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Demenz

Eine Demenz ([deˈmɛnʦ], lateinisch dementia) ist ein psychiatrisches


Syndrom, das bei verschiedenen degenerativen und nichtdegenerativen
Klassifikation nach ICD-10
Erkrankungen des Gehirns auftritt. Der Begriff leitet sich ab von lat.
demens ‚unvernünftig‘ (ohne mens, das heißt‚ ohne Verstand, Denkkraft F00* Demenz bei Alzheimer-Krankheit
oder Besonnenheit seiend‘) und kann mit „Nachlassen der F01 Vaskuläre Demenz
Verstandeskraft“ übersetzt werden.[1]
F02* Demenz bei anderenorts
klassifizierten Krankheiten
Demenz umfasst Defizite in kognitiven, emotionalen und sozialen
Fähigkeiten und führt zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher
F03 Nicht näher bezeichnete Demenz
Funktionen. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das ICD-10 online (WHO-Version 2016)
Denkvermögen, die Sprache, die Motorik und bei einigen Formen auch
die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Charakteristisch für die Demenz ist
der Verlust von Denkfähigkeiten, die bereits im Lebensverlauf erworben wurden (im Gegensatz zur angeborenen Minderbegabung
etwa).

Heute sind die Ursachen einiger Demenzen geklärt, bei vielen Formen gibt es jedoch noch keine eindeutigen, unumstrittenen
Erkenntnisse zur Entstehung. Einige wenige Formen von Demenz sind reversibel, bei einigen anderen Formen sind in begrenztem
Umfang therapeutische Interventionen möglich, die allerdings lediglich eine Verzögerung des Auftretens bestimmter Symptome
bewirken können. Die häufigste Form einer Demenz ist dieAlzheimer-Demenz.

Inhaltsverzeichnis
Definition der Demenz
Im ICD 10
Im DSM-5
Demenzformen
Klassifikationen der Demenzformen
Klassifikation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie
Klassifikation nach ICD 10
Sonstige Einteilungen
Häufigkeit der Demenzformen
Verbreitung
Risikofaktoren und Prävention
Diagnostik
Symptome
Kognitive Symptome
Motorische Symptome
Verhaltensstörungen
Situation von Menschen mit Demenz
Menschen im frühen Stadium einer Demenz
Menschen im mittleren Stadium einer Demenz
Therapie
Medikamentöse Therapie
Nicht-medikamentöse Therapie
Gedächtnistraining
Biografiearbeit
Daseinsthematische Begleitung
Validationstherapie
MAKS-Therapie

Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen


Das Demenz-Paradoxon
Kommunikation
Angehörige von Menschen mit Demenz
Historisches
Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Siehe auch
Literatur
Lehrbücher
Fachgesellschaften
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen

Definition der Demenz


Eine Demenz wird in der wissenschaftlichen Diskussion anhand diagnostischer Kriterien beschrieben. Eine Demenz ist demzufolge
eine Kombination von Symptomen des zunehmenden Abbaus kognitiver, emotionaler und sozialer Fähigkeiten, die im Verlaufe der
Krankheit zu einer Beeinträchtigung beruflicher und später allgemein sozialer Funktionen führen.

Als Leitsymptom gilt die Gedächtnisstörung. Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der
Merkfähigkeit, später folgen Störungen in der Orientierungsfähigkeit.Im weiteren Verlauf einer Demenz kann der betroffene Mensch
auch immer weniger auf bereits eingeprägte Inhalte des Langzeitgedächtnisses zurückgreifen, so dass er auch die während seines
Lebens erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten verliert.

Im ICD 10
Demenz (ICD-10-Code F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit
Störung vieler höhererkortikaler Funktionen, (einschließlichGedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit,
Sprache, Sprechen) und Urteilsvermögen (im Sinne der Fähigkeit zur Entscheidung). Das Bewusstsein ist jedoch nicht getrübt. Für
die Diagnose einer Demenz müssen die Symptome nach ICD über mindestens sechs Monate bestanden haben. Sinne und
Wahrnehmung funktionieren im für die Person üblichen Rahmen. Gewöhnlich werden die kognitiven Beeinträchtigungen begleitet
von Auffälligkeiten der emotionalen Kontrolle und der Gemütslage, des Sozialverhaltens oder der Motivation; gelegentlich treten
diese Veränderungen auch eher auf. Sie kommen bei Alzheimer-Krankheit, Gefäßerkrankungen des Gehirns und anderen
Zustandsbildern vor, die primär oder sekundär das Gehirn und dieNeuronen betreffen.

Im DSM-5
Die Neuauflage des US-amerikanischen Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) verwendet den Begriff der
Demenz nicht mehr, sondern spricht von neurokognitiven Störungen (neurocognitive disorders, NCD) und schließt weitgehend alle
erworbenen Hirnleistungsstörungen ein, mit Ausnahme kognitiver Beeinträchtigungen bei Psychosen oder Schizophrenie und
kognitive Störungen bei Hirnentwicklungsstörungen. Die bisher im DSM nicht berücksichtigte Leichte kognitive Beeinträchtigung
(MCI, mild cognitive impairment) wird dagegen ebenso berücksichtigt wie das Delir, letzteres als eigenständige Kategorie. Das
DSM-5 unterscheidet hinsichtlich der Demenzen, die nun eben als Oberbegriff neurocognitive disorders heißen, folgende als
gesichert geltende Krankheiten, wobei die vollständige Formulierung lautet "neurokognitive Störung aufgrund...", und das Wort
"Demenz" aus der DSM-Terminologie vollständig verschwunden ist.

Neurokognitive Störungen aufgrund

Alzheimer-Krankheit
frontotemporal
mit Lewy-Körpern
vaskulär
Schädel-Hirn-Trauma
substanz-/medikationsinduziert
aufgrund HIV-Infektion
aufgrund Prionenkrankheit
aufgrund Parkinson-Krankheit
aufgrund Huntington-Krankheit
aufgrund anderem medizinischen Faktor
aufgrund multipler Ätiologie[2]
Die bisherigen diagnostischen Kategorien

Aphasie: Störung der Sprache


Apraxie: beeinträchtigte Fähigkeit, motorische Aktivitäten auszuführen
Agnosie: Unfähigkeit, Gegenstände zu identifizieren bzw . wiederzuerkennen
Dysexekutives Syndrom: Störung der Exekutivfunktionen, d. h.Planen, Organisieren, Einhalten einer Reihenfolge
wurden neu gefasst und erweitert zu den Diagnosekriterien komplexe Aufmerksamkeit, exekutive Funktionen, Lernen und
[2]
Gedächtnis, Sprache, perzeptuell motorische Fähigkeiten und soziale Kognitionen.

Demenzformen
Zahlreiche Formen der Demenz werden unterschieden. Die Alzheimer-Demenz ist dabei die häufigste Form, die vermutlich über
60 % der Krankheitsfälle ausmacht. Sie tritt in der Regel erst jenseits des 60. Lebensjahres auf und zählt ebenso wie die meisten
anderen Demenzformen zu den gerontopsychiatrischen Störungen – seltenere Demenzformen können auch bei jüngeren Patienten
auftreten. Die wesentlichen Demenzerkrankungen, die sich in Ursache, erlauf
V und Erkrankungsalter unterscheiden, sind:[3]

Alzheimer-Krankheit
Vaskuläre Demenz (veraltet auch: Multi-Infarkt-Demenz (MID), seltenersubkortikale arteriosklerotische
Enzephalopathie)
Lewy-Körperchen-Demenz
Frontotemporale Demenzbzw. Pick-Krankheit[4]
Weitere seltenere Formen sind

Demenz in Folge der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit


Korsakow-Syndrom, verursacht durch Alkoholmissbrauch
Demenz im Zusammenhang mit derParkinson-Krankheit
Außerdem können Demenzen durch sogenannte raumgreifende Ereignisse im Gehirn verursacht werden, z. B. durch Tumore,
Hämatome oder im Zusammenhang mit einem Hydrozephalus. Diese sind unter bestimmten Bedingungen reversibel, d. h., die
demenziellen Veränderungen können sich zurückbilden, wenn die auslösende Ursache entfernt ist.

In der Fachliteratur werden allerdings weitere Demenzformen klassifiziert, und je nach Systematik auch unterschiedlich bezeichnet.
Während für den Laien die obenstehende Übersicht ausreichen sollte, muss das Fachpersonal im gerontopsychiatrischen Arbeitsfeld
die detaillierten Diagnosen mit der zugehörigen Klassifikation unterscheiden.
Klassifikationen der Demenzformen
Im deutschen Sprachbereich orientieren sich die Fachgesellschaften an der Ursache, hier gilt entweder die Klassifikation der
Deutschen Gesellschaft für Neurologie oder die Internationale Klassifikation der Krankheiten (ICD-10) der
Weltgesundheitsorganisation. In der US-amerikanischen Forschung orientiert sich die Einteilung am Ort der Schädigung im Gehirn.

Klassifikation der Deutschen Gesellschaft für Neurologie


Die Demenzformen werden laut der Deutschen Gesellschaft für Neurologie nach der Pathogenese in vaskuläre, (neuro-)degenerative
Demenzformen und Mischformen unterteilt.[5]

Vaskuläre Demenz (VAD)[6]

Multiinfarktsyndrom: Defektsyndrom nach größeren, einzelnen oder multiplen, ischämischen oder hämorrhagischen
Insulten mit Untergang einer kritischen Masse an neuronalem Gewebe (wahrscheinlich ca. 100 ml)
Strategische Insulte: ausgeprägte kognitive Defizite bei kleinem Läsionsvolumen an entscheidenden Stellen
(Thalamus, hinteres Kapselknie, frontales Marklager)
Mikroangiopathische Läsionen

multilakunäres Syndrom
konfluierende Marklagerveränderungen Subkortikale
( arteriosklerotische Enzephalopathie
, SAE)
Mikrogefäßveränderungen

Kapillarverlust
Blut-Hirn-Schranken-Störungen
genetische Grunderkrankungen

CADASIL-Erkrankung
HERNS-Syndrom
Familial British dementia(HCHWA-D (Hereditary Cerebral Hemorrhages with Amyloidosis of the Dutch Type),
HCHWA-I (Icelandic Type))

Degenerative Demenz[7][8]

Morbus Alzheimer
Frontotemporale Demenz
Lewy-Körperchen-Demenz

Klassifikation nach ICD 10


Nach ICD-10[9] werden die Demenzen unterteilt in

Demenz bei Alzheimer-Krankheit


Vaskuläre Demenz (VAD)

VAD mit akutem Beginn (nach mehreren kleineren Schlaganfällen, einer einzigen massiven Infarzierung als
Folge von zerebrovaskulärer Thrombose, Embolie oder Blutung)
Multiinfarkt-Demenz (vorwiegendkortikale Demenz, allmählicher Beginn, nach Anhäufung von Infarkten im
Hirngewebe)
Subkortikale vaskuläre Demenz a ( rterielle Hypertonie, ischämische Herde imMarklager der Hemisphären,
klinisches Bild erinnert an Alzheimer-Krankheit)
Gemischte kortikale und subkortikale vaskuläre Demenz
Sonstige vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz, nicht näher bezeichnet
Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheiten

Pick-Krankheit
Creutzfeldt-Jakob-Krankheit
Chorea Huntington
primärem Parkinson-Syndrom
Aids
Demenz bei anderenorts klassifizierten Krankheitsbildern

Epilepsie
hepatolentikulärer Degeneration M
( orbus Wilson)
Hyperkalziämie
Hypothyreose, erworben
Intoxikationen
Multiple Sklerose
Neurosyphilis
Niacin-Mangel (Pellagra)
Panarteriitis nodosa
systemischer Lupus erythematodes
Trypanosomiasis
Vitamin-B12-Mangel
zerebraler Lipidstoffwechselstörung
Nicht näher bezeichnete Demenz

Sonstige Einteilungen
In US-amerikanischer Literatur wird eine Unterteilung in kortikale und subkortikale Demenzen verwendet.[10][11] Diese
unterscheiden sich nicht nur nach dem Ort der zerebralen Schädigung (Kortex versus Basalganglien), sondern auch nach deren
klinischem Erscheinungsbild. Klassisches Beispiel für die kortikalen Demenzen ist die
Alzheimer-Krankheit. Subkortikale Demenzen
sind die subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie, die Demenz beim Parkinson-Syndrom, Normaldruckhydrocephalus,
Morbus Wilson oder Chorea Huntington.

Eine Verbindung zwischen dementiellen Veränderungen und chronischem Nierenversagenscheint zu bestehen.[12][13]

Häufigkeit der Demenzformen


Die häufigste Form einer Demenz ist nach der einhelligen Aussage der Fachliteratur die Alzheimer-Krankheit, die zweithäufigste mit
Zahlenangaben zwischen 10 und 20 % ist die gefäßbedingte Demenz (vaskuläre Demenz). Eine Diagnose wird oft nur anhand der
Symptomatik gestellt, in selteneren Fällen durch eineObduktion nach dem Tod des betroffenen Menschen.

Aus neuropathologischen Untersuchungen ist bekannt, dass die ersten Demenz-typischeneränderungen


V im Gehirngewebe bereits im
jungen Erwachsenenalter auftreten können und mit zunehmendem Lebensalter stetig zunehmen. Zur Demenz kommt es erst, wenn
ein großer Teil der Gehirnzellen zerstört ist. Der Zusammenhang des endgültigen kognitiven Abbaus mit einer neurodegenerativen
gestellt werden.[14]
Erkrankung konnte bisher allerdings nur in einem Drittel der Fälle eindeutig her

Häufigere Demenzformen(Zahlen aktuell August 2005)


Alzheimer-Krankheit ca. 50 % bis 60 %
Vaskuläre Demenz ca. 20 %
Mischform beider o. g. ca. 15 %

Seltenere Demenzformen(Angaben und Zahlen nicht aktuell geprüft!)


Lewy-Körperchen-Erkrankungund Parkinson-Syndrom ca. 10 % bis 20 %
Frontotemporale Demenz ca. 5 % bis 10 %
Andere <5%

Die Angaben sind Schätzungen, da die Zuordnung im Einzelfall schwierig bis unmöglich war und Mischformen häufig sind. Die
Zahlen stammen aus den1990er Jahren.
Verbreitung
Bereits 1997 wurde in den USA festgestellt, dass mit zunehmendem Alter das Risiko für Demenz steigt. Im Jahre 2003 wurde
[15]
geschätzt, dass bisher bei über der Hälfte aller Menschen, die an Demenz erkrankt sind, keine ärztliche Diagnose gestellt wurde.

Laut des Welt-Alzheimer-Berichtes im Jahr 2015 erkrankt weltweit alle 3,2 Sekunden ein Mensch an Demenz. Derzeit leben ca. 46,8
Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, für das Jahr 2030 geht man von ca. 74,1 Millionen aus. Der Bericht der
Organisation Alzheimer Disease International(ADI) wurde maßgeblich von Forschern desLondoner King’s College verfasst.[16][17]

Nach der Berliner Altersstudie (1996) steigt die Zahl der Menschen mit Demenz nach Altersgruppen aufgeschlüsselt folgendermaßen
an:

Anteil
Altersgruppe
Demenzerkrankter
65- bis 69-Jährige 1,2 %
70- bis 74-Jährige 2,8 %
75- bis 79-Jährige 6,0 %
80- bis 84-Jährige 13,3 %
85- bis 89-Jährige 23,9 %
über 90-Jährige 34,6 %

Entwicklung in Deutschland:

In der Bundesrepublik Deutschland ist mit einem Anstieg der Anzahlen der an Demenz erkrankten Personen auf voraussichtlich 3
Millionen im Jahr 2050 zu rechnen.[18] Jüngste Schätzungen (Stand: Februar 2014) gehen deutlich darüber hinaus.
[19]

Unter den Mitgliedern der BARMER GEK Krankenkasse, die im Jahre 2009 mit über 60 Jahren verstarben, waren 47 % der Frauen
[20]
und 29 % der Männer demenzkrank, zuvor waren davon jeweils ca. 90 % pflegebedürftig.

Eine Studie des Forsa-Instituts hat im Auftrag der DAK-Gesundheit herausgefunden, dass jeder zweite Deutsche eine
[21]
Demenzerkrankung fürchtet. Besonders hoch ist der Anteil unter den über 60-Jährigen.

Entwicklung in Österreich:

In Österreich leben aktuell 115.000 bis 130.000 Menschen mit einer Demenzerkrankung. Schätzungen zufolge soll sich diese Zahl bis
ins Jahr 2050 verdoppeln.[22]

Risikofaktoren und Prävention


Hauptrisikofaktor für eine Demenz ist nach der vorherrschenden wissenschaftlichen Meinung das hohe Lebensalter.[23] Das
Überwiegen des weiblichen Geschlechts unter den Betroffenen ist wahrscheinlich vor allem in der um einige Jahre höheren
Lebenserwartung von Frauen begründet. Depressionen werden als Risikofaktor für die Entwicklung einer Demenz angesehen. Sie
treten vor allem in frühen Demenzstadien gehäuft auf und können einer Demenz auch vorausgehen. Umgekehrt wird bei
mangelhafter Abklärung oft alten Menschen mit psychischer Erkrankung fälschlicherweise die Diagnose Demenz zugewiesen, was
sich damit zeigen kann, dass derMini-Mental-Status-Test sich wieder stark verbessert.

Weitere Risikofaktoren sind darüber hinaus kardiovaskuläre Faktoren, wie Hypertonie, hoher Homocysteinspiegel,
Niereninsuffizienz, Adipositas und Diabetes mellitus.[24][25][26][27][28] Eine Rolle spielen hierbei Defekte des Gefäßsystems, der
beeinträchtigte Insulin-Metabolismus und Signalweg und ein Defekt imGlukosetransportmechanismusim Gehirn.[29]
Die derzeitigen medizinischen Behandlungsmöglichkeiten können den Verlauf einer Demenz nur in einem sehr bescheidenen
Ausmaß positiv beeinflussen. Deshalb kommt der Prävention der Demenz besondere Bedeutung zu, deren Eckpfeiler in der
Einschränkung der Risikofaktoren besteht. Hierbei gelten heute als aussichtsreichste Strategien in erster Linie die Kontrolle der
kardiovaskulären Risikofaktoren, Körperliche Aktivität (Sport), soziales Engagement, Kontrolle des Körpergewichts (Diät) und die
frühzeitige Behandlung einer Depression.[30][31] Da auch das Tabakrauchen einen möglichen Risikofaktor für Demenzerkrankungen
darstellt, trägt das Einstellen des Zigarettenkonsums ebenfalls zur Demenzprävention bei.[32][33][34] Auch eine aktuelle Studie
bestätigt, dass vor allem Sport und ein gesunder Lebensstil (und damit auch die Vermeidung kardialer Risikofaktoren) einer Demenz
vorbeugen kann.[35] Zu einem gesunden Lebensstil gehören neben der regelmäßigen körperlichen Bewegung auch noch
Nikotinabstinenz und täglicher Verzehr von Obst und Gemüse. Ein normales Körpergewicht verhindert den Abfall der kognitiven
Funktionen laut dieser Studie nicht.

Eine im Jahr 2012 veröffentlichte Langzeitstudie weist auf einen Zusammenhang zwischen der Zahngesundheit und dem
Demenzrisiko hin. Demnach ist das Risiko, an Demenz zu erkranken, um das 1,85-fache höher, wenn 13 oder mehr Zähne fehlen und
die Lücken nicht mit festem Zahnersatz versorgt sind. Forschungsgegenstand waren 4425 japanische Einwohner, die etwa 65 Jahre
[36]
alt waren und über 4 Jahre begleitet wurden. 220 von ihnen erkrankten an Demenz.

Diagnostik
Wichtige Hinweise zur Differentialdiagnose und zur Auswahl der bildgebenden Untersuchungsverfahren liefert die
Krankengeschichte, wobei besonders die Angaben der Bezugspersonen zu berücksichtigen sind. Dem Betroffenen selbst fallen seine
Gedächtnisstörungen oft nicht auf und/oder man kann kurzfristig bei Terminen in Hochform sein (bekanntes Phänomen bei
Arztbesuchen). Andererseits ist es auch möglich, dass er seine Gedächtnisstörungen im Rahmen einer depressiven Verstimmung
überschätzt. Kernspintomografie oder Computertomografie des Kopfes oder die Elektroenzephalografie sind auch zur
Differenzierung von anderen Gehirnerkrankungensinnvoll.

Um keine behandelbare Ursache zu übersehen, sollten zumindest die folgenden Blutuntersuchungen vorliegen: Blutbild, Vitamin-
B12-Spiegel, Blutzucker, Leberwerte, Nierenwerte, Elektrolyte, Schilddrüsenhormone, CRP. Hilfreich zur Erhärtung eines ersten
Verdachtes und auch zur Überprüfung des Fortschreitens einer Demenz sind zunächst einfache psychometrische Testverfahren wie
der MMSE, der Uhrentest oder DemTect. Solche einfachen und schnell durchführbaren Tests können dann auch zu
Verlaufsuntersuchungen eingesetzt werden, zum Beispiel, um das Ansprechen auf Medikamente oder Therapieverfahren zu
überprüfen. Wie bereits erwähnt, ist aber eine frühzeitige Erkennung von ersten kognitiven Beeinträchtigungen besonders wichtig.
Die Forschung beschäftigt sich stark mit dem Thema, und es werden diagnostische Früherkennungsverfahren entwickelt, bspw. das
CFD. Das ist ein digitales Test-Set für die Altersgruppe 50+, welches die Dimensionen entsprechend der DSM-5 Diagnosekriterien
überprüft. Dazu wird auch ein CFD-Index ausgegeben, der eine schnelle und einfache Einschätzung der bereits vorhandenen
Beeinträchtigung ermöglicht.

Da sich in den vergangenen Jahren die medizinisch-diagnostischen Möglichkeiten massiv verbessert haben, ist heute eine Diagnose
der Alzheimer-Krankheit bereits im Stadium der leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB) möglich. Zu den diagnostischen
Verfahren für eine solche Diagnose vor Auftreten der Demenz gehören die Darstellung der Atrophie des medialen Temporallappens
im MRT, die Messung von τ- und β-Amyloid im Liquor, die Darstellung kortikaler Stoffwechseldefizite in der Positronen-Emissions-
Tomographie (PET) mit [18F]-Fluoro-2-desoxy-D-Glucose(FDG) sowie die Möglichkeit, Amyloid im Gehirn mit PET-Liganden in
vivo sichtbar zu machen.[37] Darüber hinaus gibt es zunehmend Belege dafür, dass die subjektive Angabe eines Patienten,
vergesslicher zu werden, ein zuverlässiger Parameter ist, um die Entwicklung einer Demenz sehr frühzeitig voraussagen zu
können.[38] Damit ergibt sich die Hoffnung, schon sehr früh einer Demenz vorbeugen zu können, etwa mit einer kalorienreduzierten
Kost oder auch etwas mehr körperlicher Aktivität.[39] Deutsche Wissenschaftler haben zudem einen klinischen Score entwickelt, mit
dem in der Arztpraxis ohne technische Hilfsmittel bei älteren Menschen ohne Demenz das Auftreten eines Morbus Alzheimer mit
rund 80-prozentiger Vorhersagegenauigkeit eingeschätzt werden kann.[40]

Die an ausgewählten Zentren verfügbare PET mit FDG ist zudem ein etabliertes Verfahren für die Differenzialdiagnose der
Demenzen.[41] Damit lassen sich auch schon in Frühstadien Orte im Gehirn mit vermindertem Glucosestoffwechsel nachweisen und
so eine Demenz vom Alzheimertyp oder eine frontotemporale Demenz (Morbus Pick) nachweisen. Demenzen durch Depressionen
zeigen ein anderes Aktivitätsmuster im PET
.

Zur Diagnose von Demenzen, die mit extrapyramidal motorischen Störungen einhergehen, wird die Szintigraphie mit Iod-123-ß-CIT
oder Ioflupan (DaTSCAN),[42] die Iod-123-IBZM-Szintigraphie und die PET mit L-Dopa eingesetzt. Damit kann ein Morbus
Parkinson, die Multisystematrophie, eine progressive supranukleäre Blickpareseund ein essentieller Tremor abgegrenzt werden.

Differentialdiagnostik

Manche psychischen und neurologischen Störungen können mit einer Demenz verwechselt werden, z. B. folgende:

Depression
altersassoziierter kognitiver Abbau, auch „Alters
vergesslichkeit“
Leichte kognitive Störung
Verweigerung und Vermeidungsverhalten
Deprivationserscheinungenoder Hospitalismus mit Regression, wie in Altersheimen.
Delir
Neurolues
Psychose und Wahn (z. B. Schizophrenie, Manie und psychotische Depression)
Einfacher Mutismus
Einfache Aphasie
Flüssigkeitsmangel (Exsikkose)
Eine genaue Differentialdiagnostik ist notwendig, um die richtige Therapie festlegen zu können, sowohl in der medikamentösen wie
der nichtmedikamentösen Behandlung. So muss z. B. genau zwischen kognitiven Störungen in Folge einer Depression und
kognitiven demenziellen Störungen unterschieden werden, da erstere kurativ, zweitere aber nur palliativ therapiert werden können.
Auch sind manche nichtmedikamentöse Therapien wie die Validation bei einer Depression kontraindiziert, da dies die depressive
Symptomatik verstärken kann.

Symptome
Im Vorfeld einer Demenz sind oft psychische Störungen zu beobachten, die häufig kaum von denen einer Depression unterschieden
werden können, wie zum Beispiel Verlust von Interessen und Eigeninitiative, Reizbarkeit, Gefühl der Überforderung, Verlust der
affektiven Schwingungsfähigkeit, depressive V
erstimmungen.

Kognitive Symptome
Leitsymptom aller Demenz-Erkrankungen ist die
Störung des Gedächtnisses, vor allem des
Kurzzeitgedächtnisses. Die Vergesslichkeit ist
zunächst etwas Normales. Oft ist zumindest in
Mehrspeichermodell des menschlichen Gedächtnisses
den Anfangsstadien die äußere Fassade der
Person dabei gut erhalten, sodass die
Gedächtnisstörungen im oberflächlichen Kontakt sehr gut überspielt werden können. Dies gelingt besonders gut den Menschen, die
ihr Leben lang viele soziale Kontakte hatten – der verbindliche Umgangston ersetzt streckenweise den Inhalt der Botschaft
(Kommunikation).

Später verlieren sich länger zurückliegende Gedächtnisinhalte. Wenn die Demenz fortschreitet, treten auch andere Störungen der
Hirnfunktion hinzu, wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen, Rechenstörungen, Störungen der Raumwahrnehmung, sodass sich die
Betroffenen häufig verlaufen, besonders wenn in der ihnen über Jahrzehnte geläufigen Umgebung bauliche Veränderungen
stattfinden, und starke Müdigkeit.

Im weit fortgeschrittenen Stadium erkennen die Betroffenen schließlich nicht einmal ihre engsten Angehörigen wieder. Sie werden
völlig apathisch, bettlägerig und inkontinent.
Die Demenz schränkt die Lebenserwartung ein. Die Demenz selbst ist aber keine Todesursache, sondern die durch die Demenz
begünstigten Erkrankungen.

Motorische Symptome
Auch motorische Störungen gehören meist zum Bild einer fortgeschrittenen Demenz, wenn es sich nicht um eine Demenz-
Erkrankung handelt, die mit motorischen Störungen beginnt, wie zum Beispiel das Parkinson-Syndrom. Die Patienten werden
zunehmend steif am ganzen Körper. Ihr Gang wird kleinschrittig, schlurfend und breitbeinig. Sie sind sturzgefährdet, auch weil es zu
einer Störung der Haltereflexe kommt.

Laut Studien kündigt sich eine Demenz teils schon durch einer eVrlangsamung des Gangs an.[43]

Verhaltensstörungen
Die Verhaltensstörungen bei Demenzkranken werden BPSD (Behavioural and Psychological Symptoms of Dementia) genannt.[44]
Darunter zählt man die Apathie (76,0 %), Aberrant motor behaviour (d. h. zielloses Herumirren, 64,5 %), Essstörung (Essen von
Unessbarem, 63,7 %), Gereiztheit/Labilität (63,0 %), Agitation/Aggression (62,8 %), Schlafstörungen (53,8 %),
Depression/Dysphorie (54,3 %), Angst (50,2 %), Wahn (49,5 %), Enthemmung (29,5 %), Halluzinationen (27,8 %), und Euphorie
-Patienten.[45]
(16,6 %). Die Klammern beziehen sich auf die Prävalenz der 12 BPSD bei Alzheimer

Psychotische Symptome können bei allen Demenzformen auftreten. Relativ typisch sind sie für die Lewy-Body-Demenz. Es handelt
sich vor allem um optische Halluzinationen. Typischerweise sehen die Betroffenen zunächst vor allem im Zwielicht der Dämmerung
nicht anwesende Personen, mit denen sie mitunter sogar Gespräche führen. Die Patienten können sich in diesem Stadium meist von
ihren (Pseudo-)Halluzinationen distanzieren; das heißt, sie wissen, dass die Personen, mit denen sie sprechen, nicht anwesend sind.
Später sehen sie Tiere oder Fabelwesen, Muster an den Wänden, Staubfussel. Schließlich erleben sie groteske, meist bedrohliche
Dinge, zum Beispiel Entführungen. Diese szenischen Halluzinationen sind in der Regel sehr angstgefärbt. Die Patienten werden nicht
selten aggressiv, wenn sie die sich in besten Absichten nähernden Angehörigen und Pflegenden in ihr Wahnsystem einbauen. Hier
sind die Übergänge zum Delir fließend.

Demenz-Kranke verlieren ihre Eigeninitiative. Sie vernachlässigen ihre früheren Hobbys, ihre Körperpflege und das Aufräumen ihrer
Wohnung. Schließlich sind sie nicht mehr in der Lage, sich ausreichend zu ernähren. Sie haben keinen Antrieb zum Essen, verlieren
das Hungergefühl und vergessen schließlich, die Nahrung zu kauen und hinunterzuschlucken. Sie magern ab und werden anfällig für
internistische Erkrankungen wie zum Beispiel eine Lungenentzündung. Verschiebungen im Tag-Nacht-Rhythmus können erhebliche
pflegerische Probleme bereiten.

Situation von Menschen mit Demenz


In der öffentlichen Wahrnehmung kommen Menschen mit Demenz bisher meist nur als Patienten bzw. als pflegebedürftige Menschen
vor. Dies ist jedoch nur ein kleiner Ausschnitt, wenn man die Gesamtsituation von Menschen mit Demenz betrachten möchte. Die
Gruppe der Menschen mit Demenz insgesamt betrifft Menschen mit Demenz in allen Stadien, also sowohl mit einer Frühdemenz,
einer Demenz im mittleren Stadium als auch Menschen mit einer weit fortgeschrittenen Demenz, die meist vollständig auf Pflege
angewiesen sind.

Menschen im frühen Stadium einer Demenz


Während die Menschen mit Demenz im mittleren und fortgeschrittenen Stadium einer Demenz bereits im Mittelpunkt verschiedener
Forschungsbereiche stehen, ist die Aufmerksamkeit für Menschen mit einer beginnenden oder einer moderaten mittleren Demenz, die
noch aktiv am Leben teilnehmen können, noch gering. Dagegen gehen inzwischen zunehmend Betroffene vor, also Menschen, bei
denen eine Demenz diagnostiziert wurde, die selbst aber weiterhin aktiv am Leben teilhaben. Sie sprechen in der Öffentlichkeit als
Demenz-Aktivisten. Die bekannteste Demenz-Aktivistin in Deutschland ist die Münchenerin Helga Rohra, die seit 2009 mit einer
Lewy-Body-Demenz-Diagnose lebt. Helga Rohra spricht auf vielen Tagungen und Kongressen und setzt sich unter anderem als
Chairperson der European Working Group of People with Dementia[46] für die Rechte von Menschen mit Demenz und für „eine
Bewusstseinsänderung zum Thema Demenz“[47] ein.

Menschen im mittleren Stadium einer Demenz


Menschen im mittleren Stadium einer Demenz nehmen die Realität, wie sie orientierte, kognitiv gesunde Menschen normalerweise
wahrnehmen, anders wahr. Sie verlieren zunehmend bestimmte Wahrnehmungsfähigkeiten, zuallererst die zeitliche
Orientierungsfähigkeit, später auch die Fähigkeit, sich hinsichtlich Ort, Situation und zuletzt der Personen zu orientieren. Sie können
Gegenstände, Situationen und Personen immer weniger in einen größeren Kontext einordnen. Aufgrund ihrer Erinnerungsstörungen
ist ihnen der Zugriff auf früheres Wissen (semantisches Gedächtnis) und Erlebnisse (episodisches Gedächtnis- zurücklöschend)
verwehrt, um sich mit deren Hilfe in der jetzigen Situation zurechtzufinden. Es fehlt das Wissen und die Sicherheit von Ressourcen,
die der Bewältigung aktueller Situationen dienen. Oft verschwimmt der Unterschied zwischen Traum, Vergangenheit und Realität. Im
Umgang mit Menschen im mittleren Stadium einer Demenz ist es zumeist nicht mehr möglich, diese über die Unterschiede
aufzuklären.

Oft kommt es zu Halluzinationen (insbesondere bei Lewy-Body-Demenzen) oder W


ahnvorstellungen. Eine Korrektur der wahnhaften
Vorstellungen ist kaum möglich. Im Idealfall erfassen die Pflegenden die hinter den Halluzinationen stehende Stimmung und gehen
auf diese ein. Wenn der erkrankte Mensch noch in der Lage ist zu erkennen, dass er in einer Situation nicht angemessen reagiert hat,
kann das bei ihm Unruhe und Resignation auslösen.

Menschen mit Demenz benötigen viel Zeit für alle Reaktionen und Handlungen. In fortgeschrittenen Stadien ist z. B. die
ausreichende Ernährung eine zunehmende Herausforderung für die Begleiter, weil die Betroffenen kein Hungergefühl verspüren, die
Nahrung verweigern oder nicht mehr in der Lage scheinen, die Nahrung aufzunehmen. Gründe dafür können vielschichtig sein,
insbesondere ist zu überprüfen, ob es sich um eine Verkennung der Situation (Nichterkennen der Nahrung), um eine physiologisch
bedingte Schluckstörung oder um einen bereits soweit fortgeschrittenen Abbau der kognitiven Fähigkeiten handelt, so dass zwischen
dem Spüren von Nahrung im Mund und dem Auslösen eines Schluckreflexes keine kognitive Verbindung mehr möglich ist. Im
mittleren Stadium ist es durch ausreichende Sinnesreize (appetitlich und eindeutig zu identifizierende Nahrung, gut gewürzte bzw.
süße Nahrungsmittel), eine gute Esskultur (gemeinsames Essen am Tisch, gesunde "Modelle", die mitessen) und kontinuierliches
Anbieten von Nahrung über den Tag und ggf. auch in der Nacht oft möglich, den betrof
fenen Menschen mit ausreichend Nahrung wie
Nährstoffen zu versorgen. Allerdings kann es auch hier zu Einschränkungen kommen, weil Geruchs- und Geschmackssinn bei
manchen Formen der Erkrankung abnehmen. In Verbindung mit der Alzheimer-Krankheit können mehrere kognitive Fähigkeiten
eingeschränkt sein wie etwa dasErkennen von Farben.

Menschen, die an Demenz erkrankt sind, fühlen sich oft falsch verstanden, herumkommandiert oder bevormundet, da sie die
Entscheidungsgründe der sie Pflegenden nicht erfassen können. Menschen mit Demenz sind in der Regel gut in der Lage, ihre
Wünsche und Bedürfnisse auszudrücken.[48] Manche sind noch in der Lage, zu spüren, wenn sich Mitmenschen langweilen oder von
ihrem Verhalten peinlich berührt sind. Menschen mit Demenz reagieren gelegentlich sehr verärgert, wenn man sie für Dinge
verantwortlich macht, die sie inzwischen vergessen haben. Damit werden sie gleich doppelt in die Enge getrieben: einmal dadurch,
dass ihnen vorgeworfen wird, absichtlich Fehler zu begehen, und zum anderen, weil sie mit ihren Schwächen – sich nicht erinnern zu
können – konfrontiert werden.

Besonders Depressionen sind ein häufiges Problem, oft bereits vor der Manifestation der Demenz, oft dann, wenn die Betroffenen
ihren geistigen Verfall wahrnehmen. Da die Symptome einer Depression denen der Demenz ähneln, können beide Krankheiten bei
unzureichenden Kenntnissen verwechselt werden. Je weiter die Demenz fortschreitet, desto mehr verflacht aber auch die Gefühlswelt
und weicht parallel zu einer zunehmenden Interessenlosigkeit einer affektiven Indifferenz mit der Unfähigkeit, sich zu freuen oder
traurig zu sein bzw. die Emotionen auszudrücken.

Der Umgang mit Menschen mit Demenz sollte an deren verändertes Erleben angepasst sein. Als hilfreiche Methoden im Umgang mit
Menschen mit Demenz haben sich erwiesen: Validation, Biografiearbeit/Erinnerungspflege, Basale Stimulation und die
Selbsterhaltungstherapie(SET) nach Barbara Romero.
In Deutschland können Menschen mit Demenz Unterstützungsleistungen aus derPflegeversicherung erhalten.[49]

Therapie

Medikamentöse Therapie
Seit einigen Jahren stehen Medikamente gegen Demenz zur Verfügung (Antidementiva). Zum einen handelt es sich um zentral
wirksame Cholinergica (Cholinesterasehemmer) wie Donepezil, Galantamin oder Rivastigmin, zum anderen Memantin. Bei diesem
Präparat kam 2009 und auch 2010 das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen allerdings zu dem Schluss,
dass es keinen Beleg für einen Nutzen der Memantin-Therapie bei Alzheimer-Demenz gebe.[50] Dabei zeigt die klinische Erfahrung,
dass auf der einen Seite manche Patienten sehr gut von den Medikamenten profitieren, andere überhaupt nicht. Heilbar ist die
Demenz zurzeit nicht, aber in vielen Fällen in ihrem Verlauf um ein bis zwei Jahre aufzuhalten, wenn sie frühzeitig erkannt und
behandelt wird.

Im späteren Verlauf zeigt sich, dass eine Behandlung mit den bisher bekannten Medikamenten keine Besserung bringt. Seit einiger
Zeit steht auch eine Therapie mit einem wirkstoffhaltigen Pflaster zur Verfügung. Durch gleichbleibende Wirkspiegel treten weniger
Nebenwirkungen auf, sodass eine höhere Dosierung möglich ist. Zugleich wird die Betreuung durch Pflegekräfte erleichtert, da die
Anwendung des Pflasters häufig einfacher als die Verabreichung von Tabletten oder Lösungen ist. Ziel ist es, die kognitiven
Fähigkeiten und die Alltagskompetenz der betrof
fenen Patienten zu verbessern.

Als in ihrer Wirkung umstritten gelten Knoblauch und Piracetam. Kontrovers diskutiert wird auch die Wirksamkeit von Ginkgo
biloba. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) kam 2008 zu dem Schluss, dass Patienten mit
Alzheimer-Demenz von einer Therapie mit dem standardisierten Extrakt EGb 761 dann profitieren, wenn dieser regelmäßig in einer
täglichen Dosierung von 240 Milligramm eingenommen wird.[51] Eine US-amerikanische Studie (GEM-Studie, „Ginkgo Evaluation
of Memory“) und ihre Subanalyse ergaben dagegen, dass der Extrakt im Vergleich zu Placebo während der mittleren
Beobachtungszeit von sechs Jahren weder das Auftreten einer Alzheimer-Demenz[52] verhindern noch der Abnahme der geistigen
Leistungen[53] entgegenwirken konnte. Die Autoren selbst wiesen jedoch auf einige methodische Schwächen ihrer Studie hin.

Auch die „Cochrane Collaboration“ kam 2008 allerdings zu dem Ergebnis, dass Ginkgo-biloba-Extrakte keine gesicherte Wirkung
gegen eine Demenz hätten.[54] Alle beruhigenden Medikamente, die beispielsweise bei Schlafstörungen oder Verschiebungen des
Tag-Nacht-Rhythmus gegeben werden, verschlechtern die kognitive Leistung. Dasselbe gilt für Neuroleptika mit anticholinerger
Nebenwirkung, die manchmal bei Halluzinationen nicht zu umgehen sind. Die medikamentöse Behandlung der vaskulären Demenz
entspricht einerseits der Behandlung der chronischen Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose), andererseits haben sich auch bei der
vaskulären Demenz Antidementiva als wirksam erwiesen, sowohl Acetylcholinesterasehemmer als auch Memantin.

Nicht-medikamentöse Therapie
Um Krankheitszeichen günstig zu beeinflussen, das Wohlbefinden der Betroffenen zu verbessern und/oder Fähigkeiten (Ressourcen)
[55]
so lange wie möglich zu erhalten, wurden verschiedene Formen von nicht-medikamentösen Interventionen entwickelt:

Gedächtnistraining
Gedächtnistraining unterscheidet sich dadurch von Gehirnjogging, dass es sich an ein erkranktes Publikum wendet oder zur
Prävention eingesetzt wird, es hat nicht den Charakter eines Sports oder einer reinen Freizeitbeschäftigung. Ein
Wirksamkeitsnachweis konnte für die Aufgaben erbracht werden, die geübt wurden, wie das Wiedererkennen von Gesichtern auf
Fotos oder die Orientierung in der Umgebung. Die Alltagsrelevanz des Gedächtnistrainings in der sozialen Betreuung von
Demenzerkrankten ist umstritten, da die Gefahr besteht, dass die Betroffenen mit ihren Defiziten konfrontiert werden und es eher zu
einer Verschlechterung der Gesamtsituation führt, wenn sich die Betroffenen als Versager fühlen. Deshalb wird diese Methode der
sozialen Betreuung von Demenzkranken nur in den Anfangsstadien der Krankheit und angepasst an die jeweilige Krankheitslage
angewandt.
Biografiearbeit
Durch Biografiearbeit kann man erfahren, welche Bedeutung bestimmte Verhaltensweisen für den dementen Menschen haben (Was
bedeutet es, wenn Herr M. abends nicht schlafen gehen will? Will er signalisieren: „Ich vermisse noch meinen Schlaftrunk.“ oder
meint er: „Ich vermisse beim Schlafengehen meine Ehefrau“?). Je gründlicher die Biografie sowie die Gewohnheiten und
Eigenheiten eines Menschen bekannt sind, umso leichter kann man ihn verstehen. Auch hier ist wieder eine gründliche
Dokumentation und eine enge Zusammenarbeit aller an der Pflege beteiligten Personen notwendig.[56] Der Ich-Pass, von Sigrid
Hofmaier entwickelt, kann die Biografiearbeit im Alltag erleichtern: Mit klassischen Fragen, wie man sie aus Freundesalben kennt,
zum Beispiel nach dem Lieblingsessen, Musikgeschmack oder Hobbys kann der Ich-Pass-Besitzer seine Vorlieben und Abneigungen
festhalten. Das kann sehr hilfreich sein, wenn er sich zum Beispiel im Demenzfall nicht mehr artikulieren kann und auf fremde Hilfe
angewiesen ist. Durch die Informationen aus dem Ich-Pass kann zum Beispiel das Pflegepersonal auch ohne Kontakt zu Angehörigen
schnell einen guten Zugang zum Betroffenen erhalten.[57]

Daseinsthematische Begleitung
Basierend auf der dynamischen Persönlichkeitstheorie des Entwicklungspsychologen Hans Thomae wurde von Andreas Kruse in
einer Studie mit demenzkranken Menschen untersucht, inwieweit durch offene, vertrauensvolle Beziehungen der Ausdruck
d.[58]
persönlicher, im Laufe des Lebens entwickelter Themen ermöglicht beziehungsweise gefördert wir

Konkret bezieht sich Daseinsthematische Begleitung auf Themen, Talente und charakteristische Muster, die einen Menschen im
Laufe des Lebens geprägt haben und die bis zuletzt bleiben, auch wenn die konkreten Erinnerungen an die eigene Biografie
, Fremdsprachenkenntnisse oder Ausdrucksformen.[59][60]
verblassen. Beispiele für Daseinsthemen sind ein Auslandssemester

Validationstherapie
→ Hauptartikel: Validation (Medizin)

MAKS-Therapie
→ Hauptartikel: MAKS-Therapie

Umgang mit an Demenz erkrankten Menschen


Das Wichtigste im Umgang mit an Demenz Erkrankten ist Geduld. Durch Ungeduld seitens der Kontaktpersonen hat der Betroffene
das Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben – dies ist Ursache für Unzufriedenheit, Traurigkeit und Unwohlsein (kein Mensch macht
gerne Dinge falsch).

Wichtig ist, ferner sich darüber im Klaren zu sein, dass die Betroffenen aufgrund ihrer Gedächtnisstörungen nur bedingt lernfähig
sind. Das Meiste, was man ihnen sagt, haben sie innerhalb weniger Minuten wieder vergessen. Mit dementen Menschen ist daher
nichts zuverlässig zu vereinbaren. Eine Konditionierung von Demenzkranken ist dennoch möglich; führt man einen Betroffenen
immer wieder an einen Platz an einem Tisch und erklärt ihm, dies sei sein Platz, so ist es durchaus möglich, dass er sich diese Stelle
in Zukunft selbst zum Sitzen aussucht. Auf die Frage: „Wo ist Ihr Platz?“ wird der Betroffene dennoch ausweichend antworten.
Deswegen ist es sinnvoll, möglichst auf Fragen zu verzichten. Zur Kontrolle des Bewegungsspielraums können
Weglaufschutzsysteme eingesetzt werden. Diese können ungewollte Folgen oder auch Gefahrensituationen vermeiden, wenn
Angehörige oder in die Meldungskette eingebundene Personen rechtzeitig informiert werden.

Stella Braam, Tochter eines Betroffenen, schildert einige typische Missverständnisse zwischen (beruflich) Pflegenden und an
Alzheimer leidenden Personen wie Bevormundung, Fixierung als vorgebliche Sicherheit vor Stürzen, unangepasste
[61]
Beschäftigungsangebote und zu große, zu laute Personengruppen.

Das Demenz-Paradoxon
Der Hamburger Wissenschaftler Jens Bruder spricht im Zusammenhang mit der Demenz vom Alzheimer-Typ vom Demenz-
Paradoxon. Damit ist die zunehmende krankheitsbedingte Unfähigkeit des erkrankten Menschen gemeint, den Verlust seines
kognitiven Leistungsvermögens entsprechend wahrzunehmen und sich mit den Konsequenzen auseinanderzusetzen.

Kommunikation
Die Verständigung sollte dem jeweiligen Stadium der Demenz angemessen sein. Im leichten Stadium einer Demenz ist eine
besondere Form der Kommunikation oft nicht notwendig, kann sogar eine Kränkung der Betroffenen darstellen, die sich in dieser
Phase meist ihrer Defizite bewusst sind. Hilfreich ist es jedoch, auf übermäßige Nachfragen und Rechthaben zu verzichten, wenn ein
vorübergehender Gedächtnisverlust bei dem von einer Demenz betroffenen Gesprächspartner offensichtlich ist.

Im mittelschweren Stadium einer Demenz sollte die Kommunikation von einer einfach strukturierten Sprache dominiert werden.
Kurze Sätze ohne Nebensätze, klare, deutliche Formulierungen, der Verzicht auf Warum-Fragen[62] sind einfache Regeln hierfür.
Menschen mit Demenz in einem mittleren Stadium sind aufgrund der kognitiven Veränderungen in der Regel nicht mehr in der Lage,
Fremdwörter und lange Sätze mit einem komplexen Satzbau zu verstehen. Jeder Satz sollte nur eine Information enthalten. Also
nicht: „Steh auf und zieh dir den Mantel an“, sondern nur: „steh bitte auf“ und erst dann den nächsten Schritt. Meistens werden
Sprichwörter und Redensarten besser verstanden als abstrakte Wendungen. Hilfreich ist es, sich Wendungen und Begriffe zu merken,
die vom Demenzkranken verstanden wurden, um dann auf diese zurückzugreifen.

Ein Streitgespräch mit dem an Demenz erkrankten Menschen sollte unter allen Umständen vermieden werden, auch wenn er
eindeutig im Unrecht ist; dies würde die Verwirrtheit und das unzufriedene „Gefühl“, das nach einem Streit bleibt (obgleich sich der
Betroffene nicht mehr an den Streit selbst erinnern kann), verstärken. Für den demenzkranken Menschen ist der Streit auch deshalb
sehr bedrohlich, weil er nicht auf die Erfahrung zurückgreifen kann, dass der Streit auch wieder vorbeigeht, denn Demenzkranke
leben fast ausschließlich in der Gegenwart. Zukunft hat für sie keine Bedeutung. Im Idealfall ist der Betreuende in der Lage, sich in
die Gedankenwelt des Menschen mit Demenz einzufühlen, z. B. durchValidation.

Zu beachten ist ferner, dass Menschen mit Demenz ihre Fähigkeit, die nonverbale Kommunikation anderer Menschen zu deuten,
nicht verlieren. Begleiter sollten daher bewusst auf ihre eigene Gestik und Mimik und andere körpersprachliche Elemente achten. Ein
unbewusst verzogenes Gesicht oder ein unbewusste abwehrende Geste kann von Menschen mit Demenz fälschlich als bedrohlich
empfunden werden. Dies ist vor allem im Zusammenhang mit dem sogenannten herausfordernden Verhalten zu beachten: Ein von
Pflegenden als aggressiv, also herausfordernd empfundenes Verhalten eines Menschen mit Demenz hat oft seine Ursache im
Verhalten des Pflegenden oder der Umgebung, die vom Betroffenen als bedrohlich, gefährdend oder demütigend interpretiert
wurde.[63]

Wenn eine Kommunikation über verbale Sprache kaum noch möglich ist, wird es umso wichtiger, die übrigen Sinne anzusprechen.
Zugang kann auch über Schmecken, Riechen, Sehen, Hören, Tasten, Bewegung geschaffen werden, z. B. bekannte Volkslieder, bei
denen die Betroffenen wahrlich aufblühen können. Allerdings ist auch hier zu beachten, dass sich einige Sinne verändern können. So
spricht der Geschmackssinn vor allem auf süße Speisen an. Bei allen Reizen sollte darauf geachtet werden, nicht zu viele auf einmal
einzusetzen. Eine Überlagerung verschiedener Sinneseindrücke kann bedrohlich wirken, da die verschiedenen Urheber nicht mehr
getrennt und zugeordnet werden können. Ein Überangebot an Reizen führt damit eher zu Verwirrtheit als zu Stimulation. Es sollte
also ein Gleichgewicht gefunden werden zwischen Überangebot und absoluter Reizarmut.

Die Umgebung sollte auf den Erkrankten angepasst werden. Man stelle sich die Situation vor, die z. B. beim Aufwachen in einem
Seniorenheim entsteht: Ein Mensch wacht auf in einem fremden Zimmer ohne vertraute Gegenstände; ein Mensch (Pflegekraft)
kommt herein, den er noch nie gesehen hat, und fängt – ohne zu fragen und vollkommen selbstverständlich – an, den Menschen zu
waschen und anzukleiden. Die Pflegekraft sollte sich möglichst vorstellen und vorher in einfachen Sätzen erklären, was sie vorhat
und auch weitere Handlungen kommentieren. Hier zeigt sich, wie wichtig das Einstreuen vertrauter Gegenstände in die nähere
Umgebung des Erkrankten ist, um dessen Verwirrtheit und daher aufkeimende Angst zu bekämpfen, denn vertraute Gegenstände,
Geräusche usw. geben Sicherheit. Wichtig ist auch eine gute Beleuchtung, da Schatten häufig zu Verunsicherung führen, da sie nicht
eingeordnet werden können. Weiterhin nimmt bei Demenzkranken das räumliche, dreidimensionale Sehvermögen ab. Deshalb
werden farbliche Veränderungen des Bodens häufig als Schwellen interpretiert. Es gilt also, den Patienten angstfrei und möglichst
orientiert zu halten, um mit ihm arbeiten zu können.

Der Pflegeforscher Erwin Böhm setzt auf Kindheitsemotionen, um demenzkranke Senioren zu rehabilitieren. Böhm rät, in jungen
Jahren ein so genanntes Sozigramm zu erstellen. Darin solle man genau vermerken, was einem als Kind und Jugendlicher Spaß
gemacht hat. Diese Informationen können später verwendet werden, um Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen. Dadurch
entstehen Emotionen, die besonders Demenzkranke glücklich machen und ihnen neue Lebensenergie einflößen. Die Krankheit könne
auf diese Weise zwar nicht geheilt, aber in ihren Auswirkungen vermindert werden.

In diesem Sinne kann sich auch die mundartliche Fortbildung des Pflegepersonals günstig für den Umgang mit den Patienten
erweisen.[64]

Angehörige von Menschen mit Demenz


Unstrittig in der wissenschaftlichen Forschung ist, dass die Pflege eines von Demenz betroffenen Angehörigen eine besondere
psychische wie physische Belastung darstellt.[65][66][67] Insgesamt werden etwa zwei Drittel aller von einer Demenz betroffenen
Menschen zuhause betreut,[68] in der Regel von einem oder mehreren Angehörigen, oftmals auch mit zumindest zeitweiser
Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes. In der Mehrzahl übernehmen Ehefrauen, Töchter oder Schwiegertöchter der
betroffenen Menschen die Pflege. Dabei stellt sich das Belastungserleben für die verschiedenen Angehörigengruppen unterschiedlich
dar. Am meisten gefährdet sind die Hauptpflegepersonen, bei denen inzwischen in Studien ein erhöhtes Risiko festgestellt wurde,
später selbst an einer Demenz zu erkranken.[69] Aber auch die etwas weniger involvierten familiären Kontaktpersonen sind
besonderen Belastungen ausgesetzt. Studien liegen unter anderem für die Enkel von Erkrankten[70] und für die Ehepartner der
Betroffenen vor.[71]

Historisches
Der Demenzbegriff wurde im 18. Jahrhundert in der Juristen- und Umgangssprache für jede Form geistiger Störungen verwendet.
1827 trennte Jean-Étienne Esquirol zwischen angeborenem und erworbenem Schwachsinn und führte démence als medizinischen
Terminus für letzteren ein. Lange Zeit wurde in der deutschsprachigen Psychiatrie nur das Endstadium des intellektuellen Abbaus als
Demenz bezeichnet. 1916 beschrieb Eugen Bleuler das unspezifische hirnorganische Psychosyndrom mit den Merkmalen kognitive
Störung, emotionale Veränderung und Persönlichkeitswandel als psychopathologische Folge chronischer Gehirnerkrankungen. Sein
Sohn Manfred Bleuler grenzte 1951 davon das hirnlokale Psychosyndrom ab und wies auf seine Ähnlichkeit mit den endokrin
verursachten psychischen Störungen hin. Im Zuge der Entwicklung moderner Klassifikationssysteme wie ICD-10 und DSM-IV hat
sich die Definition des Demenzsyndroms deutlich erweitert. Dieser Begriff beschreibt heute nicht mehr nur die schweren Fälle
kognitiver Störungen, sondern jetzt ein erworbenes komplexes Störungsmuster höherer psychischer Funktionen. Die Störungen
können sowohl reversibel als auch irreversibel sein, müssen aber das Gedächtnis betreffen und dürfen nicht mit einer
Bewusstseinsstörung einhergehen. Außerdem muss die Bewältigung des Alltags beeinträchtigt sein.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen
Im vierten Altenbericht der deutschen Bundesregierung aus dem Jahr 2004 wurden die Behandlungs- und Pflegekosten für
Demenzkranke auf 26 Milliarden Euro geschätzt. Ein großer Anteil hiervon, nämlich 30 % für Pflege, wurde aber bisher nicht
ausgabenwirksam, da er durch Angehörige der Patienten erbracht wurde. Im Jahr 2010 werden voraussichtlich 20 % aller
Bundesbürger über 65 Jahre alt sein und so die (noch fiktiven) Kosten bei gleichen Bedingungen auf 36,3 Milliarden Euro ansteigen.
Aufgrund der sich verändernden Familienstrukturen (Single-Haushalte, Kleinfamilien) wird aber der Anteil der Pflegekosten
zusätzlich ansteigen.

Aktuelle Berechnungen (Stand 2015) beziffern die jährlichen Pflegekosten für einen dementen Menschen mit 15.000 bis 42.000
Euro. Demgegenüber beträgt laut dem Pflegebeauftragten des Bundes, Karl-Josef Laumann, die maximal mögliche Erstattung durch
die Pflegeversicherung 14.400 Euro im Jahr.[72]
Die Regierung des Fürstentums Liechtenstein liess 2012 eine Demenzstrategie ausarbeiten.[73] Dabei kam sie zum Schluss, dass die
medizinischen Behandlungskosten (Spitalaufenthalte, Medikamente und Kosten für Diagnostik) im Verhältnis zu den Kosten für
Pflege und Betreuung sehr gering sind (lediglich ca. 5 %). Aufgabe der Studie war jedoch nicht das Errechnen des finanziellen
Aufwandes, sondern das Aufzeigen von Handlungsalternativen für eine nachhaltige Verbesserung der Betreuung und Pflege von
Menschen mit Demenz.

Siehe auch
Betreuung (Recht)
Neuronale Ceroid-Lipofuszinose(umgangssprachlich Kinderdemenz)
Nonnenstudie
Topographagnosie

Literatur

Lehrbücher
Naomi Feil, Vicki de Klerk-Rubin: Validation. Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen. 9., überarbeitete
und erweiterte Auflage. Reinhardt, München u. a. 2010,ISBN 978-3-497-02156-7.
Hans Förstl (Hrsg.): Demenzen in Theorie und Praxis.3., aktualisierte und überarbeitete Auflage. Springer , Berlin
u. a. 2011, ISBN 978-3-642-19794-9.
Hans Förstl (Hrsg.): Lehrbuch der Gerontopsychiatrie und -psychotherapie. Grundlagen, Klinik, Therapie. 2.,
aktualisierte und erweiterte Auflage. Thieme, Stuttgart u. a. 2003,ISBN 3-13-129922-3.
Esme Moniz-Cook, Jill Manthorpe:Frühe Diagnose Demenz. Rechtzeitige evidenzbasierte psychosoziale
Intervention bei Menschen mit Demenz.Huber, Bern 2010, ISBN 978-3-456-84806-8.
Hartmut Reinbold, Hans-Jörg Assion:Dementicum. Kompaktwissen über Demenz und Antidepressiva.PGV –
PsychoGen-Verlag, Dortmund 2010,ISBN 3-938001-07-0.
Frank Schneider: Demenz. Der Ratgeber für Patienten und Angehörige. V erstehen, therapieren, begleiten.Herbig,
München 2012, ISBN 978-3-7766-2688-9.
Christoph Metzger: Bauen für Demenz. JOVIS Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86859-389-1.
Walter-Uwe Weitbrecht (Hrsg.): Dementielle Erkrankungen: Diagnose, Differentialdiagnose und Therapie.
Berlin/Heidelberg/New York/London/Paris/Tokio 1988.

Fachgesellschaften
DEGAM-Leitlinie: Demenz (DEGAM = Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin), AWMF-
Registernummer 053/021 (online:Volltext, Patientenversion, Leitlinienreport, Stand 10/2008).
S3-Leitlinie: Demenzen der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN)
und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), A WMF-Registernummer 038/013 (online:Langfassung,
Kurzfassung, Leitlinien-Report, Leitlinien-Synopse ), Stand 11/2009.
Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e. V . (Hrsg.): MIT-GEFÜHLT. Curriculum zur Begleitung Demenzkranker in ihrer
letzten Lebensphase. Der Hospiz-Verlag, Wuppertal 2004, ISBN 3-9808351-4-6.
DED-Inventar zur Einschätzung der Veränderung der kognitiven Funktionen, der Affektivität und des Verhaltens von
Demenzkranken (PDF) der Deutschen Expertengruppe Dementenbetreuung(Stand 1. November 2014).

Weblinks
Wiktionary: Demenz – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Themenheft Altersdemenz des Robert-Koch-Instituts
Wanderausstellung 2009/2010 der Stiftung Diakonie Hessen Nassau zum Thema Demenz
Wegweiser Demenz des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
T. Etgen et al.: Leichte kognitive Störung und Demenz: Der Stellenwert modifizierbarer Risikofaktoren
. In: Dtsch
Arztebl Int. Nr. 108(44), 2011, S.743–50 (Übersichtsarbeit).
Demenzen – Kommentierte Linksammlung des Leibniz-Zentrums für Psychologische Information und
Dokumentation (ZPID).
Alzheimer & You für Jugendliche und Pädagogen
Was ist Alzheimer? Website der Alzheimer Forschung Initiative e. V.

Einzelnachweise und Anmerkungen


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2. Maier/Barnikol: Neurokognitive Störungen im DSM-5. Durchgreifende Änderungen in der Demenzdiagnostik. (http://s
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RUNGEN_IM_DSM_V_%20W.Maier_et_al.,%20_Nervenarzt,_Mai_2014,_85_564-570.pdf)In: Nervenarzt 2014,
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3. Deutsche Alzheimer Gesellschaft:Andere Demenzformen(http://www.deutsche-alzheimer.de/die-krankheit/andere-d
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20. Heinz Rothgang, Stephanie Iwansky, Rolf Müller, Sebastian Sauer, Rainer Unger: BARMER GEK Pflegereport 2010.
Schwerpunktthema: Demenz und Pflege. In: BARMER GEK (Hrsg.):Schriftenreihe zur Gesundheitsanalyse. Band5.
Asgard-Verlag, Schwäbisch Gmünd 2011,ISBN 978-3-537-44105-8, Kap. 6, S. 12–13 (256) – (barmer-gek.de (http://
www.barmer-gek.de/barmer/web/Portale/Presseportal/Subportal/Presseinformationen/Archiv/2010/101130-Pflegerep
ort/PDF-Pflegereport-2010,property=Data.pdf)[PDF]).
21. Neue Umfrage zeigt: Jeder zweite Deutsche hat Angst vor Demenz(http://www.zeit.de/news/2015-11/26/deutschlan
d-dak-umfrage-jeder-zweite-deutsche-fuerchtet-sich-vor-demenz-26100402) , zuletzt abgerufen am 27. November
2015.
22. Fabian Dorninger, Ann B. Moser, Jianqiu Kou, Christoph Wiesinger, Sonja Forss-Petter, Andreas Gleiss, Margareta
Hinterberger, Susanne Jungwirth, Peter Fischer, Johannes Berger: Alterations in the Plasma Levels of Specific
Choline Phospholipids in Alzheimer’s Disease Mimic Accelerated Aging.In: Journal of Alzheimer's Disease.62,
2018, S. 841, doi:10.3233/JAD-171036 (https://doi.org/10.3233%2FJAD-171036).
23. Dass das Alter der größte Risikofaktor für eine Demenz ist, wird von einigen Autoren wie Wissenschaftlern nicht
mehr als selbstverständlich angenommen. So wird z. B. angeführt, dass zwar eine Korrelation zwischen hohem
Lebensalter und Manifestation einer Demenz zu beobachten sein, dass daraus aber nicht automatisch eine
Kausalität geschlossen werden könne. Als Gegenbeispiel für die These des Lebensalters als Hauptrisikofaktor
werden auch die immer wieder die hochaltrigen Einwohner der japanischen Insel Okinawa angeführt, bei denen
eben keine Kausalität hohes Lebensalter = manifeste Demenz. M. Nehls: Die Alzheimer-Lüge. Die Wahrheit über
eine vermeidbare Krankheit.Heyne, 2014, ISBN 978-3-453-20069-2.
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