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VISUELLE KOMMUNIKATION/GRAFIKDESIGN/KUNST & BRANDING/TYPO/10842

DESIGN
SHOPS
E-Shop-Systeme
DEUTSCHLAND 9,80 €
Das Magazin der Kreativbranche # 08.2013 www.page-online.de 4 191084 209802 08

IN ZEITEN SCHNELLEN WANDELS

iPad-Publishing bei der »ZEIT« Making-of: Illugrafie Start-ups & Gestalter


Vor Ort: Wie Grafiker und Redakteure die Die hybride Zirkuswelt von Warum Designer Teil des
iPad-Version der Wochenzeitung stemmen Digital Artist Benjamin Wiesse Gründungsteams sein sollten
Editorial PAGE 08.13 003
Sicherheit plus
hohe Rendite für
Status: unstet
men als zugängliche Marken präsen-
tieren, sprich mit einem wandlungsfä-
higen Erscheinungsbild, das Dialogbe-
reitschaft und Community-Geist ver-
körpert. Und da können Designer dann
eben doch vom Chamäleon lernen: Ihr
Farbwechsel dient nämlich in erster
Linie nicht der Tarnung, sondern der
Kommunikation mit ihresgleichen. Die
Bereitschaft zur Balz beispielsweise
signalisieren sie mit auffälligeren Far-
ben und Mustern.
Q Was hat ein Chamäleon mit Cor-
Foto: Kirsten Nijhof

Und es gibt noch ein Merkmal, das


porate Design gemein? Nichts? »Don’t ein Chamäleon mit smartem Corpo-
touch the logo?« – Hoffentlich haben rate Design verbindet: Es blickt gleich-
auch Sie diesen Satz im vergangenen zeitig nach hinten, zur Seite und nach
Jahrhundert zuletzt gehört. Da stopf- vorn; es vereint Vergangenheit, Gegen-
te man nämlich noch alle Werte eines wart und Zukunft. Ja, angesichts agiler
Unternehmens in ein einziges Zeichen, Geschäftsmodelle gewinnt die Beweg-
stellte strenge Richtlinien für dessen lichkeit der Formensprache noch ein-
Anwendung auf und trieb dieses Vor- mal mehr an Bedeutung. Sie muss Pro-
gehen so lange auf die Spitze, bis die Er- zesse visualisieren und die jeweilige
scheinungsbilder einander immer ähn- Identität erfahrbar machen.
licher wurden und letztlich nur noch Gleichwohl, im Volksmund steht das
Starrheit, Sturheit und Trägheit ver- Chamäleon für Personen, die es verste-
mittelten. – Chamäleon Design in hen, sich jeder Situation anzupassen,
höchster Perfektion: der Umgebung im positiven wie im negativen Sinne.
angepasst, in der augenblicklichen Stel- Intelligente Adaption und Identitäts-
lung verharrend. Bitte nicht anfassen! verlust liegen nur einen Schritt von-
Nein, das hat nichts mit zukunfts- einander entfernt. Erscheinungsbilder
tauglicher Corporate Identity zu tun. und Kommunikationsstrategien, de-
Wandelbarkeit und Bewegung sind an- nen genau dieser Balanceakt gelingt –
gesichts der neuen Technologien nicht vom sich assimilierenden Logo bis hin
nur möglich, sie sind Teil der Überle- zum Signet, das sichtbar wird, indem
bensstrategie. Nicht zuletzt wegen Fa- es sich versteckt –, siehe Titelgeschich-
cebook und Co müssen sich Unterneh- te ab Seite 22.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher
(info@page-online.de)
Premium-Vorsorge
für Medienmenschen

PAGE digital

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pagemag

pagemag

PAGE App
Besser In 2013
Presse 4,5 %
004 PAGE 08.13

INHALT
SZENE
006 Was die Branche bewegt
European Design Awards 2013; »db«-Anzeigenserie;
Ansichtssache: Fördergelder für Kreativagenturen?;
Smell Maps; Magazinschau »Paper Weight«; iPad-App
Yellofier; junges Sockenlabel; Standort-Branding

016 Branche & Karriere


Infografik-Award; Business Basics; Brennpunkt:
Plain Packaging und die Folgen fürs Tabakbranding

020 Ausbildung
Google-Street-View-Experiment; Märchen-Illus

TITEL
022 Corporate Design in Zeiten schnellen Wandels
Starre, uniforme Erscheinungsbilder für Marken
und Unternehmen sind passé. Doch was kommt

058
danach? Wir stellen zukunftsfähige visuelle
Identitäten und Kommunikationsstrategien vor

KREATION
036 Künstler und Marken

042
Vorsicht Kunst! Bei der Kooperation von Unter-
nehmen und Künstlern kann einiges schief-
laufen – für beide Seiten. Wir berichten über
gelungene und gescheiterte Kollaborationen

Designshops & Shopsysteme


022
Eigene Produkte zu verkaufen reizt viele Kreative.
Und noch nie war es so einfach. PAGE präsentiert
geeignete Mietshops und Shopsoftware

052 Start-ups & Gestalter


Gründer unterschätzen vielfach die Bedeutung
von Design für den Unternehmenserfolg.
Auf Gestalter warten hier spannende Aufgaben

056 Papierwelt
Notizbücher im iPad- und iPhone-Format; Römer-
turm-Archivboxen; gestrichenes Recyclingpapier

TYPO
058 Neue Schweizer Typografie: Binnenland
Die Typedesigner Niklaus Thönen und Mika
Mischler im Gespräch über Schweizer Typografie,
ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis

064 Typoreise Vietnam


Klaus-Peter Staudinger besucht das südostasiatische
Land und seine charmante Typo- und Designszene
PAGE 08.13 005

PAGE Online: Ob Stellenangebote, Inspiration,


News, Magazin-Volltextsuche, Publishing-Tipps,
Bildergalerien oder PAGE Rankings – das alles finden
Sie unter www.page-online.de

070 Typowelt
Kontrovers: Erik Spiekermann und Jürgen Siebert
über die Typo von iOS 7; Julia Sysmäläinens Mir

BILD
074 Making-of: Illugrafie
Digital Artist Benjamin Wiesse zeigt, wie er seine
faszinierenden Hybridwelten mithilfe von Photo-
shop, Modo und Maxwell Renderer produziert

080 Bildwelt
Corbis-Kreativ-App Crave; fotografische Templates
auf DVD; Bücher mit illustrierten Städtereisen

TECHNIK
084 Risographie – Tipps & Inspiration
Nicht ohne Grund ist der Risograph das neue
Lieblingstool der Kreativen. In dem Low-Budget-
Druckverfahren steckt viel Potenzial

092 iPad-Publishing bei der »ZEIT«


Wir haben dem Hamburger Team bei der Produktion
der ZEIT-App über die Schulter geschaut

098 Tools & Technik


Mac OS X 10.9, iOS 7 und der neue Mac Pro; Fair-
phone; Adobe Kuler als App; Poser 10 und 2014

STANDARDS
003 Editorial
018 PAGE Online: Portfolio von Julia Fröhlich
106 Einblicke: Kreative und die Spielzeuge ihrer Kinder
108 Kalender: Kongresse, Ausstellungen, Awards
110 Publikationen: Buchempfehlungen für Kreative
114 Fundstücke von Jürgen Siebert: Die Verantwortung
des Konsumenten und ihre Grenzen

SERVICES
027 PAGE Studenten-Abo 063 PAGE Abo 089 PAGE Shop
104 PAGE Stellenmarkt
113 Impressum/Vorschau

PAGE SEMINARE
050 »Gutes Design entwickeln« mit Jochen Rädeker

042
051 »Gutes Design gut verkaufen« mit Jochen Rädeker
057 »Creative Business Modelling« mit der Good School
073 »Disruptive Creativity« mit Mario Pricken
082 Infografik-Seminar mit Jan Schwochow
006 PAGE 08.13

LESERFORUM
Leserbriefe geben die Meinung des Schrift hat wesentlich mehr Ausdruck und Erfolgsaussichten 3
Verfassers wieder, die nicht unbedingt mit könnte tatsächlich als »cool« bezeichnet wer-
Betrifft: Adobe Creative Cloud
der der Redaktion übereinstimmen muss. den. Im Gegensatz zu der vorigen Schrift von
Wir behalten uns vor, Leserbriefe an Loewy, die damals absolut berechtigt einge- Als Quark mit XPress noch den Markt be-
info@page-online.de und auf PAGE Online setzt wurde, hämmert sich der neue Schrift- herrschte, quälte das Unternehmen seine
veröffentlichte Kommentare gekürzt zug regelrecht ins Gehirn und hakt sich mit Kunden mit restriktiven Preismodellen und
abzudrucken. den Serifen fest. Dazu wurde die schwarze versäumte es, sie mit regelmäßigen Innova-
Schriftfarbe (Tod & Teer) ersetzt durch ein tionen zu binden. Jetzt ist Adobe dabei, die-
Erfolgsaussichten 1 strahlendes Weiß für Leben und Genuss. Bei- selben Fehler zu wiederholen. Für mittlere
des wird die Dauer der Wahrnehmung bis und größere Agenturen wird es einfach nur
Betrifft: Krisenmanagement,
zum Erkennen der Marke verkürzen. Darüber teuer. Aber für Freelancer, die sich eventuell
PAGE 05.13, Seite 22 ff.
hinaus ist anzunehmen, dass sich bei einem nur ein Zubrot mit Adobe-Software verdie-
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrem neuen Heft Feldtest eine deutliche Mehrheit für die neue nen oder mal für drei Jahre Pause machen
und zu Ihrer ausführlichen Titelstory. Zum Verpackung entscheiden würde, wenn man müssen, bedeutet das Cloud-Modell das Aus.
Thema Ideenklau: Ganz so schlecht, wie Sie beide Verpackungen anbietet. Die Frage lau- Viele werden noch ein Update auf CS6 ma-
es beschreiben, sind die Erfolgsaussichten tet also: »In Schönheit sterben oder in zweier- chen und sich dann nach einer anderen Soft-
eines Kreativen nicht: Seit der Neuerung des lei Hinsicht Asche machen?« ware umsehen.
deutschen und europäischen Geschmacks- Michael Bergeler (PAGE Online) Jürgen Ehlers (PAGE Online)
musterrechts ist eine bestimmte Schöpfungs-
höhe nicht mehr Schutzvoraussetzung. Viel- Märkte sind in Bewegung, und Einstellungen CS6 ist eine über die Jahre total ausgereifte
mehr muss das Design nur neu und eigenar- ändern sich über die Zeit. Natürlich ist das Lu- Version, die mir noch viele Jahre als sehr gu-
tig sein. Auf die Gestaltungshöhe kommt es cky-Design ein Klassiker und hatte über lange tes Werkzeug dienen wird. Wirklich substan-
im Gegensatz zum alten Recht nicht mehr an. Zeit Bestand. Bei aller Kritik an der Umset- zielle Verbesserungen der Software erwarte
Darin zeigt sich auch die Wesensverschieden- zung gebe ich zwei Dinge zu bedenken: Wie ich daher nicht (bei InDesign, Illustrator und
heit des Geschmacksmusterrechts gegenüber viel länger wäre es ein Klassiker gewesen? Ab Photoshop). Außerdem bietet InDesign über
dem Urheberrecht (vergleiche OLG Hamm, Ur- wann wäre es altmodisch und auch durch die XML-Ausgabe eine perfekte Schnittstelle
teil vom 19. 01. 2006, 4 U 148/05 – Kaminofen). Korrekturen nicht mehr aktualisierbar? Was für Fremdsoftware, um Layoutdaten in ande-
Daneben wurde auch die Schutzdauer des passiert gerade auf dem Zigarettenmarkt, re digitale Kanäle zu transformieren. Damit
eingetragenen Geschmacksmusters verlän- und wie verhalten sich die anderen Zigaret- bleiben mir alle Optionen für zeitgemäße
gert. Sie beträgt nicht nur fünf Jahre, son- tenmarken im Portfolio von BAT beziehungs- Technologien erhalten. Meine Cloud (wenn
dern kann auf maximal fünfundzwanzig Jah- weise im Markt generell? ich sie denn wirklich brauche) habe ich auf
re ausgedehnt werden. Neu ist auch das von Erst die Antworten auf diese Fragen dem eigenen (gesicherten) Server.
Ihnen nicht erwähnte, in der Praxis allerdings machen das Redesign markentechnisch be- Alles in allem habe ich den Eindruck, dass
wichtige »nicht eingetragene Gemeinschafts- wertbar. Die gefragten Designer sollten sich Adobe mangels wirklicher Innovationen (die
geschmacksmuster«. Es schützt den Produkt- auf die handwerkliche Kritik konzentrie- ja bei CS6 auch schwerlich denkbar sind) ver-
und Grafikdesigner – auch im Falle eines Pit- ren, anstatt ihr Bauchgefühl als Maßstab für sucht, seine Schäfchen (uns Käufer) anders
ches – gegen die unmittelbare Übernahme markenstrategische Entscheidungen heran- zu locken. Der Mehrwert der CC ist für mich
seiner Gestaltung, zumindest für einen Zeit- zuziehen. aber denkbar gering. Die Option, die sehr gu-
raum von drei Jahren. Im Fall von Sel de Ibiza Erich Posselt (PAGE Online) te CS6 im besten Sinne kreativ zu nutzen und
wurde ein solcher Schutz für das Logo einer durch eigene Workflows zu erweitern, finde
Salzverpackung gewährt, das eine stilisierte Ich sehe den Nostalgie-Retro-Whatever-Look ich viel verlockender, als Lemmingen gleich in
Sonne, Flammen, goldfarbene Sonnenstrah- als gescheiterten Versuch, auf einen schon Adobes Creative Cloud zu verschwinden . . .
len sowie umlaufende schwarze Schrift der fahrenden Zug aufzuspringen. Doch muss ich Es sollte noch genügend Gleichgesinnte
Produktbezeichnung auf einem blauen Fond in einem Punkt Herrn Professor Abdullah wi- geben, die daran Spaß haben und sich da-
verwendete (KG Berlin, Urteil vom 19.11.2004, dersprechen. Man kann nicht verallgemei- rüber austauschen
Az. 5 W 170/04). nern, dass serifenbetonte Schriften für diese Peter Panther (PAGE Online)
Thomas Meine, Fachanwalt oder eine andere Marke nicht mehr zeitge-
für gewerblichen Rechtsschutz, mäß sind und das Einprägen der Marke in je- Korrektur
www.westfalenpatent.de dem Falle erschweren. Meiner Meinung nach
Betrifft: Designausbildung,
können Serifen durchaus für das Einprä-
PAGE 07.13, Seite 50
Erfolgsaussichten 2 gen einer Marke dienlich sein und dem Be-
trachter die Wiedererkennung erleichtern. Seit drei Jahren unterstützt Yvonne Zier-
Betrifft: Lucky-Strike-Rebranding,
Sie bieten eine große Vielfalt an Differenzie- mann, ihres Zeichens Artdirektorin im Bauer
Meinung der Experten, http://is.gd/eqPnYd,
rung unter den einzelnen Schriftarten. Bei Verlag, den Editorial-Design-Kurs der Freien
PAGE 06.13, Seite 9
vielen aktuellen Rebrandings werden seri- Schule für Gestaltung (FSG) in Hamburg. Frau
Aus meiner Sicht wird ein Redesign für ei- fenlose Schriften verwendet, die für mich oft Herzel, seinerzeit Artdirektorin beim Magazin
ne Verpackung nicht für Kritiker, sondern für zu austauschbar wirken. »BEEF!«, gab den Studenten der FSG Feedback
die Zielgruppe gemacht. Die serifenbetonte Franz Geppert (PAGE Online) zu deren Layouts realer »BEEF!«-Strecken.
ZeigeWasDesignKann.de
008 PAGE 08.13

SZENE

Löwenzahnsamen
mutieren dank
Thermofarbe zu
Regentropfen.
Schöne Idee des
schwedischen
Designstudios
Bedow im
Auftrag der
dänischen
Brauerei Mikkeller
PAGE 08.13 009

Morbide Cover-
gestaltung
des Finnen
Jesse Auersalo
für Huoratron,
»den Priester des
elektronischen
Lärms«, und
sein Album
»Cryptocracy«

Memento Vitae
Bei den soeben verliehenen European Design Awards 2013 gibt es viel Schönes zu entdecken –
aus Skandinavien und den Niederlanden, aber auch aus Ost- und Südeuropa

Q Natürlich könnte man auch einfach interpretierte die vier Jahreszeiten als und Künstler Jesse Auersalo für Huora-
die Flasche anfassen, um herauszufin- saisonale Biersorten für die dänische tron gestaltete. Der Electro-Metal-Mu-
den, ob das Bier warm oder kalt ist. Viel Brauerei Mikkeller. Für die tolle Etiket- siker zeigt sich auf der Bühne gerne als
spannender aber ist es, zu sehen, wie tengestaltung mit reduzierten Illustra- verrückter Wissenschaftler oder »Pries-
sich mit zunehmender Erwärmung der tionen und der schönen Serifenlosen ter des elektronischen Lärms«. Zu sei-
Flüssigkeit das Etikett verändert – aus Calibre von Kris Sowersby gab es zu nen apokalyptischen Tendenzen passt
den Löwenzahnsamen werden dank Recht Gold in der Kategorie Packaging. die morbide Covergestaltung super.
der Thermodruckfarben Regentropfen. Nur Bronze, aber trotzdem klasse ist Bedow und Jesse Auersalo sind nur
Das schwedische Designbüro Bedow das Cover, das der finnische Designer zwei Beispiele der skandinavischen
010 PAGE 08.13 SZENE

Gestalter, die 22 der 159 Auszeich-


nungen bekamen. Erfolgreichstes Land
waren ein weiteres Mal die Niederlan-
de. Auch die mit dem Best of Show am
höchsten prämierte Arbeit kommt von
dort: Die Jury entschied sich für das
von Studio Dumbar gestaltete Erschei-
nungsbild für die Organisation Alzhei-
mer Nederland (siehe Seite 28).
Ein Zusammenschluss von fünfzehn
europäischen Designmagazinen veran-
staltet jedes Jahr die European Design
Awards. Und weil die Großen aus den
USA und Übersee draußen bleiben,
gibt es unter www.europeandesign.org
jedes Jahr tolle, noch ungesehene Art-
works zu entdecken. Dazu gehört auch
der Jurypreis: In seiner Masterarbeit an
der Academy of Art and Design im nor-
wegischen Bergen hatte Marius Hau-
ken die Wikipedia-Seite für Tablets und
Smartphones optimiert – Realisierung
unbedingt zu empfehlen. Zum Schluss
noch eine sehr gute Nachricht: Zum al-
lerersten Mal in der Geschichte der ED-
Awards wurde eine deutsche Agentur
zur Agency of the Year gekürt: Jäger &
Jäger aus Überlingen gelang dieser
Coup mit vier Auszeichnungen. Darauf
ein thermosensitives Bier! ant

Etwas übel wird einem beim Betrachten


der Plakate für B3, die Biennale des
bewegten Bildes. Nikolas Brückmann
und Yuriy Matveev setzten eine mathe-
matische Formel mit einem Mandelbrot-
Fraktal-Generator visuell um, sodass
der Effekt eines pulsierenden Tunnels
entsteht. Stundenlang vor Photoshop
und InDesign sitzend, entwickelten sie
schnell einen resistenten Magen

Gebaute Anzeigen
Q Magazinkampagne. Das Stuttgar- stand darin, den neuen Sonderteil zu aus unterschiedlichen Perspektiven auf
ter Designbüro raumservice hat für die »Bauen im Bestand« zu bewerben, und Sichtbetonwände zu projizieren.
»deutsche bauzeitung« eine Anzeigen- dabei außerdem die Bedeutung der Dagmar Korintenberg, eine der Ge-
serie gestaltet, die zweidimensionale Architekturkritik für das Magazin zu schäftsführerinnen von raumservice,
Typomotive mit dreidimensionaler Ar- visualisieren. Die Idee: Statements von wählte dazu gemeinsam mit der Re-
chitektur kombiniert. Die Aufgabe be- »deutsche bauzeitung«-Redakteuren daktion 70er-Jahre-Bauten aus, die das
Thema repräsentieren. Sie legte die Po-
In den Anzeigen
sition der Texte und des Logos an den
für die »deutsche
Wänden in einer digitalen Skizze fest:
bauzeitung« ist
Ecken, Vorsprünge und andere Raum-
Räumlichkeit Teil
linien dienten als Raster; einige Raum-
des typografischen
bereiche wurden stärker beleuchtet als
Bildkonzepts, so-
andere. Anschließend setzte raumser-
dass die Grenzen
vice das Bildkonzept mit drei Beamern
zwischen 2-D und
in Szene, ließ es fotografieren und be-
3-D verwischen
arbeitete es digital nach. Das Ergebnis
überzeugt nicht nur durch sein zeitge-
mäßes Spiel mit Dimensionen und Me-
dien, sondern auch als visuelle Meta-
pher für einen klaren Standpunkt. wl
PAGE 08.13 011

Ansichtssache
Sind Fördergelder bei Kreativ-
agenturen richtig aufgehoben,
fragt PAGE-Redakteurin Nina Kirst

QDie Projektidee »be here – be there« von Serviceplan


Hamburg ist mit acht weiteren Ideen unter den Gewinnern
von Fördergeldern in Höhe von je 100 000 Dollar, gespon-
sert von der Bill & Melinda Gates Stiftung und der Initiative
Cannes Chimera. Die beiden Partner hatten Kreative aus al-
ler Welt aufgefordert, Projekte zum Thema »Aid is working,
tell the world« zu entwickeln.
Die Idee von Serviceplan: Mithilfe von Location-based
Services wie Foursquare loggen sich Nutzer in der ersten Welt
(»here«) etwa bei Fastfoodrestaurants ein – auf ihren Profi-
len erscheint aber die Information, sie hätten sich irgendwo
in der dritten Welt (»there«) eingeloggt. Das sorge für Auf-
merksamkeit für Hilfsprojekte – und für den tatsächlichen
Ort gleich mit, meint Serviceplan. Pro Check-in zahlen die teil-
nehmenden Unternehmen 10 Cent an eine Partner-NGO. Ge-
rade sucht die Agentur nach Partnern für die Umsetzung.
Zu den anderen Projektideen gehört zum Beispiel ein Ra-
diosender für Achtjährige, die aus erster Hand von Hilfspro-
jekten erfahren sollen. Oder ein Börsenticker, der den täg-
lichen Return-on-Investment von Entwicklungsgeldern an
der New Yorker Börse anzeigen soll. Die erfolgreichsten Ide-
en haben im Herbst die Möglichkeit, sich eine weitere Mil-
lion Dollar von den Gates zu holen.
Die Förderung von Hilfsprojekten ist natürlich immer löb-
lich – ebenso wie das Kommunizieren von deren Erfolgen. 1976-2013

Und wer, wenn nicht die internationale Kreativbranche, 37 YEARS

könnte hier am besten mithelfen? Dennoch hinterlässt es


einen faden Nachgeschmack, wenn Agenturnetzwerke wie
Serviceplan, Ogilvy oder Leo Burnett Fördergelder erhalten
für Projekte, die eventuell nie umgesetzt werden. Wäre das
Geld der Gates nicht bei einem Schulbauprojekt in Sierra
Leone besser aufgehoben als bei einer Kreativagentur aus
Deutschland, die 2012 einen Honorarumsatz von 174 Millio-
nen Euro gemacht hat? Wenn pro bono, dann bitte auch
richtig – und zwar auf eigene Kosten.
012 PAGE 08.13 SZENE

Die Gerüche der Stadt


Q Smell Maps. Dank Google Street
View können wir fast alle Orte der Welt
visuell erkunden. Aber was ist eigent-
lich mit dem Geruchssinn? Die britische
Designerin Kate McLean hat Smell Maps
für Glasgow, Edinburgh und vier weite-
re Städte entwickelt, die Gerüche samt
ihrer örtlichen Lage und Intensität ver-
zeichnen: angefangen von Parfum und
feuchtem Moos bis zu Benzinabgasen.
Diese etwas anderen City Maps sol-
len Menschen dazu bringen, ihre Nase
bewusster zu nutzen und die Stadt als
Einer von Kate olfaktorisches Erlebnis zu begreifen.
McLeans Gleichzeitig ergeben sie aber auch vi-
olfaktorischen suell ein faszinierendes Bild. In McLeans
Stadtplänen: Ausstellungen können Besucher die Or
Newport riecht te zudem selbst erriechen. Ihre Karten
im Sommer werden im Herbst 2013 in »Urban Smell-
nach Ozean, scapes« veröffentlicht, einem wissen-
Sonnenmilch schaftlichen Buch über Geruchserfah-
und Eiscreme rungen und Formen sie zu gestalten. nik

Vorreiter mit Stil


Q Magazin-Schau. Zeitschriftende-
sign im berühmten Münchner Haus der
Kunst? Hervorragend Gestaltetes wird
in der Ausstellung »Paper Weight. Stil-
bildende Magazine von 2000 bis heu-
te« zwar gezeigt. Dies allein hätte für
(kunst-)museale Ehren allerdings nicht
gereicht. »Stilbildend« bedeutet eben
mehr als bloß schickes Design. Es heißt,
die Vision und den Mut aufzubringen,
den Mainstreamverlage leider meist
nicht besitzen, nämlich ein Zeitschrif-
tengenre und dessen Zielgruppe voll-
kommen neu zu definieren – und da-
mit oft überhaupt erst zu schaffen.
»Paper Weight« zeigt fünfzehn Ma-
gazine, darunter einige, die an sich ba-
nale Themen in einen Kunstkontext
stellen. Das gilt zum Beispiel für »White
Zinfandel« des New Yorker W/---Project
Space, in dem es um Essen und Trinken
geht und das halbjährlich mit einem
»kuratierten Dinner« gelauncht wird,
bei dem der Chef aufs Thema der jewei-
ligen Ausgabe eingeht. Oder aber für
»Sang Bleu« des Schweizers Maxime
Büchi, gefragter Tattooartist und Grün-
der des Schriftenlabels swiss typefaces,
das auf bis zu 700 Seiten Tattoo- und
sonstige Subkultur ausbreitet.
Mit gleich drei Projekten sind die
Niederländer Jop van Bennekom und
Gert Jonkers vertreten, bekannt durch
die außergewöhnlich anspruchsvollen
Fashion- und Lifestyle-Postillen »Fan-
tastic Man« und »The Gentlewoman«.
Berühmt-berüchtigt wurden sie durch
PAGE 08.13 013

Alles im Fluss
Q Musikvideo. Schmelzende Formen,
zerfließende Gesichter, winterliche
Berglandschaften – das Musikvideo
zu dem Song »Magma« der Band
The Vein zieht den Betrachter vollkom-
men in den Bann. Erst rein schwarz-
weiß, dann plötzlich psychedelisch-bunt
sind die musikalischen Visionen des
Filmstudios Dvein aus Barcelona, das
den Clip produzierte. Sehenswert
ist auch das Making-of, in dem ältere
Männer mit weiß bemalten Gesich-
tern auf ihren Einsatz warten – und
im Studio noch faszinierender aussehen
als später im Film. Außerdem kann
man hier dem Team über die Schulter
gucken, wie es mit Flüssigkeiten
experimentiert, am Computer 3-D-
Welten erschafft – und auch mal
kurz vorm Wahnsinn steht. Beide
Videos sehen Sie unter www.page-
online.de/the-vein-magma. nik

ihr Schwulenmagazin »Butt«, das vir- dy«, dem ersten Fashionmagazin für war das beispielsweise Steven Klein,
tuos zwischen Derbheit und höchstem Androgyne und Transsexuelle und »EY! für die Deutschland-Ausgabe Kira Bun-
ästhetischen Anspruch changiert und Magateen«. Für Letzteres fotografiert se. Überhaupt nichts mit Sex hat hinge-
mittlerweile nur noch online existiert. je Ausgabe ein herausragender Foto- gen »PIN-UP« zu tun, das sich »Maga-
In dessen konzeptionelle Fußstapfen graf sexy junge Männer aus einem be- zine for Architectural Entertainment«
tritt der Spanier Luis Venegas mit »Can- stimmten Land. Im Argentinien-Heft nennt und von dem in New York le-
benden Deutschen Felix Burrichter he-
rausgegeben wird – er ist Kurator der
Schau in München.
Und wie inszeniert man solche Zeit- Im Museum: »Toilet-
schriften im Museum? Der griechische paper« von
Architekturavantgardist Andreas An- Maurizio Cattelan,
gelidakis sorgt für ein ungewöhnliches Nah-Ost-Magazin
Ausstellungsdesign: Von jedem Maga- »Bidoun«, Modeblatt
zin wird eine überdimensionale, ei- »Encens«, feminis-
gens für die Schau zusammengestell- tische »Girls Like Us«,
te Doppelseite aufgeschlagen im Raum »032c«, »Sang
stehen. Ab 12. Juli und bis 27. Oktober Bleu«, »Fantastic
im Haus der Kunst. cg Man« und »PIN-UP«
014 PAGE 08.13 SZENE

Die Socke macht’s


Q Corporate Design. Lässig linst
der Jüngling unter seiner Haartolle her-
vor und zeigt seine farblich auf die Tor-
te abgestimmten kiwigrünen Socken.
Auch der zerknirscht aussehende Ma-
cho wird seine Liebste eher mit seinen
lila bestrumpften Waden beeindrucken
als mit dem ebenso lila Strauß welker
Tulpen. Zwei Mannheimer Studenten
haben das Unternehmen stilfaser ge-
gründet, um nun unter dem Label von
Jungfeld Herrensocken zu verkaufen.
Diese – man erkennt sie am kontrast-
farbigen Innenbund – bieten neben
farbenfrohem Design hohe, in Deutsch-
land produzierte Qualität. Bislang gibt
es sechs Modelle, eine weitere Kollek-
tion soll in Kürze folgen.
Die Agentur Schikago, ebenfalls aus
Mannheim, entwickelte die passende
visuelle Identität. Von dem auf einer
handgezeichneten Schrift basierenden
Logo über die Verpackungen und das
Konzept für die Produkt- und Imagefo-
tos bis zum Onlineshop www.jungfeld.
com – bislang die einzige Bezugsquel-
le. Idee, Design und unkonventionelles
Marketing sorgen zum einen dafür, dass
Weihnachtsgeschenke für Männer 2013
unproblematisch sind. Zum anderen
wird manche etablierte, aber ange-
staubte Marke nicht nur rot sehen, son-
dern auch grün vor Neid werden. ant

Ob Jeans, Jogging- oder Anzughose:


von-Jungfeld-Socken gehen immer

Alles ist Musik


Q iPad-App. In den 80er Jahren waren App in kleine Häppchen schneiden las- len oder – für ganz Mutige – auch auf
Boris Blank, Carlos Perón und Dieter sen. Diese dann im Editor beliebig an- SoundCloud veröffentlichen, wo sie je-
Meier Kult: Mit ihrer Band Yello mixten ordnen, mixen und mit Effekten verse- der hören kann. Zur Inspiration enthält
sie Alltagsgeräusche mit elektronischen hen. Fertig! In wenigen Minuten ent- Yellofier Songs und Sounds von be-
Beats und erfanden so quasi ihr eige- steht so ein eigener Song, den man je kannten Elektro-Musikern.
nes Musikgenre. Mithilfe der iPad-App nach Zeit, Lust und Können ausgefeil- Boris Blank konzipierte die App ge-
Yellofier kann das jetzt jeder: Einfach ter gestalten kann. Die Stücke lassen meinsam mit dem schwedischen Mu-
Sounds aufnehmen und sie von der sich innerhalb der App und per Mail tei- sikproduzenten Håkan Lidbo, der auch
. . . und jeder ein
Musiker: Mit
Yellofier lassen
sich Alltagsge-
räusche aufneh-
men, mit Effek-
ten versehen und
beliebig mixen
PAGE 08.13 015

PAGE gibt’s übrigens


auch in RGB.

Logo als Landmark


Q Standort-Branding. Dass es hier aber eben nicht nur
um einen Ort, sondern auch um eine Idee geht, will die Wiener
Agentur Nofrontiere mit dem von ihr kreierten Markennamen
Standpunkt Liesing deutlich machen: Das alte Industrie-
gebiet soll als smartes, nachhaltig und ressourcenschonend
funktionierendes Wirtschaftsquartier positioniert werden.
Dafür entstand neben Markenauftritt und Verkehrsleitsystem
direkt an der U6-Station Perfektastraße ein Wahrzeichen in
Gestalt des neuen Liesing-Logos: ein aus Containern gebautes,
13 Meter hohes L mit (Stand-)i-Punkt, das ein wenig an ein
menschliches Profil erinnert. Informationen gibt es daneben
in einem verglasten Ausstellungscontainer. cg

das Design entwickelt hat. Sie ist nicht


nur nett anzuschauen, sondern auch
erstaunlich intuitiv zu bedienen. Mitfi-
nanziert wurde sie von Electronic Beats,
dem internationalen Programm für Mu-
sikmarketing der Deutschen Telekom.
Yellofier gibt es für schlappe 2,69 Euro
im App Store. Viel Spaß! nik
016 PAGE 08.13 SZENE

BRANCHE & KARRIERE


Vordergrund stehen, sagt oft mehr als
tausend Worte«, erläutert der renom-
mierte Infografiker Jan Schwochow, der
an der Spitze der Jury steht.
Bis Ende August können Kreative
deutschsprachige Grafiken einreichen,
Wer sich noch nicht die zwischen dem 1. Juli 2012 und dem
fit für den Wett- 31. August 2013 erschienen sind oder
bewerb fühlt und erscheinen werden. Es gibt die vier Ka-
sein Infografik- DIP, DIP, hurra! tegorien Wissenschaft, Unternehmen,
Können aufbessern Medien und Independent (für freie Be-
will, kann das in un- Q Infografik-Wettbewerb. Ob im werber und Newcomer) sowie einen
serem PAGE-Seminar Netz oder gedruckt, ob informativ oder Zusatzpreis für herausragende Recher-
mit Jan Schwochow ironisch: Infografiken boomen. Jetzt cheleistung. Das Preisgeld in Höhe von
tun (siehe Seite 82 f.) bekommt das Medium einen eigenen jeweils 3000 Euro geht an die Autoren,
Kreativaward. Auf Initiative des Deut- nicht an den Auftraggeber. Und das
schen Instituts für Wirtschaftsforschung Beste: Die Teilnahme ist kostenlos. Der
und seiner Partner, zu denen unter zehnköpfigen Jury gehören neben Jan
anderem das Amt für Statistik Berlin- Schwochow auch Markus Albers von
Brandenburg und MetaDesign gehö- Rethink und Florian Dengler von Meta-
ren, wird 2013 erstmals der Deutsche Design an. Die Gewinner sollen im No-
Infografik Preis (DIP) ausgelobt. »Eine vember feststehen, die Preisverleihung
gute Infografik, bei der Informations- folgt Anfang 2014. Mehr dazu auf www.
gehalt und tiefgründige Recherche im deutscherinfografikpreis.de. nik

BDG Business Basics KSK-Mitglied werden


Christian Büning, Präsident des Berufsverbands der Deutschen
Kommunikationsdesigner ( www.bdg-designer.de ), beantwortet berufs-

Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de


bezogene Fragen von Gestaltern. Hier stellt er aktuelle Fälle vor

Johannes, 24: Hallo, ich überlege, mich signer wie Sie ist sie im Übrigen eine
nach dem Studium selbstständig zu Pflichtversicherung.
machen, und versuche gerade, mich zu Das Antragsformular können Sie auf
orientieren. Großes Kopfzerbrechen www.kuenstlersozialkasse.de herunter-
bereitet mir die Künstlersozialkasse. laden. Die Anmeldung dauert ein paar
Wie funktioniert sie eigentlich, und wie Wochen, in denen Sie freiwillig kran-
komme ich da rein? Und kann ich über kenversichert sein müssen. Wenn hier-
die KSK auch meine Zusatzversiche- durch Kosten entstehen, die höher sind
rungen mitnehmen? Vielen Dank! als die Versicherungskosten innerhalb eine Hälfte zahlen Sie an die KSK, die-
der KSK, wird die Differenz erstattet, se gibt die zweite Hälfte als Zuschuss
Lieber Johannes, wenn Sie in der KSK aufgenommen dazu und leitet die Beiträge weiter.
um die Künstlersozialkasse zu verste- sind. Mein Tipp: Wenn es mit der An- Ihre Zusatzversicherungen bleiben
hen, muss man ein wenig in die Ver- meldung länger dauern sollte, können praktischerweise Verträge mit Ihrer
gangenheit schauen. Sie ist ein klug Sie gerne bei der KSK nachhaken. Die Krankenkasse, nicht mit der KSK. Sie
gedachtes staatliches Instrument, um Mitarbeiter sind dankbar für Rückmel- müssen sie deshalb nicht ummelden.
freie Künstler und Publizisten zu un- dungen und sehr hilfsbereit. Übrigens: Durch die KSK sind Sie auto-
terstützen. Die KSK übernimmt die Die KSK ist übrigens keine eigene matisch in der gesetzlichen Rentenver-
Hälfte der Kosten für Kranken-, Ren- Krankenversicherung, sondern verwal- sicherung, solange Sie eine bestimmte
ten- und Pflegeversicherung – ähnlich tet lediglich die Ansprüche, so wie ein Einkommensgrenze nicht überschrei-
wie ein Arbeitgeber bei einem ange- Arbeitgeber auch. Sie können sich bei ten, sowie in der gesetzlichen Pflege-
stellten Mitarbeiter. Was ursprünglich einer Krankenkasse Ihrer Wahl anmel- versicherung. Viel Erfolg!
lediglich für bildende Künstler und Au- den, egal, ob gesetzlich oder privat.
toren gedacht war, erfreute sich einer Die KSK braucht dann von Ihnen eine Haben Sie Fragen, die Sie hier beant-
sehr großen Beliebtheit und mittler- Schätzung des zu erwartenden Jah- wortet sehen möchten? Dann
weile sind mehr als 175 000 Versicher- reseinkommens, um die Höhe der Ver- schreiben Sie uns (E-Mail: business
te in der KSK. Für freiberufliche De- sicherungsbeiträge zu errechnen. Die basics@bdg-designer.de)
PAGE 08.13 017

Brennpunkt
Anwalt Nils Wolfgang Bings über Plain Packaging
und das Tabakbranding von morgen
1 2

QDer EU-Kommission liegt derzeit ein nisse erschwert werden. Wenn nun al- BRANCHE & KARRIERE
Richtlinienvorschlag zur Änderung des lerdings das Plain Packaging einge-
Tabakrechts vor. Dieser sieht Warnhin- führt wird, ist es nicht mehr möglich, +++ Digitalkopf bei Grabarz & Partner. Andreas
weise in Wort und Bild vor, die 75 Pro- Bildmarken und Logos zu verwenden. Brunsch 1 verantwortet ab sofort als Head of Digital
zent der Vorder- und Rückseite von Zi- Hier stellt sich die Frage, ob die Er- Creative die gesamte digitale Kreation bei der Hambur-
garettenschachteln bedecken sollen. schwernis gerechtfertigt ist. Das wäre ger Werbeagentur. Er kam vor einem Jahr als Creative
Auch eine Umstellung auf Plain Packa- nur der Fall, wenn es um den Schutz Director Integrated/Campaigning zu Grabarz & Partner.
ging – also einheitliche Standardpäck- der öffentlichen Gesundheit und Er- Die neue Position ist Teil der Digitalisierungsstrategie
chen –, wie sie Australien Ende 2012 nährung geht. Wie der Gesetzgeber der Agentur. +++ Gamedesign-Kongress. Das red dot
vorgenommen hat, ist theoretisch mög- das beurteilt, ist offen. design museum veranstaltet am 17. Oktober in Berlin ei-
lich. Wir sprachen mit dem Anwalt Plain Packaging ist im Grunde ein nen Kongress über die wirtschaftlichen und kulturellen
Nils Wolfgang Bings von der Münchner Super-GAU für Marketingverantwort- Potenziale von Gamedesign. Linda Breitlauch, Professo-
Kanzlei Vossius & Partner. nik liche in Tabakunternehmen. rin für Game Design an der Mediadesign Hochschule in
Wie könnten sie damit umgehen? Düsseldorf, führt an dem Tag durch die Themenberei-
Wie wahrscheinlich ist es, dass Die Werbung könnte man dahinge- che Gamification, Serious Games, Technologietransfer
in Deutschland Plain Packaging hend ändern, dass sie mehr auf die und Transmedia. Zu den Sprechern gehören interna-
eingeführt wird? Qualität des Produkts abstellt – nach tionale Experten aus der Spielebranche sowie Gewin-
Nils Wolfgang Bings: Das ist nicht dem Motto: »Man erkennt uns am Ge- ner des red dot award: communcation design 2013.
absehbar, da im September die Bundes- schmack«. Unternehmen sollten Bild- ≥ www.red-dot.de/cd +++ Chefin bei AKQA Berlin. Julia
tagswahl ansteht. SPD und Grüne for- marken in den Hintergrund rücken von Winterfeldt 2 ist neuer General Manager am Berliner
dern eine Verschärfung des Tabak- und dafür Markennamen und Wortbe- Standort der digital orientierten Kreativagentur AKQA.
rechts, aber ob das zum Plain Packa- standteile hervorheben, um sie ein- In dieser Position koordiniert sie auch die Zusammenar-
ging führen wird, kann man jetzt noch gängiger zu machen. Plain Packaging beit mit dem globalen AKQA-Netzwerk. Von Winterfeldt
nicht sagen. Das gibt es bislang nur in zielt ja nur auf die Verpackung ab, an- wechselt von Sapient, wo sie seit 2001 in verschiedenen
Australien und Neuseeland. Zu befürch- dere Werbemaßnahmen sind nach Positionen tätig war. +++ Pictoplasma Academy. Picto-
ten ist ein Dominoeffekt: Einige Län- wie vor möglich – in Deutschland so- plasma veranstaltet vom 12. bis 20. Oktober in Berlin ei-
der stoßen vor, andere folgen nach. gar mehr als in den anderen EU-Län- nen Character-Design-Workshop. Mitmachen können so-
Großbritannien versucht es derzeit, in dern. Noch ist zwar kein zielgerichte- wohl Studenten als auch Profis. Die Teilnahmegebühr
Litauen ist vor Kurzem ein entsprechen- tes Handeln möglich, aber Tabakfirmen liegt bei 990 Euro; Anmeldungen sind bis 26. Juli mög-
der Antrag gescheitert. sollten schon heute überlegen, ihre lich. ≥ www.academy.pictoplasma.com +++ Umbau bei
Sie sagen, dass Plain Packaging im Markenstrategie und die Werbemaß- ACHT. Die Postproduktionsfirma ACHT Frankfurt stellt
Widerspruch zum Eigentumsschutz nahmen entsprechend anzupassen. sich neu auf und konzentriert sich künftig mehr auf Krea-
steht. Inwiefern? Das Rebranding und die neue tion. Auch die Agenturstruktur wurde verändert: Mit
Nach dem TRIPs(Agreement on Trade- Kampagne von Lucky Strike gehen den drei Chief Operating Officers Rocco Schult, Simon
Related Aspects of Intellectual Proper- bereits in diese Richtung. Mayer und Klaus Hoffmann ist eine neue Hierarchieebe-
ty Rights)-Abkommen sind Marken ge- Ja, es gibt schon erste Schritte. Mir ist ne entstanden. Im März hat ACHT einen Standort in
schützt – das umfasst vor allem solche das auch bei der aktuellen Marlboro- Hamburg eröffnet. +++ Neuer Kreativchef bei Scholz &
Zeichen, die geeignet sind, Produkte Kampagne aufgefallen: Hier sticht der Friends Düsseldorf. Jörg Sachtleben hat die kreative
voneinander zu unterscheiden. Die Markenname viel mehr heraus und we- Leitung des Standortbüros übernommen. Für ihn ist es
Nutzung einer Marke darf nicht unge- niger das Päckchen. Interessanterwei- eine Rückkehr: Er war bereits als Kreativdirektor bei
rechtfertigt durch besondere Erforder- se sprechen sich Unternehmen wie et- Scholz & Friends Hamburg tätig, bevor er zwischenzeit-
wa der Marlboro-Mutterkonzern Philip lich als Geschäftsführer Kreation zu Katapult Kommuni-
Morris sogar für Plain Packaging aus. kation wechselte. Der bisherige Düsseldorfer Kreativchef
Wahrscheinlich gehen sie davon aus, Harald Haas verlässt die Agentur. +++ Platine 2013. 3
dass die Marktpositionen der großen Das Festival für elektronische Kunst und alternative Spiel-
Player dadurch zementiert werden formen in Köln-Ehrenfeld findet vom 19. bis 22. August
und kleinere Discountermarken so gar zum vierten Mal statt. An verschiedenen Orten im Viertel
nicht auf den Markt kommen könnten. können Besucher von 19 bis 23 Uhr Projekte zwischen
Sind Tabakprodukte nur der Anfang? Kunst und Gaming entdecken – und natürlich mit ihnen
Ich denke: ja. Beim Tabakrecht kann spielen. Der Eintritt ist frei, Veranstalter ist das Büro für
man einfacher vorstoßen, da wissen- Live-Kommunikation 37 Grad. ≥ www.platine-cologne.de
schaftlich belegt ist, dass Tabakkonsum +++ Deutscher Werbefilmpreis 2013. Der von der Al-
krank macht. Doch auch bei Lebens- lianz Deutscher Produzenten ausgelobte Preis wird im
mitteln und Kosmetika wird man die ak- Herbst in Berlin vergeben. Im vergangenen Jahr war er
tuellen Entwicklungen vermutlich zum ausgefallen, davor fand die Verleihung stets in Frank-
Anlass nehmen, um Werbung restrik- furt am Main statt – vor 2011 unter dem Namen VDW
tiver zu handhaben und die Vorschrif- Award. Die Produzentenallianz plant eine Deutsche
So sehen seit Ende 2012 Zigaretten- ten bezüglich Irreführung und Kenn- Werbefilmakademie, deren Mitglieder über Nominierun-
schachteln in Australien aus zeichnungspflicht zu verschärfen. gen und Preisträger entscheiden sollen. nik
018 PAGE 08.13 SZENE

PAGE ONLINE
Portfolio des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein Mitglied der PAGE Community und Highlights aus seinem Portfolio vor

Julia Fröhlich
www.page-online.de/portfolios/julia-froehlich

Q Julia Fröhlich liebt die Arbeit mit Papier, weil Ich bin Designer, Freelancer
die Gestaltungsmöglichkeiten damit immer wieder Ich biete Print, Produkt, 3-D, Illustration
überraschend sind. Deshalb hat die Münchner De- E-Mail studio@juliafroehlich.de
signerin sich 2006 auf Pop-ups und Paper Art spe- Web www.juliafroehlich.de
zialisiert und verwandelt die Welt, wie sie sie sieht, Standort München
in Papierskulpturen. Ob das nun das berühmte Mu-
seen wie das Guggenheim New York, klassische
Mode oder Märchenszenarien sind.

1 2 3 4

E-MAG: KREATION | TYPO | BILD | TECHNIK | SZENE | GALERIE

Trendtier Vogel Wand-Typo für Starbucks Wilde Tiere in Paris


Kreation. Gezeichnet, gebastelt, zum Lo- Typo. Läuft man durch Toronto, kann man Bild. Frösche in der Avenue, Igel, die um die
go stilisiert oder als Skulptur in den Ast ge- dabei seit Kurzem etwas über den Kaffee von Ecke biegen, eine Schnecke, die am Gitter
hängt: Vögel scheinen die neuen Schnurr- Starbucks lernen. Das Designstudio imersif, entlangschleicht: Die Gestalterinnen Chris-
bärte zu sein, nur dass sie vielfältiger und auf großflächiges Branding spezialisiert, hat tina Andraschko und Anke Braatz, die seit
interessanter sind. Wir zeigen die schöns- riesige typografische Wandbilder entworfen, ihrem Studium immer wieder zusammenar-
ten Exemplare der Vogelschar, die in letz- die in verschiedensten Fonts Röstung und beiten, haben in den Straßen von Paris ge-
ter Zeit bei uns landete. Zubereitung visuell erklären. zeichnete Tiere ausgesetzt . . .
≥ www.page-online.de/trendtier-vogel ≥ www.page-online.de/starbucks-wandtypo ≥ www.page-online.de/wilde-tiere
PAGE 08.13 019

www.page-online.de PAGEmag

Fotos: Heidi Fröhlich


1 Das handgefertigte Karusselbuch »Rotkäppchen« ist Teil einer Märchenserie und ein Unikat. 2 Für die Serie »Papierbekleidung«

entwickelte Julia Fröhlich diese Damenjacke. 3 Ebenfalls ein freies Projekt: der Paradiesvogel aus Papier. 4 Die Miniaturnach-
bildung eines Wohnraums ist eine freie Arbeit und besteht, außer dem Kronleuchter, vollständig aus Papier. 5 Für das Buch »Frank
Lloyd Wright in Pop-Up«, erschienen bei Thunder Bay Press, entstand das New Yorker Guggenheim Museum als Pop-up

PAGE NEWSLETTER
Foto: Berlinpieces

Berlin Graphic Days Mobile Radio-App Immer up to date


Szene. Nach dem großen Erfolg der Berlin Technik. Eine schöne Verschränkung von QBestellen Sie jetzt den kostenlosen
Graphic Days im Januar, als sich im KaterHol- Digital und Analog zeichnet die iPhone- PAGE Newsletter und bleiben Sie auf
zig junge Aussteller und Besucher drängelten, App homesickFM aus. Das Interface ist dem Laufenden rund um kreatives Me-
findet das Event der Agentur Berlinpieces am dabei wie ein altes Transistorradio ge- diendesign, Publishing und Trends. So
23. und 24. August erneut statt. Einmal mehr staltet. Über gute alte Frequenzbänder erfahren Sie auch als Erste, wenn wir
zeigen Grafiker und Künstler ihre Arbeiten scrollt man sich durch Internetradiosta- ein neues PAGE Seminar veranstalten
und verkaufen sie vor Ort. tionen auf der ganzen Welt. oder eine Sonderedition herausgeben.
≥ www.page-online.de/graphicdays-august ≥ www.page-online.de/mobile-radioapp ≥ www.page-online.de/newsletter
020 PAGE 08.13 SZENE Ausbildung

AUSBILDUNG

Hereinspaziert!
Q Stadtentwicklungs-Projekt. In
was für einer Stadt wollen wir leben?
Wie können Bürger die Gestaltung ih-
res Wohnraums beeinflussen? Diese
Fragen untersuchten die Kommunika-
tionsdesignstudentinnen Sina Pardylla
und Marie Schröter in ihrer Masterar-
beit an der Hochschule für Bildende
Künste Braunschweig im Sommerse-
mester 2012. Sie mieteten sich ein leer
stehendes Ladenlokal im Braunschwei-
ger Friedrich-Wilhelm-Viertel und be-
spielten ihren EIN LADEN_ mit Lesun-
gen, Filmabenden sowie einer abschlie-
ßende Ausstellung und Präsentation
ihres Projekts. Das Ziel war es, die Be-
wohner zu Kommunikation und Parti-
zipation einzuladen und die Rahmen-
bedingungen für einen Diskurs zur Be-
lebung des Viertels zu schaffen.
Für die visuelle Identität von EIN
LADEN_ und die zugehörigen Kommu-
nikationsmaterialien war weder viel
Zeit noch Geld da. Deshalb entschie-
den sich die beiden Studentinnen bei
der Gestaltung für Low-Budget-Lösun-
gen wie zum Beispiel Scherenschnitt,
Folienplot und Freefonts. So entstand
ein klares, reduziertes Corporate De-
sign in Schwarzweiß mit besonderem
Fokus auf Typografie. Die theoretische
Herleitung des Projekts, das Gestal-
tungskonzept sowie den Ablauf und
die Ergebnisse fassten Sina Pardylla und
Marie Schröter jetzt in einem 100-sei-
tigen Magazin zusammen, das man für
20 Euro unter info@sproessling-design.
com bestellen kann.

Auffällige Schaufensterbeschriftun-
gen lockten die Bewohner an. Das
schwarzweiß gehaltene Corporate
Design von EIN LADEN_ kom-
biniert moderne mit Retrofonts
PAGE 08.13 021

Rotkäppchen reloaded
Q Illustrationsbuch. Rund 200 Jahre
ist es her, dass die Gebrüder Grimm ihr
erstes Märchenbuch veröffentlichten. Die-
ses Jubiläum nahmen Florian Bayer,
Dozent für Illustration an der Hochschule
Würzburg-Schweinfurt, und seine
Studenten zum Anlass, »Rotkäppchen«
1 visuell neu zu interpretieren. Sechs
Variationen eröffnen nun außergewöhn-
2 liche Perspektiven auf den Klassiker.
Bei Romina Birzer 1 ist Rotkäppchen
ein barbusiges Hippiemädchen, das der
Großmutter Magic Mushrooms in den
VW-Bus bringt. Alexander Kowalskis 2
düster-apokalyptische Zeichnungen
illustrieren das Märchen auf abstrakte,
atmosphärische Weise. Miro Denk macht
den Wald zum Vorstadtdschungel und
den Wolf zu einem zwielichtigen Typen,
der später von Rotkäppchen mit der
Jägermeister-Flasche eins übergebraten
bekommt. Diese drei sowie die Neuinter-
pretationen von Hanne Jatho, Marko
Martini und Sieglinde Fischer sind in dem
Buch »Grimm Obstructions – Rotkäppchen
und der böse Wolf« zusammengefasst
(querfeldein Verlag, 108 Seiten, 7 Euro,
isbn 978-3-9810428-1-8). Für Kinder
ist die Lektüre allerdings nicht geeignet.

Fotos aus der Zeitmaschine


Q Bild-Experimente. Google Street spirieren. Kevin Bergt konzentrierte bar perfekte Abbild in sich zusammen
View fasziniert nicht bloß Menschen, sich in seiner Masterthesis »Zeitreise und offenbart für den Bruchteil einer
die sich ihr Urlaubsziel von zu Hause durch den digitalen Raum« im Studien- Sekunde ganz beiläufig ein faszinieren-
aus schon mal genauer anschauen wol- gang Design an der Hochschule Anhalt des, grafisches Gebilde aus sich über-
len – auch Künstler und Fotografen auf den Moment, in dem der Nutzer lagernden und miteinander verschmel-
lassen sich von den zum Teil absurden von einem Ort zum nächsten »fährt«: zenden Bildern, die einem kurzzeitig
und überraschenden Aufnahmen in- »In diesem Moment bricht das schein- das Gefühl geben, sich in einer Zeit-
maschine zu befinden«, erklärt Kevin
Bergt seine Faszination. »Man wird
förmlich von einem Standpunkt zum
nächsten gebeamt.«
Mal nahezu Diesen Moment festzuhalten ent-
fotografisch, puppte sich jedoch als schwierig, denn
mal bis zur die herkömmliche Snapshot-Funktion
Unkenntlichkeit ist dafür zu langsam. So filmte Bergt
verzerrt: Kevin seinen Monitor mit QuickTime ab und
Bergts Moment- wählte aus dem Bildmaterial 54 Motive
aufnahmen aus aus, die er in einem Band mit zugehöri-
Google Street ger Dokumentation zusammengefasst
View weisen hat. Die Bilder liegen irgendwo zwi-
unterschied- schen Glitch Art und experimenteller
liche Abstrak- Fotografie und vermitteln tatsächlich
tionsgrade auf das Gefühl einer Zeitreise. nik
022

TITEL

Für die Schau »The Floating Eye« im


Sydney Pavillon der Shanghai Biennale
2012 entwickelte die australische
Agentur Re ein Set von Zeichen, das sich
variationsreich durch Ausstellungs-
design, Online- und Printmedien zieht
Die Muster sind mit bestimmten Bedeu-
tungen kodiert, die Schlüsselworte des
Ausstellungskonzepts thematisieren. Das UnCorporate Corporate Design!
plakative Zeichenrepertoire ist schnell
wiedererkennbar – ob als flackernde,
knallbunte Animation für Bildschirm- Das langsame Logosterben stellt Designer und Unternehmen vor schwierige
medien oder als zarte Randnotizen in Herausforderungen. PAGE skizziert neue Perspektiven
der Ausstellungspublikation
PAGE 08.13
023
024 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

Q Das Ende des Corporate Designs scheint kürzlich die Ansage: »Make sure that it’s not bildungen indirekt in Beschlag – als würde
nahe. Kürzlich widmete sich beispielsweise logocentric and doesn’t create a corporate man, ohne zu fragen, im fremden Kontext ei-
die Hamburger Agentur Factor Design in ih- feel« (mehr dazu auf Seite 32). nen Link zur Kunsthalle Wien setzen. Kritiker
ren »Studiogesprächen« dem Thema »Fluid könnten unken: Bei diesem formalen Durch-
Brands« und fragte im Subtitel: »Was kommt Die Logozentrik hat gerade auch die Kunst- einander verliert man die Übersicht, welche
nach Corporate Design?«. Zwar stellten die halle Wien abgeschafft. Ende März stellte der Adler eigentlich zum Erscheinungsbild gehö-
Redner alles bislang für unumstößlich Ge- künstlerische Leiter Nicolaus Schafhausen das ren und welche nicht. Oder: Das sieht ja aus,
haltene nicht ganz so radikal infrage, aber neue Erscheinungsbild vor, das der belgische als hätte man die Logoentwicklung crowdge-
nichtsdestotrotz klangen die Grundtenden- Designer Boy Vereecken entwickelt hat. Im sourct und sich am Ende einfach für keinen
zen einer Entwicklung an, die sich weltweit Zentrum steht die Figur des Adlers, die auf das Finalisten entscheiden können. Aber die Fans
an den Unternehmensauftritten aus der jün- Wiener Wappen und auf Marcel Broodthaers’ einer solchen Lösung würden wohl entgeg-
geren Zeit ablesen lässt: Starre, uniforme Er- fiktives Adler-Museum verweisen soll, ein nen: ein verdienter Tritt in den Hintern derer,
scheinungsbilder sind passé. Projekt, in dem sich der Künstler kritisch mit die noch meinen, Identität ließe sich in ei-
Ein einziger gemeinsamer Nenner reicht dem Museumsbetrieb auseinandersetzte. Al- nem einzigen Zeichen verdichten. Allzu sehr
nicht mehr, denn Identität lässt sich offen- lerdings entwickelte Vereecken nicht nur ei- braucht man sich unterm Strich über das Er-
sichtlich nicht länger in ein simples Zeichen nen Adler, sondern gleich eine ganze Serie, scheinungsbild, das Nicolaus Schafhausen
pressen. Falls dies doch geschieht, wirkt dies die noch weiter ergänzt werden soll. Stilistisch »brutal but sexy« findet, nicht aufzuregen,
auf den Betrachter oder Nutzer wie in eine sind diese Vögel so unterschiedlich, als ob sie denn die Anzahl der Adler ist und bleibt ver-
Konservendose gezwängt – aber wer möchte gar nicht aus einer Hand stammen würden. gleichsweise überschaubar.
heutzutage noch Dosenfutter? Statt matschi- Fast erinnert dies an das formale Durchei-
gem Labskaus sind frische Zutaten gefragt, nander der Google-Doodles, die Identität mit- Die Quantität der Zeichen steht ansonsten
möglichst noch mit Wurzeln dran, damit das tels Diversität entstehen lassen. derzeit im Corporate Design ganz oben auf
Ganze weiter wachsen kann und länger kna- Das »uncorporate« anmutende Corporate der Prioritätenliste, ein paar hundert oder
ckig bleibt. Das Moskauer Designbüro Flëve Design der Wiener Kunsthalle hat auch etwas tausend Logos müssen es offenbar schon sein.
erhielt bei einem Corporate-Design-Briefing Subversives, denn es nimmt andere Adlerab- Die digitalen Tools vereinfachen es, beliebig

Wetterfestes Logo
Nordkyn
Q Kein Witz und auch keine Simulation: Pas-
send zum Claim »Where Nature Rules« ändert
sich das Logo der norwegischen Region Nord-
kyn tatsächlich in Abhängigkeit zum Klima.
Die Wetterdaten beeinflussen ganz unmittel-
bar die Logogestalt. Denn die Informationen
über Wind und Temperatur setzt ein von
Neue Design Studio in Oslo programmiertes
Tool zur Logogenerierung ein. Dabei nimmt
die Temperatur Einfluss auf die Farbe, wäh-
rend der Wind die kristalline Form des Logos
zu drehen oder zuzuspitzen scheint. Auf der
Website wandelt sich das Zeichen basierend
auf den meteorologischen Daten alle 5 Minu-
ten. Das Nordkyn-Logo wirkt wie ein leben-
diges Wesen, das als Teil der Natur agiert. Ein
echter Geniestreich, der dem Corporate De-
sign den Blick in eine neue Dimension eröff-
net. Das Konzept erntete nicht nur diverse
Designpreise, sondern verhalf der Region tat-
sächlich zu neuen touristischen Perspektiven
(siehe dazu das Interview rechts).
PAGE 08.13 025

viele Variationen aus Mustersets zu generie-


ren. Gelegentlich wirkt das ein bisschen wie
»Corporate Identity ist
beim Abgleichen der Autoquartett-PS-Zah-
len: Guck mal, meins hat 500 000 Varianten.
weniger ein äußerer Stil,
Für den Sender VPRO entwickelte das De-
signbüro Thonik in Amsterdam sogar über sondern entwickelt sich zu
eine Milliarde Zeichenversionen.
Registriert der Betrachter überhaupt, ob es einer Seinsweise weiter«
Tausende oder Millionen von Varianten sind?
Und soll er sich noch die Mühe machen, ver- Lars Håvard Dahlstrøm, Senior Designer und
stehen zu wollen, warum und wie sich die De- Partner bei Neue Design Studio in Oslo, über die
tails verändern? Unter den Vorreitern der Dynamisierung visueller Identitäten
Muster-CIs gibt es großartige Anwendungen
(siehe PAGE 05.13, Seite 38 ff.). Wenn aller- Flexibilität im Erscheinungsbild erweist sich als stabiler Trend.
dings Muster als Ersatz für das gute alte Logo Was halten Sie von dieser Entwicklung?
zum Mainstream werden, drohen die neuen Lars Håvard Dahlstrøm: Zunächst einmal sind wir sehr
Erscheinungsbilder in flirrenden Formspiele- froh, dass die bislang oft sehr traditionelle Designdisziplin
reien unterzugehen. eine Erneuerung erfährt. Wir Designer sollten uns der He-
Die Errungenschaft der Musterkonzepte ist rausforderung stellen, vor dem Hintergrund einer sich stän-
auf jeden Fall, dass das Logo aus seiner Isola- dig wandelnden Gesellschaft darüber nachzudenken, was
tion befreit und Bestandteil einer visuellen Identität heute bedeutet. Andererseits denken wir, dass es
Corporate Language wird, die von verstreu- tatsächlich zu viele Erscheinungsbilder gibt, die flexibel sind,
ten wiedererkennbaren Fragmenten durch- nur um flexibel zu sein. Aus unserer Sicht muss eine Identi-
zogen ist. Das assoziative Ergänzen bleibt dem tät eine Geschichte erzählen – und das Element der Dyna-
Betrachter überlassen, sodass er zum Mit- mik ist nur eines von vielen Mitteln, mit denen man diese
Geschichte vermitteln kann.
Ihr Konzept für Nordkyn verleiht Corporate Design eine neue
Dimension. Wie bewährt sich das Konzept in der Praxis?
Der größte Erfolg dieser Identität besteht darin, dass Nord-
kyn nun eine Story hat, die sie verbal und visuell kommuni-
zieren kann. Die ganze Region hat jetzt eine gemeinsame,
kohärente Weise, über ihre Produkte zu sprechen. Diese
Professionalisierung hat dazu geführt, dass ihr tatsächlich
mehr Reiseveranstalter zuhören wollen. Und das dynami-
sche Logo spielt bei dieser Geschichte eine zentrale Rolle.
Was ist Ihre Vision für die Corporate Identitys der Zukunft?
Wir hoffen und glauben, dass Corporate Identity ein noch
bedeutsameres Element wird, um in Firmen und Organisa-
tionen eine eigene Kultur zu schaffen. Der Einsatz neuer
Technologien und die Ausweitung der Kommunikations-
bereiche ermöglicht es, dass Corporate Identity weniger
ein äußerer Stil ist, sondern sich zu einer Seinsweise wei-
terentwickelt. Die Flexibilität des Designs kann hier sicher
für neue Impulse sorgen, um Corporate Culture und Mar-
kenpersönlichkeit besser zu definieren und zu vermitteln.

Wind und Wetter verleihen dem von Neue Design


Studio entworfenen Logo der norwegischen
Region Nordkyn ständig neue Züge. Das
konzeptuelle Zeichen ist mit einer äußerst
ästhetischen Bildsprache kombiniert
026 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

träger der Identität wird. Auf diese Weise nen den Nagel wegzunehmen drohte, mit wird im Zeitalter der Social Media insgesamt
entsteht eine Art Interaktivität, die den Zu- dem sie gewohnt waren, Identität ins Hirn zu stärker als kollektive Identität verstanden. So
gang zum Erscheinungsbild intensiviert und hämmern –, ganz neue Perspektiven eröff- entwickeln zum Beispiel immer mehr Hoch-
das Identifikationspotenzial steigert. net. Entgegen der Erwartung lässt sich durch schulen Konzepte, in denen jeder Student
das Prinzip der Streuung von Fragmenten ei- und jeder Professor ein eigenes Logo erhält.
Bestes Beispiel für diesen Ansatz ist das Er- ne Identität nicht weniger stark kommunizie- Diese Wertschätzung des Individuums inner-
scheinungsbild für die Schau »The Floating ren, sondern auf andere Weise fast intensiver, halb einer Gruppe, die auch unhierarchische
Eye« im Sydney Pavillon der Shanghai Bienna- da mehr Andockpunkte für die Assoziationen Strukturen suggeriert, wird sicher noch stärker
le 2012, die die Werke zeitgenössischer australi- des Betrachters entstehen. Statt Hammer und in Unternehmensidentitäten einfließen.
scher Künstler präsentierte (siehe Seite 22 f.). Nagel sind Gießkanne und Samen die neuen Noch weitgehend ungenutztes Potenzial
Die Zeichenvarianten sind keine beliebigen for- Werkzeuge, und – um diese mittelmäßige steckt sicherlich darin, die Wandelbarkeit von
malen Spielereien, sondern Kodierungen von Metapher definitiv überzustrapazieren – der Erscheinungsbildern an konkrete Faktoren zu
Schlüsselwörtern des Ausstellungskonzepts, Betrachter ist nicht länger ein Brett, sondern knüpfen und die Parameter der Veränderlich-
kombiniert mit grafischen Interpretationen wird zum Nährboden. keit offenzulegen, damit man auch versteht,
der Linse des Betrachters. Jason Little, Kreativ- in Relation zu was sich das Logo wie verändert.
direktor bei RE in Sydney, nutzte das visuelle Veränderlichkeit bedeutet aber nicht nur das In besonderer Weise gelang dies der norwegi-
Vokabular, um digitale und analoge Medien so- Jonglieren mit Fragmenten, sie kann auch auf schen Region Nordkyn: Ihr Logo verwandelt
wie den Realraum vielfältig zu verklammern. Individualisierung zielen. Auffällig sind die sich permanent in Abhängigkeit zum Wetter
Dies zeigt, dass die Auflösung des Logos, vielen Erscheinungsbilder aus jüngerer Zeit, (siehe Seite 24 f.). Es kommuniziert mit der rea-
vor der sich so viele fürchteten – weil man ih- die Communitycharakter vermitteln. Identität len Welt und wird dabei zu einer Art lebendi-

»Ich halte Designmanuals eher für überholt – die guckt sich eh


keiner mehr richtig an. Besser man hat Prinzipien als Regeln«
Christian Prill, Managing Partner von Factor Design in Hamburg, über die neuen Herausforderungen im Corporate Design

Was kommt nach Corporate Design? Diesen provokativen Welche Herausforderung bringt die wachsende Nachfrage
Subtitel Ihres Studiogesprächs greife ich doch gerne gleich nach mehr Flexibilität für Unternehmen und Designer mit sich?
mal als Frage auf . . . Früher konnte man Regeln definieren und alles abschlie-
Christian Prill: Das Thema Corporate Design ist natürlich ßend unter Dach und Fach bringen – man hatte das gute
nicht vorbei, zumindest nicht ganz. Es gibt aber immer mehr Gefühl, die Sache fest im Griff zu haben. Inzwischen sehen
Marken, die auf Flexibilität im Erscheinungsbild setzen. Etwa wir, dass gestalterische Flexibilität auch zu Wildwuchs füh-
Google mit den Doodles, die sich in Abhängigkeit zu aktuel- ren kann. Das klingt möglicherweise erst mal negativ, ist al-
len Jubiläen, Geburtstagen oder Ereignissen ständig wandeln lerdings auch ein Zeichen für Lebendigkeit. Die Herausfor-
und sogar stilistisch völlig unterschiedlich sind. Auch Marken derung besteht darin, das jeweils richtige Maß an Flexibi-
wie McDonald’s oder Starbucks haben sich in ihrem Interior lität zu finden und zu definieren.
Design von starren Einheitskonzepten verabschiedet und set- Ist ein CD-Manual denn noch geeignet, um sich gegen Wild-
zen stärker auf regionale Bezüge und kulturelle Adaptionen. wuchs zu wappnen?
Ich halte diese oft allzu komplizierten Regelwerke eher für
überholt – die guckt sich eh keiner mehr richtig an. Besser
man hat Prinzipien als Regeln.
Haben Sie seitens der Kunden die Verunsicherung, die Angst
vor Wildwuchs zu spüren bekommen?
Verunsicherung spüren wir auf jeden Fall. Das liegt vor
allem daran, dass solchen Firmen die Orientierung fehlt.
Starke Marken entstehen nicht, wenn man guckt, was die
anderen machen, sondern sie entstehen aus Differenz. Un-
sere Aufgabe als Berater ist es also, gemeinsam mit dem
Kunden Leitplanken zu definieren, auf die man seine unter-
nehmerischen Entscheidungen – und auch Überlegungen
zum eigenen Markenauftritt – beziehen kann.
Als positives Beispiel für eine Marke, die auf Differenzierung
setzt, haben Sie bei der Gesprächsrunde Nordkyn vorgestellt.
Was schätzen Sie daran besonders?
Diese Region hat eigentlich fast nur Nachteile: lange Winter,
Dunkelheit, Regen. Sie liegt auch nicht am touristisch at-
traktiven Nordkap, sondern knapp daneben. Aber all diese
PAGE 08.13 027

gen Wesen, das zu atmen scheint und sich den


naturgegebenen Bedingungen gemäß assi-
miliert. Ein digitaler Datensatz, der scho-
nungslos Wind und Wetter ausgesetzt ist!
So machte Nordkyn aus der Not – dem nicht
gerade karibischen Klima – eine Tugend und
fand die perfekte Ansprache für wahre Out-
doorfreunde, die im immer gleichen wohl-
temperierten Büromief hocken müssen, an-
statt sich wie das Logo einfach den Wind um
die Nase pusten zu lassen. Kann ein Zeichen
mehr Sehnsucht wecken?
Dieser Brückenschlag in die reale Welt zeigt
zudem, wie sich das Artifizielle visueller Iden-
titäten überwinden und Authentizität ein-
bringen lässt. Solche sich assimilierenden, »le-
benden« Erscheinungsbilder machen deutlich:
Das Ende des Corporate Designs ist überhaupt
nicht nah, im Gegenteil, es hat dank der digita-
len Tools eine blühende Zukunft vor sich. jn

Nachteile hat Neue Design Studio in Vorteile umgewandelt.


Die Kreativen haben gezeigt, wie man eine Landschaft
touristisch kuratieren kann. Sie haben eine Region in ein
Produkt verwandelt und daraus eine Gestaltung abgelei-
tet, die die Marke durch das sich ständig wandelnde Logo
im Jetzt erscheinen lässt.
In diesem Fall macht die Vielzahl der Zeichen durchaus Sinn.
In anderen Fällen wundert man sich, warum man zig Muster-
varianten braucht. Stehen Markenrechtlern bei solchen Kon-
zepten nicht die Haare zu Berge?
Natürlich, das Thema füllt ganze Kongresse, denn logi-
scherweise wird die Frage nach dem Markenschutz umso
komplexer, je komplexer die Gestaltung ist. Designer soll-
ten diese Dimension bei ihren formalen Überlegungen auf
jeden Fall im Blick haben und lieber mal von vornherein ei-
nen Juristen einbeziehen.
Beim Studiogespräch klang an, dass Sie die gestalterische
Flexibilität nicht als Patentrezept betrachten . . .
Auf keinen Fall, es gibt Marken und Unternehmen, wo im
Corporate Design das Unveränderliche, Strickte durchaus
sinnvoll ist, weil es für den Kunden den Umgang mit der
Marke erleichtert und schnelle Orientierung ermöglicht.
Solche Unternehmen können dann jenseits der visuellen
Sprache Varianten rund um ihr Thema erzählen und sich
auf diese Weise als lebendige Marke positionieren. Ich be-
trachte das Thema Fluid Brands also nicht nur auf der Ge-
staltungsebene, sondern sehe das ganzheitlicher. Man
muss jeweils das sinnvolle Maß an Fluidität genau bestim-
men und dann entscheiden, mit welchen formalen, inhalt-
lichen oder strategischen Aspekten man dabei für Leben-
digkeit sorgen kann.
028 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

Selbst wenn man die Animation nicht kennt,


funktioniert das Konzept mühelos. Denn das
Gestaltungsprinzip der weißen Löcher kon-
zentriert sich nicht allein auf Logo und Ge-
schäftsausstattung, sondern durchzieht auch
die übrigen Medien. Auf Broschüren kommen
fette Textzeilen zum Einsatz, deren Buchsta-
ben aufgrund der Löcher mal besser mal
schlechter zu lesen sind. Studio Dumbar reali-
sierte dieses Konzept, indem es drei Sets von
verschieden stark ausgeprägten Löchern ent-
Löchrige Typo Alzheimer Nederland wickelte, die sich über die Texte legen lassen.
So kann man je nach Bedarf den Grad des Ver-
Q Wie visualisiert man Vergessen? Studio und Hoffnung nahe. Da das Vergessen ein all- schwindens von Buchstabenteilen regulieren.
Dumbar entwickelte für die Organisation Alz- mählicher Prozess ist, machte es Sinn, auch Das visuelle Konzept des Logos durchdringt
heimer Nederland ein Erscheinungsbild, das eine animierte Version dieser typografischen also den Kommunikationsstil derart, dass er
diese schwierige Aufgabe sehr feinsinnig löst Idee zu entwickeln. Das zuerst unversehrte sich auch ganz ohne Logo sofort der Organi-
(siehe PAGE 01.13, Seite 11). Das ursprüngli- Wort »alzheimer« (Schrift: Raisonne AN von sation zuordnen lässt. Seine Isoliertheit ist so
che Logo, ein Baum mit teilweise kahlen Ästen, Benjamin Critton) beginnt partiell zu verblas- weit aufgelöst, dass es sich entbehrlich macht.
weckte eher negative Assoziationen bei Be- sen. Dabei wirkt es tatsächlich, als würde Gleichzeitig aber verdichtet sich das Gestal-
troffenen, und auf dem hart umkämpften grelles Licht von hinten durch die Punzen und tungsprinzip des ganzen Auftritts in dem ei-
Sponsorenfeld schien eine Professionalisie- Buchstabenzwischenräume scheinen, sodass nen a. So gelingt es, unterschiedliche Zielgrup-
rung des Erscheinungsbilds erforderlich. im Gegenlicht die Konturen verschwimmen. pen intensiv anzusprechen. Zum einen bietet
Bei der Recherche sprach Studio Dumbar Die Leerstellen wachsen, bis sich das Wort das Design ein hohes Identifikationspoten-
mit Patienten, Angehörigen und Pflegern. Da- komplett auflöst. Zum Schluss erscheint die zial für Betroffene, weil die Prozesshaftigkeit
rauf aufbauend entstand die Idee einer Typo- Initiale a, zwar nicht unversehrt, aber lesbar der Krankheit in der variierenden Typografie
grafie mit verschwommenen Löchern. Diese und mit klarer Außenkontur, was die Halt ge- emotional erfahrbar wird. Zum anderen er-
thematisieren das fortschreitende Vergessen, bende, orientierungsstiftende Funktion der laubt es extreme Prägnanz, die für die Spon-
legen jedoch auch die Assoziation von Licht Organisation auf den Punkt bringt. sorenakquise erforderlich ist.

Erinnerungslücken: Studio
Dumbar visualisierte für
Alzheimer Nederland das
Vergessen mit typografischen
Mitteln. Drei Sets von
verschieden verschwom-
menen Löchern lassen sich
über die Buchstaben legen
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030 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

Ständige Wiedergeburt Fluidity


Q Für Fluidity, ein Design- und Architekturbü- tene Typografie, die durch Verschiebungen
ro in Los Angeles, das sich dem Medium Was- die Buchstabenformen aufbricht und neu zu-
ser widmet, entwickelte 3st ein Erscheinungs- sammenfügt. Der formalen Orientierung dien-
bild, das man sicher auch als »Post-Corporate ten zudem Bill Violas Videoexperimente, et-
Design« beschreiben könnte. Inspiriert von der wa »Purification« von 2005, bei dem Gesich-
niemals identischen Bewegung des Wassers, ter durch Wasser verzerrt werden.
erarbeiteten die Designer ein Konzept, bei Darauf aufbauend schrieb 3st in Proces-
dem sich das Erscheinungsbild ständig ver- sing eine Software, um die möglichen For-
ändert. Dabei gibt es keine wiederkehrenden men zu erkunden. Im nächsten Schritt sieb-
Varianten des Logos, sondern tatsächlich im- ten die Designer gemeinsam mit Fluidity die
mer neu generierte Versionen. zu komplexen Varianten aus. Fokussiert auf
Ziel war es, die Dynamik des Wassers zu die plakativeren Versionen passten sie die
vermitteln, ohne die üblichen Klischees wie Parameter nochmals an, damit das Tool nur
Wellen oder Kräuselungen zu benutzen. In der die favorisierten Lösungen erzeugt. Der An- Klischeefreie Interpretation des
Researchphase gerieten die physikalischen Ef- satz stelle, so 3st, die »Notwendigkeit der Themas Wasser: Für das aufs
fekte von Wasser immer stärker ins Visier. »Wir Lesbarkeit« infrage und legt »mehr Wert auf Medium Wasser spezialisierte Design-
waren fasziniert davon, wie Wasser die Dinge Wiedererkennbarkeit«. Für den gemeinsamen und Architekturbüro Fluidity
verändert, die wir betrachten – durch Verzer- Nenner dieser Identitätsfacetten sorgen nicht entwickelte 3st ein Tool, das stets
rung und Brechung sowie durch die Bewe- mehr identische Formen, sondern die cha- neue Logovarianten erzeugt
gung von Tropfen und Wellen.« Auch das Buch rakteristischen Verhaltensweisen unterschied-
»Schiff nach Europa«, das Karl Gerstner 1957 licher Elemente. Wie wiedererkennbar das
gestaltete, inspirierte die Designer. Gerstner Ganze ist, wird sich allerdings wohl erst im
verwendete in senkrechte Streifen geschnit- Laufe der Zeit zeigen.
PAGE 08.13 031

Versteckspiel
is creative studio
Q »Ingredientes secretos« heißt übersetzt
»geheime Inhaltsstoffe«. Zugleich ist es der
Name des Designbüros von Richars Meza mit
Sitz in Madrid und Lima, das sich abgekürzt »is
creative studio« nennt. Um den Aspekt des Ge-
heimen zu visualisieren, setzte Richars Meza
zwei schwarze Balken über den Namen – der
eine überdeckt »is creative«, der andere »stu-
dio«. Auf der Website gleiten diese Balken
kurz beiseite und geben den Studionamen
preis, wenn man mit der Maus darüberfährt.
Dieses Gestaltungsprinzip prägt auch die
übrige Website. Die Projekte sind jeweils mit
schwarzen Flächen abgedeckt, die erst per
Roll-over den Blick auf die dahinter liegenden
Bilder freigeben. Um dem User dieses Ver-
steckspiel zu vermitteln und ihn zum Entde-
cken zu animieren, öffnet sich jede Sekunde
für einen kurzen Augenblick eines dieser Fens-
ter nach dem Zufallsprinzip: Die schwarze
Fläche gleitet auf und sofort wieder zu.
Auf den Visitenkarten sind die schwarzen
Balken ebenfalls das zentrale Gestaltungs-
element. Die Kontaktdaten sind jeweils hin-
ter weitere Balken platziert, wodurch der
Eindruck entsteht, auch hier seien Daten ver-
deckt worden. Das minimalistische Schwarz-
weißdesign bereicherte Meza, indem er die
Kanten der Karten per Airbrush mit einem
knalligen Farbverlauf versah. Dies führt da-
zu, dass die Karten eine farbige Aura entfal-
ten. Fazit: Das Verschwinden des Logos wird
selbst zum Logo und zugleich zum Ausgangs-
punkt eines Gestaltungsprinzips, das den ge-
samten Auftritt durchzieht. Richars Meza po-
sitioniert sich damit auch als Experte für eine
vielschichtige Kommunikation.

Schwarze Balken verdecken bei


is creative studio aus Madrid und Lima
den Studionamen – denn »is«
steht für »ingredientes secretos«.
Das Prinzip des Versteckens
durchzieht auch die Website (www.
iscreativestudio.com). Erst per
Roll-over gleiten die schwarzen
Flächen beiseite und geben
den Blick auf die Projekte frei
032 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

Anti-Logozentrik BEM
Q Und was tut sich in Moskau in Sachen Cor-
porate Design? Das Designbüro Flëve schuf
ein interessantes Erscheinungsbild für BEM
(Bloc, Element, Modifier), ein Toolkit für die
Frontend-Entwicklung, das Yandex, Betreiber
der größten Suchmaschine in Russland, ent-
wickelt hat und auch selbst nutzt. Mit BEM
sollen sich Websites möglichst schnell bauen
und leicht pflegen lassen. Entsprechend sah
das Briefing ein flexibles Erscheinungsbild vor,
das leicht an verschiedene Kontexte und Ziel-
gruppen anpassbar ist und mit dem sich so-
wohl Developer als auch Designer identifizie-
ren können. Und es gab noch eine klare Ansa-
ge: »Make sure that it’s not logocentric and
doesn’t create a corporate feel«.
Flëve nahm diese Ansage beim Wort. Statt
eines Logos entstanden viele »b_«s in unter-
schiedlicher Anmutung – vom simplen, pun-
zenfreien »b_« über mustergefüllte Varianten
bis hin zu einem silbern glänzenden, aufge-
blasenen »b_«. Der Unterstrich verweist auf
den Code, der auch auf einer zusätzlichen
Ebene Eingang ins Erscheinungsbild fand:
Flëve platzierte Codefragmente auf den Visi-
tenkarten vor den Kontaktdaten – so wird
das analoge Medium quasi digitalisiert. Die
Integration des Codes soll der Hauptzielgrup-
pe der Developer schnellen Zugang zum Er-
scheinungsbild erlauben. Auch ihrer Vorliebe
für Comics trug Flëve Rechnung. Das Studio
entwickelte ein ganzes Set von comicartigen
Köpfen, die die Form des »b_« ausfüllen. Flëve
kündigte an, dass sich diese Typen in Zukunft
durchaus noch vermehren könnten.

Für das Frontend-Entwicklungs-Toolkit BEM entwickelte das Moskauer Designstudio Flëve


ein variables Erscheinungsbild. Das »b_« kann verschiedene Muster oder comicartige Köpfe
umfassen. Zusätzlich kommen Codefragmente zum Einsatz, um die Hauptzielgruppe der
Developer anzusprechen. Für Vorträge auf internationalen Konferenzen lässt sich das Design
leicht individualisieren. Die comicartigen Köpfe werden hier zum Beispiel herangezoomt
PAGE 08.13 033

Do It Yourself Arts University


Bournemouth (fiktiv)
Q Eine Logomaschine namens Paul – auch
wenn diese Idee blanke Theorie blieb, lohnt es
sich, das Konzept näher anzuschauen. Anfang
2012 entwickelten Flora Ines Karger und José
Ernesto Rodriguez, Grafikdesign-Absolventen
des Lette-Vereins in Berlin, bei einem Prakti-
kum an der Arts University Bournemouth ei-
ne fiktive Identität. Dabei nahmen sie zum
Anlass, dass die Schule vom Arts University
College zur Arts University erweitert wurde
und daher eine neue Website launchen wollte.
»Die Arts University behauptet von sich
selbst, eine verrückte und kreative, aber auch
erfolgreiche und disziplinierte Schule zu sein«,
berichtet Flora Ines Karger. Diese Eigenschaf-
ten spiegelt das bisherige Erscheinungsbild
aus ihrer Sicht keinesfalls wider. Zusammen
mit José Ernesto Rodriguez entstand die Idee
für ein Zeichen, bei dem jeder Student oder
Lehrende selbst seine eigene Variante erzeu-
gen kann und so Teil der Universität wird. Das
Zeichen hat jeweils einen identischen Punkt
sowie eine variierende spiralförmige Linie, die
sich um diesen herumlegt. »Dieses Bildzeichen
steht für den Prozess im Studium: von frei,
wild, unsicher, wackelig hin zu konzentriert,
fokussiert, zielstrebig«, so Flora Ines Karger.
Um diesen individuellen Wirbel zu erzeu-
gen, entwickelten die beiden das Konzept für
einen Logogenerator, der auf dem Campus
platziert sein sollte. Durch physische Interak-
tion mit dem Automaten entsteht das jewei-
lige Zeichen, das im Kassenbonformat ausge-
spuckt, aber auch digital gespeichert wird.
»Paul ist eine fast schon menschliche Maschi-
ne, ein Charakter mit Stimme und einer inter-
aktiven Schaltfläche«, erklärt Flora Ines Karger.
Da jeder unterschiedliche Skills mitbringt, ste-
hen verschiedene Tools bereit, etwa ein Joy-
stick oder Mikrofon. »Geplant sind auch einige
verrückte Input-Tools wie eine Körperwaage,
Kinect-Kamera, Wärmesensoren oder ein Box-
sack.« Was all diese Optionen vereint, ist die
Möglichkeit, in der Realwelt durch Einsatz des
eigenen Körpers ein Zeichen zu generieren.
Das steigert erheblich die Verbindung des Ein-
zelnen zum gemeinsamen Erscheinungsbild
und erhöht dessen Identifikationspotenzial.
Und wie war das Echo auf diese Eigeniniti-
ative? »Wir erfuhren große Anerkennung, doch
leider waren die Schulleitung und der Marke-
tingchef nicht offen, etwas Innovatives umzu-
setzen«, so Karger. Vielleicht brauchen sie ein-
fach noch Zeit. Denn andere Hochschulen ma-
chen reihenweise die Individualisierung des Ein fiktives Corporate Design konzipierten Flora Ines Karger und
Logos vor. Dass diese Verankerung im Realen José Ernesto Rodriguez für die Arts University Bournemouth.
und Physischen sogar einen Schritt weitergeht, Dabei generiert jeder Student oder Professor seine eigene Logo-
wäre ein Grund mehr, die Idee umzusetzen. variante: eine individuelle Spiralform rund um einen Punkt. Die
beiden Designer erdachten hierfür auch eine Logomaschine. Durch
physische Interaktion mit dieser entsteht das jeweilige Zeichen
034 PAGE 08.13 TITEL Corporate Design

Subversive Beschlagnahme Team Brand Moustache


Q Movember ist eine Hilfsorganisation, die leitet aus Team Brand Moustache, was man zwinkernde Aktion war und sicher auch der
über Prostata- und Hodenkrebs aufklärt und aber eher als Trademark liest. So werden Selfpromotion von UnderConsideration dien-
Geld für Forschungszwecke sammelt. Sie hat Schnurrbärte aller Art mir nichts, dir nichts te, ist das Beispiel bemerkenswert. Zum einen
den Schnurrbart zum Erkennungszeichen ge- zum Markenzeichen des Teams. Dass dies ganz wird klar: Wenn sich eine Community nicht
wählt und fordert alljährlich Männer rund um neue Räume eröffnet, machte UnderConside- mit ihrem Logo identifizieren kann, geht sie
den Globus auf, sich jeweils im November die- ration anhand verschiedener Fotos klar: Ob auch gerne mal eigene Wege. Hier überflügelt
se Haarpracht zuzulegen und sich so als Mo- Kreativkollegen, Dalí oder Einstein, ein neben das in Eigeninitiative entworfene Update spie-
vember-Member zu outen. Die Teilnehmer der dem Schnurrbart platziertes TM verwandelt lend das Original. Zum anderen zeigt das Bei-
Aktion laden dann ihre Fotos auf die Platt- sie alle in fiktive Team-Brand-Moustache-Tes- spiel, dass man nicht zwei Millionen Varianten
form Movember hoch. Das Logo dieser Orga- timonials. Selbst andere Logos lassen sich braucht. Hier sind es nur neun, aber über das
nisation ist, wen wundert’s, ein Schnurrbart. ruckzuck umkodieren: Aus Spaß verpasste TM werden theoretisch unendlich viele fremde
Der könnte mal ein Update gebrauchen, fand Armin Vit den Figuren von Meister Proper, LG, Bärte in Besitz genommen. Der Betrachter
Armin Vit, Gründer des Designbüros Under- Michelin, Starbucks oder Android ein Bärt- hängt in Gedanken das TM sogar jedem bart-
Consideration in Austin, Texas, der auch ver- chen samt TM und rekrutierte so die fremden tragenden Passanten an die Backe, der ihm zu-
schiedene Blogs betreibt, darunter Brand New Signets für sein Team. fällig über den Weg läuft. So wird das Zeichen
(www.underconsideration.com/brandnew). Auch wenn das alles, Abstimmung über den in die Realwelt integriert und branded dort
Um die männlichen Brand-New-Leser für schönsten Bart inklusive, eher eine augen- weiter vor sich hin, ohne sichtbar zu sein. jn
die Movember-Aktion zu gewinnen, gründe-
te der Designer eine eigene Bartträger-Trup-
pe: Team Brand Moustache. Hierfür entstand
auch ein Erscheinungsbild – eine ganze Reihe
unterschiedlich geschwungener Schnurrbär-
te, die in der animierten Variante wie schwin-
gende Vogelflügel wirken, mal mit angelegten,
mal mit gespreizten Federn. Neben diesen
Silhouetten taucht jeweils ein TM auf, abge-

Statt des Movember-Schnurrbarts entwickelte Armin Vit für sein Team Brand
Moustache ein ganzes Set verschiedener Bärte, die in der Animation wie schwingende
Vogelflügel wirken. Diese Bärte nutzte er auch äußerst wirkungsvoll für fiktive
Merchandisingprodukte. Logo-Kidnapping: Außerdem verpasste Armin Vit anderen
Logofiguren Bärte und kodierte sie so zu Team-Brand-Moustache-Mitgliedern um
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036 PAGE 08.13

KREATION

Spielplatz Kunst
Q Um ihr Kameramodell OM-D zu bewerben, ini-
tiierte Olympus im Frühjahr 2013 den Photogra-
phy Playground. In den Berliner Opernwerkstät-
ten stellten zwölf Künstler raumfüllende Installa-
tionen aus, die dazu einluden, die Funktionen der
Kamera wie Tiefenschärfe oder Makro auszupro-
bieren. Am Eingang erhielten die Besucher je eine
Olympus OM-D, mit der sie dann die Ausstellung
durch eigenes Fotografieren erkunden konnten.
Am Ende des Rundgangs mussten sie die Kamera
zwar wieder abgeben, durften aber die Speicher-
karte mit ihren Aufnahmen behalten und diese
etwa in den sozialen Netzwerken teilen.
Von oben: Numen / For Use: »NET Berlin«; Martin Butler: »Alice through
the key hole«; rechts: United Visual Artists: »The Vanishing point«
PAGE 08.13 037

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038 PAGE 08.13 KREATION Künstler und Marken

Q Es klang vielversprechend: Lacoste hatte im Sommer


2008 zwölf junge Künstler beauftragt, anlässlich des 75-jäh-
rigen Markenjubiläums Installationen am renommierten Ber-
liner Kaufhaus des Westens umzusetzen. Darunter auch
den aufstrebenden Street-Artist Brad Downey. Als dieser
jedoch nachts einen mit grüner Lebensmittelfarbe gefüllten
Feuerlöscher nahm und damit die Schaufenster an der Tau-
entzienstraße besprühte, war die Empörung groß. Die Poli-
zei wurde eingeschaltet, und der Künstler vom Projekt aus-
geschlossen. Downey hingegen erklärte, er habe nur den
Auftrag umgesetzt, für den er bezahlt wurde.
In seiner von Lacoste abgesegneten Projektbeschreibung
hieß es: »Something outside will turn green.« Was genau
das sein würde, war nicht definiert. »Ich war zu allen ehrlich.
Nur dass es das Kaufhaus selbst sein würde, habe ich nicht
gesagt. Aber wenn sie mich für Vandalismus bezahlen, wa-
rum sollte es nicht ihr eigenes Gebäude sein?«, so Downey.
»Keine Firma, ob groß oder klein, sollte Straftaten in Auf-
trag geben.« Die kritische Haltung des Künstlers ist durch-
aus bekannt. Trotzdem stand er auf der Wunschliste von
Lacoste, denn junge Kunst ist ein beliebtes Mittel, um das
Markenimage aufzupolieren. »Komischerweise bezahlten sie
dann jemanden, weil er cool ist, aber dessen Kunstauffas-
sung sie ablehnen«, wunderte sich Brad Downey. »Ich wollte
sehen, ob ihnen der Widerspruch bewusst wird.«

Für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Marken


und Künstlern gibt es Regeln. Das ist ein bisschen wie bei
Beziehungen: Zwei wunderschöne Menschen können sich
finden und ein hässliches Kind in die Welt setzen. Das Gleiche
kann passieren, wenn die Marke und der Künstler nicht zuei-
nanderpassen. Beide Seiten müssen sich fragen, ob ihr Stil
und ihre Reputation wirklich miteinander harmonieren und
sich ihre Zielgruppen ergänzen. Wenn nicht, gewinnen bei-
de nichts und verlieren unter Umständen sogar loyale Fans.
Aber Kunst kann auch eine Menge für eine Marke tun.
Sie bietet authentische Ideen und Qualitäten und ist damit
der bessere Innovationsmotor als reines Business. Nichts
kann besser einer Marke das Flair des Echten, Unangepass-
ten, Provokativen verleihen. Umgekehrt profitiert die Kunst
von der Verankerung der Marke im Alltag der Menschen,
von ihrem hohen Bekanntheitsgrad und Wiedererken-
nungswert und ihrer (inter)nationalen Verbreitung.
Neu ist das Konzept nicht: Insbesondere Luxusmarken
haben die Kunstszene seit Jahrzehnten im Blick. Bereits in
den 1930er Jahren schuf Salvador Dalí aufwendige Schau-
fensterinstallationen für die New Yorker Modeboutique
Bonwit Teller & Co. Seit der Jahrtausendwende erleben Kol-
laboration zwischen Marke und Kunst eine neuen Auf-
schwung. Kaum eine Produktkategorie wurde heute noch
nicht durchgestaltet: von Autos (smart, BMW) über Spirituo-
sen (Absolut, Hennessey), Mode (adidas, Levi’s) und Möbel
(Kartell) bis hin zu Flugzeugen (British Airways).

Um neuartige Projekte zu fördern und zwischen den Kol-


laborationspartnern zu vermitteln, sind in den letzten Jah-
ren neue Agenturen und Studios mit teilweise sehr unter-
schiedlichen Schwerpunkten entstanden. Darunter die Kre-
Abstrakte Kontraste ativagentur CrimeLAB in London, die Marken mit Künstlern
Q Um die 3-D-gedruckte Sommerkollektion der holländischen Mode- ihrer Schwesteragentur Beautiful Crime in gemeinsamen
designerin Iris van Herpen anzukündigen, setzten Geoffrey Lillemon und Aktionen zusammenbringt. Oder die Berliner Kommunika-
Joost Korngold ein Video um, in dem eine 3-D-Skulptur in weichen Bewe- tionsagentur BOLD, die sich seit 2010 vor allem in den Be-
gungen durch die Räume eines gläsernen Palasts wabert. Die fragile Archi- reichen urbane Kultur und Street Art engagiert.
tektur soll mit der abstrakten 3-D-Form kontrastieren, die von der Kollektion Karl Anders, Büro für Visual Stories in Hamburg, arbei-
inspiriert, aber nicht von einem konkreten Design abgeleitet ist. tet hauptsächlich im Auftrag von Marken mit Künstlern.
PAGE 08.13 039

Hochkarätig
Q Anlässlich des Launchs der neuen
Beck’s-Sorte Sapphire in den USA ge-
staltete Moritz Waldemeyer Anfang
2013 das Interieur eines Nachtklubs in
Beverly Hills. Die Kommunikationsagen-
tur Group360 Worldwide hatte ihn ge-
beten, sich von der schwarzen Flasche
inspirieren zu lassen. Der Medienkünst-
ler schuf eine raumfüllende Installa-
tion, die an eine Höhle erinnert, de-
ren zum Teil verspiegelte Oberfläche
wie ein Edelstein gebrochen ist. Beck’s
möchte das Konzept, das sich an ein
anspruchsvolleres Klubpublikum wen-
den soll, künftig für drei weitere Pop-
up-Lokale in Miami, Chicago und New
York übernehmen.

Futurismus pur
Q Moritz Waldemeyer positioniert sich mit seinen Arbeiten zwischen Kunst,
Design und Technologie. Er gestaltete Kostüme für Künstler wie U2 und Mode-
designer wie Chalayan Hussein und entwarf außerdem die Lichteffekte für die
Abschlusszeremonie der Olympischen Spiele 2012. Eines seiner jüngsten Pro-
jekte sind futuristische, mit LEDs bestückte Kostüme für Audi. Die Tänzer führ-
ten darin eine Performance beim 83. Internationalen Auto-Salon in Genf auf.
040 PAGE 08.13 KREATION Künstler und Marken

So entstehen gestalterische Projekte, aber auch künstleri- verkörpern?«, betont Marie Ziemann, PR-Managerin und
sche Aktionen und Installationen zwischen Design, Literatur, Brand Consultant bei BOLD Berlin. »Sind diese Parameter
Werbung, Musik, Philosophie und Unterhaltung. »Wir wollen auf Markenseite definiert, gilt es, die Botschaften der Marke
Berührungsängste in alle Richtungen abbauen«, erklärt Lars klar und offen mit den potenziellen Partnern zu besprechen.
Kreyenhagen, Geschäftsführer von Karl Anders. Dabei geht es Die Auswahl passender Künstler spielt hierbei die größte
immer um den Sinn und Mehrwert für alle Beteiligten. »Die Rolle.« Eine Falle, in die oft Marken tappen, sei die fehlende
Kunst darf sich nicht verbiegen, die Marken dürfen nicht al- kampagnenstrategische Transparenz. Der Künstler muss
bern oder unglaubwürdig werden oder die Kunst gar aus- die Marke und deren Ziele verstehen, um entscheiden zu
nutzen«, betont er. »Für eine Kooperation muss es stets einen können, ob eine Zusammenarbeit für ihn interessant ist.
gemeinsamen Nenner geben.« Wie bei einer guten Partner- Erfolgreich sind Kooperationen zwischen Marke und
schaft entstünde, wenn nur einer wachse, ein Missverhält- Künstler nur, wenn es dabei um mehr geht als die bloße As-
nis der Kräfte und das Konstrukt fiele in sich zusammen. Erst soziation eines Produkts mit einem Künstler oder umge-
durch Vertrauen könnten beide gemeinsam gedeihen. kehrt. Über die Glaubwürdigkeit entscheiden geteilte Wer-
Für Vertrauen auf beiden Seiten sorgen Gestaltungsfrei- te und ein offensichtliches Verständnis füreinander. Wo die-
heit und Kommunikation. »Die zehn goldenen Regeln für se vorhanden sind, können Regeln gebrochen und Grenzen
erfolreiche Kollaborationen haben wir leider auch nicht in überschritten werden, ohne dass die Marke oder der Künst-
der Schublade«, meint Kreyenhagen. »Gerade Aktionen, Per- ler an Schärfe verlieren.
formances und Events sind schwer planbar. Für ihr Gelingen
gibt es keine Garantien. Wer Unvorhersehbares bis zu einem Sehr reizvoll, aber auch risikoreich sind Aktionen und Events,
gewissen Grad einplant, ist gut beraten. Und aus dem Fall die den Betrachter einbinden. Solche gemeinsamen Aben-
Lacoste versus Brad Downey lässt sich eine weitere Regel teuer sorgen für eine lebendige Kundenbindung und bieten
ableiten: Nichts ungesehen absegnen. Social-Media-Potenzial. Ist ein Event gelungen, werden die
Besucher zu Botschaftern der Marke: Sie berichten auf Face-
Die Vorüberlegungen sind bei Kollaborationen das Wich- book, Twitter, Blogs und auf Flickr von der Veranstaltung.
tigste: »Welche Botschaft thematisiert die Marke? Welche Anfang Mai endete in den Berliner Opernwerkstätten
Zielgruppe wollen wir ansprechen? Was soll der Künstler der Photography Playground, den Olympus mithilfe der
PAGE 08.13 041

In den Ausstellungsräumen hielt sich die Marke im Hin-


tergrund. Da die Besucher aber beim Erkunden der Arbei-
ten die Olympus-Kamera immer wieder zur Hand nahmen,
sorgte das trotzdem für Kontakt mit dem Produkt. Das Risi-
ko lag bei dieser Aktion in einer gewissen Unberechen-
barkeit, die das Ganze schwer planbar machte: Die Kosten
und Organisation mussten ohne Vergleichswerte für den
Einzelfall kalkuliert werden. Dass die Rechnung aufging, lag
sicher auch am Berliner Publikum, das Experimente im
Kunstbereich gewohnt ist.

Zwischen Design, Kunst und Technologie bewegt sich der


in London lebende Deutsche Moritz Waldemeyer. Für seine
Inszenierungen, Installationen und Kostüme verwendet
der studierte Ingenieur in der Regel LEDs und arbeitet mit
einem Team von Freelancern zusammen. Eines seiner neues-
ten Projekte: Für ein Presse-Event von Audi auf dem 83. In-
ternationalen Auto-Salon in Genf entwarf der Künstler ge-
meinsam Modedesigner Erevos Aether vier futuristische Kos-
tüme, in denen Tänzer eine Performance aufführten, mit
der Audi den Prototyp des Elektroautos A3 e-tron bewarb.
Die Kostüme waren vom Design des Wagens inspiriert und
mit LEDs verkleidet, die im Takt der Musik aufleuchteten.
»Als Künstler muss man sich immer ein bisschen an die
Firmenkultur anpassen und sehen, mit welchen Leuten man
es eigentlich zu tun hat«, sagt Moritz Waldemeyer. »Jedes Pro-
jekt ist anders. Manchmal hat man ein bestimmtes Bild von
einer Marke im Kopf. So hatte ich die Vorstellung, dass die
gesamte Automobilbranche sehr konservativ ist. Doch bei
Audi war man war sehr offen und locker, enthusiastisch und
dabei sehr professionell. Alles war recht unbürokratisch –
insgesamt also eine völlig andere Erfahrung.«

Aus Misserfolgen zu lernen ist für die realistische Einschät-


zung des nächsten Projekts entscheidend. Besonders wich-
tig findet Moritz Waldemeyer, eine Arbeit so professionell
und glatt wie möglich abzuwickeln. Ständige Kommunika-
tion sei dafür das A und O, und erfordere viel Zeit. Das müs-
se man von vorneherein einplanen. »Außerdem sollte man
versuchen, die Erwartungshaltung zu steuern«, sagt der
Durchlöchert Künstler. »Sie muss durch das ganze Projekt realistisch blei-
Q Die Zusammenarbeit mit Künstlern hat beim Londoner ben. In der Konzeptphase muss die künsterische Seite auf-
Kaufhaus Selfridges eine lange Tradition. Im August 2012 passen, welche Vorschläge sie macht. Natürlich will man
schuf das Designteam zum Launch der Linie Louis Vuitton den Auftraggeber begeistern, doch sollte das nicht zu weit
Kusama eine wahre Kusama-Erlebniswelt aus roten Punkten, gehen. Sonst sind die gesteckten Ziele nicht mehr erreich-
dem Markenzeichen der japanischen Künstlerin. Das Groß- bar – das ist eine Gratwanderung zwischen kreativer Idee
projekt inszenierte die Modekollektion in 24 Schaufenstern und deren Ausführbarkeit.«
mit surrealen Installationen, unzähligen Punkten sowie Auch Waldemeyer ist das schon einmal passiert. Ein Pro-
Miniatur- und lebensgroßen Figuren von Yayoi Kusama. Im jekt war zu ambitioniert und die hohen Ziele in der kurzen
Inneren setzte sich das Design als Concept Store fort: Hier Zeit, einfach nicht zu erreichen. Hinzu kam, dass eine zwi-
fanden sich die Punkte in Form durchlöcherter Wände, Leuch- schengeschaltete Agentur die Kommunikation mit dem Kli-
ten und Präsentationsflächen wieder. enten erschwerte. »Dadurch bin ich insgesamt vorsichtiger
geworden«, sagt er. »Zuvor bin ich hinsichtlich des Vorha-
Agenturen flora&faunavisions (Auswahl der Künstler und bens und des Budgets doch große Risiken eingegangen.«
Aufbau der Ausstellung) und vitamin e (Kampagne) umge- Ein generelles Rezept für eine gelungene Kollaboration
setzt hat. Zwölf Künstler – gestandene ebenso wie studie- zwischen Kunst und Marke gibt es nicht. Wie für alle krea-
rende – waren hier mit ihren Arbeiten vertreten. Jede der tiven Projekte gilt auch hier: Es kann nicht schaden, sich mit
zwölf, zum Teil interaktiven Installationen war so konzipiert, Qualität zu befassen. Unorthodoxe Strategien erfordern
dass die Besucher an ihnen die Funktionen der Olympus- Mut und einen starken Glauben an den Wow-Faktor des
OM-D-Kamera wie Tiefenschärfe, Farbfilter oder Makro aus- Künstlers und seines Werks. Und im Markenbereich kann
probieren konnten. Die meisten der über 23 000 Besucher Kunst doch nur interessant sein, wenn man die Kollabora-
nutzten die Chance, am Eingang eine Kamera auszuleihen. tion als Zusammenarbeit und ergebnisoffenen Prozess an-
Am Ende des Rundgangs mussten sie sie zwar wieder abge- legt. Es muss uneingeschränkt bleiben, was die Kunst mit
ben, durften aber die Speicherkarte mit ihren Aufnahmen der Marke macht. Sobald sie zum Dienstleister wird, ist es
behalten und die Fotos in ihren sozialen Netzwerken teilen. keine Kunst mehr. Ein Restrisiko bleibt. fb
042 PAGE 08.13 KREATION Designshops & Shopsysteme

E(asy) Commerce
Nie war es so einfach, seine Produkte online zu verkaufen.
Davon profitieren auch Designer, die schnell und ohne großes
Risiko selbst in den E-Commerce einsteigen können

PAGE Online QOb Poster, Kissenbezüge, T-Shirts, User Experience bei hmmh multimedia-
Sämtliche Links Schmuck, Möbel oder Magazine – ori- haus AG und stellvertretender Vorsit-
finden Sie unter ginelle Designstücke und Limited Edi- zender der Fachgruppe E-Commerce
www.page-online. tions gehen im Netz derzeit weg wie im BVDW (siehe Interview auf Seite 45).
de/easycommerce nix. Sei es auf Plattformen wie Etsy und
DaWanda, in kurarierten Shops wie Fab, Bei Open-Source-Lösungen bezahlt
Monoqi und selekkt.com oder in eigen- der Designer in den meisten Fällen für
ständigen Webshops. Designer, die in Support und Zusatzfunktionen – wie
ihrer Freizeit Produkte gestalten, kön- viel das ist, hängt von der Größe des
nen diese heute schnell und problem- Shops und des Servicepakets ab, für
los selbst im Internet verkaufen und das er sich entscheidet. Ein gewisses
sich damit ein Zubrot verdienen oder Maß an Programmierkenntnissen ist
ein zweites Standbein aufbauen. So hier allerdings ratsam. Denn auch wenn
fingen Eike Braunsdorf und Kathinka die meisten Anbieter mit einfachem
Petsch 2009 damit an, ihre bunte Kin- Set-up werben, sollte man zumindest
dermode nebenbei über DaWanda zu rudimentär mit HTML, CSS und Con-
verkaufen. Heute hat sich ihr Sortiment tent-Management-Systemen vertraut
enorm erweitert und sie betreiben ih- sein. Das gilt natürlich umso mehr für
ren Shop Bonnie & Buttermilk haupt- den Fall, dass man den eigenen Shop
beruflich. »Wir sind da so reingerutscht. weiterentwickeln möchte.
Eike ist eigentlich Fotografin und ich Bei Software-as-a-Service-Modellen
habe Filmwissenschaften studiert«, er- hat der Kreative dagegen so gut wie
klärt Kathinka Petsch. Die beiden ha- keinen Kontakt mit der Programmie-
ben mit ihren Produkten einen Nerv rung. Viele Webshops lassen sich per
getroffen – und DaWanda war für sie Drag-and-drop und über Auswahlme-
genau die richtige Plattform für den nüs gestalten. Nur wer individuelle An-
Start in den E-Commerce. Jetzt arbei- passungen vornehmen will, muss in
ten sie daran, sich einen eigenen On- den Code einsteigen. Hier bezahlt man
lineshop aufzubauen. fast immer eine monatliche Gebühr so-
Gerade zu Beginn hat man oft we- wie in manchen Fällen Provision. Die-
der viel Zeit noch Budget für die Gestal- se Variante ist besonders für den An-
Der Bundesverband tung eines eigenen Shops. Das ist aber fang attraktiv, wenn noch nicht klar ist,
Digitale Wirtschaft kein Problem mehr, denn im Gegensatz ob das Geschäftsmodell trägt – aber
(BVDW) hat eine zu den Anfangszeiten des Internethan- auch für erfolgreiche Verkäufer, die
Checkliste zum dels gibt es heute unzählige Anbieter einfach überhaupt keine Lust auf Pro-
Einsatz und Betrieb von Shopsystemen auch und gerade grammieren haben. Tracking- und In-
von Onlineshops für Leute, die noch keine Erfahrung auf ventartools, mobile Website und Social-
zusammengestellt. diesem Feld haben. Für sie sind neben Media-Anbindung gehören bei den al-
Sie hilft bei der den Shopping-Plattformen Mietshops lermeisten Systemen zu den Standards,
Analyse des eigenen
Hier steht eine aus der Sparte Software as a Service auch die Customization-Möglichkeiten Die Illustratorin Sarah
Geschäftsmodells
Bildunterschrift. oder Open-Source-Anwendungen inte- werden zunehmend ausgefeilter. Illenberger hat ihren
sowie
Hier dereine
steht indivi- ressant. Bei beiden sind die Startkos- Wir stellen im Folgenden für Kre- Shop mit Tictail (siehe
duellen Anforderun-
Bildunterschrift. ten relativ gering, weil keine Lizenz- ative interessante Shopping-Plattfor- Seite 46) eingerich-
gensteht
Hier an eineine
Shop- gebühren anfallen. Welche Lösung die men sowie Miet- und Open-Source- tet. Bei der Individuali-
system. Kostenfrei
Bildunterschrift. richtige ist, hängt unter anderem vom Shops mit ihren jeweiligen Besonder- sierung half ein
herunterzuladen
Hier steht eine eigenen technischen Know-how ab, so heiten, Zielgruppen, Preisen und Fall- Digitalspezialist
auf www.bvdw.org
Bildunterschrift. Thorben Fasching, Director Marketing & beispielen vor.
PAGE 08.13
043

www.sarahillenberger.com
044 PAGE 08.13 KREATION Designshops & Shopsysteme

Shopping-Plattformen Einer von vielen – aber viel Aufmerksamkeit


QErste Anlaufstelle für handgemach- »Mit einer eigenen Website ist es auch erst mal aufgenommen werden.
te Produkte sind oft die Marktplätze besonders am Anfang schwierig, so viel Bei der deutschen Plattform Monoqi
DaWanda 1 und Etsy. Entsprechend Aufmerksamkeit zu erzeugen«, meint können sich Designer gar nicht selbst
groß ist das Angebot und somit die Kathinka Petsch. Jetzt, wo sich Bonnie & bewerben, sondern werden von Scouts
Konkurrenz unter den Verkäufern. Die Buttermilk einen Namen gemacht hat, dafür ausgesucht.
Betreiber verlangen für das Einstellen wollen die beiden Designerinnen zu- Beim Vorreiter aus Amerika Fab 3
von Artikeln zwischen 10 und 30 Cent sätzlich einen eigenen Webshop laun- kann man über die Website zumindest
(je nach Preiskategorie) sowie eine Pro- chen. »Das ist der nächste Schritt, um anfragen, ob Interesse an einer Krea-
vision von 5 (DaWanda) und 3,5 Prozent unabhängiger zu sein und ein zweites tion besteht. Die Höhe der Provision
(Etsy). Mit etwas Glück und natürlich gu- Standbein aufzubauen.« Derzeit ent- hängt von der Produktkategorie ab so-
ten Produkten lässt sich dort ein gutes wickeln sie zusammen mit einem Gra- wie davon, ob Fab das Warenrisiko
Geschäft machen, wie Eike Braunsdorf fikbüro eine Website samt Shop mit übernimmt, indem sie dem Designer
und Kathinka Petsch festgestellt haben, der Software-as-a-Service-Lösung Jim- eine bestimmte Stückzahl abnimmt
die auf DaWanda den Kleidungs- und do (siehe Seite 46 f.). Ihren DaWanda- und selbst einlagert. Zusätzlich hat Fab
Accessoires-Shop Bonnie & Buttermilk Shop wollen sie parallel betreiben. einen Newcomer-Wettbewerb einge-
betreiben. Sie haben vor allem von dem Etsy 2 ist nach wie vor sehr ameri- führt, der erstmals auf der Milan De-
Traffic profitiert. Läuft ein Shop gut, fea- kanisch geprägt, was viele deutsche sign Week 2013 stattfand. Hier konn-
turet DaWanda ihn zudem in Newslet- Käufer abschreckt – unter anderem ten Designer ihre Produktideen einrei-
tern und im hauseigenen »Love Mag«. wegen der hohen Versandkosten von chen, die eine Expertenjury bewertete.
kleinen Shops aus den USA. Zwar sto- In Mailand konnten sich zwölf Entwür-
ßen die Betreiber vermehrt in den fe durchsetzen, die Fab nun produ-
deutschen Markt vor, zum Beispiel mit ziert und vertreibt.
der Etsy Labs genannten Workshop-
reihe in Berlin und Hamburg. Im Un-
terschied zu DaWanda beschränkt sich
die Zielgruppe aber hauptsächlich auf
die Hipsterszene.

Eine andere Möglichkeit, seine Pro-


dukte zu vertreiben, sind kuratierte
Webshops. Aufgrund des reduzierten,
ausgewählten Sortiments ist hier die
Aufmerksamkeit für die einzelnen Ar-
tikel größer. Allerdings muss man eben

1 2 3
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Interview
Die Betreiber von selekkt.com 4 Thorben Fasching, Director
haben es sich zur Aufgabe gemacht, Marketing & User Experience bei
junge deutsche Nachwuchsdesigner zu hmmh multimediahaus AG
unterstützen. Sie ermöglichen ausge- und stellvertretender Vorsitzender
wählten Herstellern den Direktverkauf der Fachgruppe E-Commerce
über ihre Plattform und sorgen außer-
im BVDW, gibt Tipps zum Thema
dem für Buzz. »Marketing und Vertrieb
erfordern immer noch sehr viel Erfah- Shopsysteme
rung, Kapital und vor allem Durchhal-
tevermögen – und das sind bei einer Welches Shopsystem eignet sich für men wettbewerbsrechtliche Regelun-
Gründung fast immer knappe Mittel«, E-Commerce-Einsteiger am besten: gen, urheberrechtliche und marken-
so Mitgründer Sebastian Hübschmann. Open Source, Software as a Service rechtliche Fragen sowie die Informa-
»Wir unterstützen unsere Verkäufer bei oder Eigenentwicklung? tionspflichten des Telemediengeset-
der Bekanntmachung und Präsenta- Thorben Fasching: Das hängt sowohl zes. Nicht jeder ausländische Anbieter
tion ihrer Produkte. Der Designer muss vom vorhandenen Technik-Know-how besitzt die nötige Expertise im eige-
bei uns sein Produkt letztlich nur noch als auch vom Geschäftsmodell ab. Zwar nen Haus, um deutsche Shopbetreiber
versandfertig zur Post bringen.« Für ihr bieten Software-as-a-Service-Modelle in diesen Fragen fundiert zu beraten.
Angebot nehmen die Betreiber rund Shopbetreibern niedrige Anfangsin- Wie beurteilen Sie Shopping-Plattfor-
50 Euro Set-up-Gebühren und 20 Pro- vestitionen, aber dauerhafte Kosten men wie Etsy, DaWanda oder eBay als
zent Provision bei jedem Verkauf. Über beziehungsweise geringere Margen. Vertriebskanäle?
zehn Produkte pro Anbieter sind nicht Open Source bietet dagegen den Vor- Sie bieten den Vorteil, dass dort eine
zugelassen. Selekkt.com hat ebenfalls teil, dass viele Features schon existie- enorme Reichweite in der gewünsch-
ein Scouting-Team, das nach originellen ren – vorausgesetzt, man wählt eine ten Zielgruppe geschaffen wird. Diesen
Designobjekten Ausschau hält, aber Software, die eine große Community Traffic müssten Shopbetreiber sonst
auch ein offenes Ohr für Bewerber hat. hat. Eine Eigenprogrammierung emp- teuer einkaufen. Nachteilig sind Ver-
Zudem bietet selekkt individuelle In- fiehlt sich nur bei sehr individuellen kaufsprovisionen und der Wettbewer-
terfaces für Verkäufer an, bei denen Wünschen und ausreichenden mone- ber, der oft nur einen Klick entfernt ist.
die Plattform selbst in den Hintergrund tären Kapazitäten sowie personellen Es dürfte aber kaum machbar sein, ei-
tritt. Bisher nutzen das Angebot vor al- Ressourcen. Statt dauerhafter Kosten nen zunächst unbekannten Shop in der
lem Anbieter mit einem größeren Sor- fallen hier dauerhafte Entwicklungs- gleichen Zeit mit den gleichen Mitteln
timent, sagt Hübschmann. Derzeit pla- aufwände an. Eine generelle Empfeh- zu einer zweistelligen Umsatzrendite zu
nen die Betreiber den Ausbau des Mo- lung lässt sich deswegen kaum finden. führen, wie wenn ich meine Artikel auf
dells, bei dem dann eine monatliche Unterm Strich besitzt Open Source ge- einer Shopping-Plattform veräußere.
Grundgebühr anfällt. wissen Vorteile gegenüber Software as Wie macht man einen Webshop erfolg-
a Service, eine Eigenentwicklung eig- reich? Welche Marketingtools können
net sich eher für größere Unterneh- auch Einsteiger gut umsetzen?
men mit internem Technik-Know-how. Online-Shops müssen durch eine gute
Würden Sie von Anbietern aus dem Usability das Interesse der Nutzer er-
Ausland abraten? wecken und dieses bis zum Kaufab-
Grundsätzlich empfiehlt sich, einen An- schluss aktivieren. Bei größeren Än-
bieter zu wählen, der national weit ver- derungen eignen sich klassische A/B-
breitet ist und bei dem man weiß, dass Tests, um Herausforderungen in der
man auf der sicheren Seite ist. Beson- Benutzerführung im Live-Betrieb zu
ders bei Fragen nach den rechtlichen optimieren. Ebenfalls wertvoll ist das
Anforderungen im Digital Commerce Bestandskundenmarketing, das um in-
stellt die deutsche Gesetzgebung hohe telligente Newsletter, Social-Media-In-
Anforderungen an die Marktteilneh- tegrationen und Verknüpfungen sowie
mer, sodass der Shopbetreiber von ei- Recommendations aufpoliert werden
ner guten Beratung des Dienstleisters kann. Am Ende entscheiden die ange-
profitieren kann. E-Commerce berührt botenen Produkte und das Preis-Leis-
die Vorschriften des BGB für Vertrags- tungsverhältnis, ob ein Webshop die
abschlüsse im Internet, die Fernabsatz- Kunden überzeugt – doch ein attrakti-
verträge und Vorschriften zum elektro- ves Produktangebot sollte eine Voraus-
nischen Geschäftsverkehr. Hinzu kom- setzung des Verkaufsgedanken sein.

»Ich sehe leichte Vorteile von Open Source


gegenüber Software as a Service, eine Eigen-
entwicklung eignet sich eher für größere
4 Firmen mit internem Technik-Know-how«
046 PAGE 08.13 KREATION Designshops & Shopsysteme

Mietshops Gestalterisch eingeschränkt – aber einfach und komfortabel


QMietshops sind auf den Servern des Anbieter sie erfüllen kann. Da man sich Neben dem einfachen Einrichten
Providers installiert, wofür man in den in eine gewisse Abhängigkeit begibt, unterstützt Tictail die Verkäufer mit
meisten Fällen eine monatliche Ge- sollte man sich für ein etabliertes Un- einem To-do-Feed, der sie beispiels-
bühr bezahlt. Dieser stellt die gesam- ternehmen entscheiden, das gute und weise daran erinnert, neue Produkte
te technische Infrastruktur sowie das zahlreiche Referenzen aufweisen kann. auf Twitter oder Facebook zu posten.
Programmier-Know-how als Service zur Darüber hinaus muss der Shop natür- Beide Social Networks sind per Plug-in
Verfügung. Der Designer kann seinen lich die nationalen Datenschutzrichtli- integriert. Statistiktools im Backend
Shop via Browser von überall aus bedie- nien erfüllen und der Kaufprozess soll- geben außerdem Auskunft über Besu-
nen. Damit sind Software-as-a-Service- te möglichst transparent gestaltet sein. cherzahlen und Inventar. Der Shop
Lösungen die einfachste und schnells- Wir haben einige Shopsysteme ausge- lässt sich in die eigene Website einbin-
te Variante, einen eigenen Shop zu be- wählt, die sich primär an Einzelverkäu- den. Prominentes Beispiel dafür ist die
treiben. Sie eignen sich perfekt, um fer richten, viele von ihnen speziell an Illustratorin Sarah Illenberger: Ihr Shop
das Interesse für die eigenen Produk- Kreative. Alle Systeme bieten eine zwei- wird zwar von Tictail gehostet, er fügt
te zu testen sowie erste Erfahrungen bis vierwöchige Testphase gratis an. sich visuell aber nahtlos in www.sarah
im E-Commerce zu sammeln, ohne all- illenberger.com ein. Illenberger zog für
zu viel zu investieren. die Gestaltung einen Digitalspezialis-
Mietshops gehen allerdings mit ei-
1 Tictail ten hinzu, der mit dem System vertraut
Preis: Freemium
nigen Einschränkungen bei der Gestal- ist und spezielle Wünsche wie Rah-
≥ www.tictail.com
tung und dem Betrieb einher. Daher mungsoptionen umsetzen konnte. Die
gilt es abzuwägen, wo die eigenen Be- Das im Mai 2012 gelaunchte schwedi- Illustratorin lobt außerdem die ein-
dürfnisse liegen und ob der jeweilige sche Shopsystem ist sehr einfach zu be- wandfreie Verknüpfung zu Paypal.
dienen und zeichnet sich durch schicke
Design-Templates aus. Wer tiefere Ein- Fazit: Tictail bietet alles Notwendige
griffe vornehmen will, kann auch in den und bleibt dabei schlank und gut be-
Code einsteigen. Zielgruppe sind vor dienbar. Einigen Nutzern ist das System
allem Indie-Marken und kleine Bouti- aber zu rudimentär. Das Freemium-
quen. Das Besondere an Tictail ist das Modell ist besonders für E-Commerce-
Preismodell: Der Dienst ist komplett Einsteiger interessant.
kostenlos. Nur Zusatz-Apps wie Custom
Domain (etwa 1 Dollar im Monat), Gut-
scheincodes (je circa 5 Dollar monat-
2 Jimdo
Preis: von kostenlos bis 180 Euro
lich) oder Passwortschutz kosten extra.
≥ www.jimdo.com
Den Webseiten-Baukasten Jimdo gibt
es seit 2007, seit 2011 gehören auch
Mietshops zum Angebot. Die Preise
sind gestaffelt von einer Gratisversion
(limitiert auf fünf Produkte) über eine
Pro- (60 Euro im Jahr, 15 Produkte) bis
hin zur Business-Ausführung (180 Eu-
ro, unbegrenzte Produktanzahl und

1 2 3
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weitere Extras). Neben der einfachen Verkäufers an. Fashiondesigner James de höhere Version mehrere Features
Einrichtung mit zahlreichen Gestal- Castle (www.jamescastle.de) lobt be- bietet. Die maximale Produktanzahl
tungsmöglichkeiten kennzeichnet Jim- sonders das Trackingsystem, das den liegt bei 300 Artikeln.
do die Kooperation mit Trusted Shops, Shopbetreiber bei drohenden Engpäs- Melanie Petersen, Betreiberin des
einem europäischen Unternehmen für sen benachrichtigt. Fashion- und Accessoires-Shops www.
die Zertifizierung von Online-Shops. hellopetersen.de , schätzt an Big Cartel
Social-Media-Anbindung und Suchma- Fazit: Shopify lohnt sich für alle, die es vor allem die Möglichkeit, den Shop in
schinenoptimierung gehören ebenso ernst meinen. Die Kosten sind höher ihre bestehende Website einzubinden.
zum Jimdo-Angebot wie eine optimier- als bei anderen Anbietern, dafür gibt Auch die Statistiktools bewertet sie als
te Mobile Site. es ein breit gefächertes Rundumange- sehr ausführlich und hilfreich. »Zwar
»Mit Jimdo kann man ohne Risiko bot und guten Support. stößt man schnell an die Grenzen bei
oder hohe Startkosten loslegen«, sagt den Gestaltungsmöglichkeiten, aber
Gisa Klement, Betreiberin des Shops das Angebot ist gut gemacht und es
für Krawatten Pattern of Society (www.
4 Big Cartel gibt ständig Updates«, sagt sie. Sie ist
Preis: von kostenlos bis 30 Dollar
patternofsociety.com). »Aber die Ge- Diamond-Nutzerin und hatte bei der
≥ www.bigcartel.com
staltungsmöglichkeiten sind doch et- Entwicklung ihres Shops Unterstützung
was begrenzt. Für kreative Freigeister Big Cartel gibt es schon seit 2005, wo- von einem Webdesigner.
ist das wahrscheinlich eher nichts. Wir mit das Shopsystem zu jenen gehört,
haben unserem Shop mit einem exter- die am längsten am Markt sind. Es rich- Fazit: Big Cartel bietet ein solides An-
nen Jimdo-Template von GudThemes tet sich besonders an E-Commerce- gebot mit allen notwendigen Featu-
aus den USA einen professionelleren Anfänger und Kreative jeglicher Art – res. Es ist besonders in den USA weit
Look verpasst.« Gisa Klement ist Musiker, Designer, Illustratoren et ce- verbreitet.
durchaus zufrieden mit dem Angebot tera. Neben Standards wie einfachem
und schätzt die permanenten Upda- Set-up und Gutscheincodes bietet Big
tes – wie erst kürzlich die Einführung Cartel die Erweiterung um einen Face-
5 Wazala
Preis: von 10 bis 30 Dollar
von Gutscheinoptionen. book-Shop an sowie den Verkauf von
≥ www.wazala.com
digitalen Produkten. Die Basisversion
Fazit: Jimdo bietet ein solides Rundum- Gold ist kostenlos, jedoch auf fünf Pro- Wazala zeichnet sich durch die einfa-
Paket und eignet sich besonders für al- dukte beschränkt. Von da geht es über che Integration in bestehende Websei-
le, die den Dienst schon für ein Online- Platinum (rund 10 Dollar im Monat) ten und Blogs aus. Die simpelste Vari-
Portfolio nutzen. So sind Website und und Diamond (circa 20 Dollar) bis hin ante ist ein Overlay, das die Nutzer auf
Shop garantiert aus einem Guss. zu Titanium (etwa 30 Dollar), wobei je- mehreren Webseiten installieren kön-
nen und das mit dem Klick auf einen
Shop-Button geöffnet wird. Ursula Hitz,
3 Shopify die in ihrem Shop seagull hut (http://
Preis: von 30 bis 180 Dollar
seagull.wazala.com ) T-Shirts und Dru-
≥ www.shopify.com
cke verkauft, hat sich denn auch auf-
Der amerikanische Anbieter gilt als grund dieses Features für Wazala ent-
umfangreichster und professionellster schieden. Einen großen Nachteil sieht
Mietshop. Das hat aber auch seinen sie allerdings in den sehr reduzierten
Preis: Die Basic-Version kostet knapp Gestaltungsmöglichkeiten. Außerdem
30 Dollar im Monat (plus 2 Prozent Pro- sind im Shop-Fenster lediglich Bild-
vision), die Professional-Version schlägt größen bis zu einer Breite von 600 Pi-
mit etwa 60 Dollar zu Buche (plus 1 Pro- xeln möglich.
zent Provision), die Unlimited-Version
mit circa 180 Dollar (ohne Provision).
Dafür stehen über 100 Templates für
die Gestaltung zur Auswahl, die sich
mit einem einfachen Editor individua-
lisieren lassen. Wer will, kann selbst
den Code verändern – oder sich dafür
einen Experten von Shopify vermit-
teln lassen. Jeder Verkäufer bekommt
darüber hinaus einen »Guru« zuge-
teilt, der ihm bei Einrichtung und Be-
trieb des Shops sowie bei dessen Ver-
marktung hilft.
Shopify lässt sich für den interna-
tionalen Verkauf nutzen: Der Shop un-
terstützt mehr als fünfzig Sprachen,
die Bezahlung ist in mehreren Wäh-
rungen möglich, und Steuern passen
sich automatisch dem Heimatland des 4 5
048 PAGE 08.13 KREATION Designshops & Shopsysteme

Daneben bietet Wazala Webshops nen ihre Produkte von browsenden com), das über seinen Goodsie-Shop
mit eigener URL an. Auch hier gibt es Käufern leichter gefunden und durch Musikalben verkauft. Der Shopbetrei-
kaum Spielraum für ein individuelles ein Empfehlungssystem hervorgeho- ber ist mit dem Preis-Leistungs-Verhält-
Design. In den nächsten Wochen soll es ben werden, so die Betreiber. Die Ge- nis sehr zufrieden und lobt die ein-
aber ein Update geben, das mehr An- staltungsmöglichkeiten sind hier ziem- fache Bedienung: »Mit Goodsie kann
passungen ermöglicht. Nutzer können lich begrenzt, der Fokus liegt eindeu- man einen Shop in weniger als einer
ihren Wazala-Shop in verschiedenen tig auf der Community. Stunde einrichten.«
Sprachen konfigurieren sowie auf ih- Preislich fährt Storeenvy ein Free-
rer Facebook-Seite einbinden. Das An- mium-Modell: Das Basisangebot ist Fazit: Goodsie ist simpel zu bedienen
gebot liegt mit den drei Stufen Small kostenlos, Zusatzfeatures wie eine ei- und günstig. Ein guter Dienst für E-Com-
(circa 10 Dollar im Monat), Medium gene URL oder Gutscheine kosten rund merce-Einsteiger mit wenig Zeit.
(20 Dollar) und Large (30 Dollar) im 5 Dollar beziehungsweise 3 Dollar im
preislichen Mittelfeld. Maximal können Monat. Demnächst wollen die Betrei-
250 Produkte eingestellt werden. ber eine Provision für Verkäufe einfüh-
8 Magento Go
Preis: 15 bis 125 Dollar
ren, die über den Marktplatz generiert
≥ http://go.magento.com
Fazit: Wazala ist für all diejenigen inte- wurden; Direktkäufe sollen aber kos-
ressant, die ihren Shop in eine bereits tenfrei bleiben. Storeenvy ist derzeit Der Mietshop von Open-Source-Anbie-
bestehende Website integrieren wol- (noch) stark auf den US- Markt ausge- ter Magento (siehe rechte Seite) bietet
len. Die Gestaltungsfreiheit ist (noch) richtet, bezahlen lässt sich ausschließ- umfassenden und professionellen Ser-
sehr eingeschränkt. lich in Dollar. vice. Er ist sehr businessgetrieben und
legt weniger Wert auf eine hübsche Be-
Fazit: Storeenvy verspricht mit der dienoberfläche. Zielgruppe sind hier
6 Storeenvy Kombination aus Marktplatz und Web- nicht vornehmlich designaffine Verkäu-
Preis: Freemium
shop erhöhte Aufmerksamkeit. Da das fer, sondern Einzelhändler, die ihr Ge-
≥ www.storeenvy.com
Angebot noch recht jung und auf den schäft ins Netz verlängern wollen. Zu
Storeenvy ging erst im Dezember 2012 amerikanischen Markt zugeschnitten den vielen Features gehören beispiels-
online. Die Besonderheit des amerika- ist, eignet es sich vor allem für Experi- weise professionelles SEO, Banner-
nischen Anbieters ist, dass er Markt- mentierfreudige. Anzeigen innerhalb des Shops oder
platz und Mietshop vereint. Verkäufer Wunschlisten für Einkäufer. Über den
richten hier ihren eigenen Store ein Marktplatz Magento Connect können
und sind gleichzeitig auf einer Etsy-
7 Goodsie Nutzer je nach Bedarf zusätzliche Er-
Preis: ab 15 Dollar
ähnlichen Plattform vertreten. So kön- weiterungen kaufen. Das große Ange-
≥ http://goodsie.com
bot kann allerdings besonders auf E-
Das 2011 in den USA gelaunchte Shop- Commerce-Einsteiger etwas unüber-
system sticht mit einer sehr intuitiven sichtlich wirken. Auch hier gibt es ein
Bedienbarkeit und schicken Templa- gestaffeltes Preismodell, bei dem mit
tes hervor. Die Standardversion ist mit dem Preis unter anderem die Anzahl an
circa 15 Dollar relativ günstig, für rund Produkten (bis zu 15 000) und an Ad-
40 Dollar bietet die Premium-Edition min-Logins (bis zu 30) steigt. Es gibt vier
Zusatzfunktionen wie E-Mail-Marke- Stufen zu circa 15, 25, 65 und 125 Dollar
ting und Sales-Analysen. Bei beiden im Monat. Zu den Nutzern gehört etwa
Versionen gibt es kein Limit bei der der kanadische Fashion-Einzelhändler
Produktanzahl. Der Goodsie-Shop lässt Off The Hook ( http://othshop.ca ).
sich in bestehende Seiten sowie auf
Facebook einbinden und ist für Smart- Fazit: Magento Go eignet sich für Ver-
phones optimiert. Zu den Nutzern ge- käufer, die schon Erfahrungen im E-
hört unter anderem das japanische Commerce haben und genau wissen,
Atelier Sawano (http://ateliersawano. welche Features sie benötigen.

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Open-Source-Shopsysteme Zeitaufwendig – aber stark individualisierbar


QOpen-Source-Lösungen lassen sich Wert, gibt es die kommerzielle Profes- Programmierkenntnisse, für mehr In-
nicht nur ohne Lizenzgebühr nutzen, sional Edition für knapp 1000 Euro oder dividualisierung kann der User aus ei-
sondern auch verändern – und da- Enterprise Basic für etwa 10 000 Euro. ner Reihe kostenpflichtiger Templates
durch individuell anpassen. Komplett Dazu bietet Shopware Premium-Plug- wählen. Unter den Referenzen befin-
gratis sind die Angebote jedoch in den ins wie intelligente Newsletter oder den sich allerdings wenige Shops mit
seltensten Fällen, denn es fallen mo- Bonus-Systeme an, die entweder für ansprechendem Design.
natliche oder jährliche Supportkosten 25 Euro im Monat gemietet oder für
an, oder man muss Zusatzmodule kau- rund 500 Euro gekauft werden kön-
fen. Bei den meisten Open-Source-An- nen. Weitere Features gibt es auch über
4 Magento
Preis: ab 5000 Euro
bietern lassen sich Support und Add- den Community-Store. Unter den Refe-
≥ www.magentocommerce.com
ons auch kostenlos aus der Community renzen finden sich große Marken wie
beziehen. Dies verlangt allerdings Pro- Vitra, Frosta oder die Deutsche Bahn. Das Shopsystem stammt aus den USA
grammier-Know-how, das man entwe- und ist eines der umfangreichsten An-
der mitbringen oder einkaufen muss. gebote auf dem Open-Source-Markt.
Den Shop betreibt man von seinem ei-
2 Oxid e-Sales Entsprechend kompliziert ist die Ein-
Preis: kostenlos oder ab 3000 Euro
genen Server aus. Insgesamt lohnen richtung, auf die sich einige Agentu-
≥ www.oxid-esales.com
sich Open-Source-Lösungen eher für ren spezialisiert haben. Bereits die
diejenigen, die Zeit in ihren Webshop Die Freiburger Firma Oxid e-Sales zeich- Community-Version kostet mindestens
stecken wollen – und weniger für sol- net sich durch ein besonders umfang- 5000 Euro. Für kleinere Anbieter ist da-
che, die ihre Entwürfe mehr nebenbei reiches Content-Management-System her eher das Mietshopsystem Magento
im Netz vertreiben wollen. Wir haben und eine große, aktive Community aus. Go interessant, das weniger Entwick-
uns neben den großen Anbietern Ma- Die Community-Version ist vollständig leraufwand benötigt und viel günsti-
gento und Oxid eSales auch kleinere kostenfrei. Für kleinere Shops bietet ger ist (siehe linke Seite). Zu den Nut-
wie Shopware und Gambio GX2 näher Oxid e-Sales ein Paket für rund 3000 Eu- zern von Magento gehören Hochkarä-
angeschaut, die sich für Verkäufer mit ro plus 60 Euro Supportkosten im mo- ter wie Nike oder Paul Smith. nik 3
kleineren Budgets eignen. natlich an. Zu den Nutzern gehören
die Modemarken Closed, StreetOne
und zero.
1 Shopware
Preis: von kostenlos bis 10 000 Euro
≥ www.shopware.de 3 Gambio GX2
Preis: rund 150 Euro
Der deutsche Anbieter wirbt damit,
≥ www.gambio.de
dass keine HTML-Kenntnisse nötig sind,
um einen individuellen Shop einzurich- Die in Bremen ansässige Gambio GmbH
ten – 960.gs, jQuery und Smarty3 soll- bietet mit Gambio GX2 eine günsti-
ten allerdings bekannt sein. Es gibt eine ge Variante mit Herstellersupport für
kostenlose Community-Edition ohne knapp 150 Euro im Jahr, sämtliche Zu-
Gewährleistung, Wartungsvertrag und satzmodule sind kostenlos. Die Ein-
Herstellersupport. Legt man darauf richtung erfordert keine ausgeprägten

1 2 4
1 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

PRAXIS

GUTES DESIGN
ENTWICKELN
Fallbeispiele & Strategien

Das Seminar 1 Der Referent Das Seminar 1


QDass Design ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, steht außer Frage: Q Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts-
CD/CI-Agenturen verzeichnen eine Auftragslage wie schon lange nicht führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist
mehr; klassische Werbeagenturen bauen ihre Design-Units aus; auch kleine Professor für Corporate Identity und Corporate
und mittlere Unternehmen entdecken die Notwendigkeit, sich durch einen Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied des
professionell gestalteten, ganzheitlichen Auftritt – über alle Medien hinweg – Art Directors Club Deutschland, davon drei Jahre
den nachhaltigen Erfolg im internationalen Wettbewerb zu sichern. Auf als Präsidiumssprecher. Er ist Mitglied im D&AD
Designer kommen dabei neue Herausforderungen zu: Immer mehr werden London und im Type Directors Club New York.
sie auch zu Beratern für strategische Unternehmenskommunikation. Die Seine Designagentur Strichpunkt steht für hoch-
Entwicklung und Umsetzung eines Markenauftritts ist deshalb kein leichtes wertige Marken- und Unternehmenskommuni-
Unterfangen: Es ist ein langfristiger Prozess, der von Gestalter und Auftrag- kation im Print-, Online- und 3-D-Bereich, hat mehr
geber nicht nur gegenseitiges Vertrauen und Kooperationsvermögen erfordert, als 600 internationale Preise gewonnen und ist
sondern vom Designer auch die Kunst, Beratung, Konzeption und Umsetzung
zielgerichtet zu verzahnen.
Die Agenda
Jochen Rädeker erläutert im PAGE Seminar »Leitmedium Design« anhand eines
prototypischen, gemeinsamen Marken-Workshops und konkreter Praxisbei- 1. Vom Leitbild zur Bildwelt
spiele, wie Sie einen komplexen Gestaltungsprozess angehen, mit dem Kunden Was Corporate Identity von Corporate
eine umfassende Branding-Strategie entwickeln und – weit über Styleguides Design unterscheidet – und warum
hinaus – die gesamte Unternehmenskommunikation harmonisieren. Wertvolles das eine für das andere so wichtig ist.
Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen!
2. Vom Briefing zur Strategie
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 13. September 2013 im Hotel Wie entwickelt man mit dem Kunden
Gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro das optimale Briefing? Wie definiere
(zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch ich eine Kommunikationsstrategie?
und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt! Also Der Marken-Workshop als zentraler
schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar. Startpunkt in ein erfolgreiches Projekt.

Am Folgetag findet Jochen Rädekers Anschluss-Seminar zum Thema Kalkulieren, 3. Von der Strategie zur kreativen Idee
Präsentieren, Verkaufen statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie Wie funktional muss, wie kreativ
bauen nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur darf ein gutes Corporate Design sein?
1166 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 Euro und sparen 130 Euro. Möglichkeiten und Grenzen des
Kreativprozesses.

PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // E-Mail: info@page-online.de // 4. Vom Leitmedium zur Medienneutralität
Telefon: +49 40 85183400 // www.page-online.de/seminar Wie werden aus einer großartigen
Idee großartige Medien?
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen- Wege und Umwege zu einem
folge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. Sie ist sofort nach konsistenten Markenauftritt.
Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung
seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprü-
che bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 05. 06. 2013 berechnen Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt
wir 50 Prozent, ab 10. 07. 2013 100 Prozent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teil-
nehmers nicht einzelne Tage storniert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich.
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und
Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel. den Austausch der Teilnehmer untereinander.
2 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

PRAXIS

GUTES DESIGN
GUT VERKAUFEN
Kalkulation & Präsentation

Das Seminar 2
seit Jahren in den Top Ten des PAGE Kreativ- QDesigner wollen nur eins: Top-Arbeit abliefern – über alle Medien hinweg.
rankings vertreten. Jochen Rädeker verfügt Denn das bringt dem Kunden Wettbewerbsvorteile und dem Gestalter
mit seinen Arbeiten für Unternehmen von Geld, Ruhm und Ehre. Doch vor der allgemeinen Freude steht harte Arbeit:
adidas bis WMF, von Beiersdorf über Vorwerk Wie wird ein Designkonzept kalkuliert? Wie werden Angebote vom
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper Designer richtig formuliert und vom Kunden richtig bewertet? Wie laufen
über einen immensen Erfahrungsschatz in Verhandlungen für beide Seiten sinnvoll ab? Ist der Job da und die
Sachen Konzeption und Umsetzung komplexer Idee steht *, kommt die nächste Hürde: Wie kann ich bei internen und
Designstrategien – von der Imagebroschüre externen Präsentationen überzeugen?
bis zur Werbekampagne, vom Online- bis zum
Messeauftritt. Er ist Autor zahlreicher Bücher Jochen Rädeker erläutert anhand der zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren
zum Thema Unternehmenskommunikation. (und Problemfelder) für ein gutes Projekt den optimalen Workflow zwischen
Kreativen und Auftraggebern. Am Beispiel konkreter Kalkulationen aus
unterschiedlichen Aufgabenfeldern von Print bis Online und vom kleinen
Die Agenda Projekt bis zum umfassenden Corporate Design zeigt er den Aufbau
eines überzeugenden Angebots und diskutiert mit den Teilnehmern, wie
1. Kunden stören. Kreative nerven Designleistungen fair bepreist, überzeugend verkauft und sinnvoll abge-
Vom Pitch bis zur Agenturauswahl, vom rechnet werden können. Das Seminar schließt mit ausführlichen Praxistipps
Briefing bis zum Timing, vom Angebot für erfolgreiche Präsentationen von Designern bei Kunden wie auch bei
bis zur Autorenkorrektur: Workflow, Stol- Meetings innerhalb von Unternehmen.
perfallen, Tipps und Taktik für den gegen-
seitigen Umgang der Projektpartner.
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 14. September 2013 im Hotel
2. Richtig kalkulieren Gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro
Stundensätze, Pauschalen, erfolgsabhängige (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch
Honorare, Nutzungsrechte: Welche Kalkulation und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt! Also
ist für welches Projket richtig? Wo liegen Vor- schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.
und Nachteile, was bringt Erfolg und Transpa-
renz für beide Seiten? * Am Vortag findet Jochen Rädekers Seminar zum Thema Designstrategien
und Konzeption statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie bauen
3. Richtig anbieten nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur
Aus der Praxis für die Praxis: Aufbau, 1166 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 Euro und sparen 130 Euro.
Pricing und Rahmenbedingungen
überzeugender Angebote anhand
konkreter Kalkulationsbeispiele PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // E-Mail: info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 // www.page-online.de/seminar
4. Überzeugend präsentieren
Pitch und Präsentation: 40 Tipps für Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen-
eine erfolgreiche Präsentation. folge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. Sie ist sofort nach
Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung
seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprü-
Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt che bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 05. 06. 2013 berechnen
wir 50 Prozent, ab 10. 07. 2013 100 Prozent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teil-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und nehmers nicht einzelne Tage storniert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich.
den Austausch der Teilnehmer untereinander. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.
052 PAGE 08.13 KREATION Start-ups & Gestalter

»Design ist bei


Telekom, der eben sein einjähriges Be-
stehen feierte. Die Institution fördert
Start-ups mit Seed Funding, Beratung
und bietet ein achtwöchiges Accelera-

vielen Start-ups
tor-Programm, um Ideen mit den Grün-
dern voranzutreiben. »Zentral ist, dass
ein Unternehmen in jeder Dimension
mit einem hohen und starken Design-

unterrepräsentiert«
anspruch aufgebaut und gelenkt wird«,
sagt Borchers. Als Musterbeispiel zieht
er Apple heran, da dort der Designas-
pekt von Beginn an Bestandteil des Un-
ternehmenskerns und des Produkts
Die digitale Gründerszene bietet Gestaltern neue Entfaltungsmöglich- war. Seine tägliche Erfahrung im Um-
keiten. PAGE hat sich bei deutschen Start-ups umgehört und gang mit Start-ups ist aber eine andere.
»Design ist hier oft unterrepräsentiert.
arbeitet heraus, welche Anteil Design am Unternehmenserfolg hat Angefangen vom klassischen Interface-
design über die gesamte Nutzerfüh-
rung bis hin zur Corporate Identity – al-
PAGE Online QBerlin und seine Gründerszene Designer bei der Gründung eines Un- so all das, was man zum gezielten Mar-
Die im Artikel werden weltweicht neugierig beobach- ternehmens mit Kapital, Beratung und kenaufbau braucht«, kritisiert er.
erwähnten Links tet. Bei aller Aufbruchstimmung und Kontakten. Ihre Überzeugung ist, dass In den meisten Fällen fehlten Desig-
finden Sie unter Euphorie unterschätzen viele digitale die Gründer als das Herz einer Firma ner oder designerfahrene Leute im
www.page-online. Unternehmer allerdings die Bedeutung auch deren Ausrichtung vorgeben. So Team – oder seien nur am Rande mit
de/startup_design von Design bei ihrem Projekt. Und das kreiert ihrer Ansicht nach ein von Desig- dabei, berichtet Peter Borchers. Das
führt allzu oft zu Problemen. »Design nern geführtes Start-up nicht nur das Problem sei, dass man bei Teams, die
ist ein Weg, an alles zu denken«, sagte eigene Produkt, sondern auch eine ei- kein Gefühl dafür haben, den Design-
Elle Luna, bis vor Kurzem Lead Designer gene Kultur, die zum Erfolg führe. Eine gedanken auch nur schwer »hineinwe-
beim kalifornischen Start-up Mailbox, andere Art der Hilfeleistung bietet die ben« könne. »Alle Unternehmer wis-
in einem Interview und betont, dass Innovationsberatung IDEO. Bei ihrem sen, dass sie einen guten Anwalt und
Gestalter in der heutigen Start-up-Kul- Startup-in-Residence-Programm zieht einen guten Softwareentwickler brau-
tur ein wesentlicher Dreh- und Angel- ein junges Unternehmen eine Zeit lang chen. Aber dass sie einen guten Desig-
punkt sind und unbedingt zum Grün- in das Chicagoer Büro der internatio- ner brauchen, das ist für viele nicht so
dungsteam gehören sollten. nalen Designagentur, damit beide von- offensichtlich«, so Borchers. Im Folgen-
Genau deswegen wurde auch die einander lernen. Doch diese kreative den stellen wir vier Berliner Start-ups
Venture-Capital-Firma Designer Fund Befruchtung ist leider die Ausnahme. vor, bei denen Design auf unterschied-
in San Francisco gegründet. Die Busi- Peter Borchers leitet hub:raum in lichen Ebenen eine zentrale Rolle für
ness Angels unterstützen vornehmlich Berlin, den Inkubator der Deutschen den Erfolg spielt. vd
Fee Beyer,
Leiterin des
Accelerator-
Programms, und
Peter Borchers,
Leiter des
Deutsche-Tele-
kom-Inkuba-
tors hub:raum
in Berlin
PAGE 08.13 053

Salon.io Das Interface einer Software ist


nichts anderes als Design
QDie Anfänge von Salon.io und ihrem Idee oder einen Entwurf von einem
Portfoliotool reichen zurück bis zu ei- Wireframe in einen interaktiven Proto-
nem Interactive-Design-Seminar an der typ umzusetzen«, so Landrock. Ein sol-
Hochschule für Gestaltung Offenbach ches Vorgehen ist auch deswegen so
(siehe PAGE 07.12, Seite 104). Das drei- wichtig, weil sie erst dann das unsicht-
köpfige Team um den heutigen CEO bare Design, den Prozess gestalten
Stefan Landrock entwickelte 2010 zu- könnten. Darüber hinaus verhindert es,
sammen mit den Studenten Ideen für dass man auf Ideen kommt, die letzt-
ein Web-Portfolio-Tool. Davon ausge- lich nicht umsetzbar sind.
hend programmierten die vier dann ein Die Fähigkeit, in sehr kurzer Zeit in-
einfaches System. Ein Jahr lang trafen teraktive Prototypen zu entwickeln,
sie sich alle vier Wochen zu dreitägigen kommt Salon.io auch bei ihrem neuen
Workshops, bis sie eine Version mit sehr Projekt Eternal Light zugute, einem
begrenzten Funktionen veröffentlich- über Kickstarter geförderten VJ-Tool
ten. So gewann Salon.io einen größe-
ren Userkreis zum Testen und konnte
zum Arrangieren und Filtern großer
Bild- und Videomengen. Mit der iOS-
»Bei digitalen Services
schrittweise neue Features einbauen.
»Bei uns hat es mit einer Designidee
App sollen sich Visuals zu einer interak-
tiven Bilderpräsentation zusammen-
kommt man um
angefangen«, erinnert sich Stefan Land-
rock. Und auch heute ist der Designpro-
stellen lassen. Auch hier ist es wichtig
für den Designer Stefan Landrock, der
Design nicht herum«
zess zentral für ihr Unternehmen. »Da auch programmiert, »sich in beide Be- Stefan Landrock, Designer und CEO von Salon.io in
wir jahrelang Web-Development auf reiche – Gestaltung und Entwicklung – Berlin, über die Bedeutung von Design für Start-ups
verschiedensten Ebenen betrieben ha- hineindenken zu können, Probleme zu
ben, sind wir in der Lage, schnell eine erkennen und vorauszusehen«. Warum ist das Design für Start-ups überhaupt wichtig?
Stefan Landrock: Die meisten Start-ups entwickeln ja
digitale Services. Und selbst bei E-Commerce-Diensten,
die ein Produkt verkaufen, besteht alles nur aus Design.
Das bedeutet, um Design kommt man nicht herum. Ich
kann mir gar nicht vorstellen, wie das Gründer machen,
die keinen Gestalter in ihrem Team haben.
Bitte erklären Sie das genauer.
Design findet auf den verschiedensten Ebenen statt. So
muss der ganze Prozess designt werden – sei es der Be-
stellvorgang oder ein Service, um sich etwa mit Freun-
den zum Netzwerk zu verbinden, oder das Erstellen von
Webseiten. Man gestaltet diesen Prozess. Und dafür ha-
ben wir alle von Steve Jobs und seinem Mantra gelernt:
Design ist nicht, wie etwas aussieht, sondern wie es funk-
tioniert. Es ist der klassische Ansatz des User Experience
Design, dass man aus der Perspektive des Nutzers den-
ken muss. Das Allerentscheidendste ist, dass es möglich
wenige Schritte in diesem Prozess gibt, die der User
ausführen muss. Es geht darum, alles herunterzubre-
chen und mögliche Hürden zu eliminieren. Das ist dann
unsichtbares Design.
Was sind die Risiken, wenn Design vernachlässigt wird?
Haben Leute eine Idee für ein Start-up, aber keinen De-
sign-Background kann das Projekt scheitern, wenn sie
sich überschätzen. Etwa wenn sie nicht erkennen, was
sie selbst nicht leisten können und wofür sie Spezia-
listen benötigen und früh genug einbinden müssen. Es
ist eben ein Unterschied, ob man sich schon lange mit
interaktiven Prozessen beschäftigt hat oder ob man eine
tolle Idee hat und denkt: Das krieg ich auch so hin.
Was kann das wirtschaftlich für ein Start-up bedeuten?
Ich habe das bei einem Start-up beobachtet, das einen
Druckdienst für Facebook-Fotos anbieten wollte. Das
waren alles keine Designer. Ihre Idee war ganz gut, doch
der Service so schlecht designt, dass sie fast keine Be-
Oben: Salon.io liefert eine dynamische Oberfläche im Browser, auf der der User Bilder stellungen bekommen haben, weil kein User diesen um-
und andere Dateien flexibel zum Portfolio anordnen kann. Unten: Noch in der Ent- ständlichen Bestellprozess durchmacht. Die Usability
wicklung ist die App Eternal Light, die als VJ-Tool Bilder und Videos ordnet und abspielt ist da nicht gelungen.
054 PAGE 08.13 KREATION Start-ups & Gestalter

Niklas Jansen
ist Co-Founder
und CPO bei
Blinks Labs

David
Kjelkerud
(und Henrik
Berggren),
Gründer von
Readmill

Blinks Labs Design ist ein Ansatz Readmill Design bedeutet,


zur Problemlösung die User zu verstehen
QAn dem im August 2012 gegründeten Start-up ist der QDer Schwede David Kjelkerud ist Lead Designer und, zu-
Telekom-Inkubator hub:raum als ein Hauptinvestor beteili- sammen mit Henrik Berggren, Gründer der Firma Readmill
gt. Das Produkt von Blinks Lab ist Blinkist, eine Wissens- in Berlin, die seit Oktober 2010 besteht. Gemeinsam entwi-
App für iOS, die entstand, »weil wir es für uns selbst haben ckelten sie die gleichnamige iPad-App, mit der User interes-
wollten«, erzählt Niklas Jansen, Mitgründer und Chief Pro- sante Stellen in Bücher markieren und diese weiteremp-
curement Officer von Blinks Labs. Das Tool fasst die wesentli- fehlen können. »Wir wollten sehen, was man aus Büchern
chen Inhalte eines Sachbuch zusammen und stellt sie als auf Tablets und Smartphones machen kann. Frühe E-Books
Infohäppchen bereit. »Leute lesen gerne und wollen sich waren enttäuschend, weil sie Papier imitierten, anstatt das
Wissen aneignen. Wir bieten dieses Wissen in komprimier- Potenzial des Geräts voll auszuschöpfen.« Als 2010 das iPad
ter Form«, so Jansen. Die iOS-App ist der erste Schritt, wei- herauskam, verlieh es dem digitalen Lesen neuen Schwung.
tere Produkte und Plattformen sollen folgen. Kjelkerud erinnert sich: »Henrik und ich wunderten uns, dass
Zentral für Blinks Labs ist der userzentrierte Designan- es keine tollen Digitaldienste für Bücher gab, vergleichbar
satz, verbunden mit ästhetischem Anspruch. »Alles, an dem mit den Angeboten für Musik, Video oder Fotos. Wir sahen
wir arbeiten, soll vom Anwender her gedacht sein. Ich ver- hier eine Möglichkeit für Innovation. Bald merkten wir aber,
suche mich stets in die Perspektive der Nutzergruppen zu dass es schwerer als erwartet war. Aber Naivität und blin-
versetzen und zu verstehen, mit welchen Problemen sie zu der Ehrgeiz haben uns weiter angetrieben.«
kämpfen haben. Dann überlege ich mir, wie man sie lösen Naivität und Ehrgeiz sind vielleicht nicht die schlechtes-
kann«, erläutert Niklas Jansen. Aus diesem Grund hat das ten Voraussetzungen für ein Produkt, das durch sein elegan-
Team bei der Entwicklung von Blinkist schon sehr früh da- tes Interface und seine einfache Benutzerführung besticht.
mit angefangen, Feedback einzuholen. Die ersten User-Tests Zugute kommt David Kjelkerud, dass er gleichermaßen De-
fanden mit Prototypen aus Papier statt. »Wir wollten wis- signer wie Entwickler ist. Heute codet er nicht mehr jeden
sen, ob sie das Konzept überhaupt verstehen und wo die Tag, doch helfen ihm die Programmierkenntnisse bei Design-
Schwierigkeiten liegen.« entscheidungen. Zudem gestaltet sich so die Kommunikation
Niklas Jansen hat einen Business-Background und sich reibungsloser. »Es hilft, wenn Entwickler ein Verständnis für
dann die Methoden des Design Thinking angeeignet. »De- Design haben, und Designer die Möglichkeiten und Grenzen
sign ist ein fundamentaler Wert für uns. Wir sind ein junges Readmill ist der Technologie kennen.« Der Part des Designs ist in seinen
Unternehmen und sehen viele Wege, wie wir das Produkt eine iPad- und Augen fundamental für ein Start-up. »Design bedeutet, die
verbessern können. Das gilt auch für Marketing, Kommuni- Web-App, bei User zu verstehen, ihre Bedürfnisse und Motivationen. Und
kation und PR bis hin zum Recruiting. Eine Botschaft sollte der die User es bedeutet herauszufinden, wer aus dem Team das am
stets verständlich sein, aber auch ansprechend.« Eine wich- ihre Lieblings- besten umsetzen kann. Dieses Mindset hilft mir sehr«.
tige Herangehensweise beim stellen
Design sei, dass man es als Ge- in Büchern
stalter selbst nie besser weiß. kommen-
Am Ende entscheidet immer der tieren und
Kunde, ob das Produkt gut ist – teilen können
und nicht der Produktmanager
und auch nicht der Entwickler.
Daher seien ständige Updates
wichtig, die das neu Gelernte
umsetzen. »Jede neue Plattform, Blinkist fasst
wie etwa eine geplante Version die wesent-
für Android, die Produkte drum- lichen Informa-
herum und jedes neue Teilpro- tionen eines
dukt sind immer wieder ein Test, Sachbuchs
ob das Produkt an sich funktio- in Kurzform
niert«, resümiert Niklas Jansen. zusammen
PAGE 08.13 055

Gen Sadakane,
Foto: Georg Roske

Designer und
einer der vier
Gründer
von EyeEm

EyeEm Man muss das Design »Designer können obsessiv


konsequent durchhalten
und ziemlich gründlich
QDie Fotosharing-App EyeEm gibt es seit August 2011, in-
zwischen hat sie mehr als 1 Million User auf iOS-, Android- sein. Das braucht man, um
und Windows-Smartphones, verstreut über 150 Länder welt-
weit. Der Instagram-Konkurrent zeichnet sich durch eine gute Produkte zu erschaffen,
hervorragende Community-Arbeit aus. So veranstaltet er
Events wie den Photo Hack Day und geführten Stadterkun-
dungen in Berlin. Beispielhaft bei dem Berliner Start-up ist
die die User lieben«
Wells Riley, Lead Product Designer beim Start-up
darüber hinaus, dass die vier Gründer alle Bereiche des Un-
Kicksend in San Francisco, vermittelt zwischen der
ternehmens abdecken – inklusive Design: Florian Meissner
Start-up- und der Designwelt
kommt aus dem Business-Bereich, Lorenz Aschoff ist als
Geschäftsführer für die Produktstrategie zuständig, Gen
Sadakane ist Designer und Ramzi Rizk Entwickler. »Unser Wie kamen Sie auf Ihre legendäre Seite http://startups
Erfolg liegt darin, dass jeder seine spezifische Kompetenz thisishowdesignworks.com?
mitbringt. Deswegen machen wir weniger Entwicklungs- Wells Riley: Anfang 2012 sollte ich bei einem Start-up Ac-
schleifen, als wenn es nur einen Business-Mensch und ei- celerator in Designfragen beraten und Design unterrichten.
nen Entwickler gibt, die einen Freelancer dazuholen.« Dem Das Projekt kam dann nicht zustande. Ich wollte aber nicht,
Team liegt sehr an einem nachhaltigen Business-Modell. dass die ganze Recherche und Vorbereitung dafür und die
»Schließlich ist es unser Baby, und das gibt man nicht aus gesammelten Kontakte umsonst waren. Zur gleichen Zeit
der Hand«, sagt Gen Sadakane. suchte ich noch ein Thema für mein letztes Designprojekt
Das gestalterische Konzept im engeren Sinne sieht vor, an der Uni. Ich beschloss, alles online zu stellen und damit
das Design von EyeEm möglichst reduziert zu halten, da die Entwicklern, Business-Menschen und Kreativen weltweit
Fotos im Vordergrund stehen. »Mein Job ist, diesen Ansatz zugänglich zu machen. Das war der Anfang einer ausführli-
konsequent zu verfolgen – so wie sich auch der schwarze chen Einführung in Design für Nichtdesigner.
Hintergrund durch die Applikation zieht«, erklärt Gen Sada- »Startups, this is how design works« scheint einen Nerv in
kane. Das Ziel ist schließlich ein stimmiges Produkt. »Zu der Gründerszene getroffen zu haben . . .
vieles auszuprobieren und damit keine Stringenz hineinzu- Jeder liebt die Seite – ich war schockiert. Ohne Marketing oder
bringen – das passiert schnell, wenn man nicht von Anfang eine Social-Media-Strategie wurde die Seite zum viralen Phä-
an einen Designer dabeihat.« Ein Grund mehr, dass sich nomen auf Twitter. Bis heute, ein Jahr später. Leute erzählen
deutsche Start-ups frühzeitig gute Kreative ins Boot holen. mir, sie hätten die Strategie ihres Unternehmens daraufhin
Und dass Designer selbst vermehrt zu Gründern werden. geändert und Design einbezogen, oder es habe sie sogar
inspiriert, eine neue Firma mit einem Designer zu gründen.
EyeEm ver-
Was können Start-ups von Designern lernen?
bindet Foto-
Designer können obsessiv und ziemlich gründlich sein. Wenn
liebhaber zu
diese Art der Gründlichkeit in einem Start-up existiert, gibt
einem sozialen
es einen ungleich höheren Standard, um gute Produkte zu
Netzwerk
erschaffen, die die User lieben.
Warum sollten Designer von Anfang an involviert sein?
Hin und wieder existiert noch die Einstellung, dass Design
etwas ist, das am Ende aufgeklebt wird, damit das Produkt
glänzt. Das ist falsch. Gute Produkte können nicht ohne De-
sign existieren, sei es die visuelle Gestaltung, die Usability
oder die Verlässlichkeit.
Was folgt nach Ihrer Start-up-Webseite?
Mein neues Projekt ist Hack Design (http://hackdesign.
org). Das ist ein kostenloser Onlinekurs, der Programmierern
Design nahebringt. Wir haben über 70 000 Teilnehmer.
056 PAGE 08.13 KREATION

PAPIERWELT
grauen Klappkassetten aus nassfest
verklebter Wellpappe. Für die Vermark-
tung des Archivsortiments nutzt Rö-
merturm ein großes A als Logo.
Zudem schließen die Boxen sehr
dicht, sodass auch bei mehrmaligem
Öffnen so gut wie kein Staub ein-
dringt. Alle verwendeten Materialien
entsprechen den aktuellen DIN-Nor-
men für die Lagerung von Schrift- und
Druckgut sowie in Bezug auf höchste
Alterungsbeständigkeit. Wer bei den
1 sieben aufgelegten Formaten nicht
fündig wird, kann die Rohware direkt
bei Römerturm bestellen, um daraus
1Notiz- und Skizzenhefte hohe Sortenreinheit für reibungslo- ein eigenes Schutzbehältnis zu bauen.
se Recyclingzyklen«, berichtet Carsten ≥ www.roemerturm.de
im iPad-Format Brettschneider. »Unsere Zulieferer und
Schöne Notiz- Q DIN A4, 5 und 6 war gestern, heute Partner suchen wir nach qualitativen, Gestrichenes
bücher und heißen die Formate »PS*185x240« oder fairen, sozialen und Umweltaspekten
Schreibblöcke »PS*060x125« und passen zu iPad oder aus, da nachhaltiges Wirtschaften und
Recyclingpapier
im iPad- und iPhone. Carsten Brettschneider hat sich Produzieren für uns eine Selbstver- Q Metapaper bietet jetzt auch das
iPhone-Format – zum Ziel gesetzt, die digitale Welt mit ständlichkeit ist.« Die hippen Notizbü- gestrichene Recyclingpapier Silk Re-
pfiffige Idee den Nutzungsgewohnheiten von ana- cher und Schreibblöcke lassen sich auf cycling an. Die seidenmatte, zweifach
von Paperscreen logen Schreibprodukten zusammen- der Website bestellen und werden gestrichene und FSC-zertifizierte Sor-
zubringen. So entstand das Unterneh- weltweit ausgeliefert. te eignet sich für den Offset- und Di-
men Paperscreen, das eine Kollektion ≥ www.paperscreen.me gitaldruck. Dabei ist Metapaper Silk
von Notizbüchern, Schreibblöcken und Recycling keineswegs grau, sondern
-heften anbietet, deren Formate auf 2Archivboxen von besitzt im Gegenteil ein hohe Weiße.
das iPad und iPad mini sowie auf das Wer sich für das Papier interessiert,
iPhone 4, 5 und das Nokia Lumia 800
Römerturm kann auf der Metapaper-Website un-
abgestimmt sind. Nicht nur, dass die Q Das neue Archivsortiment von Rö- ter »Services« ein kostenloses Muster-
analogen Begleiter auf diese Weise merturm umfasst Boxen in sieben ver- buch bestellen.
auch in die entsprechenden Gerätehül- schiedenen Formaten sowie Wellpap- ≥ www.metapaper.de
len passen, Entwurfsskizzen für Apps pe. Mit ihnen sollen Objekte vor äuße-
und Co lassen sich so gleich im richti- ren Einflüssen geschützt werden und
gen Format anfertigen. dabei möglichst minimalen Tempera-
Olin für Digitaldruck
»Wir verwenden zu 100 Prozent Re- tur- und Feuchtigkeitsschwankungen Q Das Feinstpapier Olin von Antalis
cyclingpapier oder -karton mit Zertifi- unterliegen – all diese Anforderungen liegt jetzt nicht nur für den Offset-
katen. Wichtig ist uns dabei auch eine erfüllen die naturweißen oder tauben- druck, sondern auch in einer Digitalva-
riante in zwei Ausführungen vor: Olin
Die Archivboxen
2 Digital HP in Regular und Smooth spe-
von Römerturm
ziell für HP-Indigo-Druckmaschinen so-
schützen optimal
wie Olin Digital DT in der Variante
und sehen gut aus
Smooth für die Trockentonertechno-
logie. Die Grammaturen reichen von
90 bis 300 Gramm, als Farben stehen
High White und Cream zur Verfügung.
Im Offsetbereich erweiterte Anta-
lis das Sortiment Olin Recycled um die
Farbe High White. Die Sorte besteht zu
70 Prozent aus einem Premium-Altpa-
pierfaseranteil und eignet sich vor al-
lem für Geschäftsberichte, Broschü-
ren und Kalender. Das FSC-zertifizier-
te Papier gibt es in 40 bis 400 Gramm
in den Oberflächen Regular, Smooth
und Rough. ant
≥ www.antalis.de
ANZEIGE

Good School & PAGE präsentieren:

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Apples App Store bietet Zugriff auf hunderttausende
Freitag, 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr: Basics + Inspiration
kleine Programme, Fiat eco:Drive hilft, Benzin zu
Service Design Basics. Einführung in die Grundlagen
von Service Design anhand von Case Studies, Einblick in
sparen, Nike+ FuelBand regt zu mehr Bewegung an –
Tools und Prozesse. Service Design hat das Zeug, zur neuen Königs-
Business Model Basics. Überblick über die wichtigsten disziplin in der Kreativbranche zu werden. Gleichzeitig
Theorien und Tools (z.B. Business Model Canvas). Mithilfe eröffnen neue Business-Ideen und Geschäftsmodelle
von Reverse Engineering kommen die Teilnehmer
erfolgreichen und erfolglosen Business Models auf die Spur. bisher ungeahnte Möglichkeiten für Kundenbindung
Real Life Challenges. Gemeinsam werden konkrete Problem-
und Wertschöpfung.
stellungen aus dem Arbeitsumfeld der Teilnehmer entwickelt.

Samstag, 09:00 Uhr bis 19:00 Uhr: Workshop


Wie entwickelt man diese Dienstleistungen? Wie ent-
deckt man neue Geschäftsfelder? Und wie überzeugt
Von der Kreativ-Idee zum Business Model. Wie wird eine
Idee zum Geschäftsmodell? In Teams arbeiten die Teil- man seine Stakeholder (den Kunden, den Vorstand …)
nehmer mit den Lehrern an Business-Ideen für die am von solchen Ideen? Der Workshop beantwortet diese
Vorabend verabschiedeten Problemstellungen.
Fragen und macht die Teilnehmer mit grundlegenden
Prototyping. Wie lassen sich Business-Ideen mit möglichst
einfachen Mitteln aufbereiten? Mithilfe von Papier, Lego
Tools und Denkweisen vertraut.
et cetera werden in den Teams Prototypen entwickelt.

Pitch. Wie verkaufe ich meine Idee mithilfe eines Prototyps? An zwei Tagen lernen Sie, Service-, Business- und
Die entwickelten Prototypen werden von den Teams präsen- Werbe-Denke miteinander zu kombinieren,
tiert und gemeinsam auf Herz und Nieren geprüft.
um neue Wege im Marketing zu gehen. Im Mittel-
punkt steht die Entwicklung konkreter Ideen
 sowie die Erweiterung des eigenen Arbeitsfeldes.
/HKUHU 6SHFLDO*XHVWV
Der Workshop »Creative Business Modelling« richtet
Drei Lehrer und internationale Special Guests, allesamt sich an Designer, Kreative, Strategen und Marketing-
Experten in Sachen Service Design und Business Modelling,
begleiten Sie die zwei Tage. Unter anderem mit dabei: manager aus Agenturen und Unternehmen.
Andy Polaine, Interaction-, UX und Service
Designer, ist Co-Autor des Buchs »Service Der Workshop findet am 2NWREHU
Design: From Insight to Implementation.«
(erschienen 2013, Rosenfeld Media). in der Good School, Lagerstraße 36, im Hamburger
Andy Polaine lehrt Service Design an der Schanzenviertel statt. Die Teilnahme kostet 1.990 Euro
Hochschule Luzern. www.polaine.com
(zzgl. MwSt.) inklusive Arbeitsmaterial und Catering.
Stefan Erschwendner ist Co-Gründer und GF
von LHBS, Berlin. LHBS ist ein interdisziplinärer
Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt!
Thinktank, der seinen Kunden hilft, aus auf- Also schnell anmelden unter
kommenden kulturellen Phänomenen und Kon-
sumentenbedürfnissen innovative Geschäfts- www.good-school.de/CBM oder
lösungen zu entwickeln. http://lhbs.at www.page-online.de/seminar
Matthias Weber ist Transformation Designer.
Er berät Unternehmen im Umgang mit
Veränderungen in Gesellschaft, Kultur und Die Good School (www.good-school.de) ist eine Schule für digitalen Wandel in
Technologie und hilft ihnen dabei, Hamburg. Ihr Ziel: Wissen, Fähigkeiten und Inspiration in neuen Medien und
neue Geschäftsfelder zu entwickeln. innovativem Marketing zu vermitteln. Seit 2009 hat sie mehr als 800 Profis aus
über 120 Unternehmen fit gemacht – darunter Deutschlands erfolgreichste
Leif Abraham, Co-Founder von Pay with a Kreativköpfe, Marketingmanager großer Marken und Vorstände internationaler
Tweet, ist Kreativdirektor bei der Agentur West Agenturnetzwerke. Sie arbeitet mit mehr als 150 nationalen und interna-
in San Francisco. Zuvor arbeitete er bei tionalen Top-Experten aus allen relevanten digitalen Disziplinen zusammen.
Crispin, Porter + Bogusky und R/GA New York.
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058 PAGE 08.13

TYPO

QDer deutsche Typograf Andreas Maxbauer sagte Headline und


Vortext:
einmal: »Schweizer Typografie ist vor allem ein Korpus Grotesk,
Gattungsbegriff. Die Gattung, bei der die größte Fließtext:
Ornamentik die Hinzunahme einer zweiten Farbe Korpus Grotesk,
Korpus A
bedeutet.« Hat er recht? und Korpus C
NIKLAUS THÖNEN: Ein wunderbares Zitat! Da muss ich
gleich schmunzeln. Es scheint, als würden die Beurteilun-
gen von außen schonungslos präziser sein als all die inne-
ren Abwägungen.
Mika, du hast von 1997 bis 2006 in Berlin gelebt. Hast
du in dieser Zeit gestalterische Unterschiede zwischen
Deutschland und der Schweiz entdecken können?
MIKA MISCHLER: In der Schweiz geht man sehr präzise
und bedacht vor. Gestaltung wird immer wieder auf ihre
Richtigkeit überprüft, damit das Ergebnis in sich kohärent
ist und die gewünschten Inhalte kommuniziert werden.
Nicht umsonst hat sich hier die Uhrenindustrie so gut ge-
halten. Das kann man als gut oder schlecht bewerten, auf
jeden Fall stecken immer Prozesse dahinter, die viel Zeit in
Anspruch nehmen. Die deutschen Tugenden liegen etwas
anders. Dinge können dort wahnsinnig schnell und effi-
zient vonstattengehen. Als ich bei einer Fahrt nach Berlin
am Ostkreuz ankam, stand dort noch der alte Bahnhof, ein
Jahr später fand ich einen komplett neuen vor. Das wäre in
der Schweiz nicht möglich, da hätten wir für zehn Jahre ei-
ne Baustelle. Ich denke, diese Unterschiede in der Heran-
gehensweise sind vor allem in der Gestaltung spürbar.
Wird euch diese Sorgfalt in die Wiege gelegt oder
lernt ihr das in der Ausbildung?
Foto: Béatrice Devènes

MIKA: In der Ausbildung wird sehr viel Wert darauf gelegt,


eine Haltung gegenüber einer Sache zu entwickeln. Aber es
fängt wohl schon früher an. Damit, wie wir hier aufwachsen,
das alles beeinflusst und prägt. Wir sprechen aber von Nuan-
cen, die Schweiz ist nicht so weit weg von Deutschland.
PAGE 08.13 059

»Wir sind keine Freunde


des Ornaments«
Geografisch ist die Schweiz nicht allzu weit von Deutschland entfernt,
typografisch gelegentlich schon. Wir sprachen mit den Binnenland-
Gründern Mika Mischler und Niklaus Thönen über Schweizer Typo-
Traditionen und die Entwicklung ihrer eigenen Schriften

Niklaus Thönen (links)


und Mika Mischler bei
einem Vortrag auf der
Mitgliederversammlung
des Berufsverbands SGD
(Swiss Graphic Designers)
060 PAGE 08.13 TYPO Binnenland

NIKLAUS: Ich denke das auch. Auffällig


ist schon, dass Schweizer Designer, ob sie
»Als ich bei einer Fahrt nach natürlich im Straßenbild. Aber es findet
sich hier auch viel gute Gestaltung! Feine
nun in Frankreich, Holland oder England Arbeiten, von denen man sich wünschen
leben, trotzdem diese typisch schweize-
Berlin am Ostkreuz ankam, würde, sie auch so gemacht zu haben oder
rische Eigenart beibehalten haben. Natür-
lich befruchten die fremden Einflüsse sie,
stand dort noch der alte vielleicht doch ein bisschen anders.
Obwohl ihr in verschiedenen
was sich auch in ihren Arbeiten zeigt.
Niklaus, du lebst seit 1996 überwie-
Bahnhof, ein Jahr später fand Ländern sitzt, klappt eure Team-
arbeit gut. Woran liegt das?
gend in Wien. Gibt es zwischen ich einen völlig neuen vor. Das MIKA: Wir haben eine ähnliche Auffas-
Österreich und der Schweiz ebenfalls sung und ein ähnliches Verständnis von
Unterschiede? wäre in der Schweiz nicht Schrift und Schriftdesign. Das kommt
NIKLAUS: Die nationalen Unterschiede zu durch unsere Sozialisation. Wir sind bei-
beschreiben ist mit der mir gebliebenen möglich, da hätten wir für de in der Schweiz groß geworden, haben
schweizerischen Zurückhaltung nicht ganz die Schule für Gestaltung in Biel absol-
einfach. Doch die Website des Bundes- zehn Jahre eine Baustelle« viert und sind dann nach Berlin bezie-
amts für Kultur (www.swissdesignawards. hungsweise nach Wien gegangen. Ob-
ch) zeigt, wie der Designwettbewerb in wohl wir dadurch sehr viel neuen Input
der Schweiz vermittelt wird. Man diskutiert mit etwas eli- bekommen und Sachen aufgegriffen haben, die man in der
tärem Getue darüber, wer im Club aufgenommen wird. Das Schweiz gar nicht so mitgekriegt hat, haben wir festge-
ist vielleicht nervig, aber enorm förderlich, weil genau da- stellt, dass das Verständnis für eine Sache weiter zurück-
durch ein anregender Wettbewerb entsteht. Diese Art von geht und eher mit unseren Wurzeln zu tun hat. Wir ha-
Großzügigkeit fehlt in Österreich. Hier herrschen Kammer- ben ein Büro hier in der Schweiz, unsere Zentrale, aber
denken und Wirtschaftlichkeit, Teilnahmen müssen bezahlt Niklaus ist schon ziemlich viel in Wien. Wir pendeln und
werden. Das unterstützt die Wahrnehmung von Gestaltung skypen. Manchmal ist die räumliche Distanz auch ganz
als Kulturgut nicht und ermutigt auch nicht, sich mit dem angenehm. Es hält eine gewisse Frische aufrecht, man
Schaffen kritisch auseinanderzusetzen. In Österreich sagt freut sich aufeinander.
man: »Weshalb was ändern, wenn es so auch geht?« Wie habt ihr euch überhaupt gefunden?
Mangelt es vielleicht an Vorbildern? MIKA: 2004 haben wir gemeinsam an dem im Gestal-
NIKLAUS: Möglicherweise fehlen tatsächlich Gestalteriko- ten Verlag erschienenen Buch »Type One« gearbeitet –
nen, die die Szene überstrahlen, provozieren und herausfor- inhaltlich wie auch typografisch. Die dort verwendete
dern. So jemand, wie es für mich der Anfang der 1990er Displayschrift Frac stammt von Niklaus, die eingesetzte
Jahre aus London nach Zürich zurückkehrende Cornel Textschrift T-Star von mir. Damals hatte ich den Namen
Windlin war, mit seiner überraschend verqueren, neuen Hal- Binnenland schon länger im Kopf, wusste allerdings noch
tung, mit seinen Schriften, Publikationen und Plakaten, die nicht so genau, was ich damit machen sollte. Diese Buch-
mich durcheinandergebracht haben. Und mir dabei die arbeit war der Auslöser. Unsere Vorstellungen und An-
Möglichkeiten aufgezeigt hat, wie weit Gestaltung ausge- Typisch Binnen- sichten über Schrift und Typografie haben sich so auf-
lotet und intelligent kommuniziert werden kann. Aber natür- land: inhaltlich bauend ergänzt. Und als wir uns dann über Idee ausge-
lich gibt es auch in der Schweiz enorm viel schlechte Gestal- konzipierte tauscht haben, uns zusammenzutun, war alles klar. Bis wir
tung, üblen Geschmack und nicht nachvollziehbare Haltun- Schriftmuster- Schriften professionell angeboten haben, hat es allerdings
gen. Vielleicht ist der Kreis guter Gestalter in Österreich hefte, hier für noch lange gedauert. Es macht eben einen Unterschied, ob
kleiner, und ein paar von ihnen leben im Ausland, die fehlen die Korpus man Schriften nur für sich gestaltet oder nach außen gibt.
Wie würdet ihr euren Stil
charakterisieren?
NIKLAUS: An der School of Computer
Science an der McGill University in
Montréal betreibt der Belgier Luc
Devroye eine digitale Schriftenenzy-
klopädie. Über Binnenland schrieb er:
»Swiss foundry which made several
(typically Swiss) techno-sans families.«
Es ist immer interessant zu lesen, wie
wir eingestuft werden. Und Devroye
liegt mit seiner Beurteilung nicht ganz
falsch: Unsere Schriften basieren tat-
sächlich auf Konstruktionsrastern. Das
ist zwar nicht automatisch gleich »tech-
nisch«, aber natürlich anders als bei-
spielsweise Entwürfe niederländischer
Typedesigner mit einem humanistischen
Ansatz. Wir sind beide gelernte Grafi-
ker. Typografie spielte in der Ausbildung
keine wesentliche Rolle, somit war das
technische Konstruieren einer Type mit
unserem grafischen Verständnis die
Möglichkeit, in dieses Gebiet einzutre-
PAGE 08.13 061

ten. Und selbstverständlich kam dann


später noch der Einfluss aus unserem
»Für die Studierenden ist zutage nicht mehr nur aus dem 256 Zei-
chen umfassenden Standardset.
Umfeld mit dazu. Geschichte ein Teil, den sie Es ist eine logische Konsequenz
MIKA: Den eigenen Stil kann man eurer Herangehensweise, dass auch
selbst nur schlecht beschreiben, das
passiert besser von außen. Ein zen-
aufsaugen, mit dem sie aber eure Schriftpräsentationen über
die üblichen »The quick brown fox«-
trales Element bei uns ist die Funk- entspannt umgehen. Sie Darstellungen hinausgehen.
tion von etwas, der Anspruch, den MIKA: Um eine abgeschlossene Schrift-
man an die Sache hat. Das ist stets die sitzen nicht da und denken: entwicklung ein letztes Mal zu überprü-
Ausgangslage und gibt das Design vor. fen und auch um die Welt, die die Type
Egal, ob es sich um grafische Gestal- ›Oh Mann, wir treten ein umgibt, zu verorten oder zu präsentieren,
tungen oder um Schriftdesign han- hatten wir die Idee, kontextbezogene
delt – unsere Handschrift ist sicher- riesiges typografisches Erbe Publikationen zu gestalten. Für Korpus
lich eher technischer Natur. In Bezug beispielsweise mit Arbeiten der beiden
auf unsere Arbeiten sind wir keine an‹, um dann zu blockieren« Fotografen Pascal Petignat und Martin
Freunde des Ornaments. Scholz-Jakszus und einem Textbeitrag
Ihr habt ja schon eine ganze Reihe von Karin Frei Rappenecker. Ebenso für
von Schriften entworfen: Entstehen sie aus die Publikation zur Relevant. Da haben wir mit dem
Projekten heraus, oder setzt ihr euch auch Künstler Manuel Burgener und dem Texterduo Sabine Kro-
hin und sagt: »Wir gestalten jetzt einen Font«? nenberg und Lars Mischkulnig zusammengearbeitet. Das
MIKA: Eine Schrift nur für den Verkauf zu entwickeln, sind keine klassischen Typespecimen, sie machen deut-
das passiert bei uns nicht, wir sind keine Typefoundry. lich mehr Arbeit, fordern uns aber auf eine neue Art und
Das Interesse entsteht in der Regel durch ein Auftrag oder Weise heraus und lassen neue Sichtweisen entstehen.
ein freies Projekt. Ist die Schrift bis zu einem gewissen Korpus zum Beispiel setzt sich mit Fehlleistungen im Blei-
Stand gereift, setzen wir sie in unseren Arbeiten ein. Und satz auseinander. Also haben wir nach künstlerischen Po-
sobald diese für uns abgeschlossen sind, stellen wir die sitionen gesucht, die sich auch mit dem Thema beschäfti-
Schrift der Öffentlichkeit zur Verfügung. Alles, was vor gen und damit spielen. Unsere Schriftposition so in einer
dieser Veröffentlichung geschieht, dient der Überprüfung. Publikation zu verschweißen, finden wir extrem spannend.
Wir arbeiten erst mal mit dem Font und verfeinern ihn. Hundertmal »The quick brown fox« zu schreiben ist nicht
Unserer Schriften haben jeweils einen langen Optimie- der Inhalt, den wir kommunizieren wollen. Natürlich prä-
rungsprozess hinter sich. Für die Publikation sentieren unsere Musterhefte auch die Schrift, aber sie
NIKLAUS: Zu Beginn von Binnenland waren unsere Schriften zur Relevant sind durch ihren Inhalt geprägt.
an Projekte geknüpft. Heute entwickeln wir sie auch aus arbeitete Binnen- Ihr lehrt beide: Niklaus in Biel, Mika in Biel und an
Themen heraus, die uns bewegen. Catalog beispielsweise land mit dem der Hochschule der Künste Bern. Hat die heutige
entstand aus dem Auftrag, einen Kunstkatalog zu gestal- Künstler Manuel Schülergeneration noch einen Bezug zu Basel und
ten. Nach dessen Beendigung fragten wir uns jedoch, wie Burgener sowie der klassischen Schweizer Typografie?
kann aus diesem Auftrag eine Schrift werden, die uns auch dem Texterduo NIKLAUS: Die Studierenden sind heute unheimlich wissbe-
weiterhin beschäftigt. Sabine Kronen- gierig. Die Geschichte ist ein Teil, den sie aufsaugen, mit dem
Schriftdesign ist aber nicht euer einziges Standbein. berg und Lars sie aber entspannt umgehen. Sie sitzen nicht da und denken:
MIKA: Nein, Binnenland ist das, was Niklaus und ich tei- Mischkulnig »Oh Mann, wir treten da ein riesiges typografisches Erbe
len. Darüber hinaus unterrichten wir beide, und dann hat zusammen an«, um dann völlig zu blockieren. Überhaupt nicht. Es ist
Niklaus seine grafischen Jobs und ich
meine. Die sind breit gefächert, häu-
fig allerdings im kulturellen Raum
angesiedelt. Da helfen wir uns dann
schon mal aus und arbeiten gemein-
sam an Projekten beispielsweise für
das Museum Frac Lorraine in Metz.
Zusätzlich betreue ich zusammen mit
Critzla als freier Editor das Gestal-
ten-Fontlabel. Ich schätze den Aus-
tausch und das damit verbundene
Recherchieren.
Arbeitet ihr gerade an einer Schrift?
NIKLAUS: Wir sind immer noch dabei,
die Serifenschrift Korpus um eine seri-
fenlose Variante zu erweitern. Wir
wollen das Prinzip und die Einsichten,
die wir aus der Entwicklung der Korpus
gewonnen haben, auf eine Grotesk-
variante übertragen und beide Versio-
nen so aufeinander abstimmen, dass
sie im Mengentext optimal funktionie-
ren. Das beschäftigt uns schon ziem-
lich lange. Aber Schriften bestehen heut-
062 PAGE 08.13 TYPO Binnenland

Bestandteil ihrer Arbeit, auf den sie sich


beziehen, den sie vielleicht auch mal zitie-
»Das typografische Erbe ist . . . die sich vor allem in der
Alltagstypo zeigt?
ren. Manchmal lehnen sie sich auch dage- wohl verinnerlicht. Selbst MIKA: Selbstverständlich gibt’s auch in
gen auf und wollen etwas gerade nicht so der Schweiz illustrative Ansätze. Aber
machen. Dadurch entsteht dann auch wie- wenn Schriften sich in ganz wenn es um Gebrauchstypografie geht,
der etwas Neues. dann stecken Form und Funktion ein-
Haben die verschiedenen Schweizer andere Richtungen entwi- fach drin. Dann ist die Gestaltung klar
Gestaltungsschulen unterschiedliche und aufgeräumt, sie hat Hierarchien,
Ansätze? ckeln, sieht man immer noch, damit sich der Leser besser zurechtfin-
MIKA: Die Grundhaltung ist, denke ich, det. Da werden auch nicht fünf Schrift-
bei allen ähnlich, allerdings es gibt unter- dass sie von hier kommen. typen gemischt, sondern eine oder zwei.
schiedliche Ausformungen. Biel ist eine Darüber hinaus sind die Sachen, die frü-
relativ kleine Schule, extrem familiär und Das letzte bisschen Schweiz her gelehrt wurden, wieder da, aber auf
sehr unkompliziert. Eher wie eine große eine neue Weise aufgebrochen und neu
Künstlerfamilie, in der sich alle gegensei- kriegt man nicht raus« interpretiert, sodass das Ergebnis eben
tig beflügeln. Das ist sehr inspirierend. In doch nicht mehr genauso aussieht wie
den 80er und 90er Jahren war die Schule in den 1960er Jahren.
für Gestaltung Luzern mit Hans-Rudolf Lutz sehr prä- NIKLAUS: Die Tradition hat im Alltag eine grafische Präsenz.
gend für die Schweizer Typografie. Auch Cornel Windlin Denken wir nur an die Joghurtbecher von Migros, die sind
machte dort seinen Abschluss, der wiederum maßgeblich reduziert gestaltet mit klarer Typografie. Eine Farbfläche
die jüngere Geschichte dieser Disziplin beeinflusst hat. und eine Aufschrift. Oder die Produktpalette von ok.– mit
Und heute? ihrer unglaublichen Radikalität. So was kann man sich in
MIKA: In den letzten Jahren war die École cantonale d’art Deutschland nur schwer vorstellen. Das typografische Erbe
de Lausanne die prägende Schweizer Schule, die auf ein- ist wohl in irgendeiner Form verinnerlicht, selbst wenn sich
mal mit einer unglaublichen Präsenz da war und großar- Schriften in ganz andere Richtungen entwickeln, sieht man
tige Absolventen hervorgebracht hat. Dafür sorgte auch immer noch, dass sie aus der Schweiz kommen. Das letzte
ihr Leiter Pierre Keller, der eine bestimmte Vision hatte bisschen Schweiz kriegt man nicht raus.
und diese ziemlich straight umgesetzt hat. François Rappo, Warum gibt es in der Schweiz eigentlich so wenig
sicher einer der bedeutendsten Schweizer Schriftgestal- weibliche Typedesigner?
ter, lehrt beispielsweise dort. NIKLAUS: Vielleicht liegt es daran, dass Typedesign eher mit
Was kennzeichnet denn heutige Schweizer Typografie? Technik und Programmierung zu tun hat und man einen Hang
MIKA: Es begegnen einem immer wieder Arbeiten, die zur Einsamkeit braucht. Man muss aber wohl eher fragen,
ihre Ausprägung nur bekommen konnten, weil sie einer Um die – übrigens warum es überhaupt so wenig Typedesignerinnen gibt. Viel-
Schweizer Hand entstammen. Laurenz Brunners Akkurat auch in »Weave« leicht liegt es an der Geschichte, Schriftsetzer war ein kom-
ist ein ausgezeichnetes Beispiel einer Schriftentwicklung, eingesetzte – plett von Männern dominierter Beruf. Auch viele Studentin-
die sich der schweizerischen Wurzeln bedient, aber etwas T-Star zu präsen- nen bringen zwar großes Interesse und Begabung für Typo-
Neues schafft, indem andere Einflüsse mit in das Design tieren, visuali- grafie und Schriftdesign mit, führen dies aber später selten
eingehen. Es ist vielleicht eine bestimmte Art von Strenge sierten Mischler in der gleichen Konsequenz weiter.
und Systematik – gepaart mit dem Wunsch nach Ver- und Thönen die MIKA: Ein paar Namen fallen mir aber schon ein: Sibylle
spieltheit –, die den Charakter der Schweizer Typografie Geschichte des Hagmann etwa, die vielleicht nicht unbedingt für typische
ausmachen. ersten Giro d’Italia Schweizer Typografie steht, aber deren Veröffentlichung
Cholla 1999 beeindruckend und weg-
weisend war. Die meisten wissen nur
nicht, dass sie Schweizerin ist. Auch
Susanna Stammbach ist als gelernte
Schriftsetzerin, Dozentin und Heraus-
geberin diverser Publikationen eine
wichtige Vorreiterin und prägende Fi-
gur. Dann gibt es auch jüngere Type-
designerinnen wie Christine Gertsch,
Susanne Burri oder Nina Stössinger,
die tolle Schriften gezeichnet und bei
Foundrys veröffentlicht haben. Und es
gibt viele, deren Schriftschaffen nicht
zwingend in Veröffentlichungen mün-
den, die die Typografie aber dennoch
ausloten und ihre Arbeit sehr wichtig
nehmen, wie Theres Jörger oder Megi
Zumstein. Heute studieren viel mehr
Frauen Design als noch zu unserer Zeit,
das wird die nächsten Jahren Früchte
tragen, auch fürs Typedesign. ant

In PAGE 09.13 stellen wir weitere


Typedesigner aus der Schweiz vor.
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064 PAGE 08.13 TYPO Typoreise Vietnam

Viêt Type
China, Frankreich, die USA – die
Vietnamesen haben gelernt, fremde
Einflüsse auf ganz eigene Art
produktiv zu machen. Klaus-Peter
Staudinger besucht die sich ent-
faltende Typo- und Designszene
des südostasiatischen Landes

QIn unserem Gedächtnis ist Vietnam


unauslöschlich mit dem Krieg verbun-
den, den die USA in den 1960er und
1970er Jahren dort führten. Nach des-
sen Ende entstand 1976 die heutige
Republik Vietnam als ein sozialistischer
Staat, der seit den 90er Jahren ähnlich
wie China einen Transformationspro-
zess hin zu einer gesteuerten Markt-
wirtschaft durchläuft. Auch wenn im
Einparteiensystem die Pressefreiheit
stark beschränkt ist, hat man den Kom-
munikationssektor rasant ausgebaut,
sodass heutzutage theoretisch fast je-
der Vietnamese ein Mobiltelefon und –
dank der zahlreichen Internet-Cafés –
Zugang zum World Wide Web hat.
Massive Investitionen ins Bildungs-
system haben dafür gesorgt, dass sich
in den letzten zehn Jahren die Zahl der
Universitäten verdoppelt hat. Design
studieren lässt sich in der Hauptstadt
Hanoi und in der südlichen Wirtschafts-
metropole Ho-Chi-Minh-Stadt (das frü-
here Saigon) an staatlichen und priva-
ten Instituten, vor allem an der interna-
tionalen RMIT University Vietnam.

Dam Ca Pham hat


den Serifenfont
Cadao speziell fürs
Vietnamesische
entwickelt. Hier ein
Schriftmuster
(links) sowie experimentelle Studien
für eine Sans-Serif-Version (darüber)
PAGE 08.13 065

Joshua Breidenbach
und Chí-An Benjamin
De Leo arbeiten
als Rice Creative in
Ho-Chi-Minh-Stadt.
Für das Cover des
Designmagazins
»BRAIN« sprühten
sie mit aus pürierten
Erdbeeren herge-
stellter Farbe die
japanischen Zeichen
für Erdbeerrot auf
die Wände einer
Galerie. Die sehens-
werte Aktion zeigt
ein Video (http://
vimeo.com/61504279)

PAGE Online
Links und weitere
Arbeiten der hier
vorgestellten
Designer finden Sie
unter www.page-
online.de/viet_type
066 PAGE 08.13 TYPO Typoreise Vietnam

Vietnamesisch ist, wie Tschechisch oder Slowakisch, ei-


ne Schriftsprache der Akzente. Das rührt daher, dass man
1945 nach einigem Hin und Her endgültig das lateinische
Alphabet übernahm. Für eine Sprache, die ihren Ursprung
im Chinesischen hat und sich teilweise über sechs Tonhö-
hen vermittelt, nicht unbedingt folgerichtig. Entsprechend
schwierig ist es, das Vietnamesische in dem uns bekannten
Schriftsystem korrekt abzubilden. Hierzu bedarf es einer
Unmenge an diakritischen und anderen Zusatzzeichen.
Diese tonal kodierte Version des Lateinischen fand erst
ab 1910 Verwendung, doch gehen ihre Ursprünge bis weit
ins 17. Jahrhundert zurück – auf christliche Missionare aus
Portugal und später französische Jesuiten. Bis zur Unab-
hängigkeit Vietnams von China im Jahre 939 waren es aber
in erster Linie die Han-Chinesen, die starken Einfluss auf die
Schriftkultur des Landes ausübten. Bis heute leben gele-
Dao Duy Duong gentlich kalligrafische Versatzstücke auf, die in Pinselschrift
gestaltet gern mit geschriebenes Vietnamesisch wie waagerecht angeordne-
kalligrafischer, tes Chinesisch wirken lassen. Aber das sind Ausnahmen –
verspielter Typo. der Alltag und die Medien sind ganz klar von der lateini-
Das Plakat über schen Umschrift geprägt.
ein berühmtes Neben den zahlreichen Akzenten wurden den 26 Let-
Nudelgericht tern des Lateinischen der Konsonant ā sowie die beiden in
gehört zu einer westlichen Sprachen unbekannten Vokale ɳ und ȶ hinzu-
Serie über Essen gefügt. Durch die wie Verzierungen wirkenden Erweite-
und Gewohn- rungen erinnert das Vietnamesische formal ein bisschen
heiten der Haupt- an die stark vom Indischen beeinflussten Khmer-Schriften,
städter (unten) die in den Nachbarländern Thailand, Laos und Kambodscha

Giang Ngyuen nutzte Architektur-


und Ladenbeschriftungen oder
Markenimages aus dem alten Saigon
als Ausgangspunkt für sein
Vintage-Type-Projekt, bei dem er
plakative Displayfonts entwirft
PAGE 08.13 067

sehr verbreitet sind. So führen die Stützmaßnahmen des


Alphabets zu einem charakteristischen Schriftbild, das es
sowohl hinsichtlich des Designs als auch beim Verwenden
von Fonts zu berücksichtigen gilt.

Mit dieser Besonderheit der Schriftsprache hat es auch


zu tun, dass es bislang nur einen einzigen ausgewiesenen Dat Phuc Tran
Typedesigner in Vietnam gibt: Dam Ca Pham, der dort seit entwirft schlich-
2011 an der Hanoi Architectural University Typografie lehrt. te, ebenfalls
Studiert hat er an der École supérieure d’art et de design retrospektiv
d’Amiens. Als Abschlussarbeit zeichnete er die Cadao, eine ausgerichtete
speziell auf die Bedürfnisse des Vietnamesischen zuge- Mottoposter,
schnittene Serifenschrift (siehe Seite 64). »Ich konnte keine deren überwie-
Fonts von vietnamesischen Designern finden, alles lag bis- gend typogra-
her in den Händen ausländischer Foundrys, vor allem aus fische Motive
Frankreich«, berichtet Pham von seinen Recherchen. Die er auf T-Shirts
Cadao könnte in dieser Hinsicht einiges in Gang setzen, überträgt und in
sein Unterricht in Schriftgestaltung sowieso. einem Laden
Momentan arbeitet Pham an einer serifenlosen Varian- zusammen mit
te der Cadao, die noch eigenständiger auf die Besonder- Freunden
heiten des Vietnamesischen eingeht. »Ich habe mich ge- vertreibt
fragt, ob eine Sans gut mit unseren Sprachcharakteristiken
korrespondieren würde«, meint er. Generell geht sein Be-
mühen dahin, an vorhandene historische Formen für die
Gestaltung der diakritischen Zeichen anzuknüpfen. So ent-
stehen teils Buchstaben mit festen Akzenten, teils ganz
neuartige Lettern. »Ich nehme mir die Freiheit, experimen-
tell vorzugehen«, so Dam Ca Pham.

Gern interpretiert Tran vietnamesische Sinnsprüche


mit typografischen Mitteln. Beim Plakat links
verändert ein einziger Buchstabe komplett den Sinn
(mit g: Denk nicht, tue es! Ohne g: Wenn du schlau
bist, denk vorher nach!). Das Postermotiv oben ist
momentan ein echter Verkaufshit als T-Shirt
068 PAGE 08.13 TYPO Typoreise Vietnam

Bei den jüngeren Designern zeigt sich eine deutliche


Vorliebe für europäisch inspirierte Schreibschriften, Retro-
looks amerikanischer Provenienz oder stilistische Zitate al-
ler Art. Dies prägt auch die Arbeiten von Dao Duy Dong und
Giang Ngyuen aus Hanoi. Beide haben sich mit der visuel-
len Alltagskultur ihrer Heimatstadt beschäftigt und ziehen
Jeremiah Le ver- daraus ihre Inspiration (siehe Seite 66). Ebenfalls retrospek-
legt und gestaltet tiv ausgerichtet sind die charmant-reduzierten Mottopos-
»MILE«, das wohl ter des Designers und Fotografen Dat Phuc Tran mit meist
einzige Lifestyle- typografischen Motiven (siehe Seite 67). Zusammen mit sei-
magazin Vietnams nem Kompagnon Tung Ryu hat er unter http://camhung
mit internationa- sangtao.com einen Inspirationsblog für Grafik, Webdesign,
lem Flair (oben). Fotografie und grüne Themen aufgelegt.
Auffällig sind die Giang Ngyuen stellt fest: »Ich sehe unsere Kultur als eine
extravagante sehr spezielle, die von vielen anderen Kulturen beeinflusst
Grafik und Typo wurde. Natürlich haben uns über 1000 Jahre Fremdherr-
sowie die un- schaft von China politisch, sozial und vor allem kulturell ge-
gewöhnlichen prägt, aber auch der französische Modernismus und dann
Fotostrecken. die amerikanische Werbeära während des Krieges mit den
Links: Elegant- USA.« Im Umgang mit diesen Einflüssen haben die Gestal-
verspielt ist auch ter des südostasiatischen Landes eine eigene ästhetische
das Erscheinungs- Strategie entwickelt, wie Dao Duy Dong erklärt: »Der Design-
bild des Hanoier stil in Vietnam ist sehr anspielungsreich und vielseitig, weil
Nobelrestaurants wir sowohl Englisch als auch Vietnamesisch für die Typo
Sú Buffet, das nutzen können. Jedes Wort bekommt eine andere Bedeu-
er im Auftrag der tung, wenn wir stilistisch zitieren. Das gilt vor allem bezo-
jungen Innen- gen auf den modernen Lifestyle, aber junge Designer mö-
architekten von gen auch traditionelle Typografie und Kalligrafie.«
Demtrang
Deco entwarf Über das eigene Land hinaus macht sich Rice Creative aus
Ho-Chi-Minh-Stadt im südostasiatischen Raum einen Namen.
Das Designstudio betreiben der Amerikaner Joshua Breiden-
bach und Chí-An Benjamin De Leo, der sowohl amerikani-
sche als auch vietnamesische Wurzeln hat. Ihrer Herkunft ge-
mäß agieren die beiden kulturübergreifend. Sie pflegen ei-
nen internationalen Stil mit Anleihen in der vietnamesischen
Kultur. Zu ihren Kunden zählen lokale Brands wie Marou Cho-
colat, für die Rice Creative ein wunderschönes, mit liebevoller
PAGE 08.13 069

Komplexität aufgebautes Erscheinungsbild entwickelt hat.


Doch sind die beiden aber auch offen für andere mediale
Ausdrucksformen, wie das performanceartige Projekt für
das japanische Designmagazin »BRAIN« zeigt (siehe Seite 65).
Äußerst professionell arbeitet der ebenfalls in Ho-Chi-
Minh-Stadt beheimatete Crono Le. Er geht in seinen Corpo-
rate Designs sehr systematisch vor und zeigt sich für viet-
namesische Verhältnisse ausgesprochen reduziert in den
Stilmitteln. Auch Jeremiah Le dekliniert Erscheinungsbilder
Quang Trung
bis ins letzte Glied durch. Besonders einfallsreich gestaltet
Ngyuen und Huy
er das Lifestylemagazin »MILE«, das mit tollen Covern und
Anh Le betreiben
extravaganter Typo aufwartet (siehe links).
das Ausnahme-
studio Egregius.
Das mit Abstand profilierteste Designbüro ist jedoch Stu-
Für die Lebens-
dio Egregius, das Quang Trung Ngyuen mit dem inzwischen
mittel-Manufaktur
nur noch als beratender Kreativdirektor tätigen Huy Anh Le
The Hill Station
2009 in Ho-Chi-Minh-Stadt gegründet hat. Beide studierten
aus der Hochland-
im Ausland: Le in England, Ngyuen in Australien. Wie in Viet-
region Sapa
nam üblich begannen sie ihre Laufbahn in Werbeagentu-
gestalteten sie
ren. Der Name des Studios ist Programm, bedeutet egregius
einen sinnlich-
doch im Lateinischen »auserlesen«. Zur Philosophie von Egre-
minimalistischen
gius gehört es, dem Kunden nur eine begrenzte Anzahl von
Markenauftritt,
Entwürfen zu unterbreiten und den Entwicklungsprozess ab-
der mit leisen
zubrechen, wenn dieser Zwischenentwürfe nicht akzeptiert.
Anklängen an
Dafür arbeiten die beiden die Gestaltungen maximal detail-
die Kolonialzeit
liert aus, wobei sie vom Logo bis zum Piktogramm-Zeichen-
die Hochwertig-
satz nichts dem Zufall überlassen. Bei aller konzeptionellen
keit der Produkte
Stringenz spricht aus ihren Erscheinungsbildern, etwa für
herausstellt
The Hill Station (rechts), viel Menschlichkeit und Lebensnähe.
Auch wenn Studio Egregius eine Ausnahmeerscheinung
darstellt, ist es ein gutes Zeichen, dass es eine solche gibt.
Verdeutlicht dies doch das enorme kreative Potenzial des
Landes mit seinen vielfältigen kulturellen Einflüssen. So
werden uns in Zukunft sicherlich noch häufiger Arbeiten
von vietnamesischen Designern bezaubern.
070 PAGE 08.13 TYPO

TYPOWELT

Das neue iOS 7 spielt


mit der Funktion
»Dynamic Type«
typografische
Zukunftsmusik

Typo in iOS 7 QDie Aufregung war groß unter den


Schriftenfans, als Apple am 10. Juni ihr
neues mobiles Betriebssystem iOS 7 öf-
fentlich vorstellte, live per Video-Keynote.
Die typografischen Neuerungen von iOS 7 haben Alle regten sich über die Neue Helvetica
viel Wirbel hervorgerufen. Hier kommen die beiden Schrift- Thin auf. Khoi Vinh twitterte: ». . . sieht
experten Erik Spiekermann und Jürgen Siebert zu Wort aus wie eine Schminktheke bei Macy’s«, Erik Spiekermann:
»Leichte Schriften, groß gesetzt, müssen gesperrt werden«
und Thomas Phinney: »Furchtbare Schrift, schwache Kon-
traste, der leichte Schnitt ist kaum lesbar«.
QIch weiß noch nicht, worauf es ge- Alles heiße Luft, denn man soll den Tag nicht vor dem
nau hinausläuft. Auf jeden Fall wurde Abend loben. Erstens ist iOS noch lange nicht serienreif,
die Typografie von Designern gemacht, zweitens hatte zu diesem Zeitpunkt noch keiner der Fern-
die die Grundzüge der Lesbarkeit nicht kritiker die Software selbst getestet. Und so verstummte
kennen. Abgesehen davon, dass Helve- während der einwöchigen Developer-Konferenz in San Fran-
tica wegen der geschlossenen Formen cisco die Kritik langsam, als mehr und mehr über den Um-
und der Verwechselbarkeit von Zeichen wie l, I, i nicht gut gang mit Typo in iOS 7 bekannt wurde. 
geeignet ist für die Darstellung in kleinen Graden auf einem Tatsächlich werden Apples Mobilgeräte ab Herbst das
Bildschirm, sind die leichten Schnitte für größere Grade zu- höchstentwickelte Fonthandling bieten, das je in einem elek-
gerichtet, also sehr eng gestellt. Das sieht in 24 Punkt auf tronischen Device zum Einsatz kam. Dafür sorgen sowohl
Papier elegant aus, aber klein, schlimmstenfalls sogar ne- neue Bausteine im Kern des Betriebsystems als auch indivi-
gativ auf hellen Flächen, wirkt es, als hätte es ein 19-jähri- duelle Benutzeroptionen in den Einstellungen. Verantwort-
ger Studienanfänger gemacht. lich für die typografische Zukunftsmusik ist die neue iOS-
Will Apple womöglich den Auftritt etwas weiblicher ge- Komponente Text Kit, die auf Core Text aufsetzt. Mit dieser
stalten? Leichte Helvetica ist bei Kosmetikpackungen und API ist es Entwicklern erstmals möglich, die Typografie ihrer
Frauenmagazinen sehr beliebt und bei den trendigen Mar- Apps bis ins letzte Detail abzustimmen, und zwar sowohl die
ken dort ein Ersatz für die Optima geworden. Immerhin statischen Parameter (Größe, Laufweite, Strichstärke . . . )
weiß auch bei Apple jemand, dass es Alternativen gibt, als auch das Design dynamischer Textelemente, zum Bei-
denn unter »Enhanced Legibility« lässt sich das Interface spiel einen Twitter-Account-Namen einzufärben. Mit der
wieder auf Helvetica Regular umstellen. Funktion »Dynamic Type« stellt Apple vordefinierte Schrift-
Ich finde es toll, dass endlich die doofen Pseudoleder- arten mit optischer Größenanpassung bereit.
rahmen und Papierkanten verschwunden sind und nicht Auch die Anwender haben über ihre Einstellungen Zu-
jedes Icon eine gewölbte Glanzfläche zeigen muss. Aller- griff auf die Leserlichkeit. Für Normalsichtige gibt es unter
dings ist den Designern hier der Gaul durchgebrannt. Typo- »Allgemein« einen siebenstufigen Textgrößen-Regler. Men-
grafie ist ein sehr altes Handwerk, und manche Standards schen mit Sehbehinderung finden in den »Bedienungshil-
sind zu Recht bewährt. Diese zu ignorieren, das ist nicht re- fen« weitere Optionen: noch größere Buchstaben, hell-
volutionär, sondern ignorant. Regeln zu brechen, die man graue Texte verdunkeln oder die Schrift einen Grad fetter
gar nicht kennt, ist nicht mutig, sondern naiv. Aber das stellen. Wenn also in Zukunft auf einem iPhone- oder iPad-
kann sich ja alles noch ändern. Screen typografische Unfälle auftauchen, dann liegt das
Erik Spiekermann, Kreativdirektor und Managing Partner nicht an Apple, sondern an falsch eingestellten Parametern.
von edenspiekermann, Berlin Jürgen Siebert, Vorstand von FontShop, Berlin
PAGE 08.13 071

Weitere interessante Artikel rund um Typografie finden Sie


unter www.page-online.de/emag/typo und Links zu Typefoundrys et cetera unter www.page-online.de/typo-links

1 Mir von
Julia Sysmäläinen 1

Q Julia Sysmäläinen, Designerin mit


finnisch-russischen Wurzeln, die seit
einigen Jahren bei edenspiekermann
in Berlin arbeitet, hat eine neue Schrift Charmant und
veröffentlicht. Mir heißt sie – ein Wort zugleich ernsthaft:
aus dem Russischen, das zugleich »Welt« Mir, die neue
und »Frieden« bedeutet. »Auch wenn Schrift von Julia
ein Rendevouz dieser beiden Begriffe Sysmäläinen,
heute ziemlich utopisch ist, ist es doch macht nicht nur
spannend zu sehen, was irgendwann in in naturwissen-
Russlands Geschichte selbstverständ- schaftlichen
lich war«, sagt sie. »Jedenfalls gingen Anwendungen
mir diese zwei Bedeutungen immer eine gute Figur
wieder durch den Kopf, als ich die
Schrift gestaltete.« Mit der Mir will Julia Type erst einmal auf seinem Rechner von Mostardesign Studio. Mit zwölf
Sysmäläinen Grenzen überwinden. So installiert hat, erliegt man sehr schnell Schnitten, Air, Light, Regular, Semi Bold,
ist der Font für Lateinisch, Griechisch ihrem enormen Charme. Bold und Black, jeweils plus Kursive,
und Kyrillisch ausgebaut, und die stilis- ≥ http://juliasys.com/type-mir.html eignet sich die Type insbesondere für
tische Konsistenz zwischen den Spra- Texte und Headlines. Neben den her-
chen sorgt dafür, dass das Überqueren kömmlichen OpenType-Features wie
typografischer Grenzen – im Gegensatz
2 Serifenlose Metronic Pro beispielsweise Mediäval- und Propor-
zu den realen – sehr unkompliziert ist. QTechnisch und minimalistisch prä- tionalziffern, Ligaturen oder Brüchen
In sämtlichen drei Schriftsystemen sentiert sich Metronic Pro, der neueste umfasst sie ein umfangreiches Set an
sieht die Mir warm und freundlich aus, Entwurf von Olivier Gourvat, Gründer Pfeilen und Icons.
nichtsdestotrotz hat sie Autorität, die
Dieses Schrift-
gut zu naturwissenschaftlichen Anwen- 2 muster bringt
dungen passt, für die Julia Sysmäläinen
Olivier Gourvats
jede Menge OpenType-Features, zum
Metronic Pro
Beispiel für chemische Formeln zeich-
garantiert hohe
nete. »Sie ist ernsthaft, allerdings nicht
Sympathiewerte
ernst. Sie kann schwierige Sachverhal-
te darstellen und bleibt dabei ruhig
und geerdet«, charakterisiert die Type-
designerin ihr jüngstes Werk. Insgesamt
umfasst die Mir sechs Schnitte, Regu-
lar, Medium und Bold plus die pas-
senden Italics. Wer sie zunächst nur
ausprobieren möchte, der kann den
Medium-Font auf der MyFonts-Web-
site kostenlos herunterladen. Ein klu-
ger Schachzug, denn wenn man die
072 PAGE 08.13 TYPO Typowelt

Seine Metronic Pro stellt der fran-


zösische Designer ganz klassisch in ei-
nem Schriftmuster-PDF vor. Er konnte
es aber nicht lassen, auch ein »Non bo-
ring 3d Font specimen«, wie er es nennt,
zu entwickeln, in dem sie auf einmal
gar nicht mehr so nüchtern und tech-
nisch aussieht. Kaufen kann man die
knapp 200 Euro teure Schriftfamilie
bei MyFonts, Fontspring oder direkt im
Shop von Mostardesign Studio.
≥ www.mostardesign-store.com

3 Fotos zu Typo
QTagsüber arbeiten Timo Günthner
Ruckzuck verwan- und Florian Mühlich bei der Agentur
delt Wordify Fotos 21Torr Interactive in Stuttgart und Reut-
in Typo-Illus, hier lingen. In ihrer Freizeit entwickeln sie
das Porträt von gerne mal eine App – wie aktuell Wor-
Feliks Richter aus dify, eine native App ab Mac OS X 10.8,
der letzten die Bilder auf intuitive Weise in typo-
PAGE-Ausgabe grafische Kunstwerke verwandelt. Die
Anwendung ist denkbar einfach: Foto
ins Programmfenster ziehen, entwe-
3 der einen Text selbst schreiben oder
die Vorlage nehmen und eine Schrift
auswählen. Dafür stehen alle auf dem
Rechner installierten Fonts zur Verfü-
gung. Darüber hinaus kann man noch
die Farbe einstellen, die Größe und
Menge der Wörter bestimmen, und das
war’s auch schon. Bei Klick auf den Pfeil
produziert das Tool vektorisierte PDF-
Dateien, die sich bei Bedarf mit Photo-
shop oder Illustrator weiterbearbei-
ten lassen. Wordify gibt es für 3,59 Eu-
ro im Mac App Store.

4 Barcelona typografisch
QIn der katalanischen Hauptstadt gibt
es viel zu entdecken, nicht nur Typo-
grafisches. Der Fotograf Martin Ulrich
Kehrer allerdings konzentrierte sich
ausschließlich auf Lettern, indem er
Fassadenbeschriftungen und Aushän-
geschilder kleiner Geschäfte fotogra-
fierte. Buchstaben, Schriftzüge, Wort-
folgen, die auf ihre Weise Auskunft
über den urbanen Alltag und seine
Vergänglichkeit geben. Daraus machte
Kehrer nun das Buch »Stadtalphabet
Barcelona« (Sonderzahl Verlag, 18 Euro,
isbn 978-3-85449-386-0) – eine bunte,
faszinierende Mischung, auf 143 Seiten
streng alphabetisch angeordnet. Das
Nachwort schrieb der spanische Typo-
graf Andreu Balius, der durch seine
Foundry Typerepublic bekannt ist. ant
≥ www.sonderzahl.at

Martin Ulrich Kehrer hat ein


»Stadtalphabet Barcelona« in
4 Buchform zusammengestellt
PRAXIS

DISRUPTIVE CREATIVITY
Die Alchemie kreativen Denkens
zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 14.06.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 19.07.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

Die Agenda Das Seminar


Von der Geißel des Briefings zu QProdukte und ihre Botschaften zu optimieren, um sie letztlich doch nur aus-
inspirierenden Zielen. tauschbar zu machen, das war einmal. Produkten eine Aura zu verleihen, das
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Ziel: Die richtigen Fragen stellen, die essen- ist heute: Was den Verbraucher gefühlsmäßig nicht anspricht, das grenzt er aus.
ziellen Ziele punktgenau erfassen, das Was sein Interesse nicht weckt, kann er auch nicht wahrnehmen, geschweige
Problem durchdringen und in eine inspirieren- denn begehren. Aber aufmerksamkeitsstarkes Kommunikationsdesign erzeu-
de Quelle für wirklich Neues verwandeln. gen wir nur, wenn wir gegen Regeln verstoßen, von der Norm abweichen,
sprich: wenn wir auf Wiederholung angelegte Erwartungen durchkreuzen.
Stumpf gewordene Werbemittel
neu aufladen. Wie also entkommen wir bereits tausendfach gedachten Ideen, bloßen Me-too-
Ziel: Der Sprung in bisher unberührte Lösungen oder dem Risiko, sich unter Zeit- und Erfolgsdruck lediglich selbst
Ideenfelder, anstatt im Pool der üblichen zu kopieren? »Disruptive Creativity« ist das Sprungbrett zur übernächsten, nicht
Standardideen zu fischen. Radikal neue nur zur nächsten Idee. Während dieses Trainings erproben Sie mithilfe unge-
Ideen für stumpf gewordene Werbemittel wöhnlicher Methoden vielfältige Wege zu mutigen und radikal neuen Lösungen.
wie etwa Broschüren, POS-Material,
Online-Games, Messen oder Banner. Mario Pricken gibt Antwort auf die Frage, wie stumpf gewordene Tools aus
Design, Werbung und Marketing innovativ aufgeladen oder grundlegend neu
Ein Spielfeld für radikal neue gedacht werden können. Dabei geht es auch um die Chance, eine dauerhafte
Kommunikationsideen schaffen. Creative Culture anstatt permanenter Beschränkungen im Alltag Ihres Teams
Ziel: Innovative Werbeformate entwickeln, zu etablieren. Zu wie viel Disruptive Creativity sind Sie fähig? Finden Sie
indem man lieb gewonnene Denkroutinen, mit Mario Pricken heraus, welche ungewöhnlichen Ideen in Ihnen stecken.
Normen oder einschränkende Regeln spiele-
risch durchbricht. Welche überraschend Das eineinhalbtägige Seminar »Disruptive Creativity – Die Alchemie kreativen
neuen Werbeformen könnte es 2015 geben? Denkens« mit Mario Pricken findet statt am 20./21. September 2013
im Hotel Gastwerk, Hamburg. Am Freitag beginnt es um 13 Uhr und endet um
Kreativtechniken für eine 17:30 Uhr, am Samstag dauert es von 9 Uhr bis 17 Uhr. Die Teilnahme kostet
neue Creative Culture. 1390 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Teilnahmegebühr umfasst die Tagungs-
Ziel: Verblüffende Kreativmethoden sollen kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen
in Teams eine dauerhafte Creative Culture begrenzt! Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.
etablieren. Ein klarer Kreativprozess zeigt,
wie man Routine und Frust verhindert und
gleichzeitig Zeit und Ressourcen spart.

Der Referent
QMario Pricken ist einer der gefragtesten Profis der Creative Industries, wenn es
um neue Kreativitätstechniken, Denkstrategien und effektives Ideenmanagement
geht. Seit Jahren wird er von namhaften Werbeagenturen, Designfirmen, Fernseh-
stationen und internationalen Marketingabteilungen als Consultant oder Kreativi-
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG tätstrainer engagiert. »Adweek«, »AdAsia« oder die »Financial Times« sind nur drei
E-Mail: info@page-online.de jener Medien, die seine Methoden als überzeugenden neuen Weg zur Professiona-
Telefon: +49 40 85183400 lisierung der Kreativbranche sehen. Dass sich sein Buch »kribbeln im Kopf« über
www.page-online.de/seminar 100 000 Mal verkauft hat, spricht für sich.
074 PAGE 08.13

BILD

Projekt »Cirque Bonnet & Ledoux«


Fotograf Alex Pusch
CGI & Postproduktion Benjamin Wiesse
Haar & Make-up Elke Kampermann
Illustration Susanne Habermann
PAGE 08.13 075

Digital-Artistik
Der Postproduktionsspezialist Benjamin Wiesse erschafft
fantastische Hybridwelten, die die Grenzen zwischen
Fotografie und Illustration verschwimmen lassen. Hier zeigt
er Step by Step, wie er bei seinem preisgekrönten
Artwork »Gaspard Bonnet, Le Directeur« vorgegangen ist
076 PAGE 08.13 BILD Making-of: »Gaspard Bonnet, Le Directeur«

Konzeption

1  Das Motiv entstand im Frühjahr 2012 im Rahmen des


freien Projekts »Cirque Bonnet & Ledoux« in enger
Zusammenarbeit mit dem Nürnberger Fotografen Alex
Pusch. Wir wollten eine Bildserie kreieren, die ohne
den Einsatz von 3-D-Modelling nicht realisierbar gewesen
wäre. Doch sollte CGI dabei nicht im Vordergrund stehen,
sondern die Fotografie ergänzen und unterstützen.
Die Zirkuswelt der 1920er Jahre erschien uns reizvoll,
da solche Bilder ohne digitale Kunstgriffe nur mit
sehr großem Budget möglich sind. Wir erfanden also
den fiktiven Zirkusdirektor Gaspard Bonnet und seine
kuriosen Artisten und begannen mit der Recherche.
Die Produktion der gesamten Serie dauerte drei Monate.
Das Motiv »Gaspard Bonnet, Le Directeur« nahm etwa
zwei Wochen in Anspruch, wobei sich viele Schritte mit
der Arbeit an den anderen Motiven überschnitten.

Planung des Motivs und seiner Umsetzung

2  In der dreitägigen Planungs- und Organisationsphase recherchierten wir


zunächst in digitalen Archiven und Büchern über die historische Zirkus-
welt mit besonderem Fokus auf Artisten, Kleidung, Zelten, Typografie et cetera.
Nachdem wir uns einen groben Überblick verschafft hatten, legten wir fest,
welche Darsteller in unseren Bildern vorkommen sollten, und suchten nach geeig-
neten Locations, Kostümen und Modellen für das Shooting. Die Hauptpersonen
sind Profimodels, die wir über Agenturen und online fanden. Als Location wählten
wir den Nürnberger Wiesengrund, einen Grünstreifen, der sich entlang der
Pegnitz durch die Stadt zieht. Mit den ersten Fotos aus dem Locationscouting
und einem simplen 3-D-Modell des Zeltes entwarfen wir in Photoshop das
Layout für das Bild. Damit legten wir den ungefähren Aufbau fest und entschieden,
welche Elemente wir modellieren und welche wir fotografieren wollten.

Fotoshooting

3  Das Shooting für den Bildhintergrund, den Direktor und den Fotografen dauerte
einen Tag und fand ausschließlich am Wiesengrund statt. Für ein homoge-
neres Gesamtbild hatten wir uns entschieden, die Models dort abzulichten und
nicht im Studio. Wir fotografierten die beiden gleichzeitig, wodurch sich eine
vorher nicht geplante Interaktion zwischen ihnen ergab, die das Bild lebendiger
wirken lässt. Himmel, Bäume und Wiese nahmen wir ebenfalls vor Ort und zusätz-
lich aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf, um später die geeignetsten Teile in
einem Bild zusammenzufügen. Weil die Gesamtstimmung kontrastarm und
etwas düster sein sollte, fotografierten wir ohne direktes Sonnenlicht. Als weitere
Lichtquellen nutzen wir ein großes, weiches Licht, mit dem wir die Männer von
vorne aufhellten, und ein hartes, punktuelles Licht von rechts, um eine Lichtkante
zur Trennung vom Hintergrund zu erreichen und den Lichtverlauf zu verstärken.
Um die 3-D-Modelle später korrekt beleuchten zu können, machten wir an der Posi-
tion des Zeltes mit einem Fisheye-Objektiv Aufnahmen der Umgebung, die wir
am Computer im HDR-Verfahren zu einer Hochkontrastsphäre zusammenfügten.
PAGE 08.13 077

3-D-Modelling in Modo

4  Das Zelt und die Kulissen baute ich mithilfe


von Luxologys 3-D-Software Modo
innerhalb von zwei Tagen. Anhand der Fotos
skizzierte ich eine grobe Vorlage. Als Grund-
lage für das Zelt verwendete ich das einfach
aus einem Zylinder und Kegel bestehende
3-D-Modell aus dem ersten Layout. Nach und
nach fügte ich Details hinzu, die ich so lange
modifizierte, bis ich die endgültige Form
herausgearbeitet hatte. Der Volant am Zelt-
dach besteht zum Beispiel aus einem
flachen, hohlen Zylinder mit großem Radius,
dessen Unterseite ich mit ungruppierten
Polygonen extrudierte und dann in Subdivi-
sions umwandelte. Der Zelteingang besteht
aus einem Würfel, dessen Seiten ich bis zur
endgültigen Form ebenfalls extrudierte,
der Bogen über dem Eingang basiert auf
einem halben Zylinder, dessen Rand
ich ein Stück herauswölbte. Für ein wind-
schiefes, realistischeres Aussehen
des Zeltes und der Fähnchen verwendete
ich die Sculpt-Tools von Modo und malte
mit dem Stift meines Grafiktabletts Unregel-
mäßigkeiten und Details in das 3-D-Modell.

Shading, Lightning
und Rendering

5  In Photoshop setzte ich die Texturen für


die 3-D-Modelle aus einzelnen Fotos
zusammen und bearbeitete sie. Um feinere
Details und mehr Plastizität, insbesondere
für die Holzstrukturen, zu erreichen, fügte ich
den Materialeigenschaften der Objekte in
Modo zusätzlich zu den Farbtexturen Bump
Maps und Specular Maps hinzu. Beleuchtet
und gerendert habe ich die Szene in Modo mit
der HDR-Sphäre der Location. Zum Rendern
verwendete ich Maxwell Render; die Einstel-
lungen nahm ich dabei mit dem Maxwell-
Render-Plug-in für Modo vor. Für die Kompo-
sition in Photoshop renderte ich die Szene
mit Alpha und Shadow Maps. Damit später beim
Einbau in Photoshop keine Lücken zwischen
den Schatten und dem freigestellten 3-D-Modell
entstehen, renderte ich die Shadow Map
separat mit ausgeblendeten Modellen.
078 PAGE 08.13 BILD Making-of: »Gaspard Bonnet, Le Directeur«

Bereich 3-D-Modelling kommen Luxo-


logys Modo, fürs Rendering Maxwell
Render zum Einsatz. »Modo eignet sich
besonders gut für Fotografen, weil es
weniger Funktionen als das weit ver-
breitete Maya hat«, erklärt der Digital
Artist. Dadurch sei es übersichtlicher.
Auch Maxwell Render ist seiner An-
sicht nach optimal für Arbeiten mit
Fotografie, weil man darin Blende und
Belichtungszeit einstellen und so bei-
spielsweise ganz leicht die Schärfen-
tiefe der Bilder übernehmen könne.
»Es entsteht schnell ein fotorealisti-
sches Bild – bei anderen Renderern
muss man dazu noch viel mehr ein-
stellen«, sagt Wiesse.
Benjamin Wiesse, Digital Artist, Die Entscheidung, welche Elemen-
Nürnberg ( www.wiesse.net ) te fotografiert und welche modelliert
werden, muss möglichst früh in der
QDer studierte Fotodesigner nahm Produktion getroffen werden und ist
bereits in seiner Zeit als Assistenzfoto- für Benjamin Wiesse immer eine Frage
graf erste Jobs in der Postproduktion des Aufwands. »Macht es weniger Ar-
an. Den Umgang mit CGI hat er sich beit, würde ich immer fotografieren«,
selbst angeeignet. In meist freien Pro- sagt er. »Bei der Entscheidung hilft mir,
jekten baut Benjamin Wiesse zum Bei- dass ich selbst Fotograf bin. So kann
Postproduktion in Photoshop
spiel 3-D-Modelle in Fotos ein – oder
umgekehrt. In der daran anschließen-
den Postproduktion passt er dann Licht
ich das besser beurteilen.« Durch re-
duzierte Farben und dramatische Be-
lichtung gibt Wiesse seinen hybriden
6  In Photoshop baute ich alle Bilder in einem Dokument
zusammen. Zuerst machte ich nur kleinere Helligkeits-
und Farbkorrekturen an den Einzelelementen, bis diese
und Details der unterschiedlichen Ele- Bildwelten eine mystische Atmosphä- ein harmonisches Gesamtbild ergaben. Als die Grund-
mente aneinander an. Das erfordert re, die den Betrachter dazu bringen komposition stand, begann ich mit der Ausarbeitung des
eine enge Zusammenarbeit mit dem soll, nochmals hinzusehen. Besonders Looks und fügte Details hinzu. Ich entsättigte das Bild
Fotografen. Daher ist es gut, wenn wichtig ist ihm, dass das zusammen- und erhöhte gleichzeitig den Kontrast. Dann änderte ich
dieser ein grundsätzliches Verständ- gesetzte Bild am Ende realistisch aus- die Farbgebung in den einzelnen Farbbereichen über
nis dafür mitbringt, worauf es beim sieht. Viele der aktuellen Werbepro- »Farbton/Sättigung« und in den Tiefen, Mitteltönen und
Zusammenspiel von Fotografie und duktionen erscheinen ihm sehr über- Lichtern per »Farbbalance« sowie »Gradationskurven«
CGI ankommt. Wiesse arbeitet bei vie- trieben. »Da kommt das Licht zum in den Kanälen. Die Lichtgebung gestaltete ich durch
len Projekten mit Alex Pusch zusam- Beispiel aus drei Richtungen gleichzei- Helligkeitsverläufe in Ebenen mit Mischmodi oder maskier-
men, inzwischen sind die beiden ein tig . Ich mag es aber lieber, wenn das ten Gradationskurven. Um einzelne Bereiche zu
eingespieltes Team. Bild klar ist und die CGI und die Post betonen, fügte ich selektiv Helligkeiten und Schattie-
Für die Retuschen nutzt Benjamin für das Bild gemacht werden – und rungen hinzu. Dazu nutzte ich entweder Ebenen mit
Wiesse hauptsächlich Photoshop. Im nicht andersherum.« fb Mischmodi oder Gradationskurven, die ich mit weichen
Pinselspitzen bei niedriger Deckkraft maskierte.

Finishing in Photoshop

7  Als das Motiv fast fertig war, fanden Alex Pusch und ich, dass
es noch etwas zu leblos wirkte. Daher fügte ich in Photoshop
zusätzliche Elemente ein: die Plakate mit Illustrationen, die Tiere
und Zirkuswagen sowie den Clown, der aus dem Zelt schaut.
Für die Tiere nutzte ich Fotos, die ich von einer Keniareise mitge-
bracht hatte, Zirkuswagen und Requisiten sind Renderings, und
der Clown stammt aus dem Bildfundus, den wir für die anderen
Motive der Serie zusammengetragen hatten. Die Plakate zeich-
nete die Illustratorin Susanne Habermann. Um das Bild zu finali-
sieren, verfeinerte ich noch die Einstellebenen, indem ich die
Wirkung jeder Ebene prüfte und bei Bedarf ihre Deckkraft anpass-
te. Außerdem besserte ich an vielen Details der Einzelelemente
nach. Die gesamte Postproduktion mit Komposition, Look-
gestaltung, Korrekturen und Finalisierung dauerte vier Tage.
Kurz nach der Fertigstellung des Projekts erfuhren wir vom
Best of CGI Award der photokina und reichten »Gaspard Bonnet,
Le Directeur« im August 2012 ein. Ende September wurde
das Motiv als beste Arbeit in der Kategorie Still ausgezeichnet.
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080 PAGE 08.13 BILD

BILDWELT

1 Illustrierte
2 Schade eigentlich, dass es kein deut- sind nicht nur Stadtansichten von au-
scher Verlag ist, der Robinson wieder- ßen, sondern auch Einblicke in die Me-
Städtereisen entdeckt hat. Zumal illustrierte Reise- tro, ins Theater Folies Bergères oder
Robinsons Paris- Q Wie wahnwitzig muss man eigent- bücher derzeit wieder sehr beliebt in Nobelherbergen wie das berühmte
Illustrationen aus den lich sein, um einen Blick von oben aufs sind und in zahllosen Varianten neu Hotel Ritz an der Place Vendôme. So
Sixties faszinieren nächtliche Paris als Riesenpanorama auf den Markt kommen. Doch Uni- detailversessen die Arbeiten sein mö-
durch geradezu mani- aus zigtausend winzigen Lichtpunkten verse Publishing – eine Tochter von gen, Robinson erklärte selbst, er wolle
sche Detailfreude. zu zeichnen? Oder die einzelnen Stra- Rizzoli – geht bei der Wiederbelebung »keine bloße Reportage«. Statt nach
Oben rechts: Auch ßenseiten der Champs-Élysées Gebäu- des Werkes von Robinson liebevoll zu wirklichkeitsgetreuer Wiedergabe su-
heutzutage sind de für Gebäude als horizontalen Strei- Werk: Die Reprints seiner Bücher blei- che er »die Ordnung hinter der Viel-
illustrierte Reise- fen aufs Papier zu bringen? Mit solchen ben so dicht am Original wie möglich, falt«, eine »lesbare Formel für das Phä-
bücher gefragt – Bildern setzte Robinson in den sechzi- einschließlich des Großformats von nomen Großstadt«.
mehr über die neue ger Jahren seine Zeitgenossen in Er- 33 mal 29,7 Zentimetern. Schon 2009 ≥ www.rizzoliusa.com
Reihe der Louis staunen – ein 1910 im Erzgebirge gebo- erschien dort »New York, Line by Line«,
Vuitton Travel Books rener Grafiker, der eigentlich Werner vor Kurzem nun »Paris, Line by Line«
erfahren Sie unter Kruse hieß, den es aber wie Robinson (19,95 Dollar, isbn 978-0-7893-2469-6).
3 Kreativ-App von Corbis
www.page-online.de/ Kruse auf eine Insel verschlug: das Unter den teilweise in monatelan- Q In großen Stockarchiven nach Bil-
travel-books Westberlin der Nachkriegszeit. ger Arbeit entstandenen Zeichnungen dern zu recherchieren ist nicht immer
spaßig. Ein lustvolleres und inspirie-
3 renderes Erlebnis möchte Crave bie-
ten, eine neue App und Website von
Corbis mit bisher 60 000 High-End-Mo-
tiven. Dort gibt es nicht nur konzep-
tionelle Bildergalerien, die zu einem
neuen Blick auf das kommunikative Po-
tenzial ausgewählter Motive animieren.
Auch einzelne herausragende Foto-
grafen werden vorgestellt, deren Per-
sönlichkeit sonst oftmals im Wust der
Die Corbis- Datenbank untergeht. Mit leistungs-
App und Web- starker Suche und Lightbox lassen
site Crave zeigt sich auch eigene Ideensammlungen
inspirierende kreieren – natürlich sind sämtliche Bil-
Bildideen – hier der kommerziell nutzbar.
zum Thema Füße ≥ www.corbiscrave.com
PAGE 08.13 081

Mehr zum Thema Fotografie und Illustration unter www.page-online.de/emag/bild

4 Templates für alle Spannend ist aber auch, dass der Stockfotos bei
BFF eine neue Form der Mitgliedschaft
Q Gibt es irgendwelche Designer, die eingeführt hat, bei der keine Kommis-
Facebook & Co
dieses Buch nicht brauchen? Wenn ja, sion mehr über die Aufnahme ent- Q Bilder über Social Media zu teilen
dann dürften es nicht besonders viele scheidet, sondern nur noch Empfeh- ist schön, kann aber gerade bei werb-
sein. »Blank Slate. A Comprehensive lungen von zwei Mitgliedern. So gibt lichen Auftritten Urheberrechte ver-
Library of Photographic Templates« ist es neben Premiummitgliedern, den letzen. Die Bildagentur F1online hat
nämlich eigentlich nur ein Katalog zur sogenannten BFF-Professionals, auch mit ihren Urheberrechtsanwälten ei-
beiliegenden DVD, die über 1000 Hi- einfache BFF-Members. Das ist etwa ne Lizenzierung für Social Media ent-
Res-Bilder von allem enthält, worauf so, als könnte jetzt (fast) jeder beim wickelt und ihre AGBs dafür geändert:
Designer ihre Grafiken und Erschei- ADC mitmachen. Der BFF ist also kein Das Bild muss in ein gebrandetes Lay-
nungsbilder mal sehen oder ihrem Elite-Club mehr, wird seine Qualitäts- out des Lizenznehmers eingebunden
Kunden zeigen wollen. Ob Geschäfts- ansprüche aber hoffentlich in Zukunft oder mit einem deutlichen grafischen
papiere, Zeitung, Regenschirm oder beibehalten – und das Spektrum sei- Urhebervermerk versehen sein. Wei-
USB-Stick – alles steht als Template ner Aktivitäten ausweiten. teres unter www.f1online.de/de/blog/
beziehungsweise Blanko-Dummy für ≥ www.bff.de post.cfm/heute-schon-geliked. cg
die Visualisierung von Entwürfen zur
Verfügung. Das Buch ist in zwei Hälf-
ten geteilt: Bilder vor weißem und vor
schwarzem Hintergrund. Mehr als 4
praktisch, was der Gestalten Verlag da
für 39,95 Euro zusammengestellt hat
(isbn 978-3-89955-465-6). Alle Objekte
≥ www.gestalten.com für die Foto-
templates sind
sowohl von
BFF öffnet sich schräg oben als
Q Der Name »Bund Freischaffender auch frontal
Foto-Designer« hörte sich längst ganz fotografiert
schön altmodisch an. Fortan bedeutet
das Kürzel BFF zeitgemäßer »Berufs-
verband Freie Fotografen und Filmge-
stalter«. Richtig so, wo doch Foto- und
Filmkamera technisch und berufsprak-
tisch immer mehr verschmelzen.
*
PRAXIS

INFOGRAFIK
Visual Storytelling – Workflows & Cases
11. NOVEMBER
zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 09.08.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 13.09.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

Die Agenda Das Seminar


1. Das Wesen der Infografik – QDie Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
Stärken und Schwächen ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet und
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Wo sind die Grenzen zur Illustration, zur reinen TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
Visualisierung und zur Kunst? Was kann und Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren und
muss eine Infografik leisten, und wie setzt man Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
diese sinnvoll ein? Was unterscheidet eine können vielschichtige Inhalte rasch veranschaulichen. Doch je schneller und
journalistisch geprägte Grafik von einer Visuali- komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss der
sierung in der Unternehmenskommunikation? Kreative mit der Datenaufbereitung umgehen. Mit einer ästhetisch faszinie-
Was sind die Gefahren und das Potenzial einer renden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten und
PR-Grafik? Inwieweit können sich Corporate die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jan Schwochow die
Infographics an eine bestehende CI anpassen? eigentliche Herausforderung. Es wird immer schwieriger, gute und verlässliche
Quellen zu finden, um einen Sachverhalt korrekt und unverfälscht wiederzuge-
2. Vom Briefing über die Recherche zur ben. Der Grafik- und Kommunikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien reiner Gestalter, er ist zugleich Journalist und visueller Geschichtenerzähler.
Wie müssen die Basisinformationen für ein
gutes Briefing aufbereitet sein? Wie kommt Jan Schwochow erläutert im PAGE Seminar anhand konkreter Praxisbeispiele,
man an die relevanten Daten und damit auf wie eine Infografik entsteht – von der Recherche über die Skizze bis zur Rein-
die richtige Idee? Ist weniger mehr oder zeichnung und Animation. Er bietet tiefe Einblicke in die Arbeit eines Info-
mehr Information hilfreicher? Wie gewinne grafikers und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen reiner Information und
ich den Kunden für die Idee? Wie läuft guter Gestaltung – wertvolles Know-how vom Designprofi für Designprofis!
die Abstimmung mit dem Auftraggeber?
Das Seminar »Infografik« findet am 11. November 2013 im Hotel Gastwerk,
3. Animation, Interaktion, Multichannel – Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr* umfasst die Tagungskosten,
Wie setze ich Infografiken crossmedial ein? Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt!
Ist eine statische oder eine interaktive, Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar
animierte Grafik besser? Wie gestalte ich
den Workflow, um schon in der Ent-
wicklungsphase den unterschiedlichsten Der Referent
Nutzungsarten Rechnung zu tragen: als
App, Poster, Magazinseite oder PowerPoint- QJan Schwochow (44), Gründer und Geschäftsführer der Golden Section Graphics
Template. Wie kalkuliere ich eine Infografik? GmbH, gilt als einer der renommiertesten Infografiker weltweit und ist als erster
Wie verhandle ich die Nutzungsrechte? Infografiker Mitglied der ADC-Jury. Jan Schwochow und sein Team haben zahlreiche
nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, unter anderem bei den
Das PAGE Seminar mit Jan Schwochow lässt Malofiej Awards und den European Design Awards sowie beim ADC. Der Diplom-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und Designer blickt auf über 20 Jahre Erfahrung als Infografiker, Designer und Journalist
den Austausch der Teilnehmer untereinander. zurück. So war er unter anderem Ressortleiter und Artdirektor der Infografik-Abteilung
beim »stern« und als Artdirektor für Infografiken in der Entwicklungsgrafik des Verlags
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG Milchstraße tätig. Zuletzt baute Jan Schwochow bei der Agentur KircherBurkhardt in
E-Mail: info@page-online.de Berlin eine Infografik-Abteilung auf, bevor er 2007 sein eigenes Unternehmen,
Telefon: +49 40 85183400 die Golden Section Graphics GmbH mit derzeit bis zu 15 Mitarbeitern gründete.
www.page-online.de/seminar Jan Schwochow ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins »In Graphics«.
084 PAGE 08.13

TECHNIK

Typisch Riso: Low-


Tech-Ästhetik, Pass-
ungenauigkeit und
Rastereffekte. Der
Druck stammt aus
einem Projekt an
der Fachhochschule
Dortmund, geleitet
von Professor Lars
Harmsen. Unter dem
Motto »Anarchie«
produzierten die
Studenten dreißig
Hefte und Plakate
PAGE 08.13 085

Zähmt das Biest!


Risographie hat sich vom Nischentrend zum vielschichtigen
Self-Publishing-Werkzeug gemausert. Wir zeigen,
welches gestalterische und technische Potenzial in dem
Low-Budget-Druckverfahren steckt

QFrag doch Miss Risographique!«, Risoraster, das die Maschine automa-


heißt es immer wieder, als ich mich in tisch beim Generieren der Mastervor-
Berlin nach Experten für Risographie lage erstellt. Dieser Effekt lässt sich
umhöre. Die Mittdreißigerin, die wie aber auch als markantes Gestaltungs-
eine Avantgardekünstlerin aus den element einsetzen; genauso wie die
1920er Jahren angekündigt wird, heißt Farbdeckungsfehler, die durch die me-
Nina Reisinger und ist freie Kommuni- chanischen Unregelmäßigkeiten beim
kationsdesignerin in Neukölln. Mit Ri- manuellen Einlegen des Papiers ent-
sographique Berlin bietet sie neben stehen. Dies wird über ein Gummirad
Gestaltung einen Druckservice mit der eingezogen, das Präzision beim Dru-
unscheinbaren, kopiererähnlichen Ma- cken kaum zulässt.
schine an, die das Prinzip der Fotoko-
pie mit dem des Siebdrucks verbindet. Das Interesse an Risographie im Gra-
In ihr Studio kommen Künstler, Desig- fikdesign lässt sich als Gegentrend zur
ner und Publisher, wenn sie kosten- glatten, anonymen Perfektion der di-
günstige Drucksachen in Kleinauflage gitalen Welt verstehen. Das Manufak-
mit der unverkennbaren analog-rauen turhafte der Low-Fi-Technik reizt viele
Riso-Ästhetik, ihrer lebendigen Farbig- Gestalter. Ebenso die Unmöglichkeit,
keit und nonchalanten Nachlässigkeit einen Druck zu schaffen, der der digi-
veröffentlichen möchten. talen Vorlage exakt gleicht. Die Arte-
Nina Reisinger hat Kunstbücher und fakte und »Fehler«, die die Mechanik
Fanzines, Comics, Poster, Post- und Vi- erzeugt, zwingen den Hersteller der
sitenkarten auf ihrem ausladenden Vorlage, ein Stück seiner gestalteri-
Arbeitstisch ausgebreitet. Besonders schen Kontrolle abzugeben und Unre-
gut für Risodruck geeignet sind Ent- gelmäßigkeiten und Zufälle als etwas
würfe mit viel Illustration und Typo- Natürliches zu akzeptieren.
grafie – Grafiken mit klaren Linien al- Daneben beruht die steigende Po-
so. Fotos wirken leicht fleckig, bedingt pularität des Kaltdruckverfahrens auf
durch das fein gepunktete, zufällige seiner Geschwindigkeit im Verhält-
086 PAGE 08.13 TECHNIK Risographie

nis zu anderen Drucktechniken und


den geringen Druckkosten. Im Allge-
meinen ist Risodruck bei über 20 Exem-
plaren vom selben Entwurf günstiger
als Fotokopieren, Laser- oder Tinten-
strahldruck. Aber die Technik wird nur
sehr bedingt ihrem Ruf gerecht, ein
schnelles Verfahren zu sein: »Der Um-
gang mit dem Risographen will geübt
sein. Das Justieren braucht Zeit, Fehl-
drucke – etwa durch Farbschlieren der
Walze oder eine zu starke Passunge-
nauigkeit im Farbauftrag – sollten ein-
kalkuliert werden«, sagt Nina Reisinger.
»Man muss das Gerät geradezu zäh-
men.« Wird die Farbe in einer Trommel
ausgetauscht, benötigt man Zeit und
zahlreiche Probedrucke, bis die Ma-
schine den neuen Ton sauber und oh-
ne Spuren des alten druckt. Risogra-
phie braucht Tüftler, die Spaß daran
haben, Hand anzulegen, sich mit dem
Gerät auseinanderzusetzen und an den
Ergebnissen zu feilen. Eine wirklich
komfortable Drucktechnik ist sie aller-
dings nicht (siehe Seite 88).

Einschränkungen können Gestalter zu


Höchstleistungen antreiben – das hat
die Designgeschichte immer wieder ge-
zeigt. Für die Risographie scheint das
nicht zu gelten. Hier lassen die Gren-
zen der Technik die Beliebigkeit vieler
Arbeiten, die sich nicht von der ana-
logen Retro-Ästhetik lösen, eher deut-
lich hervortreten. Dabei kann man die
Scanauflage des Geräts wunderbar für
Experimente nutzen, meint Nina Rei-
singer. Bei einem Workshop im Berli-
ner Aufbau Haus führte sie gemein-
sam mit den französischen Designern
von 1/2 das Instant-Publishing-Projekt
»Duplicata« durch (siehe links). Dafür
legte die Gruppe ausgedruckte Fotos
Ganz oben: Bei dem von Nina Reisinger gestalteten Riso-Plakat ist die
auf den Risographen: zum Teil geknickt,
Passungenauigkeit, also die Unmöglichkeit eines nahtlosen Farbauftrags,
in Schnipsel gerissen, überlagert oder
Teil des Designkonzepts. Darunter: Das Magazinprojekt »Duplicata«
beim Scannen bewegt. Das Ergebnis:
entstand ebenfalls auf ihrem Risographen. Rechte Seite: PEOW Studio gestal-
Ein in wenigen Stunden produziertes
tete das Motiv, in dem der raue Vierfarb-Risodruck die Holzmaserung des
Magazin mit außergewöhnlicher Bild-
handgearbeiteten Holzlöffels fast greifbar macht. Foto und Design: Bedow
sprache, bei der die spezifische Riso-
Ästhetik eine Art Filter darstellt, der
analoge mit digitalen Techniken ver-
Für eine
quirlt und die Motive veredelt.
Ausstellungs-
Auch das Punktraster des Risogra-
serie entwarf
phen lässt sich als analoger Grafikfilter
Alexander
nutzen, der die abgebildeten Materia-
Negrelli einen
litäten betont. PEOW Studio aus Stock-
Flyer, den er
holm zum Beispiel druckt Detailfotos
nach und nach
und analoge Illustrationen mit dem Ri-
und in meh-
sographen. Die Holzmaserung eines
reren Layern
Objekts oder Pinselstriche bekommen
bedruckte
so eine ganz eigene, neue Anmutung
(siehe rechte Seite und Seite 89 oben).
Alexander Negrelli von lowtool aus Ber-
lin wiederum reizte die Eigenschaft
PAGE 08.13 087
088 PAGE 08.13 TECHNIK Risographie

der Risofarben, sich nicht zu mischen,


bei der Gestaltung einer Galeriebro-
schüre aus (Seite 86 unten). Vor jeder
der vier Kunstausstellungen druckte er
einen Informationstext auf denselben
Flyer, wobei die ausgesparten Flächen
gefüllt und die alten Artikel – eben
durchscheinend – überdruckt wurden.
Neben der prozesshaften Anmutung
des grafischen Layerings bekommt der
Besucher so einen Überblick über die
vorherigen Schauen.
Da das Papier eine wichtige Rolle
für das Druckergebnis spielt, experi-
mentiert Alexander Negrelli viel mit
Materialien. Die tiefen, plastisch wir-
kenden Risofarben lassen sich in dem
Schwedisches Designer-Interieur: Kaltdruckverfahren nur auf offenem
der Standort des Risographen Papier einsetzen. »Wir hatten das Glück,
bei PEOW Studio in Stockholm in einem ehemaligen Schreibwaren-
laden einen beachtlichen Bestand an
alten DDR-Papieren in A4 zu finden:
schöne, sehr dünne, stark strukturier-
Was ist Risographie? te Blätter. Das Material passt wunder-
bar zur Flächigkeit der Riso-Ästhetik.«
QRisographie, ein Schablonendruck- dere Töne wie fluoreszierendes Orange Der Designer nutzte die grünlichen, fast
verfahren, ist eine Art digitaler Sieb- oder Gold. Bedrucken lassen sich sämt- pergamentartigen Makulaturbogen für
druck. Die Druckmaschine – den Riso- liche Papiere – ausgenommen gestri- sein auffälliges Briefpapier, das er mit
graphen – hat die japanische Firma Ri- chene – von 46 bis 400 Gramm, vom einem dunkleren Grünton bedruckte.
so weniger für hochwertige Drucke als A6- bis zum A3-Format.
für eine schnelle, kostengünstige Ver- Soziale Vernetzung ist ein willkom-
vielfältigung entwickelt, zum Beispiel Druckvorlagen erstellen mener Nebeneffekt der Risographie.
in Hochschulen oder sozialen Einrich- Als Druckvorlagen eignen sich am bes- Als Pilcrow Print & Publishing haben
tungen. Mit dem Verfahren, ausge- ten PDF-Dateien mit 300 dpi und ein- sich Alexander Egger und Raban Rud-
zeichnet mit dem US-amerikanischen gebetteten Schriften, ähnlich aufbe- digkeit, die sich durch die Risographie
Ökosiegel Energy-Star, gelangt die Far- reitet wie Siebdruckdokumente. Da- an ihre Vergangenheit als Fanzine-Ma-
be ohne Chemikalien und Hitze aufs bei muss man für jede zu druckende cher erinnert fühlen, im vergangenen
Papier. So verbraucht man viel weni- Farbe eine eigene Datei in Graustufen Jahr gemeinsam mit Lars Harmsen ei-
ger Strom als vergleichbare Kopierer. anlegen. Raster für Bilder anzulegen ist nen Apparat angeschafft. Diesen stel-
Die Daten für den Risodruck lassen nicht nötig, sie werden im Master ge- len sie auch anderen Interessierten
sich entweder über das Vorlagenglas rastert. Passgenauigkeit sollte für die zur Verfügung. »Unsere Räume sollen
scannen oder als Datei vom Rechner Motive zweitrangig sein, da der unre- ein Ort der Begegnung und des Aus-
aus an den Risographen schicken. Hier gelmäßige Papiereinzug für leichte Ver- tauschs von Kreativen, Kunden und
werden sie auf eine Masterfolie über- schiebungen bei mehrfarbigem Druck vor allem Freunden sein. Wir wollen ei-
tragen. Das Gerät perforiert die Folie sorgt. Um Blitzer, papierfarbene Lü- ne Schnittstelle zwischen Design und
an den zu bedruckenden Stellen ther- cken zwischen zwei Farben, zu ver- Herstellung, Kreation und Vernetzung,
misch, spannt sie auf den rotierenden meiden, müssen die Konturlinien von zwischen guten Ideen und einem un-
Druckzylinder mit eingelegter Farbpa- Objekten und Schriften überfüllt sein. abhängigen Vertrieb«, ist auf ihrer
trone und belichtet sie. Da das Papier Randloses Drucken ist mit dem Ri- Website zu lesen.
auf relativ geradem Weg, entlang der sographen nicht möglich. Deswegen Der Anlass für die Gründung von
Walze mit Sieb und Matrize, durch die sollte man 1 Zentimeter Weißraum an Pilcrow war der Wunsch nach einem
Maschine läuft, ist eine hohe Druckge- der Seitenbegrenzung einkalkulieren. Eigenverlag. Seither, so erzählt Alexan-
schwindigkeit möglich: Ab einer Aufla- Außerdem kann ein zu starker oder der Egger, haben die Gestalter aber
ge von 25 Exemplaren schafft der Riso- ein 100-prozentiger Farbauftrag dafür wieder einen Schritt zurück gemacht,
graph ungefähr 180 Seiten pro Minu- sorgen, dass das Papier an der Druck- vom Risographen als Produktionstool
te. Laut Riso gibt es bei Auflagen von trommel kleben bleibt. Bei der Farb- zum experimentellen Erkunden seiner
40 bis maximal 8000 Prints keine kos- gestaltung ist zu beachten, dass die Grundlagen. »Heute steht die Kommu-
tengünstigere Technik. meisten Riso-Druckshops nur eine ein- nikation, Workshops, das Erforschen
Pro Farbe braucht man einen Druck- geschränkte Auswahl an Sojafarben der Möglichkeiten im Vordergrund.«
gang, neuere Modelle ermöglichen vorrätig haben. Es sind keine Pantone- Das Schnelle, Direkte macht die Druck-
Zweifarbdruck in einem Druckvorgang. Produkte; sie mischen sich nicht. Dass technik reizvoll, doch dieses Potenzial
Durch den Austausch der Farbtrom- sich jede Farbe beim Überdrucken von konnten auch sie noch nicht richtig aus-
mel lassen sich die Töne wechseln. Riso der darunterliegenden abhebt, macht schöpfen. Vielleicht liegt es auch weni-
bietet zwanzig verschiedene Schmuck- unter anderem den gestalterischen ger im Gestalterischen als im Inhaltli-
farben auf Sojabasis an, auch beson- Reiz der Technik aus. chen – schließlich ist auch die Ge-
090 PAGE 08.13 TECHNIK Risographie

schichte des Grafikdesigns seit je-


her eng mit der Gestaltung politischer
Flugblätter verknüpft.

Denn wer braucht die vielen Kunst-


und Designpublikationen, die durch
Kleinstverlage und in Artzine-Shops
vertrieben werden? Diese Frage steht
auch hinter der Performance »Mash
Up«, die die Designergruppe Cabinet
Gold van d’Vlies aus Bremen entwickelt
hat (siehe links unten). Dabei rezen-
sierten die fünf Gestalter ein Set ver-
schiedener Publikationen vor Publikum
und projizierten die Buch- und Maga-
zinauswahl an die Wand. Eine selbst
konstruierte Apparatur transkribierte
den Vortrag mittels Spracherkennungs-
programm in Text und gestaltete da-
raus in Echtzeit ein Magazin, das mit
Olle Forsslöf von PEOW Studio zeichnete die poetische dem Risographen gedruckt wurde.
Illustration »Traveller in the woods«, die durch den Weil die Spracherkennung nicht per-
Risodruck eine samtige Anmutung erhält. Unten: »Mash Up« fekt funktioniert, erinnert es mit sei-
heißt die Installation von Cabinet Gold van d’Vlies, nem zum Teil sinnverzerrten Inhalt an
die die Kunstmagazinproduktion mit viel Witz hinterfragt ein dadaistisches Traktat.
Das Interesse an Risographie wird
sicher abebben, der Spaß am experi-
mentellen Echtzeit-Druck nicht. Für ei-
nen Auftrag, bei dem es um die fo-
tografische Live-Dokumentation eines
einmonatigen Galerieevents in Buda-
pest ging, entwickelte Cabinet Gold van
d’Vlies mithilfe eines alten Faxgeräts
einen Echtzeit-Drucker. Dazu schick-
ten die Bremer Fotos, Ankündigungen
und andere Bilddaten an das Fax, das
dies alles über die Endlosrolle ausgab.
Nach einem Monat war eine aufgerollt
etwa 20 Zentimeter dicke Dokumen-
tation entstanden. Die Gestalter faxten
sie – über drei Monate hinweg – noch
einmal vollständig durch, um sie an-
schließend als Hardcover zu binden.
Dabei kalkulierten sie bewusst ein, dass
sich das Thermopapier mit der Zeit ver-
ändert und der Druck ausbleicht. Denn
muss ein solches Werk ewig halten? wl
PAGE 08.13 091

So zähmt ihr den Risographen


Gestalter geben Tipps für den Umgang mit der Druckmaschine

Nina Reisinger, Risographique, Berlin Alexander Negrelli, lowtool, Berlin

1  Nutze das feine Punktraster der


Risographie. Es verleiht Fotos eine
außergewöhnliche, poetische Ästhetik.
1  Risographie ist nur scheinbar ein schnel-
les Druckverfahren. Die Nachbearbeitung
der Werke und die Wartung der Maschine

2  Wenn du 100 Prozent Farbe drucken


willst, musst du auch das Dokument
in Graustufen mit 100-prozentigem Farbwert anlegen. Das
sind aufwendig. Ebenso ein mehrfarbiger
und -seitiger Print. Am besten funktio-
niert Risographie für ein- bis zweiseitige Drucksachen wie
wird gerade bei Illustrationen, zum Beispiel bei Bleistift- Poster und Flyer.
zeichnungen, oft unterschätzt.

3  Beachte, dass der Farbabrieb höher ist als bei anderen


Druckverfahren. Eine Visitenkarte in der Brusttasche
2  Vermeide einen starken Farbauftrag. Er kann Schlieren
auf den Rollen und damit auf dem nächsten Papier
hinterlassen. Lasse stark farbige Seiten mindestens ein bis
kann also unschöne Flecken auf dem weißen Hemd des zwei Tage trocknen.
Geschäftspartners hinterlassen. Eine Risofarbe haftet
nicht sehr gut auf einer anderen, auch nach einigen Jahren
gibt es immer noch Farbabrieb.
3  Die Irrtümer sind fast das Beste an der Risographie. Sie
lassen sich sogar in die Arbeit einbauen. Wir haben zum
Beispiel Fehldrucke zu Heftchen gebunden und verschenkt.

4  Wenn du für kleinteilige Druckwerke wie Visitenkarten


verschiedenfarbige Schriften in einer Zeile planst,
bedenke die Passungenauigkeit. Die Buchstaben werden Elliot Alfredius, Patrick Crotty und
sich nie ganz ebenmäßig in einer Linie drucken lassen.
Olle Forsslöf, PEOW Studio, Stockholm
5  Man muss damit leben, dass das Risoraster für kleine
Fotografien etwas zu grob ist. Ein solcher Fotodruck
erreicht nie die Qualität eines mit Offset gedruckten Bildes. 1  Lasse deine Artworks nie so aussehen,
als hättest du sie mit einem Sieb- oder
Das Risoraster ist zwar feiner als das beim Siebdruck, aber alten Offsetdrucker produziert. Gib ihnen
nicht so fein wie das von Offset. Du kannst Bilder aber auch nie diesen Grunge-Look vorgetäuschter
vorher bitmappen, ein anderes Raster über das des Passungenauigkeiten, Knickspuren oder
Risographen legen und eine eigene Ästhetik entwickeln. Rasterpunkte. Dafür sorgt der Drucker schon von selbst.
Ein guter Risographie-Shop lässt dich am Druckprozess teil-
haben, sodass du die »Fehler« manuell kontrollieren
Jeferson Brito Andrade, kannst. Das Ergebnis ist so viel natürlicher und besser.

Cabinet Gold van d’Vlies, Bremen 2  Viele glauben, dass du mit dem Risographen nur
Grafiken drucken kannst, aber Fotos funktionieren

1  Bediene den Risographen mit viel 


Ruhe. Die Maschine suggeriert
genauso gut. Wir haben gerade einen Katalog im Vierfarb-
druck herausgebracht, und er ist wirklich toll geworden!
Geschwindigkeit, aber die performative
Echtzeitkomponente scheitert oft an 3  Vermeide durchgefärbte Seiten, nimm stattdessen
farbiges Papier.


Papierstaus und ähnlichen Problemen.
Lagere die Farbtrommeln in warmen Räumen,
das erzielt bessere Druckergebnisse.
4  Strebe nach Perfektion, aber erwarte sie nicht. Farb-
deckungsfehler werden immer auftreten, Linien schief
sein, Farben nie exakt so aussehen wie am Bildschirm.

3  Wenn du dir einen Risographen anschaffst, besorge einen


mit RIP. Dieser wandelt PDF- und PostScript-
Dateien um und sorgt für eine reibungslose Datenüber-
5  Wenn du einen Vierfarbdruck planst, reichen manchmal
drei Farben. Eine auszusparen, erzeugt coole Resultate.

tragung vom Computer zum Risographen.

Lars Harmsen, Raban Ruddigkeit und


Alexander Egger, Pilcrow, Berlin

1  Risographen lösen keine Probleme –


sie schaffen welche. Nutze sie kreativ!

2  Du brauchst erst eine klare Idee.


Verlasse dich nicht auf die Wirkung
des Experimentellen, sondern nutze
die Unschärfen und die zufälligen Artefakte der Risographie,
um deine Grundidee zu veredeln.

3  Das Rudimentäre, Einfache der Risographie erhöht


die Notwendigkeit, deine Idee auf ihre Brillanz
zu überprüfen. Nutze die Chance, deinen Entwurf zu
Verbindet Kopieren mit
Siebdruck: die Riso-Farbtrom-
meln von Nina Reisinger
hinterfragen und zu schärfen.
092 PAGE 08.13 TECHNIK ZEIT-App

1 2

3 4

Handarbeit
Wie entsteht die iPad-App einer Wochenzeitung?
Wir haben dem »ZEIT«-Team bei der Produktion
über die Schulter geschaut

Q Konzentriertes Tippen, Papierknistern, ab und zu eine


leise Frage: Das elfköpfige App-Team der »ZEIT« ist beschäf-
tigt. Es ist Mittwoch, und wie jede Woche gilt es, innerhalb
von rund zehn Stunden die umfangreiche iPad-App der Wo-
chenzeitung fertigzustellen. Das ist mehr Arbeit, als man ver-
muten könnte, denn an jeden der 130 bis 150 Artikel pro Aus- 6
gabe muss Hand angelegt werden. »Wir dachten am Anfang
auch, es wäre mehr automatisiert«, sagt Christof Siemes,
Redakteur im Feuilleton der »ZEIT« und seit knapp zwei Jah- 1 Wir begleiteten das App-Team der Hamburger Redaktion bei der

ren Redaktionsleiter der ZEIT-App. »Aber damit die App gut Produktion der App zur »ZEIT«-Ausgabe 21/2013 – hier das Ergebnis
aussieht, ist eben doch mehr Aufwand nötig.« 2 Für die Rubrik »Verrückte Viecher« auf der Kinderseite zeigt

Die Arbeit fängt schon donnerstags an – jeweils am Tag das App-Team gern Videos – dieses Mal ist ein weißer Kiwi dran,
nach der letzten Produktion. Dann sind die ersten Artikel gefunden auf YouTube
aus den hinteren Rubriken der Zeitung – solche, die weniger 3 Zusammen mit den Bildredakteurinnen sichtet Christof Siemes

vom Tagesgeschehen abhängig sind wie »Chancen« oder Fotos und entscheidet, welche in die App kommen
»Reisen« – von der Printredaktion so weit abgeschlossen,
PAGE 08.13 093

Alle Fotos: Judith Michel

7 8

4 Christof Siemes markiert, welche Bilder zu welchen Artikeln 7 Jeden Artikelheader bauen am Produktionstag Grafikerinnen in

gehören. Unklarheiten bekommen ein Sternchen – hier muss er noch InDesign neu und speichern ihn im JPEG-Format, weil die derzeit
einmal den Text lesen genutzte Version des Publishingsystems denshare keine InDesign-
5 6 Mittwochmorgens geht Siemes mit den Bildredakteu- Dokumente lesen kann. Ein Update ist noch zu teuer
rinnen, Grafikerinnen und Textredakteuren die frisch 8 Die Redaktion prüft alle Artikel auf dem iPad, da die Preview im

gedruckte »ZEIT«-Ausgabe durch, weist auf Zusatzmaterial Browser nicht die richtigen Schriften anzeigt
und Besonderheiten hin
094 PAGE 08.13 TECHNIK ZEIT-App

»Unsere Leser erwarten von uns nicht unbedingt ausgefuchste Multimediastücke.


Wohl aber eine durchdachte Übertragung der Inhalte auf das neue Gerät«

dass sich Siemes als Kopf des App-Teams Gedanken zu Best-of von Artikeln noch eine Verbindung zur Website. Die
Zusatzelementen machen kann. Gemeinsam mit zwei Bild- App ist wie die Zeitung ein geschlossener Kosmos – aber mit
redakteurinnen, die sich eine Stelle teilen und nur für die Zusatzinhalten und gelegentlichen Verbindungen nach au-
App zuständig sind, sichtet er das Bildmaterial der Printkol- ßen. »Unser Anspruch ist: Was wir machen, muss gut sein.
legen, sucht nach weiteren Fotos und Videos. Im Idealfall Weil wir in Sachen Bewegtbild und Interaktivität vorerst
hat die »ZEIT« eine eigene Fotoreportage in Auftrag gege- nicht mit TV oder Web mithalten können, versuchen wir es
ben. So wie bei der Reise eines Reporters auf einem Segel- gar nicht erst, sondern konzentrieren uns auf unsere Kern-
frachtschiff von Sylt nach Hamburg: Während in der Zeitung kompetenz: gute Texte und Informationen«, sagt Siemes.
nur Platz für zwei Fotos ist, bekommt der App-Leser eine Neben den Extras wie Bildern und Videos setzen die vier
Bildergalerie mit zehn Motiven zu sehen – die auf dem Textredakteure auch Zwischenüberschriften, Zitate oder Ver-
Tablet zudem wesentlich besser wirken als auf Zeitungs- weise auf andere Artikel ein. Um diese richtig zu platzieren,
papier. Die App-Redakteure greifen aber auch auf Agentur- müssen sie die Beiträge kennen. Deshalb geht Siemes am
material zurück. Eigene Aufträge können sie selten verge- Mittwochmorgen mit dem ganzen Team die frisch gedruckte
ben, da das Bild-Budget der App-Redaktion knapp ist. Zeitung Seite für Seite durch. Die Stimmung ist locker, es
wird über die Themen gesprochen und diskutiert. Davon,
Das Gefühl, die »ZEIT« zu lesen, soll möglichst dass es technische Probleme gibt und die Übertragung der
nahtlos auf das iPad transportiert werden Texte in das App-Redaktionssystem noch nicht abgeschlos-
sen ist, merkt man nichts. Zu Recht: Nach der etwa einstün-
All die Bilder und Zusatzelemente, die Siemes und die Bild- digen Besprechung ist alles da, und das Team kann loslegen.
redakteurinnen im Verlauf der Woche gesammelt haben,
pflegt das Team dann am Mittwoch per Hand in die Artikel Angesichts begrenzter Ressourcen ist ein
ein. Ziel ist, dass in jeder Screenansicht etwas in der Marginal- gewisses Maß an Pragmatismus gefragt
spalte steht, um einen visuellen Ankerpunkt zu setzen und
digitale Bleiwüsten zu vermeiden. Zugleich muss das Team Drei Grafikerinnen machen sich daran, in InDesign die Header
darauf achten, dass der Screen nicht überladen wirkt. Die für die Artikel zu bauen. Das Aufmacherbild mit Headline und
Texte stehen immer im Mittelpunkt. »Unsere Leser erwarten Unterzeile speichern sie als JPEG-Datei – denn das Publi-
von uns nicht unbedingt ausgefuchste Multimedia-Stücke. shingsystem censhare kann in der von der »ZEIT« genutzten
Wohl aber eine durchdachte Übertragung der Inhalte auf Version keine InDesign-Dokumente anzeigen. Ein Update ist
das neue Gerät«, sagt Siemes. zu teuer. »Man muss das in Relation sehen. Noch verkaufen
Das Gefühl, die »ZEIT« zu lesen, soll möglichst nahtlos auf wir nur einen Bruchteil der Auflage als iPad-Ausgaben«, er-
das iPad transportiert werden. Deshalb gibt es weder ein klärt Christof Siemes. Angesichts begrenzter Ressourcen
PAGE 08.13 095

9 Die Redakteure

arbeiten mit dem Text-


editor von censhare.
10 Mittels Tags weisen sie 13
jedem Absatz seine
Funktion zu, fügen Bilder
und Zusatztexte ein
10 11 Für den Artikel über

die Ausstellung »Punk:


Chaos to Couture« in New
York haben Christof Siemes
und die Bildredakteu-
rinnen eine Bildergalerie
aus dem Pressematerial
des Metropolitan Museum
of Art zusammengestellt
12 Bei Filmbesprechungen

wie hier »Der große


Gatsby« bindet das Team
oft Trailer ein. Auch
zusätzliches Bildmaterial
gibt es genug – die
App-Redaktion wählt aus,
welche Motive einen
Mehrwert bieten. Ziel ist,
dass in jeder Screen-
11 14
ansicht ein Element in der
Marginalspalte steht
13 Zum Thema »150 Jahre

SPD« drehte »ZEIT«-Redak-


teur Peter Dausend für
ZEIT Online eine Video-
reihe. In dieser App-Ausga-
be ist die erste Folge zu
sehen. Dadurch gewinnt sie
zusätzliche Inhalte und
verweist gleichzeitig auf
das Online-Angebot
14 Auch den Artikelheader

für den Aufmacher des


Reiseressorts baute eine
Grafikerin am Produk-
tionstag neu zusammen
15 In der App kann sich

der Leser die Fahrt mit


einem Segelfrachtschiff
von Sylt nach Hamburg
in einer Bildergalerie vor
Augen führen
12 15
096 PAGE 08.13 TECHNIK ZEIT-App

ist Pragmatismus gefragt – was aber weder der Stim-


mung im Team noch der Qualität der App schadet.
Die Header der iPad-Ausgabe sehen mitunter ganz an-
ders aus als in der Zeitung. So ziert den Artikel über Klon-
technik eine Infografik. Die ist aber zu kleinteilig und um-
fangreich für den wesentlich kleineren Header in der App,
weshalb die Grafikerinnen ein neues Bild suchen und ein-
fügen müssen. Die Infografik wandert in die Marginalspalte
und lässt sich per Touch vergrößern.
Im Nebenraum sitzen die Textredakteure und bearbeiten
die Artikel im Texteditor von censhare. Mit Tags weisen sie
jedem Textbaustein seine Position und seine Merkmale zu –
Fließtext, Bildunterschrift, Zitat, Link et cetera. Nebenbei
prüfen sie im Vorschaufenster, wo sie die Elemente in der
Marginalspalte platzieren müssen. Sie fügen auch die Bilder,
Videos und Infografiken ein. »Die Zeitung selbst wird immer

16

16 Für jede Ausgabe dreht das Team ein Video-Editorial mit Christof Siemes.

Das Inhaltsverzeichnis listet Audio- und Videoinhalte gesondert auf


17 Infografiken müssen für die App extra angepasst werden. Dafür ist das-

selbe Team zuständig wie für Print – Zeit für ausgefeilte Animationen bleibt
da selten. Bei dieser Infografik über Klontechnik kann sich der Nutzer per
Wischen verschiedene Schritte anschauen. Den Header musste die Grafikerin
ganz neu bauen – was sie sich in der Besprechung mit Post-its markierte

17
PAGE 08.13 097

»Die Zeitung selbst wird immer magaziniger. Dadurch bekommen


auch wir immer mehr Bausteine. Das ist toll für den Leser, macht das
Handling für uns aber auch komplizierter«

magaziniger. Dadurch bekommen auch wir immer mehr Bau-


steine. Das ist toll für den Leser, macht das Handling aber
komplizierter«, erklärt Siemes. Den jeweiligen Status eines Produktionsworkflow bei der ZEIT-App
Artikels geben die Redakteure im Redaktionssystem an, da-
mit es keine Überschneidungen bei der Bearbeitung gibt. // Von Donnerstag bis Dienstag sammeln Christof Siemes und
Die App selbst basiert auf Templates, also festen Forma- zwei Bildredakteurinnen Bilder, Videos und andere Zusatzelemente
ten für alle Artikelarten. Alle wichtigen Elemente wurden be- für die Artikel der »ZEIT«-Kollegen. In ihrem Redaktionssystem
reits bei der Konzeption festgelegt, an der neben den Redak- InCopy CS4 markiert die Printredaktion den Status der Artikel. Die
tionen von »ZEIT« und ZEIT Online die Bremer Digitalagentur Overview-Funktion zeigt den aktuellen Stand jeder Seite.
artundweise beteiligt war. Im September 2011 wurde die App // Mittwochs ist das gesamte App-Team vor Ort, bestehend aus Redak-
vorgestellt und im März 2013 um einige Funktionen ergänzt. tionsleiter Christof Siemes, den beiden Bildredakteurinnen, drei
Wegen der festen Templates gestaltet sich das kurzfristige An- Grafikerinnen, einer Online-Producerin, drei Textredakteurinnen und
passen an neue Bedürfnisse aufwendig. So stellt ein Bild im einem Textredakteur. Früh morgens werden die Inhalte der Zeitung
Leitartikel der Printausgabe die Grafiker bereits vor eine He- über eine selbst programmierte Schnittstelle in das Publishingsystem
rausforderung, da das Template keinen Platz dafür vorsieht. censhare überführt, das die App-Mannschaft nutzt.
Meist behelfen sie sich selbst, indem sie eine andere Vorlage
// Die Grafikerinnen bauen jeden Artikelheader in InDesign neu
wählen. Für ganz neue Features wie große Bilder im Lauftext
zusammen und speichern ihn als JPEG ab, weil die censhare-Version, die
müsste artundweise das entsprechende Template erweitern.
das App-Team nutzt, keine InDesign-Dokumente anzeigen kann.
Das pünktliche Hochladen ist enorm wichtig, sonst // Die Textredakteure bearbeiten unterdessen mit dem Texteditor
fallen schon die ersten Leser weg von censhare die Artikel und weisen den einzelnen Textbausteinen
durch Tags ihre Funktionen und Eigenschaften zu.
Zwischen 15 und 16 Uhr gibt es den ersten Probe-Export per // Zwischen 15 und 16 Uhr gibt es einen ersten Probe-Export als ZIP-
ZIP-Datei auf eine interne Website. Von dort kann das Team Datei auf eine interne Website. Von dort lädt das Team die App aufs iPad,
die Ausgabe herunterladen und prüfen, wie das Ganze auf prüft sie und kann etwaige Fehler korrigieren.
dem iPad aussieht. Diese Kontrolle dauert meist anderthalb // Wenn alles fertig ist – meist zwischen 18 und 19 Uhr –, lädt Siemes
bis zwei Stunden. Sie ist besonders wichtig, denn eine wei- die App als ZIP-Datei über eine Website mit der Verwaltung aller
tere Korrekturschleife gibt es nicht. »Noch haben wir uns Ausgaben auf einen Server hoch, von dem jeder Leser dann seine
keine allzu großen Schnitzer geleistet«, so Siemes. Ausgabe herunterladen kann (siehe Abbildung unten).
Die iPad-App des »ZEITmagazins« ist zu diesem Zeitpunkt
schon fertig, da dieses einen früheren Abgabetermin hat als
die Zeitung. Beide, »ZEITmagazin« und Magazin-App, wer-
den komplett in Berlin produziert, unabhängig von den Ham-
burger Zeitungskollegen. Im Hauptstadtbüro kümmern sich
die Printlayouter um die App, die viel bildlastiger ist. Später
sind Zeitung und Magazin in einer App zusammengefasst,
allerdings getrennt lesbar.
18 Uhr, der finale Datenexport läuft. Das Team ist mitt-
lerweile so eingespielt, dass es zwischen 18 und 19 Uhr mit
allem durch ist. Nur in Ausnahmefällen dauert es länger. Für
technische Notfälle stellt artundweise mittwochs einen Mit-
arbeiter ab, der jederzeit reagieren kann. Die Agentur hilft
auch bei Apple-bedingten Problemen. »Apple stellt öfters et-
was um, ohne Bescheid zu sagen. Einmal haben sie uns ein-
fach in eine andere Preisklasse gesteckt. Da war die App auf
einmal teurer als die Zeitung«, sagt Siemes. Mittlerweile ha-
ben sich die Preise angeglichen und liegen bei 4,50 Euro.
Das pünktliche Hochladen ist sehr wichtig. Ein Viertel der
gesamten App-Auflage wird schon am Mittwochabend abge-
rufen. Kommt die Ausgabe zu spät, fallen schon die ersten Le-
ser weg, so Siemes. Nach Sonntag wird die App nur noch sel-
ten heruntergeladen. Und während sich die Leser durch ihre
neue ZEIT-App wischen und tippen, ist für Christof Siemes die
aktuelle Ausgabe längst erledigt – er kennt sie von vorne bis
hinten. Morgen geht es dann weiter mit der nächsten. nik
098 PAGE 08.13 TECHNIK

TOOLS & TECHNIK

iOS 7, Mac OS X 10.9 und der neue Mac Pro


Schluss mit QAuf der Entwicklerkonferenz WWDC werden aber öfter die Lesebrille brau- derbolt-2.0-Schnittstelle anschließen.
Skeuomor- in San Francisco präsentierte Apple ei- chen (siehe Kommentare auf Seite 70). Der röhrenförmige Rechner nutzt einen
phismus und nige Neuerungen. Darunter die Über- Auch beim neuen Mac OS X 10.9 Xeon-E5-Prozessor mit maximal 12 Ker-
3-D-Optik: arbeitung von Mac OS X und iOS sowie (Maverick) hat Apple die Benutzerober- nen und sichert die Daten auf einem
die reduzierte die Vorstellung eines neuen Mac Pro. fläche moderner gestaltet, die Leder- PCIe-SSD. Als Grafikeinheit dienen zwei
Bedienober- So beherrscht iOS 7 jetzt ein erweiter- Optik des Kalenders ist verschwunden. AMD-FirePro-Karten, die drei 4k-Dis-
fläche von iOS 7 tes Multitasking, bekommt eine bes- Neu sind Tabs im Finder, die ähnlich wie plays ansteuern können. Wegen der
sere Siri-Unterstützung und kann via die in Safari oder Firefox funktionieren. fehlenden Ausbaubarkeit bezeichnen
Der neue AirDrop drahtlos Inhalte zwischen Ge- Innerhalb des Finders lassen sich Stich- Spötter den neuen Mac Pro als getun-
Mac Pro verfolgt räten austauschen. wörter vergeben, um Bilder und ande- ten Mac mini. Andere fühlen sich eher
ein einzigartiges Wichtiger als die neuen Funktionen re Dokumente verschlagworten und via an den legendären Cube erinnert, der
Kühlkonzept ist die überarbeitete Bedienoberfläche Spotlight gezielt wiederfinden zu kön- ebenfalls ein einzigartiges thermisches
mit einem mittig von iOS 7. Designchef Jonathan Ive hat nen. User von Mobilrechnern dürfte der Kühlkonzept hatte, ebenso schwer zu
rotierenden dem System eine Generalüberholung im Hintergrund arbeitende Mechanis- erweitern – und wirtschaftlich ein Flop
Lüfter. Erweitern verordnet: Die App-Icons sind nun flach mus zum Stromsparen interessieren. für den Konzern aus Cupertino war. Alle
lässt sich der und die Typo zurückgenommener. Bei Die Mac-Pro-Baureihe wird Apple Neuerungen sind erst »ab Herbst« ver-
Rechner jedoch einem ersten Ausprobieren zeigt sich, weiterführen. Das vorgestellte Modell fügbar, die Preise stehen noch nicht
nur über USB dass der viel gescholtene Skeuomor- ist aber viel kleiner als die bisherigen fest. Entwickler können schon jetzt die
und Thunderbolt phismus von Adressbuch oder Kalen- Profigeräte und lässt sich daher nicht entsprechenden Versionen für iOS 7
der verschwunden ist. Die Helvetica Ul- mit Steckkarten erweitern. Auch Fest- und Mac OS X 10.9 installieren. ml
tra Light wirkt zeitgemäß, ältere Nutzer platten muss man über die neue Thun- ≥ www.apple.de

Kuler-App ist da
Kuler zeigt im QNach längerer Ankündigungsphase gespeicherte Farbschema automatisch
Live-Bild die ist Adobes Farbwähler Kuler jetzt als an Illustrator oder Ideas zu übertra-
erfassten fünf iPhone-App bei iTunes verfügbar. Das gen. Zu InDesign oder Photoshop ge-
Farbbereiche an. Tool greift direkt auf die iPhone-Kame- langt es über den Umweg über die Ku-
Diese lassen ra zu, sodass sich die Farben von Pro- ler-Website (übrigens neu in HTML5 ge-
sich über die dukten, Verpackungen oder anderen staltet): Hier erscheinen die erfassten
Creative Cloud Designs erfassen lassen. Die gemesse- Themes ebenfalls automatisch, lassen
exportieren und nen fünf Farbpunkte zeigt die App live sich als ASE(Adobe Swatch Exchange)-
in Ideas oder an, nach dem Sichern kann der De- Datei herunterladen und anschließend
Illustrator weiter- signer die Farbwerte (Hex-Code oder manuell in Programme einbinden. Aber
verwenden RGB) abrufen, manipulieren oder sich auch dazu ist die Mitgliedschaft in der
beispielsweise die Komplementärfar- Creative Cloud Voraussetzung. Kuler
ben anzeigen lassen. gibt es kostenlos und steht ab sofort
Derzeit reicht die kostenlose Crea- zur Verfügung. ml
tive-Cloud-Mitgliedschaft aus, um das ≥ https://kuler.adobe.com
PAGE 08.13 099

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Fair produziertes Smartphone


QDass sie nicht auf Anhieb alle ihre Ziele erreichen wür-
den, war den Fairphone-Machern von Anfang an klar. Aber
sie haben viel erreicht. Zuallererst, dass das Telefon mit
deutlich über 5000 Crowdfunding-Vorbestellungen über-
haupt produziert wird. Das weltweite Medienecho sorgt
darüber hinaus dafür, dass immer mehr Leute sich über
die Herstellung ihres Lieblingsgadgets Gedanken machen.
Initiator des Projekts ist Bas van Abel, Gründer von Fablab
Amsterdam, Autor des Buchs »Open Design Now« und Ex-
Kreativdirektor der Amsterdamer Waag Society, ein seit
vielen Jahren extrem rühriges Institut für Experimente am
Schnittpunkt von Kunst, Design und Technik.
Die Fairphone-Macher haben sich bewusst entschieden,
in China herstellen zu lassen und Rohstoffe aus dem von kor-
rupten Warlords beherrschten Kongo statt aus dem ohnehin
»fairen« Australien zu kaufen: Gerade dort müsse bewie-
sen werden, dass sich bei den Produktionsbedingungen et-
was bewegen lässt. Auch das vereinfachte Android-Betriebs-
system soll fair sein: Die Digitalagentur Kwamecorp wird
den kompletten Sourcecode – einschließlich dem der Wid-
gets – kostenlos veröffentlichen. Unter www.fairphone.com
gibt es Einblicke ins längst noch nicht abgeschlossene
Abenteuer faire Handyherstellung. Käufer anderer Mobil-
telefone sollten übrigens auf das TCO-Nachhaltigkeitslabel
oder auf das Eco-Rating achten, das Vodafone aktuell in
Deutschland einführt. Vielleicht kein Zufall: Die Firma ge-
hört zu den Beratern und Unterstützern von Fairphone. cg
≥ www.fairphone.com

Im Kongo fanden die Macher des Fairphone


schwierige Bedingungen vor
100 PAGE 08.13 TECHNIK Tools & Technik

Konzept für modulare Systemkamera


QDie Verwendbarkeit von Objektiven Von vorn nach hinten besteht die
und Rückteilen unterschiedlicher Her- Kamera aus: einem Auflagemodul, das
1 2
steller bei Fachkameras hat Gabriel je nach Ausführung unterschiedliche
Brückner, Johanna Gedeon, Christop Objektivbajonette unterstützt, dann
Hard- und Software Hiebinger, Bianca Koch und Jessica Le-
derer, Studenten der Hochschule für
einem Modul mit einem um 90 Grad
drehbaren Sensor, an dritter Stelle
+++ IPS-Display mit Hintergrundbeleuchtung. 1 NEC Gestaltung Schwäbisch Gmünd, dazu kommt das Bildverarbeitungsmodul.
bringt mit dem MultiSync P242W ein blickwinkelstabiles inspiriert, eine modulare Kamera zu Es folgen weitere Module für Griff,
IPS-Display mit LED-Hintergrundbeleuchtung auf den entwerfen. Die Idee: ein System aus Steuerung und Batterie, eines für die
Markt, das sich für farbsensitive Arbeiten eignet. Mit ei- austauschbaren Komponenten, um die Speicherung der Aufnahmen und zu-
ner Diagonale von 24 Zoll im 16 : 10-Format ist es univer- Verwendbarkeit von Objektiven, Sen- letzt die Displayeinheit. Eine Realisie-
sell einsetzbar. Preis: rund 750 Euro. ≥ www.nec.com soren und Speicherlösungen unter- rung des Konzepts dürfte wegen feh-
+++ PDFlib 9. Die neue Version des Entwicklungswerk- schiedlicher Hersteller und Fertigungs- lender Unterstützung der Industrie
zeugs zur Erstellung und Verarbeitung von PDF-Doku- reihen zu gewährleisten. leider unwahrscheinlich sein. ml
menten unterstützt jetzt die aktuellsten ISO-Standards
für Druck und Archivierung, bietet Verbesserungen in
der Fontverarbeitung und konvertiert jetzt auch SVG- in
PDF-Daten. PDFlib steht für mehrere Betriebsysteme
und zu Preisen ab 325 Euro (Desktop) zur Verfügung. Die von Stu-
≥ www.pdflib.com/de +++ Neue Systemkamera. Pen- denten entwor-
tax baut ihr Sortiment kompakter Systemkameras nach fene Kamera
oben aus. Die Q7 ist so kompakt wie die Vorgänger, ver- gestattet die
fügt jedoch über einen 1/1,7-Zoll-Sensor. Die Vergröße- Kombination
rung des Backlit-Sensors auf 12 Megapixel bewirkt nicht unterschied-
nur ein besseres Rauschverhältnis, sondern ändert auch lichster Kom-
das Abbildungsverhalten der wechselbaren Objektive: ponenten
Sie werden durchgängig weitwinkliger. Die Pentax Q7
soll im September in Europa erhältlich sein. ≥ www.
pentax.de +++ Camera Raw 8.1. Adobe hat das Photo-
shop-CS6-Plug-in zur Verarbeitung von Raw-Daten ak- Realistischere Verformungen mit Poser
tualisiert. Das kostenlose Update unterstützt jetzt auch
eine Hasselblad-, zwei Olympus- und zwei aktuelle Pana- QSmith Micro stellt neue Versionen der Designer auf die Außenhaut der
sonic-Kameras. Ebenfalls neu und kostenlos ist der DNG- ihres 3-D-Figuren-Renderers vor. Po- Figuren malt, helfen bei der Arbeit mit
Konverter 8.1, der die Daten ohne Photoshop ins DNG- ser 10 verwendet jetzt die OpenSub- Magneten beziehungsweise Deforma-
Format umwandelt und so für ältere Photoshop-Versio- div Library von Pixar, um eine feinere tionswerkzeugen.
nen verfügbar macht. ≥ www.adobe.de +++ Festplatte Unterteilung der Polygone und damit Poser 2014 enthält die neuen Fea-
mit DRAM-Turbo. Buffalo stellt eine externe Festplatte eine realistischere Verformung und tures ebenfalls, kann dazu aber noch
vor, die ein DRAM-Speicher unterstützt. Dieser dient als Animation von Körpern zu ermögli- Kleidungsstücke von einer Figur auf
Puffer für die Daten und soll die Platte damit sehr chen. Ebenfalls neu integriert ist die eine andere übertragen und bietet ei-
schnell machen. Die DriveStation DDR ist in den Größen Bullet Physics Library, die das Model- nige Tools, um Kleidung an den Körper
2 und 3 Terrabyte erhältlich, entfaltet ihre volle Geschwin- lieren starrer und weicher Körper er- anzupassen. Poser 10 und Poser 2014
digkeit allerdings nur an USB-3.0-Schnittstellen. Sie kos- leichtert. Auch die Animation von Haa- sind ab sofort für ungefähr 280 und
tet je nach Größe zwischen 190 und 230 Euro. ≥ www. ren soll hierdurch erheblich einfacher 460 Euro erhältlich. ml
buffalo-technology.com/de +++ Contax an Leica. Die werden. Die neuen Weight Maps, die ≥ http://poser.smithmicro.com
Leica Camera AG hat einen neuen Adapter vorgestellt,
mit dem sich Contax-645-Objektive an der Leica S nut- Die neuen
zen lassen. Der Autofokus und weitere elektronische Weight Maps in
Funktionen werden übertragen. Kostenpunkt: 1600 Euro. Poser 10 und
≥ www.leica.de +++ PitStop Pro 12. Enfocus hat ein Up- Poser 2014
date ihres Preflighttool angekündigt. Neu sind Funktio- erleichtern die
nen für die Fehlerkorrektur wie auch erweiterte Bild- Arbeit mit
und Farbverlaufsbearbeitungen. Darüber hinaus löst Magneten und
Connect You nun Instant PDF ab. Die Software bietet ei- Deformations-
nen ähnlichen Funktionsumfang, soll allerdings schnel- werkzeugen
ler sein und mit den neuen CS-Tools zusammenarbei-
ten. ≥ www.enfocus.com +++ Big Touch. 2 Unter die-
sem Namen stellt Infocus eine abgespeckte Variante
ihres All-in-one-Videokonferenzsystems Mondopad vor.
Der mit 3500 Euro deutlich günstigere Big Touch eignet
sich so vor allem für die Präsentation in Konferenzräu-
men. Der Rechner ist mit einem Core-i5-Prozessor und
einer 120 Gigabyte fassenden SSD ausgestattet und ver-
fügt über ein 55-Zoll-Display. ≥ www.infocus.de ml
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106 PAGE 08.13

EINBLICKE
Kreative, gern als Spielkinder belächelt, stellen das beste Spielzeug ihres Nachwuchses vor

Autorennen
QMein siebenjähriger Sohn Theo und ich lieben unsere
Carrera-Bahn. Meine dreizehnjährige Tochter interessiert
sich nicht dafür, obwohl wir auf klassische Rollenbilder in
der Erziehung verzichten. Vor drei Jahren besorgte ich über
eBay die Bahn meiner Kindheit, aber wir stellten fest, dass
sich Design und Technik extrem weiterentwickelt haben:
Die Autos sind heute naturgetreuer nachgebildet und fah-
ren spurgerechter, sodass das Rennen viel mehr Spaß macht.
Also kauften wir ein brandneues Starter-Set. Inzwischen
haben wir etwa 15 Autos und 22 Meter Schiene. Bauen wir
die Bahn auf, kann man das Wohnzimmer kaum noch be-
treten, und Theos Freunden fällt immer die Kinnlade run-
ter. Der Grund für seinen Schatz: Das überschaubare Star-
ter-Kit wurde dem Papa schnell langweilig.
Theo schaut sich die Rennautos manchmal nur an, in sei-
nem Kopf scheint er dann Autoszenen nachzuerleben. Spie-
len regt die Fantasie an. Mir kommen auch die besten Ideen,
wenn ich meinen Gedanken freien Lauf lasse. Ohne Konven-
tionen, wie bei Theo: »Papa, du bist Vettel, und ich Button!
Nein: Ich bin Alonso – und du Schumacher!« Okay. Gestern war
ich Forscher, morgen bin ich Ritter. Dass Kinder eine andere
Sicht auf die Welt haben, zeigt sich übrigens auch in der Art,
wie sie fotografieren. Während ich etwa im Obstladen den Tre-
sen, die Regale, die Atmosphäre ganzheitlich einfangen wür-
de, fotografiert meine Tochter einfach ein Detail des Apfels.
André Reinke, freier Fotograf, Hamburg

Monster und Kochlöffel


QWir lieben den ShapeMaker von Zoe Miller und David
Goodman, zwei Designern aus Brighton. Mit dem Holzwür-
felbaukasten, bunt bemalt mit geometrischen Formen, las-
sen sich unzählige fantastische Bilder kreieren. Wenn wir
ehrlich sind, ist es aber ein Spielzeug, das Eltern eher für
sich kaufen. Unsere Kinder bevorzugen Lego, Duplo sowie
Fantasyfiguren wie die Invizimals und die Gormitis. Anders
als bei Lego und ShapeMaker mussten unsere Kleinen lan-
ge auf uns einreden, bis wir Letztere gekauft haben. Auch
wenn deren Kämpfe in der App mit Augmented-Reality-
Funktion beeindruckend sind, erfinden unsere Kinder lie-
ber eigene Geschichten. Sie bauen Häuser aus Lego und
spielen darin mit ihren Autos, Dinos und Gormitis. Aus den
furchterregenden Gestalten werden dann ein lieber Papa,
eine Mama und ein Baby-Gormiti.
Uns geht es darum, Kreativität zu fördern – die braucht
man in jedem Beruf. Dazu eignet sich speziell das freie Spiel:
Man muss sich ein Spiel ausdenken, lernt, andere Kinder zu
motivieren, es mitzuspielen und mit Konflikten umzugehen.
Manchmal greifen Eltern zu stark ein; das Gleiche gilt für Spie-
le, die ein zu starres Regelwerk haben. Oft kommen bei unse-
ren Kindern auch keine typischen Spielsachen zum Einsatz,
sondern etwa ein Kochlöffel, der zum Schwert wird. Jedes
Ding kann der Fantasie helfen, eigene Ideen auszudrücken.
Lupi Asensio und Martin Lorenz, Gründer von
TwoPoints.Net, Barcelona und Berlin
PAGE 08.13 107

denziell den Inhalt wider. Krimis sind


meist schwarz, Gartenbücher grün, Kre-
ativbücher sind in schrillen Tönen wie
Pink und Kinderbücher in Primärfar-
ben gehalten. Letzteres ist irgendwie
banal, denn gerade in der ersten Zeit
reagieren Kinder intensiv auf starke
Kontraste. Mein Sohn liebt Schwarz.
Ich bin früher mit vielen schönen Bü-
chern aufgewachsen, auch mein Sohn
mochte sie von Anfang an. Er zieht Bü-
cher wie Bauklötze aus dem Regal und
schichtet sie beliebig um. Eines Tages
saßen wir in einem Restaurant, in dem
die Wände kreuz und quer bemalt wa-
ren. Als wir heimkamen, begann der
Kleine unser weißes Bücherregal in
den jeweiligen Buchfarben anzumalen.
Ob er mal etwas Kreatives machen
wird, möchte ich bezweifeln. Er sagt,
Regenbogen-Regal er möchte »Pilothubschrauber« wer-
QEin wunderbares Spielzeug ist un- kung dieses Ordnungssystems: Wenn den und der Helikopter muss definitiv
ser nach Farben sortiertes Bücherregal. ich mit ihm an unseren knapp 2000 Bü- gelb sein. Wird also der ADAC sein Ar-
Es hat etwas Kontemplatives, zeugt chern entlanglief, hörte er gleich auf beitgeber? Auf jeden Fall hat er der-
vom Respekt für das Objekt und seine zu schreien und schlief ein. Nachdem zeit das Zeug zum Chef: Er ist schon
Gestaltung sowie von der Liebe für Far- ich meine Bibliothek nach den Farben verhandlungssicher und kann delegie-
ben. Schon wenige Wochen nach der der Buchrücken gegliedert hatte, weil ren – wie die meisten Kleinkinder.
Geburt meines inzwischen dreijährigen ich das Durcheinander nicht ertrug, Sina Peters, Executive Creative
Sohnes zeigte sich die beruhigende Wir- stellte ich fest: Die Töne spiegeln ten- Director bei The Brand Union, Hamburg

Roboter zum Anfreunden


QMeine Spielzeugempfehlung: der in seinem Büro – natürlich ausschließ-
Romo. Was nach einer dänischen Insel lich zu Recherchezwecken.
klingt, ist ein kleiner Roboter auf Rä- Ich selbst fand klassisches Spiel-
dern (http://romotive.com). Bestücken zeug langweilig. Interessant war im-
kann man ihn mit einem iPhone oder mer, was nicht nach Spielzeug aussah:
Android-Smartphone. So wird der Ro- Radios ausschlachten und Neues da-
mo clever und einfachst programmier- raus bauen zum Beispiel. Was die Ent-
bar. Gesichtserkennung, Videoüber- wicklung meiner drei Kinder angeht:
tragung, Roboter-Fotosafa- Sie sollen einfach machen,
ri durch die Wohnung, und, ohne dass Papa ihnen groß
und, und. Mit Romo kann reinquatscht. Meine Ältes-
man Kinder auf sehr krea- te hat bei uns schon ein-
tive Weise an Technik und mal ins Agenturleben rein-
das Programmieren heran- geschnuppert, aber ob sie in
führen – und er macht da- diese Richtung gehen will,
rüber hinaus großen Spaß. ist nicht klar. Wichtig ist, dass
Geordert habe ich ihn sie viel ausprobieren. Als El-
über Kickstarter, wo mehr tern versuchen wir lediglich,
als 1000 Leute weltweit Geld in die Möglichkeiten zu eröffnen und die Neu-
Entwicklung des Roboters gesteckt gier zu fördern. Spielzeug kann helfen,
haben. Nun hat ihn mein knapp vier- Kreativität zu entfalten – aber ich ha-
jähriger Sohn adoptiert. Im Vorfeld der be eher die Erfahrung gemacht, dass
NEXT hatte Holger Blank, unser Tech- für Kinder alles interessant ist, wo das
nik-Geschäftsführer, seinen ganzen Ro- nicht draufsteht.
boterpark in die Agentur gekarrt. Da Matthias Schrader,
war für eine Weile Ausnahmezustand CEO von SinnerSchrader, Hamburg
108 PAGE 08.13

KALENDER
3
KONGRESSE 02.09.–04.09.
MESSEN Reasons to be Creative
Konferenz für kreative
SEMINARE

Im Uhrzeigersinn, beginnend links oben: Leandro Cano: Strickanzug aus der Kollektion Buffet, 2012. Foto: Leandro Cano; Tur Meccanica Bi Bici, um 1980, Renntandem mit kurzem Radstand aus Italien © Embacher-Collection®, Foto: Bernhard Angerer;
Webdesigner und Coder
Brighton
02.07.–07.07. ≥ http://reasons.to
Fashion Week Berlin
Ob The Upcycling Fashion 14.09.
Store, Ethical Fashion Leitmedium Design 1:
Show, Green Showroom Gutes Design entwickeln
oder Berlin fashion Film PAGE-Seminar mit Jochen
Festival – die Berliner Rädeker (siehe Seite 50)
Modewoche bietet eine Hotel Gastwerk, Hamburg
Fülle spannender Events ≥ www.page-online.de/
≥ www.fashion-week- seminar
berlin.com/de
15.09.
21.07.–25.07. Leitmedium Design 2:
Siggraph 2013 Gutes Design
Konferenz und Messe zu gut verkaufen
Computer Graphics PAGE-Seminar mit Jochen
und Interactive Techno- Rädeker (siehe Seite 51) Leandro Canos Entwürfe sind im Frankfurter Museum für Angewandte Kunst zu sehen
logy Anaheim, CA Hotel Gastwerk, Hamburg
≥ http://s2013.siggraph. ≥ www.page-online.de/ 20.09.–22.09. Bis 05.07. Bis 29.07.
org seminar Tÿpo St. Gallen DMMA OnlineStar 2013 gute aussichten –
Typografie-Symposium Kreativaward für digitale junge deutsche foto-
03.08. 16.09. zum Thema »Weissraum« Projekte mit Kategorien grafie 2013/2014
Maker Faire Hannover NEXT Service Design Schule für Gestaltung wie » Digital Advertising«, Angehende Fotografen
Treffen der Maker-Szene Konferenz zur Gestaltung St. Gallen »Digital Commerce«, reichen ihre Hochschul-
Congress Centrum interaktiver Prozesse ≥ www.typo-stgallen.ch »App«, »Bewegtbild im abschlussarbeiten ein
≥ www.makerfaire Radialsystem V, Berlin Web« oder »Social Media« ≥ www.gute
hannover.com ≥ http://nextberlin.eu/ ≥ www.dmma- aussichten.org
sd13 WETTBEWERBE onlinestar.de
19.08.–21.08. Bis 05.08.
Game Developers 18.09.–19.09. Kreativawards 2013 Bis 25.07. Annual Multimedia
Conference 2013 dmexco Auf PAGE Online finden Lucky Strike Junior 2014
Konferenz und Expo (bis Digital-Marketing- Sie eine Übersicht Designer Award 2013 Preis für kreatives
20.) der Spieleentwickler- Konferenz und -Expo aktueller Wettbewerbe Nachwuchsdesignpreis digitales Marketing: ob
branche koelnmesse koelnmesse ≥ www.page-online.de/ ≥ www.raymondloewy App, Corporate E-Mag,
≥ www.gdceurope.com ≥ www.dmexco.de wettbewerbe foundation.com Website oder cross-
mediale Kampagne
2 ≥ www.annual-
multimedia.de

Bis 05.08.
kurzundschön 2013
Bewegtbildwettbewerb
für junge Kreative
≥ www.kurzundschoen.
khm.de

Bis 24.08.
Der Deutsche Infografik
Preis 2014
(siehe Seite 16)
Zeitschriftenstapel, Foto: Matthu Placek; www.wikihouse.cc

≥ www.deutscher
infografikpreis.de

Bis 31.08.
Viral Video Award 2013
Gesucht sind virale
Internetfilme
≥ www.viralvideo
award.com

Bis 16.09.
Reklamefilmpreis 2013
Contest für Werbefilme
≥ www.reklame
filmpreis.de
dDas Design Museum London wird zur »Factory« und zeigt zukunftsweisende Projekte wie das »WikiHouse«
PAGE 08.13 109

Weitere Termine unter www.page-online.de/events. Dort können Sie uns auch Ihre Veranstaltungstermine mitteilen.
PAGE Seminare finden Sie unter www.page-online.de/seminare

4
Bis 25.10. Bis 14.07. Suche nach Identität in
iF communication The Essence 2013 den Vordergrund
design award 2014 Jahresausstellung der Museum für Angewandte
Prämiert wird exzellentes Universität für Kunst Frankfurt
Kommunikationsdesign angewandte Kunst Wien ≥ www.museum
≥ www.ifdesign.de Künstlerhaus Wien angewandtekunst.de
≥ www.die
angewandte.at 31.08.–08.09.
AUSSTELLUNGEN Illustrative 2013
24.07.–03.11. Festival für zeitgenös-
FESTIVALS 2 The Future is here: sische Illustration und
A New Industrial Grafik Berlin
03.07.–07.07. Revolution ≥ www.illustrative.de
Jahresausstellung der Die Ausstellung unter-
Hochschule für bildende sucht die durch Maker Bis 15.09.
Künste Hamburg Movement, 3-D-Printing Rodtschenko. Eine
Lerchenfeld und Wartenau und Open Design neue Zeit
≥ www.hfbk- veränderten Entwick- Ob Fotomontage und
hamburg.de lungs- und Produktions- Fotografie, Werbedesign
prozesse und lässt dabei oder Typografie – der
09.07.–12.07. das Museum selbst russische Avantgardist
Einblick/Ausblick zur »Factory« werden (1891–1956) setzte die
Jahresausstellung Design Museum London dynamische Umgestal-
der Muthesius Kunst- ≥ www.design tung der Gesellschaft
hochschule Kiel museum.org Anfang des 20. Jahrhun-
≥ www.einblick derts ins Bild. Ausstellung
ausblick.de 01.08.–02.08. im Bucerius Kunst Forum,
Tech Open Air Festival Hamburg
12.07.–27.10. Konferenz-Festival-Fusion ≥ www.buceriuskunst
1 Paper Weight. KaterHolzig, Berlin forum.de
Stilbildende Magazine ≥ www.toaberlin.com
von 2000 bis heute Bis 15.09.
Die von »PIN-UP«-Art- Bis 25.08. 3 Draußen im
direktor Felix Burrichter Korea Power. Design Dunkel. Weitermachen
kuratierte Schau gibt und Identität nach der Mode
Einblick in die »Welt des Nachdem Südkorea eine Die Ausstellung unter-
unabhängigen Veröffent- rasante Modernisierung sucht, was die heutige
lichens« (siehe Seite 12 f.) nach westlichem Vorbild Mode über moderne
Haus der Kunst München erlebt hat, rückt für Lebenskonzepte aussagt
≥ www.hausderkunst.de heutige Designer die Museum für Angewandte
Kunst Frankfurt
1 ≥ www.museum
angewandtekunst.de
Das MAK Wien erzählt »Fahrradgeschichten«
Bis 22.09.
Glam! The Performance Bis 06.10. Bis 06.10.
of Style 4 Tour du Monde. Archizines
Die Schau zeigt den Ein- Fahrradgeschichten Weniger spektakulär als
fluss der 70er-Jahre-Glam- Fünzig Fahrrad-Ikonen die Münchner »Paper
Ästhetik auf Film, Foto- des 20. und 21. Jahrhun- Weight«-Schau, dafür
grafie, Grafikdesign und derts und die »den Objek- äußerst materialreich
Mode Schirn, Frankfurt ten eingeschriebenen und zu Entdeckungen
≥ www.schirn.de Geschichten« präsentiert einladend ist diese Aus-
diese Ausstellung. Die stellung von über 90
Bis 06.10. Exponate stammen aus Architekturzeitschriften:
No Name Design der renommierten Da gibt es etwa das
Über 900, meist kleine Sammlung des Wiener amerikanisch-japanische
Gebrauchsobjekte hat Architekten Michael »Draftery«, das sich auf
der Designer Franco Embacher MAK Wien originelle Architektur-
Clivio gesammelt. Ihn ≥ www.mak.at zeichnungen konzentriert
fasziniert weniger die gu- Vitra Design Museum
te Form als vielmehr eine Bis 06.10. Gallery, Weil am Rhein
gestalterische Qualität, KABOOM! Comic ≥ www.design-
die auf der Besonderheit in der Kunst museum.de
von Funktion, Material Die Schau zeigt den Ein-
und Konstruktion beruht fluss von Comic-Ästhetik Bis 24.11.
Gewerbemuseum und Superhelden-Storys Kunstbiennale in
Winterthur auf die moderne Kunst Venedig
≥ www.gewerbe Weserburg, Bremen Kunstausstellung
museum.ch ≥ www.weserburg.de ≥ www.labiennale.org
Stilbildende Magazine präsentiert das Haus der Kunst
110 PAGE 08.13 Publikationen

PUBLIKATIONEN
Q »Animation Sketchbooks«. Auf
Fahrten in der Londoner Metro entstan-
den die Skizzen zur ersten abendfüllen-
den, komplett animierten BBC-Doku-
mentation »Wonderland: The Trouble
with Love and Sex«. Es ging darin um
Paartherapien, ein sehr intimes The-
ma, zu dem wenige Betroffene sich
gerne vor der Kamera auslassen wol-
len. So fand Jonathan Hodgson die
meisten Charaktere für die Geschich-
ten um kaputte Beziehungen unter
den U-Bahn fahrenden Paaren und
Einzelmenschen, die er beobachtete
und mit wenigen Strichen festhielt.
Diese und ähnliche Einblicke in die
Arbeitsweise einiger der besten in-
ternationalen Animationskünstler ge-
währt jetzt ein Buch von Laura Heit,
selbst renommierte Macherin von Fil-
Studien aus dem men dieses Genres. Zu sehen sind Skiz-
Skizzenbuch von zenbücher junger angesagter Künst-
Fran Krause ler wie Lilli Carré oder Stephen Irwin
aus Los Angeles, ebenso wie die von Berühmtheiten
bekannt für der Zunft wie dem SpongeBob-Schöp-
die YouTube- fer Stephen Hillenburg oder David
Animationsserie Shrigley. Manche arbeiten schon fast
»Super-F*ckers«, Storyboards aus, etwa mit detaillier-
eine Umsetzung ten Bewegungsstudien oder Kamera-
des gleich- anweisungen. Andere tragen wilde
namigen Comics Ideensammlungen zusammen oder to-
ben sich einfach kreativ aus. Jeden-
falls immer sehenswert.
> Laura Heit: Animation Sketchbooks.
London (Thames & Hudson) 2013,
320 Seiten. 29,95 Pfund.
isbn 9780500516751

Ratgeber über ein Thema gelungen,


über das wir doch im Grunde schon
längst alles zu wissen glauben: Face-
book und Co.
Das unterhaltsame und ausgespro-
chen elegant geschriebene Büchlein
trifft einen guten Ratgeberton und ist
von Philipp Comarella interessant il-
lustriert. Hier kann jeder noch was ler-
nen – oder an Dinge erinnert werden,
die man weiß, aber immer wieder zu
vergessen droht.
Goldene Regel 1: Q »Alle meine Freunde«. Den vom cial-Media-Knigge leicht auch passieren. > Oliver Handlos, Matthias Spaet-
»Nur wenn Sie ADC preisgekrönten Vorgängerband Denn Oliver Handlos (der inzwischen gens: Alle meine Freunde. Über den
offline etwas Ȇber den Umgang mit E-Mails. Die zu BBDO nach New York gewechselt Umgang mit Facebook und Co. Der
erleben, haben Scholz & Friends E-Mail-Etikette« gibt ist) und Matthias Spaetgens (Geschäfts- Scholz & Friends Social Media Knigge.
Sie online etwas es schon in der vierten Auflage. Das führer Kreation von Scholz & Friends Mainz (Hermann Schmidt) 2013, 64 Sei-
zu erzählen« könnte mit dem jetzt erschienen So- Berlin) ist wieder ein brillanter kleiner ten. 15 Euro. isbn 978-3-87439-854-1
PAGE 08.13 111

Die Grundrechte:
Hellblau steht für
Freiheitsrecht,
Dunkelblau für
Gleichheitsrecht,
Rot für Schutz-
recht, Gelb für
Verfahrensrecht

Q »Verfassung verstehen«. So wich- bei TDC, ADC, red dot und DDC gewon- wie gut durchdacht unsere demokra-
tig es sein mag – wer nimmt sich schon nen. Nur gut, dass es jetzt als »rich- tische Grundordnung ist, in der übri-
freiwillig das Grundgesetz als Lektüre tiges« Buch erschienen ist. gens auch steht: »Gegen jeden, der es
vor? Ganz anders dieses Buch. Es lädt Hofmaiers meist rein formale Ana- unternimmt, diese Ordnung zu besei-
zu einer faszinierenden visuellen Rei- lyse – was sich eben auf infografische tigen, haben alle Deutschen das Recht
se durch den Verfassungstext ein, der Weise darstellen lässt – offenbart er- zum Widerstand, wenn andere Abhil-
1949 nach Jahren des nationalsozialis- staunlich viel Inhaltliches. So zeigen fe nicht möglich ist.«
tischen Totalitarismus die Grundlagen Tortendiagramme, welche Abschnitte > Mike Hofmaier: Verfassung
für ein Deutschland schuf, in dem so des Grundgesetzes seit 1949 am stärks- verstehen. Das Grundgesetz in
etwas nie wieder möglich sein sollte. ten verändert und ergänzt wurden. Infografiken. Eine visuelle Analyse
Zunächst hatte Mike Hofmaier das Auch Vergleiche ursprünglicher und der deutschen Verfassung. Mainz
Grundgesetz als Diplomarbeit mittels modifizierter Passagen sind in einer (Hermann Schmidt) 2013, 72 Seiten.
Infografiken analysiert und dafür Preise Zeitleiste aufbereitet. Deutlich wird, 39,80 Euro. isbn 978-3-87439-846-6

»Cosmic Dance«, eine Q»Fullspace-Projektion«. Kennen Sie


Show im Canadian das Holodeck noch, in dem die Star-
Museum of Hindu Trek-Helden sich in beliebige simu-
Civilization in Toronto lierte Rundum-Realitäten versetzen
konnten? Das ist die Vision, die die an
diesem Buch Beteiligten anstreben.
Dabei sind sie alles andere als Fantas-
ten. Mit dem von media.net berlinbran-
denburg und dem Bundesforschungs-
ministerium geförderten 360°lab trei-
ben sie die Entwicklung praktisch voran
und tragen jetzt in einem Sammel-
band zum ersten Mal das aktuelle
Know-how rund ums Design immer-
siver 360-Grad-Welten zusammen. Die
Beiträge von 29 Experten liefern inter- Die Fulldome-Show
disziplinäres Hintergrundwissen, Ma- »Darwin and his
king-ofs von Projekten aus Bildung, Fabulous Orchids«
Entertainment und Marketing sowie von Ralph Hein-
Informationen über Produktion, Hard- sohn: hier eine
und Software oder Akustik. Science- Szene von Charles
Fiction ganz real. cg Darwins Weltreise
> Ute B. Schröder, Gordian Over-
schmidt (Hrsg.): Fullspace-Projektion.
Mit dem 360°lab zum Holodeck. Heidel-
berg/Berlin (Springer) 2013, 383 Seiten.
49,99 Euro. isbn 978-3-642-24655-5.
112 PAGE 08.13 Publikationen
1

Neuerscheinungen – kurz vorgestellt


Sara Bader: The Designer Says. Quotes, Quips, and Words of te in London lebend, ist Yasmin
Wisdom. New York (Princeton Architectural Press) 2013, 160 Sei- Heinz eine der gefragtesten Make-
ten. 14,95 Dollar. 9781616891343. Wunderbare Zitate berühmter up-Artists der Welt. Hier plaudert
Grafikdesigner aus Vergangenheit und Gegenwart – typografisch sie aus ihrem Arbeitsalltag mit be-
ansprechend aufbereitet. 1 Timestory. The Illustrative Collages rühmten Modedesignern und Fo-
of Lorenzo Petrantoni. Berlin (Gestalten) 2013, 240 Seiten. 39,90 Euro. tografen. Stiftung Pro Klingentalmu-
978-3-89955-480-9. Tolle Sammlung von Illustrationen des Mailänders, seum Basel (Hrsg.), Ruth K. Scheel:
2
der ausschließlich mit typografischen und illustrativen Versatzstücken Schaufensterkultur. Inszenierte Wa-
aus dem 18. und 19. Jahrhundert arbeitet. 2 Tony Glenville: New renwelt in Basel. Basel (Christoph
Icons of Fashion Illustration. London (Laurence King) 2013, 224 Sei- Merian Verlag) 2013, 206 Seiten. 28 Eu-
ten. 28 Pfund. 9781780671048. Der Band stellt 28 führende Modeillus- ro. 978-3-85616-589-5. Katalog zu einer
tratoren vor, darunter David Downton, Cecilia Carlstedt, Jason Brooks außergewöhnlichen Ausstellung, die
oder Autumn Whitehurst. Michael Schekalla: 18 Jahre »Lux-Lesebo- bis 27. Oktober im Museum Kleines
gen« 1946–1964. Das visuelle Erscheinungsbild. München (August Klingental zu sehen ist. Craig Welsh:
Dreesbach Verlag) 2013, 599 Seiten. 28 Euro. 978-3-944334-02-8. In Design/Portfolio. Self-promotion at
PAGE 10.12, Seite 80 f., hatten wir schon über die Recherchen von its best. Minneapolis, (Rockport) 2013,
Michael Schekalla zu den der Allgemeinbildung gewidmeten und von 272 Seiten. 40 Dollar. 9781592538409.
Karlheinz Dobsky mit abwechslungsreichen Coverillustrationen verse- Vorbildliche Beispiele und Mini-Work-
henen Heftchen berichtet. Jetzt liegt sein Buch über die »Lux«-Lese- shops für die Gestaltung für Port-
bogen vor. László Moholy-Nagy: telehor. Internationale Zeitschrift folios. 3 Mike Joyce: Swissted. Vin-
für visuelle Kultur. Zürich (Lars Müller) 2013, 50 Euro. 138 Seiten. 978- tage Rock Posters Remixed and Re- 3
3-03778-253-8. Der Reprint der Zeitschrift aus dem Jahr 1936 von und imagined. Philadelphia (Quirk Books)
über László Moholy-Nagy erscheint zusammen mit einem Kom- 2013, 208 Seiten. 40 Dollar. 9781594746116. Was haben Punkrock und
mentarband. Das Faksimile bleibt bei der Spiralbindung, die damals Schweizer Modernismus gemeinsam? Eigentlich nichts, aber der New
als hochmodern galt. Yasmin Heinz: Geschminkte Wahrheit. Make- Yorker Designer Mike Joyce liebt beides – und führt seine Leiden-
up-Geheimnisse einer Starvisagistin. Hamburg (Edel Books) 2013, schaften in schicken Plakaten zusammen. Sein Projekt www.swissted.
240 Seiten. 29,95 Euro. 9783841901897. In Kiel aufgewachsen und heu- com gibt es jetzt auch als Buch. cg

Was für Romane mögen Sie?


Was lesen Sie? Gefallen hat mir »Vienna« von Eva Menasse, die Geschichte einer
halbjüdischen Wiener Familie über drei Generationen hinweg, von
Franz Xaver Daublebsky der Zeit vor dem Krieg bis zur Nachkriegsgeneration.
Designstudio En Garde, Hamburg Sie leben als Österreicher in Hamburg. Hat die Wahl dieses Buchs
www.engarde.net/hamburg damit etwas zu tun?
Eher nicht, auch wenn ich darin oft die österreichische Mentalität wie-
derentdecke. Interessant fand ich die Familiengeschichte und wie die
Mag man im Zeitalter unzähliger Designblogs eigentlich noch Generation, die den Krieg selbst erlebt hat, sich später abschottet,
Designbücher kaufen? sich emotional verschließt.
Franz Xaver Daublebsky: Bildbände, die nur coole neue Arbeiten Lesen Sie Romane auch mal in digitaler Form?
zeigen, funktionieren nicht mehr. Man hat schon zu viel auf diversen Nicht so gerne, obwohl ich schon überlegt habe, dass ein Kindle auf
Blog-Ausflügen gesehen. Das muss inhaltlich schon ergiebiger sein. Reisen das Gepäck ganz schön erleichtern könnte. Andererseits kann
Zum Beispiel? man unterwegs immer irgendwo Bücher eintauschen und kommt so
Der Anfang des Jahres erschienene Band »The Geometry of Type« von an Dinge, die man sonst nicht entdecken würde. In Thailand habe ich
Stephen Coles, der hundert Schriften auf ihre ganz genauen Merk- so einmal »Der menschliche Makel« von Philip Roth gelesen. Das war
male untersucht. Oder Klassiker wie »Detailtypografie« aus dem Ver- extrem spannend, aber jemand hatte die letzte Seite herausgerissen.
lag Hermann Schmidt, wo man immer wieder gewisse Feinheiten und Als ich zurückkam, musste ich zuallererst das Buch kaufen. Die Ge-
Regeln nachschlägt. schichte war so zugespitzt, dass man das Ende kennen musste.
PAGE 08.13 113

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Redaktion kann immer 6 Wochen vor Ablauf des
werden, buhlen Unternehmen verstärkt um Designer. PAGE berichtet,
Franziska Beyer (fb), Nina Kirst (nik); Bezugsjahres schriftlich gekündigt werden. welche Möglichkeiten große Konzerne, Mittelständler und Start-ups Gestal-
Anna Weilberg (aw, Redaktion Online) Schüler und Studenten erhalten gegen Vor- tern bieten – und wo die Vor- und Nachteile gegenüber Agenturen liegen
Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), lage eines gültigen Ausweises oder einer
Dr. Claudia Gerdes (cg), Wiebke Lang (wl), gültigen Immatrikulationsbescheinigung
Rebecca von Hoff (Grafik), Christine 20 Prozent Rabatt. Mitglieder der Allianz
Krawinkel (Artdirektion); Maiken deutscher Designer (AGD), des Bundes
Richter (Text-/Schlussredaktion), Deutscher Grafik-Designer (BDG) und des
Jan Roidner (Text-/Schlussredaktion); designerinnen forum e. V. erhalten ebenso
Sabine Danek (sd, Redaktion Online) 20 Prozent Rabatt.

Autoren dieser Ausgabe


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ISSN 0935-6274. Vertrieb: VU Verlagsunion KG, Postfach 5707, 65047 Wiesbaden, Telefon realisierte Arbeiten und
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Veröffentlichung überträgt der Autor dem Verlag das ausschließliche Verlagsrecht für
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zusätzliche Vergütung. Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheber-
rechtlich geschützt. Der Rechtsschutz gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen Viele der besten Illustra-
Einrichtungen. Kein Teil dieser Zeitschrift darf außerhalb der engen Grenzen toren haben noch nie
des Urheberrechts ohne Zustimmung des Verlags verwertet werden. Waren-
namen werden ohne Gewährleistung der freien Verwendbarkeit benutzt. für einen Kunden aus der
Gerichtsstand ist München. Onlinewelt gearbeitet.
Im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel sowie in allen Pressefachgeschäften Viele Digitalagenturen
mit dem Blauen Globus können Sie PAGE kaufen oder bestellen. würden nie bei einer
Illustratorenrepräsentanz
Mitglied der Informationsgemeinschaft zur Feststellung anrufen. So geht’s nicht
der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW) weiter. Tolle Beispiele zeigen,
welch ungenutztes
Potenzial hier schlummert!
≥ www.page-online.de ≥ www.twitter.com/pagemag
≥ www.facebook.com/pagemag ≥ iTunes App Store
114 PAGE 08.13 Fundstücke von Jürgen Siebert

Die Verantwortung des


Konsumenten und ihre Grenzen
Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

Q Verbraucher sein ist nicht leicht im Unser Verhalten und die angebote- Zeit nehmen. Selbst Bildung und In-
Land des Überflusses. Jüngst forderte nen Produkte mögen sich teilweise be- formation sorgen lediglich bedingt da-
ein Berliner Journalist, wir Kunden soll- einflussen, aber die Macht, etwas zu für, dass wir uns Konsumkompetenz
ten Apple mit unserer Brieftasche zwin- ändern, liegt eigentlich in den Händen aneignen. 
gen, endlich ordentlich Steuern zu zah- von Menschen, die sich hauptberuf- Nur eine kleine, aber wachsende
len und keine Arbeiter in China auszu- lich mit dieser komplizierten Materie Gruppe von Konsumenten verdient
beuten. Hallo?! Ich soll mir also Geräte beschäftigen. Haben wir unsere Poli- das gern zitierte Etikett »mündiger
zulegen, von denen ich nicht überzeugt tiker dafür gewählt, dass sie uns in Verbraucher«. Das Recht auf individu-
bin, nur damit ein in die Kritik geratener schwierigen Zeiten vorhalten, wir seien elle Konsumfreiheit findet bei ihnen
Diese und weitere Konzern zur Räson gebracht wird. Gibt doch irgendwie selbst schuld an den seine Grenze im bewussten Konsum-
Fundstücke von es dafür nicht Politiker und Gesetze? Missständen in der Gesellschaft? Als ob handeln. Sie übernehmen beim Shop-
Jürgen Siebert fin- Ob Eier von unglücklichen Hühnern es nicht schon schwer genug ist, ge- ping die Verantwortung für sich selbst,
den Sie unter oder steigende Strompreise . . . wenn nau die Produkte zu finden, die für ei- für die Umwelt und für andere. Gera-
www.page-online. die Vermarktungskette aus dem Ru- nen selbst die richtigen sind . . . de diese Kunden wünschen sich mehr
de/fundstuecke der läuft, ducken sich manche Verant- Als Verbraucher bin ich zunächst und vor allem genauere Informatio-
wortliche gerne weg und schieben den mal nur einem gegenüber verantwort- nen für ihre Kaufentscheidungen. Sie
Verbraucher vor. Dann heißt es »Selbst lich: mir selbst. Ich muss die Nahrungs- verbinden ihren persönlichen Nutzen
schuld, wer billig kauft . . . oder ». . . wohl mittel finden, die mir bekommen, und mit der Frage, auf welche Weise Res-
nicht die Inhaltsstoffe gelesen«. Die jene meiden, die mir schaden. Ich muss sourcen geschont oder faire soziale
Zeitung »der Freitag« hat Anfang des genau das Kraftfahrzeug entdecken, und wirtschaftliche Bedingungen ge-
Jahres eine Liste mit den Top-Verant- das meiner Mobilität entspricht und schaffen werden können. 
wortungsfeldern veröffentlicht, auf de- mich emotional anspricht. Ich muss den Wenn ausreichend Menschen nach-
nen wir Verbraucher kämpfen. Danach: Kinofilm auswählen, der mich unter- haltige Produkte kaufen, so die Idee
• steuern wir mit unserem Kaufverhal- hält und meinen Horizont erweitert. des mündigen Verbrauchers, dann stel-
ten die Nahrungsqualität, Mächtige Kräfte wie die Industrie, die len die Unternehmen nur noch gute
• beeinflussen wir mit dem Stromzäh- Werbung und der innere Schweine- Produkte her. Bei den Eiern hat Demo-
ler die Energiepreise, hund wollen mich vom »richtigen«, dem kratie von unten durchaus Wirkung ge-
• verschmutzen wir mit schickem Ver- selbstbewussten Pfad abbringen. Nun zeigt. Abgeschreckt von den Bildern
packungsmüll die Umwelt, auch noch die Politik . . . verletzter Hühner in engen Käfigen,
• bekommen wir abends das Fernseh- Natürlich steht es jedem frei, mit verlangten die Kunden nach tierge-
programm serviert, das wir verdienen, seiner Kaufentscheidung zugleich auch recht produzierten Eiern. Die aus Käfig-
• haben wir uns nicht hinreichend in- ein Votum abzugeben. Ja, das ist sogar haltung findet man heutzutage kaum
formiert, wenn Aktien abstürzen, erwünscht. Aber nicht jeder kann sich noch in den Regalen. Im Februar 2013
• befeuern wir mit dem eigenen Wohn- dies leisten, denn derartige politische stellt sich dann heraus, dass teuer be-
verhalten die Mietpreise, Kaufentscheidungen kosten Zeit und zahlte Bio-Eier gar nicht Bio sind.
• beerdigen wir mit unserer Gratiskul- Geld. Deshalb muss die Verbraucher- An diesem Fall wird nicht nur deut-
tur die Printmedien, politik für einen Mindestschutz sorgen. lich, wie schlecht die Einhaltung von
• drosseln wir bald mit übermäßigem Wir wollen und können uns für eine Gesetzen kontrolliert wird. Sondern
Digitalkonsum das Internet. Konsumentscheidung nicht unendlich auch, dass die Struktur eines faulen
Marktes nicht per Kaufentscheid ge-
ändert werden kann. Dies funktioniert
nur über die richtige Politik – in die-
sem Fall eine, die eine industrielle Pro-
Die Struktur eines faulen Marktes kann nicht duktion zugunsten einer ökologischen
herunterfährt. Und Apple spart auch
per Kaufentscheid geändert werden – nur deswegen Steuern, weil es die Ge-
setze erlauben.
dies funktioniert nur über die richtige Politik. Also: Wir kümmern uns gerne um
gesunde Nahrung und funktionieren-
de Technik, aber ihr sorgt dafür, dass
Gesetze eingehalten werden.
CREATE
YOUR OWN
WORLD
Deine Vorstellungen werden Wirklichkeit – mit Kreativität und der Olympus OM-D:
Ausstattung und Bildqualität einer SLR-Kamera, verpackt in einem schlanken
Gehäuse. Immer bereit, überall. Mit dem weltweit ersten 5-Achsen-Bildstabilisator
und super schnellem Autofokus. Halte fest, was dich bewegt. Impulsiv. Kreativ. Mit
der Olympus OM-D.

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