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Merkblatt 982

Oberflächenhärten
nichtrostender Stähle

Informationsstelle Edelstahl Rostfrei


OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Euro Inox

Euro Inox ist die europäische Marktförderungs- Vollmitglieder


organisation für nichtrostende Stähle (Edelstahl
Acerinox
Rostfrei). Die Mitglieder von Euro Inox umfassen www.acerinox.com
• europäische Produzenten von Edelstahl Rostfrei,
Aperam
• nationale Marktförderungsorganisationen für Edel- www.aperam.com
stahl Rostfrei sowie
Outokumpu
• Marktförderungsorganisationen der Legierungs- www.outokumpu.com
mittelindustrie.
Ziel von Euro Inox ist es, bestehende Anwendungen für Assoziiierte Mitglieder
nichtrostende Stähle zu fördern und neue Anwendungen
Acroni
anzuregen. Planern und Anwendern sollen praxisnahe www.acroni.si
Informationen über die Eigenschaften der nichtrosten-
British Stainless Steel Association (BSSA)
den Stähle und ihre sachgerechte Verarbeitung zugäng- www.bssa.org.uk
lich gemacht werden. Zu diesem Zweck
Cedinox
• gibt Euro Inox Publikationen in gedruckter und elek- www.cedinox.es
tronischer Form heraus,
Centro Inox
• veranstaltet Tagungen und Seminare und www.centroinox.it
• initiiert oder unterstützt Vorhaben in den Bereichen
ConstruirAcier
anwendungstechnische Forschung sowie Markt- www.construiracier.fr
forschung.
Industeel
www.industeel.info

Informationsstelle Edelstahl Rostfrei


www.edelstahl-rostfrei.de
International Chromium Development Association
(ICDA)
www.icdacr.com

International Molybdenum Association (IMOA)


www.imoa.info

Nickel Institute
www.nickelinstitute.org

Paslanmaz Çelik Derneği (PASDER)


www.turkpasder.com

Stowarzyszenie Stal Nierdzewna


www.stalenierdzewne.pl

SWISS INOX
www.swissinox.ch

ISBN 978-2-87997-069-1
Englische Fassung 978-2-87997-395-1
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Inhalt

Oberflächenhärten nichtrostender Stähle 1 Einleitung 2


1. Auflage 2015 2 Grundlagen 3
(Reihe Werkstoff und Anwendungen, Band 20) 3 Thermochemische Diffusionsverfahren 5
© Euro Inox 2013–2015 3.1 Aufkohlen 6
3.2 Gasnitrieren 7
Herausgeber 3.3 Plasma- und Salzbadnitrieren 10
Euro Inox 3.4 Nitrocarburieren 11
Avenue des Cerisiers 15, bte. 1 3.5 Borieren 13
1030 Brüssel 4 Thermische Verfahren 14
Belgien 4.1 Induktionshärten 14
Tel. +32 486 50 37 53 5 Kosten 15
E-mail info@euro-inox.org 6 Zusammenfassung 16
Internet www.euro-inox.org 7 Literaturnachweis 17

Autor
Alenka Kosmač, Brüssel (B)

Titelfotos
Expanite, Hillerød (DK) (links oben)
Martina Helzel (D) (links unten)
Bodycote Hardiff, Düsseldorf (D) (rechts)

Haftungsausschluss
Urheberrechtlicher Hinweis Die in dieser Broschüre enthaltenen Informationen
Vervielfältigungen jedweder Art, auch auszugsweise, vermitteln Orientierungshilfen. Gewährleistungs- und
sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung Schadenersatzansprüche können hieraus nicht abge-
des Herausgebers gestattet. leitet werden.

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

1 Einleitung

Im Sichtbereich sind Geeignete Verfahren optimieren die Ober-


häufig kratzunemp-
flächen von Konsumgütern und sorgen da-
findliche Oberflächen
erwünscht.
für, dass Haus- und Küchengeräte, Schneid-
waren und stark beanspruchte Gegenstände
lange ihr gutes Aussehen und ihre Funktion
bewahren. Sie sind auch in industriellen An-
wendungen mit besonderen Anforderungen
an Verschleiß- und Korrosionsbeständigkeit
gefragt. Zu den zahlreichen Einsatzgebieten
Nichtrostender Stahl kommt zumeist dort gehören [1, 2, 3, 4, 5]:
zum Einsatz, wo hohe Korrosionsbeständig- • Konsumgüter,
keit wichtig ist. In vielen Endanwendungen • Haushaltsgeräte,
werden aber auch harte, kratzunempfindli- • Anlagen für die Nahrungsmittel- und
che Oberflächen erwartet. Hierfür bietet die Getränkeherstellung,
Oberflächentechnik Lösungen an. Industri- • Mobilgeräte,
ell bewährte Verfahren sind verfügbar, um • das industrielle Handling von Flüssigkeiten,
Oberflächenhärte, Kratz- und Verschleißbe- • Befestigungselemente für Industrie und
ständigkeit zu verbessern. private Endverbraucher,
• Ventile und Pumpen,
Haupt-Anforderungen an die Oberflächen- • medizintechnische Geräte,
härtung [1, 2]: • meerestechnische Anlagen,
• Kratzunempfindlichkeit, • Fahrzeugkomponenten sowie
• Oberflächenhärte von über 900 HV0,05, • Achsen und rotierende Teile.
• unveränderte Korrosionsbeständigkeit,
Die Oberflächenhärtung
• verringerter Reibungskoeffizient, eignet sich für unter-
• Maßhaltigkeit, schiedlichste Einsatzbe-
• keine oder allenfalls geringfügige Verän- reiche – vom Bauwesen
bis zur Nahrungsmit-
derung des Aussehens,
telindustrie. Foto: Heat
• keine Risse oder Abplatzungen der ge- & Surface Treatment,
härteten Schicht, Eindhoven (NL)
• keine oder nur minimale Veränderung der
Oberflächenrauigkeit,
• keine Vorbehandlung,
• keine Nachbehandlung,
• erhöhte Bauteil-Lebensdauer mit gerin-
geren Stillstandzeiten und Kosten sowie
• verbesserte Schweißeignung.
• Vermeidung von Kaltverschweißen (Ad-
häsion)

2
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

2 Grundlagen

Oberflächen lassen sich mit einer Vielzahl Drei grundsätzlich unterschiedliche Ansätze
von Verfahren härten. Zumeist soll die Ver- sind bei den Oberflächenhärtungsverfahren
schleißbeständigkeit verbessert werden, zu unterscheiden:
ohne den weicheren, zäheren Grundwerk- 1. Thermochemische Diffusionsverfahren
stoff zu verändern, damit das Bauteil den verändern die chemische Zusammenset-
im Betrieb auftretenden Schlagbeanspru- zung der Oberfläche und bilden Verbin-
chungen widersteht. dungen mit härtenden Elementen wie
Kohlenstoff, Stickstoff oder Bor. Sie er-
Verschleiß bedeutet den physikalischen möglichen das effiziente Härten ganzer
Abtrag von Materie von einem festen Ge- Oberflächen und werden nicht nur zur
genstand. Es gibt drei Arten von Verschleiß: Behandlung von Einzelteilen eingesetzt,
abrasiven Verschleiß, adhäsiven Verschleiß sondern vor allem auch dann, wenn gro-
und Verschleiß durch Ermüdung. ße Stückzahlen vorliegen.
Abrasiver Verschleiß liegt vor, wenn zwei 2. Thermische Methoden verändern nicht
Oberflächen aneinander reiben und die die chemische Zusammensetzung, son-
härtere die weichere abträgt. Er äußert dern die Oberflächenstruktur, d.h. sie er-
sich in einer sichtbaren Aufrauhung. Oft zeugen eine abgeschreckte Oberfläche,
kommt es dabei zu einer Kaltverfesti- ohne ihr zusätzliche Elemente zuzufüh-
gung der Oberfläche. ren. Sie können sowohl für das Härten
Adhäsiver Verschleiß (Haftverschleiß) vollständiger Oberflächen als auch lokal
wird – ebenso wie der abrasive – dadurch eingesetzt werden (selektive Oberflä-
ausgelöst, dass zwei Oberflächen unter chenhärtung).
Druck aneinander reiben. Die einander 3. Oberflächenbeschichtungs- oder -modi-
gegenüberliegenden Rauigkeitsspitzen fikationsverfahren beruhen auf dem be-
erhitzen sich lokal stark, wodurch sie wussten Aufbau einer neuen Schicht auf
sich verformen und miteinander „ver- dem Stahl-Substrat.
schweißen“ können. Entweder brechen
sie auf und lösen sich als Abrieb von der Tabelle 1 führt verschiedene Verfahrensar-
Oberfläche oder sie bleiben unlösbar ver- ten für das Härten von Stahl auf. Diese seit
schweißt. langem gängigen Techniken werden ständig
Verschleiß durch Ermüdung liegt vor, weiterentwickelt und gehören nach wie vor
wenn die Oberfläche wiederholt starken zu den gebräuchlichsten. Die vorliegende
Wechselbeanspruchungen ausgesetzt Broschüre stellt die wichtigsten für nicht-
wird und infolgedessen zerrüttet. Ab- rostenden Stahl eingesetzten Methoden dar
tragsraten sind weniger temperaturab- (in nachstehender Tabelle kursiv hervorge-
hängig als Korrosionsraten [6]. hoben).

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Tabelle 1. Verfahren zur Härtung von Stahloberflächen

Thermochemische Wärmebehandlung Beschichtung und Oberflächenmodifikation


Aufkohlen Hartverchromung
Nitrieren chemisches (außenstromloses) Vernickeln
Nitrocarburieren thermisches Spritzen
Carbonitrieren Auftragsschweißen von Hartstoffschichten
Borieren chemische Gasphasenabscheidung (CVD)
Thermische Diffusion physikalische Gasphasenabscheidung (PVD)1
Thermische Verfahren Ionenimplantation
Flammhärten Laserbehandlung
Induktionshärten
Laserhärten
Elektronenstrahlhärten

Vickers-test Pyramidenförmige Spitze eines Abdruck in einer oberflächen-


Vickers-Härtetesters gehärteten Probe nach einem
Vickers-Härtetest. Sowohl die
Längendifferenz der beiden
Diagonalen als auch die
unterschiedlichen Helligkeiten
der Flächen sind klassische
Indikatoren dafür, dass es sich
um eine unebene Probe han-
Quelle: Wikipedia; Vickers- Härtetest delt, die keinen sachgerechten
Fotos: R. Tanaka (MiteO, Dennis M. Clarke (rechts) Abdruck entstehen lässt.

1
Das PVD-Verfahren wird in der Euro-Inox-Publikation “Färben nichtrostender Stähle” (Reihe Werkstoff und Anwendungen,
Band 10, http://www.euro-inox.org/pdf/map/ColouringStainlessSteel_DE.pdf) beschrieben.

4
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

3 Thermochemische Diffusionsverfahren

Die konventionelle thermochemische Be- als Kompromiss zwischen Korrosionsbe-


handlung von nichtrostendem Stahl geht ständigkeit und tribologischen Eigenschaf-
mit einem Verlust an Korrosionsbeständig- ten betrachtet [8]. Neuere Verfahren be-
keit einher, denn Stickstoff und Kohlenstoff einträchtigen die Korrosionsbeständigkeit
reagieren mit Chrom zu Nitriden bzw. Karbi- demgegenüber nicht.
den und entziehen dem Grundwerkstoff da-
durch Chrom. Im Falle des nichtrostenden
Stahls wurden daher thermochemische Me-
thoden bislang als ungünstig oder allenfalls

Tabelle 2. Typische Merkmale thermochemischer Diffusionsbehandlungen von nichtrostendem Stahl [7, 8]


Behand- Typische
Schicht-
Bezeichnung der lungs- Schicht-
Verfahren härte Verfahrensmerkmale
Schicht temperatur dicke
HV
°C µm
Nitrieren/Karburieren/Nitrocarburieren

Diffundierte Stick- härteste Schichten durch das Nitrieren von Stahl,


stoff- und/oder geringer Verzug, Flexibilität, gute Reproduzier-
Gas 380−600 10−200 750−1600
Kohlenstoffverbin- barkeit, geringer Verzug, auch für die Behand-
dungen lung von Kleinteilen und Schüttgut geeignet

Diffundierte Stick- enge Schichttoleranzen, Schichtaufbau gut


stoff- und/oder steuerbar, geeignet für große Bauteile, partielle
Ion 380−600 10−200 750−1600
Kohlenstoffverbin- Behandlung möglich, geringer Verzug, gute
dungen Prozesskontrolle; hohe Investitionskosten

Andere

Diffundiertes Bor ergibt eine harte Diffusionsschicht; hohe Prozes-


1500 bis
Borieren bzw. Borverbin- 700−1000 10−50 stemperaturen können zu Verzug führen; u.U.
über 2800
dungen Verlust an Korrosionsbeständigkeit

Foto: Heat & Surface


Treatment, Eindhoven
(NL)

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

3.1 Aufkohlen Chromgehalt [%]


30
Korngrenze M23C6
Nichtrostender Stahl lässt sich mit dem Ziel
25
aufkohlen, die Oberflächenhärte zu erhöhen
und die Fressneigung zu vermindern. Wäh-
20
rend des Aufkohlens diffundieren Kohlenstoff-
atome bei hohen Temperaturen in die Ober-
fläche und reagieren aufgrund ihrer hohen 15

Affinität zu Chrom mit diesem Legierungsme-


tall. Dabei kann sich Chromkarbid (Cr23C6) bil- 10 Grenze der Passivität
den. Dieser Vorgang wird als Sensibilisierung
bezeichnet. Dabei wird Chrom gebunden und 5
die Korrosionsbeständigkeit nimmt ab. Kon-
ventionelle Aufkohlungsverfahren wurden 0
daher durch das Nitrieren abgelöst, bei dem
keine Sensibilisierung eintritt [10]. Das Verfahren erhöht die Oberflächenhär-
te der meisten nichtrostenden Stähle auf
Sensibilisierung findet statt, wenn der etwa 1000–1200 HV0,05, was etwa dem
Werkstoff auf 600–800 °C erhitzt wird. Fünffachen des Ausgangswertes entspricht.
In diesem Temperaturbereich diffundie- Durch interstitielle Einlagerung von Kohlen-
ren Chrom und Kohlenstoff zu den Korn- stoff-Atomen entstehen hohe Druckkräfte
grenzen hin und bilden Karbide vom Typ an der Oberfläche. Mit diesem Verfahren
Cr23C6. Dabei verarmt der Grundwerk- lassen sich alle austenitischen nichtrosten-
stoff an Chrom, während es sich an den den Stähle behandeln. Bei dem austeniti-
Korngrenzen deutlich anreichert. In den schen nichtrostenden Stahl 1.4401/1.4404
chromverarmten Bereichen ist der Chrom- (316/316L) wurde bislang kein Verlust an
gehalt niedriger als in der Ausgangslegie- Korrosionsbeständigkeit festgestellt. Vorhe-
rung und macht sie korrosionsanfällig. riges Lösungsglühen wird empfohlen. Auch
bei nichtrostenden Duplexstählen wird das
Einige industriell bewährte Verfahren här- Verfahren erfolgreich industriell angewandt,
ten, ohne die ursprüngliche Korrosionsbe- ebenso bei ausscheidungshärtenden Stäh-
ständigkeit zu beeinträchtigen. Vorausset- len. Scharfe Kanten, die Innenflächen von
zung ist eine entsprechende Qualität des Bohrungen sowie Spalte stellen für das Ver-
Grundwerkstoffes. Hierbei werden keine fahren kein Hindernis dar [4, 11, 12, 13].
Schichten aufgebracht; vielmehr entsteht
eine (mit 2–3 Gewichts-%) kohlenstoffrei-
che Diffusionszone, die äußerst zäh ist und
nicht zur Ablösung oder zu Abplatzungen
neigt. Dabei handelt es sich um eine Nied-
rigtemperatur-Aufkohlung bei ca. 450 °C.

6
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Korrosionsbeständigkeit eingesetzt werden.


Martensitische Stähle sollten in vergütetem
Zustand vorliegen2 [9].

Legierungselemente wie Chrom und Molyb-


dän sind beim Nitrieren günstig, da sie Nit-
ride bilden, die bei den Nitriertemperaturen
stabil sind. Aufgrund ihrer Chromgehalte
lassen sich alle nichtrostenden Stähle in
Mit einer aufgekohlten Schicht lassen sich auch schar-
gewissem Maße nitrieren [9]. Allerdings er-
fe Kanten gleichmäßig härten. Foto: Bodycote Hardiff,
Düsseldorf (D) schwert der hohe Chromgehalt einiger Sor-
ten das Nitrieren. Der Grund: Chrom bildet
an der Oberfläche von nichtrostendem Stahl
3.2 Gasnitrieren eine Passivschicht, die vor dem Nitrieren
(ähnlich wie vor dem Aufkohlen) entfernt
Das Gasnitrieren ist ein Oberflächenhär- werden muss. Sobald die Passivschicht
tungsprozess, bei dem Stickstoff in die Ober- abgetragen ist (sei es durch Trockenstrah-
fläche eingebracht wird, indem der Stahl len, nasses Strahlen, Beizen, chemische
bei einer geeigneten Temperatur mit einer Reduktion in reduzierender Atmosphäre,
gasförmigen Stickstoffverbindung, zumeist Salzschmelztauchbäder oder hersteller-
Ammoniak, in Kontakt gehalten wird. Eine spezifische Verfahren), wird das Nitrieren
Abschreckung ist für die Entstehung der ge- wirksam. Positiv ist die üblicherweise hohe
härteten Schicht nicht erforderlich. Die Nit- Oberflächenhärte zu vermerken. Weitere Le-
riertemperatur liegt für die meisten Stähle gierungselemente, z.B. Nickel, Kupfer oder
zwischen 500 °C und 550 °C. Während das Mangan, haben allenfalls geringen Einfluss
Nitrieren, ähnlich wie das Aufkohlen, die auf die Wirkungsweise des Nitrierens [7].
Korrosionsbeständigkeit herabsetzt, erhöht Für das Gasnitrieren geeignete Stähle sind:
es die Oberflächenhärte, vermindert den
Reibungskoeffizienten und verbessert da- • Martensitische nichtrostende Stähle. Die
durch die Verschleißfestigkeit. Ebenso wie härtbaren martensitischen nichtrosten-
beim Aufkohlen sollten vor dem Gasnitrie- den Stähle weisen einen hochfesten Kern
ren austenitische nichtrostende Stähle und auf, der Träger der gehärteten nitrierten
ferritische Stähle geglüht werden, um verar- Schicht ist. Vor dem Nitrieren sollte der
beitungsbedingte Spannungen abzubauen. Werkstoff gehärtet und bei einer Tempe-
Hierfür sind i.d.R. solche Glühbehandlungen ratur von mindestens 15 °C über der Nit-
geeignet, wie sie sonst zur Maximierung der riertemperatur angelassen werden.

2
Weitergehende Informationen über die jeweilige Wärmebehandlung gängiger nichtrostender Stähle finden sich in
der englischsprachigen Publikation Stainless Steels: Tables of Fabrication Parameters, Materials and Applications Series,
Volume 17, http://www.euro-inox.org/pdf/map/Tables_Fabrication_Parameters_EN.pdf

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

• Austenitische nichtrostende Stähle. mit rund 540 °C im sensibilisierenden


Austenitische Sorten sind die am schwie- Temperaturbereich. Die auf austeniti-
rigsten zu nitrierenden nichtrostenden schen nichtrostenden Stählen erzielba-
Stähle, obwohl sie sich durchaus mit re Nitrierschicht ist sehr dünn und geht
Erfolg nitrieren lassen [9]. Zu nitrieren- nur selten über 0.125 mm hinaus. Au-
de Teile müssen zunächst im geglühten ßerdem beeinträchtigt sie deutlich die
Zustand vorliegen, damit es nicht zu Korrosionsbeständigkeit gegenüber den
Blasenbildung oder Ablösung der nitrier- meisten Medien. Austenitische Sorten
ten Schicht kommt. Zum Nitrieren eig- werden daher nur in ganz besonderen
nen sich am ehesten stabilisierte oder Fällen nitriert, z.B. wenn der Werkstoff
niedrigkohlenstoffhaltige Sorten, denn nichtmagnetisch und gleichzeitig ver-
schließlich liegt die Nitriertemperatur schleißbeständig sein muss [14].

Oberflächentiefe, 0,0001 Zoll Oberflächentiefe, 0,0001 Zoll


0 2 4 6 8 0 2 4 6 8
1600 1600

(302) 1.4541 (321)


1200 5 Hersteller 1200 5 Hersteller
Härte, HK

Härte, HK

800 800

400 400

0 0

1600 1600

1.4016 (430) 1.4749 (446)


1200 5 Hersteller 1200 5 Chargen
Härte, HK

Härte, HK

800 800

400 400

0 0
0 50 100 150 200 250 0 50 100 150 200 250
Oberflächentiefe, µm Oberflächentiefe, µm

Abbildung 1. Härte in Abhängigkeit von der Schichttiefe für vier nichtrostende Stähle, die vor dem Nitrieren geglüht
wurden. Die Glühtemperatur betrug im Fall der Sorten 302 und 1.4541 (321) 1065 °C, beim Stahl 1.4016 (430) 980 °C
und bei der Güte 1.4749 (446) 900 °C. Die Härte ist in Knoop-Werten angegeben [9].

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Tabelle 3. Härtebereiche und Schichttiefen bei ausgewählten korrosions- und hochtemperaturbeständigen Stählen [7]
Stahlsorte Dicke der
Härte
EN-Nummern- EN-Namens- Vergleichbare gehärteten Schicht
HV
bezeichnung bezeichnung AISI/ASTM-Sorte mm

1.4028 X30Cr13 420 950−1200 0.2 max.

1.4104 X14CrMoS17 - 950−1200 0.2 max.

1.4112 X90CrMoV18 440 B 950−1200 0.2 max.

1.4117 X38CrMoV15 - 950−1200 0.2 max.

1.4301 X5CrNi18-10 304 950−1600 0.2 max.

1.4305 X10CrNiS18-9 303 950−1600 0.2 max.

1.4401 X5CrNiMo17-12-2 316 950−1600 0.2 max.

1.4535 X90CrCoMoV17 - 950−1600 0.2 max.

300
Austenitisch (300er-Serie)

525 °C
Schichttiefe, 0,001 Zoll

200 8
Schichttiefe, µm

550 °C

Martensitisch (400er-Serie)
100 4
525 °C

Nichtrostender Stahl 550 °C


20–35 % Dissoziation
0 0
0 10 20 30 40 50

Nitrierdauer, h

Abbildung 2. Vergleich des Nitrierverhaltens von austenitischen (300er-Serie) und martensitischen (400er-Serie)
nichtrostenden Stählen, einstufige Nitrierung bei 525 °C und 550 °C

• Ferritische nichtrostende Stähle. Ferriti- • Ausscheidungshärtende nichtrostende


sche nichtrostende Stähle lassen sich mit Stähle. Sorten wie 1.4542, 1.4548 (17-4 PH),
üblichen Wärmebehandlungsmethoden 1.4564, 1.4568 (17-7 PH), 1.4545 (15-5 PH),
nicht härten. Zu den Sorten, die durch Nit- 1.4980 (A-286) eignen sich zum Nitrieren.
rieren bereits erfolgreich gehärtet wurden,
zählen 1.4016 (430) und 1.4749 (446).

9
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

3.3 Plasmanitrieren und Salzbadnit- mögen hierfür zu gering ist. Bei nichtros-
rieren tendem Stahl ist der Chromgehalt jedoch so
hoch, dass sich Nitride in einem Umfang bil-
Das Plasmanitrieren ist eine Härtungsme- den, der in geätzten Schliffen sichtbar wird.
thode, die der Oberfläche eines Werkstücks Das Vorliegen von Chromnitriden weist je-
mittels Glimmentladung elementaren Stick- doch auch auf einen Verlust an Korrosions-
stoff zuführt, der dann weiter in das Materi- beständigkeit hin. Dieses Verfahren ist für
al diffundiert. Unter Vakuum wird mit Hoch- nichtrostenden Stahl besonders geeignet.
spannung ein Plasma erzeugt, wodurch
Stickstoff-Ionen beschleunigt werden und Das Salzbadnitrieren erfolgt in einer stick-
auf die Oberfläche auftreffen. Dieser Ionen- stoffhaltigen Salzschmelze bei Temperatu-
beschuss erhitzt das Werkstück, reinigt die ren über 500 °C, die entweder Cyanide oder
Oberfläche und erzeugt aktiven Stickstoff. Cyanate enthält. Inzwischen gibt es auch cy-
Ein Entfernen der Passivschicht ist nicht er- anidfreie Zusammensetzungen. Allerdings
forderlich, da sie vor der Nitrierungsphase entsteht im aktiven Bad durch chemische
durch den Ionenbeschuss beseitigt wird. Reaktion ein gewisser Cyanidanteil von zu-
Das Plasmanitrieren ermöglicht eine besse- meist bis zu 5 %. Diese Konzentration ist
re Steuerung der chemischen Zusammen- vergleichsweise gering. Solche Zusammen-
setzung der harten Schicht und größere setzungen haben in der Wärmebehandlung
Gleichmäßigkeit. Zu den weiteren Vorteilen weitgehende Akzeptanz gefunden, da sie
zählt auch geringerer Verzug als beim kon- Umweltrisiken deutlich weiter verringern.
Bei manchen Bestecken
ventionellen Gasnitrieren. Das Salzbadnitrieren reduziert die Korro-
aus nichtrostendem
Stahl wird wahlweise sionsbeständigkeit in gewissem Umfang,
eine Oberflächenhärtung Bei den meisten Eisenlegierungen lässt sich weil die Bildung von Karbiden und Nitriden
angeboten, welche die die durch Nitrieren entstandene Diffusions- benachbarten Bereichen der Matrix Chrom
Verschleißbeständigkeit
zone durch metallographische Verfahren entzieht, wie sich auch an Korrosionsda-
verbessert. Foto: WMF,
Geislingen (D) nicht abbilden, weil deren Auflösungsver- ten ablesen lässt, die den Gewichtsverlust
messen. Dabei übertreffen diese Werkstoffe
in ihrer Korrosionsbeständigkeit aber wei-
terhin deutlich die un- und niedriglegierten
Stähle [9].

10
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

3.4 Nitrocarburieren Schliffbild eines durch


Niedrigtemperatur-Nitro-
carburieren behandelten
Einige auf Gas oder Plasma basierende Ver- ausscheidungshärten-
fahren bringen in die Werkstoffoberfläche den nichtrostenden
Kohlenstoff- und/oder Stickstoffatome ein. Stahls. Foto: Bodycote
Hardiff, Düsseldorf (D)
Möglich ist das durch die geringe Größe
dieser Atome im Vergleich zu den Atomen
der Legierungsbestandteile. Wie auch bei
den zuvor beschriebenen Verfahren geht
die Oberflächenhärtung nicht auf eine Be- Der Außenbereich der Schicht ist reicher an
schichtung, sondern auf die Diffusion von Stickstoff und der Innenbereich an Kohlen-
Kohlen- und/oder Stickstoff in die Oberflä- stoff. Die Dicke der jeweiligen Schicht lässt
che zurück [1, 2, 3]. In nichtrostendem Stahl sich durch die Gaszusammensetzung be-
lösen sich atomarer Kohlen- und/oder Stick- einflussen – z.B. durch Steuerung des Stick-
stoff in größeren Mengen bei Temperaturen stoff- und Kohlenstoffgehalts im Gas. Durch
unter ca. 400−500 °C, wobei die ursprüng- Kombination unterschiedlicher Schichtdi-
liche Mikrostruktur expandiert. Die Schicht- cken lassen sich gezielt bestimmte Werk-
dicke liegt bei 20−40 µm. Expandierte stoffeigenschaften erreichen. Gas- und
Austenit-Oberflächen sind vier- bis achtmal plasmabasierte Verfahren ermöglichen, je
härter als der Grundwerkstoff. Bei steigen- nach Anforderung zu nitrieren, aufzukohlen
der Härte und Verschleißfestigkeit bleibt die oder zu nitrocarburieren.
Korrosionsbeständigkeit in vollem Umfang
erhalten [15, 16]. Schnitt durch einen
nitrocarburierten nicht-
rostenden Stahl (links,
und Tiefenprofil (rechts).
Foto: Expanite, Hillerød
(DK)
Stickstoff-/Kohlenstoffgehalt (Atom-%)

Härte
Härte HV0,01

Stickstoff

Kohlenstoff

Schichttiefe (µm]

11
OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

Die Oberflächenhärtung
bietet sich auch für
Gebrauchsgegenstände
wie Uhrengehäuse an.
Foto: Askania, Berlin (D)

Auch martensitische nichtrostende Stäh- beständig [15]. Expandierter Austenit ist


le lassen sich nitrocarburieren. Die Sorte eine metastabile Phase, die dazu neigt, zu
1.4057 (431) ergab bei einer Behandlungs- verfallen, wenn sie längere Zeit erhöhten
dauer von 75 Minuten eine Schicht von rund Temperaturen ausgesetzt wird [16]. Das Ni-
20 µm Dicke mit einer Oberflächenhärte trocarburieren ist nicht zu verwechseln mit
von über 1800 HV. In Abhängigkeit von an- dem Carbonitrieren, einem Hochtempera-
deren Verfahrensparametern lässt sich der turverfahren für niedrig-kohlenstoffhaltige
gehärtete Bereich maßschneidern. So kann Stähle.
z.B. expandierter Austenit erzielt werden,
obgleich sich das Prinzip auch auf marten-
sitische und ausscheidungshärtende Stähle
anwenden lässt. Aufgrund ihrer sehr hohen
Härte sind die Oberflächen praktisch kratz-

Nitrocarburieren ist auch


in kleinen Bohrungen
und sogar engsten
Spalten wirksam. Foto:
Bodycote Hardiff,
Düsseldorf (D), links,
sowie Expanite, Hillerød
(DK), rechts

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

3.5 Borieren geringer. Wegen des ähnlichen Wärmeaus-


dehnungskoeffizienten können borierte
Das Borieren ist ein thermochemischer Pro- Teile anschließend noch vakuumgehärtet
zess, bei dem man Boratome in die Ober- werden, um dem Grundwerkstoff die ge-
fläche eines Werkstücks hineindiffundieren wünschten mechanischen Eigenschaften zu
lässt, die dann mit dem Grundwerkstoff verleihen. Die Prozesstemperatur liegt beim
komplexe Boride bilden. Es handelt sich Borieren je nach Werkstoff zwischen 700 °C
dabei um ein diffusionsbasiertes Verfahren. und 1000 °C. Um Verzug zu vermeiden, kann
Neben Nickel, Titan, Kobaltlegierungen und nach der spanenden Bearbeitung und vor
Hartlegierungen kann auch beinahe jeder dem Borieren noch spannungsarm geglüht
Eisenwerkstoff boriert werden. Allerdings werden. Andere Wärmebehandlungen, z.B.
ist bei höherlegierten Stählen die Diffusi- Abschreckungshärten, sollten unterblei-
onsrate geringer. ben, da deren Wirkung durch das Borieren
aufgehoben würde [5, 17]. Wo Maßgenau-
Aufgrund ihrer Härte sind borierte Stähle igkeit wichtig ist, sollte das Werkstück ent-
äußerst abriebfest und weisen eine ent- sprechend kleiner dimensioniert werden,
sprechend längere Lebensdauer auf. Für da das Borieren die Werkstückabmessun-
das Borieren werden Einsatzstoffe in Form gen um 20–30 % der Schichtdicke erhöht
von marktgängigen Pulvern, Granulaten un- [5]. Aufgrund der Prozesstemperaturen im
terschiedlicher Korngrößen sowie Pasten Bereich von 700–1000 °C kann es zu uner-
eingesetzt. Die Dicke der Diffusionsschicht wünschten Ausscheidungen (z.B. Sigma-
liegt, abhängig von den Anforderungen, bei Phase) kommen.
20–200 µm. Bei austenitischen nichtros-
tenden Stählen ist deren Dicke wesentlich

Tabelle 4. Verbreitete Anwendungen borierter Stähle [7]

Werkstoffbezeichnung
EN-Nummern- EN-Namens- Vergleichbare Anwendungen
bezeichnung bezeichnung AISI-/ASTM-Sorte

- - 302 Gewinde, Hülsen

Loch- oder Schlitzbleche, Bauteile für


1.4401 X5CrNiMo17-12-2 316
die Textil- und Gummiindustrie

1.4006 X12Cr13 410 Bauteile von Ventilen und Fittings

Bauteile von Ventilen, Kolbenstan-


1.4031 X39Cr13 420 gen, Fittingen, Führungen; Teile von
Chemieanlagen

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

4 Thermische Verfahren

Die Härtung durch Energieeintrag umfasst ziert ein wechselndes magnetisches Feld
konventionelle thermische Verfahren wie im Werkstück, das die Außenseite bis auf
das Induktions- und Flammhärten ebenso Temperaturen im Austenitbereich oder dar-
wie Behandlungen z.B. durch Laser oder über erhitzt. Unmittelbar anschließend wird
energiereiche Elektronenstrahlen. Sie alle abgeschreckt. Es handelt sich um einen
können den thermischen, die chemische elektromagnetischen Prozess, bei dem eine
Zusammensetzung nicht beeinflussenden kupferne Induktionsspule von einem Strom
Verfahren zugeordnet werden. Die Oberflä- von bestimmter Frequenz und Stromstärke
chenmodifikation erfolgt durch Austeniti- durchflossen wird.
sierung mit anschließender schneller Ab-
kühlung mit dem Ziel der martensitischen Nur martensitische nichtrostende Stähle
Härtung. Die Oberflächen können ganz oder können nach diesem Verfahren gehärtet
teilweise behandelt werden. Im letzteren werden. Induktionshärten wird dabei vor
Fall wird von lokaler Oberflächenhärtung allem für hochbeanspruchte Komponen-
gesprochen [7]. ten eingesetzt, insbesondere torsionsbe-
anspruchte Teile und schlagbeanspruchte
4.1 Induktionshärten Oberflächen. Typische Anwendungen sind
z.B. Zahnräder, Wellen, Spindeln, d.h. vor
Das Induktionshärten dient dem Ziel, Ab- allem symmetrische Bauteile [18].
riebfestigkeit, Oberflächenhärte und Er-
müdungsfestigkeit durch die Erzeugung
gehärteter Oberflächenschichten zu ver-
bessern, wobei das Gefüge im Kern unbe-
einflusst bleibt. Die Teile werden in einer
Kupferspule platziert und dann über die
Umwandlungstemperatur hinaus erhitzt,
indem man an die Spule Wechselstrom an-
legt. Der Wechselstrom in der Spule indu-

Tabelle 5. Induktionsgehärtete nichtrostende Stähle und deren ungefähre Induktions-Austenitisierungstemperatur


Werkstoffbezeichnung Kohlenstoff, Austenitisierungs-
EN-Nummern- EN-Namens- Vergleichbare Massen temperatur
bezeichnung bezeichnung AISI-/ASTM-Sorte % °C

1.4005 X12CrS13 416 < 0.15 1065

1.4021 X20Cr13
1.4028 X30Cr13
420 > 0.15 1065
1.4031 X39Cr13
1.4034 X46Cr13

1.4125 X105CrMo17 440C 0.95−1.20 1065

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

5 Kosten

Die Kosten eines Oberflächenbehandlungs- • die Behandlungsdauer,


systems müssen zu den daran gestellten • Aufwendungen für Einspannen, Abdeck-
Anforderungen ins Verhältnis gesetzt wer- arbeiten und Endkontrolle,
den. Verfahren, die kostengünstig sind, • Kosten der Endverarbeitung,
aber ihre Wirkung verfehlen, sind nutzloser • Materialkosten,
Aufwand. Leider ist es kaum möglich, abso- • Energiekosten,
lute Kostenvergleiche für verschiedene Ver- • Arbeitskosten,
fahren der Oberflächentechnik anzustellen. • Umweltschutzaufwendungen (z.B. für die
Ein für die Herstellung verschleißbeständi- Entsorgung verbrauchter Arbeitslösun-
ger Oberflächen bestimmender Kostenfak- gen) und
tor ist die Stückzahl. Eine große Stückzahl • angestrebte Nutzungsdauer
ermöglicht Skaleneffekte bei Behandlung
und Nachbearbeitung. Ein anderes Kriteri- Wegen der Vielzahl der Faktoren ist es
um ist die Bauteilgröße. Für jedes Verfahren schwierig, Kosten hinreichend genau mitei-
gibt es Abmessungsgrenzen, über die hin- nander zu vergleichen. [7].
aus deren Kosten überproportional steigen.
Weitere Einflussfaktoren sind

Auch die Oberflächen


komplex geformter Teile
mit Unterschneidungen
lassen sich härten.
Foto: Heat & Surface
Treatment, Eindhoven
(NL)

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

6 Zusammenfassung

Es gibt zahlreiche Verfahren, mit denen sätzliche Schichten aufgetragen werden,


sich die Oberflächen nichtrostender Stähle die anfällig für Abplatzungen und Verschleiß
härten lassen [19]. Sie erhöhen nicht nur wären. Landläufig wird angenommen, dass
die Oberflächenhärte, sondern verbessern die Oberflächenhärtung zulasten der Kor-
auch die Kratz- und Verschleißbeständig- rosionsbeständigkeit von nichtrostendem
keit des Werkstoffs. Derartige Oberflächen Stahl geht. Neueste Verfahren zeigen, dass
werden auch eingesetzt, wo das Risiko des diese Annahme überholt ist und dass die
Fressens besteht oder Schneidkanten er- Korrosionsbeständigkeit erhalten bleiben
forderlich sind (z.B. bei medizinischen Ge- kann. Die Behandlung übernehmen spe-
räten). Alle in der vorliegenden Publikation zielle Dienstleister, einige bieten auch ge-
beschriebenen Verfahren beruhen auf einer brauchsfertige Anlagen an.
Modifikation der Oberfläche, ohne dass zu-

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OBERFLÄCHENHÄRTEN NICHTROSTENDER STÄHLE

7 Literaturnachweis

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heat-treatment/specialty-stainless-steel-processes.aspx
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Coat. Technol., 206, 3479–3487
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tional 2002
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ened Stainless Steel, Struers Journal of Materialography 9/2006
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316, 304L and 316L SS Using Cyanide Free Salt Bath Nitriding Process, ISRS, 2004
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body_kolst_rd_gb_finr.pdf
[12] Faccoli, M., Cornacchia, G., Roberti, R., Bordiga, V., Effect of Kolsterising Treatment on
Surface Properties of a Duplex Stainless Steel, 7th European Stainless Steel Conference
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[13] Van Der Jagt, R. H., Kolsterising – surface hardening of austenitic and duplex stainless steels
without loss of corrosion resistance. Heat Treatment of Metals (2000), Issue 27, pp. 62 - 65
[14] Heat Treater’s Guide, Practices and Procedures for Irons and Steels, Hg. H. Chandler,
ASM International, 1995
[15] Hummelshøj, T.S., Christiansen, T.L., Somers, M.A.J., Towards Commercialisation of
Fast Gaseous Nitrocarburising of Stainless Steel, http://www.expanite.com/papers/
DMS2010_Towards.pdf
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Treatment of Stainless Steel; Bridging from Science to Technology, 7th European Stain-
less Steel Conference Science and Market, 2011
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Bortrifluorid. HTM 52 (1997) 1, pp. 39-45
[18] Induction Hardening, Bodycote, http://www.bodycote.com/services/heat-treatment/
harden-and-temper/induction-hardening.aspx
[19] Thermomechanical Surface Engineering, Hg. E.J. Mittelmeijer und M.A.J. Somers,
Cambridge: Woodhead Publishing 2014

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