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LEBEN UND LERNEN

Junge Umweltschützer

Wir tun, was wir können


Sie befreien keine Wale und retten nicht gleich die ganze Welt. Die Schüler Lea,
Charlotte und Leander versuchen im Kleinen, die Umwelt zu schützen. Dem
Jugendmagazin "Yaez" erzählen sie, warum sie sich engagieren und wie dieser
Einsatz sie verändert.
Benedikt Müller

 

 

 

 

 

 
Montag, 25.11.2013   08:58 Uhr

Keinen Müll in den Wald werfen, Strom sparen oder einen Teil vom Taschengeld
spenden - es sind nicht die großen Gesten, die zählen. Sondern das, was wir
täglich tun und entscheiden. Wirklich einschränken muss sich dabei keiner.
Schließlich sparen wir Geld, wenn wir weniger Strom verbrauchen und nicht so
viel heizen müssen. Wir werden fit, wenn wir mehr Fahrrad fahren. Und wir
brechen uns keinen Zacken aus der Krone, wenn wir auf Recyclingpapier
schreiben.

Vielleicht muss man sich manchmal klarmachen, dass wir alle Verantwortung
haben und dass es nicht immer die großen Konzerne sind, die umdenken müssen.
Es kommt auf jeden Einzelnen an jedem Tag an.

Das Jugendmagazin "Yaez" hat mit Lea, Charlotte und Leander gesprochen. Die
drei wollen nicht wegschauen, sondern setzen sich dafür ein, dass die Welt ein
Stück besser wird - jeder auf seine Art.
Benedikt Müller
Lea, 18, geht in die 12. Klasse und engagiert sich bei Greenpeace.

"Ich finde es extrem wichtig, dass sich junge Leute für Politik und das Treiben auf
der Welt interessieren. Wie soll man sich sonst seine eigene Meinung bilden,
wenn man gar nicht Bescheid weiß? Schließlich sind wir die Generation, die schon
bald die wichtigen Entscheidungen treffen wird.

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Bei Greenpeace mache ich seit etwa drei Jahren mit. Meine Mutter ist Biologin,
sie hat mit meinen vier Geschwistern und mir immer viel über Nachhaltigkeit
gesprochen. Sie fand es natürlich toll, dass ich zu Greenpeace gegangen bin, und
freut sich, wenn ich tolle Aktionen auf die Beine stelle.
Einmal die Woche treffen wir uns im Greenpeace-Büro und reden über aktuelle
Themen und Aktionen. Wir sind circa 25 aktive Jugendliche, danach kochen wir oft
zusammen oder gehen etwas essen. Wir organisieren uns selbst, werden nicht
von Erwachsenen geleitet. Wenn wir zum Beispiel eine Aktion gegen Kohlekraft
machen wollen, planen wir alle Schritte - ohne dass sich jemand einmischt. Wie
sollen die Flyer aussehen? Wie können wir am meisten bewirken?

Ich bin durch mein Engagement bei der Greenpeace-Jugend in meinem Auftreten
selbstsicherer geworden, weil ich mir inzwischen mehr zutraue. Am Anfang war
ich in der Gruppe relativ schüchtern - mittlerweile tut es mir total gut,
Verantwortung zu übernehmen. Ich habe auch gelernt, für meine Meinung
einzustehen. Dieses Jahr war ich sogar beim Greenpeace-Jugend-Jahrestreffen in
Hamburg, dafür habe ich schulfrei bekommen.

Wir sind in meiner Schule tausend Schüler - aber ich bin die einzige, die sich bei
Greenpeace engagiert. Klar ist es schön, auch Sport zu machen und ein
Instrument zu spielen. Aber dass sich Jugendliche so wenig engagieren, finde ich
echt schade. Ich bekomme manchmal sogar Sprüche gedrückt von wegen: 'Na,
hast du am Wochenende mal wieder die Wale gerettet oder einen Baum
umarmt?' Das nehme ich natürlich nicht ernst.

Vielleicht denken manche, wir seien verbissen und reden nur darüber, wie wir die
Welt verbessern können - aber so läuft das nicht bei uns. Wir haben zusammen
immer viel Spaß und unternehmen auch als Freunde etwas gemeinsam. Bei
unseren Aktivitäten vernetzen wir uns deutschlandweit auch mit anderen
Greenpeace-Gruppen, und es ist schön zu wissen, dass diese Zusammenarbeit
problemlos klappt, Spaß macht und sich vielleicht sogar neue Freundschaften
ergeben."
Benedikt Müller
Charlotte, 17, geht in die 12. Klasse, war Energiebeauftragte in ihrer Schule und
setzt sich für fairen Handel ein.

"An meiner Schule dreht sich viel um den Umweltschutz - sie ist eine von etwa 30
Umweltschulen in Europa. Diesen Titel haben wir bisher jedes Jahr verliehen
bekommen. Es geht zum Beispiel darum, so viel CO2 wie möglich einzusparen und
die Schüler über Umweltthemen zu informieren. Das hat mir von Anfang an gut
gefallen.

Vier Jahre lang war ich eine von jeweils zwei Energiebeauftragten pro Klasse. Ich
habe dabei geholfen, die Mülltrennung zu optimieren, die Klassen über
Umweltverschmutzung aufzuklären und Recycling-Schulhefte zu verkaufen. Nach
dem Unterricht habe ich darauf geachtet, dass das Licht im Raum ausgemacht
wurde und am Ende des Schultags die Heizungen heruntergedreht und die
Fenster geschlossen waren. Lauter kleine Aktionen, die in der Summe aber viel
ausmachen. Wichtig ist zum Beispiel, dass man stündlich für einige Minuten
stoßlüftet. So heizt man nicht zum Fenster raus, die Schüler können sich aber
trotzdem weiterhin gut konzentrieren, und es wird im Klassenzimmer nicht zu
kalt.

Einmal im Jahr besuchten wir Energiebeauftragen eine Fortbildung im


Ökologischen Bildungszentrum München. Themen waren unter anderem, wie viel
CO2 bei welchen Produkten ausgestoßen wird. Rindfleisch zum Beispiel hat keine
gute Ökobilanz. Außerdem habe ich bei Diskussionsrunden mit Lehrern,
Verantwortlichen der Stadt und anderen Schülern teilgenommen. Mit manchen
Lehrern, die nicht bereit waren, Recyclingpapier an unserer Schule zu verwenden,
habe ich heftig diskutiert. Dieses Thema ist mir nach wie vor wichtig. Die Ausrede,
dass der Drucker mit dem Papier nicht klarkommt, lasse ich nicht gelten.

Wir hatten sogar schon mal die Möglichkeit, nach Stralsund zu reisen und dort mit
anderen Schülern aus Europa über den Schutz der Umwelt zu diskutieren. Es war
erschreckend, festzustellen, dass Umweltschutz in manchen Ländern einen
anderen Stellenwert hat als in Deutschland, zum Beispiel gibt es in Italien und
Frankreich kein Pfandflaschensystem. Dort etwas für die Umwelt zu tun, ist
wahrscheinlich viel schwieriger als hier, wo es schon ein Bewusstsein dafür gibt.

Als Ausgleich für das CO2, das wir bei der Hin- und Rückfahrt verursacht haben,
pflanzten wir am Ende Bäume. Jetzt stehe ich kurz vorm Abi und kann mich leider
nicht mehr so dafür einsetzen wir früher. Allerdings bin ich in der Fair-Trade-AG
unserer Schule. Das Thema Umweltschutz wird mich wohl nie mehr loslassen."
Benedikt Müller
Leander, 18, macht gerade sein Freiwilliges Ökologisches Jahr beim
Umweltinstitut München.

"Wegschauen und die Probleme unserer Erde ausblenden - darin sind die meisten
Leute in meinem Alter ziemlich gut. So leicht darf man es sich aber nicht machen,
finde ich. Ich will hinschauen und mich konfrontieren.

Seit drei Monaten mache ich mein freiwilliges ökologisches Jahr beim
Umweltinstitut München, seit dem Sommer habe ich mein Abi in der Tasche. Ich
wollte einfach noch etwas Praktisches machen, bevor ich im Studium wieder in
die Theorie abdrifte. Vor etwa eineinhalb Jahren hat mich das Thema Umwelt
gepackt, ein Freund brachte mich auf die Idee, zu Greenpeace zu gehen. Ich
spürte sofort, dass die Aktionen Sinn machen - und wollte in der Gruppe mit
anderen Teenagern Veränderungen anstoßen.
Je tiefer man in das Thema Umweltschutz einsteigt und je mehr man dadurch
über die Erde und unseren Umgang mit ihr lernt, desto schwieriger wird es, nichts
zu tun und sich einfach wieder vor den Fernseher zu setzen. Ich habe gelernt, dass
unsere täglichen Entscheidungen den Unterschied machen. Brauche ich diese
Plastiktüte? Muss ich wirklich das Auto nehmen? Würde mir nicht auch ein
vegetarisches Gericht schmecken? Wer sich diese Fragen stellt, ist aus meiner
Sicht schon auf dem richtigen Weg.

In meinem FÖJ habe ich viele verschiedene Aufgaben. Ich bin zum Beispiel für die
Messung und Auswertung von Radioaktivität zuständig. Das Umweltinstitut wurde
nach Tschernobyl zur unabhängigen Strahlenmessung gegründet - das Thema ist
aber noch heute wichtig. Ich gehe mit Schulklassen auch auf Bauernhöfe und
erkläre den Kindern, was 'Bio' ist. Bei Veranstaltungen stehe ich an unserem
Infostand, verteile Flyer und beantworte Fragen. Das macht mir großen Spaß. Ich
spüre, dass ich etwas bewege.

Für mich ist Umweltschutz so wichtig geworden, dass es mir nicht egal ist, mit
wem ich befreundet bin. Wenn ich eine Freundin hätte, die sich gar nicht für das
Thema begeistern könnte oder sogar die gegenteilige Meinung vertritt, wäre das
bestimmt nicht ganz leicht für mich. Aber unmöglich wäre es wahrscheinlich auch
nicht