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1  Erdgas und Erdöl – Quellen für Kohlenwasserstoffe

Kohlenstoff – ein vielseitiges Element (S. 24/25)

Zu den Aufgaben A1    
a)  Zwei Kohlenstoff-Atome, die miteinander verknüpft sind, können noch maximal sechs Wasser-
stoff-Atome binden. Jedes Kohlenstoff-Atom ist damit vier Elektronenpaarbindungen eingegangen.

Strukturformel:

(VKDP
b)  Das vierbindige Kohlenstoff-Atom bindet maximal zwei zweibindige Sauerstoff-Atome.

Strukturformel:  O C O

Im Carbonat-Ion ist das Kohlenstoff-Atom mit drei Sauerstoff-Atomen verknüpft.


O
Strukturformel:
O C
O

A2  

Mineral Eigenschaften Verwendungsmöglichkeiten


Graphit schwarz, glänzend, sehr weich, leicht Bleistiftminen, Schmiermittel, Elektroden,
spaltbar, gute elektrische Leitfähigkeit, Schleifkontakte in Elektromotoren, Ruß
Dichte 2,3 g/cm3, Sublimationstemperatur als Füllstoff in Autoreifen, schwarzes Pig-
ca. 3650 °C ment in Mascara und Tonern
Diamant farblos, durchsichtig, stark lichtbrechend, Schmuckstücke, Industriediamanten in
sehr hart, schwer spaltbar, keine elek- Bohrköpfen und Schneidwerkzeugen
trische Leitfähigkeit, Dichte 3,5 g/cm3,
schmilzt nicht, sondern wandelt sich in
Graphit um

A3   Kohlenstoff-Nanoröhren sind ungefähr 10 000-mal dünner als ein menschliches Haar und
bestehen aus aufgerollten Ebenen von Kohlenstoff-Sechsringen. In der Zukunft werden sie wahr-
scheinlich in vielen Bereichen zur Anwendung kommen, beispielsweise als winzige Drähte, medizini-
sche Matrizen für das Wachstum von Knochenzellen, Akkumulatoren und vieles mehr. Diese
Nanoröhren sind einzelne Moleküle von wenigen Nanometern Durchmesser und mehreren Mikro-
metern Länge.

A4 
Herkunft und Studium.  Friedrich Wöhler wurde am 31. Juli 1800 in Eschersheim bei Frankfurt am
Main als Sohn eines fürstlichen Stallmeisters, Tierarztes und Agrarwissenschaftlers geboren. Der
Vater erwarb 1806 ein Gut und bewirtschaftete es erfolgreich. Er wurde einer der angesehensten
Bürger Frankfurts. In dieser bürgerlichen Umgebung wuchs F. Wöhler auf, er entwickelte in der
Schulzeit erste Interessen an der Chemie und Mineralogie.
1820 begann er das Medizinstudium in Marburg. Im folgenden Jahr wechselte er nach Heidelberg,
um dort neben dem Studium der Medizin im chemischen Laboratorium von Professor Leopold
Gmelin zu experimentieren. 1823 schloss er das Medizinstudium mit der Promotion ab und wandte
sich ganz der Chemie zu. Im gleichen Jahr erhielt er die Gelegenheit, in Stockholm bei Jöns Jakob
Berzelius zu arbeiten. Im Laufe des einjährigen Aufenthalts entwickelte sich zwischen dem jungen
Chemiker und dem viel älteren Großmeister der damaligen Chemie eine Freundschaft, die trotz
fachlicher Kontroversen ein Leben lang Bestand hatte.

Erfolgreicher Forscher.  Von 1825 bis 1831 unterrichtete und forschte Wöhler in Berlin an der
Städtischen Gewerbeschule. 1827 und 1828 arbeitete er Methoden aus, um metallisches Alumi­nium
und Beryllium zu isolieren. Außerdem entdeckte er Calciumcarbid, aus welchem mit Wasser Acetylen
(Ethin) hergestellt werden konnte. 1828 folgte die Zufallssynthese des Harnstoffs aus Ammoniumcy-
anat, die ihn weltberühmt machte.
Wöhler berichtete in einem Brief vom 22. Februar 1828 seinem Freund und Lehrer Berzelius:
„… muß ich Ihnen erzählen, daß ich Harnstoff machen kann, ohne dazu Nieren oder überhaupt ein
Thier, sey es Mensch oder Hund nöthig zu haben … Es bedürfte nun weiter Nichts als einer vergleichen-
den Untersuchung mit Pisse-Harnstoff, den ich in jeder Hinsicht selbst gemacht hatte, und dem

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Cyan-Harnstoff.“
Noch im Jahr der Harnstoffsynthese, mit 28 Jahren, wurde Wöhler zum Professor ernannt. 1831
wechselte er von Berlin nach Kassel an die Höhere Gewerbeschule. 1836 übernahm er den Lehrstuhl
für Chemie und Pharmazie an der Universität Göttingen. Unter seiner Leitung wurde das Göttinger
Labor eine berühmte Lehrstätte, die Studenten aus vielen Ländern anzog. In seiner weiteren
Forschung bevorzugte Wöhler wie zu Beginn seiner Laufbahn die anorganische Chemie. Er erkannte
z. B. die Ähnlichkeit von Kohlenstoff und Silicium und stellte 1858 als Erster Silan (SiH4 ) her, das
Analogon zu Methan. Bis zu seinem Tod im Jahr 1882 wirkte Wöhler in Göttingen.

Zusammenfassend und ergänzend lässt sich sagen, dass Friedrich Wöhler auf den folgenden
Gebieten forschte:
– Kohlenstoff-Verbindungen: Wöhler gelang erstmals die Synthese von Harnstoff, Oxalsäure,
Calciumcarbid, Ethin, Benzoe­säure und Hydro­chinon (1,4-Dihydroxybenzol). Zusammen mit Justus
von Liebig und anderen Chemikern entwickelte er die Radikaltheorie (Theorie zur Zusammenset-
zung von organischen Verbindungen aus kleineren Gruppen von Atomen).
– Reduktion von Metallen: Wöhler entwickelte Verfahren zur Gewinnung von Aluminium, Beryllium,
Yttrium, Silicium und Nickel.

Hinweis: Das „Museum der Göttinger Chemie“, dessen Besuch empfehlenswert ist, bewahrt einige
Veröffentlichungen zu Wöhlers Tätigkeiten auf.

A5  
a) Häufige Elemente in organischen Verbindungen sind: Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Sauer-
stoff, Fluor, Phosphor, Schwefel, Chlor, Brom, Iod.

b) Strukturformel eines Moleküls, das aus einem C-Atom, vier H-Atomen und einem O-Atom aufge-
baut ist:


  

c)  Das Kohlenstoff-Atom steht in der 2. Periode und IV. Gruppe des Periodensystems. Es geht
 
aufgrund seiner vier Valenzelektronen vier Atombindungen (Elektronenpaarbindungen) ein. Man
 es ist „vierbindig“. Diese Vierbindigkeit ermöglicht eine große Vielfalt der Bildung von Verbin-
 sagt,
  Dazu kommt, dass Kohlenstoff-Atome untereinander Bindungen eingehen können und
dungen.
dadurch die Anzahl der Verknüpfungsvariationen immens zunimmt.
  

  A6
    Butan: 
 Summenformel: C4H10  Strukturformel: H H H H
   H C C C C H
H H H H
   

Calciumcarbonat:  Verhältnisformel: CaCO3  Struktur: Gitter aus Ca2+-Ionen und CO3–-Ionen
     
  Eine
 Abgrenzung zwischen organischen und anorganischen Verbindungen weist immer eine gewisse
Willkür auf. Calciumcarbonat ist ein Salz, also eine Ionenverbindung. Butan ist eine Molekülverbin-
dung, die auch C-C-Atombindungen aufweist. Es gibt allerdings auch organische Ionenverbindungen.

Man könnte auch als Kriterium nehmen, dass die organischen Verbindungen C-C-Atombindungen
aufweisen und die anorganischen Verbindungen nicht. In diesem Fall müsste allerdings Methan als
Ausnahme zu den organischen Verbindungen gezählt werden. Eine weitere Ausnahme wäre ein Teil
der Carbide (Acetylide und Allenide), die zu den anorganischen Verbindungen gezählt werden,
obwohl ihre Ionen C-C-Atombindungen aufweisen.

Historisch hat sich die Einteilung entwickelt, dass zur organischen Chemie alle Kohlenstoff-Verbin-
dungen zählen, mit den folgenden Ausnahmen:
–  elementarer Kohlenstoff (Graphit, Diamant usw.)
–  Carbide (Methanide, Acetylide, Allenide)
–  Kohlenstoffmonooxid
–  Kohlenstoffdioxid
–  Schwefelkohlenstoff
–  Kohlensäure und ihre Salze
–  Cyanide
–  Cyanate
–  Thiocyanate

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A7   Strukturformel des Ethanol-Moleküls:
 

   
 
Das Ethanol-Molekül ist aus zwei Kohlenstoff-Atomen, vier Wasserstoff-Atomen und einem Sauer­
  
stoff­-Atom aufgebaut. Seine Summenformel lautet C2H6O. Die beiden Kohlenstoff-Atome sind mit
 einer
  Einfachbindung
  miteinander verbunden. Ein Kohlenstoff-Atom ist mit drei Wasser­stoff­-Atomen
verknüpft,
   das zweite Kohlenstoff-Atom zwei Wasserstoff-Atomen. Das Sauerstoff-Atom ist mit dem
zweiten Kohlenstoff-Atom und einem Wasser­stoff­-Atom verknüpft.
   

  A8
     
a) H H H H H H H H H H
   
H C C C H H C C C C H H C C C H
H H H H H H H H H
Propan Butan H C H
H
Isobutan
(2-Methylpropan)

b)  Summenformeln:  
Propan: C3H8
Butan: C4H10
Isobutan: C4H10

Butan und Isobutan haben die gleiche Summenformel. Es liegt Isomerie (Strukturisomerie) vor.

1.1  Erdgas und Erdöl (S. 26/27)

Zu den Aufgaben A1  
– Der Verbrauch von Erdgas und Erdöl schwankt weltweit, die Tendenz ist aber steigend.
– Die Ausbeute aus den Erdöl- und Erdgasfeldern ist keine feste Größe; mit neuen Methoden kann
diese Ausbeute erhöht werden.
– Neue Erdöl- und Erdgasvorkommen könnten entdeckt werden.
– Wenn die Preise steigen, lohnt es sich, bisher nicht wirtschaftlich ausbeutbare Vorkommen zu
nutzen.
– Steigen die Preise zu hoch, werden Erdöl und Erdgas durch andere Energieträger und Rohstoffe
ersetzt, sodass der Verbrauch sinkt.

A2   Die Alaska-Pipeline beginnt in der Prudhoe Bay (Nordpolarmeer), kreuzt die alaskische
arktische Tundra und endet in Valdez am Prince William Sound (Pazifik). Das Öl muss aufgeheizt
werden, damit es nicht zu zäh ist und die Rohrleitung leicht durchfließen kann. Die Wärme wird
teilweise vom Öl auf das Rohr und seine Umgebung übertragen. Wäre das Rohr im Boden verlegt,
würde durch die Wärmeabgabe der Dauerfrostboden schmelzen, und die Pipeline würde in den
Boden einsinken. Die Alaska-Pipeline ist deshalb über weite Strecken an der Unterseite isoliert und
auf Stelzen verlegt.

A3   Die Verbraucherländer sind in starkem Maße von den Förderländern abhängig. In Krisen­
situationen kann es passieren, dass sie vom Nachschub an Erdgas und Erdöl abgeschnitten werden.
Dies kann zu erheblichen wirtschaftlichen Einschnitten in den Verbraucherländern führen. Die
Transportwege sind (z. B. durch Anschläge) immer gefährdet. Diese Situation kann im Extremfall zu
Kriegen führen, in denen die Verbraucherländer versuchen, ihren Nachschub an Erdgas und Erdöl zu
sichern bzw. wiederherzustellen.

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1.2  Methan – Hauptbestandteil des Erdgases (S. 28/29)

Zum Versuch V1   Das Kalkwasser in der Waschflasche trübt sich (Nachweis von Kohlenstoffdioxid).

Reaktionsgleichung:  Ca2+(aq)  +  2 OH–(aq)  +  CO2(g)    CaCO3(s)  +  H2O (l)

Im U-Rohr lässt sich Wasser nachweisen, z. B. mit Watesmo-Papier oder mit weißem Kupfersulfat. In
beiden Fällen ist eine Blaufärbung zu beobachten.

Reaktionsgleichung (im Falle von Kupfersulfat):  CuSO4  +  5 H2O    CuSO4·5 H2O


(weiß) (blau)

Zu den Aufgaben A1   Erdgas ist farb- und geruchlos. Strömt Erdgas unbemerkt aus, kann es mit der Luft explosive
Gemische bilden. Der Geruchsstoff führt dazu, dass ausgeströmtes Gas wahrgenommen wird, sodass
man sofort entsprechende Maßnahmen treffen kann.
Hinweis: Als Geruchsstoffe (Odorierungsmittel) werden die Schwefel-Verbindungen Tetrahydrothio-
phen (THT), dessen Geruch an faule Eier erinnert, und Mercaptane eingesetzt. Als schwefelfreie
Geruchsstoffe kommen Acrylate (Methylacrylat, Ethylacrylat) zum Einsatz.

A2   Das C-Atom als Element der IV. Hauptgruppe und 2. Periode des Periodensystems weist im
Methan-Molekül vier Elektronenpaare als Bindungspaare auf. Es hat damit die Elektronenkonfigura­
tion des Edelgasatoms Neon.

A3   Schritt 1: Man verbrennt Methan und identifiziert die Verbrennungsprodukte: Kohlenstoff­


dioxid und Wasser. Methan enthält folglich die Elemente Kohlenstoff und Wasserstoff.
Schritt 2: Man bestimmt die molare Masse bzw. Teilchenmasse, z. B. indem man eine Portion mit
bekanntem Volumen und bekannter Temperatur wiegt:  mt = 16 u.  Mit  mt (H) = 1 u  und 
mt (C) = 12 u  ergibt sich nur eine mögliche Summenformel: CH4 .
Hinweis: Da die Verbrennungsprodukte Kohlenstoff­dioxid und Wasser sind, könnte Methan im
Prinzip auch das Element Sauerstoff enthalten. Dies ist aber von der Teilchenmasse des Methan-
Moleküls her nicht möglich, da  mt (O) = 16 u  ist.

1.3  Die Alkane – eine homologe Reihe (S. 30)

Zur Aufgabe A1  
H H H H H H H H H H CH3 H
H C C C C C H H C C C C H H C C C H
H H H H H H CH3 H H H CH3 H

(Pentan/n-Pentan) (2-Methylbutan) (2,2-Dimethylpropan)

Hinweis: Die Namen der Verbindungen sind in Klammern gesetzt, da die Aufgabenstellung im
Schülerbuch die Benennung nicht fordert. Die Nomenklatur wird im Kapitel 1.4 eingeführt.

1.4  Die Alkane – Nomenklatur (S. 31)

Zu den Aufgaben A1   Der systematische Name von Isobutan ist 2-Methylpropan.

A2   a), b)  Die oberen zwei und die unteren drei Verbindungen haben jeweils gleiche Summen­
formeln, sind also Isomere.

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3,3-Dimethylpentan C7H16 CH3 H

CH3 CH2 C CH2 CH3 H H H C H H H


H C C C C C H
CH3
H H H C H H H
H
3-Methylhexan C7H16 CH3 CH2 CH CH2 CH2 CH3 H H H H H H

CH3 H C C C C C C H
H H H C H H H H
H
3-Ethylheptan C9H20 CH3 CH2 CH CH2 CH2 CH2 CH3 H H H H H H H

C2H5 H C C C C C C C H
H H H C H H H H H
H C H
H
3-Ethyl-2-methylhexan C9H20 CH3 CH CH CH2 CH2 CH3 H H H H H H
CH3 C2H5 H C C C C C C H
H H C H H C H H H H
H H C H
H
2,3,3-Trimethylhexan C9H20 CH3 H

CH3 CH C CH2 CH2 CH3 H H H C H H H H

CH3 CH3 H C C C C C C H
H H C H H C H H H H
H H

A3   
a) CH3 CH2 CH CH2 CH2 CH3
CH2

CH3
3-Ethylhexan

b) CH3 CH2 CH CH CH2 CH CH2 CH3


CH
3 CH
2 5 CH3

4-Ethyl-3,6-dimethyloctan

1.5  Van‘t Hoff und der Bau des Methan-Moleküls (S. 32)

Zu den Versuchen V1   Denkbare Strukturen (mit relativ hoher Symmetrie) sind z. B.:
– Tetraedrische Struktur: Das C-Atom befindet sich im Zentrum eines Tetraeders, die vier H-Atome
sitzen an den Ecken des Tetraeders.
– Quadratisch planare Struktur: Das C-Atom befindet sich im Zentrum eines Quadrats, die vier
H-Atome sitzen an den Ecken des Quadrats.
– Quadratisch pyramidale Struktur: Das C-Atom bildet die Spitze einer Pyramide, die vier H-Atome
sitzen an den Ecken der Basis.

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V2  

Verbindung Anzahl der Isomere


experimentell tetraedrisch quadratisch quadratisch
gefunden planar pyramidal
CH3Cl 1 1 1 1
CH2Cl2 1 1 2 2
CHCl3 1 1 1 1
CCl4 1 1 1 1

Die einzige mit dem experimentellen Befund vereinbare Struktur ist die tetraedrische Struktur.

1.6  Die Alkane – räumlicher Bau (S. 33)

Zur Aufgabe A1  
a)  Bei der Drehung um eine C—C-Bindungsachse kommen sich die Wasserstoff-Atome sehr nahe,
wenn sich alle C—H-Einfachbindungen – bei frontaler Sicht auf die C—C-Bindungsachse – direkt
„hintereinander“ befinden. (Hinweis: Eine solche Anordnung der Atome bezeichnet man als eklipti-
sche oder verdeckte Konformation.) Bei Verwendung eines Kalottenmodells „hakt“ es bei der
ekliptischen Konformation. Sie ist energetisch ungünstiger als andere Anordnungen.

b)  Die ekliptische Konformation kann durch Drehung um 60° in eine Anordnung überführt werden,
in der die Wasserstoff-Atome benachbarter Kohlen­stoff­-Atome den größtmöglichen Abstand
voneinander haben; diese ist (energetisch) die günstigste. (Hinweis: Diese Anordnung der Atome
bezeichnet man als gestaffelte Konformation.)

CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3


1.7  Die Alkane – Struktur-Eigenschafts-Beziehungen (S. 34 – 36) CH3 CH CH2 CH2 CH3
CH3
CH3 CH2 CH CH2 CH3
CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3
Zu den Aufgaben A1   CH3
CH3 CH CH2 CH2 CH3 CH3 CH CH CH3
Name Hexan 3-Methylpentan
CH3 2,2-Dimethylbutan
CH CH 3 3
Halbstrukturfor- CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 CH3 CH2 CH CH2 CH3 CH3
mel CH3 CH CH2 CH2 CH3 CH3 CH3 C CH2 CH3
CH3 CH3 CH CH CH3 CH3
CH3 CH2 CH CH2 CH3 CH3 CH3
Siedetemperatur 68 °C 63 °C CH 50 °C
CH3 3

CH3 CH CH CH3 CH3 C CH2 CH3


Begründung: Die Moleküloberfläche
CH3 CH3 nimmt vom unverzweigtenCH3 Hexan über 3-Methylbutan zum am
stärksten verzweigten 2,2-Dimethylbutan
CH3 ab. Die London-Kräfte nehmen folglich in dieser Reihenfol-
ge ebenfalls ab. Da dieCHSiedetemperatur
3 C CH2 CH3
eines Alkans im Wesentlichen von den London-Kräften
abhängig ist, nehmen auchCH die
3
Siedetemperaturen in dieser Reihenfolge ab.

A2   Mit wachsender Kettenlänge (und damit wachsender Oberfläche) der unverzweigten


Alkan-Moleküle nehmen die London-Kräfte zu. Deshalb nehmen die Siedetemperaturen von Hexan
bis Decan zu.
Beim Fließen gleiten Moleküle der Flüssigkeit aneinander vorbei. Die Moleküle gleiten umso
schwerer aneinander vorbei, je größer die zwischenmolekularen Kräfte sind. Da zwischen längerket-
tigen Kohlenwasserstoff-Molekülen größere London-Kräfte herrschen als zwischen kurzkettigen,
nimmt die Viskosität von Hexan nach Decan zu.

A3   Propan, Butan, Pentan und Gemische dieser Alkane werden als Treibmittel in Spraydosen
eingesetzt. Beim Versprühen des Backofenreinigers bilden die Alkane mit dem Sauerstoff der Luft
explosions­fähige Gemische.

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A4 
Siedetemperaturen hsd in °C
350

300

250

200

150

100

50
Anzahl der C-Atome der Alkan-Moleküle
0
2 4 6 8 10 12 14 16 18
–50

–100

–150

–200

Mit wachsender Kettenlänge der unverzweigten Alkan-Moleküle und damit mit wachsender
Oberfläche und Elektronenanzahl nehmen die gegenseitigen Berührungs- und Polarisierungsmög-
lichkeiten und damit die Anziehungskräfte (London-Kräfte) zu.

1.8  Lernzirkel Alkane (S. 37)


Station 1: Grundlagen – Alles klar?

Zur Aufgabe A1  
a) Die allgemeine Summenformel der Alkane lautet: CnH2n+2

b) Es gibt 5 Isomere der Summenformel C6H14.

Hexan CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3

2-Methylpentan CH3 CH CH2 CH2 CH3


CH3

3-Methylpentan CH3 CH2 CH CH2 CH3


CH3

2,3-Dimethylbutan CH3 CH CH CH3


CH3 CH3

2,2-Dimethylbutan CH3

CH3 C CH2 CH3


CH3

c)

Octan C8H18 CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3

3,3-Dimethylhexan CH3
C8H18 CH3 CH2 C CH2 CH2 CH3
CH3

2-Methylhexan C7H16 CH3 CH CH2 CH2 CH2 CH3


CH3

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3-Ethylhexan C8H18 CH3 CH2 CH CH2 CH2 CH3
C2H5

3-Ethyl-2-methylpentan C8H18 CH3 CH CH CH2 CH3


CH3 C2H5
2,3,4-Trimethylhexan C9H20 CH3 CH CH CH CH2 CH3
CH3 CH3 CH3

Isomer zueinander sind Octan, 3,3-Dimethylhexan, 3-Ethylhexan, 3-Ethyl-2-methylpentan.

d)

Alkan Verwendung in Produkten des Alltags und der Technik


Methan Haushalt: Gas zum Kochen und als Heizgas, Betrieb von Kraftfahrzeugen,
Erdgas, Sumpfgas, Grubengas, Biogas
Propan Brenn- und Heizgas (Flüssiggas), Autogas, Heißluftballon, Kältemittel (Kältemittel-
bezeichnung R 290), als Treibmittel in Sprays, Schweißgas, häufig in Feuerzeuggas
enthalten
Butan Treibgas in Sprays, beide Isomere als Brenngas (Flüssiggas) in Tanks und Feuer-
zeugen, oft im Gemisch mit Propan, Butan wird trotz der Brennbarkeit wieder in
Kältemaschinen und Kühlschränken eingesetzt (Kältemittelbezeichnung Butan
R 600, Isobutan R 600a)
Heptan n-Heptan wird als Lösungsmittel für schnell trocknende Lacke und Klebstoffe ver-
wendet, Heptane sind Bestandteil des Benzins
Paraffin Herstellung von Kerzen, Brennstoff für Öllampen, als Wasser abweisender Über-
zug von Papier, Kleidung und Zelten, zum Präparieren archäologischer Funde, fes-
tes Treibmittel für Hybridraketen, Lackpoliturzusatz, Versiegeln von Gläsern und
Flaschen, Zusatz in Cremes

Station 2: Viskosität

Zur Aufgabe A2  
a)  Man erhält die folgende Reihenfolge von schnell nach langsam: Pentan > Heptan > Paraffinöl.
Die genauen Zeiten hängen auch von der Form der Pipetten ab. Ein Versuch mit Messpipetten (10 ml)
ergab folgende Auslaufzeiten: Pentan 6 s, Heptan 7 s, Paraffinöl 73 s.
Deutung: Alle drei Proben bestehen aus Alkan-Molekülen unterschiedlicher Länge. Die Pentan-Mole-
küle sind am kürzesten; die Heptan-Moleküle sind etwas länger; die verschiedenen Alkan-Moleküle
im Paraffinöl sind am längsten. Je länger die Moleküle sind, desto stärker sind London-Kräfte
zwischen den Molekülen und desto höher ist die Viskosität des entsprechenden Stoffs.

b)  Die Viskosität spielt im Alltag und in der Technik eine große Rolle:
–  Die Viskosität von Kraftstoffen für Kraftfahrzeuge darf für die Einspritzung über Düsen nicht zu
hoch sein, da sonst keine feine Zerstäubung mehr möglich ist.
– Die Viskosität einer Anstrichfarbe muss die leichte gleichmäßige Verteilung beim Anstrich ermögli-
chen, die Farbe darf aber nicht sofort von der Wand herunterfließen.
– Die Viskosität eines Shampoos muss so gewählt sein, dass es sich einerseits leicht verteilen lässt,
andererseits aber auch nicht sofort vom Kopfhaar herunterfließt.
– Soßen werden mit Stärke (Soßenbinder) angedickt, viskoser gemacht.

c)  Flüssigkeiten mit besonders hoher Viskosität sind z. B. Honig, Glycerin und Paraffinöl. Gläser, die
man als „erstarrte Flüssigkeiten“ betrachtet, haben noch wesentlich höhere Viskositäten. Flüssigkei-
ten mit besonders niedriger Viskosität sind z. B. Diethylether und kurzkettige Alkane. Gase haben
wesentlich niedrigere Viskositäten als Flüssigkeiten. Gasförmiger Wasserstoff hat die niedrigste
Viskosität.

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Station 3: Entflammbarkeit
Hinweis: Als feuerfeste Unterlage eignen sich hervorragend Fettpfannen.

Zur Aufgabe A3  
a)  Nähert man die Flamme der Oberfläche des Heptans, entzünden sich die Dämpfe sofort. Beim
dünnflüssigen Paraffinöl muss man mehrmals langsam über die Flüssigkeitsoberfläche streichen, bis
sich das Paraffinöl entzündet. Das dickflüssige Paraffinöl lässt sich (ohne stärkeres Erwärmen) nicht
entzünden.
Über dem flüssigen Heptan befinden sich schon bei Zimmertemperatur genügend Dämpfe, die sich
entflammen lassen. Beim dünnflüssigen Paraffinöl muss erst mithilfe der Fremdflamme und damit
Erwärmen des Paraffinöls ein Polster aus gasförmigem Paraffin gebildet werden, damit sich dieses
entflammen lässt. Beim dickflüssigen Paraffinöl reichen die Temperaturen nicht aus, dass sich
genügend gasförmige Stoffe bilden.

b) Allgemein gilt: Je niedriger die Siedetemperatur, desto stärker die Verdunstung bei Zimmertempe-
ratur, desto tiefer die Flammtemperatur, desto höher die Feuergefährlichkeit. Die Bestandteile des
Benzins weisen Siedetemperaturen zwischen 35 °C und 140 °C auf. Benzine sind Gemische von
Pentanen bis etwa zu den Dodecanen. Die Bestandteile des Dieselöls weisen im Wesentlichen
Siedetemperaturen zwischen 250 °C bis 360 °C auf. Dieselöl besteht hauptsächlich aus Kohlenwasser-
stoffen, deren Moleküle aus Ketten zwischen 12 und 20 Kohlenstoff-Atomen bestehen.

c) Die Reaktionsgleichung lautet:


C7H16  +  11 O2    7 CO2  +  8 H2O

Station 4: Bunte Emulsionen

Zur Aufgabe A4 
a) Carotin ist fettlöslich, Methylenblau ist wasserlöslich.

b) Individuelle Lösungen

c) Emulsionen sind Stoffgemische von ineinander unlöslichen Stoffen und entstehen, wenn eine
Flüssigkeit in feinen Tropfen in einer anderen Flüssigkeit verteilt wird.

d) Wasser-in-Öl-Emulsionen sind sehr viel seltener zu finden. Meist handelt es sich um Cremes, die
für besonders trockene Haut verwendet werden.

1.9  Ethen und die homologe Reihe der Alkene (S. 38/39)

Zu den Aufgaben A1   Liegt die Schmelztemperatur eines Stoffes über 20 °C, ist der Stoff bei Zimmertemperatur fest.
Liegt die Schmelztemperatur unter 20 °C und die Siedetemperatur über 20 °C, ist der Stoff flüssig,
liegt die Siedetemperatur unter 20 °C, ist der Stoff gasförmig.

A2  
a) Pentan
b) Hept-3-en

A3   Summenformel für die homologe Reihe der Alkane: CnH2n+2


Summenformel für die homologe Reihe der Alkene: CnH2n

A4   Mit wachsender Kettenlänge der Alken-Moleküle und damit wachsender Oberfläche nehmen
die gegenseitigen Berührungs- und Polarisierungsmöglichkeiten und damit London-Kräfte zu;
deshalb steigen die Siedetemperaturen in der homologen Reihe der Alkene.

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A5  
H H H H
H
C C + O  H C C O H
H H H H H

Ethen Wasser Ethanol

H H H H H H
H C C C H  H C C C H + H Br
H Br H H

2-Brompropan Propen Hydrogenbromid

1.10  Die Vielfalt der Kohlenwasserstoffe (S. 40/41)

Zu den Aufgaben A1  
H H H H
H C C H C C H C C H
H H H H
Ethan Ethen Ethin
C2H6 C2H4 C2H2

Im Ethan-Molekül ist jedes Kohlenstoff-Atom mit drei Wasserstoff-Atomen verknüpft; zwischen den
Kohlenstoff-Atomen liegt eine Einfachbindung vor. Im Ethen-Molekül ist jedes Kohlenstoff-Atom mit
zwei Wasserstoff-Atomen verknüpft; zwischen den Kohlenstoff-Atomen liegt eine Doppelbindung vor.
Im Ethin-Molekül ist jedes Kohlenstoff-Atom mit nur einem Wasserstoff-Atom verknüpft; zwischen
den Kohlenstoff-Atomen liegt eine Dreifachbindung vor.
Für jede zusätzliche Bindung zwischen den Kohlenstoff-Atomen enthält das Molekül (im Vergleich
zum Ethan-Molekül) zwei Wasserstoff­-Atome weniger.

A2   Hexan C6H14 , Cyclohexan C6H12 , Cyclohexen C6H10

A3  
H H H H
C C + H2  H C C H
H H H H
Ethen Wasserstoff Ethan

Es handelt sich um eine eine Hydrierung. Die Hydrierung gehört zu den Additionsreaktionen.

A4   Benzol ist ein wichtiger Ausgangsstoff für Farbstoffe, Pharmazeutika, Insektizide und
Kunststoffe. Benzol ist giftig, kann genetische Defekte verursachen, kann Krebs erzeugen und
schädigt die Organe bei längerer oder wiederholter Exposition.

1.11  Welche Alkane sind im Feuerzeuggas? (S. 42/43)


Wichtig für ein gutes Versuchsergebnis ist das sorgfältige Abtrocknen des Feuerzeugs vor der
Wägung (Abschütteln und mit Papierhandtuch abtupfen). Die Schülerinnen und Schüler finden i. d. R.
eine molare Masse, die zwischen den molaren Massen von Propan und Butan liegt.

Mit der Diskussion des Ergebnisses kann eine Recherche zur Zusammensetzung von Feuerzeuggas
verbunden werden. Feuerzeuggas ist – je nach Hersteller – fast reines Butan oder LPG (liquefied
petroleum gas), d. h. ein Gemisch mit den Hauptbestandteilen Propan, Butan und Methylpropan
(Isobutan). Das Feuerzeuggas kann auch mit dem Gaschromatografen genauer untersucht werden
(s. Kap. 1.17).

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Tipps mit Lösungen aus dem Schülerbuch, hier ohne Spiegel lesbar:

Tipp 1 Lösung zu Tipp 1

m ​  
M = ​ __
Überlegen Sie, wie man die molare Masse n
M aus der Masse m und der Stoffmenge n
berechnen kann. Übliche Einheiten: m in g
n in mol 
M in g/mol

Tipp 2 Lösung zu Tipp 2

Die Masse m des Gases kann über eine


Nun müssen Sie sich klarmachen, wie man
Differenzwägung gemessen werden. Dazu
die beiden benötigten Größen experimen-
wird das Feuerzeug einfach vor und nach
tell bestimmen kann:
dem Ausströmen des Gases gewogen.
Die eine Größe lässt sich direkt messen.
Die Stoffmenge n kann mithilfe des Satzes
von Avogadro bestimmt werden: Eine
Die andere Größe lässt sich über einen
Stoffportion bestimmter Stoffmenge n
Umweg aus weiteren Messgrößen berech-
eines beliebigen Gases nimmt bei gege-
nen. Denken Sie dabei an den Satz von
bener Temperatur und gegebenem Druck
Avogadro. (Rückblick: Chemie quantitativ
stets das gleiche Volumen V ein. Bei 20 °C
betrachtet).
(Zimmertemperatur) und 1013 hPa (Norm-
druck) ist das molare Volumen Vm etwa  
24 l/mol.
V
Vm = ​ _
n ​  = 24 l/mol (bei 20 °C und 1013 hPa)

Tipp 3 Lösung zu Tipp 3

Kombinieren Sie beide Gleichungen zu m · Vm


einer Gleichung und lösen Sie nach der M = ​ ____ ​  
V
gesuchten molaren Masse M auf. Auf der
rechten Seite der Gleichung stehen nur
noch zwei messbare Größen und das mo- 
lare Volumen Vm.

Tipp 4 Lösung zu Tipp 4

Wiegen Sie das Feuerzeug möglichst ge­­- 


Planen Sie nun das Experiment zur Mes­­-  nau und notieren Sie die Masse. Füllen Sie
sung der beiden Größen und führen Sie es den Messzylinder mit Wasser und kombi-
durch. nieren Sie ihn mit der Kristallisierschale zu
einer pneumatischen Wanne. Füllen Sie  
  Achtung: Das Gas aus dem Feuerzeug den Messzylinder unter Wasser mit Gas  
bildet mit Luft explosive Gemische! Nach aus dem Feuerzeug und notieren Sie das
der Volumenmessung müssen die gasge- Volumen V(Feuerzeuggas). Trocknen Sie
füllten Messzylinder sofort am Wasserhahn danach das Feuerzeug gut ab und wiegen
mit Wasser gefüllt werden, um das Gas zu Sie es erneut. Berechnen Sie die Masse
verdrängen. Schutzbrille tragen! m(Feuerzeuggas) als Differenz der beiden
gemessenen Massen.

12  Elemente Chemie 11 Niedersachsen

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Tipp 5 Lösung zu Tipp 5

Setzen Sie die experimentell bestimmten m(Feuerzeuggas) · Vm


M(Feuerzeuggas) = ​ ____________     ​ 
Größen in die Gleichung ein (Lösung zu V (Feuerzeuggas)
Tipp 3). Berechnen Sie die durchschnittli­- Übliche Einheiten: m in g
che molare Masse M und entscheiden Sie, V in l
welche Alkane das Gas in ihrem Feuerzeug
enthalten könnte. Vm ≈ 24 l/mol (bei 20 °C und 1 013 hPa)

Tipp 6 Lösung zu Tipp 6

Für die Entscheidung, um welche Alkane es Beispiel:


sich handeln könnte, werden die molaren Die molare Masse von Hexan (C6H14) ist:
Massen verschiedener Alkane berechnet
und mit dem experimentell ermittelten M(Hexan) = 6 · 12 g/mol + 14 · 1 g/mol 
Wert ver­glichen. = 86 g/mol

1.12  Gewinnung von Kohlenwasserstoffen aus Erdöl (S. 44/45)

Zum Versuch V1   Die Fraktion des untersten Bodens ist farblos, relativ zähflüssig und riecht „aromatisch“. Bei
Annäherung eines brennenden Holzspans entzündet sie sich nicht sofort; manchmal brennt sie nur
direkt am Holzspan (der dann als „Docht“ wirkt) mit stark rußender Flamme.
Nach oben hin nimmt die Viskosität der Fraktionen ab; der Geruch erinnert eher an gereinigtes
Benzin. Die Entflammbarkeit nimmt zu: Bereits bei Annäherung eines brennenden Holzspans
entzünden sich die Proben, da brennbare Dämpfe entweichen (i. d. R. schon die Fraktion des zweiten
Bodens). Auch die Rußbildung nimmt nach oben ab.

Hinweise zur Durchführung:


An undichten Stellen der Apparatur können leicht entzündliche Dämpfe entweichen. Daher darf kein
Gasbrenner verwendet werden. Einige Siedesteinchen im Destillierkolben verhindern einen Siede-
verzug. Der Versuchsaufbau sollte keine Gummistopfen enthalten, da diese von den heißen Dämpfen
angegriffen und undicht werden können (Ausnahme: speziell geeignete Gummisorten wie z. B.
Viton). Die Destillations­produkte und den Rückstand kann man für den nächsten Versuch in den
Vorratsbehälter zurückgeben. Den Destillierkolben reinigt man durch wiederholtes Schwenken mit
Petroleum und mit Reinigungsbenzin. Es empfiehlt sich, zumindest den Destillierkolben weiterhin
nur für Erdöl zu verwenden.
Einfache und durchschaubare Apparaturen zur fraktionierenden Destillation (auch die Apparatur in
B2 und künstliches Rohöl) sind z. B. bei der Firma Hedinger erhältlich.

Zu den Aufgaben A1  
a) Eine Erdölfraktion ist ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen mit ähnlichen Siedetemperaturen.

b) Der Rückstand würde sich beim Erhitzen über 400 °C zersetzen, deshalb wird er bei vermindertem
Druck destilliert. Die Druckverminderung führt zur Herabsetzung der Siedetemperaturen.

A2   Das Leichtbenzin ist ein Gemisch von Kohlenwasserstoffen, deshalb besitzt es nicht eine
Siedetemperatur, sondern einen Siedetemperaturbereich.

A3   Beim Verbrennen des Heizöls würden die Schwefel-Verbindungen zu Schwefeldioxid oxidiert


werden. Höhere Schwefeldioxidausstöße belasten die Umwelt in erheblichem Maße.

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1.13  Kraftfahrzeugbenzin (S. 46 – 49)

Zu den Aufgaben A1   Normalbenzin: mindestens 91 ROZ (Research-Octan-Zahl) 


bleifreies Superbenzin: bei 95 ROZ  
Super-Plus-Benzin: bei 98 ROZ

A2   a)  Berechnung des Kohlenstoffdioxidausstoßes:


1.  Reaktionsgleichung:

C16H34  +  24,5 O2    16 CO2  +  17 H2O

Bei der Oxidation von 1 Hexadecan-Molekül werden 16 Kohlenstoffdioxid-Moleküle gebildet.

2.  Massenverhältnis
m(Kohlenstoffdioxid) 16 mt(CO2)
​ ___________
      ​    =  ______
​   ​ 

m(Hexadecan) mt(C16H34)
3.  Auflösen nach der gesuchten Masse:
16 mt(CO2) · m(Hexadecan)
m(Kohlenstoffdioxid)  =  ​ ______________
       ​ 
mt(C16H34)
4.  Einsetzen der Werte

mt(CO2) = 44 u

mt(C16H34) = 226 u

m(Hexadecan) = r(Hexadecan)  ·  V(Hexadecan)  =  0,76 g/cm3  ·  5000 cm3  =  3,8 kg


16 · 44 u · 3,8 kg
m(Kohlenstoffdioxid) = ​ _________     
 ​ = 11,84 kg
226 u
Ergebnis: Auf 100 km stößt der Pkw 11,84 kg Kohlenstoffdioxid aus; auf 1 km stößt er 118,4 g Kohlen-
stoffdioxid aus.

b)  
– Es müssen Pkws gefahren werden, die weniger Benzin verbrauchen (kleinere und leichtere Pkws,
effizientere Motoren).
– Ersatz von Benzin durch Erdgas als Treibstoff.
– Ersatz von Benzin durch Ethanol.
– Einsatz von Elektrofahrzeugen
– vermehrte Nutzung von Bus, Zug, Straßenbahn, U-Bahn
– Zurücklegen von Kurzstrecken mit dem Fahrrad

A3   Kraftfahrzeugbenzin enthält zu einem kleinen Anteil Benzol, das krebserzeugend ist. Daneben
enthält das Kraftfahrzeugbenzin viele weitere Stoffe, die z. B. Hautreizungen, Schläfrigkeit und
Benommenheit verursachen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder das Kind im Mutterleib
schädigen können.

Zun Versuch V1  
a) An der Glasrohrspitze treten gasförmige Kohlenwasserstoffe (hauptsächlich mit 1 bis 5 C-Atomen)
aus und verbrennen mit rußender Flamme. Der zunächst gelbe Perl­katalysator wird durch abgela-
gerten Ruß grauschwarz.

b) Paraffinöl ist fast geruchlos, relativ zähflüssig und mit einem brennenden Holzspan nur schwer zu
entzünden. Das farblose bis hellgelbe Crackprodukt im U-Rohr riecht ähnlich wie Benzin und ist auch
ähnlich niedrig viskos und entflammbar. Daneben entstehen oft durch Polymerisation auch Produkte
von „wachsartiger“ Konsistenz, die im U-Rohr an der Glas­oberfläche haften.

Hinweise zur Durchführung:


Man verwendet einen im Lehrmittelhandel erhältlichen Perlkatalysator (z. B. von Hedinger). Wenn
man die grau-schwarzen Katalysatorperlen nach dem Crackversuch in eine Porzellanschale gibt und
mit der rauschenden Brennerflamme erhitzt, werden sie wieder gelb. So kann man zeigen, dass sich
der Katalysator regenerieren lässt.

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Zum Erhitzen des Paraffinöls und des Perlkatalysators genügt auch ein Gasbrenner. Man erhitzt
zuerst den Perlkatalysator und bringt dann das Paraffinöl zum Sieden. Sobald das Paraffinöl siedet,
wird sofort wieder der Katalysator mit der rauschenden Flamme befächelt. Wenn das Sieden
nachlässt, wird erneut das Paraffinöl erhitzt usw.
Falls kein schwer schmelzbares Reagenzglas in gebogener Form vorhanden ist, kann auch ein
gerades verwendet werden. Der Perlkatalysator wird dann – durch etwas Glaswolle getrennt – ­direkt
auf das Paraffinöl geschichtet.

1.14  Erdgas und Wasserstoff in der Energietechnik (S. 50/51)

Zur Aufgabe A1   Bei der Verbrennung von Erdgas mit Luft entstehen Kohlenstoffdioxid und Wasser. Wasser-
stoff verbrennt an der Luft zu Wasser. Der Stickstoff der Luft wird bei höheren Temperaturen zu Stick-
stoffoxiden oxidiert.

1.15  Erneuerbare Energiequellen (S. 52 – 55)

Zu den Aufgaben A1   Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Energiegewinnung:


1. das Verbrennen fossiler und nachwachsender Brennstoffe,
2. die Nutzung von Sonne, Wind, Wasser und Erdwärme:
– Die Strahlung der Sonne wird zum einen durch Sonnenkollektoren genutzt, in denen Flüssig­keiten
erhitzt werden, zum anderen durch Fotovoltaikanlagen, in denen Strom erzeugt wird.
– In Windkraftanlagen wird mithilfe von Rotoren, die Generatoren bewegen, Strom erzeugt.
– In Wasserkraftwerken nutzt man das aus Stauseen oder Staustufen herabstürzende Wasser, das
(über Turbinen) ebenfalls Generatoren bewegt und so Strom erzeugt.
– In Geothermiekraftwerken wird die Erdwärme genutzt, indem Wasser durch tiefe Erdschichten
gepumpt wird. Es erhitzt sich dort und kann, wieder an die Erdoberfläche gelangt, Turbinen
antreiben. Die mit den Turbinen gekoppelten Generatoren erzeugen Strom.

A2   Fossile Brennstoffe sind Kohle (Braunkohle und Steinkohle), Erdöl und Erdgas. Sie sind vor
Jahrmillionen aus abgestorbenen Pflanzen und Tieren entstanden, d. h., sie enthalten Kohlenstoff,
der damals durch Fotosynthese der Atmosphäre entzogen wurde. Beim Verbrennen von Kohle, Erdöl
und Erdgas entsteht Kohlenstoffdioxid aus diesem lange unter der Erde gespeicherten Kohlenstoff.
Auf diese Weise wird die CO2-Konzentration in der heutigen Atmosphäre erhöht.  
Da Kohlenstoffdioxid ein Treibhausgas ist, erwärmt sich die Atmosphäre über das natürliche Maß
hinaus. Zudem entstehen beim Verbrennen fossiler Brennstoffe wie Kohle u. a. schwermetall­haltige
Stäube, die aus dem Abgas entfernt und entsorgt werden müssen. Weiterhin können bei der
Verbrennung Schwefeldioxid und Stickstoffoxide entstehen, die ebenfalls entfernt werden müssen,
da sie Gifte sind und zur Versauerung des Regens führen würden.

A3 
– Sonnenkollektoren: Sonnenkollektoren erzeugen nur dann ausreichend Wärme, wenn die Sonne
scheint. Man muss darauf achten, dass die Kollektoren im richtigen Winkel zur Sonnenstrahlung
stehen und nicht beschattet sind. Weiterhin muss die Oberfäche frei von Schmutz sein, damit die
Strahlung ungehindert einwirken kann.
– Fotovoltaik: Für Solarzellen gilt zunächst dasselbe, was bereits zu Sonnenkollektoren gesagt
wurde. Hinzu kommt bei Solarzellen, die auf Hausdächern angebracht sind, die Gefahr bei einem
Brand des Hauses. Da die Anlage unter Spannung steht, besteht für die Feuerwehrleute die
Gefahr eines elektrischen Schlags über das Löschwasser.
– Wasserkraft: Die größten Probleme bei der Gewinnung elektrischer Energie aus Wasserkraft
hängen damit zusammen, dass unmittelbar in die Landschaft und das Fließverhalten des Flusses
eingegriffen wird. Im Speziellen wird das Abflussverhalten verändert; die Wanderung der Fische
und der Transport von Geschiebe werden behindert. Viele Fische und andere Wasserorganismen
werden zudem von den Turbinen verletzt oder getötet. Außerdem kann die biologische Vielfalt
durch den Eingriff in die Natur negativ beeinflusst werden.
– Windkraft: Probleme, die mit der Energiegewinnung aus Windkraft verbunden sind, hängen damit
zusammen, dass Wind nicht überall und nicht immer konstant weht. Im Binnenland kann es zu
starken Schwankungen der Windstärke kommen. Daher müssen z. B. die Rotoren immer wieder
neu angestellt werden (was etwas Energie benötigt). Bei Windstille muss anderweitig für Energie
gesorgt werden. Zudem werden manche Kraftwerke bei zu starkem Windaufkommen abgeschal-

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tet. Windenergie wird häufig in Küstennähe oder auf dem offenen Meer gewonnen, sodass man
zum Transport der Energie ins Landesinnere Hochspannungsleitungen benötigt. Diese Hochspan-
nungsleitungen stehen in der Diskussion, beträchtlichen Elektrosmog hervorzurufen. Als Belastun-
gen für Anwohner sind die Schallentwicklung sowie der Schattenwurf der Anlagen zu nennen.

A4   Parabolrinnen-Kraftwerke bestehen aus innen verspiegelten Rinnen, in deren Mitte ein Rohr
mit einer Flüssigkeit, die hoch erhitzt werden kann, verläuft. Durch die gebogene Form der Rinne
wird die Strahlung der Sonne auf das Rohr konzentriert. Die Flüssigkeit im Rohr erhitzt sich und
kann so entweder direkt oder nach einem Wärmeaustausch mit einer anderen Flüssigkeit Turbinen
antreiben.

A5   Einige Stichworte zu möglichen Inhalten der Präsentation:


Es gibt zahlreiche Typen von Solarzellen, z. B.:
– monokristalline Silicium-Solarzelle
– polykristalline Silicium-Solarzelle
– amorphe Silicium-Solarzelle (Dünnschichtzelle)
– Dünnschichtzellen aus anderen Halbleiternmaterialien, z. B. Galliumarsenid
– Farbstoffzellen, z. B. die Grätzel-Zelle
– organische Solarzelle (aus organischen Halbleitern)
Gemeinsamkeiten:
– Solarzellen wandeln die Energie von Licht (und auch IR- und UV-Strahlung) in elektrische Energie
um.
– Alle Solarzellen-Typen enthalten Halbleiter. Photonen erzeugen (zum Teil indirekt) Elektronen-
Loch-Paare im Halbleitermaterial, d. h. eine Ladungstrennung und damit eine elektrische Span-
nung.

A6   Aus einem Speicherbecken strömt durch ein Rohr Wasser. Es trifft auf eine Turbine, die sich
dreht und einen mit ihr gekoppelten Generator antreibt. Dieser erzeugt Strom, der über Umspanner
in ein Leitungsnetz abgegeben wird.
Hinweis: Die Lösung der Aufgabe entspricht der Beschreibung von B6.

A7   Die (individuelle) Lösung sollte die folgenden Möglichkeiten enthalten:


– Pumpspeicherwerke
– Akkumulatoren
– Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse
Eine weitere prinzipielle Möglichkeit sind Kondensatoren; diese können jedoch nur sehr kleine
Energiemengen speichern.

A8   Mögliche Probleme bei der Stromerzeugung durch Windkraft in Offshore-Anlagen:


– Verankerung der Winkraftanlagen
– Verstärkte Korrosion an den Winkraftanlagen durch Salzwasser
– Keine konstante Stromerzeugung
– Mangelnde Speichermöglichkeit für den erzeugten Strom
– Strom wird an weit von der Küste entfernten Standorten benötigt

A9   Geothermische Kraftwerke lohnen sich überall dort, wo es durch Vulkanismus oder Schwäche-
zonen der Erdkruste bereits in geringen Tiefen hohe Temperaturen im Gestein gibt, z.B. in Island,
Kalifornien und Norditalien.
Hinweis: Die Aufgabe kann anhand von S. 55 gelöst werden.

A10   In der Diskussion können Argumente und Standpunkte ausgetauscht werden, die Aspekte der
Ökonomie, der Ökologie und der Ethik einbeziehen.
Die Entscheidungen sind individuell.

1.16  Qualitative Elementaranalyse organischer Verbindungen (S. 56/57)

Zu den Versuchen V1   Das Kalkwasser trübt sich, beim Verbrennen von Ethanol entsteht also Kohlenstoffdioxid. Die
Blaufärbung von weißem Kupfersulfat oder Wasser-Testpapier bei der Untersuchung des Nieder-
schlags im U-Rohr weist auf entstandenes Wasser hin.

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V2   Bei der Untersuchung des Gases zeigt die positive Knallgasprobe an, dass es sich um
Wasserstoff handelt. Beim Lösen des festen Reaktionsprodukts in Wasser bildet sich eine alkalische
Lösung. Der Feststoff ist Magnesiumoxid. Insgesamt wird Ethanol also dehydratisiert.

Zu den Aufgaben A1 
a) mt (H) = 1 u, mt (C) = 12 u, mt (O) = 16 u
mt (C2H6O1) = 2 · 12 u + 6 · 1 u + 1 · 16 u = 46 u
mt (CH2O2) = 1 · 12 u + 2 · 1 u + 2 · 16 u = 46 u

b)
H H H H O
H C O C H H C C O H H C
O H
H H H H

A2   Von fünf Kohlenstoff-Atomen, die miteinander verknüpft sind, können maximal


12 Wasserstoff­-Atome gebunden werden.
H H H H H
H C C C C C H
H H H H H

A3    
CO2 (g) + Ca2+(aq) + 2 OH–(aq)    CaCO3 (s) + H2O (l)
CaCO3 (s) + 2 H3O+(aq) + 2 Cl–(aq)   Ca2+(aq) + 2 Cl–(aq) + 3 H2O (l) + CO2 (g)
Das feste Calciumcarbonat reagiert mit der Salzsäure zu dem löslichen Calciumchlorid und Kohlen-
stoffdioxid, das weitgehend aus der Lösung aufsteigt.

A4   Bei der vollständigen Oxidation einer Verbindung, die nur aus Kohlenstoff- und Wasserstoff-
Atomen aufgebaut ist, entstehen Wasser und Kohlenstoffdioxid.

1.17  Gaschromatografie (S. 58/59)

Zu den Aufgaben A1   Beispiele: Material der stationären Phase in der Trennsäule, Durchmesser und Länge der
Trennsäule, Temperatur der Trennsäule, Geschwindigkeit des Trägergasstroms, Zusammensetzung
des Trägergases

A2   Die Peakfläche A ist proportional zum Stoffmengenanteil x der Komponente. Da bei Gasen
das Volumen proportional zur Stoffmenge ist, ist die Peakfläche auch proportional zum Volumenan-
teil v  der Komponente.
A(Propan) 0,8 cm2
v (Propan)  =  x (Propan)  = ​ ______   ​  
= ​ ____  ​  
 =  0,4  ≈  40 %
A(gesamt) 2 cm2
Hinweis: Das Gesamtvolumen des Feuerzeuggases wird zum Lösen der Aufgabe nicht benötigt. Man
kann aber zusätzlich aus dem Gesamtvolumen V(Gasgemisch) und dem berechneten Volumenanteil
v (Propan) das Volumen des Propananteils berechnen:

V(Propan)  =  V(Gasgemisch) · v (Propan)  =  4 ml · 0,4  =  1,6 ml

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Zu den Versuchen V1    
a)  Je nach Feuerzeuggas erhält man z. B. ein Chromatogramm wie folgt:

Retentionszeiten

Ethen Propan Isobutan Butan

t in s
0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 110 120

Je nach Feuerzeuggas können einzelne Komponenten fehlen. In manchen Gasen ist auch nur
Isobutan und kein Butan enthalten.

b)  Durch Zugabe von Butan erhält man im Chromatogramm eine vergrößerte Fläche des Butan-
Peaks (i. d. R. der Peak mit der längsten Retentionszeit). Auf diese Weise kann man auch ermitteln,
welcher Peak im Gaschromatogramm der Butan-Peak ist.
Hinweis zur Durchführung: Low-cost-GC können beispielsweise vom AK Kappenberg  
(http://www.ak-kappenberg.de/) bezogen werden. (Suche auf der Homepage: „Experimente“ –  
„Experimente für den LC Gas­chromatograph“)

V2   a), b)  Es entstehen verschiedene Gase, die mithilfe von Vergleichsgasen identifiziert werden
können. Hauptbestandteil ist Ethen, daneben entstehen aber auch Kohlenstoffdioxid und verschie-
dene gasförmige Aromastoffe.
Ethen ist ein Pflanzenhormon und bewirkt u. a. die Fruchtreifung. In Reifereien (Betriebe, die Früchte
zur Reifung lagern) wird diese Wirkung genutzt, um unreif geerntete Früchte – vor allem Bananen –
nachträglich zu Stoffwechselvorgängen zu veranlassen, die die Früchte reifen lassen.

1.18  Massenspektrometrie (S. 60/61)

Zu den Aufgaben A1 

m = 14 u CH2+· N+
m = 16 u O +·
NH2+
m = 17 u OH+ NH3+·
m = 18 u H2O+· NH4+
m = 19 u H3O+ F+
m = 26 u C2H2+· CN+
+
m = 27 u C2H3 HCN+·
m = 28 u C2H4+· CO+· N2+·
+ +
m = 29 u C2H5 CHO
m = 30 u C2H6 +·
CH2O+· NO+
+ +·
m = 31 u CH3O CH3NH2

A2 
N (35Cl) 100 % 25 3,125
​  37  ​  
____  = ​ ___ ​  
 = ​ __ ​    = ​ ___ ​  
N ( Cl) 32 % 8 1
Hinweise:
Man kann zusätzlich die (üblicherweise in Tabellen angegebenen) Stoffmengenanteile von 35Cl und
37Cl berechnen. Da der Wert des Stoffmengenanteils x gleich dem Wert des Teilchen­zahl­anteils X ist,

gelten die folgenden Beziehungen:

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N(35Cl) N(37Cl)
x(35Cl)  = ​ ________      ​      und    x(37Cl)  = ​ ________      ​ 
N(35Cl) + N(37Cl) N(35Cl) + N(37Cl)
Obwohl man hier die absoluten Anzahlen nicht kennt, kann man nun beliebige Zahlen einsetzen, die
dem Anzahlverhältnis entsprechen, z. B.  N(35Cl) = 100  und  N(37Cl) = 32. Man erhält:
100 32
x(35Cl)  = ​ __   ​  =  0,758  =  78,8 %    und    x(37Cl)  = ​ __  ​  =  0,242  = 24,2 %
132 132
In dieser Aufgabe ist das Massenspektrum bewusst auf die Atom-Ionen des Chlors und nicht auf die
Molekül-Ionen bezogen. Da es drei Sorten von Chlor-Molekülen gibt (35Cl–35Cl, 35Cl–37Cl und 37Cl–37Cl),
ist das Massenspektrum der Chlor-Molekül-Ionen ein wenig kom­plexer.

A3  
CH3
Amphetamin: H Summenformel: C9H13N
CH 2 CH N ⇒  m  =  (9 · 12 + 13 · 1 + 1 · 14) u  =  135 u
H

Benzyl-Ion (Phenylmethyl-Ion): Summenformel: C7H7+ 


CH2
⇒  m  =  (7 · 12 + 7 · 1) u  =  91 u

CH3
1-Aminoethylen-Ion: Summenformel: C2H6N+
H
CH N ⇒  m  =  (2 · 12 + 6 · 1 + 1 · 14) u  =  44 u
H

1.19  Erdöl – Grundlage für chemische Produkte (S. 62/63)

Zu den Aufgaben A1   1940: Erdölförderung ca. 6 Mio Barrel/Tag; Bevölkerung 2,3 Mrd. Menschen
2010: Erdölförderung ca. 87 Mio Barrel/Tag; Bevölkerung 6,9 Mrd. Menschen

Berechnung der Förderung pro Kopf und Tag; dabei Umrechnung von Barrel auf Liter, da die Angabe
in Barrel, bzw. in Bruchteilen von Barrel wenig aussagekräftig und anschaulich ist.
6 · 106 Barrel/Tag · 159 l/Barrel
Förderung 1940: ​ ________________
      ​  ≈  0,4 l / (Kopf · Tag)
2,3 · 109 Köpfe

8,7 · 107 Barrel/Tag · 159 l/Barrel
Förderung 2010: ​ ________________        ​   ≈  2,0 l / (Kopf · Tag)
6,9 · 109 Köpfe

Der Erdölförderung pro Kopf und Tag hat sich also im Zeitraum von 1940 bis 2010 verfünffacht.

A2   Ein weiterer wichtiger Grund ist der Klimaschutz, da mit der Nutzung der fossilen Rohstoff-
quellen ein weiterer Kohlenstoffdioxid-Ausstoß an die Atmosphäre mit einhergeht.
Neben Kohlenstoffdioxid ist Biomasse die einzige nicht fossile, erneuerbare Quelle für Kohlenstoff-
Verbindungen, auf deren Basis Stoffe und Produkte der industriellen organischen Chemie, ein-
schließlich der Kraftstoffe, industriell erzeugt werden können.

A3   Auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen hergestellte Produkte:


– Grundchemikalien
– Spezialchemikalien, wie z. B. Pflanzenschutzmittel, Pharmagrundstoffe und Farbstoffe
– Polymere, Chemiefasern
– Naturfaser- und holzverstärkte Werkstoffe und Verbundwerkstoffe
– Klebstoffe, Lacke und Farben
– Wasch- und Körperpflegemittel
– Düngemittel
– Biokraftstoffe (Bioethanol, Biodiesel, Biomethan)

A4  
a) Strukturformel von Ethanal mit Teilladungen: d–
H O
d+
H C C
H
H

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b) Angriff am Carbonyl-C-Atom: Das angreifende Teilchen muss negativ geladen sein oder eine
negative Teilladung (Partialladung) besitzen (nucleophiles Teilchen).

c) Angriff am Carbonyl-O-Atom: Das angreifende Teilchen muss postitiv geladen sein oder eine
positive Teilladung (Partialladung) besitzen (elektrophiles Teilchen).

A5   Kennzeichen von Synthesen im industriellen Maßstab:


– Große Mengen an preiswerten Ausgangsverbindungen (evtl. auch aus nachwachsenden Rohstof-
fen)
– Wenige Reaktionsstufen mit nahezu vollständigem Stoffumsatz, wenige Nebenprodukte
– Minimaler Energieaufwand
– Produktionsprozess und evtl. anfallende Nebenprodukte sollen die Umwelt nicht belasten
– Prozessführung in Kreisläufen sollte möglich sein

A6   Reaktionsgleichung der industriellen Herstellung von Ethanol:

CH2  CH2  +  H2O (g)  


3 4 H PO
300 °C; 7 MPa
CH3—CH2—OH

Hinweis: Die Lösung kann dem Schülerbuch entnommen werden (Kap. 1.9).

A7  
a) Es handelt sich um 2-Methylpropen (Isobuten).

b) Synthese von MTBE:


CH3 CH3
H 3O+
CH3 O H + C CH2  CH3 O C CH3
CH3 CH3
Methanol 2-Methylpropen MTBE

Synthese von ETBE:


CH3 CH3
H O+
CH3 CH2 O H + C CH2 
3
CH3 CH2 O C CH3
CH3 CH3
Ethanol 2-Methylpropen ETBE

Hinweis: Die Lösung kann dem Schülerbuch entnommen werden (Kap. 2.14).

A8  
– Polyethen (Polyethylen): der weltweit am meisten produzierte Kunststoff für Folien, Kabelumman-
telungen, Flaschen, Behälter, Rohre, Kunstoffplatten und -gitter, Maschinenteile wie z. B. Zahnräder
und Gleitlager, Fasern, chirurgisches Nahtmaterial
– Ethenoxid (Ethylenoxid): Sterilisation von Medizinprodukten, Zwischenprodukt zur Herstellung
weiterer Chemikalien, wie z. B. Ethylenglykol für Kühlerfrostschutzmittel und zur Herstellung von
Polyestern, Herstellung von Polyethylenglykolethern (Polyethylenglykolether sind Tenside, u. a. das
als Spermizid verwendete Tensid Nonoxynol 9)
– Ethanol: wichtiges Lösungsmittel und Zwischenprodukt in der chemischen Industrie, z. B. zur
Herstellung von Chlorethan und verschiedenen Carbonsäureestern. Lösungsmittel für kosmetische
Produkte, Herstellung von Brennspiritus, zur Desinfektion in der Medizin, Lösungsmittel für
Medikamente. (Bioethanol wird auch zur Produktion alkoholischer Getränke und als Treibstoff
bzw. Treibstoffzusatz verwendet. Das Ethanol in B6 ist aber kein Bioethanol.)
– Polypropen (Polypropylen): Kunststoffteile für Maschinen-und Fahrzeugbau und für Trafo-gehäuse,
Kabelummantelungen und Isolierfolien in der Elektrotechnik, Armaturen und Rohr- 
leitungen, Fasern, Behälter (z. B. Becher und Flaschen) in der Lebensmittelindustrie, im Haushalt
und in der Verpackungstechnik
– Propenoxid (Propylenoxid): Herstellung von Propan-1,2-diol, Dipropylenglykol und Polypropylen- 
glykolen
– Acrylnitril: Ausgangsprodukt zur Herstellung weiterer Acryl-Verbindungen, Polymerisation zu
Polyacrylnitril, Polymerisation zu Copolymeren (Kunststoffen) wie ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol)
und SAN (Styrol-Acrylnitril) zur Herstellung zahlreicher Kunststoffartikel
– Butadien (Buta-1,3-dien, 1,3-Butadien): Herstellung von Synthesekautschuk und von ABS, Einsatz
bestimmter Polybutadiene als Treibstoff für Feststoffraketen
– MTBE: Treibstoffzusatz zur Erhöhung der Klopffestigkeit, für Startersprays von Motoren, Lösungs-
mittel in der chemischen Industrie

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– ETBE: Treibstoffzusatz zur Erhöhung der Klopffestigkeit (Zur Herstellung von ETBE kann Bioetha-
nol verwendet werden. Damit kann die gesetzlich vorgeschriebene Beimischungsquote für
Bioethanol in Benzin erreicht werden.)

1.20  Halogenierung von Alkanen (S. 64)

Zum Versuch V1  
a)  B2 im Schülerbuch zeigt die Reaktionsgleichung.
Das Indikatorpapier färbt sich rot, da aus dem Kolben gasförmiger Bromwasserstoff (Hydrogenbro-
mid) entweicht, der mit Wasser Oxonium-Ionen bildet:  HBr  +  H2O    H3O+  +  Br–
b)  Die Flamme färbt sich grün.

Hinweis: Erhitzt man eine halogenhaltige organische Verbindung mit Kupfer, so entstehen flüchtige
Kupferhalogenide, die die Flamme grün färben. Dies bezeichnet man als Beilsteinprobe.

Zur Aufgabe A1   CHBr2— CHBr — CH2—CH2— CH2— CH2— CH3.

1.21  Vom Ethen zum Polyethen (S. 65)

Zur Aufgabe A1   Entscheidend für den jeweiligen Einsatzbereich der Kunststoffe sind Temperaturbeständig-
keit, Verformbarkeit und Elastizität. Aufgrund dieser Unterscheidungsmerkmale ergeben sich drei
Kunststoffgruppen: die Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere.

Thermoplaste zeichnen sich dadurch aus, dass sie beim Erwärmen weich und formbar werden.
Kühlen sie wieder ab, behalten sie die Form bei, in die der flüssige Kunststoff gebracht wurde. Für
Stoffe mit sehr langen Molekülen (10–6 bis 10–3 mm), die linear oder verzweigt gebaut sind, lässt sich
keine bestimmte Schmelztemperatur angeben. Dies zeigt, dass Thermoplaste sich aufgrund
unter¬schiedlicher Längen der Makromoleküle wie Gemische verhalten. So kann auch lediglich eine
mittlere molare Masse angegeben werden. Sie liegt bei den meisten Thermoplasten zwischen 104
und 106 g/mol.

In Thermoplasten liegen lineare oder strauchähnlich verzweigte Makromoleküle vor, die durch
zwischenmolekulare Kräfte, wie z. B. London-Kräfte, Dipol-Dipol-Kräftebzw. Wasserstoffbrücken
zusammengehalten werden. Diese Kräfte können besonders gut wirksam werden, wenn die
Moleküle parallel ausgerichtet sind. Solche Bereiche nennt man geordnet oder kristallin. Liegen die
Moleküle verknäuelt vor, können die zwischenmoleularen Kräfte weniger gut wirksam werden.
Dieser Zustand wird ungeordnet oder amorph genannt.

Werden Kunststoffe benötigt, die auch bei höheren Temperaturen noch formbeständig sind, werden
Duroplaste verwendet. Bei Zimmertemperatur sind Duroplaste hart und spröde. Die engmaschig
vernetzten Moleküle entstehen durch Verknüpfung der Mo¬lekülketten über Atombindungen. Die
Bestandteile dieses engmaschigen Molekülnetzes können sich nur wenig bewegen. Beim Erwärmen
werden Duroplaste nicht weich, sondern sie zersetzen sich. Die Atombindungen werden bei hohen
Temperaturen teilweise gespalten. Daher können Gegenstände aus Duroplasten thermisch nicht
mehr verändert werden, wenn sie ihre endgültige Form erhalten haben.

Elastomere sind bei Zimmertemperatur elastisch, d.h., sie verändern ihre Form bei mechanischer
Einwirkung, nehmen ihre Form aber anschließend wieder ein.
Bei niedrigen Temperaturen werden sie hart und spröde. Bei höheren Temperaturen schmelzen sie
nicht, stattdessen tritt ab einer bestimmten Temperatur Zersetzung ein. Elastomere bestehen aus
weitmaschig vernetzten Makromolekülen, die verknäult vorliegen. Durch Einwirken einer äußeren
Kraft können die Moleküle aneinander entlanggleiten und sich strecken. Nach Beendigung der
Kraftwirkung kehren die Moleküle in den verknäulten Zustand zurück.

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1.22  Riesenmoleküle aus Kohlenstoff-Atomen (S. 66/67)

Zu den Aufgaben A1   Die Dichte von Diamant ist wesentlich größer als die von Graphit. Die Kohlenstoff-Atome im
Diamant liegen also im Durchschnitt wesentlich enger beieinander. Im Diamantgitter liegt jedes
Atom einer Schicht (aus gewellten Sechsringen) in den Lücken der Atome der vorigen Schicht. Im
Graphitgitter ist der Abstand zwischen den (ebenen) Schichten relativ groß. Er beträgt etwa das
2,5-Fache des Abstandes zwischen den Atomen derselben Schicht.

A2   Im Diamant gehören alle Außenelektronen der Kohlenstoff-Atome zu bindenden Elektronen-


paaren der Atombindungen. Sie sind über die Bindung hinaus praktisch nicht beweglich. Im Graphit
sind nur je drei Außenelektronen der Kohlenstoff-Atome an bindenden Elektronenpaaren beteiligt;
das jeweils vierte Elektron ist über die ganze Schicht beweglich. Dies erklärt die elektrische Leitfä-
higkeit von Graphit entlang der Schichtebenen, aber auch die extrem schlechte Leitfähigkeit
senkrecht zu den Schichtebenen.

A3  
a)  In der Literatur gibt es zwei Versionen zur Herkunft der Bezeichnung „Bleistift“:
– Bis in das 18. Jahrhundert wurde der zur Herstellung einer Bleistiftmine verwendete Graphit für
das Bleierz Galenit (Bleiglanz) gehalten. Die sich daraus ergebende Bezeichnung „Bleistift“ hat
sich bis heute gehalten.
– Die Ägypter sollen schon vor ca. 5 000 Jahren Schilfrohr, Bambusrohr oder Papyrusrohr mit
flüssigem Blei ausgegossen und als Schreibwerkzeug benutzt haben. Ab dem 12. Jahrhundert
schrieb man mit Griffeln aus Bleilegierungen, an deren Spitze Silber aufgelötet war. In Stiftform
gepresst, wurden diese als Silberstifte auch von vielen Künstlern späterer Jahrhunderte für
Vorzeichnungen verwendet. Schon im 16. Jahrhundert soll vereinzelt mit Stäben aus Graphit
geschrieben worden sein.

b)  Für die Herstellung der Bleistiftminen wird ein Gemisch aus Graphit und Ton gebrannt. Das
Mischungsverhältnis von Graphit und Ton ist für die Härte entscheidend. Je höher der Graphit­anteil
ist, desto weicher ist die Mine. Einfluss auf die endgültige Härte haben auch die Brenntemperatur
und die Brenndauer des Gemisches aus Graphit und Ton. Der Graphitanteil variiert von 20 % bis 80 %.

A4   Struktur: Im Siliciumcarbid (SiC) sind Silicium- und Kohlenstoff-Atome wie im Diamant über
Atombindungen miteinander verknüpft. Jedes Silicium-Atom ist mit vier Kohlenstoff-Atomen
verbunden und jedes Kohlenstoff-Atom mit vier Silicium-Atomen. Siliciumcarbid weist einen tetraed-
rischen Aufbau auf. Eigenschaften: Reines Siliciumcarbid ist (wie Diamant) farblos und sehr hart.
Erklärung der Ähnlichkeit: Kohlenstoff und Silicium stehen in der gleichen Hauptgruppe und in aufei-
nander folgenden Perioden des PSE.

1.23  Neue Materialien aus Kohlenstoff (S. 68/69)

Zu den Aufgaben A1   Da im Graphen jedes Kohlenstoff-Atom nur drei Bindungspartner hat, sind frei bewegliche
Valenzelektronen vorhanden. Diese können Ladung und Energie transportieren. Graphen ist daher
elektrisch leitfähig.

A2  
a)  Kohlenstoff-Nanotubes: Die physikalischen und chemischen Eigenschaften der Kohlenstoff-Nano-
tubes lassen auf vielfältige Anwendungsmöglichkeiten schließen. Einschichtige Nanotubes leiten je
nach Durchmesser und Gitterstruktur den elektrischen Strom wie ein metallischer Leiter oder wie
ein Halbleiter. Mit Nanotubes können leitende Verbindungen zwischen Mikrostrukturen hergestellt
werden. So kann man monomolekulare Transistoren herstellen, die extrem klein und für vielfältige
Anwendungen in der Medizin und in der Elektronik geeignet sind.
Die zunächst geschlossenen Nanotubes können durch eine chemische Behandlung geöffnet und  
mit Molekülen gefüllt werden. Man hofft auf diese Weise, Enzyme und andere Biomoleküle einzu-
schließen und gezielt zur Steuerung enzymatischer Prozesse nutzen zu können. Man hofft, in
Nanotubes in größerem Umfang Wasserstoff-Moleküle speichern zu können. Mithilfe von Nano­tubes
kann es vielleicht gelingen, große Wasserstoffportionen in kleinen Tanks und unter geringem Druck
zu speichern.

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b)  Nanotubes aus anderen Materialien: Nanoröhrchen können auch aus Bornitrid, Titandioxid,
Sulfiden des Molybdäns, Wolframs und Kupfers und aus Halogeniden (Nickelchlorid, Cadmiumchlo-
rid, Cadmiumiodid) aufgebaut sein. Schichten aus nanoskopischen Titandioxid-Röhrchen sind
interessante Materialien für die Biotechnologie, für katalytische Verfahren und für die Solar­
zellentechnologie. Die Halbleitereigenschaften sind eine Voraussetzung für viele dieser Anwendun-
gen, allerdings ist eingeschränkte elektrische Leitfähigkeit für andere Einsatzgebiete ein Nachteil.
Durch Carbonisieren lässt sich Titandioxid in eine kohlenstoffhaltige Titanoxycarbid-Verbindung über-
führen, die den Titandioxidröhrchen metallische Leitfähigkeit verleiht. Dieses neue Material kann
z. B. die Leistungsfähigkeit von Methanol-Brennstoffzellen drastisch erhöhen.
Transistoren auf der Basis von Bornitrid und Gold ermöglichen leistungsstarke Schaltkreise ohne die
Nachteile herkömmlicher Halbleiter. Dazu wird eine Brücke aus Bornitridteilchen mit Punkten aus
Gold besetzt. Werden an beiden Seiten des Bornitrid-Röhrchens Elektroden angebracht, so springen
die Elektronen präzise von Goldpunkt zu Goldpunkt.
Nanoröhrchen aus Kohlenstoff gelten als Kandidaten, um mikroelektronische Bauelemente weiter zu
miniaturisieren und das Silicium in der Zukunft zu verdrängen. Dem stehen jedoch ungünstige
Eigenschaften wie das Zusammenkleben der Röhrchen entgegen. Diesen Nachteil weisen Nanodräh-
te aus Molybdän­sulfid nicht auf. Sie leiten gut Elektronen und lassen sich durch Verdrehen zu
Halbleitern umwandeln.

c)  Graphen
– ist lichtdurchlässig,
– hat eine sehr gute elektrische Leitfähigkeit (ein Elektronen bewegt sich über tausende Bindungs-
längen),
– gehört zu den stabilsten bekannten Materialien (hohe Reißfestigkeit),
– leicht (1 km2 hat eine Masse von etwa 750 g).
Durch seine Eigenschaften ist Graphen ein Werkstoff der Superlative und damit für Branchen, die
Verbundwerkstoffe, Beschichtungen oder Mikroelektronik produzieren, äußerst vielversprechend.
Durch die hohe Mobilität der Ladungsträger innerhalb des Graphengitters ist Graphen von höchstem
Interesse für die Entwicklung von schnellen elektronischen Bauelementen in der Hochfrequenz-
Technologie. Als das am besten elektrisch leitfähige und eines der leichtesten und flexibelsten
Materialien ist Graphen ein vielversprechendes Material für:
– Solarzellen,
– Katalyse­verfahren,
– transparente und emissive Displays,
– mikromechanische Resonatoren,
– Transistoren,
– Kathoden in Lithium-Luft-Batterien,
– ultrasensitive chemische Detektoren,
– leitfähige Beschichtungen,
– die Verwendung als Additiv in Verbundstoffen.
Graphen behält seine beeindruckenden Eigenschaften auch, wenn es mit einer dünnen Silicium-
schicht bedeckt wird. Damit eröffnen sich für die Dünnschicht-Fotovoltaik völlig neue Möglichkeiten.

A3   Nachdem Aluminium im Karosseriebau das Monopol des Stahls aufgehoben hat, könnten die
CFK in der Zukunft den Stahl und das Aluminium ablösen. Hohe Festigkeit und Steifigkeit bei
geringer Masse sind die Vorzüge der CFK, sodass aus ihnen stark belastete Bauteile wie Karosserien,
Räder und Fahrgastzellen hergestellt werden können. Komponenten aus CFK sind im Vergleich zu
Stahl um 50 Prozent und zu Aluminium um 30 Prozent leichter. Dieses senkt auch den Energiever-
brauch der Fahrzeuge und steigert die Reichweiten. Inzwischen verfügen Fahrzeughersteller bzw.
ihre Lieferanten über die Fähigkeit, CFK großtechnisch herzustellen.

A4   Im Hochleistungssport kommen CFK-Bauteile wegen ihres geringen Gewichts (ihrer geringen


Masse) bei gleichzeitig hoher Steifigkeit zum Einsatz. Hochwertige Sportrollstühle, leichte Laufräder
und andere Fahrradkomponenten werden aus CFK gefertigt. Auch Stabhochsprung­stäbe für den
Hochleistungssport bestehen heute aus CFK. Höhen von etwa 6 m können nur mit solchen Stäben
erreicht werden. Zweier- und Viererbobs werden aus einem speziellen Carbon-Glasfaser-Prepreg
gebaut. (Prepreg: preimpregnated fibers, „vorimprägnierte Fasern“, d. h. Matte aus Endlosfasern und
einer ungehärteten duroplastischen Kunststoffmatrix, die bei hoher Temperatur gehärtet wird).

Elemente Chemie 11 Niedersachsen  23

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1.24  Nanochemie (S. 70)

Zu den Versuchen V1 
 )  Der Versuch wurde mit einem Kohlrabiblatt durchgeführt.
a
Das Wasser perlt an der Wasseroberfläche ab und bildet nahezu kugelförmige Tropfen. Die Schmutz-
partikel aus fein gemahlener Tonerde bzw. Zigarettenasche werden von den Wasser­tropfen mitgeris-
sen. Nach dem Abspülen des Blattes unter fließendem Wasser werden auf dem an der Luft getrock-
neten Blatt die gleichen Beobachtungen gemacht.

b)  Auf der verrußten Fläche des Objekt­trägers bilden sich kleine, nahezu kugelförmige Tropfen. Auf
der sauberen Fläche des Objekt­trägers bilden sich deutlich flachere Tropfen, die größere Kontaktflä-
chen zum Glas bilden.
Hinweise zur Durchführung: Der Objektträger muss dicht über die Flamme gehalten werden, damit
sich Ruß abscheidet. Es ist darauf zu achten, dass eine dichte Rußschicht vorliegt.

c)  Auf der mit Aceton behandelten CD-Fläche, die wachsartig erscheint, bilden sich nahezu kugel­
förmige Tropfen. Diese reißen beim Abrollen Schmutzpartikel aus fein gemahlener Tonerde bzw.
Zigarettenasche vollständig mit. Auf der unbehandelten CD-Fläche bilden sich deutlich flachere
Tropfen, die größere Kontaktflächen zur CD-Fläche bilden. Auch diese „Tropfen“ reißen Partikel aus
fein gemahlener Tonerde bzw. Zigarettenasche mit, allerdings nicht vollständig.

Aufgabenlösung:
Die Formen der Tropfen und was passiert, wenn die Tropfen über die Tonerde bzw. Asche rollen, wird
zu den Versuchsabschnitten a), b) und c) beschrieben.

V2   Der Versuch wurde mit „SUN DANCE 50+ KIDS DERMO“ von dm durchgeführt.
Beim Veraschen entweicht Rauch aus dem Tiegelinhalt. Der Tiegelinhalt wird zunächst schwarz, dann
allmählich gelb und schließlich grauweiß.
Beim anschließenden Aufschließen des Titandioxids mit Kaliumhydrogensulfat steigt grauer
Schwefeltrioxid-Rauch auf; es bildet sich eine klare Schmelze. Die erkaltete Schmelze löst sich unter
Rühren in der heißen, verdünnten Schwefelsäure. Der Nachweis von Titan ist positiv.

Aufgabenlösung:
Titandioxid als Weißpigment hinterlässt auf der Haut eine weiße Schicht, die von vielen „Sonnenan-
betern“ als unästhetisch empfunden wird. Titandioxid in Form von Nanopartikeln streut das UV-Licht,
aber nicht das sichtbare Licht, d. h., es bildet keine weiße Schicht auf der Haut.

Hinweis zur Durchführung: Da beim Veraschen Rauch entweicht, muss der Versuch bereits in dieser
Phase unter dem Abzug durchgeführt werden.

1.25  Nanopartikel sind weit verbreitet (S. 71)

Zu den Aufgaben A1   Würfel mit der Kantenlänge  l = 10 nm:


Volumen:  V = l 3  =  (10 nm)3  =  1 000 nm3
Oberfläche:  O = 6 · l 2   =  6 · (10 nm)2  =  600 nm2
Verhältnis von Oberfläche und Volumen:  O : V  =  600 nm2 : 1 000 nm3  =  0,6 nm–1

Je vier Würfel in zwei Schichten bilden einen größeren Würfel mit der Kantenlänge  l = 20 nm:
Volumen:  V = l 3 = (20 nm)3 = 8 000 nm3
Oberfläche:  O = 6 · l 2 = 6 · (20 nm)2 = 2 400 nm2
Verhältnis von Oberfläche und Volumen:  O : V  =  2 400 nm2 : 8 000 nm3  =  0,3 nm–1

Bei dem einzelnen Würfel ist das Verhältnis von Oberfläche und Volumen doppelt so groß wie bei
den acht zusammengelegten Würfeln.

Hinweis: Für Würfel mit der Kantenlänge l  gilt allgemein:  O : V  =  6 · l 2 : l 3  =  6 : l
Je kleiner ein Körper ist, desto größer ist seine Oberfläche im Verhältnis zum Volumen. Die Aufgabe
liefert also den Beleg für die Aussage im Text im Schülerbuch: „Je kleiner ein Partikel ist, desto mehr
Atome liegen an der Oberfläche und können mit ihrer Umgebung in Wechselwirkung treten.“

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A2   Siliciumdioxid-Nanopartikel werden z. B. als Rieselhilfe in Salz oder Kaffeeweißer eingesetzt.
In Lebensmittelverpackungen sollen diese Nanopartikel den Gasaustausch zwischen Ware und
Außenluft verhindern.
Internet-Quellen zu A2 (Stand April 2017):
http://www.zusatzstoffe-online.de/zusatzstoffe/235.e551_siliciumdioxid.html
http://epub.oeaw.ac.at/ita/nanotrust-dossiers/dossier004.pdf

A3   Titandioxid streut und reflektiert das UV-Licht. Ein Vorteil von Titandioxid im Vergleich zu
anderen „UV-Filtern“ (z. B. Benzophenone, Triazole, Dibenzoylmethane und Zimtsäure) ist, dass es
weitgehend chemisch inert ist. So werden Cremes mit Titandioxid vor allem für Cremes für Kinder
empfohlen. Ein Nachteil dieser Cremes besteht darin, dass die Schutzschicht durch Wasser oder
Schweiß leicht abgespült wird. Der Schutz dieser Cremes ist umso wirksamer, je dicker die Sonnen­
creme aufgetragen wird. Von vielen Verbrauchern wird eine Sonnencreme mit größeren Titandioxid-
Partikeln abgelehnt, weil sie auf der Haut einen weißen Film erzeugt. Sonnencremes mit Nanoparti-
keln zeigen diesen ästhetischen Nachteil nicht. Die Nanopartikel streuen nur das UV-Licht und nicht
das sichtbare Licht, daher sind sie transparent.
Nanopartikel sind nach Ansicht vieler Umweltschützer und Forscher noch zu wenig erforscht, um
deren Auswirkungen auf die Gesundheit und Umwelt abschätzen zu können. Nanopartikel sind sehr
mobil und können in den Körper, in den Blutkreislauf und in die Organe gelangen. Derzeitiger
Kenntnisstand ist aber eher, dass Nano­partikel bei intakter Haut nicht in den Körper aufgenommen
werden.

1.26  Zusammenfassung und Übung (S. 72 – 74)

Zu den Aufgaben A1  

Stoff Strukturmerkmale
Diamant Die Kohlenstoff-Atome im Diamant bilden ein dreidimensionales
Diamant­gitter. Mit seinen vier Valenzelektronen geht ein C-Atom vier
Atombindungen (Elektronenpaarbindungen) mit vier anderen C-Atomen
ein. Die vier Bindungen sind tetraedrisch angeordnet. Außerdem sind
gewellte Sechsringe zu erkennen. Vier C-Atome eines solchen Ringes bil-
den ein Rechteck, ein Atom liegt über dessen Ebene, eins darunter.
Graphit Das Graphitgitter besteht aus übereinander liegenden ebenen Schich-
ten.  
In jeder Schicht liegen ebene Sechsringe von C-Atomen vor. Je drei Va-
lenzelektronen eines C-Atoms sind an den Bindungen zu drei weiteren
C-Atomen beteiligt. Das vierte Valenzelektron ist ähnlich wie bei Metal-
len über die  
ganze Schicht beweglich. Der Abstand zwischen den verschiedenen
Schichten ist mehr als doppelt so groß wie zwischen den Atomen der-
selben Schicht.
Buckminster-Fulleren Das Buckminster-Fulleren ist ein aus 60 C-Atomen bestehendes
kugelförmiges Molekül mit einem Durchmesser von 0,7 nm. Es ist wie
ein Fußball aus 20 Sechs­ringen und 12 Fünfringen aufgebaut. Wie im
Graphit hat auch hier  
jedes Atom drei Bindungspartner. Das vierte Valenzelektron ist auf der
Molekül­oberfläche frei beweglich.
Kohlenstoff-Nanotubes Kohlenstoff-Nanotubes sind röhrenförmige Moleküle mit Durchmessern
zwischen etwa 1 nm und 50 nm, deren Wände aus wabenartig zusam-
mengesetzten Kohlenstoff-Sechsringen bestehen. Die Länge der Mole-
küle reicht von einigen Millimetern bis zu 20 cm. Es gibt auch mehrwan-
dige Kohlenstoff-Nanotubes mit Durchmessern über 100 nm.
Graphen In der zweidimensionalen wabenförmigen Struktur des Graphens ist
jedes Kohlenstoff-Atom mit drei weiteren Kohlenstoff-Atomen verbun-
den. Die Dicke einer Graphenschicht entspricht dem Durchmesser eines
Kohlenstoff-Atoms: 0,08 nm.

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A2   Der Name „Diamant“ enthält das griechische Wort für „unbezwingbar“. Diamant ist der
härteste aller natürlich vorkommenden Stoffe. Jedes C-Atom im Diamantgitter ist mit vier weiteren
C-Atomen verknüpft. Mechanisch gelingt es nur sehr schwer, einzelne Atome oder Atomgruppen aus
diesem Gitter herauszubrechen.
Der Name „Graphit“ kommt vom griechischen Wort für „schreiben“. Beim Gleiten über Papier spalten
sich kleine Graphit-Plättchen ab und hinterlassen eine schwarze Spur. Das Graphitgitter besteht aus
übereinander liegenden ebenen Schichten. In jeder Schicht liegen ebene Sechsringe von C-Atomen
vor. Je drei Valenzelektronen eines C-Atoms sind an den Bindungen zu drei weiteren C-Atomen
beteiligt. Der Abstand zwischen den verschiedenen Schichten ist mehr als doppelt so groß wie
zwischen den Atomen derselben Schicht. Die Anziehungskräfte zwischen den Schichten sind
schwach; die Schichten lassen sich leicht abspalten.

A3   Die Aufgabe lässt sich durch Probieren lösen, oder auch rechnerisch:

Teilchenmassen:  mt (Alkan-Molekül) = 72 u;  mt (C) = 12 u;  mt (H) = 1 u

Aus der allgemeinen Summenformel CnH2n+2 folgt:

12 u · n + 1 u · (2n + 2) = 72 u    ⇔    14 u · n + 2 u = 72 u    ⇔    n = 5

⇒  Summenformel: C5H12

Probe:  12 u · 5 + 1 u · 12 = 72 u

Mögliche Strukturformeln:
H
H C H
H H H H H H H H H H H
H C C C C C H H C C C C H H C C C H
H H H H H H H H H H
H C H H C H
H H

Pentan 2-Methylbutan 2,2-Dimethylpropan

A4  

Name Summenformel Strukturformel Verwendung


Methan CH4 H Methan wird überwiegend als Heiz-
H C H gas zur Wärmegewinnung, zum
Kochen und zum Betrieb von Verbren-
H
nungsmotoren verwendet. Methan ist
ein wichtiger Ausgangsstoff für die
Gewinnung von Wasserstoff (z. B. für
die Ammoniaksynthese).
Butan C4H10 H H H H Butan (meist zusammen mit 2-Me-
H C C C C H thylpropan und Propan) wird als Feu-
erzeuggas, Heizgas zur Wärmegewin-
H H H H
nung, zum Kochen und zum Betrieb
von Verbrennungsmotoren verwendet.
2-Methylpro- C4H10 H H H 2-Methylpropan (meist zusammen
pan H C C C H mit Butan und Propan) wird als
H H
Feuerzeuggas, als Heizgas zur Wär-
megewinnung, zum Kochen und zum
H C H Betrieb von Verbrennungsmotoren
H verwendet.

26  Elemente Chemie 11 Niedersachsen

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Ethen C2H4 H H Ethen (Ethylen) ist eine organische
C C Grundchemikalie, aus der z. B. Ethanol,
H H Chlor­ethen (Vinylchlorid) und Polye-
then (Polyethylen) gewonnen werden.
Pro Jahr werden weltweit ca. 150 Mio.
Tonnen Ethen produziert. 40 bis 50 %
davon werden zur Herstellung von
Polyethen verwendet.
Propen C3H6 H Propen (Propylen) ist ebenfalls eine
C C organische Grundchemikalie, aus der
H z. B. Aceton, Acrylsäure, Propandiole
und Polypropen (Polypropylen) ge-
wonnen werden.
Ethin C2H2 H C C H Ethin (Acetylen) wird zum Schwei-
ßen und Schneiden verwendet. Etwa
80 % der weltweit ca. 150 000 t Ethin
werden allerdings für organische Syn-
thesen eingesetzt, z. B. für die Gewin-
nung von Chlorethen (Vinylchlorid) für
die PVC-Herstellung.
Cyclohexan C6H12 H Cyclohexan wird u. a. als Lösungsmit-
H H
H C H tel in Lacken, Harzen und Fleckent-
C C fernern verwendet. Cyclohexan ist ein
H H
C C Ausgangsstoff zur Herstellung von
H C H e-Caprolactam, welches wiederum
H H
H zur Produktion der Kunstfaser Perlon
benötigt wird.

A5  

Alkane Alkene Alkine


CH4
Methan
CH3 — CH3 CH2   CH2 CH   CH
Ethan Ethen Ethin
CH3 — CH2 — CH3 CH2   CH — CH3 CH   C — CH3
Propan Propen Propin
CH3 — CH2 — CH2 — CH3 CH2   CH — CH2 — CH3 CH   C — CH2 — CH3
Butan But-1-en But-1-in
CH3 — CH2 — CH2 — CH2 — CH3 CH2   CH — CH2 — CH2 — CH3 CH   C — CH2 — CH2 — CH3
Pentan Pent-1-en Pent-1-in

A6   Die gegenseitigen Berührungs- und Polarisierungsmöglichkeiten und damit die London-Kräfte


zwischen den Molekülen hängen von der Moleküloberfläche ab. Das verzweigte Isobutan-Molekül
hat eine kleinere Oberfläche als das Butan-Molekül. Damit sind die Anziehungskräfte zwischen
Isobutan-Molekülen geringer und die Siedetemperatur ist niedriger als die von Butan.

A7   Mit steigender Kettenlänge der unverzweigten Alkan-Moleküle und damit wachsender


Oberfläche nehmen gegenseitige Berührungs- und Polarisierungsmöglichkeiten und damit die
Anziehungskräfte zu. Daher nimmt die Viskosität, das Fließverhalten, der Alkane zu.

A8   Hinweis: Die Vielfalt der Primärenergien ermöglicht es, unterschiedliche Unterrichtsmethoden


(Gruppenarbeit, Gruppenpuzzle, Projekt, Internetrecherche) zu nutzen.
Im Folgenden können nur einige wenige Vorzüge und Nachteile der verschiedenen Primärenergieträ-
ger aufgezeigt werden. Eine vollständige Darstellung würde mehrere Bände umfassen.

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a) Kohle
Information:
Kohle ist ein fossiler Energieträger. Der Massenanteil des Kohlenstoffs beträgt über 50 %.
Vorzüge:
Kohle kann verbrannt werden, um die in ihr gespeicherte Energie in thermische oder elektrische
Energie umzuwandeln, aus Kohle können aber auch Gas und Benzin und einige Grundstoffe der
chemischen Industrie gewonnen werden. Ein großer Teil der Kohle wird zur Herstellung von Koks
eingesetzt. Koks wird zur Reduktion von Eisenoxiden im Hochofen benötigt.
Nachteile:
Bei der Verbrennung der Kohle entsteht Kohlenstoffdioxid, das zum anthropogenen Treibhauseffekt
beiträgt. Bei der Verbrennung der meisten Kohlesorten entsteht auch Schwefeldioxid, dieses lässt
sich aber in modernen Kohlekraftwerken weitgehend entfernen. Die Kohlevorräte sind endlich.

b) Erdöl
Information:
Erdöl besteht hauptsächlich aus Kohlenwasserstoffen. Rohöl ist mit mehr als 17 000 Verbindungen
ein komplexes und vielfältiges Gemisch, das natürlich auf der Erde vorkommt.
Erdöl ist der derzeit wichtigste Rohstoff der modernen Industriestaaten, der zur Erzeugung von
Treibstoffen und für die chemische Industrie herausragende wirtschaftliche Bedeutung besitzt.
Vorzüge:
Die meisten chemischen Erzeugnisse lassen sich aus ca. 300 Grundchemikalien aufbauen. Diese
Molekülverbindungen werden heute zu ca. 90 % aus Erdöl und Erdgas gewonnen. Zu diesen gehören:
Ethen, Propen, Butadien, Benzol, Toluol, ortho- und para-Xylol. Nur ca. 6 bis 7 % des weltweit geför-
derten Erdöls werden für die chemischen Produktstammbäume verwendet, der weitaus größere
Anteil wird einfach in Kraftwerken und Motoren verbrannt. Gibt es kein Erdöl mehr, müssen diese
Grundchemikalien über alternative und kostenintensivere Verfahren mit hohem Energieverbrauch
hergestellt werden. Der chemische Baukasten des Erdöls wird verwendet, um fast jedes chemische
Erzeugnis zu produzieren. Dazu gehören Farben und Lacke, Arzneimittel, Wasch- und Reinigungsmit-
tel.
Erdöl ist viel zu schade, als dass es nur verbrannt wird.
Nachteile:
Umweltbelastungen bei der Förderung, dem Transport, der Lagerung und Aufbereitung; bei der
Verbrennung der Erdölprodukte entsteht Kohlenstoffdioxid, das zum anthropogenen Treibhauseffekt
beiträgt. Erdöl selbst und einige Produkte sind gesundheitsschädlich, giftig, sehr giftig und/oder
kanzerogen. Die Erdölvorräte sind endlich. Die Erdölvorräte sind sehr ungleichmäßig verteilt. Sie
können die Ursache für kriegerische Auseinandersetzungen bilden.

c) Erdgas
Information:
Erdgas ist ein brennbares Naturgas, das hauptsächlich aus Methan besteht. Häufig enthält Erdgas
auch größere Anteile an Ethan, Propan, Butan und Ethen. Ein Nebenbestandteil ist häufig Schwefel-
wasserstoff, der durch „Entschwefelung“ entfernt werden muss, ein weiterer Nebenbestandteil ist
Kohlenstoffdioxid. Dieses wird in die Luft abgegeben. Von großem Wert sind Erdgase, die einen
höheren Anteil an Helium (bis zu sieben Prozent) enthalten. Diese sind die Hauptquelle der Helium-
gewinnung.
Vorzüge:
Erdgas kann in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung verbrannt werden. Ein Erdgaskraft-
werk kann in Spitzenzeiten des Energieverbrauchs hochgefahren und in Zeiten geringen Energiever-
brauchs heruntergefahren werden. Bei der Verbrennung von Erdgas wird bezogen auf die Verbren-
nungswärme z. B. von 1 kWh weniger Kohlenstoffdioxid erzeugt als bei der Verbrennung von
Braunkohle, Steinkohle oder Heizöl.
Erdgas kann anstelle von Benzin zum Betrieb von Kraftfahrzeugen eingesetzt werden.
Nachteile:
Bei der Verbrennung von Erdgas wird Kohlenstoffdioxid gebildet.

d) Uran
Information:
Das Uranisotop 235U ist die einzige bekannte natürlich vorkommende Atomart, die zu einer nuklearen
Kettenreaktion fähig ist. 235U wird in Kernkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt. Grundlage
eines Kernkraftwerkes ist die Energie, die bei der Spaltung von Atomkernen frei wird. In einem
Kernkraftwerk (KKW) – häufig auch Atomkraftwerk (AKW) genannt – wird elektrische Energie durch
Kernspaltung gewonnen. Die Erzeugung elektrischer Energie geschieht indirekt. Die Wärme, die bei
der Kernspaltung entsteht, wird auf ein Kühlmittel übertragen. Meist ist das Kühlmittel Wasser, bei
der Erwärmung wird Wasserdampf erzeugt, der dann eine Dampfturbine antreibt. Ein Kernkraftwerk
weist in der Regel mehrere Blöcke auf.

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Vorzüge:
Uran steht wahrscheinlich als Energierohstoff noch für mehr als 200 Jahre zur Verfügung, wobei die
Reichweite natürlich von mehreren Faktoren abhängt: Ausbau der Kernkraft, technologische
Weiterentwicklung der Nutzung, Förderkosten für Uran, Preis des Urans usw. Uran wird derzeit
überwiegend in politisch stabilen Ländern gefördert. Aufgrund seiner hohen Energiedichte und
seiner sehr guten Lagerfähigkeit kann Uran gut bevorratet werden. Die Erzeugung von Energie aus
Uran beim Betrieb von Kernkraftwerken kann nahezu ohne Freisetzung von Kohlenstoffdioxid
erfolgen.
Nachteile:
Wegen der Gesundheitsgefahren der Radioaktivität und des möglichen Einsatzes in Atomwaffen
sind der Abbau und die Verwendung von Uran politisch stark umstritten.
Der Uranabbau kann zu Umweltschäden und Gesundheitsschäden führen, da durch den Uranberg-
bau Uran und radioaktive Folgeprodukte (z. B. das radioaktive Edelgas Radon) freigesetzt werden
und aus dem Untergrund an die Oberfläche gelangen. Auch die Uranvorräte sind endlich. Ein großes
Problem ist die sichere „Endlagerung“ abgebrannter Brennstäbe und kontaminierten Materials.
Die Regierung der Bundesrepublik Deutschland hat 2011 aufgrund des Reaktorunfalls in Fuku­shima
(Japan) März 2011 den Ausstieg aus der Verwendung der Kernenergie in Deutschland beschlossen.
Die Abschaltung der zunächst acht Kernenergieanlagen macht den verstärkten Einsatz anderer
Energiequellen erforderlich. Die restlichen neun Anlagen sollen bis 2022 abgeschaltet werden.

e) Biomasse
Information:
Unter Biomasse werden alle rezenten Stoffe organischer Herkunft verstanden.
(rezent: gegenwärtig lebend, im Gegensatz zu fossil)
Zur Biomasse gehören damit:
– die in der Natur lebenden Pflanzen und Tiere (Phyto- und Zoomasse),
– die pflanzlichen und tierischen Rückstände bzw. Nebenprodukte (z. B. tierische Exkremente wie
die Gülle),
– abgestorbene, aber noch nicht fossile Pflanzen- und Tiermasse (z. B. Stroh),
– im weiteren Sinne alle Stoffe, die beispielsweise durch eine technische Umwandlung oder eine
Nutzung von Pflanzen und Tieren entstanden sind (z. B. Papier und Zellstoff, Schlachthofabfälle, orga-
nische Stoffe des Hausmülls, Alkohol, Pflanzenöl usw.)
Die Abgrenzung der Biomasse gegenüber den fossilen Energieträgern beginnt beim Torf, dem
fossilen Sekundärprodukt der Verrottung. Damit zählt Torf im strengeren Sinn dieser Begriffsabgren-
zung nicht mehr zur Biomasse. In einigen Ländern (u. a. Schweden, Finnland) wird Torf durchaus als
Biomasse bezeichnet.
Der Vielfalt der Biomasse entspringen die vielen Vorzüge und Nachteile, die eigentlich getrennt
betrachtet werden müssten. Im Folgenden werden nur einige Beispiele aufgezeigt.
Vorzüge:  
Die Nutzung von Biomasse ist weitgehend CO2-neutral, da nur das Kohlenstoffdioxid freigesetzt wird,
das zuvor bei der Entstehung der Biomasse der Atmosphäre entnommen wurde.
Holzpellets können zur Heizung und natürlich auch zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Sie
haben einen Heizwert von ca. 5 kWh/kg. Damit entspricht der Energiegehalt von einem Kilogramm
Pellets ungefähr dem von einem halben Liter Heizöl. Zur Herstellung von Holzpellets kann Restholz
(Späne, Sägemehl, Äste usw.) eingesetzt werden. Holzpellets lassen sich in einer modernen Hei-
zungsanlage automatisch zuführen.
Das bei der „Vergärung“, dem mikrobiologischen Abbau von organischen Stoffen in feuchter
Umgebung unter Luftabschluss (anaerobes Milieu) gebildete Biogas besteht hauptsächlich aus
Wasser, Kohlenstoffdioxid und Methan.
Das Biogas kann am Ort seiner Bildung, z. B. in Kläranlagen, auf einem Bauernhof, verbrannt werden.
Das Methan kann abgetrennt und zum Betrieb von Kraftfahrzeugen eingesetzt werden. Die Biogas-
produktion kann Abfallstoffe nutzen, die sonst die Umwelt belasten würden. Allerdings werden zur
Biogasproduktion auch „Energiepflanzen“ angebaut.
Der Einsatz von Ethanol, Rapsöl und Rapsölmethylester hilft, fossile Energieträger einzusparen.
Nachteile:
Beim Anbau von Energiepflanzen gehen Flächen der Nahrungsmittelproduktion oder des Umwelt-
schutzes verloren. Wenn die Wälder aufgeräumt werden, alle Äste usw. genutzt werden, wird der
natürliche Kreislauf des Waldes empfindlich gestört.
Beim Verbrennen von Rapsölmethylester sollen mehr und gefährlichere Reaktionsprodukte entste-
hen als bei der Verbrennung von Benzin oder Diesel.

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f) Gezeitenenergie
Information:
Bei einem Gezeitenkraftwerk wird während der Flut ein vom Meer abgetrennter Stauraum mit
Wasser aufgefüllt. Bei der darauf folgenden Ebbe wird das aufgestaute Wasser für den Betrieb der
Turbinen genutzt. Die Turbinen können aber auch beim Füllvorgang arbeiten.
Das größte bisher gebaute Kraftwerk dieser Art steht in Frankreich (240 MW), an der Mün-
dung des Flusses Rance. Der Tidenhub kann hier bis zu 18 m erreichen.

Zurzeit gibt es auch Ansätze, die Meeresströmungen für energetische Zwecke zu nutzen.
So wird in dem britisch-deutschen Projekt “Seaflow” versucht, die kinetische Energie dieser
Strömung mit großen Propellern – die unter Wasser angeordnet werden – umzusetzen.
Der Standort dieses neuen Strömungskraftwerks befindet sich vor der Küste Cornwalls.
Vorzüge: Die Nutzung der Gezeitenenergie ist CO2-neutral.
Nachteile: Hohe Anforderungen an die Technik und das eingesetzte Material. Es muss ein genügen-
der Tidenhub (mindestens 3 m) herrschen. Der Naturschutz wird beeinträchtigt.

g) Erdwärme
Vorzüge:
Erdwärme gehört zu den Energiequellen, deren Einsatz den Ausstoß von Treibhausgasen deutlich
reduzieren kann. Im Gegensatz zu den anderen regenerativen Energien steht sie fast überall und
jederzeit zur Verfügung – unabhängig vom Klima und von der Jahres- und Tageszeit. Mit den heute
zur Verfügung stehenden Techniken lässt sich Erdwärme sowohl oberflächennah als auch in großen
Tiefenbereichen bis zu 5 000 m und mehr nutzen. Die niedrigen Temperaturen in den oberen
Erdschichten werden vor allem zur Beheizung von Gebäuden genutzt. Weit verbreitet ist dabei der
Einsatz wartungsarmer Erdwärmesonden. Die in größeren Tiefen vorhandenen thermischen
Energiepotentiale werden über geothermische Tiefensonden, über die Förderung von heißen
Tiefenwässern (Thermalwässern) oder durch die Errichtung von geothermischen Kraftwerken
genutzt.
In Gebäuden kann die Erdwärme zur Heizung und Klimatisierung eingesetzt werden. Die Erdwärme-
nutzung ist bei geringer Tiefe des Grundwassers besonders effizient. Bei offenen Systemen ent-
nimmt man kontinuierlich oberflächennahes Grundwasser. Am Wärmetauscher gibt das Grundwas-
ser seine Wärme ab (Hausheizung) oder es erwärmt sich durch überschüssige Raumwärme (Klimati-
sierung). Anschließend leitet man das abgekühlte bzw. erwärmte Wasser in den Grundwasserleiter
zurück.
Nachteile:
Zur Nutzung der Erdwärme bedarf es einer elektrisch angetriebenen Wärmepumpe. Es sind hohe
Anfangsinvestitionen notwendig. Der Einsatz der Erdwärme bietet sich zunächst für Neubauten an.

h) „Wasserkraft“
Information:
Bei der „Wasserkraft“ wird die Energie des aus der Höhe herabströmenden Wassers genutzt. Diese
Energie kann als kinetische Energie genutzt werden. Früher wurden damit Mühlen betrieben. Heute
wird mithilfe von Turbinen meist elektrische Energie erzeugt, der Wirkungsgrad beträgt über 90 %.
Vorzüge:
„Wasserkraft“ gehört zu den regenerativen Energiequellen und ist CO2-neutral. Die „Wasserkraft“
hatte von allen regenerativen Energiequellen den höchsten Anteil an der Stromerzeugung. Es
entstehen keine Abfallstoffe, es werden nicht fortlaufend Rohstoffe verbraucht. Vor den Kraft­werken
wird der Müll aus dem Wasser entfernt. In den Turbinen wird das Wasser mit Luft angereichert.
Nachteile:  
Unter Umständen starke Eingriffe in die Natur: Begradigung von Flüssen, Errichtung von Stau­seen,
Umsiedlung der Bevölkerung, Veränderung der Fließgeschwindigkeit, Behinderung der Wanderung
der Fische.

i) Windenergie
Information:
Bei der Windenergie wird die Energie der strömenden Luftmassen genutzt.
Die Nutzung der Energie des Windes ist eine der ältesten Formen der Nutzung der Energie aus der
Umwelt. Heute werden Windenergieanlagen vor allem zur Gewinnung elektrischen Stroms einge-
setzt. In einigen Bereichen der deutschen Nordsee werden inzwischen über 70 % des elektrischen
Stroms aus Windenergie gewonnen. Die Erzeugung von elektrischer Energie aus Windenergie hat in
Deutschland die Erzeugung elektrischer Energie aus „Wasserkraft“ überholt.
Vorzüge:
Es werden keine Rohstoffe fortwährend verbraucht, es entstehen keine Abfallstoffe, Windenergie ist
CO2-neutral. Die Energie, die zur Herstellung einer Windenergieanlage eingesetzt werden muss, hat
sich nach Auskunft der Befürworter energetisch in kurzer Zeit amortisiert.

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Nachteile:
Da der Wind nicht immer mit gleicher Geschwindigkeit (als günstig gilt 6,9 m/s in einer Höhe von
80 m) weht, kann die Windenergie nur im Verbund mit Speicheranlagen oder anderen Energiequel-
len genutzt werden. Windenergie kann nur Teil eines Energiemixes sein. Das Landschaftsbild wird
beeinträchtigt. Diese Beeinträchtigung wird von Kritikern als „Verspargelung“ bezeichnet.

j) Sonnenenergie
Information:
Die Sonne liefert als die größte Energiequelle pro Jahr eine Energiemenge von etwa  3,9 · 1 024 J,   
das sind  1,08 · 1 018 kWh,  auf die Erdoberfläche. Diese Energiemenge ist etwa das 10 000-Fache des
Weltprimärenergiebedarfs. Dieser ist allerdings keine feste Größe.
Vorzüge:
Es werden keine Rohstoffe verbraucht, es entstehen keine Abfallstoffe, Sonnenenergie ist CO2-neut-
ral. Mithilfe einer Fotovoltaikanlage kann Sonnenenergie direkt in elektrische Energie umgewandelt
werden. Die Infrarotstrahlung kann als thermische Energie genutzt werden.
Nachteile:
Die Nutzung der Sonnenenergie hängt von der Breitenlage (Klima), der Jahreszeit, der Tageszeit und
dem Wetter ab.

Anmerkung: In Ausdrücken wie „Kraftwerk“, „Kraftstoff“, „Wasserkraft“, „Kraft-Wärme-Koppelung“


usw. taucht leider immer noch das Wort Kraft auf, obwohl es in diesen Zusammenhängen um
Energie und nicht um Kraft geht. Die heute falsche Bezeichnung von Energie als Kraft war im
19. Jahrhundert üblich.

A9   Die London-Kräfte zwischen den großen Molekülen des Henicosans sind so stark, dass eine
Energiezufuhr eher die Spaltung von Bindungen bewirkt als die Aufhebung der Anziehungskräfte
zwischen den Molekülen.

A10  
a)
H H H H H H
H C C C H + H2  H C C C H
H H H H
b) Es handelt sich um eine Hydrierung. Die Hydrierung gehört zu den Additionsreaktionen.

A11  
a)
H3 C CH 2 CH 2 CH 2 CH 2 CH 2 CH 3
n-Heptan

H3C CH CH 2 CH 2 CH 2 CH 3 H3C CH 2 CH CH 2 CH 2 CH 3
CH 3 CH 3

2-Methylhexan 3-Methylhexan

H3C CH CH CH 2 CH 3 H3 C CH CH 2 CH CH 3
CH 3 CH 3 CH 3 CH 3
2,3-Dimethylpentan 2,4-Dimethylpentan

CH 3 CH 3
H3C CH 2 C CH 2 CH 3 H3C C CH 2 CH 2 CH 3
CH 3 CH 3
3,3-Dimethylpentan 2,2-Dimethylpentan

H 3C CH 2 CH CH 2 CH 3 CH 3
CH 2 H3C C CH CH 3
CH 3 CH 3 CH 3
3-Ethylpentan 2,2,3-Trimethylbutan

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b)
CH3 CH3 CH3 CH3
H3C CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 H3C CH CH2 CH CH2 CH 3 H3C CH C CH2 CH3
n-Octan 2,4-Dimethylhexan CH3
2,3,3-Trimethylpentan
CH3 CH3 CH3
H3C CH CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 H3C CH CH2 CH2 CH CH 3 CH3 CH3
2-Methylheptan 2,5-Dimethylhexan H3C C C CH3
CH3 CH3
CH3 CH3 CH3 2,2,3,3-Tetramethylbutan
H3C CH2 CH CH2 CH2 CH2 CH3 H3C CH2 CH CH CH2 CH 3
3-Methylheptan 3,4-Dimethylhexan CH3
CH2
CH3 CH3 CH3 H3C CH2 CH CH2 CH2 CH3
H3C CH2 CH2 CH CH2 CH2 CH3 H3C C CH CH2 CH3 3-Ethylhexan
4-Methylheptan
CH3

CH3 2,2,3-Trimethylpentan CH3

H3C C CH2 CH2 CH2 CH3 CH3 CH2

CH3 CH3 CH3 H3C CH CH CH2 CH3


2,2-Dimethylhexan
H3C C CH2 CH CH3 2-Methyl-3-ethylpentan
CH3 CH3
H3C CH2 C CH2 CH2 CH3 2,2,4-Trimethylpentan
CH3
CH3
3,3-Dimethylhexan CH2

CH3 CH3 CH3 H3C CH2 C CH2 CH3


CH3 CH3
H 3C CH CH CH CH3 CH3
H3C CH CH CH2 CH2 CH3
2,3-Dimethylhexan 2,3,4-Trimethylpentan 3-Methyl-3-ethylpentan

A12  
a), b)

Verbindung Summenformel Halbstrukturformel Siedetemperatur


Nonan C9H20 CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 151 °C

Octan C8H18 CH3 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 125 °C

2-Methylheptan C8H18 CH3 CH CH2 CH2 CH2 CH2 CH3 116 °C


CH3

2,2,3,3-Tetramethylbutan C8H18 CH3 CH3 107 °C


CH3 C C CH3
CH3 CH3

Das Nonan-Molekül hat die größte Molekülmasse und Elektronenanzahl der vier Verbindungen.
Daher sind die London-Kräfte zwischen Nonan-Molekülen am größten, weshalb Nonan die höchste
Siedetemperatur besitzt. Die anderen drei Moleküle besitzen im Vergleich zu Nonan-Molekülen
geringere, jedoch zueinander identische Molekülmassen, da es sich um Isomere handelt. Sie
unterscheiden sich nur in der Anordnung der Atome und damit in der Größe der Oberfläche.
Während das unverzweigte Octan-Molekül die größte Oberfläche und damit Octan die höchste
Siedetemperatur der isomeren Verbindungen besitzt, nimmt die Oberfläche mit steigender Verzwei-
gung ab. 2,2,3,3-Tetramethylbutan-Moleküle haben mit einem eher kugelförmigen Bau daher die
kleinste Oberfläche. Diese Verbindung hat somit die niedrigste Siedetemperatur.

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Anmerkung
Oftmals wird die Zunahme der London-Kräfte mit der Molekülmasse thematisiert. Dies kann die
irreführende Vorstellung hervorrufen, dass die Masse hier physikalisch relevant sei. Stattdessen wird
im Werk Elemente die Bedeutung der Elektronenanzahl in den Vordergrund gestellt, da der Ur-
sprung dieser Wechselwirkung auf der elektronischen Ebene zu suchen ist. Nur weil die Masse eines
Moleküls ungefähr proportional zur Elektronenanzahl ist, lässt sich rein formal auch die Masse als
unabhängige Variable wählen.

A13   Die stationäre Phase ist die unbewegliche Phase, z. B. die schwer flüchtige Substanz auf dem
feinkörnigen Pulver in der Trennsäure eines Gaschromatografen.
Die mobile Phase ist die bewegliche Phase, z. B. das Gas (Helium, Stickstoff oder Wasserstoff), das
die Trennsäule eines Gaschromatografen durchströmt.
Die Bindung der Teilchen eines Stoffes an die stationäre Phase ist eine Adsorption.
Ist die stationäre Phase eine Flüssigkeit auf einem Feststoff so verteilen sich die Teilchen eines
Stoffgemisches während des Trennungsvorganges zwischen stationärer und mobiler Phase. Diese
Verteilung der Teilchen zwischen stationärer und mobiler Phase wiederholt sich immer wieder,
sodass die unterschiedliche Wanderungsgeschwindigkeit der Teilchen unterschiedlicher Stoffe zur
Trennung führt.
Das Ergebnis einer Chromatografie ist ein Chromatogramm. Bei der Gaschromatografie wird das
Ergebnis der Messung der Wanderungsgeschwindigkeit der verschiedenen aus der Trennsäule
austretenden Stoffe als Peaks in Abhängigkeit von der Retentionszeit angezeigt bzw. aufgezeichnet.
Bei der Papierchromatografie ist das Chromatogramm der Papierstreifen mit den unterschiedlichen
Farbflecken.

A14   Erdgas enthält meist wenige Schwefel-Verbindungen, außerdem lässt es sich vollständiger
„entschwefeln“ als Heizöl, damit wird auch weniger bzw. kaum Schwefeldioxid bei der Verbrennung
von Erdgas frei. Bei der Verbrennung von Heizöl entsteht ca. 25 % mehr Kohlenstoffdioxid, das
Methan-Molekül im Erdgas besitzt im Vergleich zu höheren Kohlenwasserstoff-Molekülen ein
niedrigeres, d. h. günstigeres C:H-Verhältnis. Das weltweit zu hohe Kohlenstoffdioxidaufkommen
aber ist Ursache für die gefährliche zunehmende Erwärmung der Erdatmosphäre, den „Treibhaus­
effekt“. Auch Verunreinigungen durch Schwermetalle oder andere Schadstoffe scheiden aus.

A15   Einige Möglichkeiten:


–  Vermeidung von Flugreisen
–  Absenkung der Zimmertemperatur im Winter
–  Einsatz von Autos, die weniger Benzin oder Diesel verbrauchen
– Vermeidung von Pkw-Fahrten (z. B.: zu Fuß gehen, Fahrrad oder Cityroller fahren, öffentliche
Verkehrsmittel benutzen)
– Verbrauchsbewusstes Autofahren (z. B.: starke Beschleunigungen vermeiden, geringere Höchstge-
schwindigkeiten, Tempolimit auf Autobahnen, Kurzstrecken vermeiden)
– Einsatz von Erdgasautos (Die Masse des Kohlenstoffdioxids bezogen auf die Verbrennungs­wärme
ist bei Erdgas geringer als bei Benzin oder Diesel.)
– Einsatz von Elektroautos (Allerdings darf die elektrische Energie dazu nicht durch Verbrennung
fossiler Energieträger gewonnen werden.)

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