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TH Nürnberg Georg Simon Ohm Wintersemester 2020/2021

Prof. Dr. Tim Kröger

Numerische Mathematik 1 für AMP


Übungsblatt 5
Zu bearbeiten bis: 18. November 2020


Aufgabe 58: Als Variante der klassischen Polynominterpolation gibt es noch die Mög-
lichkeit, an allen oder einigen Knoten neben den vorgegebenen Funktionswerten noch
Ableitungswerte vorzugeben (sogenannte Hermite-Interpolation). Zum Beispiel könnte
man mit drei paarweise verschiedenen Knoten x0 , x1 , x2 die Interpolationsaufgabe
p ∈ P5 , p(xi ) = yi , p′ (xi ) = zi , i = 0, 1, 2
stellen. (Der Polynomraum P5 ist nahe liegend, da insgesamt sechs Bedingungen gegeben
sind.)
Machen Sie den Ansatz
X5
p(x) = ai x i ,
i=0
und schreiben Sie das sich ergebende Gleichungssystem in der Form
Ax = b.

Aufgabe 59: Programmieren Sie die Lösung eines allgemeinen Interpolationspolynoms
unter Benutzung der Newton-Darstellung. Das heißt, schreiben Sie ein Programm, das
die Newton-Koeffizienten ck berechnet, und ein Programm, das unter Benutzung dieser
Koeffizienten das Interpolationspolynom an gegebener Stelle x auswertet. Empfohlene
Funktionssignaturen:
function c = intpol_newton(x,y)
function y = intpol_newton_auswert(x,c,xx)
mit folgenden Parametern:
x: Vektor der Interpolationsknoten;
y: Vektor der vorgegebenen Funktionswerte;
c: Vektor der Koeffizienten der Newton-Darstellung (nur die zur Auswertung tat-
sächlich benötigten Koeffizienten);
xx: Stelle, an der das Polynom ausgewertet werden soll;
y: Funktionswert.

Übungsblatt 5, Seite 1
Aufgabe 60: Gegeben ist die folgende Tabelle mit Messwerten:
x −1 0 1 3
y 0 3 2 60
Es soll hierzu das zugehörige Interpolationspolynom bestimmt werden. Werten Sie dieses
an der Stelle x∗ = 2 aus; benutzen Sie dazu das Neville-Aitken-Schema.

Aufgabe 61: Für die Herstellung eines Taschenrechners soll die Sinus-Funktion auf dem
Intervall [0, π/2] implementiert werden, indem sie durch ein Polynom angenähert wird,
das die Sinus-Funktion an Stellen mit bekannten exakten Werten interpoliert. Hierfür
sollen konkret die Werte
1  1 1  1 1  1√ 1 
sin(0) = 0, sin π = , sin π = √ , sin π = 3, sin π = 1
6 2 4 2 3 2 2

verwendet werden.
a) Bestimmen Sie das Interpolationspolynom in der Newton-Darstellung.

b) Werten Sie das Interpolationspolynom an der Stelle x∗ = π/12 aus.

c) Wie viele Rechenoperationen benötigt eine Auswertung des Interpolationspolynoms


in der Newton-Darstellung? Anmerkung: Wie besprochen zählen Axpy-Operationen
jeweils als eine Rechenoperation.

Aufgabe 62 (Fortsetzung von Aufgabe 61): Bestimmen Sie eine Fehlerabschätzung für
den in Aufgabe 61.b) bestimmten Wert. Vergleichen Sie mit dem tatsächlichen Fehler.

Aufgabe 63 (Runges Phänomen): Benutzen Sie Ihre Programme aus Aufgabe 59, um
die Funktion
1
f (x) =
1 + 25x2
durch ein Interpolationspolynom zu approximieren. Wählen Sie die n + 1 Stützstellen
äquidistant auf dem Intervall [−1, 1]. Lassen Sie den Funktionsgraphen des Polynoms
und den von f auf [−1, 1] zeichnen. Wiederholen Sie dies für größer werdende Werte von
n. Was fällt dabei auf?

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Aufgabe 64: Auf einem Intervall [a, b] seien Interpolationsknoten

a = x0 < x1 < · · · < xn = b

gegeben. Weiterhin sei eine Funktion f : [a, b] → R gegeben. Hierzu soll nun – alternativ
zur klassischen Polynominterpolation – eine Funktion q konstruiert werden, die stetig ist,
auf jedem Teilintervall [xi , xi+1 ] mit einem Polynom vom Grad ≤ 1 übereinstimmt, und
in den Knoten xi mit f übereinstimmt. Zeigen Sie, dass dann gilt:
1
max |f (x) − q(x)| ≤ h2 max |f ′′ (x)|,
x∈[a,b] 8 x∈[a,b]
wobei h der maximale Abstand zweier benachbarter Knoten ist.

Aufgabe 65: Es seien x0 , . . . , xn und y0 , . . . , yn reelle Zahlen, wobei die xi (wie üblich)
paarweise verschieden seien. Weiter sei p ∈ Pn das dazu gehörige Interpolationspolynom,
und [a, b] sei das kleinste Intervall, das alle xi enthält.
a) Beweisen Sie

|p(x)| ≤ Λn · max|yi |
i

für alle x ∈ [a, b]. (Λn bezeichnet die Lebesgue-Konstanten, siehe Vorlesung.) Hin-
weis: Schreiben Sie p(x) in der Lagrange-Darstellung.

b) Was müsste man jetzt noch machen, um den Beweis, dass die Kondition des Inter-
polationsproblems gleich Λn ist, zu vervollständigen?

Aufgabe 66: Auf einem Intervall [a, b] seien Interpolationsknoten

a = x0 < x1 < · · · < xn = b

gegeben. Vermöge einer affin-linearen Transformation

x 7→ ϕ(x) = αx + β

mit α > 0 ergeben sich daraus die neuen Knoten

x̃i = ϕ(xi )

auf dem Intervall

[ã, b̃] = [ϕ(a), ϕ(b)].

Beweisen Sie, dass die Lebesgue-Konstanten Λn für beide Fälle gleich sind.

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Aufgabe 67 (Themenabschluss Interpolation): Erstellen Sie ein Poster (DIN A 4 ge-
nügt), auf dem die folgenden Begriffe schematisch miteinander in Beziehung gebracht
werden.

• Auswertung an nur einer Stelle; • Knotenpolynom;


• Auswertung an vielen Stellen; • Kondition;
• dividierte Differenzen;
• Lagrange-Basispolynome;
• Eindeutigkeit;
• lineares Gleichungssystem;
• Existenz;
• Fehlerabschätzung; • Neville-Aitken-Schema;

• geschlossene Darstellung; • Newton-Darstellung.

Lösungen: 60. 15. 61.a) c0 = 0, c1 = 0.954930, c2 = −0.208608, c3 = −0.136489,


c4 = 0.028797. 61.b) 0.258588. 61.c) 8. 62. |Fehler| ≤ 0.000307, tatsächlicher Fehler
0.000231. 

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