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Was bedeutet Bio – und warum kaufen Sie Bio?

BLOG: ÖKO-LOGISCH?
 
Umwelt sind Du und ich

Die Weinprobe beim Scilogs-Treffen 2012 in Deidesheim hat mich mal wieder an ein


regelmäßig wiederkehrendes Diskussionsthema erinnert: die Frage, warum man für
Bioprodukte einen Mehrpreis bezahlt. Der verkostete Wein war kein ökologisches Erzeugnis –
doch unser Verkoster beeilte sich zu versichern, dass konventioneller Wein nicht schlechter sei.

Wie kommt die Welt darauf, dass ökologisch und konventionell erzeugte Produkte sich in ihrer
Qualität unterscheiden müssen? Besser, gesünder, schmackhafter – das alles sind Kategorien,
die nichts mit der Bio-Definition zu tun haben. Zu allererst sind Bioprodukte gut für die Umwelt,
weil schonendere Methoden und weniger Chemie eingesetzt werden.

Gesundheit

Die Gesundheit muss man bei Bioprodukten sehr individuell betrachten. Klares Plus ist, dass
sich praktisch keine Pestizide auf den Lebensmitteln finden. Je nachdem, ob der chemische
Schädlingsschutz durch adäquate biologische Maßnahmen ersetzt wird, kann das aber auch
negative Folgen haben: So manches Biogetreide ist stärker von Schimmelpilzen befallen als
konventionelles. Deren Giftstoffe finden sich dann oft noch in den daraus hergestellten
Produkten. Viele dieser Mycotoxine gelten als gesundheitsschädlich. Es gibt aber auch
Mediziner, die glauben, dass der Mensch in seiner mehrtausendjährigen Exposition
Abwehrmechanismen entwickelt hat. Doch selbst wenn die Pilzgifte harmlos wären: Je mehr
Energie eine Pflanze in ihr Immunsystem stecken muss, desto weniger kann sie in andere
Inhaltsstoffe stecken – ihr Nährwert kann sinken.

Geschmack

Der Geschmack hingegen ist ein interessanter Punkt. Meine persönliche Erfahrung ist, dass
gerade Obst und Gemüse aus Bioanbau tatsächlich oft aromatischer sind. Das klingt ja auch
plausibel, denn die Ernte aus dem eigenen Garten ist – selbst abzüglich der Euphorie über die
eigene Leistung – geschmacklich unübertroffen. Es ergibt aber wenig Sinn, dass sich die
Anbauweise massiv und über alle Arten hinweg auf den Geschmack auswirken sollte. Ich sehe
deshalb zwei Erklärungen: Zum einen werden im Biolandbau fast immer andere Sorten
angebaut, Sorten, die weit weniger Hochleistungszüchtung hinter sich haben als konventionelle.
Doch gerade die Hochleistungssorten werden am Ertrag ausgerichtet, und dass dabei
„Geschmacksgene“ zugunsten von „Ertragsgenen“ verloren gehen, ist zumindest möglich.
Vielleicht noch relevanter sind aber die Produktionsketten. Ich behaupte, dass wegen der
geringeren Haltbarkeit und des häufig regionalen Vertriebs Bioprodukte reifer geerntet werden
und weniger beim Transport oder im Laden nachreifen. Das würde Aromaunterschiede erklären
– wäre aber keine immanente Eigenschaft der Anbaumethode.

Umwelt

Sicher ist dafür, dass in biologischen Kulturen die Artenvielfalt höher ist, dass die Böden
weniger ausgebeutet werden, und dass weniger Umweltbelastungen entstehen, einschließlich
der Treibhausgase. Außerdem arbeiten auf Biohöfen mehr Menschen je bewirtschaftetem
Hektar. Mit dem Aufpreis auf die Produkte zahlen wir also Arbeitsplätze und eine gesunde
Umwelt – von der auch unsere Gesundheit stets indirekt, aber eben nur manchmal direkt
profitiert.

Weil Bioprodukte aber besonders dann boomen, wenn mal wieder Lebensmittelskandale die
Runde machen, bei denen es um Gesundheitsrisiken geht, würde mich interessieren: Warum
kaufen Sie Bioprodukte – oder eben nicht?