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Ausgabe 4/2005

Freundliche Grüße Inhalt


aus der OF-Redaktion OF Mosaik
OF-Podium
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Ron Froehlich
s ist, liebe Leserinnen und Leser, zuweilen schon ein Zwischen Skepsis und Optimismus:
E Kreuz mit den Entwicklungen auf dem Supermarkt des
Sports. Wenn beispielsweise das Angebot unüberschaubar
Zur Zukunft der Olympischen Bewegung
Prof. Dr. Helmut Digel
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zu werden droht, dann lassen meistens auch Qualitätsfra- Olympische Höhenflüge beginnen ganz unten:
Über die fruchtbare Beziehung zwischen Stadtentwicklung
gen nicht lange auf sich warten. Zumindest bei den Konsu- und Sport 12
menten und Interessenten, die das Sportliche noch im Dr. Stefan Volknant
Zentrum allen Bemühens sehen wollen. Doch genau das Siegen allein reicht nicht - Eliten werden wieder hoffähig 16
scheint man zusehends und unaufhaltsam in den Hinter- Hans-Joachim Elz
grund zu drängen. Seit sich PR- und Werbe-Strategen über Das Wagnis der Bewährung im sportlichen Wettkampf 18
das halbwegs vermarktbare Wettkampf-Potenzial herma- Dr. Karlheinz Gieseler
chen und Marketingexperten ihren Senf dazu geben, wird Der Ramsch auf dem Supermarkt des Sports nimmt zu 20
immer mehr Ramsch serviert. Anno Hecker
Unterstützung im Grenzbereich der menschlichen Leistungs-
Flankierend ist natürlich auch das Fernsehen mit seiner fähigkeit - Das Institut für Angewandte Trainingswissen-
Quoten-Hysterie nicht untätig. Und so entsteht ganz schaften (IAT) ist eine weltweit einmalige Einrichtung 22
allmählich, aber offensichtlich unaufhaltsam, ein Billigmarkt Andreas Müller
der sportlichen Möglichkeiten mit häufig sogar peinlichen Dem Nachwuchs ins Stammbuch:
Offerten. Viel Glimmer, Glitzer und Klamauk mag zwar Sportive Spaßkultur hat nichts mit ernsthafter
kurzfristige Aufmerksamkeit wecken, aber den echt sport- sportlicher Leistungsorientierung zu tun 24
orientierten Menschen nervt das ganze Begleitbrimborium Winfried Joch
schneller, als sich das die Programmgestalter vielleicht Die DSB-Sprint-Studie ist da oder
vorstellen mögen. Wie es um den Schulsport in Deutschland steht 28
Dr. Detlef Kuhlmann
Klar, auch die Sportwelt ändert sich. Und das verlangt Dicke Kinder als Gesellschaftsproblem - Der Teufelskreis
von falscher Ernährung und zuwenig Bewegung 30
natürlich, dass man gelegentlich über zeitgemäße Präsenta- Karl Hoffmann
tionen nachdenkt - TV-Kompatibilität selbstverständlich
OF-Kommentare 32
eingeschlossen. Aber wenn dabei gewissermaßen der Michael Gernandt, Michael Burau, Steffen Haffner,
Charakter einer Sportart auf dem Altar der schrillen Insze- Bianka Schreiber-Rietig, Harald Pieper
nierung geopfert wird, dann ist es mit der wirklichen Die Faszination des Sommers oder
Sportbegeisterung bald vorbei. Höhenflüge in Sachen Wenn ganz Europa gelb sieht 36
Quoten werden ja bekanntlich auch mit galoppierendem Manfred Lehnen
Schwachsinn erzielt. Eine Niveauebene, die man im Sport Die Olympische Idee läuft um die Welt 38
eigentlich nicht als erstrebenswert betrachten sollte. Vor Kerstin Rehhahn
allem deshalb, weil es zu viele ernsthafte Anliegen gibt, zu Gold glänzt ein Leben lang - Zuhause beim Traumpaar
denen diese Ausgabe hoffentlich ein paar überzeugende des Sports: 25 Jahre Rosi und Christian 40
Beispiele liefern kann. Wolfgang Uhrig
Was macht eigentlich ... Johann Färber 42
Ihr Harald Pieper Michael Gernandt
Gemeinsam auf getrennten Wegen: Zum Mit- und
Nebeneinander von NOK und DSB nach 1945 44
Dr. Andreas Höfer
OF-Galerie 48
Karlheinz Oswalds künstlerischer Hochleistungssport
Holger Kühner
Nachrichten des Nationalen Olympischen Komitees 50
Nachrichten des Deutschen Olympischen Instituts 72
Nachrichten der Deutschen Olympischen Gesellschaft 78
Impressum 86
Deutsches Sport & Olympia Museum 87

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Tilly Fleischer gestorben 12,40 m bzw. 12,88 m auf, das damals
jedoch noch nicht zum olympischen
Milliarden auf die neuen und 1,6 Milliar-
den auf die Stadtstaaten. Die im Jahr 2000
Programm gehörte. erforderlichen Sanierungsmittel verteilen
ie Speerwurf-Olympiasiegerin von sich auf die verschiedenen Sportanlagety-
D Berlin 1936, Tilly Grote-Fleischer, ist pen wie folgt: Hallenbäder 9,7 Milliarden,
im badischen Lahr im Alter von 93 Jahren
verstorben. Die gebürtige Frankfurterin Sanierungsbedarf der Freibäder 4,5 Milliarden, Sporthallen 7,7
Milliarden, Sportplätze 4,2 Milliarden,
hatte
schon Sportstätten auf 42 Tennis- und Schießanlagen sowie Eishallen
2,4 Milliarden, sonstige Anlagen 5,8
1932 an
den Olym- Milliarden Euro geschätzt Milliarden Euro. Die Hallenbäder sind in
den alten Bundesländern mit 39 Prozent
pischen der gesamten notwendigen Sanierungs-
Spielen in
Los Ange-
les teilge-
E in beängstigender und weiter steigen-
der Sanierungsbedarf ist das größte
Problem der Sportstättenentwicklung. Zu
kosten der größte Posten. In den neuen
Ländern sind es mit 32 Prozent die Sport-
hallen, ebenso in den Stadtstaaten, wo für
nommen, dieser fundierten Erkenntnis ist Dr. Hans sie gut 43 Prozent benötigt werden. Bei
bei denen Jägemann, Abteilungsleiter Umwelt und den Anlagen, bei denen die öffentliche
sie eine Sportstätten beim Deutschen Sportbund, Hand, in erster Linie die Kommunen,
Bronzeme- gelangt. Zum Stichtag Mitte 2000 wurden Träger ist, besteht ein Sanierungsbedarf
daille im 70 Prozent aller Anlagen in den neuen und von knapp 22 Milliarden Euro sowie ein
Speerwerfen gewann, einen vierten Platz 40 Prozent in den alten Bundesländern für Bedarf an Zuschüssen für Sanierungsmaß-
im Diskuswerfen und einen sechsten sanierungsbedürftig gehalten. Der gesamte nahmen an vereinseigenen Anlagen von
Rang mit der deutschen 4x100-m-Staffel Sanierungsbedarf liegt bei cirka 42 Milliar- einer Milliarde Euro.
belegte. Ihre einzigen Weltrekorde stellte den Euro. Davon entfallen 34,5 Milliarden
sie 1929 und 1930 im Kugelstoßen mit Euro auf die alten Bundesländer, 6,4

W aren über viele Jahrzehnte Interna-


tionales Olympisches Komitee (IOC) Sport für Alle - beim IOC in guten Händen
und Olympische Bewegung in der öffentli-
Von NOK-Ehrenpräsident Walther Tröger
chen Wahrnehmung Synonyme für die
Durchführung von Sportfesten in vierjähri- Der Autor ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Kommission Sport für Alle und Delegierter des IOC für
gem Turnus mit Teilnehmern, die in ihrem den Behindertensport.
unentgeltlich ausgeübten Hobby beachtli-
che Leistungen vollbrachten, so hat sich Zuwendungen seiner persönlichen Mitglie- den Bereich Breitensport. Initiativen und
das in den vergangenen 25 Jahren drama- der angewiesen war, zum Milliardär mach- Programme gab es vielfältig und durch
tisch verändert. Zu Beginn dieser Periode te. unterschiedliche Träger und aus unter-
wurde noch ein formeller Versuch des IOC, schiedlichen Motiven. In den entwickelten
sich zum Herrn des Weltsports mit über- Weitere Ergebnisse waren eine Art von Ländern, vor allem in Mittel- und Nordeu-
greifender Verantwortung zu machen, im Globalisierung auch durch die Aufnahme ropa, standen die Herstellung und Förde-
Wesentlichen von den internationalen von Mitgliedern aus allen Kontinenten, die rung der Fitness, die gesundheitliche
Fachverbänden zurückgewiesen. Inzwischen das bis dahin europäisch Prävention und der
nimmt es diese Rolle durch Evolution und und nordamerikanisch Kampf gegen Zivilisati-
die umfassende Erweiterung seiner Aufga- dominierte IOC erheblich onsschäden im Vorder-
ben ein. veränderten und die grund. In anderen
umfassende Verantwor- Ländern ging es um die
Die Abschaffung des Amateurbegriffs durch tung, die das IOC für Arbeitsfähigkeit oder die
die Neufassung der Zulassungsbestimmun- nahezu alle Bereiche des vormilitärische Ausbil-
gen zu Olympischen Spielen hat dabei globalen Sports über- dung. Der Begriff des
ebenso eine Rolle gespielt wie die Übernah- nahm. Breitensports wurde
me von einer Fülle von neuen Aufgaben ergänzt durch Bezeich-
und Funktionen. Möglich wurde diese Eine der bedeutsamsten nungen wie Massen-
Veränderung durch die ungeahnte Entwick- Ergänzungen der Aufga- sport, zweiter Weg des
lung der finanziellen Ausstattung, die das ben war die Übernahme Sports, Trimmen und
IOC vom armen Schlucker, der auf die von Verantwortung für Fitness und ähnliche.

4 OF-MOS AIK
25. September: Deutsches Sportabzeichen Bundespräsident:
"Tag der Integration" weiter auf Rekordkurs Kommunen sollen
Ehrenamt unterstützen
B undesinnenminister Otto Schily hat
den 25. September zum bundeswei-
ten "Tag der Integration" erklärt. Er solle
D as Deutsche Sportabzeichen befindet
sich weiterhin auf Rekordkurs.
890.532 erfolgreich abgelegte Prüfungen undespräsident Horst Köhler forderte
von nun an jährlich an diesem Datum
begangen werden, sagte der Minister
im Jahr 2004 dokumentieren eindrucks-
voll ein ungebrochen vitales Interesse in
B die Kommunen bei der 100-Jahr-Feier
des Deutschen Städtetages auf, bürger-
anlässlich der Preisverleihung des Wett- der Bevölkerung am attraktiven Sportor- schaftliches Engagement zu unterstützen.
bewerbs "Erfolgreiche Integration ist kein den für jedermann. Erneut waren Schüle- "Denn, wenn die Modernisierung unserer
Zufall" in Berlin. Den Rahmen für die rinnen und Schüler zu mehr als der Bürgergesellschaft - die wir brauchen -
diesjährige Auftaktveranstaltung wird der Hälfte an der neuen Bestleistung beteiligt nicht von den Städten und Gemeinden
Berlin-Marathon bilden - im Teilnehmer- - der Anteil der Jugendlichen, wenn auch kommt, dann kommt sie gar nicht", sagte
feld finden sich Sportler aus 54 Nationen. knapp hinter dem der Erwachsenen, Köhler auf der zentralen Festveranstaltung
Für "Integration durch Sport" bietet sich bleibt durchaus erfreulich. Im Vergleich des kommunalen Spitzenverbandes in
mit dem "Tag der Integration" eine zum Vorjahr war eine Steigerung von Berlin. Es sei gerade das Engagement der
Gelegenheit, die Arbeit seiner bundesweit 7.512 mehr abgelegten Sportabzeichen Bürger, das Städte lebendig mache. Daher
mehr als 400 Stützpunktvereine promi- zu registrieren. Wenn man die nicht verdiene das Ehrenamt als Ausdruck
nent vorzustellen. Als Vorbild für den "Tag offiziell registrierten erfolgreichen Sport- gelebten Bürgersinns "noch viel mehr
der Integration" sieht Schily die ebenfalls abzeichen-Prüfungen hinzuzählt, die bei Ermutigung und Unterstützung". Köhler
jährlich stattfindende "Woche des aus- der Bundeswehr abgelegt wurden, kann appellierte an die Vertreter der Städte, sich
ländischen Mitbürgers" an. erneut festgestellt werden: "Das Sportab- in ihren Kommunen für die Förderung des
zeichen ist Millionär!" Engagements einzusetzen.

Interessant war, dass der Wunsch an das tag der Olympischen Bewegung, dem 23. sation aufgenommen hat, und zu den
IOC, sich dieser Problematik anzunehmen, Juni, veranstaltet wurden und werden. Experten, die sich weltweit auch außerhalb
vor allem von den sozialistischen Ländern der Olympischen Bewegung mit dem
aus Ostmitteleuropa vorgebracht wurde. Inzwischen beteiligen sich Jahr für Jahr Thema befassen. Auch die Zusammenset-
Präsident Samaranch nahm sich Mitte der nahezu alle Nationalen Olympischen zung der Kommission trägt dem Rechnung.
80er Jahre der Angelegenheit unverzüglich Komitees an dieser Aktion. Beispielhafte Das NOK für Deutschland hat beispielswei-
an, setzte zuerst eine Arbeitsgruppe und Breitensportveranstaltungen, die von NOKs se die Zuständigkeit des Deutschen Sport-
dann sehr bald eine Kommission ein, die in allen Kontinenten vorgeschlagen werden, bundes dadurch gewürdigt, dass es dessen
mit der Definition und der Förderung dieses werden jährlich mit Zuwendungen des IOC Vertreter für die Aufnahme in die Kommis-
Bereichs beauftragt wurde. Die Kommissi- gefördert. Der in zweijährigem Turnus sion vorgeschlagen hat. Diese Position
on, besetzt aus Mitgliedern des IOC und durchgeführte Weltkongress Sport für Alle, wurde durch die DSB-Präsidenten Willi
Experten, erweiterte das Programm um zunächst außerhalb der Verantwortung des Weyer und Hans Hansen und den Vizeprä-
einen Bereich, der bald ins Zentrum der IOC initiiert, aber von Beginn an aus seinen sidenten Peter Kapustin wahrgenommen.
Arbeit des IOC rückte. Es galt, sportliche Mitteln unterstützt, kam mehr und mehr
Strukturen in unterentwickelten und unter die Verantwortung der olympischen Im weitesten Sinne gehört in diesen
Schwellenländern zu schaffen und der Organisation. Der Kongress hat sich inzwi- Bereich auch die Förderung des Sports für
Ausübung sportlicher Betätigung eine schen zu einer der wichtigsten Veranstal- Behinderte. Die Zuständigkeit ist auch
breite Basis weltweit zu vermitteln. Der tungen dieser Art im Olympischen Pro- organisatorisch mit der Förderung des
Begriff Sport für Alle setzte sich durch und gramm entwickelt. Sports für Alle verbunden. Drei Verbände,
dies stellte sich unter das Motto: Sport für die sich der Betreuung des Sports für
Alle als Menschenrecht. Die Kommission Das IOC hat der Tatsache Rechnung getra- Behinderte annehmen, das Internationale
entwickelte in Verbindung mit der Hilfsor- gen, dass das Vorhaben ein Monopol und Paralympics Komitee, die Organisation der
ganisation des IOC, Olympische Solidarität, eine Beschränkung auf seine doch weithin Gehörlosen-Sportler und die Special Olym-
Programme zur Förderung der sportlichen begrenzte Zuständigkeit nicht verträgt. Die pics International für intellektuell retardier-
Basis und Infrastruktur in vielen Ländern. Kommission hält deshalb Verbindung zu te Sportler, sind vom IOC anerkannt und in
Mittel dazu waren beispielsweise Breiten- den bereits existierenden internationalen seine Arbeit integriert worden.
sportveranstaltungen, die jährlich unter Organismen von entsprechender Bedeu-
dem Titel Olympic Day Run am Gründungs- tung, die das IOC in die olympische Organi-

OF-MOS AIK 5
D
ie 7. World Games waren die bislang erfolgreichsten in Für die IWGA war Duisburg 2005 eine einmalige Standortbestim-
vielen Belangen. Vier Städte, ein Land und die ganze mung, die die Entwicklung der World Games nachhaltiger prägen
Republik haben gemeinsam eine Erfolgsgeschichte wird als jemals eine Ausgabe zuvor. Qualitative und quantitative
geschrieben, die die weitere Entwicklung der World Games nachhal- Steigerung ist schon seit 1989 in Karlsruhe die Regel. Die World
tig prägen wird. Duisburg 2005 hat gezeigt, was Deutschland kann. Games werden zweifelsohne auch weiterhin entwicklungsfähig
2005 Duisburg hat auch aufgezeigt, welches Potenzial in den bleiben, es bedurfte jedoch einer äußerst geglückten Austragung,
Spielen steckt. um die neuen Richtungen vorzugeben und um die Grenzen aufzu-
zeigen.
Die jüngsten World Games nahmen ihren Anfang 1997, anlässlich
der Jahreskonferenz der Vereinigung der internationalen Fachver- Dass die allgemeine Richtung gut gewählt ist, hat Duisburg 2005
bände (GAISF) in Duisburg, als Randthema von Gesprächen zwi- bestätigt. Sport, in grosser Vielfalt und auf höchstem Niveau, kann
schen Sportfunktionären und Vertretern der Stadtregierung. Wer begeistern. Ein Drittel der in Duisburg gezeigten Sportarten ver-
1997 beim GAISF-Abschlussdinner in der Kraftzentrale des Land- zeichneten Zuschauerandrang bis über die Kapazitätsgrenze ihrer
schaftsparks Nord dabei war, konnte sich schon damals von der Austragungsstätte hinaus. "Ich habe die ‚Faszinationen World
Duisburger Kreativität bei der Inszenierung eines Events überzeugen Games' verstanden, als wir 800 Karten fürs Tauziehen nachdrucken
lassen. mussten", wurde der World-Games-2005-Geschäftsführer Peter
Langner in der WELT mit Ironie zitiert. Wäre in diesem Zusammen-
Was Duisburg 2005 anging, war unsere Erwartungshaltung von hang nicht auch ein Hinweis auf die Tatsache, dass das Finale im
Anbeginn hoch - sehr hoch. Und nach erfolgreichen World Games Tauziehen der Männer bis 680 kg im WDR, in der ARD, auf Euro-
2001 in Japan war es die Messlatte genau so. Dass wir jetzt neuer- sport und im chinesischen CCTV ausgestrahlt wurde, angebracht
lich auf die "größten und besten Spiele aller Zeiten" zurückblicken gewesen? Das
können, überrascht - vielleicht - durch die Deutlichkeit der Zahlen, nämlich war für
die diese während elf Tagen zu verzeichnen vermochten. Die Besu- den traditionel-
cherrekorde, die große Anzahl der ausverkauften Wettkämpfe und len Sport ohne
auch die der akkreditierten Medienvertreter waren allerdings als Präzedenz. Und
realistisch eingeschätzte Vorgaben stets im Visier der Organisatoren. ja: In der Tages-
schau war Tau-
Unsere Abschlussanalyse will nachdrücklich nicht als Bilanz verstan- ziehen auch!
den werden. Ein endgültiger Saldo kann und darf nur von der
Geschäftsführung der World Games 2005 GmbH präsentiert werden. Eine positive
Wie in den anderen Bereichen der Organisation unserer Spiele, Selbstdarstel-
obliegt auch das Erstellen der definitiven Schlussrechnung der lung fällt
Verantwortlichkeit der Ausrichter. unseren Sport-
arten über-
Für uns, die IWGA, waren die World Games 2005 ein Erfolg - gänz- haupt nicht
lich ohne Einschränkungen im wichtigsten aller Punkte. Die bekun- schwer; selbst
dete Zufriedenheit unserer Athleten gibt uns zu dieser Aussage dann nicht,
Anlass. Kann ein Athlet, der das Glück hatte, in Athen und in Duis- wenn sie im
burg dabei zu sein, den von den Medien zu oft angestellten Ver- Verbund mit
gleich zwischen Olympischen und nicht-olympischen Spielen mit mehr als 30
sportlich ehrlichen Erklärungen parieren, dann ehrt er damit die anderen so
World Games. "Von der Stimmung, dem Teamgeist und der Faszina- genannten
tion der Wettkämpfe hat sich das in keiner Weise unterschieden", "Randsportar-
resümierte Henrik Stehlik, Gewinner einer Bronzemedaille im Einzel- ten" auftreten und an Orten, die Welten von ihren Hochburgen
Trampolin in Athen, Gewinner der Goldmedaille im Synchron- entfernt liegen, auflaufen müssen. Beispiel: 7er Rugby. Im März
Trampolin in Duisburg, gegenüber Journalisten. "Dieses Gold ist 2005 füllten 40.000 Zuschauer die Ränge des Hongkong Stadions
keinesfalls eine Medaille zweiter Klasse", bekräftigte der 24-jährige fürs Finale des Weltcups zwischen Neuseeland und Fidschi. Im Juli
Sportler und verwies dabei auf die Tatsache, dass der internationale 2005 spielten die nachmaligen Sieger von den Fidschi Inseln gegen
Turnverband FIG den sportlichen Stellenwert der World Games Südafrika vor 8.000 in der MSV-Arena um World Games-Gold.
höher ansetzt als bei jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften. In Enttäuschend? Wohl kaum, denn das 20-minütige Spiel am 23. Juli
der Tat, im Synchronspringen der Männer qualifizierten sich nur die zeigte Rugby vom Allerbesten. Waisale Serevi, einmal mehr der
12 besten Paare der FIG Weltrangliste für eine Teilnahme an den herausragende Fidschi-Spieler, schaffte den entscheidenden Versuch
World Games. - in den allerletzten Sekunden - und die ZEIT monierte in der
Retrospektive: "Während sich in allen angetretenen Ländern Rugby
Bestätigt der gleiche Athlet, dass es auch bei den ideellen Werten bereits großer Beliebtheit erfreut, wächst es hierzulande nur müh-
der World Games stimmte, dann wurden diese selbst einer hehren sam aus den Kinderschuhen. Das wiederum ist angesichts der
Funktion gerecht. Henrik Stehlik tat genau das: "Weil man mit so Begeisterung in Duisburg schon eher unverständlich." Nach langer
vielen Sportlern aus aller Welt zusammentrifft, die eine Lebensphi- Anreise und kraftvollen Schritten ins Malfeld war Serevi in Deutsch-
losophie verbindet: Der sportliche Vergleich!" land erst einmal missionarisch tätig. Mit beachtlichem Erfolg, wie
eine Frankfurter Zeitung bestätigte: "In der Tat haben die Spiele bei

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den World Games bewiesen, dass Rugby ein Publikumsmagnet sein Für uns, die IWGA, gilt es nun, diese und andere Initiativen - zu
kann. Für deutsche Verhältnisse wurden sämtliche Zuschauerrekorde denen selbstredend auch der "World Games Plaza" gehört hat -
gebrochen." unseren Freunden in China Taipeh zur Nachahmung und zur Anpas-
sung an ihre Kultur zu empfehlen. Kaohsiung 2009 wird ganz
Zu den neuen Richtungen, die Duisburg 2005 unseren Ausrichtern bestimmt neue Rekorde verzeichnen, aber einige davon werden
der Zukunft vorgezeigt hat, zählen der grafisch nachempfundene ihren Ursprung in Duisburg haben.
kaleidoskopische Auftritt der Spiele, die Gesichter junger Leute, die
von Plakatwänden zu deren Besuch einladen, die Allianzen mit Das Fazit der siebten Auflage kann - auch aus sportpolitischer
starken Medienpartnern und die treffsicheren Slogans. Die World Sicht - nur positiv ausfallen. Die Spiele der nicht-olympischen
Games 2005 haben ihre speziellen "Faszinationen" ausgeübt. Einige Sportarten haben sich weiter gemausert, haben ihren Platz in der
Hunderttausend Zuschauer konnten "Sport neu erleben". Ein Millio- öffentlichen Wahrnehmung gefestigt und sich einiger Vorurteile
nenpublikum überzeugte sich durch die Medien davon, dass vielfäl- entledigt. Vielleicht entgehen sie fortan auch dem arg strapazierten
tigster Sport seine Reize zu übermitteln in der Lage ist. Vergleich mit Olympia!

Mehr als 30 Sportarten rückten weg vom Rande. "Wir konnten für Unsere Spiele stehen unter der Schirmherrschaft des IOC. 24 unserer
ein paar Tage aus dem Schatten des grossen Sports ins Rampenlicht 32 Mitgliedsverbände werden vom IOC anerkannt. Zehn unserer
treten", fasste Margret Neher, die mit dem deutschen Kanupolo- Sportarten haben sich um Aufnahme ins Programm der Olympi-
Damenteam Gold gewann, die kollektiven Erfahrungen der 3.500 schen Spiele 2012 bemüht, vier davon wurden der 117. Session des
Athleten in Duisburg zusammen. Vielleicht mehr noch als die IOC zur Abstimmung vorgelegt. Mehr nicht! Die World Games
Werbe-Maßnahmen hat die eingangs erwähnte Duisburger Kreativi- können sich als eigenständige Veranstaltung behaupten: Spiele, die

OF-PODIUM
World Games 2005: Duisburg hat gezeigt,
welches Potenzial in den Spielen steckt
Von Ron Froehlich, Präsident des Internationalen World Games-Verbandes (IWGA)

tät dazu beigetragen, dass die World Games 2005 ihrer wichtigsten sich ihren festen Platz innerhalb der Olympischen Bewegung ver-
Aufgabe gerecht wurden, dass sich unsere Athleten vom Publikum dient haben, sich aber ihrer Eigenart durchaus rühmen dürfen.
einmal richtig verstanden wussten.
Die Qualität unserer Wettkämpfe, das Kaliber unserer Athleten und
Monate vor der Eröffnungsfeier warteten die Organisatoren mit auch die Kreativität unserer Ausrichter machen das - wie Duisburg
einem ersten Paukenschlag auf, dessen Wirkung und Nachhaltigkeit 2005 gezeigt hat - möglich. Die jüngsten World Games haben
den Erfolgskurs der Spiele mitbestimmt haben. Der "World Games eindrücklich bewiesen, dass vielfältigster Sport im Sommer - zwar
Fun Day" - ein vom Duisburger Stadtsportbund entwickeltes Kon- mit kleinem Etat, aber mit umso mehr Herz präsentiert - begeistern
zept, Jung und Alt durch ein attraktives Bewegungsangebot mit kann.
unseren Sportarten vertraut zu machen - hat während Sport- und
Bewegungsstunden in Kindergärten, Schulen und Altenbegegnungs- Auch in diesem Sinne möchten wir uns bei unseren Gastgebern in
stätten für ein allerseits gutes Verständnis der sportlichen Vielfalt Deutschland, bei Duisburg und seinen Partnerstädten, bei der
gesorgt. Egal ob Ju-Jutsu oder Kanupolo, die Duisburger hatten zu Bundesregierung und dem Bundesland Nordrhein-Westfalen, aber
beiden ihren Bezug: Man hatte schließlich viele Übungen unter auch beim Deutschen Sportbund und beim Nationalen Olympischen
Anleitung von Maskottchen Allwin absolviert. Komitee bedanken.

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Zwischen Skepsis
und Optimismus:

Zur Zukunft der Olympischen Bewegung


Von Helmut Digel

8
W
enn wir uns mit Fragen der Zukunft des Olympis-
mus auseinandersetzen, müssen wir uns vor allem
der bisherigen Entwicklung dieser besonderen
Reformbewegung des Sports vergewissern. Wo hat der Olym-
pismus seinen Ursprung? Welche Merkmale zeichnen seine
Entwicklung aus? Was sind seine Ziele? Hat er diese erreicht?
Solche und ähnliche Fragen sind zu beantworten. Wir haben
uns aber auch der heutigen Situation des Olympismus zu
stellen und nach den aktuellen Merkmalen des olympischen
Sports zu fragen. Es müssen seine Stärken und Schwächen
markiert und es sollten die Probleme offengelegt werden, die
sich derzeit für die Olympische Bewegung als eine besondere
Herausforderung darstellen. Darauf aufbauend kann dann in
einem dritten Schritt versucht werden, auf die Frage nach der
Zukunft der Olympischen Bewegung eine Antwort zu geben.
Es ist dabei nicht nur die Frage nach den Möglichkeiten dieser
Bewegung zu stellen, sondern auch nach den Werten und
Sollensforderungen, die an sie gerichtet werden müssten. Es
sollte auch die Frage gestellt werden, ob und welche Zukunft
für diese Bewegung wünschenswert ist. Für die Lösung der
aktuellen Probleme und für die Herausforderungen, in denen
sich heute der moderne Olympismus befindet, bietet es sich
schließlich an, die Frage nach vergleichbaren Ereignissen in der
olympischen Geschichte zu stellen. Es könnte hilfreich sein,
sich an den Niedergang der antiken Olympischen Spiele zu
erinnern. Dieser Niedergang könnte eine Mahnung mit vielen
Parallelen sein, denen man sich auch noch heute zu stellen
hat.

1.
Fragen wir nach der Herkunft der Olympischen Bewegung, so
können wir zunächst feststellen, dass die Olympische Bewe-
gung auf einem theoretischen Fundament basiert, das in
seinen wesentlichen Elementen von Pierre de Coubertin
errichtet wurde. Der moderne Olympismus im Sinne Couber-
tins basiert auf wissenschaftlicher Reflexion, wobei vor allem
die Pädagogik, die Philosophie, die Geschichtswissenschaft
und weitere Geistes- und Sozialwissenschaften als Legitimati-
onsdisziplinen dienten. Im Zentrum dieser Reflexionen steht
eine Konzeption des Individualismus: Die Olympische Bewe-
gung ist zunächst und vor allem auf das Individuum ausge-
richtet. Der Sport wird dabei als Medium gedeutet, das dem
Individuum einen Weg zur Selbsterkenntnis, ein Streben nach
Selbstvollendung eröffnet und ihm eine Möglichkeit zur
Selbstgestaltung bietet. Der Sporttreibende, der Athlet und in
späteren Begründungen auch die Athletin, findet im Sport
einen Weg, seine individuellen Möglichkeiten auszuschöpfen.
Der olympische Athlet soll in einer Auseinandersetzung mit
anderen, insbesondere in einer Konkurrenz des Wetteifers
seinen eigenen Weg, seine eigenen Möglichkeiten finden, aber
auch seine individuellen Grenzen erkennen. Der Wettbewerb
nach Regeln ist das Vehikel, dessen man sich bedient, wenn

9
man mittels Sport einen erwünschten Sozialisationsprozess vieles. Dies lässt sich auch - betrachten wir die Situation des
und dabei vor allem einen Prozess der Individualisierung Olympismus von heute - bei diesem besonderen Phänomen
positiv beeinflussen möchte. des Sports beobachten. Der Olympismus, so wie er theoretisch
konzipiert wurde, die Olympische Bewegung, so wie sie sich
Ein weiteres Merkmal dieses modernen Olympismus ist die selbst versteht, deutet und sich auch organisiert hat, nimmt in
Ausrichtung an der Möglichkeit des Menschen zu außerge- den modernen Gesellschaften keine relevante Position ein. Die
wöhnlichen Leistungen, die Ausrichtung an der Höchstleis- Theorie des Olympismus wird offensichtlich sehr viel häufiger
tung. "Citius, altius, fortius" können dabei als Steigerungsim- ideologisch missbraucht. Sie wird zur Alibi-Argumentation, vor
perative gedeutet werden, die sich jedoch sehr schnell als allem in Verbindung mit den Olympischen Spielen. Sie wird
widersprüchlich und selbstgefährdend für die Olympische immer nur dann belebt, teilweise auch nur wiederbelebt,
Bewegung erweisen sollten. Geht man auf Distanz zu den wenn Olympische Spiele stattfinden, und sie gerät schnell in
Rekordmaximen und orientiert man das Handeln der Athleten Vergessenheit, sobald das wichtigste Ereignis des Sports
lediglich an einem Prinzip des humanen Leistens, so geht es in wieder der Vergangenheit angehört.
einem am Individuum ausgerichteten pädagogisch orientier-
ten Olympismus darum, dass dem Individuum aufgegeben ist, Die pädagogische Ausrichtung auf das Individuum ist mehr
sein Bestes zu geben und dass die Auseinandersetzung um die oder weniger stark durch Einflüsse von außen, die auf den
persönliche Höchstleistung eingebunden ist in einen Geist des modernen Athleten von heute wirken, gefährdet. Der Wettbe-
geregelten Wettbewerbs, in ein Prinzip der Humanität, was für werbsgeist ist teilweise in Frage gestellt. Die Suche nach der
den Sport vor allem bedeutet, dass er am Prinzip des Fair Play Höchstleistung ist an ihre Grenzen gelangt. Das Prinzip des
ausgerichtet sein muss. Höchstleistungen und Wettbewerb im Fair Play wird nicht nur über den massenhaften Dopingbetrug
Sport werden begrenzt durch den Respekt vor dem Gegner in Frage gestellt. Dabei hat die Theorie der Olympischen
und den gemeinsam vereinbarten und schriftlich niedergeleg- Bewegung vermutlich noch nie eine wirkliche Heimat in den
ten Regeln. Damit ist ein weiteres grundlegendes Merkmal des Führungseliten der Sportorganisationen gehabt. Zumindest in
theoretischen Fundaments des Olympismus benannt. der heutigen Zeit ist zu konstatieren, dass der großen Mehr-
heit der Funktionäre das theoretische Fundament des Olym-

2. pismus, das u.a. auch in der Olympischen Charta und in der


Schlusserklärung des IOC, die in Paris aus Anlass seines Jahr-
hundertkongresses verabschiedet wurde, fremd oder unbe-
Der moderne Olympismus verfolgt jedoch nicht nur eine kannt ist oder allenfalls noch fragwürdigen Legitimationsver-
Stärkung des Individuums, sondern er benutzt den Sport auch suchen dient. Bei einer zunehmend antiintellektuellen Füh-
als ein pädagogisches Medium auf dem Weg zu einer höheren rungselite, bei neuen und teilweise sehr erfolgreichen Symbio-
Menschlichkeit. Der moderne Olympismus ist immer auch auf sen des olympischen Spitzensports mit den Massenmedien
die Gemeinschaft ausgerichtet. Deshalb wird der Sport in der und der Wirtschaft, mit gesellschaftlichen Teilsystemen also,
philosophischen Konzeption des Olympismus als weltoffenes für die der Olympismus keine wesentliche Rolle spielen darf,
und globales Medium verstanden, und er muss weltoffen ist dies auch nicht überraschend.
gestaltet werden. Weltoffen bedeutet, dass er unabhängig
sein muss von Staat, Rasse, Herkunft, Religion, Besitz und Die Theorie des Olympismus hat aber auch keine Heimat mehr
sonstigen möglichen Einflussfaktoren. Die Ausrichtung auf die in den Wissenschaften selbst. In den Universitäten spielt diese
Gemeinschaft bedeutet darüber hinaus, dass es ein Anliegen Theorie keine Rolle, entsprechende Lehrstühle gab es nicht,
sein muss, mittels des Mediums Sport den Weltfrieden zu und an den sportwissenschaftlichen Instituten grenzt dieses
fördern und sich auf diese Weise für den Aufbau einer besse- Thema in seiner Betrachtungsweise an zweitklassige Esoterik.
ren Gesellschaft zu engagieren. Relevante Forschung findet nur noch im Ausnahmefall statt.
Dort wo die Intellektualität zu Hause sein sollte, hat die
Eine individualistische und auf Solidarität ausgerichtete Olympische Bewegung keinen Ort.
Konzeptionierung des Olympismus beruht jedoch nicht nur
auf dem Medium des Sports. Sport soll nicht isoliert gleich-
sam als abgegrenztes System in unserer Gesellschaft seinen 3.
Auftrag erfüllen, er sollte vielmehr eingebunden sein in eine
außergewöhnliche gesellschaftliche Synthese, in der vor allem Blicken wir aus dieser Situationsbeschreibung heraus auf
die Wissenschaft, die Kunst, die Musik, die Literatur und die morgen, versuchen wir die Zukunft der Olympischen Bewe-
Architektur eine Rolle spielen. gung zu konzipieren, so ist Skepsis angebracht. Einerseits, so
scheint es, sind die Prinzipien des modernen Olympismus so
Theorie und Praxis sind notwendigerweise zwei Seiten einer modern, wie zu jener Zeit, als sie für die europäische Gesell-
Medaille. Sie sind zusammengehörig, und doch trennt sie schaft konzipiert wurden. Eine ganzheitliche Erziehung von

10
Körper und Geist, eine Werteerziehung, eine Ausrichtung auf Trotz dieser Skepsis wollen wir über die Zukunft der Olympi-
die Selbstgestaltung der Individuen, auf die Notwendigkeit, schen Bewegung sprechen. Möglicherweise gibt es einen
seine eigenen Grenzen zu erkennen, auf den Wettbewerbs- berechtigten Optimismus. Dieser ist an jener Minderheit
geist, eine Erziehung zur geregelten und nicht manipulierten festzumachen, die sich um die Durchsetzung und Anerken-
Höchstleistung, zum Respekt vor dem Gegner, all dies sind nung der olympischen Prinzipien bemüht. Er kann an Perso-
Aspekte einer Werteerziehung, wie sie heute dringender denn nen abgelesen werden, die wie Willi Daume und Jacques
je erscheint. Die Ausrichtung an einem humanen Menschen- Rogge auf ein Lebenswerk verweisen, das an der Idee des
bild unabhängig von Rasse, Religion und Herkunft, die Offen- Olympismus ausgerichtet war bzw. heute noch ist. Und der
heit des Sports gegenüber jedem Mann und jeder Frau, die Optimismus muss auch an einigen strukturellen Entscheidun-
Hinwendung zu einer friedlichen Weltgesellschaft, der Aufbau gen des Internationalen Olympischen Komitees festgemacht
einer besseren Welt - dies sind Ziele, die vermutlich von werden, die zumindest in die richtige Richtung verweisen.
niemandem in Frage gestellt werden. Fortschritte im Antidopingkampf sind dabei ebenso ermuti-
gend, wie die Selbstbegrenzungsbemühungen, denen sich das
Sehr viel schwerer fällt es jedoch, diese Ziele mit dem moder- IOC heute stellt. Die Entscheidungen der Ethikkommission der
nen Sport zu verbinden, mit dem Berufssport, mit der Kom- vergangenen Jahre sind ebenso ermutigend wie die neuen
merzialisierung, mit der Hinwendung des Sports zum Medien- Mitbestimmungsmöglichkeiten und das Mitbestimmungsver-
spektakel, mit einer Ausrichtung der Leistung auf den Sieg um langen einer mündigen Athletenschaft.
jeden Preis. Sind dies die dominanten Merkmale des olympi-
schen Spitzensports, dann hat sich die Praxis von der Theorie Dieser Optimismus kann allerdings die Skepsis nicht überwie-
getrennt. Sie wird, so scheint es, von einer anderen Theorie gen. Der Olympismus hat im olympischen Sport von heute
gesteuert. Die Praxis wird mit einem neuen Sinn verbunden. kein echtes Fundament. Allenfalls sind ihm einige kleine
Gewinn und Verlust ist nunmehr der dominante Code, der Nischen zugewiesen, in denen er sich entwickeln kann. Ange-
heute den olympischen Sport prägt. Das olympische Ideengut sichts dieser Situation bleibt nur die Hoffnung, dass aus
kann allenfalls noch in der Form des Legitimationshelfers, als Nischen Domänen werden, dass jene, die in ihnen handeln, an
Sanierungsinstrument oder als Fassadenverschönerung auftre- Einfluss und Entscheidungsbefugnis gewinnen. OF

ten, ohne dabei jedoch Glaubwürdigkeit zu zeigen.

11
W
as könnte die Bedeutung der Olympischen Spiele
für ihre Gastgeber, die größten und bekanntesten
Städte der Welt, besser verdeutlichen als das unein-
geschränkte Interesse der Weltöffentlichkeit, die am 6. Juli
Olympische
Höhenflüge
2005 den Mitgliedern des IOC in Singapur galt.

In einer noch nie da gewesenen, hochkarätigen Auswahl und


Qualität präsentierten die Weltstädte London, Madrid, Moskau,
Paris und New York während der 117. Session des Internatio-
nalen Olympischen Komitees im Raffles Convention Centre

beginnen
ihre Kandidaturen zur Wahl als Gastgeber der Olympischen
Spiele 2012.

Nach Aussage des Internationalen Olympischen Komitees (IOC)


besaßen alle fünf Bewerberstädte die Kompetenz, die Spiele zu
organisieren. Letztendlich blieb es mit London nur einer einzi-

ganz unten
gen Metropole vorbehalten, diese Herausforderung und Ehre
zu übernehmen.

"Es war ein sehr harter Wettbewerb mit nur einer Goldmedail-
le. Kein Silber, kein Bronze", kommentierte IOC-Präsident Dr.
Jacques Rogge die Wahl.

Städte unter Konkurrenzdruck, Städte im Wettstreit, Städte


beim Feiern und sich Feiern lassen. Von Großereignissen wie

Über die fruchtbare


Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften oder
Meisterschaften im nationalen Rahmen, die Städte bewerben
und die sie zusammen mit Sportveranstaltern zelebrieren,
erhoffen sie sich besondere Impulse.

Neben Kultur und Umwelt mit ihren Ausstellungen, Kulturta-


gen, Festspielen und Gartenschauen bietet der Sport Anfang Beziehung von
Stadtentwicklung
des 21. Jahrhunderts die ungleich größere Bühne. Seine Ver-
anstaltungen und "Events", wie man heute sagt, sind zu einem
attraktiven Instrument strategischer Stadtentwicklung gewor-
den.

Dies ist auch gar nicht so neu. Bereits im 19. Jahrhundert


widmeten sich aufblühende Metropolen ökonomischen,
gesellschaftspolitischen und sozialen Planungszielen im Rah-
und Sport
men großer Veranstaltungen. London erfand 1851 die Welt-
ausstellung und Paris führte sie 1855, 1867 und 1889 zur
Blüte.
Von Stefan Volknant
Im Zuge von Festivals, Festspielen und Großereignissen wird
bis heute mit neuen Räumen, Formen und Materialien experi-
mentiert, Verkehrsplanung betrieben, Erholungsräume ausge- werfen sie einen Gewinn ab, sie ermöglichen den Ausbau der
wiesen, spektakuläre Zeltdächer konstruiert und soziokulturel- Infrastruktur der jeweiligen Stadt und sie bringen eine
le Visionen verwirklicht. So nehmen Stadtentwicklungsaspekte unglaubliche öffentliche Aufmerksamkeit. Kurz: Für jeden
eine große wenn nicht herausragende Rolle in sämtlichen Bürgermeister ist es gut, sich um die Spiele zu bewerben."
Bewerbungen ein.
In den zurückliegenden Jahren war dabei die immer größere
"Natürlich ist es für jede Stadt interessant, die Spiele zu Nähe zu Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace be-
bekommen", sagt IOC-Präsident Jacques Rogge. "Seit 1984

12
darüber hinaus der weltweite Beitrag der Paralympics zu einer
behindertengerechten Verkehrs- und Gesamt-Infrastruktur.

Sebastian Coe, der ehemalige Weltklasse-Mittelstreckler, der in


Singapur die britische Delegation anführte, sagte: "Schauen
Sie nach Ost-London: Dort gibt es schon jetzt, allein dank der
Bewerbungskampagne, neue Stadien, einen U-Bahn-Anschluss
und ganz andere Möglichkeiten für Behinderte."

Die Vergabe der Olympischen Spiele bedeutet alle zwei Jahre


für eine Stadt auf unserem Globus wieder den großen Wurf.
Doch die Wirkung Olympischer Spiele, der Olympischen Bewe-
gung und Idee auf Städte und Kommunen lässt sich nicht
allein technisch mit dem Bau imposanter Infrastruktur und
moderner Logistik erklären. Schließlich gibt es kein anderes
Ereignis mit derart globaler Bedeutung, mit diesem hohen
international anerkannten Symbolwert und mit jenem einzig-
artigen pädagogischen Anspruch.

Für nicht wenige Experten erklärt sich der Erfolg der Olympi-
schen Spiele deshalb erst aus der Symbiose von Sport-, Stadt-,
Umwelt- und Kulturentwicklung. Dies lenkt den Blick auf
Querverbindungen zwischen Olympischer Bewegung und
kommunaler Entwicklung, die außerhalb technischer und
städteplanerischer Entscheidungen existieren. Als die 24.
Sportministerkonferenz am 19./20. Oktober 2000 in Potsdam
an alle Sportvereine und Sportverbände appellierte, sich in die
Diskussion um das künftige Leitbild der Städte aktiv einzubrin-
gen, hat sie dabei die herausgehobene Bedeutung die Leistun-
gen der kommunalen Sportförderung gewürdigt und Städte
und Gemeinden gebeten, trotz angespannter Haushaltslage
den Bestand der Anlagen zu erhalten, anzupassen und die
Vereine beim Bau und bei der Pflege von Sportanlagen zu
unterstützen. Sie bat die Kommunen darüber hinaus auch
dabei mitzuhelfen, die Zukunftsfähigkeit der gemeinnützigen
Sportvereine zu stärken und die kommunale Sportverwaltung
zu erhalten.

Mit etwa 80 Prozent tragen die Kommunen heute die Haupt-


last der öffentlichen Sportförderung. Angesichts des hohen
Drucks, der auf den öffentlichen Haushalten lastet, wird dies
leider zu häufig übersehen. Umgekehrt profitieren Städte und
Gemeinden direkt und indirekt vom Sport und seiner Selbst-
verwaltung.

Kommunale Wirtschaftsförderung betrachtet Sport nicht nur


obachtbar. Damit soll ein nachhaltiges Erbe für künftige als Standortfaktor zur Anwerbung von Unternehmen und
Generationen gewährleistet werden. Fachkräften, sondern als eigenständige Branche mit guten
Zukunftsaussichten. Modernes Stadtmarketing stützt sich auf
So haben Olympische Spiele heute weltweit Auswirkungen auf Kultur und Sport als Imageträger. Standort- und Tourismus-
den Sportstättenbau und Olympische Dörfer Anteil an der werbung werden nicht nur mit Sportanlagen, sondern auch
Entwicklung alternativer Konzepte zur Energiebereitstellung mit der Bewerbung um Events in den olympischen Sportarten
und Müllentsorgung, zur papierfreien Informationsgestaltung verbunden. Bei Welt- und Europacups und nationalen Meis-
und zum sozialen Wohnungsbau. Nicht zu unterschätzen ist terschaften geht es neben den durch das jeweilige Ereignis

13
angelockten Gästen insbesondere auch um die Herausbildung Sportliche Talente in den Kommunen für die Olympische
eines kommunalen Profils. Große Sportereignisse mit Spitzen- Bewegung, für den Olympischen Spitzensport aufzuspüren
leistungen in den olympischen Sportarten sind schließlich und zu fördern, verlangt jedoch neben einem entsprechenden
Höhepunkte im Leben jeder Kommune. Sie bilden ein Podium Qualitätsbewusstsein viel Engagement auf örtlicher Ebene.
für unmittelbares Erleben, das Dabeisein als Teil einer Gemein- Kommunen haben hierfür als Träger von Schulen und Förderer
schaft von Gleichgesinnten. Folgt man dem Vizepräsidenten von Vereinen genauso Verantwortung wie die Vereine selbst,
des Organisationskomitees der FIFA-WM 2006, so kann dazu wie ortsansässige Olympiastützpunkte, Leistungszentren und
künftig sogar das sogenannte Public Viewing beitragen, wenn private Mäzene, etwa der Metzger um die Ecke. Erst zu einem
das Festival des Weltfußballs im kommenden Jahr in vielen späteren Zeitpunkt, zu dem die Grundlagen bereits gelegt sein
Städten via Großbildleinwand zu einem Gemeinschaftserlebnis müssen, schließt sich an die anfängliche Talentförderung das
für alle werden soll. Kadersystem auf Landes- und danach auf Bundesebene an,
übernehmen Bundes- und Landesverbände verstärkt Einfluss.
Doch nicht nur auf modernen Pfaden, sondern auch auf dem
traditionellen Wege der Vorbild- und Anreizfunktion für die Es liegt deshalb nahe, dass Kommunalverwaltung und olympi-
Kinder und Jugendlichen unterstützen Städte und Gemeinden scher Spitzensport aufeinander angewiesen sind. Ihre Bezie-
- unbeschadet der primären Verantwortung von Bund und hung ist immer von den örtlichen Gegebenheiten, der Finanz-
Ländern - neben dem Schul- und Breitensport auch den kraft der Stadt und der Vereine, der Schwerpunktbildung im
Leistungs- und Spitzensport. Sportliche Talente und lokale Sportgeschehen sowie den Förder-Richtlinien des jeweiligen
"Helden" sind Teil ihres "Humankapitals", ja ihres gesellschaft- Bundeslandes und Landessportbundes abhängig.
lichen Reichtums, das fast jede Förderung lohnt. Neben der
geistigen Elite repräsentiert auch die sportliche Elite das Sportvereine sind wichtige und verlässliche Partner der Kom-
Gemeinwesen, hat Vorbildfunktion und leistet einen Beitrag munen bei der Gestaltung des sportlichen Lebens in den
zur Zukunftssicherung. Städten. Sie bilden die örtliche Basis für den Spitzensport und
den Ausgangspunkt sportlicher Karrieren. Umgekehrt ist der

14
Vereinssport nicht zuletzt durch die Bereitstellung von Infra- Dies gilt für die Sportstättenentwicklungsplanung, dies gilt
struktur auf die Kommunen angewiesen. aber u.a. auch für die regionale Schwerpunktbildung im
Spitzensport, bei der verstärkt nach regionalen Identitäten
Im Verteilungskampf um öffentliche Mittel müssen die olym- gesucht werden könnte, um durch Synergien Freiräume für
pischen Sportorganisationen künftig sogar eher noch stärker weitere Förderung zu erhalten.
um eine angemessene und frühzeitige Einbindung der Belange
des Spitzensports bemüht sein. Die Situation der öffentlichen Haushalte, die notwendigen
Reformen, die Entwicklung des Gemeinwesens und auch des
Der olympische Spitzensport braucht sportfreundliche Kom- Sports erfordern neue Wege, um das bestehende Angebot und
munen, denn eine sportfreundliche Stadt ist nicht nur eine die vorhandenen Förderstrukturen für den olympischen Spit-
Stadt mit hoher Lebensqualität, sondern auch eine Keimzelle zensport an der Basis bedarfsgerechter zu gestalten.
des Erfolgs unserer Olympiamannschaften. Der olympische
Spitzensport bietet umgekehrt mit seiner Attraktivität ein Eines scheint vor dem Hintergrund der Erfolgsgeschichte der
wichtiges Element des Zusammenhalts des Gemeinwesens. Olympischen Bewegung sicher: Der olympische Spitzensport
Wie die Kommunen so unterliegt auch der Spitzensport stän- und seine Keimzellen in den Vereinen spielten für die Entwick-
digem Innovationsdruck. lung einer Stadt und für ihre Attraktivität eine wichtige Rolle.
Er leistet einen entscheidenden Beitrag für die Sozial-, Bil-
Die Ergebnisse internationaler Wettkampfhöhepunkte, insbe- dungs- und Stadtentwicklungspolitik. Auf ihm bauen olympi-
sondere die der Olympischen Spiele von Athen, zeigen die sche Karrieren auf. Er übernimmt Vorreiter- und Vorbildfunk-
Fortsetzung einer zum Teil rasanten Leistungsentwicklung im tionen. Sportliche Talente haben deshalb auch weiterhin einen
Spitzensport. Wenn Deutschland mit dieser Entwicklung Anspruch auf Förderung und Entfaltung ihrer Fähigkeiten vor
Schritt halten und seine konzeptionellen Ansprüche, die Ort. Denn olympische Höhenflüge beginnen ganz unten. OF
Weltspitze mit zu gestalten, einlösen will, muss auch das
Zusammenwirken aller Partner an der Basis optimiert werden.

15
Siegen allein
tik und Musik waren die
Grundelemente der Erzie-
hung in der Kindheit, sie
bildeten die Harmonie zwi-
schen Körper und Seele.
Danach kamen die anderen

reicht nicht -
Elemente einer Erziehung
(Rechnen, Denken, Übungen,
Anstrengungen). Im 20.
Lebensjahr erfolgte die erste
Auslese, die Besten wurden
weitere zehn Jahre erzogen,
dann erfolgte die nächste

Eliten werden
Aussiebung mit einer fünf-
jährigen Schulung in Philoso-
phie, fünfzehn Jahre Erfah-
rung, Gewandtheit im prakti-
schen Leben, Kampf ums
Dasein. Danach, als Fünfzig-
jährige, rücken die Eliten als
"Philosophenkönige" in

wieder hoffähig
führende Stellung.

Auch der deutsche Philosoph


Karl Jaspers (1883-1969) hat
in seinen Schriften zur Erzie-
hung die Bildung von Eliten
thematisiert. "Die Verwirkli-
chung der Demokratie ist
gebunden an die Auslese der
Besten in allen Bereichen des
Von Hans-Joachim Elz Lebens. Die politisch Führen-
den haben eine Verantwor-
tung ersten Ranges für die
Wahl derer, mit denen sie
arbeiten, für die Erziehung

D
" amit 100 ihren Körper bilden, müssen 50 Sport ihres Nachwuchses." (Die Atombombe und die Zukunft des
treiben. Und damit 50 Sport treiben, müssen sich 20 Menschen, 1960, S. 443).
spezialisieren. Damit sich aber 20 spezialisieren,
müssen fünf zu überragenden Gipfelleistungen fähig sein." Lange Zeit war es in Deutschland verpönt, das Thema "Eliten"
Dieser Ausspruch, der mit einer einleuchtenden Logik die in den Mund zu nehmen. Man wurde sofort als reaktionärer
Notwendigkeit von Vorbildern und Eliten im Sport vermittelt, Ewig-Gestriger abgestempelt, der sich gegen Chancen-Gleich-
stammt von keinem Geringeren als dem Begründer der Olym- heit stelle. Dabei kommt Eliten in unserer Gesellschaft zentrale
pischen Spiele der Neuzeit, Pierre de Coubertin. Was für die Bedeutung zu. Sie bilden etwa das Rückgrat der Wirtschaft
sportliche Elitebildung gilt, gilt auch für andere Lebensberei- und sind Stützpfeiler für Innovationen, für unternehmerischen
che unserer Gesellschaft: Wer Menschen bewegen möchte, Erfolg und damit für Prosperität. In früheren Jahrzehnten hat
braucht Vorbilder, die durch ihr Auftreten, ihr Handeln und Deutschland - gerade auf Grund des renommierten Universi-
ihre Ausstrahlung motivieren. Und Anleitung geben, es ihnen täts- und Bildungswesens - auch die Eliten anderer Länder
im eigenen persönlichen Schaffensraum gleichzutun. angezogen.

Schon bei Platon sollten die Herrschenden im idealen Staat Eine Investition in die Elite ist unverzichtbar, wenn Deutsch-
auf Basis der Vernunft regieren, sie wurden durch Auslese land seine Rolle in der Welt behalten möchte. Es gilt, ein
berufen. Zu Anfang sollte der Staat jedem Kind, gleich welcher gesellschaftliches Klima zu schaffen, in dem Unternehmertum,
Herkunft, die gleichen Bildungsmöglichkeiten bieten. Gymnas- Leistung, Erfolg und auch Einkommen anerkannt und geför-

16
dert werden. Wir müssen den typisch deutschen Neidkomplex Sports" gewählt. Knapp 40 (38) Institutionen dieser Art gibt es
überwinden. Dies übersetzt sich in eine konsequente Reform- bundesweit, die Stiftung Deutsche Sporthilfe unterstützt etwa
politik. Und dazu gehört, das Bildungssystem mit deutlich 600 Eliteschüler mit einem monatlichen Taschengeld.
mehr Finanzmitteln zu versehen, dabei mehr Kreativität und
Innovation walten zu lassen. Mit dem Sporthilfe Elite-Forum soll nun auch das Umfeld der
Top-Athleten in Zusammenhang mit dem Elite-Gedanken
Eliten werden wieder hoffähig. Wie sonst kann es sein, dass gestellt werden. Die Sporthilfe sieht einen wesentlichen Teil
eine sozialdemokratische Regierung plötzlich eine Ausbildung ihrer Tätigkeit darin, in einer leistungsorientierten Gesellschaft
von Eliten fordert? Vielleicht hat die Regierung erkannt, dass Eliten zu fördern und sportliche Höchstleistungen zu ermögli-
wirtschaftliche Entwicklung nicht allein Sache des Bundesmi- chen - so steht es in ihrem Leitbild, das Teil einer jeden För-
nisters für Wirtschaft und
Arbeit ist. Oder hat die
Wissenschaftsministerin
erkannt, dass Grundlagenfor-
schung nicht mehr aus
Deutschland kommt, sondern
vielmehr deutsche Wissen-
schaftler, die an Zukunfts-
technologien forschen, ins
Ausland abwandern, weil sie
dort bessere Arbeitsbedin-
gungen vorfinden? Auf jeden
Fall hat es dazu geführt, dass
Elite-Universitäten von
nahezu allen Bundestags-
Fraktionen als ein gesell-
schaftliches Muss gepredigt
werden. Dabei wäre es wün-
schenswert, wenn diese Elite-
Universitäten ihren Studie-
renden auch verdeutlichen
würden, dass sie eine beson-
dere Verantwortung gegen-
über der Gesellschaft haben,
in der sie leben.

Lässt man den Breitensport


einmal außen vor, so ist
Elite-Bildung auch für den
Spitzensport ein Muss: Der
Sport lebt ausschließlich von
Eliten, Siegern, Champions.
Ohne die Mentalität, gewin-
nen zu wollen, der Beste zu
sein, wird jeder sportliche
Wettkampf zu einer Farce.
Dem Kräftemessen liegt der
Gedanke von Fair Play und
"Gleiche Chancen für alle" zu
Grunde. Doch durchsetzen
werden sich nur die jeweils
Besten. Der Deutsche Sport-
bund hat nicht umsonst den
Begriff "Elite-Schulen des

17
dervereinbarung mit den knapp 3.800 geförderten Athleten Dieses Beispiel zeigt anschaulich den Ansatz, den das Elite-
ist. Mit Leben gefüllt wird dieser Anspruch durch ein neues Forum verfolgt, das von der Agentur des Zehnkampf-Olympia-
Serviceangebot, das Ende April seine erste Umsetzung erfah- siegers von Seoul, Christian Schenk, betreut wird. Es geht
ren hat. Im "Sporthilfe Elite-Forum" sollen Top-Athleten nicht darum, den Athleten das alte Credo vom Vorleben der
künftig auf die gestiegenen individuellen Anforderungen im Werte im Sport wie Fairness, Respekt und Toleranz in Theorie
öffentlichen Umfeld des Spitzensports vorbereitet werden. nahe zu bringen. Es sollen neue Bildungsfelder erschlossen
Dabei geht es auch um ein neues Selbstverständnis der Spit- werden, die die praktische Auseinandersetzung mit Themen
zenathleten, sich künftig verstärkt als Vorbilder für andere der Zeit in den Mittelpunkt stellen und dazu beitragen, die
Bereiche in unserer Gesellschaft einzusetzen. Die Eliten im eigene Persönlichkeit zu formen und das Selbstbewusstsein zu
Sport müssen noch stärker gefördert, aber auch gefordert stärken. Mittelfristig ist geplant, auch aus anderen gesell-
werden. schaftlichen Bereichen Nachwuchseliten einzuladen und den
Teilnehmerkreis so stärker zu mischen. Durch die Begegnung
In der Praxis heißt das: Aus allen Sportarten kommen die mit anderen Leistungsträgern wächst das Selbstverständnis
Allerbesten auf "Schloss & Gut Liebenberg" zu einem mehrtä- der Besten im Sport, selbst ebenfalls Teil der Elite zu sein. Und
gigen Seminar zusammen. Das 60 km nördlich von Berlin im sich auch dementsprechend zu verhalten: Vorbild zu sein, für
Löwenberger Land gelegene geschichtsträchtige Schloss wird andere das gesellschaftliche Wertesystem als erstrebenswert
für die kommenden fünf Jahre von der Deutschen Kreditbank darzustellen.
AG (DKB) für das "Elite-Forum" als Tagungsort zur Verfügung
gestellt. An einem Seminar nehmen maximal dreißig Athleten Kritiker mögen sagen, dieses Forum sei Luxus und die Sport-
teil, die sich mit hochrangigen Gesprächspartnern zu Themen hilfe solle sich doch lieber auf ihr Kerngeschäft konzentrieren
aus Politik, Kultur, Kommunikation und Wirtschaft austau- und die Athleten bei der Ausbildung ihrer sportlichen Leis-
schen werden. Bei der ersten Veranstaltung, zu der vorrangig tungsfähigkeit unterstützen. Diesem Einwand ist mit den
Wintersportler in Vorbereitung auf die Olympischen Spiele Worten des vor16 Jahren von Terroristen ermordeten Vor-
Turin 2006 eingeladen wurden, stand beispielsweise eine standssprechers der Deutschen Bank zu entgegnen. Alfred
Einführung in Mozarts Leben und Werk auf dem Programm, Herrhausen sagte, dass es kein Luxus sei, Begabte zu fördern.
bevor "Don Giovanni" in der Deutschen Staatsoper Unter den "Vielmehr ist es ein Luxus, und zwar ein sträflicher, dies nicht
Linden besucht wurde. zu tun."

Das Wagnis der Bewährung im


ie moderne Gesellschaft erwartet heute von ihren Probleme sind viel komplexer, als man denkt, und es ist oft ein

D Spitzensportlern, dass sie sich jederzeit zur Verfügung


halten! Sie identifiziert sich mit ihnen und verleiht
ihnen ein ungewöhnliches Maß an Prestige. Eine Gesellschaft
einsamer Weg, der viel Mut und Selbstbescheidung verlangt
und daher doppelte Bewunderung verdient. In einer Lebens-
ordnung, in der nach dem Gesetz der steigenden Produktion,
würde verantwortungslos handeln, wenn sie ihre Spitzen- der erhöhten Anforderung und der wachsenden Möglichkeit
sportler in dem heute üblichen Maße in Anspruch nimmt, von durch fortlaufend verbesserte Erkenntnis angetreten wird, in
ihnen verlangt, dass sie der Jugend mit gutem Beispiel voran- der es täglich Rekorde auf allen Gebieten gibt, kann der Sport
gehen, asketisch leben und Opfer vieler Art bringen, die keine Ausnahme bilden. Leistung und Rekord sind deshalb
Lösung der aufgeworfenen sozialen Probleme dagegen dem auch die Logik jeder sportlichen Betätigung.
Einzelnen selbst überlässt. Dies ist eine vielschichtige soziale
Aufgabe, die nicht allein mit dem Geld der Stiftung Deutsche "Vielleicht würde es ohne Stoppuhren besser gehen", schrieb
Sporthilfe beantwortet werden kann. einmal Dr. Roger Bannister, der erste Meilenläufer unter 4
Minuten. "Niemand würde dann wissen, wie schnell oder wie
Sportsiege werden nun einmal nicht im Überfluss geboren, langsam das Rennen ist. Das Wichtigste wäre der Kampf
sondern in der harten, entsagungsvollen Anstrengung eines miteinander. Alle Zeiten und Rekorde sind jedoch nur die
einfachen Lebens. Wer diese Kreise eines gesunden Hungers Knochen des Sports, nicht das pulsierende Blut. Sie sagen
auf Erfolg stört, der zerstört auch den Willen zum Sieg. Die deshalb auch nichts über den Stil des Läufers oder über die

18
Wer den Sport auf seine Medaillen und Erfolge reduziert, Gerade angesichts des permanent drohenden Imageverlustes
verkennt das Kulturgut Sport, das ebenso wie die Wirtschaft, - aktuell im Zuge des Schiedsrichterskandals - ist es für den
die Politik, die Literatur oder die Kunst von Persönlichkeiten Sport höchste Zeit, sich auf seine Werte und auf seine morali-
lebt, die weit über ihren Bereich hinaus Ausstrahlung haben. sche Dimension neu zu besinnen. OF

Thesen für das Sporthilfe-Elite-Forum


1. Sport ist Teil der Kultur unseres Landes. Die Befolgung 5. Die Aus- und Weiterbildung unserer Eliten ist eine Aufga-
seiner Prinzipien und Grundsätze dient ganz wesentlich be der gesamten Gesellschaft und deswegen auch eine
dem friedlichen Miteinander in unserer Gesellschaft. Herausforderung für den Sport.

2. Eliten aus allen Bereichen des Lebens, also auch die aus 6. Das Sporthilfe Elite-Forum ist ein Ort der Begegnung
dem Sport, tragen eine besondere Verantwortung für die zwischen gesellschaftlichen Eliten und dem Sport. Über
Weiterentwicklung und Zukunftsfähigkeit unserer Gesell- die Erfahrungen aus dem Sport hinaus vermittelt es
schaft. Anstöße und Anregungen zur Persönlichkeitsentwicklung
junger Athleten.
3. Leistungsträger sollen auch menschlich Vorbilder sein. In
der Verbindung von Können und sozialem Verhalten 7. Spitzenathleten sind in unserem Land Teil der Elite. Sie
werden sie Motor und Leitbild gesellschaftspolitischer werden ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung am
Entwicklungen. besten gerecht, wenn sie ihr sportliches Können mit einem
angemessenen Maß an Wissen und Bildung verbinden.
4. Die Bildung von Eliten steht in der Tradition von Platon,
Kant, Schiller, Humboldt und Herder. Sie ist heute wichti-
ger denn je, um die positiven Werte deutscher und euro-
päischer Kultur bewahren zu können.

sportlichen Wettkampf Von Karlheinz Gieseler

Länge seines Schritts oder über die Anmut eines Speerwerfers. Bewusstsein weit Hinausgreifende, um die Entfaltung des
Sie vermitteln keine Vorstellung von der Freude an der höchs- höchsten Willens.
ten Beherrschung der Bewegung oder über die erhebende
Qual eines jahrelangen Trainings. Und doch ist der Erfolg ohne Ernest Hemingway sagte in seiner Story vom "Unbesiegten":
beides nicht zu denken." "Er tat einfach das Richtige. Seine Augen bemerkten die Dinge
und sein Körper führte ohne Nachdenken die richtige Maß-
In einer Umwelt, in der das menschliche Wagnis immer stärker nahme aus. Wenn er darüber nachdachte, dann war es schon
durch Schalthebel ersetzt wird, sollte es eigentlich viel mehr aus mit ihm." Robert Musil hat die psychologischen Zusam-
Menschen geben, die das Wagnis menschlicher Bewährung im menhänge solch unreflektierter Geist-Körper-Reaktionen
sportlichen Wettkampf suchen. Wer im Sport nur die schil- sogar mit dem klugen Rat verbunden, es in den letzten Tagen
lernde Oberfläche des Sieges sieht, der wird ihn in seiner die vor dem Wettkampf mit dem Training noch etwas langsamer
ganze Persönlichkeit formenden Forderung nach Verzicht, angehen zu lassen, um "Muskeln und Nerven die letzte Verab-
Konzentration, Askese, Haltung nie begreifen. Man wird also redung untereinander zu ermöglichen, ohne dass sie von
einen tiefer reichenden Zugang suchen müssen, so wie es Willen, Absicht oder Bewusstsein dabei gestört werden". OF

einmal Siegfried Lenz, Ernest Hemingway, Robert Musil oder


Rainer Maria Rilke in seinem Fliegergedicht der "Sonette an
Orpheus" taten. Es geht dabei um das über Ziel, Absicht und

19
Der Ramsch auf dem Super-
markt des Sports nimmt zu
Von Anno Hecker

M
an muss sich wundern. Läuft der deutsche Sport so platzambiente und Schulturnhallen-Chic, das geht schon
hinterher? Sommer 2005: Jetzt erfährt auch die noch, nur eine Gala muss es sein.
Öffentlichkeit, dass sich Sportarten ihren Platz an
der Sonne erkauft haben oder erkaufen wollten. Ist so ein Warum sollte man dem Kind nicht einen anderen Namen
Handel nicht verständlich? Vielleicht reicht das Talent ja für geben, falls es der Sache dient? Der Sport ist teurer geworden.
den Aufstieg zum Superstar unter den Disziplinen. Man muss Athleten sind längst Vollzeitprofis mit entsprechenden
doch nur entdeckt werden, einmal groß ins Bild rücken! Beim Ansprüchen, die Sponsoren halten sich mehr und mehr
Tanz ums goldene Kalb packte gar den Chef der Stiftung zurück, und die Zuschauer im Unterhaltungszeitalter wollen
Deutsche Sporthilfe die Lust, Spendengelder für die - zugege- gelockt werden bei den vielen kurzweiligen Angeboten. Wenn
ben - ausbaufähige Selbstdarstellung zu verwenden. Und, hat sie dann trotzdem nicht in den Schnee fahren, dann kommt
es das Profil geschärft? Nicht das (Kunst-)Kristall eben zu
wirklich. Wie in vielen ande- ihnen. Und zwar auf LKW-
ren ehrenwerten Versuchen, Ladeflächen. Tonne für Tonne
versickerte das erbettelte wird dann im Herbst an der
Geld in den falschen Kanälen. Rheinpromenade von Düssel-
Was wahrscheinlich auf ein dorf aufgeschüttet und zu
Beratungsproblem zurückzu- einer Loipe geformt, damit
führen ist. auch der Rheinländer nicht
vergisst, was Skilanglauf ist.
Wer heute von sich reden Die Aktion spart dem stress-
machen will als Sport im geplagten Sportfreund übri-
Kampf um Anerkennung und gens Zeit. Von der Kö bis zum
Sponsorengelder, der muss Ufer ist es - verglichen mit
mehr zustande bringen als einem Ausflug in den Bayeri-
gute Leistungen. Und so geht schen Wald - nur ein Katzen-
man nicht mehr zum guten sprung. Warum also nicht
alten Sportfest der Leichtath- mal erstklassiger Wintersport
letik, nicht mehr zum Kampf- zwischen Boutique-Besuch
abend der Boxer. Es werden und Mittagessen? Wenn es
zwar immer noch Schweiß- doch keine kalten Füße gibt.
tropfen vergossen, immer
noch Leberhaken ausgeteilt Heiße Ohren bekommt der
und eingesteckt, Wettbewer- Basketballfan inzwischen
be gewonnen und verloren. gratis. Die Wucht der musika-
Aber doch bitteschön in lischen Dröhnung in allen
einem edlen Umfeld. Dorf- Phasen, in denen der Ball

20
"tot" ist, belebt nicht gerade die Kommunikation mit dem Begleitet wird der Fast-Food-Sport vom Zwang zur Nähe. Was
Nachbarn in der Musikhalle. Man müsste sich anschreien. Oder rief Axel Teichmann bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaf-
über die heikle, wunderbare, aufregende, vielleicht spielent- ten in Oberstdorf während des Wettkampfes dem Reporter auf
scheidende Szene von eben diskutieren, wenn das Spiel wieder dem begleitenden Motorschlitten noch zu? "Hau ab!" Der
läuft. Nein, es geht halt nicht mehr ohne beschwingende nächste Kollege wird demnächst noch näher kommen. Denn
Akkorde. Hochspringen zu den Klängen eines Rapp, Dressurrei- die vielen kleinen Sportarten können oder wollen sich beim
ten mit Bach, Einkaufen mit berieselndem Gedudel - pardon, Kampf um einen Sendeplatz Distanz nicht mehr leisten. Und
jetzt sind wir doch glatt im Supermarkt gelandet. sie ändern dazu ihre Regeln mit zunehmender Häufigkeit,
selbst wenn sie keine Chance haben, zum Lieblingssport der
Spitzensportler halten die überlebensnotwendige Werbung in Massen aufzusteigen.
eigener Sache in der Regel zähneknirschend aus. Ob Skilang-
läufer deshalb aber zum Auftakt der Saison als Exoten auf der Ob Tischtennis oder Volleyball oder was auch immer, es darf
Rheinpromenade in die Vollen gehen, ist ein anderes Thema. nicht so lange dauern, muss sofort verständlich sein. Der
Hier geht's um die Show. Bei der Faustkampf-Gala weiß der moderne Fünfkampf ist mittlerweile schon an einem Tag zu
gerühmte Preisboxer ja auch schon vor der ersten Runde, dass haben. Die Nordischen Kombinierer werden schon mal kurz
die Fallobstnummer in der anderen Ecke zum gelungenen nach dem Springen in die Loipe gehetzt. Beim Schwimmen
Spektakel vor den Augen der Smoking-Gesellschaft dazuge- setzt man auf die Ausdehnung der Wettkämpfe über fünfzig
hört. Hauptsache, es geht schnell zur Sache: Draufhauen, Meter. Der Sport als Sprint mag seinen Reiz haben, solange er
umhauen, abhauen. Der Nächste bitte. Das ist der kurze Span- die Grenze respektiert. In der Deutschen Tourenwagen-Masters
nungsbogen des Sports der Zukunft. Für ein Null zu Null als (DTM) ist sie schon überschritten worden. Dort bekommt der
Ausdruck eines unentschiedenen Zweikampfes, einer takti- Sieger ein Zusatzgewicht ins Auto montiert. Damit beim
schen Meisterleistung auf hohem technischen Niveau ist kein nächsten Mal - zur Abwechslung - ein anderer gewinnt. Es
Platz mehr. Dazu fehlt es an Geduld, an der Bereitschaft, sich gibt Leute, die behaupten, die DTM sei ihrer Zeit vorausgefah-
hineinzudenken, angeblich an Zeit. ren. OF

21
Unterstützung im Grenzbereich der
I
m Zuge der Fusion zwischen Deutschem Sportbund (DSB) voraus empfanden, auf denen bei den Olympischen Winter-
und Nationalem Olympischem Komitee (NOK) rückt das spielen im folgenden Jahr in Lake Placid die Medaillen verge-
wissenschaftliche Begleitsystem des deutschen Spitzen- ben wurden.
sports mehr als bisher ins Blickfeld der Aufmerksamkeit. Eine
der Top-Adressen dabei ist das Institut für Angewandte Trai- Die riesige Testhalle nebenan strotzt vor präparierten Zonen
ningswissenschaft (IAT) in Leipzig. Dort sorgen 83 Mitarbeiter und Gerätschaften. Es gibt Reckstangen, einen Kugelstoßring,
mit ihren ständigen begleitenden Analysetätigkeiten dafür, einen Abwurfstelle für Speerwerfer oder Absprungvorrichtun-
dass deutsche Spitzen-Athleten möglichst optimal trainieren gen für Wasserspringer, die mit den verschiedensten Analyse-
können und bestens gerüstet sind für die großen internatio- geräten ausgestattet sind. Die meisten der Messplattformen
nalen Wettkämpfe, wie etwa sind unter dem Tartan ver-
die Olympischen Winterspiele borgen, so dass für Aktive
im Februar 2006 in Turin. Die und Trainer selbst winzigste
Experten arbeiten mitunter Details in den Bewegungsab-
bis zu 180 Tagen pro Jahr läufen sichtbar gemacht
direkt "am Athleten". Entwe- werden können.
der stationär am Institut
selbst oder mobil unterwegs Die stationäre Betreuung
und überall dort, wo sich die macht nur einen Teil der
Sportler aufhalten. Arbeit aus. Kamen früher die
Sportler meist zu den Tests
"So etwas finden sie nirgends nach Leipzig, ist es mittler-
auf der Welt. In dieser Kon- weile so, dass die IAT-Mitar-
stellation ist das einmalig", beiter weitaus mehr zu den
ruft IAT-Direktor Arndt Sportlern fahren. In Berlin
Pfützner fast begeistert aus existiert sogar eine eigene
und scheint mit beiden Außenstelle für die
Armen das Prunkstück des Eisschnellläufer. "Vor Ort sein,
Instituts - das Ergometrie - da, wo die Sportler trainieren
Zentrum- komplett umfassen und ihre Wettkämpfe bestrei-
zu wollen. Dort, wo bis zur ten, das ist in den letzten
politischen Wende der Jahren immer wichtiger
geheimste Raum mit dem riesengroßen Robotron-Rechner geworden", verrät der 56 Jahre alte promovierte Diplomsport-
gewesen ist, breitet sich heute ein gigantisches Ergometrie- lehrer Pfützner, der seit 2000 Chef des Hauses IAT ist. "Es ist
Zentrum aus. Hochmoderne Lauf- und Fahrrad-Messplätze fast unmöglich, alle Mitarbeiter zu einer Beratung zusammen
gibt es hier und ähnliche Stationen für Schwimmer, Triathle- zu bekommen. Oftmals sind deren Schreibtische verwaist und
ten, Kanuten oder Skilangläufer. Selbstverständlich können die Institutsfahrzeuge nur sehr selten in der Garage." Die
sämtliche Daten sofort auf die Rechner der Mitarbeiter in den beiden Kleinbusse und die 5 Pkw sind ständig unterwegs.
oberen Etagen übertragen, dort verarbeitet und ausgewertet Rund 60.000 Kilometer legen die hochgradig spezialisierten
werden. Mit Hilfe eines extralangen und breiten Speziallauf- Experten der einzelnen Sportarten wie in den Fachgruppen
bandes, das zudem höhenverstellbar ist, können ganze Stre- Ausdauer, Kraft, Technik oder Taktik pro Jahr mit jedem der
ckenprofile imitiert und Wettkämpfe gegen das eigene Ich Dienstwagen zurück. Zumeist im Hintergrund agierend,
ausgetragen werden. Der Prototyp dieses Wundergerätes gehören die Kollegen aus Leipzig zu den Nationalteams in
wurde schon 1979 gebaut, als die DDR-Forscher mit dieser momentan 16 olympischen Sportarten wie deren Trainer oder
technischen Hilfe zum Beispiel das Profil der Langlaufstrecken Physiotherapeuten.

Das Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT)


22
menschlichen Leistungsfähigkeit
"Diese intensive Zusammenarbeit ist einer der wichtigsten Raum, hier wird mit Athleten aus Fleisch und Blut gearbeitet",
Bausteine für den sportlichen Erfolg", weiß Biathlon-Rekord- betont Pfützner, um deutlich hervor zu heben, dass es bei der
weltmeister Frank Luck. "Wobei der Vorteil wechselseitig ist. Arbeit seiner Mannschaft letztendlich stets um den ganz
Die IAT-Leute kommen durch die ständige Beobachtung des praktischen und individuellen Nutzen für den Athleten geht.
Athleten zu wichtigen Erkenntnissen über Disziplinen und "Um unsere Möglichkeiten beneidet uns jedenfalls die ganze
Sportarten, und der einzelne Sportler profitiert von einer Welt", ist Pfützner sicher und freut sich, dass der Bund und
optimalen Trainingssteuerung und lernt dabei eine Menge das Land Sachsen den Wert des Standortes an der Pleiße zu
über sich selbst." Die Gestaltung des Trainingsaufbaus über die schätzen wissen und ihm nach Kräften unter die Arme gegrif-
Saison, die Dynamik der Belastungen oder die Optimierung fen haben. Vier Millionen Euro wird die Generalsanierung des
des Schießrhythmus - in allen Phasen hat Luck nach eigenem Hauses und der großen Testhalle bis zu ihrem Abschluss im
Bekunden die Hinweise der Leipziger geschätzt. Auch wenn er kommenden Jahr gekostet haben, 2 Millionen Euro davon
manchmal den Dialog der IAT-Kollegen mit den Trainern fürs kommen aus dem BMI. "Und vielleicht", hofft Pfützner,
nächste Training skeptisch beobachtet hat. Ihre Rolle als "bekommen wir 2006 für die Forschungsarbeit im Schwimmen
"Strippenzieher" war nämlich unübersehbar. noch einen neuen Strömungskanal. Wenn sich das Land an
den Kosten von 3 Millionen Euro beteiligen würde, schaffen
Die Kooperation mit den Biathleten ist beispielhaft und gestal- wir das auch noch."
tet sich besonders intensiv. "Je präziser die Vorgaben und die
Problemstellungen für uns, desto besser. Die Athleten bewe- Nach den Vorstellungen des Direktors sollte die Gründung
gen sich im Grenzbereich der menschlichen Leistungsfähigkeit, einer einheitlichen Dachorganisation für den deutschen Sport
da geht ohne wissenschaftliches Instrumentarium nichts als Chance begriffen werden, den wissenschaftlichen Verbund
mehr", weiß IAT-Mitarbeiter Jürgen Wick, der als Wissen- aus dem Institut zur Forschung und Entwicklung von Sportge-
schaftskoordinator in den Sportarten Biathlon und Skilanglauf räten (FES), der Trainerakademie (TA), dem IAT und den Trai-
die ideale Verbindung zwischen den Spezialisten in Leipzig ningswissenschaftlern an den 20 Olympiastützpunkten (OSP)
und den Akteuren in der Loipe und am Schießstand verkör- "besser miteinander zu verzahnen". Erste Gesprächsrunden
pert. Speziell für die Turin-Vorbereitung wurde ein neuer darüber hat es mit Vertretern von DSB und NOK schon gege-
Messplatz für die Biathleten entwickelt. Mit Hilfe der hochmo- ben. "Ich erwarte eine Strategie, wie wir unser wissenschaftli-
dernen mobilen Technik kann in den Zentren Altenberg, Ober- ches System grundlegend verbessern und nicht nur auf einer
hof und Ruhpolding bei den komplizierten Bewegungsabläu- niedrigen Stufe herumreformieren oder herumoptimieren",
fen im Schießen das kleinste Detail sichtbar gemacht werden. merkt der IAT-Chef an und hat bereits Vorschläge parat, wie
Professionelle prozessbegleitende Trainings- und Wettkampf- etwa sein Institut künftig enger mit den OSP-Kollegen koope-
forschung heißt das Zauberwort des Instituts, das 1992 auf rieren sollte. Die Messtechniker dort könnten das IAT mehr als
der Basis des Vertrages über die deutsche Einheit gegründet bisher mit Daten füttern und im Gegenzug von den IAT-
wurde. In Artikel 39 wurde diese sportwissenschaftliche Ein- Mitarbeitern regelmäßig weiter- und fortgebildet werden.
richtung ausdrücklich erwähnt, die heute vom Bundesministe- Dasselbe Angebot gelte für das Studium an der Trainerakade-
rium des Innern mit jährlich rund 4,6 Millionen Euro finanziert mie, wo eine Hospitanz der Diplomtrainer in spe in Leipzig
wird. demnächst zum Standard gehören sollte. Die zentrale sportpo-
litische Frage bei der besseren Bündelung der Kräfte wird sein,
Im IAT wird die weltweit anerkannte Spitzensportforschung wie die Führung der neuen Dachorganisation die Weichen
des damals mit 650 Mitarbeitern ausgestatteten DDR-For- über die künftige Aufgabenverteilung und Zuordnung der
schungsinstituts für Körperkultur und Sport (FKS) fortgeführt. wissenschaftlichen Einrichtungen stellen kann: Ob der wissen-
Deshalb wird im Instituts-Namen besonderer Wert auf das schaftliche Verbund gewissermaßen aus dem Sport heraus in
Wörtchen "angewandt" gelegt, um den Unterschied etwa zu Eigenregie kommandiert wird und wie es gelingt, die Sport-
sportwissenschaftlichen Grundlagenforschungen deutlich zu wissenschaft in die Sportpraxis zu integrieren. OF

machen. "Wir machen hier keine Laborversuche im luftleeren

ist eine weltweit einmalige Einrichtung Von Andreas Müller

23
Dem Nachwuchs ins Stammbuch:
Sportive Spaßkultur hat nichts mit ernsthafter sportlicher
Leistungsorientierung zu tun
Von Winfried Joch

K
inder sind eine bedeutsame gesellschaftliche Ressource nahezu konkurrenzlos und suggerieren eine Leistungsstärke,
hierzulande und ein teures Gut zugleich: einerseits die es in den Kernbereichen des Sports so gar nicht mehr gibt.
Mangelware - mit steigender Tendenz, andererseits mit
19 Milliarden Euro am privaten Konsum maßgeblich beteiligt - Andererseits konkurrieren eine ganze Reihe von Verbänden auf
Tendenz: ebenfalls steigend. Aber sie leisten damit einen internationaler Ebene mit Ländern, die das Problem der
wichtigen Beitrag zur Sicherung der Sozialsysteme und erre- menschlichen Ressourcenknappheit überhaupt nicht kennen:
gen insofern immer häufiger die wohlwollende Aufmerksam- am Nachwuchs, quantitativ und qualitativ, mangelt es vielen
keit der Politiker. Und sie kompensieren, wenigstens teilweise, von ihnen nicht. Sie können hier aus dem Vollen schöpfen.
die dramatischen Folgen einer langsam vergreisenden Bevöl- Und die Möglichkeit, über den Sport und die eigene sportliche
kerung. Insofern sind wir alle betroffen, wenn Deutschland - Leistung ans große Geld zu kommen, ist nur auf wenige
wie prognostiziert - bald ein "Land ohne Kinder" sein wird, wie Sportarten mit entsprechend telegenem Vordergrund und
neuerdings der Stern titelte. deshalb guten Vermarktungschancen beschränkt. So ist der
Import hochtalentierter Nachwuchsspieler aus Brasilien -
Auch im Sport bilden Kinder längst ein intensiv umworbenes schon im Kindesalter - im Fußball bereits gängige Praxis, um
Klientel: immer weniger verteilen sich auf ein immer größeres den fehlenden eigenen Nachwuchs zu ersetzen. Der globale
Sportangebot. Die quantitativ schier ausufernde Sportland- "Wettlauf um die Wunderkinder" - wie ein Magazin kürzlich
schaft bleibt in wichtigen Teilbereichen unterbesetzt. Das gilt schrieb - hat also längst eingesetzt und ist bereits in vollem
sicher nicht für die Volkssportart Fußball. Aber es gilt für eine Gange.
ganze Reihe anderer klassischer olympischer Disziplinen wie
Leichtathletik, Schwimmen u.a. Die Talentplaner dieser Ver- Außerdem werden gerade bei uns reichhaltige Angebote zur
bände, die bisher allein vor allem nach dem Grundsatz verfah- Ablenkung und für Lebenspraxen bereit gestellt, die mit sport-
ren sind, ein quantitativ breites Personenfundament sei lichen Ansprüchen wenig vereinbar sind und die diese "Wun-
zwangsläufig Voraussetzung für die zukünftige Leistungsspit- derkinder" nicht kennen oder gegen die sie mindestens eine
ze, sehen sich genötigt umzudenken. Wenn sich immer weni- Zeit lang resistent sind. Der Freizeitwert und die Lebensquali-
ger Kinder, die über Talent verfügen, für den schwierigen und tät werden hier, beim eigenen Klientel, an anderen als an
langen, oft reich mit Hindernissen gespickten und mit dauer- sportbezogenen Kriterien gemessen. Und was manche als
hafter Anstrengungsbereitschaft verbundenen Weg zur Spitze "Sport" bezeichnen, entspricht eher - wenn überhaupt - einer
entscheiden, müssen jetzt schon früh und konsequent Quali- sportiven Spaßkultur als ernsthaftem Streben nach sportlicher
tätsmaßstäbe gesetzt werden. Das aber bedeutet gleichzeitig, Leistung. Die Pädagogik der letzten Jahre (und Jahrzehnte) hat
dass auf den unteren Ebenen - regional und aus der Leis- daran ihren entsprechenden Anteil.
tungsperspektive - ein Ausdünnungsprozess bereits unüber-
sehbar eingesetzt hat, der eine planvolle Nachwuchsförderung Denn Teile dieser modernen Pädagogik haben sich vor allem
nachhaltig erschwert. Die nationale Leistungsstärke ruht in dadurch zu profilieren versucht, dass sie in erster Linie und vor
vielen Verbänden jetzt schon auf erkennbar schwachem allem die aktuellen, nicht die zukünftigen und langfristigen
Fundament: bei manchen gibt es sie nur noch im Jugend/ Kinder-Interessen im Visier hatten. Ihnen ging es um die
Juniorenbereich, bei anderen ist sie lediglich das Resultat von Befriedigung momentaner Bedürfnisse - oder darum, was sie
herausragenden Einzelkönnern, die sich aus dem "System" dafür hielten. Auch der Sport und sportliche Angebote sollten
nicht erklären lassen. Andere Sportarten sind international sich, wie der erste Kinder-Sportbericht, der im vergangenen

24
Jahr vorgelegt wurde, treffend formuliert, ausschließlich an native zu vielen Sportangeboten bilden, die heute so werbe-
dem orientieren, was sportlich breit gefächert, sportartüber- trächtig und aufwendig vielerorts plakatiert werden.
greifend und spielorientiert ist. Das neue Schlagwort: Interkul-
turell offene Bewegungsangebote. Aber bringt uns das auch Die Folgen dieser Verwöhn-Pädagogik sind nachhaltig: sie
nur einen Schritt weiter? Und welche Probleme löst das? Was führen zu einem zunehmend aggressiven Verhalten bei der
hier ganz augenscheinlich fehlt, ist eine sportliche Perspektive, Durchsetzung der eigenen Bedürfnisse, was nun sozusagen
die über die Unverbindlichkeit bloßer Bewegungsangebote pädagogisch legitimiert ist, und zur Verweigerung von Anfor-
hinausgeht. Auf der Strecke bleiben langfristige Zielsetzungen, derungen, die dieser momentanen Bedürfnislage nicht ent-
gründliche Vorbereitung auf spätere sportliche Leistungen und sprechen. Davon ist natürlich nicht nur der Sport betroffen,
systematische Kontinuität der Anforderungen - etwa im Sinne aber ihn trifft es in besonderer Weise: Überernährung und
progressiver Belastungsanpassung im
planvollen Training. Begleitet wurde und
wird diese neue Leitlinie, deren pädago-
gischer Impuls reduziert ist auf vorder-
gründige Reaktionen gegenüber schnell
wechselnden sportiven Bewegungsbe-
dürfnissen, von einer zunehmend gerin-
geren Anstrengungsbereitschaft der
Kinder (und Jugendlichen) sowie einer
hohen Präferenz der Spaßkomponente:
Lust und Laune bestimmen das, was die
sportliche Tagesordnung repräsentiert.

Ein Alt-68er, der Theaterintendant Claus


Peymann, hat die Versäumnisse und
Fehleinschätzungen dieser Pädagogik
treffend auf den Punkt gebracht: "Der
Begriff Leistung ist sicher ein großes
Problem dieser Generation. Hier haben
wir vor allem bei der Kindererziehung
schwere Fehler gemacht. Zu viele anti-
autoritäre Kindergärten und Schulen.
Wir haben keine Grenzen gesetzt .... Wir
haben zu wenig vermittelt, dass Erfolg
und Erfüllung etwas mit Ausdauer und
Disziplin zu tun haben ..., dass das Glück
eines Lebens auch damit zu tun hat,
inwieweit man sich durchsetzt, durch-
beißt ....Viele dieser Kinder wurden
Aussteiger, manche auch drogensüchtig.
Das müssen wir uns ankreiden ...".

Die pädagogische Schieflage, die


dadurch entstanden ist, hat der Erzie-
hungswissenschaftler Felix von Cube mit
dem Begriff "Verwöhnen" umschrieben.
Erziehung habe im Gegensatz zur blo-
ßen Verwöhn-Strategie immer auch
damit zu tun, Forderungen zu stellen,
nicht nur Bedürfnisse zu befriedigen.
Fordern statt Verwöhnen ist sein päda-
gogisches Anliegen. Und dies könnte -
oder besser: es sollte - eine sinnvolle,
auch eine pädagogisch relevante Alter-

25
frühe gesundheitliche Probleme, Leistungsdefizite und man- Etablierung sportlichen Gedankenguts und die daran gebun-
gelnde Leistungsbereitschaft, geringes Interesse an langfristi- denen Wertvorstellungen, ist eine Illusion. Dabei wäre es eine
gen Zielsetzungen und eine geringe Neigung, sich dauerhaft lohnende Aufgabe, die in langer Praxis vermittelten Inhalte
und zielgerichtet anzustrengen. und Zielsetzungen des öffentlich organisierten Sports für den
Schulsport nutzbar zu machen, sie pädagogisch zu legitimie-
Manche haben auf die Schule und den Schulsport gesetzt und ren und dann als dauerhaft verfügbares Repertoire sportlicher
ihre Hoffnungen, das Schlimmste könnte vermieden werden, Betätigung zu sichern, auch über die Schulzeit hinaus.
darauf gerichtet. Aber das war aus mindestens drei Gründen
eine Fehleinschätzung: Erstens kann die Schule gesellschaftli- Zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts war in der so
che Fehlentwicklungen nicht korrigieren. Sie ist von ihrem genannten Reformpädagogik davon die Rede, die Zeit zwi-
Selbstverständnis her nicht Reparaturwerkstatt und Korrektiv, schen 1900 und 2000 werde das "Jahrhundert der Kindheit".
dafür ist sie viel zu sehr selbst staatliche Institution, abhängig Man wollte den Kindern zu ihrem Recht verhelfen, ihnen ihre
von dem, was ihr von dort und von den gesellschaftlichen Kinderwelt erhalten und sie - als Kinder - zu eigenständigen
Normvorstellungen, dem Zeitgeist vorgegeben wird. Sie hat Persönlichkeiten erziehen, die sich gegen die Dominanz der
keine "eigene" Moral. Erwachsenenwelt sollten behaupten können und nicht als
"kleine Erwachsene" bloß an deren Normen und Wertvorstel-
Zweitens haben die Politik und der Elternwille den Lehrern das lungen gemessen werden. Was ist daraus geworden?
Interventionsrecht weitgehend entzogen, ihnen und damit der
Schule auf vielfältige Weise die Hände gebunden, ihre päda- Heute verhalten sich die Kinder, als wären sie Erwachsene. Sie
gogischen Ideen - sofern sie welche hatten und diese nicht partizipieren an deren Lebensstil und agieren wie selbstver-
bloßes Spiegelbild des Zeitgeistes waren - durchzusetzen und ständlich und immer früher auf dem Erwachsenenterrain. Es
zur Geltung zu bringen. Lehrer sind heute vor allem eingebun- gilt schon als Fortschritt, wenn - nach dem jüngsten Drogen-
den in ein rigides Handlungskorsett (von Vorschriften) mit und Suchtbericht der Bundesregierung - nur noch 250.000
ständig drohenden juristischen Sanktionen. Hinzu kommt eine Kinder und Jugendliche als alkoholabhängig registriert sind,
öffentliche Diffamierung - "faule Säcke" seien sie, wie ihnen nur noch 16 (statt bisher 28) Prozent der 12- bis 17-Jährigen
von hoher politischer Warte aus attestiert worden ist -, die mindestens einmal im Monat spirituosenhaltige Alkopops
den Schülern jeden Respekt und ihnen das nötige Selbstbe- konsumieren und die Raucherquote nach Erhöhung der
wusstsein genommen hat. Ihr pädagogischer Spielraum bleibt Tabaksteuer in der gleichen Altersgruppe von 28 auf 23 Pro-
beschränkt auf appellative Rhetorik und auf Anpassungsri- zent zurückgegangen ist. Alarmierend sei lediglich, dass bei
tuale. den 12- bis 15-Jährigen bereits 7 Prozent Cannabis-Erfahrun-
gen gemacht haben. Selbst Krankheitsbilder, die noch vor
Und drittens ist der Sportunterricht, wie die neueste Brett- einigen Jahren typische Erwachsenen-Erscheinungen waren -
schneider-Studie gezeigt hat, bestenfalls Mittelmaß. Das hat Diabetessymptome als Folge von Überfettung und Bewe-
sicher viele Ursachen. Aber eine ist auch, dass die Ausbildung gungsmangel -, kommen heute schon zunehmend im Kindes-
der Sportlehrer gerade in ihren Praxisteilen immer anspruchs- und frühen Jugendalter vor. Das Alter besitzt keinen Erklä-
loser und deren Bindung an den Vereinssport in den letzten rungswert - sagen die Wissenschaftler: Alles ist jederzeit
Jahren immer geringer geworden ist. In manchen Sportarten möglich. Es gibt keine geschlossene Kinderwelt, die sich gegen
verfügen viele nur noch über alltagsmotorische Kompetenzen. die Erwachsenenwelt abgrenzt, keinen kindlichen Schonraum.
Erfahrungen darüber, wie mit besonders Begabten und den Der Vorwurf, der vor einigen Jahren noch den "Kindern im
wenigen, die über das Mittelmaß hinausragen, im Sinne Hochleistungssport" gemacht wurde - Verlust an Kindheit, (zu)
systematischer Förderung umzugehen sei, werden in der frühe Einbindung in das Anforderungsprofil von Erwachsenen
Ausbildung kaum vermittelt. - gilt heute generell. Nur die Gerichte orientieren sich noch
beim Tatbestand der Strafunmündigkeit am kalendarischen
Von der Schule also und den (Sport)Lehrern ist an Gegenströ- Alter - und wirken damit nicht selten anachronistisch. Das
mung wider den aktuellen Trend nichts oder nur wenig zu alles hat natürlich seine Nebenwirkungen:
erwarten. Daran ändern auch die so genannten Schulen mit
sportlichem Schwerpunkt, die Eliteschulen für den Sport nur • Zwar sind immer noch mehr als zwei Drittel der Kinder (bis
wenig - schon quantitativ wenig; und ob sie im Sinne des 14 Jahre) sportlich organisiert und viele betätigen sich
Sports eine Trendwende einleiten können, ist mehr als frag- darüber hinaus im Sport. Die Kinder- und Jugendkultur
lich. wird von manchen sogar als "sportiv" bezeichnet, aber sie
ist in dieser sportiven Ausrichtung vor allem Spaß- und
Unter diesen Bedingungen zu fordern oder nur die vage Hopping-Kultur, in der die Kids den Kick suchen, das
Hoffnung zu nähren, diejenige Variante des Schulsports, die schnell wechselnde Erlebnis, nicht die ernsthafte, zielstre-
heute die gängige ist, könnte einen Beitrag leisten für die

26
bige Beschäftigung, die Kontinuität und Vorbereitung auf Spiegel, der ihr eine mehrseitige Präsentation widmete,
ein höheres Leistungsniveau. "Deutschlands größtes Ausdauertalent" -, die von ihren
Eltern mit großem Aufwand gemanagt werden und dafür
• Der Gesundheits- und Leistungszustand ist nicht nur sogar den Segen wissenschaftlicher Diagnostik und Bera-
unbefriedigend; er ist bei Teilen der Kinder und Jugendli- tung in Anspruch nehmen. Hier zeigt sich, dass das öffent-
chen dramatisch. Das messbare Leistungsniveau ist in den liche Wahrnehmungsbedürfnis nicht nur den Elternwillen
letzten zehn bis fünfzehn Jahren um durchschnittlich 15 dominiert.
Prozent gesunken, wie in großer Übereinstimmung die
meisten Studien ausweisen. Es liegt in der Natur der Sache: Die Mangelware "Kinder im
Sport" fördert neben resignativen Stimmungen offensichtlich
• Manche verbandliche Aktivitäten und Ressourcen konzen- auch die Konzentration auf spektakuläre Sonderfälle, wo doch
trieren sich bereits auf den Seniorensport. Dort gibt es Besinnung auf Abhilfe und gegebenenfalls neue Konzepte im
nicht nur hohe Zuwachsraten und steigendes Interesse, Vordergrund stehen sollten. Zu fragen bleibt unter solcher
sondern auch ein Leistungsniveau, das in vielen Disziplinen Voraussetzung, ob mit dem importierten Massenangebot aus
(z.B. der Leichtathletik) über demjenigen von Sportabzei- dem Fußballland Brasilien oder mit dem Eigengewächs aus der
chenanforderungen der 18-Jährigen liegt. Hamburger Provinz die "schlechten Prognosen" für den deut-
schen Leistungssport, die DSB-Vizepräsident Ulrich Feldhoff
• In der Talentfrage konzentriert sich manche öffentliche kürzlich angesagt hat, widerlegt werden können und eine
Diskussion auf exotische Frühleister - etwa im Falle der 11- angemessene Antwort auf die Mangelware "Kinder im Sport"
jährigen Jule Aßmann aus Hamburg und nach Aussage des darstellen. OF

27
Die DSB-SPRINT-Studie ist da oder
Wie es um den Schulsport in Deutschland steht
Von Detlef Kuhlmann

ach PISA, TIMSS und IGLU ist unser Bildungswesen Dabei ist die DSB-SPRINT-Studie im Grunde ganz anders als

N kürzlich um eine neue einprägsame Abkürzung …


und damit um eine weitere Studie reicher geworden:
SPRINT lautet das sportive Codewort für die erste nationale
etwa PISA konzipiert und insofern kaum damit zu vergleichen:
Abgesehen davon, dass es sich bei SPRINT um keinen interna-
tionalen Vergleich mit anschließendem Länder-Ranking han-
Erhebung zum "Sportunterricht in Deutschland", deren 290- delt, bei dem beispielsweise sportliches Alltagswissen, motori-
seitiger Untersuchungsbericht kürzlich in Berlin an die Präsi- sche Fertigkeiten und andere auf Bewegung und Sport bezo-
dentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Prof. Dr. Johanna gene Kern-Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern
Wanka, und an den Präsidenten des Deutschen Sportbundes getestet bzw. abgefragt und sodann in eine bestimmte Rang-
(DSB), Manfred von Richthofen, feierlich und öffentlichkeits- folge gebracht werden, ist die SPRINT-Studie eben nicht von
wirksam übergeben wurde. Der DSB hat als nomineller Auf- den zuständigen Kultusministerien in Auftrag gegeben bzw.
traggeber und als Motor und Moderator über eine rund zwölf- mitfinanziert worden, sondern kam lediglich auf eine eher
jährige Vorlaufzeit hinweg dieses ehrgeizige Vorhaben ange- ungewöhnliche Initiative des DSB zu Stande.
regt, kontinuierlich trotz vieler Rückschläge verfolgt und
schließlich doch auf den Weg gebracht. Und zwar deshalb, Wie muss man sich nun das SPRINT-Untersuchungsdesign
weil es kurzfristig gelang, im Verbund mit dem Nationalen konkret vorstellen? Dazu knapp soviel: In sieben ausgewählten
Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland "Spendengelder" Bundesländern (nämlich: Baden-Württemberg, Bayern, Ham-
von den deutschen Bewerberstädten für die Olympischen burg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und
Spiele 2012 einzusammeln. So konnte dieser repräsentative Schleswig-Holstein) wurden in den Jahrgangsstufen vier,
Forschungsauftrag an renommierte Sportwissenschaftler von sieben und neun aller Schultypen an 219 Schulen klassenwei-
insgesamt sechs Universitätsstandorten mit dem bekannten se genau 8.863 Schülerinnen und Schüler, 4.352 Eltern (-teile),
Paderborner Sportpädagogen Prof. Dr. Wolf-Dietrich Brett- 1.158 Sportlehrkräfte und 191 Schulleitungen schriftlich über
schneider als Koordinator an der Spitze vergeben werden. Umfang, Inhalt und Bedeutung - quasi über Aussehen und
Ausmaß, über Ansehen und Anklang - des Sportun-
terrichts bzw. des Schulsports umfassend befragt.
Darüber hinaus gab es eine gesonderte Analyse der
programmatischen Grundlagen für den Schulsport
durch einen Vergleich aller aktuell in den einzelnen
Bundesländern erstellten und derzeit gültigen
Lehrpläne und Richtlinien für das Unterrichtsfach
Sport. Es gab ferner eine eigenständige Befragung
von 4.000 Schulsportbeauftragten in allen 16
Bundesländern über die gegenwärtige Sportstät-
tensituation für den Schulsport, dazu eine ergän-
zende qualitative Analyse in sogenannten Einzel-
fallstudien zum Schulsport an weiteren 25 Schulen
sowie schließlich eine gezielte Auswertung der
Maßnahmen und Aktivitäten im außerunterrichtli-
chen Schulsport. Das ging bis hin zur Würdigung
von besonders vorbildlichen Modellen.

28
Alles in allem bietet die DSB-SPRINT-Studie einen reichhalti- nommen. Grund für mangelndes Selbstbewusstsein der
gen Fundus an Daten und Zahlen zur aktuellen Situation des Sportlehrer und Sportlehrerinnen ist folglich nicht gege-
Schulsports mit fundierter Aussagekraft für ganz Deutschland. ben.
Sie enthält sicher auch viel "verbalen Sprengstoff" - je nach-
dem, aus welchem Blickwinkel man die Ergebnisse betrachtet Soviel steht fest: Dank der DSB-SPRINT-Studie werden Debat-
und sich möglicherweise für einen "besseren" Schulsport stark ten um den Stellenwert des Schulsports in Deutschland sicher
machen will. Doch Voraussetzung dafür ist immer, sich weiter Konjunktur haben und hoffentlich nicht ohne Reso-
zunächst ein eigenes differenzierteres Urteil zu bilden. Dazu nanz und Konsequenzen bleiben. Sei es "vor Ort" an den
einige Zwischenfazits, wie sie von den beteiligten Wissen- Schulen, in den Fachkonferenzen und im Sportunterricht
schaftlern selbst formuliert wurden: selbst, sei es auf administrativer Ebene der Schulträger und
auf der ministeriellen Ebene in den einzelnen Bundesländern
1. Den Schülern und Schülerinnen des Sekundarbereichs oder sei es sogar demnächst wieder national bei der bereits
werden von den zumeist 3 vorgesehenen Stunden Sport- für den 12. und 13. Dezember 2005 in Karlsruhe angekündig-
unterricht - bei Variationen zwischen den Schulformen - ten KMK-Fachtagung "Perspektiven des Schulsports". Dort soll
durchschnittlich 2,2 Stunden erteilt. Das heißt im Klartext: unter anderem auch die im Dezember 2000 vom Präsidenten
jede 3. bzw. 4. vorgesehene Stunde Sportunterricht findet des DSB und dem damaligen Vorsitzenden der KMK gemein-
nicht statt. Betroffen sind in erster Linie Hauptschüler, also sam unterzeichnete Erklärung über "Die Bedeutung des Schul-
die Heranwachsenden, die auch beim Sporttreiben außer- sports für lebenslanges Sporttreiben" um weitere Aspekte
halb der Schule deutlich unterrepräsentiert sind. ergänzt bzw. in Richtung Ganztagsschule aktualisiert werden.
Dennoch sind Achtsamkeit und Bescheidenheit stets weiter
2. Wo qualifizierter Sportunterricht am nötigsten ist - in der geboten: Bei allem Rückenwind, den der Schulsport derzeit
Grundschule und in der Hauptschule - sind die wenigsten durch SPRINT nutzen kann, sollte der mögliche Gegenwind
Lehrer entsprechend ausgebildet. nicht gleich ignoriert werden, der bis in die jüngste Vergan-
genheit spürbar war.
3. Die Sportlehrerschaft ist überaltert. Bei den Sportlehrern
und -lehrerinnen gibt es weder einen Run auf den Sport- Es sei daran erinnert, dass es nur einige wenige Monate her
unterricht noch eine Flucht aus dem Fach. ist, seit der angesehene Berliner Erziehungswissenschaftler
Dieter Lenzen, zugleich amtierender Präsident der FU Berlin, in
4. Die Sportstätten und ihre Ausstattung stellen kein gravie- einer wissenschaftlichen Studie zusammen mit über 70 (aller-
rendes Problem dar. Die Grundversorgung ist gesichert. dings sportfremden!) Experten eine Studie für die Vereinigung
Gleichwohl könnte die Qualität des Sportunterrichts von der Bayerischen Wirtschaft zur Zukunft von Schule und Bil-
einer Verbesserung im Bereich der Sportstätten profitieren. dung erstellt hat und dabei so ganz nebenbei für die Abschaf-
fung des Unterrichtsfaches plädierte. Demnach sollen allen-
5. Sportunterricht in der Schule: Schüler mögen ihn, Schul- falls Tanz, Theater, Akrobatik und Fingerspiele den schulischen
leiter schätzen ihn, Eltern sind von seiner Bedeutung Bildungsprozess von Kindern und Jugendlichen zukünftig
überzeugt. noch begleiten. Die DSB-SPRINT-Studie kann jetzt den FU-
Präsidenten eines Besseren belehren. OF

6. Die Bewertung der Qualität des Sportunter-


richts bietet keinen Grund zum Feiern, aber
auch keinen Grund zum Klagen. Die Befunde
fordern zum Nachdenken über die Ausrichtung
des Sportunterrichts auf. Schüler wollen sich
anstrengen, ihre Leistungen gewürdigt sehen
und Neues lernen. In diesem Punkt sehen sich
mancherorts viele Schüler auf Diät gesetzt.

7. Die Schulleitung schätzt den außerunterrichtli-


chen Sport zur Außendarstellung. Die Beteili-
gung der Schüler und Schülerinnen an diesem
Teil des Schulsports ist gering. Das Engagement
der Sportlehrer und -lehrerinnen ist begrenzt.

8. Der Sportlehrer und die Sportlehrerin werden


als Personen und Sportexperten positiv wahrge-

29
Dicke Kinder als
"

P
appe satt" ist ein
einfühlsam
gestaltetes ein-
stündiges Kindermusical,

Gesellschaftsproblem:
das die direkt zusammen
hängenden Themen
Ernährungsverhalten,
Übergewicht und Bewe-
gungsmangel kindgerecht
erklärt. Die Kölner Produk-

Der Teufelskreis von falscher Ernährung


tion "Comic on" hat sich
in vierzehn Jahren als
präventives Tourneethea-

und zuwenig Bewegung


ter für Kinder- und
Jugendpädagogik mit
3.600 öffentlichen Auf-
tritten einen guten
Namen gemacht. Die
kleinen und großen Von Karl Hoffmann
Zuschauer werden
unkompliziert zur den-
noch sehr bewussten
Auseinandersetzung mit
dem eigenen Ess- und
Freizeitverhalten angeregt.
Die Handlungen auf der Bühne sind überaus dynamisch. Es Ob Muttersprache nach Maß oder künstliche Wortgebilde:
gibt viel Musik und jede Menge Spaß. alles dreht sich um den Nachwuchs und sein Übergewicht.
Denn jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche bringen
Spaß muss sein. Der Verein für Leibesübungen 1860 Marburg zu viel auf die Waage. Die Deutsche Gesellschaft für Ernäh-
hat mit der Einstellung einer Turnlehrerin sein Angebot um rung stellt heraus, dass die Klientel zwischen sechs und 16
"Bewegungsförderung für Kinder mit Übergewicht" erweitert Jahren im Durchschnitt zwei Stunden täglich vor der Matt-
und möchte, dass "Bewegung und Freude zu einem stabilen scheibe verbringt. Deshalb werden auch die Werbebotschaften
Begriffspaar" werden. Das ist auch die Zielsetzung für den zielgruppengenau vermittelt und prägen die Kaufwünsche
Fachschulsportverein 1950 Gotha und sein neu aufgelegtes der jungen Menschen. Die KidsVerbraucherAnalyse (KVA) 2003
Programm "Kinder mit mangelnden Bewegungserfahrungen". beziffert den Betrag auf 20 Milliarden Euro, der Mädchen und
Jungen in Deutschland im Alter von sechs bis 19 Jahren zur
"Übergewicht ist kein Schönheitsfehler", sagte Bayerns Verfügung steht.
Gesundheitsminister Werner Schnappauf, als er den Start-
schuss für ein auf zwei Jahre angelegtes Projekt in 75 Kinder- Verführerisch ist die Übersättigung durch die Medien schon.
gärten gab. Modellregionen sind Ingolstadt, Günzburg, Die Kumpanei von Botschaft und Begierde schließt sich zum
Schwandorf und Bamberg. Die Ludwig-Maximilian-Universität Teufelskreis von falscher Ernährung und zu wenig Bewegung.
München, das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsi- Die Erwachsenen übersehen die Tücken der Werbung oder
cherheit und das Staatsinstitut für Frühpädagogik haben die wollen sie nicht ernst nehmen. Zudem sind häufig dicke Väter,
Vorarbeiten geleistet. Ein frecher, beweglicher Stofftiger als rundliche Mütter und korpulente Großeltern gerade die
Leitfigur soll die sehr junge Zielgruppe anregen, begeistern schlechtesten Beispiele für unzureichende Bewegungszeiten
und zum Durchhalten animieren. "Tiger Kids" ist der fantasti- und übertriebenes Essverhalten.
sche Name für die Aktion.
Deshalb bietet Post Südstadt Karlsruhe ein Sport- und Ernäh-
"Fun4U" heißt es im Turnverein Niederschelden 1882. Der rungsprogramm für Kinder und Eltern an. "Durch dick und
Verein für Volkssport Spandau 1922, die Sportfreunde Kladow dünn" ist das Motto für den Kurs speziell und den gemeinsa-
und der Berliner Ruderclub Hevella sind drei von sechs Verei- men Lebenslauf im Allgemeinen. Kooperation besteht mit
nen, die im Berliner Stadtteil Spandau "Pfundige Kids in einer Arztpraxis für Kinder und Jugendliche sowie einem
Bewegung" bringen. Die Kindersportschule im Männerturnver- Ernährungsinstitut. In Ergänzung der regelmäßigen Turnstun-
ein Stuttgart 1843 nennt ihr Angebot "KINDER LEICHT". den für übergewichtige Kinder terminiert der Verein für Lei-

30
"Schwer mobil" heißt die
landesweite Initiative in
Nordrhein-Westfalen.
Gewichtige Partner sind der
Landessportbund, das Minis-
terium für Städtebau und
Wohnen, Kultur und Sport,
der Landesverband der
Betriebskrankenkassen (BKK)
und die Gmünder Ersatzkasse
(GEK). Sportvereine wie die
Märkische Turngemeinde
1881 Horst, Essen, oder der
Turnverein Lemgo erhalten
für ihre qualitativ überprüf-
ten hochwertigen Angebote
eine Anschubfinanzierung
von 1.000 Euro und das
Qualitätssiegel "SPORT PRO
REHA" des Deutschen Sport-
bundes.

Der DSB ist Mitglied in der


"Plattform für Ernährung e.
V.", die im Spätsommer 2004
besübungen Pinneberg Ernährungsberatungen für die ganze in Berlin gegründet wurde. Ingo Weiss, Vorsitzender der Deut-
Familie. schen Sportjugend (dsj), hat die DSB-Vertretung übernommen.
Viele gesellschaftlichen Gruppen wollen sich für einen gesun-
Die Sportvereine haben inzwischen mit den positiven Erfah- den und kindgerechten Lebensstil einsetzen. Immer mehr
rungen aus anderen gesellschaftlichen Maßnahmen den Wert Mitgliedsorganisationen des DSB nehmen sich dieser besonde-
von Zusammenarbeit erkannt. So können sie eigene und ren kinderfreundlichen und gesellschaftlichen Aufgabe an. Alle
fremde Kompetenzen vollständig nutzen, Kosten senken, die 16 Landessportbünde sind dabei, und der Deutsche Turner-
Mitarbeiter entlasten und Netzwerke mit anderen Organisatio- Bund flächendeckend sowieso. "Kinder bewegen" will auch die
nen bei übereinstimmender Interessenlage aufbauen. Immer Deutsche Olympische Gesellschaft und tritt den Erfolgsbeweis
öfter werden sie Meinungsführer bei der Entwicklung von mit zahlreichen Aktionen bundesweit an.
Ideen und Motoren bei der Umsetzung in praktisches Handeln.
Das gilt auch für das sportlich-soziale Aufgabenfeld einer Niemand darf dabei den Fehler machen, übergewichtige
Kinderbetreuung mit besonderen Anforderungen. Kinder als Außenseiter zu behandeln und sie mit diskriminie-
renden Attributen wie fett, faul und gefräßig ins Abseits zu
In Berlin sind es lokale Netzwerke, beispielsweise von Kranken- drängen. Im Sportverein gehören sie in die Mitte des Kluble-
häusern und Jugendgesundheitsdiensten, Ernährungsberatern bens. Durchlässigkeit, Mitnahme- und Aufnahmebereitschaft
und der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK). Der Allgemeine im vielfältigen Vereinssport spielen gerade hier eine ganz
Turn- und Sportverein Cuxhaven hat Kinderärzte gewinnen wichtige Rolle. Alle Mitglieder - mit und ohne Funktion - sind
können. Zusammen mit dem Kreisgesundheitsamt gestaltet verantwortlich dafür, damit das Angebot für "pfundige Kinder"
der Männerturnverein 1846 Ludwigsburg ein Abnehmpro- nicht zur Peinlichkeit verkommt.
gramm für stark übergewichtige "Big Girls" und "Big Boys": fit
werden durch Sport und Spiele, gesunde Ernährung lernen, Auch die Vereinigte Turnerschaft Kempen 1859 betreut diese
kochen und genießen können. Der Fußballclub Sportfreunde Gruppe in speziellen Kursen. Ein allgemeines Vereinsziel wird
Ostheim und der Turnverein Windecken rücken gemeinsam in der Vereinszeitung jedoch so beschrieben: "Grundsätzlich
den übergewichtigen Pfunden auf die Pelle. Die Gemeindever- vertritt der Vorstand die Auffassung, dass übergewichtige
waltung hat das Ihre getan und im Bürgerhaus Ostheim Kinder in normale Sportgruppen gehören."
zusätzliche Zeiten für "mollig und mobil" frei gemacht.
Solche Veröffentlichungen setzen positive Zeichen und schaf-
fen noch mehr Bewusstsein nach innen und außen. OF

31
Im Zentrum des Dilemmas kriminelle Jugend der Karibikinsel: "Schaut auf diesen Sohn
Jamaikas." Möge dieser Ruf der Sportministerin des Landes
bis zu sämtlichen Göttern des Sports und der Leichtathletik
enn die Leichtathletik mit ihrem Angebot von heutzu- vordringen, auf dass sie die schützende Hand über Powell
W tage leicht manipulierbaren Basisdaten aus der Athletik
des Menschen gleichsam die Circe, die Göttin der Verführung
und andere Flitzer halten. Wenigstens das. Denn die Fähigkeit,
den Erdensöhnen die Kraft zu verleihen, dem Verdacht
im internationalen Sport verkörpert, was ist dann ihr Hun- davonzurennen, besitzen selbst sie nicht.
dertmeterlauf? Das schlechte Gewissen dieser olympischen
Sportart? Schließlich war hier einst der Urknall einer Seuche Michael Gernandt
namens Doping zu vernehmen. Schlag nach bei Ben Johnson.
Der Sprint und seine Weltrekorde geben seitdem den ultima-
tiven Anstoß zu Nachdenklichkeit, einer sich immer stärker
durchsetzenden Übung des Sportkonsumenten.
Deutsche Sportbegeisterung
Es sind die Zeiten lange vorbei, da Demonstrationen mensch-
lichen Beschleunigungsvermögens vorbehaltlos gehuldigt,
Höchstleistungen von, sagen wir mal, Jesse Owens oder
Armin Hary Lorbeer bekränzt Denkmäler gesetzt wurden.
A ls ausgesprochen sportbegeistert erweist sich deutsches
Publikum auch in diesem Jahr - diverse Großveranstal-
tungen sind massenhaft besucht, eine angeblich griesgrämige
Gewiss, unter den Rekorden der olympischen Sportwelt nationale Konjunkturflaute konterkariert worden. Im Winter
nimmt die optimale Hundertmeterzeit noch immer eine feierte Oberstdorf bei den Nordischen Ski-Weltmeisterschaf-
Ausnahmestellung ein, es gibt in dieser Kategorie nach wie ten noch rasanter als 1987 ein grandioses Fest mit rund
vor nichts, was plausibler wäre. Es ist das Absolute, das den 360.000 ausgelassenen Besuchern an zwölf Tagen - das hatte
Reiz setzt: Der schnellste Mensch zu Lande sticht alle aus, wahrhaft norwegische Dimensionen.
den im Wasser, den an der Hantel und den auf dem Rad. Am
weitesten springen oder werfen, schön und gut, der Rausch, Im Mai setzte in Berlin das Internationale Deutsche Turnfest
den die Geschwindigkeit vermittelt, kann hier höchst selten sowohl in der Breite als auch der Spitze neue Maßstäbe, bei
mitgeliefert werden; Weitspringer Bob Beamon mit seinen Aktiven wie Zuschauern; die ganze Metropole geriet gleich-
8,90 Meter konnte es, Uwe Hohn auch, als er seinen Speer gesinnt in Bewegung. Mitten in der Hauptstadt feierte
über 100 Meter weit fliegen ließ. Derlei geschieht freilich nur danach das populäre Beachvolleyball mit einer spektakulären
alle dreißig Jahre einmal. WM vor ausverkauften Rängen fröhliche Urständ.

Die simple Natur des Schnelllaufs, seine herausragende Positi- An kleineren Standorten probten FIFA und DFB mit einem
on indes zeitigen Folgen. Je schneller es vorangeht, desto recht gelungenen Confederations-Cup für die Fußball-WM
sensibler wird die Betrachtungsweise, wird das Erinnerungs- 2006: Dabei konnte das beste Zeugnis, "sehr gut", dem deut-
vermögen geschärft. Haben nicht die vergangenen zwei schen Publikum ausgestellt werden, während anderes noch
Jahrzehnte unwiderlegbar Zeugnis davon abgelegt, dass nur Raum für Verbesserungen gibt. Die Prognose von rund
künstlicher Antrieb Mann und Frau Beine machen kann, die 400.000 Besuchern für 16 Spiele wurde mit 575.000 ebenso
sie ans Rekordziel bringen? Wenn dem so ist, darf daraus nun fußballbegeisterten wie gastfreundlichen Menschen in Frank-
gleich das Recht abgeleitet werden, alle Rekorde unter Gene- furt, Hannover, Köln, Leipzig und Nürnberg weit übertroffen.
ralverdacht zu stellen - ohne die Frage wissenschaftlich Für die WM liegt die Karten-Nachfrage hier etwa zehnmal
geklärt zu haben, wie weit die unverbildete Natur des Sprints höher als das effektive Angebot. Können die vielen Wünsche,
eigentlich reicht? Geht 9,8 wirklich nicht ohne, waren 10,0 beim größten Sportereignis der Welt neben Olympia dabei zu
vor 45 Jahren schon das Ende der Fahnenstange im unbeein- sein, nicht erfüllt werden, so melden die Bundesligavereine
flussten Hundertmeterlauf? Derart Schluss zu folgern führt Rekorde im Verkauf von Dauerkarten: da steht eine spezielle
direkt ins Zentrum des Dilemmas unserer Tage, vorbei an Saison 2005/06 an.
Zwiespalt, Zweifel, Zaudern, mitten hinein in die Glaubwür-
digkeitskrise des Spitzensports anno 2005. Der Deutschen enormes Sportinteresse - aktiv wie passiv - ist
längst weit gefächert. Einmal ist Frankfurt und Umgebung
Im Juni gelang dem grundsoliden Jamaikaner Asafa Powell, fest im Griff der Radsportfreunde, dann der Triathleten,
einem angehenden Sportmediziner, mit 9,77 Sekunden die Hunderttausende säumten die Straßen in/um Karlsruhe bei
16. Rekordverbesserung seit 1912. Bekommen hat er dafür: der grenzüberschreitenden Tour de France, tags darauf im
eine Mixtur aus Halleluja und Argwohn der Weltpresse sowie Schwarzwald: ein kontinuierlicher Boom einer Sportart. Die
den Ausbund an Fensterreden der heimischen Politikerelite. Er World-Games in Duisburg zählten bei Kultur, Spiel und Sport
sei nun das rechtschaffende Vorbild für die zunehmend rund eine halbe Million Zuschauer, weit mehr als je zuvor.

32 OF-KOMMENTAR
Deutsche sind mit wachsender Begeisterung dabei, wenn IOC-Präsidenten Samaranch zu verdanken. In dieser Rückkehr
für's Geld besonders Gutes geboten wird. zur Gemeinsamkeit spiegelte sich aber auch der Wille der
Völkergemeinschaft, die Gräben zu überwinden. Das Ende des
Michael Burau Kalten Krieges hat das Thema Boykott zum Glück vorerst
einmal beendet.

Sicherlich lassen sich Olympiaboykotts begründen, so wie das

Bittere Erinnerungen Fernbleiben einiger Länder von den Olympischen Spielen in


Melbourne 1956 als Reflex auf das Niederschlagen des unga-
rischen Aufstands. In anderen Fällen ist es dagegen verwun-

J ahrestage können schöne, aber auch weniger schöne


Erinnerungen beleben. 25 Jahre nach den Olympischen
Spielen von Moskau sind alte Wunden wieder aufgerissen.
derlich, wie rasch zur olympischen Tagesordnung übergegan-
gen wurde, zum Beispiel 1968 in Mexiko, einige Monate nach
dem Einmarsch sozialistischer "Bruderländer" in die Tschecho-
Athleten von einst, die von dem Olympiaboykott betroffen slowakei und wenige Tage, nachdem in der Olympiastadt
waren, trauern noch immer ihren verpassten Chancen und einige hundert rebellierende Studenten erschossen wurden.
dem versäumten Erlebnis nach. Heute stellt sich der Beschluss Der Auszug der meisten afrikanischen Mannschaften aus den
des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) für Deutschland, Spielen von Montreal 1976 zeigt, dass sich immer wieder
keine Olympiamannschaft in die sowjetische Hauptstadt zu Gründe für einen Boykott finden lassen. Damals mussten
entsenden, als fataler Irrtum dar. Denn entgegen den Bekun- Sportbegegnungen zwischen Neuseeland mit dem Apartheid-
dungen der Bundesregierung blieben von den westlich orien- staat Südafrika als Anlass herhalten. Und das im Rugby, einer
tierten Europäern außer den Westdeutschen allein die Nor- Sportart, die nicht einmal auf dem olympischen Programm
weger den Spielen fern. Franzosen, Italiener, Spanier und stand. Ein Boykott gegen die Olympischen Spiele von Berlin
Briten setzten sich zum Teil über die massiven Empfehlungen 1936 wäre im Nachhinein, allerdings mit der Kenntnis der
der Politik hinweg und begnügten sich damit, bei der Eröff- späteren Untaten des Nazi-Regimes, zu begründen gewesen.
nungsfeier Gesten des Protestes zu setzen. Zudem wurde in So waren die Spiele, die für sich gesehen der Olympischen
der Kultur und der Wirtschaft der Umgang mit den Sowjets Bewegung einen gestalterischen Schub gegeben haben,
weiter gepflegt, als wäre nichts geschehen. Weltweit standen zugleich propagandistisches Blendwerk, das die Welt über
die Westdeutschen, die der Bundespräsident, der Kanzler und Hitlers Ziele hinwegzutäuschen half.
das Parlament massiv unter Druck gesetzt hatten, aber nicht
allein. Vielmehr folgten 42 Staaten, dabei so bedeutende Der olympische Sport kann sich nicht ohne weiteres über
Länder wie China, Japan, Kanada und die USA, Jimmy Carters moralische Vorbehalte hinwegsetzen. Doch lässt sich Olym-
Boykottaufruf. 2.000 Wettkämpfer fehlten in Moskau, das piaboykotts nur in seltenen Ausnahmen angesichts der
Rumpfspiele zum Teil mit bizarren Zügen, aber letztlich doch Schwere menschlicher Verfehlungen das Wort reden. Der
Olympische Spiele erlebte. Sport im Zeichen der fünf Ringe ist gut damit gefahren, im
Zweifelsfall den Faden über politische und religiöse Abgründe
In der Rückschau wird leicht vergessen, wie groß die Aufwal- hinweg weiterzuspinnen.
lung wegen des sowjetischen Überfalls auf Afghanistan war.
Und sicherlich wäre es auch für die bundesdeutschen Sportler Steffen Haffner
nicht möglich gewesen, leichten Herzens nach Moskau zu
gehen. Denn eine Teilnahme bedeutete, sich wenige Monate
nach dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan vor den
propagandistischen Karren eines pervertierten "Friedensfes-
tes" spannen zu lassen. Ein Fernbleiben wiederum hatte nur Fairness-Farce
begrenzte Wirkung. Letztlich war der Preis, den allein die
Sportler zu entrichten hatten, ohne selbst über Teilnahme
oder Nichtteilnahme abstimmen zu können, zu hoch. Carters
Strafaktion zog dann folgerichtig den Boykott des sozialisti-
R eißen, Treten, Schubsen, Spucken - Fußballalltag weitab
von Fair Play. Und dann wird auch noch das Publikum als
zwölfter Mann auf dem Platz gefeiert. Aber - muss es denn
schen Lagers vier Jahre später gegen die Spiele von Los sein, dass etwa Rückgaben zum eigenen Torhüter beklatscht,
Angeles nach sich. Und wieder mussten Athleten die Zeche beim Gegner jedoch ausgebuht werden? Natürlich darf man
zahlen. Partei ergreifen, zu den eigenen Teams halten. Das gilt auch
für Kommentatoren. Doch das hört auf, wenn höchst frag-
Dass in Seoul 1988 ausgerechnet an einem politischen würdige Einsätze als "Weltklasse-Leistung" des eigenen Spiel-
Brennpunkt die olympische Welt wieder vereint wurde, war führers gefeiert, bei anderen Mannschaften aber zu recht als
nicht zuletzt dem diplomatischen Geschick des damaligen grobe Regelverstöße eingestuft werden. Was erzählt man da

OF-KOMMENTAR 33
den Kindern, die selbst kicken und mit denen man vor der
Flimmerkiste sitzt, zum Thema Fairness? Ein Jahrhundert-Lichtblick?
Na, so würden die Experten nun wohl antworten, das gehört
zum modernen Fußball, wie Werbeverträge oder blöde, neue
Abseitsregeln, wo selbst Fachleute manchmal nicht mehr
D ie Forderung nach der täglichen Sportstunde im Schul-
unterricht ist nicht neu. Der Gipfel der Erkenntnis wurde
von fortschrittlichen Pädagogen mit guten Argumenten
durchblicken. Dabei begeistert das Spiel, so dachte der schon vor über 100 Jahren erklommen, und das Anliegen
bewundernde Laie bisher immer, doch gerade wegen des bekommt jetzt sogar aktuellen Auftrieb. Dazwischen liegt ein
fairen Zweikampfs um den Ball und des eleganten und takti- Jammertal ungewöhnlicher Ausdehnung. In Jahren und
schen Zusammenspiels. Umhauen, in die Hacken und auf die Jahrzehnten gelangte man von einem Tiefpunkt zum nächs-
Füße treten, Würgegriffe und Ellenbogenrempler gegen Nase ten - immer in der Hoffnung und Erwartung, dass es noch
und Jochbein werden aber offensichtlich mehr und mehr - tiefer nun wirklich nicht mehr gehe.
zumindest von vermeintlichen Kennern - verharmlost. Zum
Glück gibt's ja noch die Schiedsrichter. Den zuletzt viel Die Dramatik der Situation erhielt durch Appelle, Grundsatz-
Gescholtenen muss man für Unnachgiebigkeit in Zukunft erklärungen und politische Sachstandsberichte regelmäßig
öfter mal wieder den Teppich ausrollen. den Anstrich des Undramatischen. Motto: Man kennt die
Probleme, benennt die Schwachstellen, und die Fachleute
Bianka Schreiber-Rietig werden auf höhere politische Weisung schon Abhilfe schaf-
fen. Der organisierte Sport hat sich an diesem Dauerprozess
zur Verbesserung der Lage schon immer konstruktiv beteiligt.
Nicht zuletzt mit der Erfahrung, ein ums andere Mal wieder
beim Punkt Null beginnen zu müssen. Zwei Schritte vor und
drei zurück, bei Bedarf gelegentlich auch umgekehrt, das
bedeutet letztlich: Treten auf der Stelle.

Die Schulsport-Problematik also ein Phänomen der Unlösbar-


keit? Zweifellos erscheint es so. Und trotzdem macht sich mal
wieder Hoffnung breit. Bei der Vorstellung des Endberichts
der sogenannten "Sprint-Studie", die der Deutsche Sportbund
in Auftrag gegeben hatte, bekamen viele der beklagenswerten
Zustände zum ersten Mal umfassende wissenschaftliche
Bestätigung. Stundenausfälle, Mängel in der Lehrer-Qualifika-
tion, unbefriedigende Sportstätten-Situation, mangelnde
Angebotsvielfalt, unzureichende Unterrichts-Qualität, verbes-
serungswürdige Kooperationen - so heißen einige Knack-
punkte im Zeugnis für den Schulsport. Dagegen stehen aber
auch Positiv-Aspekte wie Schüler-Begeisterung, Wertschät-
zung durch die Lehrer und Aufgeschlossenheit der Eltern.

Schlägt man nun den Bogen zur Pisa-Studie und berücksich-


tigt, dass Geistes- und Körperbildung einander bedingen,
scheint die Sohle des Jammertals überwunden. Und dann gibt
es, um die föderalen Niederungen endgültig zu verlassen,
neben der generellen Zuständigkeit der Länder die Bundesini-
tiativen von der Plattform Ernährung und Bewegung bis zur
Gesundheitserziehung in Kindergärten und Schulen. Das alles
flankiert von Jahren des Sports in Europa und weltweit.
Insgesamt ein geradezu ansteckender Aktionismus in berech-
tigter Sorge um die kindliche Entwicklung. Soviel Einsicht war
jedenfalls selten. Jetzt müsste aus Kompetenz-Wirrwarr nur
noch vernünftige Koordination werden. Dann könnte es sogar
der Schulsport schaffen. Nach 100 Jahren.

Harald Pieper

34 OF-KOMMENTAR
Die Faszination des Sommers oder
Wenn ganz Europa gelb sieht
Von Manfred Lehnen

in Deutscher äußerte sich zum dreiwöchigen National- Ullrich hatte Pech, dass er in die Ära von Lance Armstrong

E feiertag der Franzosen, der Tour de France. Er äußerte


sich halb patriotisch, halb europäisch: "Ich weiß gar
nicht, warum die Tour noch in Frankreich stattfindet", sagte
geraten ist. Als er vor acht Jahren gewann, galt er eigentlich
als Seriensieger für die folgenden Jahre. Er wurde insgesamt
fünf Mal Zweiter, er wurde letztes Jahr Vierter, im Jahr 2005
der Gerolsteiner-Manager Hans Michael Holczer. Er spielte Dritter. Ist er der Nachfolger von Raymond Poulidor? Der
dabei auf die Begeisterung der Frankreich-Radrundfahrt an, Franzose steht für den Begriff "ewiger Zweiter". Und die zwei
wenn sie durch Deutschland führt. Er sprach den Enthusias- steht in diesem Fall für den ewigen Verlierer, also auch für die
mus dieses Jahr in Pforzheim und Karlsruhe an, in Saarbrü- Dritten und Vierten .... Poulidor wurde Zweiter 1964, 1965 und
cken und Freiburg, in Köln und Berlin. Die Tour de France ist 1974 und wurde fünf Mal Dritter. Er nahm es gelassen: " Auf
längst eine europäische Tour geworden, mit Start in Luxem- jeden Fall bin ich überzeugt, dass man heute nicht mehr von
burg, mit Etappenzielen in Holland und Belgien, in Frankreich mir sprechen würde, wenn ich einmal gewonnen hätte." Er
und Italien. Holczer, der mit dem Österreicher Georg Tot- musste an seinen Landsmann Jacques Anquetil denken. Der
schnigg sogar den Sieger eine Bergetappe stellte, registrierte hat als Erster die Tour fünf Mal gewonnen. Ihm folgten Eddy
mit Stolz die Gratulation durch Tour-Direktor Jean-Marie Merckx, Bernard Hinault, Miguel Indurain. Und schließlich der
Leblanc. Er fühlte sich damit aufgenommen in den Klub der Amerikaner Lance Armstrong, der Überflieger.
Tour-Größen, den Größen einer Rundfahrt, die bisher nur ein
einziges Mal von einem Deutschen gewonnen wurde. Es Warum wird einer so oft Zweiter? Die Erklärung für dieses
gelang Jan Ullrich 1997. Phänomen geht bis in die Psychiatrie. Es heißt dann, der
"ewige Zweite" mache einfach alles, um
auf die Verliererstraße zu kommen.
Natürlich nur im Unterbewusstsein.
Poulidor legt das philosophisch aus:
"Vielleicht haben die Franzosen mittel-
mäßige, aber sympathische Sportler am
liebsten." Ist das die Erklärung dafür,
dass Ullrich in Frankreich so populär ist?
Der französische Botschafter Claude
Martin äußerte sich dazu: "Die Franzo-
sen lieben den Herausforderer, der mit
Mut dem ewigen Sieger entgegentritt."
Dieser ewige Sieger heißt Lance Arm-
strong, der die Tour zum siebten Mal
gewann. Für ihn sind fast alle Superlati-
ve verbraucht. Er besiegte den Krebs und
entwickelte den Siegeswillen, der seine
Gegner resignieren lässt. Er hat mindes-
tens 20 Etappensiege zu verzeichnen. Er
war Gewinner vieler Zeitfahren, siegte
bei Bergankünften.

36
In seiner Autobiographie er schildert den Extremismus der berühmtesten Radrundfahrt
erklärte er den Sinn des der Welt: Wenn ganz Europa gelb sieht.
Radsports: "Es ist die Meta-
pher des Lebens. Er stellt die Was ist die Tour de France? Die Fans am Straßenrand haben es
Fahrer vor jede nur denkbare einfach formuliert. Sie haben den alten Fußballer-Gruß "Hipp,
Herausforderung: Kälte, Hitze, hipp, hurra" umgewandelt in "Hipp, hipp, Toura". Und dann
Berge, Ebenen, Straßenrillen, haben sie für einen alten Schlager noch einen alten Kalauer
platte Reifen, Sturmböen, angewandt: "Veronika, der Lance ist da". Der Lenz der Rad-
riesiges Pech, unglaubliche rennfahrer findet im Hochsommer statt. Zum letzten Mal fand
Schönheit, gähnende Sinnlo- er mit Lance Armstrong statt. OF

sigkeit, und vor allem ist es


eine großartige Technik, sich Manfred Lehnen, der Autor dieses Beitrages, langjähriger
selbst in Frage zu stellen." Bei geschätzter Mitarbeiter der Zeitschrift "Olympisches Feuer", ist
alledem hat man vergessen, im Alter von 69 Jahren in Saarbrücken verstorben.
dass Armstrong bei zehn Teilnahmen auch dreimal aufge-
geben hat. Die Tour-Sprache geht auch in die Alltagsspra-
che ein. Die Fahrer haben "gute Beine", sie fahren "am
Anschlag", sie haben "keine Körner mehr". Selbst im
berühmten "Streiflicht" der "Süddeutschen Zeitung" wurde
dem "Hungerast" eine Glosse gewidmet, der Unterzucke-
rung durch mangelhafte Ernährung.

Die Tour de France ist die Tour der Leiden und die Tour des
Durstes. Die Wasserträger bekommen eine wichtige Aufga-
be. Ein historisches Foto zeigt einen Rennfahrer am Tour-
malet, wie er den ewig gefrorenen Schnee abkratzt, um
damit seinen Durst zu löschen. Wie faszinierend die Tour
ist, zeigte auch ein Kinofilm, den der Regisseur Pepe Dan-
quart im Jubiläumsjahr 2003 drehte. Er nannte den Strei-
fen "Höllentour". Er zeigt die Rundfahrt aus der Vogel- und
Froschperspektive. Er zeigt die Schwerarbeit eines Masseurs,
der gleichzeitig Psychologe ist. Er zeigt die Tour hinter den
Kulissen. Ein französischer Priester predigt in einer Kirche.
Er vergleicht die Leiden der Fahrer mit den Leiden christli-
cher Vorbilder.

Auch in der Realität wechseln sich Helden und Pechvögel


ab. Der Amerikaner David Zabrieskie und Jens Voigt aus
Mecklenburg fuhren kurz im Gelben Trikot und mussten
dann ausscheiden. Auch Jan Ullrich wäre beinahe ausge-
schieden, bevor das Rennen begonnen hatte - durch einen
Trainingssturz. Er hatte trotzdem keine Chance zum Gewin-
nen, vielleicht, weil ihn keiner antreiben konnte wie einst
Udo Bölts, der ihm bei einem Schwächeanfall am Ballon d'
Alsace den Satz entgegenschleuderte: "Quäl dich, du Sau."
Sicherlich einer der originellsten Sätze, die je bei der Frank-
reich-Rundfahrt registriert wurden.

Die Tour hat auch ihre Schattenseiten. Der Niederländer


Peter Winnen hat sie beschrieben in dem Briefroman "Post
aus Alpe d' Huez". Er hatte 1981 die Bergetappe in diesem
Ort gewonnen. Und er war dadurch zum Nationalhelden
geworden. Er behielt dennoch seinen kritischen Verstand,

37
D
er Olympic Day Run 2005 stand unter besonderen Großbritannien, Griechenland, Portugal, Schweiz, Uruguay und
Vorzeichen. Im Internationalen Jahr des Sports und Venezuela) gefeiert.
der Leibeserziehung hatten UNO-Generalsekretär Kofi
Annan und IOC-Präsident Jacques Rogge gemeinsam aufgeru- Die einstigen Ziele haben in den letzten 19 Jahren nicht an
fen, mit dem Laufevent die Bedeutung des Sports für die Aktualität verloren. Der Olympic Day Run bewegt weltweit
internationale Entwicklung, für internationale Zusammenar- Menschen, die unabhängig von Herkunft, Religion, Alter oder
beit sowie für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Geschlecht zusammenkommen, um Sport zu treiben. Beim
Menschen herauszustellen. gemeinsamen Lauf wird ihnen bewusst, dass sie Teil einer
weltumspannenden und völkerverbindenden Bewegung sind.
Bereits seit 1987 richten die Nationalen Olympischen Komi- Nicht Zeiten und Platzierungen, sondern einzig die Teilnahme
tees jedes Jahr den Olympic Day Run aus, um zum einen an zählt beim vor Ort vom jeweiligen Nationalen Olympischen
die Gründung des Internationalen Olympischen Komitees zu Komitee organisierten Ereignis. Ebenso sind der 23. Juni sowie
erinnern und zum anderen die olympische Werte wie Toleranz, die Wochenenden davor und danach als Veranstaltungstage
Fair Play und Gleichberechtigung zu propagieren. In diesem erhalten geblieben.

Die Olympische Idee


läuft um die Welt
Von Kerstin Rehhahn

Jahr nun haben die Vereinten Nationen und das Internationale Verändert hat sich unterdessen das Gesicht des Olympic Day
Olympische Komitee (IOC) ihre gemeinsamen Ziele, mittels Runs. Viele Nationen haben die ursprünglich reinen Laufveran-
Sport Selbstachtung und Gemeinschaftssinn zu stärken sowie staltungen zu großen landesweiten Festlichkeiten weiterent-
Brücken zur Überwindung ethnischer und räumlicher Grenzen wickelt. Der traditionelle 10 km-Lauf ist abgewandelt worden,
zu bauen, noch stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. um mehr Teilnehmer anzuziehen. Die Strecken variieren heute
von 100 m bis zu Marathon-Veranstaltungen. Nicht mehr nur
Der Plan der "Sport für Alle"-Kommission, die verbindende laufend, sondern auch auf Inline-Skates, im Nordic-Walking-
Kraft des Sports und der Olympischen Bewegung alljährlich Stil, mit dem Fahrrad, manchmal sogar schwimmend bewälti-
weltweit mit dem Olympic Day Run zu feiern, wurde erstmals gen die Hobbyathleten die Distanzen. Einige Länder haben den
1987 mit 45 teilnehmenden Nationen realisiert. Dem IOC- Lauf in den Lehrplan der Schulen integriert. Vielerorts findet
Gremium war es damit gelungen, einer Idee, die 39 Jahre der Olympic Day Run im Rahmen großer Sportveranstaltun-
zuvor auf der 42. IOC-Session in St. Moritz ihren Ursprung gen oder kultureller Ausstellungen statt.
hatte, neues Leben einzuhauchen. Damals hatte die Vollver-
sammlung beschlossen, den 23. Juni als Olympic Day festzule- Gemessen an den Teilnehmerzahlen hat der Olympic Day Run
gen, angelehnt an den Gründungstag des IOC am 23. Juni mittlerweile wahrlich olympische Dimensionen erreicht. Im
1894 in Paris. Noch im gleichen Jahr, am 23. Juni 1948, wurde Olympiajahr 2004 beteiligten sich insgesamt 1,3 Millionen
der Olympic Day in neun Ländern (Österreich, Belgien, Kanada, Menschen von 161 teilnehmenden Nationalen Olympischen

38
Komitees. Ein Erfolg, den das IOC auch dem Sponsor Mc Erfolgreiche Olympioniken bewegten die Teilnehmerinnen und
Donald's zuschreibt. Das Unternehmen ist seit 2003 weltweiter Teilnehmer zum Abschluss der Olympic-Day-Run-Serie am 25.
Förderer des Olympic Day Runs und unterstützt darüber Juni in Bobenheim-Roxheim und Leipzig. Während sich
hinaus mit seinen Partnern vor Ort die nationalen Events. Leichtathletik-Olympiasiegerin Ingrid Mickler-Becker und
Ruder-Olympiasieger Alois Bierl in Bobenheim-Roxheim in die
Von Anfang an dabei war Deutschland. Hier zu Lande hat das Teilnehmerschar einreihten, gab Annett Böhm, Judo-Bronze-
Nationale Olympische Komitee (NOK) die Organisation des medaillengewinnerin von Athen, in Leipzig den Startschuss.
Olympic Day Runs an die Deutsche Olympische Gesellschaft Bahnrad-Olympiasieger Jens Lehmann war im Regenbogentri-
(DOG) übertragen. Nachdem zunächst jeweils ein zentraler kot und mit Trainingsmaschine in den Leipziger Stadtpark
Veranstaltungsort gewählt wurde, haben sich NOK und DOG in gekommen, um die Hobbysportler bei Tropenhitze zu motivie-
den letzten Jahren immer wieder für mehrere Städte entschie- ren.
den, um möglichst vielen Menschen die aktive Anteilnahme zu
ermöglichen. So auch in diesem Jahr. Die fünf veranstaltenden International erstreckte sich die Bandbreite des Olympic Day
Zweigstellen der DOG und ihre Partner zogen in Tauber- Runs 2005 von Usbekistan, das den Event mit einem Staffel-

bischofsheim, Kiel, Zittau, Bobenheim-Roxheim und Leipzig lauf von über 40.000 Läufern feierte, über Ekuador, das eine
insgesamt 3.500 Olympiabegeisterte an. ganze olympische Woche veranstaltete, und die Olympiakan-
didatenstädte für 2012, die u.a. mit ihren Spitzenathleten vor
Die größte Veranstaltung fand am 22. Juni in Kiel statt. Die Ort für Olympische Spiele im eigenen Land warben, bis hin
DOG Kiel und die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt nach Singapur, wo IOC-Präsident Jacques Rogge höchstper-
konnten knapp 2.000 Schülerinnen und Schüler zum 10 km- sönlich den Startschuss gab.
Lauf für die Olympische Idee mobilisieren.
Bereits zum Auftakt des UNO-Jahres 2005 war Generalsekretär
Tauberbischofsheim und Zittau betteten ihre Olympic Day Kofi Annan überzeugt: "Sport ist eine universale Sprache, die
Runs in Jubiläumsfeiern der Städte ein. Während Tauberbi- Menschen unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder
schofsheim seinen 1.250. Geburtstag feierte und die Laufver- ihrem Stand zusammenbringt." Mit weltweiter Beteiligung der
anstaltung in das "Festival des Sports" mit buntem Kulturpro- Nationalen Olympischen Komitees am Olympic Day Run hat
gramm, zahlreichen Mitmachangeboten und vielen Informati- die olympische Bewegung seine Aussage bestätigt. OF

onsständen integrierte, setzte die sächsische Stadt im Dreilän-


dereck Deutschland-Polen-Tschechien anlässlich ihres 750.
Jubiläums mit dem Lauf der Mädchen und Jungen aller drei
Nationen ein Zeichen für die Völkerverständigung.

39
Gold glänzt
ein Leben lang
Zuhause beim Traumpaar des Sports:
25 Jahre Rosi und Christian
Von Wolfgang Uhrig

D
as war wieder so eine Woche, vollgepackt mit Termi- Worte, die bei ihr nicht platt klingen. Noch immer nimmt man
nen für Mittermaier/Neureuther, das Traumpaar des Rosi ab, das zu meinen, was sie sagt. Als adele sie den Ruhm
deutschen Sports. Rosi hier, Christian dort. Sporthilfe- mit der Leichtigkeit ihres Seins. Da hat eine Popularität Jahr-
Gespräch in Berlin, TV-Termin in Baden-Baden, Nordic-Wal- zehnte überdauert, obwohl der Ursprung mit den großen
king-Demonstration in München, Golfturnier zu Gunsten von sportlichen Taten für viele nur noch verschwommene Lichter
an Rheuma erkrankten Kindern in Dachau, Kochen mit Alfred im Nebel der Vergangenheit sind. Ganz wenige erreichten
Biolek auf einer Berghütte unterhalb der Zugspitze. diesen Bekanntheitsgrad, der ihr noch heute Schulterklopfen
und Händeschütteln, Bittbriefe und Anteilnahme einbringt.
Von dort zurück erwartet sie der Reporter jetzt vor ihrem Haus Rosi hat es verstanden, nach dem Ende der Karriere diese
in Garmisch. Ein wenig ungeduldig, denn der verabredete allgemeine Beliebtheit zu nutzen - nie aber stand sie dabei
Zeitpunkt rückt näher und näher, von den beiden weit und unter dem Verdacht, sich verkauft zu haben.
breit keine Spur. Und dann rauschen sie volle Pulle im Gelän-
dewagen heran, gerade noch auf die Minute pünktlich. Chris- "Wir erleben den zweiten Frühling", stellt Christian Neureuther
tian steigt aus, wirkt ein wenig gehetzt, Beifahrerin Rosi aber angesichts der vielen Termine nun fest. Was nicht zuletzt auch
strahlt noch abends um sieben wie die Morgensonne. "Alles am unermüdlichen Einsatz für Hilfsbedürftige liegt. Rosi
wird gut", beruhigt sie den schon leicht nervös blickenden Mittermaier ist Schirmherrin der Deutschen Rheumastiftung.
Reporter mit einem freundlichen Lächeln. Alles wird gut - das Hier berührt sie vor allem das Leid der Kinder, allein 60.000
geht ja wohl auch nicht anders bei dieser Frau. sind davon in Deutschland betroffen. "Es sterben mehr Kinder
an Rheuma als an Krebs sagt sie, "sogar Neugeborene." Ihr
Eine knappe halbe Stunde später sitzen wir plaudernd am öffentliches Engagement zu Gunsten Kranker brachte schon
offenen Kamin auf der Terrasse ihres Hauses am Hang. Neben- mehr als 250.000 Euro zusammen.
an knistert das offene Feuer, vor uns ein auffallend gepflegter,
weitläufiger Garten mit altem Baumbestand, in dünnem Licht Ehemann Christian arbeitet in verschiedenen Rollen für das
plätschert leise ein Springbrunnen. Und majestätisch, im Fernsehen. Nun auch in Deutschlands erstem Gesundheits-TV
verglühenden Rot der Abendsonne reckt sich die Zugspitze von "Focus", das seit Juni rund um die Uhr bei "Premiere"
über ein mächtiges Alpenpanorama - eine Postkartenidylle. ausgestrahlt wird. Hier stehen Prävention, Wellness und
Wer hier wohnt, der hat ein Stück Paradies auf Erden. "Es ist Fitness im Mittelpunkt, darunter auch Nordic Walking. Neu-
ein Glück, in Bayern reingeboren zu werden", sagt Rosi, "je reuther gilt als leidenschaftlicher Apostel dieser Freizeitwelle.
älter man wird, umso bewusster erlebt man geschenkte Tage." In sie legt er neuerdings seine ganze Liebe und Leidenschaft

40
hinein, sein Herzblut. Schließlich ist er ja auch von Kindheit an gewesen sei - anders bei der Rosi, die sich damals beim Slalom
mit dem aktuellen Trendsport vertraut: Vater Gottfried, Arzt 1976 in Innsbruck weithin sichtbar über den tollen ersten Lauf
und Bergsteiger, gab schon früh diese Art der Marschrichtung ihrer Landsfrau Pamela Behr gefreut hat, obwohl genau durch
aus, um durch den Einsatz von Stöcken Gelenke zu schonen. die ihre zweite Goldmedaille extrem gefährdet war. Später hat
Dr. Gottfried Neureuther gilt in Insiderkreisen als der eigentli- Rosi in einem Interview der "Welt am Sonntag" gesagt, dass
che Erfinder von Nordic Walking. sie "keine Rivalinnen in der Mannschaft haben wolle, sondern
Freundinnen". Und dass sie sich deshalb nicht richtig habe
Bei Rosi Mittermaier wurde durch die beiden Goldenen und ärgern können, wenn einmal eine andere vor ihr ins Ziel kam.
die Silberne beim Olympischen Feuer 1976 das Leben "total Neureuther: "Rosi ist der unehrgeizigste Mensch, den ich
umgekrempelt", wie sie sagt - und fügt, als müsste sie sich für kenne. Sie hat eine soziale Ader wie keine andere."
ihre sportlichen Großtaten von vor fast 30 Jahren entschuldi-
gen, gleich hinzu, dass sie "bestimmt kein unglücklicherer Das Familienglück der beiden vervollkommnen zwei Kinder.
Mensch geworden wäre, wenn es Innsbruck nicht gegeben Tochter Ameli (24) ist preisgekrönte Modedesignerin. Sie
hätte". Dass man ihr das glaubt, hängt wohl damit zusammen, arbeitet beim großen Wolfgang Joop in Potsdam. Sohn Felix
dass sie wenig Talent mitbekam zum Unglücklichsein. (20) steht nach dem Abitur in der deutschen Ski-National-
mannschaft und manchmal auch schon in der absoluten
Optimismus, sagt die Strahlefrau, gehörte zur Philosophie der Weltklasse. "Ameli und Felix sollen glücklich sein mit dem, was
Eltern. Das Negative habe man im Leben der Familie immer sie tun", sagt der zufriedene Vater, "wir wollen ihnen unsere
gleich rausgestrichen. "Aufstehen, Kinder", habe der Vater positive Einstellung zum Leben weitergeben."
jeden Morgen daheim in Reit im Winkl gerufen, "die Sonne
scheint." Und wenn sie gerade nicht geschienen habe, so sei Eine besondere Zierde der mit Antiquitäten und Malereien
das ein sicherer Beweis dafür gewesen, dass sie es bald wieder beeindruckenden Einrichtung ihres Hauses ist ein in der Diele
tun werde. stehendes Taufbecken aus italienischem Marmor, von Christian
entdeckt in Südtirol. Vielleicht wird das Schmuckstück irgend-
In einer Zeit, in der Prominentenpaare ihre glückliche Liebes- wann einmal genutzt für die Namensnennung der Enkelkinder
beziehung schon mal selten so lange halten können, dass sie - gefüllt mit dem Weihwasser für ein glückliches Leben. OF

den Andrucktermin der aktuellen Klatschpresse noch erleben,


gehören Rosi und Christian zu den Ausnahmen. Auch im
Sport, dessen Maschinerie
fast täglich neue Helden
produziert, "verkümmern die
alten Werte immer mehr",
wie Christian Neureuther
sagt. Das Paar Mittermaier/
Neureuther, am 7. Juni 25
Jahre verheiratet gewesen,
aber hat den moralischen
Kompass nie verloren. Die
zwei sind sozusagen boden-
ständig wie ein Hollerbusch
und treu wie Krambambuli,
der berühmte Jagdhund.

"Die Rosi", sagt Christian


beim Blick zurück und zieht
einen Vergleich, "die Rosi
hatte schon zu unserer
aktiven Zeit den besseren
Charakter als ich." Man habe
das sehen können im Wett-
kampf. Ihm habe es immer
am meisten weh getan, wenn
einer aus der eigenen Mann-
schaft vor ihm platziert

41
Was macht eigentlich ...

Johann Färber
Von Michael Gernandt

E
s ist mächtig heiß an diesem Tag in München, im Biergar- piapark-Gesellschaft (OMG) - zunächst als Abteilungsleiter
ten in Sichtweite des Zoos Hellabrunn deshalb mächtig Allgemeine Verwaltung, danach zusätzlich noch Chef der Olym-
was los. Nebenan in den Tiergehegen dösen gelangweilt pia-Ruderanlage in Oberschleißheim sowie Planer und kurzfris-
vor sich hin kauende Dromedare im Schatten der Bäume. Ihr tig Leiter des Münchner Olympia-Stützpunkts und zuletzt OMG-
Nachbar, ein Mordskerl von einem Elefant, kratzt sich an der Veranstaltungschef - war dem bei der Bundeswehr diplomierten
Mauer seiner Behausung. Eine Dusche kalten Wassers vom Verwaltungswirt nach einem Tapetenwechsel zumute. Und
Wärter - das wär`s jetzt. Dort, wo der Besucher den Tierpark würde es nicht immer weniger werden mit dem Sport im Olym-
betritt, sind Orang- piapark nach der
Utans nicht zu sehen. Baugenehmigung für
Vermutlich verstecken die neue Fußball-Arena
sie sich immer noch in Fröttmaning?
hinter den Seiten einer Zudem: "Ich hatte ja
großen Münchner kaum noch ein Privat-
Tageszeitung. Die leben", erinnert Färber
hatte frohe Botschaft sich und berichtet, wie
vermeldet für die sein Amtsvorgänger im
honorigen Affen: Mit Zoo, Erwin Kufner, ihn
der Sanierung und erst zaghaft, schließ-
Neugestaltung ihrer lich immer intensiver
Station, deren Attrakti- für das wegen seiner
on eine Schwinghan- Pensionierung bald frei
gel-Anlage zum Aus- werdende Amt im
toben sein soll, könne Tierpark erwärmt
es nun zügig voran hatte. Färber kannte
Johann Färber
gehen. Der im vergan- Kufner aus der Zeit, als
genen Jahr erwirt- der noch Leiter des
schaftete Überschuss in Höhe von 920.000 Euro mache es Sportamts München war. Geschlossen hat sich der Kreis durch
möglich, meldet das Blatt. Veröffentlicht hatte diese Zahl auf Münchens Bürgermeisterin Gertraud Burkert. Qua Amt führt sie
einer Pressekonferenz der kaufmännische Zoo-Direktor Hans- Aufsicht über Sport und Zoo, seit Oktober 2001 folglich auch
Johann ("Johann") Färber. über Johann Färber. Der hatte sich damals gegen 100 Mitbewer-
ber durchgesetzt.
Färber? Johann Färber? Doch nicht etwa der große Olympiaru-
derer der Sechziger und Siebziger Jahre? Wie kommt denn der Kunststück, an Johann Färber vorbei zu kommen ist noch nie
vom Boot zum Zoo? Tatsächlich, seit vier Jahren kümmert sich einfach gewesen. Ein Prügel Mannsbild sagen die Bayern zu
der Olympiasieger von 1972 im Vierer mit und Weltmeister des einem wie ihm. Trotz seiner 58 Jahre hat sein mächtiger Körper
Jahres 1970 an führender Stelle darum, dass es den Münchner ganz offensichtlich nur wenig eingebüßt von seiner gewaltigen
Viechern an nichts fehlt. Färber grinst, wenn er auf die Über- Kraft. Es fällt deshalb die Vorstellung nicht schwer, den Antrieb
nahme seines Jobs, auf den Wechsel vom Olympiapark im zu ermessen, den Boote erfuhren, in denen Färber saß. Der
Norden Münchens zum Tierpark am südlichen Isarufer, ange- Münchner Gold-Vierer, in dem noch Peter Berger, Gerhard Auer,
sprochen wird. Nach fast zwei Jahrzehnten im Dienst der Olym- Alois Bierl und Steuermann Uwe Benter saßen, hieß vermutlich

42
aus gutem Grund DDR-Boote pullten flotter durch das smaragdgrüne Münchner
"Bullenvierer". Wie Gewässer. Auch Färbers Vierer hatte die DDR-Konkurrenz erst
und wann es zu 500 Meter vor dem Ziel im Griff. Trick 37 mag dabei geholfen
diesem Spitznamen haben: Erst für die Olympiarennen hatten die "Bullen" ihr altes
kam, kann sich Johann Holzschiff gegen eine neue Kunststoff-Konstruktion ausge-
Färber heute nicht tauscht - mit der sie gleichwohl heimlich immer schon trainier-
mehr erinnern. Er weiß ten. Färber: "Das Boot ging wie Sahne."
nur noch, dass das
Team bei einer Sieges- In Montreal 1976, seinen dritten Spielen, saß Färber am Schlag,
feier nach dem Gold- hinter ihm Ralph Kubail, Siegfried Fricke, Peter Niehusen und
medaillengewinn vom vor ihm Steuermann Hartmut Wenzel. Wieder war sein Boot,
ehemaligen Ruder- wie in Mexiko, durch Krankheit geschwächt. Immerhin, diesmal
kumpel und Referen- gab es Bronze. Färber hatte nach Montreal noch ein großes Ziel,
ten von Willi Daume, er wollte 1980, 33-jährig, nach Moskau und erster deutscher
Jürgen Schröder, ein Ruderer mit vier Olympiastarts sein. Alles lief nach Plan, aber die
Bullenkalb geschenkt politischen Geschehnisse damals liefen bekanntlich aus dem
bekam. Und Schröder weiß: "Die haben das Tier gleich wieder Ruder. Der verpassten Chance trauert der Zoo-Direktor noch
verkauft und zu Geld gemacht." heute nach: "Weil auch zwei junge, von mir trainierte Ruderin-
nen sich für Moskau qualifiziert hatten". Färber - mit 17 von
Das Färber-Boot war im Übrigen mit noch einem zweiten Otto Bonhardt von der RG Wetzlar fürs Rudern entdeckt, zuvor
Kosenamen belegt: Bodensee-Vierer. Und das kam so: 1967 als Schwimmer ("mit acht wäre ich fast ertrunken") und Leicht-
hielten sich die deutschen Ruderer und ihr Chef, der legendäre athlet aktiv - hatte sich inzwischen in die Trainingslehre gekniet
Ruder-Professor Karl Adam, in Mexiko auf. Quasi zum Maßneh- "und mich deshalb viel mit Karl Adam ausgetauscht".
men für die Olympischen Spiele im Jahr darauf. Nach diversen
Testfahrten in der dünnen Höhenluft am Xochimilco-See kam Spitzensportler, Trainer, Verwaltungschef, Stützpunktleiter,
Adam auf die Idee, einen völlig neuen Vierer zusammen zu Zoodirektor - keine Frage, Färber ist ein Mann der vielen Talente.
stellen und bat die Konstanzer Niko Ott und Peter Berger sowie Alle Stationen seiner Laufbahn hat er mit extrem guten Gefüh-
die Wetzlarer Johann Färber und Udo Brecht Platz zu nehmen. len passiert, nur wenn er über eine noch weitere Beschäftigung
"Schon nach der zweiten Trainingsfahrt", weiß Färber heute redet, kräuselt sich seine Stirn: Färber war auch Sportfunktionär.
noch, "sagte Adam: Jungs ihr seid eine Granate." Fortan wurde Und in dieser Funktion zuletzt ziemlich verärgert. Nach vier
die hessisch-württembergische Besatzung in die Obhut von Jahren als Vorsitzender des Bayerischen Ruderverbandes holte
Trainer Karl-Heinz Bantle aus Konstanz gegeben und von dem ihn der Bundesvorsitzende Wolfgang Maennig im Jahr 2000 als
auf dem Bodensee so gründlich vorbereitet, dass sie bei den Vizepräsident Finanzen und Verwaltung in den DRV-Vorstand.
Spielen 1968 als Goldfavorit antrat - aber im Halbfinale hängen Seine Verweildauer dort beschränkte sich freilich nur auf ein
blieb. Weil Berger und Brecht krank geworden waren. Erwischt Jahr. Anfang 2001 verloren er, Maennig und ein dritter Kollege
hatte es vor dem Achter-Finale auch Roland Böse, die Nummer eine Vorstandsabstimmung über künftige Weichenstellungen.
acht im Boot. Adams Problem: Auf die Schnelle Ersatz für Böse Ende der Vorstellung. Ein Angebot derer, die obsiegt hatten,
finden. In Frage kamen die Gesunden aus dem gescheiterten anstelle von Maennig DRV-Präsident zu werden, konnte den
Vierer, Färber und Ott. Adam liebäugelte mit dem hessischen früheren Olympiasieger auch nicht mehr umstimmen. Das
Kraftbolzen Färber, Bantle aber überredete vier Stunden vor dem Bedauern darüber soll, wie zuweilen zu hören ist, bis heute
Finale den Ratzeburger Professor, seinen Konstanzer Vereinska- anhalten.
meraden Ott zu nehmen. Das passte, die Kerle aus dem
Deutschland-Achter holten Gold, das seine gab Ott an den Der längst vollzogene Abschied vom aktiven Sport, der inzwi-
kranken Böse weiter. Färber kam indes zu der schwer widerleg- schen vermutlich bewältigte Missmut über das Sportamt und
baren persönlichen Einsicht: Mexiko 1968 - ein ganz schöner die heute für ihn stets notwendige Konzentration auf die Auf-
Reinfall. gaben im Zoo haben dem grundsätzlichen Interesse von Johann
Färber am Leistungssport nichts anhaben können. "Es ist immer
Sein Vierer fuhr nie wieder in der Mexiko-Besetzung. Färber: noch vorhanden, ich war zu lange damit verwurzelt, um zu
"Ich wollte nicht mehr mit Brecht rudern." Über die Gründe sagen: jetzt interessiert es mich nicht mehr." Er mag Skepsis
schweigt er sich heute aus. Mit der neuen Crew, die schon der über die Zukunft des Spitzenruderns in Deutschland nicht
Zusammensetzung von München 1972 entsprach, ging dann verbergen, Auswüchse des Kommerzes tun ihm "sehr, sehr weh",
nichts mehr schief. Im Gegenteil: "Wir waren vier Jahre lang und zum Thema Doping will er nur so viel sagen: "Als Nichtdo-
unbesiegt." Europameister 1969 und 1971, dazwischen Sieger pender habe ich mich immer gefreut, wenn ich Gedopte besie-
bei der ersten WM, schließlich Olympiasieger auf der Anlage in gen konnte." Ob er zum Schluss noch was Positives anfügen
Oberschleißheim, Färbers späterem Arbeitsplatz. Weitere Ruder- möchte? "Ja doch: All meine Ruder-Schüler sind beruflich was
siege für den Verband der Bundesrepublik, DRV: Fehlanzeige. Die geworden."

43
D
as Ziel ist klar, der
Weg ist vorgezeich-
net. Ob auf diesem Gemeinsam auf
getrennten Wegen:
aber jenes auch erreicht wird,
bleibt fürs erste abzuwarten.
Wie auch immer: Wer sich
auf die Reise macht, sollte
wissen, wohin dieselbe geht.
Nicht selten aber ist es auch
von Nutzen, einen Blick
zurück zu werfen, um sich zu

Zum Mit- und Nebeneinander von


vergewissern, woher man
kommt. Will man in diesen
Wochen und Monaten -

NOK und DSB nach 1945


Stichwort "Fusion" - erklär-
termaßen "die Zukunft des
Sports gestalten", darf man
sich durchaus auch einmal
der Vergangenheit der beiden
zu organischer Verschmel- Von Andreas Höfer
zung geneigten Organisatio-
nen zuwenden, um aus dem
Gestern vielleicht gewisse Anhaltspunkte für das Morgen zu Dabei waren die Verantwortlichen gleichsam mit einer doppel-
gewinnen, ohne dass es sich gleich um "Lehren" handeln muss. ten Hypothek konfrontiert: Zum einen waren sie vielfach
persönlich belastet, jedenfalls die nicht wenigen, die der 1933
Sollte sich diese Einlassung als ein Plädoyer verstehen, mag im Zuge der allgemeinen "Gleichschaltung" vollzogenen
ihm die Berufung auf einen prominenten Gewährsmann Einbindung des Sports in die nationalsozialistische Diktatur
Gewicht verleihen: Dass die Gestaltung der Zukunft nicht keineswegs nur gezwungenermaßen gefolgt waren, zum
möglich sei ohne selbstkritisches Geschichtsbewusstsein, hat anderen gaben klare Direktiven der alliierten Besatzungsmäch-
DSB-Präsident Manfred von Richthofen in einer Rede anläss- te einen zunächst engen Rahmen vor. Damit sollte explizit
lich der Verleihung der Sportplakette des Bundespräsidenten verhindert werden, dass sportliche Betätigung in Deutschland
am 20. Mai dieses Jahres im Jüdischen Museum in Berlin erneut in den Dienst politischer, namentlich nationalistischer
verlauten lassen. Unterstrichen wurde dies von Generalsekre- und imperialistischer Interessen gestellt werden würde.
tär Andreas Eichler in einem Podiumsgespräch mit seinem
Amtskollegen vom NOK, Bernhard Schwank, im Rahmen eines Vor diesem Hintergrund gestaltete sich die Etablierung neuer
"Offenen Forums Sportgeschichte", das vom Deutschen Olym- Strukturen als ein schwieriger und langwieriger Prozess, der
pischen Institut (DOI) in Verbindung mit der Deutschen Verei- erst im Dezember 1950 mit der Gründung des Deutschen
nigung für Sportwissenschaft (dvs) Anfang Juni im Frankfurter Sportbundes einen vorläufigen Abschluss fand. Vorausgegan-
"Haus des deutschen Sports" durchgeführt wurde. gen waren zum Teil äußerst kontroverse Diskussionen um den
"neuen Weg im deutschen Sport", bei der höchst unterschied-
Wendet man sich in diesem Sinne also der Geschichte von liche, zum Teil auch weltanschaulich oder konfessionell
NOK und DSB und ihrem Mit- und Neben- sowie gelegentli- geprägte Vorstellungen aufeinander prallten. Im übrigen war
chen Gegeneinander zu, richtet sich der Blick zunächst auf der Gestaltungsspielraum durch die zunächst sehr restriktiven
das deutsche Schicksalsjahr. Der 8. Mai 1945 markiert eine Vorgaben der Besatzungsmächte eingeschränkt. Umso bemer-
historische Zäsur, mit der sich ein tief greifender Wandel kenswerter, dass es letztlich doch gelang, die Antagonisten auf
verbindet, der nicht nur Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, einen gemeinsamen Nenner einzuschwören und eine einheitli-
sondern auch den Sport betraf. Trotz seiner langen, auf "Turn- che Dachorganisation zu schaffen, wobei selbst um deren
vater" Jahn zurückgehenden und nicht zuletzt auch olympi- Namen bis zuletzt gerungen worden war.
schen Tradition waren "Leibesübungen" und "Körperkultur" -
und zwar nicht nur die entsprechende Infrastruktur, sondern Ein Grundgedanke - und Hauptproblem - der strukturellen
auch und vor allem die, so Willi Daume, "moralische Substanz" Innovation war es, die beiden unterschiedlichen, sich keines-
und Legitimation - von einer totalen Zerstörung betroffen, die, wegs "natürlich" ergänzenden Gliederungsprinzipien, nämlich
nolens volens, freilich auch als Chance verstanden wurde. Die den sportfachlichen und den regionalen Ansatz, also Fachver-
zentrale Frage lautete: Wiederaufbau oder Neubeginn? bände und Landessportbünde mit ihren jeweiligen Unterglie-

44
Olympischen
Spiele durch das
Nationale Olympi-
sche Komitee."

Durch die zuletzt


zitierte Formulie-
rung wurde eine
klare Arbeitstei-
lung zwischen den
beiden nationalen
Organisationen
festgeschrieben.
Das NOK war
bereits im Sep-
tember 1949
gegründet wor-
Das NOK-Präsidium im November 1949. Rechts der den, wies also
Präsident: Herzog zu Mecklenburg gegenüber dem
DSB einen "insti-
tutionellen Vor-
sprung" von mehr
derungen "unter einen Hut" zu bringen. Die Meinungen über als einem Jahr auf. Freilich war auch für die Gründung der
das Ergebnis des Bemühens gingen auseinander: Geniale deutschen Olympia-Filiale ein längerer Anlauf vonnöten
Lösung oder fauler Kompromiss? Dies betraf nicht zuletzt auch gewesen. So war bereits Anfang Juni 1947 ein vorläufiger
die wichtigste Personalentscheidung, die Wahl des erst 37jäh- "Deutscher Olympischer Ausschuss" unter Führung des Her-
rigen Willi Daume zum Gründungspräsidenten. zogs zu Mecklenburg ins Leben gerufen worden, um sich die
Option einer Teilnahme an den Olympischen Spielen von 1948
Definiert als "eine freie Gemeinschaft der deutschen Sportver- offen zu halten. Die möglichst schnelle "Rückkehr nach Olym-
bände und Sportinstitutionen", schrieb man in der Satzung, pia" wurde vor allem von Carl Diem betrieben, der über her-
"die Förderung der großen Aufgaben des deutschen Sports, die vorragende persönliche Kontakte zu führenden Mitgliedern
Förderung der Interessen seiner Mitgliedsorganisationen des IOC verfügte, jedoch international wie national auch eine
gegenüber Staat und Gemeinden und in der Öffentlichkeit, die stattliche Gegnerschaft hatte.
Regelung und Durchführung überverbandlicher Fragen und
Aufgaben" als "Zweck" der neuen Einrichtung fest. Zudem Alle Bemühungen wurden jedoch hinfällig, als das IOC dem
wurden folgende "Grundsätze" für deren Tätigkeit definiert: "Ausschuss" die Anerkennung und Deutschland damit die
Organisatorische, finanzielle und fachliche Selbständigkeit der Zugangsberechtigung zu den Spielen verweigerte. Als formales
Mitgliedsorganisationen; Freiheit und Freiwilligkeit der Sport- Argument diente der Hinweis auf die fehlende nationale
ausübung; parteipolitische, konfessionelle und rassische Neu- Souveränität, die als Bedingung für die Anerkennung eines
tralität; "Pflege des Geistigen im Sport", Schaffung einer NOKs deklariert wurde. Damit trug das IOC den Vorbehalten
"ethischen Grundregel"; Förderung der Sportwissenschaft; der Alliierten sowie der Organisationskomitees von St. Moritz
Prinzip des Amateursports; Förderung der Gesundheit, Lebens- und London gegenüber einer so frühzeitigen Wiederaufnahme
kraft und Lebensfreude des deutschen Volkes sowie Gemein- des Kriegsverursachers und -verlierers in den Kreis der olympi-
nützig- und Ehrenamtlichkeit. schen Familie Rechnung.

Im Hinblick auf die aktuelle Diskussion sind aber insbesondere Mit der im Mai 1949 vollzogenen staatlichen Konstituierung
die beiden folgenden Satzungspassagen von Interesse: "Der der Bundesrepublik, die DDR folgte im Oktober, waren die
DSB erstrebt die Einigkeit im deutschen Sportgefüge und Voraussetzungen für die Gründung eines - beziehungsweise
Sportleben, in Sportordnung und Sportwettbewerb, zum zweier - NOK(s) sowie für eine Teilnahme "Deutschlands" an
Wohle des deutschen Sportes und Volkes." Und: "Der DSB will den Olympischen Spielen entscheidend verbessert. Intern
durch internationale Zusammenarbeit der Völkerverständi- waren allerdings noch zahlreiche Meinungsverschiedenheiten
gung und dem Völkerfrieden dienen. Die offizielle Sportvertre- und persönliche Differenzen zu überwinden, während nach
tung Deutschlands bei internationalen Wettkämpfen im In- außen Misstrauen und Vorbehalten begegnet werden musste.
und Ausland erfolgt durch die Sportfachverbände, für die Im Übrigen sollte sich die Tatsache der deutschen Teilung -

45
über Jahrzehnte hinaus - als ein außerordentliches (sport)poli- genheiten und der Teilnahme an Olympischen Spielen zuste-
tisches Problem erweisen. hen. Alle diesbezüglichen Mitteilungen können und dürfen
nur an das Nationale Olympische Komitee gerichtet werden,
Als ein Mittler zwischen den divergierenden Interessen fun- und alle olympischen Dinge betreffenden Vereinbarungen sind
gierte der junge Präsident des Deutschen Handball-Bundes, nur mit ihm zu schließen". Diesen Anspruch fixierte man in §1
Willi Daume, der in einem Schreiben an die Präsidenten der der NOK-Satzung.
(olympischen) Fachverbände im Vorfeld der geplanten NOK-
Gründung darauf hinwies, dass laut IOC-Satzung "das NOC in Als Sitz des NOK wurde übrigens Köln festgelegt, der Wohnort
erster Linie eine Angelegenheit der Fachverbände" sei. Zudem seines Schriftführers Carl Diem, bevor man zwei Jahre später,
müsse ein Olympisches Komitee "in seiner Stellung absolut als Herzog zu Mecklenburg von Karl Ritter von Halt im Amt
unabhängig" sein und seine Wahlen "selbständig und allein- des Präsidenten abgelöst wurde - der letzte (kommissarische)
verantwortlich" durchführen. "Reichssportführer" war erst kurz zuvor aus sowjetischer In-
ternierung im "Speziallager" Buchenwald entlassen worden -
Dieser Vorgabe trug die im Rahmen der "Bundesfeier der die Geschäftsstelle an von Halts Wohnsitz München verlegte.
Deutschen Jugend und des Deutschen Sports" am 24. Sep-
tember 1949 in Bonn vollzogene Gründung des NOK Rech- Die Geschäfte des DSB wurden - so funktionierte dies da-
nung. Der Sitzungsleiter und designierte Präsident, IOC- mals - von Daumes Domizil in Dortmund, genauer von seiner
Mitglied Herzog Adolf Friedrich zu Mecklenburg, verwies in Firmenadresse aus geführt. Erst als Guido von Mengden, zuvor
seiner Rede auf die bis ins Jahr 1895 zurückreichende Traditi- Geschäftsführer der DOG, 1954 zum Hauptgeschäftsführer
on der olympischen Sache in Deutschland sowie darauf, dass des DSB berufen wurde, verlegte man dessen Geschäftsstelle
"aus dieser olympischen Arbeit die frühere Hauptverwaltungs- nach Frankfurt am Main, und zwar zunächst in die Rhein-,
stelle des deutschen Sports, der Deutsche Reichsausschuß für später in die Arndtstraße. Eben dort nahm 1961 auch das NOK
Leibesübungen hervorgegangen" sei. Zunächst, nämlich von Quartier.
1904 bis 1917, unter dem Namen "Deutscher Reichsausschuß
für Olympische Spiele" fungierte besagte Institution tatsäch- Hintergrund des Umzugs war die Tatsache, dass DSB-Grün-
lich als eine übergreifende Dachorganisation des deutschen dungspräsident Daume, in Personalunion auch die Führung
Sports, bevor sie 1938 in "Nationalsozialistischer Reichsbund des NOK, dessen erster Schatzmeister er gewesen war, über-
für Leibesübungen" umbenannt und politisch eingeordnet nommen hatte, um fortan als "Zwei-Bänder-Mann" zu fun-
wurde. gieren. Wenn damit vielleicht auch nicht, wie ein Beitrag der
"Frankfurter Rundschau" implizierte, eine faktische
Die damit de facto verlorene Unabhängigkeit müsse, so der "Verschmelzung" beider Organisationen erfolgte, so doch
Herzog weiter, aber zwingend wiederhergestellt werden: Dem immerhin die Herstellung einer Verwaltungseinheit, zunächst
NOK "muß die alleinige Verwaltung der olympischen Angele- unter der Führung von Guido von Mengden, ab 1964 in der

Der deutsche Sport in guten Händen: Willi


Die Herren der ersten Stunde: am Bildrand rechts Daume, Walter Wülfing, Max Danz, Herbert
der frisch gewählte DSB-Präsident Willi Daume. Kunze und Karl Ritter von Halt.

46
Karlheinz Gieselers, mit einer gemeinsamen Adresse, Telefon- Willi Daume hatte jedenfalls sein Monopol in Sachen sportpo-
anlage und vielem, was dazugehörte, freilich mit je eigenem litischer Meinungsbildung verloren, denn seine Gegenspieler,
Briefpapier und speziellen Zuständigkeiten. erst Kregel dann Weyer, verstanden es ebenfalls, ihre Vorstel-
lungen von der Entwicklung des Sports und seiner Organisati-
Konzertiert wurde jedoch nicht nur verwaltet, sondern auch on zur Geltung zu bringen. Die Unterschiedlichkeit der Positio-
agiert, und dies nicht zuletzt in sportpolitischer Hinsicht. Vor nen kam etwa im Blick auf die heikle Frage des Boykotts der
allem in der "Außenpolitik" des bundesdeutschen Sports Olympischen Spiele von Moskau zum Tragen.
sprach man mit einer Stimme, gerade dann, wenn sich das
Wort an die Kollegen jenseits des "Vorhangs" richtet. Als dieser Andererseits funktionierte das Miteinander auf den verschie-
am 13. August 1961 ein "eiserner" wurde, ließ die gemeinsame denen Arbeitsebenen wie etwa auch die jeweilige Vertretung
Reaktion in Form der "Düsseldorfer Beschlüsse" nur drei Tage in den Präsidien und Kommissionen oft reibungslos. Während
auf sich warten. Gerade in den - sich durch den Mauerbau das NOK von der seit 1984 stetig zunehmenden Prosperität
verschärfenden - Auseinandersetzungen mit der Sportführung der Olympischen Bewegung profitierte, rüstete auch der DSB
der DDR machten DSB und NOK meist gemeinsame Sache, personell und finanziell auf. Diesbezüglich war die 1972
und dies auch in der Zeit, in der man ansonsten längst erfolgte Ansiedlung an der Frankfurter Otto-Fleck-Schneise in
getrennte Wege ging. Ein Beleg für die enge Kooperation auf einem eigenen, durchaus stattlichen Gebäude eine Art Initial-
diesem Gebiet ist auch die Anfang der sechziger Jahre zündung gewesen. Die immer höheren Ansprüche korrespon-
geschaffene "Arbeitsgemeinschaft für "Internationales", die bis dierten mit stets wachsenden Anforderungen, die infolge der
heute in anderer Form funktioniert. Vereinigung der beiden deutschen Staaten eine neue Dimensi-
on erhielten. Erstmals seit Jahrzehnten standen die Organisa-
Die Entwicklung vom Mit- zum Nebeneinander nahm 1969/70 tionen des Sports wieder gesamtdeutsch in der Pflicht.
ihren Anfang, als Willi Daume auf Grund akuter Überlastung -
der Doppel-Präsident hatte, natürlich, auch die Führung im Fünfzehn Jahre nach der großen steht nun eine vergleichswei-
Organisationskomitee der Olympischen Spiele von 1972 in se kleine Fusion zur Debatte. Schwierig genug, doch allemal
München übernommen - sowie auf sanften Druck das Spit- machbar. Vielleicht gelingt es dem Sport ja - im zweiten
zenamt im DSB an den Präsidenten des Deutschen Turner- Anlauf - tatsächlich, der Politik zu zeigen, wie Reform geht
Bundes, Dr. Wilhelm Kregel, übergeben musste, der sich in und wie gewachsene und vielfach bewährte Strukturen im
einer Kampfabstimmung überraschend gegen den erklärten Sinne der guten Sache zu optimieren sind. Damit würde ein
Favoriten, den Präsidenten des Landessportbundes sowie neues Kapitel deutscher Sportgeschichte beginnen. Bewegten
Innenminister von Nordrhein-Westfalen, Willi Weyer, durchge- sich NOK und DSB bis dahin gemeinsam auf getrennten
setzt hatte, der erst im zweiten Anlauf, 1974, zum Zuge kam. Wegen, könnte es fortan irgendwie umgekehrt sein. OF

Zwei Präsidenten mit Kanzler: Karl Ritter von


Halt, Konrad Adenauer und Willi Daume.

47
Willi Daume

Karlheinz Oswalds künstlerischer Hochleistungssport


arlheinz Oswald scheint auf den ersten Blick mehr Zauberer Erinnerungsmedaille entstehen. Doch Oswald muss immer erst
K als bildender Künstler zu sein. 1981. Willi Daume steht am
Rednerpult beim Olympischen Kongress in Baden-Baden. Karl-
den 3D-Kopf sehen, den er abzeichnen kann. Zwischenzeitlich
gibt es drei Coubertin-Köpfe. Der Ur-Coubertin oder wie Oswald
heinz Oswald unterbricht ihn scheinbar im Satz und gießt ihn in sagt, der "kleine Coubertin", steht im IOC-Hauptquartier, der
Bronze. 1892. Pierre de Coubertin hält einen Degen in der Hand "Große" (40 cm) am Eingang zum Olympischen Museum, beide in
und nimmt die Fechtmaske ab. Oswald stoppt ihn und modelliert Lausanne. Beide sind in Eisen gegossen. Ein Material, das für
den Augenblick. Aus Ton oder Wachs formt Oswald ein vitales Oswald Einfachheit und Vergänglichkeit ausstrahlt: "Eisen
Menschengesicht. Die erste Coubertin-Poträtplastik entstand täuscht nichts vor, es schwitzt und rostet, hat nichts von Ruhm
1997 zum hundertjährigen Jubiläum der Olympischen Kongresse und Glanz."
in LeHavre. "Der Tonkopf war spontan runtergefetzt", sagt der
Mainzer Bildhauer. So entstand die wohl natürlichste und aus- Hinter den Bronze- und Eisenköpfen steckt künstlerischer Hoch-
drucksstärkste Plastik des Olympia-Pioniers mit den groben leistungssport. Hilfestellung geben viele kleine Bilder, die Oswald
Gesichtszügen eines weisen, alten Mannes, der nicht aufhören an eine Staffelei gesteckt hat. Eine Kopie von Coubertins Presse-
kann und will, seine pädagogischen Gedanken zu formulieren. ausweis aus dem Jahr 1895, eine Fotografie, die ihn im Arbeits-
Ein kraftvoll lebendiger Coubertin im Alter von wohl 70 Jahren. zimmer auf dem Familienschloss Mirville zeigt. Natürlich hat
Dabei sollte zunächst nur ein zweidimensionales Relief für eine Oswald (geb. 1958 in Worms) den 1937 verstorbenen Pierre de

48 OF-G ALERIE
Pierre de Coubertin

Coubertin nie getroffen. Auch Willi Daume, den er für das NOK Müller auf seine erste große Ausstellung. Müller war es, der
porträtierte, hat er nie live gesehen. Und doch scheint er beide Oswald zu den Plastiken der Sportfunktionäre motivierte, ver-
zu kennen. So lebendig wirkt Coubertin, wenn ihm Karlheinz mittelte Kontakte zum IOC und NOK. Kein Wunder, dass die
Oswald mit dem Pinsel über die bronzenen Wangen fährt, um besten Sportabiturienten in Rheinland-Pfalz, Hessen und Thürin-
die Form zu kolorieren. So vital und visionär funkeln die Augen gen den von Müller erfundenen Coubertin-Preis erhalten - in
der Daume-Plastik. Form einer Medaille, gestaltet von Karlheinz Oswald.

Für den ARTE-Film "Pierre de Coubertin: Gestern und heute" von Eines schönen Tages trafen sich Oswald und Coubertin dann
Michael Dittrich modellierte Oswald einen jungen Coubertin. Ein doch. In der Galerie des Künstlers gründete sich im März 2002
Meisterwerk. Als Coubertin 1892 bei einer Feier zum fünfjähri- das Deutsche Pierre de Coubertin-Komitee. Zwischen Bronzefi-
gen Bestehen der französischen Sportverbände erstmals seine guren und Gemälden saß ganz unscheinbar Coubertins Großnef-
Gedanken über die Olympischen Spiele öffentlich ausspricht, ist fe Geoffroy de Navacelle de Coubertin. "Ein toller Typ", strahlt
er 29 Jahre alt. Von diesem jungen Coubertin gibt es kaum Karlheinz Oswald.
Bilder. Künstler, die ihn später zeichneten, orientierten sich an
späteren Fotografien, die einen gealterten Pierre de Coubertin Holger Kühner
zeigen. Karlheinz Oswald nahm sich das wenige Bildmaterial, das
es vom jungen, sportverrückten Coubertin gibt und erweckte ihn
zum Leben. Noch wartet der junge Coubertin - dieses Mal in
Bronze - im Wohnzimmer des Mainzer Sporthistorikers Norbert

OF-G ALERIE 49
Nachrichten des NOK

DSB und NOK auf dem bach (NOK), Andreas Trautvetter (NOK), Prof.
Dr. Rolf Wallenhorst (DSB) sowie Dr. Theo
Präsident Dr. Klaus Steinbach und General-
sekretär Bernhard Schwank im Juli die 17.

Weg zu einer gemeinsa- Zwanziger (DSB) angehören, ist vollständig


im Internet einsehbar.
Makkabiade in Israel. Das im Vierjahres-
rhythmus stattfindende jüdische Weltsport-

men Dachorganisation http://www.nok.de/downloads/3/1307DSB_


Strukturpapier.pdf
fest ist nach den Olympischen Spielen und
der Universiade das mit 6.000 Teilnehmern
(darunter 130 deutsche Athletinnen und
Deutscher Sportbund (DSB) und Nationales NOK-Präsident Dr.
Olympische Komitee für Deutschland (NOK) Klaus Steinbach
sollen schon bald zu einer Dachorganisation sagte: "Wir als NOK
des deutschen Sports verschmelzen. So stehen zu einer
lautet die Empfehlung einer gemeinsamen neuen Struktur. Wir
Strukturkommission beider Dachverbände. halten sie für
Sie wurde am 28. Juni 2005 in Hanau den sinnvoll und wir
Mitgliedern von DSB und NOK präsentiert wollen sie. Das
und wird gegenwärtig diskutiert. Konzept ist der
Beweis für die
Reformfähigkeit des
deutschen Sports.
Wir haben moderne
Wege gesucht, die
den einen oder
anderen fordern. Bei
den Abstimmungen Eröffnungsfeier der Makkabiade in Israel
hoffen wir auf eine
große Mehrheit des
Sports. Wir sind uns der Gesamtverantwor- Athleten) drittgrößte Sportereignis weltweit.
tung für den deutschen Sport bewusst. Am Rande dieser Veranstaltung verständig-
Die Präsidenten von DSB und NOK,
Ohne die Pfeiler Verein und Ehrenamt ten sich Steinbach und Schwank mit ihren
Manfred von Richthofen (r.) und Dr. Klaus
hätten wir auch nicht den olympischen Amtskollegen Präsident Zvi Varshaviak und
Steinbach
Spitzensport so wie wir ihn kennen. Wir Generalsekretär Ephraim Zinger darauf,
brauchen uns gegenseitig." künftig noch intensiver zusammenarbeiten
Geht es nach dem Willen der Kommission, zu wollen und nannten als mögliche Koope-
so sieht der weitere Zeitplan noch im Manfred von Richthofen, DSB-Präsident, rations-Felder den Jugendaustausch und die
Spätsommer die Erarbeitung eines Sat- kommentierte am 28. Juni in Hanau: „Es ist Ausbildung von Trainern und Übungsleitern.
zungsentwurfes vor. Selbstauflösungsbe- noch keine historische Stunde. Ich denke, es
schlüsse der Mitgliederversammlungen von könnte eine Vorstufe sein. An der Fusion
NOK und DSB könnten bereits im Dezember
2005 folgen. Schon bald nach den Olympi-
führt kein Weg vorbei. Sie muss eine Orga-
nisationsreform an Haupt und Gliedern Sporthilfe: Dr. Steinbach
schen Winterspielen in Turin würde, folgt
man dem Vorschlag der Strukturkommissi-
beinhalten, wenn sie allen Ansprüchen
gerecht werden soll.“ gratuliert Hans-Wilhelm
on, dann am 20.05.2006 im Rahmen einer
konstituierenden Mitgliederversammlung Gäb
die neue Dachorganisation gegründet.
Dr. Klaus Steinbach und Der Vorstand der Stiftung Deutsche Sport-
Der knapp 50 Seiten starke Bericht des
Gremiums, dem Rainer Brechtken (für das Bernhard Schwank besuch- hilfe hat in seiner Sitzung am 30. Juli 2005
Hans-Wilhelm Gäb einstimmig zum neuen
NOK), Dr. Andreas Eichler (DSB), Ulrich
Feldhoff (DSB), Hans-Peter Krämer (NOK), ten Makkabiade in Israel Vorsitzenden des Vorstands gewählt, nach-
dem der bisherige Sporthilfe Chef Hans-
Gordon Rapp (NOK), Manfred von Richtho- Ludwig Grüschow am Vortag zurückgetre-
fen (DSB), Ingelore Rosenkötter (DSB), Anlässlich der 40jährigen deutsch-israeli- ten war. Hans-Wilhelm Gäb (69) Ehrenpräsi-
Bernhard Schwank (NOK), Dr. Klaus Stein- schen Beziehungen besuchten NOK- dent des Deutschen Tischtennis-Bundes und

50
ehemaliger Aufsichtsratschef der Adam Opel det, der Deutschen Sporthilfe in der gegen- Bewegung im 21. Jahrhundert. Im Anschluss
AG, arbeitete schon Anfang der neunziger wärtigen Situation am besten dienen zu werden hochkarätige Vertreter von Politik,
Jahre als stellvertretender Vorsitzender der können. In zahlreichen Medienberichten der Wirtschaft, Gesellschaft und Sport in einer
Stiftung. Gäb nahm die Wahl unter der letzten Tage und Wochen sei, so Grüschow, Podiumsdiskussion das Thema vertiefen und
Voraussetzung an, dass er zusammen mit der Eindruck erweckt worden, die Deutsche diskutieren.
Sporthilfe wäre, insbesondere durch seine
Verbindungen zu dem mittlerweile fristlos
entlassenen, ehemaligen Sportchef des
MDR, Wilfried Mohren, Teil von systema- Sieben Bewerber für
tisch unzulässigen, möglicherweise sogar
kriminellen Machenschaften geworden. die Olympischen
Diesem Eindruck trete er entschieden
entgegen. Durch sein Verhalten habe er zu Winterspiele 2014
keinem Zeitpunkt auf unzulässige oder gar
unrechtmäßige Weise Einfluss auf die Um die Olympischen Winterspiele 2014
Berichterstattung über die Deutsche Sport- bewerben sich sieben Nationale Olympische
Der neue Stiftungsvorsitzende Hans- hilfe in den Medien nehmen wollen. Komitees. Das Internationale Olympische
Wilhelm Gäb zusammen mit seinen Stell- Komitee (IOC) bestätigte nach Ablauf der
vertretern NOK-Präsident Dr. Klaus Stein- Die vollständige Erklärung des zurückgetre- Meldefrist (Donnerstag, 28.07.2005, 24 Uhr)
bach (r.) und Bernd Rauch (l.) tenen Vorsitzenden der Stiftung Deutsche die Kandidaturen von Almaty (Kasachstan),
Sporthilfe im Internet: www.sporthilfe.de Borjomi (Georgien), Jaca (Spanien), Pyeong-
chang (Südkorea), Salzburg (Österreich),
seinen Kollegen nach der im November Sotschi (Russland) und Sofia (Bulgarien). Die
2006 endenden Wahlperiode das Amt in
jüngere Hände legen kann. NOK kündigt International Wahl der Olympiastadt 2014 erfolgt Anfang
Juli 2007 auf der IOC-Session in Guatemala

"Die eingetretene Situation durfte nicht Olympic Forum Frankfurt City. Bis zum 1. Im Juni 2006 nimmt die
IOC-Exekutive eine Vorauswahl vor.
zum Schaden der Sporthilfe werden, des-
halb haben wir eine klare Entscheidung an
gesucht. Herr Gäb ist integer und unan-
greifbar. Er ist die beste Lösung", kommen- Das Nationale Olympische Komitee für Ergebnisse der
tierte NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach
nach der Sitzung des DSH-Vorstands die
Deutschland, die Wirtschaftsinitiative
FrankfurtRheinMain und das Deutsche 117. IOC-Session im
Wahl des hoch angesehenen Sportführers
und Wirtschaftsmanagers.
Olympische Institut rufen eine hochkarätige
Veranstaltungsreihe in der Frankfurter Juli 2005 in Singapur
Paulskirche ins Leben, um die Weiterent-
Gäb wollte seine einstimmige Wahl, die wicklung und Umsetzung der Olympischen London ist Gastgeber 2012
keine 24 Stunden nach dem Rücktritt seines Idee aktiv zu unterstützen. Die Veranstal-
Amtsvorgängers Hans-Ludwig Grüschow tung trägt den Titel International Olympic London ist Gastgeber der Olympischen
erfolgte, als Schlussstrich unter die Diskussi- Forum (IOF) Frankfurt und soll im Jahres- Sommerspiele 2012. Bei der Wahl am 6. Juli
on der vergangenen Wochen gewertet rhythmus herausragende Persönlichkeiten 2005 durch die IOC-Session in Singapur
sehen. "Die Sporthilfe wäre in einer Krise, zu aktuellen und grundsätzlichen Fragen gewann die britische Hauptstadt das "Fina-
wenn es wirtschaftliche Schwierigkeiten des Olympischen Sports nach Frankfurt le" gegen den großen Favoriten Paris.
oder systematische Unregelmäßigkeiten führen. Den Auftakt macht am Dienstag, 27. Moskau, New York und Madrid waren zuvor
gäbe. Beides ist nicht der Fall. Ihre Integrität ausgeschieden.
als Institution kann nicht in Frage stehen",
sagte der Ehrenpräsident des Deutschen Mit den fünf Weltmetropolen war das
Tischtennis-Bundes. "Wir werden dokumen- hochkarätigste Teilnehmerfeld aller Zeiten
tieren, dass die Sporthilfe nicht in der Krise, am Start gewesen. Der deutsche Bewerber
ihr Terrain unangetastet und ihre Arbeitsfä- Leipzig war in der Vorauswahl vor gut
higkeit gewahrt ist," kündigte der frühere einem Jahr knapp hinter Moskau ausge-
Vizepräsident Europa des Automobilkon- schieden. London beeindruckte nicht allein
zerns General Motors an. IOC-Mitglied Dr. Thomas Bach durch "eine
"Herr Grüschow hat mich persönlich über glänzende Mischung aus Fakten und Emoti-
seinen Rücktritt informiert. Ich habe große on", die Bewerbungschef Sebastian Coe
Hochachtung vor dieser Entscheidung und moderierte.
akzeptiere sie," hatte NOK-Präsident Dr. September 2005 der Präsident des Interna-
Klaus Steinbach tags zuvor zum Rücktritt tionalen Olympischen Komitees, Comte Dr. Der Präsident des Nationalen Olympischen
von Hans Ludwig Grüschow erklärt. Grü- Jacques Rogge mit seinem Vortrag : "For a Komitees für Deutschland, Dr. Klaus Stein-
schow hatte diesen Schritt damit begrün- peaceful and better world" - Die Olympische bach, begrüßte die Wahl von London als

51
Austragungsort der Spiele der XXX. Olym- schen und schockierenden Ereignisse an Wahl alle 28 olympischen Sommersportar-
piade im Sommer 2012. Das Konzept der jedem Ort und zu jeder Zeit passieren ten einzeln stellen. Baseball und Softball
Londoner Bewerbung sei lebendig, jugend- könnten. Die Gedanken des Internationalen verloren nach ihrer Abwahl nicht ihren
lich und an den Interessen der Athletinnen Olympischen Komitees seien bei allen, die grundsätzlich olympischen Status. Sie
und Athleten sowie der Zuschauer orien- persönlich betroffen seien. Der Stadt versi- können mit einfacher Mehrheit (50 Prozent)
tiert, sagte Steinbach, der die IOC-Session in cherte Rogge die volle Unterstützung des
Singapur auf Einladung des IOC als Gast IOC und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck,
verfolgte. dass ihre Ausstrahlung auch mit Hilfe des
Sports schon bald wieder hergestellt werden
„Das IOC ist sehr dankbar, über derart könnte.
herausragende und professionell auftreten-
de Kandidaten zu verfügen, denen ich
erneut für ihre Arbeit während des Bewer- Baseball und Softball 2012
bungsprozesses danke. Unsere Gratulation
geht an die Stadt London, mit der wir in
nicht im Olympischen Pro-
den kommenden sieben Jahren eng und gramm
vertrauensvoll zusammenarbeiten werden",
kommentierte IOC-Präsident Dr. Jacques Das zweite Hauptereignis der Session war
Rogge. die Abstimmung über das Olympische
Programm. Am Ende einer erstmals in dieser Bei den Olympischen Spielen 2012 in
Am Tag der Wahl (06.07.2005) hatten sich Form herbeigeführten systematischen London nicht mehr im olympischen Pro-
die Bewerber den IOC-Mitgliedern noch Überprüfung des Olympischen Programms gramm: Die Sportart Baseball
einmal präsentiert. Im Anschluss daran wählte die IOC-Session schließlich 26
stellte Olympiasiegerin Nawal El Moutawa- Sportarten zur Teilnahme an den Olympi-
kel den Bericht der Evaluierungskommission schen Spielen 2012 aus. für 2016 wieder aufgenommen werden, falls
vor, der auch im Internet einsehbar ist. die Zahl von 28 Sportarten nicht überschrit-
http://www.olympic.org/uk/news/olympic_ Das Programm, so IOC-Präsident Rogge, ten wird und die IOC-Exekutive dies bean-
news/full_story_uk.asp?id=1337 spiele eine Schlüsselrolle beim Erhalt der
Olympischen Spiele für künftige Generatio-
Anlässlich der Bombenanschläge in London nen. Ihre Größe, ihre Kosten und ihre
am Tag nach der Wahl zur Olympiastadt Komplexität bedürften der Kontrolle. Rogge
2012 (7.7.2005) hat das Internationale unterstrich, dass durch die Abwahl der
Olympische Komitee (IOC) der Stadt sein beiden Sportarten Baseball und Softball aus
Mitgefühl und seine Unterstützung versi- dem Programm der Spiele 2012 durch die
chert. IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge habe Session eine eindeutige Botschaft ausge-
in einem persönlichen Schreiben an den gangen sei. Dies gelte im Hinblick auf den
britischen Premier-Minister Tony Blair und von allen olympischen Verbänden notwen-
den Oberbürgermeister Londons, Ken digerweise zu führenden konsequenten
Livingstone, sein Mitgefühl ausgedrückt, Anti-Doping-Kampf und für die Tatsache,
hieß es in einer Meldung des Komitees. Es dass die besten Aktiven an den Start gehen
Verpasste das Olympische Programm 2012
sei ein trauriger Umstand, dass diese tragi- müssten. Darüber hinaus sei auch deutlich
ebenfalls: Die Sportart Softball
geworden, dass Sportarten als
Bestandteile des olympischen
Programms einen universellen tragt. Für Änderungen der Liste olympischer
und globalen Anspruch vertre- Sportarten, also Streichung oder Neuauf-
ten müssten. Rogge erinnerte nahme von Weltverbänden, ist eine Zwei-
aber auch daran, dass beide drittel-Mehrheit der IOC-Session nötig.
Sportarten für 2016 wieder in Daran scheiterten in Singapur Karate und
das Olympische Programm Squash, gar nicht erst von zur Wahl vorge-
gewählt werden könnten und schlagen wurden Rugby, Golf und Inline-
verlieh seiner Hoffnung Aus- Skating. - Die Liste der 28 olympischen
druck, dass sie sich den Sachver- Sportarten, die sich im Programm für 2012
halten, die das IOC für bedeut- auf 26 reduziert lautet nunmehr: Badmin-
sam halte, nunmehr verstärkt ton, Baseball (2012 nicht zugelassen),
zuwendeten. Basketball, Bogenschießen, Boxen, Fechten,
Fußball, Gewichtheben, Handball, Hockey,
Der Abstimmung über das Judo, Kanu, Leichtathletik, Moderner Fünf-
Gratulation 2012: IOC-Chef Rogge überbringt die Programm der Olympischen kampf, Radsport, Reiten, Ringen, Rudern,
Glückwünsche seines Komitees an IOC-Mitglied Prin- Spiele von London 2012 muss- Schießen, Schwimmen, Segeln, Softball
zessin Anne und Olympiasieger Sebastian Coe ten sich in Singapur in geheimer (2012 nicht zugelassen), Taekwondo, Tennis,

52
Tischtennis, Triathlon, Turnen, Volleyball. Sondral, Norwegen, ersetzen.
Welche maximal 301 Wettbewerbe aus den Wahlberechtigt sind die teilneh-
einzelnen Sportarten zugelassen werden, menden Aktiven bei den Olym-
liegt allein in der Entscheidung der IOC- pischen Winterspielen. Die Wahl
Exekutive. Gleiches gilt für die Zahl der findet in den Olympischen
Athleten in jeder Sportart. Ein Gesamtlimit Dörfern in Turin, Sestrière und
von 10.500 Sportlern soll nicht überschrit- Bardonecchia statt.
ten werden.
Georg Hackl ist neben der
Auch der Prüfbericht der Programm- Kroatin Janica Kostelic einer der
Kommission ist im Internet veröffentlicht prominentesten Kandidaten. Er
worden. Er enthält wichtige statistische hat bei Winterspielen neben
Aussagen über die 28 Olympischen Sportar- Anfang Juli im Blickpunkt der olympiainteressierten seinen drei Goldmedaillen
ten sowie jene fünf Sportarten, die sich um Weltöffentlichkeit: Die 117. IOC-Session in Singapur (1992, 1994, 1998) noch zwei
Aufnahme in das Olympische Programm Mal Silber gewonnen. Sollte er
bewarben. gewählt werden, wäre Deutsch-
http://multimedia.olympic.org/pdf/en_ Im Hinblick auf Fragen zum Ausschluss des land zusammen mit ihm, Prof.
report_953.pdf bulgarischen IOC-Mitglieds Ivan Slavkov aus Walther Tröger und Dr. Thomas Bach wieder
dem IOC, erinnerte er an die Null-Toleranz- mit drei persönlichen Mitgliedern im IOC
Politik gegenüber dem Verdacht von Kor- vertreten. Dr. Roland Baar war im vergange-
ruption. Auch wenn es weh tue, Kollegen
Wichtige Personalentschei- auszuschließen, müsse das Wohl der gesam-
dungen ten Organisation im Auge behalten werden.
Er hoffe, dass dies das letzte Mal gewesen
Am 9. Juli ging die 117. IOC-Session nach sei, dass sich das IOC in einer solchen Lage
viertägigen intensiven Beratungen mit der sehe.
Wahl zweier neuer Vizepräsidenten und
einem neuen Mitglied des Exekutiv-Komi- Am Ende seiner Bilanz kam Rogge noch
tees zu Ende. Lambis Nikolaou (Griechen- einmal auf die Hauptrolle von Singapur für
land) und Chiharu Igaya (Japan) sind die die 117. IOC-Session zu sprechen und
neuen Vizepräsidenten des IOC-Executive dankte besonders dem neuen Mitglied des
Boards. Darüber hinaus wurde Ser Miang Ng IOC-Executive Boards und Ser Miang Ng,
(Singapur), neues Mitglied des Exekutive der sich zusammen mit seinen Kolleginnen
Schon bald Kollegen im IOC? Rodel-
Boards. Barbara Kendall, Segel-Olympiasie- und Kollegen und vielen freiwilligen Helfern
Olympiasieger Georg Hackl (l.) und IOC-
gerin aus Neuseeland, übernahm als neues sehr für das Gelingen der Veranstaltung
Mitglied Dr. Thomas Bach
IOC-Mitglied die Position von Susie O´Neill, eingesetzt habe.
die in diesem Jahr aus privaten Gründen
vorzeitig aus ihrer Funktion zurücktrat. Den nen Jahr turnusgemäß aus der IOC-Athle-
Gastgebern der 117. IOC-Session dankte der tenkommission ausgeschieden. Seit ihrer
IOC-Präsident für eine perfekte Vorberei-
NOK nominierte Georg Hackl Gründung im Jahr 1981 ist die IOC-Aktiven-
tung, Organisation und Durchführung. für IOC-Athletenkommission kommission die Verbindung zwischen den
Athletinnen und Athleten und dem IOC.
Präsident Rogge äußerte sich wiederholt Geht es nach dem Willen des NOK für Vorsitzender ist seit dem Jahr 2000 Sergey
zufrieden über die gute Gesamtverfassung Deutschland, so wird der dreifache Olympia- Bubka, Olympiasieger und sechsfacher
der Olympischen Bewegung nach dem sieger im Rodeln, Georg Hackl, eine von Weltmeister im Stabhochsprung.
Erfolg der Olympischen Spiele von Athen, zwei Nachrückerpositionen in der IOC-
der Steigerung der Einnahmen und der Athletenkommission einnehmen. Die Wahl Die Liste der Kandidaten für die beiden frei
hohen Qualität des Bewerbungsprozesses erfolgt während der Olympischen Winter- werdenden Positionen in der IOC-Aktiven-
2012. Die aktuellen Marktforschungsergeb- spiele in Turin im Februar 2006. kommission umfasst folgende Sportlerin-
nisse zeigten, dass Olympische Werte auf nen: Jacqui Cooper, Australien, Freestyle;
dem ganzen Globus bekannt und anerkannt Der Berchtesgadener steht derzeit auf Janica Kostelic, Kroatien, Alpiner Skilauf;
seien. Die Olympischen Spiele seien mehr Vorschlag des deutschen NOK auf einer Liste Corinne Niogret, Frankreich, Biathlon; Maria
denn je das populärste Sportereignis der von 15 Wintersportlerinnen und -sportlern, José Rienda, Spanien, Alpiner Skilauf; Becky
Welt. "Unser Job als Bewahrer der Olympi- die das IOC-Exekutivkomitee in Singapur zur Scoot, Kanada, Nordischer Skilauf; Yang
schen Spiele und ihrer Werte ist es, sie in Nachwahl in die IOC-Athletenkommission Yang, China, Short Track.
hoher Qualität und als Inspiration für die bei den Winterspielen im kommenden
Jugend von morgen zu gestalten", sagte Februar in Turin nominiert hat. Darüberhinaus bewerben sich folgende
Rogge. Sportler um die Mitgliedschaft in der
Gewählt werden zwei Aktive, die die aus- Aktivenvertretung und im IOC: Ruben
scheidenden Jari Kurri, Finnland, und Adne Gonzalez, Argentinien, Rodeln; Georg Hackl,

53
Deutschland, Rodeln; Mark Hatton, Großbri- zur Veröffentlichung des Berichts zugegrif- Association, Deutschem Sportbund und
tannien, Rodeln; Kwang-Bae Kang, Korea, fen. Nationalem Olympischen Komitee teil. Im
Bob und Rodeln; Saku Koivu, Finnland, Rahmen einer Pressekonferenz bezeichnete
Eishockey; Jaak Mae, Estland, Nordischer www.olympic.org ging anlässlich der Olym- Rogge Deutschland als einen der vier oder
Siklauf; Kenji Ogiwara, Japan, Nordische pischen Spiele Atlanta 1996 online. Anfangs fünf führenden Veranstalter sportlicher
Kombination; Adne Sondral, Norwegen, diente es als Medium zur Kommunikation Großveranstaltungen.
Eisschnellauf; Pawel Zygmunt, Polen, von Verbandsnachrichten. Heute ist
Eisschnelllauf. www.olympic.org ein Portal der Olympi- "Ich kann die Veranstalter nur beglückwün-
schen Bewegung, das nicht allein IOC- schen", lobte Jacques Rogge den farben-
bezogen Nachrichten veröffentlicht, son- prächtigen und stimmungsvollen Auftakt
dern auch Informationen über zurücklie- des Festivals der 40 nicht-olympischen
Rekord-Zahlen für gende und kommende Olympische Spiele, Sportarten, den rund 23.000 Zuschauern in
www.olympic.org Sportarten, Athleten, Resultate, Sammelob- der MSV-Arena miterlebt hatten. In den
jekte und mehr veröffentlicht und auch Augen der Athleten und des Publikums habe
Im zeitlichen Umfeld der IOC-Session in Möglichkeiten vorsieht, Fragen an Olympia- er Enthusiasmus gesehen, meinte der
Singapur war die Hompage des Internatio- experten zu richten. Präsident des Internationalen Olympischen
nalen Olympischen Komitees eine der Komitees (IOC): "Sie waren alle zufrieden.
gefragtesten Adressen im Internet. Schon Und wenn sie zufrieden sind, ist es das IOC
der Kommissions-Bericht zur Vergabe der
Olympischen Spiele 2012 war innerhalb von IOC-Präsident Rogge auch."

24 Stunden zum begehrtesten Dokument


von www.olympic.org geworden. Der 120- besuchte die World Games In den folgenden elf Tagen (14. bis 24. Juli)
kamen knapp 500.000 Zuschauer zu den
seitige Report der Evaluierungskommission 178 Einzelentscheidungen nach Duisburg,
wurde am 6. Juni um 14.30 Uhr veröffent- IOC-Präsident Dr. Jacques Roggge besuchte Oberhausen und Mülheim. Das IOC hatte die
licht. Bis zum 9. Juni wurden 70.000 so- gemeinsam mit NOK-Präsident Dr. Klaus Schirmherrschaft über die Veranstaltung. "Es
gennante Downloads (Kopien aus dem Steinbach und NOK-Generalsekretär Bern- gab einen umfangreichen Wissenstransfer".
Internet) gezählt. hard Schwank am 14. Juli 2005 die Eröff- betonte IWGA-Präsident Ron Froehlich und
nungsfeier der World Games in der Duisbur- freute sich über Fortschritte in den vergan-
Allein 41.500 Downloads erfolgten in den ger MSV-Arena. Am Freitag, 15. Juli 2005 genen Jahren. Einen Vergleich mit Olympia
ersten 180 Minuten nach Veröffentlichung nahm Rogge in Begleitung seiner Gattin wollte der IWGA-Präsident dennoch nicht
des Berichts. 47.300 Mal wurde bis zum 9. Anne an einem ihm zu Ehren gegebenen wagen. "In der Philosophie der Veranstal-
Juni darüber hinaus auf den Presseartikel Empfang der Internationalen World Games tungen gibt es keine Unterschiede. Alles
andere ist eine Frage des Maßstabes. Der
Etat der World Games lag bei rund 15
Millionen Euro. Das ist gerade mal so viel
wie die erste Phase einer Olympia-Bewer-
bung kostet."

Das deutsche Team schnitt mit 57 Medaillen


(19/18/20) und Platz 2 des Medaillenspie-
gels sehr erfolgreich ab. Ulrich Feldhoff,
Vizepräsident des Deutschen Sportbundes
(DSB) informierte auf einer Pressekonferenz
am Rande der World Games über die
Zustimmung des Bundes-Innenministers
über die Bereitstellung von Fördergeldern
für nicht-olympische Sportarten vom 1.
Januar 2006 an erhalten. "Die jährliche
Förderung wird sich auf weniger als zwei
Millionen Euro belaufen", sagte Feldhoff.
Bisher wurden keine Gelder bereitgestellt.
Grundlage für die Verteilung der Gelder, von
denen 22 nicht-olympische Verbände
profitieren sollen, seien unter anderem die
Ergebnisse bei den World Games. "Weitere
Kriterien sind der internationale Stellenwert
der Sportarten, und ob es ein durchgängiges
Wettkampfsystem gibt", erläuterte Feldhoff,
der sich eine noch intensivere Förderung
gewünscht hätte. "Die zur Verfügung

54
schaft. Auch die Bronze, bekam auch Nina Schiffer (Bonn) im
deutsche Mann- 400 m Lagen Finale verliehen
schaft zählte mit 61
Aktiven (24 deut- Acht Medaillen erbeutete der 19 Aktive (10
sche Nachwuchs- Jungen/9 Mädchen) umfassende deutsche
Athletinnen und 37 Leichtathletik-Nachwuchs in Lignano. Eine
deutsche Nach- Goldmedaille errang Fabienne Kohlmann
wuchs-Athleten) im (Karlstadt) über 400 m Hürden. EYOF-
Hinblick auf die Champion wurde auch Sören Ludolph
Teilnehmerzahl zu (Nordheide) über 800 m. Und eine Goldme-
den größeren Teams. daille gab es für Deutschland schließlich
auch zum Abschluss der Leichtathletik-
Fred Eberle, Präsidi- Wettbewerbe in der 4 x 100 m Staffel der
umsbeauftragter des Mädchen in der Besetzung Isabelle Galander
Deutschen Leicht- (Magdeburg), Lena Schmidt (Hilden), Julia
athletik-Verbandes, Forster und Fabienne Kohlmann (Karlstadt).
nahm für das NOK Matthias de Zordo (Bad Kreuznach) wurde
IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge (l.) und IWGA-Präsident Ron die Funktion des Zweiter im Speerwerfen. Artur Hoppe
Froehlich am Abend der Eröffnung der World-Games (14.07.2005) Chef de Mission des (Radolfzell) erzielte Silber im Diskuswerfen.
in Duisburg. deutschen Teams Zweite wurde über 400 m auch Lena
wahr. Seine Bilanz Schmidt (Hilden). Julia Forster wurde Dritte
(vgl. nebenstehen- im 100 m Hürden-Finale der Mädchen.
gestellte Förderung ist eine Grundlage", des Interview) fällt Juliane Stolle (Leipzig) Dritte über 200 m.
urteilte auch Wolfgang Rittmann, Präsident nahezu uneingeschränkt positiv aus. "Atmo-
der nicht-olympischen Sportverbände in sphäre, Zuschauerresonanz, sportliche Darüber hinaus ließen die deutschen Leicht-
Deutschland. Leistungen, erzieherischer Wert und der athleten für ihren guten Zusammenhalt
gesamte Rahmen wurden dem olympischen sowie für die faire Unterstützung von
Anspruch der Nachwuchsveranstaltung Wettkampf-Partnern durch die Auszeich-

Deutsche Erfolge beim vollauf gerecht", urteilt der Dozent des


pädagogischen Seminars in Schwäbisch
nung mit einer Fair-Play-Trophäe aufhor-
chen.

Europäischen Olympischen Gmünd, der in Lignano durch Sabine Krapf


(Leiterin der NOK-Abteilung Olympischer Drei Medaillen durften die deutschen

Jugendfestival Spitzensport) und Sandra Logemann (NOK-


Abteilung Internationales) unterstützt
Sportlerinnen und Sportler in Lignano am
Ende der Judo Wettbewerbe verbuchen.
wurde. Luise Malzahn (Halle) erzielte einen 2. Platz
in der Gewichtsklasse bis 70 kg. In der
25 Medaillen, Platz 4 in der Die erfolgreichste deutsche Teilmannschaft Gewichtsklasse bis 57 kg wurde Katja
Medaillenwertung mit 11 Medaillen bei 16 teilnehmenden Rossdeutscher (Leipzig) genauso Dritte wie
Aktiven (8 Mädchen/8 Jungen) waren die Marc Schäle (Frankfurt/Oder) in der Ge-
Mit sieben Gold, elf Silber und sieben Schwimmer. EYOF-Champions wurde Marcel wichtsklasse bis 60 kg.
Bronzemedaillen belegte das deutsche Team Luck (Hamburg) über 100 m und 200 m
beim Europäischen Olympischen Jugendfes- Butterfly und Robin Backhaus (Berlin) über Im Basketball-Finale der männlichen Ju-
tival Anfang Juli (3.-8. Juli 2005) im italieni- 400 m Freistil. Die 4 x 100 m Freistilstaffel gendlichen scheiterte Deutschland erst im
schen Lignano Sabbiadoro hinter Russland holte in der Besetzung Marius Bornheim Finale mit 61:67 knapp an Spanien. Über
(17/16/12), Gastgeber Italien (14/8/14) und (Wuppertal), Dimitri Colupaev (Rheinhes- Silber freuten sich. Thierno Agne (Bramfeld),
Großbritannien (13/5/5) einen hervorragen- sen), Robin Backhaus (Berlin) und Yannick Kai Barth (Langen) Marian Benzing (Langen),
den 4. Platz unter 48 teilnehmenden euro- Lebherz ebenfalls die Goldmedaille. Der Robin Benzing (Langen), Elias Harrris,
päischen Nationen. Die Medaillen verteilten Darmstädter Yannick Lebherz wurde auch (Dürckheim / BI Speyer), Christian Kuhn
sich dabei auf insgesamt 37 Länder. Die Zweiter über 200 m Rücken. In der 4 x 100 (Mannheim), Marco Miklos (Regensburg),
meisten gewann Russland (44), lediglich m Freistil-Staffel errangen Lisa Vitting Mathias Perl (Gießen), Thomas Schoeps,
eine Medaille Armenien. (Mülheim), Lara Vanek (Erlangen), Sina Philipp Schwethelm (Köln), Andreas Seifert,
Sutter (Essen) und Uta Müller (Fulda) bei (Marzahn), Moritz Westkämpfer (Lichterfel-
Insgesamt 2013 Aktive (1077 Jungen und den Mädchen Silber. Im Kurzsprint über 50 de).
936 Mädchen) waren am Start. Wie bei den m Freistil wurde auch Marius Bornheim
"richtigen" Olympischen Spielen bildeten die (Wuppertal) noch einmal Zweiter. Und Im Radsport gewann John Degenkolb
Leichtathletik-Wettbewerbe (mit 590 schließlich wurden auch in den 4 x 100 m (Weißenkolb) die Silbermedaille. Nils Plötner
Aktiven) vor den Schwimm-Wettkämpfen Lagenstaffeln die deutschen Mädchen und (Gera) durfte Bronze für sich verbuchen.
(388) den Kern der Veranstaltung. Jungen jeweils Zweite. Den dritten Platz
Gastgeber Italien stellte mit 114 Teilnehme- erzielte im 50 m Freistil-Finale Lisa Vitting Insgesamt waren 61 deutsche Jugendliche
rinnen und Teilnehmern die größte Mann- (Mülheim). Die gleiche Medaille, nämlich zwischen 13 und 17 Jahren am Start. Sie

55
Europäische Olympische Jugendspiele
(Sommer 2005) in Lignano/Italien

56
57
kamen aus 51 Vereinen. Lediglich die Turne- war und ihrem erzieherischen Anspruch zer Leichtathletik-Verband oder der belgi-
rinnen gingen in der Medaillenwertung leer vollauf gerecht wurde. Es ging ja hier nicht sche Leichtathletik-Verband haben sich in
aus, doch mit drei ganz überraschenden allein um gewinnen und verlieren, um Sieg diesem Jahr deshalb sogar für eine Teilnah-
Endkampfplatzierungen wurden die Erwar- oder Niederlage, sondern darum, Leistung me in Lignano und gegen die Teilnahme bei
tungen auch bei ihnen mehr als erfüllt. Das zu zeigen, sich zu Leistung zu bekennen und der U-18 -WM in Marrakesch entschieden.
Wettkampf-Programm umfasste neben den
genannten Sportarten noch Kanu, Fußball,
Handball, Tennis und Volleyball. In diesen
Sportarten waren keine Deutschen am Start.

Das European Youth Olympic Festival geht


auf eine Initiative von IOC-Präsident Dr.
Jacques Rogge zurück. Sommer- und
Winterspiele finden jeweils in den ungera-
den Jahren zwischen den "richtigen" Olym-
pischen Spielen statt. Die Wettkämpfe der
Jugendspiele werden nach dem Reglement
der zuständigen Internationalen Fachver-
bände durchgeführt. Doping-Kontrollen sind
gemäß der Bestimmungen der World-Anti-
Doping-Agentur (WADA) vorgesehen.

Seit ihrer Erfindung wurden die Europäi-


schen Olympischen Jugendspiele 1991 in
Brüssel (Belgien), 1993 in Aosta (Italien) und
Valekenswaard (Holland), 1995 in Andorra-
la Vella (Andorra) und Bath (Großbritan- Fred Eberle (l.), Martin Vetter (Deutsches Generalkonsulat Mailand) und NOK-Generalsekre-
nien), 1997 in Sundsvall (Schweden) und tär Bernhard Schwank (r.) vor dem deutschen Quartier in Lignano
Lissabon (Portgual), 1999 in Poprad Tatry
(Slovakai) und Esbjerg (Dänemark), 2001 in
Vuokatti (Finnland) und Murcia (Spanien) darüber hinaus andere olympische Werte Wichtig ist aus fachlicher Sicht nur, dass die
und 2003 in Bled (Slovenien) und Paris wie das Fair Play nicht zu vernachlässigen. EYOF künftig dann auch die ganze Palette
(Frankreich) organisiert. Im Jahr 2005 war der olympischen Disziplinen einer Sportart
Monthey (Schweiz) Schauplatz der Winter- Internationale beachtliche Leistungen anbieten. Das würde es manchen Verbänden
ausgabe der EYOF. zeigen die Jugendlichen heute auch schon gewiss noch leichter machen, sich für eine
sehr früh bei Schüler- und Jugendwelt- EYOF-Teilnahme zu entscheiden.
Die kommenden Europäischen Olympischen meisterschaften. Wo liegen die Unter-
Festivals der Jugend finden im Jahr 2007 in schiede zum Europäischen Olympischen Auch der DLV hatte aus der Sicht eines
Jaca/Spanien (Winter) und Belgrad (Som- Jugendfestival? schon für Jugendliche überfrachteten
mer) statt. Wettkampfkalenders in den zurückliegen-
Der internationale Kontakt erfolgt in einem den Jahren manchmal Bedenken …
ganz anderen Umfeld. Bei EYOF sind die
Interview mit Fred Eberle Sportler bestimmter Sportarten nicht nur
unter sich. Sie lernen die Besonderheiten
… die aber, wenn man meiner Empfehlung
folgt, mit Lignano ausgeräumt sind. Das
und Eigenheiten, die Stärken und Schwä- Europäische Olympische Jugendfestival ist
Chef de Mission der deut- chen, die Herausforderungen, Chancen und auch aus sportfachlicher Sicht ein absoluter
schen Delegation beim Euro- Lösungsmöglichkeiten anderer kennen. Ich Gewinn für die Karriere-Entwicklung unse-
habe eine große Neugier und eine große res Nachwuchses in den olympischen
päischen Olympischen Ju- Freude unter den jungen Leuten erkannt, Sportarten.
gendfestival sich mit den Sportarten der anderen ausei-
nanderzusetzen. Gilt dieses Urteil über die Wettkampfor-
Herr Eberle, das deutsche Team ist mit 25 ganisation hinaus auch für das Umfeld
Medaillen aus Lignano zurückgekehrt. Trotzdem durfte sich auch die sportliche der Veranstaltung?
Eine für Sie positive Bilanz? Qualität sehen lassen.
Zweifellos. Die Wettkampfstätten waren
Ja, wir waren ein sportlich erfolgreiches Auf jeden Fall. Ich komme aus der Leicht- hervorragend. Die Unterbringung in einer
Team. Als Chef de Mission und als Pädagoge athletik und kann bestätigen, dass die schön gelegenen sportbetonten Jugend-
darf ich aber vielleicht noch hinzufügen, Ergebnisse durchaus mit denen einer U-18- Ferien-Wohnanlage hatte den Charakter
dass die Veranstaltung auch wertvoll für Weltmeisterschaft vergleichbar sind. Man- eines Olympischen Dorfes und auch die
den olympischen Sport und alle Beteiligten che Verbände wie zum Beispiel der Schwei- Zuschauerresonanz war gut. Viele Eltern

58
und Fans waren mitgereist und haben die gelungene organisatorische Umfeld war die ten und interessanten Diskussionen konnten
Sportveranstaltung mit dem bevorstehen- Basis für das deutsche Team. eine Reihe von Empfehlungen verabschiedet
den Sommerurlaub verbunden. werden.
Verbleibt bei einer derart positiven Bilanz
Was erinnerte denn noch an die "richti- überhaupt noch Platz für Kritik
gen" Olympischen Spiele?
An der Veranstaltung und an unserem Team
Nun es gab eine Eröffnungsfeier und eine sicher nicht, aber ich hätte mir schon etwas
Schlussfeier mit Ein- und Ausmarsch der mehr Interesse der deutschen Öffentlichkeit
Aktiven, Fahnenträger, Hymnen, einheitli- gewünscht. Ich hoffe, dass zumindest in den
cher Mannschaftskleidung, Feuerwerk und regionalen Medien etwas Anteil an den
moderner Musik. Und es gab neben Sieger- Spitzenleistungen unseres Nachwuchses
ehrungen, Unterhaltungsprogramm und genommen wurde. Schließlich handelt es
Ausflügen in Kunst und Kultur diese ein- sich bei den Teilnehmerinnen und Teilneh-
gangs bereits beschriebene einmalige, für mern ja um unsere künftigen Olympioniken,
Außenstehende manchmal nur schwer von denen wir alle zu Recht Großes erwar-
nachvollziehbare aber sehr positive und ten. Ein wenig mehr Anteilnahme an der
fröhliche Atmosphäre eines Multi-Sportfes- Karriere-Entwicklung müsste man da, wie
tivals. ich meine, künftig schon erwarten dürfen.

Zurück zum deutschen Team. Wie bilan- Fred Eberle (62) ist Dozent des Pädagogi-
zieren Sie dessen Auftreten über den schen Seminars in Schwäbisch Gmünd
Sport hinaus? und Präsidiumsbeauftragter des Deut-
schen Leichtathletik-Verbandes. Als
Ich habe ja bereits gesagt, dass Erfolg für Trainer hat er zahlreiche leistungsstarke
mich mehr ist als die Summe guter Leistun- Zehnkämpfer wie u.a. Siggi Wentz be-
gen. Die deutschen Jugendlichen sind treut.
EOC-Aktivensprecherin Claudia Bokel
während der EYOF zu einem echten Team
herangewachsen. Falls ein Impuls zum
Zusammenhalt überhaupt notwendig war,
dann wurde er durch den tragischen Unfall Gibt es ein Leben nach Als fundamental für eine Integration in das
Arbeitsleben nach der Sportkarriere wurde
von 1500 m Läufer Christian Hengmith
erzeugt, der sich im Vorlauf das Bein brach. dem Sport? angesehen, jeden Aktiven an seine persönli-
che Verantwortung für die notwendige
Das hat uns alle noch mehr zusammenrü- Kombination von Ausbildung und Sport zu
cken lassen und das Teams ist für sein erinnern. Dabei wurden die NOKs genauso
Auftreten von den Organisatoren schließlich
Ergebnisse vom wie die internationalen Verbände aufgefor-
sicher auch nicht ganz umsonst mit einem 2. IOC-Aktivenforum dert, ihrer Verantwortung gegenüber
Fair-Play-Preis ausgezeichnet worden. Dabei Athletinnen und Athleten gerecht zu
will ich die gute kollegiale und freund- Gibt es ein Leben nach dem Sport? Diese werden und sich mit ihrer Karriereplanung
schaftliche Zusammenarbeit der Trainer der Frage, die sich auch jeder Aktive irgend- auseinanderzusetzen. Unter anderem solle
einzelnen Sportarten besonders erwähnen. wann im Laufe seiner Karriere stellen muss, dies die Bereitstellung von Ausbildungs-
war eines von drei Themen, die im Mai 2005 und Beschäftigungsplätzen während und
Also auch unter erzieherischen Gesichts- beim 2. Internationalen Athleten-Forum am
punkten ein Erfolg? Olympischen Museum in Lausanne disku-
tiert wurden. Im Mittelpunkt der Beratun-
Ja, ich glaube auch die Jugendlichen und ihr gen standen darüber hinaus Fragen der
Umfeld bilanzieren dies so. Viele waren Kommerzialisierung und des Dopings.
erstaunt, dass es uns gelungen ist, in so
kurzer Zeit eine Einheit zu bilden, zu einem Unter der Leitung von Olympiasieger Sergey
echten Team zusammenzuwachsen, Freund- Bubka, sechsfacher Weltmeister im Stab-
schaften zu schließen, Bestleistungen zu hochsprung und Vorsitzender der IOC-
erzielen und zu feiern und auch die eine Aktivenkommission, trafen sich 70 Teilneh-
oder andere Enttäuschung gemeinsam zu merinnen und Teilnehmer aus 32 Olympi-
verarbeiten. Die EYOF werden für viele ein schen Sportverbänden sowie Athletenspre-
unvergessliches Erlebnis bleiben, das Kraft cher aller Kontinentalvertretungen der
und Ansporn für die weitere Karriere im NOKs. Von deutscher Seite waren Claudia
olympischen Spitzensport sein wird. Dieser Bokel, Präsidentin der EOC-Athletenkom-
Erfolg ist aber auch der sehr guten Zusam- mission, und Stefan Forster, Vorsitzender des
menarbeit mit dem NOK zu verdanken. Das Beirats der Aktiven, eingeladen und konnten Vorsitzender des Beirats der Aktiven,
ihre Erfahrungen einbringen. Nach lebhaf- Stefan Forster

59
nach ihrer Karriere beinhalten. Diese Vor-
stellungen decken sich genau mit den
http://multimedia.olympic.org/pdf/en_
report_958.pdf Peking 2008
Forderungen, die auch von Seiten der
Deutschen Aktiven immer wieder postuliert
IOC-Koordinierungskommissi-
wurden. Sehr begrüßt wurde in diesem
Zusammenhang die Vereinbarung des IOC NOK-Ehrenmitglied Prof. on tagte
mit Adecco, die im Rahmen eines weltwei-
ten Programmes die Integration von Spit- Dr. Helmut Digel präsen- Nach einem dreitägigen, sehr positiv bilan-
zensportlern in den Beruf erleichtern soll.
tierte vergleichende zierten Meeting hat die IOC-Koordinie-
rungskommission am 2. Juni 2005 ihren
Auch im Hinblick auf den Kampf gegen
Doping ermunterte das Athletenforum noch Spitzensportstudie vierten Besuch in Peking, der Gastgeber-
stadt der Olympischen Spiele und der
einmal alle NOKs und Internationalen Paralympics 2008 beendet.
Sportfachverbände Aktivenkommissionen Im Auftrag des Bundesinstituts für Sport-
einzusetzen, die an der Entscheidungsfin- wissenschaft (BISp) hat NOK-Ehrenmitglied Neben der Visite von Wettkampfstätten,
dung und am Kommunikations- diskutierte die Kommission über das Budget,
fluss beteiligt sind. Mit Blick auf den Transport, den Sport, die Kommunikati-
die notwendigen Sanktionen on und das Marketing. Die Koordinierungs-
von Dopingvergehen wurde kommission setzt sich aus Vertretern der
empfohlen, strenge sportbezo- gesamten Olympischen Familie zusammen.
gene Bestrafungen von Aktiven, Ihre Aufgabe besteht in der Beobachtung
Ärzten, Trainern oder Betreuern und Beratung des Organisationskomitees
auszusprechen, die sich eines der Spiele der XXIX Olympiade (BOCOG).
Dopingverstoßes schuldig
gemacht haben. Aus deutscher "Die Fundamente für den Erfolg sind gelegt
Sicht wurde von Bokel und und bauen auf soliden Finanzen, einer
Forster auch in persönlichen einwandfreien Infrastruktur und einer
Gesprächen mit den WADA- effektiven Organisation", sagte der Vorsit-
Verantwortlichen insbesondere zende der Koordinierungs-Kommission Hein
auf die Notwendigkeit der Verbruggen. "BOGOG hat uns in dieser
internationalen Harmonisierung NOK-Ehrenmitglied Prof. Dr. Helmut Digel Woche das Budget offenbart, das für die
der "Whereabout"-Regeln Durchführung der Spiele zur Verfügung
hingewiesen.
Professor Dr. Helmut Digel (Tübingen), ein
Im Zusammenhang mit positiven und profunder Kenner des nationalen und
negativen Auswirkungen der Kommerziali- internationalen Hochleistungssport, in den
sierung des Spitzensports erkannten die vergangenen Jahren acht Länder einer
Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Fo- genauen Analyse unterzogen, die bei den
rums die Notwendigkeit von Harmonisie- Olympischen Spielen zuletzt sehr erfolgreich
rungen des Sport-Kalenders. Vom Grundsatz waren. Zu ihnen zählen neben Deutschland
her befürworteten die Aktiven die Moderni- die USA, Russland, China, Australien, Groß-
sierung des Sports, solange dabei Kern und bitannien, Frankreich und Italien.
Idee des Sports nicht verändert würden.
Die Ergebnisse der Studie, den Vergleich der
IOC-Präsident Dr. Jacques Rogge, der zwei Systeme und die für Deutschland daraus
Tage lang anwesend war und sich auch an resultierenden Schlussfolgerungen hat
Eröffnungs- und Schlussdiskussionen Professor Digel am 20. Juli im Presse- und
beteiligte und jederzeit für Fragen bereit- Informationsamt der Bundesregierung in
stand, die Bedeutung der Aktiven für die Berlin der Öffentlichkeit vorgestellt.
Olympische Bewegung in Erinnerung und
sagte erneut die volle Unterstützung seines Im Anschluss daran kommentierten Jörg
Komitees für die Hauptakteure des olympi- Ziegler, Geschäftsführer Bereich Leistungs-
schen Spitzensports zu. sport des Deutschen Sportbundes (DSB),
und der Staatssekretär im Bundesministeri-
Die Empfehlungspapiere im Internet: um des Innern, Dr. Göttrick Wewer, mögli-
http://multimedia.olympic.org/pdf/en_ che Konsequenzen zur Weiterentwicklung
report_956.pdf des deutschen Spitzensports. Für das BISp
sprach Direktor Jürgen Fischer.
http://multimedia.olympic.org/pdf/en_ Countdown für die Olympischen Spiele
report_957.pdf 2008 in Peking

60
steht. Die operativen Kosten sollten nicht Sportarten kommen zur Austragung. Erwar- städtebauliche Maßnahmen als auch die
mit jenen für die Infrastruktur vermengt tet werden 10.500 Athleten und etwa Organisation selbst anbelangt", sagte der
werden, denn diese Investitionen werden 20.000 akkreditierte Medienvertreter. Vorsitzende des Gremiums, Jean Claude Killy.
sich auch dann noch bezahlt machen, wenn
die Spiele längst vorbei sind", ergänzte Mehr über die Olympischen Spiele und das Der nächste Besuch der Kommission findet
Verbruggen. „Volunteer“-Programm 2008 im Internet: im November statt. Zu diesem Zeitpunkt
http://www.beijing-2008.org . müssen alle Sportstätten für die letzten
Das Budget von BOCOG werde durch einen Tests fertig gestellt sein. Auch das Organisa-
Beitrag des IOC unterstützt, das dieses aus tionsteam sollte dann voll funktionsbereit
dem Verkauf der Fernsehrechte und interna-
tionalen Sponsoring-Partnerschaften erlöse. Turin 2006 sein", sagte Killy. Es sei gar kein Zweifel,
dass noch eine Menge Arbeit anstehe, das
Darüber hinaus sei BOCOG bemüht, weitere IOC vertraue darauf, dass diese erfolgreich
Wirtschaftspartner zu finden und die "In der Spur" zu Ende geführt würden.
Voraussetzungen für einen optimalen
Ticket-Erlös zu schaffen. "Wir gratulieren Nach einem dreitägigen Meeting in guter TOROC-Präsident Valentino Castellani sagte:
BOCOG zu seinem erfolgreichen Marketing- Atmosphäre, kombiniert mit Visiten der "Wir freuen uns immer über den Besuch des
programm", erklärte Verbruggen. Stadt und der Infrastruktur in den Bergen, IOC und insbesondere natürlich dann, wenn
hat die IOC-Koordinierungskommission im wir über derart gute Fortschritte berichten
BOCOGS Budgetplanungen sind mit jenen Juni ihren neunten und vorletzten Besuch können. Wir sind sehr zuversichtlich, dass
vergleichbar, die kürzlich vom Organisati- in Turin, der Stadt der Olympischen Winter- sowohl die baulichen als auch die organisa-
onskomitee der Spiele 2004 ATHOC veröf- spiele und der Paralympics 2006 beendet. torischen Arbeiten für die Spiele rechtzeitig
fentlicht wurden. Mit der Ausbalancierung Ergänzend zu den vorgetragenen Berichten und zur vollsten Zufriedenheit der Aktiven
der Ausgaben für die Durchführung der des Organisationskomitees der Spiele und Zuschauer umgesetzt werden."
Spiele sieht sich das IOC in seiner Politik (TOROC) und der öffentlichen Verwaltungen
bestätigt, den Anstieg der Kosten und der beschäftigte sich die Kommission vor allem
Komplexität der Veranstaltung zu stoppen", mit den Dienstleistungen für Aktive, Inter-
meinte Verbruggen weiter. nationale Fachverbände, NOK, Medien,
Paralympics Tickets jetzt
Zuschauer und Sponsoren. erhältlich
Das nächste Meeting der IOC-Koordinie-
rungskommission findet im November 2005 "Wir konnten hier einen guten Fortschritt Etwa 200.000 Tickets für die 47 Paralympic
statt. bilanzieren, sowohl was die allgemeine Wettbewerbe der IX. Paralympics Winter-
Infrastruktur, die Sportstätten und die spiele sind seit dem 2. Juni im freien Ver-
kauf erhältlich.
BOCOG startet Es gelten Einheitspreise von 12
Volunteer Programm Euro für alle Einzelwettbewerbe.
Ausdrücklich ausgenommen
Das Organisationskomitee der Spiele der davon sind die Eröffnungsfeier,
XXIX. Olympiade 2008, Peking 2008 hat am die Schlussfeier und die Eis-
5. Juni sein Freiwilligen Programm begon- hockey-Finals, die eine andere
nen. BOCOG erwartet 70.000 Interessenten. Preisstruktur haben. Reduzierte
Tickets sind für Kinder zwischen
Auf die Freiwilligen Helfer warten bei 2 und 14 Jahren, Senioren über
Olympischen Spielen unterschiedlichste 60 und Besuchergruppen von
Aufgaben, z.B. bei der Betreuung von mehr als 20 Personen zum Preis
Zuschauern, im Bereich Übersetzung, beim von 8 Euro erhältlich. Schulen
Transport, im Rahmen der Sicherheit, der profitieren ebenfalls von den
medizinischen Betreuung, kultureller Aktivi- reduzierten Preisen. Außerdem
täten und so weiter. Die meisten Freiwilligen kommen sie zum Teil in den
werden von chinesischen Universitäten viele Genuss von Sonderprogrammen.
aber auch aus dem Ausland kommen.
Innerhalb der EU können Tickets
"Die Freiwilligen werden von der Idee über die website www.tori-
getragen, für die Olympischen Werte zu no2006.org/tickets, oder über
werben und die besten Bedingungen für die das Call Center +39 039 8382
Aktiven zu gewährleisten", sagte IOC- 50 bestellt werden.
Präsident Dr. Jacques Rogge.
Die IX. Paralympics finden vom
Die Olympischen Spiele Peking 2008 finden 10. bis 19. März 2006 statt.
vom 8. bis zum 24. August 2008 statt. 28 Aster, das Maskottchen der Paralympics Turin 2006 Über 600 behinderte Athleten

61
werden im Alpinen Skilauf, im nordischen Leipzig bewegten sich Olympiabegeisterte gestellt. In ihrer gemeinsamen Botschaft
Skilauf, Biathlon, Rollstuhl-Curling und im Lauf- und Walkingschritt oder auf erklärten die beiden Präsidenten, dass ein
Eishockey gegeneinander antreten. Inlineskatern, um den Geburtstag des gut organisierter Sport Katalysator für die
Internationalen Olympischen Komitees zu ökonomische Entwicklung sowie kosten-
feiern. Die größte Veranstaltung fand am günstige Gesundheits- und Erziehungsmaß-

5. Sportwissenschaftliches 22. Juni in Kiel statt. Die schleswig-holstei-


nische Landeshauptstadt konnte knapp
nahme sein kann. Der Sport biete unendlich
viele Möglichkeiten für innovative Partner-

Olympiaseminar für 2.000 Schülerinnen und Schüler zum 10km-


Lauf für die olympische Idee mobilisieren.
schaften zwischen internationalen Organi-
sationen, zivilen Gruppen, dem privaten

Hochschulen 2006 ausge- Den Auftakt am 18. Juni machte Tauberbi-


schofsheim, das den Olympic Day Run in
Business Sektor und weiteren Partnern. Auf
die gemeinsamen Ideale der Vereinten

schrieben seine 1250-Jahr-Feier einbettete. Zum 750.


Geburtstag der sächsischen Stadt Zittau im
Nationen und des Internationalen Olympi-
schen Komitees hinweisend, betonten
Annan und Rogge die Zusammenarbeit
Das Nationale Olympische zwischen den Organisationen im Jahr des
Komitee für Deutschland setzt Sports und der Leibeserziehung. Die Mög-
im kommenden Jahr mit seinem lichkeiten des Sports sollten dazu genutzt
Kuratorium für Olympische werden, um die Lebensbedingungen der
Akademie und Olympische Menschen zu verbessern.
Erziehung die Tradition seiner
Hochschulseminare in der
Internationalen Olympischen
Akademie in Olympia/Griechen- Fundgrube für olympische
land fort. Anfang Juni wurde die
Ausschreibung des Seminars an Faktensammler
die Leiter/innen und Leiter der
Institute für Sport- und Sport-
wissenschaft der Universitäten
Privater Internet-Auftritt zur
in Deutschland gesandt. Ziel ist Olympischen Geschichte
es, die Auseinandersetzung mit
olympischen Fragen und The- Eine wahre Fundgrube für olympische
men in Hochschuleinrichtungen Nicht nur auf Schusters Rappen unterwegs: Olympic Faktensammler ist der private Internet-
zu intensivieren. Durch die Day Run Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Auftritt "Olympisches Museum" von Jürgen
Teilnahme ausländischer Univer- Wagner, der die offiziellen Seiten des
sitäten soll eine stärkere inter- Olympischen Museums in Lausanne
nationale Verankerung erreicht werden. Die Dreiländereck Deutschland-Polen-Tsche- (http://www.olympic.org/uk/passion/
Veranstaltung findet vom 17.-23. September chien setzten Mädchen und Jungen aller museum/index_uk.asp) und des Deutschen
2006 statt. Es stehen maximal 90 Plätze zur drei Nationen mit ihrer Teilnahme am Sport und Olympia Museums Köln
Verfügung, die auf sieben sportwissen- Olympic Day Run ein Zeichen für die Völ- (http://www.sportmuseum-koeln.de) sinnvoll
schaftliche Einrichtungen mit je 10 Studie- kerverständigung. Zum Abschluss der ergänzt.
renden, sieben Lehrkräften und 13 Plätzen Olympic-Day-Run-Serie am 25. Juni beweg-
für ausländische Studentinnen und Studen- ten in Bobenheim-Roxheim und Leipzig So findet man auf Wagners Seite
ten verteilt werden. Angeboten werden erfolgreiche Olympioniken wie Ingrid http://www.olympic-museum.de unter
Ringvorlesungen, Seminare, Besichtigungen Mickler-Becker, Alois Bierl, Annett Böhm anderem Hinweise, Abbildungen und histo-
etc. oder Jens Lehmann die Teilnehmerinnen rische Entwicklungsverläufe zu Medaillen,
und Teilnehmer. Mit der beachtlichen Urkunden, Medaillenspiegel, Maskottchen,
Resonanz und den bunten Programmen Offizielle Abschlussberichte der Spiele,

Olympic Day Run auch konnte der deutsche Sport einen wichtigen
Beitrag der olympischen Bewegung zum
Teilnehmende Länder, Piktogramme, Poster,
Offizielle Programme der Spiele, IOC-

2005 erfolgreich Internationalen Jahr des Sport und der


Leibeserziehung leisten.
Präsidenten, Tickets, NOKs, Besonderheiten,
Briefmarken, Kuriositäten etc. Historische
Dokumente und Quellen zur olympischen
Das Nationale Olympische Komitee für UN-Präsident Kofi Annan und IOC-Präsident Bewegung lagen in dieser Dichte bislang im
Deutschland und die Deutsche Olympische Dr. Jacques Rogge hatten zuvor in einem deutschsprachigen Internetangebot nicht
Gesellschaft ziehen eine positive Bilanz der gemeinsamen Aufruf an die Bedeutung des vor.
diesjährigen Olympic-Day-Run-Serie. Sports für die Internationale Entwicklung
Insgesamt 3.500 Läuferinnen und Läufer erinnert und die Veranstaltungen aus Anlass
nahmen an den fünf Olympic Day Runs in des Geburtstages des IOC (Olympic Day)
Deutschland teil. In Tauberbischofsheim, ganz in das Zeichen des Internationalen
Kiel, Zittau, Bobenheim-Roxheim und Jahres des Sports und der Leibeserziehung

62
Aktuelle Entwicklungs- und taktische Übungsformen und Spielprin-
zipien erarbeitet. Mit Trainern wurden

projekte des NOK entsprechende Unterweisungen geplant. Die


Nominierung von Frau Lemmen für die
NOK-Kurzzeitmaßnahme erfolgte in enger
Zusammenarbeit mit dem Deutschen
Hockeybund, dem Niedersächsischen Ho-
ckeybund und dem Landessportbund Nie-
dersachsen. Informationen über Südafrika
im Internet:
http://www.auswaertiges-
amt.de/www/de/laenderinfos/laender/ In der Bundesliga über viele Spielzeiten
laender_ausgabe_html?type_id=14&land hinweg als Mann mit Peppita-Hut be-
_id=162 kannt: Entwicklungshelfer Klaus Schlapp-
Alle Projekte dienen der Förderung von ner
Sportbeziehungen mit Ländern der Dritten
Welt im Rahmen der Auswärtigen Kultur- Weißrussland. Einzel- und Gruppentaktik sowie in der
politik und werden aus Mitteln des Aus- Konditionsschulung unterwiesen wurden.
wärtigen Amtes finanziert. Teil der Projekte Klaus Blessing, Sportstättenbauexperte aus
Informationen über die Mongolei im Inter-
sind Gerätespenden an die Partner vor Ort. Hannover, baute und installierte vom 28.07.
net:
bis 07.08. in Beresa, ca. 200 km südwestlich
http://www.auswaertiges-
von Minsk in Weißrussland gemeinsam mit
amt.de/www/de/laenderinfos/laender/
In Südafrika, Weißrussland, der Mongolei Jugendlichen Sportgeräte. Der Kontakt
laender_ausgabe_html?type_id=14&land
und Papua-Neuguinea werden in den wurde über die nationale Olympische
_id=115
nächsten Wochen Experten des Nationalen Akademie in Minsk hergestellt. Auf der Basis
Olympischen Komitees (NOK) für Deutsch- umfangreicher Erfahrungen, die Blessing
land für die Entwicklung des heimischen u.a. in Albanien sammelte, wurden auf
Sports tätig. Dabei geht es um die Förde- mehreren brachliegenden Gelände in
Papua-Neuguinea.
rung von Sportarten wie Hockey und unmittelbarer Nähe größerer Wohnblocks Dr. Nadja Schott, Sportwissenschaftlerin aus
Fußball aber auch um den Bau von einfa- zwei Kleinfelder für Fußball und Handball Hofheim/Taunus, wird vom 19.08. bis zum
chen Sportstätten, die Unterstützung beim angelegt. Gemeinsam mit den Jugendlichen 12.09.2005 in Papua Neuguinea Trainer
Aufbau von Sportorganisationen und um wurden aus Stahlrohr stabile Tore gebaut und Übungsleiter im Breiten- und Leis-
einfache Bewegungsangebote für Straßen- und einbetoniert. Blessing, der den Besuch tungssport ausbilden. Das Vorhaben schließt
und Waisenkinder. Wie immer werden die mit der Visite eines weißrussisch/deutschen an eine Maßnahme im vergangenen Jahr
deutschen Experten Sportgerätespenden mit Jugendlagers des Volksbundes für Deutsche an, bei der Dr. Schott in Papua Neuguinea
sich führen, die der Bevölkerung und dem Kriegsgräberfürsorge verband, sprach mit den Aufbau einer Sportorganisation mit
Sport vor Ort zugute kommen. Alle Maß- den Partnern in Minsk auch über die künfti- Schwerpunkt Gesundheitssport initiiert und
nahmen werden aus Mitteln des Auswärti- ge Durchführung von Schülerolympiaden sich dabei schwerpunktmäßig zunächst der
gen Amtes finanziert und dienen der nach deutschem Vorbild. Informationen Zielgruppe der Straßen- und Waisenkinder
Förderung von Sportbeziehungen mit über Weißrussland im Internet: gewidmet hatte. Dr. Nadja Schott hat in der
Ländern der Dritten Welt im Rahmen der http://www.auswaertiges- Vergangenheit in Zusammenarbeit mit NOK,
Auswärtigen Kulturpolitik. Bitte beachten amt.de/www/de/laenderinfos/laender/laen- DSJ und Gesellschaft für technische Zusam-
Sie auch die Länderinformationen des der_ausgabe_html?type_id=14&land_id=18 menarbeit (GTZ) mehrere Entwicklungs-
Auswärtigen Amtes. Projekte u.a. in den Armenvierteln von
Calcutta und Delhi geleitet. In Ihrem Haupt-
Mongolei. beruf ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin
Südafrika. am Institut für Sportwissenschaft an der
Klaus Schlappner, Einhausen-Jägersburg,
Justus-Liebig-Universität Gießen. Informa-
Nina Lemmen, Hockey-Expertin aus Hanno- prominenter Fußballexperte mit Trainersta-
tionen über Papua-Neuguinea im Internet:
ver, führte vom 17.07. bis zum 05.08.2005 tionen bei den Bundesligisten Darmstadt 98,
http://www.auswaertiges-
eine Hockey-Fortbildung in Südafrika durch. 1. FC Saarbrücken, Carl-Zeiss Jena und SV
amt.de/www/de/laenderinfos/laender/
Die dreißigjährige ist Diplomtrainerin im Waldhof Mannheim sowie der chinesischen
laender_ausgabe_html?type_id=14&land
Hockey und, nach verschiedenen Trainersta- und iranischen Nationalmannschaften,
_id=132
tionen in Krefeld, Köln und Heidelberg seit leitete vom 01.-20.08.2005 im Auftrag des
dem 01.01.2005 Landestrainerin Niedersach- NOK in der Mongolei ein Fußball-Kurzzeit-
sen. In Südafrika präsentierte Nina Lemmen projekt. Das in enger Abstimmung mit dem
Modelle zum Kinder- und Jugendhockey- DFB geplante Unternehmen sah Maßnah-
Afghanistan.
training sowie Wettkampfformen im Kinder- men im Bereich Jugend- und Leistungstrai- Ein Schwerpunkt des Deutschen Fußball-
und Jugendhockey. Mit Schul-, Vereins- und ning vor, bei denen die Teilnehmerinnen Projektes in Afghanistan ist die Förderung
Auswahlmannschaften wurden technische und Teilnehmer in indivdueller Technik, des Jugendfußballs. Aus diesem Grunde

63
und rechtlichen Aspekten des Dopings im
Sport", die eine rein rechtlich orientierte
Herangehensweise an die Dopingproblema-
tik als zu kurz greifend bewertet und
zusätzliche ethische Kategorien einfordert,
um die gesellschaftliche Akzeptanz der
Dopingbekämpfung auf ein breiteres Funda-
ment zu stellen.

Frank Kühn analysierte die Olympischen


Ideale und Moralvorstellungen sowie
pseudosakrale Elemente zurückliegender
Olympischer Spiele mit seinem Ansatz
"Olympismus als Zivilreligion? Theoretische
Begründungszusammenhänge aktueller
Theorien zu den Ideen Pierre de Coubertins
und deren Umsetzung in ausgewählten
Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele".
Für das Kuratorium der Olympischen Akade-
Endspiel: Afghanische U-13 Mannschaften im Zentralstadion von Kabul mie des NOK lobte Professor Dr. Jochen
Hinsching (Greifswald) das exzellente
Niveau aller eingereichten Arbeiten - allen
sei gemeinsam, das sie in der Summe und
veranstalteten die Projektleiter zur Sichtung ihrer Positionierung in einer globalen im einzelnen Ansatz die aktuellen Probleme
besonderer Talente im Juli 2005 ein großes Gesellschaft zeichnet die Beiträge zum des Olympismus in der postmodernen und
Jugendturnier in der Altersklasse U 13. Akademischen Wettbewerb des NOK, aus, globalisierten Gesellschaft thematisierten.
Achtzehn Mannschaften konnten zum dessen Preisträger im Juli im Georg-Chris- NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach griff die
Turnier in Kabul zugelassen werden, über 50 toph-Lichtenberg-Haus der Technischen Herausforderungen und Widersprüche,
Mannschaften hatten sich beworben. Im Universität Darmstadt prämiert wurden. Der denen sich die Olympische Bewegung
Halbfinale setzten sich die Mannschaft aus erste Preis wurde von der Jury geteilt und zwischen Idealen und Kommerz, zwischen
dem Learn and Play Center der Afghanis- ging doch komplett nach Mainz, denn beide Doping und Fair-Play stellen müsse auf und
tan-Hilfe Paderborn und eine Mannschaft Sieger entstammen dem Sportinstitut der bezeichnete Olympischen Spitzensport und
aus West-Kabul durch. Das Finale wurde im dortigen Johannes-Gutenberg Universität: Olympische Erziehung als die beiden gleich-
Olympiastadion in Kabul als Vorveranstal- Katja Senkel überzeugte die Jury mit ihrer berechtigten Säulen des Olympismus. Dabei
tung vor einem Erstligaspiel ausgetragen. Arbeit "Wege zu einem ethisch-rechtlichen verhielten sie sich nicht wie feindliche
Nach spannendem Spielverlauf musste Konsens in der internationalen Dopingpro- Brüder, sondern wie "freundliche Schwes-
letztlich das Siebenmeter-Schießen die blematik. Eine Problemskizze zu ethischen tern".
Entscheidung bringen, wobei sich das Team
der Learn and Play Schule durchsetzen
konnte. Das deutsche Projekt und der
Afghanische Fußballverband ehrten die
erfolgreichen Mannschaften in einer feierli-
chen Siegerehrung, die am Abend auch im
Fernsehen übertragen wurde. Die beiden
Projektleiter Ali Askar Lali und Klaus Staerk
konnten zahlreiche Talente sichten und eine
weitere Aktion aus ihrem Talentförderungs-
programm erfolgreich abschließen.

Olympische Erziehung
Präsident Steinbach zeichne-
te Preisträger im Akademi-
schen Wettbewerb aus
Ein durchweg hohes Niveau und profunde NOK-Präsident Dr. Klaus Steinbach, Kuratoriumsmitglied Prof. Dr. Jochen Hinsching (l.) und
Kenntnis der Olympischen Bewegung und die Preisträgerinnen und Preisträger des akademischen Wettbewerbs

64
Abgeleitet aus der Olympischen Charta
finde sich die Olympische Erziehung in allen Vermarktungserfolge federführenden Agentur SI, sagte, die
Resultate zeigten, dass die Untersuchungs-
Feldern olympischen Handelns, auch in der teilnehmer sich in allen Altersgruppen sehr
Arbeit eines NOK: im sportlichen Wettkampf stark mit den Olympischen Werten identifi-
genauso wie in Lehrplänen für Schulen,
95% der 12-55-Jährigen ken- zierten. "Unser Unternehmen verfolgt den
Fortbildungen an Universitäten oder Lehrer- nen die Olympischen Ringe Wiedererkennungswert und die Anziehungs-
seminaren im griechischen Olympia. Aller- kraft einer ganzen Reihe führender Firmen
dings sei Vielfalt nicht mit Beliebigkeit zu Eine aktuelle empirische Studie im Auftrag und Ereignisse. Die Ergebnisse der Olympi-
verwechseln: Olympia sei kein Gemischtwa- des Internationalen Olympischen Komitees schen Spiele sind unter den besten, die wir
renladen, die Zielgruppe sei scharf umrissen: erhärtet auf Basis einer wissenschaftlichen je erhoben haben." Die Studie beinhaltet
der erzieherische Ansatz wende sich konkret Befragung in elf Ländern die Annahme, dass auch positive Erkenntnisse für Sponsoren
und in erster Linie an die Jugend der Welt. die Olympischen Spiele auch weiterhin eines und Wirtschaftspartner. So äußerten sich
der populärsten Ereignisse der Welt sind. Die die Befragten sehr aufgeschlossen gegen-
von Sponsorship Intelligence (SI) durchge- über den Leistungen und Interessen von
führte Untersuchung zeigt die führende Sponsoren und der notwendigen Unterstüt-
Grundschule Nittel erhielt Position der Olympischen Spiele bei Anzie- zung der Olympischen Bewegung durch
NOK-Preis für Projektwoche hungskraft und Wiedererkennungswert ihrer Wirtschaftspartner. „74% aller Befragten
stimmten der Einschätzung zu, dass Spon-
"Olympia ruft - Mach´mit" soren einen großen Anteil am Gelingen der
Die Bundesjugendspiele "Leichtathletik" der Olympischen Spiele haben", sagte Graham.
Grundschule in Nittel werden wohl allen
Beteiligten noch eine ganze Zeit lang in
Erinnerung bleiben, denn ihre besondere
Note bekamen sie durch die Verleihung IOC-Vermarktungsprogramm
einer Auszeichnung des Nationalen Olympi- TOP feiert zwanzigsten Ge-
schen Komitees (NOK).
burtstag
Nachdem zwei Disziplinen absolviert waren, Zählen zum Allgemeinwissen, sind aber
überreichten im Auftrag des NOK der Leiter kein Allgemeingut: Die Olympischen Ringe. Das Jahr 2005 markiert einen bedeutsamen
der Europäischen Sportakademie, Klaus Eckpunkt für die Olympische Bewegung und
Klaeren und Rainald Kauer (Bildungsreferent die Sportvermarktung. Vor zwanzig Jahren
des DJK-Sportverbandes) dem Rektor der Symbole im Vergleich zu anderen Sporter- hat das IOC sein TOP-Partnerschafts-
Grundschule Nittel, Franz-Jürgen Mertes, eignissen und kulturellen Events. In der Programm aus der Taufe gehoben. Dabei
einen Scheck über 200 Euro sowie eine Altersgruppe zwischen 12 und 55 Jahren handelt es sich um ein Vermarktungskon-
überdimensionale Urkunde, einen NOK- besitzen die Olympischen Ringe einen zept, das der Olympischen Bewegung zum
Wimpel und eine Original-Grußkarte der spontanen Wiedererkennungswert von 95%. ersten Mal in ihrer Geschichte eine weit
Olympia-Teilnehmer von Athen. Gerhard Heiberg, IOC Mitglied und Vorsit- reichende finanzielle Unterstützung garan-
zender der IOC-Marketing Kommission tierte, den privaten Sektor weltweit und
Die Grundschule hatte im vergangenen Jahr sagte, bei der vorliegenden Studie handele ganzjährig in die Olympische Bewegung
eine Projektwoche zum Thema Olympia es sich um die umfassendste Konsumenten- integrierte und das Sportmarketing mit
veranstaltet und ein großes Olympiafest mit studie, die das IOC jemals durchgeführt einer effektiven Strategie revolutionierte.
Pentathlon ausgerichtet. Das ganze wurde habe: "Diese Art von Forschung wird uns Die Finanzierung der Olympischen Spiele
in Wort und Bild dokumentiert und dann in helfen, die Verbindungen zwischen Olympi- und der Olympischen Bewegung sei eine
beim NOK eingereicht, das einen großen schen Spielen und ihrer Zielgruppe zu gewaltige, immer wiederkehrende Heraus-
bundesweiten Wettbewerb mit dem Titel verstehen und darüber hinaus einen Einblick forderung, heißt es in einem Beitrag der
"Olympia ruft - Mach´mit bei der Schüler- zu erhalten, was das Interesse an den IOC-Zeitschrift Olympic Review. Heute falle
olympiade" ausgeschrieben hatte. Nach Spielen leitet." In der Untersuchung stim- es schwer, sich vorzustellen, wie unsicher
Durchsicht der Arbeiten zählte die Doku- men die Befragten sehr stark Äußerungen das Überleben der Olympischen Spiele noch
mentation der Grundschule Nittel von über folgender Art zu: Die Olympischen Spiele im Jahr 1980 war. Damals konnten sich nur
500 Arbeiten bundesweit zu den elf Besten. sind mehr als einfach nur ein Sportereignis wenige Länder die Durchführung der Spiele
(76%); Bei Olympischen Spielen bedeutet leisten. Nur eine Stadt bewarb sich um die
Die Beauftragten des NOK, Klaeren und die Teilnahme soviel wie der Sieg (72%); An Organisation und viele NOKs hatten finan-
Kauer, gratulierten der Grundschule zu Olympischen Spielen nehmen gute Vorbilder zielle Schwierigkeiten, die Olympiamann-
dieser tollen Leistung und gaben ihrer für unsere Kinder teil (72%). Die Befragten schaften zu unterstützen. Nachdem das IOC
Hoffnung Ausdruck, dass die Kinder weiter- identifizieren sich überaus stark mit positi- im Jahr 1985 sein neues Vermarktungs-
hin dem Sport und ihrem Engagement, ven Attributen die gemeinhin mit Olympi- Programm installiert habe, seien etwa 40%
Botschafter für die friedvolle Idee der schen Spielen assoziiert werden, wie zum der Einnahmen aus diesem Programm
Olympischen Spiele und damit einer tole- Beispiel: Kampfgeist, Entschlusskraft, Feier- wurden seither den NOKs und den Olympia-
ranten Gesellschaft zu sein, treu bleiben. lichkeit, Freundschaft, Optimismus und mannschaften, 50% den Organisationskomi-
Inspiration. Jamie Graham, Direktor der

65
tees zur Organisation Olympischer Spiele bietet darüber hinaus Schutz vor Ambush- Omega (Zeitmessung, Ergebnisdienst);
zur Verfügung gestellt worden. Marketing. Der Markenschutz erhöht den Panasonic (Audio, TV, Video-Equipement);
Wert des Sponsorships, vergrößert den Samsung (Drahtlose Kommunikation); Visa
Seine durchschlagende Wirkung führt das Erfolg des Programms und verbessert die (Kundenorientierte Zahlungssystem, Kredit-
IOC auf den spezifischen Zuschnitt des Partnerschaft zwischen den TOP-Sponsoren karten).
Programms zurück, der eine limitierte und der Olympischen Bewegung. TOP ist
Anzahl von global tätigen Unternehmen mit mittlerweile ein Branchenführer in all diesen
weltweit exklusiven Vermarktungsrechten Bereichen und seine Wirkung kommt auch
für die Olympischen Spiele, die NOKs und durch den Erfolg zum Ausdruck, den das
IOC und Coca Cola verlän-
die Unterstützung der Aktiven ausstattet. IOC bei der Verlängerung von Wirtschafts- gern Partnerschaft bis 2020
Etwa die Hälfte der Unterstützung der TOP- Partnerschaften hat. Die TOP-Partner sind
Partner für die Olympische Bewegung ein fester Bestandteil der Olympischen Das Internationale Olympische Komitee und
bestehe aus materiellen Zuwendungen, Bewegung. Viele sind schon seit dem Start das Coca Cola Unternehmen haben die
Service- und Dienstleistungen, Technologie des Programms dabei und manch andere Verlängerung ihrer Partnerschaft um weite-
und Personal. Darüber hinaus sichern unterstützten die Olympische Bewegung re zwölf Jahr bis in das Jahr 2020 hinein
Verträge über eine Laufzeit von mindestens schon Jahrzehnte zuvor. Viele haben eine bekannt gegeben. Die Partnerschaft dauert
vier Jahren die Unterstützung der Organisa- jahrelange Erfahrung dabei, die Olympi- dann ohne Unterbrechung 92 Jahre an. Sie
tionskomitees Olympischer Spiele schon schen Spiele nahtlos mit ihren Produkten, begann 1928 und wurde während einer
weit im Vorfeld des Ereignisses ab. Zentraler Dienstleistungen oder ihrer Technologie zu Zeremonie am 1. August 2005 auf der
Bestandteil des TOP-Programmes ist die verbinden. Alle haben über Jahre hinweg Großen Mauer in China verlängert. Der alte
Exklusiv-Vermarktung. Die Produkt-Exklusi- entscheidende Beiträge zur Unterstützung Vertrag hatte eine Laufzeit bis Ende 2008.
vität garantiert jedem TOP-Partner Wettbe- von Olympiamannschaften und Aktiven Die neue Vereinbarung garantiert Coca Cola
werbsfreiheit im Olympischen Bereich und geleistet. Charakteristisch für das TOP- eine weitere Zusammenarbeit mit der
Programm ist auch, Olympischen Bewegung in einem Zeitraum,
dass die Partner der nach den Olympischen Spielen Turin
nicht allein mit
einem Event ver-
bunden sind, son-
dern mit einer
globalen Bewegung,
die eine lange
Tradition hat und
die Umsetzung
universeller Ideale
anstrebt. Ausdrück-
lich wird Wert
darauf gelegt, dass
die Partnerschaft
auch in der Zeit
zwischen den
Olympischen Spielen
gelebt wird. Die
TOP-Partner 2005-
2008 sind: Coca
Cola (nicht-alkoholi-
sche Getränke); Atos
Origin (Informati-
onstechnologie); 2006 und Peking 2008 auch die Olympi-
General Electric schen Spiele 2012, 2012, 2014, 2016, 2018
(Energie/Energie- und 2020 umfasst. Den neuen Vertrag
dienstleistungen); würdigend sagte IOC-Präsident Rogge: "Der
Kodak (Film, Foto, Beitrag von Coca Cola zur Olympischen
Bilder); Lenovo Bewegung war immer ein Vorbild für eine
(Ausstattung Infor- echte Partnerschaft. Ohne die extensive
mationstechnolo- Unterstützung durch Coca Cola wären die
gie); Manulife Olympischen Spiele nicht die, die sie sind."
(Lebensversicherun-
Verkäufer mit überdimensionalen Coca-Cola-Flaschen auf dem gen, Renten) McDo-
Rücken gehen während der Olympischen Spiele 1996 durch die nald´s (Lebensmittel,
Innenstadt von Atlanta. Einzelhandel);

66
Sportförderung in Ländern der 3. Welt in 2006
Auch im Jahr 2006 wird das Auswärtige Amt aus Mitteln der Auswärtigen Kultur- und Bildungs-
politik wiederum die Sportförderung in Ländern der Dritten Welt, China sowie Mittel- und Ost-
europa mitfinanzieren.

Gefördert wird in erster Linie die Entsendung deutscher Trainer zur Ausbildung von Multiplika-
toren in den Partnerländern. Die Projektdauer kann sich auf 2 Wochen, aber auch auf bis zu 4
Jahre belaufen.

Darüber hinaus können ausländische Trainer zu den Lehrgängen des Deutschen Leichtathle-
tik-Verbandes nach Mainz bzw. des Deutschen Fußball-Bundes nach Hennef, aber auch an die
Universität Leipzig eingeladen werden.

Traditionell werden auch wieder sportliche Begegnungsmaßnahmen der deutschen Spitzen-


verbände mit der VR China unterstützt.

Antragsberechtigt sind die deutschen Spitzenverbände sowie deren ausländische Partnerorga-


nisationen, inkl. deren NOKs und Sportdachorganisationen.

Die Anträge sollten mit einem detaillierten Kostenplan sowie einer ausführlichen Projektbe-
schreibung bis spätestens zum 15. Oktober 2005 an das

NOK für Deutschland


z.Hd. Frau Katrin Merkel
Abteilung Internationale Zusammenarbeit
Otto-Fleck-Schneise 12
60528 Frankfurt/Main
Fax : 069 - 6771229
E-Mail : merkel@nok.de
erfolgen.

Nähere Informationen über das deutsche Sportförderprogramm finden Sie unter www.nok.de.

67
AUSSCHREIBUNG
5. Sportwissenschaftliches Olympiaseminar
des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland (NOK)
in Olympia/Griechenland

17. - 23. September 2006

In Fortführung einer vom NOK 1998 erstmalig initiierten und erfolgreich fortgeführten Veran-
staltung für Hochschulen wird für das Jahr 2006 das 5. Sportwissenschaftliche Olympiaseminar
in Olympia durch das Kuratorium Olympische Akademie und Olympische Erziehung vorberei-
tet. Im Hinblick auf die Teilnahme an diesem Seminar und die Mitgestaltung der Inhalte im Sin-
ne dieser öffentlichen Ausschreibung ergeht folgende Information an alle Institute für Sportwis-
senschaft an den Universitäten und Hochschulen in Deutschland.

Formalia
Veranstaltungsort: Internationale Olympische Akademie (IOA)
in Olympia/Griechenland
Kapazität: max. 88 Plätze (= 8 sportwissenschaftliche Einrichtungen
mit je 10 Studierenden / 1 Lehrkraft)
Zeitraum: Beginn: Sonntag, 17.09.2006, 18:00 Uhr
Ende: Samstag, 23.09.2006, 08:00 Uhr
Rahmentagesablauf: Veranstaltung in Zeitblöcken
8:30 Uhr - 10:00 Uhr Ringvorlesung mit Diskussion
10:30 Uhr - 13:00 Uhr (Seminare, Praxis, Besichtigungen u. a.
als Parallelveranstaltungen)
16:00 Uhr - 19:00 Uhr (Seminare, Praxis, Besichtigungen u. a.
als Parallelveranstaltungen)
Finanzierung: Die Aufenthaltskosten in der IOA (Übernachtung, Verpflegung)
werden durch das NOK übernommen. Eine Eigenbeteiligung in
Höhe von Euro 100,-- ist von jedem Teilnehmer zu zahlen. Die

68
An- und Abreise nach Olympia sind selbst zu finanzieren und
individuell zu organisieren.
Organisation und Kuratorium Olympische Akademie und Olympische Erziehung in
Leitung: Verbindung mit einem Sprecherrat aus studentischen Vertretern.

Das Anliegen des Seminars ist es, in Verbindung mit dem Erlebnis von Olympia einen facet-
tenreichen interdisziplinären Diskurs über historische, gegenwärtige und zukünftige Aspekte
olympischer Entwicklung zu führen. Dabei sollten unterschiedliche wissenschaftliche Themati-
sierungen wie auch verschiedene theoretische und praktische Zugänge die Gestaltung des Se-
minars prägen. Das Seminar bietet die Möglichkeit des Austausches zwischen Studierenden
und DozentInnen aus unterschiedlichen akademischen Einrichtungen. Es verfolgt das Ziel, im
gemeinsamen Erleben und Gestalten des Aufenthaltes in Olympia zugleich olympische Erzie-
hung wirksam werden zu lassen.

Die Mitgestaltung der Veranstaltung bedeutet, dass die Seminare, Vorlesungen und Übun-
gen, Podiumsgespräche wie auch Freizeit-, Sport- und kulturelle Angebote, die den Tages- und
Seminarablauf strukturieren, als ein Präsentations-, Diskurs- und Weiterbildungsangebot aller
an alle zu verstehen sind. So soll, vorbereitet durch DozentInnen und Veranstaltungen an den
sportwissenschaftlichen Einrichtungen im Sommersemester 2006, das Konzept einer vielseitig
interessengeleiteten und wissenschaftlich wie hochschuldidaktisch anspruchsvollen Seminar-
gestaltung entstehen, das durch die TeilnehmerInnen und ihre Angebote an die Veranstalter
selbst bestimmt wird. Es ist ganz im Sinne der Organisatoren, eine olympiabezogene Proble-
matik in der sportwissenschaftlichen Ausbildung bzw. auch im interdisziplinären Kontext in der
Herkunftseinrichtung zu behandeln und diese in Olympia in Seminarform o. a. zu präsentieren.

Die Vorbereitung der Teilnehmer durch eine entsprechende fach- und themenorientierte, auf
die olympische Problematik im engeren wie im weiteren Sinne bezogene Lehrveranstaltung am
Heimatort als Hauptseminar, Projektkurs o. ä. im Interesse fachlicher und methodischer Befä-
higung zur Mitgestaltung des akademischen Seminars ist deshalb eine wichtige "Zulassungs-
voraussetzung" für eine Bewerbung durch ein Institut im Rahmen dieser Ausschreibung.

Wir bitten deshalb, zusammen mit einer Bewerbung um die Teilnahme am Seminar

- eine Dozentin/einen Dozenten als Kontaktperson zu benennen,


- das von ihnen bearbeitete Spezialgebiet sowie die beabsichtigte Bearbeitungsform am
entsprechenden Institut und ggf. auch schon
- ihre thematischen Angebote für Seminare (2 Themen) bzw. Ringvorlesung (1 Thema)
nach Möglichkeit zu skizzieren.
- die Bewerbung bis zum 15. September 2005 beim
NOK für Deutschland
Postfach 71 02 63
60492 Frankfurt/Main
einzureichen.

69
Das Kuratorium Olympische Akademie und Olympische Erziehung wirkt im Auftrag des
NOK für Deutschland als Initiator und Organisator des Sportwissenschaftlichen Olympiasemi-
nars. Es wird im Rahmen seiner Tagung Mitte November 2005 auf der Grundlage der einge-
gangenen Bewerbungen die teilnehmenden Institutionen auswählen und danach mit diesen
vorbereitend und koordinierend zusammenarbeiten.

Als Erfahrung aus vorhergehenden Hochschulseminaren wurde ausdrücklich ein solcher Zeit-
plan und früher Bewerbungstermin gewählt, um Teilnahmezusagen durch die Veranstalter an
die Bewerber vor Erarbeitung des Kommentierten Vorlesungsverzeichnisses für das Sommer-
semester 2006 zu garantieren.

Frankfurt, im Juni 2005

________________________________ ________________________________
Prof. Dr. Helmut Altenberger Prof. Dr. Jochen Hinsching

Kuratorium Olympische Akademie


und Olympische Erziehung

__________________________________
Bernhard Schwank
Generalsekretär
Nationales Olympisches Komitee für Deutschland

70
Ausschreibung

Das Nationale Olympische Komitee für Deutschland


und das Deutsche Olympische Institut
führen ein Forschungsprojekt durch zur

„Geschichte und Bedeutung des


Nationalen Olympischen Komitees der DDR
im Kontext des Sportsystems der DDR“.
Die Durchführung der Untersuchung sowie die Publikation ihrer Ergebnisse wird über einen
Zeitraum von zwei Jahren mit einem Stipendium in Höhe von insgesamt 20.000 Euro geför-
dert.

Die Ausschreibung richtet sich an möglichst promovierte Historiker/Innen mit einem besonde-
ren Bezug zu zeithistorischen und sportbezogenen Fragestellungen, die durch entsprechende
Erfahrungen und Publikationen ausgewiesen sind.

Über die Vergabe des Stipendiums entscheiden NOK und DOI in Verbindung mit einem Exper-
tengremium.

Die Durchführung des Projekts soll an ein Universitäts-Institut angebunden sein und von einem
Hochschullehrer begleitet werden.

Den üblichen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Zeugnisse, Publikationsliste) sind ein Gut-


achten des betreffenden Hochschullehrers sowie ein maximal vierseitiges Exposé beizufügen.

Bewerbungen sind bis zum 30. September 2005 zu richten an:

Deutsches Olympisches Institut


Otto-Fleck-Schneise 12, D-60528 Frankfurt/Main
Tel: 069/6700-396 Fax: 069/6700-370

71
Nachrichten des DOI

Riefenstahls Olympia: Jahre junge Filmemacherin war sich be-


kanntlich nicht zu schade, das ihr eigene
reichen Fürsprecher fand. Der Teilnehmer
am leichtathletischen Mehrkampf bei den
Talent in den Dienst der schlechten Sache Olympischen Spielen von 1912, inzwischen
zu stellen. Der Verführung des "Führers" erfolgreicher Unternehmer und später IOC-
Bewegende Bilder, bewegte erliegend, produzierte sie "Bilder der Präsident, ermöglichte einige Privatvorfüh-
Diskussion Macht", um dabei die "Macht der Bilder" zu rungen und machte seinen Einfluss dahin-
entfalten. gehend geltend, dass Riefenstahls "Olympia"
Manche Bilder sprechen für sich, andere 1940 mit einem Olympischen Diplom
nicht. Zu zweiteren zählen etwa solche, die Besonders augenscheinlich offenbart sich ausgezeichnet wurde. Bei der Biennale in
ihre Entstehung Künstlerinnen und Künst- der hier angedeutete Sachverhalt in "Sieg Venedig war ihr Film zuvor als der beste der
lern verdanken, deren persönliche Integrität des Glaubens" und "Triumph des Willens", Saison mit einem Goldenen Löwen ausge-
in Frage steht. Ein Beispiel dafür ist die im jenen auf schockierende Weise faszinieren- zeichnet worden.
den Filmen über die Reichspar-
teitage von 1933 und 1934,
deren hoher künstlerischer
Anspruch mit ihrer propagandis-
tischen Wirkung korrespondiert.
Entsprechend ausgewiesen
schien Leni Riefenstahl geradezu
prädestiniert, das sportliche
Großereignis jener Zeit im Sinne
nationalsozialistischer Intentio-
nen zu dokumentieren: Die
Olympischen Spiele von 1936 in
Berlin. In der Nähe der Macht: die Regisseurin
und der Diktator.
Mit ungeheurem technischen,
personellen und finanziellen Leni Riefenstahl hatte den Gipfel erreicht -
Aufwand entstanden etwa und der Absturz sollte fürchterlich sein.
400.000 Meter Film, aus denen Auch andere Künstlerinnen und Künstler -
die Regisseurin in langwierigen man denke etwa an Heinz Rühmann oder
Schneidearbeiten ein 3.429 Herbert von Karajan - hatten von der
Meter beziehungsweise 226 brauen Diktatur profitiert, doch kaum
Minuten umfassendes zweiteili- jemand tat sich so schwer mit dem Leben
ges Opus, "Olympia": "Fest der und der Karriere danach. Nicht ohne eigenes
Völker", "Fest der Schönheit", Verschulden - kategorisch wies sie jedwede
destillierte. Nachdem die Urauf- Kritik an ihrem Verhalten zurück - wurde sie
Nach antikem Vorbild: Riefenstahls Hymnus an die führung mehrmals verschoben zu einer Persona non grata und ihre Werke
Schönheit. werden musste, hob sich der verschwanden im Giftschrank, zumindest in
Vorhang endlich am 20. April der Versenkung.
August 2003 verstorbene Regisseurin und 1938, also, kein Zufall, an Hitlers Geburts-
Fotografin Leni Riefenstahl, gleichsam eine tag, und zwar im Berliner Ufa-Palast am Dies galt allemal für die Dokumentationen
Reizfigur, deren Schaffen seit 1945 immer Zoo. Das Premierenpublikum - neben dem der Parteitage, aber auch für den Film über
wieder in den Blickpunkt kontroverser Führer selbst war die politische Prominenz die Berliner Spiele, dem die Filmbewer-
Diskussionen rückte. des NS-Staates erschienen - zeigte sich tungsstelle Wiesbaden in einer Entschei-
begeistert, ebenso wie die "ganz normalen" dung vom 30. Januar 1958 unter Verweis
Angelpunkt der Kritik sind Riefenstahls Besucher. Auch im Ausland feierten Riefen- auf dessen ideologische Einfärbung jedwe-
Verhalten und Haltung während jener zwölf stahl und ihr Film große Erfolge, allein im des Prädikat verweigerte. Somit war der
Jahre, die in der verblendeten Utopie des Filmland Nr. 1, den USA, stand "Deutsch- Film über Jahrzehnte der öffentlichen
Diktators und seiner Claqueure mindestens lands Filmschaffende Nr. 1" (Berliner Illus- Wahrnehmung weitgehend entzogen. Umso
tausend hätten werden sollen. Die bei trierte Zeitung) auf verlorenem Posten, auch bemerkenswerter ist eine gewisse, in den
Hitlers Regierungsantritt gerade dreißig wenn sie in Avery Brundage einen einfluss- letzten Jahren zu verzeichnende Renais-

72
sance. So tauchten etwa einzelne Sequen- Es versteht sich von selbst, dass die in Deutschlands erste funktionelle und reprä-
zen oder die spezifische Riefenstahl-Ästhe- diesem Zusammenhang relevanten Fragen sentative Großsportstätte war 1913 in
tik in Musikvideos und Werbespots auf. im Rahmen einer dreistündigen Veranstal- Berlin entstanden und von keinem Geringe-
tung nicht abschließend beantwortet ren als Kaiser Wilhelm II. auf den staatstra-
Dies nahm das DOI zum Anlass, gemeinsam werden können. Vielmehr, so das Fazit, ist genden Namen "Deutsches Stadion" getauft
mit dem Deutschen Filminstitut wieder weiterer Diskussionsbedarf vorhanden. An worden. Drei Jahre später hätte dort der
dieser Stelle bleibt noch, Dank zu sagen: olympische Wanderzirkus gastiert, wenn
Dem Deutschen Filminstitut und dem sich die Jugend der Welt nicht auf anderen
Deutschen Filmmuseum für die angenehme Feldern der Ehre, nämlich auf den Schlacht-
Kooperation sowie dem NOK für Deutsch- feldern des Ersten Weltkriegs begegnet
land und der Deutschen Sportmarketing für wäre. Eigentlich hatte sich Berlin bereits
ihre Unterstützung. 1908 und 1912 olympisch profilieren
wollen, doch alle Ambitionen waren immer
wieder verschoben worden, da einer recht-

"Die neue Großmacht": zeitigen Realisierung des Stadionsprojekts


die ungelöste Frage der Finanzierung
entgegen stand. Genau dieses Problem
Achtzig Jahre Arbeiter- bestand auch anderenorts: Zum Beispiel in
Frankfurt.
Filmexpertin Claudia Dillmann im Gespräch Olympiade, Achtzig Jahre
mit Dr. Andreas Höfer.
Waldstadion Obwohl auch hier zunächst weit größere, ja
existentielle Sorgen vorherrschten, trat seit
einmal das "Phänomen Riefenstahl" zu Große Ereignisse bedürfen eines würdigen Anfang der 1920er Jahre eine immer stärke-
thematisieren. Dass damit keineswegs nur Rahmens. Dies gilt auch und vor allem für re Lobby für einen exponierten Sportstät-
rein akademisches Interesse geweckt wurde, die Feste des Sports. So versteht sich, dass tenbau auf den Plan, um die Voraussetzung
belegt der große Zuspruch: Trotz abendli- im Blick auf die Weltmeisterschaft in Berlin, für die Ausrichtung gewinn- und renom-
cher Sommerhitze hatten sich am 20. Juni München, Köln und anderen deutschen meeträchtiger Veranstaltungen zu schaffen.
mehr als 120 Gäste im - wohl temperierten Städten Stadien in Fußball-Tempel verwan- Trotz größter Schwierigkeiten, die infolge
- Kino des Deutschen Filmmuseums einge- delt und zum Teil, dem Zeitgeist entspre- der Weltwirtschaftskrise des Jahres 1923
funden. chend, umbenannt wurden. In Frankfurt am und der damit einhergehenden Inflation
Main firmiert die altehrwürdige Wettkampf- und Arbeitslosigkeit noch verschärft wur-
Nach einer höchst gelungenen Einführung Stätte seit kurzem
durch die Leiterin des Filminstituts, Claudia unter dem Namen
Dillmann, kamen zwei längere Ausschnitte "Commerzbank-
der beiden Filmteile in einer 35 mm-Kopie Arena". Und dies
aus dem Bestand des Bundesarchivs zur pünktlich zum
Vorführung, bevor das Gesehene im Rah- "runden" Geburts-
men einer von Dr. Andreas Höfer moderier- tag.
ten Podiumsdiskussion reflektiert wurde.
Während Olympiaexperte Dr. Karl Lennartz Tatsächlich blickt
(Deutsche Sporthochschule Köln) sporthis- der exponierte
torische und politische Zusammenhänge Versammlungsort
deutlich machte, sprach Claudia Dillmann auf eine nunmehr
noch einmal dezidiert über die Bedeutung achtzigjährige
und Problematik des Films, um gleichzeitig Geschichte zurück.
ihr Bedauern zum Ausdruck zu bringen, dass 1925 unter der
alle Rechte vor kurzem ans IOC verkauft schlichten Bezeich-
worden seien. IOC-Mitglied und NOK- nung "Stadion" als Für Frieden und Völkerverständigung: Arbeitersportler ziehen durch
Ehrenpräsident Prof. Walther Tröger bestä- vermeintlich die Frankfurter Innenstadt.
tigte den Sachverhalt und erläuterte das "schönste deutsche
dahinter stehende (Vermarktungs-)Interesse. Sportanlage" eröff-
Besonders lebhafte Reaktionen beim Publi- net, dann in "Sportfeld", nach 1945 zwi- den, hielt der Frankfurter Magistrat an
kum weckten die Ausführungen von Lothar schenzeitig auch in "Victory Park" umbe- seinem im August 1921 beschlossenen -
Leonhard, Geschäftsführer der Frankfurter nannt, bevor sie den ebenso treffenden wie und zunächst mit 800.000 Reichsmark
Agentur Ogilvy & Partner, der Riefenstahls eingängigen Namen "Waldstadion" erhielt, angeschobenen - Vorhaben fest, ein ur-
Bilder aus der Sicht des Werbefachmanns bewährte sich die Anlage als Schauplatz sprünglich 7,6, dann 42 Hektar umfassendes
ganz nüchtern als überholt und für moder- diverser Sternstunden der Sportgeschichte. Gelände im Stadtwald zu einer Pilgerstätte
ne Zwecke weitgehend unbrauchbar sowie Und zwar keineswegs allein in Sachen des Breiten- und Leistungssports um- und
im übrigen als eher unpolitisch charakteri- Fußball. auszubauen. Allein im August 1923 wurden
sierte. sage und schreibe 1,8 Milliarden Mark

73
bewilligt, die freilich infolge der Es war der 7. Juni Deutschen Filmmuseum ein, um sich an
kurz darauf beschlossenen und das Stadion mit jene illustre Episode der Frankfurter Stadt-
Währungsreform nur noch 40.000 Zuschauern und Sportgeschichte erinnern zu lassen. Für
nominellen Wert besaßen. erstmals ausverkauft. Bürgermeister und Sportdezernent Achim
Einziger Wermuts- Vandreike offenbar kein Pflichttermin, denn
Um so beeindruckender war das tropfen: Die denkbar in seinem engagierten Grußwort kam rege
Konzept: Auf dem Boden eines knappe Niederlage Anteilnahme am Thema zum Ausdruck,
ehemaligen Militärschießstandes der Heim-Mann- wobei die Begeisterung für die Geschichte
sollte nicht nur eine "Haupt- schaft, 1:0 in der der bedeutenden Sportstätte sichtlich mit
kampfbahn", sondern ein Verlängerung, und Stolz auf deren jüngste Entwicklung einher-
Ensemble verschiedener Sport- die davon inspirier- ging. Denn fast so mutig wie in den zwanzi-
und Wettkampfstätten sowie ten Ausschreitungen ger Jahren hat die Stadt erneut in eine
eine Aufmarschallee und eine enttäuschter Anhän- moderne Arena investiert, um - diesmal
große zweigeteilte Fest- und ger. Der Schaden war nicht Arbeitersportlern, sondern - hoch
Spielwiese entstehen, wobei erheblich und bei bezahlten Kickern einen würdigen Rahmen
auch ein Waldtheater sowie weitere Räume dessen Beseitigung Eile geboten. Schließlich für ihre Darbietungen bereit zu stellen.
für Kunst und Kultur vorgesehen waren. stand ein weiteres, diesmal internationales
Wahrlich eine Zierde für die "Sportstadt" am Sportereignis bevor: Die I. Internationale Den Blick zurück auf die Geburtsstunde des
Main sowie ein neuer Wallfahrtsort des Arbeiter-Olympiade. Stadions lenkte Dr. Andreas Höfer, der seine
deutschen Sports, der in der Zeit der Wei- einführenden Erläuterungen freilich mit
marer Republik eine Blüte erlebte. Dies war gleichsam der Gegenentwurf zu dem Hinweis verband, dass der Abend
den bürgerlichen, von einem französischen weniger von bewegenden Worten, als von
Der Stolz des Oberbürgermeisters, Ludwig Baron, Pierre de Coubertin, ins Leben bewegten Bildern geprägt sein sollte. Im
Landmann, war jedenfalls berechtigt. In gerufenen Spielen, die von den Arbeiter- Mittelpunkt der Veranstaltung stand näm-
seiner Rede zur Einweihung am 21. Mai sportlern als eine dekadente, zur sehr auf lich ein historisches Filmdokument: "Die
1925 beschrieb er die Anlage als "eine Leistung und nationale Selbstdarstellung neue Großmacht". Wilhelm Pragers Film
Huldigung an Frankfurts größten Sohn, an ausgerichtete Schauveranstaltung gebrand- über die erste Arbeiterolympiade mit dem
Goethe", und beschwor - freilich im Duktus markt wurde. Sie sahen sich weniger dem programmatischen Titel sollte "Zeugnis
der Zeit - deren moderne Bestimmung: "Wir Motto "citius, altius, fortius", als einem geben von der segensreichen Wirkung der
wollen züchten den Zukunftsdeutschen friedlichen Miteinander verpflichtet, und Körperkultur im Volk, der neuen starken
durch eine harmonische Verbindung der eine ihrer Parolen lautete "Nieder mit dem Quelle seiner Kraft" und insofern "zum
Kräfte des deutschen Körpers, Willens, Kampfrekord, freie Bahn dem Massensport." Ansporn und zur Nacheiferung" dienen.
Geistes und Gemeinschaftssinnes. Dieser Im übrigen sollte sportliche Betätigung
Tempel der Kraft gehört den Freien, denen, einer gesunden Lebensweise dienen - Der in Expertenkreisen keineswegs unbe-
die von Vorurteilen frei sind, denen, die sich "Arbeiter meidet den Alkohol" - sowie einer kannte Regisseur, der im Auftrag der UFA
freigemacht haben von den Fehlern, die sozialistischen Gesinnung Vorschub leisten. bis 1945 etwa 150 Filme drehte, interessier-
durch Geschichte und Überlieferung in Dementsprechend lautete das Motto ihres te sich auch für den Sport, dessen Faszinati-
unserem Volkskörper eingewurzelt sind, ersten Großsportfestes: "Nie wieder Krieg!" on er unter anderem mit exponierten
denen, die frei sind von Fehlern der Bosheit, Bewegungsstudien vermittelte. Sein wohl
des Hasses, der Rachsucht und die alles In diesem Sinne fanden sich am Nachmittag größter Erfolg war "Wege zu Kraft und
Schöne und Edle anerkennen, sie seien hoch des 24. Juli 1925 etwa 100.000 Sportlerin- Schönheit", ein Film, der 1924/25 über
oder nieder geboren." nen und Sportler aus zwölf Ländern zur Monate im ausverkauften Berliner Zoo-
Eröffnung ein, um sich dann fünf Tage lang Palast lief. Auch "Die neue Großmacht" fand
Wenige Tage später folgte der sportliche Teil in verschiedenen Sportarten, zum Beispiel allgemeine Anerkennung und erhielt das
der Eröffnung, eine ganztägige Veranstal- im Fußball, zu messen. Ein Höhepunkt der Prädikat "Lehrfilm", so dass dessen Vorfüh-
tung, deren Höhepunkt ein 2:0 Sieg des Veranstaltung war ein stundenlanger rung von der Kino- und Lustbarkeitssteuer
argentinischen Fußballmeisters Festzug durch die befreit war.
Boca Juniors Buenos Aires Frankfurter Innen-
gegen eine Auswahl des Main- stadt und eine Selbige entfiel auch bei der neuerlichen
bezirks darstellte. Welch eine beachtliche Phalanx Präsentation, obwohl es durchaus eine Lust
Laune des Fußballgottes, dass von Zuschauern. war. Die 35 mm-Kopie des Deutschen
sich just an diesem Tag die Filmmuseums - der kommissarische Direktor,
Kicker des FSV Frankfurt in Fürth Fast auf den Tag Hans-Peter Reichmann, wies darauf hin,
mit einem 1:0-Sieg gegen genau achtzig Jahre dass diese eigens aufgetaut worden war -
Hertha BSC Berlin den Weg ins später fanden sich wies eine erstaunliche Qualität auf, doch
Finale der deutschen Fußball- auf Einladung des zum Erlebnis wurde der Film durch Dr.
Meisterschaft ebneten, zumal DOI und des Sport- Ulrich Rügners Begleitung auf der WurliTzer
dessen Austragungsort kein amtes der Stadt Theatre Pipe Organ, der einzigen in
anderes als das Frankfurter Frankfurt mehr als Deutschland noch bespielten Original-
Stadion sein sollte. 100 Interessierte im Kinoorgel aus den zwanziger Jahren.

74
Selbst Prof. Jochen Teichler zeigte sich Die in enger Abstimmung entwickelte Idee dem kommerziellen Erfolg der Spiele von
beeindruckt, obwohl er den Film schon zielt auf eine Veranstaltungsreihe, bei der, 1984 in Los Angeles auch die Aussicht auf
vielfach gesehen und in Lehrveranstaltun- einmal jährlich, hochkarätige Persönlichkei- Gewinn.
gen eingesetzt hatte. Der Potsdamer Arbei- ten des öffentlichen Lebens zu Fragen des
tersport-Experte lieferte, ebenso wie Dr. internationalen und olympischen Sports Die Kommerzialisierung des Sports im
Thomas Bauer, einer der wohl besten Kenner Stellung nehmen und sich der Diskussion Allgemeinen und der Olympischen Spiele im
der Frankfurter Stadt- und Sportgeschichte, stellen sollen. Mit der Frankfurter Paulskir- Besonderen entspricht dem Geist der Zeit
im abschließenden - von SWR-Hörfunk- che wurde ein würdiger Veranstaltungsort, und mag schon von daher als Segen oder
Journalist Holger Kühner gewohnt souverän mit der Wirtschaftsinitiative Übel empfunden werden. Im Zentrum
moderierten - Podiumsgespräch einige FrankfurtRheinMain ein hervorragender kontroverser Diskussionen steht etwa die
aufschlussreiche Details und Hintergründe, Partner und mit dem Präsidenten des Frage, ob das Geld den olympischen Charak-
so dass der Abend einen informativen und Internationalen Olympischen Komitees, Dr. ter verdirbt. Oder ist es vielmehr umgekehrt:
kurzweiligen Abschluss fand. Jacques Rogge, der prädestinierte Redner Dient der erheblich gewachsene finanzielle
für die Eröffnung gefunden. Spielraum einer besseren Förderung und
Der - bereits zweite - Ausflug des DOI ins stärkeren Verbreitung der olympischen
Frankfurter Filmmuseum, diesmal, wie die Der Titel seines Vortrags lautet: "Für eine Ideale?
Stadion-GmbH, auch Mitveranstalter, sollte bessere und friedliche Welt: Die Olympische
nicht der letzte gewesen sein wird. Weitere Bewegung im 21. Jahrhundert". Für das Diese und andere Fragen stehen im Blick-
gemeinsame Projekte sind, etwa im Blick anschließende Podium konnten "Miss punkt einer Veranstaltung des Kuratoriums
auf die Fußball-WM, bereits angedacht. Olympia" Heike Drechsler und der Vor- Olympische Akademie und Olympische
standssprecher der Commerzbank, Klaus- Erziehung am 6./ 7. Oktober im "Berno
Peter Müller, gewonnen werden. Angefragt Wischmann Haus" in Mainz. Unter der

Frankfurter sind zudem der Tübinger Theologe und


Publizist Hans Küng sowie Olympiasieger
Leitung von Prof. Holger Preuß und in
Kooperation mit dem Institut für Sportwis-

Olympia-Forum: Lord Sebastian Coe, der als Vorsitzender des


Bewerbungskomitees ganz entscheidenden
senschaft der Universität Mainz sowie dem
Deutschen Olympischen Institut ist ein
Anteil daran hatte, dass die Olympischen Symposium mit Workshop geplant, bei dem
Jacques Rogge in Paulskirche Spiele des Jahres 2012 kürzlich nach London insbesondere Lehrer und andere Multiplika-
vergeben wurden. toren der Olympischen Erziehung als Adres-
Das NOK für Deutschland ist keineswegs satenkreis angesprochen sind.
allein für "die Teilnahme des deutschen Allemal Grund genug, sich den 27. Septem-
Sports an Olympischen Spielen" zuständig, ber vorzumerken. Veranstaltungsbeginn ist Ziel ist es, spezifische Probleme der Kom-
voraussichtlich 18.30 Uhr. Die Einladungen merzialisierung des (olympischen) Sports in
werden zu gegebener Zeit verschickt, Unterrichtsmaterialien und pädagogische
weitergehende Informationen auf den Hintergrundinformationen zu übersetzen.
einschlägigen Wegen, insbesondere über die Geplant sind vier Haupt- und Koreferate
Medienpartner FAZ und ZDF verbreitet. sowie Workshops zur "Kommerzialisierung
Kurzfristige Informationen beim DOI: Tel. der Leistung" (Prof. Eike Emrich, Saarbrü-
069/6700396, Fax 069/6700370 und Email cken), zur "Kommerzialisierung des Events"
info@doi.de. (Prof. Bernd Frick, Witten-Herdecke), zum
"Kommerzialisierungsdruck durch Medien"
(Prof. Thomas Schierl, Deutsche Sporthoch-

Olympischer Kommerz: schule Köln) und zum "Kommerzialisie-


rungsdruck durch Sponsoren" (Prof. Holger
sondern auch - so die Satzung - "der Preuß, Mainz). Den Einführungsvortrag,
Verbreitung des Olympischen Ideengutes in Symposium und Workshop "Coubertins Verhältnis zum Kommerz", wird
allen seinen Erscheinungsformen" verpflich- der Mainzer Olympiaexperte Prof. Norbert
tet. Diesem Auftrag entsprechend ergriff der Die Olympische Bewegung lebt von der Müller halten. Den Abschluss bildet eine
damalige Präsident, Willi Daume, Anfang Attraktivität der Spiele. Dabei sind es nicht prominent besetzte Podiumsdiskussion. Eine
der achtziger Jahre die Initiative zur Grün- nur die herausragenden sportlichen Leistun- Teilnahmegebühr wird nicht erhoben.
dung des Deutschen Olympischen Instituts. gen, sondern auch die übergreifenden
Werte, die dem Ereignis eine besondere Aura Weitergehende Informationen und Anmel-
Durch dessen Umzug in die Otto-Fleck- verleihen. dung: Prof. Dr. Holger Preuß, Fachbereich
Schneise in Frankfurt am Main und die Sport der Johannes Gutenberg-Universität
dadurch gegebene räumliche Nähe zum Bei aller Wertschätzung für die Olympische Mainz, Albert-Schweitzer Str. 21, 55099
NOK haben sich naturgemäß Möglichkeiten Idee geht es aber immer mehr auch ums Mainz, Tel. 06131/3925414, Fax
einer noch fruchtbareren Kooperation im Geld. Schon eine Bewerbung um die Olym- 06131/3926443, Email: preuss@uni-
Sinne des gemeinsamen Anliegens eröffnet. pischen Spiele ist teuer geworden, von mainz.de.
Ein Ergebnis ist das Internationale Olympia- deren Ausrichtung zu schweigen. Anderer-
Forum Frankfurt. seits motiviert die Verantwortlichen seit

75
Nachrichten der DOG

Liebe Mitglieder, müssen sie aber bestimmte Anforderungen


an Organisationsstrukturen und Arbeitswei-
le der Deutschen Olympischen Gesellschaft
zu engagieren.
sen vor Ort erfüllen (u.a. vollständiger
seit 2001 kann die Deutsche Olympische Vorstand, regelmäßige Aktivitäten im Sinne Die olympische Idee braucht eine starke
Gesellschaft eine positive Entwicklung der satzungsgemäßen Zielstellung, regel- nationale Basis. Wichtigster Trumpf der
verzeichnen. Neben der inhaltlichen Neu- mäßiger Informationsaustausch mit der Deutschen Olympischen Gesellschaft sind
ausrichtung und der finanziellen Konsoli- Bundesgeschäftsstelle). Mit Hilfe des neuen die Mitglieder in den Zweigstellen, die als
dierung hat sich das Präsidium das Ziel Zweigstellenkonzepts sollen die Kampa- Botschafter vor Ort für die olympische Idee
gesetzt, die Organisation mittels effizienter gnenfähigkeit der Deutschen Olympischen werben. Unser gemeinsames Interesse ist es,
Strukturen auf zentraler und dezentraler Gesellschaft weiter verbessert und eine neue Freunde und Förderer zu gewinnen
Ebene zukunftsfähig zu gestalten. effizientere Betreuung der Zweigstellen und das bestehende dezentrale Netzwerk
durch die Geschäftsstelle ermöglicht der Zweigstellen zu stärken. Ich möchte alle
Ein wichtiger Baustein ist das neue Zweig- werden. Mitglieder aufrufen, die Ziele der Deutschen
stellenkonzept, das 2003 vom Hauptaus- Olympischen Gesellschaft - ob durch Ideen
schuss verabschiedet und 2004 von der Die Entscheidung für das neue Zweigstel- und Anregungen, durch persönliches
Bundestagung bestätigt wurde. Den Zweig- lenkonzept hat nun die Konsequenz nach Engagement oder durch einen finanziellen
stellen stehen damit einerseits für ihre sich gezogen, einigen bisherigen Ortsgrup- Beitrag - weiter tatkräftig zu unterstützen.
Arbeit mehr Mittel zur Verfügung (u.a. für pen, die die Anforderungen nicht erfüllen,
lokale Projekte im Sinne des satzungsgemä- den Zweigstellenstatus bis auf weiteres Dr. Hans-Joachim Klein
ßen Zielstellung, für Beteiligung am zentra- abzuerkennen. Dies sollte jedoch Ansporn Präsident
len Projekt "Kinder bewegen", für die für die Mitglieder sein, sich vor Ort für den
Werbung von Neumitgliedern), andererseits Neuaufbau einer schlagkräftigen Zweigstel-

"Kinder bewegen" in desgebiet fördert die Wiesbadener Ge-


schwister-Stock-Kindertagesstätte künftig

Wiesbaden Bewegungserziehung im Sinne der olympi-


schen Idee. Im Beisein der Hessischen
Sozialministerin Silke Lautenschläger gaben
Hessische Sozialministerin: die Deutsche Olympische Gesellschaft und
ihr Partner O2 Germany am 13. Juni in
Projekt ist wichtiger Beitrag Wiesbaden den Startschuss für das dreijäh-
zur Bewegungsförderung rige Projekt.

Die Aktion "Kinder bewegen" der Deutschen Die DOG Wiesbaden hat die Betreuung des
Olympischen Gesellschaft hat die hessische Kindergartens übernommen und den
Landeshauptstadt erreicht. Als einer von Wiesbadener Leichtathletikverein als Koope-
insgesamt 35 Modellkindergärten im Bun- rationspartner sowie die Weltcup-Siegerin
im Langstrecken-
schwimmen,
Angela Maurer,
als sportliche Die hessische Sozialministerin
Patin des Mo- Silke Lautenschläger beim Auftakt in
dellkindergartens Wiesbaden.
gewonnen.
Beitrag und richtigen Ansatz zur Bewe-
Die Hessische gungsförderung bei Kindern. "Durch gute
Sozialministerin Bewegungs-, Spiel- und Sportmöglichkeiten
Silke Lauten- bereits im Vorschulalter werden nicht nur
schläger wertete die motorischen Fähigkeiten, sondern auch
das Projekt als die gesamte persönliche Entwicklung des
wichtigen Kindes gefördert. Je früher zur körperlichen

78
Aktivität motiviert wird, desto sicherer ist es, "Die gesellschaftspolitischen Aufgaben des Die Vermittlung von olympischem Wissen
dass auch Heranwachsende und Erwachsene Sports müssen neu diskutiert werden", stand auch dieses Mal im Mittelpunkt des
Spaß an Sport und Bewegung behalten", forderte der Vorsitzende des Sportkreises Interesses. Von bunten Süßigkeiten und der
betonte sie. Reutlingen Karl-Heinz Walter. "Das soziale Ansprache der engagierten Helfer angelockt,
und organisatorische Know-how, das im füllten rund 500 Kids - teils mit, teils ohne
Nach dem offiziellen Projektstart stehen für Sport liegt, sollte stärker durch die öffentli- Hilfe - den Quizbogen zum Thema Olympia
die Geschwister-Stock-Kindertagesstätte che Hand genutzt werden". aus. Ebenso viel Spaß hatten sie beim
zunächst bewegungsspezifische Fortbildun- Bemalen von weißen Papierfähnchen mit
gen der Erzieherinnen an. Außerdem sollen Die kommunale Förderung jugendlicher den Olympiaringen in der richtigen Reihen-
die Eltern durch Informationsabende und Spitzensportler ist ein Anliegen des stellver- folge. Heliumgefüllte Luftballons in den
Aktionstage von Anfang an in das Projekt tretenden DOG-Landesvorsitzenden Harald Farben der olympischen Ringe und mit dem
einbezogen werden. Fest eingeplant ist auch Deneken, Sportbürgermeister der Stadt DOG-Logo bedruckt schmückten den Stand
der Motoriktest für die Kinder, der im Karlsruhe. Er stellt fest, dass es eine Vielzahl und wurden großzügig an alle, die Interesse
Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung von Talenten im Juniorenbereich gibt. Für zeigten, verteilt.
durchgeführt wird und die sportlichen viele ist das Risiko der beruflichen Stagnati-
Fähigkeiten der Kinder ermitteln soll. on zu groß - sie geben der beruflichen Insgesamt haben 170.000 Besucher das
Karriere den Vorrang. Hier müsse eine Berliner Kinderfestival auf dem Gelände
gezielte Förderung ansetzen. rund um das Olympiastadion besucht und
Baden-Württemberg mehr als 50 verschiedene Sportangebote
Aus der Kooperation mit dem Landeseltern- angeschaut und ausprobiert.

Landesverband tagte in beirat resultiert die Beschäftigung mit dem


Kindersport. "Schulkinder mit Übergewicht -

Reutlingen wir gehen geradlinig auf amerikanische


Verhältnisse zu", stellte der Vorsitzende Theo
Bremerhaven-Cuxhaven

Der Fußball vereint die Kinder und Jugendli-


Götz fest. Die Konsequenz: Ernährung und
Bewegung müssen aufeinander abstimmt Küsten-DOG bleibt mobil
chen. Der Gymnasiast kickt mit dem Grund- werden. Man muss so früh wie möglich
schüler, der türkische Junge mit dem ansetzen und man muss die Eltern mit Als das arg zerstörte Bremerhaven wieder
italienischen Freund und den gleichaltrigen einbeziehen. "Diskutiert wird auch die aufzublühen begann, gründete sich auch die
Deutschen natürlich in einer Mannschaft - Einrichtung autofreier Zonen um die Schu- damalige Zweigstelle der Deutschen Olym-
ein Auslaufmodell? len und Kindergärten, damit eine gewisse pischen Gesellschaft (DOG) - vor fünfzig
Mindestbewegung erreicht wird", so Elke Jahren. Damals wies der Erfinder und
Was viele als eine Chance für den Vereins- Picker, die frühere Vorsitzende des Landesel- Einpeitscher des Goldenen Plans zum
sport sehen - nämlich die Integration der ternbeirats von Baden-Württemberg. Die Aufbau von Sportanlagen, DOG-Hauptge-
Sportvereine in die Ganztagsschule, sehen DOG fördert zusammen mit den Sponsoren schäftsführer Gert Abelbeck in seinem
andere als möglichen Verlust der Integrati- Opel und O2 Modellkindergärten in der Vortrag im alten Hotel Naher auf die ideel-
onskraft der Vereine. Der Fußball in der ganzen Bundesrepublik. Auch die Kreisgrup- len und materiellen Gründe hin, warum eine
Schule - dann spielen die Grundschüler, die pen der DOG Tübingen/Zollernalb und dritte Organisation zur Förderung des
Realschüler und die Gymnasiasten nur noch Reutlingen wollen sich an diesem Projekt Leistungs- und Breitensports ins Leben
untereinander. Es stellt sich zudem die beteiligen. gerufen werden musste. Sie sei ohnehin
Frage, ob neben der Ganztagsschule noch auch das gute Gewissen des Sports.
genügend Zeit für das Training im Verein Theo Götz
bleibt. Verlieren die Vereine die Schüler? Zwischen 1955 und 1986 führte und
Trotzdem hat der Sport eine große Bedeu- prägte als Präsident J. Heinrich Kramer mit
tung für das Schulprofil - wenn die entspre- Berlin vielen attraktiven Veranstaltungen von
chenden Freiräume geschaffen werden. großer Tragweite die unvergleichbare
Dafür will sich die Deutsche Olympische
Gesellschaft in Baden Württemberg enga- Aktiv beim Entwicklung der Küsten-DOG und des
Sports zwischen Unterweser und Unterelbe.
gieren.
12. Kinderfestival Nach Kramer, der auch Mitbegründer der
"Reutlingen ist eine Sportstadt", so die Deutschen Sporthilfe und Präsidiumsmit-
Oberbürgermeisterin Barbara Bosch mit Zum dritten Mal in Folge hat sich die glied der Bundes-DOG war, standen die
Blick auf die Vielzahl der Vereine und der Berliner DOG Ende Juni beim 12. Berliner sportlichen und gesellschaftlichen Top-
Sportstätten in der Stadt. Der Landesvorsit- Kinderfestival auf dem Gelände des Olym- Ereignisse in Bremerhaven, Wesermünde
zende der DOG Theo Götz aus Pfullingen piastadions mit einem Infostand präsentiert. und Cuxhaven unter dem Patronat des
bedankte sich für die Gastgeberschaft der Kim Niggemeyer, Brigitte Sandow, Detlef ehemaligen Jugend-Rekordschwimmers
Stadt Reutlingen und das Grußwort der Golzow und Luis Bass, Harri Wuttke und Erich Stender und - seit zwei Jahren - des
Oberbürgermeisterin. Doris Brachmann kümmerten sich abwech- mehrjährigen Präsidenten des erfolgreichen
selnd um die überwiegend jugendlichen Seestadt-Rudervereins Dr. Herbert Böttcher.
Besucher des DOG-Standes. Er will mit neuen Leitlinien die immer noch

79
besondere Bedeutung der DOG am "Tor zur Ralf Braun, Vorsitzender der Zweigstelle, Persönlichkeiten des Unterländer Sports ist.
Welt" beweisen. Im Raume Bremerhaven erklärte zum Vorhaben: "Cottbus hat reiche Als Lehrer an der Neckarsulmer Sonderschu-
und Cuxhaven braucht die DOG nicht um Traditionen im Sport und darf auch heute le für Geistig- und Körperbehinderte kam er
ihr Leben zu kämpfen! noch zu Recht als Sportstadt bezeichnet nach Heilbronn, wurde bald Gaukinderturn-
werden." Das durch die Sparkasse Spree- wart und kam bereits 1986 an die Spitze
Während die 24. Seestadt-Lotterie (von Neiße geförderte Denkmal soll Anerkennung des Turngaus. Er ist Schulsportreferent beim
1956 bis 1981 DOG-Tombola) derzeit gerade der erreichten Leistungen und
läuft, aus der die Deutsche Olympische zugleich Ansporn für die Jugend
Gesellschaft für ihr Vorhaben sicher einen sein. Seit Athen 1896 errangen
Erlös erhalten wird, forderte sie zum 14. Mal Cottbuser Sportlerinnen und
die Bremerhavener Schulen auf, ein Plakat Sportler immerhin 26 Medaillen,
für die Schulsporttage im Nordsee-Stadion darunter sechs Mal Olympisches
zu entwerfen, wo dann nahezu 2.000 Gold. Mit zwei Olympiasiegen
Schülerinnen und Schüler der Sekundarstu- am erfolgreichsten war Bahn-
fen I und II auf Tartanbahn, Ballspielfeldern, radsportler Lutz Heßlich.
im Hallenschwimmbad und in der Basket-
ball-Halle um Trophäen und Urkunden der Für das Kunstwerk hatte die
DOG und des Kreissportbundes Bremerha- DOG Cottbus einen beschränk-
ven wetteifern. Dr. Herbert Böttcher, Vorsit- ten Kunstwettbewerb ausge-
zender der DOG Bremerhaven-Cuxhaven, schrieben. In das Ausschrei-
ehrte gemeinsam mit Oberschulrat Michael bungsverfahren waren ausge-
Porwoll die Gewinner des Plakatwettbewer- wählte Künstler der Region Sigrid Seeger-Losch überreicht Joachim Klotz die
bes. Eine Jury hatte unter 60 Einsendungen einbezogen worden, die ihre Leistungsplakette der Deutschen Olympischen Gesell-
die drei Erstplatzierten ermittelt: Benjamin Vorschläge zu diesem Projekt schaft.
Besser, Nina Bock und Viola Koziol. Alle einreichten. Am 3. Mai wählte die
neuen Plakate hängen jetzt in den Schulen Jury mit Ralf Braun, Vorsitzender
und vielen öffentlichen Gebäuden - werben der DOG Cottbus und Vorstand der Sparkas- Schulaufsichtsamt Heilbronn und hat unter
mithin für die Deutsche Olympische Gesell- se Spree-Neiße, Vertretern der Stadtverwal- anderem mit der AOK Heilbronn und Kin-
schaft. tung Cottbus, dem Künstler Matthias derärzten das Projekt "Kids aktiv" (motori-
Körner, dem Sportler Lutz Heßlich, dem sche Förderung der koordinativen Fähigkei-
Vor 30 Jahren, als die Küsten-DOG Ausrich- Vorsitzenden des Stadtsportbundes Cottbus, ten im Grundschulalter) ins Leben gerufen.
ter der attraktiven Bundestagung der Wolfgang Neubert, sowie Sachverständigen Klotz ist mit dem Turngau seit 20 Jahren
Deutschen Olympischen Gesellschaft im den besten Vorschlag aus. Bestätigt wurde Mitglied der DOG und war von 1991 bis
Bremerhavener Nordsee-Hotel war, durfte der Entwurf von Manfred Vollmert. 1999 Beirat im Vorstand der Heilbronner
Gert Abelbeck stolz verkünden: "Der Golde- Kreisgruppe.
ne Plan ist erfüllt!" Heute sind wieder Es ist nun vorgesehen, das Ehrenmal im Jahr
Ideenvielfalt und Durchsetzungsvermögen des 850. Jubiläums der Stadt voraussichtlich In ihrer Laudatio betonte die Vorsitzende
dauerhaft notwendig, um vor allem die im Rahmen des "Festivals des Sports" der der DOG Heilbronn/Unterland-Hohenlohe,
dringende Förderung des gesunden Leis- Öffentlichkeit zu präsentieren. Sigrid Seeger-Losch, dass Klotz in zahlrei-
tungssports an Grundschulen einer breiten chen Funktionen und Tätigkeiten mit
Öffentlichkeit bewusst zu machen. An der großem ehrenamtlichen Engagement zum
Wesermündung will die Deutsche Olympi- Heilbronn/ Wohle des Sports bis heute viel bewirkt, viel
sche Gesellschaft weiterhin Bremerhaven Unterland-Hohenlohe erreicht und Beispielhaftes geleistet habe.
und Cuxhaven ins rechte Licht rücken.

Paul G. Pätzel Leistungsplakette für Hochstift Paderborn


Joachim Klotz
Cottbus Beim Internationalen
Bei einem Empfang aus Anlass seines 60.
Reitturnier
Olympisches Denkmal Geburtstags wurde der Heilbronner Turn-
gau-Vorsitzende Joachim Klotz mit der
Leistungsplakette der Deutschen Olympi- Hohen Besuch hatte die DOG Paderborn im
In besonderer Art will die DOG Cottbus den schen Gesellschaft ausgezeichnet. Zahlrei- Rahmen der E.ON Westfalen Weser Challen-
olympischen Gedanken in ihrer Stadt che Gäste, darunter Staatssekretärin Fried- ge 2005. Als die DOGler anlässlich des
fördern. Anlässlich der 850-Jahr-Feier von linde Gurr-Hirsch und Landrat Klaus Czer- hochkarätig besetzten Reitturniers an einem
Cottbus im Jahr 2006 soll am Alten Rathaus nuska, würdigten im schönen Rahmen der Messestand über Ziele und Aktionen der
ein Kunstwerk mit den Namen aller Olym- Weingärtnergenossenschaft Heilbronn die Deutschen Olympischen Gesellschaft infor-
piamedaillengewinner der Stadt aufgestellt großen Verdienste des Jubilars, der seit mierten, zeigte sich spontan der Olympia-
werden. vielen Jahren eine der herausragenden sieger Franke Sloothaak interessiert. Er lobte

80
gen, dass der EVL-HalbMarathon ist nicht nur für mich persönlich und die
auch für Behindertensportler DOG ein wichtiges Anliegen, sondern auch
geeignet ist. Es ist eine wunder- für die Kreissparkasse Ludwigsburg, die sich
schöne und sehr anspruchsvolle seit vielen Jahren besonders im Bereich des
Strecke und das Leverkusener Jugend- und Breitensports tatkräftig enga-
Publikum ist einmalig. Es gibt giert." Die DOG in Ludwigsburg unterstützt
jedoch ein bis zwei Streckenab- und fördert verlässlich den Sport im Land-
schnitte, die es zu überprüfen kreis - ideell wie finanziell.
gilt. Ich würde mich freuen,
wenn die Veranstalter diese Der Besuch war nicht nur wegen der
Abschnitte entschärfen und in Spende hoch willkommen. Die Spende in
DOG-Aktive aus Paderborn mit hohem Besuch. Von
2006 auch die "Rollis" ins Höhe von 1.500 Euro, die Felzen im Namen
links: Horst Wiczynski, Günter Lobin, Franke Sloothaak,
Programm aufnehmen würden",
Heiner Kortebusch und Heiko Appelbaum.
sagte die 8-fache Goldmedaillen-
gewinnerin bei paralympischen
das Engagement für den Sport und die Spielen bei der Pressekonferenz in Leverku-
olympische Idee. Durch die Präsenz auf dem sen. Die DOG Köln/Leverkusen stellt dafür
Reitturnier konnte die Paderborner DOG ihre Kompetenz und Beratung in Aussicht.
zudem viele neue Mitglieder gewinnen.
Übrigens war Britta Siegers die einzige, die
die Strecke des Halbmarathons in Leverku-
Köln/Leverkusen sen komplett absolviert hat. Durch ein
vorzeitiges Abbiegen des Führungsfahrzeu-

Britta Siegers als ges wurde eine Schleife von 930 Metern
nicht gelaufen. Zu diesem Zeitpunkt wurde Dieter Schmidt-Volkmar (Vorstandsvorsit-
Vorreiterin Britta Siegers, die 3 Minuten vor dem
Hauptfeld startete, bereits vom Publikum
zender des TZI), Gabriele Boss, Harald
Felzen und Roland Kramer (stellvertreten-
auf der ursprünglichen Strecke bestens der Vorstand des TZI) (v.l.n.r.).
"Das Publikum hat mich angefeuert und unterstützt.
mich darin bestärkt, diesen Halbmarathon
für Rollstuhlathleten zu öffnen. Es war ein der DOG überreichte, wird, so TZI-Leiterin
überwältigendes Gefühl von dem sportbe- Ludwigsburg Gabriele Boss, dazu verwendet, um unter
geisterten Publikum im Countdown-Modus anderem einen Laptop für den sogenannten
auf die Strecke geschickt zu werden", so Dr.
Britta Siegers nach Beendigung des Lever- Spende für den Stillarbeitsraum der Kaderathleten anzu-
schaffen. Im Stillarbeitsraum können Kader-
kusener Halbmarathons am 12. Juni. "Ich
danke der Stadt, die meine Idee der Teilnah- Jugendsport athleten ungestört ihre Hausaufgaben
machen und sich auf Klassenarbeiten
me aufgenommen hat und mir den Start vorbereiten.
ermöglichte". Als "Testfahrerin" nahm die Hoher Besuch im Sport-Teilzeitinternat (TZI)
Vorsitzende der DOG Köln/Leverkusen die Ludwigsburg: Am 20. Juni kam Harald
Distanz vor dem Feld der 3.500 Teilnehmer
mit dem Handbike in Angriff und erreichte
Felzen, Vorsitzender der DOG Ludwigsburg
und Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Verdiente Mitglieder
nach 1:11:40 Stunden das Ziel in Opladen. Ludwigsburg, in die Einrichtung im Schul-
Die Zeit war dabei jedoch rein nebensäch- zentrum in der Weststadt und zeigte sich Am 27. Juni fanden gleich drei Ehrungen
lich. "Ich wollte mit meinem Start aufzei- angetan von deren Philosophie: "Die Arbeit der Deutschen Olympischen Gesellschaft in
des Teilzeitinternats ist vorbildlich. Hier Ludwigsburg statt. Ausgezeichnet wurden in
werden mit einem innovativen und zu- Anwesenheit des Ersten Bürgermeisters
kunftsweisenden Konzept in der Förderung Andreas Hesky die Firmen BERU AG und
des Jugendsports Zeichen gesetzt", so Sioux GmbH für 50 beziehungsweise 25
Felzen. Jahre Mitgliedschaft in der DOG. Zudem
wurde DOG-Vorstandsmitglied Kurt Knecht
Das jüngste Ausrufezeichen setzte das für seine herausragenden Verdienste um die
Ludwigsburger Teilzeitinternat, das inzwi- Deutsche Olympische Gesellschaft geehrt.
schen landesweit Vorbildfunktion genießt, "Gerade in Zeiten leerer Kassen braucht der
als die Mädchenmannschaft des Otto- Sport, insbesondere der Jugend- und
Hahn-Gymnasiums vor wenigen Wochen in Breitensport, Förderung. Sowohl BERU als
Berlin die Deutsche Schulmeisterschaft im auch Sioux haben das schon früh erkannt
Basketball gewann. Ein Jahr zuvor hatten und unterstützen unsere Arbeit mit ihrer
Umjubelt von den Zuschauern: Britta die Jungen den ersten Platz belegt. Felzen: Mitgliedschaft seit vielen Jahren. Dafür
Siegers beim Leverkusener Halbmarathon. "Die Unterstützung derartiger Institutionen möchte ich mich bedanken", sagte Harald

81
Felzen, Vorsitzender der DOG Ludwigsburg. der DOG Mittelfranken, schließlich vermie- Ein Höhepunkt der Mitgliederversammlung
"Bedanken will ich mich auch bei Kurt den werden. war die Ehrung des Verlags Nürnberger
Knecht. Dass die DOG den Sport in unserem Presse für seine 50jährige Mitgliedschaft in
Landkreis so wirkungsvoll unterstützt, ist zu Bereits im April vergangenen Jahres unter- der DOG. Chefredakteur Joachim Hauck und
einem großen Teil ihm zu verdanken", so nahm eine 30-köpfige Gruppe (wie immer der Leiter der Sportredaktion Hans Böller
Felzen weiter. Gemeinsam mit Theo Götz, auf eigene Kosten) eine Fahrt nach Leipzig, ließen es sich nicht nehmen, die Auszeich-
dem DOG-Landesvorsitzenden, überreichte um sich über die Olympiabewerberstadt für nung persönlich entgegenzunehmen und zu
er Urkunden und DOG-Ehrennadeln an 2012 zu informieren. So begeistert wir von versichern, dass ihr Haus auch weiterhin
der Stadt und den vorgesehenen Sportstät- treu zu den Idealen des olympischen Sports
ten waren und so sehr wir uns die Spiele stehen werde.
2012 dort gewünscht hätten, so sehr waren
wir damals überzeugt, dass dies eine ganz Bleibt noch anzumerken: bei den turnusge-
schwere Aufgabe geworden wäre. Insbeson- mäßen Wahlen des Vorstandes wurden
dere das Thema Unterbringung erschien uns neben dem 1. Vorsitzenden Dr. Peter Schön-
problematisch. lein auch alle anderen Vorstandsmitglieder
wieder gewählt. Als Vertreter für die Ju-
Im Vorfeld der Olympischen Spiele von gendarbeit ist Christian Kuhnle neu in den
Athen tat sich die DOG Mittelfranken - Beirat berufen worden.
einem Aufruf des DOG-Präsidiums folgend -
mit den griechischen Vereinen und Organi- Dr. Peter Schönlein und
Harald Felzen, Kurt Knecht, Klaus Schinle, sationen der Region zusammen und sam- Karl-Friedrich Haas
Eugen Köpf und Theo Götz (v.l.n.r.). melte in der Altstadt von Nürnberg enga-
giert Unterschriften für eine olympische
Waffenruhe. Der damit zum Ausdruck Neckar-Odenwald
Eugen Köpf, Prokurist der BERU AG, Klaus gebrachte Friedensappell fand bei den
Schinle, Geschäftsführer der Sioux GmbH,
sowie an Kurt Knecht.
angesprochenen Menschen große Resonanz:
die Listen füllten sich schnell. Tauberbischofsheim feierte
Um die Olympischen Spiele im Ursprungs- olympische Party
Mittelfranken land Griechenland gebührend zu würdigen,
brachte sich die DOG Mittelfranken auch in Beachtliche Resonanz von Teilnehmern und

Bilanz den vom griechischen Konsulat veranstalte-


ten Festakt im Historischen Rathaussaal
Zuschauern, die in großer Zahl den 2 km
langen Parcours durch die Innenstadt
Nürnbergs ein. Unser Olympionike Karl- Tauberbischofsheims säumten, ließen den
Nach der Mitgliederversammlung dieses Friedrich Haas schilderte seine persönlichen Olympic Day Run 2005 der DOG Neckar-
Jahres erscheint der Zeitpunkt günstig, Erfahrungen beim Leichtathletik-Länder- Odenwald zu einem echten Erfolg werden.
kritisch auf den Alltag und die Erfahrungen kampf 1953 in Athen. Dr. Peter Schönlein Die DOG-Maxime "Nicht Platzierungen und
zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. hielt einen Vortrag über die Entstehung der Zeiten zählen, vor allem die Freude am
Olympischen Spiele in der Antike und Sport!" wurde dabei beeindruckend de-
Eine Filmreihe zu den Olympischen Spielen musste dabei mit manchen liebgewordenen monstriert und in die Praxis umgesetzt. Der
wäre trotz großen Interesses aufgrund von Klischeevorstellungen aufräumen. Tag des Sportes anlässlich der 1.250-Jahr-
Schwierigkeiten bei der Beschaffung Feier der Stadt Tauberbischofsheim war für
brauchbarer Kopien beinahe diesen besonderen Sport-Event zudem ein
gescheitert. Erst die Unterstüt- würdiger Rahmen.
zung durch den Bayerischen
Rundfunk und IOC-Mitglied Dr. In fünf Sportarten gingen rund 500 Teilneh-
Thomas Bach ermöglichte die merinnen und Teilnehmer im Alter zwischen
Vorführung des ersten Films sechs und 71 Jahren an den Start: im
über das "Fest der Völker", Berlin klassischen Laufen und im populären
1936. Die durch einleitende Nordic-Walking, im Inline-Skaten sowie im
Worte ergänzte Vorstellung zog Rollstuhl- und im Radfahren.
zahlreiche interessierte Zu-
schauerinnen und Zuschauer an. Die Hobbyläufer waren engagiert, vor allem
Zum Veranstaltungsort waren jedoch mit Riesenspaß bei der Sache. Sie
jedoch auch Gegner gekommen, wurden angefeuert und kämpften, hatten
die gegen die Aufführung aber auch Zeit zum Winken und für einen
protestierten. Ein Eklat konnte Zuruf an die Fans entlang der Strecke.
dank der geschickten Vermitt- Von links: Karl-Friedrich Haas, Hans Böller und Joachim Genau das war auch das Ziel der DOG: zum
lung von Alt-Oberbürgermeister Hauck von den Nürnberger Nachrichten sowie Peter Sport in der Gemeinschaft zu motivieren,
Dr. Peter Schönlein, Vorsitzender Schönlein. getreu dem olympischen Motto: "Dabei sein

82
ist alles, die Teilnahme ist wichtiger als der Seit zehn Jahren steht der Verein ununter- entsprechend zu würdigen. Im Namen der
Sieg!". Das Hochgefühl des Erfolgserlebnis- brochen an der Spitze der besonders fairen DOG überreichte Gerd Teßmer die bronzene
Mannschaften. Dies Fairness-Medaille der DOG mit Urkunde und
brachte ihm nun die für die Spieler und Betreuer der 1. Mann-
Urkunde und die schaft je eine Fairnessplakette. Außerdem
Ehrenplakette der war die Preisverleihung noch mit einem
Deutschen Olympi- Geldpreis verbunden. Für die Zukunft
schen Gesellschaft wünschte Gerd Teßmer dem Verein weiter-
ein. hin Erfolg und guten Zusammenhalt.

Zu Übergabe der Der Vereinsvorsitzende Heinz Kerle bedankte


Auszeichnung sich bei der Deutschen Olympischen Gesell-
wurde der zweite schaft für die Ehrung und unterstrich, dass
Vorsitzende der DOG eine solche öffentliche Hervorhebung
Neckar-Odenwald, Ansporn sei, auch weiterhin trotz aller
Gerd Teßmer, vom 1. Bemühungen für den sportlichen Erfolg
Vorsitzenden des SV wahren Sportsgeist aufrechtzuerhalten und
Bergfeld, Heinz zu pflegen.
Olympic Day Run in Tauberbischofsheim: Start der Inlineskater.
Kerle, seinem
Stellvertreter
ses, das "Ich hab's geschafft!', stand den Norbert Pötsch und Vereinssprecher Alfons Odenwald
Teilnehmern nach dem Zieleinlauf ins Mayerhöffer auf dem Bergfeld empfangen.
Gesicht geschrieben. Und schließlich gab es
zur Erinnerung ein Olympic-Day-Run-
Mayerhöffer stellte den Verein vor, der im
kommenden Jahr seinen 40. Geburtstag 2005 - Erfolgreichstes
T-Shirt und eine von IOC-Präsident Jacques
Rogge signierte Urkunde.
feiert, der derzeit außer einer starken
Gymnastik-Frauen-Abteilung immer noch Jahr in der Geschichte der
Tauberbischofsheims Bürgermeister Vockel
den Fußball als Hauptsparte aufweist, in
dem Kameradschaft gepflegt werde und alle Zweigstelle
hatte den Event eröffnet und allen Organi- Sportplatz- und Sportheim-Arbeiten mit
satoren und Helfern gedankt. Matthias Behr Unterstützung der Stadt Mosbach in Eigen- Das Jahr 2005 wird sich durch seine Termin-
vom Vorstand der DOG Neckar-Odenwald arbeit geleistet würden. dichte als das erfolgreichste Jahr der Ge-
entbot ebenfalls Willkommensgrüße und schichte der DOG Odenwald gestalten. "Die
erläuterte Historie, Arbeit und Ziele der Gerd Teßmer würdigte die Arbeit des SV seit Jahren bestehende kontinuierliche
DOG. Den umjubelten Startschuss gaben Bergfeld. Neben der nun schon über Jahr- Basisarbeit hat uns in der sportlichen Szene
Triathletin Heidi Jesberger und Ex-Zehn- zehnte andauernden Beteiligung am Spiel- des Odenwalds populär gemacht. Damit ist
kampf-Weltrekordler Guido Kratschmer. betrieb in den Kreisligen sei höchste Fair- ein hoher Grad an Akzeptanz entstanden,
ness ein auffallendes Markenzeichen des der unserer Arbeit allmählich sehr zugute
Eine stimmungsvolle "Olympic-Day-Party" Bergfelder Sportvereins. Da man zehn Jahre kommt", betont Hubert Hey, Vorsitzender
auf dem Marktplatz der Jubiläumsstadt lang stets das fairste Team stellen konnte, der Zweigstelle.
setzte dann den krönenden I-Punkt auf hielt es die DOG für richtig, dies auch
diese imposante Veranstaltung. Auf großes
Interesse stößt
Walter Jaufmann vor allem die
Förderung von
Kindern und

Fairnesspreis Jugendlichen.
Neben der
Betreuung des
Seit einigen Jahren hat es sich die DOG Modellkinder-
Neckar-Odenwald unter ihren Vorsitzenden gartens "Flohzir-
Michael Knaus und Gerd Teßmer, MdL, zur kus", der im
Aufgabe gemacht, in Zusammenarbeit mit Rahmen von
den Volksbanken und der Sparkasse, Mann- "Kinder bewe-
schaften sowie Sportlerinnen und Sportler, gen" von Opel
die sich im Sinne des olympischen Gedan- gesponsert wird,
ken der Fairness und der Sportlichkeit unterstützt die
besonders auszeichnen, auf Kreisebene Anlässlich des diesjährigen Sportfestes übergab Gerd Teßmer die DOG- DOG Odenwald
herauszustellen und öffentlich zu ehren. In Fairnessmedaille an den SV Bergfeld, vertreten durch den 1. Vorsitzen- drei weitere
diesem Jahr zeichnete sich im Fußballkreis den Heinz Kerle, seinen Stellvertreter Norbert Pötsch sowie Klaus Kuch, Kindergärten mit
Mosbach der SV Bergfeld besonders aus. Hans Borckert und Alfons Mayerhöffer. Patenschaften.

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Darüber hinaus hat die Zweigstelle an sportgemeinschaft. Besten Dank dem aufgeteilt. Haie, Flipper, Wasserschnecken,
verschiedenen Sommerfesten der Kindergär- Vorsitzenden Jens Vogtländer und sein Krokodile, Wale, Kraken, Pinguine, Kugelfi-
ten teilgenommen. unermüdliches Team für die hervorragende sche oder Seepferde und -hunde begannen
Gesamtleistung", würdigte Hubert Hey, pünktlich um 10 Uhr ihren Einmarsch mit
Zwei Schülerolympiaden zeichnen das Vorsitzender der DOG Odenwald. Fahnenträger und Musik.
aktive, sportliche Engagement an den
Schulen aus. Die Theodor-Litt-Schule Pfalz Rolf Jerg, zweiter Vorsitzender des ALZ,
Michelstadt und die Beruflichen Schulen begrüßte die anwesenden Kinder, Eltern,
gehören zu jenen, die dem Schulsport im
Odenwald in diesem Jahr ein olympisches Lohnender Einsatz Trainer und die vielen kleinen und großen
Helfer. Ein besonderer Gruß und Dank galt
Angesicht geben. dem Landesvorsitzenden der Deutschen
Als erfolgreiche Vermittlerin hat sich die Olympischen Gesellschaft, Theo Götz, und
Mit der DOG-Schirmherrschaft bei den DOG Pfalz in einem Konflikt um die Nut- dem Vertreter der Landesbank, Uwe Köhler,
Süddeutschen Stepmeisterschaften und der zung des Silbersees in Bobenheim-Roxheim der als Sponsor herzlich willkommen war.
12. Auflage der Aktion "Junge Könner zwischen Gemeinde, Sportvereinen und dem Ute Gneiting, Vorsitzende der DOG Sigma-
brauchen Gönner" soll das Jahr aktiv ab- Grundstückseigentümer Firma Willersinn ringen und Leiterin des Ausdauer-Leistungs-
schließen. "Die Erfahrung lehrt uns, dass in eingeschaltet. Anlass der Unstimmigkeiten zentrums, erklärte den Kindern den Ablauf
sämtlichen Regionen, in denen die großen war die Weigerung des Unternehmens, der der Wettkämpfe, bei denen nur der Gedanke
olympischen Ereignisse fehlen, nur dauer- Volkshochschule Bobenheim-Roxheim, dem zählt: "Dabei sein ist alles!"
hafte Kleinarbeit an der Basis zählt. Die Wassersportverein Roxheim und dem Kanu-
Vermittlung des olympischen Gedankens und Segelclub Frankenthal Teile der Seeflä- Nach dem gemeinsamen Aufwärmen mit
verlangt nach stetiger Begeisterung bei che zum Surfen zu überlassen. Die DOG fetziger Musik verteilten sich die Gruppen
Kindern und Jugendlichen", so Hey. Pfalz bat die Parteien zu einem klärenden auf acht Wettkampfstationen, die alle an
Gespräch an einen
Tisch und nach

Zu Gast bei den Speed- intensiver Diskussi-


on unter Leitung

skating-Meisterschaften von DOG-Mitglied


Dr. Carl Hezel
konnte eine Eini-
Zum 10. Mal richtete die Rollsportgemein- gung erzielt werden.
schaft (RSG) Michelstadt / Erbach ihren
Nachwuchswettbewerb im Speedskating auf Inzwischen hat die
dem Bienenmarktgelände in Michelstadt Firma Willersinn
aus. Mit 149 Teilnehmern verzeichnete nicht nur zugesi-
dieser Wettkampf einen neuen Teilnehmer- chert, dass die
rekord. Die gastgebende RSG war mit dem Volkshochschule
größten Kontingent an jungen Speedskatern auch im kommen-
am Start. Gut vertreten waren natürlich den Jahr Surfkurse
auch die hessischen Traditionsvereine aus anbieten kann,
Darmstadt und Groß-Gerau sowie die neuen sondern außerdem
hessischen Klubs wie Frankfurt, Friedberg die Pachtverträge Sigmaringer Kinderolympiade: der Einmarsch der Athleten.
oder Rimbach. Kurzum: ein aufblühender mit den beiden
Sport voller Begeisterung bei Kindern und Vereinen verlängert.
Jugendlichen. Der Bürgermeister von Bobenheim-Rox- Leichtathletik und Triathlon angelehnt
heim, Manfred Gräf, bedankte sich mit waren. Auf dem Sportgelände gab es
Höhepunkt der Veranstaltung war auch in einem Brief für den lohnenden Einsatz der Marathon- und Hindernislauf, Tore schießen
diesem Jahr wieder die Geschicklichkeits- DOG Pfalz. in aufgehängte Reifen und Zielwerfen mit
staffel, bei der jeweils vier Läufer im K.o.- Heulern. In der Schwimmhalle mussten die
System gegeneinander antraten. Der Spaß Kinder, auf einem Bodyboard liegend, je
stand dabei im Vordergrund. Sigmaringen nach Alter eine Quer- oder Längsbahn des
Beckens paddeln. Die zweite Disziplin hier
Mit 11 Goldmedaillen, 8 Silber und 6 Bron-
zemedaillen konnten die Michelstädter Dabei sein war alles! hieß Tauchen. Die Mutigsten holten fünf
Teile vom Boden an der tiefsten Stelle des
hervorragend abschließen. Die DOG Oden- Beckens. In der Turnhalle waren ein Geräte-
wald würdigte bei der Siegerehrung diese Im Ausdauerleistungszentrum (ALZ) Sigma- parcours mit Groß- und Kleingeräten zu
außerordentlichen Erfolge und überreichte ringen fand am 23. Juli die erste Kinder- überwinden und ein Rollbrettparcours, den
den zehn besten Teilnehmern ein Fair-Play- olympiade in Sigmaringen statt. Die teilneh- die Kinder in Bauchlage durchfahren und
T-Shirt. "Wir von der DOG zählen uns gerne mende Kinderschar zwischen 3 und 8 abschließend Sandsäckchen auf ein Hockey-
zu den Freunden und Förderern der Roll- Jahren wurde in zehn "Wassertier-Gruppen" tor werfen mussten. Manchen Kindern

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bereiteten die Sportspiele solchen Spaß, Fußball) Mädchen und Jungen
dass sie einige Disziplinen mehrfach durch- gemeinsam starten.
liefen. Andere wieder, die gestürzt erst
aufgeben wollten, ließen es sich nicht Interessant ist dabei, dass zum
nehmen, nach einem kurzen Trost der Beispiel Wettkämpfe im Mäd-
Mutter, wieder einzusteigen. chenfußball und im Orientie-
rungslauf im Grundschulalter
Im Anschluss der Wettkämpfe gab es noch nur im Schulsport, nicht aber
ein gemeinsames Spiel aller Kinder und von den Wiesbadener Turn- und
natürlich die Siegerehrung, bei der es nur Sportvereinen angeboten
Gewinner gab. Jedes Kind erhielt eine werden.
Urkunde und eine Medaille und vielleicht
noch ein Stück Kuchen von Mama und Papa Für die Teilnahme an einem
für die Anstrengungen. Wettkampf erhält jede Mann-
Feierten 50 Jahre Mitgliedschaft der Landeshauptstadt schaft 13 Punkte. Zusätzlich
Die Kinderolympiade war eine gute Mög- Stuttgart: Sybille Hiller, Geschäftsführerin der DOG gibt es für den ersten Platz
lichkeit, schon die kleinsten Kinder für Spiel Stuttgart, Roland Sauer, Dr. Iris Jana Magdowski und ebenfalls 13 Punkte, für den 2.
und Sport zu begeistern. Eine gelungene Dr. Hans-Joachim Klein (von links). Platz 12 Punkte usw. und für
Veranstaltung, die hoffentlich im nächsten einen 13. Platz entsprechend
Jahr wiederholt wird. Ursprung der Olympischen Idee nach noch einen Punkt. Da im Schulsport die
Griechenland kann die Deutsche Olympische Teilnahme wie ein Sieg zählt, wird dies mit
Gesellschaft dazu beitragen, die olympi- entsprechend gleicher Punktzahl bewertet.
schen Werte für die Zukunft zu sichern, und
Stuttgart entsprechende Begeisterung vermitteln", Bei der Wertung wird weiterhin unterschie-

DOG-Präsident zu Gast
zeigt sich Klein überzeigt. den zwischen kleinen Grundschulen mit bis
zu zwei Klassen je Jahrgang und den großen

beim Jubiläum
Besonderen Dank sprach Klein der Stadt Schulen mit mehr als zwei Klassen.
auch dafür aus, dass seit Jahren das Sport-
amt als Geschäftsstelle der Stuttgarter Insgesamt beteiligten sich im Schuljahr
Im angemessenen Ambiente des Großen Zweigstelle fungiert und sie damit das 2004/2005 von 38 Wiesbadener Grundschu-
Sitzungssaals im Stuttgarter Rathaus DOG-Engagement vor Ort entscheidend len insgesamt acht kleine und 19 große
überreichte der Präsident der Deutschen unterstützt. Roland Sauer, Vorsitzender der Schulen an den Wettkämpfen. Während es
Olympischen Gesellschaft, Dr. Hans Joachim DOG Stuttgart, beendete den interessanten bei den teilnehmenden Schulen gegenüber
Klein, am 22. Juni der scheidenden Sport- Abend mit der Verabschiedung von Dr. Iris 2003/2004 einen Rückgang von vier Schu-
bürgermeisterin Dr. Iris Jana Magdowski Jana Magdowski als stellvertretende Vorsit- len gab, erhöhte sich die Zahl der teilneh-
stellvertretend für die Stadt Stuttgart eine zende, die nach acht Jahren aus dem Kreis menden Mannschaften von 84 im Vorjahr
goldene Ehrennadel sowie eine Urkunde für der Stuttgarter Zweigstelle ausscheidet. auf 90 Mannschaften in diesem Schuljahr.
fünfzig Jahre Mitgliedschaft und Anerken- Dies entspricht einer Teilnehmerzahl von ca.
nung der Unterstützung für Aufgaben im 900 Schülerinnen und Schülern.
Sinne der Olympischen Idee. Wiesbaden
Alle sieben Sportarten nahmen die Grund-
Klein, zugleich Mitglied im Präsidium des
Nationalen Olympischen Komitees (NOK),
Verleihung der Schulsport- schule Breckenheim, die Geschwister-
Scholl-Schule und die Rudolf-Dietz-Schule
war nach Stuttgart gekommen, um im
Rahmen eines Vortrags vor rund 80 gelade-
preise 2004/2005 in Angriff. Letztere war mit drei Stadtmeis-
tertiteln im Mädchen-Fußball, beim Turnen
nen Gästen über die Aufgaben und Perspek- sowie in der Leichtathletik auch am erfolg-
tiven der Deutschen Olympischen Gesell- Seit nunmehr 17 Jahren nehmen das reichsten.
schaft als Basisorganisation der olympi- Sportreferat des Staatlichen Schulamtes für
schen Bewegung zu sprechen. Welche Rolle Wiesbaden und die Deutschen Olympischen Zur Ehrungsfeier im Wettbewerb "Teilnahme
spielt die olympische Idee in der heutigen Gesellschaft gemeinsam eine Wertung und Leistung" am 18. Juli wurden alle
Gesellschaft? Können wir Werte wie Team- aufgrund von Teilnahme und Leistung bei Schulen eingeladen, die in diesem Schuljahr
geist, Fair Play, Völkerverständigung über den sieben ausgeschriebenen Grundschul- mindestens 40 Punkte erreicht haben. Bei
den Sport hinaus vermitteln? Fragen, die der wettbewerben vor, die als Handballspielfest, den kleinen waren es acht, bei den großen
ehemaligen Leistungssportler mit einem turnerisches Straßensportfest, Schwimm- zwölf Schulen, die das gesetzte Limit
hoffnungsvollen Ja beantwortete. wettkampf, Orientierungslauf, Fußballturnier erreichten.
für Mädchen (Halle) und Jungen und
"Mit beispielhaften Maßnahmen wie dem Leichtathletikwettkampf stattfinden. Bei Die Ersten des Wettbewerbs erhielten die
Projekt "Kinder bewegen", der Nachwuchs- allen Wettbewerben handelt es sich um Wanderpreise der Deutschen Olympischen
förderung mit einem Patenschaftsmodell, Mannschaftswettbewerbe; in den Mann- Gesellschaft; für alle Schulen gab es Pokale
der Organisation von Studienfahrten zum schaften müssen in der Regel (Ausnahme und Urkunden. Bei den kleinen Schulen

85
dankte er dem
Schulsportreferat
Impressum
des Staatlichen
Schulamtes, das die Olympisches Feuer
Wettkämpfe organi- Zeitschrift des Nationalen Olympischen Komitees
siert hat, für die für Deutschland und der
vertrauensvolle Deutschen Olympischen Gesellschaft
Zusammenarbeit. Herausgeberkollegium:
"Diese kontinuierli- Bernhard Schwank (NOK), Dieter Krickow (DOG),
che Partnerschaft Steffen Haffner, Michael Gernandt
macht es möglich, Chefredakteur: Harald Pieper
dass der Wiesbade-
ner Grundschulsport Redaktion: Dr. Stefan Volknant, Dr. Andreas Höfer,
Kerstin Rehhahn
eine Breite und
Die Preisträger im Wiesbadener Grundschulwettbewerb Spitze aufweist, die Redaktionsanschrift:
"Teilnahme und Leistung". sich sehen lassen Dr. Stefan Volknant
Nationales Olympisches Komitee für Deutschland
kann", so Portmann.
Otto-Fleck-Schneise 12, 60528 Frankfurt
belegte die Grundschule Breckenheim seit Telefon: 0 69 / 6 70 02 27, Fax: 0 69 / 67 00 12 27
Beginn des Wettbewerbs Teilnahme und E-Mail: volknant@nok.de
Leistung im Schuljahr 88/89 unangefochten Zwickau Harald Pieper
den 1. Platz, in diesem Jahr mit über 100
Stieglitzstraße 2
Punkten Vorsprung und einer Punktzahl, die
selbst noch bei den großen Schulen zum 3. "Kinder bewegen" bringt 63263 Neu-Isenburg
Telefon: 0 61 02 / 5 22 62
Platz gereicht hätte. Bei den großen Schu-
len gab es wie nun schon seit vielen Jahren Seepferdchen ein Herstellung, Vertrieb & Verlag:
Peter Kühne Verlag
ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Theodor-Heuss-Straße 11
Rudolf-Dietz-Schule und der Geschwister- Seit mehr als einem Jahr ist die Zwickauer 63303 Dreieich
Scholl-Schule, den die Dietz-Schule erst Kindertagesstätte "Villa Kunterbunt" Mo- Telefon: 0 61 03 / 8 07 91 70,
beim letzten Wettkampf in der Leichtathle- Telefax: 0 61 03 / 8 07 91 71
dellprojekt der Aktion "Kinder bewegen".
E-Mail: freiwurf@aol.com
tik mit einem Punkt Vorsprung für sich Seither hat die von der DOG Zwickau
entscheiden und somit den 1. Platz aus dem betreute Einrichtung u.a. einen Schwimm- Grafische Gestaltung: Werner Pettersch, Dreieich
letzten Schuljahr verteidigen konnte. kurs für die Schulanfänger der Kita ins Schlussredaktion/Anzeigenleitung: Peter Kühne
Leben gerufen. Dieser fand nun am 20. Juni
Wie bereits in den letzten Jahren gab es Die Zeitschrift erscheint 6 x jährlich.
seinen erfolgreichen Abschluss. Nach zwölf Der Bezugspreis ist durch den Mitgliedsbeitrag der
wieder einen Sonderpreis für eine Schülerin Wochen intensiven Übens konnten alle Deutschen Olympischen Gesellschaft abgegolten.
oder Schüler, die bereits zur Deutschen Kinder die Schwimmprüfung ablegen. Eltern
Spitzenklasse zählen, um damit auch den Druck: HMS-Druckhaus GmbH
und Großeltern waren sichtlich stolz. Auch
Benzstraße 57 - 59, 63303 Dreieich
Grundschulkindern Telefon: 0 61 03 / 93 39-0.
zu zeigen, was man
im Sport erreichen Das Olympische Feuer ist zu beziehen durch:
Geschäftsstelle der Deutschen Olympischen
kann. In diesem Jahr
Gesellschaft, Otto-Fleck-Schneise 12 - Haus II,
fiel die Wahl auf 60528 Frankfurt am Main,
Alexandra Göbel, die Telefon: 0 69 / 69 50 16-0,
für den Wiesbade- Telefax: 0 69 / 6 77 18 26,
ner Leichtathletik- E-Mail: office@dog-bewegt.de,
Verein startet und Frankfurter Sparkasse,
Kontonummer 200313592,
Deutsche Jugend- Bankleitzahl: 500 502 01
meisterin im Diskus-
werfen ist. Das Olympische Feuer ist ein Diskussionsforum.
Mit Namen gekennzeichnete Artikel müssen nicht
unbedingt der Meinung der Redaktion, des NOK
Zum Abschluss bzw. der DOG entsprechen.
gratulierte Prof.
Titelgrafik: Eberhard Stroot
Hans-Jürgen Port-
Die Vorschulkinder der Zwickauer „Villa Kunterbunt“ beim
mann, Vorsitzender Fotos, Illustrationen, Karikaturen:
Schwimmkurs. Dennis Buttler
der DOG Wiesbaden,
der Blücherschule, dpa
Fränkische Nachrichten
Stadtmeister im Orientierungslauf und in den nächsten zwei Jahren sollen die Horst Linke
Vizemeister beim Handballspielfest und im Steppkes der Villa dieses Zusatzangebot an Eberhard Stroot
Schwimmen, für die gelungene Ausrichtung sportlicher Betätigung nutzen können.
der diesjährigen Ehrungsfeier. Zugleich

86
Deutsches Sport & Olympia Museum
Herausgeber: Stiftung Deutsches Sport & Olympia Museum Jahrgang 25 - Heft 4/2005
Rheinauhafen 1, 50678 Köln, Tel.: +49 (0)221 3 36 09-0
Verantwortlich für den Inhalt: Klaus H. Schopen
Redaktion: Ansgar Molzberger, Paul Fürhoff
Internet: www.sportmuseum-koeln.de

Global Players Fußballs, die gleichsam als "Botschafter" das


Deutschlandbild in der Ferne prägten. Die
Bert Trautmann - "Fliegen für
Ausstellung hat somit eine politische den Frieden"
Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft Dimension, die über das Ereignis Fußball-
2006 konzipiert das Deutsche Sport & WM im eigenen Land weit hinausgeht. Während 1954 Toni Turek in der Schweiz
Olympia Museum eine große Sonderausstel- zum "Fußball-Gott" avanciert, sitzt der wohl
lung mit dem Titel: "Global Players - Deut- Wenn im Sommer 2006 'Die Welt zu Gast beste deutsche Torhüter dieser Zeit daheim
scher Fußball in aller Welt". Die Ausstellung bei Freunden' sein wird, sucht die Ausstel- vor dem Radio. Daheim, das ist für Bert
wird von der DFB-Kulturstiftung und lung nach 'Freunden zu Gast in der Welt'. Trautmann die Arbeiterstadt Manchester im
anderen Partnern gefördert. Zu sehen ist die Botschafter des deutschen Sports und Norden Englands. Pech für ihn, dass unter
Ausstellung vom 04. März bis 05. Juni 2006 seiner Ideale sind schon in den 50er Jahren Bundestrainer Sepp Herberger "Legionäre"
auf der 500 qm großen Sonderausstellungs- anzutreffen. Seit 1960 führten die deut-
fläche des Museums. schen Sportinstitutionen dann unzählige
Entwicklungshilfe-Projekte rund um den
Als modernes und tolerantes Land genießt Globus durch. Die Ausstellung trägt diesen
Deutschland ein hohes Ansehen in aller Aktivitäten in der Form Rechnung, dass sie
Welt. Ein Teil der Wertschätzung gründet nach Themen gegliedert einzelne markante
sich dabei auf Aktivitäten und Maßnahmen Projekte vorstellt. Aus den vielen Geschich-
deutscher Entwicklungshilfe im Sport, die ten, die über deutschen Fußball im Ausland
vor 45 Jahren ihren Ausgang genommen erzählt werden, seien hier drei exemplarisch
hat. Hinzu kommen Persönlichkeiten des herausgegriffen.
Bert Trautmann in Aktion

keine Einladung zur Nationalmannschaft


erhalten. Er wird in seiner ganzen Karriere
kein Länderspiel für Deutschland bestreiten.

Bei seinem Verein Manchester City erfährt


Trautmann da mehr Wertschätzung. Als
Deutscher und ehemaliger Kriegsgefangener
wird er bei seinem ersten Einsatz für City
1949 zwar gnadenlos ausgepfiffen, allmäh-
lich erarbeitet er sich aber die Anerkennung
der Briten, was die englische TV-Legende
Jimmy Hill so ausdrückt: "Der Respekt, den
man ihm und durch seine Leistungen
letztendlich auch Deutschland entgegen-
brachte, war vielleicht der Anfang jenes
Heilungsprozesses, der die Kriegswunden
verschloss".

Für seine Verdienste um die deutsch-


britische Aussöhnung wird Trautmann 1997
mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeich-
net. Seit 2004 darf er sich zudem "Honorary
Officer of the Most Excellent Order of the
Winnie Schäfer und die "unbezwingbaren Löwen" Kameruns British Empire" nennen.

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war der Pionier der sportlichen Entwick- DFB-Trainerlizenz nutzte seine Dienstzeit in
"Einmal um die ganze Welt" lungshilfe Deutschlands. [...] Rudi Gutendorf Afrika, um fußballerische Entwicklungshilfe
- Rudi Gutendorf hat in hervorragender Weise als Entwick- zu leisten.
lungshelfer im sportlichen Bereich das
"Machen Sie es gut da, Herr Gutendorf!" Mit Ansehen der Bundesrepublik Deutschland Dabei erregte er des Öfteren die Aufmerk-
diesen Worten verabschiedet der damalige im Ausland gefördert." samkeit der lokalen Medien, war es doch
Bundeskanzler Konrad Adenauer im Jahr alles andere als selbstverständlich, dass ein
1961 den Fußball-Lehrer Rudi Gutendorf weißer Politiker im Trainingsanzug mit
nach Tunesien. Im Auftrag der Bundesregie- einem schwarzen Jugendlichen auf den
rung soll er dort Übungsleiter ausbilden und
"Diplomat im Trainingsanzug" Schultern Kniebeugen machte. Von der
Auswahlmannschaften trainieren. - Harald Ganns "Umkehrung der Kolonialzeit" war daraufhin
am nächsten Tag in der Presse die Rede.
Und Gutendorf macht es tatsächlich "gut", Einen echten Diplomaten im Trainingsanzug
denn dem Tunesien-Auftrag folgten bis konnten die Einwohner Togos, Kameruns, Ganns nutzte seine Trainertätigkeit indes
heute noch unzählige weitere Auslandsmis- Namibias, Südafrikas und des Niger jahre- ganz bewusst, um die Kontakte zur einfa-
sionen und ein Eintrag ins Guiness-Buch der chen Bevölkerung
Rekorde. Gutendorf verschlug es dabei in zu intensivieren und
die entlegensten Ecken der (Fußball-) Welt, deren Bedürfnisse,
u.a. nach Trinidad & Tobago, Nepal, Grena- Ängste und Nöte
da, Antigua, Samoa sowie nach Fidschi und besser verstehen zu
auf die Tonga-Inseln. lernen. Dabei wurde
er v.a. in Westafrika,
Der sportliche Erfolg ist für Gutendorf dabei der Geburtsstätte
nie der alleinige Antrieb. Ihm geht es vor des Voodoo-Kults,
allem um die völkerverbindende Kraft des nicht selten mit
Fußballs: "Eine meiner gewichtigsten Aufga- erstaunlichen
ben sah ich immer darin, Rassenvorurteile Verhaltensweisen
verschwinden zu lassen." Die gemeinsamen konfrontiert: So
Feiern der verfeindeten Volksstämme der kletterte eine von
Tutsi und Hutu in Ruanda nach einem ihm betreute
sensationellen 2:2-Unentschieden in der Mannschaft schon
WM-Qualifikation gegen den großen Favori- mal über den Zaun,
Fans in Westafrika
ten Elfenbeinküste, bezeichnet Gutendorf um auf das Spielfeld
denn auch als "die schönsten Stunden zu gelangen, da die
meiner Trainerkarriere." lang bestaunen, wenn Harald Ganns zum normalen Eingänge von der gegnerischen
Feierabend Schreibtisch und Anzug gegen Partei verhext gewesen sein könnten.
1997 erhält Gutendorf das Bundesver- Rasenplatz und Fußballschuhe eintauschte.
dienstkreuz. In der Begründung heißt es: "Er Der wohl weltweit einzige Botschafter mit

Sport und Religion


Vom 16. bis 21. August 2005 fand mit dem
Weltjugendtag die wohl größte Veranstal-
tung des Jahres in Köln statt. Das Deutsche
Sport & Olympia Museum nahm eigens für
dieses Ereignis eine Sonderführung in sein
museumspädagogisches Programm auf.

Unter dem Titel " Sport und Religion"


wurden täglich Führungen angeboten, die
sich den beiden herausragenden gesell-
schaftlichen Phänomenen "Sport" und
"Religion" widmeten. Diese Sonderführung
wird nun auch regelmäßig im Museum
angeboten.

Religion und Sport? Wie passt denn das


zusammen? Bestens, so waren beispielswei-
se die antiken Olympischen Spiele ursprüng-
Rudi Gutendorf und die Nationalmannschaft von Mauritius lich vor allem ein Kultfest zu Ehren des

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höchsten griechischen Gottes Zeus. Im programm fand dabei genau so viel Zu- Nach der Begrüßung durch den Vorsitzen-
Laufe der Zeit traten die sportlichen Ele- spruch wie das Animationsprogramm. Für den der Stiftung Deutsches Sport & Olympia
die WJT-Teilnehmer war das DSOM-Angebot Museum, Professor Walther Tröger, wird die
eine hervorragende Ergänzung des Pro- Historie des Museums beschrieben. An-
gramms. schließend wartet eine Reise durch die
Dauerausstellung auf den Leser. Detailliert
werden die jeweiligen Abteilung, beginnend

Mythos Sport bei der Antike über das Deutsche Turnen


und den Englischen Sport bis zum moder-
nen Profisport, dargestellt. Ein besonders
Das neue Magazin des Deutschen Sport & Augenmerk gilt dabei den Aktivstationen
Olympia Museums ist unter dem Titel innerhalb des Museums, die den Besucher
"Mythos Sport" erschienen. Ausführlich zum aktiven Erleben der Ausstellung ani-
berichtet es über die einzelnen Bereiche des mieren. Der nächste Bereich beschäftigt sich
Museums und informiert die Besucher des mit den wechselnden Ereignissen im DSOM.
Hauses sowohl über seine Entstehung und Es werden die unterschiedlichen Sonderaus-
Entwicklung als auch über die aktuelle stellungen vorgestellt und über die Podi-
Situation. umsdiskussionen, Vortragsveranstaltungen

mente allerdings immer mehr in den Vor-


dergrund, und nachdem das Christentum im
4. Jh. n. Chr. zur Staatsreligion erhoben
worden war, wurden sämtliche antiken Kult-
und Sportfeste als heidnisch verboten.

Die frühen Christen standen den Leibes-


übungen aber dennoch wesentlich aufge-
schlossener gegenüber als man gemeinhin
annimmt. Vor allem haben sie dabei deren
positive Auswirkungen auf die Erziehung
der Jugend im Blick gehabt.
Sport und Religion beeinflussten sich im
Laufe der Geschichte gegenseitig. So wirkte
sich die christliche Ethik z.B. positiv auf die
Entstehung eines Fair-Play-Gedankens im
Sport aus.

Für Pierre de Coubertin, den Begründer der


Olympischen Spiele der Neuzeit, sollten
religiöse Elemente im Zeremoniell der
modernen Olympischen Spiele wie Hymne,
Eid etc. unbedingt enthalten sein, um den
festlichen Rahmen der neuzeitlichen Spiele
zu gewährleisten. Von den Sportlern
wünscht er sich eine "religio athletae" und
meinte damit vermutlich eine Bindung an
sittliche Leitwerte im Sport.

Diese und zahlreiche weitere Verbindungen


zwischen Religion und Sport waren Inhalt
der hochinteressanten Sonderführung, die
für den interessierten Besucher noch
weitere überraschende Erkenntnisse zum
Thema bereithielt. Für die Weltjugendtags-
Gäste gab es im Rahmen des Jugendkultur-
festivals zudem drei Konzertveranstaltungen
im DSOM. Gemeinsam mit dem StadtSport-
Bund Köln wurde ein Sport- und Bewe-
gunsprogramm am, im und auf dem Muse-
um angeboten. Das Tai Chi-Entspannungs-

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sowie die Verbands- und Firmenpräsentatio-
nen berichtet. Abschließend gibt Museums-
direktor Dr. Christian Wacker in einem
Interview einen Ausblick über die zukünftige
Ausrichtung und anstehenden Projekte des
Museums. Das Heft ist darüber hinaus
gespickt mit Anekdoten und hintergründi-
gen Informationen zu Olympischen Themen
und besonderen sportlichen Ereignissen.
Ebenso wird, verteilt über das Heft, das
museumspädagogische Angebot vorgestellt.

Als Partner konnte für das Magazin der


Deutsche Sparkassen- und Giroverband
gewonnen werden, der innerhalb des
Magazins über sein Engagement bei der
Nachwuchsförderung berichtet und die
langjährigen guten Beziehung zum DSOM
betont. Das Magazin kann an der Kasse des
DSOM erworben werden und wird auf
Anfrage versendet.

Sportliche Konkurrenz aus Sicht der Künstlerin Maria Berberich

Nabe der Welt montiert vom Kunsthandwerker Bernd und wir sind begeistert - weil alles so glänzt
Horberth. und so gut aussieht."
Designobjekte aus Rennrad-
komponenten
Die Radsportfans, die sich auch selbst
regelmäßig auf den Rennradsattel schwin- „In Action“
gen, sind über den Sport hinaus angetan
Ein Lenkervorbau versehen mit einer von den unzähligen Möglichkeiten, Renn- Ausstellungsvorschau
Leuchtstoffröhre bringt Licht in den Flur, radkomponenten zu edel designten Haus-
Tretkurbeln dienen als Regalteile, ein Fel- haltsgegenständen zu transformieren. Terrakotten zu Sport und Bewegung von
genstück mit Speichen fungiert als Kleider- Maria Berberich stellt das Deutsche Sport &
bügel. Beim Bremer Albrecht Lampe von der Anlässlich der Tour de France 2005 zeigte Olympia Museum vom 9. September - 16.
Fachhochschule für Freie Bildende Kunst in das Deutsche Sport & Olympia Museum Oktober 2005 in seiner Galerie aus.
Ottersberg und seiner Künstlergattin Helga diese Exponate in der Ausstellung "Nabe der
werden Rennradkomponenten zu nützlichen Welt", die vom 2. - 31. Juli 2005 in der Die Körpersprache des Sports und der
Designobjekten, zusammengeschweißt und Galerie des Museums zu sehen war. Von Bewegung - dies ist das Thema der Skulptu-
diversen Leuchten ren Maria Berberichs. In ihren kleinen,
über Hutständer bis suggestiven Terrakotten spiegeln sich ihre
hin zu Salzstreuer Assoziationen zu den Befindlichkeiten
und Taschenlampe, unserer Gesellschaft - und damit auch des
die Bandbreite der Sports - auf vielfältige Art: "Der Span-
aus Rennradteilen nungsbogen meiner Darstellungen reicht
gefertigten Objekte von bissig bis provozierend, mitunter
des Teams dramatisch bis zur hintergründigen, ironi-
Lampe/Horberth ist schen Heiterkeit", so Maria Berberich.
beeindruckend: "Am
Anfang der Ver- Als Skulpturen schneidet sie ihre Figuren
wandlung eines Teils aus dem Ton heraus und überlistet die
in ein anderes, in ein Statik des Materials, wodurch ihre Terrakot-
ganz anderes, ten sehr lebendig wirken.
erwägen wir Mög-
lichkeiten, die wir Das Deutschen Sport & Olympia Museum
oft wieder verwer- präsentiert 25 Skulpturen in der Ausstellung
fen müssen. Dann "In action".
aber erfolgt manch-
mal Unerklärliches.
Einst Speichen und Sattelstütze, nun Schaufel und Harke Ein Objekt entsteht

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