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Leopold Ziegler

deutscher Philosoph

Leopold Ziegler (* 30. April 1881 in


Karlsruhe; † 25. November 1958 in
Überlingen) war ein deutscher Philosoph.
Leopold Ziegler, um 1905

Leben
Leopold Ziegler wuchs in Karlsruhe auf.
An der Technischen Hochschule
Karlsruhe besuchte er bereits als
Oberrealschüler Vorlesungen über
Eduard von Hartmanns Philosophie bei
Arthur Drews. Im Jahre 1900 machte
Ziegler sein Abitur und zwei Jahre später
1902 ließ er sich im Fach Philosophie an
der Universität Heidelberg
immatrikulieren. Im gleichen Jahr
veröffentlichte er seine erste
philosophische Schrift Metaphysik des
Tragischen. Es folgte 1903 das Werk Das
Wesen der Kultur.
Aufgrund seiner von den in Heidelberg
lehrenden Philosophen Kuno Fischer und
insbesondere Wilhelm Windelband
abweichenden Ansichten entschloss sich
Ziegler dazu, an die Universität Jena zu
wechseln. Dort wurde er 1905 mit dem
Thema Der abendländische Rationalismus
und der Eros bei Rudolf Eucken und Ernst
Haeckel promoviert. Ziegler erkrankte
1907 schwer an Hüfttuberkulose. Schon
zuvor war sein Plan, sich an der
Universität Freiburg im Breisgau zu
habilitieren, an der Ablehnung der
dortigen philosophischen Fakultät,
insbesondere Heinrich Rickerts,
gescheitert.
Fortan lebte Ziegler als freier
Schriftsteller in ungesicherten
materiellen Verhältnissen. Ende 1918
siedelte er zusammen mit seiner Frau
Johanna Ziegler (geb. Keim) in die Nähe
von Lindau am Bodensee um; 1925
bezog das Ehepaar mit der Hilfe eines
Mäzens ein Haus in Überlingen, wo
Ziegler bis zu seinem Tod im Jahr 1958
lebte und arbeitete.

Werk und Wirkung


Zieglers wohl bekanntestes Werk ist
Gestaltwandel der Götter (1920). Es
handelt sich um eine Geschichte der
Gottesidee in Europa, die sich in der
Anlage mit anderen kulturhistorischen
Werken der Zeit wie Hermann
Keyserlings Reisetagebuch eines
Philosophen und Oswald Spenglers Der
Untergang des Abendlandes vergleichen
lässt. Anders als Spengler sah Ziegler
jedoch die Religion als unaufhebbare
Grundlage einer jeden Kultur an. Er neigte
dabei einer symbolischen Interpretation
zu, die die Religionen als Schöpfungen
eines „Allgemeinen Menschen“
entschlüsselte, dessen Figur es
wiederzuentdecken gelte. Für diese
Konzeption wurde ihm Goethe ebenso
wichtig wie das Werk des französischen
Esoterikers und Religionsphilosophen
René Guénon. Die Lehren und Symbole
sämtlicher, nicht allein der großen
Weltreligionen fanden sein Interesse, wie
besonders sein u. a. von Hermann Hesse
geschätztes Buch Überlieferung (1936)
zeigt. Als Magnum opus ist das
zweibändige Werk Menschwerdung
anzusprechen, das 1944 fertiggestellt
wurde. Es handelt sich um eine
Auslegung der sieben Bitten des
Vaterunser, die Zieglers dezidiert
christlich ausgerichtetes Spätwerk
einleitet.

Bedeutung erlangt hat Ziegler auch als


konservativer politischer Schriftsteller im
Umkreis von Edgar Julius Jung und Franz
von Papen. Mit seinen Büchern Das
heilige Reich der Deutschen (1925) und
Der europäische Geist (1929) hat er auf
die Konservative Revolution eingewirkt,
vor allem auf Ernst Jünger und Friedrich
Georg Jünger. Sie haben Zieglers Werk
viele Anregungen entnommen und
begegneten ihm auch persönlich.
Thomas Assheuer bemerkte 2017 in Die
Zeit, dass der Sloterdijk-Schüler Marc
Jongen in der Denkschule der
Konservativen Revolution im Sinn
Zieglers zu Hause ist und dessen
„Lösungen“ immer wieder vorträgt.[1]

Ziegler verkündete zunächst ein „neues


Mittelalter“ und wollte die sinnstiftenden
Energien der Religionen, allen voran des
Buddhismus als eine atheistische
Religion, auf ein künftiges „deutsches
Reich“ lenken. Später schwor Ziegler, der
Pazifist war, jener Idee, die er vor allem in
seiner Frühschrift Der ewige Buddho
(1922) dargelegt hatte, ab und kehrte mit
seinem Werk Menschwerdung (1948), in
dem er sich ausführlich mit dem
Philosophen Søren Kierkegaard, dem
Mystiker und Theosophen Jakob Böhme,
sowie dem Philosophen Franz von
Baader auseinandersetzt, zu seinen
christlichen Wurzeln zurück.[2]

Auszeichnungen
1929 Goethepreis der Stadt Frankfurt
1951 Ehrendoktor der Theologie der
Philipps-Universität Marburg
1951 Verleihung des Titels eines
Professors der Universität Freiburg i.
Br. durch die Landesregierung
1956 Großes Verdienstkreuz des
Verdienstordens der Bundesrepublik
Deutschland
1956 Bodensee-Literaturpreis der
Stadt Überlingen
1956 Ehrengabe des Kulturkreises der
deutschen Wirtschaft.[3]

Schriften
Metaphysik des Tragischen. Eine
philosophische Studie. Leipzig 1902.
Das Wesen der Kultur. Leipzig 1903.
Der abendländische Rationalismus und
der Eros. Dissertation. Universität Jena
1905.
Das Grundproblem des nachkantischen
Rationalismus: mit besonderer
Berücksichtigung Hegels, 1905
Das Weltbild Hartmanns. Eine
Beurteilung. Leipzig 1910.
Florentinische Introduktion. Zu einer
Philosophie der Architektur und der
bildenden Künste. Leipzig 1912
Der deutsche Mensch. Berlin 1915
Volk, Staat und Persönlichkeit, 1917
Gestaltwandel der Götter. Berlin 1920
Der ewige Buddho. Ein
Tempelschriftwerk in vier
Unterweisungen. Darmstadt 1922
Das Heilige Reich der Deutschen.
Darmstadt 1925
Zwischen Mensch und Wirtschaft,
1927
Magna Charta einer Schule. Darmstadt
1928
Der europäische Geist. Darmstadt 1929
Überlieferung. Leipzig 1936
Apollons letzte Epiphanie. Leipzig 1937
Menschwerdung. Olten 1948
Von Platons Staatheit zum christlichen
Staat. Olten 1948
Goethe in unserer Not, 1949
Die neue Wissenschaft. Universitas
aeterna. München 1951
Spätlese eigener Hand. München 1953
Edgar Julius Jung. Denkmal und
Vermächtnis. Wien 1955
(Stifterbibliothek 61)
Das Lehrgespräch vom Allgemeinen
Menschen. Hamburg 1956
Briefwechsel Reinhold Schneider –
Leopold Ziegler. 1960
Dreiflügelbild, 1961
Leopold Ziegler. Briefe 1901–1958.
1963
Hansgeorg Schmidt-Bergmann: Georg
von Lukács' Heidelberger Ästhetik. Auf
dem Weg zur „Theorie des Romans“.
Briefwechsel Leopold Ziegler und Georg
von Lukács. Literarische Gesellschaft
Oberrhein. Braun, Karlsruhe 2010 ISBN
978-3-7650-8572-7

Literatur (Auswahl)
Dietmar Kamper: Die Anthropologie
Leopold Zieglers. Diss. phil. Universität
München, 7. Juli 1964, DNB
482402407
Martha Schneider-Fassbaender:
Leopold Ziegler. Leben und Werk.
Neske, Pfullingen 1978, ISBN 3-7885-
0099-9
Ernst Benz, Sophie Latour, Hans Mislin,
Erwin Stein: Denker des erinnernden
Urwissens. Deuter des Weltsinnes. Weg-
Weiser in die Zukunft (= Sokratische
Weisheit, 2). Aurum, Freiburg im
Breisgau 1981, ISBN 3-591-08162-0
Andreas Cser: Ziegler, Leopold (=
Badische Biographien. N.F., 2).
Kohlhammer, Stuttgart 1987, ISBN 3-
17-009217-0 S. 319–322 (leo-bw.de )
Manfred Bosch: „Ältestes mit Treue
bewahren …“. Der Kulturphilosoph
Leopold Ziegler in Überlingen. In ders.:
Bohème am Bodensee. Literarisches
Leben am See von 1900 bis 1950. 2.
Auflage. Libelle, Lengwil 1997, ISBN 3-
909081-75-4 S. 156–164
Wolfdietrich von Kloeden: Ziegler,
Leopold. In: Biographisch-
Bibliographisches Kirchenlexikon
(BBKL). Band 14, Bautz, Herzberg
1998, ISBN 3-88309-073-5, Sp. 462–
471. 1998
Paulus Wall (Hrsg.): Leopold Ziegler.
Weltzerfall und Menschwerdung.
Königshausen & Neumann, Würzburg
2001, ISBN 3-8260-2119-3
2009: Paulus Wall (Hrsg.): Mythos –
Logos – Integrale Tradition. Beiträge
zum Werk Leopold Zieglers aus Anlaß
seines 50. Todestages. Königshausen
& Neumann, Würzburg, ISBN 978-3-
8260-3940-9
Timo Kölling: Leopold Ziegler. Eine
Schlüsselfigur im Umkreis des Denkens
von Ernst Jünger und Friedrich Georg
Jünger. Königshausen & Neumann,
Würzburg 2009, ISBN 978-3-8260-
3935-5
Marc Jongen: Nichtvergessenheit.
Tradition und Wahrheit im
transhistorischen Äon. Umrisse einer
hermetischen Gegenwartsdeutung im
Anschluss an zentrale Motive bei
Leopold Ziegler und Peter Sloterdijk.
Diss. phil., Hochschule für Gestaltung,
Karlsruhe 2009
Timo Kölling: Leopold Ziegler,
Philosoph der letzten Dinge. Eine
Werkgeschichte 1901–1958.
Königshausen & Neumann, Würzburg
2017, ISBN 978-3-8260-6111-0

Weblinks
Commons: Leopold Ziegler –
Sammlung von Bildern, Videos und
Audiodateien
Literatur von und über Leopold Ziegler
im Katalog der Deutschen
Nationalbibliothek
Nachlass Leopold Zieglers in der
Badischen Landesbibliothek
Nachlassbibliothek Leopold Ziegler
auf der Webseite der Badischen
Landesbibliothek
Leopold-Ziegler-Stiftung
Religion zweiter Ordnung , von
Marc Jongen, zu Gestaltwandel
der Götter, zuerst Sinn und Form
54, H. 4, 2002, S. 474ff.
Nichtvergessenheit. Aus der
Einleitung in das Theorieprojekt
von Marc Jongen. In seinem
Lexikonartikel Zieglers Hauptwerk
„Überlieferung“, 1936, schreibt
Dietmar Kamper ... (Weiterleitung
zur .pdf-Datei)[4]
Vorwort zur Neu-Auflage von
"Gestaltwandel der Götter", von
Marc Jongen[5]
Zeitschrift für Ganzheitsforschung

Einzelnachweise
1. Assheuer: AfD: Aufräumen im
Miststall der Demokratie. In: Die
Zeit, Nr. 40/2017
2. Schneider: Zu Leopold Zieglers
„Menschwerdung“. Leopold-Ziegler-
Stiftung
3. 1953–1989 Förderpreise,
Ehrengaben (PDF) (Seite nicht mehr
abrufbar, Suche in Webarchiven ) 
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gemäß Anleitung und entferne dann
diesen Hinweis. kulturkreis.eu;
abgerufen am 1. April 2015
4. zu Kamper s. o. Dissertation
5. Es gibt zahlreiche weitere Jongen-
Texten bei der Stiftung

Normdaten (Person): GND:
118636782 | LCCN: nr2001040700
| VIAF: 51913393 |
Personendaten
NAME Ziegler, Leopold
deutscher
KURZBESCHREIBUNG
Philosoph
GEBURTSDATUM 30. April 1881
GEBURTSORT Karlsruhe
25. November
STERBEDATUM
1958
STERBEORT Überlingen

Abgerufen von
„https://de.wikipedia.org/w/index.php?
title=Leopold_Ziegler&oldid=205915374“

Zuletzt bearbeitet vor 9 Tagen von NidabaM


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