Sie sind auf Seite 1von 6

GN

TECHNIK

Wir sehen uns!


Open Glider Network - Fluch oder Segen?
Von Dipl.-Ing. Ulrich Heynen

Was ist OGN?Seit Frühjahr letzten Jahres verbreitet sich ein System Namens Open Glider Network (OGN).
Dabei handelt es sich um FLARM Empfänger (Bodenstationen) die über das Internet verbunden sind. Die
aus Frankreich stammende Idee sollte im Ursprung dazu dienen neben den FLARM-IGC-Files, zusätzliche
„live“ Ortungsdaten für vermisste Flugzeuge, mit Hilfe von stationären Empfängern zu gewinnen.

glidernet.org
D
ie Firma FLARM hat verschiedent-
lich beim Finden vermisster Flug-
zeuge durch die Auswertung von
FLARM-IGC-Files entscheidend zu
Sucherfolgen beigetragen. Leider standen
dabei manchmal nicht ausreichend Daten
zur Verfügung – oder man war damit zu
spät, weil das Sammeln der Flüge der be-
troffenen Suchregion zu viel Zeit in An-
spruch nahm.
Wie fatal sich dies auswirken kann, bewei-
sen z.B. die SUST Unfallberichte #2179 und
#2186 auf sehr traurige Weise:
www.sust.admin.ch/pdfs/AV-be-
richte/2179.pdf
www.sust.admin.ch/pdfs/AV-be-
richte/2186.pdf
Eine solche Bodenstation kann mit relativ
wenig Aufwand (<60 EUR) und etwas IT
Geschick leicht selbst gebaut werden
(siehe Infobox „Empfänger“). Die damit
empfangbaren FLARM Positionen werden
dann (ähnlich wie bei z.B. Flightradar24) Abb 1: Struktur des Open Glider Network
auf einer Karte im Internet veröffentlicht.
Wird eine solche Bodenstation an einem
Flugplatz installiert, wird außerdem eine selnde, anonymisierte ID angezeigt. (Abb 1) angezeigt. Sind alle Flugzeuge eines Flug-
Art Hauptflugbuch online geführt. Aus Hat man sich jedoch bei FlarmNet (www. platzes mit FLARM ausgerüstet und eben-
Datenschutzgründen werden aber keine FlarmNet.org) eingetragen wird die dort falls bei FlarmNet registriert, hat man also
Kennzeichen sondern eine täglich wech- hinterlegte Kennung im Hauptflugbuch ohne großen Aufwand eine lückenlose und

1 segelfliegen 1 l 2015
TECHNIK

Abb 2: Beispiel eines mit OGN


erstellten Flugbuches mit Schlepp-
dauer und Höhen

und übersichtlich dokumentiert (Abb 2)


Aufgrund der aktuellen Darstellung aller
Positionen und Höhen auf einer Karte, hat
man auch direkt eine Art Flugplatzradar in
Form einer Internetseite. Somit reicht ein
Smartphone um den Platzverkehr zu beo-
bachten. Selbst Rollbewegungen auf dem
Flugfeld werden erfasst und dargestellt.
Ist ein FLARM bei FlarmNet registriert, wer-
den dessen Daten außerdem an Flightra-
dar24 weitergeleitet und zusammen mit
dem ADS-B Verkehr dargestellt. Dinge für
welche die Flugsicherungen sicher einen
vielfach höheren Aufwand treiben müssen
und dabei Segelflieger (mangels Transpon-
der) meist nicht mal „sehen“. Da die Stati-
onen per Internet verbunden sind, kann
sogar die Position beim Verlassen des Emp-
genaue Dokumentation des Flugbetriebes Flugzeugschlepps werden korrekt erkannt fangsbereiches noch gesehen werden, so-
mit exakten Start-/Landezeiten. Selbst und die Schlepphöhe und -dauer genau fern man in den Empfangsbereich eines

Abb 3: Anordnung der OGN Empfangsstationen im süddeutschen Raum und deren Reichweite, basierend auf den real
empfangenen FLARM-Positionen (Stand Dez. 2014 )

segelfliegen 1 l 2015 2
TECHNIK

Abb 4: Beispiel einer Radaransicht, es werden die Flugspuren der letzten fünf Minuten gezeigt

anderen Empfängers kommt. Bei flächen- l Lückenlose Dokumentation der Starts Der Stealthmode ist im Prinzip nur eine zu-
deckenden OGN Bodenstationen, könnte und Landungen sätzliche gesendete Info für den Empfän-
man die Flüge live am PC verfolgen, ja gan- l Sehen, ob und wo Flugbetrieb- bzw. Fall- ger, die Position unsichtbar zu machen. Da
ze Wettbewerbe live verfolgen. Hierfür schirmsprungbetrieb stattfindet das OGN allerdings offen ist, könnte man
würden ja schon einige wenige (mobile) l Sehen, ob und wo Segelflugsektoren trotzdem an die Daten gelangen und für
Empfangsstationen entlang der ausge- genutzt werden andere Zwecke benutzen oder gar miss-
schriebenen Strecke reichen. l Sehen, ob und wo (schon) fliegbares brauchen. (Abb 4)
Auch wenn ein FLARM nur mit max. 10mW Wetter ist
(PowerFLARM max. 25mW) sendet, kann l Piloten auf drohende Luftraumverlet- Technisches
man dieses mit einer solchen Station, ab- zungen oder Probleme hinweisen Um die Datenschutzfrage zu klären muss
hängig von der jeweiligen Flughöhe, aus l Orientierungslose Piloten bei der Navi- man sich etwas genauer mit der Technik
recht weiter Entfernung bereits empfan- gation helfen und korrekt zum Platz lot- auseinander setzen. In der Standardein-
gen. Dies ist möglich da bei einer Bodensta- sen stellung sendet jedes FLARM eine individu-
tion schon etwas größere Antennen die l Ein Controller kann für ihn unsichtbare elle FLARM ID. Im Prinzip ist dies eine Art
Reichweite erheblich erhöhen können. Segelflugzeuge sehen (nicht identifizie- Seriennummer des Gerätes. Das ist nötig
Ist der Standort exponiert, können Reich- ren), um so vielleicht eine Katastrophe damit man die vielen Positionsdaten je-
weiten von bis zu 100km erreicht werden. zu verhindern, selbst wenn er OGN nicht weils einer eindeutigen Quelle zuordnen
(Abb 3) offiziell nutzt kann. Diese FLARM ID kann am Gerät frei
l Der Rückholer sieht, ob er noch ge- verändert werden. Dies ist wichtig zu wis-
Anwendungen/Vorteile braucht wird sen, denn nur über eine FLARM ID könnte
l Hilfe bei der Suche vermisster Flug- l Bodenradar (wer rollt zur Tankstelle?) man noch keine Zuordnung zu einer Flug-
zeuge zeugkennung oder gar einer Person herge-
l Sehen, welche Flugzeuge noch unter- Datenschutz? stellt werden.
wegs sind Nun hat die schöne neue Technik einen Auf der Radar Seite werden nicht mal die
l Angehörige und Freunde sind beruhigt, Preis: „Unsere Daten“ und zwar alle! FLARM ID’s sondern täglich wechselnde
wenn sie sehen, dass ihr Pilot noch fliegt D.h. jedes mitgeführte FLARM ist potenziell anonyme IDs angezeigt. Anders ist die Sa-
l Sehen, ob ein Kamerad auswärts gelan- im Internet sichtbar, wenn es in den Emp- che wenn man seine FLARM ID bei Flarm-
det ist fangsbereich eines OGN Empfängers Net registriert, dann stellt man bewusst
l Einfache Flarm-Funktionskontrolle kommt. Sollte es bei FlarmNet registriert diese Daten zur Verfügung. Ob man das in
l Der VFR Verkehr sieht bei der Flugvorbe- sein auch mit Kennung und ggf. Namen (in der Vergangenheit auch zur Verbreitung
reitung, wo Segelflugbetrieb stattfindet Klartext). Ein FLARM bietet die Möglichkeit im Internet durch OGN getan hat, darf
l Fluglehrer können Schüler beobachten, des sog. Stealthmode. Dieser wird auch aber zu Recht angezweifelt werden.
ohne ständig funken zu müssen. vom OGN unterstützt, d.h. wer den Stealth- Die Empfängerstationen empfangen erst
l Segelflug besser in der Öffentlichkeit zu mode aktiviert wird nicht mehr auf dem mal alle Positionen inkl. FLARM ID (inkl.
präsentieren Radar dargestellt. Allerdings werden (tech- Stealth FLARM ID). Existiert für eine ID ein
l Wettbewerbe live verfolgen nisch bedingt) Stealth Positionen genau FlarmNet Eintrag, wird die Kennung statt
l Platzrundenverkehr einsehen wie alle anderen empfangen. der FLARM ID weiter geleitet. Erst auf den

3 segelfliegen 1 l 2015
TECHNIK

OGN Websites wird die Anonymisierung l Die allermeisten unserer Flüge veröf- selbsternannten Luftsheriffs missbraucht
nicht registrierter FLARM IDs vorgenom- fentlichen wir doch sowieso selbst im werden. Ob eine Freigabe erfolgte wissen
men und Stealth Positionen unterdrückt. Internet. nur der Pilot und der Controller. Das dies
Warum ist das so? Nun, bei der Entwick- einfach ungefragt geschieht, ist minde-
lung hat man sich für den Austausch der Kontra stens kein guter Stil selbst wenn es legal
Daten einer existierenden und bewährten Trotzdem es ist vielen Piloten nicht be- wäre.
Technik namens APRS bedient. Dieses wusst und/oder nicht gewünscht ihre Posi- Wenn dies dazu führt, dass einige ihr
Netzwerk zum Austausch von Positions- tionsdaten oder Start- und Landezeiten FLARM nicht mehr nutzen werden, ist das
daten wurde ursprünglich von und für einfach so im Internet wieder zu finden So der völlig falsche Weg und auch sicher
Amateurfunker entwickelt. Für Amateur- könnte jeder einen Einflug eines FLARM in nicht im Sinne der OGN Idee. Ein Blick in die
funker ist die Verschlüsselung Ihrer Daten kontrollierte Lufträume live im Internet Karte der Empfänger zeigt, dass sich das
untersagt, daher gibt es beim APRS auch verfolgen. Aiuf diese Weise kann OGN von System in Europa rasant verbreitet. In
keine Mechanismen zur Datenverschlüsse-
lung. Im Gegenteil, es gibt eine offene
Schnittstelle und Tools mit denen man an
diese Daten gelangen kann. Die Entwickler
sind aber offensichtlich auch nicht davon
ausgegangen, dass es sich um schützens-
werte Daten handelt und nennen dafür fol-
gende Gründe:
l Es handelt sich nicht um personenbezo-
gene Daten sondern um (FLARM IDs),
der Personenbezug wird erst durch den
Betreiber über eine FlarmNet Registrie-
rung hergestellt.
l Da es keine FLARM Pflicht gibt, werden
die Positionen von jedem „freiwillig“ auf
einer sog. ISM Frequenz gesendet. Diese Von Fliegern Für Flieger:
„Jedermann“ Frequenz ist per Definition
ungeschützt und für jeden verfügbar. ihr kompetenter partner
Normalerweise werden hier Dinge wie
Funkthermo-
Für luFtFahrtVersicherungen
l meter oder Garagentor Fernbedie- seit über 50 Jahren.
nungen betrieben. Diese Frequenz
wurde seinerzeit bewusst von FLARM
gewählt um rechtliche Probleme zu
vermeiden.
l Jedem Piloten der FLARM einigermaßen
verstanden hat muss schon vor OGN
bewusst gewesen sein, dass jeder (auch
Behörden) seine aktuelle Position ganz
einfach empfangen kann. Darauf weist
auch das Flarm Handbuch mindestens
seit dem Jahr 2004 hin.
l Jedes FLARM Gerät liefert diese Daten
an dem NMEA Ausgang, so konnte diese
Information auch vorher mit jedem
FLARM und einem Display oder PDA
dargestellt werden. Nur, dass diese
Daten nicht ins Internet übertragen
wurden.
l Vergleichbare Dienste wie Flightradar24
existieren schon seit Jahren, dort
bestehen anscheinend auch keine
Datenschutzbedenken. Selbst die DFS SIEGFRIED PESCHKE KG Tel: +49 (0) 89 744 812-0
stellt ihre Radarplots ins Internet (stan-
VERSICHERUNGSVERMITTLUNG www.peschke-muc.de
lytrack2.dfs.de) und nennt als Grund,
mehr Transparenz für z.B. Fluglärmge-
plagte schaffen zu wollen.

segelfliegen 1 l 2015 4
TECHNIK

Deutschland ist man, was das Thema Über-


wachung angeht (schon aufgrund der Ge- STELLUNGNAHME
schichte) sicher sehr viel sensibler als z.B. FLARM Technology GmbH
und Frankreich oder England den Heimat- Der Schweizer Entwickler und Hersteller der FLARM- und PowerFLARM-Technologie
ländern der meisten Entwickler. beobachtet die Entwicklung verschiedener Bodenstationslösungen mit Interesse,
Mittlerweile ist aber auch den Entwicklern macht es doch FLARM als Gesamtsystem interessanter. OGN ist eine dieser Lösungen
klar geworden, dass sich Widerstand regt und sicher diejenige, welche sich derzeit am schnellsten verbreitet. OGN ist technisch
und dass es kein guter Stil ist die Daten für komplett anders aufgesetzt als andere Lösungen, da es systembedingt ausschließlich
jeden zugänglich zu machen. Derzeit arbei- das Empfangen, nicht aber das Aussenden zulässt. Diese Einschränkung erlaubt es,
tet man wohl an einer Lösung die Anony- sehr kostengünstige Empfänger zu bauen und hat damit wesentlich zur rasanten
misierung bereits im Empfänger vorzuneh- Verbreitung beigetragen.
men und Stealth Daten gar nicht erst wei- OGN ist im Kern keine open-source-code Bewegung wie der Name suggeriert. Über-
ter geleitet werden. haupt ist nicht ganz klar, was genau „offen“ ist, zumal die Webseite wichtige Fragen
Die Start-/Landelisten sollen Passwort ge- hierzu nicht beantwortet. OGN hat als äußerst aktive, aber lose Interessengemein-
schützt und über den jeweiligen Stations- schaft keine formalen entscheidungsfähigen Organe bzw. Ansprechpersonen. Letztlich
betreiber administriert werden. Im Ge- obliegt es ausschließlich den zwei bis drei Entwicklern im Kern zu entscheiden, was
spräch ist auch eine eigene Opt-Out Liste, getan wird und wie. Dies macht eine Zusammenarbeit oder nur schon die Diskussion
wer sich dort einträgt würde wie beim Ste- von Themen wie der Wahrung der Privatsphäre schwierig. FLARM Technology GmbH
alth Mode vom Empfänger gesehen jedoch ist jedoch sehr an dieser Diskussion interessiert und hat sich mehrmals bemüht, den
nicht weiter verarbeitet. Ob und wann dies Dialog herzustellen. Erste Gespräche haben stattgefunden, eine konstruktive, stabile
geschieht, kann keiner verbindlich sagen, Zusammenarbeit ist bis jetzt aber noch nicht entstanden.
da es sich ja nur um eine lose Gruppe von FLARM dient in erster Linie der Flugsicherheit. Zusätzliche Funktionen wie etwa das
Entwicklern handelt. Führen von Startlisten oder das Verfolgen des Fluges vom Boden aus sind zwar interes-
Die Gegner des OGN fordern daher, es ge- sant, dürfen aber das Ziel der Flugsicherheit niemals kompromittieren. Es wäre in der
nau umgekehrt zu machen (Opt-In) nur Tat ein schwarzer Tag für die Luftfahrt, wenn der erste Pilot sein FLARM Gerät
wer sich dort einträgt, wird erfasst und ins ausschaltet, „nur“ um seine Privatsphäre zu wahren! Die FLARM Technology GmbH
Internet weiter geleitet. Die OGN Entwick- bekennt sich vollumfänglich zu diesem Ziel und wird es auch in Zukunft hartnäckig
ler sind wohl gegen eine solche Opt-In Lö- verfolgen, um das Vertrauen in das System FLARM wieder herzustellen. Ein wichtiger
sung, da sie fürchten zu viele Daten für die Schritt hierzu ist die Einführung der No-Tracking Option, mit der sich ein Nutzer einer
Ortung vermisster Flugzeuge (der Ur- Verfolgung vom Boden aus entziehen kann, ohne auf die Sicherheitsfunktionen von
sprungsidee des OGN) zu verlieren. FLARM verzichten zu müssen.

Rechtslage
Nach allgemeiner Rechtsauffassung unter- ckende Transponderpflicht haben (z.B. Nie- dem Datenschutz erlaubt sein. Immerhin
liegen personenbezogene Daten dem derlande) wirkt diese Diskussion auch eher handelt es sich um eine Datenbank von
strengen Datenschutz. Die entscheidende befremdlich da eine vergleichbare Veröf- Flugzeugkennungen, -typen und Halterna-
Frage ist daher, ob es sich bei IDs um perso- fentlichung der Tranpondersignale durch men die nicht besonders verschlüsselt und
nenbezogene Daten handelt oder nicht. Dienste wie Flightradar24 seit Jahren kom- für jeden frei zugänglich ist.
Hier kann man sicher unterschiedlicher merziell erfolgt. Hierzu ist nicht mal ADS-B Die Firma Flarm hätte auch mit dem näch-
Auffassung sein. Die ID allein ist sicher out nötig. Wer aber dort mit ADS-B fliegt, sten Softwareupdate durchaus die Mög-
nicht personenbezogen, allerdings könnte kann den Flug sogar (nach Kennung und lichkeit ein zwingendes Opt-In oder gar ein
man den z.B. durch die bloße Beobachtung Datum sortiert) als IGC File herunter laden. zu OGN inkompatibles Protokoll einzufüh-
des Startes herstellen. Derzeit läuft eine ren. Das nächste Pflichtupdate ist für Feb.
Studienarbeit an der Universität Passau FLARM Technology GmbH 2015 vorgesehen. Man darf also gespannt
(Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Medien- Interessant ist auch die Haltung der Firma sein wie es weiter geht.
und Informationsrecht) zum Thema OGN. FLARM zum OGN. Leider ist hier (zum Zeit-
Das Ergebnis wird wohl für Ende Januar punkt der Veröffentlichung) noch keine of- Fazit
2015 erwartet. fizielle Stellungnahme gegeben worden. Eindeutig klären kann man die Rechtslage
Die bereits erwähnte Verbreitung in Euro- So ist das FLARM Funkprotokoll eigentlich vermutlich nur durch ein (europäisches)
pa macht aber auch klar dass nationale (nur) aus urheberechtlichen Gründen ge- Gerichtsverfahren. Hoffen wir aber dass es
Verfahren wenig zielführend sind. Eine schützt. Jede OGN Station kann dieses aber nicht dazu kommt und das OGN sowie
Reglung nach dem Motto „In Europa er- decodieren. FLARM vor dem Beginn der nächsten Sai-
laubt aber in Deutschland verboten“ kann Sieht man sich die Namen der Entwickler- son eine für alle Seiten zufriedenstellende
niemand ernsthaft wünschen. Interessant gruppe an, darf zu Recht vermutet werden, Lösung findet.
in dem Zusammenhang ist auch, dass der dass die Firma FLARM zumindest genauere Das System hat sicher viele positive As-
französische Segelflugverband „Vol a Voi- Kenntnis vom OGN System hat, ja vielleicht pekte, wer aber nicht mittmachen will,
le“ in einer Info vom 29.10.14 den Ausbau sogar unterstützt. Sicher aber wird Flarm- dem muss auch die Möglichkeit dazu ge-
des OGN ausdrücklich begrüßt. Net von der Firma FLARM unterstützt. Auch geben werden. Jedenfalls kann das Ab-
In Ländern die de facto eine flächende- bei FlarmNet müsste dann die Frage nach schalten des FLARM oder der Stealthmode

5 segelfliegen 1 l 2015
TECHNIK

nicht die Lösung sein, da dies zu Lasten der Der Empfänger


Funktion oder gar Sicherheit geht. Bei den Im Prinzip kann man ja jedes FLARM als
Entwicklern und den Stationsbetreibern OGN Empfänger nutzen. Seit einiger Zeit
handelt es sich um Segelflieger die unseren gibt es preiswerte DVB-T Sticks, die sich
Sport sicherer machen wollen und nicht leicht auf die FLARM Frequenz (868,3MHz)
um Kriminelle aus dem Darknet. einstellen lassen. Zur Auswertung reicht
Man sollte Ihnen daher die Gelegenheit ein Linux Kleinrechner (z.B. RaspberryPi),
zum (datenschutztechnischen) Verbessern per LAN oder mit einem WLAN Dongle
des Systems geben. bringt man das Ganze ins Internet.
Dank der geringen Leistungsaufnahme
(<10W) ist auch ein 24/7 Betrieb kein Pro-
Wer ist OGN blem. Für eine preiswerte Antenne gibt es
Auch wenn es der Name es suggeriert han- genügend Selbstbauanleitungen im Inter-
delt es sich beim OGN nicht um ein Open net oder auch professionelle Lösungen zu
Source Projekt. Auf der Website wiki.gli- kaufen. Mit der gleichen Hardware kann man übrigens auch einen preiswerten ADS-B
dernet.org, existiert weder ein Impressum Empfänger (1090MHz) bauen.
noch werden Verantwortliche namentlich
genannt. Die Website und der OGN Server
sind auf den Franzosen Sebastien Chau-
montet registriert, er kann wohl als Koordi-
nator des Projektes angesehen werden. Es
existiert eine offene Google Group der Ent-
wickler in der auch bekannte Namen der
Avionik Branche diskutieren. Es handelt
sich um eine sehr aktive Gruppe von Enthu-
siasten mit Teils recht professionellem
Background aber nicht um eine Organisati-
on.

Über den Autor


Der 47 jährige Dipl.-Ing. (FH) Ulli Heynen
hat Elektrotechnik /Informationsverarbei-
tung und studiert. Er besitzt seit 17 Jahren
eine Segelfluglizenz und hat über 1000h
Überlandflugerfahrung. Seit einigen Jah-
ren programmiert er u.a. für das Open
Source Projekt LK8000. Aus eigenem Inte-
resse und für diesen Bericht hat er sich ei-
ne OGN Empfangsstation zum Testen ge-
baut ist aber ansonsten ausdrücklich nicht
im OGN Projekt involviert. Er ist in der Ent-
wicklergruppe gelistet aber nur um Infor-
mationen aus erster Hand für diesen Be-
richt zu erhalten.

Links:
http://wiki.glidernet.org
http://www.flarm.de
http://flarmnet.org
http://segelflug.de/wwwboard/index.
html
http://www.flarm.de/support/SAR_Text.
pdf
http://www.sust.admin.ch/pdfs/AV-be-
richte/2179.pdf der shop für segelflugbedarf
http://www.sust.admin.ch/pdfs/AV-be-
richte/2186.pdf

segelfliegen 1 l 2015 6

Das könnte Ihnen auch gefallen