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Albrecht Rissler

ZEICHNEN
unterwegs
mit Stift und
Skizzenbuch

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Meinen StudentInnen und


Kursteilnehmer­Innen gewidmet

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Skizzenbuch Lanzarote
Eukalyptusbaum
Tintenroller, Farbstift
auf Recyclingpapier
8. März 1994
25 x 20,5 cm
(Größe Skizzenbuch)
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8 Zu diesem Buch
10 Zu dieser Neuauflage
12 Zeichnen unterwegs
16 Material
18 Skizzenbuch
24 Bleistift
40 Aquarellbleistift
44 Farbstift
54 Wachsmalblock
56 Zeichenkohle
60 Rötel
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62 Metallfeder -
64 Rohrfeder
66 Kielfeder
68 Pinselschreiber
72 Kugelschreiber
74 Faserschreiber
76 Tintenroller
88 Linie
96 Struktur und Schraffur
106 Zeichnung und Farbe
114 Licht und Schatten
130 Bildaufbau
140 Post von unterwegs
142 Biografie
144 Impressum
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Skizzenbuch Rom
Saturntempel,
Forum Romanum
20. Juni 1994
17 x 15 cm
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ZU DIESEM BUCH

Dieses Buch ist kein methodisches Lehrwerk, von dem der Leser
Rezepte zum Zeichnen erwarten darf. Es will zum Selbermachen
anregen, aber auch Augenweide und Lesevergnügen sein für
Menschen, die nicht zeichnen. Anregungen ergeben sich durch
Beispiele, die in unterschiedlichen Techniken gezeichnet sind.
Den meisten Arbeiten sind Informationen beigefügt, die den
­Prozess der Entstehung transparent machen sollen.
Die Zeichnungen in diesem Buch sind nahezu alle auf Reisen
und Exkursionen entstanden, die ich mit der Familie, Freunden,
Kollegen, Studierenden, Kursteilnehmern oder allein unternom­
men habe. Am liebsten bin ich mit einem handlichen Skizzen­
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buch unterwegs. - exl37162375-3960880871
Ein fester Einband schützt die Papiere und ist - transid - exl37162375-3960880871 -
gleichzeitig eine stabile Unterlage. Großformatige Zeichnungen,
die mehr Ausdauer erfordern, sind an Orten entstanden, an de­
nen ich mehrere Tage oder Wochen sein konnte.
Ich bin neugierig auf mir unbekannte Orte und Landschaften,
die mich zum Zeichnen anregen. Es gibt aber Motive, denen ich
seit Jahren treu bin. In den Vogesen steht ein großartiges Exem­
plar einer Bruchweide und auf der kanarischen Insel Lanzarote
wächst ein imposanter Eukalyptusbaum. Beide sind bevorzugte
Zeichenobjekte geworden. Sie wachsen außerdem an Plätzen,
die eine magische Anziehungskraft auf mich ausüben. Diese
Bäume spielen in diesem Buch eine besondere Rolle. Unterwegs
zeichnen setzt aber keine weiten und teuren Reisen voraus. Als
Motiv eignet sich die nächstbeste Kneipe so gut wie exotische
Reiseziele. Manchmal bestimmt die Jahreszeit die Wahl des
Zeichenplatzes. So kam es zum Beispiel, dass Lanzarote ein be­
gehrtes Ziel für Exkursionen wurde. Viele der in diesem Buch
wiedergegebenen Zeichnungen entstanden in der Gegenwart
von Studierenden. Dadurch bekamen manche den Charakter von

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Lehrstücken, die ich zur Klärung bestimmter Aspekte des Zeich­


nens anfertigte.
Mit jungen Menschen unterwegs zu sein, gemeinsam mit ihnen
zu zeichnen, war ein Privileg und ein Quell der Inspiration. An
dieser Stelle möchte ich ihnen, aber auch allen anderen Reise­
gefährten danken: meiner Familie, den Nichtzeichnern für das
geduldige Warten und den Zeichnern für die vielen Anregungen.
Hilfreiche Unterstützung während der Entstehung dieses Bu­
ches erfuhr ich durch meine Kollegen und Kolleginnen in mei­
nem ­Atelier in Heidelberg und an der Fachhochschule in Mainz.
Künstlerfreunde, vor allem Karin Bruns und Wolf Heinecke,
- orderid - exl37162375-3960880871 -halfen
transiddurch-anregende
exl37162375-3960880871
und aufmunternde Gespräche. - Sehr
dankbar bin ich Anne von Bülow, die einfühlsam und kompetent
die Texte durchsah.
Mein ganz besonderer Dank gilt meiner Frau Ursula. Wieder
einmal erwies sie sich als kooperative Partnerin und ideenreiche
Gestalterin. Auch unsere Tochter Julia half mit Geduld und Inte­
resse. Ihre prägnanten Kommentare flossen in die Texte und die
Gestaltung des Buches ein.
Heidelberg, im Juni 1995

Skizzenbuch Apulien
Ostuni
Olivenbäume bei Fasano
Multiliner, Aquarell
3. und 4. Juni 2016
15,5 x 20 cm

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ZU DIESER NEUAUFLAGE

Seit der Erstausgabe dieses Buches sind über 20 Jahre vergangen.


Die bis heute andauernde Nachfrage nach diesem Buch zum
Thema Zeichnen unterwegs haben den dpunkt.verlag und mich
bewogen, es in einer erweiterten und überarbeiteten Auflage neu
herauszugeben.
Seit 1995 ist viel passiert. Eine ganze Anzahl weiterer Skizzen­
bücher und Zeichnungen auf größeren Formaten kamen hinzu,
die überwiegend auf Reisen entstanden sind. Zusammen mit
Arbeiten aus der Erstausgabe spannen sie nun einen zeitlichen
Bogen über mehrere Jahrzehnte, an dem sich meine Entwicklung
als Zeichner gut ablesen lässt.
Wie in den -Jahren
orderid - exl37162375-3960880871
zuvor, habe ich auch in der restlichen Zeit an - transid - exl37162375-3960880871 -
der Hochschule in Mainz mit Studierenden Zeichenexkursionen
unternommen. Viele der hier neu hinzugekommenen Zeichnun­
gen sind in ihrem Beisein entstanden. Nicht ohne Stolz darf ich
sagen, dass diese jungen Zeichner zu den frühen Urban Sketchers
gehörten, lange bevor diese wunderbare, inzwischen weltweit
verbreitete Bewegung gegründet wurde. Auch an dieser Stelle
will ich mich bei meinen Studentinnen und Studenten für diese
gemeinsame Zeit bedanken. Manche erzählen mir, dass diese
Zeichenexkursionen zu den Highlights ihrer Studienzeit gehören.
Viele von ihnen haben immer noch ganz selbstverständlich ihr
Skizzenbuch auf Reisen dabei, treffen sich mit anderen Urban
Sketchers an ihren Wohnorten oder zu überregionalen Meetings
zum gemeinsamen Zeichnen. Wenn ich in den sozialen Medien
ihre Zeichnungen sehe, erfüllt mich dies mit großer Freude.
Mit Beginn des neuen Jahrtausends kamen Kurse zum Thema
Zeichnen in der Landschaft in Irsee, Oppenheim, Bad Reichenhall
oder Ladenburg hinzu. Auch sie sind Ausdruck dafür, dass nach
der Erstausgabe dieses Buches mein Interesse am Zeichnen in

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der Natur nicht nachgelassen hat. So haben auch die Teilnehmer


dieser Kurse einen gewichtigen Anteil an meiner Entwicklung
als Künstler. Viele von ihnen teilen mit mir die Leidenschaft für
das Zeichnen von Bäumen.
All dies sind Gründe, weshalb ich diese Neuauflage meinen
StudentInnen und KursteilnehmerInnen widme, denen ich viel
zu verdanken habe. Großen Anteil an dieser Neuauflage hat
Barbara Lauer, Lektorin und Betreuerin des Programms Zeichnen
im dpunkt.verlag. Ihr und allen im Verlag Beteiligten danke ich
sehr herzlich für ihre engagierte Mitarbeit am Gelingen dieses
Buches.
- orderid - exl37162375-3960880871 -Heidelberg,
transid im - exl37162375-3960880871
September 2016 -

Amsterdam
Park am Van Gogh Museum
An der Reguliersgracht
Multiliner, Aquarell
22. September 2016

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ZEICHNEN UNTERWEGS

Für mich gehört das Zeichenzeug so selbstverständlich zum Reise­


gepäck wie die Zahnbürste. Wann immer ich packe, stehe ich vor
der Wahl: großes Malzeug oder kleine Ausrüstung? Benütze ich
diesmal den 24er-Aquarellkasten oder nur die Aquarellbleistifte?
Nehme ich Tusche mit und die alten schönen Federn von mei­
nem Vater? Ärgern müsste ich mich, würde ich die Ersatzminen
für den Tintenroller vergessen, die unterwegs nicht aufzutreiben
wären. Lass ich den Hocker zu Hause? Welche Temperafarben eig­
nen sich? Schöne Blautöne für gutes Wetter, Maulklammern für
stürmisches Gebiet, die Baseballmütze oder den Strohhut gegen Mit dem Skizzenbuch verreisen bedeutet, sich auf eine beson­
die Sonne? Versuche ich es wieder mit einem Skizzenbuch mit dere Art des Unterwegsseins einzustellen. Vergleichbar mit dem
- orderid
weißem Papier oder nehme- exl37162375-3960880871
ich das schlechtgebundene mit dem - transid
Unterschied- exl37162375-3960880871 - Bus und
zwischen einer Sightseeing-Tour mit dem
getönten Recyclingpapier? In diesem Fall muss Deckweiß mit zum einem gemächlichen Stadtbummel zu Fuß. Mit dem Skizzen­
Höhen, vielleicht die dicken Farbstifte, die sich so gut vermalen buch unterwegs sein, bedeutet Unrast vermeiden, Zeit haben,
lassen. Dafür wiederum brauche ich die Borstenpinsel. Oder tutʼs den Blick auf etwas ruhen lassen können, Nähe suchen, sich
diesmal ein kleines handliches Taschenbuchformat und mein einer Atmos­phäre zuwenden, eintauchen. Aber auch rasches,
ausdauernder Tintenroller? Der taugt mehr, wenn ich unter Men­ spontanes Zeichnen braucht ein entspanntes Milieu. Zeichnend
schen unbeobachtet »aus der Hüfte« heraus zeichnen möchte. stempeln sich Details ins Gedächtnis, die sonst unbeobachtet

Oben: Skizzenbuch Rom Rechts: Skizzenbuch Lanzarote


Titusbogen, Forum Romanum Blick von Soo
Tintenroller Tintenroller, Aquarell
20. Mai 1994 9. März 1994
17 x 15 cm 25 x 20,5 cm

Links: Skizzenbuch Sizilien


Straße in Mongerbino
Tintenroller
11. März 2013
14,5 x 20 cm

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blieben. Jede Linie muss erst gesehen und eingefangen werden, beim späteren Durchblättern wieder auf. Zeichnend lassen sich
auch wenn Einzelheiten variiert und verfremdet werden und nur Augenblicke momentanen Wohlbefindens wunderbar auskosten.
in Kürzeln auf dem Papier erscheinen. Ich weiß noch nach Jahren, welcher Zeichenplatz dem Steißbein
Die visuelle Wahrnehmung der Bilder verbindet sich mit allen zusetzte, allmählich zu überfluten begann oder die Finger klamm
anderen Sinnen. Geräusche, Temperaturen, Windverhältnisse, werden ließ. Zeichnen unterwegs ist aber mehr als nur eine
selbst Gerüche fixieren sich mit den Zeichnungen und tauchen ­Methode, dem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen.

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ZEICHNEN UNTERWEGS

Das regelmäßig geführte Skizzenbuch kann das Laborfeld für


weitergehende und anspruchsvollere Arbeiten sein. »Beim-an-
der-Natur-Kleben genieße ich schon im Voraus die freie und
genießerische Ausbeutung der Studie zu Hause«, sagte dazu der
Zeichner Horst Janssen in einem Tagebuch. Doch was heißt an­
spruchsvoll? Sind die flüchtigen Farbskizzen, die der Maler Dela­
croix von einer Marokkoreise mitbrachte, weniger anspruchsvoll
als seine großen Meisterwerke? In schnell heruntergeschriebe­
nen Skizzen legt sich der Nerv des Zeichners bloß. »Skizzen haben
gewöhnlich ein Feuer, das den Bildern fehlt: Es ist der Moment
der Erhitztheit des Künstlers, es ist die Seele des Malers«, schrieb
- orderid
der französische - exl37162375-3960880871
Schriftsteller und Philosoph ­Diderot. Früher - transid - exl37162375-3960880871 -
sprach man von dem Begriff der »Wertpyramide des Vollendens«,
nach dem eine Skizze die Funktion eines Entwurfes, einer Vor­
zeichnung oder einer Werkzeichnung hatte und mit der Ausfüh­
rung des finalen Werkes in engem Zusammenhang stand. Heute
wissen wir, wie unsinnig die Trennung zwischen Studie und
einer autonomen Zeichnung ist. Inzwischen haben sich Skizze
und Zeichnung vollständig von ihrer ursprünglich zugedachten
Funktion befreit und stehen gleichwertig neben anderen künst­
lerischen Ausdrucksformen. Janssen lenkt den Blick auf einen
­weiteren Aspekt der Skizze und der Zeichnung: die Privatheit.
Inwieweit sind Skizzen, Skizzen­bücher und Zeichnungen priva­
ter als alles andere? Arnold Böcklin sah sich nur als kritzelnder
Zeichner, dessen Skizzen nur Wert für ihn selbst hätten und ver­
brannt werden müssten. Dennoch nahm er seine Skizzen ernst!
Delacroix weist auf eine andere Bedeutung hin, die das Skizzen­
buch haben kann: »Künstler sollten die Natur wie ein Wörter­
buch zu Rate ziehen, um sich dann ungezwungen der Wörter zu
bedienen.« In diesem Sinne buchstabieren Skizzenbücher das

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spezi­fische Vokabular eines Ortes oder eines Objektes. Abgespei­


chert im Bilderberg des Unbewussten, tauchen diese Daten bei
Bedarf wieder auf.
David Hockney rät, jeden Tag alles zu zeichnen, was einem unter
die Augen kommt. Menschen zeichnen, das sei das Interessantes­
te und lehre zu sehen. Tatsächlich können wir nirgendwo sonst
als beim figürlichen Zeichnen so rasch und treffsicher Falsch und
Richtig erkennen. Besonders beim Zeichenobjekt Porträt ist unser
Auge überaus kompetent und kritisch.
Der geniale Alleszeichner Adolph von Menzel studierte jedes
­Detail zuerst in einer Skizze, bevor er diese Studien in ein Ge­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid
mälde - exl37162375-3960880871
übertrug. -
Er konnte nicht begreifen, dass es Künstler
gibt, die den kleinsten Ausgang machen, ohne ein Zeichenbuch
dabei zu haben. Er selbst hatte acht Taschen in seinem Mantel,
vollgestopft mit Skizzenblockbüchern. Kein Objekt war ihm zu
banal. Der Karikaturist F. W. Bernstein hat über eine Zeichnung
von Adolph von Menzel, Kurhausstraße in Kissingen nach einem
Gewitterregen, geschrieben: »Menzel hat mit rauschendem
­Karandasch, mit seinem Zimmermannsding, in sicheren Dia­go­
nalen eine dreckige Straße aufs Hochformat geschmutzt, dass es
ein grafisches Fest ist!«

Skizzenbuch Bretagne
La Corne de Brume
Collage, Farbstift, Tintenroller, Aquarell
und Tempera auf Recyclingpapier
5. August 1992
20,5 x 15 cm

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M AT E R I A L

Zeichenmaterial gibt es in Hülle und Fülle. Auf jeder Oberflä­


che, mit jedem Stift kann man zeichnen. Warum also nicht auf
einer Serviette, einer Fahrkarte oder einem Briefumschlag? Den­
noch: Jede Technik erfordert ein taugliches Material. So wird ein
Farbstift auf einer weichen Serviette wenig ausrichten können,
und der besondere Strich einer Zeichenfeder kann sich auf allzu
rauem Papier nur mühsam entfalten.
Die Qualität einer Zeichnung hängt auch von der Beschaffenheit
des benutzten Papiers und des Zeichenwerkzeuges ab. Zeichen­
papier, auf dem später aquarelliert wird, muss saugfähig genug
sein, damit die Farben gleichmäßig auftrocknen können und
- orderidhängen
nicht in Papierpfützen - exl37162375-3960880871
bleiben. - transid - exl37162375-3960880871 -
Trotzdem, Packpapier kann ein Motiv manchmal besser zur Wir­
kung bringen als piekfeines Bütten. Interessant sind Recyclingpa­
piere. Sie sind nicht besonders widerstandsfähig, aber sie haben
Charakter. Kleine Einsprengsel beleben den Papiergrund und
damit die Zeichnung. Auf dem Naturton des Papiers lässt es sich
»höhen«, also helle Farben oder Deckweiß auftragen. Das kann
zum Beispiel beim Landschaftszeichnen nützlich sein.
Auch das Gewicht und die Stärke eines Papiers beeinflussen das
Ergebnis einer Zeichnung. Das dünne Kopierpapier scheidet des­
halb für anspruchsvolle Zeichentechniken aus.
Ungeeignetes Zeichenpapier erkennen Sie daran, dass es schnell
»ermüdet«. Der Zeichenstift reißt die Oberfläche auf, wenn Sie
mehrere Schraffurlagen übereinanderlegen. Farbstifte erfordern
ein kräftiges Papier, weil es einigen Druck aushalten muss. Zu glat­
te Papiersorten wiederum nehmen die Farbpigmente der Stifte
nicht an. Die Oberflächen werden schmierig, und Mehrfachlagen
von Tonflächen sind schwer zu erzielen. Ein guter Ratschlag ist:
Zeichenpapiere und Zeichenkartons testen, bevor es »ernst« wird.

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Zeichnen lässt es sich auf jedem Papierformat. Miniformate ha­


ben den Nachteil, dass man sich schnell an eine Zeichentechnik
gewöhnt, die nur den Radius des Zeigefingers nutzt. Zeichnen Sie
immer wieder aus dem Hand-, noch besser aus dem Armgelenk.
Am besten an einem aufrecht befestigten Papier, zum Beispiel an
einer Staffelei. Das stärkt das selbstbewusste, spontane Zeichnen
und kultiviert einen lebendigen Strich. Dies funktioniert nicht
unter DIN A3. Am besten nehmen Sie ein noch größeres Papier.
Ganz große Formate kauft man in Rollen, die Sie maßgerecht zu­
schneiden können. Testen Sie, wie weit Sie gehen können. Es ist
spannend!
- orderid - exl37162375-3960880871 -Außerdem:
transidGroße - exl37162375-3960880871 - Blei­
Flächen erfordern dicke Stifte. Mit einem
stiftchen oder einem spitzen Tuschefüller ist einem Großformat
schwer beizukommen! Andererseits kann ein dicker Stift auf
kleinem Format Großartiges bewirken! Doch auch hier gilt der
Grundsatz: Erst ausprobieren, dann entscheiden. Nichts ist un­
möglich!
Und nicht vergessen: Jedes Zeichenpapier braucht eine feste Un­
terlage. Eine stabile und gleichzeitig weiche Sperrholzplatte, in
die Sie ohne Hammer einen Reißnagel drücken können, eignet
sich vorzüglich.

Julia in Salm
Aquarellbleistift
auf Recyclingpapier
2. Oktober 1994
21 x 30 cm

Oben: Diverse Grafit- und Farbstifte, zum Teil vermalbar

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SKIZZENBUCH

Die Wahl des Skizzenbuchformates will vor


Reisen gut überlegt sein. Landschaften passen
besser in Quer-, aber auch in quadratische Forma­
te, wenn über den Bund hinweg gezeichnet wird.
Extrem schlanke Hoch- oder Querformate sind
unbequem, aber für ein Experiment immer gut.
Auch die Größe entscheidet mit, ob das Zeichnen
unterwegs gelingt oder nicht. Mein größtes Skizzen­
buch hat die Maße 35 x 26 cm und ist ein schwerer,
schön gebundener Wälzer, vor dem ich auf einer Rei­
se in Irland ordentlich Respekt hatte. Große Skizzen­
- orderid
bücher können - exl37162375-3960880871
die Spontaneität bremsen. Man will - transid - exl37162375-3960880871 -
das teure Stück nicht verderben. In einem kleineren
Exemplar sudelt es sich hemmungsloser.
Noch weniger anspruchsvoll sind Skizzenhefte ohne festen
Pappeinband. Ganz unproblematisch ist der Skizzenblock. Ich
verwende ihn aber ungern, weil auf diese Weise Einzelblätter
entstehen und damit die Buchform und mit ihr der Tagebuch­
charakter verloren gehen. Am überzeugendsten werden Skiz­
zenbücher, wenn sie chronologisch aufnehmen, wie es kommt:
­Misserfolge neben geglückten Zeichnungen, Kritzeleien und
Notizen, eingeklebte Fundstücke, den Tachostand, Adressen,
das Skelett des verspeisten Fisches oder die Karikatur des Freun­
des am Steuerrad.
Interessant sind ausgediente alte Journale oder Kontobücher.
Eventuelle Linien und Eintragungen müssen nicht stören. Im
Gegenteil: Sie kann man in die Gestaltung mit einbeziehen. Eine
Alternative sind Skizzenbücher, die ein Buchbinder nach Ihren
Wünschen anfertigt. Wählen Sie Faden- statt Klebebindung, die
hält besser und wird nicht zu einer Loseblattsammlung.

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Links oben: Skizzenbuch Pfalz Skizzenbuch Lanzarote


Ringfische in Kleinfischlingen La Costa
Tintenroller auf Recyclingpapier Tintenroller, mit Deckweiß gehöht
20. Februar 1994 auf Recyclingpapier
15 x 11 cm 28. Februar 1994
25 x 20,5 cm

Skizzenbuch Salm
Salmer Wiese und Waldstück
Tintenroller, aquarelliert
10. September 1990
18 x 26 cm

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SKIZZENBUCH

Wer einen Kiesel meistert, schafft


auch das Matterhorn! In einem
Steinwinzling stecken alle zeichne­
rischen Anforderungen, denen man
auch an einer Bruchsteinmauer, einer
Steilküste oder vor einer Felswand
im Gebirge begegnet: Kanten, Ein­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
schlüsse, Hohlkehlen, Risse, Facetten,
Einschnitte, Abbrüche und Spalten.
Der Strich des Tintenrollers ist tief­
schwarz und reißt auch bei schnel­
len, langgezogenen Linien nicht ab.
Mit Hilfe von Schraffuren lassen sich
gut Halbtöne und mit Strukturen
raue Steinoberflächen erzielen. Die
Linie einer Zeichenfeder variiert inte­
ressanter und ist für freie Umsetzun­
gen gut. Mit dem silbrigen Bleistift
kann man je nach Härtegrad jeden
fast weißen bis anthrazitfarbenen
Grauwert zeichnen, was bei hellen
Steinen von Vorteil ist. Wasserver­
malbare Bleistifte sind interessant,
weil sie sich weich anlösen lassen,
ohne dass die gezeichneten Linien
verloren gehen.

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Skizzenbuch Pyrenäen
Kleine Zeichenschule für
Eva und Dorothee
Tintenroller, Bleistift, Aquarell­
bleistift, Farbstift, Deckweiß,
­Aquarell, Feder, Tusche und Pinsel
auf Recyclingpapier
28. Juli 1993
18 x 26 cm

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SKIZZENBUCH

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Auch mit diesen Skizzen verbinden


sich eine Fülle von Erinnerungen:
Der milde Geruch des Lindenholzes,
vorbeihuschende Mehlschwalben
mit ihrem »tsrr«-Laut, geifernde
­Eichelhäher, gurrende Wildtauben
und die sonst absolute Stille vermi­
schen sich mit der zeichnerischen
Wahrnehmung. Das sind Situatio­
nen, in denen ich beim Zeichnen das
momentane Wohlbefinden wunder­
bar auskosten kann.

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Skizzenbuch Pyrenäen
Die gefällte Linde im Park
von Chateau dʼ  Estrac
Tintenroller auf Recyclingpapier
21. Juli 1993
18 x 26 cm

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BLEISTI FT

Der gute alte Bleistift ist ein Alleskönner! Kein anderer Zeichen­
stift bietet so viele Ausdrucksmöglichkeiten.
Je nach Härtegrad lassen sich mit ihm kräftig dunkle Striche,
vielfältige Schraffuren oder eine reiche Palette an Halbtönen
­erzielen. Die Härtegrade H sollten technischen Zeichnungen
vorbehalten sein. Sämtliche Studien in diesem Buch wurden mit
Bleistiften der Sorte 2B bis 9B gezeichnet, viele davon mit einem
Stift aus purem Grafit. Die weichen Sorten schmieren leicht.
Wenn man das vermeiden möchte, hilft ein sauberes Blatt un­
ter dem Handballen, später eine Zwischenlage Papier oder ein
­Fixativ als Schutz.
Interessant-sind
orderid - exl37162375-3960880871
wasservermalbare Bleistifte, die sich mit einem - transid - exl37162375-3960880871 -
Pinsel anlösen lassen. Dazu nehme ich lieber einen leicht ange­
feuchteten Borstenpinsel als einen Aquarellpinsel.
Mit dem Bleistift können Sie in einer Art Trockenübung das lasie­
rende Malen mit Aquarellfarben lernen. Bei hellen Grauwerten
bleibt der Papiergrund durchsichtig, Negativflächen werden
durch angrenzende dunkle Partien herausgearbeitet. Genau
das ist das Verfahren beim Aquarell.
Der Bleistift lässt sich zudem sehr gut mit der Aquarellmalerei
kombinieren. Er kann zarten Farben eine unaufdringliche Kon­
tur geben. Vorbereitete Schraffuren oder Texturen geben einem
Aquarell Halt und strukturieren allzu glatte Farbflächen.

Haus an der Geria, Lanzarote


Grafitstift 6B und 8B
13. Februar 1989
42 x 59 cm

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Dies ist eines jener­»­Lehrstücke«,


die ich in der Gegenwart von Stu­
dierenden zeichnete. Bei dieser Stu­
die ging es um das Bleistiftzeichnen
mit Halbtönen. Die dunkle Mauer
stellt papierweiße (negative) Flä­
chen als Form frei, wie zum Beispiel
den hellen Stamm oder die Blätter
rechts; umgekehrt sind dunkle (po­
sitive) Formen auf hellem Grund
gezeichnet. Schatten legen sich so
über die Äste, dass deren Volumen
und Richtung beschrieben wird.
Die ­Steine sind durch drei oder vier
Grauwerte ­herausmodelliert.

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BLEISTI FT

Die von verheerenden Vulkanaus­


brüchen geschundene Insel Lanza­
rote ist eine optische Delikatesse
voller Überraschungen. In der Ge­
gend der Geria gibt es quadratkilo­
metergroße Lapillikrusten, die wie
ein samtenes Leichentuch über der
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
Landschaft liegen. Gelbe Flechten
überzuckern dort den schwarzen
Kies zu einer olivgrünen Farbe.
Die Zeichnung zeigt, welchen Grau­
wertumfang ein weicher Bleistift zu
bieten hat. ln feinen Abstufungen,
von Papierweiß bis Schwarz, ist
jeder denkbare Ton möglich.

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Selbst aus dichten und dunklen


Strichlagen lassen sich Formen
»herauslesen« und durch Schatten
plastisch hervorheben.

(Ausschnitte in Originalgröße)
Lapillifeld in der Geria, Lanzarote
Grafitstift 6B und 8B
1988
42 x 59 cm

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BLEISTI FT

Neben den formschaffenden, pa­


rallel gesetzten Linien sorgt auch
der richtige Lichteinfall für einen
plastischen Eindruck des Motivs.
Verdichtet gesetzte und weiter
auseinanderliegende Strichlagen
schaffen entweder helle oder be­
schattete Partien.
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

Schraffuren sind für schnelles Skiz­


zieren prima geeignet. Ich lege oft
mehrere Lagen im flachen Winkel
übereinander. So entstehen zum
Olivenbaum bei Orient, Mallorca Objekt passende Strukturen, die
Bleistift 8B zum Beispiel den Charakter einer
2010 Baumrinde von ganz allein entste­
30 x 30 cm hen lassen.

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Crinan Ferry, Schottland


Bleistift
6. Mai 2014
27 x 40 cm

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BLEISTI FT

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Königskerzen auf dem Salm


Bleistift 4B
19. August 1991
42 x 57 cm

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Die hier abgebildete Bleistiftzeich­
nung eines Waldrandes mit Königs­
kerzen zeigt positiv gezeichnete,
also dunkle Blätter auf hellem
Grund, und helle Blätter auf dunk­
len Tonflächen (siehe Ausschnitte).
Die Erkenntnisse, die Sie aus diesen
Übungen gewinnen, sind für ­andere
Motive und Techniken überaus
wertvoll, vor allem aber für das
Aquarellieren!
Auch bei dieser Studie habe ich
mich bemüht, jeder Pflanze die
sie kennzeichnende Gestalt zu ge­
ben; dabei ist es nicht nötig, jedes
einzelne Detail herauszuarbeiten.
Blattkürzel oder eine charakterisie­
rende Struktur wie bei den Fichten
im Hintergrund genügen.

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BLEISTI FT

So etwas zeichne ich gern: Im


Dicki­cht herumstochern, die
­Orientierung verlieren und dann
nicht mehr hinschauen! Bemüht
man sich um ein identisches »Bild«
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
des Motives, wird die Skizze steif
und unbeholfen. Ein eigenstän­
diges und spontan formuliertes
Bild (kein Abbild!) kann es nur
werden, wenn es gelingt, sich vom
Vorbild zu lösen. Voraussetzung
ist allerdings, dass sich durch eine
ausdauernde Zeichen- und Seh­
schule ein reiches Formenvokabular
bilden kann. Ebenso wichtig ist ein
beständiges Training der Hand, die
sonst die blitzschnell ablaufenden
Wahrnehmungsimpulse nicht um­
setzen kann. Die Folgen sind jedem
Zeichner bekannt: Die Diskrepanz
zwischen dem Anspruch an eine
Zeichnung und dem Resultat wird
zu groß und mündet unweigerlich
in Frustrationen.

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Weide und Distel


Grafit unterschiedlicher
Härtegrade
12. Juli 1992
29 x 42 cm

Folgende Doppelseite:
Der Salmer Sonnenbach
Bleistift 6B
12. Juli 1992
34 x 47 cm

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KO LUM N E N T I T E L

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BLEISTI FT

Jeder Strich einer Zeichnung erzählt von


ängstlichem Herantasten oder von drän­
gender Ungeduld. Manche Zeichnungen
entstehen an ungemütlichen Orten und
gelingen. Für andere ist die »location«
perfekt und sie gehen trotzdem daneben.
Ich weiß mittlerweile, dass mich die ersten
Zeichnungen in einem neuen Skizzenbuch
nicht entmutigen dürfen. Dranbleiben
hilft. Schwierigkeiten verschwinden nicht,
indem ich ihnen aus dem Weg gehe.
Gelingt eine - Arbeit,
orderid ist das- der
exl37162375-3960880871
Antrieb für - transid - exl37162375-3960880871 -
die nächste. Und für weitere. Wenn es gut
läuft, für ein Serie. Oder noch besser: Ein
Skizzenbuch füllt sich von der ersten bis
zur letzten Seite. Dann entsteht etwas,
was man auf gut Deutsch einen »flow«
nennt.
Ein früher, lichter Morgen, wenn die Sonne
frisches Laub im Gegenlicht zum Leuchten
bringt, lässt mich gar nicht lange nach­
denken, ob ich zum Stift greife. Ich muss es
versuchen. Viel Zeit bleibt nicht. Die schö­
ne Stimmung könnte rasch vorbei sein.
Mit den Jahren habe ich gelernt, dass ein
klobiges Zeichengerät im schmalen Format
eines Skizzenbuchs genau das Richtige für
flüchtige Momente ist. Kleinteilige Pfrie­
melei kann so nicht aufkommen. Zögern
verdirbt jeden Strich.

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Ich muss mich auf das große Ganze kon­


zentrieren. Augen zukneifen hilft dabei. So
kann ich das Zusammenwirken von Hell
und Dunkel gut einschätzen. Beide Zeich­
nungen demonstrieren, wie wichtig das
Sehen der Negativ­flächen ist, um die be­
leuchteten Partien des Motivs zum Leuch­
ten zu bringen.
Befreiend wirkt noch der Umstand, dass
ich in einem Skizzenbuch arbeite. Es muss
kein Bild werden, das gefangen hinter
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - Leiste
Passe­partout und Glas mit hübscher
gerahmt an der Wand hängen würde. Skiz­
zieren im Buch ist Zeichnen für den inti­
men Augenblick. So ist dieser »Sonntag­
morgen« entstanden. Ich weiß noch, wie
ich die Stille genoss. Ich rieche ihn, wenn
ich an ihn denke.

Skizzenbuch Handschuhsheim
Am frühen Morgen
Grafit
28. Juni 2015
18,5 x 26 cm

Skizzenbuch Davos
Monstein
Grafit
16. Oktober 2014
18,5 x 26 cm

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BLEISTI FT

Wenn es so ist, dass Zeichnen die Königsdisziplin der Kunst ist,


dann steht das Porträtieren in der Hierarchie der Künste darüber.
Ein Baum nimmt mir nicht übel, wenn ich einen Ast zugunsten
einer guten Komposition woanders platziere.
Eine Nase muss dort bleiben, wo sie angewachsen ist. Auch wenn
die Maßverhältnisse in Gesichtern einer universalen Regel folgen,
so liegt die Erkennbarkeit in Porträts individueller Personen in
den Abweichungen im Millimeterbereich. Nicht selten ist sie ab­
hängig von einem winzigen Strich. »Life drawing« nennt man im
Englischen das Aktzeichnen. Auch Porträtieren ist für mich Zeich­
nen vor dem lebendigen, dreidimensionalen Gegenüber.
Wenn es mir - orderid - exl37162375-3960880871
gelingt, ein Porträt zu zeichnen, das mit wenigen - transid - exl37162375-3960880871 -
Strichen eine Persönlichkeit, einen augenblicklichen Gemütszu­
stand, ein Wesen widerspiegelt, wenn meine Anspannung von
mir gefallen ist und die porträtierte Person sich in der Zeichnung
wiederfindet, dann ist es ein mit nichts zu vergleichendes Glücks­
gefühl.
Ein ideales Medium für das Porträtzeichnen sind Bleistifte oder
Vollgrafitstifte weichster Sorten. Sie gleiten ohne hemmenden
Druck über das Papier und sie spendieren ein breites Spektrum
an Grautönen.

Walter, Johanna, Mohammed


und Ludwig
Porträts aus verschiedenen Skiz-
zenbüchern und auf Einzelblättern
mit Bleistiften unterschied­l icher
Härtegrade gezeichnet

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AQUARELLBLEISTI FT

Aquarellbleistifte sind wunderbare Zeichengeräte, die sich leicht


zum Lavieren anlösen lassen. Um das Grafit der Stifte vermalbar
zu machen, wird dem mit fetthaltigen Substanzen vermischten
Mineral ein Emulgator zugesetzt.
Zum Lavieren verwende ich meist einen harten, gestutzten
Borstenpinsel. Nur leicht angefeuchtet erzeugt er zusätzliche
schraffurähnliche Wirkungen. Dadurch bekommt die Zeichnung
mehr Dynamik und wird durch die größere Dichte der Grautöne
kontrastreicher. Die feineren Haare des Aquarellpinsels benutze
ich dann zum Lavieren, wenn ich auf kleineren Formaten weiche,
geschlossene Grautöne oder größere Präzision erzielen will.
- orderid von
Da die Aquarellbleistifte - exl37162375-3960880871
zahlreichen Herstellern angeboten - transid - exl37162375-3960880871 -
werden, variieren auch die Begriffe. Die gebräuchlichste Bezeich­
nung ist Graphite Aquarelle. Ich bevorzuge auch bei diesen Stif­
ten die weichen Härtegrade. Experimentieren Sie mit ihnen, auch
auf unterschiedlichen Papiersorten. Diese Technik ist eine sehr
gut geeignete Vorbereitung auf das Aquarellieren mit Farben.

Das »Paradies« an der Bueges


Grafit, mit einem Borstenpinsel
vermalt (laviert) auf einem leicht
strukturierten Aquarellkarton,
250 g/m² (siehe Ausschnitte)
27. Mai 2000
73 x 51 cm

Die Ausschnitte zeigen lavierte


Partien aus der Zeichnung.

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Das »Paradies« an der Bueges, Cevennen


Grafit, mit einem Borstenpinsel vermalt (laviert) auf einem leicht strukturierten Aquarellkarton,
250 gr/m² (siehe Ausschnitte)
27. Mai 2000
73 x 51 cm

- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -


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AQUARELLBLEISTI FT

Dieser Eukalyptusbaum ist mir ans


- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
Herz gewachsen. Mit seinen ausla­
denden Ästen füllt er vollständig eine
kleine Talsenke aus, die mit schwarzem
Lapillikies bedeckt ist. Kühlender Schat­
ten legt sich auf den Teppich der abge­
worfenen lanzettförmigen Blätter. Die
reiche Palette der graufarbenen Rinde,
die sich ständig häutet, verströmt ein
mildes Licht. Kraftvoll balanciert der
muskulöse Stamm das kelchartige
Rund der Äste. Ein wunderbares Stück
Natur! Ein Prachtexemplar, vollkom­
men proportioniert, an einem stillen,
aber nicht sicheren Platz. Deutlich sind
die Axthiebe zu sehen, mit denen der
Baum malträtiert wurde. Heute steht
er als Dekoration auf dem riesigen
Grundstück einer Bodega, für die das
schmale Tal ausgebaggert wurde.

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Skizzenbuch Lanzarote
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - Geria
Eukalyptusbaum an der
Aquarellbleistift, laviert und
­Aquarell auf Recyclingpapier
8. März 1994
25 x 20,5 cm

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FA R B ST I F T

Bei größeren Papierformaten neh­


me ich gerne einen ausdrucksstar­
ken schwarzen Farbstift, dessen
Mine 10 mm dick ist. Die Kreide
dieses Stiftes lässt sich hervorra­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
gend vermalen. Wie beim Aquarell­
bleistift verwende ich verschieden
große und harte Borstenpinsel, die
ich nur leicht mit Wasser ­benetze.
Mit einem trockenen Lappen kann
ich den Feuchtigkeitsgrad der Pinsel
gut kontrollieren. Je nach Wasser­
gehalt des Pinsels verwischen die
Pigmente des Farbstiftes malerisch
fließend, transparent ineinander­
laufend oder in dunklen Streifen.
So entstehen interessante Struk­
turen und eine reiche Palette an
Grautönen. Außerdem bekommt
die Zeichnung eine plastische Mo­
dulation und eine stimmungsvolle
Licht-Schatten-Wirkung.
Die hier abgebildete Arbeit habe ich
auf einer Feldstaffelei gezeichnet.

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- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871


Die Salmer Weide -
wasservermalbarer Farbstift
18. Juni 1994
70 x 100 cm

Der Ausschnitt zeigt deutlich


die Spuren des leicht feuchten
­Borstenpinsels, der die Farbkreide
verwischt.

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FA R B ST I F T

Farbstifte können schön mit dem Grafit von Bleistiften verwoben


werden. Auf die ausgewogene Verwendung beider Stifte kommt
es an. Wenn man wie hier Wert auf feine Nuancen legt, dann sind
Farbstifte der härteren Sorten und nicht zu weiche Bleistifte am
geeignetsten. Zumindest sollten sie gut gespitzt sein. Sie finden
bestimmt welche in Ihrer Buntstiftkiste. Wichtig ist, dass Sie die
Schraffuren nicht mit zu starkem Druck anlegen, weil sonst unan­
genehme Gräben im Papier zurückbleiben. Ein billiger Schulzei­
chenblock ist nicht geeignet. Beginnen Sie mit zart aufgetragenen
Schraffurlagen und legen Sie mit Geduld immer neue Schichten
darüber. Behalten Sie das ganze Blatt im Auge. Wichtig ist dabei,
dass Sie die-nächstfolgende
orderid - exl37162375-3960880871
Schraffur­lage in einem ­flachen Win­ - transid - exl37162375-3960880871 -
kel zur vorigen auflegen. So wird es Ihnen gelingen.

Jandia
Grafit und Farbstift
1982
21 x 29 cm

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FA R B ST I F T

Farbstifte gehören nicht zu den


Stiften, zu denen ich zuerst grei­
fen würde, wenn ich mit Skizzen­
büchern unterwegs bin. Vermutlich
wittere ich die Gefahr, dass bei mei­
ner Art, Landschaften zu zeichnen,
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
farbige Zeichnungen zu gefällig
werden können.
Trotzdem gibt es Motive, wie in
der Fotografie, deren Bildwirkung
von Farben bestimmt ist. So war es
an dieser Steilküste. Ich wollte die
herbstliche Stimmung einfangen
und hatte alle Zeit der Welt mich
den Details zu widmen.
Mit Bleistift zeichnete ich vor,
begann mit Schattenflächen die
Felsen zu formen und erst danach
legte ich schraffierte Schichten mit
Farb­stiften darüber. Mit ihnen ver­
mischte sich der Grafit und nahm
etwas von deren Leuchtkraft. Deck­
weiß verwendete ich zuletzt, um
einige Partien der Zeichnung besser
hervorzuheben.

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Skizzenbuch Ile de Groix


Beg Melen
Grafit, Farbstift, Aquarell,
Deckweiß
21. August 1995
25 x 20,5 cm

- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

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FA R B ST I F T

Seit 1989 dokumentiere ich in die­


sem Skizzenbuch, was auf unserem
Balkon kreucht und fleucht. Der
von meiner Frau liebevoll gepflegte
Kübelgarten lockt an, was wächst,
krabbeln und fliegen kann. Über
100 Tierarten, vom Totengräber bis
zur Schwanzmeise, wurden bisher
von der Pflanzenvielfalt angezogen.
Für Generationen von Mauerbie­
nen ist dieser Balkon zur Heimat
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
geworden. Schon bei den ersten
warmen Sonnenstrahlen Ende
­Februar prüfen sie den Zustand der
angebotenen Bohrlöcher. Nach der
Hochzeit mit den kleineren Männ­
chen polstern die Bürstensamm­
lerinnen zuerst die Brutzellen mit
einem Pollenpaket aus, kleben ein
Ei darauf, lassen für die Made etwas
Platz zum Fettwerden und mauern
die Brutzelle zu.

Die Dusche im Garten


Farbstift und Bleistift
1986
42 x 57 cm

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Skizzenbuch Balkon
Bleistift, Farbstift, Aquarell
4. September 1991
21 x 29,5 cm

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FA R B ST I F T

Striche, Schraffuren, helle oder dunklere Tonwerte entstehen bei


der Verwendung von Farbstiften auf ähnliche Weise wie bei einer
Arbeit mit Grafit. Während in der Malerei in der Regel Farben auf
der Palette oder im Deckel eines Aquarellkastens miteinander
vermischt werden, entsteht die Mischung in einer solchen Zeich­
nung erst durch das Verweben einzelner farbiger Strichlagen auf
dem Papier. Geschieht es auf weißem Untergrund, verstärkt es
die Leuchtkraft der Farbstifte.

Farbstiftzeichnungen beginne ich


mit möglichst lockerer Hand und
- orderid - exl37162375-3960880871
vermeide allzu großen Druck. Dies - transid - exl37162375-3960880871 -
garantiert ganz von allein größere
Spontaneität und damit Ausdrucks­
kraft jeder einzelnen Linie.
Es ist sinnvoll, mit den hellsten
Farben zu beginnen, um auf ihnen
nach und nach die nächst dunkle­
ren Strichlagen aufzulegen. Wenn
ich eine Zeichnung an allen Stellen
gleichmäßig vorantreibe, behalte
ich die Kontrolle über den Gesamt­
eindruck. »Festbeißen« an einem
Detail führt zwangsläufig dazu, an­
dere Bereiche anpassen zu müssen.
Der hier verwendete Farbstift ist
wasserlöslich und sehr ergiebig. Mit
einem nur wenig feuchten, flachen
Borstenpinsel habe ich einzelne
Areale der Zeichnung laviert.

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Für Zeichnungen wie die hier ab­


gebildete benutze ich große Bögen
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - der Rolle.
oder schneide sie mir von
Das Papier muss von guter Quali­
tät, säurefrei, gut geleimt sein und
mindestens eine Grammatur von
200 g/m² haben. Auf einem solchen
Papier lassen sich zu dick aufge­
tragene Farbschichten auch mal
wieder abschaben. Auch das Hin­
einkratzen weißer Linien mit einem
runden und scharfen Skalpellmes­
ser hält solch ein Papier gut aus.

Salmer Weide
vermalbarer Farbstift 10 mm stark,
laviert
4. Juli 1994
90 x 129 cm

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WAC H S M A L B LO C K

Eine Alternative zu in Holz gefassten


Bleistiften oder zu den sogenannten
Vollgrafitstiften, die eine runde oder
sechskantige Form haben, sind vier­
kantige Wachsmalblöcke. Sensibel
angewandt ist das Ergebnis von einer
Grafitfläche kaum zu unterscheiden.
Mit zunehmendem Druck wird der
Pigmentauftrag der Wachsfarben
­deckender. Der Wachsfilm sorgt für ei­
nen seidigen Glanz. Gute Erfahrungen
habe ich mit- orderid
Blöcken aus-ungiftigem
exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
reinem Bienenwachs gemacht, die in
einem Farbsortiment gerne für Kinder
gekauft werden.
Nachteil und Vorteil der Wachsfarben
ist: Sie können nicht radiert werden.
Allenfalls lassen sich zu dick aufgetra­
gene Wachsschichten mit einem run­
den, skalpellartigen Messer oder einer
Rasierklinge wieder abtragen.

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Natürlich arbeitet es sich mit Grafit­


stäbchen oder Wachsmalblöcken am
einfachsten auf großem Papier. Mit
»grobem« Werkzeug auf kleinem For­
mat zu arbeiten hat dagegen einen
nicht zu unterschätzenden Vorteil:
Es besteht gar keine Gefahr, sich in
Einzelheiten zu verlieren. Sie bleiben
großzügig und spontan.

Skizzenbuch Bad Reichenhall


- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
Predigtstuhl und Wappachklamm
Wachsmalblock aus Bienenwachs
6. und 7. Juni 2013
18,5 x 26 cm

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Z E I C H E N KO H L E

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Mit einem Stück Holzkohle haben die Menschen der Urzeit ihre
ersten Zeichenversuche unternommen. Daraus entwickelten sich
erstaunliche Höhlenmalereien. Bis heute hat dieses archaische
Zeicheninstrument nichts an Attraktivität verloren, obwohl ihm
inzwischen eine unüberschaubare Konkurrenz an Stiften erwach­
sen ist. Das hat seinen Grund: Wer zum ersten Mal eine Zeichen­
kohle in der Hand hält, spürt das Besondere. Sie ist oft krumm
gewachsen, federleicht und will behandelt werden wie ein rohes
Ei. Der geringste Druck hinterlässt feine Spuren. Mit einem sanf­
ten, kreidigen Geräusch gleitet sie über das Papier. Ein schönes
Gefühl. Es versöhnt mit den Nachteilen: Die Partikel der Zeichen­
kohle haften unvollkommen auf dem Papier und müssen mit
einem Fixativspray gebändigt werden. Ist man unterwegs, ist die
Handhabung und Aufbewahrung von Kohlezeichnungen etwas
Alte Hürde auf der Salmer Weide unpraktisch. Aber was bekommt man dafür? Eine große Palette
Zeichenkohle satt deckender bis seidenweicher Striche, durchsichtige, mit dem
17. August 1993 Finger oder mit dem Papierwischer verriebene Flächen und einen
29 x 24 cm sympathischen anthrazitfarbenen Ton.

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Bäume auf der Salmer Weide


Zeichenkohle
23. August 1993
35 x 32 cm

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Z E I C H E N KO H L E

Warum nicht die Staffelei mitten im Wald aufstellen? Für mich jedenfalls
war es ein besonderes Erlebnis. Ruhe, nur die waldtypischen Geräusche
sorgten für ein entspanntes Zeichnen. Eine nicht zu stark strukturierte Lein­
wand auf einen Keilrahmen gespannt bildete einen relativ stabilen Unter­
grund. Gezeichnet habe ich mit einer feinen Zeichenkohle, die aus Weiden­
ruten hergestellt wurde.
Einen Papierwischer, auch Estompen genannt, und einen Knetradiergummi
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
benutzte ich zum Wischen und Radieren.

Waldstücke 1 und 2
Kohle auf Leinwand
16. bis 20. Juli 2010
100 x 100 cm

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RÖTEL

Das Mineral Rötel (auch roter Ocker genannt) wird seit Urzeiten
als Mal- und Zeichenmaterial verwendet. Die Geschichte der
Zeichenkunst wäre ohne die vielen wunderbaren Rötelzeich­
nungen erheblich ärmer. Leider ist die Verwendung der
Rötelkreide etwas zurückgegangen. Vielleicht hängt
es damit zusammen, dass Arbeiten in dieser Technik
stark mit historischen Zeichnungen assoziiert wer­
den. Das würde dieser wunderbaren Naturkreide
nicht gerecht werden. Immerhin lieben viele
Aktzeichner den schönen warmen Ton auch des­
wegen, weil er der Hautfarbe sehr ähnlich ist.
- orderid
Um auf großem - exl37162375-3960880871
Papierformat in der Natur zu - transid - exl37162375-3960880871 -
zeichnen, braucht es eine feste Unterlage.
Ein nicht allzu schweres Sperrholzbrett
kann überallhin mitgenommen oder vor
Ort besorgt werden. Es gibt sehr leichte
Staffeleien, die in jeden Koffer passen.
Die Zeichnung des Baumes entstand in
einem Olivenhain auf Mallorca. Das
Brett habe ich gegen eine Mauer
gelehnt und das Blatt mit Klam­
mern daran fixiert.

Ursel am Cabo Formentor, Olivenbaum bei Orient, Mallorca


Mallorca Rötel, laviert mit einem
Rötel Borstenpinsel und Wasser
28. Februar 1998 2015
30 x 41 cm 70 x 50 cm

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M E TA L L F E D E R

Die Variationsbreite, die eine Eine Federzeichnung stellt verwenden, zum Beispiel den Gräserstudie
Metallfeder in einem einzigen man sich mit schwarzer Tusche schönen Sepiaton oder Bister, Tusche und Metallfeder
Strich zeigen kann, ist enorm! gezeichnet vor. Doch genauso einen braunen Farbton, der aus 1993
Je nach Druck und Lage der Fe­ gut kann man andere Farben Ruß gewonnen wird. 29 x 42 cm
der lassen sich feinste bis sehr
breite Striche erzeugen.
Wer gerne spontan zeichnet,
sich über die eingeschränkte
- orderid
Kontrolle, über - exl37162375-3960880871 -
gelegentliche transid - exl37162375-3960880871 -
Kleckse oder plötzliches Abrei­
ßen des Strichs hinwegsetzt,
für den ist die Federzeichnung
eine ideale Technik. Vorzeich­
nen ist ungünstig, wenn die
Unmittelbarkeit der Feder­
zeichnung voll zur Wirkung
kommen soll. Lieber ein nicht
ganz korrekt gezeichnetes De­
tail riskieren als mit gebrems­
tem Schwung zeichnen!

Skizzenbuch Salm
Links plätschert der Brunnen …
Tusche und Metallfeder
19. Juli 1996
18,5 x 26 cm

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ROHRFEDER

Neben industriell gefertigten


Federn aus Metall gibt es solche
aus Naturmaterial. Die heute
übliche Rohrfeder besteht aus
einem Bambusstab. Früher
wurde sie aus einem Schilfrohr
geschnitten.
Künstler schätzen an der Rohr­
- orderid
feder die Möglichkeit, - exl37162375-3960880871
kraftvoll - transid - exl37162375-3960880871 -
und variationsreich zeichnen zu
können. Für zögerliches, fein­
motorisches Zeichnen ist sie
ungeeignet.
Strichcharakter und Fließge­
schwindigkeit hängen vom
Durchmesser des Rohres und
von dessen Schnittform ab. Je
nach Tintenreservoir kann die
Rohrfeder grafisch deckende
bis zart durchscheinende Linien
hervorbringen.
Probieren Sie verschiedene röh­
renartige Pflanzen aus. Auch
mit einem in Tusche getauchten
Holzspan oder mit einer Wei­
denrute lässt es sich wunderbar
zeichnen!

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Wenn Sie auch noch die Tin­


te selbst herstellen wollen,
dann darf ich Ihnen ein Buch
empfehlen, in dem dies fach­
gerecht beschrieben ist: ­Walter
Koschatzky, Die Kunst der
Zeichnung.
Rohr- bzw. Bambusfedern sind
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871
fertig zugeschnitten- im Handel
erhältlich. Sie selbst herzustel­
len ist nicht schwer. Anleitun­
gen gibt es im Internet. Eine
neue Rohrfeder muss sich erst
einmal mit Tinte vollsaugen.
Dann entwickelt sie ihre Qua­
litäten. Nach Gebrauch sollte
sie gereinigt werden. Danach
haftet die Tusche wieder bes­
ser am Holz.

Skizzenbuch Alb
Kieferruinen auf dem Hörnle
Rohrfeder und Metallfeder,
Tempera, mit Deckweiß gehöht
13. August 1992
25 x 20,5 cm

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KIELFEDER

Vom Mittelalter bis zur industriell gefertigten Stahlfeder im


19. Jahrhundert war der Gänsekiel das gebräuchlichste Schreib-
und Zeichengerät. Er ist flexibler als die nahezu starre Rohrfeder
aus Bambus. Andere Vogelfedern wie die abgestoßene Hand­
schwinge einer Möwe oder einer Krähe, selbst eine Flaumfeder
eignen sich prima zum Zeichnen. Dass sie schwer zu kontrollieren
sind, ist ein Vorteil! Dies lädt zum spontanen Zeichnen ein, was
keiner Zeichnung schadet.
Die Skizzen zeigen, wie durch den ausgesparten Papiergrund For­
men definiert werden. Die bewusste Anwendung dieses Prinzips
von aktiv gezeichneter und passiv entstandener Form ist für das
Zeichnen, das- orderid
Aquarellieren- exl37162375-3960880871
und die Malerei insgesamt von gro­ - transid - exl37162375-3960880871 -
ßer Bedeutung!

Bäume sind für mich zeichnerische


Leckerbissen. Ihre unerschöpfliche
Formenvielfalt gibt mir eine Fülle
von Ausdrucksmöglichkeiten. Die
Drehung des Stammes, die per­
spektivische Lage der Äste, deren
Verkürzung oder das Licht- und
Schattenspiel am Stamm sind
Übungen, die einer kraftvollen
Zeichentechnik wie dieser voraus­
gehen sollten. Dann ist die Chance,
dass die Zeichnung geradezu aus
einem herausstürzt, sehr groß. Den
Federkiel eines Gänsegeiers, den
ich für diese Skizzen benutzte, fand
ich in den Pyrenäen.

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- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

Salmer Weide
Neun Studien mit dem Federkiel
eines Gänsegeiers
Tusche
23. Juni 1997
Jeweils 24 x 34 cm

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PINSELSCHREIBER

Das interessanteste neuartige


­Zeichengerät, das mir seit der
Ersterscheinung dieses Buches in
die Hände kam, ist ein sogenannter
­Pocket Brush Pen. Auf den ersten
Blick ähnelt er einem Pinselmar­
ker. Aber im Gegensatz zu dessen
kompakter, je nach Fabrikat un­
terschiedlich weicher Spitze be­
steht dieser Pinsel aus einzelnen
Nylon­haaren. Mit ihnen lassen sich
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
superfeine Linien ziehen, seitlich
angelegt flächig arbeiten und sogar
ziemlich robust schrubben. Aus
einer frisch eingesetzten Patrone
fließt eine tiefschwarze, wasser­
feste Tinte, womit wohl Lichtecht­
heit garantiert wird.

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Seine eigentliche Stärke entwickelt


der Pinsel, wenn die Haare leicht
trocken werden oder der Tusche­
vorrat in der Patrone zu Ende geht.
Dann entstehen Zwischentöne, die
an Kohlezeichnungen erinnern.
In der abgebildeten Arbeit vom
Neckarufer versuchte ich die Beson­
derheit des Pinsels für eine Laub­
struktur zu nutzen. Gleichzeitig
modellierte ich Laubgruppen und
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
Bäume mit unterschiedlichen Grau­
werten, um den Lichteinfall zeigen
zu können.
Die Zeichnung der Küste demons­
triert, wie variationsreich der
Pinsel­auftrag sein kann.

Bäume am Neckar
Pocket Brush Pen
2009
40 x 60 cm
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PINSELSCHREIBER

Zeichner wissen: Nicht jeder Tag ist


gleich. An manchen Tagen läuft es
wie geschmiert. An anderen hemmt
die kleinste Unsicherheit und ver­
dirbt jede einzelne Linie. Für den
­Pocket Brush Pen braucht es eine
gute Stimmung. Glück habe ich,
wenn die Skizzen einfach so aus der
Hand fließen. Trotzdem, der »Aus­
schuss« ist groß, vieles geht dane­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
ben. Manches wirkt unfertig. Um so
schöner ist es, wenn mit größtmög­
licher Reduktion maximale Wirkung
entsteht.
Anspruchsvoll sind schnelle und
ausdrucksstarke Skizzen von Men­
schen, besonders in Bewegung. Es
ist ein gutes Training für rasches
Wahrnehmen, der die Hand ohne
Zögern folgen sollte. An Modellen
ist kein Mangel. Ich nutze den Stift
gerne in Museen, auf einer Parkbank
sitzend oder am Flughafen, wenn
genug Zeit für ein paar Skizzen ist.
Je nach Glätte bzw. Strukturierung
des Papiers wirken die mit dem
­Pocket Brush Pen gezeichneten
­Linien und Flächen mal kreidig
weich, mal hart begrenzt.

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- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

Skizzenbuch Museen
Pocket Brush Pen
12. November 2015
14,5 x 20 cm

Alle anderen Zeichnungen


stammen aus unterschiedlichen
Skizzenbüchern.

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KUGELSCHREIBER

Skizzenbuch Salm
Katzenstudien
Kugelschreiber, laviert, teilweise Grafit
20. Juni 2013
18,5 x 26 cm
Ausschnitte

Als ABC-Schütze machte ich mit lange, bis ich ihn für mich, dann aber
einem quietschenden Griffel auf auch bei anderen Künstlern, als Zei­
der Schiefertafel meine Schreib­ chenwerkzeug entdeckte. Zu diesen
übungen. Den muffigen Geruch des gehört der Hamburger Illustrator,
- orderid
Schwamms kann - exl37162375-3960880871
ich nicht verges­ Grafiker und Zeichenlehrer Wilhelm - transid - exl37162375-3960880871 -
sen. Der Wechsel zur Metall­feder Martin Busch (1908 – 1987). Er war
und später zum Tintenfüller war es übrigens, der mich als Halbwüch­
begleitet von strengen Maßnahmen sigen entscheidend in meinem Be­
in der Schule und Ärger zu Hause. rufswunsch bestärkte. W. M. Busch
Blauverschmierte Fingerkuppen, liebte offenbar das pastenartige
vollgekleckste Hefte und heraus­ Schreibmedium dieses Massenpro­
gerissene Seiten waren die Folge. dukts. Viele Kugelschreiberzeichnun­
Der damals schon weit verbreitete gen hat er laviert und so raffinierte
Kugelschreiber hätte das Problem Hell-Dunkel-Wirkungen erzeugt.
gelöst. Doch er galt als Handschrif­ Seine Illustrationen finden sich in
tenkiller und durfte bei der Ranzen­ zahllosen Werken der Weltliteratur.
kontrolle nicht gefunden werden. Es lohnt sich, nach illustrierten Bü­
Beim Kugelschreiber dauerte es chern von ihm zu suchen.
Skizzenbuch Mix
Schlafender im IC bei KA
Kugelschreiber
22. September 1990
Ausschnitt

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- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

»Wrapped floors and stairways and covered windows«


von Christo und Jeanne-Claude. Gezeichnet im
­M useum Würth in Künzelsau. Zwei verhüllte Stühle
und ein Tisch in der Cafeteria.
Tintenroller
28. Juni 1995
Ausschnitte

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FA S E R S C H R E I B E R

Ich kann mich noch gut daran erin­ Papier arbeiten, stellt der Markt eine
nern, als der erste Faserschreiber auf Fülle unterschiedlichster Stifte zur
den Markt kam. Er war angenehm Verfügung. Runde, kantige, super­
schwer, die Tinte roch durchdrin­ feine, pinselartige oder mit Wasser
gend, und die verschieden geform­ anlösbare zum Lavieren – es lohnt
ten primitiven Filzeinsätze konnte ein gelegentlicher Gang in einen
man auswechseln, was tagelang Laden für Künstlerbedarf oder in
Spuren an den Fingern hinterließ. ein Schreibwarenladen, um neueste
Über Jahrzehnte war der Filzer, Entwicklungen auszuprobieren. Wer
später als Marker bezeichnete Stift nicht im Skizzenbuch, sondern auf
mit unterschiedlich geformten losen Blättern zeichnen möchte, die
- orderid
filzartigen Spitzen - exl37162375-3960880871
das bevorzugte möglicherweise mal gerahmt an ei­ - transid - exl37162375-3960880871 -
Entwurfsinstrument der Grafik­ ner Wand hängen werden, sollte auf
designer. Mittlerweile zeichnen sie die Bezeichnung »lichtecht« achten.
überwiegend mit Stiften, die auf Diese Studie ist mit einem nicht
einem digitalen Brett oder direkt lichtechten, nachfüllbaren Mar­
auf einem Monitor jeden beliebigen ker gezeichnet. Die tiefschwarze,
Stift in Form und Farbe nachahmen gleichmäßig dicke Linie ist nahezu
können. Zeichnern, die weiterhin auf wasserfest.

Das Baumhaus in der Bruchweide


Filzschreiber, ca. 3 mm stark
18. August 1991
42 x 57 cm

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TINTENROLLER

Selten zeichne ich mit dem Tin­


tenroller auf Blättern, die größer
als DIN A3 sind. Trotzdem macht
es Spaß, auch auf solchen Papier­
größen mit dem Stift zu fabulieren,
um sich dem freien Spiel der Linien
hinzugeben.

Scheunenreste in Salm
Tintenroller
20. August 1991
42 x 57 cm - orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

Skizzenbuch Sizilien
Dorische Säulen in der antiken
Stadt Solunto
Tintenroller
11. Mai 2013
14,5 x 20 cm

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Auf den Tintenroller braucht


man keinen Druck auszuüben.
Wie von selbst gibt er seine
Tinte ab. Hat der Stift ein
ordentliches Gewicht, geht
es noch leichter. Damit ist er
ideal für das Zeichnen unter­
wegs, besonders dann, wenn
es schnell gehen soll. Variabel
in der Strichstärke ist er nur,
wenn man versucht, die Spitze
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871
mit der Kugel etwas- flach auf­
zulegen.

Dem gemeinnützigen National Trust


in Großbritannien gehören nicht nur
Schlösser und Landhäuser berühm­
ter Persönlichkeiten. Als drittgröß­
ter Großgrundbesitzer nach Krone
und Staat pflegt er hunderte Kilo­
meter der schönsten Küstenpfade.
Einer davon ist der Coastal Path bei
Wembury in Devon. Ich habe ihn am
Abend gezeichnet.

Skizzenbuch Devon
Coastal Path bei Wembury
Tintenroller
26. Mai 1992
Ausschnitt

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TINTENROLLER

- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -


Solche Skizzen entstehen in weni­
gen Minuten. Zu schnell, um Hände
einigermaßen anatomisch richtig
zeichnen zu können – ­Situationen,
in denen ich bedaure, dass ich mir
nicht mehr Zeit zum Porträt- und
Aktzeichnen nahm. Überzeugend
gezeichnet werden diese schwieri­
gen Details nur, wenn man sich ein
Leben lang darin übt. Dann spei­
chern sich Erfahrungen ab, die man
abrufen kann, wenn das Modell
sich längst bewegt hat.

Skizzenbuch Lanzarote, Las Dunas


Tintenroller auf Recyclingpapier
10. März 1994
20,5 x 25 cm

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Skizzenbuch Prag
Miroslav Bilek im Jazz-Club
­Agartha, Prag
Tintenroller
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9. Februar 1995 -
15,5 x 20 cm

Skizzenbuch Mix
Der blinde Pianist Alain C
­ arnesecca
spielt Chopin im Deutsch-Amerika-
nischen Institut in Heidelberg
Tintenroller
7. Januar 1994
15 x 11 cm

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TINTENROLLER

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Skizzenbuch Toskana
Olivenhaine bei Nicosia und
­Klosterkirche von Sant‘ Agostino
di Nicosia, Toskana
Tintenroller auf Recyclingpapier
16. April 1995
25 x 20,5 cm

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Ursula B.
Tintenroller
2013
30 x 40 cm

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TINTENROLLER

Der leicht dahingleitende Tintenrol­


ler ist der beste Stift für schnelles
Skizzieren. Deshalb nutze ich ihn,
um mir in Vorlesungen oder Vor­
trägen zeichnerische Notizen zu
machen.
Während im hellen Hörsaal die
Studierenden und der Literatur­
wissenschaftler an ihrem Platz
bleiben, ist das Zeichnen in einem
Vortrag eines Kunsthistorikers et­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
was schwieriger. Hier waren es die
rasch aufeinanderfolgenden, an die
Wand projizierten Kunstwerke, die
ich als Erinnerungsstütze skizzieren
wollte.

Skizzenbuch Uni Heidelberg


Prof. Borchmeyer liest über Faust,
Prof. Belting über das Meisterwerk
Tintenroller auf Recyclingpapier
5. und 12. November 1996
15 x 11 cm

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Skizzenbuch Südengland
Julia in Knighthayes Gardens,
­Devon
Tintenroller, Aquarell
22. Juli 1994
29,5 x 21 cm

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TINTENROLLER

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Wenn ich mit dem Skizzenbuch unterwegs bin, sollen natürlich auch die Skizzenbuch Ile de Groix
Tiere, die mir begegnen, Teil meines zeichnerischen Tagebuches werden. Rüsselkäfer und Krabbe
Sie quicklebendig zu zeichnen ist nicht einfach. Ich studiere gerne zuerst Tintenroller auf Recyclingpapier
die Details, um dann nach und nach die ganze Form in den Griff zu 10. und 11. August 1992
bekommen. Daraus ergibt sich die Fähigkeit, ein Tier fertig zu 20 x 15 cm
zeichnen, auch wenn es eine andere Position eingenommen hat.
Den munteren Rüsselkäfer hielt ich auf meinem Zeichentisch eine Zeit
lang gefangen und auch die angriffslustige Schwimmkrabbe musste ich
mir in einem Glas mit Wasser genauer ansehen.

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Skizzenbuch Sardinien
Frösche, Eidechsen und Fliege
Tintenroller, Aquarell
10. August 2008
23,5 x 17 cm
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TINTENROLLER

Nichts ist zu banal, um nicht


als Zeichenobjekt dienen zu
können. Ein trockenes Blätt­
chen, halb zerfallen und ein­
gerollt, kann eine interessante
zeichnerische Erfahrung sein.
Herausgelöst aus dem Fundort
und zu Papier gebracht, wird
ein »hässliches« Stück Natur
zu einer reizvollen ästheti­
schen Gestalt.
- orderid
Ein Tipp: Zeichnen - exl37162375-3960880871
Sie diesel­ - transid - exl37162375-3960880871 -
ben Dinge in Variationen, im­
mer wieder, von allen Seiten,
versuchen Sie es bei unter­
schiedlicher Beleuchtung und
in anderen Techniken. Der Ge­
winn an Erfahrungen ist groß!

Skizzenbuch Pyrenäen
Birnen-, Brombeer- und andere
Blätter im Park von Chateau
d’Estrac
Tintenroller, Aquarell
5. August 1993
25 x 20,5 cm

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Skizzenbuch Heidelberg
Trockene Blätter der Birnenfeige
Bleistift
2002
Ausschnitt

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LINIE

Setzen Selbstzweifel in der Pubertät ein, haben Schulen die Auf­


gabe, die Kinder an diesem kritischen Punkt ihrer Entwicklung
abzuholen und sie nicht mit ihren bildnerischen, insbesondere
technischen Problemen alleinzulassen. Wird ihnen etwas ande­
res vermittelt als das, was sie brauchen, werden sie den Stift für
immer aus der Hand legen. Zu beobachten ist jedenfalls, dass in
dieser Phase die mutig gezogene Linie verloren geht. Die Kluft
zwischen dem, was Heranwachsende wollen und dem, was sie
Manchmal finde ich meine Linie zum Gähnen langweilig. Immer können, ist hier gut zu beobachten. Die Angst zu scheitern ist
derselbe Strich, stets dasselbe Gekritzel! Das passiert mir beson­ groß. Unentschlossene kurzatmige Striche und Linienbündel,
ders dann, wenn ich Arbeiten von Kollegen sehe, deren zeichne­ Wollfäden gleich, treten an die Stelle selbstbewusst gezogener
- orderid - exl37162375-3960880871
rische Handschrift mich beeindruckt. Versuche ich meinen Strich - transid
Linien. - exl37162375-3960880871 -
zu ändern, falle ich in den alten Trott zurück. So bleibe ich meiner Das dauert so lange, bis durch Übung und Ausdauer, vielleicht
Linie treu, ob ich will oder nicht. auch durch Impulse von außen, die Blockaden beiseite geräumt
Ein Zeichenstil ist mit einer Person so verknüpft wie die Hand­ werden. Dann stellen sich wieder zufriedenstellende Ergebnisse
schrift und wird sich ein Leben lang nur wenig verändern. ein, in deren Folge die Motivation und der Spaß am Zeichnen wie­
­Albrecht Dürers Zeichnungen erkennt man auf Anhieb. Die spezi­ der Auftrieb bekommen können.
elle Art, wie er konzentriert Liniennetze formte, unterscheidet ihn
auch von seinen Zeitgenossen. Die vibrierenden Rohrfederzeich­
nungen eines van Gogh sind so beispiellos wie die wirre Strich­
kultur des Zeichners Alfred Kubin.
An der Charakteristik einer zeichnerischen Handschrift wird auch
der fortschreitende Reifungsprozess nichts ändern. Was sich
ändern kann, ist die Treffsicherheit einer Linie und mit welchem
Selbstbewusstsein sie gesetzt ist.
Kinder haben damit bis zur einsetzenden Pubertät keine Proble­
me. Ihre Zeichnungen strotzen vor Selbstbewusstsein. An ihren Oben links: Albrecht Rissler
Strichen ist kein Zögern zu erkennen. Beneidenswert treffsicher ­gezeichnet von dem Maler Lutz
vermögen sie in einer Art Kurzschrift ihrer Phantasie Ausdruck Heyder, links von der 4-jährigen
zu geben. Julia

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Skizzenbuch Mix
Lutz Heyder lithografiert
in Eichtersheim
Tintenroller
22. Juni 1991
31 x 25,5 cm

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LINIE

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Wie unterschiedlich zeichnerische


Handschriften sind, zeigen auch die
Beispiele auf dieser Doppelseite.

Links: Der Künstler Dik J­ üngling,


der Student Christian Wassner und
die Kursteilnehmerin Manuela B.,
gezeichnet vom Autor

Rechte Seite: Albrecht Rissler,


­gezeichnet von dem Studenten
­Rainer Lieser und den Studentin-
nen Matzi Theisen und Susann
Stoebe

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LINIE

Für diese Skizze blieb nicht viel


Zeit. Das Boot für die Überfahrt
zu einem der Kraterinselchen in
der riesigen Caldera von Santorin
wartete. Gerne hätte ich mit noch
dunkleren Schraffuren den Unter­
schied zwischen dem grellen Weiß
der Häuser und den tiefen Schatten
herausgearbeitet. Später fügte ich
Deckweiß hinzu, um die Kontras­
te noch etwas zu steigern. Damit
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
kann man auf dem Grundton eines
­Recyclingpapiers rasch mediter­rane
Atmosphäre schaffen.

Skizzenbuch Santorin
Therasia
Tintenroller auf Recyclingpapier
13. September 1992
28 x 24 cm

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Nächste Doppelseite:
Skizzenbuch Plymouth
Coastal Path near Wembury
Tintenroller
3. Juni 1992
30 x 25 cm

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KO LUM N E N T I T E L

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STRUKTUR UN D SCH RAFFUR

Schraffuren ignorieren die Beschaffenheit von Oberflächen, wäh­


rend Strukturen die Stofflichkeit herausarbeiten. Dreidimensiona­
lität erreicht man trotzdem, wenn die Begrenzungen der Flächen
den Körper formen (siehe Schulter bei der Katzenstudie links).
Ich habe mir angewöhnt, die einzelnen Schraffurnetze in einem
flachen Winkel übereinanderzulegen. So vermeide ich technisch
wirkende Kreuzschraffuren. Die beiden grundlegenden Möglich­
keiten der Flächenbearbeitung, Schraffur und Struktur, lassen
sich gut miteinander verbinden. Sinnvoll ist es, zuerst mit einer
Struktur zu beginnen, um dann mit einer darübergezogenen
Schraffur rascher dunklere Grauwerte zu erzielen. Dabei geht
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871
die darunterliegende Struktur nicht verloren. -

Dichte Strichlagen kehren das Verhältnis von Papier und Linie um, wenn
die noch offenen weißen Stellen zu einer Art negativem Raster werden, das
sehr interessant sein kann. Vollkommen schwarze Flächen in Schraffuren
wirken dagegen wie Löcher.

Skizzenbuch Lanzarote
5 x Patufeta
Tintenroller
19. Juni 1991
21 x 16,5 cm

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Die Wasserspitzmaus ist eine 1984 entstandene,


kleinformatige Auftragsarbeit für die Zeitschrift
»natur«. Sie ist mit einer Fellstruktur dargestellt,
die sich deutlich von den Schraffuren bei den
Katzenstudien unterscheidet.
Strukturen erfordern ein hohes Maß an Konzen­
tration, zumindest so lange, bis man die Be­
schaffenheit einer Oberfläche verstanden und
dafür den richtigen Duktus gefunden hat.
Die Haare der Maus sind mit einem Tuschefüller
gezeichnet. Das hervortretende Becken des Tie­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - Haare,
res lässt das Fell kreisförmig abstehen.
die direkt zum Betrachter hin ausgerichtet sind,
werden als Punkte, dann zunehmend als länger
werdende Striche dargestellt. Das habe ich von
Albrecht Dürer gelernt. Wer die Katze im Kupfer­
stich Adam und Eva (1504) kennt, wird das Vor­
bild dort finden. ln einer bestimmten Lernphase
– die nie endet – war Dürer ein wichtiger Lehr­
meister für mich. Nicht nur seine Zeichnungen
und Kupferstiche, auch seine Holzschnitte gaben
mir wichtige Impulse!

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STRUKTUR UN D SCH RAFFUR

Imerovigli klebt wie ein abgebröckeltes


Schwalbennest an der 300 Meter hohen
Innenwand des Kraters von Santorin. Seit
dem Erdbeben von 1956 sind immer noch
Teile des Ortes zerstört. Schaudernd und
doch lustvoll stocherte ich zeichnend in
den Trümmern, schraffierte um Büsche
und Lavabrocken und hielt den Weg frei,
der zum Horizont mäandert.

Skizzenbuch Santorin
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Imerovigli (Ausschnitt) -
Tintenroller
9. September 1992
28 x 24 cm

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Ausschnitte aus verschiedenen


Studien, die mit einer Kombination
von Strukturen und Schraffuren
gezeichnet wurden:
Distel (Tusche und Metallfeder),
Lavastein (Tintenroller), Apfel-
baum und Hecke (Tintenroller),
Meer ­(Fineliner)

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Es ist nützlich, sich die Beschaffenheit von Oberflächen unter­


schiedlicher Materialen genauer anzuschauen und sie zeichne­
risch festzuhalten. Und dies natürlich direkt vor dem dreidimen­
sionalen Objekt, so präzise und so oft wie möglich. Dies hat den
Effekt, dass das Gehirn eine Art Katalog anlegt, der auf Abruf
bereitliegt, wenn in flott gezeichneten Kürzeln skizziert wird und
sie wie von selbst aus der Hand fließen. Entweder man integriert
diese Strukturübungen immer wieder mal in einem Reiseskizzen­
buch oder legt dafür ein eigenes Musterbuch an. Es lohnt sich.
Schauen Sie sich um: Viele Materialien gibt es in greifbarer Nähe.
Holz, Steine, Tierfelle, Leder, Blätter, Korbtaschen, Putz, Gräser,
Mauern, Stoffe, Haut. Dreidimensional. Das fördert das räumliche
Vorstellungsvermögen. Das Abzeichnen solcher Materialien von
Fotos leistet dies nicht!

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STRUKTUR UN D SCH RAFFUR

Mit dem französischen Begriff »ligne claire«


bezeichnet man eine Art des Zeichnens, die mit
klarer Linie Motive beschreibt. Es ist eine Stil­
richtung, die vor allem durch Werke von Comic­
zeichnern wie Hergé (Tim und Struppi) bekannt
geworden ist. Diese Zeichentechnik verzichtet
weitgehend auf Schraffuren und Tonwerte.
Licht- und Schattenwirkungen werden in der
Regel durch homogene Farbflächen erreicht.
Ganz anders sind Zeichnungen aufgebaut, die
den Strukturen der Motive nachspüren. Sie
erzählen von- orderid - exl37162375-3960880871
der Charakteristik unterschied­ - transid - exl37162375-3960880871 -
lich beschaffener Oberflächen, die in Kontrast
zueinander gesetzt sind. Durch verdichtete
und weitmaschige Strukturen wird die Körper­
haftigkeit von Objekten oder ein Lichteinfall
sichtbar.

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Ich genieße dieses »Stochern« im Gebüsch. Es hat me­


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ditative Züge. Es ist anstrengend und beruhigend zu­
gleich. Den Stift halte ich so, als würde er mir in jedem
Moment aus den Fingern gleiten. Druck ist nicht nötig.
Ganz locker muss er über das Papier tanzen können. Da
und dort darf er unbändig sein, an anderen Stellen will
ich das Beobachtete genauer formulieren. Wenn mal
ein Strich danebengeht, dann mach ich was draus. Ich
will ein Bild machen, kein Abbild. Dafür würde ein Foto
genügen. Diese Art des Zeichnens braucht ständige
Praxis und eine ausdauernde Sehschule. Ich versuche
deshalb immer ein Skizzenbuch dabeizuhaben, auch
dann, wenn ich mir nur ein wenig die Füße vertreten
will. Man weiß ja nie ...

Heidelberger Skizzenbücher
Aussichten vom Mönchbergweg
Tintenroller
26. September 2015
14,5 x 20 cm

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STRUKTUR UN D SCH RAFFUR

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Mit dem Pocket Brush Pen zeichnet es sich, als würde man mit
dem kleinen fasrigen Pinselchen kalligrafisch schreiben. Mit
feinster Linie setzt es an und je nach Druck lassen sich seitlich
angelegt variationsreiche Striche ziehen. Eben so, wie man zum
Beispiel die schöne japanische Schrift pinselt.

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Skizzenbuch Ile de Groix


Pen Men mit Leuchtturm und
Nebelhornhaus
Pocket Brush Pen
15. und 19. August 1995
24,5 x 20,5 cm

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Erfahrungen, die man in der Natur


mit Strukturen, Schraffuren oder
Texturen macht, helfen, richtige
Entscheidungen zu treffen, wenn
im Atelier auf größeren Formaten
gearbeitet wird. Hier ist es eine
Monotypie, eine Drucktechnik, von
der es nur einen Abzug gibt.
Dazu befestige ich auf einem
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stabilen Brett mit Klebeband ein
Acrylglas und walze dieses sehr
gleichmäßig mit einer hauchdünnen
Offsetdruckfarbe ein. Dann stelle ich
das Brett senkrecht auf eine Staffelei
und hänge das Papier nahe vor das
Glas, aber so, dass es keinen Kontakt
mit der Farbe bekommen kann. Erst
durch den Druck eines Stiftes über­
trägt sich die Farbe auf das Papier.
Es entsteht also eine Zeichnung, die
eigentliche Monotypie, auf der Rück­
seite des Papiers. Zwar kann ich auf
der mir zugewandten Seite sehen,
was ich zeichne. Aber die Wirkung
der Monotypie sehe ich erst, wenn
ich das Blatt umklappe und auf der
Rückseite den Fortgang der Arbeit
kontrolliere.
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Bei der hier gezeigten Mono­typie


entstanden die Grauwerte durch
Überstreichen des Papiers mit dem
Daumen oder mit einem Papier­
wischer (Estompen). Nach Fertig­
stellung der Arbeit wird das Papier
behutsam vom Brett gelöst.
Typisch für eine Monotypie ist der
schöne weiche Strich. Der ent­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - in die
steht durch das »Einsinken«
Farbe beidseitig des Strichs. Bei zu
dickem Papier wird dieser Effekt
unangenehm verstärkt.

Hohlweg am Mittag
Monotypie auf Werkdruckpapier
90 g/m²
Kastenfrische schwarze
Offsetdruckfarbe
2003
64 x 94 cm
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Z E I C H N U N G U N D FA R B E

Der Versuchung, einen schönen Abendhimmel auf das Papier


zu bringen, will widerstanden sein. Griechenlands Farbigkeit in
Blau und Weiß, die weißgrüne in Lanzarote oder die nur grüne
in Irland kann in einem Skizzenbuch leicht zu einem Abklatsch
dessen werden, was man eh durch Fotos auf Postkarten und in
Katalogen schon kennt. Andererseits wirken nur schwarze Linien
für manche Gegenden und Motive allzu distanziert und trostlos.
Oft entscheidet die Zeit, die ich an einem Ort zur Verfügung
habe, für oder gegen die Verwendung von Farbe. Manchmal
benutze ich Farben im Quartier, wo ich in aller Ruhe aus der Er­
innerung malen und lavieren kann. Regentage sind dafür sehr
- orderid
gut geeignet. Ganz selten-kommt
exl37162375-3960880871
es vor, dass ich zu Hause noch - transid - exl37162375-3960880871 -
einmal mit Farbe eine Zeichnung überarbeite oder gar völlig neu
beginne. Das passiert nur dann, wenn ich mit einer Zeichnung
unzufrieden bin und sie auch im zeitlichen Abstand nicht besser
werden will.

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- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 - lassen


Reine Strichzeichnungen
sich gut mit Aquarell lavieren.
Sind Körpervolumen mit Form­
schraffuren und Flächen mit
Grauwerten gezeichnet, kann
man auf die zusätzliche Model­
lierung durch Farbe verzichten.
Aquarellflächen sollten nach
dem ersten Farbauftrag mög­
lichst nicht noch einmal über­
malt werden, weil mit jeder
Farbschicht die Leuchtkraft des
Aquarells geringer wird.

Skizzenbuch Salm
Marais de Ia Maxe, Vogesen
Tintenroller und Aquarell
10. September 1990
18 x 26 cm

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Z E I C H N U N G U N D FA R B E

An Regentagen kann ich mich im


Quartier in aller Ruhe und mit Geduld
mitgebrachten Fundstücken widmen.
Dort gibt es eine bequeme Sitzge­
legenheit und auf dem Tisch sind
sämtliche Mal- und Zeichenutensilien
ausgebreitet. Das ist die Zeit, in der ich
gerne an Mini­aturen tüftle. Ihr Mikro­
kosmos kann so interessant sein wie
eine Steilküste oder der Blick über ein
Landschaftspanorama. Als Dokumente
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
einer Reise sind mir solche »Sächel­
chen« genauso wichtig.

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Skizzenbuch Lanzarote
Seepocke, Schnecke und Lava-
stein und drei Ausblicke von
Soo Richtung Tinajo
Tintenroller, Aquarellbleistift,
Deckweiß und Aquarell
28. Februar 1994
24,5 x 20,5 cm

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Z E I C H N U N G U N D FA R B E

Die Ile de Groix ist überschaubar. Es gibt ein paar Dörfer und Leuchttür­
me, einen Strand, der zum Baden geeignet ist, sonst flaches Land über
steil abfallender Felsküste. Genau das Richtige für mich. Nichts drängte
mich zu touristischen Besichtigungen. Die Streifzüge über die Klippen
oder die bei Ebbe freigelegten Felsen im Meer boten Attraktionen ge­
nug. Bis zur letzten Seite füllte sich das Skizzenbuch wie von selbst. Nur
einmal fuhr ich mit der Fähre hinüber, um an der berühmten »Route des
peintres en Cornouaille« in den lokalen Museen die Meister des Genres
Küste und Meer zu studieren.
Dieses erste Skizzenbuch, das ich von der kleinen bretonischen Insel
mitbrachte, ist mittlerweile eine Buchruine. Die Leimung des Recycling­
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
papiers löst sich auf. Sollte ich wieder ein solches Skizzenbuch ent­
decken – ich würde es wieder kaufen. Das Papier ist prima geeignet, um
Zeichnungen zu kolorieren, auch wenn es nicht die Qualitäten eines
Aquarellpapiers hat. Ich benutzte den Ton des Papiers als Mittelwert.
Der Tintenroller hält die Motive linear zusammen. Er hilft, dunklere Par­
tien mittels Strukturen und Schraffuren anzulegen. Mit Aquarell kann
ich Farb­akzente setzen. Dabei wird schnell klar, dass die Farben auf dem
grauen Papier nicht die Brillanz entfalten können, die man von einem
weißen Aquarellpapier gewohnt ist. Dieses »Farbbrechen« muss kein
Nachteil sein. Dort aber, wo die Leuchtkraft gewünscht ist, lege ich eine
dünne Deckweißschicht an, auf der ich die Farbe lasierend auftrage.
Natürlich kann Deckweiß auch pur für Metalleffekte, für die Gischt der
Brandung, die Spitzen eines Schmetterlingsfühlers oder andere Hervor­
hebungen eingesetzt werden.

Skizzenbuch Ile de Groix, 1992


Tintenroller, Aquarell,
Deckweiß, Farbstifte
20 x 15 cm

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Z E I C H N U N G U N D FA R B E

Santorin bietet spektakuläre Aus­


blicke. Nicht nur auf die hübschen
Postkartenmotive verschachtel­
ter weißer Häuser, die über dem
Abgrund hängen. Hier sind es die
über 30 Meter hohen Schichten
des vulkanischen Pouzzolane-­
Gesteins an einer der Steilküsten
des Archipels.

- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -

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Skizzenbuch Santorin
Die Pouzzolane-Küste
Tintenroller, Aquarell und ­
Deckweiß auf Recyclingpapier
5. September 1992
28 x 24 cm

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L I C H T U N D S C H AT T E N

Auch schwarz-weiße Zeichnungen können Wärme ausstrahlen!


Dies lässt sich durch eine gezielte Einbeziehung von Licht und
Schatten erreichen. Da man Licht nicht zeichnen kann, bringen
die Grauwerte der Schatten die freigestellten Bildteile zum
Leuchten. Eine Faustregel sagt: Je dunkler das beschattete Um­
feld, je heller das Licht.
Probieren Sie es selbst aus: Legen Sie eine Arbeit, die Sie schon
fertig glaubten, wesentlich dunkler an, und zeichnen Sie vor al­
lem die Schatten noch kräftiger. Das Resultat könnte Sie verblüf­
fen! Haben Sie keine Angst, dass die Zeichnung verdorben sein
könnte. Auf dem Weg vom »Aufhören« bis zum »Kaputtmachen«
- orderid
liegen unschätzbare - exl37162375-3960880871 -
Erfahrungen. transid - exl37162375-3960880871 -
Das Papierweiß ist der hellste zu erreichende Ton. Das ist die
Lichtquelle. Heller geht es nicht. Aber durch eine geschickte Plat­
zierung von Grauwerten und Schatten kann ein isolierter Licht­
fleck heller scheinen als der Papierton selbst.
Studieren Sie »Licht-Maler und -zeichner« . Es gibt wahre Zaube­
rer! Caravaggio zum Beispiel oder Rembrandt, Edward Hopper,
Andrew Wyeth und Robert Gernhardt, dessen stille, aber raffi­
niert komponierte Toskana-Bilder ich besonders schätze. Die Wär­
me, die diesen feinen Arbeiten entströmt, ist physisch fühlbar!

Die Salmer Weide am frühen


­Morgen
Farbstift, laviert
3. September 1994
70 x 100 cm

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Diese großformatige Zeichnung ist
auf einer wackligen alten Feldstaf­
felei entstanden, die schon mein
Vater benutzte. Die Kreide des
klobigen, rund 10 mm dicken Farb­
stiftes ist tiefschwarz und lässt sich
vermalen. Bei dieser Arbeit erkann­
te ich mal wieder, wie wichtig das
ausbalancierte Verhältnis von Hell
und Dunkel ist und wie viel Papier­
fläche »zugemacht« werden muss,
damit Licht zur Wirkung kommen
kann.

Die Salmer Bruchweide


Farbstift, laviert
26. Juni 1994
95 x 125 cm
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Eine Masseria in Apulien inmitten einer Agrarlandschaft mit abertausen­ die Farbe vermisst werden würde. Sie wird in der Vorstellung des Betrach­
den Oliven- und Kirschbäumen. Strahlendes Licht flutet am frühen Morgen ters ergänzt – wenn nötig.
in den Innenhof des Landhauses und auf den in dieser Gegend typischen Auch hier gilt der Grundsatz: Je dunkler der Schatten, je heller erscheint
warmtonigen Kalkstein. Ich sitze im Schatten und zeichne mit sehr wei­ das Licht auf dem weißen Zeichenpapier. Hier ist es ein leicht cremiger Pa­
chem Bleistift die Szene. Der warme Grauton des Grafits kann die Atmo­ pierton, der die Stimmung des Motivs unterstützt. Bleistifte guter Qualität
sphäre gut einfangen. So wie ein Schwarz-Weiß-Foto es könnte, ohne dass sind wichtig. Ich verwende die Härtegrade 8B oder 9B. Nur diese können das

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ganze Spektrum von kaum sichtbarem Grau bis zu einem tiefdunklen Anth­ Skizzenbuch Apulien
razit erzeugen. Ein scharfer Spitzer gehört dazu, denn da und dort muss ein Jasmin und Zypresse im Innenhof
Detail mit klarem Strich akzentuiert werden. Wenn das nicht ausreicht kann von Serragambetta
zum Schluss ein Bleistift mit härterer Mine für Klarheit sorgen. Bleistift 8B
8. Juni 2016
14,5 x 20 cm

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L I C H T U N D S C H AT T E N

Vor dem Aufbruch zu einer Zeichen­ reichere Zeichnung vorstellen.


exkursion braucht es ein gutes Dann würde die Vorzeichnung im
Frühstück. Die beste Gelegenheit, dunkleren Grauwert der Schatten
es als zeichnerisches warm-up fest­ verschwinden. Ich wollte sie aber so
zuhalten. als schnelle Skizzen belassen. Der
Diese Zeichnung demonstriert, wie Mai-Ausflug wartete.
wenig dunkle Schattenbereiche Was auf Tassen und Tellern funkti­
es braucht, um auf weißem Papier oniert, lässt sich auch am Beispiel
eine lichtdurchflutete Atmosphäre von Naturformen anwenden. Die
zu schaffen. Wichtig ist, die Zeich­ Zeichnung auf der nächsten Seite
nung auf dem Blatt gleichmäßig entstand im Beisein von Studie­
- orderid
voranzutreiben. - exl37162375-3960880871
So behält man renden während einer Exkursion - transid - exl37162375-3960880871 -
während der Entstehung des Blat­ nach Lanzarote. Die gerundeten
tes jederzeit die Kontrolle über das Schattenflächen beschreiben die
richtige Maß der Hell-Dunkel-Kon­ Plastizität von Stamm und Ästen
traste. des Eukalyptusbaums.
Die Arbeit zeigt auch, wie mit der
richtigen Formung von Schattenflä­
chen die Dreidimensionalität von Frühstück
Gegenständen dargestellt werden Grafit
kann. Man könnte sich diese Skizze 1. Mai 1998
als Grundlage für eine kon­trast­ 29,5 x 43 cm

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Eukalyptusbaum an der
Geria, Lanzarote
Grafit 8B
1989
42 x 50 cm
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L I C H T U N D S C H AT T E N

Wasser ist schwierig zu zeichnen! Stän­


dig in Unruhe, bekommt man es schwer
zu »fassen«. Aufgewühltes Meer hat
andere Muster als ein Wasserfall.
Spiegelungen auf durchsichtigen Seen
sind anders als bei trüben Gewässern.
Wie bei anderen komplizierten Moti­
ven hilft geduldiges Beobachten, auch
ohne Stift. So können die gewonnenen
Seherfahrungen beim Zeichnen helfen,
- orderid
zwischen Falsch - exl37162375-3960880871
und Richtig zu ent­ - transid - exl37162375-3960880871 -
scheiden.
Sonst bin ich nicht der Meinung, dass in
einem Prozess des Lernens das Abzeich­
nen von Fotos hilfreich ist: Hier bringt
ein Foto, das bewegtes Wasser »ein­
gefroren« hat, tatsächlich weiter. Die
Muster der ineinander verschränkten
Flächen und die Spiegelungen werden
so deutlicher. Fortlaufendes Anhalten
und Weiterlaufenlassen eines Filmes
trägt zu dieser Sehschule bei. Auch die
Betrachtung historischer Zeichnungen
von Spezialisten auf diesem Gebiet
kann erhellend sein.
Am allerwichtigsten ist die Erkenntnis,
dass Zeichnen von deutlich hellen Was­
serflächen nur gelingt, wenn das Um­
feld entsprechend »eingegraut« wird.

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Skizzenbuch Südengland
Bach bei Hexworthy
Aquarellbleistift, leicht
­l aviert
24. Juni 1994

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L I C H T U N D S C H AT T E N

Mit Grafit lassen sich feinste Tonabstu­


fungen von Wasser und Felsen darstellen.
Grafischer wirken Skizzen, die mit mehr
oder weniger klar definierten Linien
gezeichnet sind. Mit ihnen werden Ton­
unterschiede mit Schraffuren und mit
Strukturen erzeugt. Je dichter sie gesetzt
sind, je heller leuchtet das Wasser aus
dem Umfeld der Felsen heraus.
Die einzelnen Techniken lassen sich wun­
derbar untereinander mischen. Möglich
ist auch das- Lavieren
orderid - exl37162375-3960880871
wasserfester Stifte - transid - exl37162375-3960880871 -
mit Aquarellfarben oder das Vermalen
von Stiften, die nicht wasserfest sind.

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Skizzenbuch Davos
Wasserfälle im Sertigtal
Verwendete Stifte, von links nach rechts:
Tintenroller, Tuschestifte und Pinsel
Tintenroller
Tusche und Metallfeder
Pocket Brush Pen
Metallfeder und Tuschestifte
17. Oktober 2014
18,5 x 26 cm

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Skizzenbuch Apulien
Olivenbäume
Fineliner 0,3 mm, laviert
6. Juni 2016
14,5 x 20 cm

Skizzenbuch Mix
Nachmittagskaffeetisch auf dem Salm
Tintenroller
13. April 1991
31 x 25,5 cm

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BI LDAUFBAU

Ob uns eine Zeichnung, ein Gemälde, ein Foto,


eine Plastik oder die Form eines Bauwerkes
gefällt, entscheidet sich in Sekunden. Von in­
haltlichen Aspekten abgesehen, reagiert unser
ästhetisches Empfinden sehr schnell auf die von
Kunstwerken ausgehenden Reize. Besonders
entscheidend für die Akzeptanz einer Arbeit ist
die Art und Weise, wie ein Werk »gebaut« ist,
wie die Teilelemente miteinander harmonieren,
im Kontrast zueinander stehen oder wie der vor­
handene Raum oder das Format »gefüllt« ist.
- orderid
Es gibt Künstler, - exl37162375-3960880871
die stimmige Kompositionen - transid - exl37162375-3960880871 -
zustande bringen, ohne darüber nachzudenken.
Andere tun sich schwerer. Sie werden sich mit
ein wenig Theorie anfreunden müssen. Das er­
höht die »Trefferquote«. Hat man Möglichkeiten
des spannungsvollen Bildaufbaus mit Erfolg
praktiziert, wendet man sie bald intuitiv an. Die
rechts abgebildeten Vorstudien einer Weide zei­
gen, wie dynamisch ein diagonal aufgebauter
Baum im Gegensatz zu einem senkrecht aufge­
richteten Stamm sein kann. Die Skizzen demons­
trieren zudem, dass Ausschnitte gelegentlich
ein Objekt interessanter beschreiben können
als eine komplette Darstellung. Besonders in
der Landschaft sollte man sich diesem Problem
immer wieder stellen: Postkartenansicht oder
Ausschnitt? Deshalb sind kleinformatige Vorstu­
dien hilfreich, die all diese Fragen augenfällig
beantworten können.

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Skizzenbuch Ile de Groix


Gedanken zu Monet
Tintenroller, Aquarell
und ­Deckweiß
26. August 1995
24,5 x 20,5 cm

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BI LDAUFBAU

Auch dieses Motiv in den Vogesen


habe ich über Jahrzehnte gezeich­
net und die Veränderungen vor Ort
dokumentiert. Im Vordergrund ist
es der Bauerngarten einer mennoni­
tischen ferme, dessen ursprüngliche
Anlage sich seit dem 18. Jahrhun­
dert kaum verändert haben dürfte.
Im viereckigen Gestaltungsraum
des Skizzenbuchs wird der Blick von
einer Gartenecke über den hellen
- orderid - exl37162375-3960880871 - transid - exl37162375-3960880871 -
Pflanzenhorizont ins dunkle Wäld­
chen geführt und aus diesem wieder
heraus zu einem angedeuteten
Bergrücken. Eine sogenannte Ver­
gitterung, ein Kompositionsprinzip
japanischer Kunst, das seit Mitte des
19. Jahrhunderts einen starken Ein­
fluss auf die europäische Kunst hat.
Die diagonale Lage der Zeichnung
schafft zudem Spannung im Skizzen­
buchformat.

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Skizzenbuch Salm
Dieters Durchblick
Schwarzer Kugelschreiber, laviert
15. Juni 1997
26 x 20,5 cm

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BI LDAUFBAU

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Der Pinselschreiber, auch bekannt als schungen, dass zum Beispiel das Papier­
Pocket Brush Pen, ist ein ausgezeichnetes format nicht ausreicht, oder anschließend
Instrument, um im Briefmarken­format beschnitten werden muss, bleiben aus.
Kompositionsübungen zu betreiben. Diese Ein anderer Vorzug dieser Miniskizzen
zeichnete ich in einem überschaubaren mit dem Pinselschreiber ist, dass in
Areal an einem Altrhein­arm. Das, was einem hohen Abstraktionsgrad span­
man normalerweise macht – sich nach nungsvolle Hell-Dunkel-Kontraste,
­einem geeigneten Motiv umzuschauen, ­Positiv-­­Nega­tiv­-Räume (negative space),
um dann gleich loszulegen –, geschieht Bewegungs­richtungen oder Anordnungen
mit diesen skizzierten Vorstudien planvol­ der Bildteile erkannt werden, aber auch,
ler. Rasch ist der bessere Bildaufbau er­ ob die Bildidee durch den Bildaufbau
kannt. Die Komposition auf dem größeren ­Unterstützung findet.
Blatt ist gedanklich vorbereitet. Überra­

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Skizzenbuch Irland
Near Crooncome Harbour
Tintenroller und Aquarell
18. August 1990
35,5 x 26 cm

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Von allen kompositorischen Möglichkeiten, das Oben:


langweilige Rechteck des Zeichenpapiers unter Skizzenbuch Heidelberg
Spannung zu setzen, ist die Verwendung von Der Neckar und Heidelberg,
Diagonalen sicher die interessanteste. Hier sind vom Stiftsbuckelweg aus
es die Diagonalen von mäandrierenden Mauern, gezeichnet
Wegen, Flüssen, Bergrücken oder Küsten, die zum Tintenroller
Teil mit unterschiedlichen Längen gegeneinander 2. April 1995
gerichtet sind. 22,5 x 16 cm

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BI LDAUFBAU

Diese erklärenden Zeichnungen ent­


standen in meinem Skizzenbuch wäh­
rend einer Exkursion nach Lanzarote.
Sie zeigen sparsame Bild­ausschnitte,
die Verwendung von Diagonalen,
um eine größere Bild­spannung zu
erreichen, und wie tief gestaffelter
Landschaftsraum, das Volumen einer
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Laubgruppe oder eines ganzen
Baumes entsteht.

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Skizzenbuch Lanzarote
Tipps für Studierende
Tintenroller, Aquarell, Bleistift,
Tempera und Deckweiß
2. März 1994
25 x 20,5 cm

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POST VON UNTERWEGS

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In dem 1977 veröffentlichten Buch »Gemalte Künst­ Der durch das Internet mögliche grenzenlose künst­
lerpost« (Verlag Karl Thiemig) schreibt der Autor Ger­ lerische Austausch ist wunderbar, aber er ist nicht
hard Wietek: »Briefe und Karten sind immer noch die zu vergleichen mit einer gezeichneten Karte oder
wichtigsten und wesentlichsten Mittel der Verständi­ einem gemalten Brief, deren Beschaffenheit zwischen
gung zwischen Menschen, die sich nicht am gleichen Zeigefinger und Daumen erspürt werden kann. Mit
Ort befinden (…) Daher werden sich Briefe auch nie­ der Hand geschrieben, signiert und mit einer schö­
mals durch ein anderes Medium ersetzen lassen und nen Briefmarke beklebt kann eine solche Post zum
immer ein notwendiger Bestandteil der Geschichte Zeit­dokument, vielleicht sogar eine philatelistische
und der Literatur bleiben (…)« Es hat nur wenige Jahre Kostbarkeit werden. Diese Form der Kommunkation
gedauert, bis Wieteks Prognose Geschichte wurde. sollte nicht aufgegeben werden, solange es noch
Brief­marken und Briefkästen gibt. Ich jedenfalls habe
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immer ein Bündel Karten und Kuverts im-Gepäck.

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BIOGRAFIE

1944 in Balingen geboren, habe ich irgendwann wie jedes andere ein Atelier für Illustration und wurde bald darauf von Horst Stern
Kind zu zeichnen begonnen, um nie wieder damit aufzuhören. zur Mitarbeit an dessen Zeitschrift »natur« eingeladen, für die ich
In der Bildhauerwerkstatt meines Vaters durfte ich ein Mal- und bis 1988 als freier Mitarbeiter tätig war. Die Zusammenarbeit mit
Schriftenbuch anlegen und in Kunstbänden blättern. Der Maler den Autoren dieses Magazins und die inhaltliche Auseinanderset­
Bernhard Buß nahm mich mit zum Landschaftszeichnen. Ein en­ zung mit Umwelt und Natur betrachte ich als einen großen per­
gagierter Lehrer in der Schule und Illustrationen des Hamburger sönlichen Gewinn. Lehraufträge für Aktzeichnen an einer Kunst­
Zeichners und Hochschullehrers Wilhelm Martin Busch in einer schule in Mannheim und für Illustration an der Fachhochschule
Zeitschrift festigten meinen Berufswunsch: Zeichner. Eine De­ für Gestaltung, der Merz-Akademie in Stuttgart, kamen hinzu.
korateurlehre – nicht mein Traum – kam meinen Neigungen am 1988 wurde ich als Professor an die Fachhochschule in Mainz
nächsten. Erst die Berufsfachschule in Stuttgart stillte den Hun­ berufen, wo ich bis 2007 im Fachbereich Kommunikationsdesign
ger nach mehr: Kunstgeschichte, Farblehre und Typografie waren die Fächer Zeichnen und Illustration lehrte. Seit 2002 gebe ich
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aufregend neu. transid - exl37162375-3960880871
Zeichenkurse, u. a. während des Kunstsommers im -Kloster Irsee,
Nach der Lehre fand ich 1962 in Pforzheim eine Arbeit als Pla­ an der Sommerakademie Oppenheim, an der Kunstakademie Bad
katmaler. In der freien Zeit belegte ich Kurse für Bildhauerei und Reichenhall und in Ladenburg. Die Teilnehmer meiner Seminare
Zeichnen. Ich wurde Mitglied des Pforzheimer Kunstvereins und und Kurse haben einen gewichtigen Anteil an meiner Entwick­
bekam mit achtzehn Jahren in einer Galerie meine erste Einzel­ lung als Künstler.
ausstellung mit Malerei, Zeichnungen und Kleinplastiken. 1966 1995 erschien die erste Auflage dieses nun wesentlich erweiter­
machte ich mich als Grafiker und Siebdrucker selbständig. Der ten Buches bei Callwey, 2012 folgte »Zeichnen in der Natur« in
zweite Bildungsweg eröffnete mir schließlich 1969 die Möglich­ der Edition Fischer, München, 2014 das Buch »Komposition – Die
keit zu einem Studium der Kunst- und Werkerziehung. Reisen in Kunst der Bildgestaltung« und 2015 »Zeichnen – Tipps für Krea­
die Landschaften der USA, nach Italien, Frankreich, Spanien und tive« im dpunkt.verlag, Heidelberg. Mein 2016 eröffnetes Studio
auf die Balearen folgten, wo ich zum ersten Mal meinen bevor­ Zeichnung und Fotografie in Heidelberg verbindet meine beiden
zugten Motiven begegnete. Leidenschaften.
Von 1971 bis 1981 war ich Zeichen- und Werklehrer, einige Jahre
parallel Dozent für Malerei und Drucktechniken an einem Fach­
lehrerseminar. 1981 gab ich meinen Lehrerberuf auf, gründete

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Selbstporträt im Spiegel
Postkarte aus Paris
Tintenroller
19, November 2009
10,5 x 15 cm

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IMPRESSUM

Albrecht Rissler
risslerart@yahoo.com

Lektorat: Barbara Lauer


Copy-Editing: Stefanie Weidner
Satz: Albrecht Rissler
Herstellung: Susanne Bröckelmann
Umschlaggestaltung: Albrecht Rissler
Druck und Bindung: Grafisches Centrum Cuno GmbH & Co. KG

Umschlagfoto: Ursula Rückauf-Rissler


Foto auf S. 58: Barbara Mattauch

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek


Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbiblio­
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grafie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

ISBN:
Print 978-3-86490-420-2
PDF 978-3-96088-087-5

Überarbeitete und erweiterte Neuauflage 2017


Copyright © 2017 dpunkt.verlag GmbH
Wieblinger Weg 17, 69123 Heidelberg

Dieses Buch erschien in der ersten Auflage unter gleichem Titel im Verlag Georg D. W. Callwey
GmbH & Co., München.

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dung der Texte und Abbildungen, auch auszugsweise, ist ohne die schriftliche Zustimmung des
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