zusam-


menarbeit mit den Olympischen Winter-
sportverbänden und dem NOK verfassten
fachlichen Nominierungskriterien wurden
im September vom NOK-Präsidium verab-
schiedet. Grundlegend ist die begründete
Endkampfchance. Neu aufgenommen
worden ist der Grundsatz einer Leistungsbe-
stätigung im Vorfeld der Spiele. Die Nomi-
nierungskriterien waren zuvor durch die Soll zu einem wichtigen Symbol der
zuständige Präsidialkommission und den Olympischen Winterspiele 2006 werden.
Bundesvorstand Leistungssport des DSB Ein Bogen über dem Himmel von Turin.
beschlossen worden.
Valentino Castellani, ehemalige Turiner 460 Tonnen schwere Bogen wurde über der
Die wichtigsten Vorbereitungstermine im Bürgermeister und Chef des Organisations- Bahnlinie und unweit der Autobahn errich-
vorolympischen Herbst waren und sind das komitees für die XX. Olympischen Winter- tet, die nach Mailand führt. "Es ist als Tor
Arbeitstreffen mit den Wintersportverbän- spiele Turin 2006 (TOROC), präsentierte im zur Stadt ein Zeichen des europäischen
den (29. September 2005), das Medizinische Januar 2005 in Mailand die Olympische Geistes Turins", sagte der Präsident des
Seminar (7./8. Oktober 2005), ein Mediense- Fackel. Organisationskomitees der Winterspiele
minar (24. Oktober 2005), die Präsentation TOROC, Valentino Castellani. "Ein Bogen im
der Einkleidung (24. Oktober 2005), ein Himmel Turins, der von den Winterspielen in
TOROC-Seminar für Fragen der Sicherheit eine Stafette des Olympischen Feuers durch die Zukunft zeigt", kommentierte die Turiner
(Ende Oktober 2005) sowie das Info-Semi- Italien. Um 10.00 Uhr wird Italiens Staats- Tageszeitung `La Stampa´ die Einweihung.
nar für Leiterinnen und Leiter der Teilmann- präsident die Olympische Fackel entzünden Chef-Architekt Camerana meinte stolz: „Wir
schaften (9. November 2005). Die Nominie- und an Stefano Baldini, den Goldmedaillen- haben Funktionalität mit Schönheit verbun-
rungstermine der Olympiamannschaft sind Gewinner des Marathon-Wettbewerbs den. Um dieses Projekt zu verwirklichen,
der 21.12.2005 und der 25.01.2006. Athen 2004 übergeben. Er ist der erste von haben wir fortschrittlichste Technologie
insgesamt 10.001 Fackelläufern die die genutzt.“
Olympische Flamme durch ganz Italien
Olympisches Feuer wird am tragen werden.
27. November entzündet Genehmigungsverfahren
Am Ende ihrer Reise über die Halbinsel wird für den Einsatz von
Valentino Castellani und Minos Kyriakou, die der letzte Fackelläufer das Olympische Feuer
Präsidenten des Organisationskomitees der während der Eröffnungsfeier zu den Olym- Medikamenten
Olympischen Winterspiele Turin 2006 pischen Winterspielen in Turin entzünden.
(TOROC) und des Nationalen Olympischen Aktive, die aus therapeutischen Gründen bei
Komitees (NOK) für Griechenland haben am "Italien und Griechenland waren durch den bevorstehenden Olympischen Winter-
20.09.2005 eine Vereinbarung über den Weg Geschichte und Kultur stets vereint", sagte spielen Turin 2006 Medikamente einneh-
des Olympischen Feuers durch Griechenland, TOROC-Präsident Castellani "und die Aus- men, müssen darüber gegenüber der Medi-
durch Italien und nach Turin unterzeichnet. wahl von Stefano Baldini, dem ersten Träger zinisch-Wissenschaftlichen Kommission des
Dies teilt TOROC in einer aktuellen Presse- der Olympischen Fackel, knüpft in gewisser IOC detailliert Auskunft geben. Dies gilt
mitteilung mit. Weise an die schönen und spannenden

57
insbesondere auch über die in vielen Asth- Schaulaufen der Eiskunstläufer. 135 Tage "Passion lives here" ist in roter Farbe gehal-
ma-Mitteln enthaltenen Beta2 Agonisten. vor Beginn der Spiele hat eine neue Phase ten, der traditionellen Farbe für besondere
des Ticket-Verkaufs begonnen. Innerhalb der Leidenschaft. Sie solle es erlauben einen
Wie bei jeder Ausgabe der Spiele seit dem Europäischen Gemeinschaft können Tickets besonderen Zusammenhang mit dem
Jahr 2000 wird Beta 2 Agonisten auch bei ab sofort wieder über die Website des äußeren Erscheinungsbild der Spiele, dem
den Dopingkontrollen in Turin nachgespürt. Organisationskomitees TOROC (www.tori- Olympischen Fackellauf und gestalterischen
Für Aktive, bei denen diese Substanzen no2006.it) oder telefonisch über Maßnahmen im Turin der Spiele 2006
nachgewiesen werden und die keine Geneh- +39039838250 geordert werden. Darüber herzustellen.
migung der Medizinischen Kommission des hinaus sind Bestellungen über die General-
IOC vorweisen können oder die die Bedin- agenturen der Nationalen Olympischen Die Olympischen Winterspiele finden vom
gungen zum Gebrauch dieser Mittel nicht Komitees möglich. In Deutschland ist dies 10. bis 26. Februar 2006 statt. Die Winter-
berücksichtigt haben, wird das Resultat der das Unternehmen DER TOUR spiele umfassen sieben Sportarten und 15
Dopingkontrollen positiv gewertet. (069/95883660). In den zurückliegenden verschiedene Disziplinen, die an acht Sport-
Wochen waren bei geschlossenen Schaltern stätten ausgetragen werden. Etwa 2.500
Der Zugang zum On-line-Genehmigungs- zunächst den in verschiedenen Preiskatego- Aktive, 650 Schieds- und Kampfrichter und
verfahren für den therapeutischen Ge- rien bestellten Tickets Plätze zugeordnet 1,5 Millionen Besucher werden in Turin und
brauch von Beta2 Agonisten erfolgt im worden. Nun sind die Vorverkaufsstellen in den Bergregionen um die Stadt erwartet.
Internet über www.olympic.org/beta1. wieder geöffnet. Von den 56% der Tickets
entfallen 130.000 Tickets auf die Eishockey-
Alle Fragen zu diesem Sachverhalt beant- Wettbewerbe, 52.000 auf die Eisschnellauf- Auswärtiges Amt
wortet der leitende Mannschaftsarzt der Wettbewerbe, 45.000 für Eiskunstlauf, veröffentlichte Infokarte
deutschen Olympiamannschaft Prof. Dr. 40.000 für alpinen Skilauf und 22.000 auf
Wilfried Kindermann oder die Medizinische die Curling-Wettbewerbe. Das Auswärtige Amt hat nach bewährtem
Abteilung des IOC. Muster früherer Sportereignisse auch für die
bevorstehenden Olympischen Winterspiele
Neuer Leitspruch für Turin: und Paralympics 2006 in Turin eine Infokar-
Neue WADA-Liste der Passion lives here te mit Reisehinweisen für Besucher dieser
verbotenen Substanzen Veranstaltungen herausgegeben. Das Falt-
Das Organisationskomitee für die XX Olym- blatt im Taschenkalender-Format gibt u.a.
und Techniken pischen Winterspiele Turin 2006 (TOROC) Tipps zum Thema Einreise und Aufenthalt,
hat am 15. September in Rom einen neuen Geldverkehr und Notfälle. Darüber hinaus
Nach ihrer Verabschiedung durch das Leitspruch veröffentlicht. Das neue Motto werden wichtige Adressen mitgeteilt wie
WADA-Exekutiv-Komitee am 20. September "Passion lives here" wird an allen Präsentati- u.a. die Kontaktdaten zum Deutschen
2005 ist die Liste der verbotenen Substan- onsständen, in TOROC-Publikationen, in Generalkonsulat in Mailand oder den
zen und Techniken 2006 mittlerweile im Kampagnen und in allen Bereichen der jeweiligen ADAC-Niederlassungen:
Internet einsehbar. Die Liste tritt am 1. öffentlichen Kommunikation zu sehen sein. http://www.auswaertiges-amt.de
Januar 2006 in Kraft. Die wichtigsten Darüber hinaus wird das Motto in den
Änderungen, das Analyse- bzw. Monitoring- nächsten rund 150 Tagen bis zu den Spielen
Programm sowie die Liste selbst sind unter an den Wettkampfstätten und anderen "Die Sportstätten" - Interna-
der Adresse Einrichtungen zu sehen sein. tionales Forum vom 20.-22.
http://www.wada-ama.org/en/
prohibitedlist.ch2 abgespeichert. "Passion lives here" drücke auf einfache und Oktober 2005 in Turin
klare Weise den Geist und die Werte dieser
20. Ausgabe der Olympischen Winterspiele "Die Sportstätten", so lautet der schlichte
Bereits 500.000 Olympia- aus. Nach Cortina d´Ampezzo 1956 und Titel eines Internationalen Forums vom 20.-
Tickets verkauft Rom 1960 sei nun Turin an der Reihe Italien 22. Oktober 2005 im Kongress Zentrum
und die Leidenschaft der Italiener bei allem Incontra Via Nino Costa 8 in Turin. Während
Bereits die Hälfte der Eintrittskarten für die was sie tun gegenüber der Welt zu präsen- dreier Tage stehen die Planungen, das
Olympischen Spiele vom 10. bis 26. Februar tieren, heißt es in einer Pressemitteilung des Design, die Gebäude und das Management
2006 in Turin sind verkauft. Dies gab das IOC. der Sportstätten der Olympischen Winter-
Organisationskomitee (TOROC) bekannt. Für spiele 2006 im Mittelpunkt einer öffentli-
TOROC sei dies ein gutes Zeichen, denn, so Gleichfalls umfasse der neue Leitspruch die chen Veranstaltung. Sie wendet sich an
hieß es: "In Italien gibt es nicht die Ge- strategische Position der Organisatoren, die Ingenieure und Techniker sowie alle, die
wohnheit, die Karten schon ein Jahr vor in dem sog. "Piazza"-Konzept zum Ausdruck beruflich mit den Olympischen Winterspie-
einem Event zu kaufen, auch wenn es sich komme: Ein Treffpunkt, ein Rückzugsort für len zu tun haben. Ein Tag des Forums ist der
um Olympia handelt." Die Tickets kosten Leidenschaft und Engagement, ein einzigar- Besichtung aller Sportstätten in der Stadt
zwischen 20 und 600 Euro. Bereits ausver- tiges Symbol der italienischen Lebensart Turin und in den Bergregionen vorbehalten.
kauft sind die Eröffnungs- und Schlussfeier. und ein Schlüsselelement der Turiner Spiele. Zweck der Veranstaltung ist es, die architek-
Keine Karten gibt es auch mehr für das tonischen und technischen Besonderheiten
Eishockey-Finale der Männer sowie das der Sportstätten darzustellen, Herausforde-

58
vorgestellt wurde. Angelehnt an traditionel- onskomitee (LOCOG) während der nächsten
le chinesische Kalligraphie ist das Logo aus sieben Jahre alle Vorbereitungen auf das
dem Schatten eines menschlichen Lebewe- Mega-Event koordiniert und beobachtet.
sens und eines Baumes zusammengesetzt. Oswald ist seit 1991 IOC-Mitglied, darüber
Es soll die Harmonie zwischen Mensch und hinaus Mitglied der IOC-Exekutive und
Natur zum Ausdruck bringen. Die schwin- Präsident des Internationalen Ruder Verban-
genden Linien erscheinen wie eine prächtige
und blühende Krone eines Baumes, die die
nachhaltige Entwicklung der Natur symboli-
sieren soll.

Liu Jingmin, geschäftsführender Vizepräsi-


dent des Organisationskomitees der Spiele
der XXIX Olympiade (BOCOG) unterstrich,
dass die grünen Olympischen Spiele nicht
allein die Unterstützung der Regierung und
BOCOGs bedürften, sondern auch der
engagierten Beteiligung der Öffentlichkeit.
Die Präsentation des Logos sah Liu Jingmin des FISA. Für die Olympischen Spiele 2004
im Kontext der erzieherischen Aktivitäten in Athen hatte Oswald die Funktion des
und Initiativen von BOCOG, die die Bevölke- Vorsitzenden der Koordinierungskommission
rung zu umweltfreundlicher Lebensweise von Dr. Jacques Rogge nach desssen Wahl
ermuntern sollen. zum IOC-Präsidenten übernommen. Die
Fürst Albert von Monaco inspizierte Anfang weiteren Mitglieder der Koordinierungs-
2005 in Cesana die Bobbahn der Olympi- kommmission sind allesamt IOC-Mitglieder.
schen Winterspiele Aufruf zur Beteiligung Sie kommen von allen fünf Kontinenten
an olympischem und bringen umfassende Erfahrungen im
rungen und Probleme beim Bau der Anlagen Umgang mit Olympischen Spielen mit, die
zu beschreiben, Programme, Entwürfe und Kunstwettbewerb
Konstruktionslösungen vorzustellen, die
Sportstätten mit denen anderer Olympia- Die Organisatoren der Olympischen Spiele
städte zu vergleichen, den Besuch aller 2008 haben die Öffentlichkeit um Kunstbei-
Einrichtungen zu ermöglichen sowie be- träge zur Flankierung des olympischen
nutzte Materialien und Technologien zu Ereignisses gebeten. In einer ersten Phase
präsentieren. Nähere Informationen und sollen Beiträge zum Slogan "Eine Welt Ein
Anmeldungen über Traum" eingereicht werden. Der Aufruf
http://www.torino2006.it richtet sich an die sport- und kunstinteres-
sierte Weltöffentlichkeit. Die genauen
Ausschreibungsbedingungen sind ab dem
Peking 2008 15. August im Internet unter
www.beijing2008.com nachzulesen. Die
Denis Oswald (l.) hier zusammen mit IOC-
Mitglied Dr. Thomas Bach.
Bewerbungsfrist ist der 31. Oktober 2005.
BOCOG will Grüne Spiele Erbeten werden neben graphischen Entwür-
fen und Postern auch Skulpturen, die in das sie entweder in der Arbeit von Koordinie-
Die Olympischen Spiele Peking 2008 haben Olympische Event und sein Erscheinungsbild rungs- und Evaluierungskommissionen oder
ein Umweltsymbol erhalten, das am 24. integriert werden sollen. Organisationskomitees gesammelt haben.
September 2005 im Pekinger Jugend Palast Unter ihnen sind fünf Olympiamedaillenge-
winner sowie Olympiateilnehmer, Paralym-

London 2012 pics-Teilnehmer, Vertreter der NOKs der


Internationalen Fachverbände. "Denis
Oswald ist die ideale Persönlichkeit, um
IOC gab Koordinierungs- während der Vorbereitungen auf die Olym-
pischen Spiele 2012 eine enge und vertrau-
kommission bekannt ensvolle Partnerschaft zwischen dem IOC
und der Gastgeberstadt London zu gewähr-
Der Schweizer Denis Oswald ist der Vorsit- leisten", sagte IOC-Präsident Dr. Jacques
zende der Koordinierungskommission für Rogge. "Er wird durch ein exzellentes Team
die Olympischen Spiele 2012 in London. unterstützt, dessen Erfahrung und Wissen
Enthüllung des Logos für die grünen Spiele Oswald führt ein 15köpfiges IOC-Team, das einen unschätzbaren Wert für London
in Peking zusammen mit dem örtlichen Organisati- darstellen. Denis Oswald bringt eine einma-

59
lige Kombination von Fertigkeiten und Sam Ramsamy (Südafrika), Austin Sealy Olympiastützpunkt Berlin wurde ein interes-
Erfahrungen als Medaillengewinner, dreifa- (Barbados), Irena Szewinska (Polen), Peter santes Programm für 120 Gäste zusammen-
cher Olympiateilnehmer und Sportführer Tallberg (Finland), Zalqing Yu (China), gestellt.
mit fast 30jähriger Erfahrung in der Organi- Geschäftsführer: Gilbert Felli (Schweiz), IOC-
sation internationaler Veranstaltungen auf Direktor Olympische Spiele.
höchster Ebene ein. Mit dem Erfolg von IOC-Mitglied Dr. Thomas Bach
Athen 2004 hat er seine organisatorischen
verleiht Sportstätten-Preis
Fähigkeiten bereits eindrucksvoll unter
Beweis gestellt, dabei unter größtem Druck Veranstaltungen
Partner zusammengeführt und auf unter- IOC-Mitglied Dr. Thomas Bach wird am 26.
schiedlichsten Ebenen schwierigste Proble- Wiedersehenstreffen Moskau 10.2005 in Köln den IOC/IAKS Award 2005
me gelöst." Seine neue Aufgabe als Leiter im Rahmen des 19. Internationalen IAKS-
des IOC-Vorbereitungs-Teams London 2012 und Lake Placid 1980 Kongresses mit der internationalen Fach-
kommentierend sagte Oswald: "Es ist eine messe FSB verleihen. Die Schirmherrschaft
große Ehre für mich, der Olympischen Die Medaillengewinnerinnen und Medaillen- hat IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge.
Bewegung erneut als Vorsitzender einer gewinner der Olympischen Winterspiele Kongressveranstalter ist die Internationale
Koordinierungskommission dienen zu Lake Placid und Moskau 1980 kamen am 15. Vereinigung Sport- und Freizeiteinrichtun-
dürfen. London besitzt alle Voraussetzungen und 16. Oktober 2005 zu einem Wiederse- gen (IAKS). Der Fußball spielt auf dem 19.
für den Erfolg, von der technischen Umset- henstreffen in Berlin zusammen.
zung bis hin zur öffentlichen Unterstützung.
Um die Spiele
vorzubereiten
bedarf es der
Teamarbeit. Die
heute vorgestellte
Expertengruppe darf
als Koordinierungs-
Kommission für sich
in Anspruch neh-
men, im Auftrag des
IOC einen signifi-
kanten Beitrag zum
Gelingen der Spiele
leisten zu können."
Die Arbeit der IOC-
Koordinierungskom-
mission wird durch
eine IOC-Verwal-
tung in Lausanne
unterstützt, die ihr Der Waschbär stand bei "Roni" Pate, der als Maskottchen der
Engagement zu- Olympischen Winterspiele von Lake Placid (USA) fungierte - hier
gunsten einer dargestellt als dynamischer alpiner Skirennläufer Zu den in der Vergangenheit mit dem
qualitativ hochwer- IOC/IAKS-Sportstättenpreis ausgezeichnet-
tigen Organisation ten Anlagen zählt die Bergisel-Schanze des
und Durchführung Olympischer Spiele auf "In guter Tradition lädt das NOK für österreichischen Skiverbandes
Betreiben von IOC-Präsident Rogge zuletzt Deutschland die Medaillengewinner/innen
noch einmal gesteigert hat. Denis Oswald vergangener Olympischer Spiele zu Wieder-
wird London in seiner Eigenschaft als sehenstreffen ein. 25 Jahre sind seit Lake IAKS-Kongress eine zentrale Rolle. Besonde-
Vorsitzender der Koordinierungskommission Placid und Moskau 1980 vergangen - ein rer Gast ist Fußballstar Pelé. Unter dem
erstmals am 25. August besuchen. Die guter Anlass, Medaillengewinner sehr Motto "FIFA WM 2006 in Deutschland -
gesamte Koordinierungskommission tagt herzlich zu einem Wiedersehen einzuladen. Know-how-Transfer für Südafrika 2010"
erstmal im Frühjahr 2006 in der Olympia- Wir möchten Ihnen damit Gelegenheit werden Vorträge und Diskussionen zu den
stadt. Vorsitz und Mitglieder: Denis Oswald geben, mit Ihren einstigen Sportfreunden Themenblöcken "Stadioninfrastruktur", "Das
(Schweiz), Mitglieder: Patrick Baumann zusammenzukommen und Erinnerungen Spielfeld der Zukunft", "Fußball als Breiten-
(Schweiz), John Dowling Coates (Australien), und Freundschaften wieder aufzufrischen", sport - Herausforderung und Zukunftsper-
Anita de Frantz (USA), Nawal El Moutawakel so NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach in spektive" sowie "Entwicklung und Vermark-
(Marokko), Frank Fredericks (Namibia), Alex einem Einladungsschreiben. tung des Fußball-Standorts Nordrhein-
Gilady (Israel), Patrick Jarvis (Kanada), Westfalen" angeboten. Darüber hinaus
Mustapha Larfoui (Algerien), Gunilla Lind- Ort des Wiedersehenstreffens war das kommen auch andere Sportanlagen nicht zu
berg (Schweden), Ser Miang Ng (Singapur), Estrel-Hotel in Berlin. Zusammen mit dem kurz. Unter dem Titel "Sport in der Stadt"

60
werden die Infrastruktur für Indoor- und Tagesordnung eines ihrer
Outdoor-Aktivitäten sowie das Modell Hochschulkongresse. Gleich
Public Private Partnership bei Bau und am ersten Tag wurde im
Betrieb von Sportstätten ausführlich disku- Arbeitskreis 1 am 22.9. die
tiert. Im "Forum Entwicklungsländer" geht Olympische Erziehung auch
es um Fragen der Grundversorgung mit in das übergreifende Thema
Sportstätten. Am Wettbewerb IOC/IAKS dieses Kongresses eingestellt:
Award 2005 und IPC/IAKS Sonderpreis hat "Olympische Erziehung in
sich in diesem Jahr die Rekordzahl von 93 Schule und Verein in
Teams von Betreibern und Planern aus 25 Europa". Die Kongressleitung
Ländern beteiligt. Alle prämierten Arbeiten in Leipzig hatte Prof. Dr.
für beispielhafte Sport- und Freizeitbauten Roland Naul vom Willibald
sowie behindertengerechte Sportanlagen Gebhardt Institut e.V. an der
werden am Stand der IAKS ausgestellt. Universität Duisburg-Essen
gebeten, diese Veranstaltung
Alle Informationen zum Kongress, Organia- Neue Tendenzen und moderne Methoden der Sportge- als Moderator zu planen und
tion, Teilnahmegebühren und Anmeldungen schichte waren Hauptaugenmerk des 9. Weltkongresses Experten aus europäischen
im Internet unter http://www.iaks.info. der Sporthistoriker, der unter der Schirmherrschaft des Nachbarländern dafür zu
Nordrhein-Westfälischen Ministerpräsidenten Dr. Jürgen gewinnen. Nach einer
Rüttgers stand Einführung kamen Referen-
Willibald-Gebhardt-Institut dis- ten und Referentinnen aus
den Niederlanden, Polen, der
kutierte über Werteerziehung Tschechischen Republik und
Spiele zwischen Idee und Kommerz" hieß
Deutschland zu Wort. Bert Boetes von
der Titel eines Arbeitskreises, bei dem u.a. Dr.
Ende August 2005 (31.08.2005) wurde eine niederländischen Sportlehrerverband (KVLO)
Andreas Höfer vom Deutschen Olympischen
erste gemeinsame Seminar-Veranstaltung sprach über die Förderung der Olympischen
Institut über die Olympische Bewegung und
im Rahmen des deutsch-niederländischen Erziehung in den Niederlanden und ein
die Sportwissenschaft referiert. Ein weiterer
Projektes zur grenzüberschreitenden Olym- aktuelles, grenzüberschreitendes deutsch-
Arbeitskreis widmete sich dem Zusammen-
pischen Erziehung organisiert. Schulsport- niederländisches Fort- und Weiterbildungs-
hang zwischen griechischer Antike und
moderatoren aus NRW , Bildungsreferenten projekt für Lehrpersonen, Übungsleiter und
Olympischer Bewegung.
aus nordrhein-westfälischen Sportfachver- Trainern. Petra Tschoeppe von der Universi-
bänden sowie ihre Kollegen und Kolleginnen tät Leipzig stellte ein Schulprojekt aus dem
aus den Niederlanden diskutierten dabei Land Sachsen vor, das im Rahmen der
über vorliegende Materialien und Projekte. „Kommerzialisierung und Olym- Olympiabewerbung der Stadt Leipzig ange-
An der Tagung nahmen auch Fachreferen- pische Idee“ stoßen wurde und heute einem integrativen
ten aus deutschen und niederländischen Konzept verpflichtet ist. Antonin Rychtecky,
Hochschulen und Universitäten teil. Veran- Professor an der Karlsuniversität Prag und
Zu einem Symposium mit dem Titel Kom-
stalter war das Willibald-Gebhardt-Institut, zugleich Präsident der Nationalen Olympi-
merzialisierung und Olympische Idee hatte
das federführend mit Partnern aus NRW schen Akademie erläuterte auf der Grundla-
NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach Anfang
und den Niederlanden drei Fort- und ge eigener Forschungsprojekte neue Akzente
Oktober nach Mainz eingeladen. Etwa 80
Weiterbildungsmodule entwickelt hat, die in und Maßnahmen der Akademie für die
Teilnehmerinnen und Teilnehmer früherer
den nächsten Monaten im Rahmen solcher Vermittlung olympischer Werte im Rahmen
Sessionen der Internationalen Olympischen
Veranstaltungen grenzüberschreitend des Sportunterrichts. Abschließend sprach
Akademie und Lehrerfortbildung, Pädago-
erprobt werden. Informationen im Internet Prof. Dr. Zofia Zukowska aus Warschau über
gen, Studenten und Dozenten folgten
über: http://www.wgi.de mehrere Projekte des polnischen NOKs, die
seinem Aufruf und diskutierten zusmmen
in Schulen und Sportvereinen zur Fair-Play-
mit Olympiasiegern wie u.a. NOK-Mitglied
Erziehung in den letzten Jahren erfolgreich
Cornelia Hanisch und Sportwissenschaftlern
Internationale Gesellschaft für umgesetzt worden sind.
wie Prof. Dr. Eike Emrich über das Miteinan-
Sportgeschichte tagte in Köln der von olympischer Bewegung und Part-
nern aus Wirtschaft und Industrie.
"Die Frage der Staatsangehö-
Vom 7. bis 10. September fand an der
Sporthochschule in Köln der 9. Weltkon- rigkeit im Sport"
gress der Internationalen Gesellschaft für Olympische Erziehung Thema
die Geschichte der Körpererziehung und des auf dem 17. DVS-Hochschultag Fragen der Staatsangehörigkeit im Spitzen-
Sports (ISHPES) an der Deutschen Sport- sport thematisiert am 10. November 2005
hochschule statt. Auf dem Programm mit das Internationale Zentrum für Sportstudien
Zum ersten Mal in der fast 30jährigen
dem Motto "Neue Aspekte der Sportge- der Universität Neuchatel (CIES) in Zusam-
Geschichte der Deutschen Vereinigung für
schichte" standen zahlreiche olympische menarbeit mit dem Internationalen Olympi-
Sportwissenschaft (dvs) war das Thema
Themen und Fragestellungen. "Olympische schen Komitee (IOC), der Vereinigung der
"Olympische Erziehung" Bestandteil der

61
Olympischen Sommersportarten (ASOIF) und
dem Weltfußball-Verband FIFA im Rahmen Internationale (ITA); Vizepräsident: Alexander KOZLOVSKY
(RUS); Generalsekretär Patrick HICKEY (IRL),
eines multidisziplinären wissenschaftlichen
Kongresses im Olympischen Museum in Zusammenarbeit Mitglieder: Togay BAYATLI (TUR), Martin
BENKO (SVK), Guido DE BONDT (BEL), Guy
Lausanne. "Der Wechsel der Staatsangehö- DRUT (FRA), José Maria ECHEVARRIA (ESP),
rigkeit wird zu einem immer häufiger zu EOC-General-Versammlung Kikis N. LAZARIDES (CYP), Gunilla LINDBERG
beobachtenden Phänomen in der Welt des (SWE), Marit MYRMAEL (NOR), Lambis W.
Spitzensports. Verantwortlich dafür ist in Dublin NIKOLAOU (GRE), Craig REEDIE (GBR),
neben zahlreichen individuellen Motiven ein Walther TROEGER (GER), Efraim ZINGER
mit dem Anliegen von Aktiven, sich mate- Am 2. und 3. Dezember 2005 findet in (ISR); Ex-officio: Claudia BOKEL (GER).
riell besser zu stellen, einhergehendes Dublin die 34. EOC-Generalversammlung
Bedürfnis mancher Nationen, sich auf statt. Auf dieser Veranstaltung werden für Die Versammlung der Europäischen Olympi-
internationaler Ebene zu präsentieren. Die eine Legislaturperiode von vier Jahren schen Komitees im Internet:
http://www.eurolympic.org

Birgit Prinz Ehrengast bei


Trainerinnenausbildung in
Afghanistan
Die Entwicklung des Mädchen- und Frauen-
fußballs in Afghanistan kann auf einem
weiteren Erfolg aufbauen. Nach ersten,
bescheidenen Anfängen im Rahmen des seit
Mario Pescante (r.) erhielt nach seiner Wahl
2003 vom Auswärtigen Amt finanzierten
zum EOC-Präsidenten im November 2001
deutschen Fußballprojektes, konnte nun ein
die Glückwünsche seines Vorgängers
weiterer Trainerinnenkurs angeboten wer-
Jacques Rogge, der nach seiner Wahl zum
Der in Kenia geborene dänische Mittelstre- den.
IOC-Chef für eine erneute Wahl zur Verfü-
ckenläufer Wilson Kipketer, hier bei einer gung stand.
Pressekonferenz des dänischen Teams im Der dreiwöchige Lehrgang, im UN-Jahr des
Olympischen Dorf in Sydney. Sports und der Leibeserziehung 2005 vom
Präsident, Vizepräsident, Generalsekretär Bundesministerium des Inneren finanziert,
und 12 weitere Mitglieder der EOC-Exekuti- ermöglichte 36 Trainerinnen eine Basisaus-
internationalen Sportverbände sind dabei ve gewählt. Der Präsident des NOK für bildung. Projektträger war das Nationale
zum Teil von der rasanten Entwicklung eines Deutschland Dr. Klaus Steinbach, kandidiert Olympische Komitee (NOK) für Deutschland,
ursprünglich marginalen zu einem zentralen für die Mitgliedschaft in dem Gremium. Auf das mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB)
Problem ihrer Sportart überrascht worden. der Tagesordnung stehen darüber hinaus und der Fußball-Federation von Afghanistan
Mittlerweile scheint es notwendig, die neben Berichten der EOC-Kommissionen (AFF) für das Projekt verantwortlich zeich-
übliche Einzelfall-Praxis durch weltweit und und Arbeitsgruppen sowie der Organisati- nete. Lehrgangsleiter war Klaus Stärk, vor
sportartenübergreifend tragfähige Lösungen onskomitees der kommenden Olympischen Ort von Ali Askar Lali unterstützt, der schon
zu ersetzen", heißt es in einer Vor-Ankündi- Sommer- und Winterspiele (Turin, Peking, seit 2003 in dem vom Auswärtigen Amt
gung des Kongresses durch die Veranstalter Vancouver und London) auch Informationen geförderten NOK-Langzeitprojekt zum
des CIE. Die Redner sind allesamt anerkann- über EU-Angelegenheiten, World Anti- Wiederaufbau des Fußballs in Afghanistan
te Wissenschaftler und Experten in Fragen Doping-Agentur (WADA), Europäische Fair tätig ist.
der Staatsangehörigkeit. Darüber hinaus soll Play Initiative, Europäische Nicht-Regie-
ein Runder Tisch Behörden, Sportorganisa- rungs-Sportorganisationen und die XV. "Noch immer ist es afghanischen Frauen
tionen und betroffene Aktive zum öffentli- Spiele der kleinen europäischen Staaten im nicht erlaubt, in der Öffentlichkeit Fußball
chen Erfahrungsaustausch zusammenfüh- Mai 2005 in Andorra. Ein eigener Pro- zu spielen, doch hinter verschlossenen
ren. Zu den Vortragenden zählt Prof. Denis grammpunkt widmet sich den Europäischen Türen, sprich in Turnhallen und auf Blick
Oswald, Mitglied der IOC-Exekutive. IOC- Olympischen Jugendspielen 2005 in Mont- geschützten Sportplätzen der Schulen und
Präsident Jacques Rogge und FIFA-Chef hey (Winter) und Lignano Sabbiadoro Universitäten, tummeln sich viele fußballbe-
Sepp Blatter sind wie 800-m-Weltmeister (Sommer) sowie den kommenden Ausgaben geisterte Mädchen und gehen ihrer gelieb-
Wilson Kipketer für die Teilnahme am dieser Veranstaltung in den Jahren 2007 ten Sportart nach. Es gibt bereits zahlreiche
Runden Tisch vorgesehen. (Jaca/Winter und Belgrad/Sommer) sowie Mannschaften und es werden immer wieder
2009. In der derzeitigen Zusammensetzung Turniere ausgespielt. Aber was am meisten
der EOC-Exekutive (2001 - 2005) befinden fehlt, sind ausgebildete Übungsleiterinnen
sich mit Prof. Walther Tröger und Claudio und Trainerinnen", umreißt Klaus Stärk die
Bokel (ex-officio) auch zwei deutsche Situation am Anfang des Trainerinnen-
Mitglieder. EOC-Präsident: Mario PESCANTE Lehrgangs.

62
Einem Aufruf des Afghanischen Fußball- tionen am Wiederaufbau des Fußballs in So zielt im UN-Jahr auch eine weitere
Verbandes folgten 36 wissbegierige und Afghanistan beteiligt. So konnte die Afgha- Maßnahme auf die Förderung des Frauen-
fußballbegeisterte afghanische Frauen nistanHilfe Paderborn Fußball-Weltmeisterin sports in Afghanistan. Im Rahmen des vom
zwischen 16 und 35 Jahren. "Für viele von Birgit Prinz als Schirmherrin eines "LEARN & BMI geförderten DSB/NOK-Projektes werden
ihnen war die Teilnahme nicht einfach. In play"-Projektes für Straßenkinder gewinnen. unter anderem ein für Frauen nutzbarer
Kabul gibt es immer noch zahlreiche Män- Während ihres dreitägigen Besuchs in Kabul Sportplatz errichtet und Übungsleiterinnen
ner, die den Frauen und Mädchen das überreichte Birgit Prinz die Teilnehmerur- für die LEARN & play-Zentren weitergebil-
Fußballspielen schlicht verbieten wollen", kunden an die 36 Trainerinnen des NOK- det. Katrin Merkel, NOK-Abteilungsleiterin
erläutert Stärk. Lehrgangs. Auch Entwicklungs-Experte für internationale Beziehungen bilanziert:
Holger Obermann, der Birgit Prinz nach "Sport und speziell der Fußball spielen in
An 14 Unterrichtstagen hat er den Teilneh- Kabul begleitet hatte, freute sich über die Afghanistan eine wichtige soziale und
merinnen zwischen dem 28.07. und dem Fortschritte des Frauenfußballs. "Gemessen humanitäre Rolle. Auch wenn es manchmal
12.08.2005 theoretische und praktische an dem, was wir im Sommer 2003 vorfan- nur kleine Schritte sind, ist es insgesamt
Grundkenntnisse des Fußballsports vermit- den und bewegen konnten, ist dies ein doch erstaunlich, was bereits erreicht
telt. Auf dem Programm standen Trainings- Erfolg, der nicht hoch genug eingeschätzt werden konnte. Daran wollen wir anknüp-
lehre, Technik- und Taktik sowie pädagogi- werden kann!" fen."
sche und erzieherische Themen. Am Ende
der Ausbildung war eine einstündige Leicht haben wird es der Frauenfußball in
schriftliche Prüfung abzulegen. Allen der nahen und fernen Zukunft dennoch Afghanistan Hilfe
Teilnahmerinnen konnte ein Ausbildungs- nicht. Noch heute existieren nach Krieg und
zertifikat des NOK für Deutschland überge- Taliban-Herrschaft große Barrieren für Paderborn e.V. unterstützt
ben werden. 11 von ihnen wurden für eine Frauen, die am gesellschaftlichen Leben deutsche Sportprojekte
besonders "erfolgreiche Teilnahme" geehrt. teilhaben wollen. Während nach dem
Klaus Stärk bezeichnete den Kurs deshalb totalen Fußball-Verbot durch die Taliban die Mit dem Einmarsch der sowjetischen Armee
als vollen Erfolg, mahnt jedoch gleichzeitig Spitzenspiele der afghanischen Liga mittler- im Jahre 1979 begann für Afghanistan ein
dringend Folgemaßnahmen an. Für Saboor weile wieder von bis zu 20.000 Zuschauern schlimmes Kapitel seiner Geschichte. Lehrer,
Walizada, verantwortlich für Frauenfußball verfolgt werden, wird es wohl noch einige Studenten, Fachkräfte flüchteten aus dem
des afghanischen Fußball-Verbandes, war Zeit dauern, bis auch der Frauenfußball am Land am Hindukusch. Auch der Sport wurde
der Trainerinnen-Lehrgang ebenfalls nur ein Hindukusch Fuß fasst. auf beispiellose Art in Mitleidenschaft
erster Schritt. "Er gibt uns Hoffnung für den gezogen. Clubs zerfielen, Offizielle, Trainer,
Frauensport allgemein, den Fußballsport im "Es war ein wichtiger und notwendiger Betreuer und Sportler verließen das Land.
Speziellen und nicht zuletzt für viele sport- Beginn, aber es wird noch ein weiter Weg Mit der Machtergreifung durch die Taliban
begeisterte Frauen und Mädchen in unse- sein, um in einem geregelten Trainingsbe- wurden Sportstadien zu Hinrichtungsstät-
rem nach dem Krieg aufstrebenden Land." trieb qualifizierte Arbeit zuleisten", verdeut- ten. Der Frauensport wurde verboten.
licht Birgit Prinz die Schwierigkeiten, auf die
Nach der Initialzündung durch Auswärtiges die deutschen Sportexperten insbesondere Die AfghanistanHilfe Paderborn hat sich von
Amt und NOK für Deutschland vor zweiein- bei der Heranführung der von den Taliban Anbeginn dafür eingesetzt, dass mit dem
halb Jahren sind mit DFB, FIFA und der vom öffentlichen Leben weitgehend ausge- Ende der Talibanzeit auch der Wiederaufbau
AfghanistanHilfe Paderborn weitere Institu- schlossenen Frauen treffen. für die Sportler begann. Der eingetragene

Die ehemaligen afghanischen Spitzensportler (v.l.) Said Mahrut


Yussuti, Ali Askar Lali, Baz Mohammad Norestani und Sameullah
Birgit Prinz (Bildmitte) und Lehrgangsleiter Klaus Stärk (r.) mit den Asad im Büro der Vorsitzenden der "AfghanistanHilfe Paderborn",
Absolventinnen des Trainerinnen-Lehrgangs. Prof. Dr. Waltraut Schöler (M).

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Verein ist aus der im Jahre 1980 geschlossen DSB und NOK, das in Zusammenarbeit mit ist es, in möglichst allen 15 Regionen eigene
nach Paderborn geflüchteten Fußball- der AfghanistanHilfe zum Ziel hat, insbe- Verbände aufzubauen. Mit dieser Vision
Nationalmannschaft des Landes hervorge- sondere den Sport für Frauen in Afghanis- besuchte Wangemann seit Projektbeginn im
gangen. Bis zur Befreiung Afghanistans tan zu fördern. September 2005 bereits 10 Regionen, wo er
punktuell an sozialen Projekten beteiligt, Gespräche mit den regionalen Regierungs-
warb er bereits im Sommer 2002 für Fußball stellen und Sportbehörden führte sowie
und Sport für den Frieden.
Aktuelle Entwicklungshilfe- spezielle Organisationsworkshops durch-
führte. Ein sichtbarer Projekterfolg mit
"Eine erste Kontaktreise des Vereins fand
Ende Juli bis Mitte August 2002 statt. projekte des NOK Signalwirkung für andere Regionen war die
kürzlich erfolgte offizielle Gründungssitzung
Mehrere Wochen lang waren Vertreter des des Leichtathletik-Verbandes des Departa-
Vereins AfghanistanHilfe Paderborn e.V. mentos Salto im Norden des Landes am
zusammen mit der nahezu kompletten Uruguayfluss, an der das deutsche Projekt
ehemaligen Fußball-Nationalmannschaft maßgeblich beratend beteiligt war. Nach
Afghanistans dort aktiv", erinnert sich Prof. seinen Grußworten überreichte Wangemann
Dr. Waltraut Schöler, erste Vorsitzende des dem frisch ernannten Präsidenten Oscar
Vereins. Auf Einladung der AfghanistanHilfe Rocca symbolisch einen Startblock und
fand im Dezember 2002 dann ein Gegenbe- wünschte dem Verband einen guten Start.
such statt. "Ich glaube, wir sollten uns in den deut-
schen Sportprojekten noch mehr im Bereich
Im März 2003 brach Ali Askar Lali, ein Ex- Alle Projekte dienen der Förderung von der Verbesserung der sportlichen Organisa-
Nationalspieler aus Paderborn, zusammen Sportbeziehungen mit Ländern der Dritten tions- und Verwaltungsstrukturen engagie-
mit dem NOK-Auslands- und Medienexper- Welt im Rahmen der Auswärtigen Kultur- ren. Was hilft denn die beste Ausbildung
ten Holger Obermann nach Kabul auf, um politik und werden aus Mitteln des Aus- von Trainern, Kampfrichtern und anderen
dort, zunächst für sechs Monate ein Projekt wärtigen Amtes finanziert. Teil der Projekte Schlüsselpersonen im Sport, wenn das nicht
zur Fußball-Aufbauhilfe zu realisieren. sind Gerätespenden an die Partner vor Ort.
Dieses Projekt, das aus Mitteln des Auswär-
tigen Amtes finanziert wird, läuft inzwi-
schen seit über zwei Jahren. Unterstützt Mittel des Auswärtigen Amtes ermöglichen
wird Ali Askar Lali in diesem Jahr vom dem Nationalen Olympischen Komitee
Fußball-Lehrer und Entwicklungsexperten (NOK) für Deutschland auch in diesen
Klaus Stärk. Initiativen auf unterschiedlichs- Wochen wieder die Unterstützung des
ten Ebenen und zugunsten verschiedener Sports in Ländern der Dritten Welt. Ziel ist
Zielgruppen wie Nationalmannschaften die Förderung von Sportbeziehungen im
verschiedener Altersstufen, Jugendliche, Rahmen der Auswärtigen Kulturpolitik.
Behinderte, Trainerinnen und Trainer profi- Bestandteil der Projekthilfe sind Geräte-
tieren davon. Für das kommende Jahr spenden an die Projektpartner vor Ort.
signalisierte das Auswärtige Amt bereits
seine weitere Unterstützung für das NOK-
Projekt mit Ali Askar Lali. Uruguay.
Von den zahlreichen Aktionen, die der NOK-Entwicklungsexperte Björn Wange-
Verein AfghanistanHilfe Paderborn anregte mann hat im Rahmen seines vom Auswärti-
und organisierte, ist derzeit für den Sport gen Amt finanzierten Entwicklungsprojektes
insbesondere das "Learn & Play" Projekt für einen neuen Weg zur Förderung der Leicht-
Straßenkinder bedeutsam. Es bietet hunder- athletik in Uruguay eingeschlagen. Auf der
ten von Kindern in drei Zentren Kabuls Basis einer Strukturanalyse stellte Wange-
vormittags die Möglichkeit einer schuli- mann fest, dass in Uruguay nur 4 der 19
schen Ausbildung und nachmittags Betreu- Regionen (Departamentos) eigene, den
ungsgelegenheiten über das Fußballspiel. deutschen Landesleichtathletik-Verbänden Björn Wangemann (r.) mit dem neu ge-
"Auf diese Weise konnten bereits zahlreiche entsprechende Organisationen haben. Damit wählten Leichtathletik-Präsidenten der
Talente für den afghanischen Fußball konzentrierte sich in der Vergangenheit der Region Salto in Uruguay Oscar Rocca.
gesichtet werden", freut sich Ali Askar Lali Leichtathletikbetrieb im Wesentlichen auf
über die Maßnahme, für die Welt-Fußballe- die Großraumregion von Montevideo in der
rin Birgit Prinz als Patin gewonnen werden etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung von auf der Grundlage funktionierender Struk-
konnte. ca. 3,5 Millionen Einwohnern lebt. „Das soll turen geschieht, die eine langfristige und
nun anders werden,“ berichtet Wangemann. nachhaltige Wirkung unserer Entwicklungs-
Im Rahmen des UN-Jahres des Sports Zu einem wichtigen Bestandteil des Projek- arbeit garantieren", meint Wangemann
unterstützt das Bundesministerium des tes wird die Beratung bei der Gründung von dazu.
Innern (BMI) ein Gemeinschaftsprojekt von Regionalen Leichtathletik-Verbänden. Ziel

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Auch das Uruguay-Projekt wird aus dem ausgewählt. Erklärtes Ziel ist es den Fußball wissenschaftler der Johannes Gutenberg-
Kulturfond des Auswärtigen Amtes der auf Regional- und Verbandsebene auszu- Universität Mainz, gibt sein leichtathleti-
Bundesrepublik Deutschland finanziert und bauen und zu fördern. Der deutsche Experte sches und sportwissenschaftliches Fachwis-
dient in diesem Zusammenhang der Förde- wird sich in Kooperation mit der All India sen im Auftrag des Nationalen Olympischen
rung von Sportbeziehungen mit Ländern der Football Federation vornehmlich um die Komitees (NOK) für Deutschland vom 28.09.
Dritten Welt im Rahmen der Auswärtigen Trainerausbildung, die Entwicklung des bis zum 29.10.2005 an Sportfreunde in
Kulturpolitik. Das NOK für Deutschland Jugendfußballs und den Aufbau moderner Paraguay weiter. Der deutsche Experte
sorgt für die fachliche und organisatorische Strukturen bemühen. Bestandteil des wurde in enger Zusammenarbeit mit dem
Betreuung. Informationen über Uruguay im Projekts sind Workshops in Patiala/Punjab, Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV)
Internet: http://www.auswaertiges- Kalkutta, Bangalore und Goa. Torsten ausgewählt. Swoboda (60), der eine Zehn-
amt.de/www/ Spittler ist Diplomsportlehrer und DFB- kampf-Bestleistung von 8008 Punkten aus
de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_ Fußball-Lehrer. Als Aktiver hat er unter seiner aktiven Zeit aufweist, war in der
html?type_id=14&land_id=182 anderem in Augsburg, Starnberg und Vergangenheit bereits für NOK, Auswärtiges
München gespielt. Trainer- und Berater- Amt und GTZ in jeweils vierjährigen Lang-
funktionen führten ihn in den Jemen, nach zeitprojekten in Ägypten und Honduras.
Namibia. Malaysia, Kanada, Indien, Australien, Hong Darüber hinaus hat er in Zusammenarbeit
Kong und Tokio. 1998 war Spittler DFB mit dem Leichtathletik-Weltverband IAAF
Malcolm James Langham III (36) Tischten- Assistenztrainer von Erich Rutemöller und mehrere kürzere Projekte zur Traineraus-
nis-Experte aus Hamburg war im August Klaus Sammer in der U 16, zuvor (1993- und -fortbildung in verschiedenen Ländern
und Setember im Auftrag des NOK und 1994) u.a. Chef Trainer der U-18 des TSV der Dritten Welt geleitet. Bei seinem aktuel-
enger Abstimmung mit dem Deutschen 1860 München. Informationen über Indien len Einsatz gilt sein Engagement der Talent-
Tischtennis Verband in Namibia. Er führte im Internet: entwicklung im leichtathletischen Wurfbe-
dort Traineraus- und Fortbildungsmaßnah- http://www.auswaertiges-amt.de/www/ reich. Dazu werden in enger Zusammenar-
men und Lehrgänge zur Talententwicklung de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_ beit mit dem Leichtathletik-Verband von
durch. Langham ist als Trainer mit A-Lizenz html?type_id=14&land_id=60 Paraguay und dem Nationalen Olympischen
durch verschiedene Trainerstationen im In- Komitee des Landes dezentrale workshops
und Ausland qualifiziert und hat in ver- durchgeführt. Informationen über Paraguay
schiedenen Landesverbänden des Deutschen Guyana. im Internet:
Tischtennis-Bundes in der Trainer-Aus- und http://www.auswaertiges-amt.de/www/
Fortbildung gearbeitet. Informationen über Mit Günter Zittel (Karlsruhe) kommt, eben- de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_
Namibia im Internet: falls von Oktober bis Dezember, ein weiterer html?type_id=14&land_id=133
http://www.auswaertiges-amt.de/www/ deutscher Fußball-Experte in Guyana zum
de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_ Einsatz. Das Kurzzeitprojekt soll der Ent-
html?type_id=14&land_id=118 wicklung des Jugendfußballs dienen. Spe- Kambodscha.
zielle Zielgruppe sind Übungsleiter und
Trainer, die auch im Mädchen- und Frauen- Romy Mäuslein (26), Sportwissenschaftlerin
Mongolei. fußball zum Einsatz kommen sollen. In aus Freiburg, führt vom 7.10.2005 bis zum
Zusammenarbeit mit dem deutschen 28.02.2006 die Bemühungen von NOK und
Diplom-Sportwissenschaftler Michael Experten sollen auch die mittel- und lang- Deutschem Behindertensportverband um
Weyres ist ehemaliger Bundesliga-Kämpfer fristigen Organisationsentwicklungspläne den Aufbau des Behindertensports in
des TSV Bayer 04 Leverkusen und amtieren- sowie die Trainingsprogramme des Verban- Kambodscha weiter. Ihr Engagement gilt
der Weltmeister der 30-34jährigen. Auch er des einer Überprüfung unterzogen werden. dem Rennrollstuhlsport und der diesbezüg-
besitzt die Trainer A-Lizenz und ist seit 1998 Günter Zittel (53) ist ausgebildeter Gymna- lichen Aus- und Fortbildung von Trainern
im Lehrteam des Deutschen Judobundes siallehrer und staatliche geprüfter Fußball- und Übungsleitern. Nach dem Behinderten-
tätig. Sein Einsatz im August und Septem- Lehrer des DFB. Für die GTZ hatte er von Volleyball soll der Rennrollstuhlsport die
ber des Jahres in der Mongolei galt der 1999 bis 2004 fünf Jahre lang die Projekt- zweite Säule des kambodschanischen
Nachwuchsausbildung im Judo. Informatio- leitung beim Auf- und Ausbau des Fußballs Behindertensports werden. Die Verantwort-
nen über die Mongolei im Internet: in Uganda. Auch Zittel wurde in enger lichen vor Ort haben sich dabei insbesonde-
http://www.auswaertiges-amt.de/www/ Zusammenarbeit mit dem Deutschen re auch von der Vorstellung leiten lassen,
de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_ Fußball-Bund nominiert. Informationen ein Angebot für doppelt Beinamputierte zu
html?type_id=14&land_id=115 über Guyana im Internet: schaffen. Ein weiteres Augenmerk liegt auf
http://www.auswaertiges-amt.de/www/ der Beteiligung von Frauen. Begünstigt wird
de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_ das Angebot, durch die Tatsache, dass
Indien. html?type_id=14&land_id=56 mittlerweile genügend renntaugliche
öffentliche Straßen in Kambodscha existie-
Ein Fußball-Kurzzeitprojekt führte Torsten ren. Darüber hinaus wurden zur Herstellung
Spittler (Neusäß) vom 1.10. bis zum Paraguay. von Chancengleichheit aus heimischer
16.12.2005 nach Indien. Der deutsche Produktion und unterstützt durch ausländi-
Experte wurde vom NOK in enger Zusam- Herbert Swoboda (Mainz), aus den siebziger sche Experten bereits etwa 100 Rennroll-
menarbeit mit dem Deutschen Fußball-Bund Jahren bekannter Zehnkämpfer und Sport- stühle gefertigt, die bald die ersten großen

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der Leichtathletik. Sport spielt seit jeher eine große Rolle in
Seine Nominierung der Kommunikation des Düsseldorfer
für den Einsatz in Energiekonzerns, nun widmet sich E.ON mit
Sri Lanka erfolgte in voller Kraft den Olympischen Ringen und
enger Abstimmung wird neuer Olympia Partner des Nationalen
mit dem Deutschen Olympischen Komitees für Deutschland
Leichtathletik- (NOK). Die Partnerschaft ist zunächst bis zu
Verband. Dr. Prinz ist den Olympischen Spielen 2008 in Beijing
seit 1990 Mitglied geschlossen. Darauf verständigten sich das
des Lehrstabes des Unternehmen und die Deutsche Sport-
DLV. Von der Wil- Marketing (DSM) als Vermarktungsagentur
helm-Filchner des NOK und Wirtschaftstochter der Stif-
Schule wird der tung Deutsche Sporthilfe.
Wolfhagener Studi-
endirektor für das Mit dem Engagement des Energiekonzerns
Entwicklungsprojekt aus Düsseldorf reiht sich eine weitere große
Rennrollstühle made in Kambodscha warten auf ihren Einsatz in erneut freigestellt. Unternehmensmarke in den Kreis der
einem vom Krieg gezeichneten Land. Näheres auch im Internet: Informationen über Olympia Partner ein. NOK-Präsident Klaus
www.standupcambodia.org Sri Lanka im Inter- Steinbach sieht in der neuen Kooperation
net: großes Potential: "Diese Partnerschaft wird
http://www. auf beiden Seiten zusätzliche Energien
Rennen erleben sollen. Romy Mäuslein ist auswaertiges-amt.de/www/de/l freisetzen. E.ON und das NOK sind in ihren
Referentin im Lehrteam des Deutschen aenderinfos/laender/laender_ausgabe_ Grundaussagen nahe beieinander: sowohl
Rollstuhl-Sportverbandes, bringt umfangrei- html?type_id=14&land_id=158 der Olympische Spitzensport als auch der
che praktische Erfahrungen im Gesund- größte private Energiedienstleister beein-
heits- und Rehabilitationssport mit und hat drucken durch Dynamik und Effizienz. Und
ihre Diplomarbeit dem Thema "Rehabilitati-
ves Interventionsprogramm für Rollstuhl- Vermarktungserfolge sowohl in der Olympischen Bewegung als
auch beim integrierten Strom- und Gaskon-
fahrer" gewidmet. Darüber hinaus kann sie zern E.ON kommt den Begriffen Kontinuität
auf den Aufbau von Rollstuhlsportgruppen und Nachhaltigkeit eine zentrale Bedeutung
im Kinder- und Erwachsenenbereich und
Energiekonzern e-on wird
zu. NOK und E.ON - das gibt einen kräftigen
zahlreiche Praktika in Kliniken und Einrich- neuer Olympiapartner Schub."
tungen für Querschnittsgelähmte verweisen.
Informationen über Kambodscha im Inter-
net:
http://www.auswaertiges-amt.de/www/
de/laenderinfos/laender/laender_ausgabe_
html?type_id=14&land_id=73

Sri Lanka.
Bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr
wird der Sportwissenschaftler und Leicht-
athletik-Experte Dr. Joachim Prinz (vormals
Bauer, Wolfhagen) in Sri-Lanka Trainer aus-
und fortbilden und aktive Leichtathleten
betreuen. Nachdem er im Juni und Juli
regionale Lehrgänge in Galle, Kandy und
Kilinochchi durchgeführt hat, führt ihn der
zweite Teil seines Projekteinsatzes nun nach
Vavuniya sowie erneut nach Kandy. Inhaltli-
che Schwerpunkte sind allgemeine Metho-
dik, Motivation, Aspekte von Ernährung,
Fragen der Sportmedizin, der Talenterken-
nung, der Trainings- und Bewegungslehre
sowie Theorie und Praxis in den Technikblö-
cken Sprint, Lauf, Sprung und Wurf. Dr. Einen Bonbon der E.ON AG durfte vor der Bilanzpressekonferenz im März 2005 in Düssel-
Prinz besitzt umfangreiche Erfahrungen als dorf eine Mitarbeiterin aus dem Glas nehmen. Gleichzeitig durften sich die Aktionäre des
Landestrainer (Hessen) und Bundestrainer in Unternehmens zum sechsten Mal in Folge über eine höhere Dividende freuen.

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Für E.ON-Kommunikationschef Dr. Peter zwischen der Deutschen Sport-Marketing
Blau ist das Engagement seines Unterneh- und der Privatbrauerei, wurde im Rahmen
mens eine logische Fortsetzung des E.ON-
Sponsorings: "Leistung und Engagement
einer Pressekonferenz auf der internatio-
nalen Ernährungsmesse "anuga 2005" in
Impressum
stehen sowohl für E.ON als auch für das Köln bekannt gegeben. Der Vertrag sieht Olympisches Feuer
NOK und seine Sportler. Diese Grundsätze zunächst eine Zusammenarbeit bis zu den
Zeitschrift des Nationalen Olympischen Komitees
möchten wir als Partner des NOK vor dem Olympischen Spielen in Beijing 2008 vor. für Deutschland und der
Hintergrund des olympischen Gedankens Gleichzeitig mit der Verkündung der Deutschen Olympischen Gesellschaft
fördern", so der Leiter der Unternehmens- neuen Partnerschaft haben Dr. Gustavo
Herausgeberkollegium:
kommunikation zu der neuen Kooperation. Möller-Hergt, Generalbevollmächtigter der Bernhard Schwank (NOK), Dieter Krickow (DOG),
Warsteiner Brauerei, und NOK-Präsident Steffen Haffner, Michael Gernandt
"Mit E.ON haben wir einen starken Partner Dr. Klaus Steinbach eine Initiative zur
Chefredakteur: Harald Pieper
gefunden, der sich glaubwürdig im deut- Förderung der Stiftung Deutsche Sporthil-
schen Spitzensport engagiert und sich fe vorgestellt. Auftakt des Projekts bildete Redaktion: Dr. Stefan Volknant, Dr. Andreas Höfer,
besonders den olympischen Grundgedanken die Präsentation eines eigens von WAR- Kerstin Rehhahn
wie Leistung und Fairness verpflichtet STEINER produzierten Powerbands unter Redaktionsanschrift:
fühlt", sagt Axel Achten, Geschäftsführer dem Motto "goldene-momente". Der Dr. Stefan Volknant
der Deutschen Sport-Marketing. "Wir sind dreifache Weltmeister Ronny Ackermann Nationales Olympisches Komitee für Deutschland
zudem sehr froh, mit dem Branchenführer war der erste Sportler, der das goldene Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt
Telefon: 0 69 / 6 70 02 27, Fax: 0 69 / 67 00 12 27
im Energiesektor, ein Unternehmen gefun- Band umlegte. "Eine intensive Förderung E-Mail: volknant@nok.de
den zu haben, dass sich in seinen bisherigen ist für uns Sportler wichtig, um die opti-
Partnerschaften im Sportbereich sehr aktiv male Vorbereitung auf die Highlights zu Harald Pieper
Stieglitzstraße 2
eingebracht hat. Von einem derart starken gewährleisten. Das Band und die Plattform
63263 Neu-Isenburg
und engagierten Partner an seiner Seite leisten dazu einen wichtigen Beitrag", so Telefon: 0 61 02 / 5 22 62
kann der olympische Sport in Deutschland Ackermann. Die goldenen Powerbänder
nur profitieren." fürs Handgelenk werden zum Stückpreis Herstellung, Vertrieb & Verlag:
Peter Kühne Verlag
von zwei Euro verkauft. Der gesamte Erlös Theodor-Heuss-Straße 11
Mit ihrem Engagement als Olympia Partner geht an die Stiftung Deutsche Sporthilfe. 63303 Dreieich
unterstützt E.ON gleichzeitig alle 3.800 Bestellt werden kann das Powerband über Telefon: 0 61 03 / 8 07 91 70,
Athleten, die von der Deutschen Sporthilfe eine speziell konzipierte Internetplattform Telefax: 0 61 03 / 8 07 91 71
bei der Entwicklung ihrer Sportler-Karriere (www.goldene-momente.de). Den Olympi- E-Mail: freiwurf@aol.com
gefördert werden. schen Spielen fühlt sich die Brauerei Grafische Gestaltung: Werner Pettersch, Dreieich
besonders verbunden. Neben der Power-
Schlussredaktion/Anzeigenleitung: Peter Kühne
band-Initiative sind deshalb weitere
Maßnahmen im Rahmen der Co Partner- Die Zeitschrift erscheint 6 x jährlich.
Goldener Glanz durch Der Bezugspreis ist durch den Mitgliedsbeitrag der
schaft mit dem Nationalen Olympischen
Warsteiner Komitee und der deutschen Olympia-
Deutschen Olympischen Gesellschaft abgegolten.

mannschaft geplant. Zum Beispiel wird die Druck: HMS-Druckhaus GmbH


Auch die Warsteiner Brauerei intensiviert Warsteiner Brauerei auf Veranstaltungen Benzstraße 57 - 59, 63303 Dreieich
Telefon: 0 61 03 / 93 39-0.
ihr Engagement auf olympischem Terrain des NOK und der Deutschen Sport-Marke-
und wird neuer Co Partner des Nationalen ting (DSM) sowie im Deutschen Haus zu Das Olympische Feuer ist zu beziehen durch:
Olympischen Komitees für Olympischen Spielen mit ihren Geschäftsstelle der Deutschen Olympischen
Gesellschaft, Otto-Fleck-Schneise 12 - Haus II,
Deutschland (NOK). Die Produkten vertreten sein.
60528 Frankfurt am Main,
Kooperation, vereinbart Telefon: 0 69 / 69 50 16-0,
Telefax: 0 69 / 6 77 18 26,
E-Mail: office@dog-bewegt.de,
Frankfurter Sparkasse,
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Bankleitzahl: 500 502 01
Das Olympische Feuer ist ein Diskussionsforum.
Mit Namen gekennzeichnete Artikel müssen nicht
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bzw. der DOG entsprechen.
Titelgrafik: Eberhard Stroot
Fotos, Illustrationen, Karikaturen:
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KölnSport-Verlag Eberhard Stroot
Volker Öhl Norbert Wodartzyk

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Nachrichten der DOG

Neues Gesicht Berlin "Denken Sie an falsche Ärzteabrechnungen,


an Abzocke von Politikern oder an Manager,

Christian Eiselstein verstärkt die "Fußball- Round-Table-Talk mit die eine Firma runterwirtschaften und
Millionenabfindungen kassieren." Er bedau-
fraktion" in der Geschäftsstelle der Deut-
schen Olympischen Gesellschaft. Der neue Robert Bartko erte, dass durch den Fall Armstrong der
Radsport wieder diskreditiert werde, "aber
Ansprechpartner in Sachen Mitgliederbe- Dopingbetrug hat dort einen Nährboden,
treuung und -verwaltung ist wie Geschäfts- Die Runde war hochzufrieden - der Gast wo viel Geld im Spiel ist und der Erwar-
stellen- glücklich über soviel Anerkennung und tungsdruck der Medien und der Öffentlich-
leiterin Aufmerksamkeit: Die Erstauflage des keit sehr hoch ist".
Kathrin Round-Table-Talks "Olympia hautnah" am
Hillgärt- 23. August in der Dresdner Bank am Pariser Die Berliner DOG hatte den gebürtigen
ner in Platz hätte kaum erfolgreicher ausfallen Potsdamer, der nun bei Ludwigsfelde mit
seiner können. Eingeladen hatte die DOG Berlin Gattin Peggy, Söhnchen Felix und Hund
Freizeit namens Vizepräsidentin und Gastgeberin (dazu ein Pferd in einem Reitstall) heimisch
auf dem Ulrike Ufert-Hoffmann. Sie begrüßte neben geworden ist, für die Fair-Play-Auszeich-
grünen DOG-Mitgliedern "als ersten Sparringspart- nung vorgeschlagen, nachdem Bartko nach
Rasen ner" den Doppel-Olympiasieger und mittler- Sturz beim Zielspurt der letzten SixDays und
aktiv. weile dreimaligen Weltmeister im Bahnrad- Sieg der Schweizer Kontrahenten spontan
sport, Robert Bartko. zum Mikrofon gegriffen: "Liebe Leute, bitte
"Es ist nicht pfeifen - der Sturz war allein meine
schön, Lothar Hinze, 12x als Sportreporter für den Schuld." Allerdings hatte er sich bei der
wenn Sender Freies Berlin olympisch und nun Rutschpartie über fast 50 m Holzbahn "200
man das Präsident des Berlin-Brandenburger Sport- Splitter in den Allerwertesten eingefangen.
Hobby journalisten-Verbandes, eröffnete als Mode- Das war eine langwierige und schmerzhafte
zum Beruf machen kann", erklärt der rator die Frage-
23jährige Roßdorfer, der mit dem SV Groß- Antwort-Runde in
Bieberau in der Fußball-Bezirksoberliga gekonnt souveräner
spielt. Aus seiner gleichzeitigen Tätigkeit als Manier. Und Bartko,
Jugendtrainer des Vereins weiß er: "Im Sport der im Oktober
sollten Fairness, Leistungsbereitschaft, anlässlich des
Teamgeist und Völkerverständigung mehr SixDays-Opening im
zählen als der Sieg. Deshalb ist das Engage- Berliner Velodrom
ment der DOG für diese Olympischen Werte die Fair-Play-
so wichtig." Plakette der DOG
erhalten wird,
Nach seiner Ausbildung zum Sport- und bewies, dass er nicht
Fitnesskaufmann beim Allgemeinen Deut- nur auf dem Rad
schen Hochschulsportverband (adh) in eine hervorragende
Dieburg ist die Deutsche Olympische Gesell- Figur abgibt.
schaft seine erste berufliche Station. Christi-
an Eiselsteins für Ziele die Arbeit bei der Mit der Sportmel- Olympiasieger Robert Bartko (oben Mitte) hautnah für die Berliner
DOG: "Immer ein offenes Ohr für die Mit- dung des Tages DOG-Mitglieder
glieder haben und die Zweigstellen tatkräf- konfrontiert, Tour-
tig unterstützen." sieger Lance Arm-
strong habe man in eingefrorenen Doping- Prozedur, die herauszubekommen." Woher
Christian Eiselstein ist zu erreichen unter proben von 1999 den Epo-Dopingmiss- dieses Eingeständnis des eigenen Verschul-
Telefon 069/69501613 sowie brauch nachweisen können, verurteilte der dens komme? "Ich denke, das habe ich
E-Mail eiselstein@DOG-bewegt.de. 29-jährige Berliner den US-Amerikaner meinen Eltern zu verdanken. Ehrlich bleiben
dennoch nicht. Dopingbetrug sei ein Spie- und dass es möglichst gerecht zugeht - das
gelbild der Gesellschaft sagte der frischge- haben sie mir beigebracht."
backene dreifache Deutsche Bahnmeister:

69
Etwa eine Stunde sollte das Gespräch Dresden
dauern, am Ende wurde es noch eine halbe
Stunde länger. Bartko gab über Training
Auskunft, kritisierte die deutschen Leis- Diesmal mit Schützenkönigin
tungssportstrukturen, monierte, dass die
Arbeit an der Basis und mit dem Nachwuchs
nicht mehr die erforderliche Qualität und
Effizienz habe. Er selbst - am 23. Dezember
wird er 30 - habe als Ziel Olympische Spiele
2008 in Peking "fest im Blick".

Immerhin die positive Sportmeldung des


Tages nach der negativen mit Armstrong.

Ernst Podeswa

Bremen

55. Sportabzeichen Auch in diesem Jahr 2005 waren die Mitglieder der DOG Dresden Gastgeber für Vertreter
abgelegt aus Wirtschaft und Politik bei ihrem traditionellen Vogelschießen. Bereits zum 9. Male
wurde zum Auftakt des städtischen Sommerfestes der Dresdner Schützenkönig gesucht.
Dass es diesmal mit Iris Wenke von der IHK Dresden eine Schützenkönigin wurde, macht
Peter Schlee hat jüngst zum 55. Mal die
das 10jährige Jubiläum im nächsten Jahr besonders interessant.
Bedingungen für das Deutsche Sportabzei-
chen erfüllt. "Ich habe kein Jahr ausgelas-
sen"‚ sagt der Bremer voller Stolz. "Und dass Bremerhaven-Cuxhaven Dass dies auch weiterhin geschieht, dafür
soll auch in Zukunft nicht anders sein." Über wollen sich der Zweigstellenvorsitzende Dr.
60 Mal ist sein Fernziel, denn es gibt jeman-
den, der schon 60 Sportabzeichen abgelegt "Ein Ruhmesblatt für die Herbert Böttcher und seine Kollegen einset-
zen: mit Programmen zur Fairness im Sport,
hat. "Das schaffe ich auch", ist sich Peter
Schlee sicher. Küsten-DOG" Patenschaften für Talente sowie Bewe-
gungsförderung im Kindergarten.

Tatsächlich hat der gelernte Bankkaufmann "Was die DOG Bremerhaven-Cuxhaven hier "Auf lokaler Ebene hat die DOG viel Gutes
dafür beste Voraussetzungen, nachdem er in 50 Jahren allein zum Wohle der Kinder geleistet", befand Bremens Innensenator
sein ganzes Leben dem Sport gewidmet hat. geleistet hat, ist ein Ruhmesblatt für die Thomas Röwekamp. Nicht ohne Stolz
Seit 1956 ist er Mitglied beim Allgemeinen gesamte DOG", befand Dieter Krickow, erklärten die Oberbürgermeister von Bre-
Turn- und Sportverein von Bremen 1860, Vizepräsident der Deutschen Olympischen merhaven und Cuxhaven, Jörg Schulz und
wo er stets als Übungsleiter tätig war. Vom Gesellschaft. Arno Stabbert, dass beide Küstenstädte seit
Kinderturnen über das Turnen der Männer 1954 DOG-Mitglieder seien. Zu den Gästen
bis zum Altersturnen hat er die Generatio- Vor rund 70 Mitgliedern und prominenten zählten u.a. Bernd Klinger, Olympiasieger
nen stets begleitet. Noch heute turnt er Gästen aus Bremerhaven und Cuxhaven, aus im Dreistellungskampf 1968, Roswitha
regelmäßig mit einer Gruppe Senioren, Bremen und Bremervörde, die sich zum Ditzen-Blanke, Verlegerin und Herausgebe-
spielt Prellball, Faustball und Ringtennis und stimmungsvollen Festakt anlässlich des 50. rin der Nordsee-Zeitung, sowie Sparkassen-
versteht über Jahrzehnte Jung und Alt für Geburtstages der Zweigstelle im Bankhaus direktor Claus Brüggemann, die dem Wirken
Turnen, Spiel und Sport zu begeistern. Bei Neelmeyer eingefunden hatten, würdigte der DOG äußerst positiv gegenüber stehen.
der Deutschen Olympischen Gesellschaft ist Krickow das Engagement zwischen Elbe und
er über 50 Jahre Mitglied und wirkt regel- Weser. Allein der Erlös von einer halben Paul G. Pätzel
mäßig im Beirat der Zweigstelle Bremen Million Mark aus den vom früheren Präsi-
mit. denten J. Heinrich Kramer initiierten DOG-
Tombolen, der zum Bau vieler Kinderspiel- Düren
Bei so viel Sport wundert es nicht, dass plätze und Jugendsportanlagen verwendet
Peter Schlee die athletischen Anforderungen
für das Deutsche Sportabzeichen - Laufen,
wurde, spräche für sich, so der DOG-
Vizepräsident. Ehrenvorsitzender
Springen, Stoßen, Schwimmen und Wan-
dern - immer mühelos bewältigt hat. Da ist "Die Deutsche Olympische Gesellschaft verstorben
es wirklich nur eine Frage der Zeit, wann er fördert den Sport idealistisch und gerade im
sich zum sechzigsten Mal über seine Leis- Land Bremen ist sehr viel dafür getan Die DOG Düren trauert um ihren Ehrenvor-
tungen freuen darf. worden", betonte Krickow. sitzenden Ernst Günther Hammans, Träger

70
des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, in Erinnerung an ihn Mitte November ein Hamburg
der Ende August diesen Jahres nach länge- Symposium unter dem Thema "Der Sport-
rer Krankheit im Alter von 81 Jahren ver-
storben ist.
verein in der heutigen Zeit" durchführen.
"Kinder bewegen"-
Essen Studientag
Goldene "25" verliehen Zu einem gemeinsamen Studientag, um die
weitere Planung für das Modellprojekt
"Kinder bewegen" der Deutschen Olympi-
Als Basisorganisation des NOK bietet die schen Gesellschaft im Hamburger Modell-
Deutsche Olympische Gesellschaft eine kindergarten "Alter Teichweg" vorzunehmen,
Plattform für alle, die sich für die Olympi- haben sich fast genau nach sechs Monaten
sche Idee engagieren und insbesondere Projektzugehörigkeit die dreißig Mitarbeite-
Kinder und Jugendliche, für den Sport rinnen und Mitarbeiter der Kita, Norbert
begeistern möchten. Baumann und Greta Blunck von der DOG
Hamburg sowie Martina Grand vom Sport-
Entsprechend dieses Grundanliegens hat die amt Hamburg getroffen. Zur Veranstaltung
DOG Essen der Essener Tennishallengemein- hatten sie externe Experten eingeladen, die
Hilfestellung
und Anregungen
Ernst Günther Hammans für die Weiter-
entwicklung der
Kita in eine
Er hat 1967 die DOG-Kreisgruppe Düren bewegungs-
gegründet und stand dieser 30 Jahre vor. In freundliche
dieser Zeit hat er die Zweigstelle von ihrer Einrichtung
Mitgliederzahl her zur drittstärksten DOG- geben sollten.
Gruppe innerhalb Nordrhein-Westfalens
geführt. Des Weiteren fanden unter seiner Zunächst ver-
Regie in Düren viele Symposien und Vorträ- deutlichte
ge zu aktuellen Themen des Sports statt. Referent Man-
Weit über die Grenzen hinaus bekannt sind fred Möller in
auch die von der Dürener DOG durchge- einem Einfüh-
führten Besichtigungsfahrten zu interessan- rungskurs in die
ten Sportstätten im In- und Ausland. Psychomotorik
sehr anschau-
In Anerkennung seiner vielen Verdienste lich, wie wichtig
Verleihung der Goldenen "25" der Deutschen Olympischen Gesell-
wählten ihn deshalb die Mitglieder der die Bewegung in
schaft: (von links) Peter Schuster (Präsident des Verbandes Deutscher
Kreisgruppe bei seinem Rücktritt 1997 der gesunden
Tennislehrer e.V.), Paul Hoffmann, Thomas Tasch (Vorstandsmitglied
einstimmig zu ihrem Ehrenvorsitzenden. Entwicklung von
des Tennisverbandes Niederrhein e.V.), Gerhard Nähe und Hanns
Kindern ist. Die
Sobek, Altbürgermeister der Stadt Essen.
Unabhängig davon war der in Düren ansäs- Lernfähigkeit
sige Unternehmer in vielen anderen Gre- hänge eng mit
mien über Jahrzehnte hinweg ehrenamtlich der Bewegungs-
tätig. So stand er der Tennisgemeinschaft schaft e. V. (ETG) die Goldene "25" verliehen freudigkeit zusammen, Kinder müssten
Rot-Weiß Düren, die seit 1952 bis heute - für fünfundzwanzig Jahre Mitgliedschaft toben um sich danach wieder konzentrieren
Mitglied in der DOG ist, ebenfalls über 30 und in Anerkennung der Unterstützung zu können, so Möller. Für die Kita gab es
Jahre vor. In den 70er Jahren gründete er in ihrer Aufgaben in Sinne der Olympischen wertvolle Anregungen und Ideen zur Be-
Düren den Kreissportbund und den Stadt- Idee. Die Auszeichnung fand an dem Tag schaffung und Nutzung von geeigneten
sportverband, deren Ehrenvorsitzender er statt, als London den Zuschlag für die Materialien sowie für interessante Bewe-
aufgrund seiner großen Verdienste für diese Olympischen 2012 bekam. gungsangebote auch in kleineren Räumlich-
Institutionen ebenfalls war. Er gehörte viele keiten.
Jahre dem Rat der Stadt und dem Kreistag In einem kleinen Festakt in der Malottki-
an. Halle‚ Bergeborbeck überreichte Paul Hoff- Im zweiten Teil stellte Elsbeth Elsner, Leite-
mann, Geschäftsführer der DOG Essen, rin eines Hamburger Bewegungskindergar-
Weit über seine Amtszeit hinaus blieb Ernst DOG-Ehrennadel und Urkunde an den ETG- tens, das Konzept ihrer Einrichtung vor. Von
Günther Hammans immer ein kompetenter Vorsitzenden Gerhard Nähe. ihr erfuhren die "Kinder bewegen"-Projekt-
Ratgeber der DOG. Die DOG Düren wird partner, dass neben bewegungsanregenden
deshalb sein Andenken in Ehren halten und Norbert Wodartzyk Räumen, Hallen und Fluren und den unter-

71
schiedlichsten Materialien selbst die Weih- Der Höhepunkt des Festes fand am späten Heilbronn/Unterland-Hohenlohe
nachtsgeschichte mit viel Bewegung von Nachmittag statt. Seit die Deutsche
den Kindern aufgeführt werden kann. Olympische Gesellschaft und ihr Partner O2
Sport verbindet!
Schließlich beant-
wortete Oecotro- Fast 300 Kinder, Jugendliche und Erwachse-
phologin Silke ne aus verschiedenen Schulen und Einrich-
Bornhöft Fragen tungen begleiteten sechs geistig behinderte
zum Thema "Gesun- Sportler beim Start des Lichtenstern-
de Ernährung bei Marathons an der Grundschule Obersulm
Kindern". auf den ersten Kilometern bis zum Rathaus
von Affaltrach, wo Bürgermeister Murso zur
Für die Mitarbeite- Erfrischungspause einlud. Es ging darum,
rinnen und Mitar- Zeichen für Integration zu setzen. Deshalb
beiter der Kita Alter war auch der körperbehinderte Sportler
Teichweg gab es Andreas Kiemes gekommen. Der Vize-
viele Anregungen Weltmeister im Handbike-Fahren und
und Ideen, die sie Vierter der Paralympics in Athen fuhr im
motivierten, noch Handbike den ersten Teil der Strecke mit,
mehr "in Bewegung die bis nach Schwäbisch Hall führte.
zu geraten". Zufrie-
den konnten sie Organisator dieser bereits zum siebten Mal
zugleich feststellen, stattfindenden Veranstaltung ist Jürgen
dass die Kita in Mennel, der die Behinderten aus der
Sachen Bewegungs- Umlagerter Star des Bewegungsfestes im Hamburger DOG-Modell- Evangelischen Stiftung Lichtenstern (bei
angebote schon kindergarten: HSV-Dino Herrmann Löwenstein) betreut und mit der Aktion auf
einiges vorweisen die körperliche und seelische Leistungsfä-
könne - eine gute Grundlage also, die den Kindern vom "Alten Teichweg" aus higkeit seiner Schützlinge aufmerksam
nächsten 2 ½ Projektjahre anzugehen. "Kinder bewegen"-Projektmitteln einen machen will. Mennel ist Sporttherapeut an
Trainer finanzieren, ist Fußball für die der Stiftung und erläuterte, dass diese
Mädchen und

Bewegungsfest für Jungen die Sportart


Nummer 1 gewor-

Klein und Groß den. So war es eine


gelungene Überra-
schung als plötzlich
Natürlich stand das diesjährige Sommer- HSV-Dino Hermann
fest in der Hamburger Kita "Alter Teich- auftauchte, um das
weg" unter dem Motto "Kinder bewegen". Match der Fußball-
Schon der Auftakt mit Bewegungsliedern kinder gegen ihre
und Tänzen lud Eltern und Kinder zum Eltern anzupfeifen.
Mitmachen ein. Und tobend, turnend, Der Hamburger
kletternd, springend, laufend, fahrend und Sportverein hat im
spielend ging es weiter durch den ganzen Rahmen von
Nachmittag. "Kinder bewegen"
die Patenschaft für
In der einen Ecke konnten sich Kinder an den Modellkinder-
verschiedenen Materialien ausprobieren. garten übernom-
Da gab es Pedalos, Stelzen, Rollbretter, men.
Trampoline und vieles mehr. Anderswo
wurden klassische Bewegungsspiele wie Das Bewegungsfest
Dreibeinrennen, Sackhüpfen, Eierlaufen war für Klein und
und Ringewerfen angeboten. Auf dem Groß ein voller Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam beim Start zum
Sportplatz war ein Parcours aufgebaut, wo Erfolg und auch die Lichtenstern-Marathon.
Kinder auf Go-Carts ihre Schnelligkeit und Projektverantwort-
Geschicklichkeit messen konnten. Für das lichen von DOG
erfolgreiche Ausprobieren der zahlreichen und O2, Norbert Baumann und Matthias Laufevents erst aufgrund jahrlanger Trai-
Bewegungs- und Spielangebote bekam Johannes, haben sich trefflich amüsiert. ningsprogramme und Trainingstage mög-
jedes Kind eine Medaille mit der Aufschrift lich seien.
"Kinder-Olympiade 2005" verliehen.

72
Die Vorsitzende der DOG Heilbronn-Unter- damit ein deutliches Zeichen in Richtung werden. So auch in den Medien. Hier war
land-Hohenlohe, Sigrid Seeger-Losch, Gleichstellung behinderter und nicht ich selbst noch außer Atem und konnte
betonte in ihrer kurzen Ansprache, dass bei behinderter Leistungssportler gesetzt. meine Freude über unseren Teilnahmeerfolg
dieser Veranstaltung echte Solidarität kaum in den Interviews unterbringen. Diese
gezeigt und das Selbstbewusstsein der Für mich stellten sich daher die Fragen, wer Begeisterung hat WDR Moderatorin Sabine
Behinderten gestärkt würde. Sie rief den ist bereit, diesen Plan mit uns zu realisieren, Hartelt in ihren beiden WDR-Berichten sehr
Teilnehmern zu, dass hier das Motto "Dabei wer stellt sich den 42,195 km, einer Strecke, eindrucksvoll herausgestellt. So standen wir
sein ist alles!" Vorrang habe: Es würde nicht bei der viele ohne zu zögern das Auto mit 5 bzw. 8 Minuten langen Berichten
darauf ankommen, wer zuerst am Ziel ist, nehmen, aber nur wenige sie laufend, hand- sowohl am Samstag und als auch nach dem
sondern dass diese Tage Spaß und Freude bikend oder skatend bewältigen wollen, und Marathon am Sonntag im Fokus der TV
machen sollen. ebenso wichtig, wer ermöglicht uns den Öffentlichkeit. Und auch die Printmedien
finanziellen Hintergrund? berücksichtigten uns sowohl vor und nach
dem Marathon.
Köln/Leverkusen Viel schneller als erwartet war das Puzzle Jetzt freuen wir uns über den großen
komplett und die Begeisterung, die mich Scheck für den Olympiastützpunkt

5.000 Euro für den Behin- spontan erfasst hatte, sprang auf die
Anderen über.
Köln/Bonn/Leverkusen, der uns durch Herrn
Haumann im Rahmen des DOG-Olympia-

dertensport erkämpft Ebenso begeistert zeigte sich mein erster


balls am 22.10.2005 im Bayer Casino in
Leverkusen überreicht wird.
Ansprechpartner aus der Wirtschaft. Helmut
Die mehrfache Paralympics-Siegerin und Haumann, der Vorstandsvorsitzender der Ich sage danke an alle Teilnehmer, die für
Vorsitzende der DOG Köln-Leverkusen, Britta RheinEnergie AG, war mehr als angetan und die gute Sache der DOG an den Start
Siegers, berichtet von der erfolgreichen lobte sehr schnell 500 Euro pro Athlet und gegangen sind. Danke an die Freunde und
Aktion am 11. September beim Köln- bis zu 5.000 Euro Maximalprämie aus. Familienmitglieder, die uns vor Ort und auch
Marathon mit Unterstützung von Rhein- Ferner unterstützte uns die Köln Marathon im Vorfeld betreut und unterstützt haben.
Energie: GmbH beim Startgeld, die Deutsche Sport- Ein besonderes Dankeschön an Helmut
hochschule Köln, die mir u.a. ein Handbike Haumann und sein Unternehmen, der
"Zunächst wirkte es wie eine verrückte Idee, zur Verfügung stellte, und auch der KS RheinEnergie, als unserem Finanzier."
durch einen Start beim 9. Ford Köln-Mara- Verlag, der unser Team in Bildern festhielt.
thon die finanzielle Basis für eine professio- Mit all diesen positiven Rahmenbedingun-
nelle Laufbahnberatung für behinderte gen galt es nun, das Starterfeld zu besetzen. Odenwald
Toppathleten am Olympiastützpunkt Köln/ Es sollte ein Team sein aus Läufern, Skatern,
Bonn/Leverkusen schaffen zu wollen. Doch
diese Aktion passt exakt in die Leitlinien der
Handbikern und aus behinderten und
nichtbehinderten Sportlern. Ich war positiv DOG-Jugend besuchte die
Deutschen Olympische Gesellschaft. Sie ist
integrativ, beinhaltet den Fair-Play-Gedan-
überrascht, innerhalb von 14 Tagen war das
DOG-Team aufgestellt. Und einen besonde- Frankfurter Eintracht
ken, betrifft eine olympische Disziplin und ren Paten für die Aktion fand ich in Man-
zeigt das Mit- und Füreinander unter fred Germar. Die DOG-Jugend Odenwald unternahm am
Sportlern. Und wenn ein großes Unterneh- 27. August einen Ausflug zum Fußballbun-
men die Idee unterstützt, dann haben wir Ein jeder begab sich in sein persönliches desligaspiel der Frankfurter Eintracht gegen
Trainingslager und den 1. FC Nürnberg ins Frankfurter Waldsta-
einige von uns sind dion. Die Fahrt ging pünktlich um 13:00 Uhr
nur wegen der in Erbach los. In Michelstadt, Zell und in
guten Sache, des Höchst wurden dann noch die restlichen
Projektes wegen, Teilnehmer eingesammelt.
überhaupt auf die
42,195 km lange Nach dem Spiel, dass zur Freude der Oden-
Strecke gegangen. wälder Jugendlichen mit 1:0 für Frankfurt
Zäh und ausdau-
ernd, getragen
durch die Fans an
der Strecke und
trotz widriger
Wetterbedingungen
kamen alle Sportler
des DOG-Teams in
Ziel. Ein Erlebnis,
Doppelt erfolgreich: Das Team der DOG Köln-Leverkusen bewältigte über das wir noch
komplett die Marathon-Distanz und erzielte dafür 5.000 Euro oft und immer
Prämie zugunsten des Behindertensports. wieder sprechen

73
ass für seine großar- Horst Neff hat sich durch seine vielfältigen
tigen Erfolge in ehrenamtlichen Tätigkeiten in kommunalen
diesem Jahr. Neben Institutionen und im Vereinsleben verdient
der Deutschen gemacht. Er ist wesentlich an der nunmehr
Meisterschaft in 16 Jahre währenden, engagierten Arbeit der
Einzel und Doppel DOG Odenwald beteiligt. Durch seine enge
holte sich Boll, der Verbindung zum Fußballsport hat er über
für den TTV Gön- jahrelang die Aufgabe des Kreisfußballwarts
nern an der Platte wahrgenommen. Er gilt als populärer und
steht, mit Partner verdienter Mann des Odenwälder Sports, der
Christian Süß auch für die Arbeit der DOG mittlerweile
(Borussia Düssel- unentbehrlich geworden ist.
dorf) die Vizewelt-
meisterschaft im
Doppel in Shanghai
Odenwälder DOG-Jugendliche beim Besuch im Frankfurter Wald- und schließlich mit
stadion. seinem Team vom
TTV Gönnern den
Champions-League-
endete, kehrte die Gruppe noch zur einer
Sieg nach dramatischem Final-Rückspiel
gemütlichen Runde in die Gaststätte "Zur
gegen den belgischen Favoriten Charleroi.
Krone" in Bad König/Zell ein.
In Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste aus
Organisiert wurde dies alles vom Jugendob-
Sport und Politik erntete der 25jährige
mann Florian Keil (Hassenroth) sowie dem
Höchster viel Lob und Anerkennung. Bür-
Vorsitzenden der DOG Odenwald, Hubert
germeister Rainer Guth und Landrat Horst
Hey. Wenngleich sich die Organisation
Schnur verbargen nicht ihren Stolz auf den
aufgrund der Ferienzeit in Hessen etwas
Odenwälder Bub mit Weltruhm. Besonders
schwierig gestaltete, war der Ausflug Neff erhielt das Bundesverdienstkreuz aus
originell war das Geschenk der TSV Höchst:
wiederum eine gelungene Aktion der DOG- den Händen des Hessischen Staatsminis-
Bolls Heimatverein übergab einen Baum, der
Jugendarbeit im Odenwald. ters Dirk Merz (rechts).
auf dem Grundstück des vor kurzem erwor-
benen Haus stehen und damit die weiter
bestehende Verbundenheit mit Höchst und Der Vorsitzende der DOG Odenwald, Hubert
Großer Bahnhof für dem TSV zum Ausdruck bringen soll. Hey, würdigte die gute Zusammenarbeit
und vor allem die unkomplizierte Bereit-
Timo Boll in Höchst Unter den Gratulanten war auch der Vorsit-
zende der DOG Odenwald, Hubert Hey, der
schaft zum Mitmachen: "Hoffentlich steht
Horst Neff uns noch lange für die DOG-
in Erinnerung rief, dass Boll als damals Abeit zur Verfügung."
Zu Ehren ihres berühmten Sportsohnes Timo
15Jähriger einer der Ersten war, die im
Boll gab seine Heimatgemeinde Höchst im
Rahmen der DOG-Aktion "Junge Könner
Odenwald Ende Juli einen Empfang im
Bürgerhaus. Geehrt wurde das Tischtennis-
brauchen Gönner" unterstützt wurden. Hey
überreichte ein Schreiben des DOG-Präsi- Erfolgreiche Kindergarten-
denten Dr. Hans-Joachim Klein, der dem
Weltklassespieler zu den Erfolgen beglück- patenschaften
wünschte und zum Ausdruck brachte, dass
Boll ein großes Vorbild für die Jugend sei. Zum gemeinsamen Erfahrungsaustausch
trafen jüngst die DOG Odenwald um ihren
Gerd Waßner Vorsitzenden Hubert Hey und Erzieherinnen
aus den beiden Patenkindergärten in Mi-
chelstadt und Erbach zusammen. Die DOG

Horst Neff erhielt Bundes- Odenwald will durch individuelle Erfahrun-


gen aus der praktischen Arbeit lernen, um

verdienstkreuz am Bande die Ergebnisse in anderen Kindergärten


angemessen umzusetzen.

Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande Anni Resch, Leiterin des Michelstädter


wurde der 2. Vorsitzende der DOG Oden- Kindergartens, hatte dieses Treffen zum
wald, Horst Neff, durch den Hessischen Austausch über die Verbesserung der
Timo Boll mit Bürgermeister Rainer Guth Staatsminister Dirk Merz ausgezeichnet. kindlichen Bewegung in gemütlicher Atmo-
(links) und Hubert Hey (rechts) sphäre bei Kaffee und Kuchen organisiert.

74
integrationshem- mals trägt eine Laufstrecke in Deutschland,
mend für die Kinder auf der ein Olympic Day Run veranstaltet
wirken", so Guth. wurde, diesen Namen.

Die Kinder des Die offizielle Namensgebung erfolgte durch


Höchster Kinder- Bürgermeister Manfred Gräf, den 1. Vorsit-
gartens blickten zenden des SC Bobenheim-Roxheim, Karl-
derweil schon Heinz Kaiser, sowie Carlo von Opel, Vorsit-
einmal auf ihre zender der DOG Pfalz. Auch die Ideengeber
bewegte Zukunft. der Aktion, Christian Reber sowie Wolfgang
Mit dem eigens Ziegler, waren dabei als ein Teil der Anwe-
einstudierten Lied senden angeführt vom früheren Ruder-
"Wir sind die Olympiasieger Alois Bierl die neu benannte
Sportskanonen" Strecke durch eine Umrundung einweihte.
brachten sie richtig Unter den zahlreichen prominenten Gästen
Kleine "Sportskanonen" vom neuen DOG-Patenkindergarten in Schwung in die der Premierentaufe war die Bundestagsab-
Höchst Auftaktveranstal- geordnete Maria Böhmer.
tung. "Das war sehr
beeindruckend", Die "Olympic-Day-Run-Strecke" ist ein rund
Im Gespräch wurde schnell deutlich, dass es lobte Hubert Hey, "denn wenn zu sportli- 5,3 km langer Rundlauf um den sogenann-
kritisch um den kindlichen Bewegungsalltag chen Übungen das verbale Bekenntnis zum ten Altrhein, ein zum früheren Fluss gehö-
bestellt ist. Immer starker werden die Sport kommt, ist der Erfolg umso größer." render See. Die Strecke verläuft größtenteils
Jungen und Mädchen durch die Medienwelt über Naturboden, durch Wald und Busch,
in den Bann gezogen. Später kommt der immer in Ufernähe, hauptsächlich im
Umgang mit dem Computer hinzu, so dass Pfalz Bereich von Landschaftsschutz und Natur-
bei vielen Kindern die Bewegungsunlust schutz sowie durch naturbelassenen, ge-
gewachsen ist. Viele Eltern sind berufstätig
und haben nicht mehr ausreichend Zeit für Erste offizielle "Olympic- pflegten Vorortbereich. Schon von jeher sind
hier zahlreiche Laufsportler unterwegs. Mit
gemeinsamen Sport und Spiel. Die DOGler
erfuhren auch, wie verheerend die Folgen Day-Run-Strecke" getauft der Namensgebung und 20 neuen Schildern
rund um den Kurs wirbt die Gemeinde nun
dieser Entwicklungen sind. Übergewicht, mit Unterstützung der DOG Pfalz ganz
Haltungsschäden, Konzentrationsschwierig- Nach dem erfolgreichen Olympic Day Run offiziell für sportliche Betätigung auf dem
keiten und gesundheitliche Probleme sind am 23. Juni diesen Jahres in der pfälzischen Rundkurs.
schon bei Grundschülern immer häufiger zu Gemeinde Bobenheim-Roxheim hat die
finden. DOG Pfalz nun dafür gesorgt, dass das Die Pfälzer DOG plant auch für 2006 wieder
Ereignis vor Ort weiter in Erinnerung bleibt. einen Olymic Day Run. Als Veranstaltungs-
Deshalb ist es so wichtig, dass die frühkind- Der damals bewältigte Rundkurs wurde ort ist Gimmeldingen im Gespräch.
liche Motivation zu Bewegung und Sport "Olympic-Day-Run-Strecke" getauft. Erst-
möglichst bald einsetzt. Die DOG Odenwald
sieht ihre Aufgabe darin, dieses Ziel mit
geeigneten Maßnahmen in den Kindergär-
ten zu unterstützen. "Bewegung muss fester
Bestandteil des Kinderalltags sein, dann
haben wir eines unserer wichtigsten Klas-
senziele erreicht", betont Hubert Hey.

Konsequenterweise hat sich die DOG Oden-


wald entschlossen, mit dem Kindergarten in
Höchst eine vierte Einrichtung in Form einer
Patenschaft zu unterstützen. Im Beisein des
Bürgermeisters Rainer Guth besiegelten
Hubert Hey und Kitaleiterin Frau Trawitz die
Patenschaft offiziell. Auf der Auftaktveran-
staltung würdigte der Bürgermeister die
Initiative der DOG für mehr Bewegung im
Kindergarten. In seiner Ansprache ging er
zugleich auf die notwendige Verbindung
von Sport- und Sprachförderung bei Zu-
wanderungskindern ein. "Es ist eine unum- Auf dem Bild sind u.a. zu sehen: Karl-Heinz Kaiser (4. v. l.), Maria Böhmer (6. v. l.), Christian
stößliche Tatsache, dass sprachliche Defizite Reber, Geschäftsführer SC Bobenheim-Roxheim (7.v. l.), und Carlo von Opel (8.v. l.)

75
"Kindern mehr Zeit für
Gemeinsame Aktion für mehr Bewegung von

Für die Kinder in den Modelleinrichtungen Im von der DOG Bad Sobernheim betreuten von der DOG Hochstift Paderborn gewählte
der Initiative "Kinder bewegen" gab es zum Kindergarten der Gemeinde Sien überrasch- Schauplatz der Aktion aus. Erstmals konnten
Weltkindertag eine besondere Überra- ten die Kinder ihre Patin Ulrike Holzner mit sich die Kinder im Ahornsportpark so richtig
schung. Sie erhielten Besuch von ihren im Vorfeld der Aktion selbst gefertigten austoben.
Paten, die allesamt ein besonderes Geschenk Plakaten, Transparenten und Collagen. Die
für ihre Schützlinge dabei hatten: eine Olympiamedaillengewinnerin im Bobfahren Die DOG Pfalz hatte zusätzlich zu den 50
gemeinsame Stunde Sport, Spiel und Spaß. lud ihrerseits die Mädchen und Jungen ein, Kindern des Ludwigshafener Modellkinder-
Mit der Weltkindertagsaktion wollten die den Vormittag gemeinsam mit ihr in Bewe- gartens "Wolfsgrube" noch 20 Mädchen und
Deutsche Olympische Gesellschaft und ihren gung zu verbringen. Unterstützt wurde sie Jungen vom benachbarten Kindergarten
Partner Opel und O2 auf das Recht der von den Erzieherinnen und Übungsleiterin eingeladen. In mehreren Gruppen erhielten
Kinder auf Bewegung aufmerksam machen. Rosemarie Hartung, die seit Beginn der die Kinder von Bürgermeister Heiner Dopp
"Wir wollen Eltern und Großeltern ermun- Förderung im Rahmen von "Kinder bewe- höchstpersönlich einen Hockey-Schnupper-
tern, es unseren Paten gleichzutun, und gen" regelmäßig Sportstunden in der kurs. Vom Hockey-Rekord-Nationalspieler,
ihren Kindern mehr Zeit für gemeinsame Einrichtung durchführt. Dass an diesem Tag zweifachen Olympiamedaillengewinner und
Sport- und Spielaktivitäten zu schenken", jedoch eine echte Spitzensportlerin den Ton Landestrainer, der im Anschluss Preise an
erläutert DOG-Präsident Dr. Hans-Joachim angab, war für die Kinder eine ganz beson- die besten Hockeyspieler verteilte, gab es
Klein das Anliegen. Trotz ernstem Hinter- dere Freude. jede Menge Tipps und Tricks zu lernen.
grund stand der Spaß sowohl bei den Genauso viel Freude hatten die Kinder auch
Kindern als auch bei den Paten im Vorder- Auch die Kleinen aus der Paderborner beim gemeinsamen Fußball-Spiel mit dem
grund wie die nachfolgenden Bilder und Kindertagesstätte Römerstraße konnten am früheren Bundesligaprofi Maurizio Gaudino.
Berichte aus einigen der Modellkindergärten Weltkindertag ihr Sportidol hautnah erle- Auf der erst kürzlich mit "Kinder bewegen"-
zeigen. ben. Mit Patin Claudia Tonn erprobten sie Projektmitteln fertig gestellten Außenanlage
schon einmal die ersten Schritte zum konnten die Minikicker die ersten Tore für
Siebenkampf. Begeisterung löste auch der ihren Kindergarten schießen. Da auch das

76
Bewegung schenken"
DOG und Sportlern zum Weltkindertag

Wetter mitspielte, wurde es eine rundum Präsentation dann mit den Kindern ergab, der Vitamin- und Getränkebar gesorgt. Vom
gelungene Sache Veranstaltung. Mit Lied hat beide Seiten gleichermaßen begeistert bewegten Erlebnis mit seinem Paten begeis-
und Tanz - eingeübt von der Kindergarten- und auch die anwesenden Eltern gefesselt. tert, wird der Zwickauer Modellkindergarten
leiterin Beate Maier - klang der denkwürdi- In der folgenden Aktionsrunde haben die einen solchen Tag jetzt einmal monatlich
ge Weltkindertagsvormittag in Ludwigsha- Kinder und der "Wetterfrosch" gemeinsam durchführen.
fen aus. gezeigt, wie man Wetterphänomene mit der
richtigen Köperbewegung beschreiben kann. Fußball wurde auch in den beiden nördli-
Weil Rosi Mittermaier, die Patin des Kinder- So wiegten sich Arme und Beine unter- chen Modellkindergärten groß geschrieben.
gartens Mainz-Gau-Bischofsheim, etwas schiedlich heftig entsprechend der Stärke In Kiel zeigte Nationalspielerin Nina Joku-
weit entfernt wohnt, hat sich auf Anfrage des Windes, und die Akteure ahmten das schies den Kindern von der Kita Hansastraße
von Bernd Zeising, Vorsitzender der DOG Hüpfen von dicken Regentropfen auf dem einige Tricks. Die Mädchen und Jungen vom
Mainz-Rheinhessen, DOG-Mitglied Dr. Asphalt nach. Hamburger Kindergarten Alter Teichweg
Gunther Tiersch, der so sympathische erhielten Besuch von Rodolfo Cardoso. Der
"Wetterfrosch" des ZDF, spontan in den "Bewegung schenken" - unter diesem Motto Ex-Bundesligaprofi hatte zur Verstärkung
Dienst der guten Sache gestellt. Der Ruder- gestalteten auch in Zwickau die Kinder, Hockey-Olympiasieger Christian Blunck
Olympiasieger von Mexiko 1968 hat sich mit Erzieher und Gäste der Villa Kunterbunt mitgebracht.
seinem Engagement gleich mehrfach als einen "bewegten" Vormittag mit ihrem
idealer Botschafter der Olympischen Idee im Projektpaten Jürgen Croy, Torwartlegende Weitere Informationen zum Modellprojekt
Kreise der jüngsten Olympiafans präsentiert. und zugleich Vorsitzender der DOG Zwickau. "Kinder bewegen", zur Weltkindertagsaktion
In der ersten Runde waren die Kinder Bei Übungen mit dem Schwungtuch, und und zu weiteren Aktivitäten in den Modell-
fasziniert von den tollen Bildern, mit denen Reifen, Torwandschießen und Hindernislauf kindergärten gibt es unter www.kinder-
Gunther Tiersch seine anschaulichen Erklä- kamen ausnahmslos alle, trotz kühler bewegen.de.
rungen verschiedener Wetterphänomene Temperaturen, ganz schön ins Schwitzen.
unterlegte. Der Dialog, der sich aus seiner Für eine Stärkung zwischendurch war mit

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Hockeyschläger für Jacob Minahs Leserbrief
Namibia olympischer Traum „Leider vermisse ich im OF eine
Spalte "Leserzuschriften".
Auf Anregung der DOG Pfalz erhielt jetzt eine Er ist neben dem WM-Vierten André Niklaus in Deren Aussagen könnten eine
Schulmannschaft aus der namibischen Hauptstadt dieser Saison zu der deutschen Zehnkampfhoff- Bereicherung sein und für
Windhoek über das "Unternehmen Buschmänner nung aufgestiegen. Bei den Deutschen Mehr- jeden Leser eine Chance, Ideen
e.V." 22 Hockeyschläger ge- und Verbesserungsvorschläge
schenkt. Die Sportgeräte wur- zu äußern.
den von Hockey-Landestrainer
Heiner Dopp (zweifacher Silber- Aber unabhängig davon
medaillengewinner, Rekord- möchte ich doch einmal eine
Nationalspieler) besorgt, der große Anerkennung für Inhalt
nun auch eine Verbindung zum und Gestaltung des OF aus-
namibischen Hockeyverband sprechen! Besonders gefielen
herstellen will. Ein Dank gilt mir diesmal die Gedanken in
auch dem 83-jährigen Helmut den "Grüßen aus der OF-
Finkeldey, der als Alleinflieger in Redaktion" und die Anmerkun-
Freundschaft zum Zweigstellen- gen zum Sanierungsbedarf für
vorsitzenden Carlo von Opel Sportstätten.
sofort bereit war, diese 15 kg
Übergepäck mitzunehmen. Man sollte meinen, das OF ist
ein "Muss" für alle Sportler, die
sich nicht ausschließlich für
Südniedersachsen Jacob Minah hat Peking 2008 fest im Blick.
reine Ergebnisse interessieren.
Wenn allerdings die Verbrei-
Sommerfest tung des OF nur über die DOG-
Mitglieder erfolgt, ginge eine
kampf-Meisterschaften am 27. und 28. August in angestrebte Zunahme der
Am 19. August fand wieder das alljährliche Lage gewann der Göttinger Jacob Minah, der erst Verbreitung nur über eine
Sommerfest der DOG Südniedersachsen in einer seit zweieinhalb Jahren Leichtathletik betreibt, mit größere Mitgliederzahl.
gelungenen Mischung aus Sport und Geselligkeit neuer persönlicher Bestleistung von 7.652 Punk-
statt. Nach einem Tennis-Schleifchenturnier, an ten den Titel. Nun heißt sein Ziel Olympische Mir gehen bei diesen Zeilen
Spiele 2008 in Peking. noch andere Anregungen und
Dafür sollen im über- Gedanken durch den Kopf,
nächsten Jahr die 8.000 anderen mag es genauso
Punkte fallen. ergehen. Vielleicht ließe sich
aus einem "Gedankenforum"
Die außergewöhnliche ein wenig Nutzen für die
Entwicklung des 23- Arbeit der DOG ziehen.“
Jährigen hat die DOG
Südniedersachsen am Karl-Friedrich Haas, Nürnberg
17. September beim
Empfang von Minahs
Heimatvereins LG Die Redaktion behält sich vor,
Göttingen gewürdigt. Leserbriefe aus Platzgründen
Vorsitzender Gerhard zu kürzen.
Scharner und DOG-
Vizepräsidentin Petra
Reußner überreichten Auch in Zukunft wollen wir an
dem jungen Athleten dieser Stelle gern all das
ein Buch über die abdrucken, was unsere Leser
dem 18 Teilnehmer/innen im Alter von 15 bis über Olympischen Spiele 2004 in Athen. Und gemein- bewegt. Deshalb senden Sie
70 Jahren zusammen bei bestem Wetter teilnah- sam mit seinem Trainer Rolf Geese, der übrigens uns bitte Ihre Meinungen zu
men, gesellten sich zum abendlichen Grillen noch auch DOG-Mitglied ist, drücken sie Jacob Minah allgemeinen Themen des
ca. zwei weitere Dutzend DOG-Mitglieder und nun die Daumen, dass sein olympischer Traum Sports sowie Lob, Kritik und
Freunde dazu, so dass bei Wein, Essen und Gesang wahr wird. Anregungen zum Olympischen
der Abend sommerlich ausklingen konnte. Feuer.

78
Nachrichten des DOI

Schafft Olympia Frieden? der Heimstatt des ersten demokratischen


Parlaments auf deutschem Boden beschwo-
gung stellte und eigens von Lausanne aus
anreiste, dokumentiert schon dies, daß er
ren, bevor Hessens, auch für den Sport die Initiative der deutschen Olympia-Filiale
Premiere des Internationalen zuständiger Innenminister Volker Bouffier sehr wohl begrüßte. So erklärte er auch zu
der vom NOK für Deutschland und dem
Olympia Forums Frankfurt Deutschen Olympischen Institut ins Leben
gerufenen Veranstaltung einen guten Start
Von Sportlern lernen, heißt, verlieren lernen. und Verlauf wünschte. Für den Mitveran-
Auf diesen Punkt läßt sich, pointiert zuge- stalter, die "Wirtschaftsinitiative Frank-
spitzt, eine Einlassung Hans Küngs bei der furtRheinMain", ohne deren Engagement
Premiere des Internationalen Olympia sich die Idee, jedenfalls in diesem Rahmen
Forums am 27. September in der Frankfurter nicht hätte realisieren lassen, sprach deren
Paulskirche bringen. Der renommierte Vorsitzender, Fraport-Chef Dr. Wilhelm
Tübinger Theologe und Publizist war einer Bender, um dann das Mirkophon Dr. Klaus
der Protagonisten des prominent besetzten Steinbach zu überlassen, der im Namen von
Podiums, das sich unter der Federführung NOK und DOI nicht nur den Sinn und Zweck
des ZDF-Moderators Michael Steinbrecher des Unterfangens erläuterte, sondern auch
der Frage widmete: "Schafft Olympia den Ehrengast und wichtigsten Akteur der Beginn seines Vortrags, wie wichtig - und
Frieden?" An der Suche nach einer Antwort Veranstaltung vorstellte. schwierig - es für das IOC sei, sich stets die
richtigen Fragen zu stellen beziehungsweise
stellen zu lassen, und wie ernst er von daher
die Äußerungen Außenstehender nehme.

Dass dies kein Lippenbekenntnis war, beleg-


ten seine weiteren, bemerkenswert differen-
zierten, zum Teil auch distanzierten sowie
im übrigen durchaus selbstkritischen Aus-
führungen, deren Glaubwürdigkeit nicht
zuletzt auch durch die verbindliche, ja
ehrliche Art der Präsentation untermauert
wurde. So verwies er in seiner umfassenden
und klar strukturierten Analyse der Situati-
on und Perspektive der Olympischen Bewe-
gung zu Beginn des 21. Jahrhunderts nicht
nur eine äußerst positive Bilanz, auf das
große Potential und die Chancen, sondern
auch auf die Probleme und Gefahren des
internationalen Spitzensports, denen auch
die von ihm geführte "Regierung" in abseh-
barer Zeit nur bedingt Herr werden könne.

beteiligten sich auch die zweifache Olym- Tatsächlich hätte kaum ein geeigneterer Beispielhaft behandelte er die Manipulation
piasiegerin im Weitsprung Heike Drechsler, und profilierterer Redner für ein Vortrags- der menschlichen Leistung mit Hilfe uner-
der Präsident des Bundesverbandes Deut- und Diskussionsforum gewonnen werden laubter Mittel und Methoden, die er schon
scher Banken und Vorstandssprecher der können, bei dem einmal jährlich eine als einen Verstoß gegen die Gleichheit der
Commerzbank, Klaus-Peter Müller sowie die exponierte Persönlichkeit aus Sport, Politik, Chancen als einer grundlegenden Idee des
Hauptperson des Abends, IOC-Präsident Dr. Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft zu sportlichen Wettkampfs geißelte. Schon von
Jacques Rogge. aktuellen und übergreifenden Fragen des daher, aber auch im Blick auf den Vorbild-
olympischen Sports Position beziehen und charakter der Betreffenden redete er einer
Zuvor hatte Frankfurts Oberbürgermeisterin befragt werden soll. Wenn sich Jacques harten Linie - Stichwort "Null Toleranz" - im
Petra Roth die Veranstaltung als Hausherrin Rogge trotz einer Fülle von Terminen und Kampf gegen Doping das Wort, wobei er
eröffnet und dabei gen Genius des Ortes, Verpflichtungen für die Premiere zur Verfü- auch den stets wachsenden und sich aus

79
verschiedenen Quellen speisenden Druck auf Diese Einschätzung machte sich auch Küng Blick meinen, dass es sich um "feindliche
die Athletinnen und Athleten als eine der zu eigen. Er empfahl dem Sport, sich auf Brüder" handelt. In fast allen Einlassungen
Ursachen des Übels ins Visier nahm. Zudem seine ureigenen Möglichkeiten zu beschrän- nämlich, die den Problemen und Gefahren
mahnte er einen menschlichen Umgang mit ken. So könne im sportlichen Wettkampf des internationalen Spitzensports gewidmet
den Delinquenten an, die zwar gegen deutlich werden, dass Gegner auch Partner, sind, findet sich das Stichwort "Kommerz"
Regeln verstoßen hätten, die aber, im jedenfalls keine Feinde seien. Zudem führte und der meist klagende Hinweis auf einen
Gegensatz zu Drogenhändlern, keineswegs er aus, dass der Sport keine eigene kompli- entsprechend fortschreitenden Prozess, den
als Verbrecher gebrandmarkt werden dürf- zierte Ethik benötige, sondern mit einem wir üblicherweise mit dem Suffix "ierung"
ten. Auch dürfte es keinen Generalverdacht Ethos auskäme, also einer konsensfähigen versehen.
gegenüber erfolgreichen Sportlerinnen und Basis von Werten und Haltungen. Dazu
Sportlern geben. Ein Plädoyer, dem sich gehöre etwa, mit Anstand zu verlieren, - Der Frage der fortschreitenden Kommerzia-
Heike Drechsler in der anschließenden eine Tugend, die bei deutschen Politikern lisierung hat auch IOC-Präsident Rogge
Diskussion explizit anschloß, während Hans zur Zeit offenbar nicht gerade ausgeprägt kürzlich bei seinem Auftritt im Rahmen des
Küng darauf verwies, dass Doping außerhalb sei. Vor allem an dieser Stelle war ihm der Internationalen Olympia Forums in der
des Sports wohl weit mehr verbreitet sei als Beifall der etwa 900 Besucher der Paulskir- Frankfurter Paulskirche gestellt und dabei
innerhalb. che sicher. bekannt, dass er Geld als solches oder Geld
zu verdienen nicht für unmoralisch oder
Auch zur Frage der Kommerzialisierung Ob Olympia Frieden schafft, war damit schädlich halte, sofern es nur mit Bedacht
nahm Rogge eine differenzierte Haltung freilich nicht geklärt. Eine ultimative Ant- kanalisiert und für die richtigen Zwecke
ein: In Geld als solchem oder dem Bestre- wort war bei einem solch komplexen und wieder ausgegeben werde. Wird aber die
ben, Geld zu verdienen, könne er nichts komplizierten Sachverhalt ohnehin nicht zu Kommerzialisierung des Sports, insbesonde-
Unmoralisches oder Ehrenrühriges erken- erwarten gewesen. Auch das Internationale re seiner olympischen Spielart, die im
nen, sofern die Einnahmen nur entspre- Olympia Forum Frankfurt sollte nicht übrigen gerne als ein Ausdruck des Zeitgeis-
chend kanalisiert und die Mittel für die überfordert werden. Wichtig und sinnvoll ist tes gekennzeichnet wird, als ein Übel
richtigen Zwecke wieder ausgegeben es allerdings, auch in Zukunft die richtigen empfunden, wird als Argument oft die
werden würden. Die Kommerzialisierung sei Fragen zu stellen. In diesem Sinne war die Olympische Idee, also die Vision eines
die Voraussetzung für die Demokratisierung Premiere durchaus erfolgreich und motivie- reinen, unschuldigen und humanen Sports
rend. So werden wir, so Gott will, auch im ins Feld geführt und deren Unvereinbarkeit
kommenden Jahr in die Frankfurter Paulskir- postuliert. So sympathisch solche Plädoyers
che einladen. anmuten mögen, so idealistisch oder gar
weltfremd erscheinen sie auch. Da mag
auch den eingefleischten Idealisten das

Wohl oder Übel? Gefühl beschleichen, dem Sachverhalt


distanzierter und differenzierter begegnen
zu müssen.
Olympische Idee und
Genau dies war das Anliegen einer Veran-
Kommerz staltung, die das Kuratorium Olympische
Akademie und Olympische Erziehung in
NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach hat Verbindung mit dem DOI und dem Sportin-
sowie die Universalität des olympischen anlässlich der Prämierung der Sieger des stitut der Universität Mainz am 6./7. Okto-
Sports. Auf diesen Punkt zurückkommend, Akademischen Wettbewerbs des NOK für ber im dortigen Berno-Wischmann-Haus
bezeichnete Bankenpräsident Müller man- Deutschland im Juni in Darmstadt in einem durchführte und bei der das Verwandt-
che Millionengagen für die Stars der Zunft Vortrag über "Olym-
als unangemessen und ärgerlich, um die pischen Sport und
Nachfrage Michael Steinbrechers zu beja- Olympische Erzie-
hen, dass dies auch für die Wirtschaft gelte. hung" von zwei
Seiten einer Medail-
Nachdenklich zeigte sich Rogge im Blick auf le und explizit von
die zentrale Thematik der Veranstaltung, "freundlichen
nämlich die Frage, ob und inwieweit die Schwestern" gespro-
Olympischen Spiele einen Beitrag zu einer chen. Führt man
friedlichen und besseren Welt leisten könne. sich die Antipoden
Nicht wirkungslos sei möglicherweise etwa im Titel der hier in
die symbolträchtige Eröffnungsfeier als ein Rede stehenden
Sinnbild für eine friedlich vereinte Weltge- Veranstaltung,
meinschaft, doch dürfe der Sport im allge- Olympische Idee
meinen und die Olympische Bewegung im und Kommerz, vor
besonderen auch nicht überfordert werden. Augen, so könnte
man auf den ersten

80
schaftsverhältnis von "Kommerzialisierung und den Kommerz" und dem Hinweis auf weiterführender und zwar fachübergreifen-
und Olympischer Idee", - "feindliche Brüder" einige bisher wenig bekannte Äußerungen der Arbeit am Thema herauskristallisierte.
oder "freundliche Schwestern" ? - zur des Begründers des modernen Olympismus Vor diesem Hintergrund mochte die Frage,
Debatte stehen sollte. Besonderen Reiz über die Gefahren kommerziellen Denkens ob Kommerz und Idee nun als freundliche
erhielt das Vorhaben insofern, als es sich und Handelns im Sport lieferte der Saarbü- Schwestern oder feindliche Brüder anzuse-
nicht um eine Diskussion von Experten, cker, ehemals Frankfurter Sportwissen- hen seien, getrost im Raume stehen bleiben.
sondern um einen Dialog zwischen den schaftler Eike Emrich "eine grundlegende
Vertretern der Theorie und praktizierenden Betrachtung" zum Thema, bei der er die
Pädagogen handeln sollte - zwei Personen-
gruppen, die sich im Laufe der Veranstal-
Kommerzialisierung als einen Tausch kenn-
zeichnete, den er insofern als illegitim Europäischer
tung keineswegs als "feindliche Brüder",
teilweise jedoch als nur entfernte Verwand-
charakterisierte, als die der Olympischen
Idee innewohnenden Werte eigentlich nicht Fair Play-Kongress 2007
te begegneten. Im übrigen wollte das veräußerbar seien. Gleichzeit plädierte er für
Kuratorium einem von den Protagonisten eine Auflösung des - ohnehin konstruierten Das NOK für Deutschland wird mit dem
der Olympischen Erziehung, zuletzt etwa im - Gegensatzes nach dem homöopathischen Deutschen Olympischen Institut und der
Rahmen der 7. Lehrerfortbildung des NOK Prinzip des "similia similibus curenter", nach Deutschen Sportjugend (dsj) den 13. Euro-
dem Gleiches mit
Gleichem zu heilen
ist.

Joachim Prinz vom


Lehrstuhl für Unter-
nehmensführung,
Wirtschaftsethik
und gesellschaftli-
chen Wandel der
Universität Witten-
Herdecke führte
unter anderem aus,
dass sich die stets
steigenden Kosten
für die Ausrichtung
Olympischer Spiele
inzwischen nicht
im griechischen Olympia vielfach vorgetra- mehr refinanzieren lassen, während Holger päischen Fair Play-Kongress ausrichten. Eine
genen Bedarf nicht nur an konkreten Preuss über die Gefahren sogenannter entsprechende Offerte hat die European Fair
Anleitungen für ihr praktisches Handeln, Ambush-Werbung, also - Stichwort "Tritt- Play Movement (EFPM), am 21. September
sondern auch an Argumentationshilfen brettfahrer" - die geschickte Nutzung im Rahmen ihrer diesjährigen Generalver-
gegenüber den Kritikern der olympischen olympischer Assoziationen unter Umgehung sammlung in Vilnius (Litauen) angenommen.
Wirklichkeit Rechnung tragen. urherberrechtlicher Grundsätze referierte. Die Initiative für die deutsche Bewerbung
war von EFPM-Vizepräsident Manfred
Wenn sich dieses Anliegen Holger Preuss zu Eine besonders intensive Resonanz fanden Lämmer ausgegangen, der als Mitglied des
eigen machte, so war es in die besten die Ausführungen von Christoph Bertling, Direktoriums auch die Möglichkeiten und
Hände geraten. Schließlich ist der Mainzer der in Vertretung des erkrankten Leiters des Erfahrungen des DOI eingebracht hatte.
Juniorprofessor sowohl ein engagierter Institut für Sportpublizistik der Deutschen
Verfechter der olympischen Sache, als auch Sporthochschule Köln, Thomas Schierl, über So wird das DOI insbesondere für die inhalt-
einer der profiliertesten Experten auf dem den "Kommerzialisierungsdruck durch liche Konzeption und die Organisation der
Gebiet der Sportökonomie. Auf seine Idee Medien" referierte. Dabei verdeutlichte die Veranstaltung zuständig sein, während die
geht die Verbindung von Symposium und Diskussion über diesen Aspekt der Thematik, Generalverantwortung beim NOK liegen
Workshop zurück, also der Begegnung von wie schwierig entsprechende Inhalte ange- wird. Die dsj wird die Regie für den parallel
Theorie und Praxis - ein Angebot, dem sichts knapper Zeitressourcen und immer stattfindenden Jugendkongress übernehmen.
immerhin mehr als sechzig interessierte eingeschränkterer Möglichkeiten zur Fort-
Lehrerinnen und Lehrer folgten. und Weiterbildung im Unterricht umzuset- Der Europäische Fair Play-Kongress stellt
zen seien. eine Hauptaktivität der 1994 - nicht zuletzt
Sie hörten die Vorträge der eingeladenen auf deutsche Initiative - gegründeten EFPM
Experten, um jeweils anschließend über die Am Ende fokussierte sich das Interesse der dar. Die mit der Organisation der Europäi-
Möglichkeiten einer Umsetzung in Unter- Teilnehmer auf diese Frage, während sich - schen Olympischen Komitees (EOC) verbun-
richtsinhalte zu diskutieren. Nach einem durchaus bestätigt durch den Verlauf einer dene Einrichtung zählt inzwischen vierzig
einführenden Referat des Mainzer Olympia- prominent besetzten Podiumsdiskussion - nationale Fair Play-Initiativen zu ihren
experten Norbert Müller über "Coubertin als Fazit der Veranstaltung ein Bedarf an Mitgliedern.

81
Die Kongresse der EFPM finden seit 1994 Leben so spielt und schon von daher etwa Kunststück, dass ihr mit Bravour gelingt.
jährlich an wechselnden Orten statt. Die auch Spiele der Liebe, aber nicht zuletzt Genau so, wie es die Romanfiguren erleben,
Vergabe erfolgt durch das Exekutivkomitee sind es auch die Olympischen Spiele, und könnte es gewesen sein.
auf der Grundlage entsprechender Bewer- zwar die von 1972 in München.
bungen. Der Teilnehmerkreis rekrutiert sich Damit kommt Ulrike Draesners Versuch
üblicherweise aus den Delegierten der Das große zunächst heitere Fest, das Willi durchaus einer historischen Studie nahe
EFPM-Mitgliedsorganisationen, Wissen- Daume so gerne als Gesamtkunstwerk und schon von daher erscheint es dem DOI
schaftlern und Experten sowie Multiplikato- verstanden und zu gestalten versucht hat, als ein lohnendes Unterfangen, das Buch
ren der Werteerziehung im und durch Sport. bildet die Folie und mehr noch den Angel- und seine Autorin vorzustellen.
punkt einer individuellen, im übrigen frei
Angesichts des hierzulande traditionell erfundenen Lebens- und Liebesgeschichte, Gedacht ist an eine Lesung sowie eine
besonders engagierten Bemühens um eine wobei auf virtuose und literarisch an- anschließende Gesprächsrunde mit Zeitzeu-
wirkungsvolle Propagierung der Idee der spruchsvolle Weise die Verknüpfungen der gen. Dafür vorgesehen sind der Ehrenpräsi-
Fairness, also eines humanen Miteinanders in je persönlichen und allgemeinen, also dent des NOK für Deutschland, Prof. Wal-
Sport und Gesellschaft, war es längst über- gleichsam der subjektiven und vermeintlich ther Tröger, seinerzeit als Bürgermeister des
fällig, die im europäischen Raum tätigen objektiven Geschichte thematisiert werden. Olympischen Dorfes unmittelbar in die
Protagonisten der Kampagne auch einmal Geschehnisse eingebunden, der langjährige
nach Deutschland einzuladen. Damit würde Was das Buch nicht nur für den Freund Leiter der FAZ-Sportredaktion, Steffen
man im übrigen auch einer, kürzlich im guter Literatur so lesenswert macht, ist die Haffner sowie Sylvia Schenk, die sich als
Rahmen des Internationalen Olympia Fo- überzeugende Rekonstruktion der histori- Athletin vor die Frage gestellt sah, ob nach
rums in der Frankfurter Paulskirche von IOC- schen Wirklichkeit, soweit dies jenseits der einem solch dramatischen Vorfall die
Präsident Rogge erhobenen Forderung bis heute praktizierten Zurückhaltung der Olympischen Spiele überhaupt weitergehen
entsprechen und den Blick wieder stärker zuständigen Behörden überhaupt möglich können, sollen und dürfen.
auf die ethische Dimension des olympischen ist. Wie diffizil sich die Recherche gestaltete,
Sports richten. erfährt der Leser - dies macht einen weite- Als Termin für die Veranstaltung ist der 6.
ren Reiz des Buches aus - insofern hautnah Dezember vorgesehen. Interessenten seien
Der Kongress wird im Herbst 2007 stattfin- mit, als die Autorin ihre Arbeit durch das jedoch auf eine Bestätigung auf der Home-
den. Über den Veranstaltungsort muss noch Handeln ihrer Protagonistin, einer Fotojour- page des DOI verwiesen.
entschieden werden. nalistin, die sich aus persönlichen Gründen
auf die Suche begibt, nachvollziehbar
macht.
DOI online
"Spiele": Wenn sich das Interesse von Ulrike Draesner
alias Katja Berewski, beide erlebten die Am neuen Standort präsentiert sich das DOI
DOI literarisch Spiele vor Ort als zwölf- bzw. zehnjährige auch mit einem neuen Internetauftritt.
Mädchen, insbesondere auf das Attentat auf Werden wir fortan noch umfassender und
Wenn der Titel eines Buches nichts anderes die israelische Mannschaft sowie das fatale aktueller über unsere Aktivitäten informie-
als "Spiele" offeriert, mögen die Assoziatio- Ende des Versuchs, die Geiseln zu befreien, ren, so wollen wir auf diese Weise auch die
nen des potentiellen richtet, verstehen Serviceleistung des Instituts erhöhen.
Lesers vielfältig sein. sich die Schwierig-
Sofern es sich nicht keiten der Recher- So wird der Nutzer etwa verstärkt Zugriff
um minderwertige che wie von selbst. auf weiterführende Hinweise und Texte zu
Trivialliteratur handelt, Noch immer näm- aktuellen und übergreifenden Fragen mit
wird man von einer lich sind viele Akten olympischem Bezug sowie, qua Link, eine
beziehungsreichen unter Verschluss Verbindung zu anderen relevanten Einrich-
Anspielung ausgehen, und manche Zeit- tungen und Organisationen erhalten.
zumindest eine zeugen nicht zur
gewisse Doppeldeu- Auskunft bereit. Die an neuesten Erkenntnissen moderner
tigkeit erwarten Kommunikationstechnik ausgerichtete
dürfen. So muss sich die Umgestaltung der Homepage wurde von
Autorin überall dort, Philipp Papadopoulos im Rahmen eines
So sind die "Spiele", wo sich der histori- Diplomarbeitsprojekts im Studiengang
die Ulrike Draesner sche Faden im Sportwissenschaft und Informatik vorge-
zum Leitmotiv ihres Dunkeln verliert, vor nommen. Für seine engagierte und kompe-
kürzlich bei Luchter- allem in der dunklen tente Arbeit sei ihm an dieser Stelle herzlich
hand erschienenen Nacht von Fürsten- gedankt.
Romans erhoben hat, feldbruck der
durchaus unterschied- erhellenden Funkti- Fühlen Sie sich also eingeladen und über-
licher Natur. Es sind on der Fiktion zeugen Sie sich selbst: www.doi.de. Herzlich
die Spiele, die das anvertrauen, ein willkommen!

82
Deutsches Sport & Olympia Museum
Herausgeber: Stiftung Deutsches Sport & Olympia Museum Jahrgang 25 - Heft 5/2005
Rheinauhafen 1, 50678 Köln, Tel.: +49 (0)221 3 36 09-0
Verantwortlich für den Inhalt: Klaus H. Schopen
Internet: www.sportmuseum-koeln.de

Global Players inhaltlich vorgestellt. Diesmal möchten


wir den Blick auf die Gestaltung richten.

Wenn im Sommer 2006 die "Welt zu Überall auf der Welt hat der deutsche
Gast bei Freunden" sein wird, sucht das Fußball seine positiven Spuren hinterlas-
Deutsche Sport & Olympia Museum mit sen. Die vielen herausragenden Reprä-
der Ausstellung "Global Players" nach sentanten des deutschen Fußballs haben
"Freunden zu Gast in der Welt" und dabei viel bewegt und erlebt. Deren
wagt damit eine Paradigmenwechsel. In Geschichten mit ihren Trophäen, Souve-
der letzten Ausgabe der DSOM-Mittei- Das Signet der Ausstellung nirs und Erinnerungsstücken werden zur
lungen wurde die Ausstellung bereits Ausstellung "Global Players" nach

83
Glanzparade
Malerei von Rudi Kargus
Das Deutsche Sport & Olympia Museum
zeigt unter dem Titel "Glanzparade" noch bis
zum 12. Februar 2006 Werke von Rudi
Kargus, die expressionistisch Szenen aus
dem Fußball darstellen.

Als Fußballer war Torwart-Legende Sepp


Maier sein großes Vorbild, mit 52 Jahren
orientiert sich Rudi Kargus an van Gogh
und Cezanne. Der dreimalige Nationalspie-
ler, der in 408 Spielen das Tor in der Bun-
Eine Kiste kommt aus New York desliga hütete, ist heute Maler und lebt als
Künstler eine "neue Leidenschaft".

An der Kunsthochschule Blankenese erlernte


Deutschland "re-importiert" und zwar in Eines dieser Projekte ist die Ausstellung der einstige "Elfmeter-Töter" expressive
überdimensionalen Fracht-Kisten, die darauf "Global Players", die vom 4. März bis 5. Juni Malerei und wagte einen neuen Weg, der
warten, "ausgepackt" zu werden und die 2005 im Deutschen Sport & Olympia Muse- ihn weit vom Fußball wegführte. "Ich bin
Erlebnisse des Absenders zu erzählen. Jede um gezeigt wird. heilfroh, daß ich zur heutigen Zeit nicht
dieser Fracht-Kisten birgt ihr eigenes Ge- mehr auf dem Platz stehe und das miterle-
heimnis und fordert die Neugierde der Am 1. September 2005 stellte der künstleri- be. Alles ist sehr viel aggressiver geworden,
Betrachter geradezu heraus. Darüber hinaus sche Leiter André Heller im Bundespresse- die Berichterstattung und auch das Verhal-
erhält die Ausstellung ein Signet, mit dem amt in Berlin das einzigartige Programm in ten der Fans", sagte der gebürtige Wormser.
die Global Players-Kisten von außen ge- seiner Gesamtheit der Öffentlichkeit vor. In seiner neuen Ausstellung "Glanzparade",
kennzeichnet sind. Dieses Ausstellungssignet Das Programm deckt nahezu alle Bereiche präsentiert der Maler erstmals rund 25
- einem Stempel oder Brandzeichen auf der Kultur ab: Kunst, Theater, Tanz, Musik, Gemälde die Szenarien und Situationen aus
echten Übersee-Kisten ähnlich - bezeichnet Film, Literatur. Heller legte bei seinen und um den Fußball festhalten. Als ehemali-
auch das Thema der in der jeweiligen Kiste Ausführungen einen Schwer-
dargestellten Inszenierung, weist also auf punkt auf die Darstellung der
den präsentierten Spieler oder Trainer bzw. großen Ausstellungsprojekte.
das entsprechende Land hin. Neben der Ausstellung im DSOM
sind dies unter anderem die
Der Besucher reist mit dem deutschen Ausstellung "Faszination Fuß-
Fußball einmal um die Welt. Dabei wird er ball", die im Museum für Völker-
von unterschiedlichen Persönlichkeiten und kunde in Hamburg gezeigt wird
verschiedenen Atmosphären der Länder und und "Rundlederwelten", eine
Kontinente vereinnahmt und findet sich, internationale Gruppenausstel-
durch die vielfältigen Medienstationen lung, welche im Martin-Gropi-
unterstützt, mitten im Geschehen wieder. us-Bau in Berlin installiert wird.

"Global Players" fällt im Reigen

Kunst- und Kulturprogramm der Ausstellungen eine besonde-


re Aufgabe zu, da sie die Bedeu-

der Bundesregierung tung des deutschen Fußballs als


"Botschafter" für unser Land
und unsere Kultur über alle
Mit einem großen Kunst- und Kulturpro- Grenzen und Systeme hinweg
gramm will Gastgeber Deutschland auf die hervorhebt und erstmals die
Fußball-Weltmeisterschaft 2006 einstim- ganze Vielfalt fußballerischen
men. Nach Aussage des Präsidenten des Wirkens deutscher Spieler,
WM-Organisationskomitees, Franz Becken- Trainer und Funktionäre im
bauer, hat es ein solch umfangreiches Ausland darstellt.
Programm noch bei keiner Weltmeister-
schaft gegeben. Insgesamt 48 Projekte hat
das Bundesinnenministerium ausgewählt. „Eckfahne“ von Rudi Kargus

84
Ein sehr schönes Stück ist der bronzene
Aryballos (Salbölgefäß) aus dem 1. Jh. n. Peking 2008
Chr. Salbölgefäße gehörten zur Grundaus-
stattung antiker Athleten, die vor Training Bis zur Eröffnungsfeier am 8. August 2008
und Wettkampf ist es noch lange hin, aber die ersten
ihre Körper mit Ausstellungsstücke zu den XXIX. Olympi-
Öl einrieben. schen Sommerspielen in Peking haben
Nach dem schon den Weg ins Deutsche Sport &
Wettkampf Olympia Museum gefunden. Der Kölner
entfernte der Oberbürgermeister Fritz Schramma übergab
Athlet das
nunmehr mit
Schweiß und Ein aus
Staub vermeng- Jade
te Öl mittels gefertigter
eines Schab- Stempel
eisens, der mit dem
Strigilis. Das ausgestellte Salbölgefäß aus offiziellen
Bedrängnis Bronze leisteten sich vornehmlich erfolgrei- Logo der
che Athleten und trugen es als eine Art Olympi-
Statussymbol bei sich. schen
ger Profi-Fußballer hatte Kargus sich lange Spiele
dagegen verschlossen, das Thema Fußball in Das Prachtstück ist eine rotfigurige Oino- 2008 in
sein künstlerisches Werk einzubinden. Wie choe (Weinkrug) aus dem 5. Jh. v. Chr., auf Peking
gut die Entscheidung gewesen ist, es doch der drei nackte
zu tun, beweisen die in der Ausstellung junge Männer zu
gezeigten, ausdrucksstarken Werke. sehen sind. Die
Strigilis in ihrer
Schirmherr der Ausstellung ist das WM- Hand kennzeich- anlässlich des 9. ISHPES (Internationale
Büro der Stadt Köln. net sie als Vereinigung der Sport-Historiker) Kongres-
Athleten. Zwei ses an der Deutschen Sporthochschule Köln
der Jugendlichen einen aus Jade gefertigten Stempel mit
Antike Originale unterhalten sich
entspannt, ein
dem offiziellen Logo der Olympischen
Spiele 2008 in Peking an Museumsdirektor
Dritter betritt Dr. Christian Wacker. Schramma stellt
Seit Anfang September sind in einer Vitrine von links, zwei Salbölgefäße in der Hand diesen Stempel, den er vom Organisations-
im Foyer des Deutschen Sport & Olympia haltend, die Szene. komitee der Spiele in Peking geschenkt
Museums antike Objekte mit Sportbezug zu bekommen hat, dem Museum als Dauer-
bewundern. Bisher stellte das Museum als Die dritte Leihgabe ist ein römisches Öl- leihgabe zur Verfügung, damit er einer
einziges antikes Original eine Münze mit lämpchen aus dem 1. Jh. n. Chr. mit der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht
der Darstellung eines Wagenlenkers mit Darstellung eines angreifenden Faustkämp- wird.
Viergespann aus dem 5. Jh. v. Chr. aus. fers. In Rom wurden neben Gladiatoren-
spielen u.a. Im Foyer des DSOM steht nun eine Vitrine,
Nun erklärte sich der Kölner Kunsthändler auch in die neben diesem Objekt und dem bereits
Gordian Weber, der sich auf antike Kunst- Wett- vorhandenen offiziellen Plakat, nach und
werke des Mittelmeerraumes spezialisiert kämpfe nach weitere Objekte aus Peking, wie
hat, bereit, dem Museum Pretiosen mit nach Maskottchen, Fackel, Münzen und offizielle
Sportbezug als Leihgaben zu Ausstellungs- grie- Kleidung präsentiert werden.
zwecken zu überlassen. Die Vitrine dient chischem
jedoch gleichzeitig als Schaufenster für das Vorbild
Angebot des Kunsthändlers. durchge-
führt, von "Klub 2006 - Die FIFA
Das Deutsche Sport & Olympia Museum
würde sich natürlich auch freuen, wenn
denen das Boxen sicherlich zu den belieb-
testen Disziplinen gehörte. Es verwundert WM im Verein" - Eine po-
sitive Zwischenbilanz
Interessenten das ein oder andere dieser daher nicht, dass Boxer oder Boxkampfdar-
Objekte erwerben und dem Museum als stellungen ein beliebtes Motiv in der
Leihgabe überlassen würde. Weitere Infor- bildenden Kunst waren.
mationen sind bei der Museumsverwaltung Anlässlich der Aktion "Klub 2006 - Die FIFA
erhältlich. WM im Verein" fand am 1. September im
Deutschen Sport & Olympia Museum eine

85
Pressekonferenz statt, auf der eine erste
Zwischenbilanz gezogen wurde.
Resonanz und Durchführung der Kampagne
sehr zufrieden. Bisher haben bereits über Von der Kraft
"Klub 2006" ist eine Kooperation des WM
3.700 Fußballvereine an dem Wettbewerb
teilgenommen. Ebenfalls angetan zeigte der Bewegung
2006 Organisationskomitees (OK) und der sich der Schirmherr der Aktion, DFB-
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklä- Jugendkoordinator Michael Skibbe. Für
rung (BZgA). Ein Ziel dieser Kampagne ist, Skibbe decken sich die Ziele von "Kinder Nina Trentmann rezensiert die Ausstellung
die Vorfreude auf die WM im nächsten Jahr stark machen" und moderner Jugendarbeit, "In action -Terrakotten von Maria Berbe-
zu wecken; im Mittelpunkt jedoch steht die da ein enger Zusammenhang zwischen rich":
Suchtprävention. Die Kinder sollen sehen, erfolgreichem Fußballspielen und Werten
dass Drogen keine Probleme lösen und wie Selbstvertrauen und Teamgeist bestehe. Strahlende Gesichter, muskulöse Körper,
lernen, von sich aus "Nein" zu Tabak, Vervollständigt wurde die Runde vom WM- fließende Bewegungen. Erst auf den zwei-
Alkohol und illegalen Drogen zu sagen. Beauftragten des SC Borussia Lindenthal- ten Blick erkennt der Betrachter der Terra-
Durch verschiedene Aktionen, wie zum Hohenlind, Dr. Martin Schoser, der erklärte, kotta-Figuren, die in der Galerie des Deut-
Beispiel die Durchführung von so genann- wie die Aktion in seinem Verein erfolgreich schen Sport & Olympia Museums bis zum
ten WM-Tagen unter dem Motto "Kinder umgesetzt worden ist. 16. Oktober 2005 ausgestellt waren, die
stark machen", soll sowohl das Selbstver- hintergründige Kritik: Da entpuppt sich ein
trauen und Selbstwertgefühl von Kindern Eine besondere Rolle im Rahmen dieses gehobener Fuß als Tritt zwischen die Beine
und Jugendlichen gestärkt als auch ihre Projektes nimmt auch der erfolgreiche des Konkurrenten. Den Männern, die an
Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit ehemalige 400-m-Hürdenläufer Dr. Harald einer Eisenstange Klimmzüge machen, sieht
geschult werden. Schmid ein. Schmid, der unter anderem man auf einmal den Schmerz im Gesicht
zweimal Bronze bei Olympischen Spielen an, und die Konkurrenz, die immer im
An der Aktion teilnehmen können alle gewann und fünfmal Europameister wurde, Nacken sitzt. Eine Frau, die ihren Mann um
Vereine des DFB. In vier verschiedenen schult seit 1995 in eintägigen Seminaren die Hüften fasst, wird zur Stütze, die ihren
Bereichen können die Vereine Punkte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in "so erfolgreichen Mann" mühevoll Schritt
sammeln und so der maximalen Punktzahl Sportvereinen, die speziell mit Kindern und für Schritt vorwärts schiebt.
"2006" näher kommen. Besondere Gewinne Jugendlichen arbeiten. In den Seminaren
runden die Kampagne ab. So ist der Haupt- versucht er unter anderem zu vermitteln, Die Berliner Künstlerin Maria Berberich hat
preis ein Spiel gegen die deutsche Fußball- welch wichtige Rolle die Trainer und ihre Ausstellung "In action" zwar dem
Nationalmannschaft im Mai 2006. Auch Betreuer bei der Entwicklung von Selbstver- Thema Bewegung gewidmet, doch neben
Vereine, die sich jetzt erst anmelden, haben trauen, Selbstbewusstsein, Kommunikati- der Kraft der Bewegung vermittelt sie vor
noch eine Chance, Preise zu gewinnen. ons- und Konfliktfähigkeit bei Kindern und allem Ironie über das manchmal so abson-
Jugendlichen haben. Im Rahmen der derliche Verhalten des Menschen. "Ich zeige
Bei der von WDR-Moderator Manni Breuck- Pressekonferenz wies Schmid noch einmal die Befindlichkeiten unserer heutigen
mann geleiteten Pressekonferenz zeigten auf die wichtige Vorbildfunktion der Ver- Gesellschaft", sagt die 55-Jährige, "ich halte
sich sowohl OK-Vizepräsident Wolfgang einsmitarbeiter hin, die oft wichtige An- den Menschen einen kritischen Spiegel vor."
Niersbach als auch die Direktorin der sprechpartner bei Problemen seien. Weitere Und so entpuppt sich eine Gruppe tanzen-
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklä- Informationen gibt es unter der Männer, bezeichnenderweise "Deutsch-
rung, Dr. Elisabeth Pott mit der bisherigen www.klub2006.de. land einig Vaterland" genannt, als eine
Parodie auf ein Deutschland, das nicht
zusammengehört und sich doch der Illusion
der Gemeinschaft hingibt. Nackt sind Maria
Berberichs Figuren, mit kahlen Schädeln.
Ein altes Ehepaar, schon ganz runzelig, sitzt
selbstvergnügt auf einer Bank, eine Karika-
tur auf den heutigen Jugendwahn. Maria
Berberich meint dazu: "Alt sind nur die
anderen. Die beiden Alten pfeifen darauf."
Auch eine "Installation der Spaßgesell-
schaft" hat sie geschaffen. Die Figürchen
darin laufen in einen sich verengenden
Gang. Verdreht sind ihre Körper, der Kopf
ist nach hinten gedreht, der Bauch läuft in
Richtung Gang. "Das ist die Orientierungs-
losigkeit der heutigen Zeit", sagt Berberich.
So viel prasselt von außen auf die Figür-
chen ein, so dass sie nicht mehr wissen,
Dr. Harald Schmidt, Dr. Elisabeth Pott, Dr. Martin Schoser, Wolfgang Niersbach, Manni wohin sie laufen und wohin sie schauen.
Breuckmann und Michael Skibbe (v.l.n.r.) zogen im DSOM eine positive Zwischenbilanz der
Aktion "Klub 2006 - Die FIFA-WM im Verein"

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