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DEUTSCHE NORM Entwurf Januar 2002

Schilder
Wisch- und Abriebfestigkeit von Beschriftungen
auf Schildern
Anforderungen und Prüfung 30643
ICS 01.080.99; 21.020 Ersatz für
die 1993-10
Signs, plates and labels – Resistance to wiping and wear of lettering – zurückgezogene Norm
Requirements and testing DIN 30646-10:1987-08
Signaux, panneaux et étiquettes – Résistance à l’essuyage et à l’usure
de l’inscription – Exigences et essai

Änderungen
Gegenüber der 1993-10 zurückgezogenen Norm DIN 30646-10:1987-08 wurden
folgende Änderungen vorgenommen:
a) neues Verfahren zur Prüfung der Wischfestigkeit festgelegt;
b) Anwendungsbereich für alle Arten von Schildern erweitert;
c) Verfahren zur Prüfung der Abriebfestigkeit aufgenommen.

Frühere Ausgaben
DIN 30646-10: 1987-08

Fortsetzung Seite 2 bis 7

Normenausschuss Technische Grundlagen (NATG) – Technische Produktdokumentation –


im DIN Deutsches Institut für Normung e.V.
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DIN 30643:2002-01

1 Anwendungsbereich
Diese Norm legt ein Prüfverfahren zur Bestimmung der Wisch- und Abriebfestigkeit von Beschriftungen,
Bedruckungen und/oder Beschichtungen auf Schildern fest. Dieses Prüfverfahren kann angewendet werden
für ebene Oberflächen, die mechanischen Beanspruchungen/Kräften, wie z. B. Reiben, und chemischen
Beanspruchungen, wie z. B. Reinigungslösungen, ausgesetzt sind. Dieses Verfahren dient der Überprüfung
der Leserlichkeit nach DIN 1450.

2 Normative Verweisungen
Diese Norm enthält durch datierte oder undatierte Verweisungen Festlegungen aus anderen Publikationen.
Diese normativen Verweisungen sind an den jeweiligen Stellen im Text zitiert, und die Publikationen sind
nachstehend aufgeführt. Bei datierten Verweisungen gehören spätere Änderungen oder Überarbeitungen dieser
Publikationen nur zu dieser Norm, falls sie durch Änderung oder Überarbeitung eingearbeitet sind. Bei unda-
tierten Verweisungen gilt die letzte Ausgabe der in Bezug genommenen Publikation (einschließlich Änderungen).
DIN 1450:1993-07, Schriften – Leserlichkeit.
DIN EN 60068-1, Umweltprüfverfahren – Teil 1: Allgemeines und Leitfaden (IEC 68-1:1988 + Corrigendum
1988 + A1:1992); Deutsche Fassung EN 60068-1:1994.
DIN EN ISO 105-E04, Textilien – Farbechtheitsprüfungen – Teil E04: Farbechtheit gegen Schweiß
(ISO 105-E04:1994); Deutsche Fassung EN ISO 105-E04:1996.
DIN EN ISO 868, Kunststoffe und Hartgummi – Bestimmung der Eindruckhärte mit einem Durometer
(Shore-Härte) (ISO 868:1985); Deutsche Fassung EN ISO 868:1997.
DIN EN ISO 6508-1, Metallische Werkstoffe – Härteprüfung nach Rockwell (Skalen A, B, C, D, E, F, G, H, K,
N, T) – Teil 1: Prüfverfahren (ISO 6508-1:1999); Deutsche Fassung EN ISO 6508-1:1999.
DIN EN ISO 8596, Augenoptik – Sehschärfeprüfung – Das Normsehzeichen und seine Darbietung
(ISO 8596:1994); Deutsche Fassung EN ISO 8596:1996.

3 Begriffe
Für die Anwendung dieser Norm gelten die folgenden Begriffe.

3.1
Abriebfestigkeit
Beständigkeit gegen die unerwünschte Veränderung der Oberfläche durch Ablösen kleiner Teilchen infolge
mechanischer Beanspruchung

3.2
Wischfestigkeit
Beständigkeit gegen die unerwünschte Veränderung der Oberfläche infolge mechanischer und chemischer
Beanspruchung

3.3
Leserlichkeit
Eigenschaft einer Folge erkennbarer Zeichen, die es ermöglicht, diese Zeichen im Zusammenhang zu erfassen
[DIN 1450:1993-07]

4 Anforderungen
Nach Durchführung der Prüfung muss die Leserlichkeit erhalten bleiben.
Es dürfen keine wesentlichen Veränderungen der funktions- und informationstragenden Flächen auftreten.

5 Prüfung
5.1 Kurzbeschreibung
Das Prüfverfahren simuliert die Reibkräfte, die bei dem Gebrauch und z. B. beim Reinigen mit und ohne
Flüssigkeiten verursacht werden.
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DIN 30643:2002-01

Die zu prüfende Oberfläche wird wiederholt durch eine reversierende Bewegung eines Prüfstempels
beansprucht.
Um reproduzierbare Reibungsverhältnisse an der Berührungsstelle zu erzielen, befindet sich zwischen
Prüfstempel und Prüfoberfläche ein Gewebe, ausgebildet als Überzug auf dem Prüfstempel. Je nach Anforderung
ist der Überzug trocken zu verwenden (Abriebfestigkeit) oder mit einer festgelegten Flüssigkeit zu tränken,
wenn die Prüfung Einflüsse durch Gebrauchsflüssigkeiten nachbilden soll (Wischfestigkeit).

5.2 Prüfeinrichtung und Prüfmittel


5.2.1 Prüfgerät
Das Prinzip einer geeigneten Prüfeinrichtung zeigt Bild 1.

Legende
1 Kamera
2 Lampe
3 Prüfstempel
4 Zu prüfende Oberfläche (Prüfling)
a Bewegung des Prüfstempels
l Reibweg = 100 mm

Bild 1 – Prinzipbild eines Prüfgerätes

5.2.2 Prüfstempel
Je nach Art der Prüfung ist Prüfstempel A (siehe Bild 2) oder Prüfstempel B (siehe Bild 3) auszuwählen.
Der Prüfstempel A muss gegenüber den verwendeten Prüfflüssigkeiten resistent sein.
Die Spitze des Prüfstempels A wird so verformt, dass sie sich der zu prüfenden Oberfläche anpasst. Werkstoff,
Härte, Form des Prüfstempels und Bewegungsablauf sind so gewählt, dass Druck und Reibung mit dem
menschlichen Finger oder dem Handballen nachgebildet werden.
Weitere Parameter der Prüfstempel A und B nach Tabelle 1.
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Maße in Millimeter Maße in Millimeter

Bild 2 – Prüfstempel A Bild 3 – Prüfstempel B

Tabelle 1 – Prüfparameter

Stempel A (A) Stempel B (B)

Beschaffenheit Elastisch verformbar Nicht elastisch verformbar

Shore-A 47 ± 5 (62,3 ± 10) HRB


Stempel Härte
(nach DIN EN ISO 868) (nach DIN EN ISO 6508-1)

Werkstoff Kautschuk a Aluminium a

Andruckkraft 10 N
Beanspruchungszyklen je s 1 ± 0,5
10 (1)
100 (2)
Anzahl der Beanspruchungszyklen 1 000 (3)
10 000 (4)
100 000 (5)

Kette: (175 ± 10) Knoten/dm


Baumwolle (B) Schuss: (135 ± 8) Knoten/dm
Flächenbezogene Masse: ≥ 195 g/m2

Flächengewicht: 84 g/m2
Dicke: 0,16 mm
Überzug Bruchlast, längs: > 50 N
Bruchlast, quer: > 30 N
Filterpapier (F)
Berstdruck: > 15 N/cm2
Nassfestigkeit: > 5 kPa
Aschegehalt: < 0,1 %
Stoffzusammensetzung: 100 % Edelzellstoffe

Isopropanol (P)
n-Heptan C7 H16 (H)
Benetzungsmittel
Fett (F)
(nur für Wischfestigkeitsprüfung)
Künstlicher Schweiß (S) (nach Anhang A)
Andere Flüssigkeiten (A)

Frequenz der Bildaufnahme/Bilder je s ≤2

Reibweg l 100 mm (1 Zyklus = 2 × 100 mm)


ANMERKUNG Der Eintrag in fetten Klammern ( ) ist das für die Bezeichnung (siehe Abschnitt 8) zu verwendende
Kurzzeichen.
a Sorte nach Wahl des Herstellers.
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5.2.3 Überzug
Zwischen Prüfstempel und zu prüfender Oberfläche muss sich ein leicht auswechselbarer Überzug befinden.
Werkstoff des Überzugs nach Tabelle 1.

5.2.4 Benetzungsmittel
Geeignete Benetzungsmittel nach Tabelle 1.

5.2.5 Handelsübliche Kamera


Mindestauflösung 290 000 Pixel

5.2.6 Fadenzähler

5.3 Durchführung
5.3.1 Allgemeines
Die Prüfung ist im Normalklima nach DIN EN 60068-1 mit den Prüfparametern nach Tabelle 1 durchzuführen.
Der Prüfling wird in einer Prüfeinrichtung nach 5.2.1 beansprucht. Der informationstragende bzw. funktions-
tragende Teil der Oberfläche des Prüflings muss bei der Prüfung beansprucht werden.
Von der Prüfeinrichtung wird ein Prüfstempel, auf den eine Kraft von 10 N wirkt, senkrecht auf die zu prüfende
Oberfläche gedrückt und waagerecht über den Reibweg l gefahren.
Die Prüfung der Abriebfestigkeit erfolgt ohne Benetzungsmittel.
Die Prüfung der Wischfestigkeit erfolgt mit Benetzungsmittel. Es ist darauf zu achten, dass der Überzug mit
dem Benetzungsmittel getränkt oder die zu prüfende Oberfläche mit dem Benetzungsmittel benetzt ist. Dies
kann durch Eintauchen in einen Vorratsbehälter mit anschließendem Abtropfen oder durch periodisch wieder-
holtes Beträufeln erreicht werden.
Der Zustand des Überzugs ist regelmäßig zu überprüfen, um Verfälschungen durch Verkrustung und
Verschleiß zu vermeiden. Bei großem Verschleiß oder großer Verkrustung ist der Überzug zu erneuern. Vor
jeder Prüfung ist der Überzug zu erneuern.
Der Prüfling wird vor der Prüfung und zu bestimmten späteren Zeitpunkten mit einer über dem Prüfling
angeordneten Kamera, z. B. einer CCD-Kamera, aufgenommen. Um reproduzierbare Messergebnisse zu
erhalten, müssen auch die Beleuchtungsverhältnisse reproduzierbar sein. Der Prüfling sollte deshalb während
der Aufnahme mit entsprechenden Lampen (z. B. Xenon, Halogen) ausgeleuchtet werden, siehe Bild 1.
Die Anzahl der Aufnahmen ist zu vereinbaren.
Um die Änderung der Leserlichkeit und des Aussehens des Prüflings zu beurteilen, wird die Änderung der
einzelnen Pixel des aufgenommenen Bildes erfasst. Dies kann beispielsweise über eine Farbdifferenzmessung
der einzelnen Pixel erfolgen. Hierzu werden die Rot-Grün-Blau-Werte (RGB-Werte) der einzelnen Pixel des
digitalisierten Bildes vor, während und nach der Prüfung aufgenommen und später miteinander verglichen. Die
prozentuale bzw. absolute Änderung der RGB-Werte der Pixel wird vom Prüfpersonal hinsichtlich der
Leserlichkeit beurteilt.
Andere Messverfahren und Farbmodelle sind möglich, insofern sie reproduzierbare Messergebnisse
gewährleisten.
Die zu prüfende Oberfläche muss frei von Verunreinigungen wie Fett oder Staub sein.

5.3.2 Vorbehandlung
Eine Vorbehandlung darf vereinbart werden.

5.3.3 Anfangsmessungen
Der Prüfling muss einer Sichtprüfung unterzogen werden, und falls gefordert, sind Maß- und Funktionskontrollen
durchzuführen.
Die Leserlichkeit der Beschriftung muss von normalsichtigem Prüfpersonal (DIN EN ISO 8596) unter Angabe
der Schrifthöhe und Leseentfernung dokumentiert werden.
Der Prüfling muss mit der Kamera fotografiert werden. Die erhaltenen RGB-Werte dienen als Vergleichsreferenz
für Zwischen- und Endmessungen zur Beurteilung der Leserlichkeit.
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5.3.4 Zwischenmessungen
Zwischenmessungen dürfen vereinbart werden.
5.3.5 Nachbehandlung
Eine Nachbehandlung darf vereinbart werden.
5.3.6 Endmessungen
Der Prüfling muss einer Sichtprüfung unterzogen werden, und falls gefordert, sind Maß- und Funktionskontrollen
durchzuführen.
Der Prüfling muss mit der Kamera fotografiert werden.
Die RGB-Werte werden aufgenommen und mit den Anfangs- bzw. Zwischenwerten verglichen. Es wird die
prozentuale bzw. absolute Änderung der RGB-Werte der Pixel des Kamerabildes bestimmt.
Mittels Sichtprüfung durch den Prüfer wird die Leserlichkeit nach DIN 1450 festgestellt.
Mit Hilfe eines Fadenzählers wird die Oberfläche des Prüflings auf Abrieb untersucht.

6 Auswertung
Der Prüfling muss von normalsichtigem Prüfpersonal (DIN EN ISO 8596) hinsichtlich seiner Leserlichkeit als
gut, ausreichend oder schlecht beurteilt werden.
Die prozentuale bzw. absolute Veränderung der RGB-Werte der funktions- und informationstragenden Flächen
des Prüflings wird mit der durch das Prüfpersonal beurteilten Leserlichkeit verglichen. Die so erhaltenen
RGB-Werte können für die Beurteilung weiterer gleicher Prüflinge als Referenz-Werte benutzt werden.
Es wird beurteilt, ob die funktions- und informationstragenden Flächen unerwünschte Veränderungen (z. B.
Blasen, Kratzer, Risse, Absplitterungen) aufweisen.
Die zulässige Abriebfläche (Größe, Anzahl) ist zu vereinbaren.

7 Prüfbericht
Im Prüfbericht sind anzugeben:
a) Hinweis auf diese Norm (DIN 30643);
b) genaue Bezeichnung der Prüfung (nach Abschnitt 8);
c) Anzahl der Aufnahmen des Prüflings;
d) Schrifthöhe und Leseentfernung;
e) Vorbehandlung (5.3.2);
f) Anfangsmessungen (5.3.3);
g) Zwischenmessungen (5.3.4);
h) Nachbehandlung (5.3.5);
i) Endmessungen (5.3.6);
j) Prüfergebnis (nach Abschnitt 6);
k) jegliche Abweichung vom festgelegten Prüfverfahren (nach Abschnitt 5);
l) Prüfstelle, Prüfdatum, Name und Unterschrift des Prüfers.

8 Bezeichnung
Die Bezeichnung der Prüfung der Wisch- bzw. Abriebfestigkeit nach dieser Norm besteht aus den folgenden
Angaben in der vorgegebenen Reihenfolge:
a) Benennung der Prüfung (d. h. „Wischfestigkeit“ oder „Abriebfestigkeit“);
b) Nummer dieser Norm (d. h. „DIN 30643“);
c) Kurzzeichen für den Prüfstempel („A“ oder „B“, nach Tabelle 1);
d) Kurzzeichen für den Überzug („B“ oder „F“, nach Tabelle 1);
e) Kurzzeichen für Anzahl der Beanspruchungszyklen („1“, „2“, „3“, „4“, „5“, nach Tabelle 1);
f) Kurzzeichen für das Benetzungsmittel, nur bei Prüfung der Wischfestigkeit erforderlich („P“, „H“, „F“, „S“, „A“,
nach Tabelle 1).
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BEISPIEL 1
Bezeichnung für die Prüfung der Abriebfestigkeit, Stempel A (A), Überzug aus Filterpapier (F), 100
Beanspruchungszyklen (2):
Abriebfestigkeit DIN 30643 – A – F – 2

BEISPIEL 2
Bezeichnung für die Prüfung der Wischfestigkeit, Stempel B (B), Überzug aus Baumwolle (B), 10 000
Beanspruchungszyklen (4), Benetzungsmittel Isopropanol (P):
Wischfestigkeit DIN 30643 – B – B – 4 – P

Anhang A
(informativ)
Zusammensetzung des künstlichen Schweißes (nach DIN EN ISO 105-E04)
Alkalische Lösung, frisch angesetzt, die je Liter enthält:
0,5 g L-Histidin-monohydrochlorid-1-hydrat (C6H9O2N3 · HCl · H2O),
5 g Natriumchlorid (NaCl),
5 g Dinatriumhydrogenphosphat-12-hydrat (Na2HPO4 · 12 H2O).
Die Lösung wird mit 0,1 mol/l Natriumhydroxidlösung auf pH 8,0 eingestellt.

Anhang B
(informativ)
Das RGB-Farbmodell
Das RGB-Farbmodell unterstützt das so genannte additive Farbmischverfahren. Bei diesem Verfahren wird
durch die Addition der drei Grundfarben Rot, Grün und Blau die Farbe Weiß erzeugt. Man addiert also die
Beträge der drei einzelnen Primärfarben zu einer Gesamtfarbe, sodass jede Farbe dadurch spezifiziert wird,
was zu schwarz addiert wird.

Literaturhinweise
DIN EN ISO 105-X12, Textilien – Farbechtheitsprüfungen – Teil X12: Reibechtheit von Färbungen
(ISO 105-X12:1993); Deutsche Fassung EN ISO 105-X12:1995.
DIN EN ISO 60068-2-70, Umweltprüfungen – Teil 2: Prüfungen – Prüfung Xb: Prüfung der Beständigkeit
von Kennzeichnungen und Aufschriften gegen Abrieb, verursacht durch Wischen mit Fingern und Händen
(IEC 68-2-70:1995); Deutsche Fassung EN 60068-2-70:1996.