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226.

026 Wassergütewirtschaft
Teil 5: Abwassermengen und
Entwässerungssysteme

Jörg Krampe

Institut für Wassergüte und


Ressourcenmanagement
TU Wien
Inhalt
• Definitionen
• Abwassermengen und Schwankungsbereiche
– Häusliches Abwasser
– Abwasser aus Gewerbe und Industrie
– Fremdwasser
– Niederschlagswasser
• Entwässerungssysteme
• Versickerung
Definition (Allgemeine Abwasseremissions-
verordnung)
Abwasser ist Wasser, das infolge der Verwendung in
Aufbereitungs-, Veredelungs-, Weiterverarbeitungs-,
Produktions-, Verwertungs-, Konsumations- oder
Dienstleistungs- sowie in Kühl-, Lösch-, Reinigungs-,
Desinfektions- oder sonstigen nicht natürlichen
Prozessen in seinen Eigenschaften derart verändert
wird, dass es Gewässer in ihrer Beschaffenheit zu
beeinträchtigen oder zu schädigen vermag.
Einteilung nach der Herkunft
• Häusliches Schmutzwasser Index: H
– Haushalte, Büros, Geschäfte

• Gewerbliches und industrielles Index: G


Schmutzwasser

• Fremdwasser Index: F
– Grund-, Bachwasser; Infiltration
Regenwasser in Schmutzwasserkanälen

• Niederschlagswasser Index: R
– Regen, Schnee, Hagel
Mengenangaben
• spezifischer Abwasseranfall w
– l/(E*d)
– l/(ha*d)
– l/(Produktionseinh.*d)

• Abflussspende q
– l/(ha*s)

• (Gesamt-) Abfluss Q
– l/s
– m3/s
– m3/h
– m3/d
– m3/a
Definitionen (ÖNORM EN 752, 2008)

• Schmutzwasser QS = QH + QG

• Trockenwetterabfluss QT = QS + QF

• Mischwasserabfluss QM = QT + QR

(ca. 100 bis 1000 mal höher als der Schmutzwasserabfluss)


Häusliches Abwasser
Entwicklung des personenbezogenen Wasserverbrauchs in
Deutschland
Häusliches Abwasser
Reduzierung des Wasserverbrauchs

Baujahr Waschmaschine Geschirrspüler


Liter / Zyklus

1980 125 - 175 45 - 55

1985 100 - 125 30 - 40

1990 70 - 125 20 - 30

1993 ca. 50 20 - 22

2005 34 - 60 13 - 17

Handwäsche 30 - 40
Häusliches Abwasser

Quelle: Lebensministerium
Häusliches Abwasser

Quelle: ÖVGW, 2017


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Häusliches Abwasser
• spezifischer Schmutzwasseranfall
– Einzugsgebietsgröße
– Bebauung
– Wohlstand
wS,d ~ 100 - 250 l/(E•d)

QS,24hM = EZ • wS,d
• aktuell: ca. 120 l(E•d)
• Planungswerte s. folgende Tabelle
• Häuslicher Schmutzwasserabfluss im Tagesmittel
Häusliches Abwasser
spezifischer häuslicher Schmutzwasseranfall wS,d
(nach ATV-Handbuch Planung der Kanalisation, 1994)
Siedlungsgröße häusliches Schmutzwasser
E l/(E . d)
> 250.000 250 – 300
50.000 – 250.000 225 – 260
10.000 – 50.000 200 – 220
5.000 – 10.000 175 – 180
< 5.000 150

Bei Stadtteilen ist in der Regel der zur betreffenden


Gesamtsiedlungsgröße gehörende Wert zu wählen
Tagesschwankungen des Abwasseranfalls
Für Qd = 15.000 m3/d
Tagesschwankungen des Abwasseranfalls

226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)


Schwankungen des Abwasseranfalls
• im Jahresverlauf
• im Wochenverlauf
• im Tagesverlauf
QH,h [m3/h] = QH,d [m3/d] / f [h/d]

• f = Schwankungsbeiwert

8 < f < 16
Vorgaben des ÖWAV-Regelblatts 11 (2009)
• Abwassertagesanfall:
wS,d = 120 l/(E d)

• Faktor stündlicher Spitzenabfluss:


1/8 (ländliche Gebiete)
1/16 (Großstädte)

• Einwohnerspezifischer, maximaler, häuslicher


Schmutzwasserabfluss
qH = 4 l/(s 1000E)
Abwasser aus Gewerbe und Industrie
• Mengen hängen ab von
– Art des Gewerbes/Industrie
– Produktionsmengen
– Produktionsmethoden
– internen Kreislaufführungen

• Schwankungen hängen ab von


– Produktionszeiten
• Stunden /Tag
• Tage/Woche
– Produktionszyklen (z.B.: Schlachttage,..)
– Saisonbetrieb
• Lebensmittelindustrie
• Touristik

• Tendenz zu wassersparenden Produktionsmethoden


• Großindustrie meist Direkteinleiter
Direkt - und Indirekteinleiter
• Industriebetriebe können ihr Abwasser auf zwei Arten
einleiten
– direkt in das Gewässer (über eigene Kanalisationsanlagen)
– indirekt (über kommunales Kanalnetz)

• Dabei gelten unterschiedliche Anforderungen


– Direkteinleiter
• Abwasseremissionsverordnungen (AEV) für verschiedene Branchen
– Indirekteinleiter
• zum Schutz des Kanalnetzes: Satzung, DWA-M115
• zum Schutz der Gewässer: Indirekteinleiterverordnung (IEV, 2006)
Spezifische Schmutzwassermengen
Gewerbe/Industrie Menge Einheit
Krankenhaus 0,25 - 0,6 m³/Bett
Hallenbad 0,15 - 0,18 m³/BesucherIn
Schule 0,02 m³/SchülerIn

Quelle: ATV-Handbuch, Planung der Kanalisation, 1994


Kaufhäuser 0,1 – 1,0 m³/BeschäftigteR
Gaststätte 0,015-0,02 m³/Gast
Hotel 0,2 - 0,6 m³/Bett
Zellstoffherstell. 300 m³/t Zellstoff (Trend fallend)
Papierherstellung 24 m³/t Papier
Brauerei 0,4 - 0,8 m³/hl Verkaufsbier
Molkerei 5 m³/m³ Milch
Konserven 35 m³/t Obst/Gemüse
Textilindustrie 40 - 120 m³/t Produkt je nach Material
Abwasser aus Gewerbe und Industrie
• zuverlässige Werte nur durch Erhebung

• Anhaltswerte aus Literatur

• Planungsansatz für neue Gewerbe- / Industriegebiete


(ÖWAV-Regelblatt 11, 2009)
– Betriebe mit geringem Wasserverbrauch
qG = 0,2 l/(ha⋅s)
– Betriebe mit mittlerem und hohem Wasserverbrauch
qG = 1,0 l/(ha⋅s)
Fremdwasser
• Herkunft
– diffuse Quellen (Drainagewasser)
– Bäche
– Wasserhaltungen auf Baustellen
– Undichtigkeiten Kanalisation (Grundwasser)
• f ( Grundwasserspiegel)
• f ( Kanalzustand)

• Fremdwasser ist unerwünscht, da es kaum verschmutzt


ist, aber dennoch die Bemessungswassermenge erhöht
(Kosten !)
Foto: UFT
Fremdwasser
Situation in Baden-Württemberg (2004)
Fremdwasser – gleitendes Minimum
40000
FWA = 42,0 %
35000
Regenwasser
30000
Zufluss in m³/d

25000

20000

15000

10000
Fremdwasser
5000
Schmutzwasser
0
1.1 1.2 1.3 1.4 1.5 1.6 1.7 1.8 1.9 1.10 1.11 1.12
2001
Vorgaben des ÖWAV-Regelblatts 11 (2009)
• Fremdwasserspende bei Trockenwetter
qF = 1,0 l/(s⋅1000 E)

QF = qF ⋅ EZ / 1000 [l/s]

• Unvermeidbarer Regenwasserabfluss in
Schmutzwasserkanälen von Gebieten mit
Trennkanalisation (QR,TR)
qR,Tr = 2,0 l/(s ⋅ 1000 E)

QR,Tr = qR,TR ⋅ EZ / 1000 [l/s]


Tagesschwankungen des Abwasseranfalls
• Ermittlung des Jahresschmutzwasserabflusses
EZ ⋅ w [ l/s ]
S,d
Q = +A ⋅q
S,aM 86400 E,G G
• Ermittlung des Jahres-Trockenwetterabflusses

Quelle: ATV-DVWK-Arbeitsblatt A 198 (April 2003)


Q =Q +Q
T,aM S,aM F,aM

• Ermittlung des Spitzenabflusses bei Trockenwetter


24 ⋅ Q
S,aM
Q = +Q
T, max X F,aM
Q max
Tagesschwankungen des Abwasseranfalls
Divisor XQmax [ h/d ]

20
18

Quelle: ATV-DVWK-Arbeitsblatt A 198 (April 2003)


16
14
12 24 ⋅ QS,aM
Q T,h,max bzw. Q T,2h,max = + QF,aM
10 XQ max
8
ländlicher Mittelstädte Groß-
Bereich 5.000- 20.000- städte
< 5.000 E 20.000 E 100.000 E > 100.000 E
Niederschlagswasser / Siedlungshydrologie
• Modelle der Siedlungsentwässerung basieren auf Modellen
der technischen Hydrologie
• Unterschiede
– kleine Einzugsgebiete im ha-Bereich
– schnelle Zeitkonstanten im Minutenbereich
• bei Niederschlägen übertrifft der Regenwasserabfluss alle
anderen Abflüsse um ein Vielfaches
• Siedlungshydrologie: Bildung von Abflüssen als Folge von
Niederschlägen
• bestimmende Größen:
– Niederschläge
– Charakteristik des Einzugsgebietes
Niederschlagswasser / Siedlungshydrologie
• Niederschlagsmenge
- Bestimmung
- Bemessungsgrundlagen
• Bestimmung des Regenabflusses anhand der
Charakterisierung des Einzugsgebietes
Charakterisierung von Regenereignissen
• ein Regen wird beschrieben durch seine
– Dauer D min
– Höhe hN mm (= l/m²)
– Intensität i mm/min (i = hN/D)
– Häufigkeit n 1/a

• Regenspende r :

r = 166,7 ⋅ i [l/(s⋅ha)]

• Unterscheidung von Regenereignissen


– schwache Regen r < 7 l/(s⋅ha) ca. 650 h/a
– mäßige Regen r = 7 – 21 l/(s⋅ha) ca. 135 h/a
– Starke Regen r > 21 l/(s⋅ha) ca. 15 h/a
Charakterisierung von Regenereignissen
• die Jahresniederschlagshöhe in Österreich beträgt
hN,a ~ 1.190 mm (BMNT, 2018)

• dies entspricht - auf die gesamte Fläche des


österreichischen Bundesgebietes, also auf rund
83.870 km² hochgerechnet - 98 Milliarden m³ Wasser
oder einer Niederschlagsmenge von über
12.000 m³/Jahr pro Kopf
Regenmessgeräte
Niederschlagswaage elektronische Messwippe

Waage Data-
logger
Data-
logger
Regenschreiber - Aufzeichnung
ℎ𝑁𝑁 10
Niederschlagshöhe hN in mm

10
𝑖𝑖 = = = 0,04𝑚𝑚𝑚𝑚/min
9 𝐷𝐷 4,160

8
hN
7
6
D
5
4
3
2
1
0
7 8 9 10 11 12 13 14
Zeit in h
Regenspende - Regendauer
qR
Charakterisierung von Regenereignissen
• allgemeine Zusammenhänge für Regenreihen
(Hosang und Bischof, 1998):
– mit zunehmender Dauer D nimmt bei gleicher Häufigkeit n
die Regenspende r ab:
Starke Regen dauern in der Regel kürzere Zeit als
schwächere!

– mit zunehmender Häufigkeit n nimmt bei gleicher Dauer D


die Regenspende r ebenfalls ab:
Bei gleicher Regendauer sind stärkere Regen seltener als
schwächere!
Zeitbeiwert ϕ
• REINHOLD (1940) fand allgemeingültige Abhängigkeit zwischen
– Regenspende r
– Regendauer D
– Regenhäufigkeit n
38 1
𝑟𝑟𝐷𝐷,𝑇𝑇𝑛𝑛 = 𝑟𝑟15,1 • • 4 − 0,369
𝐷𝐷 + 9 𝑛𝑛

• oder

𝑟𝑟𝐷𝐷,𝑇𝑇𝑛𝑛 = 𝑟𝑟15,1 • 𝜙𝜙 𝑇𝑇,𝑛𝑛

• Ermittlung heute praktisch nur noch über ÖKOSTRA


„Österreichische koordinierte Starkregen-Regionalisierung und
-auswertung“ und EDV-Programm
Zeitbeiwert ϕ
• Regenspende r15,1 = ortsabhängiger Grundregen
– Dauer D= 15 min
– Häufigkeit n = 1 a-1

• Regenspende r15,1 in Österreich:


Alpen + Vorland (Richtwerte): r15,1 = ~ 150 l/(s ha)
übriges Bundesgebiet: r15,1 = ~ 120 l/(s ha)

• Beziehung gilt für


– Regenhäufigkeiten 0,05 < n < 4
– Regendauern D < 150 min

• ϕ = Zeitbeiwert

• siehe folgende Grafik und Tabelle


Zeitbeiwert ϕ
38 1
𝑟𝑟𝐷𝐷,𝑇𝑇𝑛𝑛 = 𝑟𝑟15,1 • • 4 − 0,369
𝐷𝐷 + 9 𝑛𝑛

D
ÖWAV - Regelblatt 11 (alt)
ÖWAV - Regelblatt 11 (alt):
Zeitbeiwert ϕ
Berechnungsregenspende

Quelle: ÖWAV Regelblatt 11


Wahl der Häufigkeit des Bemessungs-
niederschlags (ÖNORM EN 752, 2015)
Häufigkeit der Charakterisierung des Überflutungshäufigkeit
Bemessungsregen* Einzugsgebietes (1-mal in „n“ Jahren)
(1-mal in „n“ Jahren) Überflutung Wasserspiegel
über Gelände + Schadens-
wahrscheinlichkeit
1 in 1 ländliche Gebiete 1 in 10
1 in 2 Wohngebiete 1 in 20
1 in 2 Stadtzentren, Industrie- und 1 in 30
1 in 5 Gewerbegebiete
a) mit Überflutungsprüfung
b) ohne Überflutungsprüfung
1 in 10 unterirdische Verkehrs- 1 in 50
anlagen, Unterführungen
* für Bemessungsregen dürfen keine Überlastungen im Kanal auftreten
Spitzenabflussbeiwert ψs
• Verbleib der Niederschläge
– Verwehung
– Benetzung
– Verdunstung Verluste
– Versickerung
– Muldenfüllung
– Oberflächenabfluss

• Spitzenabflussbeiwert ψs (psi)
ψs = Abflussregenspende qR / Regenspende r
• hängt ab von
– Anteil der befestigten Flächen
– Art der Flächenbefestigung
– Geländeneigung
– Regenstärke und -dauer
– Bodenart und Bewuchs
– z.B.: Schieferdach ψ = 0,95
Kiesweg ψ = 0,15 - 0,30
Abflussbildung
Verwehungen
Verdunstung
Intensität

Benet- Muldenfüllung
zung

Oberflächen-
abfluss
Versickerung

Regendauer
Ermittlung des Spitzenabflussbeiwertes
Beispiel
• Neigung IG<1%, bef. Anteil=60%; r15=130 l/(s.ha): ψ = 0,55
• Neigung IG=3%, bef. Anteil=60%; r15=130 l/(s.ha): ψ = 0,63
Empfohlene Spitzenabflussbeiwerte (ψs)
in Abhängigkeit von der mittleren Geländeneigung, vom
Anteil der befestigten Fläche und von der Regenspende

Quelle: DWA-A 118, 2006


Abflussbildung versiegelte Fläche

Haus Hof Straße

Kanal

Garten

Regenwasser-
einläufe

QR

Weg
X
Maßgebender Regenabfluss

QR = r15,1 • ϕ • AE,k • ψS

• Ortslage Regenspende r15,1


• Regenhäufigkeit n
• Regendauer D Zeitbeiwert ϕ
• Kartenmaterial kanalisierte Einzugs-
gebietsfläche AE,k
• Geländeneigung
• Befestigungsgrad
• Regenspende r15,n Spitzenabfluss-
beiwert ψs
Abflussvorgang
• rechteckige Abflussfläche AE = L x 2b
• Entwässerung zur Abflussrinne A - B in der Mitte
• gleichmäßige Überregnung
• gleichbleibende, abflussunabhängige Fließgeschwindigkeit v in der Rinne
• Messung des Abflusses Q [l/s] am Punkt B
• Regendauer D

A B
b
t0
AE

L
Abflussvorgang I
Q [l/s]
A B
t0 b
AE
Regenbeginn t

C
Q [l/s]

t1 t

Q [l/s]

t2 t
Abflussvorgang II
Q [l/s]
Regenende!

t
t3 = T

Q [l/s]
Amax

t
t4

Q [l/s]
Amax
t5 = tf
t
Abflussvorgang III
Q [l/s]

t6
t

Q [l/s]

t7
t

Q [l/s]

t8
t
Maßgebende Regendauer
• Größter Abfluss, wenn gesamte Fläche AE zum
Abfluss beiträgt
• Tritt dann ein, wenn Fließzeit = Regendauer

D = tf  größter Abfluss !

• Fließzeit > Regendauer


– nicht die gesamte Fläche trägt zum Abfluss bei
• Fließzeit < Regendauer
– Regenspende wird geringer
Abflussbilder
• das tatsächliche Abflussbild unterscheidet sich
– Anlaufzeit zur Benetzung und Muldenfüllung
– Fließgeschwindigkeit = f (Durchfluss)
– Speicherfunktion des Kanalnetzes
vereinfachtes Abflussbild tatsächlicher Abfluss
Berechnungsmethoden für den Kanalabfluss
• hydrologische Methoden (Fließzeitverfahren)
– vorgegebene Übertragungs- und Speicherfunktionen
– Wasserstände gesondert zu ermitteln
• Zeitbeiwertverfahren
• Zeitabflussfaktorverfahren
• Summenlinienverfahren
• Flutplanverfahren
– Überlastungszustände werden nicht berücksichtigt
– Anwendung, wenn Rückstau und Fließumkehr untergeordnet

• hydrodynamische Berechnungsmethoden
– Berechnung eines Differentialgleichungssystems
– gültig für alle Fließzustände und Systemgegebenheiten
– komplizierte, schwer prüfbare Rechenprogramme
ÖAWV - Richtlinien für die Gestaltung und
Berechnung von Kanalnetzen
 Anwendung der Entwässerungsverfahren
(ÖWAV-Regelblatt 9).
 Abwassertechnische Berechnungen von Schmutz-,
Regen- und Mischwasserkanälen (ÖWAV-Regelblatt
11).
 Bemessung und Gestaltung von Regenentlastungen in
Mischwasserkanälen (ÖWAV-Regelblatt 19).
226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Entwässerungssysteme
• Einleitung
– Ziele der Siedlungsentwässerung
– Anschlussgrad an die öffentliche Kanalisation in Österreich
• Entwässerungssysteme
– Trennsystem
– Mischsystem
– Modifizierte Systeme
Ziele der Siedlungsentwässerung
• Schutz der menschlichen Gesundheit
• Schutz der Oberflächenwässer und der Grundwässer
• lokale Anreicherung des Grundwasser
• Sicherstellung des notwendigen Abflussvermögens
• Schutz der Kläranlagen vor hydraulischer Überlastung
• Sicherstellung der Funktionsfähigkeit über die gesamte

Quelle: ÖWAV Regelblatt 9, 2008


Nutzungsdauer
• Vermeidung von Geruchsbelästigung
• sicherer Betrieb
Anschlussgrad an die öffentliche Kanalisation
(Stand 2006)

Quelle: BMNT
226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Gesamtlänge der öffentlichen Kanäle pro Einwohner
je Bundesland unter Berücksichtigung des
Anschlussgrades (Stand 2007)

Quelle: BMNT
226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Trennsystem

Quelle: ÖWAV Regelblatt 9, 2008


Trennsystem
Trennsystem
Vorteil:
• keine direkte Einleitung von Schmutzwasser in den Vorfluter
Nachteile:
• Gefahr von Fehlanschlüssen (Rohabwasser dauernd in den Vorfluter)
• Entwässerung verschmutzter Flächen in den Vorfluter
• 2 Kanalnetze
- hohe Kosten
- großer Platzbedarf

KA

SW-Kanal
Vorfluter RW-Kanal
Regelquerschnitt im Trennsystem

Quelle: DIN 1998, alte Version


Mischsystem

Quelle: ÖWAV Regelblatt 9, 2008


Mischsystem
Mischsystem
Vorteile:
• Kanalerhaltung und Reinigung billiger (nur ein Kanalnetz)
• Erfassung des Abflusses von verschmutzten Flächen
Nachteile:
• Regenüberlauf (RÜ) notwendig:
- bei Starkregen Mischwasser-
einleitung in den Vorfluter MW-Kanal
• Gefahr durch Ablagerungen bei
Trockenwetter (Spülstoß bei Regenbeginn): RÜ
RÜB
- Regenüberlaufbecken (RÜB) KA

Vorfluter
Regelquerschnitt im Mischsystem

Quelle: DIN 1998, alte Version


Kriterien zur Wahl des Entwässerungssystems
• Örtliche Gegebenheiten
– bestehendes Entwässerungssystem
• Art, Zustand, hydraulische Leistungsfähigkeit
– aufnehmendes Gewässer
• Wasserführung, Hochwasser, Güte
– Einleitungen
• Menge, Zusammensetzung, Schwankungen
– Bebauung
• Art, Dichte
– Böden
• Versickerungsfähigkeit, Vorbelastung
– Kläranlage
• hydraulische Kapazität, Reinigungsleistung
– Wasserschutzzonen, Topographie, Grundwasserstände
Hygienische und wasserwirtschaftliche
Gesichtspunkte
Mischsystem Trennsystem
Fehlanschlüsse möglich
keine Fehlanschlüsse möglich
(zwei Hausanschlüsse)
Fremdwasseranfall
doppelter Fremdwasseranfall
nur in einem Kanal
bei Entlastung gelangt auch verschmutztes Regen-
Schmutzwasser in Vorfluter wasser gelangt in Vorfluter
hohe Zulaufschwankungen gleichmäßige Belastung
auf Kläranlage der Kläranlage
Regenbecken erforderlich keine Regenbecken erforderlich
Versickerung nicht möglich Versickerung möglich
Technische Gesichtspunkte

Mischsystem Trennsystem
teilweise große Regenwasserkanal kleiner
Leitungsquerschnitte wg. Versickerung
Schmutzwasserkanal aus
Steinzeug möglich
Ablagerungen bei
ständig gute Spülwirkung
Trockenwetter
größeres Gefälle nötig kleineres Gefälle möglich
nur ein Schacht zwei Schächte
(+ Spülschächte) (oder Zwillingsschacht)
Wirtschaftliche Gesichtspunkte

Mischsystem Trennsystem
nur ein Kanal zwei Kanäle
im Straßenkörper im Straßenkörper
Bau- und Betriebskosten Bau- und Betriebskosten
niedriger höher
Kläranlagen größer niedrigere Pumpkosten
bemessen in Kläranlagen
Anteile der Mischkanalisation in den neun
Bundesländern in Österreich (Stand 2007)

Quelle: BMNT
226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Länge der öffentlichen Abwasserkanäle in
Österreich (Stand bis einschließlich 2007)

Quelle: Kommunalkredit Public Consulting GmbH


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Paradigmenwechsel in der Siedlungsentwässerung
• früheres Ziel der Siedlungsentwässerung:
– möglichst schnelle und vollständige Ableitung des gesamten
Niederschlagsabflusses

• heutige Zielvorstellung:
– Verminderung der abzuleitenden Niederschlagswassermenge
• Entsiegelung
• Versickerung
– Verzögerung und Drosselung der Ableitung
– Reinigung nur des behandlungsbedürftigen Niederschlagswassers
– Verbesserung der Grundwasserneubildung und des Kleinklimas
Behandlungsbedürftigkeit des Regenwassers
• behandlungsbedürftig
– Straßen
– Parkplätze
• nicht behandlungsbedürftig
– Dach- und Hofflächen
– Wohnstraßen, Fußwege

behandlungsbedürftig:
Verschmutzung höher als geforderter Ablauf der Kläranlage
(bei unterirdischer Versickerung sind auch durchaus strengere
Vorgaben gebräuchlich)
Modifiziertes Trennsystem

Quelle: ÖWAV Regelblatt 9, 2008


Modifiziertes Trennsystem
Modifiziertes Mischsystem

Quelle: ÖWAV Regelblatt 9, 2008


Modifiziertes Mischsystem
Modifizierte Entwässerungssysteme
• Vorteile:
− die Rohrdurchmesser können verringert werden
− das Kanalnetz und die Kläranlage werden hydraulisch geringer belastet
− Regenbeckenvolumina können kleiner werden
− Versickerung von Regenwasser verringert direkte Gewässerbelastung

• Nachteile:
− größerer Aufwand bei ungünstigen Verhältnissen als beim klassischen
Mischverfahren
− Planung und Ausführung des Systems stellen höhere Anforderungen
an den Planer
Elemente neuer, modifizierter
Entwässerungskonzepte
• Modifikationen betreffen nur den nicht behandlungsbedürftigen
Regenwasserabfluss

• Prinzipien:
– direkte Abflüsse durch Versickerung minimieren
– nicht direkt versickerbare Abflüsse vor Ort speichern und langsam
versickern oder verzögert einleiten
– Regenwasser nutzen
– nur verschmutztes Regenwasser sammeln und behandeln

• Voraussetzungen für eine Versickerung


– rechtliche Aspekte
– hydrogeologische Voraussetzungen
– Grundwasserschutz
– Wirtschaftlichkeit?
Auswahlkriterien
Mischsysteme sollten bevorzugt als modifizierte Systeme ausgebaut
und bei folgenden Randbedingungen eingesetzt werden:
• in einem breit ausgedehnten, zum Vorfluter (aufnehmenden
Gewässer) hoch liegenden Entwässerungsgebiet, wenn entlastetes
Mischwasser zum Großteil im freien Gefälle zum Vorfluter
abgeleitet werden kann
• bei beengten Platzverhältnissen, wenn durch zahlreiche Einbauten
zwei getrennte Kanäle mit ihren Bauwerken nicht unterzubringen
sind
• bei einem hohen Anteil an behandlungsbedürftigem Regenwasser
(stark befahrene Straßen bzw. Parkplätze, usw.)
Auswahlkriterien
Trennsysteme sollten bevorzugt als modifizierte Systeme ausgebaut und bei
folgenden Randbedingungen eingesetzt werden:
• in schmalen Entwässerungsgebieten, wenn das Regenwasser durch kurze
Kanäle oder oberflächig in den Vorfluter abgeleitet werden kann
• wenn Schmutzwasser aus tief liegenden Entwässerungsgebieten in die
Kläranlage gepumpt werden muss, während Regenwasser in freiem Gefälle
dem Vorfluter zufließen kann
• wenn Drainagewässer oder Regenwässer von Außeneinzugsgebieten
abzuleiten sind
• bei hohem Grundwasserstand, weil ein Schmutzwasserkanal nach den
Kriterien für ablagerungsfreien Betrieb mit geringerem Gefälle als ein
Mischwasserkanal verlegt werden kann
• bei hohem Anteil an nicht behandlungsbedürftigem Niederschlagswasser
• bei kleinen Kläranlagen mit geringer hydraulischer Aufnahmefähigkeit
• bei stufenweisem Ausbau des Kanalnetzes, wenn vorerst nur ein
Schmutzwasserkanal errichtet wird
• bei Druck- und Unterdruckentwässerungssystemen
Literatur, Regelwerke
• ÖWAV Regelblatt 9
– Richtlinien für die Anwendung der Entwässerungsverfahren (2008)
• ATV-Arbeitsblatt A 105
– Wahl des Entwässerungssystems (1997), zurückgezogen 07/2009
• ÖWAV-Regelblatt 25-2
– Abwasserentsorgung in dünn besiedelten Gebieten (2010)
• ÖWAV-Regelblatt 45
– Oberflächenentwässerung durch Versickerung in den Untergrund (2015)
• DWA - Merkblatt M 153
– Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Regenwasser (2007)

• Amt der NÖ Landesregierung (als kostenloser Download verfügbar)


– Naturnahe Oberflächenentwässerung für Siedlungsgebiete (2010)
226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Versickerung
• Grundlagen
• Flächenversickerung
• Versickerung mit oberirdischem Speicher
– Muldenversickerung
– Beckenversickerung
• Versickerung mit unterirdischem Speicher
– Schachtversickerung
– Rigolenversickerung
– Rohrversickerung
• Kombinationen
– Retentionsraumversickerung
– Mulden- und Rohr-/Rigolenversickerung
– Schacht- und Rohr-/Rigolenversickerung
Wasserhaushalt befestigter und unbefestigter
Flächen
unbefestigte Fläche befestigte Fläche
Wasserbilanz einer Siedlung mit zunehmender
Bebauung

0% Versiegelungsgrad 100%

30%
Verdunstung
63%

Oberflächenabfluss
13% 70%

24% GW-Neubildung
Abfluss und Versiegelungsgrad
Form und Größe von Hoch-
wasserwellen in verschieden
stark versiegelten Gebieten,
Entwicklung der Versiegelung im
Emschergebiet
Grundsätze für Regenwasserableitung
• Vermeidung von (verschmutzten) Niederschlagsabflüssen
- Entsiegelung
- Durchlässige Gestaltung gering verschmutzter Flächen
- Stoffreduktion an der Quelle (bleifreies Benzin, metallfreie
Dächer)
• Versickerung möglichst vor Ort
• gedrosselte Ableitung in Oberflächengewässer
• Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen
Rechtlich-organisatorische Voraussetzungen
• dezentrale Versickerung
– Versickerungsanlagen befinden sich unmittelbar am Anfallort, meist
innerhalb der Grundstücksgrenzen
– Bau, Betrieb und Unterhalt obliegen dem Grundstückseigentümer

• semizentrale Versickerung
– mehrere benachbarte Grundstückseigentümer betreiben eine
gemeinsame Versickerungsanlage
– Bau, Betrieb und Unterhalt obliegen den Grundstückseigentümern

• zentrale Versickerung
– das Regenwasser eines Ortsteiles oder eines Entwässerungsgebietes
wird in einer zentralen Anlage versickert
– Bau, Betrieb und Unterhalt obliegen der Gemeinde
Schutz des Grundwassers
• Abstand vom (durch die Versickerung angehobenen) höchsten
Grundwasserstand zur Sohle der Versickerungsanlage > 1 m
• mindestens 0,20 m starke, bewachsene belebte Bodenzone bei
einer Flächen-/Muldenversickerung
• keine Behandlung der Versickerungsanlagen und der
abflusswirksamen Flächen mit Tausalz, Rasendünger,
Herbiziden o. ä.
• Beachtung von Grundwasserschutzzonen:
– keine Versickerung in Schutzzonen I und II
– eingeschränkte Versickerung in Schutzzone III
• ausreichende Abstände von Gebäuden
und Grenzen
– Schutz vor Vernässung Bildquelle: Hohla, 2016
– kein Eindringen in Drainagen
– Abstand für unterkellerte Gebäude: 1,5-fache Baugrubentiefe
Hydrogeologische Voraussetzungen

Quelle: ÖNORM B 2506-1


Sickerversuch

226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Systemkomponenten naturnaher
Oberflächenentwässerung

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Arten von Versickerungsanlagen
• Flächenversickerung
• Versickerung mit oberirdischem Speicher
– Muldenversickerung
– Beckenversickerung
• Versickerung mit unterirdischem Speicher
– Schachtversickerung
– Rigolenversickerung
– Rohrversickerung
• Kombinationen
– Retentionsraumversickerung
– Mulden- und Rohr-/Rigolenversickerung
– Schacht- und Rohr-/Rigolenversickerung
Rasengittersteine

Quelle: VSA, 2002


Flächenversickerung

Quelle: Geiger et al., 2009


Flächenversickerung

226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Flächenversickerung
• Prinzip
– flächenförmige Versickerung über durchlässige Oberfläche
– Infiltration über feinkörnige Deckschicht
• Reinigungsleistung
– sehr gut bei Grasbewuchs
– ansonsten gut durch die langsame Sickerung durch Deckschichten
• Wartung
– regelmäßige Mahd des Grases
– Bodenverdichtung durch schwere Fahrzeuge vermeiden
• Anwendung
– bei gut und mäßig durchlässigem Untergrund
• Vorteile
– sehr gute Reinigungswirkung
– geringer Aufwand
• Nachteile
– geringe Speicherfähigkeit
– großer Flächenbedarf
Arten von Versickerungsanlagen
• Flächenversickerung
• Versickerung mit oberirdischem Speicher
– Muldenversickerung
– Beckenversickerung
• Versickerung mit unterirdischem Speicher
– Schachtversickerung
– Rigolenversickerung
– Rohrversickerung
• Kombinationen
– Retentionsraumversickerung
– Mulden- und Rohr-/Rigolenversickerung
– Schacht- und Rohr-/Rigolenversickerung
Versickerung auf seitlich angrenzender Fläche

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Versickerungsmulde SolarCity Pilching, Linz

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Retentions- bzw. Versickerungsmulden
SolarCity Pilching, Linz

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Muldenversickerung
• Prinzip
– flächenförmige Versickerung über eine belebte Bodenschicht
– Infiltration über feinkörnige Deckschicht
• Reinigungsleistung
– sehr gute biologische Reinigung durch Grasbewuchs
– Rückhalt von ungelösten Stoffen
• Wartung
– regelmäßige Reinigung und Kontrolle
– regelmäßige Mahd, Vertikutieren nach Bedarf
• Anwendung
– bei mäßig durchlässigem Untergrund, Platzmangel
– gestalterisches Element, Wohnumfeldverbesserung
• Vorteile
– sehr gute Reinigungswirkung
– geringer Aufwand
• Nachteile
– Missbrauchsgefahr, Auffüllen mit Unrat und Gartenabfällen
Versickerungsbecken

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Versickerungsbecken

Quelle: VSA, 2002


Beckenversickerung (Ausführungsbeispiel)
Beckenversickerung
• Prinzip
– flächenförmige Versickerung über eine belebte Bodenschicht
– Infiltration über feinkörnige Deckschicht
• Reinigungsleistung
– gute biologische Reinigung durch belebte Bodenschicht
– Erhöhte Reinigungsleistung durch Absetzzonen und -becken
• Wartung
– regelmäßige Reinigung und Kontrolle (Laubfall!)
– Beseitigen von Schlammschichten bei drohender Verstopfung
• Anwendung
– nur bei größeren Einzugsgebieten sinnvoll (ab 1 ha)
– In Neubaugebieten mit ausreichendem Flächenangebot
• Vorteile
– gute Reinigungswirkung
– gutes Retentionsvermögen
• Nachteile
– Gefahr für Kinder, Einfriedung
– Selbstdichtung der Sohle bei unsachgemäßer Wartung
Arten von Versickerungsanlagen
• Flächenversickerung
• Versickerung mit oberirdischem Speicher
– Muldenversickerung
– Beckenversickerung
• Versickerung mit unterirdischem Speicher
– Schachtversickerung
– Rigolenversickerung
– Rohrversickerung
• Kombinationen
– Retentionsraumversickerung
– Mulden- und Rohr-/Rigolenversickerung
– Schacht- und Rohr-/Rigolenversickerung
Versickerungsschacht

Quelle: VSA, 2002


Schnitt durch eine Schachtversickerung

Quelle: Geiger et al., 2009


Schachtversickerung mit oberflächlichem Einlauf
Schachtversickerung
• Prinzip
– konzentrierte, punktförmige Versickerung
– keine Passage durch feinkörnige Deckschichten
• Reinigungsleistung
– keine Reinigungsleistung
– Vorschaltung einer Reinigungsanlage ggf. nötig
• Wartung
– regelmäßige Reinigung und Kontrolle
– Beseitigen von Schlammschichten im Schacht
• Anwendung
– bei mäßig bis gut durchlässigem Untergrund
– in innerstädtischen Gebieten mit geringem Flächenangebot
• Vorteile
– sehr geringer Flächenbedarf
– geringe Nutzungseinschränkung des Grundstückes
• Nachteile
– keine Reinigungsleistung
– Sanierung bei Verstopfung kostspielig
Schacht mit Adsorberschicht

Quelle: VSA, 2002


Schnitt durch eine Rigolenversickerung

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


Rigolenversickerung
Ausführungsbeispiel
• Rigole
= mit Kiespackung gefüllter
Graben, in den das
Regenwasser oberirdisch
eingeleitet wird
Rigolenversickerung
• Prinzip
– Versickerung durch künstlichen, gut durchlässigen Kieskörper
– Infiltration durch feinkörnige Deckschichten
• Reinigungsleistung
– sehr geringe Reinigungsleistung
– Vorschaltung einer Reinigungsanlage ggf. nötig
• Wartung
– keine Wartungsmöglichkeit
– Kontrolle durch Revisionsschächte ( alle 50 m )
• Anwendung
– bei mäßig durchlässigem Untergrund
– Durchschneidung einer schlecht durchlässigen Bodenschicht
• Vorteile
– geringer Flächenbedarf, gutes Retentionsvermögen
– geringe Nutzungseinschränkung des Grundstückes
• Nachteile
– keine Wartungsmöglichkeit
– sehr geringe Reinigungsleistung
Schnitt durch eine Rohrversickerung

Quelle: Geiger et al., 2009


Rohrversickerung
• Prinzip
– linienförmige Versickerung mittels perforiertem Versickerungsrohr
– Rohre und Kiesummantelung sind Retentionsraum
• Reinigungsleistung
– keine Reinigungsleistung
– Vorschaltung einer Reinigungsanlage ggf. nötig
• Wartung
– gelegentliche Säuberung der Schächte
– Rohrspülung bedingt möglich
• Anwendung
– bei gut bis mäßig durchlässigem Untergrund
– Umgehung einer schlecht durchlässigen Bodenschicht
• Vorteile
– geringer Flächenbedarf, gutes Retentionsvermögen
– geringe Nutzungseinschränkung des Grundstückes
• Nachteile
– kaum Wartungsmöglichkeiten
– keine Reinigungsleistung
Arten von Versickerungsanlagen
• Flächenversickerung
• Versickerung mit oberirdischem Speicher
– Muldenversickerung
– Beckenversickerung
• Versickerung mit unterirdischem Speicher
– Schachtversickerung
– Rigolenversickerung
– Rohrversickerung
• Kombinationen
– Retentionsraumversickerung
– Mulden- und Rohr-/Rigolenversickerung
– Schacht- und Rohr-/Rigolenversickerung
Schnitt durch eine Retentionsraumversickerung

Quelle: Geiger et al., 2009


Retentionsraumversickerung
• Prinzip
– Retention und Filterung durch eine Kombination aus einem abgedichteten
Teich mit anschließendem Versickerungsstreifen
• Reinigungsleistung
– sehr hohe Reinigungsleistung durch Sedimentation und Abbau in Teich
und Versickerungsstreifen
• Wartung
– regelmäßige Reinigung und Kontrolle (Laubfall)
– Mahd, Rückschnitt von Wasserpflanzen, Vertikutieren
• Anwendung
– bei gut bis mäßig durchlässigem Untergrund
– bei höher verschmutztem Regenwasser
– Kleinklimaverbesserung durch Dauereinstau des Teiches
• Vorteile
– relativ geringer Flächenbedarf, gutes Retentionsvermögen
– als Biotop gestaltbar
• Nachteile
– regelmäßige Wartung
– Gefahr des Zuwachsens und Verlandens
Kombination von Mulden- und Rohr-/
Rigolenversickerung

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Kombination von Mulden- und Rohr-/
Rigolenversickerung
Kombination von Mulden- und Rohr-/
Rigolenversickerung
Mulden-Rigolen-System
Bei diesem System werden die Vorteile der Mulde und der Rigole
kombiniert. Von der Mulde versickert das Wasser durch eine
mindestens 20 cm dicke Mutterbodenschicht in eine Rigole. Diese
bildet zusätzlich zur Mulde einen zweiten Speicher. Von hier aus
wird das Wasser zeitlich verzögert an den Untergrund abgegeben.
Die Anwendung von Mulden-Rigolen-Anlagen kommt hauptsächlich
bei beengten Platzverhältnissen und unterschiedlichen Nutzungen
auf den zu entwässernden Flächen in Betracht.
Kombination von Schacht- und Rohr-/
Rigolenversickerung

Quelle: Geiger et al., 2009


Kombination von Schacht- und Rohr-/
Rigolenversickerung
Anlagen zur gezielten Retention von Regenwasser
• Anwendungsfälle
– bei zeitweise großem Wasseranfall
– zur gezielten Rückhaltung vor Weiter- oder Einleitung
– zur gezielten Rückhaltung in stark bebauten Gebieten
– zur Vorreinigung
– zur Kontrolle

• Anlagentypen
– Filtermulde
– Retentionsfilterbecken
– Einstau- und Gründächer
Schnitt durch eine Filtermulde

Quelle: Geiger et al., 2009


Filtermulde im Bau
Schnitt durch ein Retentions-Filterbecken

Quelle: Geiger et al., 2009


Retentions - Filterbecken
Auswahlkriterien zur Wahl des
Versickerungssystems

Quelle: ÖNORM B 2506-1


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)
Flächenbedarf von Versickerungssystemen

Quelle: Naturnahe Oberflächenentwässerung, NÖ Landesregierung 2010


226.018 Wassergütewirtschaft - Teil 1 (2012)