Sie sind auf Seite 1von 11

Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 1

Valentin Hammerschmidt

Architekturgeschichte im Architekturstudium - für einen Kanon der


Architekturgeschichte

Vortrag anlässlich der Arbeitstagung des Arbeitskreises Theorie und Lehre der Denk-
malpflege e. V., Mainz, 2. bis 5. Oktober 2003

Wenn man so oft von Geschichtszeugnissen und so viel selbstverständlich, sich mit alten Bauwerken zu befas-
von der Geschichtlichkeit der Architektur redet, mag es sen, um neue Architektur zu entwerfen. So wird Archi-
redundant erscheinen, auch noch das Einzelfach tektur- oder Baugeschichte manchmal als ein etwas lu-
«Architekturgeschichte» (oder «Baugeschichte», wie es xuriöses Nebenfach gesehen, das man vom Kern des
traditionell heißt) zu betrachten. Selbstverständlich- Studiums fernhält – auch wenn man, entsprechend der
keiten zu erörtern, heißt vielleicht, offene Türen ein- Marktlage, sich der Denkmalpflege oder dem «Bauen
zurennen; aber für mich, der ich mich in erster Linie als im Bestand» zuwendet und allmählich einen prakti-
Architekturhistoriker sehe, ist es eine Art von Selbst- schen Nutzen historischer Studien anzunehmen
vergewisserung. scheint.
Wenn wir unsere Studienordnungen modularisieren An nicht wenigen Fachhochschulen wird «Bauge-
und einer Evaluierung unterwerfen müssen, kann es schichte» von einem Entwurfs- oder Städtebauprofes-
darüber hinaus notwendig werden, für uns Selbstver- sor mitgetragen, oder ganz über Lehraufträge abgehan-
ständliches zu begründen und die Ziele der einzelnen delt; wo Bauhistoriker tätig sind, müssen sie oft
Fächer genau zu beschreiben. umgekehrt außerhalb ihres Gebietes tätig werden. An
der «Bauhaus-Universität» Weimar schließlich wird der
I. Einleitung: Zur Bedeutung des Faches Lehrstuhl für Baugeschichte nur mit Gastprofessoren
besetzt.
I.1. Architekturgeschichte – für wen und wozu?
Der Rahmen für Forschung, gar zum forschenden
Zunächst ist eine Banalität zu konstatieren: Es ist Lernen, zur Einheit von Lehre und Forschung, ist beson-
durchaus nicht gleichgültig, für wen das Fach ange- ders an Fachhochschulen beschränkt und meist nur im
boten wird, ob für Studenten der Kunstgeschichte, der Zusammenhang mit Bauaufnahmen oder denkmalpfle-
Denkmalpflege oder der Architektur. gerischen Projekten gegeben.
Bei Kunsthistorikern wird man Architektur wohl als Der Nutzen der Architekturgeschichte für die Archi-
Teilbereich einer umfassenden «Kunst» betrachten und tektenausbildung ist nicht leicht zu beschreiben, und –
untersuchen; und die kursorische Darstellung, mit der nach meiner persönlichen Erfahrung – selbst unter Ver-
eine scheinbar fest umrissene «Baugeschichte» in den tretern des Faches umstritten. Darüber wird aber nicht
Architekturstudiengängen zumeist dargestellt wird, gern gesprochen.
mag ein Student der Kunstgeschichte anfänglich sehr Nach dem Ende des Historismus, in dem die Archi-
bequem, bald aber ganz unzureichend und oberfläch- tekturgeschichte direkte Vorlagen für die Praxis lieferte,
lich finden. Für Kunsthistoriker ist die historische Er- kann ein Nutzen nur noch indirekt beschrieben werden:
kenntnis, unter dem Begriff «Kunstwissenschaft», viel- in der Schulung des Blicks und in der Sensibilisierung
leicht auch ihre Abstrahierung zu allgemeinen, des Vorstellungs- und Urteilsvermögens. Dies ge-
«überhistorischen» Aussagen das Ziel des Studiums. schieht durch Abstrahierung, ganz in der Tradition der
Man könnte sagen: Hier wird vor allem zweckfreie klassischen Moderne und damit durch das Herauslösen
Grundlagenforschung betrieben, zum Nutzen der Allge- aus dem engeren historischen Kontext. Ein weiterer
meinheit. Nutzen von Architekturgeschichte liegt im Verständnis
An Architekturfakultäten hingegen ist es nicht a priori der historischen Dimension von Architektur, z. B. se-
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 2

mantischer Angemessenheit, wenngleich dies in einem chen) Bedeutung definiert, erweist sich dieses Argu-
gewissen Gegensatz zu Entwurfsmaximen steht, die in ment als Zirkelschluss. -
der Tradition der Avantgarden zuerst Konventionen in Zielte eine klassische Begründung der Architektur-
Frage stellen. geschichte auf die Verbesserung des Geschmacks, des
Die Absichten und Ziele der Architekturgeschichte ästhetischen Urteilsvermögens, so ist dieses der mo-
können sehr unterschiedlich sein. Einerseits: die Bestä- dernen Denkmalpflege beinahe suspekt: Ihr geht es um
tigung der Gegenwart als Erfüllung der Geschichte in die Fähigkeit zu einer objektiven historischen Einord-
der klassischen Moderne, v. a. durch Rückführung der nung und zu einer Untersuchung der materiellen Sub-
Architektur auf «grundlegende Prinzipien»: so bei Piero stanz, der Konstruktion, der Materialien etc. von histori-
Luigi Nervi, der die Konstruktion als Heilungskraft der schen Bauten. Insofern sind die Ziele der
Gegenwart beschwört. Henry-Russell Hitchcock sah
1 Architekturgeschichte in den drei genannten Studien-
den Nutzen der Geschichte darin, dass sie zur gleichen gängen durchaus nicht gleich. Bezogen auf ein Fach,
Originalität wie bei den historischen Größen anspornt. das nicht handlungsorientiert sein will, sondern eher
Allgemein scheint anerkannt zu sein, dass die Kenntnis Grundwissen vermittelt, mag diese Unterscheidung
der Geschichte zur Erkenntnis der Bedingtheit von Ar- spitzfindig wirken. Aber bei einer output-orientierten
chitektur beiträgt. Mies van der Rohes Diktum, man Definition von Studieninhalten, bei der Festlegung von
müsse die Geschichte der Architektur kennen, um sie Modulen etwa, kann eine klare Bestimmung notwendig
nicht zu wiederholen, reduzierte Peter Eisenman auf die werden.
Prozesse des Gestaltwandels: Architekturgeschichte Ich rede hier vom Fach Architektur-/Baugeschichte
als Abfolge von «Revolutionen» schien ihm Rezept und in der grundständigen Architektenausbildung; die Frage
Rechtfertigung für seine Entwurfslehre der beständigen nach Studiengängen «Denkmalpflege» (Aufbau- oder
Grenzüberschreitung zu geben. Master-Studiengang) kann vielleicht in der anschließen-
Auf der Gegenseite (und gar nicht selten) wurde Ar- den Diskussion angesprochen werden. Dass grund-
chitekturgeschichte als Kritik der Moderne vor der Ge- ständige Studiengänge der Kunstgeschichte bei den
schichte dienstbar gemacht: ein fester Hintergrund aller Referaten dieser Tagung nicht vertreten sind, ist bedau-
anti-modernen Argumente des 20. Jahrhunderts, deren erlich. Hier würde sich die Diskussion sicher aufs Inte-
bekannteste Namen wohl Hans Sedlmayr, Hans Koepf ressanteste ausweiten.
und neuerdings auch Fritz Neumeyer sind.2
I.2. Status und Umfang des Faches
Erst ganz zaghaft taucht wieder die Erwartung auf,
dass die Architekturgeschichte das Rüstzeug für jenes Die Unsicherheit über Ziele und Grundlegung des
historisierende Entwerfen liefert, das wir vom Stand- Faches schlägt sich in den Studienordnungen ebenso
punkt der Denkmalpflege zumeist ablehnen, das aber nieder wie in der Art der Darstellung. In einem jüngst er-
langsam um sich greift. schienenen Artikel hat der in Providence lehrende
Oder ist die Architekturgeschichte nur Material für Dietrich Neumann beträchtliche Unterschiede zwischen
die Denkmalpflege? den einzelnen deutschsprachigen Architekturfakultäten
So sagte mir einer meiner früheren Professoren: Sei- ausgemacht.3 Während etwa die ETH Zürich über-
ner Meinung nach sei Baugeschichte ausschließlich als durchschnittlich viel Architekturgeschichte, -theorie
Propädeutik für denkmalpflegerische Fragen legitimier- und Denkmalpflege im Curriculum habe, konzentriere
bar - was auch seine Vorlesungen bestimmt hatte. Und sich z. B. die TU Wien ganz auf die Gegenwart. Zumeist
ich erinnere mich an einen Berufungsvortrag, in dem die ist die Architekturgeschichte bei den Grundlagenfä-
Kollegin über eine zu sanierende Kleinstadt referierte chern in den unteren Semestern angesiedelt und gibt
und sorgfältig die Bürgerhäuser beschrieb. Als ich sie einen kursorischen, sich jährlich wiederholenden Über-
nach der Bedeutung der großen Hallenkirche in der blick über die gesamte Geschichte der europäischen
Stadtmitte fragte, kam die unwirsche Antwort: «Ach, Architektur (mit unterschiedlichen Schwerpunkten) – er
das Architekten-Hobby.» nennt Dresden und Zürich; Stuttgart und Kaiserslautern
Da aber die Denkmalpflege ihr «Material» aus der füge ich aus eigener Kenntnis hinzu. Vermutlich gilt es
historischen (zumeist aus der architekturgeschichtli- für die meisten Architekturstudiengänge.
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 3

Anders, wie er schreibt, sei es z. B. in München und lin, 1763 Dresden etc.) und schloss eine «Kritische
Karlsruhe – wo man der akademischen Tradition folge, Geschichte der Baukunst» ein. Vorbildliche Bauten
wechselnde Einzelthemen als Exempla zu vertiefen. wurden studiert, um darin die Regeln der Architek-
«This can mean, however, that an architecture student tur zu erkennen.
receives his or her diploma without ever hearing lec- - Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann die
tures about Frank Lloyd Wright or Le Corbusier.» deutsche archäologische Tradition mit den Ausgra-
Wie schwer es sein kann, einem Außenstehenden bungen in Griechenland und Kleinasien. Sie war
den praktischen Nutzen des Faches nahe zu bringen, von Architekten bestimmt und ist bis heute an den
zeigte eine Empfehlung der Hochschulrektorenkonfe- Architekturfakultäten von großem Einfluss.
renz (HRK) (um 1990) zur Verkürzung der Studienzeiten - Aus der Sammlung «vorbildlicher Bauten» entwi-
in Mathematik und Architektur, nach der die gesamte ckelte der Historismus die Stilgeschichte, geordnet
Beschäftigung mit Geschichte und Denkmalpflege in um die Zentren «Antike» und «Gotik»: bis anfang
den fakultativen Bereich des Hauptstudiums verscho- der 1920er Jahre gruppierten sich die Curricula um
ben werden solle. Mindestens ein Studiengang – in Sie- die Lehre der klassischen oder mittelalterlichen
gen – ist dieser Empfehlung auch gefolgt, so dass man Konstruktionen als den zentralen Entwurfsfächern.
dort sogar Diplom machen kann, ohne überhaupt etwas Lieferte die Geschichte das Entwurfsmaterial für
über Architekturgeschichte, Bauaufnahme oder Denk- die Gegenwart, so erfolgte die Erforschung histori-
malpflege gehört zu haben. Damit wäre freilich die euro- scher Architektur durch Architekten; sie setzten die
paweite Anerkennung eines solchen Diploms in Frage Zeichnung neben das Wort der Allgemein- und
gestellt, denn die EU-Architektenrichtlinie, die im Ge- Kunsthistoriker.
gensatz zur HRK- Empfehlung rechtlich bindend ist, for-
Die neue Wissenschaft der Kunstgeschichte, ein
dert u. a. eine «ausreichende» Beschäftigung mit dem
Kind des Historismus des 19. Jahrhunderts, stellte
kulturellen Erbe.
den großen Überblick her: Wilhelm Lübke veröf-
fentlichte 1855 die erste bebilderte Architekturge-
II. Die Geschichte des Faches in der Architek- schichte «von den Anfängen an» (die jetzt als wohl-
tenausbildung feiler Reprint vorliegt und von Studenten schon mal
für ein aktuelles Werk gehalten wird).
II.1. Kurzer Rückblick auf die Geschichte der Architek-
Die Kunstgeschichte suchte nach den Tiefenstruk-
turgeschichte in der Architektenausbildung4
turen hinter der historischen Oberfläche; das fatale
Das Studium historischer Bauten, das schon Vitruv mit Wort von den «Gesetzen» der (Bau-)Kunst wie der
besonderer Ausführlichkeit forderte, unterschied sich Geschichte kam inflationär in Umlauf. Die Suche
lange Zeit vom Studium der Geschichte: Überkommene nach «Entwicklungsgesetzen» löste die Stilge-
Bauten wurden nicht als vergangene rezipiert, sondern schichte vom einzelnen Gebäude und verselbstän-
als mehr oder weniger vollkommene Verwirklichungen digte sich: Formen, Konstruktionen und Stile wur-
einer Idee von Richtigkeit analysiert. den als Schritte in einer quasi-biologischen
(Man kann durchaus nicht sagen, dass das Studium Evolution definiert.
der Geschichte der Architektur immer zur Ausbildung - Anstelle der architekturtheoretischen trat die ge-
des Architekten gehört habe; denn Architekturge- staltpsychologische Erklärung der Formen. Archi-
schichte setzt ein Bewusstsein von Geschichte voraus, tekturgeschichte wurde – als Teil der Kunstge-
das sich von der Beschäftigung mit normativen Bauten, schichte – zu einer Schule des Sehens, zu einer
etwa der Antike, unterscheidet. Insofern markiert z. B. Einführung in die ihr zugrunde liegenden optischen
die Übertragung der Geschichte auf die Architektur «Gesetzlichkeiten».
[England, 18. Jahrhundert] die Scheide zwischen Nach- Unter diesem Einfluss formulierte Heinrich Wölfflin
und Neugotik.) seine Gegenposition: Die Autonomie des Ästhetischen
- Die wissenschaftliche Architektenausbildung in den macht das Kunstwerk zu einer kontingenten Materiali-
deutschsprachigen Ländern begann im 18. Jahr- sierung einer Entwicklung; Stilgeschichte rangiert vor
hundert in Kunst- oder Militärakademien (1706 Ber- dem Einzelkunstwerk. Das Ende des Historismus: Aus
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 4

der Schlacht der Stile wurde die gleiche Gültigkeit aller und den Städtebau der griechischen Antike erklärt
Epochen; durch die Geschichte verschwand das Ein- habe. In diesem Augenblick habe er ihm «die Augen
malige. geöffnet».
Die Menge angehäufter Fakten löste die Geschichts- Der letzte Leiter des bauhauses, Ludwig Mies van
metaphysik auf. Wissen wollen, «es wirklich war» (Ran- der Rohe, war nicht nur einer der Subtilsten, wenn es
ke) ist die Absicht des Geschichtspositivismus, seine darum ging, aus historischen Vorbildern (wieder: die
Hoffnung: die Zukunft aus der Vergangenheit zu extra- klassische Antike) moderne, zeit- und technikgemäße
polieren (voir pour prévoir). Das Unternehmen musste in Lösungen zu abstrahieren (Siehe z. B. die Säulen der
beiden Teilen scheitern. Die Architekturgeschichte ver- Nationalgalerie), er formulierte 1934 auch eine Begrün-
lor mit dem Ende des Historismus ihre direkte Anwend- dung für das Studium der Architekturgeschichte, die
barkeit; als Grundlagenforschung wird sie von Architek- heute aktuell ist wie je: Man muss die Geschichte ken-
ten nur noch in Form der Archäologie betrieben – sehr nen, um sie nicht zu wiederholen.
weit weg von der Zeit und dem Ort der aktuellen Aufga- Historizität von Architektur bedeutet eben auch,
ben der Architektur. Architekturgeschichte wurde, wie dass nicht alles immer möglich ist. Die Anerkennung
Dietrich Neumann formuliert, ein marginalisiertes und der Geschichtlichkeit ist Teil der entwerferischen Ethik
isoliertes (und, wäre zu ergänzen, fragmentiertes) Ein- der Moderne, denn der Ort der Architektur ist immer
zelfach in den Architekturfakultäten. «historisch»: (im Sinne Ruskins, im Sinne des europäi-
Als die Denkmalpflege sich – mit der Architektur – schen Geschichtsverständnisses: Jeder Ort in der Ge-
vom historisierenden Bauen löste, wurde auch sie zur schichte ist einmalig): das eben meine ich mit der Histo-
Sache der Kunsthistoriker. Mit Karl Lamprecht beginnt rizität der Architektur – und halte sie auch für den Grund
die Sozialgeschichte im Gewand der Kunstgeschichte. und die Voraussetzung von Denkmalpflege.
Aby Warburg löst die Kunstgeschichte auf in Kulturge- In der NS-Zeit wurden die Geschichtswissenschaf-
schichte: Das Kunstwerk wird aus seinem Kontext er- ten der Nazi-Ideologie untergeordnet und oft dienstbar
klärt. Stilgeschichte verliert an Bedeutung, dem Auge gemacht. Zahlreiche Hochschullehrer wurden entlas-
tritt das Gehirn zur Seite «Our eye sees as our mind sen; ihren Platz nahmen – gelegentlich unqualifizierte –
reads» (Edgar Wind). Wo der Existenz «weder Ursache, Parteigenossen ein. Dazu gehört die vollständige Aus-
noch Vernunft, noch Notwendigkeit» zugeschrieben treibung der Warburg-Schule.
werden kann (Sartre, L'Etre et le Néant), ist Geschichts-
schreibung nur noch als «Sinngebung des Sinnlosen» III.2. Die antiautoritäre Revolte: Kritik und Neu-
möglich. 5
Geschichtsschreibung bleibt Deutung, ist begründung:
Auswahl und Interpretation.
«1968» verlangten linke Studenten z. T. die Abschaffung
der Architekturgeschichte: linksradikales und kapi-
III. Die Krise(n) der Architekturgeschichte
talistisches Technokratentum trafen sich. Die Bauge-
schichte geriet in die Defensive. In der Kunstgeschichte
III.1. Funktionalismus und Geschichtsbewusstsein
wurden die «bürgerlichen» Interpretationsmuster einer
Der Funktionalismus erklärte, die Reihe der historischen massiven Kritik unterzogen. Oft war sie nur antiauto-
Stile sei zu Ende gekommen. Walter Gropius forderte, ritär; von lang andauernder wissenschaftstheoretischer
am bauhaus solle das Studium der Geschichte nicht als Wirkung ist die Ablehnung des Neuplatonismus der
Stilgeschichte betrieben werden, sondern zum aktiven Warburg-Schule. Die «Kritische Theorie» wurde gerade
Verständnis von Material, Technik, Konstruktion. bei linken Architekturstudenten nur widerwillig rezipiert6
Hannes Meyer schließlich postulierte: Bauen ist Biolo- und verflachte meist zu simplen «Entlarvungs»-Strate-
gie, Gestaltung von Lebensvorgängen. Hier galt nur das gien. Ich argwöhne manchmal, dass diese Ideologiekri-
«Hier und Jetzt» Ausbildung entzog sich der Ge- tik schließlich in einen neuen Positivismus mündete
schichte. Aber: Rudolf Hillebrecht, Stadtplaner von (manchmal als «materialistisch» missverstanden).
Hannover, erinnerte sich, dass Gropius ihn 1934 als jun- Aber die Neue Linke entwickelte auch neue Strate-
gen Architekten ins Pergamon-Museum geführt und gien der Architekturgeschichte: Manfredo Tafuri (PCI)
ihm an den Exponaten und Modellen die Architektur gründete im selben Jahr 1968 in Venedig das «Institut
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 5

für Architekturgeschichte», eine der Keimzellen des Zuerst der Rahmen.


postmodernen Diskurses. Peter Eisenman schloss sich Ich halte eine viersemestrige Vorlesung in Architek-
mit seinem Institut an Tafuri an; er entwickelt eine Theo- turgeschichte (mit zwei mündlichen Prüfungen). Die
rie, nach der die Architekturgeschichte aus einer Reihe Vorlesung ist die ineffizienteste Form der
von «Revolutionen», zumindest von Brüchen, besteht. Wissensvermittlung, aber die Geliebte des Cn-Wertes,
Er braucht die Geschichte, um seine Architektur als und außerdem will ich mir auch nicht die Gelegenheit
Bruch definieren zu können.7 nehmen lassen, meine Ansicht zusammenhängend vor-
Weniger intellektuell waren die Konsequenzen in den zutragen – zumal sie so in keinem Lehrbuch nachzule-
deutschen Hochschulen – entsprechend dem kommer- sen ist. Parallel dazu bringen im zweiten Semester
ziellen Pragmatismus der deutschen Architektur. Reak- Übungen in Bauaufnahme (verformungsgerechtes Auf-
tionen auf die Kritik der linken Studenten: Die Infrage- maß 1:50 oder größer) die konkrete Anschauung (auch
stellung von Kanon und Interpretationsmustern historischer Konstruktionen). Im Hauptstudium können
propagierte das Projektstudium, das «Learning by Denkmalpflege und Architekturtheorie belegt werden;
Doing». Zugleich bedeutet es die Fragmentierung: das nur in diesem Rahmen kann ich historische Fragen
Teil steht als Beispiel für das Ganze. Die Architekturge- noch einmal aufgreifen; eine Vertiefung in Architektur-
schichte in den Architekturfakultäten hatte schon vor- geschichte sieht unsere Studienordnung nicht vor aller-
her ihre interdisziplinären Kontakte (vor allem zu den dings beinhalten meine Vorlesungen in Gebäudekunde
Geisteswissenschaften) verloren und sich auf das be- auch die historische Entwicklung von Bauaufgaben und
schränkt, was Architekten von Haus aus können: Mes- -typen).
sen und Zeichnen.
Ziel der Vorlesung «Architekturgeschichte» ist der
Kann der Sinnfrage ausgewichen werden? Aus ei- Nutzen für das Studium der Architektur: Ich bin der
nem positivistischen Architekturverständnis, das jeden Überzeugung, dass zum Verständnis und zur Durchfüh-
«Kunst»-Anspruch mit Schauder oder Verlegenheit von rung von Entwurfsprozessen ein Wissen und Verstehen
sich weist (und mit dem ein ebensolches Verständnis nötig ist, das über die aktuellen Prozesse hinausgeht.
von Denkmalpflege korrespondiert, das sich vor allem Inhaltlich behandle ich die europäische Architekturge-
Ästhetischen oder gar «Gefühligen» fürchtet), ist keine schichte von den (außereuropäischen) Anfängen bis zur
der tradierten Sinngebungen von Architekturgeschichte Gegenwart. Nach meiner Faustregel, dass die Themen
erträglich. Während der Hegelsche Weltgeist in «mate- umso wichtiger werden, je näher sie an der Gegenwart
rialistischen» Zweckmäßigkeits- und Fortschrittskon- liegen,8 ist der Abschnitt «Antike», ehedem der ferne
zeptionen (Viollet-le-Duc und Choisy gelten weiterhin Urgrund und Höhepunkt aller Architektur, ziemlich
als methodisch akzeptabel) unerkannt nachwirkt, wer- knapp gefasst, aber dem 18. und 19. Jahrhundert wid-
den andere philosophische Konzepte, vor allem neupla- me ich ein ganzes Semester, dem 20. Jahrhundert
tonische Deutungen, heftig und oft mit ungeeigneten ebenfalls.
Mitteln «widerlegt». Gerade, dass noch sozialge-
Da die Vorlesungen mit dem Beginn des Studiums
schichtliche Erklärungsmuster aufgegriffen werden, an
einsetzen, konzentrieren sich die Veranstaltungen zu-
denen ebenfalls der Kunstanspruch und damit die über-
nächst als eine historische Einführung in die Architektur
lieferte Hierarchie der Denkmale abprallen: eine minoi-
auf elementare Fragen des Entwurfs und der Konstruk-
sche Wasserrinne ist dann prinzipiell genauso interes-
tion. Kunsthistorische Zusammenhänge kommen seit
sant wie die Kathedrale von Chartres oder Scharouns
der Behandlung der mittelalterlichen Architektur hinzu,
Philharmonie.
architekturtheoretische Fragen fließen ab der Darstel-
lung der Renaissance ein. Im dritten und vierten Semes-
IV. Mein Konzept für die Architekturgeschichte an ter werden zudem Verflechtungen mit der politischen,
der HTW Dresden sozialen und Technik-Geschichte ebenso wie geistes-
Nach dieser langen Einleitung will ich zum kurzen geschichtliche Themen eingebracht. Ich muss einräu-
Hauptteil kommen, und das Konzept für Architekturge- men, dass ich damit gelegentlich an den Rand dessen
schichte an der HTW Dresden vor- und zur Diskussion komme, was ich der Mehrheit der Studenten zumuten
stellen. kann. Bei einigen Themen (Landschaftsgarten, Arts &
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 6

Crafts-Bewegung) stoße ich auch auf Widerstände, die aber auch im Ausbildungsgang des Architekten zum Ar-
bis zur emotionalen Verweigerung gehen können (so chitekturhistoriker oder zum Denkmalpfleger ausge-
teilweise bei der Behandlung der Architektur der DDR – blendet ist.)
aus persönlicher Verunsicherung). Zu den Vorlesungen In meinen Vorlesungen habe ich mich für die Position
gebe ich Umdrucke oder Merkblätter heraus, weil ich Lübkes entschieden, da ich Architekten ausbilde, nicht
mit der vorhandenen Literatur unzufrieden bin.9 z. B. Sozialhistoriker. Das schlägt sich auch in meiner
Ist die Schwerpunktsetzung soweit auch unter den Entscheidung für die neuere Bezeichnung Architektur-
Zwängen des Zeit-Rahmens zu sehen, so scheinen mir geschichte statt Baugeschichte nieder – entsprechend
die beiden wesentlichen Fragen, die der Diskussion be- dem Satz von Nikolaus Pevsner: «Lincoln Cathedral is a
dürfen, folgende zu sein: work of art, a bicycle shed is a building».
- Nach welchen Kriterien wähle ich die Themen (d. h. Der Unterschied ist nicht nur die Frage nach der
vor allem die Bauten) aus, wie behandle ich sie, «Kunst», (ein Wort, das die meisten heutigen Architek-
was ist daran wichtig, also: was ist mein Kanon? ten scheuen), sondern vor allem nach der historischen
Und: Bedeutung. Wenn ein Fahrradschuppen die weitere Ar-
- Gibt es eine verallgemeinerbare Interpretationswei- chitekturentwicklung beeinflusst, muss auch er in der
se für Architektur? Vorlesung vorgestellt werden.
Europäisch:
V. Methodische und wissenschaftstheoretische Kostof ging noch weiter. Er wollte eine globale Uni-
Fragen versalgeschichte der Architektur schreiben,10 um so
Es ist durchaus umstritten, was den Gegenstand der den Eurozentrismus unseres Faches zu überwinden.
Architekturgeschichte ausmacht, und es wäre an- Aber was erhellt die Gleichzeitigkeit von Aachener
maßend, einen bestimmten Standpunkt als allein richti- Pfalzkapelle und Borobudur / von Chartres und Angkor
gen festlegen zu wollen. Ein sozialgeschichtlicher An- Vat? Wohl nichts, was die Architektur oder die Ge-
satz wird z. B. den Schwerpunkt auf die Entwicklung schichte betrifft. Auch Kostof kann damit keine Zusam-
von Grundriss- und Haustypen legen und nach dem menhänge herstellen, allenfalls Indizien für oder gegen
«Durchschnitt» suchen, eine technikgeschichtliche Be- ein Postulat allgemein-menschlicher, also außer-histori-
trachtungsweise nach Fortschritten bei Materialien und scher Strukturen sammeln.
Konstruktionen fragen usw. Meine Vorlesungen suchen Ich muss einräumen, dass ich für die Frage einer viel-
die Herkunft und Entfaltung der wichtigsten europäi- leicht entstehenden globalen Kultur kein Rezept habe,
schen Architektur-Ideen zu beschreiben. Dieser Satz nur grundsätzliche Skepsis. In globalem Maßstab kann
enthält gleich drei kritische Worte: europäisch, Architek- man in historischen Dimensionen eher die weitgehende
tur, Idee, die der Rechtfertigung bedürfen: Zusammenhanglosigkeit der großen historischen Zivili-
Architektur: sationen feststellen und mit der Tatsache verbinden,
Für Wilhelm Lübke war Architektur nur die Kunst des dass erst die Industriegesellschaft eine globale techni-
Bauens, während für Spiro Kostof oder Heinrich Klotz sche Kultur hervorgebracht und über die einzelnen
alles Gebaute wert ist, studiert zu werden: ein anthropo- Gesellschaften mit ihren weiterexistierenden Kulturen
logischer Ansatz, der durchaus bei Vitruv vor- und bei gelegt hat. Damit ist keine internationale Einheitsarchi-
Semper erstmals global durchgedacht ist. tektur ausgerufen; aber die Art, wie z. B. Tadao Ando
Was aber ließe sich mit Letzterem beweisen? Mir die Spannung zwischen regionaler Tradition und mo-
scheint das ein grundlegendes Nicht-Verstehen des- dernem Wissen behandelt, unterscheidet sich nicht
sen, was «Geschichte» eigentlich bedeutet: Auswahl ist grundsätzlich von der Art Louis Kahns oder Aldo Ros-
nicht nur ein Problem der Fülle und Menge des Stoffs, sis. Wenn in Zukunft die kulturellen Kontexte außereuro-
sondern ein Grundsatz jeder Geschichtsschreibung. päischer Arbeitsfelder berücksichtigt werden müssen,
Geschichte als «alles, was war» ist nicht nur eine logi- werden natürlich auch Einführungen in die Kultur außer-
sche Unmöglichkeit, sie wäre überdies uninteressant. europäischer Länder erforderlich werden. Aber man
(Historiographie, Methodik der Geschichtsschreibung sollte sie nicht mit einem vereinheitlichten Blick zusam-
ist ein Thema, das in der Ausbildung des Architekten, menpressen.
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 7

Ideen: den Nutzern, ihren Wünschen und ihren Möglichkeiten,


Wenn ich von «Architekturideen» spreche, so postu- nach Zweck und Absicht des Gebäudes fragen. Es
liere ich keineswegs präexistente Ideen (wie z. B. Wölff- muss nach den Voraussetzungen und den Vorstellun-
lins «Grundbegriffe»), die in der Architektur zum Aus- gen gefragt werden, die in seinem Umkreis im Schwan-
druck drängen. Vielmehr will ich damit die Tatsache ge waren, und danach, welche Alternativen bestanden
beschreiben, dass wichtige Bauwerke nicht nur Sub- hätten. Und man soll ruhig danach fragen, welche Be-
stanz haben, sondern auch eine Bedeutung in der Ge- deutung im Wertsystem seines historischen Kontextes
dankenwelt der Kultur, die sie hervorgebracht hat, und dem Bauwerk zugemessen wurde, auch wenn diese ei-
ebenso in der Kultur, die sie rezipiert. (Das können ver- ne Täuschung oder Selbsttäuschung beinhaltet, wie es
schiedene Bedeutungen sein.) Darin, nicht nur in der Bentmann/Müller in Bezug auf die Renaissance vorge-
Produktion oder der Nutzung durch eine größere Grup- führt haben.13
pe von Menschen, liegt der soziale Charakter von Archi- Deshalb sind auch die Verfahren der geistesgeschichtli-
tektur; und daraus ergibt sich überhaupt erst der Grund, cher Forschung – Aufschließen und Ausdeuten schriftli-
sich historisch mit ihr zu beschäftigen. Das bedeutet cher Quellen, Verarbeiten von Literatur, Bezüge zur
auch, dass nicht nur existierende Gebäude dargestellt Geistes- wie zur Sozial- und Technikgeschichte – anzu-
werden, sondern ebenso unrealisierte (z. B. der soge- wenden. Oft sind auch historische Architekturtheorie
nannten Revolutionsarchitektur oder der historischen und Entwurfslehren heranzuziehen und auf ihre Wirk-
Avantgarden), weil und soweit sie zum «imaginären Mu- samkeit zu überprüfen. Von daher bin ich skeptisch ge-
seum» der Architektur gehören, zumindest aber: weil genüber einer Trennung von Architekturgeschichte und
und soweit sie Einfluss auf nachfolgende Architektur Geschichte der Architekturtheorie. Und es ist gelegent-
hatten. 11 lich nach religiösen oder philosophischen Kontexten zu
fragen, wie es z. B. für den Landschaftsgarten in En-
Architektur lesen lernen?
gland gilt oder wie es Neumeyer in seiner Mies-van-der-
– Quellenarbeit: Man darf wohl annehmen, dass der
Rohe-Monographie hervorragend geleistet hat.
engste Kontakt zwischen Architekturhistoriographie
In diesem Sinne hat Eberhard Grunsky in einem
und Denkmalpflege sich da herstellt, wo das Bauwerk in
grundlegenden Aufsatz14 die dreistufige Interpretation
seiner Substanz die Quelle ist – die auch einer Quellen-
nach Panofsky als vorbildhaft beschrieben, um die
kritik, d. h. einer Untersuchung auf Veränderungen und
Denkmalerkenntnis als wichtigsten Punkt des Denkmal-
Verfälschungen, bedarf. Hier greift unsere beliebte Me-
schutzes zu begründen: erst durch die Entzifferung der
tapher vom Denkmal als gebauter Urkunde, und Denk-
Information wird das Objekt zum Denkmal. Die Bot-
malpfleger wie Bauforscher wären dann die Archivare.
schaft muss also mit den Mitteln und Methoden der Ge-
Wer aber ist der Geschichtsschreiber? Machen wir es
schichtswissenschaft bewusst gemacht werden. Das
uns nicht zu leicht, tappen wir nicht in eine selbstge-
bedeutet:
stellte Falle künstlicher Einfachheit, wenn wir mit ge-
spielter Naivität uns auf die Befundsicherung zurückzie- 1. Erfassung in der Substanz und Beschreibung auf-

hen und den gesamten Kontext, den historischen grund stilgeschichtlicher Einordnung,

Rahmen, den kulturellen Kontext, das semantische Feld 2. «Bedeutungssinn», vom Standpunkt der Entste-
und erst recht die Rezeptionsgeschichte – ausblenden? hungszeit (= ikonographisch),

1971, als die «Architectura» noch ein Diskussionsfo- 3. Gehalt des Werkes – aus historischer Distanz: der

rum sein wollte, erschien eine kleine Polemik von Geor- «Dokumentsinn», der aus dem Kunstwerk auf et-

ge Hersey, deren Titel «Against underinterpretation» was anderes verweist. Hier treffen sich die ver-

sich ironisch auf einen berühmten Essay Susan Son- schiedenen Disziplinen der Geschichtswissen-

tags bezog. Architekturgeschichte dürfe nicht beim Be- schaft.15


schreiben stehen bleiben und sie müsse sich auf die Ar- In der Anwendung auf die Architektur heißt das:
chitekturprozesse der Gegenwart beziehen, um sie zu a.) Befundsicherung an der Substanz:
beeinflussen. 12
Denn zu verstehen ist ein Bauwerk Zweck / Typus / Konstruktion / Bestand,
nicht aus sich selbst heraus. Um wirklich etwas von ihm b.) Bedeutung (Sprachcharakter): Anhand der zeitge-
zu verstehen, muss man auch nach den Bauherren und nössischen Architekturtheorie und des kulturellen
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 8

Umfeldes muss man Vokabular und Syntax ermit- Bauwerke (oder Entwürfe / Konzepte) Bezug nehmen,
teln, ergibt sich eine Auswahl: nach Wichtigkeit als Funktion
c.) Dokumentsinn (Denkmalcharakter): Architektur ist innerhalb dieser Zusammenhänge; eine andere Aus-
milieuverwurzelt und milieuschaffend: Insofern er- wahl wäre aus dem Blick (vermutlich heutiger) Architek-
schließe sich ihre Einbindung in historische Gege- tur: was lernt man daraus an genuin Architektoni-
benheiten relativ leicht. schem?
Hier werden Grenzen der Architektenausbildung er- Eine Zusammenstellung nach einer – wie immer defi-
kennbar: spätestens die dritte Stufe, die ikonologische nierten - «Wichtigkeit»: das könnte man einen «Kanon»
Interpretation des Bauwerks, ist nicht mehr mit den Mit- nennen.
teln der Architektur, also der klassischen Bauforschung, Exemplarisches Arbeiten:
zu leisten. Es müssen die historischen Disziplinen als Es muss wohl stärker als eine Gesamtübersicht auf
Hilfsmittel herangezogen werden – von der Arbeit an die Methoden zentriert sein, die an einzelnen Beispielen
Schriftquellen über die literarischen Quellen bis zur phi- entwickelt oder dargestellt werden, und bezieht die Stu-
losophischen Ästhetik, zur Strukturgeschichte oder zur denten in den Weg ein, der zur Erkenntnis führt.
Semiotik. In der Forschungsorientierung darf sich die «Forschendes Lehren»,
Architekturgeschichte deshalb nicht von den anderen Teilhabe der Studenten an der Suche nach neuer Er-
historischen Wissenschaften abkoppeln. Ich fürchte, kenntnis – das bedeutet in der Regel: – Archäologie
dass gerade dies manchmal passiert. möglichst entlegener Fundstellen, Untersuchung zu
Gebieten, die außerhalb der (ausgetretenen?) Pfade des
VI. Fragen der Darstellung Kanonischen liegen oder Bezug zu / Reflexion von aktu-
Die Darstellung – Auswahl von Beispielen, Aufbau einer ellen Architekturprozessen (wie von Hersey gefordert)?
Argumentation etc. – scheint vordergründig eine Frage Letzteres hieße, Geschichte nicht von «Anfängen» zu
der Didaktik, ist aber auch genuin eine der Geschichts- denken, sondern von den Fragen und Methoden der
schreibung: «Geschichte» ist eine Sache der Worte, ihre Gegenwart auszugehen.
Beschreibung ist immer auch die Suche nach der ange- Als spezielle Problemzone erweist sich das Projekt-
messenen Sprache. (Zuzeiten gab es schon mal Litera- studium, das in der Architektenausbildung besonders
tur-Nobelpreise für Historiker.) Und wenn auch Sinn- nahe liegt. Die didaktischen Nachteile der Vorlesung
Konstruktionen schon seit einem Jahrhundert in Frage sind durchaus einzuräumen; als Ergänzung zu einem
stehen, wenn eine französische Mode der 80er Jahre projektorientierten Entwurfs- und Konstruktionsstudium
des vergangenen Jahrhunderts ein Ende der «großen erscheinen sie aber unausweichlich; eine Integration
Erzählung» postulierte, so ist doch auch Derridas «Point der Geschichte in ein Projektstudium würde jedem Ge-
de folie - maintenant l'architecture»16 (1987) zuallererst danken an ein Übersichtswissen widersprechen.
ein Stück Literatur.
Die erste Entscheidung ist die Frage: Gesamtüber- VII. Notwendigkeit und Probleme des Kanons
sicht oder exemplarisches Lehren und Forschen? Jedes Konzept einer Gesamtübersicht wirft die Frage
Die Gesamtübersicht: nach einem festen Kernbestand an Fakten auf – nach
Einst die Königsform (als Erzählung auf ein Ziel der einem «Kanon» der Architekturgeschichte – «Kanon»,
Geschichte hin), heute vor allem von Studienanfängern ein wieder in Umlauf gebrachtes, fast vergessenes
gewünscht, aber von Lehrenden mit großen Skrupeln Wort, heißt: es geht nicht an, dass ein Architekt vom
belegt, ist die Gesamtübersicht naheliegend als Abfolge Speyrer Dom, von St.-Denis oder Balthasar Neumann
von chronologisch angeordneten Ereignissen - der nichts gehört hat – ganz zu schweigen von Frank Lloyd
Denkmale oder Stile (eine kausale Verknüpfung ist nur Wright und Le Corbusier. Wie wäre er zu begründen und
für Teilkomplexe möglich). Diachronische Gesamtdar- zu bestimmen?
stellungen haben sich bisher nicht durchsetzen können. Bedenken kommen auf bei diesem Wort, dem Inbe-
Aus dem Konzept, Geschichte als ein Feld von Zu- griff eines verengten Kulturbegriffs; es assoziiert eine
sammenhängen zu begreifen, in dem Bauwerke außer- Oberlehrerhaftigkeit, die sich bereits in der Ewigkeit ih-
architektonischen Zielen dienen, aber auch auf andere rer Werte und Vorstellungen wähnt. Die Erinnerung an
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 9

die Liste der mustergültigen Entwürfe des klassischen und versuche, es jeweils auf seine Einzigartigkeit hin zu
Erbes durch das Institut für Geschichte und Theorie an befragen. Das heißt auch, dass die «Methode» aus dem
der Deutschen Bauakademie zu Anfang der 50er Jahre, Denkmal entwickelt werden müsste - das Problem des
auf dem Höhepunkt der Formalismus-Kampagne, ist hermeneutischen Zirkels birgt auch die Chance, dog-
auch nicht geeignet, diese Bedenken zu zerstreuen. matischen Methodenzwängen zu entkommen.
Indes geben einige universitäre Institute (Braun- Für die Gesamtübersicht: Aus mehreren Gründen
schweig, TU Dresden) zur Prüfungsvorbereitung Listen plädiere ich für die Gesamtübersicht, und gegen das
heraus mit jenen Bauwerken, die «gewusst» werden Exemplarische – sogar bei den Prüfungen; und bringe
müssen. Soweit will ich bisher nicht gehen, denn eine selbst: die gesamte Abfolge der europäischen Architek-
solche Liste hat etwas Endgültiges. Ich will hingegen turgeschichte über alle Epochen – als europäische,
auch ein Gefühl dafür vermitteln, dass Geschichte nie nicht nur deutsche Geschichte, auch mit manchmal un-
abgeschlossen ist, sondern immer neu befragt werden terdrückten Themen, wie italienischer Gotik oder Archi-
muss, wenn sie lebendig bleiben soll, und dass Neues tektur der Gründerzeit, orientiert an den bedeutendsten
entdeckt werden kann. Bauten, weil sie den höchsten Reichtum (auch an Bezü-
Auch sorge ich, dass bei einer solchen Liste die Zu- gen) darstellen. (Trotz der Gefahr, die ich «die Falle des
sammenhänge und Hintergründe verschwinden. Zu- Historismus» nennen möchte: sich nur an den High-
mindest wollte ich eine solche Liste auch um einige lights zu orientieren, der «Nivellierung nach oben»
Themen der historischen Architekturtheorie wie der all- [Sedlmayr]).
gemeinen Geschichtskenntnisse ergänzen. Zwei Gründe führe ich für die Forderung nach einer
(Doch hat die Idee einer solchen Liste durchaus et- Übersicht an (die ja nie eine totale, eine «Gesamt»-
was Faszinierendes: Vielleicht könnte man sogar im Übersicht sein, aber diese Gesamtheit repräsentieren
Vergleich der jeweiligen Listen ganz schnell die zustän- muss):
digen Professuren bewerten.) 1. Der geringe Stand der Allgemeinbildung, und be-
sonders an historischem Wissen, den ein beträchtlicher
Noch einmal: kam man lernen, Architektur zu Teil unserer Studenten mitbringt, macht es erforderlich,
«lesen»? erst einmal zu zeigen, worum es überhaupt geht.
Die oben ausgeführten Überlegungen zu einer umfas- 2. Eine allzu strenge Methodenlehre birgt, meines Er-
senden Behandlung des einzelnen Baudenkmals - mit achtens, auch die Gefahr von Sterilität: daß ein Bau-
den zumindest andeutungsweise dargestellten his- denkmal «wissenschaftlich» kategorisiert wird, statt als
torischen Schichtungen, mit der dreistufigen Interpreta- Kunstwerk in seiner Einmaligkeit jedesmal von Neuem
tion im Sinne Panofskys und Hinweisen zur Rezeptions- den ganz persönlichen Zugang zu fordern.
geschichte - legen es nahe, die Vorlesung in 3. Der Nutzen der Architekturgeschichte liegt in der
Architekturgeschichte als ein Art «Lese-Unterricht» zu Erfahrung von Architektur und deren nachfolgender Re-
sehen: Die Studenten sollten an Beispielen lernen, his- flexion. Meine Vorlesungen im ersten bis vierten Se-
torische Architektur zu «lesen». Das wäre ein Argument, mester können in nicht auf eine spätere Vertiefung oder
die Methodenfrage in den Vordergrund zu stellen, wobei Erweiterung warten, sondern sollen sofort die Fähigkei-
der Auswahl der Exempla, an denen geübt wird, eine ten des Denkens, Entwerfens und Konstruierens von
zweitrangige Bedeutung zukäme. Architektur stärken.
Ein Gegenargument könnte sein: dass auch diese 4. Wenn ich Geschichte nicht als eine Ansammlung
Betrachtungsweise deduktiv wäre, dass die Einzigartig- von Einzelheiten, sondern als ihren Zusammenhang de-
keit des Kunstwerks (oder des historischen Ereignisses) finiere, wird es wichtig, sie als Ganzes wenigstens
aufgegeben wird zugunsten einer Metaebene, die als denkbar zu machen. Auch die Geschichtsschreibung
unveränderlich erscheint (Stil, Ordnung, Bauaufgabe, hat einen Wirklichkeitsbezug: eben die Menge der his-
Gesellschaftsformation oder was auch immer). torischen Denkmale.
Ich versuche grundsätzlich eine Verbindung von De- Gerade in unserem Fachhochschulstudium, wo mit
duktion – als Einbindung in einen Zusammenhang – und der Prüfung am Ende des 4. Semesters die Befassung
Induktion, d. h.: Darstellung des «ganzen» Gebäudes, mit Architekturgeschichte für die meisten Studenten en-
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 10

det, will ich von der Forderung nicht ablassen, dass die entwickelte nach 1968 ausgesprochen anti-intellektuelle Tenden-
zen.
Studenten einmal in einem ansonsten in viele kleine
7 Siehe: Joan Ockman: «Boudoir-Architektur» als Anschauungs-
Häppchen zerteilten Studium sich mit einem großen Zu- material: Manfredo Tafuri und New York, in: Werk, Bauen+Wohnen
sammenhang auseinandersetzen müssen. 9/1995, S. 41ff.
8 Es gibt dazu entschiedene Gegenmeinungen; bedeutende Kolle-
Doch darf ich nicht verstecken, dass ich dabei zwei gen halten die Antike nach wie vor für den Grund aller Architektur,
praktischen Problemen begegne, die auch dem be- aus dem sich am besten die heutigen Fragen diskutieren lassen.
Umgekehrt wird das 19. Jahrhundert selten so ausführlich in einer
grenzten zeitlichen Rahmen geschuldet sind: Überblicksvorlesung behandelt.
1. Die Auswahl: Bei Kollegen, aber auch in der Über- 9 Dass Architekturstudenten wenig lesen, wird allgemein voraus-
gesetzt; daher wäre ein gutes Übersichtswerk zu wünschen.
sichtsliteratur17 liegt der Schwerpunkt auf der älteren Pevsners immer noch beliebte «Europäische Architektur» hinge-
Geschichte; ich halte aber für das Verständnis der Ge- gen ist nicht nur über sechzig Jahre alt, sondern auch für einen
ganz anderen Kontext geschrieben; mein ganzes drittes Semester
genwart die jüngere Architekturgeschichte für wichtiger
wird kein Student darin finden.. Die weitverbreitete
(jenseits der Hagiographie der Moderne). Immer aber «Baustilkunde» von Koch erklärt nichts; der ebenfalls oft verwen-
stehe ich vor der Frage: «Was lasse ich in diesem Se- dete «dtv-Atlas» ist mir schon optisch zuwider. David Watkins

mester weg?» St. Michael in Hildesheim und der Dom «Geschichte der europäischen Architektur» wäre auch dann
geeignet, die Bewunderung für angelsächsische «Elite»-Hoch-
zu Speyer sind unverzichtbar. Aber ich wünsche mir, ich schulen (Peterhouse, Cambrigde) zu mindern, wenn der Verlag
könnte auch einmal die Dome von Trier oder Worms be- nicht so viele Fotos verwechselt hätte. Für das 4. Semester

handeln - oder ein kleines, lokales Gebäude, das in den empfehle ich Framptons «Die Architektur der Moderne» (bei
DVA).
Büchern gar nicht vorkommt. 10 Kostof 1985, History of Architecture.
2. Verschärft wird das Problem der Auswahl durch das 11 «Aus dem ideengeschichtlichen Ansatz ergibt sich die Auswahl
der zu besprechenden Bauwerke. Um eine architektonische Idee
oben eingeforderte umfangreiche Erklärungsmuster:
zu erläutern, werden nach Möglichkeit ihre Anfänge und ihre ide-
Das kostet Zeit. altypische, also ‚vollkommene’ Ausprägung dargestellt. Häufig
bedeutet dies, dass ganz singuläre, herausragende Bauwerke
In diesem Sinne: Es ist eine sehr rigide Auswahl zu
herangezogen werden, die durchaus nicht typisch für ihre Zeit
treffen. Die Forderung nach der Gesamtübersicht statt sind – entweder, weil sie besonders groß und anspruchsvoll sind,
wie z. B. die Kathedralen und großen Stiftskirchen des Mittelalters
der vertiefenden Beschränkung auf einen Teilbereich
– oder umgekehrt eher klein und außerhalb der Sphäre öffentli-
führt wieder dazu, dass innerhalb eines zu beschreiben- cher Repräsentation, weil Experimente mit neuartigen Architek-
turauffassungen manchmal eher im privaten Bereich möglich
den Kontextes nicht die ganze Breite der Möglichkeiten
waren. So gut wie immer handelt es sich um Bauten mit hohem
oder eine Entwicklungsreihe beschrieben werden kön- Sozialprestige, nicht um das alltägliche Bauen z. B. für das
nen, sondern wenige, aber ausreichend bezeichnende Wohnen breiter Bevölkerungsschichten. Erst in der Moderne und
als Kennzeichen der Moderne kann grundsätzlich jede Bauauf-
Gebäude herausgegriffen, eingeordnet und interpretiert gabe als Baukunst und als ‚Avantgarde’-Objekt behandelt wer-
werden müssen. Es ist lange nicht mehr darüber ge- den.
Grundlage und Prüfstein der Darstellung muss das einzelne
sprochen worden, was dabei unverzichtbar ist, und Gebäude sei, dessen jeweiliger historischer Zustand rekonstruiert
weshalb. werden muss; viele Irrtümer der Geschichtsschreibung beruhten
darauf, dass verschiedene Bauphasen nicht voneinander getrennt
wurden. Deshalb ist die Bauforschung mit der Bauaufnahme die
wichtigste unter den Hilfsdiziplinen der Architekturgeschichte.»
(Aus dem Vorwort zu Band 1, Antike Architektur, meines Vorle-
Endnoten
sungsskriptes).
12 Hersey 1971, Underinterpretation, S. 113ff.
13 Bentmann 1970, Herrschaftsarchitektur.
1 Dies prägt auch die Reihe «Weltgeschichte der Architektur»
14 Grunsky 1990, Anforderungen.
(deutsche Ausgabe bei DVA), deren Konzept – wenn auch nicht
15 Panofsky 1985, Problem der Beschreibung, S. 85ff.
die verlegerische Umsetzung – er verantwortet hat. Ironischer-
16 Derrida 1988, Verrücktheit, S. 215ff.
weise folgt gerade der Doppelband über die Moderne (Tafuri / Dal
Co) einer anderen Grundhaltung. 17 Bis hin zur «Propyläen-Kunstgeschichte», die zwar nicht mehr
2 Neumeyer 2002, Nachdenken, v. a. S. 56ff. den aktuellen Forschungsstand repräsentiert, aber in der
3 Neumann 2002, Teaching the History, S. 270ff. deutschsprachigen Literatur noch keinen Nachfolger gefunden
4 Z. B.: Porphyrios 1981, Methodology; Podro 1982, Critical Histo- hat.
rians; Locher 2001, Kunstgeschichte.
5 So Lessing 1921, Geschichte: Er formulierte seine lebensphiloso-
phische Überwindung der Geschichte selbst als architektonische
Metapher: vom Gang durch die Vorhalle und das Gebäude der
Geschichte bis in die Kuppel der «ewigen Gegenwart» [Sigfried
Giedion].
6 Obwohl sie ihre Ursprünge nahe bei Adolf Loos, nämlich bei Karl
Kraus, hatte. Aber die linke Bewegung in Westdeutschland
Valentin Hammerschmidt Architekturgeschichte im Architekturstudium k 3/2004 - 11

Bibliographie turgeschichte - für wen und wozu? Ist Architekturge-


schichte nur Material für die Denkmalpflege? Wie wurde
Bentmann 1970, Herrschaftsarchitektur, das Fach im 20. Jahrhundert vermittelt, durch welche
Reinhard Bentmann, Michael Müller, Die Villa als Herrschaftsar-
Hochzeiten und durch welche Krisen ist es hindurchge-
chitektur – Versuch einer kunst- und sozialgeschichtlichen Anal-
yse, Frankfurt/M, 1970. gangen? Braucht es im heutigen Entwurfsprozess das
Derrida 1988, Verrücktheit,
Wissen und Verstehen historischer Architekturen?
Jacques Derrida, Am Nullpunkt der Verrücktheit – Jetzt die
Architektur, in: Wege aus der Moderne, hg. v. Wolfgang Welsch, Methodische und wissenschaftstheoretische Fra-
Weinheim 1988. gen, Probleme der Darstellung von Geschichte, die
Grunsky 1990, Anforderungen,
Eberhard Grunsky, Zu den Anforderungen von Denkmalschutz Notwendigkeit, aber auch die Schwierigkeiten eines ar-
und Denkmalpflege an die Kunstgeschichte, in: Renaissance in chitekturhistorischen Kanons sind Denkanstöße, die
Nord-Mitteleuropa I, hg. v. G. Ulrich Großmann, Berlin 1990.
Hersey 1971, Underinterpretation,
nicht nur im Zusammenhang der Ausbildung von Archi-
George Hersey, Against underinterpretation, in: Architectura II/ tekten von großem Interesse sind.
1971.
Kostof 1985, History of Architecture,
Spiro Kostof, A History of Architecture, New York 1985; deutsch:
Stuttgart / Frankfurt 1992/93.
Autor
Lessing 1921, Geschichte,
Theodor Lessing, Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen,
München 1921.
Valentin Hammerschmidt, geb. 1951 in Rodalben
Locher 2001, Kunstgeschichte,
Hubertus Locher, Kunstgeschichte als historische Theorie der (Pfalz), Studium der Architektur, Philosophie und
Kunst 1750-1950, München 2001. Geschichte an der Universität Stuttgart, 1984
Neumann 2002, Teaching the History,
Dietrich Neumann, Teaching the History of Architecture in Ger- Promotion, 1981-1990 Lehr- und Forschungs-
many, Austria, and Switzerland, in: Journal of the Society of tätigkeit an der Universität Kaiserslautern,
Architectural Historians 3/2002.
1989/90 freie Mitarbeit am Semper-Archiv der
Neumeyer 2002, Nachdenken, ETH Zürich, 1991/92 Stadt Köln, Amt für Stadter-
Fritz Neumeyer, Nachdenken über Architektur. Eine kurze
neuerung und Sanierung, seit 1992 Professor an
Geschichte ihrer Theorie, in: ders.: Quellentexte zur Architektur-
theorie, München 2002. der HTW Dresden, zahlreiche Publikationen zur
Panofsky 1985, Problem der Beschreibung, Architekturgeschichte und Denkmalpflege.
Erwin Panofsky, Zum Problem der Beschreibung und Inhaltsdeu-
tung von Werken der bildenden Kunst, nachgedruckt in: ders.,
Aufsätze zu Grundfragen der Kunstwissenschaft, Berlin 1985.
Podro 1982, Critical Historians,
Michael Podro, The Critical Historians of Art, Titel
New Haven / London 1982.
Porphyrios 1981, Methodology,
On the Methodology of Architectural History,
Valentin Hammerschmidt, «Architekturgeschichte
Ed.: Demetri Porphyrios; AD 6/7, London 1981. im Architekturstudium - für einen Kanon der
Architekturgeschichte», Vortrag anlässlich der
Arbeitstagung des Arbeitskreises Theorie und
Zusammenfassung Lehre der Denkmalpflege e. V, Mainz, 2. bis 5.
Oktober 2003, in: kunsttexte.de, Nr. 3, 2004
Wenn man so oft von Geschichtszeugnissen und so viel (11 Seiten), www.kunsttexte.de.
von Geschichtlichkeit der Architektur redet, mag es re-
dundant erscheinen, auch noch das Einzelfach Ar-
chitekturgeschichte zu betrachten. Wenn aber die Stu-
dienordnungen hierzulande modularisiert und evaluiert
werden, ist es notwendig, scheinbar Selbstverständli-
ches zu begründen und Ziele der einzelnen Fächer zu
beschreiben.
Valentin Hammerschmidt, Professor für Architektur-
geschichte und Denkmalpflege an der Hochschule für
Technik und Wirtschaft Dresden, geht in seinem Beitrag
alten Fragen mit neuen Überlegungen nach: Architek-