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EINBLICKE IN DIE PUR-V ERARBEITUNG

Teil 2: Misch- und Dosiertechnik zur Verarbeitung von PUR

Mischtechnik
Herzstück einer PUR-Verarbeitungsmaschine ist das Mischorgan. Zur Realisierung eines
homogenen Gemisches kommen heute zw ei Vermischungstechniken zur Anw endung, die im
Folgenden erläutert w erden.
Niederdruckvermischung
Bei der Rührwerksvermischung (Bild 1) w erden die Komponenten zum Mischkopf gefördert
und in einer vergleichsw eise großvolumigen Mischkammer mit Hilfe eines dynamischen,
schnell rotierenden Rührwerks intensiv vermischt. Nach Beendigung des Mischvorgangs ist
eine Reinigung der mit dem Reaktionssystem kontaminierten Mischkammer mit einem Lö se-
mittel und eine Drucklufttrocknung notwendig. Der Arbeitsdruck einer solchen Maschine ist
mit 3 bis 40 bar relativ niedrig und muß lediglich für eine ausreichende Materialförderung
sorgen. Diese Art der Vermischung w ird daher als Niederdruckverfahren (ND-Vermischung)
bezeichnet.

3
M 6

5
4 4

5 5
2
1

1 Mischkammer
2 Rührer
3 Antriebsmotor
4 Rohstoffzuleitungen
5 Umschaltventile
6 Luft- und Lösungsmittel-
7 Spülleitung
7 Mischkammerauslauf
Bild 1: Prinzip eines Rührwerkmischkopfes für Niederdruckmaschinen

Der Vorteil der Niederdrucktechnik liegt in den vergleichsw eise geringen Investitions- und
Betriebskosten. Des Weiteren können kleinste M engen (bis 1 g) und auch Reaktionspartner,
die vergleichsw eise zähflüssig d.h. hochviskos sind, verarbeitet sow ie extreme Mischungs-
verhältnisse von bis zu 1:100 realisiert w erden. Nachteilig w irken sich jedoch die unumgäng-
liche Reinigung, die zum Beispiel eine Verarbeitung von hochreaktiven Systemen verhindern.

Hochdruckvermischung
Getrieben durch die Nachteile der ND-Vermischung sow ie die steigenden Produktionsstückzah-
len und die Entw icklung immer schnellerer PUR-Systeme w urde in den 60er Jahren eine neue
Vermischungstechnik entw ickelt. Diese beruht auf dem Gegen strominjektionsprinzip oder der
Parallelstrominjektion und nutzt die Mischwirkung turbulenter Strömungen. Im Gegensatz
zum ND-Verfahren w erden die Komponenten bei dieser Art der Vermischung von den Pumpen
nicht nur dosiert, sondern zusätzlich auf ein hohes Druckniveau von 100 bis 300 bar gefördert.
Als Pendant zum Niederdruckverfahren wird diese Vermischungstechnik daher als Hochdruck-
verfahren (HD-Vermischung) bezeichnet.
Die Funktionsw eise und technische Umsetzung w ährend der Kreislauf- und Schussphase ist in
Bild 2 am Beispiel eines hydraulisch gesteuerten Nadeldüsen-Mischkopfes dargestellt. Während
des Schusses w ird die hohe Druckenergie der Komponenten in den kleinen Düsen (Düsen-
querschnitte von 0,4 bis 6 mm je nach Austragsleistung) der vergleichsweise kleinen Misch-
kammer in hohe kinetische Energie umgew andelt. Durch die auf diese Weise realisierten
hohen Strömungsgeschwindigkeiten von 100 bis 150 m/s prallen die Komponenten in kür-
zester Entfernung direkt aufeinander und w erden intensiv miteinander vermischt. Der Druck in
der Mischkammer beträgt dabei maximal ca. 15 bar.

Mischen Reinigen/Kreislauf
1 Injektionsdüsen
2 Mischkammer
3 Drosselschieber
4 Auslaufrohr
5 Reinigungskolben
6 Einstellschrauben
Injektionsdüsen/
5
Drosselschieber

A B
6
6

2 2
1
1 6

3
4 Ölzuführung 4
Komponentenströme

Bild 2: HD-Vermischung am Beispiel eines hydraulisch gesteuerten Nadeldüsen-Mischkopfes


(Bauart: Hennecke)

Eine Besonderheit der Hochdrucktechnik, die z.B. eine direkte Anbindung des Mischorgans an
das Werkzeug ermöglicht, besteht in der selbstreinigenden Ausführung der hier eingesetzten
Mischköpfe (Bild 2). Am Schussende w ird das Restgemisch durch einen Kolben, den soge-
nannten Reinigungsstößel, aus der Mischkammer ausgestoßen. Nach Ablauf einer hinreichen-
den Reaktionszeit, die eine nachträgliche Verschmutzung der Mischkammer verhindert, fährt der
Kolben zurück und gibt die Mischkammer für den nächsten Schuss frei. Auch ein taktw eises
Reinigen w ird praktiziert. Zudem w erden mit dieser Vermischungstechnik höch ste Ansprüche
an die Vermischungsqualität erfüllt, und auch hochreaktive PUR-System lassen sich ver-
arbeiten.

Kombination aus Hoch- und Niederdrucktechnik


In Sonderfällen w ird bei der PUR-Verarbeitung auch auf eine Kombination aus Hoch- und
Niederdrucktechnik zurückgegriffen. Dies ist vor allem bei der kontinuierlichen Herstellung von
Blockw eichschäumen der Fall. Auf diese Art der Vermischung w ird im Rahmen der detaillierten
Beschreibung solcher Blockschaumanlagen in Teil 5 dieser Abhandlung gesondert eingegan-
gen.

Dosiertechnik
Hinsichtlich der Dosiertechnik w erden Hochdruckreaktionsgießmaschinen im Allgemeinen
Axialkolbenpumpen eingesetzt. Darüber hinaus finden in Sonderfällen auch noch spezielle
Bauformen von Reihenkolbenpumpen Anwendung. In beiden Fällen erfolgt der Antrieb über
Elektromotoren. Verfügt die Dosier maschine dabei zusätzlich über eine Drehzahlregelung,
können die Austragsleistungen von Schuss zu Schuss in w eiten Grenzen variiert w erden. Sind
füllstoffhaltige PUR-Systeme zu verarbeiten, w erden Verdrängerkolben- bzw. Tauch-
kolbenpumpen (sogenannte Plungerkolbe) herangezogen, um abrasivem Verschleiß der
Maschine vorzubeugen. Dabei sind heute sow ohl Einzelplunger (je Komponente) mit begrenz-
ten Hub- und somit Schussvolumen als auch Doppelplunger für eine kontinuierliche Material-
förderung verfügbar sind. Auch Kombinationen aus Plungerdosierung für die gefüllte Kompo-
nente und konventionellen Axialkolbenpumpen für die ungefüllte Komponente sind im Einsatz.
Hinsichtlich der Antriebstechnik w erden bei der Plungerdosierung sow ohl elektrische Spindel-
antriebe sow ie hydraulische Antriebe mit Proportionalventilsteuerung oder mit Linearverstärker
verwendet. Bei Niederdruckmaschinen kommen hingegen primär Zahnradpumpen zum Ein-
satz. Bei abrasiven Füllstoffen kommen diese in gepanzerter Ausführung zum Einsatz. Der An-
trieb erfolgt hier über Elektromotoren.