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Erläuterung von zwei Hadith zum Thema „Frau im Islam“

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’Abdul-lah Bnu-maslamah erzählte uns über Malik über Zaid Bnu-aslam über ’Ata-a
Bnu-yasar über ’Abdul-lah Bnu-’abbas, dass dieser sagte: „Zur Zeit des Gesandten
ALLAHs (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) ereignete sich eine Sonnenfinsternis, dann
begab sich der Gesandte ALLAHs (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) zum Gebet. So
stand er im Gebet (im Qiyam-Zustand) solange, wie es zum Rezitieren der Surah von
Al-baqarah nötig wäre, dann beugte er sich (im Ruku’-Zustand) für lange Zeit, dann
richtete er sich auf, dann stand er für längere Zeit - aber kürzer als beim ersten Mal,
dann beugte er sich (im Ruku’-Zustand) für lange Zeit - aber kürzer als beim ersten
Mal, dann warf er sich (zum Sudschud) nieder, dann (richtete er sich auf und) stand
für lange Zeit - aber kürzer als beim ersten Mal, dann beugte er sich (im Ruku’-
Zustand) für lange Zeit - aber kürzer als beim ersten Mal, dann richtete er sich auf,
dann stand er für längere Zeit - aber kürzer als beim ersten Mal, dann beugte er sich
(im Ruku’-Zustand) für lange Zeit - aber kürzer als beim ersten Mal, dann warf er sich
(zum Sudschud) nieder, dann ging er fort, nachdem die Sonne wieder sichtbar
geworden war, dann sagte er (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam): „Die Sonne und der
Mond sind zwei Zeichen von ALLAHs Zeichen, sie verfinstern sich weder für den
Tod noch für das Leben eines Menschen. Wenn ihr sie (ihre Finsternis) erlebt, so
gedenkt ALLAHs.“ Dann sagten sie: ALLAHs Gesandter! Wir haben dich gesehen,
als hättest du in deiner Position nach etwas gegriffen, aber dich dann zurück-
gehalten?“ Er (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) sagte: „Ich habe das Paradies gesehen,
dann griff ich nach einem Traubenbündel, und hätte ich es zu mir genommen, hättet
ihr davon gegessen, solange diese Welt existiert. Und mir wurde das Höllenfeuer
gezeigt, doch ich habe keinen grausameren Anblick wie heute gesehen. Und ich habe
gesehen, dass die meisten seiner Bewohner Frauen waren!“ Sie sagten: „Weshalb,
Gesandter ALLAH!“ Er sagte: „Wegen ihres Kufr1.“ Sie fragten: „Weil sie etwa Kufr
ALLAH gegenüber betreiben?“ Er sagte: „Sie erweisen sich ihren Gatten gegenüber
undankbar und sie erweisen sich der Güte gegenüber undankbar. Auch wenn du zu ihr
ein Leben lang gütig bist und sie dann etwas Unangenehmes von dir erlebt, dann sagt
sie: ‚Ich habe von dir niemals etwas Gutes erlebt!’“ (Al-buchari)

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Kufr bezeichnet linguistisch das komplette Zudecken und Verhüllen, die Verleugnung und die Undankbarkeit
gegenüber den Gaben und Wohltaten ALLAHS. Islamologisch steht Kufr für Nicht-Islam.
Erläuterung des Hadith:

Dieser Hadith besagt lediglich, dass dem Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam)
das Höllenfeuer gezeigt wurde und dass er dort mehrheitlich Frauen sah. Viele dieser
Frauen haben die Peinigung mit dem Feuer deshalb verdient, weil sie sich undankbar
erwiesen haben. Das bedeutet für uns, dass Undankbarkeit eine schwere Sünde im
Islam ist, egal ob sie von einem Mann oder einer Frau begangen wird.
Die „Undankbarkeit“ wird hier nicht als angeborener Defekt oder Veranlagung der
Frauen dargestellt, d. h. nicht weil diese Personen Frauen sind, sind sie per se
undankbar, sondern dieses Fehlverhalten kann bei Frauen oder Männern vorkommen.
Erfahrungsgemäß handeln Frauen häufiger emotional als Männer. Bei mehr emotional
gesteuerten Handlungen kommt es dann oft auch zu extremen Reaktionen, bei denen
die Handelnden sich vergessen und vor allem das Gute vergessen, das sie von ihrem
Partner im Laufe der Beziehung erfahren haben. Dieses Fehlverhalten der Undank-
barkeit wird als Grund dieser Strafe angeführt.
In diesem Hadith will der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) alle Muslime und
insbesondere die muslimischen Frauen auf die Wichtigkeit der Dankbarkeit hin-
weisen, damit sie auch in einem Konfliktfall und in Krisen möglichst objektiv bleiben
und sich nicht zu Überreaktionen verleiten lassen und Undankbarkeit bekunden.
Zu beachten ist, dass der im Hadith verwendete Begriff „Kufr“ sprachlich die
Bedeutung von „Undankbarkeit“ beinhaltet, wobei Kufr fachspezifisch im Kontext
der Schari’ah als das Gegenteil von Islam definiert wird. So ähnelt demnach der-
jenige, der sich undankbar erweist, demjenigen, der sich ALLAH (ta'ala) nicht hin-
geben will. Der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam):

Wer sich den Menschen gegenüber nicht dankbar erweist, der wird sich ALLAH
(ta'ala) gegenüber nicht dankbar erweisen. (At-tirmidhi)

Aus dem historischen Kontext des Hadith und der Art der Sünde ist zudem erkennbar,
dass dem Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) nicht alle Menschen im Höllen-
feuer gezeigt wurden, sondern nur ein kleiner Ausschnitt. Er sah diejenigen Muslime,
die wegen ihrer Sünden „zeitlich begrenzt“ mit dem Feuer bestraft werden, aber nicht
ewig im Höllenfeuer bleiben, denn ALLAH (ta'ala) sagt im Quran:

Gewiss vergibt ALLAH nicht, dass IHM gegenüber Polytheismus betrieben wird,
und vergibt, was (an Verfehlungen) geringer ist als dies, wem ER will!2

Der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) sagte dazu:

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Aus dem Höllenfeuer wird jeder herauskommen, der sagte: „es gibt keinen
Gott außer ALLAH“, und in dessen Herzen es vom Guten das Gewicht eines
Gerstenkornes gibt. Dann wird aus dem Höllenfeuer jeder herauskommen,
der sagte: „es gibt keinen Gott außer ALLAH“, und in dessen Herzen es vom
2
Suratu n-nisaa Nr. 4, Ayah Nr. 48
Guten das Gewicht eines Weizenkornes gibt. Dann wird aus dem Höllenfeuer
jeder herauskommen, der sagte: „es gibt keinen Gott außer ALLAH“, und in
dessen Herzen es vom Guten das Gewicht eines Stäubchens gibt. (Al-buchari)
Der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) sagte, ALLAH (ta'ala) sagt:

Bei Meiner Würde, Meiner Majestät, Meiner Erhabenheit und Meiner


Unermesslichkeit! ICH werde aus dem Höllenfeuer zweifelsohne jeden
herausbringen, der sagte: „es gibt keinen Gott außer ALLAH“. (Al-buchari
und Muslim)
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Sa’id Bnu-abi-maryam erzählte uns, er sagte: „Muhammad Bnu-dscha’far sagte:
„Zaid - er ist Sohn von Aslam teilte mir mit über ’Iyad Bnu-’abdillah und über Abu-
sa’id Al-chudriyy, welcher sagte: „Der Gesandte ALLAHs (salla l-lahu 'alaihi wa sal-
lam) ging beim Opferfest oder beim Ramadanfest zum Gebetsplatz. Unterwegs
dorthin kam er bei den Frauen vorbei und sagte: „Ihr Frauen! Spendet, denn ihr
wurdet mir als die Mehrheit der Höllenbewohner gezeigt!“ Sie fragten: „Weshalb,
ALLAHs Gesandter?“ Er sagte: „Ihr flucht häufig und erweist euch undankbar
gegenüber den Ehemännern! Dennoch habe ich niemanden mit weniger an ’Aql3 und
Din4 gesehen, der den verständigen Mann zum Narren macht, wie eine von euch.“ Sie
fragten: „Wie äußert sich bei uns das Wenige an ’Aql und Din, Gesandter ALLAHs?“
Er sagte: „Ist etwa das Zeugnis der Frau nicht wie die Hälfte des Zeugnisses des
Mannes?(!)“ Sie sagten: „Doch!“ Er sagte: „Das ist das Wenige an ’Aql bei ihr. Ist es
nicht so, dass sie wenn sie ihre Periode hat, nicht betet und nicht fastet?(!)“ Sie
sagten: „Doch!“ Er sagte: „Das ist das Wenige an Din bei ihr.“ (Al-buchari)

Erläuterung des Hadith:

Historischer Kontext des Hadith


§ Kontext war ein kurzer Dialog, den der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) an
einem Festtag mit muslimischen Frauen geführt hat, d. h. es war ein freudiger
Anlass, wo man Heiterkeit und Entgegenkommen erwartet. Der Gesandte (salla l-
lahu 'alaihi wa sal-lam) pflegte z. B. bei derartigen Anlässen Dinge zuzulassen, die
er zu anderen Zeiten nicht befürwortete, wie Singen und Musizieren. Das bedeutet,
dass wir davon ausgehen können, dass der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam)
an diesem besonderen Tag die Absicht hatte, die Frauen zu loben und ihnen Freude
zu bereiten.

Einleitung des Gesprächs


§ Der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) begann das Gespräch mit einem
Hinweis an die Frauen, dass sie spenden sollen, damit sie mit Spenden ihre
Verfehlungen wiedergutmachen können. Die Aufforderung zum Spenden durch den
Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) war damals die Regel und keineswegs

3
’Aql leitet sich von ’aqala ab mit der Bedeutung von „etwas zusammenbündeln“, „sich über etwas verge-
wissern“, „etwas begreifen“, „etwas erkennen“. ’Aql wird ebenfalls als Synonym für „Geist“, „Verstand“,
„Erkenntnisquelle“ und „Herz“ verwendet.
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Din (Din) hat linguistisch viele Bedeutungen: „Vergelten (Belohnung/Bestrafung), Belohnung, Abrechnung,
Gehorsam, Gewohnheit/Tradition, Islam, Religion, die Art ALLAH (ta'ala) gegenüber ’Ibadah zu vollziehen, die
’Ibadah und das Anbeten ALLAHs, Gerichtsbarkeit, Gesetz, Zustand, Situation, Herrschaft, Macht, Erniedri-
gung, Bezwingen“. Islamologisch: „Von ALLAH (ta'ala) vorgegebene Normen, die den Orientierungs- und
Handlungsrahmen für ein gottgefälliges Leben vorgeben, innerhalb dessen die Muslime frei entscheiden und
agieren“. Aufgrund des Kontextes bedeutet Din hier „die ’Ibadah-Handlungen bzw. die religiöse Praxis“.
ungewöhnlich. So berichtete Imam Muslim über den Gesandten (salla l-lahu 'alaihi
wa sal-lam):

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Er (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) pflegte sich am Tag des Opferfestes und des
Ramadanfestes, zum Gebetsplatz zu begeben. Dann pflegte er mit dem Festgebet
zu beginnen. Nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, ging er zu den Menschen,
die sie an ihrem Gebetsplatz saßen. Wenn er einige (von ihnen mit einem Auftrag)
wegschicken wollte, erwähnte er es ihnen, und wenn er etwas anderes brauchte,
verlangte er es von ihnen. Und er pflegte zu sagen: ’Spendet, spendet, spendet!’.
Und die Frauen pflegten am meisten zu spenden. Dann verließ er den Gebetsplatz.
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Die Spende dämpft den Zorn des HERRN und wehrt die schlimme Art des Todes
ab. (At-tirmidhi)

Insassen des Höllenfeuers


§ Als Begründung für die Notwendigkeit des Spendens führt der Gesandte (salla l-
lahu 'alaihi wa sal-lam) die „weibliche Mehrheit der Höllenbewohner“ an. Den
Angesprochenen ist hier klar, dass dem Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam)
nicht das gesamte Höllenfeuer gezeigt wurde, sondern nur ein Teil. Die Gruppe, von
der er im Hadith sprach, war höchstwahrscheinlich eine Gruppe von Muslimen, die
wegen schwerer Sünden gepeinigt werden. Dies kann man aus den Sünden
schließen, die der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) danach erwähnte
(Fluchen und Undankbarkeit). Zwar zählen diese Verfehlungen zu den schweren
Sünden, doch wiegen sie nicht so schwer wie z. B. die Sünden Atheismus und Poly-
theismus, für die man ewig im Höllenfeuer bleibt. Und ein Mensch, der ALLAH
(ta'ala) verleugnet, wird nicht in erster Linie wegen Undankbarkeit gegenüber
Menschen, sondern wegen Kufr gegenüber ALLAH (ta'ala) bestraft.

Strafe für Fehlverhalten und nicht wegen Geschlechtszugehörigkeit


§ Die angesprochenen Frauen verstanden dies und fragten nach dem Grund, weshalb
mehr Frauen als Männer im Höllenfeuer büßen würden. Die Antwort des Gesandten
(salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) bezog sich auf Handlungen und nicht auf das
Geschlecht. Er sprach von der Undankbarkeit und dem häufigen Fluchen, was
offensichtlich damals bei Frauen weit verbreitet war, denn es kam darauf kein
Widerspruch von den Angesprochenen. In einem weiteren Hadith bezeichnet der
Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) explizit das Fluchen als etwas Schwer-
wiegendes, er sagte:
.
Einen Mumin/Muslim zu verfluchen ist, als ob man ihn tötet. (Muslim)

Bewunderung der Intelligenz der Frauen


§ Dann betont der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) seine Bewunderung über
die Intelligenz der Frauen, indem er ihnen die Fähigkeit bescheinigt, selbst einen
verständigen Mann zum Narren machen zu können. Seine Bewunderung drückte er
jedoch humorvoll aus. Er formulierte das Kompliment so mehrdeutig, als würde er
die Frauen für dumm halten (weniger ’Aql und weniger Din), obwohl er ihre
Intelligenz hervorheben wollte. Die angesprochenen Frauen nahmen es anscheinend
ebenfalls mit Humor und fragten sehr gelassen nach, wie er (salla l-lahu 'alaihi wa
sal-lam) denn dieses „weniger“ begründen wolle. Er (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam)
erinnerte sie an die Ayah (2:282), wo ALLAH (ta'ala) die Bedingungen des
Schuldvertrags festlegte und darunter die Zahl der Zeugen:
(...)
(...)
(…) Und sollten beide keine Männer sein, dann sollen sie ein Mann und zwei
Frauen von den Zeugen sein, die ihr akzeptiert, denn sollte die eine von beiden
(Frauen) sich irren, dann kann die eine die andere erinnern. (…)

Sachverstand als Auswahlkriterium für Zeugenschaft


§ Diese Ayah liefert jedoch keine Antwort auf die Frage, bzw. keine Begründung für
die angeführte angebliche Dummheit der Frauen. In dieser Ayah werden die Eigen-
schaften beschrieben, die eine vollwertige Zeugenschaft beim Abschluss eines
Schuldvertrags erfordert: der Sachverstand und das fachbezogene Erinnerungs-
vermögen. Es wird nicht das Frausein als Kriterium für die doppelte Anzahl der
weiblichen Zeugen gegenüber den männlichen angeführt, sondern lediglich der
fehlende Sachverstand und die daran geknüpfte erhöhte Wahrscheinlichkeit, fach-
bezogene Fakten und Details zu vergessen bzw. durcheinander zu bringen. Die
islamischen Gelehrten haben diesen „Mangel“ mit der damals allgemein ver-
breiteten Unerfahrenheit und Unkenntnis der Frauen im Geschäftsleben verknüpft
und niemals mit einer generellen Minderwertigkeit der Frauen.

Vollwertige und anerkannte Zeugenschaft der Frau als Hadithtradentin


§ Ein weiteres wichtiges Kriterium gegen die Annahme der Minderwertigkeit der
Frauen ist die vollwertige und anerkannte Zeugenschaft der Frauen als Tradentinnen
im wichtigsten Bereich der Hadith-Tradierung.
Die uneingeschränkte Akzeptanz von qualifizierten Frauen unter den Hadith-
Tradenten beweist, dass es zu keiner Zeit Zweifel an der gleichwertigen geistigen
Kapazität der Frauen gab. In der Hadith-Wissenschaft werden qualifizierte Frauen
als Tradenten genauso beurteilt wie Männer, nämlich als erinnerungsvermögend
(dabit) und vertrauenswürdig (’adl).
Wäre das Kriterium Frausein an sich negativ, hätte dies zur Folge, dass sämtliche
Hadithe, die von einer einzigen Frau tradiert wurden, hätten zurückgewiesen werden
müssen. Dies war aber niemals der Fall, sondern im Gegenteil, Frauen als Hadith-
Tradenten waren unumstritten. So ist bekannt, dass ’Aischah (radial-lahu 'anha) als
alleinige Tradentin (d. h. sie war die einzige Zeugin dieser Aussagen/ Begeben-
heiten/Handlungen, usw.) über 2500 Hadithe überlieferte, mehr als die meisten
männlichen Tradenten, und dass sehr viele von ihr überlieferte Hadithe so hoch
eingestuft wurden, dass sie maßgeblich zur Ableitung von Schari’ah-Normen sind.
§ Als respektierte Autorität und Tradentin korrigierte sie zudem viele männliche
Gefährten des Gesandten, die manches nicht korrekt tradierten. Beispiel:
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: . : . :
:
: . :
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Abu-hassan Al-a’radsch berichtete, dass zwei Männer zu ’Aischah (radial-lahu
'anhu) kamen und sagten: „Abu-hurairah erzählt, dass ALLAHs Gesandter (salla l-
lahu 'alaihi wa sal-lam) zu sagen pflegte: „Schlechtes Omen ist ausschließlich bei
Dreierlei: bei der Frau, beim Reittier und im Haus!“ Er fuhr fort: „(Vor Wut) ging
die eine Hälfte von ihr in die Luft und die andere Hälfte versank in den Boden.
Dann sagte sie: „Bei Dem, Der den Quran auf Abul-qasim (Muhammad)
hinabsandte! Er pflegte dies nicht zu sagen, sondern ALLAHs Prophet sagte: ‚Die
Menschen in der Dschahiliyah (vorislamischen Zeit) pflegten zu sagen:
‚Schlechtes Omen ist ausschließlich bei Dreierlei: bei der Frau, beim Reittier und
im Haus!’ Dann rezitierte ’Aischah (radial-lahu 'anhu):
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Weder trifft ein Unheil auf Erden, noch euch selbst, ohne dass es in einer Schrift
ist, bevor WIR es erschufen. Gewiss, dies ist für ALLAH etwas Leichtes. (57:22)
Die eigentliche Aussage dieses Hadith lautet, dass der Gesandte (salla l-lahu 'alaihi
wa sal-lam) sagte: Frauen haben weniger an ’Aql in den Gebieten, in denen sie über
weniger Erfahrungen und Fachwissen verfügen, was dazu führt, dass sie Dinge aus
Unkenntnis falsch beurteilen. Diese Aussage gilt jedoch für alle Menschen ohne
Fachkenntnis, für Männer und für Frauen und ist somit nicht sexistisch oder frauen-
feindlich.
Außerdem sei daran erinnert, dass im Islam nur bei Frauen als Zeuginnen Fälle
vorkommen, wo die Aussage einer einzigen Zeugin als ausreichend eingestuft wird
(z. B. die Aussage der Hebamme in Bezug auf Geburt, Milchverwandtschaft usw.).
Für männliche Zeugen gibt es hingegen keine Fälle, wo die Aussage eines einzigen
männlichen Zeugen ausreichend wäre.

Religiöse Praxis ist nicht weniger, sondern gleich


§ Dann erinnerte er (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) die Frauen daran, dass sie wegen
ihrer Periode weniger religiöse Praxis als Männer hätten, da sie in der Zeit der
Periode nicht beten und nicht fasten, aber nur die Fastentage nachholen und nicht
die Gebete.
Bekanntlich gilt nach islamischem Verständnis die frauenspezifische Praxis des
Gebets und des Fastens als islam-konforme religiöse Praxis. Denn sowohl die
Durchführung, als auch die Einhaltung der vorgeschriebenen Abstinenz sind Gebote
ALLAHs, für deren Beachtung die Frauen Belohnung erhalten. Die Frau wird für
das Nicht-Beten während der Periode ebenso belohnt, wie für das Beten außerhalb
der Periode, da sie in beiden Fällen ALLAHs Gebot einhält.
Weil die betroffenen Frauen dies wussten, sahen sie in diesen Aussagen des
Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) keine Ungerechtigkeit oder Verletzung
ihrer Würde. So haben sie weder protestiert, noch widersprochen oder nachgehakt
und nicht die Frage gestellt, weshalb ihre islam-konforme religiöse Praxis bzw. die
Beachtung der Gebote ALLAHs als Minderung zu verstehen sei.
Kritische Fragen und Widerspruch seitens der Frauen waren üblich
§ „Es könnte durchaus vermutet werden, dass die Frauen keine weiteren Fragen
stellten, weil sie in Anwesenheit des Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam)
keinen Mut dazu hätten. Dies ist leicht zu widerlegen, da viele Beispiele vorhanden
sind, wo Frauen dem Gesandten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) wohl sehr kritische
Fragen stellten. Beispiele dazu:
): :

( ) (195: /
Ummu-salamah sagte: „ALLAHs Gesandter! Ich höre nicht, dass ALLAH die
Frauen in Bezug auf (die Belohnung für) die Hidschrah (Auswanderung) erwähnt
hat?“ So sandte ALLAH (ta'ala) hinab (Ayah 3:195): Dann erhörte sie ihr HERR:
‚ICH lasse keine Tat eines Tuenden von euch, ob Mann oder Frau, verloren gehen,
die einen von euch sind wie die anderen! Denjenigen, die auswanderten5, von
ihren Häusern vertrieben wurden, für das von MIR Gebotene Schaden erlitten
haben, gekämpft haben und getötet wurden, diesen werde ICH ihre gott-
missfälligen Taten vergeben, und ICH werde sie doch eintreten lassen in Gärten6,
die von Flüssen durchflossen sind, als Belohnung von ALLAH!‘ Und bei ALLAH
befindet sich das Schöne an Belohnung.“ (At-tirmidhi)

:
):

( ) .(
Ummu-’umarah berichtete, dass sie zum Propheten (salla l-lahu 'alaihi wa sal-
lam) ging und sagte: „Ich sehe nichts, was nicht für die Männer wäre, ich sehe
nicht, dass die Frauen irgendwie erwähnt werden?“ So wurde die Ayah (33:35)
hinabgesandt: „Gewiss, die islam-praktizierenden Männer und die islam-
praktizierenden Frauen, die iman-verinnerlichenden Männer und die iman-
verinnerlichenden Frauen, die gehorchenden Männer und die gehorchenden
Frauen, die wahrhaftigen Männer und die wahrhaftigen Frauen, die sich in Geduld
übenden Männer und die sich in Geduld übenden Frauen, die sich hingebenden
Männer und die sich hingebenden Frauen, die spendenden Männer und die
spendenden Frauen, die fastenden Männer und die fastenden Frauen, die sich
keusch haltenden Männer und die sich keusch haltenden Frauen und die ALLAHs
viel gedenkenden Männer und die ALLAHs viel gedenkenden Frauen, für diese
hat ALLAH Vergebung und gewaltige Belohnung bereitet.“ (At-tirmidhi)
):

( )(

5
Im Original: "Hidschrah unternahmen bzw. vollzogen".
6
Ursprünglich "Dschannat". Dschannat Plural von Dschannah.
Ummu-salamah berichtete, dass sie sagte: „Die Männer werden zum Kampf
aufgefordert aber die Frauen nicht, und wir erben ausschließlich die Hälfte?“
Dann sandte ALLAH (ta'ala) die Ayah (4:32): „Und wünscht euch nicht das,
womit ALLAH den einen von euch vor den anderen ausgezeichnet hat! Die Männer
haben Anteil an dem, was sie sich erworben haben, und die Frauen haben Anteil
an dem, was sie sich erworben haben. Und bittet ALLAH um etwas von SEINER
Gunst! Gewiss, ALLAH bleibt immer über alles allwissend.“ (At-tirmidhi)

§ Nach dieser Erläuterung ist dieser Hadith am Besten so zu übersetzen:


„Der Gesandte ALLAHs (salla l-lahu 'alaihi wa sal-lam) ging beim Opferfest
oder beim Ramadanfest zum Gebetsplatz. Unterwegs dorthin kam er bei den
Frauen vorbei und sagte: „Ihr Frauen! Spendet, denn ihr wurdet mir als die
Mehrheit der Höllenbewohner gezeigt!“ Sie fragten: „Weshalb, ALLAHs
Gesandter?“ Er sagte: „Ihr flucht häufig und erweist euch undankbar
gegenüber den Ehemännern! (Dann bemerkte er heiter:) Ich habe dennoch
niemanden mit weniger Kenntnis und religiöser Praxis erlebt, der den
verständigen Mann zum Narren macht, wie eine von euch.“ Sie fragten
(verblüfft): „Wie äußert sich bei uns das Wenige an Kenntnis und an religiöse
Praxis, Gesandter ALLAHs?“ Er fragte: „gilt etwa das Zeugnis der Frau nicht
wie die Hälfte des Zeugnisses des Mannes?(!)“ Sie sagten: „Doch!“ Er sagte:
„Das ist das Wenige an Kenntnis bei ihr. Ist es nicht so, dass sie wenn sie ihre
Periode hat, nicht betet und nicht fastet?(!)“ Sie sagten: „Doch!“ Er sagte:
„Das ist das Wenige an religiöse Praxis bei ihr.“

Amir Zaidan
Wien 11.06.2007