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Untersuchungen zur Rissentwicklung und

Versagensverhalten von Rahmenecken

Prof. Dr. -Ing. D. Mähner


Fachhochschule Münster, Corrensstraße 25, 48149 Münster
Rahmenecken

Nachfolgend wird die Tragfähigkeit unterschiedlich


bewehrter Rahmenknoten im Zuge von Laborversuchen
dargestellt.
Dabei handelt es sich um Rahmenknoten, die mit einem
negativen Moment belastet sind.
Die unterschiedlichen Rissbilder und die
Versagensformen werden dabei dargestellt und
erläutert.

Alle Berechnungen für diesen Versuch erfolgten unter Berücksichtigung des Eurocode 2 (DIN EN 1992-1-1) mit Nationalen Anhang.

2 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Einleitung

In dieser Versuchsreihe wurden Rahmenecken aus Stahlbeton mit einem


negativen Moment belastet. Während der Versuchsdurchführung dokumentierten
die Studierenden die Rissentwicklung des Rahmen in Abhängigkeit der
aufgebrachten Last.

Des weiteren wurden diverse Messtechniken verwendet (Kraftmessdose, Weg-


aufnehmer), um qualitativ das Verformungsverhalten (Weg) des Rahmenriegel in
Abhängigkeit zur aufgebrauchten Last (Kraft) zu ermitteln.

Es wurden 3 Versuchskörper untersucht, die sich in ihrer Art der Bewehrungs-


führung im Knotenbereich unterschieden haben.
• Großer Biegerollendurchmesser (20 Ø); übergreifen der Bewehrung
im Knotenpunkt; verankern der Bewehrung mittels Winkelhaken
• Großer Biegerollendurchmesser (20 Ø); übergreifen der Bewehrung
im Riegel; kein verankern der Bewehrung mittels Winkelhaken
• Kleiner Biegerollendurchmesser (4 Ø); übergreifen der Bewehrung
im Knotenpunkt; verankern der Bewehrung mittels Winkelhaken

3 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Vorbereitung der Rahmenecken
Bemessung und Konstruktion

System und Belastung Materialangaben:


Beton: C 20/25
Baustahl: B500B

Schnitt A-A

F [kN] F [kN] Bemessungslast:


F = 100 kN

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Zustandslinien zur Bemessung

-100
M N
-87 -87
[kNm] [kN]

Rahmenknotenpunkt

V Schnittgrößen am
-100 -100
[kN] Rahmenknotenpunkt

M
M
V
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Finite Elemente Methode (FEM)

Entwicklung eines Stabwerkmodels aus den Spannungstrajektorien


Hier im Farbabstufungen deutlich gemacht

7,28 MN/m²
• Zugstrebe
11,82 MN/m²
• Druckstrebe
• Querdruckstrebe

-6,34 MN/m²
Fs

MEd
-2,85 MN/m²
Fc

MEd
7,28 MN/m²
[MN/m²] Fs Fc
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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Biegebemessung im Riegel: (charakteristisch)

M Eds  M Ed  N Ek  z s
M Ed   87 kNm
N Ed  100 kN
35 cm Schnittgrößen am
zs   3 . 3 cm  14 ,2 cm Rahmenknotenpunkt
2
M Eds  87    100   0,142 m  72 ,8 kNm  73 kNm
M Eds N
Eds 
b  d ²  f cd
M
f cd  f ck  20 N / mm ²  2 kN / cm ²
f yd  f yk  500 N / mm ²  50 kN / cm ² M
0,073 MNm
Eds   0,103778 [] V
0,35 m ( 0,317 m )2  20 N / mm ²
 1  0,11 []
1 1
As 1    1  b  d  f cd  N Ed     0,11  35 ,0  31,7  2  100   4,88 cm ²
f yd 50
Gew . : 4 Ø 14 mit As vorh  6,16 cm ²  4,88 cm ²

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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Biegebemessung im Stiel: (charakteristisch)

M Eds  M Ed  N Ek  z s
M Ed   87 kNm
N Ed  0
Schnittgrößen am
M Eds  87 kNm
Rahmenknotenpunkt
M Eds
Eds 
b  d ²  f cd
N
f cd  f ck  20 N / mm ²  2 kN / cm ²
f yd  f yk  500 N / mm ²  50 kN / cm ² M
0,087 MNm
Eds   0,123681 [] M
0,35 m ( 0,317 m )2  20 N / mm ²
 1  0,13277 [] V
1 1
As 1    1  b  d  f cd  N Ed     0,13277  35 ,0  31,7  2 
f yd 50
 5,89 cm ²
Gew . : 4 Ø 14 mit As vorh  6,16 cm ²  5,89 cm ²

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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Querkraftbemessung im Stiel des Rahmens: (charakteristisch)


 0,15 
 k   100  l  fck   0,12   cp   b w  d
1/ 3
VRd,c  
 c 
  v min  0,12   cp   b w  d
 c  1,0 Schnittgrößen am
k  1
200
 1
200
 1,7943
Rahmenknotenpunkt
d 317
6,16 cm² N
l   0,00555  0,02
35 cm  31,7 cm²
fck  20 MN / m² M
 cp  0
M
v min  0,0525 /  c  k  fck für d  600 mm
3

v min  0,0525 /1,0  1,794 3 3  20  0,56431


V
VRd,c ,min   0,56431  0,12  0   0,35  0,317  0,0626 MN  62,6 kN
 0,15 
 1,7943   100  0,00555  20   0,12  0   0,35  0,317
1/ 3
VRd,c  
 1,0 
 0,024543 MN  24,54 kN  62,6 kN  100kN
 Que rkra ftbe we hrung e rforde rlich !!!

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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Nachweis der erforderlichen Querkraftbewehrung


im Stiel des Rahmen (charakteristisch)
Asw V Ed
a sw ,erf .  
s f ywk  z (cot
   cot  )  sin 
f ywk  f yk  500 N / mm ²  50 kN / cm ²
V Ed  100 kN
z  d  2  C v ,l  0,317 m  2 ( 0,02 m  0,006 m )  0,265 m
1 1
cot   cot     1, 2
tan 40 tan lim
90

sin   sin 90  1
100 kN
a sw ,erf .   6,29 cm ² / m
50 kN / cm ²  0,265 m  1,2
gew . : Ø 6 / 9 cm mit a sw ,vorh .  2  3,14  6,28 cm ² / m  6,29 cm ² / m

Querkraftbewehrung im Riegel des Rahmen


Im Riegel des Rahmen werden konstruktiv Bügel mit einem Ø 6 mm und einen Abstand
von 20 cm zueinander eingelegt, um einen vollständigen Korbverbund zu gewährleisten.

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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Ermittlung der Übergreifungslänge der Bewehrung


Am Beispiel des Prüfkörper 2 (charakteristisch)
Übergreifen im Riegel des Rahmen
l0  1   2   3   5   6  lb,rqk  l0,min
Ø s fyk As ,e rf Sofern keine angeschweißten
lb,rqk   
4 fdk As ,vorh Querstäbe vorhanden sind (α4)
fyk  500 N / mm² kann vereinfacht folgende
Gleichung angewandt werden.
fdk  2,25 1  fctk;0.05
1  1,0 gute r Ve rbund
0,7 s chle chte r Ve rbund
ma ß ge be nd( liege nde He rs te llung )

l 0   6  l b ,eq
fdk  2,25  1,0  1,5  3,375 N / mm²
l b ,eq   a  l b ,rqk
Ø s  14 mm  1, 4 cm
 a  1,0 Gerades Stabende
As ,e rf 4,88 cm²
  0,7922 l b ,eq  1,0  41,1 cm  41,1 cm
As ,vorh 6,16 cm²
1, 4 500  6  1,4   33 % Übergreifu ngsstoß
lb,rqk    0,7922  41,1 cm
4 3,375 l 0  1,4  41,4 cm  57 ,54 cm  58 cm

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Bemessung der Rahmenkonstruktion

Übergreifen der statisch erforderlichen Bewehrung


im Knotenbereich der Rahmenecke
( Hinweis: Die Berechnung der Übergreifungslängen erfolgte unter Ansatz von guten Verbundbedingungen
aufgrund der liegenden Herstellung der Rahmenecken.

Im Knotenpunkt des Rahmens Im Knotenpunkt des Rahmens Im Riegel des Rahmens


(Wand - Deckenanschluss) mit zusätzlicher Verankerung ohne zusätzlicher Verankerung

12 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Bewehrungszeichnung

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Bewehrungszeichnung

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Bewehrungszeichnung

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Bewehrung in der Schalung

Prüfkörper 1

• Übergreifen der Bewehrung im Knotenpunkt


HT-Rohr zur
Durchführung
• Zugkraftumlenkung mit einem großen
des Zugbandes Biegerollen-durchmesser
(Gewindestange) • Verankerung der Bewehrung mit Winkelhacken

16 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Bewehrung in der Schalung

Prüfkörper 2

• Übergreifen der Bewehrung im Riegel


• Zugkraftumlenkung mit einem großen Biegerollen-durchmesser
• keine Verankerung

17 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Bewehrung in der Schalung

Prüfkörper 3

• Übergreifen der Bewehrung im Knotenpunkt


• Zugkraftumlenkung mit einem kleinen Biegerollen-durchmesser
• Verankerung mit Winkelhacken

18 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Betonieren und vorbereiten der Versuchsdurchführung

Zur Erleichterung der Rissbild-


dokumentation wurden die
Betonieren der Versuchskörper Ausgeschalte Versuchskörper Prüfkörper mit weißer Dispersions-
farbe angestrichen und die
Bewehrungsführung aufgezeichnet

Zuletzt wurde die Prüfungseinrichtung (Druckzylinder, Weg-


aufnehmer und eine Kraftmessdose) der Rahmenecken
Probekörper zur Festigkeitsprüfung montiert

19 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Prüfungseinrichtung

Stahlplatten zur gleichmäßigen Wegaufnehmer Stahlkonterplatten zur gegenseitigen


Lasteinleitung gleichmäßigen Lasteinleitung
Kraftmessdose

Druckzylinder Unterstützung für den Gewindestange als Zugband


Druckzylinder Rollenlagerung + PVC Rohr als Schutzmantel
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Ermittlung von Materialkennwerten

Prüfen des Betons und des Betonstahls


(Festigkeitsprüfung)

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Prüfung des verwendeten Betons

Im Rahmen der Versuchsreihe wurden Prüfkörper zur Bestimmung


der Festigkeiten des Betons erstellt. (9 Würfel, 3 Zylinder)
Bestimmung von Betondruckfestigkeit (“Würfeldruckfestigkeit“) Betoniert am: 31.01.2013
Prüffläche Volumen rohdichte rohdichte Bruch-
Frischbeton- Festbeton- Druck-
Proben-bezeichnung

Alter (Datum) Masse Abmessungen

Festigkeits-klasse
last festigkeit
l b h

[d] [kg] [mm²] [dm³] [kg/dm³] [kg/dm³] [kN] [N/mm²]


[mm]

1 43 (15.03.13) 7,594 2,329 2,250 702 31,20


2 43 (15.03.13) 7,583 2,329 2,247 697 30,98
3 43 (15.03.13) 7,648 2,350 2,266 669 29,73
4 50 (22.03.13) 7,489 2,379 2,219 668 29,69
5 50 (22.03.13) 7,536 150 150 150 22500 3,375 2,317 2,233 700 31,11

C 20/25
6 50 (22.03.13) 7,885 2,323 2,336 680 30,22
7 74 (15.04.13) 7,500 2,311 2,222 644 28,62
8 74 (15.04.13) 7,540 2,326 2,234 664 29,51
9 74 (15.04.13) 7,580 2,332 2,246 699 31,07
Mittelwerte 7,595   2,333 2,250 680,3 30,24
Druckfestigkeit ohne Aushärtung im Wasserbad: = fcm*0,92 27,82

Bestimmung der Betonzugfestigkeit ("Spaltzugversuch") Betoniert am: 31.01.2013


Frischbeton- Festbeton- Bruch- Zug-
Proben-bezeichnung

Alter (Datum) Masse Abmessungen Prüffläche Volumen

Festigkeits-klasse
rohdichte rohdichte last festigkeit
l d h

[d] [kg] [mm²] [dm³] [kg/dm³] [kg/dm³] [kN] [N/mm²]


[mm]

1 74 (12.04.13) 175,4 2,48

C 20/25
2 74 (12.04.13)   300 150   17678,57 5,304     165,7 2,34
3 74 (12.04.13) 164,4 2,32
22 von 36 Mittelwerte
Prof.   von Rahmenecken
Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung 168,5 2,38
Prüfung des verwendeten Betonstahls

Bestimmung der Betonstahlkennwerte nach DIN 488 (2009-08)

Durchmesser des Stabes: 14 mm Prüfdatum 16.04.2013


Länge des Stabes: 40 cm Betonstahlsorte B500B
Anzahl der Proben 4 Projekt Rahmenecken
Methodenname Zugprüfung
Prüflosname Zug-Rahmenecken

Ersatz- Bruch-
Querschnitt Durchmesser L0 E-Modul Rp 0,2 streckgrenzen- Rm Agt Fm Fp 0,2 dehnung
  verhältnis A11,3

[mm²] [mm] [mm] [N/mm²] [N/mm²] [-] [N/mm²] [‰] [kN] [kN] [‰]

1 153,938 14,00 400 200000 516,4000 1,1800 611,2760 5,0000 94,0990 79,5000 11,4000
2 153,938 14,00 400 200000 525,0000 1,1600 609,9262 4,8000 93,8910 80,8100 12,1000
3 153,938 14,00 400 200000 528,4000 1,1600 613,9039 4,9000 94,5030 81,3470 12,1000
4 153,938 14,00 400 200000 524,9000 1,1600 608,9598 5,3000 93,7420 80,8090 14,2000
Mittelwert 153,938 14,00 400 200000 523,6750 1,1650 611,0165 5,0000 94,0588 80,6165 12,4500
Standard- 0 0 0 0 5,1081 0,0113 2,1466 0,2094 0,3304 0,7863 1,4700
abweichung
Varianz-
koeffizient 0 0 0 0 0,9754 0,9702 0,3513 4,1826 0,3513 0,9754 1,2124

23 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Versuchsdurchführung

Erläuterungen zur Rissentwicklung


und
Versagensursache der Rahmenecken

24 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Prüfkörper 1

Rissbilder nach aufbringen der Last F = 80 kN


und
Rissbilder max. F = 150 kN
• Entstehung von Biegerissen, die einen
eindeutigen Verlauf zur Rahmeninnen-
ecke aufweisen.
• Kaum eine Rissentwicklung im Knoten-
bereich (hoher Bewehrungsgrad)

• Nach erreichen der Last von ca. 150 kN


nahmen die Verformungen des Stiels
überproportional zu. Besonders die in Rot
markierten Risse öffneten sich sehr stark.
25 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Versagensursache Prüfkörper 1

Da das Zugband (Gewindestange) zur Kraftübertragung zum gegenüberliegenden Stiel des


Rahmens bei einer Belastung von 150 kN schon sehr starke Biegeverformungen aufzuweisen
hatte, wurde aufgrund von Sicherheitsbedenken der Prüfkörper 1 nicht bis zum endgültigen
Bruch belastet.

Allerdings kann festgehalten werden, dass sich bei einer


Belastung von 135 kN die Risse an den Knotenschnittstellen
zum Stiel und Riegel stark auftaten. Die Bewehrung fing an zu
fließen. Die Verformungen nahmen bis 150 kN immer stärker
zu, sodass man vermuten kann, dass die Bewehrung an den
Schnittstellen im Bereich von 150 bis 200 kN versagt hätte.
(genaueres konnte nicht ermittelt werden)

Außerdem entstand ein Schubriss vom Lasteinleitungspunkt bis zur Rahmen-


innenecke. Zusätzlich hätte der Versuchskörper demnach auf Schub versagen können.
Da sich allerdings die Biegerisse zum Zeitpunkt des entwickelten Schubrisses stärker
auftaten ist ein versagen auf Schub demnach auszuschließen.

26 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Rissbilder Prüfkörper 1

Linke Rahmenecke

Entstehen von
Biegerissen am Erste Biegerisse
Anschnitt der im Rahmeneck-
Rahmenecke bereich

Riegel des Rahmen

Riss vorwiegend Gleichmäßige


parallel zur Rissentwicklung
Bügelbewehrung im Rahmenriegel

Rechte Rahmenecke

Biegezugrisse im Aufweiten der


Knotenpunkt des Risse am
Rahmen Anschnitt

27 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Prüfkörper 2

Rissbilder nach aufbringen der Last F = 125 kN


und
Rissbilder Bruchzustand
• Entstehung von Biegerissen,
die einen eindeutigen Verlauf
zur Rahmeninnenecke vorweisen.
• Zusätzliche Rissentwicklung entlang der
Bewehrung im Knotenpunkt.

• Nach erreichen der Last von 134 kN,


versagte die Rahmenecke. Maßgebend
für das Versagen war der Übergreifungs-
bereich der Biegezugbewehrung im
Riegel des Rahmen.
28 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Versagensursache Prüfkörper 2

Abplatzung im Übergreifungsbereich
Im Bereich der Übergreifung resultieren, durch
eine angedachte Fachwerkausbildung oberhalb
und unterhalb der Bewehrung, hohe Querzug-
spannungen im Beton. Beim überschreiten der
max. aufnehmbaren Zugspannung des Betons,
kam es dann zum Versagen des Betons im Bereich
der Übergreifung.
Die Folgen waren:
• starke Abplatzungen oberhalb der
Bewehrung im Bereich der
Übergreifung und
• starke Verformungen des
Gesamtsystems durch Verbund-
verluste zwischen Beton und
Betonstahl im Übergreifungsbereich

Fs Fs Querzugspannungen
Druckstrebe

29 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Rissbildentwicklung Prüfkörper 2

Linke Rahmenecke
Biegezugrisse im Sammelbiege-
Knotenbereich risse am
zur Rahmen- Rahmenecken-
innenecke anschnitt
zulaufend

Riegel des Rahmen

Riss vorwiegend Gleichmäßige


parallel zur Rissentwicklung
Bügelbewehrung im Rahmenriegel

Rechte Rahmenecke
Entstehen von
Biegerisse am Längsrissen
Anschnitt der parallel zur
Rahmenecke Bewehrungs-
führung
30 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Prüfkörper 3

Rissbilder nach aufbringen der Last F = 115 kN


und
Rissbilder Bruchzustand
• Entstehen von Biegerissen, die einen
eindeutigen Verlauf zur Rahmeninnen-
ecke vorweisen.
• Entstehen von Spaltrissen in der Außen-
ecke des Rahmens

• Nach erreichen einer Last von 115 kN


führten die Druckspannungen im
Umlenkbereich der Bewehrung zu einem
Spaltzugversagen des Betons.
(siehe Schnitt A-A auf der folgenden
31 von 36
Seite)
Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Versagensursache Prüfkörper 3

Abplatzungen der übergreifenden Grundriss des


Bewehrung im Umlenkbereich Knotens Schnitt A-A

σp

Querzugspannungen
Druckspannungen

Der sehr kleine Biegerollendurchmesser (4 Ø) der Bewehrung


verursacht sehr hohe Umlenkkräfte und folgend hohe
Druckspannungen im Umlenkbereich. Durch die geringe
Umlenklänge wurden die Druckspannungen sehr stark
konzentriert, sodass es zu einem Spaltzugversagen kam.

32 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Rissbildentwicklung Prüfkörper 3

Linke Rahmenecke

Biegezugrisse
im Knotenbereich
zur Rahmeninnen-
ecke zulaufend

F = 90 kN F = 100 kN F = 115 kN

Rechte Rahmenecke

Sammelrisse im
Verankerungs-
bereich der
Bewehrung

F = 70 kN F = 80 kN F = 100 kN

33 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Vergleich der Prüfkörper untereinander

ΔF = 25kN
max F in [kN]
200 Zu Prüfkörper 1:
175 • es wurde nicht bis zum
180 Bruchzustand belastet
• bei 150 kN fing die
160 150 die Bewehrung an zu
134 fließen
• Das Ersatzstreckgrenzen-
140 verhältnis ist 1,165
115 (Zugfestigkeit/Fließgrenze)
120
max F = 150 kN x 1,165
100 = 175 kN

80
[kN]

60
40
20
0
Prüfkörper 1 Prüfkörper 2 Prüfkörper 3
(Biegezugversagen) (Übergreifungsversagen) (Spaltzugversagen)

34 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Fazit

Grundlegend kann gesagt werden, dass bei stark beanspruchten Rahmeneck-


konstruktionen der Biegerollendurchmesser möglichst groß gewählt werden sollte.
Dabei gibt die DIN EN 1992-1-1 einen Mindestbiegerollendurchmesser Dmin in
Tabelle 8.1DE vor. Ein oberer Grenzwert von Dmin liegt nicht vor.

Die Wahl eines zu großen Biegerollendurchmessers führt allerdings zu sehr hohen


Zugkräften in der Biegezugbewehrung (kleinere stat. Nutzhöhe) und folgend zu
einer größeren erforderlichen Biegezugbewehrung im Rahmeneckbereich.

Bei der Verwendung von kleinen Biegerollendurchmessern, bei z.B. Wand/Decken-


Anschlüsse, entstehen sehr große Umlenkkräfte, die zu einem Spaltzugversagen im
Beton führen können.
Daher wird empfohlen diese Art der Bewehrungsführung (Knoten, Versuchskörper 3)
nur bei schwach beanspruchten Bauteilen verwendet werden.
Um einer Spaltzugversagen zu vermeiden sollten zusätzlichen Steckbügel zur
Umfassung der Biegezugbewehrung eingebaut werden.

35 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken
Fazit

Das Übergreifen der Bewehrung in stark belasteten Bereichen (Riegel, Versuchs-


körper 2) sollte, wenn es konstruktiv möglich ist, vermieden werden. Ansonsten
empfiehlt es sich, die Bewehrung mit einem Winkelhaken zusätzlich zu verankern.

Die effektivste Methode ist das Übergreifen der Bewehrung im Knoten mit
zusätzlicher Verankerung mit einem großen Biegerollendurchmesser
(z.B. 20 Øs nach DIN EN 1992-1-1, Tabelle 8.1DE, (2011-01)).
Die Rahmenkonstruktion verhält sich, auch bei großen Belastungen, wesentlich
duktiler, da es weder zu einem Versagen der übergreifenden Bewehrung
(Übergreifen im Umlenkbereich und eine zusätzliche Verankerung der Bewehrung)
noch zu einem Spaltzugversagen (kleine Umlenkkräfte) kommt.

Bewehrungszeichnung
Poster Rahmenecke
Rahmenecke
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36 von 36 Prof. Dr. -Ing. D. Mähner | Untersuchungen zur Rissentwicklung von Rahmenecken

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