Sie sind auf Seite 1von 160

1210

3-D-DRUCK/GESTALTUNG/KOMMUNIKATION/ANIMATION/FOTOGRAFIE/10842
1213

TOP 20
CORPORATE
DESIGN
Extra-Booklet im Heft!
DEUTSCHLAND 9,80 €
Das Magazin der Kreativbranche # 10.2013 www.page-online.de
4 191084 209802 10
Low Budget – Top Design
Gamification

Gamification – The Next Level: Wie Spielmechaniken


Marken, Interfaces und Prozesse beflügeln

Literatur-Apps reloaded Achtung, Auftrag! Typografie & Leserlichkeit


Location-based Storytelling, Interactive Der 8-Punkte-Plan für einen Wie spezielles Typedesign und die neue
Graphic Novels, Augmented Reality & Co erfolgreichen Projekteinstieg DIN-Norm 1450 beim Lesen helfen
Editorial page 10.13 003

Game Changer
Bleiben wir also bei Lego: Die bun-
ten Bauklötze begeistern nicht nur
Jung und Alt, Manager nutzen Lego
Serious Play (LSP) fürs Business Mo-
delling. Aus gutem Grund: LSP ist eine
Methode, die die Vorzüge des Spie-
lens und Bauens mit Legosteinen mit
den ernsten Belangen der Geschäfts-
welt verbindet. Die LSP-Kits enthalten
PreisBriledernnaber
21 Cent
eine umfangreiche Auswahl von Bau-
elementen, mit deren Hilfe die Teilneh-
mer Modelle und Metaphern für ihre
n Lego gilt vielen als Inbegriff des Sicht auf die unterschiedlichen Aspek-
Cover Agentur: JWT Lisbon, Kreativdirektor: José Carlos Campos, Copywriter: Ricardo Adolfo, Artdirektor:
Miguel Coimbra, Kunde: Lego Portugal, Erscheinungsmonat: Juli 1998; Editorial Foto: Kirsten Nijhof

Kinderspielzeugs. Doch Lego ist mehr. te ihrer Geschäftswelt entwickeln und


Selbst Karl Lagerfeld verbaute die kommunizieren können. Auch wir nut-
Steine bereits und schmuggelte knall- zen diese Methode in unserem Work-
farbene Lego-Clutches in ein Chanel- shop »Creative Business Modelling.
Defilee. Und auch wenn die Form der Das Toolkit für Service und Business
Tasche in der Tradition der amerika- Design«, den wir gemeinsam mit der
nischen Bakelit-Abendtaschen des Art Good School veranstalten (Seite 75).
déco steht, sie weckte auf der Stelle Bei LSP kommt nämlich zum Tragen,
C

Erinnerungen an die globigen Bau- dass Denkprozesse in Verbindung mit M

klötze der Duplo-Serie, mit der wohl körperlicher Bewegung und Erfahrung Y

jede Lego-Leidenschaft ihren Anfang zu einem tieferen und länger anhalten-


CM
nimmt. Die Fashion-Blogs überschlu- den Verständnis der Umgebung und
gen sich vor Begeisterung. ihrer Möglichkeiten führen. MY

Infantilisierung hin oder her, das »Fun is just another word for lear- CY

Indianerkostüm aus unserer Kindheit ning«, lautet denn auch ein gern zitier-
CMY
haben wir an den Nagel gehängt, un- ter Satz von Gamedesigner Raph Kos-
seren Spieltrieb nicht. Und genau da- ter. Doch die pure Anwendung von K

rum leben wir ihn auch immer wieder Spieldesignprinzipien ist noch lange
aus. Wir transferieren spielerische Ele- kein Erfolgsgarant. Um Kunden, User
mente in andere Kontexte. In die Mo- oder Mitarbeiter auf spielerische Art
de, in Websites, in Kampagnen oder für eine Idee, ein Produkt oder eine
Services. Doch die sogenannte Gamifi- Marke zu begeistern und sie zu Enga-
cation geht weit über die reine Unter- gement zu motivieren, bedarf es mehr.
haltung hinaus. Sie hilft, Marken und Eine langfristige Bindung erfordert
Unternehmen die Kundenpartizipation Content und eine Antwort auf die Fra-
zu erhöhen, Wissen zu vermitteln und ge: Was habe ich davon? Gamification –
Verhalten zu verändern. The Next Level, siehe Seite 24 ff.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisher
Gestaltung: www.tocologo.de

(info@page-online.de)

Extra Booklet
Top 20:

20 Mio. Bilder,
PAGE CD/CI-Ranking 2013
Dieser Ausgabe liegt das 48-seitige
Booklet mit den umsatzstärksten
Büros und Agenturen in den Bereichen
Corporate Design, Corporate Illustrationen & Videos
Identity und Corporate Publishing bei

free call D, A & CH: 0800 88 66 020


www.123rf.de
004 PAGE 10.13 In eigener Sache

Ihr Abo ist ab sofort digilog


Als PAGE-Print-Abonnent haben Sie fortan kostenlosen Zugriff auf alle bislang erschienenen
iPad/iPhone-Ausgaben sowie alle Neuerscheinungen während der Laufzeit Ihres Abos

■ Vielen Dank für Ihre Geduld! Doch


nun ist es soweit: Als Print-Abonnent
können Sie Ihre PAGE ab sofort wie
gewohnt analog genießen, aber auch
jede Ausgabe auf Ihrem iOS-Device di-
gital lesen – wo immer Sie sind, wann
immer Sie wollen, rückwirkend bis zur
Ausgabe 01.11! Und so geht’s:

1  Sie schalten Ihr digitales Abo frei,


indem Sie in das Registrierungs-
formular zunächst Ihre Abonummer
eingeben. Diese finden Sie auf dem
Adressaufkleber A Ihres Heftes oder
auf Ihrer Rechnung. Bitte beachten Sie,
dass sich die Nummer zum 25. April
2013 geändert hat. Dann tragen Sie Ih-
re Postleitzahl und E-Mail-Adresse so-
wie ein Passwort ein. Das Formular fin-
den Sie auf http://shop.page-online.de/
page_app_freischaltung B oder in der Der QR-Code führt Sie
App, indem Sie auf den Button »De- direkt zur Registrierungs-
tails« C und dann auf »Printabo re- seite http://shop.
gistrieren« D tippen. page-online.de/page_
A
app_freischaltung

2  Nach Prüfung Ihrer Daten schicken


wir Ihnen eine E-Mail an die ange-
gebene E-Mail-Adresse. Um die Frei-
B

schaltung zu bestätigen, klicken Sie auf


den Link in der E-Mail. Bitte haben Sie
Verständnis dafür, dass wir systembe-
dingt Ihren Zugang erst 24 Stunden
nach erfolgreicher Bestätigung frei-
schalten können. Sollten Sie gerade
erst ein PAGE-Abonnement bestellt
haben, warten Sie bitte den Erhalt
der ersten Printausgabe ab. Auf dem
Adressetikett finden Sie Ihre Abonum-
mer. Ansonsten hilft unser Aboservice
unter der Telefonnummer +49 2225
7085-535 weiter.

3  Starten Sie die im Apple News-


stand erhältliche PAGE App, tip-
pen Sie auf den Button »Details« und
C

dann auf »Abo freischalten« E . Mit


Ihrem persönlichen Log-in (bestehend
aus E-Mail-Adresse und Passwort) kön-
nen Sie nun alle regulären Monatsaus-
gaben – bis Ausgabe 01.11 zurück – kos-
tenlos lesen. Diesen exklusiven Service
für Print-Abonnenten können Sie wäh- D
Ihr direkter Link rend der gesamten Abolaufzeit nutzen.
zur PAGE App im Mit Ende Ihres Print-Abonnements hört
E
Apple Newsstand dieser Service automatisch auf.
1/2 Unserer
dAteien
gibt’s Jetzt Für
1/2 so Viel
mit credits
Für immer *
*Unsere Anwälte hAben Uns gerAten, keine gArAntie
Für die ewigkeit zU geben, Aber sie wissen schon,
wie wir dAs meinen.

AUF istockphoto.de Findet mAn hochwertige inhAlte zUm kleinen preis.


006 page 10.13

INHALT
SZENE
008 Was die Branche bewegt
Josef Albers’ »Interaction of Colors« als App; Mini-
steck-Label; die kreative Moralfrage; Leitsystem für
New York; Promotion-Site WeAreData zum Ubisoft-
Game »Watch_Dogs«; Markenfilm für Herman Miller

016 Branche & Karriere


Liberta Motorcycles; neuer Heye-Auftritt

018 Ausbildung
Integrated-Design-Projekt »How to Create a Hit«;
Hochschulmagazin »Reiz«; Typo-Workshop

TITEL
024 Gamification – The Next Level
Nach zwei Jahren Gamfication-Hype ist deutlich,
was sinnvoll ist und was nicht. Ob Brand- oder
Serious Games, ob Interface Design oder interne
Prozesse – wir zeigen, worauf es bei der Konzeption
und Umsetzung von Spielmechaniken ankommt

KREATION
038 Corporate Design für Apotheken
Mit einem individuellen Auftritt lässt sich dem
Discount-Apotheken-Trend Paroli bieten

044 Literatur-Apps reloaded


Die mobile Technologie ermöglicht spannende
Storytelling-Experimente

052 »RLF. Das richtige Leben im falschen«


Empört euch! Der Designtheoretiker Friedrich
von Borries betreibt Gesellschaftskritik mit den
Mitteln von Kunst, Marketing und Gestaltung

056 Papierwelt
Terence-Conran-Notizbücher; neues Incada

058
TYPO
Font für naturwissenschaftliche Anwendungen
Ob mathematisches Griechisch oder Brüche –
052
Julia Sysmäläinens multilinguale Schriftfamilie Mir
enthält alle notwendigen Zeichen und Features

062 Typografie und Leserlichkeit


Spezielle Schriften und die neue DIN-Norm 1450
unterstützen die lesefreundliche Gestaltung

066 Typowelt
Flexibles Logo von Typejockeys; »Typodarium 2014«
page 10.13 007

PAGE Online: Ob Stellenangebote, Inspiration,


News, Magazin-Volltextsuche, publishing-Tipps,
Bildergalerien oder page Rankings – das alles finden
Sie unter www.page-online.de

BILD
070 Making-of: Animation »Genesis«
Francisco Miranda und Guillermo Daldovo zeigen,
wie sie mit Illustrator, Photoshop und After Effects
eine detailreiche Illustration in einen farbverliebten,
pulsierenden Clip umsetzten

078 Der YouTube-Hit »I fink u freeky«


Der bizarr-düstere Clip ist der bisherige Höhepunkt der
Zusammenarbeit zwischen dem Fotografen Roger Ballen
und der Rap-Rave-Band Die Antwoord aus Südafrika

084 Bildwelt
Printserie mit Kamera-Ikonen; iStockphoto senkt Preise

TECHNIK
086 Report: 3-D-Fotofiguren von Twinkind
PAGE-Online-Redakteurin Anna Weilberg hat sich
3-D-scannen und 3-D-drucken lassen

090 Ratgeber: Achtung, Auftrag!

070
Gerade bei großen Projekten kann eine Menge
schieflaufen. Gunther Baganz und Stefan Bodeit
berichten, wie man die acht Alarmsignale erkennt
und die Gefahren bannen kann

094 Tools & Technik


3-D-Druckprojekt »Digital Grotesque«; HDR ohne Stativ

STANDARDS
003 Editorial
022 PAGE Online: Portfolio von Manuel Kilger
106 Einblicke: Kreative und ihre Tiere
108 Kalender: Kongresse, Ausstellungen, Awards
110 Publikationen: Buchempfehlungen für Kreative
114 Fundstücke von Jürgen Siebert:
Werbung – Kooperation statt Überfall

SERVICES
061 PAGE Shop 105 PAGE Studenten-Abo 115 PAGE Abo
102 PAGE Stellenmarkt
113 Impressum/Vorschau

PAGE SEMINARE
021 Infografik-Seminar mit Jan Schwochow

086
049 »Disruptive Creativity« mit Mario Pricken
068 »Gutes Design entwickeln« mit Jochen Rädeker
069 »Gutes Design gut verkaufen« mit Jochen Rädeker
075 »Creative Business Modelling« mit der Good School
008 page 10.13

SZENE
page 10.13 009

Bauhauslehre digital
Das legendäre Arbeitsbuch »Interaction of Colors« von Bauhaus-
Lehrer Josef Albers gibt’s zum 50. Jubiläum als App

Josef Albers’
Analysen
der Wechsel-
wirkungen von
Farben lassen
sich jetzt per App
nachvollziehen

n Wir sehen Farbe fast nie, wie sie erkunden. Die von MIT­Absolventen
wirklich ist: Gleiche Farben können je gegründete Designagentur Potion aus
nach Kontext verschieden, verschiede­ New York realisierte die App. Ganz im
ne Farben gleich aussehen. Daher darf Sinne von Albers’ ursprünglicher Idee,
man sie nie mechanisch anwenden . . . parallel mit Karten und Text am Tisch
So eine Grundidee des 1963 erschie­ zu arbeiten, begannen die Designer
nenen Buchs »Interaction of Color« ihr Projekt mit Papier, Schere und
von Josef Albers, das bei Künstlern Klebstoff. Dicht am Original blieben
und Designern lange als Bibel galt. Die sie auch bei Typo und Textlayout. Aber
Yale University Press ließ es nun als die App kann noch mehr als das Buch.
App wieder aufleben – Albers leitete Und zwar nicht nur Farbexperimente
nach der Emigration aus Deutschland über Social Media teilen oder mit RGB­
viele Jahre das Yale Art Department. Werten in Designprogramme expor­
Tatsächlich war »Interaction of Co­ tieren, sondern den Nutzer auch mit
lor« von Anfang an interaktiv konzipiert, Video­ und Audiomaterial von Josef
denn dem 10 Kilo schweren Original la­ Albers, dessen Schülern sowie aktu­
gen 150 Siebdrucktafeln für Übungen ellen Designern, Künstlern und Archi­
bei, um den wandelbaren Charakter tekten zu einem noch tieferen Ver­
von Farben je nach Zusammenspiel zu ständnis von Farbe leiten. cg
010 page 10.13 SZENE

Retrofuturismus
n Ministeck-Label. Ja, ich weiß, wer bekennt, als
Kind Ministeck geliebt zu haben, outet sich als nicht
mehr ganz blutjung. Inzwischen scheinen die Kunst-
stoffpixel mehr Fans bei Hipstern als bei Kindern zu
finden. Mit ihrem neuen Label Stickem In möchte die
Amsterdamer Agentur Cloudfactory Produkte mit
Steckplätzen lancieren, die man mit Ministeck immer
wieder selbst neu gestalten kann. Erstes Produkt
sind hochwertige Sonnenbrillen, die mit 250 Euro ihren
Preis haben. Wir zeigen die schicken Kampagnen-
fotos von Ester Grass Vergara. Doch auch im echten
Leben wurden die Brillen schon gespottet. DJ Denis
Ruyer trug sie auf Ibiza und Steven Dahlberg, Fashion-
Director des Magazins »JFK«, glänzte damit in der
ersten Reihe an den Laufstegen der Amsterdam Fashion Die WalkNYC-Schilder spiegeln die Perspektive des Betrachters wider. Icons
Week. Kaufen geht unter http://stickemin.com  . cg greifen die Buchstabenformen der maßgeschneiderten Helvetica auf

Souvenirverdächtig
n Leitsystem. New York ist eine über­ Auch die Ästhetik die WalkNYC­Schil­
wältigende Stadt. Da ist man selbst als der überzeugt. Die Farbpalette aus ver­
Einwohner schon mal orientierungslos, schiedenen Grautönen, Grün und Gelb
wenn man aus der U­Bahn steigt. Das erinnert an Stahl­ und Betonbauten
Department of Transportation (DOT) und New Yorker Taxis. Die von Mono­
stellte daher neue Schilder für Fußgän­ type maßgeschneiderte Neue Helveti­
ger vor, die Orientierung bieten sollen ca DOT greift die berühmten Helveti­
und seit Frühjahr 2013 nach und nach ca­Schriftzüge der New Yorker U­Bahn­
überall in der Stadt montiert werden. Stationen auf. Die Buchstabenformen
Entwickelt hat sie das interdisziplinäre finden sich darüber hinaus in den Icons
Designerkonsortium PentaCityGroup wieder, die Pentagram für die Karten
unter Federführung von Pentagram. gestaltet hat. So ergibt sich ein har­
Der Clou: Die Straßenpläne sind aus der monisches Gesamtbild, angereichert
Perspektive des Nutzers gestaltet, ähn­ mit netten Gimmicks wie Illustratio­
lich wie bei einem GPS­Gerät. Oben ist nen von Sehenswürdigkeiten. Die visu­
also nicht unbedingt Norden, sondern elle Sprache von WalkNYC passt per­
eben das, was der Betrachter vor der fekt ins Stadtbild und hat das Zeug zur
Nase hat. Distanzen werden zudem mit Ikone. Bestimmt findet man sie bald
ungefährer Laufdauer ausgewiesen. auf Souvenirs. nik
page 10.13 011

Kreative Moralfrage PAGE gibt’s übrigens


Darf PAGE »Die Gewissensfrage«
aus dem »SZ«­Magazin kopieren? auch in RGB.
Dr. Claudia Gerdes antwortet

n Seit 2002 beantwortet Dr. Dr. Rainer Erlinger alltagsmo­


ralische Fragen der »SZ«­Leser. Mancher mag sich ange­
sichts des täglichen Grauens auf unserem Planeten zwar
über Gutmenschen­Dilemmas wundern wie »Darf ich den
hässlichen Gummibaum meines Ex­Freunds wegschmeißen,
der vor einem Jahr ausgezogen ist, oder muss ich einen gu­
ten Platz für ihn finden?«. Beliebt ist die Kolumne aber alle­
mal, darum gibt es sie fortan auch bei PAGE – natürlich mit
Fragen, die Kreative beschäftigen.
Aber einfach so ein Format klauen, darf man das? Unser
Gewissen ist da ziemlich rein. So hat das »SZ­Magazin« ei­
nes seiner erfolgreichsten Formate selbst geklaut bezie­
hungsweise übernommen: »Sagen Sie jetzt nichts«, 2007
bei den LeadAwards als beste blattmacherische Schöpfung
ausgezeichnet, wie die »SZ« es selbst stolz formuliert. Da­
bei macht der damalige Chefredakteur Dominik Wichmann
(Artdirektor war Mirko Borsche) keinen Hehl daraus, dass
direktes Vorbild das 2006 bei Taschen erschienene »The
Frenchman. Ein fotografisches Interview mit Fernandel«
war. Seinerseits ein Reprint eines Buchs des Fotografen
Philippe Halsman von 1949 mit Fragen an den aus »Don
Camillo« bekannten französischen Mimen.
Okay, jetzt werden Sie sagen, bloß weil andere klauen,
darf man das doch selbst nicht! Doch erstens entsteht Neues
immer irgendwo aus Altem. Und zweitens hat die Kultur­
technik des Nachahmens im digitalen Zeitalter dank Copy­
and­paste ungeahnte Dimensionen erreicht. »Wir können
nicht nicht kopieren«, schreibt Dirk von Gehlen, Leiter So­
cial Media/Innovation bei der »Süddeutschen Zeitung« und
Chefredakteur von jetzt.de, in seinem Buch »Mashup. Lob
der Kopie« (es ist wirklich Zufall, dass wir schon wieder bei
der »SZ« gelandet sind!).
Fest steht, ohne Mashups und Meme wäre das Internet
halb so lustig. Nehmen wir das derzeit massenweise ko­
pierte »Things . . . Don’t Say«­Format. Innerhalb weniger Ta­
ge (!) entstanden die Sites »Things Münchner Don’t Say«,
»Things Berliner Don’t Say«, »Things PR People Don’t Say«
oder die besonders witzige »Things Agenturleute Don’t Say«
von fischerAppelt. Letztere ist allerdings eine getarnte Re­
cruiting­Aktion – was neue Moralfragen aufwirft ;­). Wir be­
treiben unser gedrucktes Gewissensfragen­Mashup ganz
ohne Hintergedanken. Und jeder kann ab sofort mit Kom­
mentaren und eigenen kreativen Moralfragen unter info@
page­online.de mitmachen, Betreff: Moralfrage.

Wo hört die Kopie auf


und fängt das Mashup
an? Immer noch da,
wo Eigenkreativität ins
Spiel kommt und die
Vorlage benannt wird
012 page 10.13 SZENE

Ein Hauch von Sixties, gemixt mit Öko:


der handgemachte Sirup Inge® (mehr
unter www.page-online/inge-sirup.de )

schnitzt wirkenden Aufdruck von Obst­


kisten und Werbetafeln der 1960er Jah­
re zitiert. Handgemacht wie der Sirup
selbst sind auch andere Komponen­
ten der Ausstattung. Die Visitenkar­
ten sind im Letterpress­Verfahren ge­
druckt, während das Etikett der Fla­
sche Holzschnitt und Stempeltechnik
zusammenbringt.
Angefangen vom Naming Inge, das
natürlich auf Ingwer anspielt, hat Zei­
chen & Wunder zum Rundumschlag
angesetzt und auch den Webauftritt
(  www.die-inge.de  ) und die komplette
Geschäftsausstattung entworfen, da­
Inge wie Ingwer zu Plakate, Holzdisplays, Sticker, Pins,
Pappuntersetzer – und ein mobiles Bar­
n Sirup-Marke. Ein Schuss Inge® und war. In diesem Stil ist die ganze Identi­ system. Hugo war gestern, jetzt kommt
sechs Schuss Wasser ist die perfekte tät des neuen Ingwersirups gehalten. die Inge® – und das in einem Design,
Mixtur. Golden­beige schimmert das Die Münchner Agentur Zeichen & Wun­ das augenzwinkernd an die guten al­
Ingwermischgetränk – fast senffarben, der hat sie entwickelt, inklusive des ty­ ten Zeiten erinnert und sie zugleich
wie es in den Sixties so hochmodern pografischen Logos, das den handge­ charmant updatet. sd

Smartphone als Waffe


n Open-World-Videospiel. Eine un­
erwartete Aktualität bekommt das von
Ubisoft Montreal entwickelte Game
»Watch_Dogs«, das im November auf
PC und allen wichtigen Konsolen er­
scheint und schon diverse Awards ge­
wann, seit es 2012 auf der E3 präsen­
tiert wurde. Schauplatz des stealth 
adventure ist die Smart City, die kom­
plett vernetzte Stadt, in der ein ctOS
(centralOperatingSystem) von der Be­
wohnerdatenbank bis zur Verbrechens­
bekämpfung alles kontrolliert und ver­
waltet. Hacker Aiden Pearce, Held von
»Watch_Dogs», verschafft sich dort per
Mit dem Video-
Smartphone Zugang und macht sich
game »Watch_
das System für seine Zwecke zunutze.
Dogs« zum Thema
Dass die Smart City keineswegs nur
Überwachung will
Science­Fiction ist, wollte Ubisoft mit
Ubisoft einen
der Promotion­Site http://wearedata.
Megaseller landen.
watchdogs.com beweisen. Die Pariser
Rechts die
Agentur BETC Digital entwickelte drei­
Promotion-Site
dimensionale Pläne von Berlin, Paris
WeAreData
und London, die nicht nur Überwa­
chungskameras, die Bewegung von
U­Bahnen oder Statistiken zu Durch­
schnittsgehältern und Kriminalitätsra­
te für die jeweiligen Stadtteile anzei­
gen. Darüber hinaus werden über APIs
in Echtzeit geobasierte Twitter­, Insta­
gram­, Flickr­ und Foursquare­Feeds
der Einwohner eingebunden. Wer sei­
ne Privatsphäre in Zukunft vor Staat
und Kommerz schützen möchte, sollte
wohl besser Briefe schreiben. cg
page 10.13 013

Cool, elegant und ein bisschen mid-century: das typografische Erscheinungsbild


des Basler Kreativen-Workspace Rakete Dreispitz von Hauser Schwarz

Von Basel ins All


n Corporate Design. Rakete Drei­ der Neutraface Display Titling verwen­
spitz nennt sich ein Areal in Basel, in det, für die Medien die Neutraface Dis­
dem Start­ups aus der Kultur­ und Kre­ play Titling und die Arnhem Blond.
ativwirtschaft günstige Gewerberäume Das Designkonzept basiert auf der
in Industriecontainern anmieten kön­ Idee der Raumstation. »Die Linien­
nen. Das ebenfalls in Basel beheima­ struktur zeigt einerseits das Konstruk­
tete Designbüro Hauser Schwarz hat tive der Gerüstbauelemente, durch die
dafür das Erscheinungsbild geschaffen. sternartigen Formen und die Schrift
Ausgangspunkt ist die Leuchtschrift schwingt aber auch etwas Science­
mit dem Projektnamen, montiert auf Fiction mit. Ein weiterer Anhaltspunkt
dem Containerblock. Die mit LEDs hin­ waren Motelbeschriftungen«, erklärt
terleuchteten Acrylglasbuchstaben hält Simon Hauser. »Das Wort ›Rakete‹
eine Stahlrohrkonstruktion, die durch klingt – für uns Schweizer jedenfalls –
eine Zusatzbeleuchtung auch nachts eher nostalgisch und lässt an die gro­
effektvoll sichtbar bleibt. Parallel ent­ ße Zeit der Raumfahrt mit der ersten
wickelten die Gestalter den architekto­ Mondlandung denken.« Dazu passt
nisch wirkenden Grafikauftritt, in des­ auch die stilistisch der klassischen Mo­
sen Zentrum die prägnante Schrift mit derne verbundene Neutraface, die auf
der Stahlstruktur steht. Für die Leucht­ den Entwürfen des Architekten Richard
schrift wird eine angepasste Version Neutra basiert.   wl
014 page 10.13 SZENE

Hör dir das an!


n Promotion-Aktion. Kopfhörer sind
nicht nur in der U-Bahn omnipräsent, son-
dern auch in Bars. Also warum nicht gleich
vor Ort eine Musikquelle bieten, dachten
sich der Elektrokonzern Philips und seine
Kreativagentur Ogilvy & Mather London.
Die Kopfhörer einfach nur in einen Player
zu stöpseln, wäre aber zu einfach. So ließ
Philips kunstvoll gestaltete Holztische von
Hand fertigen, die Bezug auf den jewei-
ligen Londoner Stadtteil nahmen, in dem
sich die ausgewählten Pubs befanden.
Ein Making-of-Video zeigt, wie die Tische
per Marketerie, Lasergravur und Ein-
brennen verziert wurden. So entstanden
schöne typografische Hingucker, die
auf die verborgenen Talente der Tische
hinwiesen. Übrigens gab es in allen Pubs
Philips-Kopfhörer zum Ausleihen. nik

108 Sekunden Erfolg


n Markenfilm. Bei Herman Miller den ist eine Art animierter Zeitleiste – charmant wirkt die verdichtete visuel­
denkt, lernt und kommuniziert man inklusive der Designmeilensteine von le Geschichtsschreibung dadurch, dass
mittels Design, lässt uns der traditi­ Ray und Charles Eames, Alexander die gezeigten Objekte und Personen in
onsreiche Möbelhersteller im »About« Girard oder Isamu Noguchi. grafische Einzelteile zerlegt und leicht­
seines Webmagazins »WHY« wissen. Zu Der Film beginnt mit dem ikoni­ füßig verknüpft werden: etwa wenn
dessen Launch beauftragte die Firma schen Logo von Irving Harper, zeigt die sich der Eames­Holzsessel LCW von
Christian Borstlap von Part of a Bigger Heimat des Unternehmens, Michigan, selbst in seine markant geschwunge­
Plan, einen 108­sekündigen Marken­ als schwarzweiße grafische Landschaft ne Form biegt und sich anschließend
film über den 108­jährigen Erfolg von und verweilt bei George Nelson, der ein roter Rahmen – das »Time Maga­
Hermann Miller zu gestalten. Entstan­ die Firma stark geprägt hat. Besonders zine« ­Cover – um ihn herumlegt. wl
Knappe 11 Minu-
ten Design- und
Mediengeschichte:
Christian Borstlap
setzt die Historie
von Herman Miller
in grafischem
Direction/Artwork: Christian Borstlap, Animation: Jos Ngonga Wabeke,

Retrolook in Szene
Musik: Shawn Lee, Sound: Jasper Boeke
L I Z E N Z F R E I E
M E D I E N für
SOCIAL MEDIA

BITTE SEHR !
016 page 10.13 SZENE

Branche & Karriere

sammen mit dem Mountain-Bike-Profi


Niels-Peter Jensen und dem Designer
Thomas Bober von ihrer Partneragen-
tur Iiintegrated One entwickelten sie
die Marke Liberta Motorcycles, die sie
kürzlich in der Liberta Garage in der
Hamburger Hafencity präsentierten.
Das Markenkonzept der neuen Ma-
nufaktur setzt auf Easy-Rider-Lebens-
gefühl, Motorradkult und echte Ge-
Hamburger Kreative haben schichten. Die Liberta-Bikes sehen aus
sich mit Liberta Motor- wie eine Mischung aus Chopper und
cycles einen Traum erfüllt Bobber. Um sie zu fahren, braucht man
jedoch keinen Motorradführerschein.
Die Maschinen haben kleine Motoren
Easy-Rider-Feeling wie Mopeds, für die eine Pkw-Fahrer-
laubnis reicht. Zudem kann jeder Kun-
n Marken-Entwicklung. Auch im ting, Geschäftsführer von Nest One, de sein Modell selbst gestalten. Erle-
Agenturalltag sollte man hin und wie- Agentur für Markenerlebnisarchitektur ben lässt sich die Marke in der Liberta
der vom Ausbrechen träumen. Von un- in Hamburg, und sein Kollege Lars Garage, die Werkstatt, Showroom und
endlicher Freiheit, weiten Landschaf- Debbert, Geschäftsführer Kreation, ha- Eventspace in einem ist, oder unter
ten und einsamen Wegen. Holger Püt- ben sich diesen Traum jetzt erfüllt. Zu- www.liberta-motorcycles.com. aw

Business Basics Selbstständige Nebentätigkeit als Student


Christian Büning, Präsident des Berufsverbands der Deutschen
Kommunikationsdesigner ( www.bdg-designer.de ), beantwortet berufs-

Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de


bezogene Fragen von Gestaltern. Hier stellt er aktuelle Fälle vor

Jenny, 23: Hallo, ich studiere noch fen Sie nicht mehr als zwanzig Stun-
Design, würde aber gerne schon den in der Woche als Designerin arbei-
ein paar Aufträge annehmen. Darf ten. Dies gilt normalerweise für ange-
ich während des Studiums schon stellte Gestalter. Bei freien Projekten
arbeiten und worauf muss ich achten, dürfte es schwierig werden, die Zeiten
bevor ich loslege? exakt zu erfassen. Sollten Sie mit Ihrer
Stundenzahl über diese Grenze gera-
Liebe Jenny, ten, könnte Sie die Hochschule exmat-
natürlich dürfen Sie Aufträge anneh- rikulieren, was meiner Erfahrung nach Mein Tipp: Auch wenn Projekter-
men, wenn Sie noch studieren. Das aber noch nicht passiert ist. Sollten Sie fahrungen zu Beginn eines Designer-
tun laut letztem BDG-Report übrigens BAföG beziehen, dürfen Sie gewisse lebens wichtiger sind als volle Konten,
drei von vier Designern. In meinen Au- Einkommensgrenzen nicht überschrei- sollten Sie Ihre Leistungen nicht ver-
gen ist das die beste Schule, um das ten, da sonst Ihr Anspruch erlöschen schleudern. Kalkulieren Sie belastbar
Projektgeschäft kennenzulernen und würde. Am besten sprechen Sie mit mit einem kleinen Abzug für Ihren Stu-
wichtige Kontakte zu knüpfen. Zudem Ihrer BAföG-Beraterin. dentenstatus. Sie bekommen zwar da-
lernen Sie, Ihre Gestaltung vor Nicht- Starten Sie als Studentin, können durch zunächst weniger Aufträge, aber
designern zu erklären. Sie müssen bei Sie übrigens anders kalkulieren als eine auf lange Sicht solche, die ein profes-
Ihrer Tätigkeit allerdings ein paar Rah- ausgebildete Designerin mit Berufser- sionelles Budget mitbringen. Nur so
menbedingungen einhalten. fahrung. Sie haben geringere Lebens- können Sie als Designerin dauerhaft
Zuerst müssen Sie Ihr selbstständi- haltungskosten, etwa bei der Kranken- Ihre Existenz bestreiten. Einen guten
ges Arbeiten als Nebentätigkeit beim versicherung. Dadurch können Sie ei- Start und viel Erfolg!
örtlichen Finanzamt anmelden. Das nen etwas niedrigeren Stundensatz
Formular dazu können Sie in der Re- berechnen. Andererseits haben Sie we- Haben Sie Fragen, die Sie hier beant-
gel als PDF-Dokument auf der entspre- niger Erfahrung und Routine und brau- wortet sehen möchten? Dann
chenden Website herunterladen. Wenn chen für die ersten Projekte vermutlich schreiben Sie uns (E-Mail: business
Sie ordentlich immatrikuliert sind, dür- mehr Zeit als eine trainierte Kollegin. basics@bdg-designer.de)
page 10.13 017

1 2 3

BRANCHE & KARRIERE


+++ Kreativchef gesucht. CCO Bill Biancoli verlässt die
Werbeagentur McCann Deutschland zum Ende des Jah-
res. Er war Anfang 2012 von Draftfcb dorthin gewechselt
und verantwortete die Kreation an den Standorten Ber-
lin, Düsseldorf und Frankfurt. Die Agentur ist jetzt auf der
Suche nach einem Nachfolger. +++ Das Jahr der Wer-
bung: Newcomer-Agentur. Der Wettbewerb um den Ti-
tel Newcomer-Agentur des Jahres ist eröffnet. Teilneh-
men dürfen alle im deutschsprachigen Raum ansässigen
Kreativagenturen, die nach dem 1. Januar 2011 gegrün-
det wurden. Die Jury bewertet die Qualität der kreati-
ven Leistung, der Eigenwerbung und PR sowie den wirt-
schaftlichen Erfolg. Newcomer-Agentur des Jahres 2012
war Oliver Voss. Die Teilnahme ist kostenlos, Bewer-
bungsschluss ist der 31. Oktober. ≥ www.jdw.de/new
comer +++ Neu bei KircherBurkhardt. Anton Notz 1 ,
Gründungsmitglied der »Financial Times Deutschland«
Nach dem Umzug im vorigen und zuletzt Kommentarchef der Gruner + Jahr Wirtschafts-
Jahr hat sich Heye jetzt auch eine medien, ist ab sofort Chefredakteur bei der Berliner Edi-
neue CI verpasst. Das Logo ist torial-Design-Agentur. Geschäftsführer Rainer Burkhardt
gleichzeitig variabel und konstant erhofft sich vom Neuzugang Impulse für die Onlinekom-
munikation. Darüber hinaus übernahm KircherBurkhardt
kürzlich die Hamburger IT- und Data-Firma Getanet und
verschmolz sie mit ihrer Digital-Unit unter dem Namen
COPE zu einer Digitalagentur für Content Marketing. Sie
soll Analyse- und Performanceverfahren aus der Online-
werbung aufs Content Marketing übertragen, um die
Wirksamkeit der Maßnahmen zu überprüfen und zu be-
weisen. +++ Neuzugänge bei der Chimney Group. Die
Full-Service-Bewegtbild-Agentur baut ihren Personal-
stamm in Deutschland aus. Neu sind der Regisseur Sam
Hencher 2 , der von Redrum in Stockholm wechselt, so-
wie Timo Wolf 3 , der als Executive Producer bei der Ber-
liner Niederlassung anheuert. Er kommt von der Frank-
furter Produktionsfirma Acht. +++ Präsentationskurs.
Im Rahmen seiner »Young Masters«-Seminarreihe bietet
der ADC am 19. und 20. September in Berlin die Veran-
staltung »Kreative Präsentationen schreiben & halten«
an. Neben Grundlagen wie Kenntnissen in PowerPoint
oder Keynote trainieren die Teilnehmer auch konkret
das Präsentieren. Referent ist der freie Kreativdirektor
Michael Matthiass. Die Teilnahme kostet rund 700 Euro.
Das sind wir! ≥ www.adc.de +++ Managerzuwachs bei JvM. Dominik
Fassl leitet ab sofort das Beteiligungsmanagement der
n Agentur-Auftritt. Was macht ei- Damit möglichst viel zu sehen ist, Agenturgruppe Jung von Matt. In dieser Position betreut
ne Kreativagentur aus? Heye antworte- hat Heye das Logo fett und flächig ge- er die Standorte in China, Polen, Tschechien, Schweden
te mit: die Mitarbeiter und die Arbei- halten – ebenso wie die Headlineschrift und der Slowakei sowie die spezialisierten Agenturen
ten. Deshalb bietet das neue Corpo- Acto Black. Weiterer Grundgedanke ist, Mediaplus, navos, netzeffekt und 7Seas. Neben der Steue-
rate Design viel Fläche für beides. Logo dass die Mitarbeiter immer mitgestal- rung gehört auch der inhaltliche Ausbau aller JvM-Agen-
und Schrift werden zur Schablone, die ten: Sie suchen sich die Aufnahme auf turen im In- und Ausland zu seinen Aufgaben. Fassl ist
immer wieder andere Inhalte durch- ihrer Visitenkarte selbst aus, gestalten seit über 20 Jahren im Management und Finanzbereich
scheinen lässt. Auf den Visitenkarten Agenturräume mit und werden auf der von Agenturen und Unternehmen tätig, unter anderem
sind es Fotos der Mitarbeiter, in Präsen- Website mit Foto vorgestellt. Beide als Vorstandsmitglied bei Aperto und Chief Financial Of-
tationen die Bildwelten des jeweiligen Heye-Standorte haben zudem ihren je- ficer von BBDO Deutschland. Zuletzt war er Geschäfts-
Kunden. Das Prinzip zieht sich durch weils eigenen Touch: Die Münchner führer der United Digital Group. +++ Weiterlesen. Mehr
sämtliche Medien, vom Facebook-Pro- verwenden einen Rotverlauf, die Ham- Nachrichten aus der Design- und Werbebranche finden
fil bis hin zu Namensschildern. burger eine blaue Wasseroptik. nik Sie unter ≥ www.page-online.de/emag/szene nik
018 page 10.13 SZENE

AUSBILDUNG

How to Create a Hit


n Integrated-Design-Projekt. An-
gesichts unzähliger gecasteter »Super-
stars« und Retortenbands haben sich
Studierende an der Köln International
School of Design gefragt, wie man ei-
gentlich einen Hit produziert. Unter der
Leitung von Tanja Godlewsky, Gründe-
rin des Designbüros Fram in Köln, ent-
warfen sie im Studiengang Integrated
Design ein Popgesamtkonzept: von
Bandidentität, Logodesign und Bild-
sprache über Marketing, Pressearbeit
und Social Media bis hin zu Songpro-
duktion und Live-Auftritt. Ausgangs-
punkt waren Analysen aktueller Hits
und Künstler. Innerhalb von sechs Wo-
chen verwandelte sich dann eine Stu-
dentin des 20-köpfigen Kurses in die
fiktive Sängerin Edna Would.
Edna Would ist ein hübsches Hips-
ter-Girl mit netter Stimme und Vintage-
Klamotten, ihre Nummer »I’m Alive« ist
eingängiger Elektropop mit Dubstep.
Auch die geometrische Logotype Neu-
tra passt bestens zu aktuellen Sehge-
wohnheiten und macht sich sehr gut
auf den Merchandising-Produkten. »Wir
wollen damit keinesfalls die Leistung
von echten Künstlern kleinreden«, sagt
Tanja Godlewsky. »Es ging uns darum,
die Mechaniken und Parameter eines
Hits von Anfang bis Ende zu untersu-
chen und nachzuspielen.« So greifen
in dem interdisziplinären Projekt Kon-
zept- und Gender Design, audiovisu-
elle Medien, Typografie und Layout in-
einander. Im nächsten Semester will
die Designerin mit den Studenten das
Musikvideo zum Hit produzieren. nik

Kaum zu glauben, dass Edna Would


nicht »echt« ist. So professionell
setzten die KISD-Studenten Bran-
ding, Shooting und Marketing um.
Höhepunkt war der Live-Auftritt
in der Kölner Bar Zum scheuen Reh
020 page 10.13 SZENE

Hübsch verpackt
Hochschul-Magazin. Wie schön, wenn eine Zeitschrift,
verpackt wie ein Geschenk oder ein teures Kleidungsstück,
in den Briefkasten flattert. Das in Seidenpapier gehüllte »Reiz«
präsentiert Illustrationen von fünfzig Studenten der Fakultä-
ten Design und Architektur an der Fachhochschule Düsseldorf.
Themen wie Techniken sind breit gefächert: Von bunten
Unterwasserwelten über kindlich anmutende Comics bis hin
zu Collagen und Digital Art ist alles dabei. Zudem beant-
wortete der freie Illustrator Thomas Wellmann Fragen des
studentischen Redaktionsteams in Bild und Text. »Reiz«
ist zum ersten Mal erschienen und soll von jetzt an jährlich
als Lookbook und Präsentationsfläche für die Fachhoch-
schüler dienen. Für die zweite Ausgabe ist die Aufteilung
in einen themenbezogenen und einen freien Bereich
geplant. Außer im Heft sind die Arbeiten der Studenten auch
auf Facebook unter www.facebook.com/REIZ.MAGAZIN
und unter www.reiz-magazin.de zu sehen. nik

Ansteckungsgefahr
n Typo-Workshop. Dem Typo-Virus Song Beckers Entwurf einer neuen
sind die Designer Stefanie Schwarz und Fraktur nimmt markante Formen aus
Dirk Wachowiak schon lange erlegen. der Schriftgeschichte auf, ebenso wie
Ihre zahlreichen Schriftprojekte haben der von Agnes Essig und Kale Hatfield,
häufig experimentellen Charakter, wie die sich auf die postmoderne Gestal-
etwa Schwarz’ »Playing Types« (siehe tung der 1990er Jahre bezogen. Eva
PAGE 11.12, Seite 62 ff.). Jetzt konnten Dölker ließ sich dagegen von feinglie-
Studenten der visuellen Kommunika- drigen Pflanzenformen aus der Natur
tion an der Hochschule Pforzheim vom inspirieren, die sie dann bei ihren Ent-
Know-how und der Begeisterung der scheidungen für Strichstärken und
beiden profitieren. In einem dreitägi- deren Übergänge heranzog. Stefanie
gen Workshop mit dem Titel »Merk- Eifler experimentierte ausgiebig mit
Würdig« sollten sich die teilnehmen- ihrer eigenen Handschrift, bevor sie
den achtzehn Studenten mit dem The- diese mit konstruierten Antiqua-For-
ma Typedesign auseinandersetzen und men kombinierte. Und Dorothea Ga-
an eigenen Schriftentwürfen arbeiten. wel beschäftigte sich mit An- und Ab-
Die dabei entstandenen, zum Teil schwüngen, die sich innerhalb einer
recht eigenwilligen Fonts verfolgten Glyphe spielerisch verbinden. »Merk-
die unterschiedlichsten Ansätze: Hyo- Würdig« heißt auch die gerade fertig-
gestellte Publikation, die die Schrift-
entwürfe vorstellt. Für die Teilnehmer
Kale Hatfield bezog sich bei waren es arbeitsreiche, aber vor allem
ihrem Schriftentwurf auf den spannende Tage, die sie nicht einfach
Designstil der 1990er Jahre. abhakten: Die meisten feilten auch
Unten: Dorothea Gawel kon- nach dem Workshop weiter an ihren
zentrierte sich auf markante Schriften – das Virus ist eben doch
An- und Abschwünge ziemlich ansteckend. ant
media solutions

Entdecken Sie,
wie BooQi Ihnen
Zeit & Geld
spart!

a u kaste n
- O n e B
Ihr A ll - In
Ihr BooQi-Muster fehlt an dieser Stelle?
Dann bestellen Sie jetzt Ihr eigenes kostenloses
BooQi-Muster. Kontaktieren Sie uns unter
0211 731 411 77 oder info@booqi.com

Gehen Sie auf: www.booqi.de/services

www.booqi.de/templates
ates www.booqi.de/maps

Anschrift: Garather Schlossallee 19 40595 Düsseldorf t: 0211 731 411 77 e: info@booqi.com booqi.com
Amsterdam • Antwerpen • Barcelona • Brussels • Dublin • Düsseldorf • London • Paris • Zaltbommel
PRAXIS

InfoGrafik
Visual Storytelling – Workflows & Cases

Die Agenda Das Seminar


zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 09.08.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 13.09.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

1. Das Wesen der Infografik – n Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
Stärken und Schwächen ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet und
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Wo sind die Grenzen zur Illustration, zur reinen TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
Visualisierung und zur Kunst? Was kann und Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren und
muss eine Infografik leisten, und wie setzt man Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
diese sinnvoll ein? Was unterscheidet eine können vielschichtige Inhalte rasch veranschaulichen. Doch je schneller und
journalistisch geprägte Grafik von einer Visuali- komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss der
sierung in der Unternehmenskommunikation? Kreative mit der Datenaufbereitung umgehen. Mit einer ästhetisch faszinie-
Was sind die Gefahren und das Potenzial einer renden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten und
PR-Grafik? Inwieweit können sich Corporate die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jan Schwochow die
Infographics an eine bestehende CI anpassen? eigentliche Herausforderung. Es wird immer schwieriger, gute und verlässliche
Quellen zu finden, um einen Sachverhalt korrekt und unverfälscht wiederzuge-
2. Vom Briefing über die Recherche zur ben. Der Grafik- und Kommunikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien reiner Gestalter, er ist zugleich Journalist und visueller Geschichtenerzähler.
Wie müssen die Basisinformationen für ein
gutes Briefing aufbereitet sein? Wie kommt Jan Schwochow erläutert im PAGE Seminar anhand konkreter Praxisbeispiele,
man an die relevanten Daten und damit auf wie eine Infografik entsteht – von der Recherche über die Skizze bis zur Rein-
die richtige Idee? Ist weniger mehr oder zeichnung und Animation. Er bietet tiefe Einblicke in die Arbeit eines Info-
mehr Information hilfreicher? Wie gewinne grafikers und beleuchtet das Spannungsfeld zwischen reiner Information und
ich den Kunden für die Idee? Wie läuft guter Gestaltung – wertvolles Know-how vom Designprofi für Designprofis!
die Abstimmung mit dem Auftraggeber?
Das Seminar »Infografik« findet am 11. November 2013 im Hotel Gastwerk,
3. Animation, Interaktion, Multichannel – Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten,
Wie setze ich Infografiken crossmedial ein? Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt!
Ist eine statische oder eine interaktive, Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar
animierte Grafik besser? Wie gestalte ich
den Workflow, um schon in der Ent-
wicklungsphase den unterschiedlichsten Der Referent
Nutzungsarten Rechnung zu tragen: als
App, Poster, Magazinseite oder PowerPoint- n Jan Schwochow (44), Gründer und Geschäftsführer der Golden Section Graphics
Template. Wie kalkuliere ich eine Infografik? GmbH, gilt als einer der renommiertesten Infografiker weltweit und ist als erster
Wie verhandle ich die Nutzungsrechte? Infografiker Mitglied der ADC-Jury. Jan Schwochow und sein Team haben zahlreiche
nationale und internationale Auszeichnungen erhalten, unter anderem bei den
Das PAGE Seminar mit Jan Schwochow lässt Malofiej Awards und den European Design Awards sowie beim ADC. Der Diplom-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und Designer blickt auf über 20 Jahre Erfahrung als Infografiker, Designer und Journalist
den Austausch der Teilnehmer untereinander. zurück. So war er unter anderem Ressortleiter und Artdirektor der Infografik-Abteilung
beim »stern« und als Artdirektor für Infografiken in der Entwicklungsgrafik des Verlags
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG Milchstraße tätig. Zuletzt baute Jan Schwochow bei der Agentur KircherBurkhardt in
E-Mail: info@page-online.de Berlin eine Infografik-Abteilung auf, bevor er 2007 sein eigenes Unternehmen,
Telefon: +49 40 85183400 die Golden Section Graphics GmbH mit derzeit bis zu 15 Mitarbeitern gründete.
www.page-online.de/seminar Jan Schwochow ist Herausgeber und Chefredakteur des Magazins »In Graphics«.
022 page 10.13 SZENE

PAGE ONLINE
­
Portfolio des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein Mitglied der PAGE Community und Highlights aus seinem Portfolio vor

Manuel Kilger
www.page-online.de/portfolios/manuel-kilger

n Sein Lieblingsbuch, auf dem die Serie »Game Ich bin Illustrator, Freelancer
of Thrones« basiert, verwandelte Manuel Kilger in Ich biete Illustration
ironische Geek-Art. Er zeichnete die fast 100-seiti- E-Mail manuel.kilger@gmx.de
ge Graphic Novel »Headz« und erfindet auch sonst Web www.schattenkino.de
gerne obskure Character wie den Sensenmann, Standort Nürnberg
der auf einem Regenbogen-Einhorn reitet. Die meis-
ten seiner Arbeiten entstehen digital, aber auch
analog probiert er immer wieder neue Stile.

1 2 3 4 5

­
E-Mag: KrEation | tyPo | Bild | tEchniK | SzEnE | galEriE

Perfekt ausgelotet Animierter Freefont 3-D-Fotoprojektionen


Kreation. Für das Restaurant Niche, das Typo. Was passiert, wenn sich ein Typede- Bild. Als die Agentur McCann eine Kampag-
in St. Louis moderne, ausbalancierte Kü- signer und 110 junge Bewegtbildprofis aus ne für den Reiseanbieter Studiosus realisier-
che serviert, entwarf Atomicdust das pas- aller Welt zusammentun? Es entsteht ein te, engagierte sie den Fotografen Clément
sende Erscheinungsbild. Im Mittelpunkt sehr cooler animierter Zeichensatz. Derek Briend. Berühmt für seine spektakulären Pro-
steht das Senkblei, Synonym für Schwer- Weathersbee aus Amarillo, Texas, gab jedem jektionen, die sich dreidimensional an Bäu-
kraft und die perfekte Vertikale, dessen der 110 eine Glyphe und ordentlich gestalte- me schmiegen, überraschte er die Düssel-
Eigenschaften die Identity bestimmen. rische Freiheit. Hier das Ergebnis. dorfer mit antiken »Gesichtern der Welt«.
≥  www.page-online.de/niche ≥  www.page-online.de/animierter-freefont ≥  www.page-online.de/clement-briend
page 10.13 023

 www.page-online.de pagemag

1 Bei einer Aus-

stellung in Paris,
die den Start
von »Game of
Thrones 3« feierte,
war Manuel Kilger
mit einer Illus-
tration beteiligt
2 Bei der »Tarot,

Mystics and Occult


Artshow« in Min-
neapolis zeigte er
die Arbeit »Don’t
fear the reaper«
3 »Furunkel«

entstand 2013 für


ein Fantasy-Karten-
deck, das in den
USA erscheint
4 5 »Simon«

ist ein freies


Kinderbuchpro-
jekt, das auch
als App umge-
setzt werden soll
6 Als Diplom-

arbeit entstand die


96-seitige Graphic
6 Novel »Headz«

PagE nEwSlEttEr

Filmdoku »Apple Stories« Gastbeitrag: Rei Inamoto Immer up to date


Szene. Der wahre Film zum iPhone: Regis- Szene. Der Vice President und Chief Cre- n Bestellen Sie jetzt den kostenlosen
seur Rasmus Gerlach reiste um die Welt und ative Officer der Digitalagentur AKQA PAGE Newsletter und bleiben Sie auf
zeigt, unter welchen erbärmlichen Umstän- wirft unter dem provokativen Titel »Das dem Laufenden rund um kreatives Me-
den in afrikanischen Minen Zinn abgebaut Ende der Werbung, wie wir sie kennen« diendesign, Publishing und Trends. So
wird, wie iSlaves die Geräte in China montie- die Frage auf, ob die Trennung zwischen erfahren Sie auch als Erste, wenn wir
ren und wie deutsche Apple-Fans die Marke Kampagnen- und Produktideen über- ein neues PAGE Seminar veranstalten
hysterisch feiern. Seit 22. August im Kino. haupt noch sinnvoll ist. oder eine Sonderedition herausgeben.
≥  www.page-online.de/apple-stories ≥  www.page-online.de/inamoto ≥  www.page-online.de/newsletter
024 page 10.13

Spaß mit Altglas The Fun Theory


Wie lässt sich verantwortungsvolles und nachhaltiges Verhalten
fördern? Mit Spaß! So lautet die Grundannahme der
Volkswagen-Intiative »The Fun Theory«. Im Rahmen der
Projektreihe wurde ein Altglascontainer in Stockholm
in einen Spieleautomaten umgebaut, der bunt blinkte
und Geräusche wie alte Arcade-Games von sich gab.
page 10.13 025

Vor knapp zwei Jahren tauchte Gamification als Buzzword in der Kreativbranche auf – was ist davon geblieben?
Wir zeigen, wie und wann man Spielmechaniken am besten einsetzt
026 page 10.13 TITEL gamification

n Ich bin Adventurer. Explorer. Superstar. Alles dank Four-


square. Aber was fange ich mit diesen Titeln bloß an? Was
bringen mir bunte Badges wie »Oh Tannenbaum« in einer
Smartphone-App? Oder die Mayorship im Café um die Ecke?
Foursquare gilt als Vorreiter und ist nur ein Beispiel von vie-
len Anwendungen dieser Art von Spielifizierung. »Vor an-
derthalb Jahren hatte der Badge-Wahnsinn seine Hochpha-
se«, sagt Christoph Bornschein, Geschäftsführer der Berliner
Agentur TLGG. Im Gamification-Rausch klatschten Entwick-
ler Spielelemente wie etwa Punkte, Fortschrittsbalken und
Ranglisten auf Websites und Apps, um sie »spaßig« zu ma-
chen. Die Erkenntnis, dass dies nur vordergründige Me-
chaniken sind, die ohne die notwendige Dynamik dahinter
nicht funktionieren, setzt sich jetzt langsam durch – und
mit ihr die Ernüchterung.
Mehr Spaß beim Pendeln Chromaroma Wie viele Hypes vor ihr hat die Gamification mit übertrie-
benen Erwartungen und vielen schlechten Umsetzungen zu
Die digitale Plattform »Chromaroma« macht das Londonder Nahverkehrs- kämpfen. Laut dem Hype Cycle 2012 des IT-Marktforschungs-
system zum Spielbrett. Mit der elektronischen Fahrkarte Oyster Card unternehmens Gartner hat sie den Zenit bald erreicht, dann
erfassen Spieler ihre Fahrten, die auf der Website auf einer interaktiven geht es ab ins »Tal der Enttäuschungen«. Die Prognosen se-
Karte angezeigt werden. Je mehr Routen abgefahren sind, desto mehr hen entsprechend düster aus: Gartner rechnet damit, dass
Punkte gibt es. Tagesmissionen wie der Besuch einer bestimmten Haltestelle bis 2014 rund 80 Prozent der aktuellen spielerischen An-
werden zusätzlich belohnt. Gespielt wird als Einzelperson oder in Teams. wendungen nicht die Geschäftsziele erreichen werden. Der
Das Ziel von »Chromaroma« liegt darin, die täglichen Fahrten spannender Hauptgrund dafür sei schlechtes Design, das zu kurz greife
zu machen und die Entdeckerlust zu wecken. »Wir wollen mit Chromaroma und weder Ziele noch Einsatzbereiche genügend definiere.
das Verhalten der Nutzer zu ihrem Vorteil verändern«, so Gregory Povey, Langfristig gesehen sind die Analysten aber optimistisch:
Head of Production bei der zuständigen Digitalagentur Mudlark in Sheffield. 2015 sollen 40 Prozent der 1000 größten Unternehmen welt-
weit Gamification in ihre Business-Strategie integriert haben.
page 10.13 027

Was ist Gamification eigentlich genau? Laut der allgemei- Ein häufiges Problem bei Gamification ist, dass sie auf PAGE Online
nen Definition handelt es sich dabei um die Anwendung allzu einfache Mechanismen und Reiz-Reaktions-Schemata Links zu Anwen-
spieltypischer Elemente und Prozesse in spielfremden Kon- reduziert wird. Reine »Tu dies, dann bekommst du das«- dungen und
texten. Das Ziel ist, Menschen zu bestimmten Handlungen Systeme sind aber wie die Möhre vor der Nase des Esels – Agenturen finden
zu motivieren – etwa dazu, sich mit einer Marke, einem und funktionieren nur kurze Zeit. »Gerade Social Games rut- Sie auf www.
Produkt oder einem Thema auseinanderzusetzen. Spiele- schen schnell in einen unethischen Bereich ab, wenn sie bei page-online.de/
rische Elemente oder Abläufe sollen dies unterhaltsam den Spielern nur noch bestimmte Knöpfe drücken, um ihnen gamification
machen und die Nutzer involvieren. Sogar weniger geliebte etwas zu verkaufen«, sagt Uke Bosse, Editor-in-Chief des
Aktivitäten wie die Altglasentsorgung können zum Spiel Spielemagazins »reload« auf dem Digitalkanal EinsPlus. Blo-
werden, wie die von Volkswagen initiierte Projektreihe »The ße Punktesammelei oder das Einfügen von Fortschrittsbal-
Fun Theory« gezeigt hat (siehe Seite 24 f.). Ob Altglascontai- ken greifen viel zu kurz – Gamification muss umfassender
ner, die Spielautomaten ähneln oder Treppenstufen, mit gedacht und gestaltet werden, um ihr ganzes Potenzial zu
denen man Klavier spielt: Die »Fun Theory«-Projekte ma- entfalten. »Spielmechaniken allein sind kein Garant für Enga-
chen deutlich, dass (Spiel-)Spaß ein wesentlicher Faktor bei gement«, sagt Melinda Jacobs, CEO bei der Amsterdamer In-
der Verhaltensveränderung ist. teraction-Agentur Subatomic (siehe Interview auf Seite 35).
Neben rein visuellen Anleihen an Videospielen bedient »Die größte Kraft von Spielen liegt darin, dass sie eine kom-
sich die Gamification von Alltagssituationen und digitalen plett durchgestaltete User Experience sind.« Für sie ist Ga-
Anwendungen bestimmter Mechaniken und Dynamiken. mification ein wichtiger Bestandteil von gutem UX Design.
Allen voran steht die Punktevergabe als Grundelement. Da-
mit sie nicht in einer planlosen »Punktifizierung« endet, muss Als Weg, die Welt zu retten – oder ein bisschen besser zu
man sich im Vorhinein überlegen, für welche Handlung es machen, sieht Jane McGonigal das Prinzip Gamification. Die
wie viele Punkte gibt. Und natürlich, was der Nutzer eigent- amerikanische Gamedesignerin entwickelte bereits meh-
lich damit anfangen kann. In Social Networks zum Beispiel rere Alternate Reality Games, bei denen Spieler zusammen
sammelt man zwar keine Punkte, aber Freunde, Likes, Re- die größten Probleme der Menschheit beackern – wie Öl-
tweets und Repins. Die Belohnung dafür liegt im sozialen knappheit (»World without Oil«) oder Hungersnot (»Evoke«).
Feedback und dem Status in der Community. Weitere grund- Mit ihrem Spiel »SuperBetter«, das sie während einer schwe-
legende Spielelemente sind Levels, Ranglisten und stän- ren Gehirnerschütterung schuf, sollen Menschen, die an
diges visuelles Feedback. Das muss nicht immer ein Fort- Depressionen, Angstzuständen oder chronischen Schmer-
schrittsbalken sein. So wird in immer mehr Automodellen zen leiden, spielerisch ihr Wohlbefinden steigern und ein
der Spritverbrauch in Echtzeit angezeigt. Meistens wird Gefühl von Selbstwirksamkeit entwickeln. Die Idee: Indem
das Fahrverhalten durch eine Pflanze visualisiert, die bei man Tag für Tag kleine Aufgaben erfüllt, steigt das Selbst-
ökologischer Fahrweise wächst. wertgefühl und damit auch die Kraft, eine Krankheit zu be-
Der Einsatz von Spielmechaniken in Unterricht oder Mar- siegen. Diese Art von ständiger Selbstoptimierung kann
keting ist im Grunde nichts Neues. Man denke nur an Pro- man allerdings auch kritisch sehen – wie Mathias Fuchs,
gramme wie Miles & More, Bonuskarten oder Weight Wat- Leiter des Gamification Labs an der Leuphana Universität
chers. Neu ist allerdings, dass im Zuge der Digitalisierung die Lüneburg: »Im Grunde verwandelt McGonigal mit ihren
Möglichkeiten der Gamification immer größer werden. Ob
Social, Mobile oder Location-based – mit dem Smartphone
und neuen Technologien wie Augmented Reality, Gesten-
steuerung und dem Internet of Things ergibt sich eine ganz
neue Infrastruktur für spielerische Anwendungen. Das gilt
sowohl für Serious Games, die Wissen vermitteln oder Verhal-
ten verändern (siehe Seite 30 f.), als auch für Markenspiele
(siehe Seite 32 f.) und partizipatorische Anwendungen in Or-
ganisationen (siehe Seite 33). Und auch Interface Design
macht mehr Anleihen an Spielmechaniken (siehe Seite 34 ff.).

Gut gemacht funktioniert Gamification deshalb, weil der


Spieltrieb ein Wesensmerkmal des Menschen ist. Je nach-
dem, welcher Typ man ist, steht beim Spielen ein anderer
Antrieb im Vordergrund. Richard Bartle, Professor für Com-
puterspieldesign an der University of Essex, unterscheidet
vier Spieltypen: Der Achiever möchte im Spiel möglichst viel
erreichen, der Explorer entdecken und erkunden, der Killer
strebt nach Wettbewerb, und der Socialiser sucht Kontakte
und Interaktion mit anderen Spielern. Jeder Spieler trägt alle Sinnvoll Geld ausgeben Mint.com
vier Typen in sich, am weitesten verbreitet ist die Motivation
des Socialiser. Das erklärt, warum Social Games wie »Farm- Mint.com ist eine kostenlose, webbasierte Anwendung zur
ville« oder »Mafia Wars« auf Facebook so gut laufen: User Finanzverwaltung. Mit ihr erfasst man etwa, in welchen
müssen sich hier gegenseitig helfen oder ausstechen und be- Bereichen man wie viel Geld ausgibt – und wo Sparpotenziale
kommen unmittelbar Feedback von anderen Spielern. Für liegen. Übersichtliche Datenvisualisierungen geben
die Konzeption von Spielmechaniken bedeutet das, dass ständiges Feedback über den aktuellen Stand der Finanzen.
man sich klarmachen muss, für welchen Typ man gestaltet Für verantwortungsvolles Budgetieren gibt es Punkte und
und zu welchem Verhalten man anregen will. Die Möglich- wer will, kann mit anderen Anwendern in Wettbewerb treten.
keit zu sozialer Interaktion sollte in jedem Fall gegeben sein.
028 page 10.13 TITEL gamification

›SuperBetter‹-Maximen unser ganzes Leben in ein Wett-


kampfspiel – gegen uns selbst und gegen andere« (mehr
dazu im Interview rechts).
Im Crowdsourcing sieht Nora Stampfl, Zukunftsforsche-
rin bei f/21, »dem Büro für Zukunftsfragen« in Berlin, eines
der größten Potenziale von Gamification: »Bringt man die
Masse von Internetnutzern dazu etwas zu tun, das wirkli-
chen Mehrwert bringt und der Gesellschaft zugute kommt,
dann kann man mit Gamification mehr erreichen, als nur
etwas zu verkaufen.« Als Beispiel verweist sie auf die Aktion
»Digitalkoot« der finnischen Nationalbibliothek, die Ende
letzten Jahres auslief. »Talkoot« bezeichnet im Finnischen
Arbeiten, die von einer Gruppe von Menschen gemeinsam
bewältigt werden. Um ihre gescannten Zeitungsbestände
im Internet ohne Fehler anbieten zu können, entwickelte
die Bibliothek die Spiele »Mole Bridge« und »Mole Hunt«,
bei denen Spieler Wörter ergänzten (und dadurch eine Brü-
cke für Maulwürfe bauten) oder korrigierten (und somit auf
Maulwurfjagd gingen).
Wirklich sinnvoll kann Gamification nur dann eingesetzt
werden, wenn die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer im
Vordergrund stehen – und nicht die des Anbieters. Aus-
schließlich intrinsische Motivation kann das Verhalten ei-
nes Menschen langfristig verändern, ansonsten bewirkt eine
Anwendung nicht mehr als eine kurze Ablenkung. Idealer-
weise überschneiden sich die Ziele von Anbieter und Nut-
zer oder es gibt zumindest einen gemeinsamen Nenner.
Durch gutes Design lässt sich intrinsische Motivation aber
auch wecken beziehungsweise fördern. Hierfür ist Mint.
com ein gutes Beispiel, ein kostenloser webbasierter Fi-
nanzverwaltungsdienst, entwickelt vom amerikanischen
Softwarehersteller Intuit (siehe Seite 27). Das Ziel der An-
meldung liegt darin, verantwortungsvolles Verhalten spie-
lerisch zu fördern, indem die User fürs nachhaltige Wirt-
schaften Punkte bekommen und dadurch mit anderen in
Wettbewerb treten.

Durch Spielen erforscht der Mensch die Welt und sich


selbst – das gilt für Erwachsene ebenso wie für Kinder. Oft
entstehen die spannendsten Ideen oder Projekte genau
dann, wenn man frei und unabhängig von konkreten Kun-
denprojekten mit neuen Techniken, Werkzeugen oder Me-
thoden experimentiert. Die New Yorker Highschool Quest to
Zweite Welt Google Ingress Learn hat das Spiel sogar zur pädagogischen Grundlage ih-
res gesamten Lernplans gemacht. Innerhalb von Spielwel-
Ende 2012 launchte Google das umfangreiche Augmented-
ten lernen die Schüler aktiv strategisches Denken, lösen
Reality-Game Ingress. Die Story: Eine alien-ähnliche Gruppie-
komplexe Probleme, bekommen konstantes Feedback und
rung verteilt eine mysteriöse Substanz auf der Erde, mit deren
sehen Zusammenhänge aus verschiedenen Perspektiven.
Hilfe sich Menschen unterschwellig beeinflussen lassen.
Gamification kann Menschen also motivieren und ihr Ver-
Zwei Teams kämpfen gegeneinander: Die Erleuchtenden
halten verändern. Christoph Bornschein sieht sie schon auf
wollen die Substanz schützen, die Widerständler sie
dem Weg dahin, eine normale Kulturtechnik bei der Ent-
vernichten. Via Google Maps und Ingress-App spüren die
wicklung von digitalen Produkten zu werden: »Gamification
Spieler geheime Portale in der realen Welt auf, die es zu
wird endlich vernünftig eingesetzt. Entwickler achten mehr
erobern gilt. Dafür müssen sie mit ihrem Android-Smart-
auf die Bedürfnisse der Nutzer statt sie mit zu kurz gedach-
phone vor Ort sein oder – sofern schon erhältlich – mit
ten Mechanismen manipulieren zu wollen.«
Google Glass. Spieler können Portale auch selbst vorschlagen –
Auch Foursquare hat mittlerweile erkannt, dass bloße
meist handelt es sich dabei um Denkmäler, Staturen
Badge-Sammelei die User nicht bei der Stange hält und
oder wichtige Gebäude. So ergibt sich für Google der nette
Mechanismen für Socializer und Explorer eingebaut. So zeigt
Nebeneffekt, dass die User in einer Art crowdbasiertem
die App prominenter an, was sich in meiner Umgebung be-
Street View Informationen liefern – ganz zu schweigen von
findet, welche Orte meine Freunde besucht haben und wo
ihren Bewegungsdaten. Die »magische« Welt, die sich
genau in diesem Moment viele Leute eingecheckt sind. Da-
digital über die Realität legt, macht Ingress besonders
mit liefert die App mir einen Mehrwert und bestärkt mich
spannend – und lässt die Spieler vergessen, dass sie
darin, meine Umgebung zu erkunden. Aber über den einen
damit Google bei seiner Datensammelei unterstützen.
oder anderen Badge oder Mayor-Titel freue ich mich natür-
lich trotzdem. nik
page 10.13 029

»In dieser von Computerspielen


geprägten gesellschaft verhalten
wir uns im grunde die ganze Zeit
wie avatare: immer weiter rennen,
immer schneller sein et cetera«
n Mathias Fuchs ist Leiter des Gamifi- Maximen sagt sie, dass wir uns ständig zeit ein Kollege, wie man Gesundheits-
cation Lab an der Leuphana selbst steigern sollen. Sie will unser probleme wie Sucht spielerisch ange-
Universität Lüneburg. Dort erforscht ganzes Leben in ein Wettkampfspiel hen kann statt mit dem erhobenen
er die ethischen, politischen verwandeln – gegen uns selbst und Zeigefinger. Einem Raucher kann man
und ästhetischen Implikationen der gegen andere. tausendmal sagen, wie schlecht doch
Gamification für unsere Gesellschaft. Das klingt, als seien Sie eher skeptisch. Zigaretten für ihn sind – mit einer
Wir sprachen mit ihm über Risiken Ja. Ich glaube, Gamification eröffnet ei- spielerischen Herangehensweise kann
und Potenziale der Spielifizierung nige interessante Perspektiven – aber man hier vielleicht mehr bewirken. An
es gibt auch viele bedenkliche Aspek- der Universität Manchester haben wir
Was verstehen Sie unter Gamification? te. Wir dürfen uns nicht vormachen las- mal ein Spiel zum Thema Empfängnis-
Mathias Fuchs: Dass Metaphern, Me- sen, dass alles ein Spiel ist. Arbeit ist verhütung für Jugendliche entwickelt.
thoden und Attribute von Videospie- und bleibt etwas anderes als Spiel – da Teenagerschwangerschaften sind ein
len vermehrt im alltäglichen Leben Ver- gibt es doch Macht- und Ausbeutungs- großes Problem im Nordwesten von
wendung finden. Methoden sind zum zusammenhänge. Suggeriert man ei- England und Plakatkampagnen hel-
Beispiel Verfahrensweisen zur Naviga- ner Gesellschaft, man müsse Arbeit als fen da nur geringfügig. Unsere Über-
tion im Raum, Orientierungssysteme Spiel verstehen, täuscht man sie. Die- legung war: Wenn das Thema in ein
oder die Messung von Erfolg und Miss- sen Ansatz gibt es nicht erst seit es Spiel verpackt wird, denken die Ju-
erfolg über Levels. Attribute sind Ver- Computerspiele gibt. Schon die Auto- gendlichen eventuell doch mehr da-
satzstücke wie Joysticks oder Interface- rin von »Mary Poppins«, P. L. Travers, rüber nach.
Elemente von Spielen, die auf einmal schrieb 1934: »In every job that must Und wie waren Ihre Erfahrungen bei
in Umgebungen auftauchen, die früher be done, there is an element of fun. dem Projekt?
nichts mit Spielen zu tun hatten. Wenn You find the fun and snap! The job’s a Das lässt sich leider sehr schwer tes-
man heute einen Flug bucht, kommt game.« Das schrieb sie in einer Zeit der ten. Man müsste Jahre auf die Effekte
man sich manchmal vor, als wäre man großen ökonomischen Krise, in der vie- solcher spielerischer Erziehung war-
in einem Computerspiel und bekommt le Leute nicht im entferntesten daran ten. Auf jeden Fall war die Bereitschaft
Punkte, Belohnungen und kann sogar denken konnten, Arbeit in Spaß zu größer, sich mit der Thematik ausein-
etwas gewinnen. Durch diese Spiel- verwandeln. Das ist eine Vortäuschung anderzusetzen als beim bloßen An-
metaphern verändert Gamification die falscher Zusammenhänge, um Men- schauen von Plakaten oder Printan-
Praxis und die Werte einer Gesellschaft. schen auszubeuten. zeigen.
Inwiefern? Sehen Sie Gamification im Marketing Was sind aktuelle Beispiele guter
Zum Beispiel ist Gewinnen ein beson- ähnlich kritisch? Gamification?
ders wichtiger Wert geworden. Besser Nicht ausschließlich. Es ist auf jeden Wir untersuchen im Moment Anwen-
zu sein als andere oder auch besser zu Fall eine gute Erkenntnis, dass Marke- dungen, die politische Konflikte in ei-
sein, als man selbst es gestern war, ting und Werbung Innovationen brau- nem spielerischen Rahmen erfahrbar
spielt eine große Rolle. Für einen Men- chen. Vielen Leuten ist klassische Wer- machen. In »Conflict Palestine« geht
schen im Mittelalter war es sicherlich bung zuwider oder zumindest langwei- es beispielsweise darum, sich als Jour-
nicht wichtig, zehn Äpfel mehr zu ern- lig geworden. Will man Leute erreichen, nalist in dem schwierigen Umfeld des
ten als im Vorjahr. In unserer Gesell- die sich bisher nicht für ein bestimm- Nahen Ostens zu bewegen. Das Spiel
schaft wird uns ständig gesagt, dass tes Thema oder Produkt interessieren, stellt sich nicht vordergründig auf eine
wir mehr verdienen müssen, mehr Au- dann geht das ganz gut über Spiele. Seite, sondern versucht die Komplexi-
tos produzieren als im Vorjahr oder Der Spaßfaktor, den Gamification ins tät des Konflikts spielerisch für den
mehr wissenschaftliche Publikationen Marketing bringen könnte, ist lange Einzelnen erfahrbar zu machen.
schreiben sollen als im Jahr zuvor. In Zeit vernachlässigt worden. Das geht in Richtung Newsgames.
dieser von Computerspielen ge- Wo liegt Ihrer Meinung nach das größte Ja, genau. Das ist ein interessantes neu-
prägten Gesellschaft verhalten wir Potenzial von Gamification? es Feld, wo man noch sehr viel machen
uns im Grunde die ganze Zeit wie Ava- Man kann Gamification für viele lo- kann. Newsgames sind heute haupt-
tare: immer weiter rennen, immer benswerte Ziele und Projekte einset- sächlich Indie-Games von kleinen Ent-
schneller sein et cetera. Eine große zen – etwa bei der Wissensvermitt- wicklerteams. Ich bin gespannt, wann
Befürworterin dieser Hysterie ist Jane lung oder im Gesundheitswesen. Bei die großen Entwickler wie Electronic
McGonigal. Mit ihren »SuperBetter«- uns an der Universität untersucht der- Arts oder Ubisoft eines herausbringen.
030 page 10.13 TITEL gamification

Lernspiele, Newsgames, Quantified Self: Serious Games haben ein Ziel über
die bloße Unterhaltung hinaus

n Spielen bedeutet Lernen. Lernt das Gehirn etwas Neu-


es, schüttet der Körper Endorphine aus – deshalb macht
uns Spielen Spaß«, erklärt Uke Bosse, Editor-in-Chief beim
Spielemagazin »reload« auf EinsPlus. Das gilt für so gut wie
alle Spiele: »Selbst Shooter trainieren räumliches Vorstel-
lungsvermögen und Hand-Augen-Koordination«, sagt Linda
Breitlauch, Professorin für Game Design an der Games Aca-
demy Hochschule Berlin. »Und Fans von ›Assassins Creed‹
kennen sich hervorragend in Florenz aus.« Breitlauch forscht
seit 2007 im Bereich Serious Games. Zu diesen Spielen mit
spezifischen Lern- oder Trainingsinhalten, die sich auf die
reale Welt übertragen lassen, gehören etwa Operationssimu-
lationen in der Medizin oder Strategiespiele beim Militär.
Vor allem im Bereich Schule und E-Learning gibt es aller-
dings noch große Mankos beim Einsatz von Serious Games:
»Oft werden einfach Lernmethoden wie das klassische Ab-
fragen auf Lernspiele übertragen. Erfolgreich sind diese
aber nur dann, wenn die Inhalte an geeignete Spielmeta-
phern geknüpft sind. Statt einfach nur Wissen abzufragen,
müssen die Spiele selbst Wissen vermitteln«, erklärt Breit-
lauch. Das funktioniert am besten, wenn die Lerninhalte in
eine Geschichte eingebettet sind. Als Beispiel nennt Breit-
lauch das vom österreichischen Bildungsministerium finan-
zierte Physiklernspiel »Ludwig«, bei dem ein kleiner Robo-
ter auf einem fremden Planeten landet. Sein Raumschiff
geht kaputt und der Spieler muss dabei helfen, es wieder
fahrtüchtig zu machen. Statt abstrakte Formeln zu pauken,
reparieren die Schüler ein Raumschiff und lernen nebenbei
physikalische Gesetze. Das Besondere an dem vom Wiener
Gamestudio ovos realisierten Spiel: Es ist nicht als Ergänzung
zum Unterricht gedacht, sondern ersetzt einen Teil von ihm .
Oft sind bei der Entwicklung von Serious Games die Bud-
Physik nebenbei Ludwig gets knapp – gespart wird dann meist an der Grafik. »Beson-
ders Spiele im medizinischen Bereich erfordern ein hohes
In dem Lernspiel helfen Schüler dem Roboter Ludwig Maß an Recherche und Evaluation. Das ist ein wesentlicher
dabei, sein Raumschiff zu reparieren, und lernen so Kostenfaktor. Für ein ansprechendes Aussehen ist häufig
nebenbei physikalische Gesetze. Das Spiel wurde vom kein Geld mehr da«, erklärt Linda Breitlauch. »Re:Mission«,
österreichischen Bildungsministerium finanziert eine Mischung aus therapeutischem und didaktischem Spiel
und ersetzt einen Teil des Curriculums komplett. für Kinder, beweist die Kraft von Serious Games äußerst
eindrucksvoll. Zielgruppe sind krebskranke Kinder, die bei
dem Ballerspiel lernen, mit welchen Waffen sie die bösen
Krebszellen ausschalten können. So erfahren sie, wie Bestrah-
lung oder Tabletten wirken und die Akzeptanz der Medika-
mente steigt. Zugleich gibt ihnen das Spiel ein gewisses Maß
an Selbstwirksamkeit zurück: Hier können sie sich gegen ihre
Krankheit wehren und sind ihr nicht ausgeliefert. »Selbstwirk-
samkeit ist ein starker Motivator für das menschliche Verhal-
ten«, so Breitlauch. »Re:Mission« hat Hope Lab aus Kalifornien
entwickelt, eine Non-Profit-Organisation von Medizinern und
Game Designern mit Schwerpunkt Gesundheitsspiele.
page 10.13 031

Eine andere Form von Serious Games sind Newsgames. Spielend Englisch lernen Squirrel und Bär
Sie greifen journalistische Themen auf und erklären Sach-
verhalte interaktiv. Zeitungen und Zeitschriften können sie Das Englischlernspiel »Squirrel und Bär« von Gamedesignerin Linda Kruse
online flankierend zu Reportagen und Features einsetzen, richtet sich an drei- bis sechsjährige Kinder, da sich in diesem Alter noch
wie zum Beispiel »Cutthroat Capitalism« der amerikanischen muttersprachliche Fähigkeiten in Fremdsprachen erlernen lassen. Das Game
»Wired«, in dem der Spieler die Rolle eines Piraten an der setzt auf Storytelling: Um die kranken Bienen im Wald zu retten, müssen
somalischen Küste einnimmt, Schiffe überfällt und Lösegeld- Squirrel und Bär ins Bergenland reisen, wo die Bewohner eine andere Sprache
forderungen stellt. Das Spiel ist nach wie vor auf der »Wired«- sprechen. Auf ihrer Reise haben die beiden viele Aufgaben zu bestehen – und
Homepage spielbar. Newsgames können auch als Kommen- lernen dabei Wort für Wort Englisch. Das Spiel wird von der Film- und Medienstif-
tar zu einem aktuellen Thema dienen. In dem recht simplen tung NRW gefördert und soll bis Ende 2013 fertig sein. Im Gegensatz zu vielen
»Prism« hilft man etwa der NSA und scannt Profile im Inter- anderen Lernspielen besticht »Squirrel und Bär« durch seine visuelle Umsetzung.
net, indem man Fotos im Orbit abschießt. Zum Schluss be-
kommt man die Anzahl der gescannten Profile als Punkte-
stand angezeigt – samt der Information, dass leider kein ein-
ziger Terrorist darunter war. Man solle aber nicht verzagen,
sondern weiterscannen ( http://prism.thegoodevil.com ). Das
Spiel stammt von The Good Evil aus Köln, dem Studio der
Gamedesigner Markus Bösch und Linda Kruse. Sie sind über-
zeugt vom Medium Newsgame, das journalistische Inhalte
auf eine neue Weise vermitteln und Zielgruppen erreichen
könne, die sich sonst nicht für Nachrichten interessieren.
Auch das Thema Quantified Self und Selbstoptimierung
gehört im weitesten Sinne zu Serious Games. Hierbei wer-
den spielerisch übergeordnete Ziele wie Gesundheit, Sport-
lichkeit und Zufriedenheit angestrebt. Mit Gadgets von An-
bietern wie Nike, Fitbit, Withings et cetera können Men-
schen fast jeden Aspekt ihres Lebens erfassen: Schrittzahl,
Schlafverhalten, Kalorienkonsum oder Laufgeschwindig-
keit werden gemessen, visuell aufbereitet und wie in einem
Spiel mit der Vortagesleistung oder auch mit der Perfor-
mance anderer verglichen. Ganz besonders Sport mit sei-
nem fest verankerten Wettbewerbsgedanken eignet sich
für solche Anwendungen. Der Nutzer wird dabei oft als Spione austricksen Eddy’s Run
Spieler dargestellt, mit einem Score und dem entsprechen-
den Platz in einer Rangliste. Das Newsgame »Eddy’s Run« ist ein Jump’n’run zum Fall Edward
»Health Month«, entwickelt vom amerikanischen Spiele- Snowden, der auf dem Weg nach Hongkong Spione mit Laptops bewerfen
labor Habit Lab, hilft dabei, persönliche Ziele wie bessere und Kameras ausweichen muss. Das vom Hamburger Gamedesign-
Ernährung oder mehr Bewegung einzuhalten. Zu Beginn de- studio Binji entwickelte Spiel ist vielmehr als Kommentar und Aufruf zur
finiert man die geplanten Verhaltensänderungen, wie schwer Unterstützung gedacht, als dass es Informationen liefert oder neue
sie zu erreichen sind und welchen Beitrag sie zur eigenen Blickwinkel eröffnet. Die klassischen Jump’n’run-Mechanismen funktio-
Gesundheit leisten. Hat man am Ende des Monats seine nieren dabei aber genauso gut wie bei »Super Mario«.
Ziele erreicht, darf man sich mit etwas belohnen, das man
zu Anfang festgelegt hat. Schafft man es nicht, muss man
Buße tun – ebenfalls auf eine Weise, die man vorab selbst
bestimmt hat. Dazu kommt die soziale Einbettung: Ist man
selbst gut im Rennen, kann man mit Extrapunkten Freun-
den helfen, die ein bisschen Unterstützung brauchen. Der
spielerische Umgang und die soziale Verlängerung helfen
vielen Menschen dabei, die sonst mangelnde Selbstdiszi-
plin zu aktivieren. nik
032 page 10.13 TITEL gamification

Ob Advergames oder Facebook-Apps: Immer mehr Unternehmen wollen Kunden


mit Spielen anlocken und binden

n Nike hat es geschafft: Mit seinem Fuel-Kosmos rund um


Fitnessband, Chip und App hat die Marke eine feste Fan-
Community aufgebaut, die bis ins reale Leben hineinreicht.
Mitspieler können digital gegeneinander antreten oder ana-
log zusammen trainieren. Nike verstärkt die Ausdehnung
des digitalen Netzwerks zudem mit Aktionen und Spielen wie
»GRID« von 2010. Bei dem Londoner Laufwettbewerb konn-
te man Punkte für sein Postleitzahlgebiet sammeln, indem
man sich mit einer ID-Nummer an Telefonzellen einloggte.
Aber nicht jedes Unternehmen kann mit einer solch star-
ken Lifestylemarke aufwarten, die noch dazu perfekt zum
Sportsgeist der modernen Gesellschaft passt. Besonders
Facebook-Spiele erschöpfen sich häufig in kurzweiligen
Ablenkungen und Gewinnspielen, die dazu dienen, Nutzer-
daten zu sammeln. »Sie sind oft nur ein Vehikel, um die Be-
ziehung zum Kunden oder User aufrecht zu erhalten oder
eben unter Usern selbst«, sagt Steffen P. Walz, Direktor der
Rien ne va plus Rat Roulette Games & Experimental Entertainment Labs an der RMIT
University Melbourne.
In dem Online-Spiel »Rat Roulette« für die Lakritzmarke Sallos Vornehmliches Ziel von Markenspielen sollte nicht der
wurde das Rouletterad von Ratten betrieben. Die Spieler schnelle Abverkauf sein, sondern eine Image-Aufbesserung.
machten in Echtzeit ihre Einsätze und konnten unter anderem Dafür müssen die Spiele in erster Linie Spaß machen. Mc-
Merchandisingartikel gewinnen. Ausgeheckt hat das Donald’s gelang es Mitte 2011, Fußgänger in Stockholm mit
ungewöhnliche Spiel die Innovationsagentur Nerdindustries. einer interaktiven Outdoor-Kampagne zu begeistern. Bei
»Pick’n’Play« konnten Smartphone-Besitzer auf einem digi-
talen Plakat eine Partie »Pong« gegeneinander spielen und
sich einen Gutschein für ein McDonald’s-Produkt sichern.
Ebenfalls auf Spielspaß basiert die Mercedes-App »Es-
cape the hall with the new A-Class«, ein Autorennspiel für
iPhone und iPad. Die Hindernisse, die überwunden werden
müssen, erzeugt man selbst durch Geräusche. Sind der Spie-
ler und die Umgebung ruhig, halten sich die Schikanen in
Grenzen – schreit er oder befindet er sich in einer vollen
U-Bahn, häufen sich die zu umfahrenden Bedrohungen.
Mit dem Mobile Game können Nutzer das neue Fahrzeug-
modell spielerisch erproben, statt in einem Konfigurator
nur die Lackfarbe zu verändern.

Neben dem reinem Spielspaß können Markenspiele auch


Verhaltensänderungen fördern. So versuchte die Fluggesell-
schaft airBaltic sich in Anlehnung an Nike den Fitnesshype
Dem Winter entlaufen NikeFuel zunutze zu machen. Unter dem Motto »Burn the Miles« wur-
de die Anzahl der gesammelten Meilen in Kalorien umge-
Um ihre Kunden auch im Winter zum Joggen zu wandelt, die es mittels Lauf-App zu verbrennen galt. Für das
motivieren, hat Nike die FuelMissions ins Leben gerufen. Erreichen eines persönlich definierten Ziels gab es eine Be-
Mit Aufgaben wie »5 Kilometer im Regen laufen« lohnung, zudem ließen sich sämtliche Daten mit anderen
treten Spieler gegen die Kälte an, die die Welt fest im Griff Running-Apps synchronisieren. In einem nächsten geplan-
hat. Die Missionen werden sowohl von Nike gestellt als ten Schritt will die Airline Echtzeit-Rankings einführen. Der
auch von der Community. Umgesetzt wurde die Plattform Konzern versucht damit, intrinsische und extrinsische Mo-
von der Digitalagentur Instrument aus Portland. tivationen zusammenzuführen: Sportlichkeit und Meilen-
page 10.13 033

Recruitainment, Innovationsentwicklung,
Trainingsprogramme: Gamification kann auch
interne Prozesse in Unternehmen beflügeln

sammeln. Die zugehörige App stammt von dem Frankfur- n 2010 startete Senior Innovation Strategist Mario Herger
ter Team der Digitalagentur MRM. beim Softwarekonzern SAP eine Gamification-Intitiative und
»Wichtig ist, dass Advergames in die Gesamtdramatur- sah sich an, was man in Sachen User Experience von Video-
gie und Kommunikationsstrategie einer Marke passen«, sagt spielen lernen kann. Er rief unter anderem das SAP Commu-
Amos, wie sich Alexander Maximilian Otto Serrano, Grün- nity Network ins Leben, das Spielmechaniken wie Punkte,
der der Transmedia-Agentur soma-labs in Berlin, nennt. »Sie Ranglisten und Belohnungen einsetzt. Wer besonders viele
können nur eine Facette innerhalb der Unternehmenskom- Fragen der Kollegen beantwortet, wird als Experte eingestuft
munikation sein.« Für gute Games sollten sich Unterneh- und kann bis zum Mentor aufsteigen. Für Training und Un-
men unbedingt an Game-Experten wenden, denn ihre terrichtszwecke nutzt SAP zudem Simulationen und digitale
regulären Kommunikationsagenturen können das in den Wettstreite. »Die Ziele von interner Gamification liegen da-
meisten Fällen nicht leisten. »Dafür müssen die Verantwort- rin, Mitarbeiter zu engagieren, ihnen die Arbeit zu erleichtern
lichen schon mal ausgetrampelte Marketingpfade verlas- und mehr Arbeitszufriedenheit zu ermöglichen«, so Herger.
sen«, sagt Mathias Keswani, Geschäftsführer der Hambur- Dabei sind einige Unternehmensbereiche wie Aus- und
ger Innovationsagentur Nerdindustries. Weiterbildung, interne Kommunikation, Marketing oder Re-
Nerdindustries selbst setzte für die Katjes-Lakritzmarke cruitment besser erschlossen als andere. Ende 2010 rief et-
Sallos ein ungewöhnliches Online-Spiel um: Beim »Rat Rou- wa die Telekom mit der Kampagne »Wissen verändert alles«
lette« konnten die User in Echtzeit ihre Einsätze machen, zur digitalen Schnitzeljagd im Bonner Headquarter auf. Wer
während der Roulette-Teller von Ratten gedreht wurde. Vier an einer Ausbildung bei der Telekom interessiert war, konn-
Wochen hausten die Tiere im Konferenzraum der Agentur – te auf einer Website verschiedene Aufgaben lösen sowie den
selbstverständlich unter tierärztlicher Betreuung. Die Spie- Konzern und seine Mitarbeiter kennenlernen. Gleichzeitig
ler konnten unter anderem Merchandisingartikel gewinnen. diente die Aktion zur konkreten Bewerbungsvorbereitung.
Der Einsatz von Ratten ist sicherlich nicht jeder Lebensmit- Andere Firmen setzen auf Recruitainment via Facebook:
telmarke zu empfehlen. In diesem Fall gingen unangepass- Die Hotelkette Marriott lässt Nutzer dort in »FarmVille«-Ma-
tes Markenimage und Experimentierfreude der Marketing- nier ein virtuelles Restaurant betreiben. Sie müssen Vorrä-
abteilung aber sehr gut zusammen. nik te einkaufen, Mitarbeiter einstellen und einarbeiten sowie
Gäste bedienen. Das Spiel soll Interesse für eine Karriere in
der Gastronomie wecken. Neben dem Vertrautmachen mit
den Jobabläufen lassen sich solche Spiele auch zur Selbst-
einschätzung nutzen. Die Facebook-App »Could it be U?«
von Unilever setzt zum Beispiel mehr auf Testaufgaben wie
das schnelle Erkennen von Produktmarken des Konzerns.
Neben dem Wissen über Unilever wird in Persönlichkeits-
tests außerdem evaluiert, wie gut Bewerber und Unter-
nehmen zusammenpassen.
Microsoft hat Gamification vor allem dafür entdeckt, ihre
Mitarbeiter gemäß dem Crowdsourcing-Ansatz einzuspan-
nen: Das Unternehmen entwickelte unter anderem Spiele,
um neue Windows-Versionen intern zu testen oder Überset-
zungen zu optimieren. Zudem nutzt Microsoft Spielmecha-
niken, um Kunden mit ihren Produkten vertraut zu machen,
beispielsweise mit »Ribbon Hero«, einer spielerischen An-
Mobiles Autorennen Escape the hall leitung für Microsoft Office. Durch kleine Probeaufgaben
lernt der Nutzer die Programme kennen, ohne trockene An-
Bei der Mercedes-App für iPhone und iPad erzeugt der leitungstexte lesen zu müssen. Ob man dabei von der ani-
Spieler selbst mit Sprechen oder Schreien Hindernisse, mierten Büroklammer Clippy verfolgt werden möchte, ist
die es zu umfahren gilt. Mit dem Mobile Game können allerdings eine andere Frage. Wie in allen anderen Gamifica-
Nutzer die neue A-Klasse spielerisch austesten und tion-Bereichen gilt jedenfalls beim Einsatz in Unternehmen
in verschiedenen Perspektiven in Aktion begutachten. auch: nicht übertreiben. »Dauerhaft alles in Spielprinzipien
zu verpacken ist anstrengend – für die Unternehmen wie
auch für die Mitarbeiter«, sagt Amos. nik
034 page 10.13 TITEL gamification

Konzeptionelle, visuelle und funktionale Prinzipien aus dem Gamedesign sorgen dafür, dass auch
die Nutzung von Websites und Apps mehr Spaß macht

n Design für den spielenden Menschen braucht einen


neuen Fokus auf Neugier und Freude in allen Gestaltungs-
bereichen – von der Ästhetik der Form über Interaktion und
Funktionalität hin zu Konzeption«, schrieb Interaction Desi-
gner Bill Gaver 2002 in seinem Artikel »Designing for Homo
Ludens«. Als der Text entstand, war der Personal Computer
gerade dabei, in sämtliche Bereiche unseres Alltags einzu-
dringen. In Zeiten von Smartphone und Tablet gelten Ga-
vers Leitlinien umso mehr. Die Geräte umgeben uns nicht
nur überall, auch ihre Bedienung wird viel unmittelbarer
und intuitiver. Wir verbringen immer mehr Zeit mit digita-
len Anwendungen und sind daher umso anspruchsvoller,
was deren Bedienung angeht.
Kein Wunder also, dass User Experience und Immersion
immer wichtiger werden. Aus diesem Grund setzen Webde-
signer zunehmend auf Elemente, die bislang eher aus dem
Game-Bereich bekannt sind. »Technisch ist heute viel mehr
möglich«, erklärt Martin Oberhäuser, Gründer des Hambur-
ger Information- und Interfacedesignstudios oberhaeuser.
info. »Früher hatten Games bessere Grafiken aufgrund ihrer
starken Engines. Heute gibt es diese Leistung auch im Netz.«
Oberhäuser legte bei seiner neuen Fahrplan-App nextr (sie-
he PAGE 9.13, Seite 82) besonderen Wert darauf, die Anwen-
dung so angenehm und kurzweilig wie möglich zu machen –
zum Beispiel mit kleinen Animationen, die die Ladezeit über-
brücken und den Ablauf flüssiger wirken lassen.
Ein Vorteil von guten Game-Interfaces ist, dass sie selbst-
erklärend und intuitiv bedienbar sind, denn kein Spieler
will sich vorab eine Anleitung durchlesen. Dasselbe gilt für
Websites: Der Aufbau der Startseite sollte möglichst auf den
ersten Blick erfassbar sein. Um die Funktionsweise zu ver-
Spiel des Lebens Play Your Future deutlichen, setzen immer mehr Anwendungen auf kurze
Probedurchläufe, wie man sie ebenfalls aus Games kennt.
Die Amsterdamer Digitalagentur Momkai entwickelte für So bieten Social Networks wie Twitter, Pinterest oder Spotify
den Lebensversicherer Aegon die Website »Play Your neuen Mitgliedern Hilfestellung beim Einrichten des eige-
Future«, auf der Nutzer spielerisch ausprobieren können, nen Accounts an, geben Tipps, wem man folgen kann, wie
wie ihre Entscheidungen – Familiengründung, Haus- man seine Freunde findet oder evaluieren mit ein paar Fra-
oder Autokauf et cetera – ihre Rente beeinflussen. Die gen die Interessen der Nutzer, um ihnen den für sie passen-
Anwendung zeigt, wo sie an Stellschrauben drehen den Content anzuzeigen.
können und wo vielleicht lieber doch nicht. Das Ganze ist Auch bei der Nutzerführung gucken sich Webdesigner
in nette Comics verpackt und mit kleinen Animationen einiges bei Spielen ab. Feststehende Navigationsleisten, wie
aufgepeppt. Leider gibt es die Seite nur auf Holländisch. etwa Google+ sie verwendet, erinnern an die Informations-
balken in Shooter-Spielen. Sie vereinfachen die Orientie-
rung auf einer Website enorm, da die wichtigsten Untersei-
ten so immer im Blickfeld bleiben und stets anklickbar sind.
Parallax Scrolling ist vor allem aus Jump’n’Runs bekannt,
die durch das versetzte Verschieben von Ebenen den Ein-
druck von Dreidimensionalität erzeugen. Dasselbe gilt für
Websites, die damit die Entdeckerfreude der User wecken
und sie so involvieren.
page 10.13 035

»Die größte Kraft


von Spielen liegt
darin, dass sie eine
komplett durch-
gestaltete User
experience sind«
n Mit Melinda Jacobs, Kreativdirekto- traditionell aus dem Gamedesign stam- sie immer wieder zu einem Service zu-
rin und CEO von Subatomic, und men, wie einen künstlichen Konflikt rückkehren lassen.
Sebastian Kersten, technischer Direktor oder kontinuierliches Feedback (bei- Jacobs: Gamification hat die Aufmerk-
von Momkai, sprachen wir über die des finden Sie in »Play Your Future«). samkeit auf das Thema User Experience
Entwicklung der Website »Play Your Spielmechaniken allein sind aber kein gelenkt, die im Mittelpunkt unserer Ar-
Future« und die Bedeutung von Garant für Engagement. Die größte beit steht. Spiele sind selbsterklärend
Gamification fürs Interface Design Kraft von Spielen liegt darin, dass sie ei- und leicht verständlich. Daher sind sie
ne komplett durchgestaltete User Ex- eine Inspiration für gute Nutzererleb-
Warum haben Sie bei dem Aegon- perience sind. Gute Entwickler achten nisse und ein wichtiger Bestandteil un-
Projekt auf Gamification gesetzt? nicht nur darauf, welche Mechaniken seres Designansatzes.
Sebastian Kersten: Wir wollten das sie einsetzen, sondern auch darauf, wie Wo sind die Grenzen für den Einsatz
Thema Rentenversicherung, das viele diese Mechaniken zusammen funktio- von Spielmechaniken?
als trocken und langweilig wahrneh- nieren und so die Nutzererfahrung be- Kersten: Wenn es keinen Grund für sie
men, so zugänglich wie möglich ma- einflussen. gibt, wirken sie schnell irrelevant oder
chen. Deshalb haben wir uns für diesen Wie haben Sie diese Philosophie bei sogar verwirrend. Gamification ist kein
spielerischen Stil entschieden, gepaart »Play Your Future« beherzigt? Ziel an sich. Wie gutes Interface und In-
mit intuitiver Navigation und einer indi- Die Nutzer werden behutsam an die teraction Design oder gut geschriebe-
vidualisierten User Experience. Zusam- Welt der Rentenversicherung herange- ne Texte dient sie dazu, eine Botschaft
men mit der Finanzservices-Agentur führt – durch ein visuelles Erlebnis, das zu vermitteln. Wenn man von jeman-
EPG, die für das technische System da- von Anfang bis Ende durchdesignt ist. dem mehr Zeit und Engagement ver-
hinter verantwortlich war, haben wir Dafür haben wir zuerst die Story ver- langt, sollte man seine Anwendung nut-
eine gute Balance zwischen Einfach- ändert: von »Wissen über Rente« hin zerfreundlich und hilfreich gestalten.
heit und Tiefe gefunden. Besonders zu »Neugier bezüglich der Zukunft«. Jacobs: Jede Anwendung profitiert
für den User Flow haben wir dann auf Mit diesem Ansatz können sich Nutzer von gutem Experience Design – aber
Spielmechaniken zurückgegriffen. leichter identifizieren. Als Nächstes ha- Spielmechaniken sind nicht immer der
Hatten Sie Gamedesigner im Team? ben wir das Gesamterlebnis auf einzel- beste Weg, um ein Thema zu vermit-
Kersten: Ja. Wenn man eng mit den ne Schritte heruntergebrochen, ange- teln oder die User zu involvieren. Nur
Kunden zusammenarbeitet, verliert fangen von generellen Informationen weil eine Vorgehensweise allgemein
man sich schnell in Details und Game- hin zu persönlichen. Dabei stellten wir für mehr Engagement sorgt, heißt das
designer helfen, die User Experience sicher, dass die User ständig Feedback nicht, dass sie in jeder Situation sinn-
nicht aus den Augen zu verlieren. Um bekommen, damit sie wissen, an wel- voll ist. Wenn Sie zum Beispiel eine
die Nutzer nicht mit einer Flut an In- cher Stelle im Prozess sie sich befin- Plattform entwickeln, die Kooperation
formationen zu überfallen, haben wir den und was das Resultat sein wird. zwischen den Usern erfordert, um ein
versucht, alle Elemente möglichst ein- Welche Rolle spielt Gamification gene- gemeinsames Ziel zu erreichen, kann
fach zu halten. rell bei Ihrer Arbeit? eine Wettbewerbsmechanik äußerst
Melinda Jacobs: Gamedesigner ha- Kersten: Gamification kann sehr nütz- schädlich für den Erfolg sein. Das De-
ben einen holistischen Gestaltungsan- lich sein, wenn man Nutzern ein be- sign muss sich immer den Zielen einer
spruch. Sie betrachten eine User Ex- stimmtes Verhalten beibringen oder Anwendung anpassen. Andererseits
perience nicht nur im Hinblick auf ein- sie durch schwierige Teile einer Web- gibt es auch Mechaniken, die in fast je-
zelne Mechaniken, sondern als Ganzes. site oder eines Tools leiten möchte. Ei- der User Experience funktionieren: Ei-
Die Nutzer im Fokus zu haben, ist ent- ne große Aufgabe in überschaubare ne leicht verständliche Umgebung mit
scheidend, um das höchste Level an kleinere aufzuteilen erleichtert es Men- mehreren Feedbackinstanzen und in-
Engagement für eine Plattform oder schen, sie zu überblicken und ihr Ziel teraktiven Elementen ist immer eine
eine App zu erreichen. im Auge zu behalten. Spielmechaniken gute Basis. Stellen Sie sicher, dass In-
Welche Spielmechaniken haben Sie in sind ein gutes Hilfsmittel, um eine Ge- formationen einfach zugänglich sind
»Play Your Future« genutzt? schichte rund um diese Aufgaben zu und Ihrer Zielsetzung entsprechen.
Jacobs: Wir verstehen Gamification als spinnen und so Flow zu erzeugen. Au- Nutzer brauchen nicht immer alle In-
Prinzip, Anwendungen mit einer zu- ßerdem helfen sie dabei, eine nach- formationen – nur die richtigen zur
sätzlichen Kontextebene anzureichern. haltige Beziehung zur Zielgruppe auf- richtigen Zeit. Manchmal ist eben we-
Diese kann Elemente enthalten, die zubauen, weil sie Nutzer einbinden und niger mehr.
036 page 10.13 TITEL gamification

Eine sehr gute Umsetzung verschiedener spielerischer


Interface-Elemente ist die Flugsuche »Escape Flight«, die das
New Yorker Digitalstudio B-Reel auf Eigeninitiative entwi-
ckelt hat. Die Website richtet sich an Großstädter (bislang
nur Londoner), die schnell und einfach einen Wochenend-
Trip buchen wollen. Auf den ersten Blick überzeugt die Seite
mit ihrer plakativen Bildsprache und Übersichtlichkeit: schö-
ne Fotos mit reduziert gehaltenen Informationen zu Flug-
dauer, Wetter und Preis statt kleinteiliger Such- und Eingabe-
fenster, bunter Anzeigen oder ewig langer Angebotslisten.
Die One-Page-Site hat eine feststehende Navigationsleis-
te, in der man schnell und intuitiv seine Wünsche eingeben
kann. Die Suchergebnisse öffnen sich in einem Overlay, so-
dass der Nutzer schnell wieder zurück zur Übersicht findet
und sich nicht durch verschiedene Seiten klicken muss. Au-
ßerdem setzt die Seite hübsche kleine Animationen ein, die
zeigen, was der User als Nächstes tun soll oder kann. Ändert
er beispielsweise seine Suchparameter, glänzt der »Go«-
Button und signalisiert so, dass man die Suche erneuern
sollte. B-Reel gelang damit eine Flugsuch-Site, die zum Ent-
Ratespiel Salubrious Nation decken – und zum Herumspielen – einlädt und sich damit
deutlich von Websites wie billiger-fliegen oder swoodoo un-
Bei dieser Game-y Infographic kann man Angaben zur terscheidet. Jetzt fehlt nur noch der globale Roll-out.
Gesundheit von US-Amerikanern schätzen. Je näher Auch weniger attraktive Themen als Wochenendreisen
man am richtigen Wert ist, desto mehr Punkte bekommt lassen sich mit spielerischem Interface Design vermitteln.
man. Der Nutzer kann hier Hypothesen über Zusammen- Die Amsterdamer Digitalagentur Momkai hat für den Le-
hänge zwischen Parametern wie Fast-Food-Restaurants bensversicherer Aegon die Website »Play Your Future« ent-
pro Kopf und Anzahl von Diabeteskranken testen und wickelt, auf der der Nutzer durchspielen kann, wie Entschei-
bekommt direktes visuelles Feedback. dungen, die er jetzt trifft, seine Rente und damit das Leben
im Alter beeinflussen. Das Ganze ist in nette Comics ver-
packt und mit kleinen Animationen aufgepeppt. Das regt
zur Nutzung an und macht wesentlich mehr Spaß als ein
Treffen mit einem Versicherungsvertreter. »Die Plattform ist
kein Spiel, sondern bedient sich spielerischer Mechaniken,
um die User Experience zu verbessern und eine größere
Zielgruppe zu erreichen, die sich nicht vornehmlich für Fi-
nanzen interessiert«, erklärt Sebastian Kersten, Mitgrün-
der und Technical Director bei Momkai (mehr dazu im Inter-
view auf Seite 35). Die Website erhielt beim diesjährigen
red dot: communication design award die Auszeichnung
Best of the Best in den beiden Kategorien Online Communi-
cation und Interface Design.
Ein weiteres spannendes Feld für Interface Designer sind
Nix wie weg interaktive Infografiken. Auch sie haben etwas Spielerisches,
Escape Flight manche orientieren sich sogar explizit an Computerspielen.
So sieht eine Visualisierung des »Guardian« zur Geschichte
Die alternative Flug- der modernen Musik aus wie das Videospiel »Guitar Hero«.
suchmaschine Noch einen Schritt weiter gehen sogenannte Game-y Info-
des New Yorker Digital- graphics, bei denen User sich die Inhalte spielerisch erar-
studios B-Reel über- beiten können. Bei einem Forschungsprojekt von Studen-
zeugt mit ihrer plaka- ten der Rutgers University entstanden drei Versionen der
tiven Bildsprache Infografik »Salubrious Nation«. In der Game-y-Version kann
und Übersichtlichkeit: man Angaben zur Gesundheit von US-Amerikanern schät-
schöne Fotos mit zen. Je näher man am richtigen Wert ist, desto mehr Punkte
reduziert gehaltenen bekommt man. Der Nutzer kann hier Hypothesen über Zu-
Informationen zu sammenhänge zwischen Parametern wie Fast-Food-Restau-
Flugdauer, Wetter und rants pro Kopf und Anzahl von Diabeteskranken testen und
Preis statt kleinteiliger bekommt direktes, visuelles Feedback. Die Sparte ist noch
Such- und Eingabefens- vergleichsweise jung, bietet aber interessante Perspektiven
ter und ewig langer für den modernen Datenjournalismus. Ob Animationen, Pro-
Angebotslisten. One- belevels oder Parallax Scrolling – beim Einsatz von visuellen
Page-Design und Effekten aus dem Gamedesign ist immer auch Vorsicht ge-
eine feststehende Such- boten: »Man darf sich nicht in optischen Spielereien verlie-
leiste erleichtern ren«, warnt Oberhäuser. »Form follows function muss im-
die Nutzung zusätzlich. mer der Leitsatz bleiben.« nik
Webhosting. Einfach intelligent.

Apfel Z,
Apfel Z,
Apfel Z,
Apfel ...
Wiederherstellung mit einem Klick.

www.mittwald.de
038 page 10.13

KREATION
page 10.13 039

Grüne Lunge, blaues Herz


oder war es umgekehrt? Egal,
beim Anblick des Erschei-
nungsbilds der Vårdapoteket
geht es einem gleich viel
besser. Das farbenfrohe Design
zwischen Infografik und
Cartoon zieht sich durch alle
Medien: von den Visiten-
karten über die Einkaufstüten
bis zur Tapete in den Läden

n Sie breiten sich in vielen norddeut­


schen Städten aus wie fiese Bakterien:

apothekenumschau
wir­leben­Filialen. In Lüneburg verun­
zieren sie mit ihrem hässlichen orange­
lila Auftritt gleich viermal das Stadt­
bild und drängen mit Dumpingpreisen
und extra langen Öffnungszeiten alt­
Kranksein ist schon schlimm genug. Gut, wenn man seine Medikamente eingesessene Apotheken ins Abseits.
dann wenigstens in einer schön gestalteten Apotheke abholen kann Mit einem überzeugenden grafischen
Auftritt können zwar auch Letztere nur
selten punkten, zumindest aber fallen
sie nicht negativ auf.
Zu den Ersten, die einen Gegen­
trend zu Discountapotheken und In­
ternethandel anstießen, gehörte Anja
Leidel, Grafikdesignerin bei der Agen­
tur Kono in Hannover, die schon 2006
der dort ansässigen Lister Apotheke
ein neues Gesicht gab. »Die Eigentü­
merin, Dr. Brigitte Seegerer, eröffnete
die traditionsreiche Stadtteilapotheke
als ›Haus der Gesundheit‹ und setz­
te mit neuem Servicekonzept, neuen
Produkten und einem neuen Erschei­
nungsbild bewusst Akzente gegen
den servicefeindlichen Discountapo­
theken­Trend«, berichtet Anja Leidel.
Eine Banderole mit einem verbin­
denden Kreuz in der Mitte bildete den
Kern des Corporate Designs, das von
viel Weißraum geprägt ist und zu­
gleich luxuriös, gesund und zurückhal­
tend wirkt. Das Farbkonzept kombi­
niert Rot­ mit Grüntönen in einem
fünfstufigen Farbverlauf. »Wir haben
die Geschäftsausstattung, ein Infoheft
im Pixi­Format, die Schaufensterde­
koration, Folder, eine Lesezeichense­
rie und drei Postkartenreihen als Ge­
schenksets, Produktblätter sowie Ver­
packungen für Tees, Liköre, Gewürze
und Cremes entwickelt.« Die vor­
040 page 10.13 KREATION Corporate Design für apotheken
page 10.13 041

her blau­orange­gelbe Innenarchi­


tektur verwandelte sich in Zusam­
In die Kolonial- menarbeit mit der Architektin Anne
zeit zurück- Schmidt­Rossiwal in ein luftiges Zart­
versetzt fühlt grün mit Rot. Für den Erfolg des Rede­
man sich beim signs spricht, dass die Lister Apotheke
Betreten der es trotz eines Eigentümerwechsels 2010
Apothecary in bis heute beibehalten hat.
Sartell, Minne-
sota. Gaslight Die schwedische Vårdapoteket trifft
Creative gestal- man in der Regel nahe Krankenhäusern
tete den schön und Pflegeeinrichtungen an. Um die­
nostalgischen ser klinischen, gestalterisch eher we­
Auftritt, der niger inspirierenden Umgebung etwas
sich auch auf entgegenzusetzen, entwickelte Stock­
der Website holm Design Lab eine farbenfrohe Iden­
wiederfindet tity, die vom menschlichen Körper in­
spiriert ist. Die Basis bildet eine kräftige
Farbpalette sowie ein aus menschli­
chen Organen bestehendes Muster aus
Illustrationen, die teils an Infografiken,
teils an Cartoons erinnern.
Diese grafische Grundausstattung
zieht sich durch alle Anwendungen:
vom Briefpapier und den Visitenkarten
über Broschüren, Einkaufstüten, die Ta­
pete in den Läden bis zu Point­of­Sale­
Materialien und der Inneneinrichtung.
Ein fröhlicher und kohärenter Auftritt,
der garantiert das Wohlbefinden der
Kunden steigert und vielleicht sogar
die ein oder andere Pille spart. Aller­
dings, und das treibt mir nun wirklich
die Tränen in die Augen, wird es ihn
wohl nicht mehr lange geben – soeben
wurde Vårdapoteket von der Apotek­
Hjärtat­Kette übernommen und be­
kommt deren Logo, Corporate Design
und Ladenkonzept. Gibt es nicht viel­
leicht eine deutsche Apotheke, die
das nun frei gewordene Vårdapote­
ket­Konzept übernehmen möchte?
Immerhin erhielt auch Apotek Hjär­
tat kürzlich ein neues, professionelles
Gesicht, konzipiert und umgesetzt vom
ebenfalls in Stockholm ansässigen

Mit dem Corporate


Design der Agentur
Kono aus Hannover
wurde die leicht
verstaubte Lister
Apotheke zum
modernen »Haus
der Gesundheit«.
Rot- und Grüntöne
sowie viel Weiß-
raum kennzeichnen
den Auftritt
ebenso wie die
Inneneinrichtung
042 page 10.13 KREATION Corporate Design für apotheken

Als Neonröhre in
Quietschgrün sieht man
das Herz förmlich
pulsieren. Auch in ande-
ren Anwendungen,
zum Beispiel Tüten,
Broschüren oder den
rund 200 eigenen
Produkten, taucht das
von BVD Stockholm
konzipierte Herzlogo
auf – mal mehr, mal
weniger prominent

Designbüro BVD. Zunächst schufen


die Kreativen ein Logo, das sich durch
den Namen Hjärtat quasi aufdrängte.
Das Herz findet sich im ganzen Corpo­
rate Design wieder, mal riesig als grü­
nes Neonschild, mal klein und weiß auf
den Informationsbroschüren. Rund um
das Herz entstanden weitere Symbole,
die auf Verpackungen, Printmaterialien
und im Web zum Einsatz kommen.
Apotheken mit mehreren Filialen
sollten natürlich besonders viel Wert
auf einen konsistenten Auftritt legen,
aber es gibt auch gelungene Beispiele
für kleine Unternehmen. Die eingangs
erwähnte Lister Apotheke etwa. Oder
auch die Marienapotheke in Wien, die
sich sogar einen Corporate Font von
Fidel Peugeot und Karl Emilio Pircher
gönnte (siehe PAGE 03.11, Seite 64 ff.).

In den USA gibt es sogenannte Com­


pounding Pharmacies (von compound,
dem englischen Wort für »mischen«).
Diese Apotheken bieten neben her­
kömmlichen auch alternative Heilme­
thoden an und sind bestrebt, für die
Kunden eine individuelle Medikation
zu finden. Für eine solche Compoun­
ding Pharmacy, nämlich The Apothe­
cary, entwickelte Gaslight Creative aus Rein typogra-
St. Cloud das Corporate Design und fisch und schlicht
verschönerte das Geschäft in Sartell, schwarzweiß
Minnesota. »Wir kombinierten den ein­ hielt Anders
fachen Namen mit einem Logo im Vin­ Alstad aus
tage­Stil, das einem Holzschild aus Ko­ Kopenhagen die
lonialzeiten ähnelt, als die Läden tat­ Identität für
sächlich apothecary hießen«, erzählt Apotek Nielsen.
Kelly Zaske, Gründerin von Gaslight Sie entstand
Creative. »Den leicht nostalgischen An­ während seines
satz verfolgten wir quer durch alle Me­ Grafikdesign-
dien bis hin zur Website, bei der die studiums und
handgezeichnete Illustration einer al­ findet hoffent-
ten Apotheke im Mittelpunkt steht.« lich den Weg
Die zarten Farben und klaren Formen in die reale Welt
page 10.13 043

sorgen dafür, dass der Auftritt trotz­


dem keineswegs altmodisch, sondern
zeitgemäß wirkt.
Auch Anna Trympali, Designerin aus
Athen, wählte einen historischen Aus­
gangspunkt für die Apotheke Pana­
giota Mpogri. »Ein Apotheker stellt auch
natürliche Produkte von Hand her und
verwendet dabei traditionelle Werk­
zeuge wie Mörser und Stößel. Dem­
entsprechend nahm ich eine naturge­
treue Zeichnung dieser beiden Geräte
als Grundlage«, erklärt die 24­Jährige.
»Ich arbeitete mit Punkten in verschie­
denen Stärken. Das betont den Kon­
trast zwischen den helleren und den
dunkleren Stellen.« Außerdem zeich­
nete Anna Trympali einen Schwung
Blätter, die im Logo und auf dem Brief­
papier, aber auch in Broschüren, auf
dem Verpackungspapier oder den Kle­
bepunkten zum Verschließen der Pa­
piertüten zum Einsatz kommen. Mit
Grün als Zusatzfarbe entstand eine at­
traktive, natürlich wirkende Identity.

Rein typografisch und schlicht schwarz­


weiß ist der Auftritt, den Anders Alstad
aus Kopenhagen für Apotek Nielsen
entwickelte. Seine ursprüngliche Aus­
bildung als Schildermaler zeigt sich in
dieser Arbeit, auch wenn er inzwischen
seinen Bachelor in Grafikdesign an der
Danish School of Media and Journa­
lism gemacht hat. »Das Erscheinungs­
bild entstand während meines Studi­
ums. Ich wollte etwas schön Altmodi­
sches gestalten, das zugleich modern
und einfach ist. Außerdem zeichne ich
einfach gerne Schriften.« Verwunder­
lich, dass dieses Corporate Design noch
nicht den Weg in die reale Welt gefun­
den hat, gibt es doch zahlreiche Apo­
theken, zu denen es passen würde.
Möglichkeiten, Apotheken anspre­
chend zu gestalten, gibt es also offen­
sichtlich genug. Dass das Gros den­
noch eher öde daherkommt ist wohl
eher dem fehlenden Bewusstsein oder
sinkenden Gewinnen geschuldet. Wo­
bei Letzteres vielleicht zu kurz ge­
dacht ist. Ich bin sicher, wer die Wahl
hätte, würde lieber bei Vårdapoteket
als bei wir leben seine Rezepte einlö­
sen. Das wiederum könnte dazu füh­
ren, dass aus dem ohnehin bescheu­
erten Claim »wir leben« irgendwann
die Bekanntmachung »wir sterben«
würde. Und damit könnten wir doch
ganz gut leben, oder? ant
Zeichnungen von Mörser und Stößel stehen
im Mittelpunkt des illustrativen Corporate
Designs, dass Anna Trympali aus Athen für
die Apotheke Panagiota Mpogri gestaltete
044 PAGE 10.13 KREATION Literatur-Apps reloaded

One for the Road


■ »SIE HABEN RECHT«, schrieb der Phi-
losoph Friedrich Nietzsche 1882 in einem
Brief an seinen Sekretär und Freund
Heinrich Köselitz auf einer Schreibmaschi-
ne, die nur Großbuchstaben kannte. »UN- Neue Literatur-Apps erschließen das Potenzial von iPad und Co für spannende
SER SCHREIBZEUG ARBEITET MIT AN UN-
SEREN GEDANKEN.« Nietzsches Aufmerk-
Experimente an der Schnittstelle zwischen Storytelling und Technologie
samkeit heischende Kapitälchen zeigen,
dass auch unser Leseerlebnis technisch-
medial konstruiert ist. Vermutlich ist das
auch der Hauptgrund dafür, dass viele das
Look-and-Feel eines gedruckten Buchs –
das Rascheln der Seiten, liebevolle Illus-
trationen oder Grafiken, ein übersichtli-
ches Layout und einfaches Handling –
dem bläulich-grell leuchtenden Display
eines iPads vorziehen, wenn sie abends
mit einem guten Roman auf die Couch sin-
ken. Mit einem mehrere hundert Euro teu-
ren Tablet auf der Brust lässt es sich ein-
fach nicht so schön unbesorgt einnicken.
Knapp drei Jahre nach Erscheinen des
iPads gibt es aber durchaus Beispiele, die
das Lesen auf elektronischen Devices at-
traktiv machen, indem sie deren Möglich-
keiten ausreizen und so eine völlig neue
User Experience schaffen. Diese experi-
mentellen Apps nutzen die spezifischen
Eigenschaften des mobilen Storytelling
wie zum Beispiel Interaktivität, Kollabora-
tivität und Immersion, um Long-Format-
Texte spielerisch zu inszenieren. Die inte-
ressanteste Form dieser neuen digitalen
Leseformen ist eigens für mobile Devices
geschaffene Literatur, etwa Eli Horowitz’
standortbasierter Roman »The Silent Histo-
ry« (siehe Seite 46) oder die Kurzgeschich-
tenreihe »My London Story« (Seite 48).
Spannend sind aber auch smarte Klassiker-
adaptionen wie »The 39 Steps« (Seite 50)
oder Formate, die ein Story-Universum
ergänzen und verlängern.
Wer bei der App-Entwicklung von ei-
nen bestehenden Stoff ausgeht, sollte sich
bewusst sein, »dass sich Inhalte nicht von
Medium zu Medium übertragen lassen«,
wie Jason Farman erklärt, Professor für
Anglistik an der University of Maryland und
Herausgeber des gerade erschienen Essay-
bands »The Mobile Story: Narrative Prac-
tices with Locative Technologies«. »Diesel-
be Geschichte ist völlig unterschiedlich,
abhängig von dem Medium, durch das man
sie erlebt.« Wesentlich für heutige mobile
Geräte ist ihre Fähigkeit zur Standorter-
kennung. »Damit können wir Geschichten
über einen Ort durch verschiedene Auto-
ren aus unterschiedlichen Perspektiven
erzählen«, so Farman. Noch weitreichen-
der ist die Verbindung mit der Umgebung
bei Story-Games durch das dynamische
Wechselspiel zwischen dem, was auf dem
Mobilgerät passiert, und dem, was im
045

Die 16 unterschied-
lich animierten
Geschichten der
»MirrorWorld«-
App verlängern
Cornelia Funkes
Roman-Universum.
Im als mittel-
alterliche Taverne
gestalteten
Hauptmenü (links)
dienen Objekte
als Portal zu Storys
wie »How the
Tailor Came to the
Hungry Forest«
(rechts unten)
oder »One for
Other« (Mitte). In
der animierten
Graphic Novel
besiegen ein Bauer
und eine Königs-
tochter gemein-
sam einen
fiesen Schurken
046 page 10.13 KREATION

realen Raum vorgeht. »Das kann zu


einer intensiven immersiven Erfah-
rung führen«, so Farman.

Auf der FMX-Konferenz im April stell-


te Fantasy-Bestseller-Autorin Cornelia
Funke die gemeinsam mit der Story-
tellingagentur Mirada Studios entwi-
ckelte iOS-App »MirrorWorld« vor, die
ihre gleichnamige aktuelle Romanreihe
durch 16 interaktive Geschichten er-
gänzt. Anders als die bisherigen Verfil-
mungen ihrer Bücher, die den Bildern Location-based Storytelling The Silent History
in ihrem eigenen Kopf nicht gerecht
würden, entführe die App den Nutzer n Auf eindrucksvolle Weise nutzt der April 2013 wurde je Werktag ein Be-
in eine »lebende, atmende Welt«. Die 2012 veröffentlichte Roman »The Silent richt freigeschaltet.
Autorin verglich die App mit einem History« von Ying Horowitz & Quinn Der Startbildschirm der App ist
Reiseführer, auf den der Leser bei der die GPS-Technologie mobiler Geräte. zweigeteilt: Oben finden sich die Be-
Lektüre jederzeit zurückgreifen könne, Die Geschichte ist als Archiv einer fik- richte, unten eine standortabhängige
wenn er mehr über die Welt hinter dem tiven Epidemie aufgebaut, die sich zwi- Umgebungskarte mit Markierungen
Spiegel erfahren wolle. schen 2012 und 2043 auf der ganzen von zusätzlichen, durch Leser erstellte
Tatsächlich taucht der User buch- Welt ausbreitet und Kindern die Mög- Inhalte, die sich mit dem Roman aus-
stäblich in die Fantasiewelt ein: Um lichkeit raubt, Sprache zu entwickeln. einandersetzen. Diese »Feldberichte«
die App zu starten und ins Hauptme- Es gibt insgesamt sechs Kapitel mit kann man nur lesen, wenn die GPS-
nü zu gelangen, muss er »durch den »Augenzeugenberichten«, jeder davon Daten des eigenen Geräts exakt mit
Spiegel gehen«. Mithilfe der Webcam ist nur circa 1000 Worte lang – perfekt, denen der Markierung decken. Dieses
des iPads erscheint seine Reflexion um sie in der Kaffeepause oder auf Konzept bietet Usern die Möglichkeit,
auf dem App-Interface. Erst durch der morgendlichen Bahnfahrt ins Bü- sich einzubringen und erzeugt, ähnlich
mehrmaliges Berühren, das Wellen im ro zu lesen. Vom Launch der App im dem Geocaching, Feedbackschleifen.
Spiegelbild schlägt, wird ein Raum da- Oktober 2012 bis zum Abschluss im ≥  www.thesilenthistory.com
hinter sichtbar, in den er dann eintre-
ten kann. Wenn der Anwender sich Ein Roman,
mit dem iPad dreht und bewegt, er- zwei Teile: Die
weitert sich sein Sichtwelt – ein im- »Augenzeugen-
mersives Erlebnis, das den fiktiven Ort berichte« des
körperlich erfahrbar macht. In der ersten Teils
mittelalterlichen Taverne gibt es Ob- dokumentieren
jekte aufzuspüren, die als Portal zu die Geschichte
den unterschiedlich animierten Storys einer Epidemie.
dienen, die Funkes Spiegelwelt anrei- Die ergänzen-
chern. All dies ist schön anzuschauen den usergene-
und kurzweilig, benötigt aber auch rierten Ge-
stolze 1,86 Gigabyte Speicherplatz. schichten sind
Die meisten Literatur-Apps stehen lediglich an
gratis bereit, zusätzliche Inhalte müs- den markierten
sen dann per In-App-Kauf erworben Orten lesbar
werden. So bleibt die Hemmschwelle
für Interessenten niedrig. Auch mit ei-
nem smarten Distributionsmodell las-
sen sich neue Zielgruppen erschließen.
So realisierte die Londoner Agentur
Brothers and Sisters 2012 die App »Di-
ckens: Dark London«, die eine Ausstel-
lung im British Museum verlängerte. Um
die Besucher zum Wiederkommen zu
ermuntern, gab es einen Hot Spot: Je-
der, der sich im Umkreis von 30 Metern
der Ausstellung aufhielt, konnte die Ge-
schichten umsonst herunterladen. fb

  PAGE Online
Links zu allen Projekten sowie ein aus-
führliches Interview mit Jason Farman
finden Sie unter www.page-online.de/
literatur-apps
page 10.13 047

Augmented Reality Imag•n•o•tron – Morris Lessmore Edition


n Augmented-Reality-Technologie be-
nötigt immer ein physikalisches Ob-
jekt, das beispielsweise 3-D-Animatio-
nen triggert. Daher eignet sie sich, um
Printpublikationen zu erweitern und
ihnen eine weitere Dimension zu ge-
ben. Besonders für den Kinder- und
Schulbuchsektor hat die AR-Technik
hohes Potenzial – die spielerische Ver-
bindung von analoger Literatur und
digitalem Mobilgerät macht Spaß und
kann Kinder so zum Lesen anregen.
Die Animationsexperten von Moon-
bot Studios haben durch die sukzes-
sive Erweiterung ihres preisgekrönten
Kurzfilms »The Fantastic Flying Books
of Mr. Morris Lessmore« ein ganzes
Storyuniversum aufgebaut. Die mär-
chenhafte Geschichte für Kinder han-
delt von Menschen, die ihr Leben Bü-
chern widmen – und davon, wie es ih-
nen die Bücher danken. Nach Film und
interaktivem iPad-Buch erschien im jungen Zielgruppe so einfach wie mög- davonfliegen, und erlebt Inhalte, die Mit sehr liebevoll
Juni 2012 ein Buch mit Illustrationen lich gehalten: Der Nutzer richtet seine im gedruckten Buch nicht vorkommen. umgesetzten
aus dem Film, die App »Imag•n•o•tron – iPad- oder iPhone-Kamera auf die Sei- So ergänzt die App das Buch, anstatt AR-Animationen
Morris Lessmore Edition« ergänzt die ten des Buchs und kann so die Biblio- es zu ersetzen. ergänzte Moonbot
Welt von Mr. Lessmore durch AR-Tech- thek von Mr. Morris betreten und da- ≥  http://moonbotstudios.com/ Studios die Welt von
nologie. Die Bedienung ist wegen der rin stöbern. Er sieht Bücher und Worte imag·n·o·tron-morris-lessmore-edition »Morris Lessmore«

JETZT FACHBESUCHER-
Turning a page
TICKET SICHERN!
www.buchmesse.de/
eintrittskarten is so 2012...

WIR
Wie man morgen liest und wie
Mobile Publishing wirklich geht

SIND
zeigt der Hot Spot Mobile:

Halle 6.1, D 146

HIER
Die Frankfurter Buchmesse-
App zum Download
Download the official App
for the Frankfurt Book Fair #fbm13
www.buchmesse.de
048 page 10.13 KREATION Literatur-apps reloaded

geben, deren Geschichten bisher un-


gehört blieben«, sagt Greg Williams,
Executive Editor bei »Wired UK« und Ini-
tiator von »My London Story«. Vorga-
ben zu Länge, Stil oder Thema gibt es
nicht. Nur wahr sollen die Geschichten
sein. Auf diese Weise soll ein möglichst
Neue Chancen für authentisches und vielfältiges Bild der
junge Autoren Stadt entstehen.
und experimen- Das Interface der farbenfrohen App
telle Formate: zeigt den Schreibtisch eines Autors,
Durch Literatur- links werden alle verfügbaren Bände
Apps schaffen es angezeigt, mittig die ausgewählte Ge-
nun auch Nischen- schichte, rechts ein Band mit Favoriten
Publikationen und eine Karte, auf der mit roten Pins
auf den Markt alle Handlungsorte markiert sind. Jedes
Kapitel enthält Fotos von den Schau-
User-generated Content My London Story plätzen und Informationen zu den Au-
toren. Die Leser können Zitate oder
n Ein ambitioniertes Projekt mit Nach- geschichten aus der englischen Haupt- komplette Storys per E-Mail, Facebook
wuchsautoren entstand Ende 2012: Zu- stadt versammelt. Jeder kann sich mit oder Twitter teilen und sind aufgeru-
sammen mit Schriftstellern und Journa- einer Geschichte beteiligen. Zwei Bän- fen, Fotos ihrer Lieblingsorte einzu-
listen entwickelte die Kreativagentur de der Reihe sind bereits erschienen. reichen, die dann für die Veröffentli-
Brothers and Sisters die kostenlose »Wir wollen neue, begabte Autoren chung erwogen werden.
iOS-App »My London Story«, die Kurz- entdecken und denen eine Stimme ≥  www.mylondonstory.co.uk

Animierte Graphic Novels Wagnerwahn


Im Rahmen von n Anlässlich des 200. Geburtstags des
crossmedialen Komponisten entwickelte die Gebrüder
Produktionen Beetz Filmproduktion die App »Die Ak-
bieten mobile te Wagner« sowie einen 90-minütigen
Devices viele animierten Fernsehfilm und eine ge-
Möglichkeiten, druckte Graphic Novel, die das Leben
Material inter- Richard Wagners aus der Perspektive
aktiv anzurei- des Dirigenten und Wagner-Schülers
chern und neue Hans von Bülow erzählen. Animiert und
Zielgruppen technisch für iPad und iPhone umge-
anzusprechen, setzt hat das Material die Erfurter Me-
wie die App dienagentur KIDS interactive. Die App
»Wagnerwahn«, basiert auf der linearen Graphic Novel,
die den Fernseh- angereichert mit vielfältigen Inhalten
film sowie die wie Filmmaterial, Experteninterviews
gedruckte Graphic und historischen Dokumenten. Zusätz-
Novel ergänzt lich kann man mit der interaktiven
»Musikmaschine« Wagners Ouvertüre
des »Fliegenden Holländers« spielerisch
und notengenau in Kreise, Quadrate
und Punkte übersetzen.
An einigen Stellen kann der Nutzer
selbst aktiv werden und sich kleinen
spielerischen Herausforderungen stel-
len. Den illustrierten Seiten haben die
Entwickler 230 einzeln animierte Bil-
der hinzugefügt und alles mit Musik
von Wagner unterlegt. An 40 interak-
tiven Punkten in der Erzählung lassen
sich Dokumente wie beispielsweise
Briefe, Fotos und Partituren abrufen.
Die Geschichte lässt sich in vier Modi
mit oder ohne Sprachfassung lesen.
≥ www.gebrueder-beetz.de/
produktionen/die-akte-wagner-app
PRAXIS

Disruptive Creativity
Die Alchemie kreativen Denkens

Die Agenda Das Seminar


zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprüche bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 14.06.2013 berechnen wir 50 Prozent, ab 19.07.2013 100 Prozent
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll

Von der Geißel des Briefings zu n Produkte und ihre Botschaften zu optimieren, um sie letztlich doch nur aus-
inspirierenden Zielen. tauschbar zu machen, das war einmal. Produkten eine Aura zu verleihen, das
der Teilnahmegebühr. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.

Ziel: Die richtigen Fragen stellen, die essen- ist heute: Was den Verbraucher gefühlsmäßig nicht anspricht, das grenzt er aus.
ziellen Ziele punktgenau erfassen, das Was sein Interesse nicht weckt, kann er auch nicht wahrnehmen, geschweige
Problem durchdringen und in eine inspirieren- denn begehren. Aber aufmerksamkeitsstarkes Kommunikationsdesign erzeu-
de Quelle für wirklich Neues verwandeln. gen wir nur, wenn wir gegen Regeln verstoßen, von der Norm abweichen,
sprich: wenn wir auf Wiederholung angelegte Erwartungen durchkreuzen.
Stumpf gewordene Werbemittel
neu aufladen. Wie also entkommen wir bereits tausendfach gedachten Ideen, bloßen Me-too-
Ziel: Der Sprung in bisher unberührte Lösungen oder dem Risiko, sich unter Zeit- und Erfolgsdruck lediglich selbst
Ideenfelder, anstatt im Pool der üblichen zu kopieren? »Disruptive Creativity« ist das Sprungbrett zur übernächsten, nicht
Standardideen zu fischen. Radikal neue nur zur nächsten Idee. Während dieses Trainings erproben Sie mithilfe unge-
Ideen für stumpf gewordene Werbemittel wöhnlicher Methoden vielfältige Wege zu mutigen und radikal neuen Lösungen.
wie etwa Broschüren, POS-Material,
Online-Games, Messen oder Banner. Mario Pricken gibt Antwort auf die Frage, wie stumpf gewordene Tools aus
Design, Werbung und Marketing innovativ aufgeladen oder grundlegend neu
Ein Spielfeld für radikal neue gedacht werden können. Dabei geht es auch um die Chance, eine dauerhafte
Kommunikationsideen schaffen. Creative Culture anstatt permanenter Beschränkungen im Alltag Ihres Teams
Ziel: Innovative Werbeformate entwickeln, zu etablieren. Zu wie viel Disruptive Creativity sind Sie fähig? Finden Sie
indem man lieb gewonnene Denkroutinen, mit Mario Pricken heraus, welche ungewöhnlichen Ideen in Ihnen stecken.
Normen oder einschränkende Regeln spiele-
risch durchbricht. Welche überraschend Das eineinhalbtägige Seminar »Disruptive Creativity – Die Alchemie kreativen
neuen Werbeformen könnte es 2015 geben? Denkens« mit Mario Pricken findet statt am 20./21. September 2013
im Hotel Gastwerk, Hamburg. Am Freitag beginnt es um 13 Uhr und endet um
Kreativtechniken für eine 17:30 Uhr, am Samstag dauert es von 9 Uhr bis 17 Uhr. Die Teilnahme kostet
neue Creative Culture. 1390 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Teilnahmegebühr umfasst die Tagungs-
Ziel: Verblüffende Kreativmethoden sollen kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen
in Teams eine dauerhafte Creative Culture begrenzt! Also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.
etablieren. Ein klarer Kreativprozess zeigt,
wie man Routine und Frust verhindert und
gleichzeitig Zeit und Ressourcen spart.

Der Referent
n Mario Pricken ist einer der gefragtesten Profis der Creative Industries, wenn es
um neue Kreativitätstechniken, Denkstrategien und effektives Ideenmanagement
geht. Seit Jahren wird er von namhaften Werbeagenturen, Designfirmen, Fernseh-
stationen und internationalen Marketingabteilungen als Consultant oder Kreativi-
PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG tätstrainer engagiert. »Adweek«, »AdAsia« oder die »Financial Times« sind nur drei
E-Mail: info@page-online.de jener Medien, die seine Methoden als überzeugenden neuen Weg zur Professiona-
Telefon: +49 40 85183400 lisierung der Kreativbranche sehen. Dass sich sein Buch »kribbeln im Kopf« über
www.page-online.de/seminar 100 000 Mal verkauft hat, spricht für sich.
050 page 10.13 KREATION Literatur-apps reloaded

Interactive Storytelling Beside Myself Story-Games


n Ähnlich den populären »Choose Playlist lesen, oder man kann einem The 39 Steps
Your Own Adventure«-Büchern eig- der drei Protagonisten durch die ge-
nen sich mobile digitale Devices auch samte Geschichte folgen (um dann im n Eine intensive immersive Erfahrung
hervorragend für Projekte mit alter- Anschluss die Geschichte nochmals aus ermöglichen Apps, die die Handlung
nativen Erzählsträngen. So haben Jeff einer anderen Perspektive und einem mittels Spielelementen vorantreiben.
Gomez (Inhalt) und Rolando Garcia anderen Ausgang zu lesen). Wenn man Ein fantastisches Beispiel mit zahlrei-
(Entwicklung) mit »Beside Myself« 2012 das iPad ins Querformat dreht, lassen chen Features ist das 2013 von der
einen interaktiven Roman entwickelt, sich alle drei Erzählstränge nebenei- schottische Kreativagentur The Sto-
in dem der Leser verschiedene Rollen nander verfolgen. Darüber hinaus ent- ry Mechanics entwickelte Story-Game
desselben Protagonisten einnehmen hält die App Fotos, Musik sowie eine »The 39 Steps«, eine Adaption des Spio-
kann. Im Mittelpunkt steht die Frage, E-Mail-, Facebook- und Twitter-Anbin- nage-Thrillers aus dem Jahr 1915. Da-
wie sich das eigene Leben entwickeln dung, über die sich Kapitel oder Zitate rin verschmelzen die Romanvorlage,
würde, hätte man in entscheidenden daraus teilen lassen. Filmsequenzen und Gamemechaniken
Situationen anders gehandelt. In »Be- Design und Interface sind schlicht zu einem interaktiven Roman, der auch
side Myself« kommt der Protagonist und elegant: Man folgt der Geschichte, für Leser, die John Buchans Klassiker
tatsächlich in Kontakt mit den drei indem man einfach nach unten scrollt. kennen, nicht langweilig sein dürfte.
Versionen seiner Selbst, und es ent- Wischt man nach links oder rechts, Ein detailreiches HD-Artwork und
spinnt sich ein ziemlich komplexes Be- springt man in der Zeit. Orientierung Echtzeiteffekte, pointiert eingesetzte
ziehungsgeflecht. bietet eine Toolbar, über die man ein- Soundeffekte und zurückhaltende Hin-
Die drei, ebenfalls in drei Teile ge- fach wieder ins Hauptmenü zurück- tergrundmusik erinnern an Videospiel-
gliederten Kapitel der iPad-App lassen kehren oder zum Beispiel die Schrift- bestseller wie etwa »Heavy Rain« und
sich entweder per Zufallsprinzip wie- größe verändern kann. »Grand Theft Auto«, auch wenn sich
dergeben, wie eine selbst festgelegte ≥ www.besidemyself.com die Handlung wesentlich ruhiger ent-
faltet. So muss der zu unrecht des
Mordes beschuldigte Richard Hannay
vor den wahren Tätern flüchten und
lange genug am Leben bleiben, um
das Rätsel der 39 Stufen zu lösen. Ein
gutes Dutzend in Unity entwickelte in-
teraktive Sequenzen stützen und glie-
dern die Handlung. Wie in Videospie-
len muss man ein Profil anlegen, bevor
man in die Geschichte einsteigen kann.
Außerdem gilt es, an Schlüsselstellen
Objekte zu sammeln und Awards und
Belohnungen freizuschalten, um in der
Story voranzukommen. Zwischen den
Spielelementen werden immer wie-
der animierte Clips eingespielt, die man
aus Games als Cutscenes kennt.
Ebenfalls bemerkenswert: In den
meisten Fällen haben Android-Nutzer
ja noch das Nachsehen, wenn es um
Literatur-Apps geht. »The 39 Steps« bil-
det eine Ausnahme: Es gibt die App für
PC, Mac, Linux, iPad und Android. fb
≥  http://thestorymechanics.com/
digital-adaptations/the-thirty-
nine-steps

Raffiniert eingesetzte Spielelemente


in »The 39 Steps« ziehen den Leser
regelrecht in die Handlung hinein.
Bei »Beside Myself« muss man wählen, ob man einem der So kann dieser etwa Räume inspizieren
Protagonisten folgt oder deren Geschichten miteinan- (unten links) oder bestimmte Auf-
der kombiniert. Wer sich nicht entscheiden kann, schüttelt gaben lösen, um in der Hand-
einfach das iPad – das aktiviert die Zufallswiedergabe lung fortzuschreiten (unten rechts)
page 10.13 051
052 page 10.13 KREATION »RLF. Das richtige Leben im falschen«

n An der Revolution kommt man in der ruhen gerät, die die Stadt 2011 erschütter-
nächsten Zeit nicht vorbei. Vor allem nicht, ten. Erst wirft er bei H&M Schaufenster
wenn man shoppen geht. Schwarzweiß ein, dann schiebt er inmitten der Krawal-
wird sie einem vor den Augen flimmern, le einen Quickie mit einer Protestlerin –
und dazu zieht der Camouflagestrudel ei- und am Ende ist er nicht mehr derselbe.
nen in den Kosmos des Unternehmens Schal kommt ihm auf einmal sein Le-
RLF hinein – und ins richtige Leben gleich ben mit Häuschen in Blankenese vor, die
mit. Frei nach Adornos Diktum »Es gibt Idylle mit zwei Kindern und Golden Re-
kein richtiges Leben im falschen«, das RLF triever und der Alltag mit seiner Frau Va-
in seinem Namen trägt, feilt man in dem lerie, einer Grafikerin, die Yoga mag und,
Kreuzberger Projektbüro Friedrich von seit die Kinder da sind, nur noch halbtags
Borries an nichts weniger als daran, uns arbeitet. Jan gönnt sich einen Porsche
aus den Widersprüchlichkeiten unserer (wie einst Andreas Baader ihn fuhr) und
Zeit zu befreien, in der wir uns freiwillig macht sich gemeinsam mit der Aktivistin
von in China hergestellten iPhones tra- Slavia und dem Künstler Mikael Mikael
cken lassen oder in überteuerten Martin- Für eine RLF-Sonderedition redesignte Mikael Mikael daran, den Wunsch nach Protest zu ver-
Margiela-Fummeln in Vorträgen über So- den adidas-Klassiker Allegra: Die Applikationen markten und mit dem Unternehmen RLF
sind aus echtem Gold und die Sohle ist schwarz
zialpolitik sitzen. lackiert. Läuft sie sich ab, werden die RLF-
die Welt mit den Mitteln der Gestaltung
Weil das nicht gut tut, hat RLF beschlos- Slogans »Werde Shareholder der Revolution« zu revolutionieren.
sen, den Kapitalismus mit seinen eigenen und »Show you are not afraid« sichtbar Von Borries’ Buch ist eine schnelle,
Waffen zu Fall zu bringen. Entmachtet schlaue Scharlatanerie, die zu Occupy in
werden soll er durch eine Reihe horrend teurer und po- den New Yorker Zuccotti-Park führt, in Hamburger Szene-
litisch aufgeladener Designprodukte, gestaltet von dem restaurants und die Berliner Kunstwerke. Es ist gespickt mit
Künstler Mikael Mikael, die den modernen Lifestyle mit Pro- Sex und lexikalischen Exkursen, die jede Menge Wissen
test anreichern und deren Erlös die Erforschung neuer ge- über Marketingstrategien, zeitgenössische Kunst, Design,
sellschaftlicher Modelle finanzieren könnte. Ein Beistell- Protestbewegungen und Philosophie einstreuen. Dazu gibt
tisch gehört dazu, eine Teekanne, ein handgeknüpfter Tep- es Interviews mit Oliviero Toscani, Stéphane Hessel, Femen
pich und eine Tapete. Fast alle sind mit einem schwarzwei- oder Occupy-Gründer Kalle Lasn. Mit dem Smartphone ge-
ßen Muster überzogen, das die dazzle camouflage des Ers- filmt, werden die Gespräche demnächst auf Kanälen wie
ten Weltkriegs ebenso zitiert wie die Op-Art der 1960er. Auf etwa YouTube gelauncht.
manchen ist der RLF-Slogan »Show you are not afraid« zu In einer Zeit, in der Fiktionen mehr zu interessieren
lesen, andere sind mit Nägeln aus Gold ausgestattet, die ih- scheinen als die Realität und es längst nicht mehr nur in der
re Montage ad adsurdum führen. Ab dem 17. Oktober wer- Literatur darum geht, die besten Geschichten zu erzählen,
den sie im luxuriösen Berliner Concept Store von Andreas verwandelt RLF dieses Bedürfnis in einen großen, aller-
Murkudis zum Verkauf angeboten. dings durchaus ernst gemeinten Spaß. Dass man die Welt
Die Entstehungsgeschichte von RLF aber gibt es schon verändern kann und dies womöglich sogar mit Design, darin
jetzt. Aufgeschrieben von Friedrich von Borries, Architekt besteht die große Hoffnung. Vielleicht folgt man also ein-
und Professor für Designtheorie und kuratorische Praxis an fach dem ehemaligen Bürgermeister von New York, Rudolph
der Hamburger Hochschule für bildende Künste, ist sie ge- Giuliani. Nach den Anschlägen von 9/11 rief er den Bewoh-
rade bei Suhrkamp erschienen. »RLF. Das richtige Leben im nern zu »Show you are not afraid. Go shopping.« sd
falschen« erzählt von dem Hamburger Kreativdirektor Jan,
der auszog, in London einen Turnschuh für Freiheitskämp- Friedrich von Borries: RLF. Das richtige Leben im falschen.
fer zu präsentieren, in einer runtergekommenen Fabrikhal- Berlin (Suhrkamp) 2012, 252 Seiten. 13,99 Euro.
le, ganz so, wie es sich gehört, und anschließend in die Un- isbn 978-3-518-46443-4

Im Strudel der Revolution


Der Designtheoretiker Friedrich von Borries schickt das Unternehmen RLF ins Feld, um den Kapitalismus
zu stürzen – und setzt dabei auf Marketing, Gestaltung und die Macht der Fiktion
page 10.13 053

Das Corporate Design


von RLF zitiert die
dazzle camouflage aus
dem Ersten Welt-
krieg ebenso wie die
Op-Art der 1960er
054 page 10.13 KREATION »RLF. Das richtige Leben im falschen«

Auf der traditionellen


Mai-Demonstration in Berlin
bildete Friedrich von
Borries mit RLF einen eigenen
Block, der schließlich von
der Polizei aufgelöst wurde

»Man muss sich als Designer wieder


stärker politischen Fragen stellen«
Der Roman »RLF« handelt von Mit Friedrich von Borries (oben im Bild), Das ist jetzt Ihre Interpretation. Aber es
Marketingstrategien. Was hat Sie ist ja bekannt, dass ich der Welt kritisch
daran interessiert? Geschäftsführer von RLF und Professor gegenüberstehe. Vor allem aber finde ich
Friedrich von Borries: Schon in »Wer für Designtheorie und kuratorische Praxis es spannend, dass Jan einen Ausweg aus
hat Angst vor Niketown?«, meinem aller- diesem prototypischen Dilemma sucht, in
ersten Buch, habe ich mich mit urbanen
an der HFBK in Hamburg, sprachen wir dem wir heute stecken, und dadurch die
Marketingstrategien beschäftigt und da- über die subversive Kraft von Gestal- Idee zu RLF entsteht. Das Unternehmen
mit, welchen Manipulationsmechanismen tung und darüber, warum Fiktion heute vereinigt das kritische Potenzial, das wir
wir ausgesetzt sind und wie wir mit ihnen wahrscheinlich alle in uns spüren mit den
umgehen. Dieses Thema zieht sich durch interessanter ist als die Realität kapitalistischen Mechanismen, in denen
meine Arbeit, denn ich bin der Meinung, wir leben. Deshalb habe ich mich auch
dass man sich heute nicht mit Design befassen kann, ohne bereit erklärt, als Geschäftsführer von RLF zu agieren und
sich auch mit Marketingstrategien auseinanderzusetzen. mich darum zu kümmern, die Produkte zu vermitteln und
Die Fragen, die sich Gestalter stellen müssen, sind, in wel- auf den Markt zu bringen.
chen Zusammenhängen sie agieren, welche Rolle sie ein- RLF tritt also an, die Widersprüchlichkeit zwischen Kritik und
nehmen und wofür sie instrumentalisiert werden. Insofern Kapitalismus, in der wir leben, aufzulösen.
hat mich das Thema, als Mikael Mikael es an mich herange- RLF ist ein offenes Experiment. Wir starten mit zehn Pro-
tragen hat, sofort interessiert. dukten, die es in limitierten Editionen gibt. Als Geschäfts-
Auch die Hauptfigur des Buches, der Kreativdirektor führer bin ich natürlich an dem unternehmerischen Erfolg
Jan, sucht Antworten auf diese Fragen und gerät in einen von RLF interessiert, aber als Wissenschaftler und Hoch-
inneren Konflikt. schullehrer bin ich auch sehr gespannt, wie der Test ver-
In einen, von dem ich glaube, dass jeder Gestalter ihn kennt. läuft. Vielleicht kauft niemand die Produkte, vielleicht wer-
Diese Zerrissenheit, dass man es auf der einen Seite geil den sie uns aus den Händen gerissen. Vielleicht werden sie
findet, wie erfolgreich bestimmte konzeptionelle Strategien aus den Gründen gekauft, die Jan intendiert hat, vielleicht
und Tricks sind, auch dass die Glamourwelt eine gewisse aber auch aus ganz anderen.
Ausstrahlung hat, der man sich vielleicht nur schwer ent- Sind die Käufer Visionäre oder Dummköpfe?
ziehen kann, und dass man auf der anderen Seite aber auch Niemand, der die Produkte kauft, ist ein Dummkopf, schon
genau weiß, dass das irgendwie faul ist. allein weil sie extrem interessant gestaltet sind. Natürlich
Ist Ihr Buch deswegen auch mit einer gewissen ist es spannender, wenn jemand sie nicht nur wegen ihres
Empörung geschrieben? Aussehens kauft, sondern weil er zum Beispiel jeden Mor-
page 10.13 055

gen von dem RLF-Teeservice der Königli- Dazu gibt es auf www.rlf-propaganda.com
chen Porzellan-Manufaktur daran erinnert eine gamifizierte Aktivierung, die Ende
werden möchte, in welchen Widersprü- September startet. Wir wollen verschie-
chen er lebt, und er beginnt, anders über dene Distributionsmodelle ausprobieren,
sein Leben nachzudenken. Wenn jeder die da diese auch an anderen Stellen des De-
Produkte einfach nur schick findet, dann signdiskurses und auch in der DIY-Kultur
ist das Projekt natürlich gescheitert. Aber intensiv diskutiert werden. Kooperations-
dann sind Jan, Mikael Mikael und ich die partner sind arte und das UFA Lab, mit
Dummköpfe, weil wir dachten, dass man denen wir zusätzlich einen dokumentari-
mit den Produkten mehr vermitteln kann schen Film über RLF produzieren werden.
als eine ästhetische Oberfläche. Mikael Mikael hat nicht nur die Produkte
Von der politischen Kraft des Designs sind entworfen, sondern auch die Identity
Sie aber doch überzeugt. Gerade haben von RLF, die die schwarzweiße dazzle
Sie gemeinsam mit Jesko Fezer das Buch camouflage von Kriegsschiffen im
»Weil Design die Welt verändert . . .« Ersten Weltkrieg zitiert. Muss RLF sich
herausgegeben (Rezension auf Seite 111). Mit Enzo Maris Teekanne Berlin und Trude Petris Teetasse
seiner Meinung nach tarnen?
Der Titel ist natürlich eine optimistische Urbino von KPM Berlin remixte Mikael Mikael ein Es ist natürlich schwierig, für Dritte zu spre-
Behauptung. In dem Buch blicken wir auf Petit-déjeuner-Set, das er zusätzlich mit dem RLF-Strudel- chen, aber ich versuche es. Heute herrscht
die letzten 50 bis 100 Jahre zurück, in de- muster überzog. Den Goldrand des Geschirrs verlegte er an ja die absurde Situation, dass wir uns mehr
dessen Unterseite, wo er sich nach und nach abnutzt
nen Design unseren Alltag erheblich be- mit Fiktionen beschäftigen als mit Reali-
einflusst hat. Der Traum, dass man politi- täten. Die meisten Leute sehen lieber ei-
sche Veränderungen durch entsprechen- nen Spielfilm als einen Dokumentarfilm,
de gestalterische Ansätze unterstützen sie interessieren sich eher für Schauspie-
kann, ist ein alter. Den hat schon das Bau- ler als für Politiker und lesen mehr Roma-
haus vergeblich geträumt. Aber Design ne als Sachbücher. Fiktion ist wichtiger
hat sich weiterentwickelt, die Methoden als die Realität, und deswegen tarnt sich
auch, und ich finde, dass man wieder neu auch RLF als Fiktion, weil bestimmte ernst-
darüber nachdenken muss, wie man sich hafte Themen eher darüber vermittelt
in einer Welt, in der alles von menschlicher werden können als über die Realität. Ich
Foto (Teppich): Dan Beleiu, http://beleiu.net

Gestaltung abhängig ist, dazu verhält. meine, wenn ich Ihnen gesagt hätte, dass
Man muss sich als Designer wieder stär- ich ein super Sachbuch über Marketing
ker politischen Fragen stellen. Das kam in geschrieben hätte, dann säßen wir jetzt
den letzten Jahren viel zu kurz. In dem vielleicht nicht hier.
Roman »RLF« ist ein Interview mit dem Das Prinzip der dazzle camouflage ist,
Occupy-Gründer Kalle Lasn, in dem er sinn- dass sie mit Irritation arbeitet.
gemäß sagt, dass die Designer aufhören Genau, und das Interessante ist, dass die-
sollen, den Unternehmen und Auftragge- ses Prinzip der Tarnung, das auf Schwarz-
bern in den Arsch zu kriechen, und statt- weißkontrasten basiert, sowohl in der Na-
dessen zu Design-Anarchisten werden sol- tur beim Zebra vorkommt als auch im Ers-
len, eben weil Gestaltung die Kraft hat, die ten Weltkrieg als Tarnbemalung für Kriegs-
Welt zu verändern. Dass dies geschieht, ist Der von Mikael Mikael entworfene Teppich wird im Iran mit schiffe verwendet wurde. Ein deutsches
auch meine große persönliche Hoffnung. der seltenen Ein-Knoten-Technik handgeknüpft, bei der U-Boot, das nur mit einem Monokular aus-
lange Fäden übrig bleiben. So entsteht auf der Unterseite
Bei den RLF-Produkten gibt es sowohl gestattet war, durch das man nicht dreidi-
des Teppichs der Slogan »Show you are not afraid«,
bereits vorhandene, weiterentwickelte während er auf der Oberseite zu einem schwarzweißen mensional sehen konnte, war nicht in der
Designobjekte als auch Kooperationen. Flokati verwuschelt Lage zu erkennen, wie weit entfernt die
Es gibt insgesamt drei Produktebenen. Kriegsschiffe mit dieser zebraartigen Be-
Einmal Produkte, die Mikael Mikael selbst entwirft, wie die malung waren, wie groß sie waren und wohin sie sich be-
Tapete, die die Firma Rasch produziert, oder der Teppich wegten. Dieses Prinzip hat Mikael Mikael auf die Produkte
mit dem Slogan »Show you are not afraid«, der im Iran in ei- übertragen, und genauso zieht es sich auch inhaltlich durch
ner alten Technik handgeknüpft wird. Dann gibt es Produk- das Projekt. Man fragt sich, ob RLF ein Kunstwerk ist, ein Un-
te, bei denen Mikael Mikael Vorhandenes weiterentwickelt ternehmen oder eine Protestbewegung und ob die Entste-
und transformiert hat. Dazu gehört ein Teeservice der Kö- hungsgeschichte von RLF ein Roman oder doch ein Sachbuch
niglichen Porzellan-Manufaktur Berlin, das Trude Petri in den ist, eine erfundene Geschichte oder ein Bericht. Zugleich
1920ern entworfen hat, genauso wie das Regal FNP von bringt diese Tarnung, die sich durch Kontraste herstellt, zu-
Axel Kufus, dessen höchst intelligent verwendete Nieten sammen, was am weitesten voneinander entfernt ist: ein
Mikael Mikael durch Gold ersetzt hat. Auf der dritten Pro- kapitalistisches Unternehmen und die Revolution, einen kri-
duktebene wird Mikael Mikael adaptiert. Den Anfang macht tischen Theorieansatz und die reale Praxis des Marketings.
hier der Modedesigner Kostas Murkudis, der einen Overall RLF steht für das richtige Leben im falschen. Gibt es das?
entworfen hat. Der ist ein Einzelstück und wird im Oktober Da kann ich nur Adorno zitieren, denn von ihm gibt es den
im Berliner Concept Store Murkudis zum Höchstgebot ver- wunderbaren Satz aus den »Problemen der Moralphiloso-
kauft. RLF hat dann dort einen Store im Store. phie«: »Das Einzige, was man vielleicht sagen kann, ist, dass
Und es gibt auch einen adidas-Turnschuh. das richtige Leben heute in der Gestalt des Widerstands ge-
Ja, der ist auch ein Redesign von Mikael Mikael, und das Be- gen die von dem fortgeschrittensten Bewusstsein durch-
sondere ist, dass der Schuh nicht verkauft wird, sondern nur schauten, kritisch aufgelösten Formen eines falschen Lebens
durch künstlerische Interventionen erworben werden kann. bestünde.« Ich finde, man kann es nicht besser sagen. sd
056 page 10.13 KREATION

PAPIERWELT
Neues Incada
n Der schwedische Hersteller Igge-
sund Paperboard optimiert seine Sor-
te Incada. Der Chromokarton wird ab
Herbst nicht nur weißer und heller sein,
sondern auch bessere Laufeigenschaf-
ten aufweisen, sodass er sich noch
einfacher verarbeiten lässt . Bei der vor
allem für Verpackungsanwendungen
eingesetzten Sorte Incada Exel wird
zudem die Steifigkeit perfektioniert.
Das Iggesund-Werk im britischen
Workington produziert Incada. Kürzlich
stellte dies die Energieversorgung von
fossilem Erdgas auf Biomasse um, die in
einem neuen, modernen Heizkraftwerk
verbrannt wird. So reduzier te die Kar-
tonfabrik ihre fossilen Kohlen dio xid-
1 emis sionen von über 190 000 Ton nen im
Jahr auf 0 – das entspricht einer Emis-
sionsreduktion von über 65 000 Pkw
im Straßenverkehr pro Jahr.
1 Design-Notizbücher 2 Galaxi-Buch ≥ www.iggesund.com
Mark’s bringt n Der japanische Marktführer für De- n Der vor Kurzem erschienene zweite
eine richtig signschreibwaren Mark’s brachte jetzt Band der Serie zu den Galaxi-Papieren Cleverprinting-
schöne Schreib- die Terence-Conran-Kollektion heraus. der Paper Union spielt mit dem Ver-
warenkollektion Sie entstand in Zusammenarbeit mit häl t nis zwischen den Medien Web und
Experimente
mit Motiven dem gleichnamigen britischen Starde- Papier. Schwarz, glänzend und gestal- n Welche Bildauflösung wird minde-
von Terence signer sowie dem Victoria & Albert tet wie ein Tablet-PC befindet sich das stens benötigt? Welches Raster hat
Conran heraus Museum in London, das für diese Koo- 80-seitige Buch in einer Hülle aus Filz. welche Vor- und Nachteile? Welche
peration sein Archiv mit Entwürfen des Auf den vier Oberflächen Galaxi Ke- ICC-Profile sind die besten? Wer Ant-
1931 geborenen Gestalters öffne te. Aus ramik, Supermat, Brillant und Bulk prä- worten auf solche Fragen sucht, ist
der Vielzahl an Motiven wähl te Mark’s sentiert »Galaxi 2.0. Das Papier« eine mit dem neuen Handbuch bestens be-
drei Designs aus den 1950er Jahren: Reihe von Artikeln zum Thema Print dient, das das Schulungsunterneh-
Leaf, Abstract und Towers. und Internet sowie eine Sammlung men Cleverprinting gerade heraus ge-
Daraus entstand eine Kollektion mit den witzigsten Auswüchsen des geben hat. Auf 106 Seiten zeigt »Die
hoch wertiger Notizbücher, Geschenk- Netzjargons und verschiedene Inter- Cleverprinting-Experimente – so sieht
anhänger, Stifte, Visitenkartenmäpp- views. Eine Doppelseite schließlich in- das gedruckt aus!«, welche Ursache
chen und Dokumentenmappen. Die formiert über die im Buch eingesetzten welche Wirkung hat.
Kollektion stellte Mark’s erstmals auf Oberflächen und Veredelungstechni- Verglichen werden Druckfarben und
der Konsumgütermesse Tendence En- ken. Alle Galaxi-Papiere sind PEFC-zer- -raster, Bildauflösungen und Kompres-
de August in Frankfurt vor, ab Ende tifiziert und auf Anfrage auch mit FSC- sionen. Die Publikation visualisiert zu-
September ist sie in ausgewählten De- Zertifikat lieferbar. »Galaxi 2.0. Das Pa- dem RGB-zu-CMYK-Konvertierungser-
sign- und Museumsshops, Buchhand- pier« lässt sich kostenlos bei Papier gebnisse verschiedener Programme,
lungen sowie Papeterien erhältlich. Union beziehen. prüft die Wirksamkeit von Ink-Optimi-
≥  www.marks-japan.eu ≥ www.papierunion.de zing und -Saving und veranschaulicht
deren Effekt auf die Bilddaten. Außer-
In Form eines
dem stellt sie die gängigen Bogenoff-
Tablet-PCs
set- ICC-Profile einander gegenüber und
präsentiert
untersucht, was druckbar ist und was
Papier Union ihre
nicht. So machen zehn Papiersorten im
Sorte Galaxi
Vergleich sichtbar, was passiert, wenn
man ein Zeitungsbild im Bogenoffset
druckt und ein Hochglanzbild im Print-
verfahren für Zeitungen. Für 19,95 Euro
plus Porto kann man das Buch im Cle-
2 verprinting-Onlineshop bestellen. ant
≥ www.cleverprinting.de/shop
Anzeige von Gigant Print Works Bildproduktion GmbH

Gigant 1963–2013
Der konsequent hohe technische und handwerkliche Anspruch kennzeichnet die
Arbeitsweise des Gigant-Teams seit nunmehr 50 Jahren

eindrucksvollen Inszenierung histori­


sche Objekte mit interaktiven Medien.
Der Höhepunkt der Ausstellung ist ei­
ne Nachbildung des Plenarsaals unter
der Kuppel des Doms. Ob Bundestags­
adler, blaue Sitze, Rednerpult oder
Präsidentenplatz – der Saal ist mit vie­
len Details dem Original im Reichs­
tagsgebäude nachempfunden.
Die Herausforderung bei dem Pro­
© David Cuenca

jekt bestand zunächst in der Bearbei­


tung der Bilddaten für den Tapeten­
druck. Gigant hat die Daten in dem
Layout von Archimedes optimiert und
Bundestagsausstellung im Deutschen Dom: Tapetendruck, auf Rigips aufgebracht für ein Blow­up vorbereitet. Dank der
frühzeitigen Investition in die neueste

I
n einem europaweiten Vergabe­ gen hinter Acrylglas mittels Silikon Technik von HP­Latexdruckern der
verfahren hat die Archimedes Ex­ (siehe Abbildung unten rechts). Dieses Generation LX850 konnten wir die vie­
hibitions GmbH den Zuschlag Verfahren ist das bisher einzig verläss­ len hundert Quadratmeter Tapete in­
für die Realisierung der Ausstellungs­ liche, um Fotobelichtungen auf lange nerhalb kürzester Zeit drucken.
einheit »Die parlamentarische Demo­ Zeit vor Witterungseinflüssen wie UV­ Nicht nur die Druckgeschwindig­
kratie in Deutschland« erhalten. Nach Strahlen zu schützen. keit, sondern der nachhaltige Umgang
der Produktion der grafischen Erstaus­ Gigant gibt der Kommunikation mit mit Ressourcen haben bei der Auftrags­
stattung durch Gigant Anfang 2000 Bildern, Gefühlen, Produkten und Bot­ vergabe eine immer größere Bedeutung.
wird die neue Ausstellung digitale Me­ schaften Raum. Unser Faible für hoch­
dien mit hochwertigen Gigasec®­Bil­ wertige Präsentationen, immer unter Aufbau von
dern und großformatigem Tapeten­ dem Gesichtspunkt der Wertschöp­ Gigasec® 33:
druck verbinden. fung, finden Sie überall dort, wo die Kaschierung
Gigant wurde 1963 in Berlin als Lust auf Schönes in der Luft liegt: Der einer Foto-
Fotolabor gegründet und beliefert seit­ Erfolgsgarant in der Zusammenarbeit belichtung
her europaweit Museen, renommierte mit Archimedes ist, verschiedene Ge­ hinter Plexiglas
Galerien und Künstler. Agenturen und werke im Zusammenspiel umzusetzen. Abbildung:
Industriekunden bietet das Unterneh­ Archimedes deckt alle Disziplinen © Gigant Print
men Druckdienstleistungen mit kur­ der Ausstellungsgestaltung vom Kon­ Works
zen Reaktionszeiten und kompetentem zept bis zur Produktion der Szenogra­
Projektmanagement bis hin zu Versand fie und der Exponate ab. Gerade für
und Montage. komplexe Inhalte entwickelt die Agen­
Die Veredelungstechnik von Foto­ tur anschauliche und im Wortsinn be­ Plexi-Glas© Fotopapier AluDibond©
belichtungen unter dem Markenzeichen greifbare Konzepte. Eingebettet in nach­
Gigasec® führte Gigant im Sommer vollziehbare Geschichten, nah an der Gigant verweist bei vielen Ausschrei­
2012 ein. Dabei handelt es sich um die Erfahrungswelt der Zielgruppe, werden bungsprojekten mit seinen Zertifikaten
Verklebung von Kodak­Fotobelichtun­ so aktuelle und historische Themen un­ »Greenguard Printing« und »UL Eco­
terhaltsam und informativ präsentiert. logo« auf die ökologische Nachhaltig­
keit ihrer Druckprodukte. Alle verwen­
Die Ausstellung im deten Materialien entsprechen zudem
Deutschen Dom den kritischen deutschen Brandschutz­
Die Ebene 1.1. des Deutschen Dom in verordnungen. Viele unserer Industrie­
Berlin ist Teil der Ausstellung »Wege – kunden, gerade aus dem Lebensmittel­
Irrwege – Umwege« des Deutschen Bun­ bereich, entdecken dieses Thema zu­
destages. Die Ausstellung ist hell, nutzt sammen mit Gigant.
klare Farben und verbindet in einer Die Ausstellungseinheit »Die parla­
© David Cuenca

mentarische Demokratie in Deutsch­


Dieses Motiv für die Bundestagsaus- land« eröffnet Dr. Norbert Lammert,
stellung im Deutschen Dom, Berlin, Präsident des Deutschen Bundestages,
entstand im Gigasec®-Verfahren am 3. September im Deutschen Dom.
058 page 10.13

TYPO

Ganz gleich, ob Leberstoff-


wechsel oder Verbreitung
der kyrillischen Sprache:
Wissenschaft kann äußerst
reizvoll sein. Das zeigen diese
mit Mir gestalteten Illustra-
tionen von Julia Sysmäläinen
page 10.13 059

Relaxed Science
Wissenschaft kann Spaß machen und sogar richtig einladend aussehen.
Das beweist Julia Sysmäläinen mit ihrer neuen Schriftfamilie Mir

n Trocken und langweilig wirken na­ auch anders. Die in Berlin lebende Fin­ Die ganz leichte Rundung der Zeichen
turwissenschaftliche Abhandlungen oft nin schuf unter dem Motto »Relaxed sorgt für ein freundliches Aussehen der
schon deshalb«, sagt Julia Sysmäläinen, Science« eine Schrift, die helfen soll, Type, ohne dass sie dadurch an Autori­
»weil sie fast immer die Times für For­ Kompliziertes einfach und gleichzeitig tät einbüßt. Ihre Formen sind einfach,
meln und Gleichungen nutzen. Denn schön aussehen zu lassen. ohne minimalistisch zu sein, sie hat ei­
die hat einen für diesen Bereich um­ Das gelingt der humanistischen Se­ nen eigenen Charakter, der aber die
fassenden Zeichensatz.« Aber es geht mi Slab durch verschiedene Stilmittel: Funktionalität nicht beeinflusst. Se­
060 page 10.13 TYPO Mir

rifen werden dort eingesetzt, wo


sie Buchstaben leichter differenzier-
bar machen und der Konsistenz des
gesamten Schriftsatzes dienen. Und
Mir verfügt über die notwendigen Zei-
chen und Features für Naturwissen-
schaften, zum Beispiel mathematisches
Griechisch, Brüche, tief- und hochge-
stellte Zahlen und natürlich propor tio-
nale und Versalziffern.

Multilingual sollte Mir werden – das


stand von Anfang an für die bilingual
mit Finnisch und Russisch aufgewach-
sene Designerin fest. Die lateini schen
und kyrillischen Zeichen entwickelte
sie gleichzeitig und eng aufein ander
abgestimmt. Etwas später kam Grie-
chisch dazu. Damit ist aber noch nicht
Schluss. »Gemeinsam mit meinem Kol-
legen Toshiya Izumo bei edenspieker-
mann bin ich dabei, einen Zeichensatz
für das japanische Silbenalphabet Hira-
gana zu entwerfen«, verrät sie.
Wer zwei Schriftsysteme beherrscht,
hat es sicherlich leichter, trotzdem: Wie
erreicht man stilistische Konsistenz zwi-
schen drei so unterschiedlichen Spra-
chen? »Man muss aufpassen, dass man
die Formensprache des eigenen Schrift-
systems nicht einem anderen über-
stülpt«, erklärt Julia Sysmäläinen. »Ky-
rillische Zeichen zum Beispiel wirken
für westliche Designer oft etwas sta-
tisch. Sie versuchen daher manchmal,
sie nach dem Vorbild der lateinischen
zu ›verbessern‹, um mehr Rhythmus
hineinzubekommen.« 
Wegen der parallelen Entwicklung
konnte die Gestalterin subtile Elemen-
te, etwa die leichten Abrundungen, in
beiden Alphabeten ausprobieren und
sorgte so für Konsistenz und Wieder-
erkennbarkeit. »Grundsätzlich sollte
man wichtige Formeigenschaften nicht
verändern, dafür jedoch verbindende
Elemente – in diesem Fall die Semi-
Slab-Serifen – hervorheben. Allerdings
ist es nicht besonders sinnvoll, sie dog-
matisch möglichst vielen Zeichen auf-
zuzwingen«, erklärt sie.

Anders als bei SyysScript, die Julia


Sysmäläinen quasi in einem Zug zeich-
nete, hat sie an Mir lange Zeit gearbei-

Bislang gibt es Mir in den


Schnitten Regular, Medium
und Bold plus passende
Italics in Lateinisch, Grie-
chisch und Kyrillisch.
Weitere Schnitte, Sprachen
und wissenschaftliche
Features sollen folgen
page 10.13 061

tet. Die ersten Skizzen steckten schon So kann sich Julia Sysmäläinen weite-
auf der ATypI 2005 in Helsinki in ihrem re Features und Glyphen vorstellen,
Gepäck. Immer wieder legte die Type- etwa ein Mir-Icon-Set, damit man leich-
designerin die Entwürfe beiseite, zum ter Formeln und Diagramme gestalten
einen, weil ihre Projekte bei edenspie- kann. »Ganz sicher werden noch die
kermann Vorrang hatten, zum ande- Schnitte Extra Bold und Light dazu-
ren, um mehr Klarheit über das Kon- kommen, möglicherweise auch eine
zept zu bekommen. Eine vier Monate Con densed-Variante«, erzählt sie. Ei-
lange Auszeit von ihrem Agenturjob nen Ausbau für weitere Schriftsyste-
hat sie nun genutzt, um die Fontfami- me schließt sie ebenfalls nicht aus.
lie fertigzustellen. Denn mit dem Namen Mir –, was auf
Seit Kurzem kann man Mir in Regu- Russisch zugleich »Welt« und »Frieden«
lar, Medium und Bold plus passende bedeutet –, hat sie sich ja zu einigem
Italics bei MyFonts für rund 130 Dollar
kaufen. Wobei man das Wort »fertig-
gestellt« nicht wörtlich nehmen darf.
verpfl ichtet. Und wenn es schon nicht
der Weltfrieden ist, dann wenigstens
typografi sche Grenzenlosigkeit. ant
Nice-to-
must-have.

Stilistische Konsistenz am Beispiel des k: Subtile Elemente wie die leichte


Rundung ziehen sich durch alle drei Schriftsysteme

Die Semi-Slab-Serifen als verbindendes Moment


dort, wo es sinnvoll sind. Beim kyrillischen
Be und dem griechischen Beta passen sie nicht

PAGE Shop: typoPAGE – geballte


Typografie auf 196 Seiten /
Schneidematte – stabil & stilvoll /
DTP-Typometer 2.0 – mit US-
und DIN-Formaten. Jetzt bestellen:
shop.page-online.de/produkte

Die Kombination von Serifen und Rundungen


sorgt für Konsistenz und Wiedererkenn-
barkeit und macht den Charakter der Mir aus
062 page 10.13 TYPO Leserlichkeit

Mit viel Geduld und


Einfühlungsver­
mögen motivierte
Ann Bessemans
die an den Tests
teilnehmenden
Kinder, Texte in
verschiedenen
Schriften zu lesen

Besser lesen
pendium der Microsoft-Abteilung ClearType & Advanced
Reading Technologies erhalten.
Wissenschaft und Schriftgestaltung dichter zusammen-
zurücken ist Ann Bessemans ein großes Anliegen. »Schon
früher hat man Typografie als nützliches Instrument zur Stei-
Spezielle Schriften, aber auch die überarbeitete gerung der Lesbarkeit gedruckter Texte für Kinder mit ein-
DIN-Norm 1450 können Menschen beim Lesen helfen. geschränkter Sehfähigkeit eingesetzt«, sagt sie. »Allerdings
war die wissenschaftliche Lesbarkeitsforschung häufig unzu-
Solchen mit und ohne Sehschwäche reichend. Man ging zwar methodisch korrekt vor, doch die
als Testmaterial verwendeten Schriften hatten mit der Rea-
lität meist wenig zu tun.« Auf der anderen Seite haben auch
Schriftgestalter immer wieder Fonts entwickelt, die die Le-
n Schon wir Normalsichtigen ärgern uns gelegentlich über serlichkeit von Texten steigern sollten. Ihren Überlegungen
schlecht zu lesende Straßenschilder oder Beipackzettel, die fehlte allerdings oft die methodische Grundlage. Außerdem
aussehen wie mit Ameisenkötteln bedruckt. Wie aber muss konzentrierte sich die Lesbarkeitsforschung überwiegend
es erst Menschen mit einer Sehbehinderung gehen? Ann auf Menschen mit Sehschwächen im Allgemeinen und igno-
Bessemans hat sich in ihrer Doktorarbeit an der Media, Arts rierte die Tatsache, dass sehbehinderte Kinder eine eigene
and Design Faculty in Hasselt mit der Frage beschäftigt, wie Gruppe mit spezifischen Bedürfnissen darstellen.
man Kindern mit eingeschränkter Sehfähigkeit helfen kann,
besser lesen zu lernen. Dazu untersuchte sie die Leserlich- Für Kinder mit eingeschränkter Sehfähigkeit sind
keit von Buchstaben und entwickelte auf dieser Grundlage formal heterogene Schriften leichter zu lesen
eine Schrift, die speziell diese Kinder unterstützt. Für ihr
Projekt hat die 30-jährige Belgierin, die als Dozentin für Bei der Entwicklung der Schrift ging Ann Bessemans zu-
Grafik- und Typedesign an der Provinciale Hogeschool Lim- nächst von DTL Documenta und Frutiger aus und konzen-
burg sowie als selbständige Designerin arbeitet, ein Sti- trierte sich auf deren jeweilige Formmerkmale. Sie legte
page 10.13 063

Matilda Regular

Matilda Rhythm

Matilda Direction

dabei fünf Parameter fest: Rhythmus, Richtung, Kontrast Matilda ist eine großzügige Serifenschrift mit breiten,
innerhalb der Buchstaben, Akzentuierung ihrer markantes- runden Buchstaben und leicht unregelmäßigem
ten Elemente, Variation der x-Höhe sowie der Ober- und Rhythmus. Im Vergleich zur Regularversion kippen in
Unterlängen. Anschließend zeichnete sie mehrere Fonts, die der Matilda Direction die Buchstaben nach rechts,
diese Parameter unterschiedlich stark berücksichtigten, so- Matilda Rhythm läuft weiter. Mit solchen Experimenten
dass sie mal homogener, mal heterogener aussahen. Diese versucht Ann Bessemans herauszufinden, wie seh­
legte sie sowohl normalsichtigen als auch sehbehinderten behinderte Kinder Buchstaben am besten erkennen
Kindern vor und testete ihre Leserlichkeit mit verschiedenen
wissenschaftlichen Methoden. »Dabei zeigte sich, dass nor-
malsichtige Kinder die Schriften am besten wahrnahmen und
als am lesbarsten einstuften, die ihnen im Alltag häufig be-
gegnen«, berichtet die Designerin. »Während sie mit einem
homogenen Schriftrhythmus gut zurechtkamen, hatten die
sehschwachen Leseanfänger damit Schwierigkeiten. Eine ge-
wisse formale Heterogenität ist für sie demnach von Vorteil.«
Diese Erkenntnisse flossen in den Entwurf der Matilda
ein, einer großzügigen Serifenschrift mit leicht unregelmä-
ßigem Rhythmus, deren Endungen in Blattform für Unver-
wechselbarkeit sorgen. »Matilda hat breite, runde Buchsta-
ben, konstruiert und organisch zugleich, angelegt auf einer
stabilen, vertikalen Achse«, erklärt Ann Bessemans. »Der ge-
ringe Kontrast ist nötig, damit man sie gut vergrößern und
verkleinern kann. Außerdem bleiben die Buchstaben sehr
klar, auch wenn die Kinder Text vor unterschiedlichen Hin-
tergründen oder in verschiedenen Farben lesen müssen.«
064 page 10.13 TYPO Leserlichkeit

Speziell für den Ein­ Neben Matilda Regular gibt es zwei weitere Varianten, die ten aus (siehe PAGE 07.13, Seite 69). Begeisterungsstürme
satz in ganz kleinen die Parameter Rhythmus und Richtung betonen. So sollen rief die kürzlich fertiggestellte DIN 1450 in der Kreativbran-
Schriftgraden, zum Kinder mit einer Sehschwäche die Buchstaben leichter erken- che nicht hervor. Das liegt möglicherweise daran, dass das
Beispiel auf Beipack­ nen können. »Allerdings sind diese Fonts noch nicht final«, so Deutsche Institut für Normung nicht gerade Charme ver-
zetteln, gestaltete Ann Bessemans. »Wir untersuchen, ob man die Eigenschaften sprüht. Unwillkürlich denkt man, wenn man den Namen hört,
Sebastian Hähnlein nicht etwas subtiler integrieren und trotzdem größtmögliche an verstaubte Büros und langweilige Herren in grauen An-
die auch in 2 Punkt Unterstützung gewährleisten kann.« Matilda will sie auf jeden zügen. Dabei ist es ganz anders: Die Ausschüsse dort wer-
noch lesbare Consult Fall zu einer großen Familie mit vielen Schnitten ausbauen. den immer mit Fachleuten besetzt, in diesem Fall unter an-
derem mit den Typedesignern Albert-Jan Pool, Ralf Herr-
Statt zu raten, ob ein Text leserlich ist, könnten mann, Indra Kupferschmid, Ivo Gabrowitsch und Otmar Hö-
Grafiker die DIN-Norm zur Leserlichkeit nutzen fer – geballte Typo-Kompetenz also.
Die Überarbeitung bezog sich im Wesentlichen darauf,
Von Sehbehinderten, genauer: dem Deutschen Blinden- und dass die Norm bislang vor allem auf Schriften im öffentli-
Sehbehindertenverband e. V., ging auch der Anstoß für die chen Raum abzielte. Jetzt sollte sie alle üblichen Schriftan-
Überarbeitung der DIN-Norm zur Leserlichkeit von Schrif- wendungen abdecken und sinnvolle Empfehlungen geben.
Auf Typografie.info beschreibt Ralf Herrmann in einem le-
senswerten Artikel ausführlich Hintergründe und Inhalte
der Norm und erläutert, warum sie sinnvoll ist (  http://is.gd/
DIN1450  ). Seine Argumentation: Bei der Gestaltung leserli-
Leserlichkeit und Lesbarkeit cher Texte stützen sich Grafiker auf das Wissen aus ihrer Aus-
bildung und auf ihre Berufserfahrung. Im Englischen gebe
Synonym sollte man diese Begriffe nicht verwenden, es dafür die Bezeichnung educated guessing, ein Art fun-
denn sie haben unterschiedliche Bedeutungen diertes Raten. »Aber«, so schreibt Ralf Herrmann, »kann ein
Designer wirklich immer korrekt ›erraten‹, wie groß die Lösch-
Leserlichkeit ist ein Maß für die Lesegeschwindigkeit von einrichtungen und Fluchtpläne in einem Flughafen oder ei-
Texten. Ein gut leserlicher Text lässt sich schneller lesen als ner U-Bahn-Station beschriftet werden müssen, damit sie
einer mit geringer Leserlichkeit. Wichtige Faktoren dafür sich aus einer bestimmten Entfernung lesen lassen?« Eben-
sind zum Beispiel Schriftart und -grad, Auszeichnungsart, so kritisch sei es bei Medikamenten und Beipackzetteln.
Zeilendurchschuss, Satzbreite und Ausrichtung, aber auch »Möchte er für die in diesen Fragen gefällten ›Bauchent-
Farben und Untergrund. Im Unterschied zur Lesbarkeit ge- scheidungen‹ immer noch die Verantwortung übernehmen,
hen bei der Leserlichkeit keine inhaltlichen Faktoren wie wenn es im Nachhinein zu Problemen kommt?« Für alle, die
etwa Textverständnis ein. sich nicht ausschließlich auf ihren Bauch verlassen wollen,
Lesbarkeit ist eines von mehreren Kriterien für die Ver- ist die DIN 1450 »Schriften – Leserlichkeit« ein nützliches
ständlichkeit von Texten. Sie beruht auf der sprachlichen Ge- Werkzeug, mit dem man seine educated guesses abgleichen
staltung wie Wort- und Satzkomplexität oder Wortschatz kann. Bestellen lässt sich die DIN-Norm für ungefähr 84 Eu-
und wird häufig mit Verständlichkeit gleichgesetzt.   ant ro unter www.beuth.de.
page 10.13 065

Es existiert bisher keine Schrift, die sich für Typisch für Consult sind zum einen die ausgeprägten Ink- Endlich mal ein
den Einsatz in langen Textpassagen in klein(st)en traps, also die Einkerbungen an den Stellen eines Buchsta- Beipackzettel,
Graden eignet bens, an denen zwei Striche aufeinandertreffen, zum an- auf dem man die
Die DIN 1450 hat bislang reinen Empfehlungscharakter, deren die Miniserifen an den unteren Stammenden der Informationen
aber wer weiß, vielleicht werden einige Bestandteile schon Schrift, die ansonsten die Merkmale einer humanistischen nicht erraten muss,
bald Gesetz . . . Zum Beispiel die Verpflichtung, Beipackzet- Serifenlosen aufweist. Diese Serifen sind in der Anwendung sondern den man
tel von Medikamenten für jedermann lesbar zu gestalten. zwischen 2 und 4 Punkt nahezu unsichtbar, optimieren aber einfach lesen kann
Das wäre die Stunde von Sebastian Hähnlein. In seiner Ba- die Darstellung der unteren Stammenden und damit die
chelorarbeit im Studiengang Design an der Hochschule Nie- Zeilenbildung und die Lesbarkeit. Auch den Ernstfall prob-
derrhein in Krefeld entwickelte er die Schrift Consult, deren te Hähnlein und testete die Schrift im Offsetdruck. Von der
Schwerpunkt auf guter Lesbarkeit in kleinen Graden liegt. Qualität des Druckbilds war er so überrascht und euphori-
»Beipackzettel sind ein wichtiger Bestandteil von Verpackun- siert, dass er gleich noch eine Displayvariante für den Einsatz
gen für erklärungsbedürftige Produkte«, meint der 27-Jähri- in größeren Graden, beispielweise in Headlines oder auch
ge. »Bei unzähligen Artikeln im Bau- und Gartenmarkt, Kos- im Corporate Design zeichnete. Die von Professorin Nora
metik- und Medikamentenschachteln sind sie unverzichtbar Gummert-Hauser und Typedesigner Guido Schneider be-
und auch teilweise mit gesetzlich vorgeschriebenen Infor- treute Abschlussarbeit ist gerade erst fertig geworden. Noch
mationen bestückt. Dennoch begegnet man hauptsächlich hat Sebastian Hähnlein keinen Distributor für seine Schrift;
Beispielen, die nicht zum Lesen gestaltet wurden. Schriften interessierte Foundries können sich direkt an ihn wenden
werden einfach unabhängig von Klassifizierung oder Eig- (sebastian-haehnlein@gmx.de).
nung durcheinandergeworfen.« Abschließend noch einmal zurück zum Lesenlernen:
Je länger sich Sebastian Hähnlein mit Beipackzetteln be- Auch Kinder ohne Sehschwäche haben dabei gelegentlich
schäftigte, desto größer wurde die Vermutung, dass keine Schwierigkeiten. Das hat sicher damit zu tun, dass die er-
Schrift existiert, die sich für den Einsatz in langen Textpas- sten Lesehefte und Fibeln in Futura oder einer ihrer Ver-
sagen in klein(st)en Graden eignet. Zudem fand er keine Ty- wandten gesetzt sind, bei denen b und d sowie p und q in
pe, die eine überzeugende Zeichengestaltung für eine opti- der Regel einfach gespiegelt sind und auch Versal-I und ge-
male Lesbarkeit unter widrigen Produktionsbedingungen, meines l Verwechslungspotenzial haben. Warum man sie
etwa auf Dünndruckpapier, aufweist. »Also nahm ich mir vor, verwendet, konnte mir bis zum heutigen Tag noch niemand
eine alltags- und praxistaugliche Schrift zu entwerfen, die überzeugend erläutern – zumal in beinahe allen anderen
die ökonomischen Anforderungen der Industrie berücksich- Büchern dieser Welt Serifenschriften zum Einsatz kommen.
tigt, ohne dabei die Nutzer zu vergessen«, berichtet er. Ne- Auch Ann Bessemans Forschung ergab, dass Leseanfänger
ben einer Regular- und einer Boldversion für Auszeichnun- signifikant besser lesen, wenn eine Serif eingesetzt wird.
gen entwickelte der Designer hilfreiche Aufzählungszeichen. Matilda ließe sich demnach in allen Lehrmaterialien für alle
Dazu zählen die mit Rechtecken umrandeten Zahlen, die Kinder nutzen. Mit dieser Veränderung würde auch der Sohn
besonders gut erkennbar sind und eine ruhigere Zeile schaf- einer Bekannten nicht mehr zwischen »echten Büchern«
fen. Oder die kräftige, quadratische Punktvariante für Auf- und »denen aus der Schule« unterscheiden müssen. Das
zählungen sowie Pfeile für Verweise oder Anmerkungen. macht doch Sinn, oder? ant
066 page 10.13 TYPO

TYPOWELT

Reihe bemerkenswerter Ligaturen wie


1 Berliner Linear-Grotesk etwa gi, gy, ti, tr, tu, ty sowie Alterna­
2 Streets of London
Auffällig, n Ein wenig extravagant ist sie schon, tivbuchstaben zeichnete. n Ein einzelnes R auf einem Straßen­
ungewöhnlich die Fontfamilie Version 1 International Version 1 International kommt zu­ schild in Londons Nobelviertel South
und ganz von Oliver Jeschke. Nicht nur das klei­ nächst in sechs Fetten – Display, Light, Kensington inspirierte Boris Kochan,
schön schräg: ne g, auch die schrägen Striche in Buch­ Roman, Medium, Bold und Black – plus Inhaber der Agentur Kochan & Part­
Version 1 Inter- staben wie m, n, r, f oder h sind unge­ passende Italics sowie in einer Corpo­ ner in München, zur Entwicklung einer
national von wöhnlich. Und so kommt die Type in rate­Variante auf den Markt, die sich ganzen Schriftfamilie. Ihre Realisierung
Oliver Jeschke größeren Anwendungen – Headlines, vor allem für Texte in kleinen Graden hat Robert Strauch von der Augsbur­
Logos, Verpackungen oder Plakaten – eignet. Die Schriftfamilie lässt sich ab ger Typefoundry Lazydogs übernom­
besonders gut zur Geltung. Aber auch Herbst in der Typefoundry von Ralph men. Geschaffen hat das R einst David
in Texten kann man sie einsetzen, zu­ du Carrois erwerben. Kindersley, britischer Typedesigner und
mal der Berliner Designer eine ganze ≥  www.carrois.com ehemaliger Lehrling von Eric Gill, der
page 10.13 067

  Weitere interessante artikel rund um Typografie finden Sie unter www.page-online.de/emag/typo und Links zu
Typefoundries et cetera unter www.page-online.de/typo-links

in den 1940er Jahren mit seinem Stra­


ßennamenalphabet für mehr Lesbar­
keit auf Londons Schildern sorgte. Die
Witwe von David Kindersley gewähr­
te Einblick in die Originalzeichnungen
der Buchstaben.
Die entstandene Schrift heißt – na­
türlich – Streets of London. In ihr, so
Boris Kochan, wehe noch ein Hauch
von good old England: kraftvoll, meer­
umtost und ein kleines bisschen old-
fashioned. Sie lässt sich – ebenso na­
türlich – für Leitsysteme und Straßen­
schilder nutzen, macht sich aber auch
im Editorial Design sehr gut. Für rund
120 Euro ist die Familie, bestehend aus
Regular plus Small Caps, Italic und Bold
über Lazydogs zu beziehen.
≥  www.lazydogs.de
2

3 Flexibles Logo
n Typejockeys aus Wien entwickelte Geblieben ist der Preis von 16,80 Eu­ Manufaktur, die handgeschriebene Ein­ Die von Boris
für die Eventreihe »Startup Live«, bei ro und das Motto: »A fresh font a day ladungen, Karten, Mailings und Bro­ Kochan und
denen junge Unternehmer ihre Busi­ keeps Comic Sans away.« schüren produziert. »Wir schreiben mit Lazydogs ent-
nessideen vorstellen und Investoren ≥  www.typografie.de Tinte und Feder und erhalten so ein wickelte Streets
treffen können, ein flexibles Erschei­ Stück Schreibkultur«, erklärt die freie of London eignet
nungsbild samt einer eigenen Schrift. Lektorin. Verschiedene Handschriften, sich für Leit-
Das veränderbare Corporate Design
Persönliche Mailings Geräte und Farben stehen zur Aus­ systeme ebenso
lässt sich von den lokalen Teams für n Handschrift hat Sandra Nagel schon wahl. Bei umfangreichen Mailings ko­ wie für das
die Veranstaltungen in den verschie­ immer fasziniert, doch wusste sie nie operiert sie mit einer Firma, die Hand­ Editorial Design
denen Städten einfach anpassen. Da­ so recht, was sie damit anfangen könn­ schriften mit modernster Technik ma­
bei wählen sie zwischen verschiede­ te. Das hat sich geändert, vor Kurzem schinell umsetzt. ant
nen Farben und Mustern und generie­ eröffnete sie Punktum Handschriften­ ≥  www.punktum-handschriften.de
ren so ein individuelles Erscheinungs­
bild. Das eigentliche Startup­Live­Lo­
go aus blauen und grünen Kreisen hält 3
sich im Hintergrund. Ob Ton in Ton oder
knallig bunt – verbindendes Element
ist in jedem Fall die eigens geschaffe­
ne fett­runde Schrift.
≥  www.typejockeys.com
Per Logogenerator
kann sich jede
»Typodarium 2014« Stadt ihr eigenes
n Bereits zum sechsten Mal ist jetzt Logo für die
das »Typodarium« im Verlag Hermann Eventreihe »Start-
Schmidt Mainz erschienen. Diesmal ha­ up Live« basteln.
ben die Herausgeber Lars Harmsen Die Schrift von
und Raban Ruddigkeit den Altmeister Typejockeys hält
Ed Benguiat sowie Veronika Burian, die verschiedenen
Luc(as) de Groot, Boris Kochan und Motive zusammen
Ian Lynam gebeten, die bunte Vielfalt
an eingereichten Fonts zu sichten und
ihre 365 Lieblinge auszuwählen. Frisch
sind nicht nur die Typen, sondern auch
der Look: 2014 bringt das »Typodari­
um« mit einer türkisblauen Ägäis­Bri­
se frischen Wind in den Kreativalltag.
1 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

PRAXIS

Gutes DesiGn
entwickeln
Fallbeispiele & Strategien

Das Seminar 1 Der Referent Das Seminar 1


n Dass Design ein bedeutender Wirtschaftsfaktor ist, steht außer Frage: n Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts-
CD/CI-Agenturen verzeichnen eine Auftragslage wie schon lange nicht führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist
mehr; klassische Werbeagenturen bauen ihre Design-Units aus; auch kleine Professor für Corporate Identity und Corporate
und mittlere Unternehmen entdecken die Notwendigkeit, sich durch einen Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied des
professionell gestalteten, ganzheitlichen Auftritt – über alle Medien hinweg – Art Directors Club Deutschland, davon drei Jahre
den nachhaltigen Erfolg im internationalen Wettbewerb zu sichern. Auf als Präsidiumssprecher. Er ist Mitglied im D&AD
Designer kommen dabei neue Herausforderungen zu: Immer mehr werden London und im Type Directors Club New York.
sie auch zu Beratern für strategische Unternehmenskommunikation. Die Seine Designagentur Strichpunkt steht für hoch-
Entwicklung und Umsetzung eines Markenauftritts ist deshalb kein leichtes wertige Marken- und Unternehmenskommuni-
Unterfangen: Es ist ein langfristiger Prozess, der von Gestalter und Auftrag- kation im Print-, Online- und 3-D-Bereich, hat mehr
geber nicht nur gegenseitiges Vertrauen und Kooperationsvermögen erfordert, als 600 internationale Preise gewonnen und ist
sondern vom Designer auch die Kunst, Beratung, Konzeption und Umsetzung
zielgerichtet zu verzahnen.
Die Agenda
Jochen Rädeker erläutert im PAGE Seminar »Leitmedium Design« anhand eines
prototypischen, gemeinsamen Marken-Workshops und konkreter Praxisbei- 1. Vom Leitbild zur Bildwelt
spiele, wie Sie einen komplexen Gestaltungsprozess angehen, mit dem Kunden Was Corporate Identity von Corporate
eine umfassende Branding-Strategie entwickeln und – weit über Styleguides Design unterscheidet – und warum
hinaus – die gesamte Unternehmenskommunikation harmonisieren. Wertvolles das eine für das andere so wichtig ist.
Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen!
2. Vom Briefing zur Strategie
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 13. September 2013 im Hotel Wie entwickelt man mit dem Kunden
Gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro das optimale Briefing? Wie definiere
(zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch ich eine Kommunikationsstrategie?
und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt! Also Der Marken-Workshop als zentraler
schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar. Startpunkt in ein erfolgreiches Projekt.

Am Folgetag findet Jochen Rädekers Anschluss-Seminar zum Thema Kalkulieren, 3. Von der Strategie zur kreativen Idee
Präsentieren, Verkaufen statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie Wie funktional muss, wie kreativ
bauen nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur darf ein gutes Corporate Design sein?
1166 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 Euro und sparen 130 Euro. Möglichkeiten und Grenzen des
Kreativprozesses.

PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // E-Mail: info@page-online.de // 4. Vom Leitmedium zur Medienneutralität
Telefon: +49 40 85183400 // www.page-online.de/seminar Wie werden aus einer großartigen
Idee großartige Medien?
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen- Wege und Umwege zu einem
folge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. Sie ist sofort nach konsistenten Markenauftritt.
Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung
seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprü-
che bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 05. 06. 2013 berechnen Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt
wir 50 Prozent, ab 10. 07. 2013 100 Prozent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teil-
nehmers nicht einzelne Tage storniert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich.
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und
Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel. den Austausch der Teilnehmer untereinander.
2 Das Erfolgsseminar
»Leitmedium Design« reloaded
Mit neuen Fallbeispielen – als Eintages-
oder Zweitagesseminar buchbar!

PRAXIS

Gutes DesiGn
Gut verkaufen
Kalkulation & Präsentation

Das Seminar 2
seit Jahren in den Top Ten des PAGE Kreativ- n Designer wollen nur eins: Top-Arbeit abliefern – über alle Medien hinweg.
rankings vertreten. Jochen Rädeker verfügt Denn das bringt dem Kunden Wettbewerbsvorteile und dem Gestalter
mit seinen Arbeiten für Unternehmen von Geld, Ruhm und Ehre. Doch vor der allgemeinen Freude steht harte Arbeit:
adidas bis WMF, von Beiersdorf über Vorwerk Wie wird ein Designkonzept kalkuliert? Wie werden Angebote vom
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper Designer richtig formuliert und vom Kunden richtig bewertet? Wie laufen
über einen immensen Erfahrungsschatz in Verhandlungen für beide Seiten sinnvoll ab? Ist der Job da und die
Sachen Konzeption und Umsetzung komplexer Idee steht *, kommt die nächste Hürde: Wie kann ich bei internen und
Designstrategien – von der Imagebroschüre externen Präsentationen überzeugen?
bis zur Werbekampagne, vom Online- bis zum
Messeauftritt. Er ist Autor zahlreicher Bücher Jochen Rädeker erläutert anhand der zehn wichtigsten Erfolgsfaktoren
zum Thema Unternehmenskommunikation. (und Problemfelder) für ein gutes Projekt den optimalen Workflow zwischen
Kreativen und Auftraggebern. Am Beispiel konkreter Kalkulationen aus
unterschiedlichen Aufgabenfeldern von Print bis Online und vom kleinen
Die Agenda Projekt bis zum umfassenden Corporate Design zeigt er den Aufbau
eines überzeugenden Angebots und diskutiert mit den Teilnehmern, wie
1. Kunden stören. Kreative nerven Designleistungen fair bepreist, überzeugend verkauft und sinnvoll abge-
Vom Pitch bis zur Agenturauswahl, vom rechnet werden können. Das Seminar schließt mit ausführlichen Praxistipps
Briefing bis zum Timing, vom Angebot für erfolgreiche Präsentationen von Designern bei Kunden wie auch bei
bis zur Autorenkorrektur: Workflow, Stol- Meetings innerhalb von Unternehmen.
perfallen, Tipps und Taktik für den gegen-
seitigen Umgang der Projektpartner.
Das Seminar »Leitmedium Design 1« findet am 14. September 2013 im Hotel
2. Richtig kalkulieren Gastwerk, Hamburg, von 9 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 648 Euro
Stundensätze, Pauschalen, erfolgsabhängige (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch
Honorare, Nutzungsrechte: Welche Kalkulation und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen begrenzt! Also
ist für welches Projket richtig? Wo liegen Vor- schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar.
und Nachteile, was bringt Erfolg und Transpa-
renz für beide Seiten? * Am Vortag findet Jochen Rädekers Seminar zum Thema Designstrategien
und Konzeption statt. Sie können die Seminare einzeln buchen, sie bauen
3. Richtig anbieten nicht direkt aufeinander auf. Wenn Sie aber beide buchen, zahlen Sie nur
Aus der Praxis für die Praxis: Aufbau, 1166 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) statt 1296 Euro und sparen 130 Euro.
Pricing und Rahmenbedingungen
überzeugender Angebote anhand
konkreter Kalkulationsbeispiele PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co. KG // E-Mail: info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 // www.page-online.de/seminar
4. Überzeugend präsentieren
Pitch und Präsentation: 40 Tipps für Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Reihen-
eine erfolgreiche Präsentation. folge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. Sie ist sofort nach
Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen. Bei Absage der Veranstaltung
seitens der Ebner Verlag GmbH & Co. KG wird die Seminargebühr voll zurückerstattet. Darüber hinausgehende Ansprü-
Der PAGE Workshop mit Jochen Rädeker lässt che bestehen nicht. Bei Stornierung der Anmeldung gelten folgende Fristen und Gebühren: Ab 05. 06. 2013 berechnen
wir 50 Prozent, ab 10. 07. 2013 100 Prozent der Teilnahmegebühr. Bei Buchung beider Tage können seitens des Teil-
genug Zeit für Fragen und Diskussionen und nehmers nicht einzelne Tage storniert werden. Die Vertretung eines angemeldeten Teilnehmers ist jederzeit möglich.
den Austausch der Teilnehmer untereinander. Es werden nur schriftliche Stornierungen oder Namenswechsel akzeptiert. Es gilt der Poststempel.
070 page 10.13

bild

In Illustrator legte Francisco


Miranda Vektoren um
Vektoren von seinen Blei-
stiftzeichungen an. Animiert
in After Effects, ergeben
sie den pulsierenden Clip
»Genesis« (zu sehen unter
https://vimeo.com/64176095  )
page 10.13 071

alles wächst
In ausgefeilter Kleinarbeit entstand die Animation »Genesis«
der beiden Argentinier Francisco Miranda und Guillermo Daldovo
in Illustrator, Photoshop und After Effects
072 page 10.13 BILD Making-of: »genesis«

Francisco Miranda über die entwicklung der Illustration für den »genesis«-Clip in

■ Fein ziselierte, florale Apparate, Francisco Miranda


die aussehen, als wären sie aus Papier arbeitet unter
dem Künstlernamen
ausgeschnitten und von Hand zusam- tooco als Visual
mengesetzt worden. Der Clip »Gene- Artist, Illustrator
sis« der beiden Argentinier Francisco und Designer
Miranda und Guillermo Daldovo bezau- in Buenos Aires

bert mit seiner verspielten, farbverlieb-


ten Retro-Optik zwischen Psychedelik
und Art déco. Realisiert haben die bei-
den das freie Projekt in transkontinen-
taler Zusammenarbeit über mehrere
Zeitzonen hinweg: auf der einen Seite
der Illustrator Francisco Miranda in
Buenos Aires (http://tooco.com.ar), auf
deren anderen der Animator Guillermo
Daldovo in Madrid (www.malevo.tv).
Miranda schuf die Vorlagen für »Ge-
nesis« in Photoshop und Illustrator,
Daldovo fügte sie innerhalb eines Mo-
nats in zeitaufwendiger Kleinarbeit zu-
sammen und animierte sie minutiös
in After Effects. Illustration
Erstmals zu sehen war »Genesis« im
April in Berlin. Denn Francisco Miran-
auf Papier
da, der Grafikdesign und Architektur
studiert hat, um sich dann unter dem
Künstlernamen tooco auf Illustration
Meine ersten Zeichnungen
1
erstelle ich stets auf Papier.
Diesmal habe ich etwas älteres, bereits
zu spezialisieren, war Preisträger des gelblich verfärbtes verwendet. Für
Pictoplasma Residency Awards 2013. das »Genesis«-Projekt schuf ich symmetrisch
Deswegen war er zwei Wochen lang in wirkende Gebilde. Dabei spiegelte ich aber
Berlin, stellte dort den Clip fertig und nicht beide Hälften, sondern zeichnete sie gleich-
präsentierte ihn zusammen mit ande- zeitig nebeneinander. Denn ich wollte den natür-
ren Arbeiten im Rahmen des Picto- lichen Charakter einer Handzeichnung beibehalten –
plasma-Festivals. Vor Kurzem hat Mi- auch wenn die Illustrationen später mittels Adobe
randa einen Desktop-Background für Illustrator in Vektoren umgewandelt werden sollten.
Windows 8 gestaltet und die Titelse-
quenz für die TV-Dokumentation »Tec-
nópolis TV« im Auftrag der argentini-
schen Regierung realisiert.
Bei der Entwicklung von »Genesis«
nahm der Designer die Architektur von
Buenos Aires Anfang des 21. Jahrhun-
derts als stilistisches Thema, das Vi-
deo ist als geschichtliche Analyse und
gleichzeitig als Vision einer künftigen
Architektur der Stadt gedacht. »Ich
habe eine organische, spirituelle Seite,
die ich mit den rationalen Maschinen
in ›Genesis‹ kombiniere«, erklärt Fran-
cisco Miranda. Die Idee war, die Schöp-
fungsgeschichte auf psychedelische Art
zu reflektieren: von den kleinsten Par-
tikeln bis zu den großen, lebenden Ge-
bilden. Und so zeigt die Animation or-
ganische Zellen, die wie in Maschinen
sowohl verbunden sind, als auch me-
chanisch angetrieben werden. Natur
und Technik, auf zarte Weise vereint.
Man muss nicht die gesamte Schöp-
Handzeichnung in Vektoren umsetzen
fungsgeschichte in den verspielten Clip
hineininterpretieren, um Gefallen da-
ran zu finden, wie alles dynamisch
2 Ich übernahm die Skizzen in Illustrator: Der gesamte Prozess der
Digitalisierung bestand für mich darin, anhand der Bleistift-
zeichnung, die sich im Hintergrund befand, die Vektoren zu erzeugen.
wächst und gedeiht. Es ist eine Ode an Dabei zeichnete ich im Vordergrund und legte einen Vektor zu jedem
das pulsierende Leben! vd kleinsten Detail an. Außerdem teilte ich die Datei in viele Ebenen auf.
page 10.13 073

in Illustrator und photoshop

Ornamente einzeln anlegen


und Details spiegeln

3 Aus den kegelförmigen Gebilden


in meiner ursprünglichen Zeich-
nung machte ich symmetrisch wirkende
Ornamente, die sich im Kreis um die
beiden Zentren gruppieren. In der Hand-
zeichnung sind sie noch organisch,
in Illustrator wirken sie leider meistens
generischer. Um das zu vermeiden,
kopierte ich jeden Kegel einzeln und
definierte dabei einen Rotations-
punkt in der Mitte. Ich spiegelte nicht
eine fertige Hälfte, sondern immer
nur einzelne Details. So entwickelte sich
das gesamte Bild gleichzeitig. Durch die
kleinen Verschiebungen der gespiegelten
Details behielt ich den Charakter
der organischen Bleistiftzeichnung bei.

Einfärbungen für
organische Variationen

4 Allein für diese Zeichnung in


Illustrator und Photoshop habe
ich etwa eine Woche gebraucht. Sie
ist der Ausgangspunkt für die spätere
Animation. In dieser finalen Version
habe ich zwar die Teile gespiegelt. Um
aber dennoch den Charakter der
Illustration beizubehalten, färbte ich
Details und ganze Teile auf beiden
Seiten unterschiedlich ein. Diese Vari-
ationen ließen das Ganze wieder
organischer wirken. Zuletzt retuschierte
ich manche Muster und Einfärbungen
in Photoshop. Denn ich wollte, dass sehr
viele Details zu erkennen sind, die
der Betrachter für sich entdecken muss.
074 page 10.13 BILD Making-of: »genesis«

guillermo Daldovo über die erstellung des Storyboards und der animation in Illustrator und after effects

Storyboard in Illustrator
erstellen

1 Anhand der fertigen Illustration


von Francisco entwickelte
ich ein erstes Storyboard für »Genesis«.
Dazu erzeugte ich aus den bestehen-
Der argentinische
den Elementen in Illustrator eine Kom-
Animator Guillermo position, indem ich die Ornamente
Daldovo lebt und und Formen des Artworks in einzelne
arbeitet in Madrid Teile zerlegte. Nun konnte ich mit
der Planung der Animation beginnen.

Pfade in Illustrator anlegen

2 Als Vorbereitung für die weitere


Arbeit in After Effects teilte
ich die Illustration in Pfade auf. Dazu
verwendete ich die Pfadansicht
(Befehl-Y) in Illustrator, um quasi ihr
Skelett zu sehen. Dies zeigt gleich-
zeitig, wie komplex die Vorlage war.

Illustration in After Effects


importieren

3 Im nächsten Schritt importierte


ich die Datei aus Illustrator
mit all ihren Ebenen in After Effects.
Dort musste jedes Element ein-
zeln vorliegen, damit ich es animieren
konnte. Jedes Bild hatte etwa 27
bis 30 Ebenen. Insgesamt hatte jede
Filmsequenz jedoch 90 Ebenen.
Das machte es auch ziemlich schwie-
rig, den Fehler zu finden, wenn
etwas nicht funktionierte. Aufgrund
dieser Komplexität war es sehr
wichtig, eine klare Ordnung zu definie-
ren und konsequent einzuhalten.
ANZEIGE

Good School & PAGE präsentieren:

Creative
Business
Modelling
Das Toolkit für Service
und Business Design
Die Agenda
Apples App Store bietet Zugriff auf hunderttausende
Freitag, 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr: Basics + Inspiration
kleine Programme, Fiat eco:Drive hilft, Benzin zu
Service Design Basics. Einführung in die Grundlagen
von Service Design anhand von Case Studies, Einblick in
sparen, Nike+ FuelBand regt zu mehr Bewegung an –
Tools und Prozesse. Service Design hat das Zeug, zur neuen Königs-
Business Model Basics. Überblick über die wichtigsten disziplin in der Kreativbranche zu werden. Gleichzeitig
Theorien und Tools (z.B. Business Model Canvas). Mithilfe eröffnen neue Business-Ideen und Geschäftsmodelle
von Reverse Engineering kommen die Teilnehmer
erfolgreichen und erfolglosen Business Models auf die Spur. bisher ungeahnte Möglichkeiten für Kundenbindung
Real Life Challenges. Gemeinsam werden konkrete Problem-
und Wertschöpfung.
stellungen aus dem Arbeitsumfeld der Teilnehmer entwickelt.

Samstag, 09:00 Uhr bis 19:00 Uhr: Workshop


Wie entwickelt man diese Dienstleistungen? Wie ent-
deckt man neue Geschäftsfelder? Und wie überzeugt
Von der Kreativ-Idee zum Business Model. Wie wird eine
Idee zum Geschäftsmodell? In Teams arbeiten die Teil- man seine Stakeholder (den Kunden, den Vorstand …)
nehmer mit den Lehrern an Business-Ideen für die am von solchen Ideen? Der Workshop beantwortet diese
Vorabend verabschiedeten Problemstellungen.
Fragen und macht die Teilnehmer mit grundlegenden
Prototyping. Wie lassen sich Business-Ideen mit möglichst
einfachen Mitteln aufbereiten? Mithilfe von Papier, Lego
Tools und Denkweisen vertraut.
et cetera werden in den Teams Prototypen entwickelt.

Pitch. Wie verkaufe ich meine Idee mithilfe eines Prototyps? An zwei Tagen lernen Sie, Service-, Business- und
Die entwickelten Prototypen werden von den Teams präsen- Werbe-Denke miteinander zu kombinieren,
tiert und gemeinsam auf Herz und Nieren geprüft.
um neue Wege im Marketing zu gehen. Im Mittel-
punkt steht die Entwicklung konkreter Ideen
sowie die Erweiterung des eigenen Arbeitsfeldes.
Lehrer & Special Guests
Der Workshop »Creative Business Modelling« richtet
Drei Lehrer und internationale Special Guests, allesamt sich an Designer, Kreative, Strategen und Marketing-
Experten in Sachen Service Design und Business Modelling,
begleiten Sie die zwei Tage. Unter anderem mit dabei: manager aus Agenturen und Unternehmen.
Andy Polaine, Interaction-, UX und Service
Designer, ist Co-Autor des Buchs »Service Der Workshop findet am 25./26. Oktober 2013
Design: From Insight to Implementation.«
(erschienen 2013, Rosenfeld Media). in der Good School, Lagerstraße 36, im Hamburger
Andy Polaine lehrt Service Design an der Schanzenviertel statt. Die Teilnahme kostet 1.990 Euro
Hochschule Luzern. www.polaine.com
(zzgl. MwSt.) inklusive Arbeitsmaterial und Catering.
Stefan Erschwendner ist Co-Gründer und GF
von LHBS, Berlin. LHBS ist ein interdisziplinärer
Die Teilnehmeranzahl ist begrenzt!
Thinktank, der seinen Kunden hilft, aus auf- Also schnell anmelden unter
kommenden kulturellen Phänomenen und Kon-
sumentenbedürfnissen innovative Geschäfts- www.good-school.de/CBM oder
lösungen zu entwickeln. http://lhbs.at www.page-online.de/seminar
Matthias Weber ist Transformation Designer.
Er berät Unternehmen im Umgang mit
Veränderungen in Gesellschaft, Kultur und Die Good School (www.good-school.de) ist eine Schule für digitalen Wandel in
Technologie und hilft ihnen dabei, Hamburg. Ihr Ziel: Wissen, Fähigkeiten und Inspiration in neuen Medien und
neue Geschäftsfelder zu entwickeln. innovativem Marketing zu vermitteln. Seit 2009 hat sie mehr als 800 Profis aus
über 120 Unternehmen fit gemacht – darunter Deutschlands erfolgreichste
Leif Abraham, Co-Founder von Pay with a Kreativköpfe, Marketingmanager großer Marken und Vorstände internationaler
Tweet, ist Kreativdirektor bei der Agentur West Agenturnetzwerke. Sie arbeitet mit mehr als 150 nationalen und interna-
in San Francisco. Zuvor arbeitete er bei tionalen Top-Experten aus allen relevanten digitalen Disziplinen zusammen.
Crispin, Porter + Bogusky und R/GA New York.
http://west-sf.com Veranstalter: Good School // Kooperationspartner:
PAGE, das Magazin der Kreativbranche (www.page-online.de)
076 page 10.13 BILD Making-of: »genesis«

guillermo Daldovo über die erstellung des Storyboards und der animation in Illustrator und after effects

Ebenen per Farben


unterscheidbar machen

4 Jede sichtbare Ebene ist eine


Komposition, das heißt, sie enthält
eine separate Animation. Mit den
viereckigen Punkten selektierte ich die
Ebenen und gab jeder eine eigene
Farbe. So behielt ich einen bessere Über-
blick über die animierten Ebenen –
auch auf der Zeitschiene. Die grüne Linie
in der Mitte zeigt die Bewegungs-
richtung nach oben an. Jede der kleinen
Animationen ist damit verbunden

Symmetrische Kreise mit


Mittelpunkt animieren

5 Die Blüte setzt sich aus vielen kleinen


zusammen, die ich allesamt einzeln
animierte. Jede Ebene ist ein eigener Kreis,
insgesamt legte ich allein dafür 30 Ebenen
an. Die Symmetrie dieser Blüte hatte ich zu-
vor in Illustrator über die »Draw«-Funktion
erzielt, sodass jedes Element der Komposi-
tion den gleichen Mittelpunkt hatte. Hätte
ich diesen verschoben, wäre die gesamte
Komposition dahin gewesen.

Blüte per Vervielfältigung erstellen

6 Ich arbeitete mit separaten Elementen, die


ich einzeln animierte und dann in die finale Kom-
position integrierte. Eine Komposition war dabei
oft Bestandteil einer größeren Komposition – wie bei
einer Matrjoschka-Puppe. So kreierte ich beispiels-
weise die aufblühende Blume durch sieben Kreise, die
von der Bildmitte aus angeordnet entstanden. Der
Vorteil dieses manuellen Vorgehens war, dass sich so
jedes Detail kontrollieren ließ. Verwendet man Filter,
Bewegungsfahrten in After Effects
gibt es Animationsvoreinstellungen (Presets), die hin
und wieder nicht so gut funktionieren. Die Anima-
tion mit den sieben Kreisen vervielfältigte ich etwa
7 Im Clip gehen immer wieder kleinere Animationen in größere über. Um räum-
liche Bewegungen zu erzeugen, legte ich jede sichtbare Farbe als eigene Ebene
an, mit einem Loch im Zentrum. Dann arbeitete ich mit einem dreidimensionalen
50 Mal. Die Kopien gruppierte und positionierte Effekt in After Effects, wobei ich die Ebenen räumlich getrennt voreinander anord-
ich dann. Zuletzt versetzte ich sie zeitlich und arran- nete. So konnte ich mit einer Kamera hindurchfahren, wobei ich eine kleine Kurve
gierte damit die gesamte Komposition. machte. Im fertigen Clip scheint man so durch einen bunten Tunnel zu fliegen. vd
Jetzt scannen, lesen und Probeabo bestellen.
Oder direkt unter www.brandeins.de
078 page 10.13 BILD Roger Ballen & Die antwoord
page 10.13 079

Links: Yo-Landi und


Ninja auf dem Foto
»Pielie«, das Roger
Ballen 2012 machte

Diese Seite: schon


vor der direkten
Zusammenarbeit
mit Roger Ballen
entstanden, aber
deutlich von seiner
Ästhetik beein-
flusst: das Video
»Fok Julle Naaiers«

Herz für Finsternis


Dass eine Band sich ihre Identität aus den Bildern eines Fotografen bastelt, hat es wohl noch nie gegeben.
Ein Bildband gibt Einblicke in die einzigartige Zusammenarbeit von Die Antwoord und Roger Ballen

n 30 Millionen YouTube-User können


nicht irren? Beim Musikvideo »I fink u
freeky« hatten sie jedenfalls recht. Der
Clip ist der bisherige Höhepunkt des
kreativen Zusammenspiels zwischen
der Rap-Rave-Band Die Antwoord aus
Kapstadt und dem in Johannesburg
lebenden Fotografen Roger Ballen –
und löste um beide einen internatio-
nalen, bisher nicht abreißenden Hype
aus. Das hatte einiges mit viralem Mar-
keting, noch mehr allerdings mit einer
höchst ungewöhnlichen künstleri schen
Befruchtung zu tun. Doch fangen wir
zunächst von vorn an.
Ihr Aha- oder Erweckungserlebnis
nämlich hatten Ninja und Yo-Landi
Vi$$er weit früher, als sie 2006 erst-
mals Fotos von Roger Ballen sahen und
es Die Antwoord noch gar nicht gab.
Das schräge Pärchen war schon länger
im Hip-Hop-Underground unterwegs.
Besonders Watkin Tudor Jones (heute
Ninja) mit seiner bemerkenswer -
080 page 10.13 BILD Roger Ballen & Die antwoord

»Man Drawing ten Verbindung von Rap und kon-


Chalk Faces« von zep tueller Comedy immer auf der Su-
2000, »Rats on che nach neuen Identitäten, in die er
Kitchen Table« von chamäleonartig schlüpfen konnte. Zu-
1999: Fotos von letzt war er als Max Normal Front-
Roger Ballen, die den mann der gleichnamigen Electronic-
Clip »I fink u freeky« Hip-Hop-Band, die unter dem Multi me-
inspirierten dia-Label MaxNormal.TV experimen-
telle, häufig sehr lustige Kunstfilme
produzierte. In seiner Max-Normal-
Phase präsentierte sich Watkin Tudor
Jones meist im Hochwasserhosen-An-
zug im Look eines spießig durchge-
knallten Bürokraten oder religiösen
Mis sionars. Auch seine »Assistentin«
Yo-Landi betrat mit Schlips die Bühne.

Vom gar nicht so normalen Max Nor-


mal ist Outfit-technisch nichts geblie-
ben – aus ihm wurde Ninja, ein häss-
licher Proleten-Rapper mit goldenen
Zähnen, der in jedem Satz drei Mal
»fuck« oder »fucking« sagt und die Tat-
toos auf seiner mageren Brust zeigt.
page 10.13 081

Gerappt wird nun in einem Mix aus


Englisch und Afrikaans, der früher bei
vielen Südafrikanern verhassten Spra-
che der burischen Kolonialisten.
An der tiefgreifenden Verwandlung
des Duos ist auch die Begegnung mit
den Fotos von Roger Ballen schuld, wie
man in dessen Buch »Die Antwoord«
erfahren kann, das Anfang Septem-
ber bei Prestel erscheint. Dort schrei-
ben Ninja und Yo-Landi, sie hätten
niemals irgendwo reingepasst in die
südafrikanische Kultur. Die absonder-
lichen (weißen) Menschen am Rande
der Gesellschaft, die Ballen porträ-
tiert, hätten sie darum extrem ange-
sprochen – so sehr, dass ihre bishe-
rigen Musik- und Bildwelten ihnen
plötz lich falsch und lau vorgekommen
seien. Auch die Graffiti auf Ballens Fo-
tografien, die von Kindern, Irren oder
Kriminellen gemacht zu sein scheinen, Szene aus dem Video
hätten großen psychologischen Ein- »I fink u freeky«
fluss auf sie gehabt und ihnen einen
vollkommen neuen Zugang in »tier-
ähnliche unterbewusste Regionen« er-
öffnet . . . Ja, sie gehen sogar so weit Ein Plan, der seit der ersten Begeg-
zu sagen, dass Roger Ballen – ohne es nung von Yo-Landi und Ninja mit Ro-
zu wissen – auf künstlerischer Ebe - ger Ballen bestand, aber lange auf
ne Die Antwoord überhaupt erst her- Verwirklichung wartete. Das Duo (in
vor gebracht habe. dessen Hintergrund DJ Hi-Tek werkelt)
hatte sich derweil ihre neue Identität
Als die Rapper/Raver ihn entdeck ten, als Die Antwoord aufgebaut und mit
war Roger Ballen schon lange kein Un- Zef sogar eine eigene gegenkulturelle
bekannter mehr. Im Jahr 1950 in New Bewegung erfunden, der sie angeb-
York geboren, trampte Ballen in den lich angehörten. Eine Marketingagen-
siebziger Jahren durch ganz Afrika tur hätte sich diesen Schachzug nicht
und ließ sich dann in Südafrika nieder. besser ausdenken können. Was Zef
Seine Arbeit als Geologe führte ihn in bedeutet, erfuhr die Welt 2010 mit dem
gottverlassene Dörfer, wo viele poor proletigen Musikvideo »Zef Side«.
whites ganz und gar nicht so lebten Nachdem Blogs wie Boing Boing be-
(und aussahen), wie das vom Apart- richteten, schossen die Zugriffszah len
heidregime gepflegte Ideal der wei- explosionsartig in die Höhe. YouTube
ßen Herrenrasse es vorsah. Seine Bü- kürte »Zef Side« zu einem der Top-25-
cher »Dorps« von 1986 und das noch Videos von 2010, es lief im Guggenheim
extremere Porträts zeigende »Platte- Museum und gewann 2011 einen Yel-
land« von 1994 erregten Aufsehen low Pencil als bestes Musikvideo bei
und Empörung. Für viele konservative den D&AD Awards in London. Die Band
Buren waren die Bilder eine einzige wurde nach Los Angeles geflogen, um Fotograf Roger Ballen vor Ninja. Unten: Ballen malt am Set
Provokation, aber auch in Kunstkrei- mit der Universal-Tochter Interscope
sen wurde Ballen vorgeworfenen, ei- Records einen fetten Vertrag zu unter-
ne Freak-Show von Armen und De- schreiben. (Den sie 2011 wieder löste,
bilen vorzuführen. als das Label sie in eine zu mainstrea-
Dabei ist Ballens Blick keineswegs mige Richtung pushen wollte.)
bloßstellend oder herabwürdigend. Noch deutlicher hatten die Clips
Ihm seien diese Menschen am Rande »Enter the Ninja«, »Evil Boy« von 2010,
der Gesellschaft lieber als viele, »die vor allem aber das schwarzweiße »Fok
durch Shopping-Malls laufen und so Julle Naaiers« von 2011 die Ästhetik
tun, als seien sie besser als andere«, der Ballen-Fotografie zitiert: düstere,
hat er in einem Interview gesagt. Eine reduzierte Optik, eine Aufeinander-
Einstellung ganz in Übereinstimmung folge merkwürdiger Typen, die jeweils
mit »I fink u freeky and I like you a lot«, einzeln im Stil (bewegter) Porträtfotos
dem Refrain zu dem Song, den Die vor schwarzem oder mit Graffiti verse-
Antwoord dann letztes Jahr mit Ballen henem Hintergrund inszeniert sind
als Musikvideo umsetzte. und auf denen auch mal Schmet-
082 page 10.13 BILD Roger Ballen & Die antwoord

terlinge, Würmer oder Spinnen he- Bei der Frauenarztszene im Video


rumkrabbeln. Auffallend auch die ab- stand ein anderer südafrikanischer
stehenden Ohren dieser Typen – eine Künstler Pate, mit dem Ninja und Yo-
Anspielung auf Ballens berühmtes Fo- Landi enge Beziehungen pflegen: An-
to der geistig behinderten Zwillinge ton Kannemeyer, der 1992 mit Conrad
Dresie und Casie. Botes das legendäre und internatio-
nal viel beachtete Magazin »Bitterko-
Wozu man wissen muss: Roger Ballen mix« gründete. Die provokative Art
hat im Lauf der Jahre seinen Stil deut- und Weise, wie er sich seither mit Rassis-
lich verändert. Vom rein Dokumentari- mus und den Zwängen der Apart heid-
schen entwickelte er sich hin zu Insze- gesellschaft auseinandersetzte, brach-
nierungen, für die er nicht nur Wände te ihm schon viel Ärger ein – nicht nur
bekritzelte, sondern auch skulpturale den Hass der sich verunglimpft füh-
Objekte schuf, die sich so in den Kon- lenden Buren, sondern auch die Kritik,
text einfügen, dass zwischen Fiktion selbst Rassist zu sein. Das von Konno-
und Realität kaum zu unterscheiden ist. tationen nur so strotzende Bild der
Ballen sieht hier starke Parallelen zur selig entspannten weißen Frau beim
Selbstinszenierung von Yo-Landi und schwarzen Gynäkologen, der mit in-
Ninja. Auch hier wisse der Betrachter tensivem Interesse sein »Arbeitsge-
nicht, was wahr und was bloß erfun- biet« betrachtet, ist ein typisches Bei-
den sei. »Dieser Zweifel nagt an den spiel für Kannemeyers ganz speziellen
Menschen, regt sie zum Denken an, Sinn für Humor . . .
Es geht optisch nicht immer düster, sondern verstört sie«, erklärt er in einem Inter- Eben dieser Mix aus Satire, Provo-
auch mal pastellfarben bei Die Antwoord view im Buch. »Bei einer reinen Fiktion kation und tieferer Bedeutung, der sich
zu – wie im witzigen Video »Baby’s On Fire«. kann der Betrachter einfach sagen, das politischen Stereotypen und einfa-
Dort mimt Ninja den eifersüchtigen Bruder hat ein Verrückter gemacht, ein Künst- chen Interpretationen entzieht, macht
von Yo-Landi, der alle ihre Lover vertreibt. ler. Wenn aber Fiktion und Realität sich ja auch die Arbeit von Die Antwoord
Was sie sich auf Dauer nicht gefallen lässt . . . verbinden, geht das nicht so leicht – so interessant – neben der Ohrwurm-
und das ist in meiner Kunst und in der Qualität ihrer Songs. Mehr unter www.
von Die Antwoord sehr wichtig.« page-online.de/die_antwoord, wo wir
Anfang 2012 war es dann endlich Links zu ihren wichtigsten Videos so-
so weit: Das lange geplante gemein- wie zur Arbeit von Roger Ballen und
same Video wurde in wenigen Tagen Anton Kannemeyer zusammengestellt
gedreht, Nachbarn machten als Sta- haben. Zurzeit sind Yo-Landi und Nin-
tisten mit. Die Vorgehensweise war ja übrigens nicht nur mit der Arbeit an
Folgende: Meist sehr detailgetreu stell- ihrem neuen Album »Donker Mag« be-
te man erst mal einige der alten Fotos schäftigt. Sie werden auch als sie selbst
von Roger Ballen nach und brachte Hauptrollen in der Science-Fiction-Ko-
dann Bewegung in die Szene. 30 Milli- mödie »Chappie« des südafrikani schen
onen Hits für »I fink u freeky« allein bei Regisseurs Neill Blomkamp spielen,
YouTube waren das Ergebnis. dessen Film »Elysium« gerade weltweit
in die Kinos kam. Ab September wird
So dicht am Look von Roger Ballen in Johannesburg gedreht. cg
wird sich Die Antwoord wohl erst mal
nicht orientieren. Mit neuen Videos wie
»Fatty Boom Boom« kehrte das Duo
zu einem erzählerischen, farbenfrohen
Kurzfilmstil zurück – und machte sich
kräftig ans Dissen, was ja zu den All-
tagsgepflogenheiten jedes anständi-
gen Rappers gehört. Prominentes Op-
fer war als Hauptfigur Lady Gaga, ne-
ben Nicki Minaj oder Black Eyed Peas,
die nur in nicht eben vorteilhaften
Graffiti vorkommen. Jedenfalls wird
Lady Gaga als dämliche Touristen-
schnepfe auf einer Stadtsafari über-
fallen, flüchtet in die Praxis eines Gy-
näkologen, wo sie eine Heuschrecke
zur Welt bringt, und wird am Ende
samt Fleischkleid von einem Löwen
gefressen. Eine Videokreation, die Ga- Roger Ballen: Die Antwoord. I Fink
ga am Tag nach der Veröffentlichung You Freeky. München (Prestel) 2013,
auf Twitter mit schicken Beleidigun- 128 Seiten. 29,95 Euro.
gen Richtung Kapstadt quittierte. isbn 978-3-7913-4860-5
page 10.13 083

Im Clip »Fatty Boom Boom« von 2012 erlebt


Lady Gaga Merkwürdiges im Stadtdschungel
von Johannesburg. Vorbild fürs Video:
das Acrylgemälde »Black Gynaecologist«
von Anton Kannemeyer von 2008
© Anton Kannemeyer. Courtesy of Stevenson Gallery, Cape Town and Johannesburg
084 page 10.13 BILD

BILDWELT

hansa, Red Bull oder »Vice« kooperiert.


1 Kamerabilder Stockfotos von EyeEm? Außerdem verfügt die App bereits über
Kameras statt n Eine Hommage an Kamera-Ikonen n Die hippe Berliner Fotosharing-App ein automatisches, standortbezoge-
Fotos als ist die Printserie »Basilicas« des briti- EyeEm macht Instagram immer stärker nes Tagging-System. Es soll nun stärker
Wandschmuck: schen Illustrators Adrian Johnson. In Konkurrenz. Es fing Ende 2012 mit der durch manuelle Eingaben ergänzt wer-
Linhof, Polaroid sei nem typischen, farblich ausgefeilten Verärgerung vieler User über den laxen den. Der Marktplatz-Launch ist noch
und Olympus Stil hat er Apparate legendärer Mar- Urheberschutz in den neuen Geschäfts- für dieses Jahr geplant.
Trip aus Adrian ken wie Leica, Hasselblad, Rolleiflex, bedingungen der Facebook-Toch ter an. ≥ www.eyeem.com
Johnsons Print- Mamiya, Olympus, Linhof und Polaroid Und plötzlich rückten Alternativen wie
serie »Basilicas« gezeichnet – durchweg in denselben Eye Em ins mediale Blickfeld, die 2011
neun Farbtönen. gestartete App erlebt seitdem einen
UPdate in Berlin
Der Name »Basilicas« spielt auf die Boom. Mit aktuell 8 Millionen Usern n Der UPdate – Salon für Fotografie
architektonische Qualität der Kame- gegenüber 130 Millionen bei Instagram bleibt seiner Location vom letzten Jahr
ras an: Wie Kathedralen besitzen sie ist die Plattform immernoch nicht rie- treu: Am Freitag, den 25. Oktober, prä-
Objektivtürme und dunkle Kammern, sig, doch der steile Wachstumskurs in- sentieren sich Fotografen- und Illus tra-
erklärt Johnson. Und beide »fangen spiriert Investoren. torenagenten und (Post-)Produk tions-
Men schen ein«, sei es für eine Moment- Mit frischen 6 Millionen Dollar soll firmen wiederum im plüschigen Ritz
aufnahme oder einen Augenblick der die App jetzt weiterentwickelt und Carlton Hotel am Potsdamer Platz. De-
Ehrfurcht. In limitierter Auflage kosten Eye Em zu einem Marktplatz ausgebaut signer, Artbuyer und Werbekreative
die limitierten Giclée-Prints über www. wer den, bei dem auch kommerzielle kön nen sich kostenlos akkreditieren.
basilicas.bigcartel.com je nach Größe Kunden Bilder lizenzieren können. Bei Um 19 Uhr wird wie gewohnt der be-
rund 125 oder 55 Pfund. Weitere Mo- sogenannten Missions, bei de nen User liebte SCREENings Award für die bes-
delle sollen folgen. Aufgaben gestellt bekommen, hat Eye- ten Fotografenwebsites vergeben.
≥ www.adrianjohnson.org.uk Em schon früher mit Marken wie Luft- ≥ www.screenings.de; www.up-date.ws
page 10.13 085

Mehr zum Thema Fotografie


und Illustration unter
www.page-online.de/emag/bild

2Neue Fotografen- Cosmopola-Kost-


probe: Porträt
agentur Cosmopola der Rapperin Iggy
n Marc Thirouin aus Paris, einer der Azalea von
Sieger des SCREENings Award 2012, ge- Christoph Voy
hört zu den Fotografen, die die neue
Berliner Repräsentanz Cosmopola ver-
tritt. Gegründet hat sie Barbi Mlczoch,
vielen in der Branche als langjährige
Mitarbeiterin der mittlerweile aufge-
lösten Agentur von Anja Wiroth be-
kannt. Eine gewisse Modelastigkeit ist
der Cosmopola-Riege mit Fotografen
wie Alexandra Kinga Fekete oder eben
Marc Thirouin nicht abzusprechen. Je-
doch sind auch Porträt-, Werbe- und
Lifestyle-Spezialisten dabei. So etwa
der Argentinier Manuel Archain, Step-
hanie Pistel aus Amsterdam oder Björn
Ewers, der erst kürzlich im Auftrag von
Scholz & Friends für die Bildungsinitia-
tive »Rock Your Life« junge Leute am
Arbeitsplatz von Promis wie Kai Diek-
mann oder Judith Rakers fotografierte.
≥ www.cosmopola.de

iStockphoto senkt Preise


n Mit diversen Neuerungen will iStock-
photo ihre starke Position im heiß um-
kämpften Microstockmarkt ausbauen.
So wurden die Preise für die Hälfte des
Bildbestands um die Hälfte gesenkt, 2
um die Kunden von ständigen Preisver-
gleichen zwischen den Herstellern ab-
zuhalten, die ja zum Teil dasselbe Ma- Magazin erstellen können. In Pecha- res sowie die Buchentwürfe der fünfzig
terial haben. In eine ähnliche Richtung Kucha-Manier stellen zudem Fotogra- Finalisten des Dummy Awards gezeigt,
zielt der neue Exklusivvertrag mit Yuri fen, Verleger, Kuratoren, Galeristen und die übrigens beinahe alle als komplet-
Arcurs, dem mit täglich 10 000 verkauf- Blogger aktuelle japanische Fotogra- te issuu-Files auch online zu sehen sind.
ten Lizenzen erfolgreichsten Stock fo to- fen und Fotobücher vor. Es wurden insgesamt 443 Bücher aus
grafen der Welt. Außerdem hat man die Natürlich werden auch wieder die 33 Ländern eingereicht, 3 Sieger wer-
Darstellung der Rechercheergebnisse von Fotoexperten nominierten bes- den in Kassel gekürt. cg
flüssiger gestaltet sowie neue Suchfil- ten Fotobücher des vergangenen Jah- ≥ http://2013.fotobookfestival.org
ter eingeführt. Weiter Veränderungen
Für den Dummy
sollen folgen, unter Leitung der neuen 3 Award 2013
General Managerin Ellen Desmarais.
nominiert: Georg
≥ www.istockphoto.de
Parthens Projekt
»Studioarbeit«
3 Fotobuch-Festival
n Vom 24. bis 27. Oktober findet in der
documenta-Halle in Kassel das 6. Fo to-
bookfestival statt, in dessen Zentrum
die ses Jahr die Arbeit des ja pa ni schen
Fotografen und Fotobuch ma chers Dai-
do Moriyama steht – ein schließ lich ei-
ner Daido Factory, in der angemeldete
Besucher ihr eigenes, vom Fotografen
unmittelbar vor Ort signiertes Daido-
086 page 10.13

TECHNIK

Faszinierend
detailreich:
die 3-D-gedruckte
Miniaturversion
von PAGE-Online-
Redakteurin
Anna Weilberg
page 10.13 087

n Ein wenig erinnert das Ganze an


die Anfänge der Fotografie. Zu Zeiten
Louis Daguerres mussten Menschen
minutenlang stillstehen, wenn sie fo­
tografiert wurden. Als sich die Belich­
tungszeit verkürzte, glich das einer Re­
volution. Plötzlich konnten auch kleine
Kinder, Tiere, Momente mit der Kamera
festgehalten werden. So ähnlich steht
Die Postproduk-
es momentan um den 3­D­Druck. Es las­
tion der Auf-
sen sich bereits länger naturgetreue
nahmen und
dreidimensionale Abbilder von Men­
die Kreation
schen anfertigen – in den meisten Fäl­
des digitalen
len dauert der Scanprozess aber rund
3-D-Modells
15 Minuten. Während der in der Regel
nehmen
verwendete Structured­Light­Scanner
viel Zeit in
um den Körper herumwandert, darf
Anspruch
sich das Modell nicht bewegen.
Twinkind, ein junges Unternehmen
aus Hamburg, hat eine andere Lösung
gefunden. Mittels Photogrammetrie­
Verfahren scannt es Personen – oder
auch Tiere – innerhalb einer Sekunde
komplett, um dann ein digitales 3­D­
Modell aus den Daten anzufertigen
und schließlich eine farbige dreidimen­
sionale Figur zu drucken. Das Ergebnis
sieht faszinierend lebensnah und de­
tailliert aus. Der Name Twinkind, der
sich von »twin of your kind« ableitet, ist
also gut gewählt.
Die Idee zu Twinkind hatte Timo
Schädel. Als Regisseur mit Fokus auf Vi­
sual Effects hat er Erfahrung mit digi­
talem 3­D­Design und Animation. »Ich
war von Anfang an fasziniert vom 3­D­
Printing«, erzählt Timo Schädel. »Als ich
erfahren habe, dass auch mehrfarbi­
ger 3­D­Druck möglich ist, ließ mich die
Idee, dreidimensionale Porträtfiguren
zu drucken, nicht mehr los.« Projekte
wie der 3­D­Fotoautomat Omote 3D
aus Tokio dienten ihm als Inspiration.
Das technische Verfahren musste je­
doch noch weiterentwickelt werden.

Mein 3-D-Zwilling
»Ich wusste, dass ein wirklicher Mehr­
wert, eine echte Innovation entstehen
würde, wenn sich die Scanzeit verkür­
zen ließe«, sagt Timo Schädel.
Monatelang feilte der Kreative an
der Technik, bis er schließlich Dutzen­ Twinkind aus Hamburg erstellt mithilfe einer optimierten
de Fotokameras exakt so im Kreis ar­
rangiert hatte, dass er mit ihnen Auf­
3-D-Scanning-Technik und 3-D-Druck detaillierte Miniatur-Klone.
nahmen machen konnte, die ihm PAGE-Online-Redakteurin Anna Weilberg hat es ausprobiert
088 page 10.13 TECHNIK 3-D-Fotofiguren von Twinkind

Kristina Neurohr und als Grundlage für das digitale 3­D­


Timo Schädel sind Ebenbild dienen konnten. Als ich Twin­
die Gründer von kind in ihrem Hamburger Pop­up­Stu­
Twinkind und planen dio besuchte, dauerte das Modellste­
gerade die Shop- hen nur eine Minute. Ich musste mich
eröffnung in Berlin auf eine Markierung in der Mitte der
»Fotokabine« stellen, auf einen gezeig­
ten Punkt schauen, und schon waren
die Aufnahmen binnen eines Sekun­
denbruchteils fertig.

Neben der Postproduktion der Bilder,


die »viel Liebe und Zeit kostet«, wie Ti­
mo Schädel sagt, spielt auch der ver­
wendete Drucker eine zentrale Rolle für
das Ergebnis. Fast 2 Meter ist er breit
und wiegt rund 400 Kilogramm. Es ist
ein Gerät, wie es auch in der Architek­
tur und im Rapid Prototyping zum Ein­
satz kommt, unterscheidet sich aber
von gängigen Kunststoffprintern. »Un­
ser 3­D­Drucker arbeitet additiv. In ei­
nem Pulverbett aus Polymergips­Kom­
posit verhärtet er die Partikel Schicht
für Schicht, bis schließlich die fertige
Figur im Pulver liegt«, berichtet Timo
Schädel. Die Figuren kommen farbig
In einem Pulverbett aus Polymergips-Komposit entsteht aus dem Gerät, sie werden allerdings
im 3-D-Drucker die farbige Figur. Für die Twinkind- noch einem manuellen Finishing unter­
Modelle stehen sieben unterschiedliche Größen im zogen, bevor sie an die Kunden gehen.
Maßstab von 1 : 12 bis 1 : 5 zur Auswahl. Die Figuren Zu viele Details zur Produktion will Timo
können bis zu 40 Zentimeter groß sein. Rechts: Schädel nicht verraten.
Anna Weilbergs Double ist rund 21 Zentimeter hoch Seit Juni dieses Jahres ist die Twin­
kind­Website online – und Anfragen aus
ganz Deutschland und Übersee flattern
ins Haus. Zum Gründungsteam gehört
neben Timo Schädel seine Partnerin
Kristina Neurohr, die eine Talentvertre­
tung für Designer betreibt. Die Figu­
ren aus Polymergips gibt es in sieben
unterschiedlichen Größen. Die Höhe
variiert entsprechend dem gewählten
Maßstab zwischen 15 und 35 Zentime­
tern. Die Preise reichen von 230 Euro
bis zu 1300 Euro. Auf Kundenwunsch
lässt sich auch ein Sockel für die Figur
gleich mitbestellen.
Noch ist Twinkind ein Start­up, für
die Zukunft haben Timo Schädel und
Kristina Neurohr aber große Pläne. In
Kürze wollen sie einen Shop in Berlin­
Mitte eröffnen, um Twinkind als Marke
zu etablieren. Ihre Vision: »Wir möchten
nicht nur technikaffine Menschen oder
3­D­Nerds ansprechen, sondern alle.
Twinkind soll der Porträtservice der Zu­
kunft werden.« Mit Sicherheit werden
sich 3­D­Porträts schon sehr bald zu ei­
nem eigenen Markt entwickeln. Auch
die Konkurrenz von Twinkind schläft
nicht. Die Nase vorn haben wird der­
jenige, der seine Produkte permanent
weiterentwickelt, um unsere Ebenbil­
der aus dem 3­D­Drucker immer per­
fekter zu machen. aw
Anzeige von Adobe Systems GmbH

Adobe-Expertenforum
Auf dieser Seite beantwortet das Adobe-Expertenteam Fragen rund um die
Adobe Creative Cloud. Dieses Mal geht es um Illustrator CC und das Touch-Type-Tool

M
it der Creative Cloud geht Die Anwendung des Touch-Type- auf den bestehenden Text anwendbar.
Adobe in vielerlei Hinsicht Tools in Illustrator ist äußerst einfach Auch das Wechseln und das Austau-
neue Wege. Neben verbes- und flexibel. Änderungen der Textei- schen einer Schriftart bereitet keinerlei
serten Werkzeugen, die in noch stärke- genschaften lassen sich mithilfe des Schwierigkeiten.
rem Maße den Kreativprozess unter- Mauszeigers und über berührungsba-
stützen, gibt es bald die Möglichkeit, sierte Geräte vornehmen. Wesentlich Typografie mit Bedacht
verschiedene Einstellungen, Schriften größere Steuerungselemente und die Die Optionen »Vertikal Skalieren« und
und Arbeitsdateien auszutauschen und neue Unterstützung für Multitouch- »Horizontal Skalieren« können dazu
zu synchronisieren. Gerade im Wech- Devices geben dem Anwender einen verleiten, Zeichen unnötig zu verzer-
sel zwischen Büro und Homeoffice ver- bislang unbekannten Freiraum, seine ren – ein typografischer Fauxpas, denn
einfachen synchronisierte Shortcuts Ideen mit den von ihm bevorzugten die disproportionalen Änderungen füh-
und persönliche Einstellungen auf je- Eingabegeräten umzusetzen. ren zu Ungleichgewichten in Zeichen
dem Rechner unseren Arbeitsalltag. und Satz. Das gilt es zu vermeiden. Zu-
Der Datenabgleich über die Cloud Vier-Ecken-Steuerung gleich bewirkt die Vergrößerung eines
wird das flexible Arbeiten erleichtern. Besonders schön gelöst ist die Vier- Buchstabens einen deutlich stärkeren
Ecken-Steuerung, die aktiviert wird, so- Grauwert im Wortbild. Bei einer Abwei-
Touch-Type-Tool bald man mit dem Touch-Type-Werk- chung von mehr als +/– 15 bis 20 Pro-
Bei Adobe Illustrator CC gibt es be- zeug einen String oder einen Buch- zent sollte man überlegen, diese anzu-
sonders im Bereich der Schriftgestal- staben eines Textes auswählt. Um das gleichen, um auch weiterhin eine har-
tung einige nennenswerte Neuerun- jeweilige Zeichen erscheint daraufhin monische Zeichenstruktur wiedergeben
gen. Dazu zählt vor allen Dingen das ein Rechteck, das an allen Ecken Steu- zu können. Ohne Berücksichtigung ty-
Text-Werkzeug Touch Type (Shortcut: ergriffe besitzt. Mit deren Hilfe lässt es pografischer Grundregeln wird nicht
Shift- und T-Taste) aus der Symbolleis- sich per Hand- oder Mausbewegung nur das kreative Spiel mit Buchstaben
te oder dem Steuerungsbedienfeld. Das drehen, skalieren oder verschieben. zu einer echten Herausforderung für
Touch-Type-Tool bietet die Möglich- Alle dabei ausgeführten Änderungen den Gestalter, sondern auch die Lesbar-
keit, zusammenhängende Buchstaben- wirken sich dynamisch auf die kom- keit deutlich herabgesetzt. Mit dem neuen
reihen einfach aufzubrechen und ein- plette Zeichengruppe aus. Wenn sich In Verbindung mit dem ebenfalls Touch-Type-Tool
zelne Zeichen zu bearbeiten. Jedes lässt zum Beispiel die Größe des zweiten neuen Frei-Transformieren-Werkzeug von Illustrator CC
sich als separates Objekt, getrennt von Buchstabens verdoppelt, dann passen von Illustrator CC, das eine individu- lassen sich ein-
der übrigen Einheit, formen – danach sich automatisch alle anderen Zeichen elle Skalierung einzelner Objekte zu- zelne Buchstaben
gliedert es sich wieder problemlos in die an – dabei bleiben die typografischen lässt, sind typografische Effekte mit ei- auf intuitive
Formation ein. Auf diese Weise kann Werte wie etwa Zeichenabstand oder ner räumlichen Wirkung nun deutlich Weise skalieren,
man gezielt Buchstaben aus Wörtern individuelles Kerning erhalten. schneller umgesetzt. Egal, ob für den verschieben
oder Sätzen anwählen und skalieren, Mit den regulären Text-Werkzeu- Einsatz im Print- oder im Digitalbe- oder drehen. Bei
drehen oder von der Grundlinie aus gen kann der Nutzer alle bekannten reich, das neue Touch-Type-Tool bie- ähnlich aufge-
verschieben. Alle erforderlichen Para- Parameter auch im Nachhinein belie- tet eine Fülle von Möglichkeiten, die es bauten Grafiken
meter sind leicht über das Vier-Ecken- big verändern und anpassen. Einstel- auszuprobieren lohnt. Experimentelle wie unten rechts
System erreichbar; lästiges Hin- und lungen wie beispielsweise Schriftgrö- typografische Gestaltung, etwa für Pla- verkürzt sich die
Herwechseln zwischen den Werkzeugen ße, Zeilenabstand oder Farben sind kate und Poster, wird so zu einem völlig Arbeitszeit
bleibt dem Gestalter erspart. nach wie vor mit nur wenigen Klicks neuen Erlebnis. Lukas Bischoff dadurch deutlich
090 page 10.13 TECHNIK 8-punkte-plan

teuer

gUT SCHNeLL

unmöglich

langsam schlecht

gÜNSTIg

achtung, auftrag!
Gerade bei großen Projekten läuft nicht immer alles reibungslos. Zum Glück kann man
potenzielle Konflikte meist schon im Vorfeld erkennen und entschärfen. Stefan Bodeit und
Gunther Baganz über die acht Alarmsignale und mögliche Lösungsstrategien
page 10.13 091

n Das magische Dreieck des Projekt­


managements: Die einfachen Gesetz­
mäßigkeiten, die es abbildet, bekom­
men Kreative immer wieder selbst zu
spüren. Dieses Modell besagt im Grun­
1
Das Nicht-Briefing
messe im nächsten Monat erfolgen.
Sudokus sollen Tausende neuer Face­
book­Fans generieren.
Hintergrund: Unrealistische Ziele kön­
nen vielerlei Ursachen haben. Zum Bei­
de nichts anderes, als dass jedes Vor­ spiel unerfahrene Projektverantwort­
haben im Spannungsfeld der drei Pole Alarmsignal: Die Briefingunterlagen liche, denen das Ausmaß ihres Projekts
Geld, Zeit und Qualität stattfindet. Man haben Romanstärke, und doch ist auch nicht ganz klar ist. Oft ist auch interner
kann einen Projektverlauf höchstens nach eingehender Lektüre nicht klar, Druck im Spiel, etwa wenn der Vor­
für zwei dieser Pole optimieren – aber was eigentlich zu tun ist. stand unrealistische Key Performance
nicht für alle drei. Hintergrund: Offenbar wollte jemand Indicators (KPI) erwartet wie utopische
Zum Bermudadreieck kann sich die­ sehr fleißig und umsichtig sein. Denn Besucherzahlen oder App­Downloads.
ses Spannungsfeld entwickeln, wenn eigentlich ist es hilfreich, wenn alle Pro­ Natürlich gibt es auch persönlichen
die Verantwortlichen es ignorieren. In jektbeteiligten Zugriff auf die wichti­ Ehrgeiz und Profilierungsdrang. Viel­
der digitalen Welt geschieht dies gar gen Informationen haben. Wer die Vor­ leicht wurde auch nur ein Projektver­
nicht so selten. Das ist schade, denn zu geschichte kennt und Hintergrundin­ antwortlicher schlecht beraten oder ist
Projektbeginn stellt das Management formationen über die Ziele hat, kann Opfer eines Hypes.
die Weichen: Soll es schnell gehen und präziser und fundierter arbeiten. Aber
gut werden, muss ein großes Team aus in Wirklichkeit war jemand faul (oder Tipp: Entlarven Sie Illusionisten!
erfahrenen Experten zeitgleich daran beschäftigt). Denn es ist leicht, die Prä­ Sprechen Sie utopische Ziele am bes­
arbeiten – das wird nicht billig. Güns­ sentation der Marketingagentur, die ten sofort an. Wenn etwas unter den
tig und gut kann ein Projekt mit einem letzten Marktforschungszahlen und die gegebenen Voraussetzungen und in
Team motivierter Junioren und Prakti­ CI­Guidelines in eine ZIP­Datei zu pa­ der zur Verfügung stehenden Zeit nicht
kanten werden. Dann muss man aller­ cken und per E­Mail zu verschicken. Je­ zu erreichen ist, sollten Sie sich auch
dings genügend Zeit für Abstimmun­ denfalls leichter, als relevante Informa­ nicht daran messen lassen. Wenn Sie
gen und Korrekturen einplanen. Was tionen zu identifizieren, zu sortieren dies klargestellt haben und die Erwar­
bei »Schnell und billig«­Projekten he­ und so zu formulieren, dass neue Pro­ tungen auf allen Seiten geradegerückt
rauskommt, kann sich jeder vorstellen. jektbeteiligte die Aufgabe in wenigen sind, spricht natürlich nichts dagegen,
Das Arbeiten an digitalen Projekten Minuten grob erfassen können. Dabei auch ehrgeizige Ziele anzuvisieren.

3
ist spannend, herausfordernd und ab­ ist dies enorm wichtig, denn ohne ei­
wechslungsreich. Dafür lieben wir un­ ne präzise Aufgabenbeschreibung sto­
seren Job. Doch es kann auch anstren­ chert man von Anfang an im Dunkeln.
gend, nervenaufreibend oder unbe­
friedigend werden. Denn die Materie Tipp: Schreiben Sie Ihr
ist komplex, und meistens sind zahl­ eigenes Briefing!
reiche Parteien beteiligt. Es geht eben
nicht allein um einen Websiterelaunch
Ein schriftliches Briefing ist notwen­
dig – schon um den eigenen Aufwand
Buzzwords statt
oder eine App, sondern auch um Ein­ abschätzen zu können und spätere Kompetenzen
fluss, Ansehen, Chancen, Ängste und Konflikte zu vermeiden. Notfalls sollte
sehr viel Geld. Wen wundert es da, man sich sein Briefing selbst schrei­ Alarmsignal: Bei der Anfrage erkun­
dass es in der Kommunikation und im ben: Einfach in einer Mail zusammen­ digt sich der Auftraggeber gar nicht
Projektablauf immer mal wieder hakt. fassen, wie man seine Aufgabe verstan­ nach speziellen Kenntnissen und Erfah­
Letztlich muss jeder für sich selbst ent­ den hat – und um eine Bestätigung per rungen, stattdessen fallen extrem vie­
scheiden, in welchen Arbeitszusam­ Nimm zwei! Mail bitten! Man kann dies dann ja di­ le Buzzwords. »Können Sie Social Me­
menhängen und ­atmosphären er ar­ Das magische plomatisch »Rebriefing« nennen. dia? Und UX? Mobile auch?« Es scheint
beiten möchte und was ihm Qualität Dreieck des ganz egal zu sein, was man als Freelan­

2
wert ist. Die vorgestellten acht Indika­ Projektmanage- cer, Agentur oder Dienstleister antwor­
toren für potenzielle Konfikte sollen ments besagt: tet: Hauptsache, man kann möglichst
Ihnen helfen, die Situation einzuschät­ Gut, schnell und schnell anfangen.
zen. Denn Reibungspunkte sind kein dabei noch Hintergrund: Wahrscheinlich hat ir­
Problem, solange man die Alarmsigna­ günstig geht nicht. gendwer einen mächtigen Etat gewon­
le rechtzeitig erkennt. Halten Sie also
immer die Augen offen!
Die Optimierung
für zwei Pole
Utopische nen, ohne die Ressourcen und das not­
wendige Know­how für den Job zu be­
zieht immer Projektziele sitzen. Oder ein rasant wachsendes
Die Autoren Gunther Baganz ( http:// entsprechende Start­up benötigt dringend Manpow­
guntherbanganz.de ) und Stefan Folgen in den Alarmsignal: Der Geschäftsbericht soll er auf allen Ebenen und Fachgebieten.
Bodeit ( www.bodeit.de ) arbeiten als Schnittmengen sich viral verbreiten. Der internationa­ Aber was genau versteht er unter So­
freie UX-Architekten in Hamburg nach sich le Relaunch soll noch vor der Branchen­ cial Media? Was ist mit Redesign ge­
092 page 10.13 TECHNIK 8-punkte-plan

meint? Bestehen denn überhaupt


die Strukturen für einen userzentrier­
ten Workflow? Weiß der Kunde, was er
sucht? Oder sucht er jemanden, der
einfach alles irgendwie macht? Dann
5 sein, welche Verantwortung die ein­
zelnen Parteien haben. Wer hat den
Lead? Wer arbeitet wem zu und bis zu
welchem Zeitpunkt? Wer hat kreative
Freiheiten, und wer setzt die Ideen
wird es schnell brenzlig. Nicht jeder ist Der Projektverant- anderer möglichst genau um? Aber da­
erfahren genug, um zum Beispiel Ent­ rüber hinaus auch: Wo hört der eigene
scheider zu beraten, interne Abläufe zu wortliche hat Aufgabenbereich definitiv auf – und
strukturieren oder Investoren zu über­
zeugen. Andererseits ist nicht jeder ge­ die Verantwortung, wo beginnt man, sich ungebeten in
die Kompetenzen anderer einzumi­
duldig genug für ein Projekt, das bei
näherem Hinsehen eher monotone
aber nicht schen? Die eigene Rolle muss klar sein
und muss zusätzlich dem eigenen An­
Fleißarbeit mit geringem kreativem das Sagen spruch und den individuellen Fähig­
Anspruch erfordert. keiten entsprechen.
Alarmsignal: Obwohl alle Projektbe­
Tipp: Erst nachfragen, teiligten bereits früh einer Meinung Tipp: Klären Sie die eigene
dann zusagen! sind, gibt es keine klare Entscheidung. Rolle selbst!
Neben den üblichen fachlichen und Denn ohne das Go des Vorstands – oder Wenn das Briefing nicht deutlich macht,
inhaltlichen Fragen nach dem Umfang einer anderen Instanz im Unterneh­ was Ihre Rolle und die daran geknüpf­
oder dem Stand des Projekts sind men – läuft nichts. ten Erwartungen sind, hilft wie so oft
besonders Fragen nach vorhandenen Hintergrund: Dem Projektteam fehlt nur Kommunikation. Wer nachfragt und
Strukturen, internen Prozessen und ein Entscheider. Der sitzt in einer ande­ die eigene Rolle aktiv thematisiert, ver­
Workflows interessant – und natürlich ren Etage und lässt sich im Zweiwo­ meidet Missverständnisse und Miss­
auch nach der eigenen Rolle darin. chenrhythmus über den Projektfort­ stimmungen und kann mehr von seiner

4
schritt berichten. Wenn sich der Ent­ Kernkompetenz einbringen.
scheider nicht einmal bei wichtigen

7
Meetings blicken lässt, kann das zwei­
erlei bedeuten: Entweder ist das Pro­
jekt nicht wichtig genug. Oder der Ent­
scheider kennt sich mit der Materie
Projektstatus kaum aus und schickt aus diesem

»grüne Wiese«
Grund sein Team vor.
Timing ist
Alarmsignal: Das Projektmanagement
Tipp: Seien Sie
Entscheidungshelfer!
wichtiger als
erwähnt im ersten Telefonat auffällig In jedem Fall gilt: Wenn der Projektver­ Qualität
häufig Begriffe wie »grüne Wiese« oder antwortliche das grüne Licht immer
»kreativ austoben«. Zunächst klingt extra einholen muss, geht es eher ruck­ Alarmsignale: Die neue App will der
auch alles nach einem Spaziergang. artig als flüssig weiter. Man kann ein Kunde unbedingt auf der Herbstmesse
Hintergrund: Bei genauerer Nachfra­ wenig schmieren, indem man dem Ver­ präsentieren. Die Webseite soll zeit­
ge entpuppt sich die Umschreibung für antwortlichen beim Präsentieren hilft, gleich mit dem neuen Logo und dem
den ernüchternden Projektstatus als etwa mit Folien, die Lösungsansätze Launch des neuen Hero­Produkts on­
fehlende Grundidee. Das kann eine vergleichbar machen, oder mit Studien­ line gehen. Dass die Zeit bis dahin sehr
Chance sein, wenn ausreichend Zeit für ergebnissen, die eine klare Empfeh­ knapp ist, versteht sich von selbst.
die Entwicklung einer solchen Grund­ lung für die Entscheidung geben. Hintergrund: In manchen Projekten
idee zur Verfügung steht. Beschöni­ ist der Launchtermin unverrückbar, das

6
gungen wie »grüne Wiese« setzen Auf­ Timing damit nicht verhandelbar. So­
traggeber allerdings meistens erst ein, lange die Zeit für ein solides Ergebnis
wenn gleichzeitig Zeitmangel herrscht reicht, ist das kein Problem. Ist sie hin­
und man neuen Projektbeteiligten nur gegen knapp bemessen, haben Sie –
die eigene Planlosigkeit schmackhaft gemäß dem magischen Dreieck des
machen will.
Diffuse Rollen- Projektmanagements – lediglich zwei
Stellschrauben: das Budget, um mehr
Tipp: Haken Sie sofort nach! verteilung Manpower einzukaufen, und die Qua­
Auf Nachfrage wird sich schnell klären lität, denn je weniger Features Sie pro­
lassen, ob das Projekt eher Chancen Alarmsignal: Im Projekt wimmelt es grammieren müssen, desto schneller
oder Risiken birgt. Eigentlich wünscht nur so von eigens für bestimmte Auf­ geht es mit dem Projekt voran.
man sich immer möglichst viel Gestal­ gabenbereiche angeheuerten Exper­ Doch sind Budgets meist ebenso in
tungsfreiraum. Nur wenn die Rolle ten, die einander mit Kompetenzgeran­ Stein gemeißelt wie Timings. Also ver­
stimmt und genügend Zeit vorhanden gel, Budgetneid und Verzögerungen schieben Auftraggeber immer mehr
ist, können Sie mit der Ideenfindung behindern, anstatt mit professionel­ Key Features auf Version 2 oder/und
noch mal bei null anfangen. Dies ist in lem Eifer das Projekt voranzubringen. streichen viele charmante Ideen. Für
jedem Fall aussichtsreicher, als beste­ Hintergrund: Sind mehrere Agentu­ intensive Tests bleibt auch keine Zeit
hende halbgare Ideen umzusetzen. ren, Dienstleister und Freelancer am mehr. Die Folge ist ein eilig zusammen­
Ansonsten Vorsicht! Projekt beteiligt, muss klar ersichtlich geschustertes Ergebnis, das nieman­
page 10.13 093

den begeistert, vielleicht sogar gänz­


lich floppt. Das ist frustrierend – be­
sonders wenn man weiß, was möglich JETZT 1×
GRATIS
gewesen wäre.

Tipp: Sehen Sie den Tatsachen

TESTEN
ins Auge!
An unverrückbaren Timings und Bud­ Infos und Bestellung:
gets kann man nichts ändern. Aber es shop.weave.de/1xgratis
ist wichtig, dass sich alle Beteiligten
dieser Situation zumindest bewusst
sind. Wenn es nun gelingt, gemeinsam
mit dem Team die elementaren Fea­
tures des jeweiligen Produkts zu iden­
tifizieren und die eine oder andere
charmante oder auch innovative Idee
zu behalten, ist schon viel erreicht.

8
Ungesunder Druck
Alarmsignale: Der Vorgänger im Pro­
jekt ist wegen Burn­out ausgeschie­
den. Bei Problemen reicht das Team
die Schuld bis zum Schwächsten wei­
ter, statt sich gemeinsam an die Lösung
zu setzen. Der Ton ist fordernd, manch­
mal auch unangemessen drohend.
Hintergrund: In digitalen Projekten
geht es um viel Geld – die Kosten für
den Relaunch einer Marken­Site kön­
nen schnell ins Sechsstellige wachsen.
Vom Erfolg eines Onlineshops kann das
Schicksal des Unternehmens abhän­
gen – in jedem Fall einige Arbeitsplät­
ze. Vielleicht hat sich aber auch nur je­
mand zu weit aus dem Fenster gelehnt
und seinem Vorgesetzten sehr ambi­
tionierte Kennzahlen versprochen und
will jetzt nicht sein Gesicht verlieren.
Mit anderen Worten: Das Projekt ist für
den Auftraggeber oder zumindest für
jemanden im Team von existenzieller
Bedeutung. So entsteht Druck. Und die­
ser Druck wird weitergegeben, etwa als
überzogene Forderung, komische An­
deutung oder – selten, aber besonders
schlimm – als offene Drohung.
Dieser Artikel
Tipp: Kommunizieren Sie stammt aus
wie ein Therapeut! WEAVE 04.13,
Druck entsteht aus Hilflosigkeit. Oft dem Interaction-
hilft es schon, freundlich zu bleiben, Design-Magazin
Zuversicht auszustrahlen und profes­ von PAGE. Die
sionell zu arbeiten. Unmögliche Forde­ Ausgabe können
rungen sollten Sie schnell zurückwei­ Sie bequem
sen – in einem freundlichem Tonfall und portofrei
und mit einer professionellen Begrün­ unter http://
dung. Drohungen sollten Sie in keinem shop.weave.de/
Fall nachgeben und das auch mit aller weave/einzel
Deutlichkeit sagen. hefte bestellen
094 page 10.13 Technik

Tools & TECHNIK


In wenigen Sekunden
errechnet der von
Michael Hansmeyer
und Benjamin
Dillenburger entwick-
elte Algorithmus
die hochkomplexen
Formen – diese
von Hand zu zeichnen
Foto links: Hansmeyer/Dillenburger; Foto rechts: Demetris Shammas

wäre unmöglich

Design per algorithmus


»Digital Grotesque« ist der erste komplett 3-D-gedruckte Raum. Er besteht aus Millionen von Sandkörnern
Foto: Hansmeyer/Dillenburger
page 10.13 095

n Auf der ArchiLab, einem Event zu


naturinspirierter Architektur im Sep-
tember im französischen Orléans, wol-
len die Züricher Architekten Michael
Hansmeyer und Benjamin Dillenburger
einen 16 mal 20 mal 3,2 Meter großen
Raum präsentieren, der mit einem Vo-
xeljet-3-D-Drucker und einem Sand-
Binder-Gemisch entstand. Mehrere Mo-
delle im Maßstab 1:3, deren zersplit-
terte Facetten nach dem Druck poliert
und teils vergoldet wurden, zeigten sie
auf internationalen Ausstellungen.
Das Design des »Digital Grotesque«
getauften Projekts mit gut 80 Millionen
Oberflächen basiert auf einem Diffe-
renzierungsalgorithmus, der von den
natürlichen Prozessen der Zellteilung Auf- und Durchlichtscanner von Epson
inspiriert ist. Der generative Code zer-
legt die Oberfläche eines einfachen Ku- Auf- und Durch- n Nach längerer Abstinenz bringt der Die Auflösung beim Scannen be-
bus in immer feinere Polygone, wobei lichtvorlagen japanische Hersteller einen neuen Fo- trägt bis zu 6400 ppi; als Maximaldichte
sich nach und nach Formen heraus- scannt der Epson to- und Dokumentenscanner auf den gibt Epson 3.4 an. Die integrierte Digital-
schälen und Unterteilungsflächen ent- Perfection V550 Markt. Der Perfection V550 digitalisiert ICE-Technologie beseitigt Kratzer und
stehen. Dieses Verfahren wird mehr- gleichermaßen Vorlagen bis zum A4-Format, größere Staub der Vorlagen. Über Schnellstart-
mals hintereinander und mit unter- Fotos und Dokumente lassen sich mit- tasten kann man Dokumente direkt als
schiedlichen Parametern ausgeführt; hilfe der beiliegenden Software Scan- PDF scannen, an das E-Mail-Programm
mit jeder Iteration wird die Oberfläche n-Stich Deluxe erfassen. Der Scanner übergeben oder nach dem Scan als
feinteiliger, differenzierter. Dies er- verfügt über eine integrierte Durch- Kopie an einen Drucker schicken. Der
möglicht es, sekundenschnell vielfäl- lichteinheit, die Filmstreifen im 35-Mil- rund 270 Euro teure Epson Perfection
tigste Formen zu generieren, die man limeter-Format oder im Mittelformat V550 ist an Windows- sowie Apple-
nicht von Hand zeichnen könnte. »So (60 Millimeter) aufnimmt. Auch ge- Rechner anschließbar. ml
erwächst trotz einfacher Regeln eine rahmte Dias lassen sich einlegen. ≥ www.epson.de
komplexe Formenwelt: zwischen Orna-
ment und Struktur, zwischen Ordnung
und Chaos, fremd und doch vertraut:
eine digitale Groteske«, sagt Michael Kleinst-Camcorder
Hansmeyer. Er und Dillenburger wür- von Canon
den es begrüßen, wenn ihr Verfahren
auch bei komplexen Bauvorhaben wie n Legria mini heißt Canons neuer Cam-
Brücken oder Dachkonstruktionen An- corder, der Full-HD-Videos sowie Fotos
wendung fände. Auch das Material sei mit einer Auflösung von 12 Megapixeln
dafür ideal, denn die ausgehärteten aufzeichnet. Neben seiner geringen
Sand-Binder-Gemische sind ähnlich Größe – zusammengeklappt ist er etwa
stabil wie Stein, lassen sich aber flexi- so groß wie ein Smartphone – ist
bler einsetzen. fb das Objektiv bemerkenswert: Es nimmt
≥ www.digital-grotesque.com einen Bildwinkel von 160 Grad auf,
was im Kleinbild einem Fisheye mit etwa
12 Millimeter Brennweite entspricht.
Der Legria mini kann Zeitraffer- und Zeit-
lupenaufnahmen erstellen und
lässt sich via WLAN mit Smartphones
und Tablets verbinden. Da er über
ein Stereomikrofon verfügt und sich
ohne Hilfsmittel stabil aufstellen
lässt, eignet er sich auch für die spontane
Dokumentation von Konferenzen
oder anderen Ereignissen. Der Legria
mini soll circa 300 Euro kosten. ml
≥ www.canon.de
096 page 10.13 Technik Tools & Technik

Längere Mangas
n SmithMicro hat Manga Studio, ihr nierung anzupassen, und es ist möglich,
Programm zur Comicproduktion, in Ver- verschiedene Schriften in einem Text-
1 2
sion Ex5 vorgestellt. Mit dieser lassen kasten zu verwenden. Manga Studio
sich nun auch mehrseitige Dokumente Ex5 für Mac OS und Windows ist ab so-
Hard- und Software erstellen. Dazu erlaubt es das Text-
werkzeug, Zeilenabstand und Spatio-
fort für rund 150 Euro verfügbar.
≥ http://my-smithmicro.de
ml

+++ Adobe: Einzel-Abo im Team. Der Softwareherstel-


ler hat eine Änderung seines Abo-Modells angekündigt:
Die vor allem in größeren Agenturen und Verlagen ein-
gesetzten Creative-Cloud-Teamlizenzen umfassen jetzt
auch Einzel-Abonnements. Damit steht für die gewähl-
ten Arbeitsplätze dann nur eine Lizenz für eine bestimm-
te Applikation zur Verfügung. Die Einzellizenz ist mit
etwa 30 Euro pro Monat deutlich günstiger als die Team-
Komplettlizenz, die mit über 80 Euro pro Arbeitsplatz zu
Buche schlägt. ≥  www.adobe.com/de/products/creative
cloud/teams.html +++ iProfiler 1.5. Mit der neuen Ver-
sion der Profilierungssoftware können Besitzer des X-
Rite-Spektralfotometers Device-Link-Profile zur Anglei-
chung der Farbwiedergabe verschiedener Druckmaschi-
nen erstellen. Das erleichtert den Wechsel von Maschinen
oder auch Drucktechnologien ohne einen Bruch der Farb-
wiedergabe zu verursachen. Weitere innovative Funktio-
nen von iProfiler 1.5 sind die Unterstützung der Hutch-
Color-Targets und des Ugra/Fogra-Medienkeils CMYK für
Großformat. Das Update ist kostenlos ≥  www.xrite.com Manga Studio bietet alle Tools, die Comic-Zeichner brauchen. In der neuen Version
+++ XPress zu InDesign CC. Eine neue Version des Kon- lassen sich jetzt auch mehrseitige Dokumente anlegen
vertierungs-Plug-ins Q2ID kündigt Markzware an. Das
Tool arbeitet jetzt mit InDesign CC zusammen und kon-
vertiert XPress-Dokumente in das Format der neuen In- HDR ohne Stativ
Design-Version. Markzware hat ihr Lizenzmodell sehr
schnell an Adobe angepasst: Die Lizenz läuft lediglich n In der neuen Version 3 kann HDR me mit einem höheren Dynamikum-
ein Jahr und muss danach erneuert werden, kostet aber Expose, das High-Dynamic-Range-Tool fang zu verrechnen. Das ist dann hilf-
ebenso viel wie die alte Dauerlizenz, die aber aus- der Firma Unified Color, Fotos besser reich, wenn der Kontrastumfang der
schließlich CS6 unterstützt: circa 240 Euro. ≥  www.mark aneinander angleichen und Geister- Originalszene die mögliche Kontrast-
zware.com +++ HP-Monitore mit IPS-Panels. 1 Speziell bilder eliminieren. Das ist vor allem in erfassung einer Kamera übersteigt.
für den Einsatz bei Grafik- und Fotoprofis sind die neu- den Fällen wichtig, in denen man HDR- HDR Expose 3 läuft als Stand-alone-
en 21,5-Zoll- und 24-Zoll-Monitore von HP gedacht. Der Bilder ohne Stativ aufnimmt oder Pas- Programm unter Windows und Mac OS.
HP Z22i und der HP Z24i verfügen über IPS-Panels und santen durchs Bild laufen. Der Lieferumfang umfasst zudem Plug-
sind mit Preisen von rund 225 und 370 Euro relativ günstig, HDR Expose 3 ermöglicht es, zwei ins für Lightroom und Aperture. Kos-
decken aber nur den sRGB-Raum ab. ≥  www.hp.com/de oder mehrere Fotos aus einer Belich- tenpunkt: etwa 120 Euro. ml
+++ Internet Explorer 11. Eine Developer Preview von In- tungsreihe zu einer einzigen Aufnah- ≥ www.unifiedcolor.de
ternet Explorer 11 ist jetzt auch für Windows 7 verfügbar.
Damit müssen Entwickler nicht mehr unbedingt die Pre-
view von Windows 8.1 installieren, um den Browser zu
testen. ≥  http://is.gd/IE11_devpreview +++ Rundum-
dokumentation live. 2 Das Fraunhofer Institut hat den
Prototypen einer 360-Grad-Kamera vorgestellt, die Rund-
umpanoramen erfasst und live stitcht, also nahtlos an-
einander setzt. Zehn HD-Kameras erfassen über Spiegel
das Rundumbild einer Szene. Standard-High-End-PCs
verrechnen die Bilder live zu 360-Grad-Panoramen, in die
der Anwender auch hineinzoomen kann. Neben der Live-
Übertragung an HD-Displays ist darüber hinaus die Auf-
zeichnung der Videopanoramen möglich. ≥  www.hhi.
fraunhofer.de +++ Licht für Foto- und Videoproduk-
tionen. Die Dauerlichtleuchte DF 25 von Hedler liefert
ein farbneutrales Licht, das sich mit vorhandenen Licht-
quellen (Blitz und Tageslicht) mischen lässt. Weil die
Energiespartechnik ohne Lüfter auskommt, ist die DF25
auch für Videoproduktionen geeignet. Die Leuchte kos-
tet inklusive Fresnel-Linse und Anschlussadapter rund Mithilfe von HDR Expose 3 lassen sich High-Dynamic-Range-Fotos nun auch aus der
1130 Euro. ≥  www.hedler.de ml freien Hand fotografieren
PAGE Markt 097

»Ich kopiere in 3D«


J
etzt drucken Sie 3D-Modelle
und Ersatzteile selbst! Der SD-Karte oder PC: Drucken Sie
FreeSculpt 3D-Drucker ist Leicht zu bedienen: Mit der direkt vom PC aus oder laden Sie
Ihre persönliche 3D-Fabrik: komfortablen Menüführung die druckfertige Datei mit einer
Schauen Sie dabei zu, wie echte ist der 3D-Drucker für jeder- SD-Speicherkarte in den Drucker
3D-Objekte scheinbar aus dem mann einfach zu bedienen
Nichts entstehen. Ohne großes
Know-how fertigen Sie Ersatz- Spiel ohne Grenzen: Entwerfen
teile, Modellfiguren, Spielzeug Sie Ihre eigenen Objekte oder
und vieles mehr aus robustem verformen Sie fertige 3D-Objekte
ABS-Kunststoff. Prima: Der Dru-
cker wird komplett montiert
geliefert. Nicht als Bausatz! Er
ist sofort startklar: Sie können
ihn einfach auspacken, anschlie-
ßen und sofort losdrucken!
3D-Drucker EX1-Basic
Sofort drauf los drucken:
Bestell-Nr. PV-8600–388 R 799,90
Als Druckmaterial werden
3D-Drucker EX1-Plus (inkl. Software) hochfeste ABS-Filamente
Das Plus für Ihre Kreativität: verwendet. 1 kg ABS-Material
Ganz ohne CAD-Vorkenntnisse ist bereits im Lieferumfang
verfeinern Sie Ihre 3D-Objekte enthalten.
direkt am PC. Die „TriModo 3D“-
Software macht’s möglich!
Bestell-Nr. PV-8610–388 R 899,90
3D-Kopiersystem EX1-ScanCopy
Das Komplett-Paket: Mit dem
FreeSculpt 3D-Kopiersystem aus
Kamera und „TriModo 3D“-Soft-
ware scannen und kopieren Sie
Gegenstände als 3D-Modell.
Bestell-Nr. PV-8611–388 R 1099,90 Top-Angebot: Der erste sofort Perfekter 3D-Druck: Drucken Sie
einsatzfertige 3D-Drucker nahezu beliebige Gegenstände
für Privatanwender und in stabilem, belastbarem Kunst-
Gewerbetreibende zum stoff bis zur Größe von
bezahlbaren Preis! 225 x 145 x 150 mm.

Geeignete
STL-Vorlagen
finden Sie z.B.
kostenlos im
Internet

Die Presse ist Dieses Technik-Wunder


kann man sogar kaufen:
9/13
von dieser
technischen

799,90
Neuheit
begeistert!
ab R
Mit dem
ScanCopy-3D-

Die Technik von morgen


Scanner digi-
talisieren Sie

schon heute bestellen bei


Ihre Objekte

Diese Artikel erhalten Sie bei: PEARL.GmbH, PEARL-Str. 1-3, 79426 Buggingen, Germany · Preise zzgl. Versandkosten: ab 1 4,90 (je nach Zahlart)
24-Stunden-Bestellhotline: 0180-555 82 (14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz, Mobiltarife können abweichen).
098 PAGE Markt

DESIGNU5WERBUNGU5AUSBIlDUNG U5MEDIENU5GRAFIK
U5CANNESU5IllUSTRATIONU5PRAXISERFAHRUNGU5ADCU5
Illustration & REDDOTU5GWAU5ART DIRECTIONU5ZUKUNFTU5lEISTUNG
Photography U5ERFAHRUNGU5SPASSU5HAll OF FAMEU5NETZWERKU5
KUNSTU5WERBEFIlMU5BEWEGTBIlDU5IDEEU5KREATIV
Agentur für Visualisierungen
kreativer Ideen im
U5ERFOlGU5FUNKSPOTU5GESTAlTUNGU5KOMMUNIKATION
Kommunikations-, U5MEDIENGESTAlTUNGU5ADCU5PACKAGINGU5MARKE
Werbe- und Verlagsbereich U5TyPOGRAFIEU5WERBETEXTU5STORyBOARDU5CANNES
DESIGNU5WERBUNGU5AUSBIlDUNG U5MEDIENU5GRAFIK

U5
Caroline Seidler Akademie U5
office@carolineseidler.com Einsteinstraße 42
+43 699 192 364 77 | +43 1 890 0443 81675 München
Ortliebgasse 2/ Top 49, 1170 Wien Tel.: 089.47 50 56
www.akademie-u5.de
mail@akademie-u5.de

Weiter mit Bildung DIPLOMA Hochschule


Private staatlich anerkannte Hochschule
Medienfachwirt/in bundesweite Studienzentren
Industriemeister/in Printmedien
• Aufstiegsweiterbildung mit IHK-Abschluss
• für Fachkräfte mit Berufsausbildung und Seiteneinsteiger mit
einschlägiger Berufspraxis
• berufsbegleitend oder in Vollzeit
• finanzielle Förderung durch Meister-Bafög

www.medienberufe.de/wb-ihk B.A. Grafik-Design (FIBAA akkreditiert)


bm - bildung in medienberufen gmbh B.A. Medienwirtschaft & Medienmanagement
Bischofsweg 48-50, 50969 Köln 6-semestriges Präsenzstudium in Bad Sooden-Allendorf
0221 78970-0 oder berufsbegleitend in 7 Semestern oder auch online
info@medienberufe.de
Tel.: 0 57 22 / 28 69 97 32 - www.diploma.de

GRAFIK
InfoTag KUNST
Medienfachwirt/in
Industriemeister Print
28. Sept. MEDIEN
im Online-Studium
» Staatlich anerkannte Aufstiegs-
qualifizierung mit IHK-Abschluss
» 18 Monate berufsbegleitend Klick dich rein!
www.medienfachwirt.com www.da-designakademie.de

Gaaaaaaanz
genau.
C

CM
DTP-Typometer 2.0
MY Mit DTP-Points, US-
CY
und DIN-Formaten …
CMY Jetzt bestellen:
www.page-online.de/shop/produkte
K

alsterterrasse 1 20354 hamburg


T 040-28 05 24 36 F 040-280 26 19
info@htk-online.de www.htk-online.de
RZ_AZ_123RF_BigDeal_Markt2.pdf 9 30.07.13 10:39
PAGE Markt 099

CM

MY

CY

CMY

K
Bdiegal
Bilder ab
21 Cent
Gestaltung: www.tocologo.de

20 Mio. Bilder, free call D, A & CH: 0800 88 66 020


Illustrationen & Videos www.123rf.de
100 PAGE Markt

OH!-Druck-Effekt
Lack zum Fühlen! Die Lackierung
besonderer Details in Bildern oder
Grafiken wirkt aufmerksamkeitsstark
und zeugt von edler Fertigung.
Ob Matt- oder Glanzlack – so ent-
stehen ganz neue Bildeindrücke!

Detailsansicht
Beispiel links: der Drucklack wird
in bis zu drei Schichten auf das Ma-
Das Magazin für Gestalter, Konzeptioner
Basketball
Football
terial aufgebracht. Das sorgt für eine
fast 3-dimensionale Wirkung!
und Entwickler interaktiver Medien

PARTIELLER DRUCKLACK
www.stiefel-online.de Tel. (0 84 56) 92 43 50

Sie sind Journalist?


6 AUSGABEN
ZUM
Profi tieren Sie von
hervorragendem Service,
STUDENTEN-
Fachinformationen, PREIS
qualifi zierter Beratung,
Presseausweis,
wirksamem Engagement,
Medienversorgung und
zahlreichen weiteren
Leistungen.
Die Journalistenverbände
informieren Sie gerne:

Journalistenzentrum info@journalistenverbaende.de
Deutschland Tel. 040 / 8 99 77 99 www.journalistenverbaende.de
// Jetzt bestellen: shop.weave.de/abo-studenten

IMMER UP-TO-DATE:
user experience meets innovative interactions
STUDENTEN-ABO

2 days | 10 headliners | 8 lightning talks | exhibition

Interface Design | Information Visualization


User Experience Design | Generative Design
Physical Computing | Interactive Experiences

As friends of PAGE, we give the first 20 readers


to register online 15% off of the 2day passes!
Be quick & use the code PAGEFRIENDS
– see you in Munich!
Oct
Join us now & Save! 25/26
in Munich
www.push-conference.com/2013
PAGE Markt 101

Machen

W
NE des
eb

U: ign
Sie doch
was Sie
wollen!
Wann und wo Sie wollen.

Professionelle Online-Kurse für Grafikdesign (staatl. zugelassen)


Fotografie, Webdesign, 3D-Design, Printproduktion, Photoshop

Free Foto-Tutorial
Studenten aufgepasst:
Für euch gibt’s 6 cm umsonst !

PAGE Studentenabo: Schüler und Studenten lesen günstiger!


Sie erhalten das PAGE Abo zum Studententarif, damit Sie bereits
in der Ausbildung mit starken Konzepten und handwerklichem Können
überzeugen können! Jetzt bestellen: shop.page-online.de/6cm
106 page 10.13

EINBLICKE
Ob Kaninchen oder Hunde – Tiere bringen Leben, Abwechslung und gute Stimmung in Designbüros und Agenturen

Kaninchen immer wieder gerne in den


Garten locken lassen.
Weil sie das ganze Jahr draußen le­
ben, sind die Tiere nicht zahm, sie
schlagen schneller Haken, als wir die
Maus schwingen. Das ist auch gut so,
denn obwohl unser Garten in Berlin­
Mitte liegt, haben sie natürliche Fein­
de: Auf den Friedhöfen in der Gegend
wohnt ein Fuchs, der nachts seine Run­
den dreht. Neulich hat uns ein Wasch­
bär besucht, und vor drei Jahren hatte
ein Greifvogel – groß wie ein Seeadler –
eines der Kaninchen bereits zwischen
seinen Krallen. Nachdem wir mit Ge­
schrei aus dem Büro rannten, ließ er
es mit blutigem Rücken wieder fallen.
Es war ein besonders kalter Winter, in
dem Vögel aus dem Umland versuch­
Urban Wildlife ten, in der Stadt etwas zu fressen zu
n In unserem Garten, der an Büro und ben wir ihnen ein eigenes Refugium finden. Seit einem Jahr haben wir üb­
Wohnung grenzt, leben vier Weißgran­ abgetrennt. Wenn sie ausbüxen, sind rigens auch zwei schwarz­rot­weiße
nenkaninchen. Anfangs waren sie dort die Kollegen gefragt: Einer treibt dann Katzen – zufällig Ton in Ton mit den
überall unterwegs. Da allerdings Kanin­ die Herde ein, der andere steht am Kaninchen. Als dreifarbige Art nennt
chen – wie Biber – Pflanzen fällen und Tor . . . Der Blick ins Grüne ist das Schö­ man sie auch Glückskatzen . . .
gefühlt kilometerlange Tunnel graben, ne an unserer Lage – das finden auch Sibylle Schlaich, Geschäftsführerin
war bald alles völlig verwüstet. So ha­ viele unserer Kunden, die sich von den von Moniteurs, Berlin

Spanische Invasion
n Mit Esta fing alles an. Sie war ein Urlaubsmitbringsel von
Mallorca und kam in meiner Tasche versteckt nach Ham­
burg. Leider wurde sie nur 12 Jahre alt, aber genauso lange
erfreute sie diverse Verlage. Legendär, wie sie eine Redak­
tionskonferenz durch einen Hundepups beendete. Doch ih­
re zurückhaltende Art machte jegliche Luftverschmutzung
wieder wett. Verewigt ist sie bis heute bei ihren liebsten
Kollegen, in der PAGE­Textredaktion (siehe Foto links).
Heute toben Loki, 3 Jahre, mit andalusischen Wurzeln,
und Gunvald, 2 Jahre, von Ibiza, durch die Redaktionsräu­
me. Lieber noch arbeiten die beiden aber wegen des Gar­
tens von zu Hause aus. Besuche in den Redaktionen sind al­
lerdings eine willkommene Abwechslung zum Homeoffice.
Das mag auch an dem von einer Kollegin mitgebrachten
Spielzeug liegen, das sich mit Futter füllen lässt. Loki kann
den ganzen Tag damit verbringen, diesen Gummiknochen
geschickt durch die Luft zu schleudern, bis sämtliche Le­
ckerlis herausgefallen sind. Gunvald
ist trotz fehlender Fertigkeiten auf
diesem Gebiet schlau – und schnappt
sich alle, die Loki nicht schnell genug
fressen kann. Dabei geht es nicht ge­
rade leise zu, aber für die Kollegen ist
es eine willkommene Ruhestörung, wie
sie auf Nachfrage versichern.
Rebecca von Hoff, freie Grafikerin,
Hamburg
page 10.13 107

Selbstbestimmt und
diszipliniert
n Fritz heißt der kurzhaarige schwar­
ze Zwergdackel, der mir seit sechs Jah­
ren auf Schritt und Tritt folgt. Als ich mit
meinen drei Partnern vor fünf Jahren
Stan Hema gründete, lautete der größ­
te Wunsch, von nun an selbstbestimm­
ter zu leben. So kam ich zu Fritz, der mir
seither meinen guten Vorsatz freund­
schaftlich und zuverlässig täglich aufs
Neue in Erinnerung ruft. Und mich dis­
zipliniert: Wer einen Hund hat, kann
nicht mehrere Tage dienstlich verrei­
sen (auch wenn es nötig wäre), muss
aber dreimal täglich mit ihm an die fri­
sche Luft (auch wenn die Zeit fehlt).
Geht es hart auf hart, springen
freilich meine Kollegen als Hundesitter
ein, denn alle Stans und alle Hemas
haben den Kleinen ins Herz geschlos­ den begrüßt unser Wachhund so freu­ Kreativität keinerlei Zusammenhang
sen. Was übrigens auch für unsere Kun­ dig wie sie! Auch das Markenteam der sehe, bin ich mir ziemlich sicher, dass
den gilt: Da gibt es beispielsweise eine GLS Bank hat an Fritz einen Narren ge­ der drollige Fritz sehr wohl Anteil am
Dame, die nicht zu uns kommt, ohne fressen, und so spielt er in ihrem illust­ guten Klima bei uns hat.
ein »Gutsi für das Hündchen« in ihrer rierten Kinospot sogar die Hauptrolle. Stephanie Kurz, Geschäftsführerin von
Handtasche zu schmuggeln – nieman­ Auch wenn ich zwischen Tierliebe und Stan Hema, Berlin

Customer & Staff Relationship Manager


n Dass Strichpunkt stets auf der Suche nach talentierten,
engagierten Mitarbeitern ist, hat sich herumgesprochen.
Fast täglich erhalten wir Bewerbungen, aber oft sind unse­
re Anforderungen zu hoch. Als Sira sich vor acht Jahren vor­
stellte, passte alles: Der Golden­Retriever­Welpe präsentierte
sich mit wachem, sonnigem Gemüt und ausgeprägtem Spiel­
trieb. Er bringt den authentischen Kuschel­ und Sympathie­
faktor eines guten Projektmanagers mit, die Bereitschaft,
auf Kommando hundertmal das Gleiche zu tun, wenn es der
Job erfordert – und vor allem: einen Riecher für gute Gele­
genheiten. Kein anderer Mitarbeiter hat eine so feine Nase,
wenn es darum geht, kleine Extras rauszuschlagen – selbst
der Postbote verteilt täglich einen Bonus an die Hündin.
Über Sira ist auch aus betriebswirtschaftlicher Sicht nur
Gutes zu berichten: Sie war bereit, für Kost und Logis bei
uns anzufangen – ein Unternehmertraum, von dessen ver­
wirklichung wir bislang nur aus großen Hamburger Werbe­
agenturen gehört hatten. Mittlerweile sorgt sie als Senior
Customer & Staff Relationship Manager für gute Stimmung
und trägt durch energisches Einfordern gemeinsamer Mit­
tagspausen zur Work­Life­Balance des Teams bei. Hat ein
Kollege ein Kreativtief, muntert sie ihn mit Ballspielen auf,
bis er auf andere Gedanken gekommen ist. Einzig das gele­
gentliche Verbellen plötzlich eintretender Kunden während
ihrer Büronickerchen müssen wir ihr abgewöhnen – bei
Strichpunkt ist kein Platz für Beamtenmentalität.
Kirsten Dietz, Geschäftsführerin von Strichpunkt, Stuttgart
108 page 10.13

KALENDER
1
organisierten Game- (Fach-)Hochschulen im
Design-Konferenz lautet Bereich Fotografie
»Transmedia Challenges ≥  www.wuestenrot-
and Potentials« stiftung.de
Café Moskau, Berlin
≥  http://red-dot. Bis 10.09.
org/5077.html Content Award Vienna
Wettbewerb für die
24.10.–25.10. digitale Innovationen mit
Integrated2013 Kategorien wie Games,
Kunst- und Design Apps, Shorts, Open und
konferenz Antwerpen Visuals. Die Arbeiten
≥  www.integrated müssen einen deutlichen
conf.org Wienbezug haben oder
von Wiener Kreativen
25.10.–26.10. entwickelt worden sein
Creative Business ≥  www.content
Modelling award.at
Seminar von PAGE und
Good School zu Service Bis 13.09.
und Business Design Gute Gestaltung 14
(siehe Seite 75) Einreichfrist für
Good School, Hamburg Geschäftsberichte und
≥  www.page-online.de/ Digital-Media-Projekte

Von links: Onesto (a.k.a. Alex Hornest) São Paulo, 2011 © Alex Hornest Foto: Metrópole Projetos; Ma Hla Oo aus Laytu-Chin, Nördliches Rakhine, Burma, Foto: Jens Uwe Parkitny
seminar ≥  www.ddc.de

25.10.–26.10. Bis 30.09.


push.conference 13 Gute Gestaltung 14
Konferenz zu UX und Allgemeine Einreichfrist
UI Design München sowie für Projekte in
≥  http://push- der Nachwuchskategorie
conference.com/2013/ »Zukunft«
≥  www.ddc.de

WettbeWerbe Bis 30.09.


DME Award 2013_
Kreativawards 2013 Wettbewerb für Design-
Auf PAGE Online finden managementprozesse
dBrasiliens großartige Street Artists sind in der Bankenstadt Frankfurt zu Gast Sie eine Übersicht ≥  www.designmanage
aktueller Wettbewerbe menteurope.com
Kongresse 16.09.–17.09. 26.09.–27.09. ≥  www.page-online.de/
Messen Global Design Social Design – Public wettbewerbe Bis 25.10.
Forum 2013 Action Symposium iF communication
seMinare Treffen der internationa- Angewandte, Wien Bis 06.09. design award 2014
len Designszene London ≥  www.die Dokumentarfotografie Ausgezeichnet wird
06.09.–11.09. ≥  www.globaldesign angewandte.at Förderpreise 10 herausragendes
IFA forum.com Ausschreibung für Kommunikationsdesign
Consumer-Electronics- 28.09.–02.10. Absolventen deutscher ≥  www.ifdesign.de
Messe Berlin 18.09.–19.09. Design Modelling
≥  http://b2c.ifa-berlin. dmexco Symposium Berlin 2013
de Konferenz und Expo Thema »Rethinking 2
zu Digital Marketing Prototyping« UdK Berlin
13.09. koelnmesse ≥  http://is.gd/dmsb2013
Brand New Conference ≥  www.dmexco.de
Konferenz zu Corporate 09.10.–13.10.
und Brand Identity 20.09.–22.09. ATypI 2013
New York Tÿpo St. Gallen Internationale Typografie-
≥  www.underconsider Symposium zum Thema konferenz Amsterdam
ation.com/brandnew »Weissraum« Schule für ≥  www.atypi.org
conference Gestaltung St. Gallen
≥  www.typo-stgallen.ch 09.10.–13.10.
16.09. Frankfurter Buchmesse
NEXT Service Design 20.09.–21.09. mit Gastland Brasilien
Business-Konferenz zu Disruptive Creativity Messe Frankfurt
digitalem Service Design, PAGE-Seminar mit ≥  www.buchmesse.de
Strategieentwicklung Mario Pricken
und Design Thinking (siehe Seite 49) Hotel 17.10.
Radialsystem V, Berlin Gastwerk, Hamburg Success by Game Design
≥  http://nextberlin.eu/ ≥  www.page-online.de/ Der Untertitel der vom
sd13 seminar red dot design museum
dDas Gewerbemuseum Winterthur zeigt Tätowierkunst
page 10.13 109

Weitere Termine unter www.page-online.de/events. Dort können Sie uns auch Ihre Veranstaltungstermine mitteilen.
page Seminare finden Sie unter www.page-online.de/seminare

3 4
Von links: Anna Atkins: Asplenium Ryzophyllum, ca. 1850, Cyanotype, 25,6 mal 20 cm; Hiroko Koshino, Winterkleid 1999/2000; Vliesgewebe, Polyester, Viskose, Wollfäden;

Wissenschaftlichen Visualisierungsstrategien widmet sich eine Ausstellung in Winterthur Japanische Mode und Plakatkunst sind in Zürich zu sehen

ausstellungen rungen mit Fokus auf Die Ausstellung zeigt Einblick in die »Welt Bis 05.01
Kunst und Design in den nicht nur wunderschöne des unabhängigen Martin Parr – Souvenir
Festivals Blick Gewerbemuseum Beispiele aus der »Früh- Veröffentlichens« (siehe Eigens für diese Retro-
Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: Maria Thrun © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Winterthur zeit« der Infografik, PAGE 08.13, Seite 12 f.) spektive produzierte der
05.09–27.10. ≥  www.gewerbe sondern reflektiert auch Haus der Kunst München britische Dokumentar-
1 Street Art Brazil museum.ch deren Prinzipien und ≥  www.hausder fotograf mit dem satirisch-
Die Ausstellung zeigt die Methoden MEWO kunst.de scharfen Blick die Serie
Vielfalt der einzigartigen Ab 07.09. Kunsthalle, Memmingen »Think of Switzerland«
brasilianischen Graffiti- 3 Cross Over. Fotografie ≥  www.mewo- Bis 29.10. Museum für Gestaltung
kunst – dabei wird die der Wissenschaft + Wis- kunsthalle.de The Future is Here: Zürich
Frankfurter Innenstadt senschaft der Fotografie A New Industrial ≥  www.museum-
selbst zur »Spielfläche« Ausstellung zu einer Bis 13.10. Revolution gestaltung.ch
Schirn Kunsthalle faszinierenden Allianz Visual Leader 2013. Das Die Ausstellung unter-
Frankfurt Fotomuseum Winterthur Beste aus Zeitschriften sucht die durch Maker Bis 12.01.
≥  www.schirn.de ≥  www.fotomuseum.ch und Internet Movement, 3-D-Druck und 4 Im Reich der Falten –
Präsentiert werden die Open Design veränder- Mode und Textilkunst
05.09–09.09. 25.09.–28.09. bei den LeadAwards prä- ten Entwicklungs- und aus Japan
Ars Electronica 2013 Reeperbahn Festival mierten und nominierten Produktionsprozesse und Falten, Schichten und
Das Festival für Kunst, Musik- und Kunstevents Arbeiten Haus der lässt das Museum selbst asymmetrische Schnitte
Technologie und Gesell- sowie Businessplattform Photographie, Hamburg zur »Factory« werden kennzeichnen die Ent-
schaft widmet sich dem und Konferenzprogramm ≥  www.deichtor Design Museum London würfe der einflussreichen
Thema »Total Recall – für die Kreativwirtschaft hallen.de ≥  www.design japanischen Designer
The Evolution of the Hamburg museum.org Issey Miyake, Yohij Yama-
Memory« Linz ≥  www.reeperbahn Bis 27.10. moto und Rei Kawaboku.
≥  www.aec.at festival.com Paper Weight. Bis 24.11. Neben textilen Arbeiten
Stilbildende Magazine Kunstbiennale in sind Plakate etwa von
Ab 07.09. Bis 06.10. von 2000 bis heute Venedig IkkoTanaka zu sehen
2 Tattoo Das Erklären erklären. Die von »PIN-UP«-Artdi- Internationale Museum Bellerive, Zürich
Die Ausstellung nimmt Zur Geschichte der rektor Felix Burrichter Kunstausstellung ≥  www.museum-
das Phänomen Tätowie- Infografik kuratierte Schau gibt ≥  www.labiennale.org bellerive.ch
110 page 10.13

Publikationen
n »Type Only«. Wenn zwei so hoch­
ka rätige Designer wie Tony Brook von
Spin und Adrian Shaughnessy, Ex­Kre­
ativchef von Intro, einen Verlag grün­
den, muss Außergewöhnliches dabei
herauskommen. Das gilt auch für die
mittlerweile zwölfte Publikation von
Unit Editions, die sich auf rein typoba­
sierte Arbeiten konzentriert. Tatsäch­
»Post-apocalyptic
lich hat Schrift eine Vielfalt und bildne­
modernism« nennt
rische Power entwickelt wie nie zuvor –
das New Yorker
auf die mancher Designer setzt, um aus
Studio EyeBodega
dem täglichen Wust der Bilder heraus­
seinen Stil, der
zuragen. So kommt es, dass wir nach
auch bei diesem Pla-
Dada, Bauhaus, Schweizer Modernis­
kat zum Einsatz kam
mus oder Punk wiederum einen Boom
buch stabenlastiger Gestaltung erleben.
Das Buch zeigt Hunderte Beispie le, vor
allem Plakate und Typoillus.
Selten haben wir übrigens eine bri­
tische Designpublikation gesehen, in
der so viele Deutsche vertreten sind.
Da runter Prominenz wie Vier5 oder
Hort, aber auch junge Designer, die die
Grenzen der Lesbarkeit ausreizen. Im­
mer noch angesagt: intellektuelle, da­
daistisch angehauchte Buchstabenar­
rangements, oft aus betont billig wir­
kenden Schriften und verzerrt wie in
schlimmsten DTP­Urzeiten . . .
> Tony Brook, Claudia Klat, Adrian
Shaughnessy (Eds.): Type Only. Lon-
don (Unit Editions) 2013, 320 Seiten.
45 Pfund. isbn 978-0-9575114-1-5

n »Die vergessenen Jahre der schöns­ nom mierte Wettbewerb um die schöns­ zu wenden, als die erst 1943 von Jan
ten Schweizer Bücher«. Gar nicht so ten Schweizer Bücher nicht stattfand . . . Tschichold initiierte Prämierung aus­
schlecht, dass in den Jahren 1946, 1947 Das gibt Gelegenheit, sich noch ein­ setzte. Der übliche Wettbewerb wurde
und 1948 der mittlerweile höchst re­ mal der Buchproduktion jener Jahre zu­ für das aktuelle Projekt nicht einfach
nach geholt. Statt dieser Lösung leg ten
be kann te Schweizer Designer und pro­
fessionelle Bi blio phile ihre Lieblingsbü­
cher aus die sen Jahren vor. Was zum
Teil zu unge wöhn lichen Ergebnissen
führ te – so wählten Julia und Klaus
Born auch das typo grafisch perfekt ge­
staltete Züricher Te lefonbuch von 1947
aus. Insofern ist der Rückblick eben
auch Anlass, um umfassender über die
Zu ihren Lieblings- Entwicklung der Schweizer Buchgestal­
büchern von tung zu reflektieren. Was in diversen
1947 zählen Julia Tex ten aus führ lich getan wird.
und Klaus Born > Roland Früh, Corina Neuenschwan-
ein Telefonbuch der (Hrsg.): Die vergessenen Jahre
sowie ein Lehrbuch der schönsten Schweizer Bücher: 1946,
über Schrift 1947, 1948. Sulgen, Schweiz (Niggli)
und Schreiben 2013, 168 Seiten. 34 Euro.
für Erzieher isbn 978-3-7212-0862-7
page 10.13 111

Weitere Buchrezensionen finden Sie unter www.page-online.de/buecher

Anselm Reyle
verwandelt billige
Kopien postmo-
derner Designer-
möbel in Kunst,
die Fragen stellt

n »Weil Design die Welt verändert«. Angst vor langatmiger Theorie ist bares und Funktionales, Soziales und
Und zwar sowohl positiv als auch ne­ bei der Publikation unbegründet, die Asoziales, Utopisches und Pragma­
gativ – darum kann es nicht schaden, Tex te unterschiedlichster Autoren über tisches geht es anschließend weiter.
wenn Designer ab und zu über ihr Tun unterschiedlichste Themen sind kurz Wir empfehlen: Einen Artikel pro Tag
nachdenken. Dabei hilft dieser Sam­ und knackig. Ja, gelegentlich sogar ex­ lesen und wirken lassen.
mel band zweier Hamburger Professo­ trem unterhaltsam wie das Interview > Friedrich von Borries, Jesko Fezer
ren, nebenbei gesagt endlich wieder mit Rafael Horzon über die Ästhetik (Hrsg.): Weil Design die Welt
einmal ein vernehmbares Lebenszei­ von Lüftungsanlagen und Design ohne verändert . . . Texte zur Gestaltung.
chen in Sachen Design von der hiesigen Design und ohne Designer. Mit tief­ Berlin (Gestalten) 2013, 256 Seiten.
Hoch schule für bildende Künste. schürfenden Analysen über Unbrauch­ 24,90 Euro. isbn 978-3-89955-475-5

n »So1o • 2uo • 3rio«. Viele Designer


möchten eigentlich keine große Firma
haben, schließlich wollen sie weiterhin
selbst gestalten und nicht bloß mana­
gen . . . »Small Studio, Great Impact« –
so bringt der Untertitel dieses Buchs
den Traum vieler auf den Punkt: Nach
dem Modell Stefan Sagmeister sein ei­
gener Chef sein, ohne allzu große lau­
fende Kosten, flexibel und am kreati­
ven Prozess beteiligt bleiben, für tolle,
gern auch große Kunden arbeiten und
damit Furore machen.
Wie andere Gestalter das schaffen,
zeigt diese Publikation von viction:ary,
die aus drei Bänden im Schuber be­
steht: »So1o« stellt Ein­Mann­ bezie­
hungsweise Ein­Frau­Studios vor, »2uo«
Duos und »3rio« Dreiergespanne, ins­
gesamt dreißig Designbüros. Alle muss­
ten mehr oder weniger dieselben Fra­
gen über Philosophie, Arbeitsweise
International und Erfahrungen beantworten, was
gefragt: das Duo sie mal mehr, mal weniger aussage­
Craig & Carl, das kräftig tun. Inspirierend ist die Lektüre > viction:ary: So1o • 2uo • 3rio. Small
von London und trotzdem – zumal es immer herausra­ Studio • Great Impact. Hongkong
New York aus gendes, sehr vielseitiges Grafikdesign (viction:ary) 2013, 88, 104, 96 Seiten.
zusammenarbeitet zu sehen gibt. cg 42 Dollar. isbn 978-988-19439-1-0
112 page 10.13 publikationen

Neuerscheinungen – kurz vorgestellt


Michiel Schwarz, Diana Krabbendam: Sustainist Design Guide. How
Sharing, Localism, Connectedness and Proportionality Are Creating
a New Agenda for Social Design. Amsterdam (BIS Publishers) 2013,
144 Seiten. 19 Euro. 978-90-6369-283-4. Dieser »Design Guide« will An­
regungen für soziale und nachhaltige Aktivitäten geben – mit Fallbei­
spielen, die von Urban Farming bis zum Fairphone reichen. Siehe auch
www.sustainism.com. Alexander Tibelius: The Logo Design Toolbox.
Time-Saving Templates for Graphic Design. Berlin (Gestalten) 2013,
224 Seiten inklusive DVD. 35 Euro. 978-3-89955-482-3. Wappen, geo­
metrische Figuren, Schnörkel: Besonders eilige Designer finden hier
vorgefertigte Elemente, aus denen sich ruckzuck Logos bauen lassen.
1 John Van Hamersveld: 50 Years of Graphic Design. Berkeley, CA

(Gingko Press) 2013, 304 Seiten. 49,90 Euro. 978-1-58423-472-2. Schon


seit 2011 angekündigt, jetzt erst erschienen: das bunte Buch, in dem
John van Hamersveld aus den Zeiten plaudert, als man Poster auch mal
unter Einfluss von LSD gestaltete. Sein leuchtfarbenes Plakat zum Sur­
ferfilm »The Endless Summer« wurde zur Ikone der Sixties­Jugendkul­
tur, er schuf legendäre Cover für Jefferson Airplane oder die Stones.
2 Jan Barth, Roman Stefan Grasy, Jochen Leinberger, Mark Lukas,
Markus Lorenz: Prototyping Interfaces – Interaktives Skizzieren mit
vvvv. Mainz (Hermann Schmidt) 2013, 334 Seiten. 75 Euro. 978-3-87439-
843-5. Mehr zu der an Fallbeispielen reichen und toll gestalteten Pub­
likation unter http://prototypinginterfaces.com. Tom Sito: Moving
Innovation. A History of Computer Animation. Cambridge, MA (MIT
Press) 2013, 336 Seiten. 29,95 Dollar. 978-0-262-01909-5. Von Film über
Videospiele bis zu militärischen Anwendungen erzählt Tom Sito, wie
Informatik­Nerds, Avantgardekünstler und Businessvisionäre aus Com­
puter Graphics ein Milliarden­Dollar­Geschäft machten. Eventdesign
Jahrbuch 2013/2014. Ludwigsburg (avedition) 2013, 200 Seiten.
59,90 Euro. 978-3-89986-181-5. Von Markenshows für Google, Audi oder
Schwarzkopf bis zur Feier des 800. Geburtstags der Kathedrale von
Santiago de Compostela sind in dem Annual wieder zahlreiche heraus­
ragende und inspirierende Projekte vertreten. Willemina Hoenderken
(Hrsg.): Modeillustration. Ein Handbuch. Stuttgart (Arnoldsche) 2013,
320 Seiten. 39,80 Euro. 978-3-89790-395-1. Die Professorin an der Fach­
hochschule Bielefeld bebildert die Einführung in Techniken, Stile und
Praxis der Modeillustration mit Arbeiten ihrer Studenten. 2 Archana
Kumar, James Carr: Hipster Hitler. Köln (Dumont) 2013, 120 Seiten.
14,99 Euro. 978­3­8321­6238­2. Der kultige Webcomic ( http://hipsterhitler.
com ) beweist, dass man sich gleichzeitig über Hipster und Nazis lustig
machen kann – jetzt auch auf Deutsch in Buchform, mit vielen bisher
noch unveröffentlichten Cartoons. cg

Etwa den Band »Writings about Graphic Design«, in dem Designer


Was lesen Sie? Richard Hollis alle seine Texte aus vierzig Jahren zusammengestellt
hat. Oder »The Form of the Book Book« über das Büchermachen, das
Alexander Lis, einer der Gründer an Tschicholds berühmte Essaysammlung »The Form of the Book« von
von Designbüro Frankfurt 1975 anknüpft. Sara De Bondt hat es mit Fraser Muggeridge herausge­
www.designbuero-frankfurt.de geben, für mich einer der besten Buchgestalter Englands. Darum ha­
ben wir ihn auch letztes Jahr zum After School Club eingeladen, der
Sommerakademie an der Hochschule für Gestaltung Offenbach, die
Sie gehörten zu den Initiatoren der Selfpublishing-Messe Issue ich mit Eike König organisiere.
Frankfurt, die 2011 und 2012 parallel zur Frankfurter Buchmesse Was macht Fraser Muggeridge so gut?
stattfand. Sind Sie selbst auch ein Selfpublisher? Seine Gestaltung ist klar und schnörkellos, mit viel Liebe zum Detail.
Alexander Lis: Nicht wirklich. Über den Blog fourfiveX.net, den ich Und in der Mikrotypografie stimmt alles.
seit 2005 mit Tim Heiler betreibe, sind einige kleinere Editionen ent­ Was lesen Sie derzeit?
standen. Außerdem habe ich eine Zeit lang im Studio von Sara De Viele Magazine, zum Beispiel »brand eins«, »Capital« oder »manager
Bondt in London und deren Verlag Occasional Papers mitgearbeitet. magazin«. Zusammen mit Katja Baumann und Tim Heiler habe ich vor
Wobei dort keine Bilder­Zines auf dem Risographen entstehen, son­ einem halben Jahr das Designbüro Frankfurt gegründet und es inte­
dern richtige Bücher mit Inhalten. ressiert mich, das System besser zu verstehen, auch mal zu schauen,
Welche davon finden Sie besonders spannend? wie die andere Seite, die Kundenseite, funktioniert.
PAGE 10.13 113

PAGE Impressum
Redaktion PAGE
Borselstraße 28/Haus i
22765 Hamburg
PAGE Abo & Leserservice
Sie möchten PAGE abonnieren oder
haben Fragen zu Ihrem Abo bezie-
hungsweise zu einer Bestellung? Dann
VORSCHAU
Telefon: +49 40 85183-400 wenden Sie sich bitte direkt an:
Fax: +49 40 85183-449
E-Mail: info@page-online.de IPS Datenservice GmbH, PAGE,
www.page-online.de Carl-Zeiss-Straße 5, 53340 Meckenheim
E-Mail: page@aboteam.de PAGE 11.13 erscheint am 2. Oktober 2013
Chefredakteurin/Publisher Telefon: +49 2225 7085-535
Dipl.-Des. Gabriele Günder, V.i.S.d.P. Telefax: +49 2225 7085-550
Textchefin Attention please!
Astrid Umbreit Das PAGE-Abo, also 12 Ausgaben und
Redaktion die PAGE-Jahrgangs-CD, kostet 106,40 Euro Aufmerksamkeit im Zeitalter medialer Reizüberflutung zu schaffen ist
Franziska Beyer (fb), Nina Kirst (nik); (CH: 201 Franken, A: 119,60 Euro). Das Abo
Anna Weilberg (aw, Redaktion Online), kann immer 6 Wochen vor Ablauf des
das Kunststück, das alle beherrschen wollen. Mit wegweisenden
Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), Bezugsjahres schriftlich gekündigt werden. Fallbeispielen zeigen wir, wie es gelingt – ob viral-digital oder klassisch
Dr. Claudia Gerdes (cg), Wiebke Lang (wl), Schüler und Studenten erhalten gegen Vor- in Werbung und Design
Rebecca von Hoff (Grafik), Christine lage eines gültigen Ausweises oder einer
Krawinkel (Artdirektion); Maiken gültigen Immatrikulationsbescheinigung
Richter (Text-/Schlussredaktion), 20 Prozent Rabatt. Mitglieder der Allianz
Jan Roidner (Text-/Schlussredaktion); deutscher Designer (AGD), des Bundes
Sabine Danek (sd, Redaktion Online) Deutscher Grafik-Designer (BDG) und des
Autoren dieser Ausgabe designerinnen forum e. V. erhalten ebenso
Gunther Baganz, Stefan Bodeit, 20 Prozent Rabatt.
Christian Büning, Verena Dauerer (vd),
Markus Linden (ml), Jürgen Siebert
Titelillustration PAGE Mediaberatung
Agentur: JWT Lisbon; Kreativdirektor:
Anzeigenleiter: Alexander Herz
José Carlos Campos; Copywriter: Ricardo
E-Mail: alexander.herz@page-online.de
Adolfo; Artdirektor: Miguel Coimbra;
Telefon: +49 40 85183-480, Fax: -489
Kunde: Lego Portugal
Verantwortlich für die Anzeigen
PAGE Online: Igor Sadovnikov
Digitale Druckvorlagenherstellung

www.innocentdrinks.de
Online-Marketing und -Beratung
Alphabeta GmbH, Hamburg
E-Mail: sadovnikov@ebnerverlag.de
Druck Stürtz GmbH, Würzburg
Telefon: +49 731 1520-176, Fax: -961
Verlag
PAGE Markt: Andrea Dyck
Ebner Verlag GmbH & Co. KG
E-Mail: andrea.dyck@page-online.de
Karlstraße 3, 89073 Ulm
Telefon: +49 8341 96617-84
Geschäftsführung
Fax: +49 8341 8714-04
Gerrit Klein, Martin Metzger (Stellvertreter)
PAGE Stellenmarkt: Sabine Vockrodt
Florian Ebner
E-Mail: stellenangebote@wuv.de
Produktionsleitung
Michael Kessler
Telefon: +49 89 2183-7049, Fax: -7864 Interaktive Brands
PAGE erscheint monatlich. Es gilt Anzeigen-
Vertrieb
Leitung: Sema Torun, Rainer Herbrecht;
preisliste Nr. 27, gültig ab 1. 1. 2013. Heute muss jede Marke mit den Konsumenten interagieren.
Anzeigendisposition und -marketing: Wie aber macht man sichtbar und erlebbar, dass eine
Objektmanagerin: Tina Backhaus
Sabine Cordes
E-Mail: sabine.cordes@page-online.de, Marken-Community echter Bestandteil eines Brands ist?
PAGE Shop dispo@page-online.de
Telefon: +49 40 85183-482, Fax: -483
Sie möchten eine bestimmte Ausgabe, Sonderveröffentlichungsservice: Die
ein Abo, ein PAGE Typometer, eine Artikel dieser Ausgabe können für Werbe-
PAGE Schneidematte, ein PAGE eDossier zwecke oder für Ihren Pressespiegel als
oder Jahrgangs-CDs bestellen? Dann Sonderdruck oder Onlinebeitrag veröf-
werden Sie in unserem Shop fündig: fentlicht werden. Anfragen bitte an Sabine
Cordes, E-Mail: dispo@page-online.de,
≥ shop.page-online.de Anzeigendisposition und -marketing.

ISSN 0935-6274. Vertrieb: VU Verlagsunion KG, Postfach 5707, 65047 Wiesbaden, Telefon
+49 6123 6200, Fax +49 6123 6205138, E-Mail: info@verlagsunion.de, www.verlagsunion.de.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion
wieder. Der Verlag haftet nicht für unverlangt eingereichte Manuskripte und Fotos.
Sie können zurückgegeben werden, wenn Rückporto beigefügt ist. Mit der Annahme zur
Veröffentlichung überträgt der Autor dem Verlag das ausschließliche Verlagsrecht für
die Zeit bis zum Ablauf des Urheberrechts. Eingeschlossen sind insbesondere auch das
Recht zur Herstellung elektronischer Versionen und zur Einspeicherung in Datenbanken
sowie das Recht zu deren Vervielfältigung und Verbreitung online oder offline ohne
zusätzliche Vergütung. Alle in dieser Zeitschrift veröffentlichten Beiträge sind urheber-
rechtlich geschützt. Der Rechtsschutz gilt auch gegenüber Datenbanken und ähnlichen
Einrichtungen. Kein Teil dieser Zeitschrift darf außerhalb der engen Grenzen
des Urheberrechts ohne Zustimmung des Verlags verwertet werden. Waren- Nachhaltigkeitsberichte
namen werden ohne Gewährleistung der freien Verwendbarkeit benutzt.
Gerichtsstand ist München. Sie sind für Kommunikationsdesigner ein lukratives neues Geschäft.
Im Zeitschriften- und Bahnhofsbuchhandel sowie in allen Pressefachgeschäften
Doch wie gestaltet man sie glaubwürdig? PAGE spricht mit Experten und
mit dem Blauen Globus können Sie PAGE kaufen oder bestellen. stellt gelungene Nachhaltigkeitsreports vor

Mitglied der Informationsgemeinschaft zur Feststellung


der Verbreitung von Werbeträgern e. V. (IVW)
Responsive Typography
Nicht nur das Design, auch die Typografie muss sich heute an unter-
schiedlichste Endgeräte anpassen! Oder geht diese Forderung
≥ www.page-online.de ≥ www.twitter.com/pagemag vielleicht doch einen Schritt zu weit? Wir fragen Experten nach ihrer
≥ www.facebook.com/pagemag ≥ iTunes App Store Meinung und berichten, was bereits möglich ist – und was nicht
114 page 10.13 Fundstücke von Jürgen Siebert

Kooperation statt Überfall


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

n Werbung im Fernsehen, Radio, In­ registriert, und das in Zeiten von Prism überlegen. Das einzig Angeneh me an
ternet und Sport nervt. Meistens je­ und Tempora. Es dauerte natürlich dieser postdemokratischen Reklame
denfalls. Schuld daran sind nicht die nicht lange, bis die erste Tageszeitung sei ihre Lautlosigkeit. »Doch wer sich
Agenturen, sondern Auftraggeber, die gegen diese datenrechtlich brisante mit diesem Regime abfindet, der tut
Kunden gering schätzen, Werbeträger, Überwachung protestierte. Mitte Au­ das auf eigene Gefahr«, schließt En­
die den Hals nicht vollkriegen, und gust reagierte die City of London auf zensberger seine Bestandsaufnahme.
Werbevermarkter, die sich an diesem die Kritik und gab den Tonnenlegern Die Krise der klassischen Werbung
Teufelskreis bereichern. eins auf den Deckel. »Wir haben die reißt gerade ein jahrzehntelang ver­
Werbung, die stört, wird vom Ver­ betreffende Firma aufgefordert, das brüdertes Medium mit in den Abgrund:
Diese und weitere braucher ausgeblendet . . . eine Tatsa­ Datensammeln unverzüglich zu stop­ die Presse. Dass Zeitungen und Zeit­
Fundstücke von che, die in den Statistiken der Rekla me­ pen«, wird ein Spre cher zitiert. Unab­ schriften vom Verkauf alleine nicht
Jürgen Siebert fin- industrie gerne unter den Tisch fällt. hängig davon, was technisch derzeit über leben können, haben die meisten
den Sie unter Die Werkzeuge hierfür sind beispiels­ machbar sei, könnten solche Werbe­ Verlage früh erkannt. Viele richteten
www.page-online. weise die TV­Fernbedienung, der Aus­ formen nur nach Befürwortung durch ihr Geschäftsmodell auf die Symbiose
de/fundstuecke schalter am Radio, das 15­Minu ten­spä­ eine zuvor informierte Öffentlichkeit von Redaktion und Werbung aus und
ter­Kommen zum Kinofilm, Adblocker eingeführt werden. verzeichneten kräftige Gewinne, als
im Webbrowser oder der Briefkasten­ Auflage und Werbeerlöse stiegen. Nun
aufkleber »Keine Werbung!«.  wandert die Werbung ins Netz, gleich­
Wenn sich Marken­ und Unterneh­ Es hat keinen zeitig sinken die Auflagen der Zeitun­
menskommunikation in ihr Umfeld in­ gen rapide, eine doppelte Abwärts­
tegriert, wird sie als Information durch­ Zweck mehr, gegen spirale, lebensgefährlich.
aus geschätzt. Zum Beispiel in der Ta­ Die elektronischen Medienklassiker
geszeitung und in Magazinen. Nichts die Verbraucher zu Rundfunk und Fernsehen schlossen
gegen Reklame zwischen zwei TV­Bei­ bereits bei ihrer Geburt ein inniges
trägen . . . aber mittendrin?! Fußballer­ werben – es geht Bündnis mit Propaganda und Reklame.
interviews vor Logo­Gräbern?! Sportler
als wandelnde Litfaßsäulen?! Schmie­
nur noch mit ihnen. Dass seit den 1950er Jahren bei Sport­
übertragungen und in TV­Serien die
riges Anbiedern ist uncool, Leute.  Werbung mit Regie führte (Stichwort
Verbraucher haben ein feines Näs­ Renew­Geschäftsführer Kaveh Me­ Cliffhanger), wurde von US­Zuschau­
chen für werbliche Grenzüberschrei­ mari zeigte sich gegenüber BBC Tech­ ern wie ein unausweichliches Schick­
tungen. Wenn mein Kumpel Klaus mor­ nology überrascht von der Kritik. Sie sal akzeptiert. In den 1980er Jahren,
gens den »stern« oder das »manager würden nur Personen zählen, was die mit dem Aufkommen der privaten Ka­
magazin« aus der Post nimmt, flattern werbetreibenden Unternehmen damit näle, eroberte die penetrante Praxis
zunächst die Beilagen ungelesen ins anstellten, sei deren Angelegenheit. auch das deutsche Fernsehen. 
Altpapier. Danach reißt er jeden Bei­ Da hat er recht. Die werden das geil Dann kam das Internet mit kom­
hefter heraus, der das schnelle Durch­ finden, in ihren Vorstandsetagen, weit plett neuen Spielregeln: jeder ein He­
blättern behindert. Alle Anzeigen, die weg vom Kunden. Wenn nicht in Lon­ rausgeber (Blogs), jeder ein Werbe ­
das überleben, genießen seine volle don, dann feuern sie bald woanders trei bender (Google Ads), jeder Ver­
Aufmerksamkeit. ihre Botschaften zielsicher zwischen käufer und Konsument in einem. Die
die Passanten, wie die ferngesteuer­ der neuen Technik innewohnende De­
In London hat jüngst das Start­up Re­ ten Drohnen im Joystick­Krieg. mokratisierung bringt es mit sich, dass
new zwölf netzfähige Abfalltonnen die Community für jede Plage irgend­
mit integriertem Display aufgestellt, In seinem »Spiegel«-Essay »Vom Ter­ wann ein Gegenmittel bereithält. So
die von nahenden Passanten die Mac­ ror der Reklame« rechnete der Schrift­ auch gegen nervende Werbung. Zum
Kennungen ihrer Mobilgeräte abgrif­ steller Hans Magnus Enzensberger An­ Beispiel Adblocker.
fen und speicherten. Ziel des Pilotpro­ fang August mit der Werbung ab. Wäre Nun steckt die Werbebranche in ei­
jekts ist eine neue, maßgeschneider­ sie früher nur lästig gewesen, sei ihr ner Sinnkrise. Es hat keinen Zweck
te Werbepräsentation für Passanten. aktuelles Bestreben die totale Über­ mehr, gegen die Verbraucher zu wer­
Wenn beispielsweise eine Gruppe Be­ wachung der Verbraucher. Die Macht­ ben, es geht nur noch mit ihnen. Oder
rufstätiger täglich zwischen 7 und 8 Uhr verhältnisse hätten sich in den letzten wie es die New Yorker Designerin Tina
an der Tonne vorbei in Richtung ei­ fünf Jahren dramatisch geändert, beim Roth­Eisenberg (Swissmiss) vor Kur­
nes Cafés schlendert, könn te dessen Übergang von der klassischen Werbung zem auf Twitter formuliert hat: »Es ist
Betreiber mit einer netten Breakfast­ hin zur Kundendatenspeicherung im eine Schande, wie viele Websites im­
Message versuchen, einige davon in Netz. Die dafür entwickelten Metho­ mer noch auf Klicks anstatt auf Nut­
sein Lokal zu lenken.  den der Gewinnung, Filterung und Re­ zerfreundlichkeit setzen. Werber soll­
Schon in der ersten Woche hatten kombination von Daten sei den Techni­ ten lediglich mit Sites kooperieren, die
die Behälter 4 Millionen Mobilgeräte ken von Gestapo, KGB oder Stasi weit User respektieren.«
PackAGE
[ Paket | Bündel | auch: Print-Abonnenten
erhalten die App-Ausgaben gratis dazu ]

,
Für alle PAGE Print-Abonnenten gibt s
ab sofort die PAGE iPhone-/iPad-
+
Ausgaben gratis dazu. On top erhalten
Sie Zugriff auf bereits erschienene
App-Ausgaben.


Hier geht s zur App-Freischaltung: shop.page-online.de/page_app_freischaltung
 
Sie haben noch kein Abo? Jetzt schnell bestellen: shop.page-online.de/package
eXtRa 10.13

Ranking 2013
CoRpoRate Design
UnD iDentity

top 20
Die führenden
CD/Ci-Büros und
agenturen
PROJEKT
SOFTWARE

Wir Wollen Sie


ganz oben sehen.
Troi begleitet Agenturen auf dem Weg an die Spitze. Als innovationsführer
unterstützen wir bereits über 400 Unternehmen mit individuellen Projekt-
software-lösungen – für mehr Wachstum und entwicklung. nun geben
wir unsere erfahrungen aus dem Beratungsalltag weiter. in unserer
neuen reihe ›Troi Wissen‹ stellen wir ihnen interessante Aspekte rund
um das Thema Agenturmanagement vor – mit Know-how aus der Praxis,
das Sie weiterbringt.

Das Kompetenzpapier zum Thema ›Pitchen‹


kostenfrei downloaden: wissen.troi.de

FRee
D
DOWNLOapAier:
zp
Kompeten oi.de
wissen.tr
Editorial PAGE EXTRA 003

Grund zur Freude


n Beinahe hat man sich schon ge- Über eine erfreuliche Geschäftsent-
wöhnt an die guten Nachrichten der wicklung berichten auch die deutschen
Branche, die das PAGE CD/CI-Ranking Büros börsennotierter amerikanischer
alle Jahre wieder bilanziert. Zwar sind Networks, die keine separaten Umsatz-
die Zuwachsraten beim Umsatz mit zahlen veröffentlichen dürfen. Alles in
9,7 Prozent etwas geringer ausgefallen allem also trotz Eurokrise in Südeuro-
als im Vorjahr, doch würde sich man- pa eine solide Ausgangsbasis für das
cher Wirtschaftszweig über solche Da- laufende Geschäftsjahr. Die Erfahrun-
ten freuen. Ein Blick auf die Gesamtho- gen der letzten Jahre zeigen, dass es
norarumsätze zeigt, dass der Rückgang sich auszahlt, Corporate-Kunden auch
kaum einer ist, sondern mit Verschie- umfassend strategisch zu beraten. In
bungen in den Geschäftsfeldern zu tun diese Richtung zielt unsere Frage an die
hat. Ein sehr starkes Mittelfeld deutet Erfolgreichsten der Branche nach der
darauf hin, dass es der Corporate-Bran- Bedeutung von Content Marketing für
che immer noch gut geht. Der Trend CD/CI-Agenturen (siehe Seite 10 ff.).
fällt nicht mehr ganz so positiv aus wie Denn Marken, die nachhaltig gestaltet
im letzten Ranking, doch relativieren sind und Inhalte vermitteln, haben
leicht steigende Mitarbeiterzahlen die- langfristig die besten Erfolgsaussich-
se Beobachtung. Außerdem steigt das ten. Wie sich die Geschäftsentwicklung
wirtschaftliche Gewicht der Corporate- der teilnehmenden Agenturen und Bü-
Gestalter: Erstmals überschreitet der ros während des vergangenen Jahres
Honorarumsatz CD/CI der Top-20-Agen- entwickelt hat, dokumentieren wir im
turen die 100-Millionen-Euro-Marke. PAGE CD/CI-Ranking 2013.

Heike Edelmann

Impressum
Redaktion PAGE, Borselstraße 28, 22765 Hamburg; info@page-online.de; Telefon: 040 85183-400, Fax: -449;
www.page-online.de; Chefredakteurin/Publisher: Gabriele Günder, V.i.S.d.P. Freie Mitarbeit: Heike Edelmann;
Jan Roidner (Text-/Schlussredaktion), Christine Krawinkel (Grafik) Titel: © iStockphoto/Ivan Dinev Anzeigenleiter:
Alexander Herz; alexander.herz@page-online.de; Telefon: +49 85183-480, Fax: -489 (verantwortlich für die An-
zeigen und Promotion); PAGE erscheint in der Ebner Verlag GmbH & Co. KG, Karlstraße 3, 89073 Ulm; Geschäfts-
führer: Gerrit Klein, Martin Metzger (Stellvertreter), Florian Ebner Druck: haka print und medien GmbH, Ostfildern;
Urheberrecht: Alle Beiträge sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitverwer-
tungen, vorbehalten. Reproduktionen, gleich welcher Art, ob Fotokopie, Mikrofilm oder Erfassung in Datenverar-
beitungsanlagen, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages. Aus der Veröffentlichung kann nicht geschlossen
werden, dass die beschriebenen Lösungen frei von gewerblichen Schutzrechten sind. Für den Fall, dass hier unzu-
treffende Informationen enthalten sein sollten, kommt eine Haftung nur bei grober Fahrlässigkeit des Verlages
oder seiner Mitarbeiter in Betracht. Beilage in PAGE 10.13 und w&v Nr. 38/13; © 2013: Ebner Verlag GmbH & Co. KG
004 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Solide Entwicklung
Welche deutschen Designbüros und Agenturen zu
den aktuellen Top 20 im Bereich Corporate Design gehören,
zeigt das PAGE CD/CI-Ranking 2013

n Die Überraschungen halten sich in klingen mag, nicht auf die Kasse zu
Grenzen: Fast alle Teilnehmer berich- fokussieren, sondern vor allem ande-
ten im Rahmen des PAGE CD/CI-Ran- ren auf Kreativität und Qualität – denn
kings über eine stabile Entwicklung für wenn der Output stimmt, sind Hono-
das Geschäftsjahr 2012. Auffällige Ver- rarwachstum und wirtschaftlicher Er-
luste oder höhere Gewinne bei den folg ein mitlaufender Faktor«, sagt Ge-
Corporate-Honorarumsätzen erklären schäftsführer Jochen Rädeker. Die neu
sich zumeist über eine Veränderung in gegründete Dependance in Berlin ha-
den Geschäftsfeldern. Immerhin über- be unter anderen mit Neukunden wie
schritten alle Teilnehmer mit Top-20- zum Beispiel der Autostadt und BayWa
Platzierung zusammen zum ersten Mal erheblich dazu beigetragen. Auch das
die Grenze von 100 Millionen Euro (ge- Geschäft am Stammsitz Stuttgart sei
nau 100,3 Millionen) an Honoraren im deutlich gewachsen, unter anderem
Vergleich zu 96,72 Millionen beim letz- mit Bestandskunden wie EnBW.
ten Ranking. Die durchschnittliche Stei- Im Mittelfeld der Rankingtabelle lie-
gerungsrate liegt allerdings nur bei gen die Umsätze häufig ziemlich dicht
9,7 Prozent, während im Vorjahr noch beieinander. Als bester Neueinsteiger
11,95 Prozent zu verbuchen waren. Bei erreichte Brandoffice gleich auf Anhieb
der Anzahl der Mitarbeiter ergibt sich Platz 9, independent Medien-Design –
eine leichte Verbesserung von durch- ebenfalls aus München – belegt nach
schnittlich 51 im Vergleich zu 50 festen einer längeren Abwesenheit im CD/CI-
Mitarbeitern bei der letzten Befragung. Ranking nunmehr Rang 16. Auf eine
Auch das spricht für die anhaltende Teilnahme in diesem Jahr verzichteten
Stabilität in der Branche. Realgestalt, Kuhn, Kammann & Kuhn
Ihre Position an der Spitze verteidi- sowie Ideenhaus.
gen MetaDesign, KMS Team/KMS Black- Gregor Ade, Managing Partner der
space, Mutabor Design und Syndicate Peter Schmidt Group, die im Vorjahr
Design auch in diesem Jahr. Von Platz rund 180 feste Mitarbeiter beschäftigte,
10 auf 5 mit einem Plus von 26,3 Pro- aber als amerikanisches Networkbüro
zent verbessern konnte sich Strich- keine Umsatzzahlen veröffentlichen
punkt, die Stuttgarter sind damit der darf (siehe Kasten) sieht die Entwick-
Aufsteiger dieses Rankings. »Grund für lung des laufenden Jahres positiv und
den Umsatzsprung war, so paradox es erwartet ein stabiles Umsatzwachstum.
PAGE EXTRA 005

»Interessant ist auch, dass wir sowohl nehmer mit einem relativ niedrigen
im Bereich der DAX-Unternehmen als Corporate-Anteil sind deswegen nicht
auch im Bereich der mittelständisch weiter oben im Ranking zu finden.
geprägten Firmen Neukunden gewin- Trotz vorwiegend solider Geschäfts-
nen konnten. Am stärksten wächst ak- entwicklung haben folgende Teilneh-
tuell der Bereich der Markeninszenie- mer in diesem Jahr die Top 20 knapp
rungen, vor allem der Brand Spaces, mit verfehlt: kleiner und bold (Platz 21),
zirka 20 Prozent«, so Ade. Gute Botschafter (Platz 22), KopfKunst
Das PAGE CD/CI-Ranking bewertet (Platz 23), Stan Hema (Platz 24), red pep-
wie immer den speziellen Corporate- per (Platz 25), hauser lacour (Platz 26),
Anteil. Dazu gehören neben CD und CI Simon & Goetz sowie Wolf (Platz 27),
auch Corporate Publishing sowie Cor- dan pearlman (Platz 28) und büro
porate Sound. Sehr umsatzstarke Teil- uebele (Platz 29). Heike Edelmann

Kompakt
PAGE CD/CI-Ranking 2013

n Die Platzierung in der aktuellen ma identisch gerundeten Honorar-


Rankingliste auf den folgenden Sei- umsatz CD/CI.
ten richtet sich nach dem 2012 in Wie in den letzten Jahren durf-
Deutschland versteuerten Honorar- ten uns deutsche Tochterunterneh-
umsatz im Bereich CD/CI inklusive men von börsennotierten US-ame-
der Segmente Corporate Publishing rikanischen Networks aufgrund des
und Corporate Sound. Letztmögli- Sarbanes-Oxley Acts keine separa-
cher Abgabetermin für die Frage- ten Umsatzzahlen nennen. Aus die-
bögen war der 14. Juni 2013. Zur sem Grund fehlen in der aktuellen
Teilnahme berechtigt waren sämt- Rankingliste zum Beispiel Landor,
liche Agenturen und Designbüros, KW43 und die Peter Schmidt Group.
die mindestens 25 Prozent ihres Um- Die Geschäftsentwicklungen dieser
satzes im Corporate-Bereich erwirt- Büros entsprechen allerdings dem
schaftet hatten. allgemein positiven Bild, das sich
Von den insgesamt 89 interview- aus den im Ranking veröffentlich-
ten Büros beantworteten 31 un- ten Zahlen ergibt.
seren Fragebogen vollständig. Von
diesen erscheinen 21 Teilnehmer Die Teilnehmerunterlagen für
auf 20 Plätzen in der Rankingliste. das nächste Ranking erhalten
Gleichplatzierte haben einen bis Sie ab Mai 2014 per Mail
auf zwei Stellen hinter dem Kom- an heike.edelmann@gmx.de
PAGE CD/CI-Ranking 2013

Kunden

Rang
Vorjahr
Agentur
Headquarter/
deutsche
Standorte
Honorarumsatz
Corporate in
Millionen Euro
Veränderungen
gegenüber Vorjahr
(in Prozent)
Honorarumsatz
gesamt in
Millionen Euro
Mitarbeiter (fest)
Geschäftsfelder
1 1 MetaDesign Berlin/ 17,3 –0,6 21,1 231 CD/CI/CP 82 %, Digital Media 15 %, Audi, DHL, Presse- und Informationsamt
Düsseldorf/ Retail Design 3 % der Bundesregierung, SES World Skies,
006 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Hamburg Volkswagen

2 2 KMS Team/KMS München 10,5 –2,8 12,4 120 CD/CI/CP 85 %, Digital Media 15 % Astra, Audi, Canyon, Heidelberger
Blackspace Druckmaschinen, Osram

3 3 Mutabor Design Hamburg 7,36 11,5 9,2 90 CD/CI/CP 80 %, Digital Media 10 %, adidas, Airbus (EADS), BMW, Bundesliga
Retail Design 10 % (DFL Deutsche Fußball Liga), Clariant
International

4 4 Syndicate Hamburg 4,86 –2,8 8,1 70 CD/CI/CP 60 %, Packungs- Gebr. Heinemann, Ferrero, Sennheiser,
Design design 30 %, Retail Design 10 % Nestlé, Skoda

5 10 Strichpunkt Stuttgart/Berlin 4,8 26,3 5 56 CD/CI/CP 95 %, Packungsdesign 5 % EnBW, BayWa, Vorwerk, Autostadt,
Papierfabrik Scheufelen

6 5 Jung von Matt/ Hamburg 4,74 5,3 4,74 38 CD/CI/CP 100 % Euronics, Mercedes-Benz, RWE, TUI,
brand identity Vodafone

7 7 Martin et München 4,65 8,1 4,65 40 CD/CI/CP 100 % Alape, Audi, McDonald’s Kinderhilfe,
Karczinski Occhio, Parador

8 6 Kochan & München 4,61 3,6 5,62 64 CD/CI/CP 82 %, Digital Media 15 %, IFB, Langenscheidt, mobilcom-debitel,
Partner Sonstiges 3 % SOS Kinderdorf, Studiosus

9 – Brandoffice München 4,4 k.V.m. 4,4 23 CD/CI/CP 100 % BMW, Deutsche Messe, Loewe,
Payback, Siemens
10 10 dmcgroup München/ 4,2 10,5 4,2 30 CD/CI/CP 100 % Aktion Mensch, Allianz, ARD/Das Erste,
Düsseldorf KIKA, Springer

11 11 Edenspieker- Berlin/Stuttgart 4,1 20,6 5,13 35 CD/CI/CP inklusive Typografie 80 %, Bosch, E.on, Messe Frankfurt,
mann Digital Media 20 % Red Bull, Wirecard

12 9 wirDesign Braunschweig/ 3,95 14,5 4,16 42 CD/CI/CP 95 %, Digital Media 5 % Commerzbank, Deutsche Bahn, Deutsche
communications Berlin Börse, ePlus, Provinzial Versicherungen

13 13 PLEXgroup Berlin 3,7 32,1 3,7 30 CD/CI/CP 100 % GDF Suez, Horn Group, Sanofi,
Toto Europe, Volkswagen

14 12 Fuenfwerken Berlin/ 3,34 5,7 3,34 40 CD/CI/CP 100 % Clariant, Helios Kliniken, John Deere,
Design Wiesbaden Messe Frankfurt, Weber-Stephen

15 15 Ligalux Hamburg/ 2,8 7,7 3,6 25 CD/CI/CP 78 %, Digital Media 16 %, Bree, Deutsche Fernsehlotterie, Hannover
München Sonstiges 6 % Rück, Hubert Burda Media, TUI

16 – independent München 2,78 k.V.m. 2,78 12 CD/CI/CP 100 % Bystronic Laser, Credit Suisse, Baedeker,
Medien-Design Gräfe und Unzer, Siemens

17 16 moskito Bremen 2,7 12,5 2,8 24 CD/CI/CP 95 %, Digital Media 5 % Creative Inneneinrichter, Daimler, EWE,
Klimahaus Bremerhaven 8° Ost,
Roche Diagnostics

17 14 Zeichen & München 2,7 –1,9 2,7 35 CD/CI/CP 100 % BMW Group, Bundesministerium für
Wunder Finanzen, SAP, Sporthaus Schuster/Sport
Münzinger, W.L. Gore

18 21 hw.design München 2,61 53,5 2,9 25 CD/CI/CP inklusive Digital BMW Group, Deutsche Post DHL,
Media 90 %, Retail Design 10 % Fresenius Medical Care, Linde, Siemens

19 20 Heine/Lenz/ Frankfurt/Berlin 2,2 10 2,2 19 CD/CI/CP 100 % Egon Zehnder, Impossible, Kunststiftung
Zizka Projekte Nordrhein-Westfalen, Museum für Kunst
und Gewerbe Hamburg, Waldorf Astoria

20 18 Gerasch Darmstadt 2 –10,8 2,5 20 CD/CI/CP 80 %, Digital Media 20 % FFF Group, Schaeffler, FAW, Lohnsteuerring,
Communication Claranet
PAGE EXTRA 007
Europas
modernste
Agentursoftware
entsteht.

14.100 Anwender · ab 19 € im Monat


revolversoftware.de
010 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Welche Rolle spielt das Thema Content Marketing für


Corporate-Design-/Corporate-Identity-Agenturen?

Nur mit Substanz und Inhalten


kann man Menschen nach-
haltig für Marken und Unter-
nehmen begeistern. Content
Marketing ist das konsequente
und logische Follow-up zu
einer fundiert entwickelten
Corporate Identity, einem
Corporate Design: Substanz,
Inhalte, Werte sind alles!
Norbert Gabrysch, CEO
wirDesign (Platz 12)
Botschaften einer Marke Coca-Cola, Schwarz-
kommunikativ/sinnlich kopf oder Red Bull
zu vermitteln ist längst Teil zeigen: Marken werden
ganzheitlicher Marken- zu Medien. Wer mit
führung. Die visuelle Über- Markendesign nur die
setzung spielt insbeson- Pflicht beherrscht,
dere durch die digitalen wird an Einfluss verlie-
Medien eine entschei- ren. Agenturen, die
dende Rolle. Ein schlüssiges strategisch denken und
Markenerlebnis lebt von vernetztes Storytelling
dem Zusammenwirken aus über unterschiedlichste
Strategie, Kommunikation, Kanäle beherrschen, Wir machen Marken er-
Design und Interaktion.  gehört die Zukunft. lebbar. Für alle Sinne.
Ulrike Mayer-Johanssen, Andreas Heim, Geschäfts- Content Marketing ist Teil
Chairwoman of the führer Strategie dieses Markenerlebnisses.
Executive Board of Brandoffice (Platz 9) Gregor Ade, Managing
MetaDesign (Platz 1) Partner Peter Schmidt Group
PAGE EXTRA 011

Content Marketing spielt für uns


sowohl als Beratungsangebot als
auch für unsere eigene Marken-
profilierung eine wichtige Rolle,
und war schon immer Kern unse-
Ohne authentische und nützliche Inhalte geht rer Tätigkeit. Unser Anspruch ist
nichts mehr in der Kommunikation von Identitäten! es, den Kunden relevante,
Menschen verlangen einen klaren Mehrwert im inspirierende Informationen über
Bezug auf eine Marke. Informationen und Wissen die Bedeutung und Realisierung
gepaart mit einer echten Kultur und einer strategischer und ganzheitlicher
starken Haltung – das müssen wir als Gestalter Markenführung zu geben.
auch visuell stützen und in die Welt bringen. Knut Maierhofer, Managing
Holger Schmidhuber, Rolf Mehnert und Helmut Ness, Partner KMS Team (Platz 2)
Vorstände Fuenfwerken (Platz 14)

Substanzielle Inhalte und die glaubhafte Story, Durch relevante, gut kuratierte und
die eine Marke erzählt, werden immer wichtiger. Wir aktuelle Inhalte einen Mehrwert für den
haben als Agentur Corporate Design schon immer Betrachter zu schaffen, ist ein wichtiger
als eine enge Verzahnung von Design und inhaltlicher Teil unserer Arbeit. Denn Marken werden
Botschaft begriffen, denn nur so kann eine Marke erst dann glaubwürdig und nahbar, wenn
ihre Zielgruppe auch langfristig für sich begeistern. Oberfläche und Inhalt zusammenpassen.
Irmgard Hesse und Marcus von Hausen, Jan Kruse, Geschäftsführer
Geschäftsführer Zeichen & Wunder (Platz 17 ) Ligalux (Platz 15)
012 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Die omnipräsente Verfügbarkeit von Meinun- Im Rahmen von Corporate-Design-


gen genauso wie die öffentlich dokumentierten Projekten entwickeln wir selbstver-
Erfahrungen im Umgang mit Produkten ständlich die Richtlinien zur Gestal-
fordern etwas ein, was herausragende Marken tung und liefern aus einer strate-
beherrschen: Haltung. Auch wenn der Kunde gischen Ableitung heraus Ideen für
vielleicht nicht immer mit allem einverstanden die Content-Erstellung. Wir richten
ist – Respekt ist die neue Währung für die uns darauf ein, dass der Bereich
Bewertung der Zukunftsfähigkeit von Marken. wachsen wird, denn Content Marketing
Und damit Unternehmen. kann eine langanhaltende inhalt-
Boris Kochan, Founder und CEO liche Nähe zum Kunden aufbauen.
Kochan & Partner (Platz 8) Sven Carsten Alt, Managing Partner
Syndicate Design (Platz 4)

Idealerweise wird Content aus der Marke heraus Eine Marke ist eine Geschichte und
entwickelt und auf allen Ebenen für die Ziel- nicht nur ein Logo – das propagieren
gruppen übersetzt. Im Rahmen unseres Positio- wir seit Jahren. Nur wer als Marke
nierungsansatzes »Inhalt, Form und Haltung« etwas Relevantes zu erzählen hat,
spielt der Inhalt die wichtigste Rolle. Unterneh- wird erfolgreich sein – gutes CD/CI
men, die ohne markenverknüpfte Inhalte macht diesen Erfolg planbar.
kommunizieren, verschenken viel Potenzial. Johannes Plass und Heinrich Paravicini,
Daniel Karczinski und Peter Martin, Inhaber und Geschäftsführer
Geschäftsführer Martin et Karczinski (Platz 7 ) Mutabor Design (Platz 3)
IT  LÖSUNGEN SCAN AND LOAD
OUR PROFILE
UND  SUPPORT FÜR
AGENTUREN SOLUTIONBAR.DE
014 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Content ja, Content Marketing nein.


Man muss nicht alles nachmachen, womit
sich andere neu zu erfinden versuchen.
Bei uns stehen Konzeption und Realisation
authentischer Markenerlebnisse im
Mittelpunkt. Wofür die Marke steht und
welche Geschichte sie erzählen will,
ist dafür natürlich essenziell – nicht aber
Content Marketing als Angebot im
eigenen Portfolio.
Felix Stöckle, Geschäftsführer
Landor (bis Ende Juni 2013)

Content Marketing spielt Echte Aufmerksamkeit für Content Marketing – qua-


eine wichtige Rolle weil: Marken und Unternehmen litativ gute Inhalte mit
• Geschichten zu erzählen entsteht nicht durch Logos Mehrwert für den User –
die Kernaufgabe von oder Manuals, sondern ist nichts Neues. Es war
Markenentwicklern und durch starke, gut erzählte und ist ein Differenzie-
Designern ist. Geschichten. Was heute rungsmerkmal und schafft
• Marken werden weniger Content Marketing heißt, Identifikation. Mit der
werblich als Medien war schon immer integra- zunehmenden Anzahl von
wahrgenommen, da sie tiver Bestandteil eines Kanälen und ihren Ziel-
durch ihren persönli- erfolgreichen CI-Projekts. gruppen jedoch steigt die
chen Anspruch und ihre Die Entwicklung dieser Herausforderung, Inhalte
Geschichte kommunizieren. Inhalte ist für eine adäquat zu kommunizie-
• Sie werden in sozialen nachhaltige Implemen- ren. Damit erhöht sich
Medien komplett neu tierung unverzichtbar. auch die Komplexität in
erlebt und CM ermöglicht Rüdiger Goetz, der Markenführung
diese Weiterentwicklung. Managing Director für die Agentur.
Ewald Pichler, Geschäfts- KW43 Brand Design Benjamin Klöck, Geschäfts-
führer dmcgroup (Platz 10) führer hw.design (Platz18)
85 Sekunden
GOLD in Cannes
Wir gratulieren! „85 Seconds“, ein inspirierender Kurzfilm über das Leben und die Liebe, für den die
brasilianische Agentur AlmapBBDO ausschließlich Material aus der Video-Kollektion von Getty Images
verwendete, konnte die Jury des International Cannes Lions Festival 2013 überzeugen. Das Video
wurde mit Gold in der Kategorie „Film Craft“ und Bronze für „Film“ ausgezeichnet.

Schnipsel für Schnipsel wird die bewegende Liebesgeschichte von zwei Menschen erzählt, zusammen-
gesetzt aus über 4.000 unzusammenhängender Einzelvideos. Am Ende des Clips erscheint die Zahl
63.103.983 – die gesamte Dauer aller Videos aus der Getty Images-Kollektion in Sekunden.

Lesen Sie hier das interessante Interview zum Thema


„Die Zukunft von Video“: http://e.gettyimages.de/Videopaket

Das Gewinnervideo können Sie hier ansehen: http://bit.ly/85sec


016 PAGE EXTRA TOP-LIST CD/CI-Agenturen

Wir sind als Designagentur schon lange CI und CD bedeutet im eigentlichen Sinne passende
nicht mehr allein als Gestalter gefragt. Werte für ein Unternehmen zu definieren und in
Kommunikation auf allen Plattformen ein adäquates Erscheinungsbild zu übersetzen – das
wird in unserem Bereich immer wichti- hat zwar viel mit Inhalten, aber wenig mit Marketing
ger. Unsere Kunden schätzen uns als zu tun. Wir erstellen bei Strichpunkt seit jeher nicht
Berater, die ihnen helfen, ihr Unterneh- nur Medienhüllen, sondern natürlich auch deren
men nicht nur gestalterisch, sondern Inhalte – insofern betreiben wir Content Marketing
auch medial optimal zu positionieren. schon viel länger als es dafür einen Begriff gibt.
Ulrike Willingmann, Geschäftsführerin Jochen Rädeker, Gründer und Geschäftsführer
Heine/Lenz/Zizka Projekte (Platz 19) Strichpunkt (Platz 5)

Für eine erfolgreiche Markenkommuni- Content Marketing wird immer wichtiger, um


kation ist heute Content das A und O. die Relevanz von Marken und das Involvement
Diese Erkenntnis ist bei Weitem nicht von Usern zu erhöhen. Als digitale Marken-
neu, sondern längst State of the Art. agentur stellen wir die Marken unserer Kunden
Nur wer als Agentur den konstanten deshalb als Living Brands auf: Sie entstehen
Flow professionell lebt und bedient, im Dialog, wachsen digital und sind äußerst
kann wirksame Strategien für seine anpassungsfähig, aber unverwechselbar.
Corporate Clients umsetzen. Johannes Pauen, Geschäftsführer
Eckard Christiani, Geschäftsführer kleinerundbold (Platz 21)
Creation moskito (Platz 17)
ANZEIGE

Deutsche Post DHL – The Mail & Logistics Group


Für Kundenmagazine,
die gut ankommen.
Corporate Publishing mit der Deutschen Post.

Rund 6000 Werbebotschaften erreichen CP Markt/CP Watch


täglich jeden einzelnen Verbraucher. Nicht Bleiben Sie stets erstklassig informiert. Ob
verwunderlich also, dass fast jedes zweite Neuerscheinungen, aktuelle Entwicklungen
deutsche Unternehmen der Top 500 in seiner oder interessante Studien, unser Onlineticker
Kundenansprache auf ein Werbemittel mit und der wöchentlich erscheinende News-
Mehrwert setzt: das Kundenmagazin. Denn letter bieten Ihnen dazu ausführliche Infor-
anders als klassische Werbung erreicht es mationen. Kurz, kompakt und informativ.
jede Zielgruppe ohne Streuverluste, egal ob
Endkunden, Mitarbeiter oder Aktionäre. CP Magazine
Corporate Publishing ist punktgenau, Sie haben einen Artikel verpasst oder suchen
sympathisch und vor allem glaubwürdig. einen Artikel aus der Vergangenheit? Auf
unserer „Magazin-Seite“ finden Sie nach
Nutzen Sie kostenlos unsere zahlreichen Branchen sortiert viele Magazin-Porträts.
Services, die Ihnen bei der Erstellung und
Optimierung Ihrer Publikationen helfen. CP Partner
Besuchen Sie uns hierzu unter Finden Sie mit CP Partner die passenden Zuverlässige Zustellung Ihrer Kundenzeitschrift.
www.cp-deutschepost.de Dienstleister für Ihre Bedürfnisse: von der
richtigen Werbeagentur über das ideale PR-
CP Ratgeber: Büro und die kompetentesten Freelancer Jetzt anrufen unter 0800 500 600 3*
Online, kostenlos und jetzt auch als App! bis hin zu den besten Druckereien. oder www.cp-deutschepost.de
Unser Angebot für alle, die sich mit der *
Mo. – Fr. 8.00 – 19.00Uhr, Sa. 8.00 – 14.00Uhr.
Erstellung von Kunden-, Investoren- oder CP Termine/CP Event
Mitarbeiterzeitschriften befassen: Mit Tipps Dank CP Event verpassen Sie keinen
und Anleitungen, anschaulichen Beispie- wichtigen Termin rund um das Thema
len, Statistiken und Analysen unterstützen Corporate Publishing. Wir erinnern Sie.
wir Sie bei der Planung und Ausführung
Ihrer Publikation. Das E-Magazin, die CP Shop
App (CP Ratgeber) und die ergänzenden Nutzen Sie die Chance, neue Abonnenten
Info-Module stehen zum kostenfreien zu gewinnen, und präsentieren Sie Ihre
Download bereit. Kundenzeitschriften kostenfrei auf
www.cpshop.de, dem Portal für Kunden-
magazine.
Inspiration pur – jetzt 1 x gratis !

Gleich
zugreifen !

PAGE präsentiert die entscheidenden Trends


in Sachen Konzeption, Gestaltung und Technik.
Testen Sie jetzt eine Ausgabe kostenlos.
Einfach zugreifen: shop.page-online.de/page-1xgratis
PAGE EXTRA 019

Büros und Agenturen


Auf den folgenden Seiten präsentieren sich nicht nur im
PAGE Ranking 2013 gelistete CD/CI-Agenturen, sondern unter
anderem auch deutsche Büros amerikanischer Networks

044 DMC Design for Media and Communication GmbH


020 Fuenfwerken Design AG
022 KMS TEAM GmbH/KMS BLACKSPACE GmbH
026 KOCHAN & PARTNER GmbH
046 KW43 BRANDDESIGN
028 Landor Associates GmbH
030 LIGALUX GmbH
032 Martin et Karczinski GmbH
034 MetaDesign AG
036 MUTABOR Design GmbH
038 Peter Schmidt Group
040 SYNDICATE DESIGN AG
042 Zeichen & Wunder GmbH
020 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 14 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

Fuenfwerken Design AG
Paul-Lincke-Ufer 42
10999 Berlin

T +49 30 629089-0
F +49 30 6290890-55

Wilhelmstraße 30
65183 Wiesbaden

T +49 611 58027-0


F +49 611 58027-26
www.fuenfwerken.com
info@fuenfwerken.com

GF Holger Schmidhuber (Vorsitz)


Rolf Mehnert
Helmut Ness
M 46
* 1997

Kunden (Auszug)
Adobe
Audible.de
Berlin Partner
Berliner Senatskanzlei
Clariant
HELIOS Kliniken
Helmholtz Zentrum München
John Deere
LOVEFILM Deutschland
Messe Frankfurt
MVG Stadtwerke München
OKAL Haus
Schott
TOTAL Deutschland
Volkswagen
Weber-Stephen
Weingut Leitz
Weingut Markus Schneider
Weingut Tesch
PAGE EXTRA 021
022 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 2 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

KMS TEAM GmbH


KMS BLACKSPACE GmbH
Tölzer Straße 2c Druckvorstufe (m/w)
81379 München

T +49 89 490411-0
F +49 89 490411-109
www.kms-team.com
info@kms-team.com
www.kms-blackspace.com
info@kms-blackspace.com
Account Manager/in Kommunikation im Raum
GF KMS TEAM GmbH
Knut Maierhofer
KMS BLACKSPACE GmbH
Michael Keller, Christoph
Rohrer, Marc Ziegler,
Hannes Dölker Senior Designer/in Corporate Design
M 120
* 1984, 2012

KMS TEAM ist ein internatio-


nal führendes Unternehmen
für Markenstrategie, Marken-
design und Markenkommuni-
kation. Rund 70 Markenexper-
ten arbeiten in den Disziplinen
Strategy, Branding, Communi-
cations und Interactive. Seit
über 25 Jahren ist KMS TEAM Designer/in Motion
Partner erfolgreicher Marken
und Unternehmen. Die Grund-
lage hierzu bildet die Denk- und
Arbeitsweise »Tiefendesign«. Texter/in

KMS BLACKSPACE entwickelt


und gestaltet faszinierende
Brand Experiences und ihre
Touchpoints. Über 50 Mitarbei-
ter beschäftigen sich mit der Informationsarchitekten/in
Aktivierung von Marken in den
Disziplinen Kommunikation
im Raum, Motion Design und
Customer Experience Design.
PAGE EXTRA 023

IHR FEHLT NOCH:


Praktikanten/innen

Designer/in Corporate Design

Projektmanager/in Corporate Design

Senior Designer/in Kommunikation im Raum

Projektmanager/in Kommunikation im Raum

Designer/in Kommunikation im Raum


87%
... aller Projekte sind nicht wertschöpfend*. Die Ursachen sind ganz
unterschiedlich. Seit über zehn Jahren berät Troi Agenturen im Projekt-
geschäft. Diese Erfahrungen stellen wir in einer neuen Reihe von Kom-
petenzpapieren zur Verfügung und geben Impulse über die Software
hinaus. Unser erstes Thema:

PITchen
Welche agenturinternen Prozesse sind bei einem Pitch effizient? Wer
pitched und warum? ›No pitch‹ – geht das überhaupt? Lassen sich Pitches
vermeiden? Und wenn nicht: Wie gestaltet man sie mit dem potenziellen
Kunden? Lesen Sie über die Pitchstrategien der Anderen.

Das Kompetenzpapier zum Thema ›Pitchen‹ kostenfrei downloaden:


wissen.troi.de

* Quelle: Prof. Dr. Manfred Gröger: ›Projektmanagement – Abenteuer Wertvernichtung‹.


MBA Management Beratungsgesellschaft mbH, University of Applied Sciences, München.
PROJEKT
SOFTWARE

PROJEKT
Troi SOFTWARE

Wissen
01 Pitchen

» Pitchen ist eine Wissenschaft für sich. Troi ist der per-
fekte Navigator durch das Labyrinth der Wettbewerbe.«
Prof. Hansjörg Zimmermann

FRee
Gründer ›Die Argonauten‹, Geschäftsführer ›Das Goldene Vlies‹

D
DoWNLoapAier:
zp
Kompeten oi.de
wissen.tr
026 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 8 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

KOCHAN & PARTNER GmbH


Brand Design Development
Hirschgartenallee 25
80639 München

T +49 89 1784978
F +49 89 1781235
www.kochan.de
kontakt@kochan.de

KOCHAN & PARTNER


verwirklicht Kommunika-
tionslösungen, die hinter
strategischen Markt- und
Zielgruppendefinitionen
den Menschen aufspüren.
Technische Entwicklungen
sehen wir als Motor für
gesellschaftliche wie kommu-
nikative Veränderungen.
Wir glauben an die gegen-
seitige Befruchtung
von On- und Offline, von
Technik und Kreation.
1981 gegründet, zählt
KOCHAN & PARTNER
heute zu den zehn größten
inhabergeführten CD/CI-
Agenturen und den Top 100
der Internet-Agenturen in
Deutschland. Gut 60 Mit-
arbeiter aus verschiedenen
Fachbereichen arbeiten Präzision braucht Abweichung.
interdisziplinär an medien- Individualität lebt Vernetzung.
Begeisterung hat Sinn im Sinn.
übergreifenden Kommuni-
Von Fall zu Fall. Hier: Cases.
kationslösungen für globale
Konzerne, mittelständische
Unternehmen oder regional
tätige Organisationen.
PAGE EXTRA 027
028 PAGE EXTRA PROMOTION

At Landor, we believe brands


Landor Associates GmbH should stand for something.
An der Alster 47 So we give them legs. This L created by Fai Chow, Hong Kong

20099 Hamburg But we don’t stop there.


We give‘em wings.
T +49 40 378567-0 This L created by Beijing Office

This L created by Beijing Office


F +49 40 378567-71
www.landor.com/hamburg In 1941 Walter Landor founded the most
info.hh@landor.com unconventional firm in San Francisco with
offices aboard the Klamath, a gorgeous retired This L created by Darien Harris
This L created by Kenichi Nishiwaki, Tokyo This L created by New York office

ferryboat. He helped invent branding.


K Airi Loddoch
We’ve been reinventing it ever since.

Landor Associates ist eine


This L created by Fai Chow, Hong Kong This L created by Aimen Alwan This L created by Craig Byers

der weltweit führenden Mar-


kenberatungen für Strategie,
Design und Kommunikation
mit 25 Büros in 19 Ländern. This L created by Phil Sheather, Sydney

Seit 70 Jahren leistet Landor


Associates Pionierarbeit in
der ganzheitlichen Entwick-
This L created by New York office

lung und Führung von


Marken und ist Vordenker
und Impulsgeber in den
Bereichen: Corporate Identity This L created by Mona Elsayed
This L created by New York office

und Packaging Design.

Kunden
Adelholzener, BASF, This L created by Beijing Office This L created by Lynessa Clemente

Bayer, BMW, Campbell’s, We have helped creating more


than half of the Top 100 most
dm-drogeriemarkt, Ethicon, valuable global brands.
FC St. Pauli, Fraunhofer, This L created by Diana C Bharucha

Gmund, Henkel, Hochland,


IKEA, Karstadt, Lufthansa,
MINI, Nordea, Procter &
Gamble, Rotkäppchen, SAB This L created by Matt Morgan, Sydney This L created by Singapore Office
This L created by Kenichi Nishiwaki, Tokyo

Miller, Volkswagen, Vorwerk

This L created by Kenichi Nishiwaki, Tokyo

This L created by Mexico City office This L created by Mexico City office
This L created by Marissa Winkler This L created by Singapore Office This L created by Beijing Office

This L created by Beijing Office This L created by Peter Lam This L created by Singapore Office This L created by Fai Chow, Hong Kong This L created by Peter Lam This L created by Muna Ahadi This L created by Aimen Alwan
PAGE EXTRA 029

This L created by Mexico City office This L created by Mexico City office This L created by Mexico City office This L created by Singapore Office
This L created by Fai Chow, Hong Kong
This L created by London

This L created by Ghada Zibdeh

900 PEOPLE ONE


25 OFFICES
LANDOR
19 COUNTRIES
This L created by Mexico City office This L created by New York office
This L created by London This L created by Lynessa Clemente This L created by Shaun Loftman This L created by Beijing Office

We never sleep.
You’ll find us This L created by Mexico City office
This L created by Fai Chow, Hong Kong
wherever you
need us.

This L created by Craig Byers This L created by London

This L created by Mexico City office


This L created by Peter Lam This L created by Harriet Chan This L created by Peter Lam

VISIT US ON:
This L created by Ghada Zibdeh
This L created by Leo Yau, Hong Kong
LANDOR
.COM

This L created by Ghada Zibdeh This L created by Peter Lam

This L created by New York office This L created by Mexico City office

Excellence is our Passio


This L created by Peter Lam
This L created by Beijing Office

This L created by Wasim Ajlyakin


This L created by San Francisco office
This L created by Craig Byers This L created by Aimen Alwan

This L created by Marty McCauley This L created by New York office


This L created by Ghinwa Yassine This L created by Shaun Loftman

This L created by Yulia Klimacheva This L created by Claire Delcorso


This L created by Peter Lam This L created by Craig Byers
030 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 15 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

LIGALUX GmbH
Waterloohain 5
22769 Hamburg

T +49 40 899699-293
F +49 40 899699-555
www.ligalux.de
03.
mav@ligalux.de

GF Jan Kruse
K Manuela Vahland

LIGALUX steht nicht nur


für gutes Design, sondern

DESIGN IST
vor allem für die Ideen
und die Geschichten
dahinter, denn die sind
immer der springende

*
ERLEBNIS
Punkt für ein unvergess-
liches Markenerlebnis.
Deswegen lautet eines
unserer Mantren: Design
ist Erlebnis. Design muss
berühren, denn die Story
macht den Unterschied!

Unsere Leistungsbereiche
· Corporate Identity,
Design muss berühren: Die Story macht den Unterschied.
Corporate Design und
Corporate Publishing Nur Design, das die Geschichte und den Kern
· Marken- und der Marke in allen Kanälen lebendig werden lässt,
Kommunikationsstrategie
bindet den Kunden langfristig.
· Sprachkonzepte/Naming
· Konzeption und Gestaltung
von On- und
Offline-Formaten
· Markenerlebnis 2-D/3-D
· Implementierung von
Markenidentitäten

*Eines von fünf Design-Mantren.


PAGE EXTRA 031
032 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 7 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

Martin et Karczinski GmbH


Nymphenburger Straße 125
80636 München

T +49 89 746469-0
F +49 89 746469-13
www.martinetkarczinski.de
info@martinetkarczinski.de

Wir verbinden Kommunika-


tionsstrategien mit hoher
Designqualität. Starke Marken
entstehen, wenn Inhalt, Form
und Haltung eines Unter-
nehmens übereinkommen.

Schwerpunkte
Strategische Markenberatung
Organisationsentwicklung
Corporate Identity/Design
Corporate Publishing
Marke im Raum
Digitale Medien

Referenzen
Alape
Audi
Daikin
McDonald’s Kinderhilfe
Occhio
Parador

Die Haltung der Menschen


hinter der Marke wird als
zusätzliche inhaltliche Dimen-
sion immer wichtiger. Indem
Corporate Design, Strategie
und Verhalten in Einklang
gebracht werden, gewinnt
die Markenkommunikation
maximale Wirksamkeit. Das
Erscheinungsbild dient als
visueller Vertreter für Inhalt
und Haltung einer Marke.
PAGE EXTRA 033

Wir suchen Menschen,


die Marken Leuchtkraft geben.
Senior Berater im Bereich Markenstrategie (m /w)
Senior Designer (m /w)
Teamleiter Multimedia (m /w)

www.martinetkarczinski.de / jobs
034 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 1 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

MetaDesign AG
Leibnizstraße 65
10629 Berlin

T +49 30 590054-0
F +49 30 590054-111
www.metadesign.com
query@metadesign.de

Ansprechpartner
Elaine Abels

MetaDesign ist eine inter-


national führende Identity-
und Brandingagentur. Der
Name MetaDesign steht
für anerkannte Beratung,
Begleitung und Gestal-
tung von Unternehmens-
und Produktmarken.
MetaDesign entwickelt
Markenerlebnisse, die
Marken erfahrbar machen
und die Bedürfnisse
ihrer Zielgruppen spiegeln,
vernetzt über alle Kom-
munikationsdisziplinen –
analog und digital.
MetaDesign ist an den
Standorten Berlin,
Düsseldorf, Genf, Peking,
San Francisco und Zürich
vertreten. Insgesamt rund
300 Mitarbeiter betreuen
Kunden wie Audi, Volks-
Organic Farm ist ein führender Anbieter von
wagen, Siemens, Commerz- Biolebensmitteln in China. MetaDesign Beijing
bank, Deutsche Post DHL, entwickelte ein neues Erscheinungsbild, das
u. a. in einem einzigartigen Verpackungsdesign
Merck Millipore oder SES. und diversen Marketingartikeln zum Ausdruck
kommt. Damit vollzog das Unternehmen auch
visuell den Wandel hin zu einer modernen und
ansprechenden Marke, die neuen Schwung in
den lokalen Biomarkt bringt.

001_MD_Anzeige_Page_238x184mm_2013_05 1
PAGE EXTRA 035

Eine illustrative Welt bestimmt den Marken-


auftritt von Quicar und gibt ihm ein für
die Branche ungewöhnliches Erscheinungs-
bild. Eine Welt, die leicht zugänglich ist,
zur Teilnahme einlädt und Spaß macht. So
wird nachhaltiges Handeln ganz einfach.

Das Konzerthaus Berlin wurde unter der


Intendanz von Prof. Dr. Nordmann in den
vergangenen Monaten neu ausgerichtet:
Ungewöhnliche, neue Formate schlagen
zwischen Mensch und Musik Brücken, die
neue Sichtweisen ermöglichen.

Die Vermittlung und der Zugang zur


Musik ist der zentrale Aspekt, der sich
wie ein roter Faden durch die gesamte
Kommunikation zieht. Mit dem neuen
Markenauftritt wird nun auch nach
außen sichtbar: Das Konzerthaus Berlin
ist voller Leben.

25.06.13 11:29
036 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 3 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

MUTABOR Design GmbH


Große Elbstraße 145b
22767 Hamburg

T +49 40 399224-0
F +49 40 399224-29
http://www.mutabor.de
info@mutabor.de

GF Heinrich Paravicini,
Johannes Plass
M 90
* 1998

Mu|ta|bor
(lat. von mutare:
I’m going to change)
1. Zauberwort zum
Formenwandel im
Märchen »Kalif Storch«
2. Eines der führenden und
kreativsten Unternehmen
für die Entwicklung und das
Design von Markenwandel

Markenkompetenz
Brand Strategy
Brand Identity
Brand Spaces
Brand Prototyping

Kunden (Auswahl)
adidas
Airbus (EADS)
BMW
Bundesliga
Clariant International Ltd.
Deutsche Telekom
HSV
PAGE EXTRA 037
038 PAGE EXTRA PROMOTION

Peter Schmidt Group


ABC-Straße 47 eine starke marke
20354 Hamburg
entsteht durch
T +49 40 441804-0
F +49 40 441804-70
richtige verbindungen.
www.peter-schmidt-group.de
info@peter-schmidt-group.de
184 185 186
187
188
Weitere Standorte 183

Düsseldorf, Frankfurt/Main, IMPLEMENTATION


München, Tokio
181

GF Armin Angerer, Gregor Ade


M 200
TOKIO
* 1972
179

Referenzen (Auszug)
164
BASF, BayWa, Beiersdorf, 178

Berlitz, Bertelsmann, Cancom,


163 MÜNCHEN
Continental, DZ BANK, 177
165 123
Goethe-Institut, GORE-TEX,
176 162
Guhl, Henkel, HUGO BOSS, 166
144 125 122

Juchheim, KION, Lufthansa, 175


CORPORATE 119
161 120
MAN, Merz Consumer Care, 174 167 145
SOUND 126
121
Postbank, REWE Group, Schüco, 168 160
142
127
173
The Linde Group, Weleda 146
169 141
172 159 147 128
170
Tätigkeitsfelder 171 NAMING 140 129
Brand Strategy, Corporate 148
157 105
Design, Packaging Design, 139 130
149 104
Interactive Design, Brand 156
150 138
131
Spaces, Corporate Sound, 155
154 132
151
Naming und Implementation 153 137
133
152
136 134
135

VIEL LEISTUNG. VOLLE KRAFT. Die Peter Schmidt Group vereint


5 Standorte, 8 Disziplinen und rund 200 Mitarbeiter – und schafft so
starke Marken für faszinierende Markenerlebnisse.

www.peter-schmidt-group.de

130722_PSG_PAGE-Anzeige_Top20_238x184_RZ-GH2.indd 1
PAGE EXTRA 039

14
15 BRAND
12
13
16
22 23 STRATEGY
189 190 25
17 21 26
11
18
191 10 20 27 40
39
19
9 28 38 41
192 42
8
29 43
193 7 37 44
194 HAMBURG 30
CORPORATE
45
36 46
5
195 DESIGN
68 47
196 4 35
32
33 34 48
3
197 69
67
2

115
114 198 1 70 66 65
62
DÜSSELDORF
54 50
199 71 64 53
116 200 61 51
113 63
55 52
72 60
117 56
112 59
94 73
118 58

111 95
93
74
PACKAGING
92
DESIGN
110
96
FRANKFURT
109 91
76
97 90
108 77

107 89 78
106 98
INTERACTIVE
88
99
DESIGN
100 87 80
103
81
102 BRAND 86
SPACES 85 84 83
82

22.07.13 16:18
040 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 4 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

SYNDICATE DESIGN AG VON DER IDEE ZUR IDENTITÄT


Rentzelstraße 10a Kreatives Denken in einem vernetzten Prozess.
20146 Hamburg

T +49 40 414753-0
F +49 40 414753-33
www.syndicate.de
info@syndicate.de

GF Sven Carsten Alt


Heiko Hinrichs
Lukas Eichenberg
K Sven Carsten Alt
M 65
* 1992

Die SYNDICATE DESIGN AG


ist eines der führenden
Unternehmen für strategi-
sches Design in Europa.

Unser Leistungsspektrum
• Marken- und Strategie-
entwicklung
• Design Management
• Corporate Identity/
Corporate Design
• Produkt-/Industriedesign
• Verpackungsdesign
• PoS- & Shop-in-Shop-Design
• Digital Design/New Media
• Messe- und Eventdesign
• Corporate Architecture
• Signage Systeme
• Design Engineering

Unsere Kunden (Auszug)


Škoda, Gebr. Heinemann,
Sennheiser, Bauer Media
Group, mobilcom-debitel,
Ferrero, Nestlé, Philips,
Tchibo, Arla Foods, Danone
Waters, Freenet AG, HiPP,
Schüco, GlaxoSmithKline.
SYN_Anzeige_Page_Booklet_2013.indd 1
PAGE EXTRA 041

13.06.13 18:26
042 PAGE EXTRA PROMOTION Platz 17 im PAGE CD/CI-Ranking 2013

Zeichen & Wunder GmbH


Rumfordstraße 34
80469 München

T +49 89 746377-0
F +49 89 746377-77
www.zeichenundwunder.de
info@zeichenundwunder.de

GF Irmgard Hesse
Marcus von Hausen
K Julia Peglow-Peters

Traue Deinen Sinnen! Mit


dieser Haltung entwickelt
Zeichen & Wunder starke
Marken und erstklassiges
Design für anspruchsvolle
Auftraggeber und Premium-
marken. Für die enge Ver-
zahnung von strategischem
Denken und ausgezeich-
netem Design stehen
Irmgard Hesse und Marcus
von Hausen als geschäfts-
führende Gesellschafter.

Referenzen (Auszug)
· adidas
· BMW Group
· Bundesministerium
der Finanzen
· SAP AG
· Sporthaus Schuster/
Sport Münzinger
· W. L. Gore/GORE-TEX®

Leistungen
· Markenentwicklung
· Corporate Design
· Kommunikation
· Kommunikation im Raum
· Retail/POS
· Messe/Ausstellung
PAGE EXTRA 043
eXtRa 10.13

Ranking 2013
CoRpoRate Design
UnD iDentity

top 20
Die führenden
CD/Ci-Büros und
agenturen

001_Extra_10.2013.indd 1 31.07.13 09:57