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Universität Novi Sad

Philosophische Fakultät
Institut für Germanistik
Kurs: Deutsche Klassik
Wintersemester: 2018

Charakterisierung der Hauptfigur in


Schillers Wallenstein-Trilogie

Professor: Julijana Beli-Göncz , Ana Mitrevski

Novi Sad, den 26.01.2018


Inhaltsangabe:

Einleitung...............................................................................................................................................4
Der historische Wallenstein (Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein)..................................................5
Charakterisierung des Protagonisten......................................................................................................6
Schlussfolgerung..................................................................................................................................14
Literaturverzeichnis:.............................................................................................................................16

2
In unserer Seminararbeit werden wir uns mit der Hauptfigur Wallenstein in Schillers
Wallenstein-Trilogie beschäftigen. Durch verschiedene Aspekte des Benehmens der
Hauptfigur Albrecht von Wallenstein werden wir sein Charakter analysieren und dadurch
versuchen, die Motivation hinter seinen Strategien und Entscheidungen zu offenbaren.
Zuerst machen wir einen kurzen Überblick über die historische Figur, die den Verfasser
als Anregung für seinen Protagonisten diente – Albrecht Eusebius Wenzel Wallenstein.
Wie Walter Hinderer aüßerte, an historischen Figuren ist das psychologische Potential,
das man an ihnen demonstrieren kann, besonders interessant. Aus diesem Grund muss
man sich zuerst mit der historischen Gestalt befassen, damit man die (mehr oder weniger)
verborgenen Stellen dieses Dramas enthüllen kann, falls es einen Zusammenhang
zwischen ihnen gibt. Erst nachdem man die Verbindung der historischen und fiktiven
Figur gut untersucht hat, kann man sich weiterhin mit der Gestalt beschäftigen, die ein
Produkt der Einbildungskraft des Autors ist.Daher haben wir in unserer Arbeit einige
interessante und unserer Meinung nach wichtige Tatsachen über diesen deutschen Fürsten
hevorgehoben...................................
Der Titel, der danach folgt, bezieht sich auf den Helden dieses Dramas, der seine Macht
nicht lange genißen konnte, aber eine Sache nach der Anderen. Zuerst werden einige
Ereignisse geaüßert die für die Entwickung der Handlung von Bedeutung sind, auf einige
von ihnen wird auch durch Retrospektive gesprochen und von vielen zukünftigen erfahren
wir durch Nebenfiguren. All dass schafft, direkt oder indirekt, die Figur Wallensteins.
Und wie kann man eine Figur (gleich ob sie fiktiv ist oder nicht) dem Leser gut
vorstellen? Es gibt schon Mittel dafür, aber in Falle Wallensteins sind die Aussagen der
Menschen aus seiner Umgebung von großer Bedeutung und seine Taten gehören dazu,
gleich nebengestellt....................................................................................................-

3
Einleitung

Wallenstein- Trilogie (1800) ist ein der fünf sogenannten klassischen Dramen Schillers.
Dieses Werk wird als „klassisch“ bezeichnet, weil es in die Periode der engen
Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller entstanden ist (1794- 1805), und zwar der
Weimarer Klassik.1
Die Trilogie Wallenstein besteht aus den Werken Wallensteins Lager, die Piccolomini und
Wallensteins Tod. Sein Werk hatte Schiller 1799 fertig gestellt und hatte etwa 10 Jahre an
den Drama gearbeitet. Der erster Teil Wallensteins Lager wurde im Oktober 1798
uraufgeführt und im Januar 1799 folgte die Uraufführung des zweiten Teils die
Piccolomini und der ersten zwei Akte des dritten Teils Wallensteins Tod. 1800 wurde das
dramatische Gedicht in Buchform veröffentlicht.
Schiller orientiert sich in diesem Stück an histrosiche Gegebenheiten und befasst sich hier
mit dem historischen Stoff über den berühmten Feldherrn Albrecht Eusebius Wenzel
Wallenstein und seinem Niedergang. Diese Tragödie bringt man in einem Zusammenhang
mit der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Das Werk spielt im Winter 1633/1634
(etwa 16 Jahre nach Beginn des Dreißigjährigen Krieges). Die Handlung bezieht sich an
den Kriegslager von Wallensteins Heer das sich in der Stadt Pilsen (in Böhmen) befindet.
Über die größe dieses Werkes gibt es viele Zeugnise.Was die Rezeption dieses Werkes
betrifft, erfahren wir aus Schillers Brief an seinem Freund Christian Gottfried Körner 2:
„Der Wallenstein hat eine außerordentliche Wirkung gemacht und auch die
Unempfindlichsten mit fortgerissen. Es war darüber nur eine Stimme, und in den nächsten
acht Tagen ward von nichts Anderem gesprochen.“
Im Jahr 1800 erschien das Gesamtwerk und 3500 Exemplare waren in zwei Monaten
verkauft und 1801 wurde eine zweite Auflage nötig und schon ein Jahr später auch eine
dritte.

1
Die deutsche Klassik wird sehr oft als Weimarer Klassik bezeichnet, weil viele bedeutende Werke
dieser Epoche in Weimar entstanden sind. Sie wurde von Goethe, Wieland, Schiller und Herder
geprägt. Manche sind der Meinung, dass man von 1786 mit Goethes erster Italienreise bis 1805,
Schillers Todesjahr von der deustchen Klassik sprechen kann, aber andere meinen, dass man den
Zeitpunkt als Weimarer Klassik bezeichnet muss, als Goethe und Schiller gemeinsam
arbeiteten, also von 1794 bis 1805.
2
Deutscher Schriftsteller und Jurist.
4
Der historische Wallenstein
(Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein)

Für ein klares Verständnis dieses Kunstwerks ist die Bekanntschaft mit der historischen
Grundlage des Dramas unentbehrlich. Wir lssen daher eine kurze Skizze von wallensteins
Leben nachstehend folgen.
Albrecht Wenzel Eusebius Wallenstein, der dritte Sohn von Waldstein und seiner
Gemahlin Margarethe von Smirricky, wurde am 15. September 1583 in Hermanice an der
oberen Elbe geboren. Unter Kaiser Rudolf II 3wurde er Soldat und wurde zum Hauptmann
der Infanterie ernannt. Nach 1614 erlangte es ihm Kaiser Ferdinands II 4Gunst zu
erwerben. 1622 gelang es ihm den Grafentitel zu erwerben. Er erweiterte die Herrschaft
Friedland durch Ankauf von 60 konfizierte Herrschaften und Güter um etwa 60
Quadratmeilen. Deshalb wurde er 1623 zum Fürsten von Friedland und somit zum einen
Reichsfürsten erhoben. Für die bedeutendste Dienste, die er dem Kaiser im Böhmen
leistete, wurde ihn 1627 der Herzogstitel zu Teil. Schiller hat diese historische Tatsachen
im Protagonisten seines Dramas reflektiert, sodass es viele Übereinstimmungen zwischen
den historischen und literarischen Wallenstein gibt, dennoch hat er mehrere Tatsachen
verändert.
Also, die Handlung im Werk beginnt so, wie es in der Geschichte auch abging: 1618 hatte
sich der ausgebrochene 30-Jähriger Krieg weiter ausgedehnt und der Kaiser nahm
Wallensteins Angebot an, ihm ein Herr von 40 000 Männer zu stellen und er nannte
Wallenstein zum Generalissimus und Feldmarschall. Außerdem, überlies der Kaiser
Wallenstein auch Mecklenburg, sodass er sich jetzt Herzog von Mecklenburg, Friedland
und Sagan nannte. Aus diesem Grund war Wallenstein ein mächtiger Gewalthaber und
hatte bei den Fürsten viel Neid erregt. 1630 beim Reichstag in Regensburg wurden von
allen Reichsfürsten Beschwerden gegen ihn erhoben, die ihn dazu bewogen, seine
Entlassung zu nehmen. Was wir noch aus der Geschichte erfahren können ist, dass
Wallenstein mächtig genug war, von seiner Gewalt gebraucht zu machen, aber er hat sich
stattdessen ruhig nach Gitschin zurückgezogen und beschäftigte sich mit der Verwaltung
seiner Güter. Aber in Schillers Drama entwickelte sich die Handlung in einer anderen
Richtung, jetzt haben wir die Veränderung der historischen Tatsachen. Also, nachdem
3
Kaiser des heiligen Römischen Reichs (1576-1612), König von Böhmen (1575-1611), Ungarn
(1572-1608) und Erzherzog von Österreich (1576-1608).
4
Ferdinand II war von 1619 bis zu seinem Tod Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Seit 1590
Erzherzog von Innerösterreich, vereinte er nach und nach die Territorien der Habsburgermonarchie
unter seiner Herrschaft; 1617 wurde er König von Böhmen – aus dieser Position jedoch 1619/20
faktisch vertrieben ,1618 König von Ungarn und Kroatien und 1619 Erzherzog von Österreich.
5
Wallenstein im Drama nach den Reichstag in Regensburg eingesehen hatte, dass er in
schlechter Lage ist, veränderte sich seine Strategie. Diese Veränderung kann man an den
Worten der Herzogin sehen, als sie an einzelne positive Eigenschaften Wallensteins vor
diesem Ereignis erinnert, wo sein Ehrgeiz nicht so entwickelt war, wenn der Kaiser ihn
noch liebte und ihn vertraute, als sein Sinn auf große Dinge gerichtet war. Nach der
Perspektive der Herzogin ist Wallenstein nach dem Geschehen in Regensburg ein
„unsteter, ungeselliger Geist geworden“, er wurde finster. Also, im Drama entscheidet
sich Wallenstein seinen eigenen Weg zu gehen und sich gegen den Kaiser zu richten.
Aber aus der Geschichte erfahren wir, dass der Kaiser Ferdinand II Wallenstein wegen
seiner verdächtigen Geschäften misstraute und nicht umgekehrt. Diese verdächtige
Geschäfte haben im Sommer 1631 begonnen, als Wallenstein Unterhaltungen mit dem
schwedischen König Adolph 5prägte und den Sachsen das Vordringen in Böhmen
erleichterte.
Noch eine historische Tatsache, die uns wichtig ist, ist Wallensteins Ermordung. Am 24.
Januar wurde den Grafen Gallas6 ein unterzeichnetes Patent gegeben, in dem Wallenstein
als Rebell bezeichnet und für Vogelfrei erklärt wurde, was von Wallenstein verborgen
blieb. Gallas und Octavio Piccolomini bekamen einen geheimen Auftrag, Wallenstein tod
oder lebend zu bemächtigen. Wallenstein sandte einen Boten mit einer Kundschaft nach
Wien, dass er niemals etwas gegen den Kaiser oder die katolische Religion unternehmen
wollte. Aber dieser Bote wurde gefangen genommen, sodass diese Nachricht niemals nach
Wien kam und aus diesem Grund wurde Wallenstein am 25. Februar 1634 von dem
Offizier Deveroux ermordet.

Charakterisierung des Protagonisten

Prolog: Auf diesem finstern Zeitgrund malet sich


Ein Unternehmen kühnen Übermuts
Und ein verwegener Charakter ab.
Ihr kennet ihn – den Schöpfer kühner Heere,
Des Lagers Abgott und der Länder Geißel,
Die Stütze und den Schrecken seines Kaisers,
Des Glückes abenteuerlichen Sohn,
Der, von der Zeiten Gunst emporgetragen,
Der Ehre höchste Staffeln rasch erstieg
Und, ungesättigt immer weiter strebend,
Der unbezähmten Ehrsucht Opfer fiel.

5
König von Schweden von 1751 bis 1771.
6
Matthias Gallas, Graf von Campo und Herzog von Lucera.
6
Wallensteins Porträt, eine Zeichung von Friedrich Pecht, 1859

Auf diese Weise wird der Wallenstein des Dramas vorgestellt, ein verwegener Charakter,
der ein Abgott für seine Untertanen war und zum Schrecken seines Kaisers wurde. Aber,
was brachte einen abenteuerlichen Sohn zu einem solchen Weg, welcher ihn zum
Niedergang brachte und sein Todesurteil wurde? Vielleicht passierte es genau aus diesem
Grund, weil sein Geist zu abenteuerlich war, dass er sich gegen die Hand des Kaisers
richtete. Aber, einen solch komplizierten Charakter muss man unbedingt im
Zusammenhang mit vielen psychologischen Faktoren und dem historischen Hintergrund
analysieren, denn er ist ein Produkt des Dreißigjährigenkriges und einer besonderen
gesellschaftlichen Umgebung.
Die psychologie Wallensteins kann man schon in dem Prolog erkennen, wo folgendes
geäußert wird:

Denn wer den Besten seiner Zeit genug


Getan, der hat gelebt für alle Zeiten.

Dies kann als die philosophie Wallensteins verstanden werden, denn was wir mit
sicherheit beschließen können ist, dass er nur die Rolle der rechten Hand des Kaisers nicht
spielen wollte.

7
Er wollte durch eigene Kriegeserfolge eine neue Höhe erreichen und somit eine noch
größere Figur sowie in den Augen seiner Untertanen, als auch in den Seinigen sein. Daher
werden seine Aussagen völlig klar: Ich hab‘ hier bloß ein Amt und keine Meinung. Aber,
diese Stellungnahme die Wallenstein durch das ganze Drama aüßert zeigt eine Gefahr der
Anarchie und der politischen Willkür und dies ist der Punkt von wem sich die ganze
Handlung weiter entwickelt.
Diese Anarchie sieht man vor allem in Wallensteins Ideologie, die sich an eine neue
Ordnung der Gesellschaft bezieht. An der anderen Seite befindet sich der Kaiser mit
seiner Ideologie, die die Tradition und Ordnung betrifft und hinter welcher seine
Machtinteressen verborgen sind. Obwohl dem Kaiser die Mehrheit seiner Untertanen treu
ist, haben zahlreiche ihre Augen fest offen und erkennen seine Intrigen und Lügen.
Deswegen richtet sich eine Vielzahl von ihnen nach Wallenstein, in dem sie die Lösung
für ihre Quallen sehen.

Erster Jäger:
Ja, ja, im Ganzen, da sitzt die Macht!
Der Friedländer hat das wohl erfahren,
Wie er dem Kaiser vor acht – neun Jahren
Die große Armee zusammenbracht.
Sie wollten erst nur von zwölftausend hören:
Die, sagt' er, die kann ich nicht ernähren;
Aber ich will sechzigtausend werben,
Die, weiß ich, werden nicht Hungers sterben.
Und so wurden wir Wallensteiner.

Nach Jägers Worten kann man folgern, dass der Kaiser seine Untertanen keine Pflege gab,
die sie benötigten. Aber an der anderen Seite kommt demnach der Feldherr, der ihnen
seine Großzügigkeit zeigte. Sie waren seine Untertanen, nicht weil sie Angst vor ihn
hatten, sondern weil sie von ihm alles bekamen, dass ihnen geholfen hat im Leben zu
bleiben. Deswegen waren ihm alle seine Untertanen treu und dankbar.

Wachtmeister (auf den Trompeter zeigend).


Und der da und ich, wir sind aus Eger.
Nun! und wer merkt uns das nun an,
Daß wir aus Süden und aus Norden
Zusammengeschneit und -geblasen worden?
Sehn wir nicht aus wie aus einem Span?
Stehn wir nicht gegen den Feind geschlossen,
Recht wie zusammengeleimt und -gegossen?

8
Greifen wir nicht wie ein Mühlwerk flink
Ineinander, auf Wort und Wink?
Wer hat uns so zusammengeschmiedet,
Daß ihr uns nimmer unterschiedet?
Kein andrer sonst als der Wallenstein!

Wallenstein sieht alle Untertanen gleich und er hat niemanden hintangesetzt. Indem
unterscheidet er sich viel vom Kaiser, weil er seine Untertanen respektiert hat. Sie haben
ihn geliebt, weil es einen großen Unterschied zwischen dem Benehmen vom Kaiser und
dem von Wallenstein gibt. Hier kann man die Macht des Feldherrs sehen, weil er
sowelche Mächte besitzt, dass ihm alle respektieren. Seine Untertanen sind der Grunde,
weswegen er ein wertvoller Feldherr ist.

Erster Jäger:
Freiheit ist Jägers Element.
Zweiter Jäger:
Freiheit ist bei der Macht allein:
Ich leb und sterb bei dem Wallenstein.

Wallenstein war ein guter Führer und ein großherziger Vater. Die Jäger beschreiben das
am besten durch ihre Wörter, die sehr gut zeigen, dass sie ihm treu sind und dass sie bis
zum Ende ihres Lebens nur einen Feldherr haben möchten, denn dieser verdient es auch.
Seine Macht kann niemand bewältigen, denn niemand hat solche treue Untertanen wie
Wallenstein.

Erster Kürassier:
Was ist da zu machen, Kameraden?
Es ist nur eins, was uns retten kann:
Verbunden können sie uns nichts schaden,
Wir stehen alle für einen Mann.
Laßt sie schicken und ordenanzen,
Wir wollen uns fest in Böhmen pflanzen,
Wir geben nicht nach und marschieren nicht,
Der Soldat jetzt um seine Ehre ficht.

Alle diese Zitate zeigen die gute Seite Wallensteins. Aber im Unterschied zum Kaiser hat
Wallenstein andere Absichten. Er setzt sich für die Vereinigung der Gesellschaft ein, bis

9
sich der Kaiser für die Tradition und die Disziplin einsetzt. In seinen Absichten hat er
Gunst für sich gesucht und ihm waren die anderen nicht wichtig. Alle dachten, dass er ein
guter und uneigennütziger Feldherr war, aber auf der anderen Seite sehen wir in
Wirklichkeit seine Leistungen, hinter denen sich viele schlechte Sachen und Absichten
verbergen. Am Anfang hat er nur böse Gedanken, aber er macht damit weiter, er hat nicht
angehalten. Man kann frei sagen, dass sein böser Wille seine eigentliche Schuld ist.

Schiller sagt vom historischen Wallenstein: In seinem Betragen war er schwankend und
unentschlossen, in seinen Planen phantastisch und excentrisch, und in der letzten
Handlung seines Lebens, der Verschwörung gegen den Kaiser, schwach und unbestimmt,
ja sogar ungeschickt.

Aus diesem Zitat kann man in Wirklichkeit sehen, wie uns der Dichter den dramatischen
Helden aus Wallenstein vorgestellt hat. Wallenstein ist in seinem Benehmen schwankend,
aber in seinen Plänen ist er auch so „phantastisch und excentrisch“. Er hatte nicht nur die
Sucht nach seinen großen Ruhm, sondern wollte er auch eine mächtige Größe erreichen.

Hinter seinem Charakter liegt etwas wahrhaft Gespenstisches. Er ist gleichzeitig ernst und
finster, als ob ihn eine unsichtbare Macht haltet und zu seinen schlechten Absichten führt.
Fast immer spricht er nur in Rätseln und er durchschreitet die tragische Situation, wie in
einem großartigen Wahnsinn, wo ihn seine wunderliche Widersprüche verstrickt haben.

Wallenstein ist eine Figur, über welche wir durch andere Figuren etwas erfahren, denn
diese nutzen, damit wir seine Gestalt und seine Tugende besser sehen könnten. Schillers
Trilogie stellt als Helden weder einen Märtyrer, noch einen Revolutionär mit historischer
Größe dar, Wallenstein hat einen komplizierten Charakter und ein kompliziertes
Schicksal. Durch die Gestalt Wallensteins demonstriert Schiller die Autonomie der
menschlichen Person , die sich der Freiheit übergibt und sich moralisch entlebt. 7
Wenn Wallenstein diese Autonomie am Schluss erreicht, so macht das aus ihn zwar einen
erhabenen Charakter, einen Menschen, der seinen Prinzipien treu ist, aber keine Gestalt
von historischer Größe. Das heißt, dass sich dieses Drama nur auf eine menschliche
Dimension bezieht um die Sympathie für den untergehenden Helden zu verstärken. Er war
Feldherr in einem alles erschütternden, von Mord und Elend durchzogenen Kriege 8. Aber
die Begeisterung des Heeres für ihn hatte ihren Grund nicht in der Furcht, weil er sehr
streng war, sondern nur in dem gerechten, ernsten Wesen.
Wallenstein zielte danach ein großer Feldherr zu sein, aber er war mehr ein Abgott für
seine Untertanen, als ein aktiver Herrscher. Er ist also ein passiver Feldherr, der
schwankend und unentschlossen ist. In seinen Plänen ist er phantastisch und excentrisch
und in der letzten Handlung seines Lebens, der Verschwörung gegen den Kaiser,
schwach, unbestimmt und sogar ungeschickt. Über seine zukunftige Pläne wird wohl viel

7
Schiller, Friedrich: „Dramen“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WGB), Darmstadt, 2009. Seite:
98.
8
Oschmann, Dirk: „Friedrich Schiller“. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2009. Seite: 104.
10
geredet, aber nicht gehandelt. Man kann also viele negative Urteile über ihn geben, weil
sein „Ehrgeiz grenzenlos ist und sein Stolz unzerbrechlich“. 9
Er hat manche Tugenden eines Herrschers und Helden, Mut, Klugheit und Festigkeit, aber
ihn fehlen sanftere Tugende des Menschen die einen Helden und Herrscher ausmachen.
Nach dem Sturz in Regensburg veränderte sich sein Glauben an sich, deswegen sagt er,
dass er seiner eigenen Kraft nicht mehr fröhlich vertraut, weswegen die Herzogin sagt,
dass sich sein Herz mit den dunklen Künsten verband. Dacher kommt das Bedürfnis nach
Astrologie.

Die Sterne lügen nicht, das aber ist


Geschehen wider Sternenlauf und Schicksal.
Die Kunst ist redlich, doch dies falsche Herz
Bringt Lug und Trug in den wahrhaftigen Himmel.

Es ist eine Projektion seiner Unsicherheit, die sich in seinen ständigen Zörgerungen sieht.
Wallensteins Sternenglauben wird im Laufe der Handlung ironisiert 10. Sein Aberglaube
treibt ihn in die Falle seiner Gegner, das sieht man vor allem in seinem Verhältnis zu
Octavio Piccolomini. In dem dritten Buch sagt Wallenstein:

Hab ich des Menschen Kern erst untersucht, so weiß ich auch sein Wollen und sein
Handeln.

Er unterliegt einer tragischen psychologischen Teuschung wie im Falle Buttlers, nach dem
der Verrat Octavios entdeckt ist, umfasst er mit Herzlichkeit Buttler und sagt, dass er sich
jetzt auf seine treue Schulter stützen will.

Die Begeisterung des Heeres für ihn war auf seinem ernsten Wesen gegründet, die Heeren
waren nicht mit Wallenstein begeistert aus Ehrfurcht, sondern wegen seiner eigenen
Leistungen. Für alle Bedürfnisse seines Heeres war er bis aufs Einzelne besorgt. Seine
eigene Kasse gab oft die Mittel dazu her.
Die Figur wird durch verschiedene Figuren dargestellt, wie die Figur des Bauers, Jägers,
Trompeter etc. Wallenstein bildet das Zentrum der Dialoge, er wird also gezeigt, bevor er
sich selber zeigt: in seinem Charakter, seinen Fähigkeiten, seinen Erfolgen, seiner Macht
und seiner Anmaßung11. Wallenstein wird vom Volk als Soldatenvater gezeigt, der für
alle, die zu ihm gehören, sorgt. Schon im Prolog sehen wir, dass sich die Größe des
Menschen in seinem Erfolgen erkennt und das ist auch die Philosophie von Wallenstein:

9
Oschmann, Dirk: „Friedrich Schiller“. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2009. Seite: 110.
10
Engelhart, Andreas: „Einführung in das Werk Friedrich Schillers“. Wissenschaftliche
Buchgesellschaft (WGB), Darmstadt, 2010. Seite: 89.
11
Schiller, Friedrich: „Dramen“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WGB), Darmstadt, 2009. Seite:
100.

11
Denn nur der große Gegenstand vermag
Den tiefen Grund der Menschheit aufzuregen,
Im engen Kreis verengert sich der Sinn,
Es wächst der Mensch mit seinem größern Zwecken.

Es gibt auch einige Beispiele aus dem Werk, die die Größe Wallensteins reflektieren:
In dem ersten Buch, Wallensteins Lager, sagt der Wachtmeister folgendes:

Unser Hauptmann und hochgebietender Herr ist nach dem Kaiser der nächste Mann,
und wer weiß, was er noch erreicht.

Diese Aussage liegt an seinen militärischen Erfolgen als Feldherr und an seiner
besonderer Fähigkeit, Ganzheit zu stiften12. Ganzheit erscheint hier als höchster Wert:
„Man muss immer das Ganze überschlagen“ und „im Ganzen, da sitzt die Macht!“.
Die höchste Qualität seiner Menschenführung kann man in dem ersten Teil der Trilogie
Wallensteins Lager sehen, in dem es fast keine Handllung gibt. Diese Handlungslosigkeit
kündigt bereits der Prolog mit dem Hinweis an, es folge eine „Reihe von Gemälden“, die
nicht nur ein Bild der Zeit des 30-Jährigen Krieges enstehen lassen, sondern vor allem ein
Porträt des noch nicht in Erscheinung tretenden Wallenstein. Beim jungen Wallenstein
zeigte sich das Genie, aber auch die Neigung zum Mysteriösen. Er wurde tiefsinniger, trat
zum katolischen Glauben über und hielt sich nun für ein „begünstigt und befreites
Wesen“.

Im Werk gibt es auch einige Beispiele, die negative Meinungen über den Fürst
Wallenstein reflektieren: So sagt der Kapuziner, dass Wallenstein ein Kriegskönig ist, der
„die Völker von der wahren Lehren / zu falschen Götzen tut verkehren“, dass er auch alle
festen Schlösser einnehmen will, nennt ihn einen listigen Fuchs und einen Sündenvater.
Der Kirchenman treibt auch Wortspiele und sagt, dass Wallenstein allen ein Stein ist und,
dass „solange Friedland“ waltet,“so wird nicht Fried´ im Land“.
Die Spiele der Gewalt sind für Wallenstein nicht nur Teil eines politischen Kalküls,
sondern auch eine Form des spielerischen Selbstgenusses; sie sind eine Möglichkeit, die
eigene Überlegenheit zu demonstrieren und auszuleben, Freund und Feind hinzuhalten
und selbstherrlich allein die eigenen „Pläne“ zu verfolgen 13.

Ähnlich verhält er sich mit seinen ideologischen Zielen. Einmal spricht er vom neuen
Reich des Friedens, der Glaubensfreiheit, einmal von seinen Kronenträumen, einmal will
er Böhmen befreien, dann wieder Deutschland. Manches erweist sich dann nur als späte
Rache für Regensburg. Er möchte einen guten Zustand erreichen, indem er fremde
Freiheit verletzt, d.h. gegen die Menschheit verstößt. Dort erscheint sein Despotismus 14

12
Elfriede Neubuhr: „Geschichtsdrama“. Darmstadt, 1980. Seite: 72.
13
Schiller, Friedrich: „Dramen“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WGB), Darmstadt, 2009. Seite:
106.
14
Die uneingeschränkte Herrschaft die ein Herrscher ausübt.
12
und zwischen ihm und den Kaiser sieht man den Gegensatz zwischen Ordnung und
Anarchie15.

Im Hinweis auf diese Beispiele, die positive, aber auch negative Seite Wallensteins
zeigen, können wir bemerken, dass in seiner Persönlichkeit einige Widersprüche gibt.
Außerdem, hat Schiller hier den Unterschied zwischen dem Schein und Sein gezeichnet,
beziehungsweise zwischen dem, was ein solcher Charakter in allen seinen
Wiedersprüchen ist, und dem, was er nach außen hin scheint.
Die Übergänge von Gut und Böse sind bei Wallenstein und anderen Nebenfiguren
undeutlich, sie werden im Laufe der Handlung komplizierter und damit auch die
Einschätzung der Figuren entschweren.
Wichtige Züge aus seiner Jugend teilt uns Gordon mit. Was das Heer von ihm hält, sagt
uns der Jäger. Was die Welt von ihm urteilt, erfahren wir von Questenberg. Und wie die
ihm Generäle über ihn denken, zeigt uns der junge Piccolomini. So versuchte Schiller die
Züge aus dem Leben des geschichtlichen Helden zu zeigen, um den Leser für ihn als
Menschen zu interessieren und gleichzeitig seine Handlungsweise psychologisch zu
begründen.
Wallenstein war also ein Mann, dessen betonte Charakteristiken ein stolzes
Selbstbewusstsein reflektieren, der sich in jedem Moment frei entschließen konnte und
sich niemandem unterwerfen möchte. Was noch entgegengesetzt ist, ist dass er
gleichzeitig schlau (er konnte bemerken, dass man ihn absetzen will) und sehr naiv
(vertraut seinen „Freunden“) war. Trotzdem will er sich nicht zu dem entscheidenden
Schritt entschließen, bis ihn die Sterne dazu auffordern.

Seni an der Leiche Wallensteins, Gemälde Carl Theodor von Piloty, 1855

15
die Abwesenheit von Herrschaft.
13
Schlussfolgerung

Wie im Prolog steht,

Von der Parteien Gunst und Haß verwirrt


Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte;
Doch euren Augen soll ihn jetzt die Kunst,
Auch eurem Herzen menschlich näher bringen.
Denn jedes Äußerste führt sie, die alles
Begrenzt und bindet, zur Natur zurück,
Sie sieht den Menschen in des Lebens Drang
Und wälzt die größre Hälfte seiner Schuld
Den unglückseligen Gestirnen zu.

hat die Kunst wirklich diesen Feldherren zu unseren Herzen näher gebracht, sodass wir
seinen Niedergang bedauern müssen. Selbst wenn wir der Meinung sind, dass Wallenstein
ein amoralischer Egoist ist, der seinen Kaiser und das ganze Reich betrügte, fühlen wir
eine Art von Trauer wegen seines Schicksals. Was interessant ist, ist die Tatsache, dass es
zu diesem Tag keine Beweise gibt, dass der historische Wallenstein seinen Kaiser
wirklich betrogen hatte. Daher gibt es verschiedene Meinungen darüber ob Wallenstein
schuldig oder unschuldig ist und ob die Verhandlungen mit den Sachsen und den
Schweden ein Produkt des verräterischen Bündnises gegen den Kaiser sind oder nicht.
Eine Verteidiger Wallensteins ist Friedrich Förster. Er behauptet folgendes: „In ihrer
ganzen Ausdehnung hat er seine Vollmachten gebraucht, aber missbraucht hat er sie nie.
Was er gethan, und was ihm seine Feinde zur Anklage machten, dazu hatte ihm sein
Kaiser das Recht gegeben.“ Die spätere geschichtliche Forschung hat begründet, dass
Wallenstein logischerweise von der Schuld freizusprechen ist, denn selbst seine
Verhandlungen mit den Sachsen und den Schweden müsten mit der Zustimmung des
Kaisers geführt werden.
Was wir über Wallenstein folgern können ist, dass er ein Produkt des Dreißigjährigen
Krieges ist, was wir voher schon erwähnt haben. Sein schreckliches Schiksal geschah teils
wegen seiner Fehler, teils wegen der schlechten Lage des Menschen in dieser Zeit.
Wie Kommerell in seiner Schrift „Schiller als Gestalter des handelden Menschen“,
sagt: „Vor der Tat ist der Mensch noch unbestimmt, eine mehrfache Möglichkeit, die Tat
bestimmt ihn. Von der Tat empfängt er seinen Charakter, wie der Siegellack den
Stempel.“ Und dort liegt Wallensteins Misserfolg, weil ihm seine fehlerischen Schritte am
Ende des Dramas bestimmen und nicht die Größe die er hätte werden können. Aber sein
tragisches Ende rührt uns tief, vor allem nach seiner Klage zu Gordon, wo man seine
Selbsterkenntnis eindeutig sehen kann. Am Ende sagt Wallenstein zu Gordon:

14
Blut ist geflossen Gordon. Nimmer kann der Kaiser mir vergeben. Könnt ers, ich, ich
könnte nimmer mir vergeben lassen. Hätt ich vorher gewußt, was nun geschehn, daß es
den liebsten Freund mir würde kosten, und hätte mir das Herz, wie jetzt gesprochen –
kann sein, ich hätte mich bedacht...

15
Literaturverzeichnis:

1. Schiller, Friedrich: „Dramen“. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WGB),


Darmstadt, 2009. Seiten: 97- 108.
2. Zyp, Mon: „Das grosse Lexikon der Geschichte“. Wilhelm Heyne Verlag,
München, 1976. Seite: 983.
3. Oschmann, Dirk: „Friedrich Schiller“. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien, 2009.
Seiten: 102- 116.
4. Englhart, Andreas: „Einführung in das Werk Friedrich Schillers“.
Wissenschaftliche Buchgesellschaft (WGB), Darmstadt, 2010. Seiten: 83-95.
5. Schiller, Friedrich: „Wallenstein“. Insel Verlag Frankfurt am Main und Leipzig,
1984.
6. Elfriede Neubuhr: „Geschichtsdrama“. Darmstadt, 1980. Seiten: 2-85.

16
Pflichterklärung

Wir versichern, das wir diese Arbeit selbststädig und nur mit den agegebenen Quellen und
Hilfsmitteln angefertigt haben und dass wir alle Stellen, die aus anderen Werken (auch aus
dem Internet) dem Wortlaut der dem Sinne nach entnommen sind, kenntlich gemacht
haben.

Novi Sad, den 26.01.2018

Unterschriften

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