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Ein Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung

Pia muss nicht perfekt sein


Eine Geschichte von Mark Pett, Gary Rubinstein, mit Illustrationen von
Daniela Kunkel, erschienen im Loewe Verlag.
Für Pia Piretti begann der Freitag wie jeder andere Tag.

Sie suchte Socken aus, die zusammenpassten. Und natürlich zog sie jeden

Schuh an den richtigen Fuß.

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Sie vergaß nicht, ihrem Hamster Hubert sein Lieblingsessen zu füttern:

Brokkoli.

Und als sie das Pausenbrot für ihren Bruder Carl schmierte, nahm sie dafür

haargenau so viel Erdnussbutter wie Marmelade.

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Als sie vor die Tür ging, um ihre Fans zu begrüßen, sagte sie „Guten Morgen"

und „Dankeschön“.

Die Leute fragten, ob sie ihr Bett gemacht hatte. Hatte sie. Sie wollten wissen,

ob sie vielleicht ihre Mathehausaufgaben vergessen hatte. Nö.

„Was ist mit dem Talentwettbewerb heute Abend?“, wollten sie wissen.

„Von mir aus kann’s losgehen!“, antwortete Pia lächelnd. Schließlich hatte sie

mit ihrer Jongliernummer in den letzten drei Jahren immer gewonnen.

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Die meisten Menschen in der Stadt wussten nicht einmal, wie Pia wirklich

hieß. Sie nannten sie nur „das Mädchen, das immer alles richtig macht“, denn

solange man denken konnte, war ihr noch nie ein Fehler passiert.

Anders als Pia machte Carl jede Menge Fehler.

Er aß seine Wachsmalkreide und malte mit grünen Bohnen.

Er tanzte mit den Händen und spielte

mit den Füßen Klavier.

Für Carl war es das Größte, Dinge

falsch zu machen!

In der Schule war Pia mit ihren zwei

besten Freundinnen, Millie und Sarah, in einem Kochteam. Für ihren

Riesenrhabarbermuffin brauchten sie Eier.

Pia ging zum Kühlschrank und wählte sorgfältig die größten und schönsten

Eier aus, die sie finden konnte.

Doch auf dem Rückweg rutschte sie aus. Die Eier flogen in hohem Bogen

durch die Luft. Und Pia war kurz davor, ihren ersten Fehler zu machen!

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Tat sie aber nicht! „Das war knapp!“, dachte Pia.

„Tut mir leid, Pia … Ich habe ein Stück Rhabarber fallen lassen.“ „Öfft doch

nöcht slömm, Möllö.“

Auf dem Heimweg schaute Pia zu, wie Millie und Sarah im Park Schlittschuh

liefen.

„Komm doch zu uns!“, rief Millie. „Es macht Spaß!“, sagte Sarah.

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Pia beobachtete, wie sie über den gefrorenen Teich rutschten und

schlitterten. Millie und Sarah lachten, während sie übers Eis stolperten.

„Nein, danke“, sagte Pia.

Beim Abendessen rührte Pia ihr Essen kaum an.

„Ist alles in Ordnung, Spätzchen?“, fragte ihr Vater.

„Ich habe Angst, dass ich es heute verpatze“, gestand Pia. „Und alle werden

es sehen.“

„Angst? Aber du machst doch nie etwas falsch!“, sagte ihr Vater mit einem

Lächeln.

Pia versuchte, auch zu lächeln.

Nach dem Essen machte sich Pia für den Talentwettbewerb bereit.

Zuerst weckte sie Hubert, der ein Nickerchen gemacht hatte.

Dann holte sie den Salzstreuer vom Küchentisch. Am Ende befüllte sie einen

Luftballon mit Wasser.

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Die Aula der Schule war gerammelt voll! In Pias Bauch ging es drunter und

drüber.

Pia wartete darauf, dass ihre Jonglier-Musik einsetzte.

„Da ist sie! Das ist das Mädchen, das immer alles richtig macht!“, sagte eine

Frau.

„Oh! Bei ihr läuft immer alles perfekt, immer!“, rief ein Mann.

Als die Musik einsetzte, warf Pia Hubert in die Luft.

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Als Nächstes kam der Salzstreuer. Und zum Schluss der Wasserballon.

Pia war ganz bei der Sache! Die Zuschauer klatschten begeistert. Doch dann

fiel Pia am Salzstreuer etwas Komisches auf …

Die Körner, die herausrieselten, waren nicht weiß!

Hubert war von seinem eigenen Niesen so überrascht, dass er sich mit seinen

kleinen Krallen am Luftballon festklammerte.

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Hubert, kleine Ballonfetzen und Pfeffer: Alles regnete auf Pias Kopf. Zum

ersten Mal, solange man denken konnte, hatte Pia einen Fehler gemacht.

Und was für einen …

Die Musik verstummte. Pia wusste nicht, was sie machen sollte.

Weinen?

Von der Bühne rennen?

Die Zuschauer hockten wie versteinert da. Sie konnten nicht glauben, dass

dem Mädchen, das immer alles richtig macht, ein Fehler passiert war!

Pia schaute zu Hubert. Der schaute zurück.

Sein Hamsterfell war pitschnass und voller kleiner Ballonreste. Pia musste

kichern.

Ihr Kichern wurde zu einem Glucksen. Und aus dem Glucksen wurde ein

richtig lautes Lachen.

Die Zuschauer sahen sich fragend an. Dann schauten sie zu Pia.

Auch sie mussten plötzlich kichern. Dann glucksen. Und – schließlich –

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bogen sich alle vor Lachen. Pia und das Publikum lachten, bis sie gar nicht

mehr wussten, warum sie eigentlich so lachen mussten.

In dieser Nacht schlief Pia besser als je zuvor!

Am nächsten Morgen waren keine Fans an der Tür, um Pia zu begrüßen.

Beim Anziehen suchte Pia – einfach so – eine Socke mit Punkten und eine

Socke mit Karomuster aus.

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Pia und Carl machten sich ihre Brote. Diesmal schmierten sie die

Erdnussbutter und die Marmelade auf die falsche Seite. Das nannten sie dann

ihre „Erdnussmarmeladen-Falschherum-Spezialität“!

Die Brote waren herrlich klebrig und lecker!

Später traf sich Pia mit Millie und Sarah zum Schlittschuhlaufen im Park.

Sie fielen oft hin – und hatten dabei eine Menge Spaß!

Jetzt nennen die Leute sie nicht mehr „das Mädchen, das immer alles richtig

macht“. Sie nennen sie einfach Pia.

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Pia muss nicht perfekt sein


Autor: Mark Pett, Gary Rubinstein
Illustration: Daniela Kunkel
Verlag: Loewe
Alterseinstufung: ab 5 Jahren
ISBN: 978-3-7432-0587-1

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