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/ Design Code Business Das Magazin der Kreativbranche


16
01.2016
DeutsCHLAnD CH 19,40 CHF
A 11,00 Eur
9,95 EUR L 11,50 Eur

10842
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Tem p l a t e s In dividual
VS.
Webdesign • Packaging & Digitaldruck • Briefing • Animated-GIF-Fotobox • Cool Germania

S t a n d a rd s Han dmade

WEB
DESIGN
HEUTE
• Verpackungen in Kleinstauflage
• Making-of: Animated-GIF-Fotobox
# 332 • 31. JAhrGAnG

• Das gehört in ein Kreativbriefing


editorial page 01.16 003

ANZEIGE
Auf die Plätze,
fertig, los:
Fast Forward 1200
Sportuhren
● Ein Problem mit uns Gestaltern ist, dass wir mei­
nen, stets originell sein zu müssen. Ein Problem ist in einer App !
es deshalb, weil wir darin einen ungeheuren Ehrgeiz
entwickeln können und oft einen Perfektionismus
an den Tag legen, der so rein gar nicht mehr in die
heutige Zeit passt. »Most companies are slow by de­
sign«, lautet denn auch ein gern zitierter Ausspruch
Foto: Kirsten Nijhof

Eric Schmidts. Im Internetzeitalter wird alles schnel­


ler – »It’s like Moore’s Law has run amok«. Werden
wir jetzt abgehängt?
Das Moore’sche Gesetz, dass sich die Chip­Re­
chenleistung und damit die des Computers alle zwei
Jahre bei sinkenden Kosten verdoppele, ist ungebro­
chen. Und ein Ende ist vorerst auch nicht in Sicht.
Um das Ausmaß dieser Voraussage besser zu verste­
hen, ließ Intels Firmenchef Brian Krzanich die Faust­
regel einfach mal aufs Auto übertragen. Und siehe
da: Wenn der VW Käfer von 1971 mit einer Geschwin­
digkeit analog zum Moore’schen Gesetz weiterent­
wickelt worden wäre, so wäre es heute möglich, mit
diesem Vehikel 300 000 Meilen pro Stunde zu fahren.
Mit einer Gallone Treibstoff käme man zwei Millio­
nen Meilen weit. Für gerade mal vier Cent.
Cover Im Silicon Valley hat sich Moores Regel längst von
precious design studio einer Prognose zum Leitspruch gewandelt. Der un­
(http://precious- erschütterliche Glaube, ständig werde alles besser,
forever.com) schneller und günstiger, treibt die Innovation an.
Wen wundert es da, dass das Web immer monotoner,
Design immer austauschbarer und neue Ideen im­
mer seltener werden. Blocky Sites hier, Blocky Sites
dort. Und als ob das nicht schon genug wäre: Wenn
die Gestaltung ohnehin immerfort identisch ausfal­
le, dann könne man sie auch gleich ganz den Maschi­
nen überlassen – wie ein Lauffeuer ging die provo­
kante These von Travis Gertz, Designer und Gründer
von Louder Than Ten, durchs Netz.
Ja, warum eigentlich nicht? Ist es nicht ein Segen, Die ultimative App für Taucher, Flieger,
dass es inzwischen so viele hervorragend gestaltete Läufer, Rugby-Spieler … Erleben Sie
Website­Vorlagen gibt und die Technik viele Auf­ gestochen scharfe Retina-Bilder auf
gaben erleichtert, lästige Routinen übernimmt und Ihrem iPad oder iPhone. Filtern Sie das
Freiräume schafft? Ist es nicht schön, dass wir end­ Angebot nach Marke, Werk, Gehäuse
lich wieder die wirklich wichtigen Dinge vorantrei­ oder Preis und legen Sie Ihre Favoriten in
ben und zeigen können, was den Profi auszeichnet? der persönlichen Sammler-Box ab. Die
Nämlich Mut, gute Ideen und die Fähigkeit, Gestal­ App Chronos SPORTUHREN gibt’s unter
tung nicht als Selbstzweck zu sehen? – Webdesign shop.watchtime.net/app-chronos-sportuhren
heute, siehe Seite 18.
Ein Angebot der Verlagsgruppe Ebner Ulm
Gabriele Günder, www.ebnerverlag.de
Chefredakteurin/Publisher
(info@page-online.de)
004 page 01.16

Inhalt
✖ TyPo ■ bILd ◆ krEATIoN
▲ INTErAcTIoN ➤ TITELThEmEN

SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

TITEL
018 Webdesign heute
Responsive Design-Templates und flexible Website-
Baukästen sind so ausgereift, dass Kreativität
und individuelle Gestaltung im Netz gar nicht mehr
zu zählen scheinen. Aber ist das wirklich so?

ThEmEN
034 ◆ Hippes Deutschland
Erstaunlich, aber wahr! Außerhalb Deutschlands ver-
040
wandeln sich deutsche Produkte und Traditionen
plötzlich in etwas ziemlich Cooles. Wie funktioniert das?

040 ◆ LIA Awards 2015 – die Highlights


Berühren, bewegen, begeistern – Werbung kann das,
wenn sie richtig gut ist. Schauen Sie selbst!

046 ◆ Verpackungen in Kleinstauflage


Der Digitaldruck ist so weit, dass sich damit kreative,
individuelle Packagingdesigns produzieren lassen

052 ✖ ▲ Handschrift-Unterstützung unter iOS


Von Hand gekritzelte Notizen und Skizzen ziehen in die
digitale Kommunikation ein – und verändern sie

NEuES
054 Spannendes aus der Papier-, Technik-,
Bild- und Typowelt
064 Publikationen für Gestalter und Developer

ProjEkTE
070 ◆ ■ Erscheinungsbild mit Tierillustrationen
Für das Sterne-Restaurant Magnus & Magnus entstand
ein fantastisches Corporate und Interior Design

076 ▲ Making-of: Animated-GIF-Fotobox


Her mit den Lötkolben! Wie Fork Unstable Media ihre
fabelhafte Forkbox konstruierte und programmierte –
mit Step-by-Step-Anleitung zum Nachbauen
page 01.16 005

034

082 ✖ Eine Schrift für Kopenhagen


Drei Designer schenkten ihrer Stadt eine Fontfamilie,
die ebenso einzigartig ist wie die dänische Metropole

086 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

WErkzEuG
088 Gadgets für 2016
Vom ersten erschwinglichen Lasercutter bis zur Finger-
Tai-Chi-App – wir präsentieren Tools und Devices, die
Designern und Developern Freude bescheren

brANchE
094 Kreativbriefing: Das gehört hinein!
Ein klares, präzises Briefing ist der Dreh- und
Angelpunkt für gelingende Projekte und eine gute
Zusammenarbeit zwischen Agentur und Kunde.
Kreative berichten, wie sie dabei vorgehen

102 Jobprofile & Gehälter Kommunikationsdesign

106 Szene Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

STANdArdS
003 Editorial
104 PAGE digital mit dem Portfolio von Studio Wölfle Störk
108 Kalender Termine für Designer & Developer
112 Impressum/Vorschau/Leserservice
114 Sieberts Betrachtungen

SErvIcES
093 PAGE Shop 101 PAGE Abo 111 Stellenmarkt

PAGE SEmINArE
021 »Mobile« mit dem Digitalstudio Swipe
023 »Infografik« mit Golden Section Graphics
030 NEU! »Projektmanagement« mit Hagen Seidel
049 »Multisense Design« mit Olaf Hartmann

018 080
099
»Bildrecht« mit Sabine Pallaske und Silke Kirberg
»Leitmedium Design« mit Jochen Rädeker in München
006 page 01.16 › Signale
page 01.16 007

Signale
ideen, projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier
und auf  ↗ www.page-online.de  

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 Pizza-LPs. So rockig wie der Westküsten-Lifestyle 
von Los Angeles bis Seattle ist auch das Branding, das 
Bravo aus Singapur für den Pizzaservice ALT. entwarf. 
Der Name steht für »Alternative«, für eine etwas andere 
Pizza, aber eben auch für den Indie-Musikstil. Passend 
dazu verwandelte die Agentur die Pizzakartons in Plat-
tencover und orientierte sich in der Gestaltung am In-
die-Rock-Design. Das Fettpapier innen ist wie ein Mu-
sikmagazin  gestaltet  und  mit  »Songtiteln«  wie  »Love 
Will Slice Us Apart« bedruckt. In jeder Saison kommen 
neue »Cover« und »Songs« hinzu.   sd
008 page 01.16 › Signale

Schön laut!
● Theater-Identity. Die Atlantic Theater Company, 1985 von Autor 
David Mamet und Schauspieler William H. Macy (»Shameless«) am 
Broadway gegründet, ist legendär. Genau wie die Pentagram-Designe-
rin Paula Scher, die das Ensemble jetzt mit einer umwerfend präsen-
ten Identität versah. Im Mittelpunkt: ein grafisches, orangefar be nes 
Logo, das auf das A von »Atlantic« anspielt, Megafon und Schein-
werfer  zitiert  –  und  gleich  mehrere  Funktionen  erfüllt.  Es  reprä-
sentiert die Kompanie, kann aber ebenso mit Bildern neuer Stü cke  
»befüllt« werden. Mit dem kraftvollen Font Tungsten versehen und 
spannungsgeladen wie die Atlantic-Produktionen selbst, behaup tet 
das Corporate Design sich im New Yorker Straßenbild, zeigt, wie die 
Theatertruppe Vorhandenes neu zusammensetzt und für selbstbe-
wusste Töne steht.   sd
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010 page 01.16 › Signale

Gar nicht so zart, wie sie aussehen


Diese Kunstwerke des Pariser illustrators Jules
Julien für TH Manufacture sind Spülmaschinen-
und Mikrowellen-tauglich

Der Teller-Hype greift um sich


Manche sind tatsächlich zum Essen da, andere wohl doch eher als Wandteller gedacht:
Designer und Illustratoren haben ihre Faszination für Porzellan entdeckt

Von A bis Z essen


Bei  www.typehype.com  gibt's diese in einer
Thüringer Manufaktur handgemachten Typo-Teller
mit Din-lettern in Schwarz, Weiß und Blattgold
page 01.16 011

Trügerisches Idyll
Die Schafe weiden, aber statt Windmühlen
zeigen diese Wandteller neunzehn deutsche
atommeiler – siehe  www.atomteller.de  

Geld für die Tafeln


Unter  http://ilustradoresalamesa.com  verkaufen
48 spanische illustratoren – hier ana Pez und María
Herreros – essteller für den guten Zweck

Upcycling
alte Teller von Oma
oder vom Flohmarkt
kann man mit Stickern Pflanzenmotive
von nuukk aus Berlin Direkt bei der Berliner illustratorin Carmen Maria
einer Verjüngungskur Traud sind diese Dekoteller zu haben:  
unterziehen http://carmenmariatraud.tictail.com  
012 page 01.16 › Signale

Augen zu!
● Tastspielbuch. So schön gemacht 
dieses Buch objekt auch ist, eigentlich 
sollen  Sie  mit  geschlosse nen  Augen 
da mit um gehen. Denn die zehn geo-
me tri schen Muster, die der Pappband 
zeigt (plus eines auf dem Cover), sind 
in Wahrheit »Streichel-Labyrinthe für 
Men schen mit Fingerspitzengefühl«. 
An den Mustern führen kleine Hubbel 
entlang und es gilt, nur mit den Fin-
ger kuppen  einen  Weg  vom  Eingang 
oben  zum  Ausgang  unten  zu  fi nden. 
Sowohl für Kinder als auch für Er wach-
sene  meist  eine  komplett  neue  hap-
tische Er fahrung. Das von Designerin 
Junko Mura yama aus Tokio entworfene 
Buch erschien beim Verlag Hermann 
Schmidt  (  www.typografi e.de  ),  kostet 
16,80 Euro und wartet mit einer raffi   -
nierten japanischen Wickelstanzklap-
penbindung auf, die es erlaubt, sämt-
liche be druckten Seiten fl ach auf den 
Tisch zu legen.   cg

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Designed by Kids. Um sich das Interes-
se der jungen Zielgruppe zu sichern, lobte 
IKEA im vergangenen Jahr einen Wett be-
werb  aus,  bei  dem  Kinder  ihre  Traum ku-
schel tie re malen konnten. Insgesamt zehn 
Krea tio nen der kleinen Künstler aus Tai-
wan, Rumänien oder Malaysia gingen nun 
in Pro duktion – hier der Entwurf der sechs-
jäh ri gen Stella aus Zypern. Für jedes ver-
kauft e  Plüschtier  aus  der  Sagoskatt-Kol-
lek tion  wan dert  1  Euro  oder  Dollar  an 
UNICEF und Save The Children.   ae
page 01.16 013

Mäusespeck mal anders


● Die australische grafikdesignerin Veronica lethorn
schuf für the marshmallowist in london ( w
  ww.the
marshmallowist.com )  ein Corporate Design, das so
fluffig, bunt und experimentierfreudig daherkommt
wie die kunstvollen Marshmallow-Kreationen selbst. nik

Instagram sticht
Wie ein klassisches Quartett funktioniert »Web 
Trumps«, ein Kartenspiel für Nerds. Hier spielt 
man Wikipedia gegen Tinder oder Instagram gegen 
Uber. Als Kategorien gibt es Gründungsjahr, 
Homepage­Größe, Twitter­Follower, Facebook­Likes 
und Google­Results. Jede der 32 Karten ist von 
86/60 aus Wien komplett unterschiedlich mit viel 
Liebe zum Detail gestaltet. Kaufen kann man das 
Spiel für knapp 20 Euro bei  www.mjom.cards .   ant

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 Web-Experience. Trayvon Martin, 17, erschossen von einem Nachbar-
schaftswachmann; Rekia Boyd, 22, getötet von einem Polizisten außer 
Dienst; Caesar Cruz, 35, erschossen von Polizisten, obwohl selbst unbe-
waffnet: Die Liste fragwürdiger Todesfälle mit rassistischem Hintergrund 
in den USA ist lang. Acht von ihnen setzte der Rapper Usher nun mit ei nem 
interaktiven Musikvideo zu seinem Song »Chains« ein digitales Denk mal. 
Das Video, zu sehen beim Streamingdienst Tidal ( http://chains.tidal.com  ), 
erfordert die volle Aufmerksamkeit des Users. Wendet der sich ab, stoppt 
das Video und es erscheint: »Don’t look away!«. Die interaktive Ex pe rience 
wird ermöglicht durch Webcam und eine Gesichtserkennungssoftware. 
Konzipiert und umgesetzt haben sie AKQA São Paulo und London.   nik

So geht Coffee to go
● Nachdem wir in der letzten Ausgabe  
kräf tig über Wegwerfbecher und Designer 
gelästert haben, die sie gestalten (siehe 
PAGE 12.15, Seite 14), hier eine Alternative: 
die wieder verwendbaren, handschmei­
chelnden und biologisch abbaubaren Ecoffee 
Cups aus Bambus. Schon ab 144 Stück  
kann man sie im eigenen Design bekommen. 
Mehr unter  info@5minutes.eu  . cg
eIQ
page 01.16 015

Moralfrage
Dr. Claudia Gerdes hat keine Lust, sich mit
Plakaten zu unterhalten

● Bekanntlich will Coca-Cola ja nichts anderes als 
uns alle glücklich machen, derzeit mit der Kampagne 
»#MakeItHappy«. Diesem hehren Ziel diente jüngst 
auch das interaktive Plakat »Coke-Moji« der Agentur 
isobar in der Stockholmer U-Bahn. Die Emojis da-
rauf ahmen die Mimik derer nach, die davorstehen – 
dank  Gesichtserkennung.  Also  wer  hineinlächelt, 
bekommt ein Lächeln, wer zwinkert, ein Augenzwin-
kern (ein Auge in Kronkorkenform, eins in Form ei-
ner liegenden Flasche). Selbst miesest gelaunte Büro-
sklaven steigen nach dieser Interaktion frohgemut 
in die Bahn, will uns das YouTube-Filmchen dazu 
weismachen (  http://is.gd/coke_moji  ). 
Im Netz fand man das witzig, aber ich bin hier 
hu morlos. Dass ein Algorithmus mit Coca-Cola-Fla-
schen-Augen mit mir anbandelt, macht mich unge-
fähr so glücklich wie eine automatische Geburtstags-
mail meines Bankberaters. Doch die Gesichtserken-
nung macht nun mal rasante Fortschritte und jede 
Technik, die es gibt, wird auch genutzt. 
Ein Kaff eeautomat der Marke Douwe Egberts gab 
schon  2013  am  Flughafen  von  Johannesburg  gäh-
nen den Reisenden einen Gratiskaff ee aus. Das neue 
interaktive Schaufenster von Ainz & Tulpe, Tokios 
größ tem Kosmetikshop, spuckt je nach Betrachter 
Schnäppchen-Coupons in Englisch oder Japanisch 
aus, um sie in den Laden zu locken. Fehlt nur noch, 
dass man namentlich auf ein paar Schwächen hin-
gewiesen wird, was technisch natürlich auch mach-
bar wäre: »Hey Claudia, du solltest dringend mal was 
gegen deine Augenfältchen tun!« 
Die wohl verrückteste (und mehrfach ausgezeich-
nete)  Kampagne  realisierte  The  Cyranos  McCann 
für ein Comedy-Theater in Barcelona: Per Gesichts-
erkennung an jedem Sitz brauchten die Besucher nur  PAGE eDossiers – Best-of-Kompilationen aus
pro Lacher 30 Cent bezahlen. Im Case-Filmchen zum  Page und WeaVe im Originallayout: PDFs
einfach und jederzeit runterladen in unserem
Projekt schlagen die Kreativen nicht ganz ernst ge-
Online-Shop shop.page-online.de/downloads
meinte  weitere  Zahlungsmethoden  vor:  »Pay  per 
cry« bei Dramen oder »Pay per WTF« (= »What the 
fuck ???« – böte sich beispielsweise bei Action-Filmen 
an). In der Werbung kommt der kleine Bruder von 
Big  Brother  witzig  und  sympathisch  daher.  Aber 
sei ne Verwandtschaft , die uns in noch nicht dage-
wesener Weise ausspionieren könnte, ist leider ver-
dammt gruselig. 
016 page 01.16 › Signale

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Fahrrad-GIFs. Egal, ob Sie eine Botschaft für die Mensch-
heit haben oder schlicht mehr Spaß beim Radfahren wol-
len: Beides geht bald mit dem über Indiegogo finanzierten 
Balight (  www.balight.com  ). Einfach ein Kreuz mit 376 LEDs 
auf den Speichen montieren, und schon lässt sich mit der 
App während der Fahrt das Rad mit neuen, selbst kreierten 
Visuals oder Clips aus dem Mobiltelefon-Archiv bestücken. 
Stoß- und wasserfest ist das Balight von Leo Lui und seinem 
chinesischen Entwicklerteam auch.   cg
Icon-Memory
● erst erscheinen nachei-
nander liebevoll animier-
te icons auf dem Screen,
dann muss man die gese-
Vegan Love henen Bildchen identifi-
Nachhaltig und vegan sind die  zieren und in die richtige
Kondome des Berliner Start­ups  Reihenfolge bringen.
Einhorn – und in 17 verschiedenen  »Memory palace« ist das
»Chips«­Tüten verpackt, dem  erste iphone- und ipad-
häufigsten Alibikauf beim Erste­   game des Hamburger
hen von Kondomen. Bedruckt   Design- und animations-
sind sie mit Bildern, die befreun­ studios We Think Things
dete Illustratoren, Fotografen   ( w
  ww.memorypalacegame.
und Designer spendeten. sd com )  . ein großer Spaß! as
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Kreativwerkstatt
für unterwegs
Zusammen mit Adobes CC-Anwendungen wird Microsofts Surface Pro 4
zum mobilen Atelier. Auf ihm stehen die wichtigsten Kreativanwen-
dungen auch unterwegs in der Vollversion zur Verfügung – und erlauben
dank innovativer Stift- und Touchbedienung völlig neue Arbeitsweisen

● Das Surface Pro 4 ist dünner, schneller und dank viel mehr als nur ein Tool für die Mobilität. Das Tablet
überarbeiteter Stift-Erkennung noch präziser. Mit ermöglicht zusammen mit dem präzisen Stift und
dem 12,3-Zoll-Gerät führt Microsoft die Erfolgsge- den Adobe-CC-Apps neue Arbeitsweisen und eine
schichte des Vorgängers fort: Eine unkomplizierte höhere Produktivität und schafft damit optimale Be-
Touchbedienung per Fingergesten, kombiniert mit dingungen, um sich neue kreative Bereiche zu er-
einem neuen Stift, der 1024 Druckstufen unterschei- schließen – wie etwa das Live-Zeichnen.
den kann und damit präzises Arbeiten auf jedem
künstlerischen Niveau ermöglicht. Unkomplizierter Austausch
Das Surface Pro 4 arbeitet mit Windows 10. Die An-
Flexibles Handling dank wendungsdaten der Adobe-CC-Apps sind voll kom-
Touch und Type Cover patibel mit den Desktopsystemen der Kunden oder
Surface-Nutzer werden von Adobe umfassend unter- des eigenen Computers, sei es Windows oder Mac OS.
stützt: Photoshop CC, Illustrator CC und Lightroom Dem nahtlosen Austausch über das Netzwerk, über
CC haben bereits eine eigene Oberfläche für die in- USB-Geräte oder via Internet steht nichts im Wege.
novative Touch- und Stiftbedienung bekommen, für Gleiches gilt im Übrigen für Office-Programme.
InDesign ist sie schon angekündigt. Der Clou: Man Das Surface Pro 4 ist ein vollwertiger Computer und
arbeitet auch unterwegs mit den Vollversionen – und bewältigt neben der Kreativ- auch die Büroarbeit.
zwar ohne jede Einschränkung in puncto Funktionen Dies nicht nur mobil: Mit seinen USB- und Display-
oder Dateiformat. Ports sowie noch einfacher mit der optionalen Do-
Dank Microsofts intelligentem Type Cover, einem cking-Station lassen sich externe Geräte problemlos
abnehmbaren Keyboard mit integriertem Display- anschließen – hochwertige Bildbearbeitungsmoni-
schutz, schalten die Adobe-CC-Apps automatisch tore (je nach Surface-Modell) sogar mit 4K-Auflösung. Auf dem Surface 4 Pro
können die wichtigsten
zwischen der bekannten Desktop-Ansicht und der Das mit den aktuellsten Intel Core Prozessoren der
Adobe-CC-Apps im Touch-
Touch-Oberfläche um, sobald man das magnetisch 6. Generation ausgestattete Surface Pro 4 ist ab sofort Modus laufen. Sie sind
haftende Keyboard ansteckt beziehungsweise ab- zu Preisen ab 999 Euro im Handel. Der Surface Stift ist dann Multitouch-bedienbar.
nimmt. Selbstverständlich kann man jederzeit auch im Lieferumfang enthalten, Tastatur und Apps sind Gezeichnet wird mit dem
manuell den Modus der Apps wechseln. separat erhältlich. Microsoft Deutschland GmbH präzisen Surface Pen
↗  www.surface.de
Spielerische Kreativität
Im Touch-Modus lässt sich die Arbeitsfläche mit
Multitouch-Gesten skalieren, drehen oder verschie-
ben. Mit Microsofts neuem Surface Pen arbeitet man
dabei wie mit einem echten Zeichenstift auf Papier –
mit dem Unterschied, dass man fast beliebig weit ein-
zoomen, bei Bedarf auf die gewohnten Tastaturkür-
zel zugreifen kann und natürlich die mächtigen Fea-
tures von Photoshop und Illustrator nutzt. Die hohe
Drucksensitivität des Stifts sorgt für ein natürliches
Zeichengefühl. Dreht man den Pen um, arbeitet das
andere Ende als Radierer.
Wer einmal auf so einfache Art und Weise seine
Artworks erstellt hat, möchte das Tablet nicht mehr
missen. Mit dem Surface Pro 4 bietet Microsoft aber
&#063
page 01.16 019

TiTel

Quo Vadis
Webdesign?
derzeit beherrscht die »Mobile First«-devise
das Webdesign – grids everywhere. Wollen
wir das? braucht die Menschheit angesichts
der Vielzahl wirklich guter responsiver design-
Templates, Website-baukästen und social-
Media-Portale überhaupt noch Webdesigner?
Ja klar! Hier lesen sie, warum
020 page 01.16 › titel › Webdesign heute

● Wo sind all die schönen flashy Websites hin, die tionellen Schritte eine erhebliche Vorarbeit zum ei-
noch vor ein paar Jahren das Netz zu einem bunten, gentlichen Designprozess darstellen, »hat professio-
abwechslungsreichen Ort machten? »Blocky« Web- nelles Webdesign eben seinen Preis«, so Christian
sites haben das Web erobert und sich quer durch alle Bartsch, Creative Partner der Hamburger Werbeagen-
Online-Genres gegraben. Egal welches Produkt, wel- tur BOOM. Für eine Website von einer Agentur, hin-
ches Unternehmen, welches Thema – irgendwie se- ter der Beratung, Konzeption, Design und Entwick-
hen alle Seiten gleich aus. »Webdesign verliert sei- lung stecken, müssten Unternehmen rund 15 000 Eu-
ne Seele«, klagt Neil Cooper in seinem Artikel »Are ro einplanen. Vor allem kleine Firmen und Start-ups
›blocky wocky‹ sites killing web design?«. Cooper ist wollten diese Investition aber nicht leisten, wenn sie
Kreativdirektor bei SapientNitro in London. Für ihn mittels Designvorlagen oder auf Facebook und Krea-
versprühen die meisten Sites nur noch die Illusion tivnetzwerken wie Behance für kleines Geld selbst
von Individualität und Persönlichkeit, das Web sei schnell eine Seite erstellen könnten.
zum Abladeplatz für leere, seelenlose Seiten gewor- Oder man lässt gleich einen Automaten wie The
den – ein Container für Text, Bilder und Videos in Grid ( https://thegrid.io ) den Job des Designers erle-
Quadraten. »Die Blöcke beeinflussen viel zu stark digen. Die Macher erheben den Anspruch, mit der
unsere Möglichkeiten, schöne, reichhaltige, nützli- Leistungsfähigkeit künstlicher Intelligenz alles zu
che, relevante und universelle Inhalte zu kreieren«, nehmen, was man ihnen hinwirft – Videos, Bilder,
kritisiert er. Stimmt das? Und wenn ja, befinden wir Text, URLs und mehr – und diese Assets automa-
uns damit schon jenseits von Qualitäts-Webdesign? tisch in eine benutzerdefinierte, einzigartig gestal-
tete Website zu verwandeln. Halleluja. »The Grid als
Ist High-Quality nur noch was für xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Inspiration und Ansporn zu verstehen, statt gleich
Gefahrensucher? den Teufel an die Wand zu malen«, ist für Chris
Fürs Blocky Webdesign spricht die klare Usability. »Wenn ein Bartsch der richtige Weg, um als Digitalagentur lang-
»Es ist effizient, sich allgemein anerkannter Website- Kunde für fristig relevant zu bleiben. Denn er kennt auch die
strukturen zu bedienen. Der User versteht das Sys- seine Website gegenläufigen Bewegungen im Markt: »Es gibt genug
tem und verarbeitet Informationen schneller«, sagt Kunden, die individuelle und vor allem nachhaltige
Elias Rendón Benger, Head of Product Management
ein Content- Lösungen haben wollen und die kann man über vor-
MyWebsite bei 1&1. Ans One-Pager-Navigationskon- Management- gefertigte Template-Engines nicht bedienen.«
zept, Image Slider, Scroller und Co haben wir uns system
Woher kommt die Kästchenpolitik?
längst gewöhnt. So wie an den Einkaufswagen-But- wie adobes
ton oben rechts. Aber gilt deshalb schon die Devise Es wäre zu kurz gesprungen, den visuellen Einheits-
»Never change a winning team«?
experience brei im Web einfach auf die mangelnde Finanzie-
Man muss schon etwas suchen, aber es gibt sie Manager will, rungsbereitschaft der Agenturkundschaft zu schie-
noch, die beeindruckenden, aufwendigen, kreativen hat man mit ben. »Responsive Sites basieren ganz oft auf Grid-
und meist kostspieligen Webdesigns. Die Mutigen einem Template Systemen. Da ist es ein typischer Reflex, das Raster
stemmen sich gegen die Vereinheitlichung, kreieren mit gleich großen Boxen zu belegen und diese dann
atemberaubende Erlebniswelten und ersinnen un-
schon verloren« je nach Bildschirmgröße fröhlich umherzuschieben.
gewöhnliche Navigationskonzepte – meist zulasten Christian Bartsch, Die negative Seite ist, dass dadurch in den letzten Jah-
der Usability (siehe http://criticalpathproject.com). Creative Partner bei ren sehr viele sehr austauschbare Layouts entstan-
Die volle kreative Kompetenz können Agenturen BOOM, Hamburg den sind«, gesteht Wolf Brüning, Principal UX Desi-
am besten unlimitiert auf der eigenen Website raus- ↗ http://boom.de gner bei Otto in Hamburg. »Grids sind ein gutes Mit-
lassen, um zu beweisen, dass Responsiveness nicht tel, die Komplexität, die mit Responsive Webdesign
blocky oder visuell beschränkt aussehen muss – das ja stets ansteigt, zu reduzieren.« Heißt der Killer also
zeigt das Beispiel des Digitalstudios Legwork aus Responsivität? Zumal das mobile Web noch immer
Denver ( www.legworkstudio.com ), dessen ausge- langsam und zeitraubend ist?
sprochen ungewöhnlich gestaltete und strukturierte Für aufwendig gestaltete Websites und reibungs-
Agenturwebsite auch auf Smartphones flüssig läuft. lose User Experience haben die mobilen Devices oft
zu wenig Power, und erschöpfte Datennetze verrin-
Maßanzüge waren schon immer teuer gern die Performance. »Das Webdesign hat sich stark
Dass Kunden für derart ausgefeilte responsive Lö- den Device-Anforderungen angepasst, aber am En-
sungen größere Budgets lockermachen müssen, de packen wir Designer alles in Kisten«, kommen-
liegt auf der Hand. Dabei geht es nicht allein um be- tiert Bartsch. »Das aus Custom-Built wieder mehr
eindruckendes Visual Design, sondern vor allem um Customer-Built, also nutzer- und zweckorientierte
eine individuell auf die Ziele und Bedürfnisse der Gestaltung wird«, würde er sich eher wünschen, als
Marke angepasste Lösung. Für eine solche Qualitäts- dass die Branche über zu viele Bauklötze staunt.
Website wird man zuerst Faktoren wie Key-Perfor-
mance-Indikatoren, Use Cases, SEO und die künfti- Sind Templates der Tod des Webdesigns?
ge Contentstrategie der Marke betrachten, um eine Der peruanische Designer Sergio Nouvel Castro,
passgenaue Modulliste sowie das richtige CMS für Mitgründer der Digitalagentur Continuum in Lima
alle Anforderungen zu finden. Und da diese konzep- ( www.continuumhq.co ), trat mit seinem Artikel
ANZEIgE

Die
PAgE ✗ Swipe
Academy

Mobile
Konzepte, Methoden,
Workflows

Über Swipe Das Seminar »Mobile«


● Das in Hamburg ansässige, international ● Das iPhone hat nicht nur das mobile Zeitalter eingeläutet, es krempelte
tätige Digitalstudio Swipe ist eines der auch das Kreativbusiness um. Doch wo stehen wir heute? Was war Hype
renommiertesten Deutschlands. Es entwickelt und was wird bleiben? Wohin geht die Reise? Was bedeutet das für Marken,
Markenerlebnisse für mobile Devices und Marketingverantwortliche und Designer? Was müssen Print- und Web-
erforscht dabei innovative Wege, die sich designer wissen, was neu lernen?
Marken durch die direkte Nähe zu ihren
Zielgruppen bieten. In unserem Seminar Profitieren auch Sie von fünf Jahren Swipe, einem der avanciertesten Digital-
erleben Sie Sven Schmiede, der zusammen studios Deutschlands, das mit Arbeiten für Harrods und »The Red Bulletin«
mit Jürgen Alker 2010 Swipe gegründet Meilensteine des dynamischen Layouts setzte. Seine Stärke? Swipe bietet alles
hat, sowie Alexander Meinhardt, der aus einer Hand: Konzepter, Designer, Programmierer und Vermarkter arbei-
als Head of Design die visuelle Ausprägung ten übergreifend an einem Tisch. Das macht sie schnell, anders und besser.
des Studios verantwortet.
Swipe-Chef Sven Schmiede und Head of Design Alexander Meinhardt gewähren
im PAGE Seminar »Mobile – Konzepte, Methoden, Workflows« offenherzig
Die Agenda Einblick in ihren Arbeitsalltag, in ihre größten Tops & Flops und die Learnings
daraus: für Harrods, »The Red Bulletin«, »brand eins«, den »Spiegel« oder
A Mobile wird erwachsen – BMW. Sie lassen Sie teilhaben an ihren Erfahrungen und zeigen die bewährten
Learnings aus 5 Jahren Swipe Workflows ihres interdisziplinären Teams auf: von der Analyse bis zur Umset-
Was hat Swipe richtig gemacht? zung. Sie verraten, wie sie die wahren Wünsche des Kunden analysieren, ihre
Und vor allem: was falsch? Wie ist oftmals (noch) unkonventionellen Ideen verkauft und abgenommen bekom-
das Studio strukturiert? Wie hat men. Sie schildern, wie sie transparent machen, was gar nicht zu sehen ist, wie
es sich für die Zukunft gewappnet? sie sich trotz – oder besser: für steigende Anforderungen schlank und flexibel
halten, und welche Tools sie tagtäglich nutzen und empfehlen.
B Der Swipe-Workflow – vom Briefing bis
zum fertigen Produkt An wen wendet sich der Workshop? An Print- und Webdesigner, Programmierer,
• Strategie: Analyse der Aufgabe Konzepter in Agentur und Unternehmen, kurzum an Auftraggeber und
• Prozesse: Wer macht was und wann? Auftragnehmer digitaler Markenerlebnisse, die Menschen immer und überall
• Kreation: Anspruch, Methodik, Leidenschaft erreichen: auf ihren mobilen Endgeräten.
• Workflow: Innovation, Informations-
architektur, Design, UX Das eintägige Seminar mit Swipe findet statt am 1. April
im Coworking
Space places im Hamburger Kontorhausviertel, nur einen Katzensprung vom
C Hands-on: Prototyping Hauptbahnhof entfernt. Es beginnt um 9 Uhr und geht bis 17:30 Uhr. Die
Wie arbeitet Swipe? Einblicke in den Proto- Teilnahmegebühr von 748 Euro (zzgl. gesetzl. MwSt.) umfasst Tagungskosten,
typing-Dschungel und die verschiedenen Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen limitiert.
Tools anhand von konkreten Beispielen Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . 

D Learnings für Print- und Webdesigner PAgE // Ebner Verlag gmbH & Co Kg // info@page-online.de //
Dinge, in denen sich Mobile von Print- Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
und Webdesign unterscheidet, und Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in
warum man keine Angst vor dem Ein- der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
oder Umstieg haben muss. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
022 page 01.16 › titel › Webdesign heute

»Why Web Design is Dead« eine weltweite Debat- site doch nur ein Container. Auf den Inhalt und das
te los. Wie er wandern derzeit viele Designer im fins- Storytelling kommt es an.« Sergio Nouvel Castro
tren Tal nicht selten selbst verschuldeter Langeweile: scheint ähnlicher Ansicht zu sein: »Es geht hier we-
Sie wissen genau, was sie visuell erreichen wollen, niger um visuelle Gestaltung. Vielmehr müssen die
aber sie können ihre Ideen nicht zum Leben erwe- Inhalte und ihre Relation zu den Nutzerbedürfnis-
cken, weil ihnen die Coding-Kompetenz fehlt. sen überzeugen.« Gerade im Bereich Information
Da sind die vielen vorgefertigten Themes und gehe die Entwicklung klar in Richtung digitaler As-
Templates von Plattformen wie 1&1 und Jimdo (sie- sistenten wie Siri und des Google-Suchdienstes, der
he Seite 28 f.) oder GoDaddy, ThemeForest, Square- schon seit einiger Zeit relevante Informationen wie
space, Weebly, Wix, WordPress und Co eigentlich ein Adresse, Telefonnummer und Öffnungszeiten be-
Segen! Sie bieten eine fertige Seitenstruktur inklusi- reits in den Suchergebnissen listet.
ve Verknüpfungen mit Shopsystemen, CMS und SEO, Ist das nicht fatal fürs Webdesign? Schließlich
und dank begleitender Webinare gelingt auch gestal- können die User sich einen Besuch auf der Website
terisch begabten Laien der Einstieg in Minuten. Die sparen! Aus Sicht von Christian Waitzinger, Vice Pre-
Vorlagen sind kostenlos oder preiswert zu erstehen, sident, Executive Creative Director Continental Eu-
so bleibt mehr Zeit und Geld für die Inhalte. Warum rope bei SapientNitro in München (siehe Interview,
also einen Webdesigner anheuern, wenn man mit ei- Seite 24), rückt diese Entwicklung eher entscheiden-
ner Vorlage ein akzeptables Design für einen Bruch- de Dinge zurecht. Demnach haben wir es derzeit mit
teil der Kosten hinbekommt? Zudem ist die techni- einer Verschiebung weg von den Websites hin zu
sche Infrastruktur ordentlich getestet und wird in den Webservices zu tun: Es gehe um autarke Infor-
puncto Sicherheit stetig upgedatet. xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx mationseinheiten, die für andere Dienste genutzt
und kombiniert werden könnten. Man sucht ein Res-
Designen ohne Code »bei einem taurant und erhält die Telefonnummer bei Google,
Liegt dann die Chance freiberuflicher Webdesigner knappen die Wegbeschreibung von Google Maps, die Bewer-
darin, derlei Instant-Websites mit wenig Aufwand budget muss tungen von Foursquare oder Yelp und die Verkehrs-
zu veredeln? Kollegen mit guten HTML- und CSS- man nicht situation von Waze.
Kenntnissen jedenfalls eröffnet sich hier ein neues Auf der einen Seite gelte es, diese Komponenten
Geschäftsfeld. Der ukrainische Freelance-Web- und
zwingend alles zusammenzudenken und daraus Nutzungsszena-
User Interface Designer Serhiy Hembarevskyy (www. neu erfinden. rien zu entwerfen – mit aller Offenheit für ein neues
hembarevskyy.com ) geht diesen Weg: Neben seiner Manchmal ist Webdesign. Auf der anderen Seite ergibt sich daraus
täglichen Arbeit gestaltet er attraktive responsive es wichtiger, eine riesen Chance fürs Webdesign, sich selbst zu
Jimdo-Templates und handelt sie auf www.matrix- befreien, weil es in seiner jetzigen Form an ein Ende
themes.com. Freelance-Kollegen wie der Hamburger wenn das gelangt ist. Phönix aus der Asche also?
Timon Schlichenmaier ( www.typowerkstatt.com ) Produkt mehr
oder kleine Agenturen erwerben sie für rund 150 Eu- im Vorder- Webdesign ist tot – es lebe
ro und passen sie Kundenbedürfnissen an. So kommt das Webdesign!
grund steht
eine kleine Firma für 2000 bis 5000 Euro zu einer in- Das Ego des Webdesigners, die Website und die Zahl
dividuellen Website – und Hembarevskyy zu einem als das der Visits, räumt Christian Waitzinger ein, würden
einträglichen passiven Einkommen. ausgefallene unter dieser Entwicklung etwas leiden, aber am En-
»Sonderwünsche lassen sich am besten berück- design« de verbessert sich die User Experience. Klare Worte
sichtigen, wenn man eine Site von Grund auf selber also: Content und Context, nicht das Visual Design,
Malcolm Bunge,
baut«, sagt Malcolm Bunge, Digital Creative in Ber- sind derzeit King and Queen! Für Webdesigner än-
Digital Creative in
lin (http://malcolmbunge.de). Durch codefreie Web- dert sich damit einiges am Grundverständnis ihres
Berlin
site Builder wie rukzuk (siehe Seite 30) oder das ↗ http://malcolm
Aufgabenfelds. Eine Tatsache aber bleibt laut Chris
WordPress-Plug-in Advanced Custom Fields (www. bunge.de Bartsch bestehen: »Wer eine hochwertige Produkt-
advancedcustomfields.com ), das im Handumdre- inszenierung mit außergewöhnlichem Storytelling
hen benutzerdefinierte Felder in allen denkbaren haben möchte oder eine Experience, die vorher noch
Formen für Beiträge, Seiten, Kategorien, Taxonomi- niemand gesehen hat, muss sich auf die Kreativleis-
en und Post Types bereitstellt, könnten Kunden und tung einer erfahrenen Agentur stützen.«
deren Designern zwar Zeit sparen – »doch arbeite Neil Cooper, der beklagt, dass die Bedeutung der
ich manchmal mit einer Agentur zusammen, deren Kreativität verloren gegangen sei und Agenturkun-
Ent wickler so unfassbar schnell und fähig ist, dass den und Konsumenten den wahren Wert von De-
fertige Templates ihn beim Programmieren eher ein- sign nicht mehr zu schätzen wüssten, setzt noch eins
schränken würden«, so Bunge. drauf: »Wir müssen wieder einen Weg zum emotio-
nalen, individuellen Markenerlebnis finden und uns
Content und Kontext, die überlegen, welchen Stellenwert Inspiration im krea-
stillen Herrscher tiven Prozess hat. Ohne eine grundlegende Idee und
Chris Bartsch sieht die um sich greifende Gridoma- Kreativität, gestützt durch eine tiefe Einsicht in die
nie gelassen. Auch das Lamento über Blocky Web- Materie und eine durchdachte Strategie krepierst du
design findet er überflüssig: »Am Ende ist die Web- an der Fülle der Möglichkeiten.« ae
page 02.14aNzeIge
059

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases

Die Referenten Das Seminar »Infografik«


● Klaas Neumann und Jakub Chrobok arbeiten ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
im Team der golden Section graphics gmbH, ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet
einer der renommiertesten Infografikagenturen und TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
weltweit. Seit über zehn Jahren bewegen sie Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren
sich im Bereich der Informationsvermittlung auf und Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
allen plattformen: Jakub Chrobok, zuvor Leiter können vielschichtige Inhalte direkt veranschaulichen. Doch je schneller
des Visual Lab bei C3, ist jetzt als Creative Direc- und komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss
tor bei golden Section graphics und Dozent der Kreative bei der Datenaufereitung vorgehen. Mit einer ästhetisch
an der aID Berlin tätig. Klaas Neumann, Senior faszinierenden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten
artdirector bei golden Section graphics, war und die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jakub Chrobok
Infografiker und Illustrator bei den gruner + Jahr und Klaas Neumann die eigentliche Herausforderung. Es wird immer
Wirtschaftsmedien (unter anderem bei »Financial anspruchsvoller, gute und verlässliche Quellen zu finden, um einen Sach-
Times Deutschland« und »Capital«). verhalt korrekt und unverfälscht wiederzugeben. Der Grafik- und Kommu-
nikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist
Die Agenda zugleich Journalist und wird gerade durch den gezielten Einsatz von Illustra-
tion zum visuellen Geschichtenerzähler.
1 Das Wesen der Infografik –
Stärken und Schwächen Jakub Chrobok und Klaas Neumann erläutern im PAGE Seminar anhand
Was kann und muss eine Infografik leisten, und von konkreten Praxisbeispielen, wie eine Infografik entsteht – von der
wie setzt man sie sinnvoll ein? Was unterschei- Recherche über die Skizze bis hin zu Reinzeichnung und Animation. Sie
det eine journalistisch geprägte grafik von einer bieten tiefe Einblicke in die Arbeit eines Infografikers und beleuchten
Visualisierung in der Unternehmenskommuni- das Spannungsfeld zwischen reiner Information und guter Gestaltung –
kation? Wie können Illustrationen die Wirkung wertvolles Know-how von Designprofis für Designprofis!
und aussage einer Infografik beeinflussen?

2 Vom Briefing über die Recherche zur Das Seminar findet am 15. April
im Hotel 25hours, Hamburg-
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 euro
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten,
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt!
die relevanten Daten und damit auf die richtige also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . 
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
Idee? Wie läuft die abstimmung mit ihm? Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Animation, Interaktion, Social Media –


die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken viral und crossmedial ein? page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow und aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten im Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
024 page 01.16 › titel › Webdesign heute

»WelCHe
gesCHiCHTe
WollT iHr
erzäHlen?«
Christian Waitzinger, Vice President und
executive Creative director Continental
europe bei sapientnitro in München,
findet die diskussion über das ende des
Webdesigns absolut albern

● Webdesign ist sicherlich nicht tot. Es ist doch er- Die Automatisierung von Vorlagen und einfach
staunlich, wie weit wir in den letzten zwanzig Jah- zu bedienende Werkzeuge haben Platz geschaffen
ren gekommen sind! Von Frames zu Portalseiten zu für das, was wirklich zählt: die Qualität des Inhalts.
Flash-Websites und jetzt zu Blocky Sites; Web 1.0, 2.0, Nur weil es super einfach ist, eine anständige Web-
3.0 und so weiter – warum sollte diese Evolution auf- site zu entwickeln, heißt es noch lange nicht, dass
hören? Vielleicht befinden wir uns gegenwärtig an man es auch muss. Wenn man gar nichts Sinnvolles
der Spitze eines aktuellen Trends im Webdesign, aber zu sagen hat, ist es vielleicht besser, den Mund zu
ich habe keinen Zweifel, dass die Entwicklung wei- halten und das Web nicht mit mittelmäßigen In-
tergehen wird. So wie immer . . . halten vollzumüllen.
Es gibt alle diese großartigen Vorlagen und Frame- Stecken Sie Zeit, Energie und Geld in originel-
works, mit denen jeder eine solide Site entwerfen len Content! Es braucht Zeit, einen guten Text zu
kann. Müssen wir das Rad wirklich immer wieder schreiben, ein fesselndes Video aufzunehmen und
neu erfinden? Ein Blog bleibt ein Blog, ein Portfolio zu bearbeiten, ein beeindruckendes Foto zu machen
ein Portfolio, und das Gleiche gilt für die News- oder oder originelle Musik zu komponieren. Und es er-
die E-Commerce-Website. Wir haben Hunderte von fordert noch mehr Aufmerksamkeit, all diese Ele-
Vorlagen, aus denen wir auswählen können, und in mente zu einer bündigen Story zusammenzustri-
den meisten Fällen funktionieren sie fast besser als cken. Was soll die Geschichte erzählen? Welche Emo-
viele benutzerdefinierte Templates. tionen möchten Sie hervorrufen? Wen wollen Sie
damit erreichen? Und warum sollte jemand sich da-
für interessieren?
Es wundert mich, dass wir noch immer den fal-
schen Weg gehen. Wir wählen Vorlagen, Layouts und
Frameworks zuerst und entscheiden dann, welche
Inhalte wir dort einfügen. Das müssen wir ändern –
also erst den Inhalt entwerfen und anschließend
entscheiden, welcher Container sich am besten eig-
Modulare Gestaltung. Mehr über die
net. Das Erstellen von Vorlagen und eine Website
arbeit mit grids und templates finden Sie nutzbar und leicht navigierbar zu gestalten, ist heu-
in unserem eDossier zum thema. te einfach. Herauszufinden, welche Geschichte man
↗  www.page-online.de/pDDp1051 erzählen will, ist deutlich schwerer. Aber genau das
muss geschehen.
Service Design. praxiswissen über die Ohne Frage, es gibt da draußen einen unglaub-
andere Seite des Webdesigns gibt’s unter lichen Einheitsbrei. Aber hin und wieder stolpert
↗  www.page-online.de/pDDp1047 man doch über eine Website, die wirklich hervor-
ragend ist, und man hält einen Moment inne. In der
Regel überzeugt dabei die Kombination aus originel-
»Creativity hoch 3 – die neue DNA der Ideen«.
lesen Sie weiter über Kreativität im Span- ler Geschichte, großartigem Inhalt, einer guten User
nungsfeld Code, Co-Creation & Community Experience, Designkompetenz und unerbittlicher
unter  ↗ www.page-online.de/pDDp1038 Liebe zum Detail. ae
page 01.16 025

Was geHT
noCH oHne
grids?
Wo im Web ist heute noch Platz
für exklusive designs? Vor allem
Websites mit hohen ansprüchen
ans Markenerlebnis legen Wert auf
individuelle gestaltung. Wir zeigen
beispiele, die belegen, dass Krea-
tivität immer noch angesagt ist

● WebGL, Virtual Reality, Sensoren, Multiscreen,


JavaScript, Animationen – aktuell gibt es mehr Ge-
staltungsoptionen im Web denn je. Doch macht dies
eine gut gestaltete Site heute aus? Die Verwendung
vieler elaborierter Technologien? Sticht die opulent
mit WebGL designte Seite die Template-basierte au-
tomatisch aus? »Nein«, sagt Daniel Rothaug, Profes-
sor für Interfacegestaltung an der Hochschule Augs-
burg. »Oft dienen diese Technologien nur der Deko-
ration und nicht der Informationsvermittlung.« Bei
einer gut gestalteten Website passe die Form zum
Inhalt. »Das schaffen die Wenigsten, weil die meis-
ten Sites nach Form- und nicht nach Inhaltskrite-
rien entworfen werden«, so Rothaug.
Auch zeichne sich gutes Design durch eine gestal-
terische These aus. »Natürlich kann man die Open
Sans als Schrift verwenden. Die sieht gefällig aus,
macht keine Probleme mit der Lizenzierung und
lässt sich bequem im Web einbinden – eine typische
Durchschnittsschrift eben«, so Rothaug. Da gutes,
individuelles Design mit passender Schrift, eigenen www.invisionapp.com/do
Animationen und maßgeschneiderten Layouts mehr ● Invisions Microsite für ihr kostenloses User-Interface-Kit
Aufwand und so auch mehr Kosten bedeute, kommt Do für Photoshop und Sketch überzeugt insbesondere auf
es oft nur für eine bestimmte Klientel infrage. »In der gestalterischer Ebene: Obwohl der One-Pager mit vielen Elemen-
Markenkommunikation aber ist dieser Unterschied ten, Animationen und Transitions beladen ist, läuft die Seite
entscheidend«, sagt Rothaug. ohne Verzögerungen. Zwar werden die Screenshots der bewor-
»Bei vielen Individualdesigns fällt auf, dass sie benen App auf einem Raster präsentiert, doch legte man hier
nicht in Gänze responsiv gestaltet sind«, bemerkt viel Wert auf eigene Animationen und Transitions, die allesamt
Jonas Lempa, Kreativdirektor der Berliner Digital- mit sehr viel Liebe zum Detail in CSS gestaltet sind: Animationen
agentur dieTaikonauten und Jurymitglied der Web- etwa laufen erst an, wenn der User sie in den sichtbaren Bereich
design-Pattform Awwwards. Gerade wenn man nicht seines Bildschirms scrollt. Klickt man auf einen der im Raster
dem Mobile-First-Ansatz folgt, lässt sich das Design angeordneten Screenshots, vergrößert sich dieser und alle umlie-
mit allen Funktionalitäten nur schwer eins zu eins genden ordnen sich neu an. Obwohl stark im Material Design
auf kleinere Screens übertragen. Ganz zu schweigen verortet, gönnt sich die Seite gestalterische Eigenentwicklungen
vom erhöhten Aufwand im Testing, der nötig wird, zugunsten der User Experience: Ein interaktiver Screenshot ist
will man nicht auf die gemeinhin verpönte Lösung mit Schlagschatten versehen, um dem User anzuzeigen, dass es
mit einem Mobile-Template zurückgreifen. Wir ha- sich um einen klickbaren Inhalt handelt. Und schließlich setzt man
ben uns mehrere aktuelle Individuallösungen ange- auch bei der Auswahl des verwendeten Fonts mit der Brandon
schaut, um zu sehen, was sie ausmacht. as Grotesque nicht auf eine 08/15-Lösung.
026 page 01.16 › titel › Webdesign heute

acme experience signes du Quotidien


 http://acme-experience.com/ www.signesduquotidien.org  
logistics-and-distribution   Eine besondere Agentur braucht eine besondere Website, mag man
Wie viele größere Marken setzt auch das indische Logistik- sich bei Signes du Quotidien in Lüttich gedacht haben. Die Menü-
unternehmen auf visuelle Erlebniswelten, wenn es darum führung ihrer Portfolioseite ist recht ungewöhnlich: Zum Anwählen
geht, ebenso komplexe wie sachliche Themen ansprechend eines Menüpunkts muss man einen der Bälle, die das Quadrat in
gestaltet zu vermitteln. Zwar werden auch hier Kacheln der Mitte flankieren, in dessen Mitte schieben – knapp zehn Sekun-
als Gestaltungsinstrument eingesetzt, allerdings auf Basis den braucht der User beim ersten Mal dafür. Ein Mechanismus,
eines eigenen Algorithmus mit individuellen Animationen. der vermutlich vor allem Neugierige mit viel Geduld anspricht.
Ein ambitioniertes visuelles Feuerwerk, das die Gestaltungs- Auf den Portfolioseiten dahinter umringen scrollbare Elemente
mittel sehr großzügig und dekorativ einsetzt, sich jedoch als klickbare Aufmacherbilder das Quadrat links und rechts und
auch schnell abnutzt. Viel Bild für überschaubare Aussagen – führen zu den einzelnen Projekten. Die mit der Umsetzung betraute
und den Preis, den man oft für hochgradig individualisier- Agentur Studio Meta ( w   ww.studiometa.fr )  aus Straßburg
tes Webdesign zahlt: Auf Tablets und Smartphones heißt setzte auf die Animationsbibliothek GSAP, auf SVGs und auf das
es bisher lediglich: »Mobile version coming soon.« CSS-Script bLazy.js zum intelligenten Laden der Bilder.

Protest
www.protest.eu/de 
Die Mischung aus Brand Experience und E-Commerce-
Plattform verspricht einen interessanten Ansatz:
Die hier mit großen Fotos, teilweise auch bildschirm-
füllend in HTML5 frei gestalteten Einstiegsseiten
vermitteln das Markenerlebnis. Die Kampagnenmo-
tive haben nicht nur illustrativen Stylebook-Charak-
ter, denn über eine Produktseite, die per Klick am
rechten Rand ins Bild fährt, kann man auf die gezeigten
Produkte auch zugreifen. Hier hat man sich also
die Frage gestellt, wie man das Web-Erlebnis besser
gestalten kann. Ganz ohne Raster klappt’s aller-
dings auch nicht: Sobald es ins Sortiment geht, kommt
die E-Commerce-Lösung Intershop zum Einsatz,
immerhin mit fluidem Grid mit definierten Break-
points von Smartphone bis Desktop.
page 01.16 027

Visionare
www.bevisionare.com  
Dieser responsive One-Pager für die App Visionare,
ein Planungstool für private Projekte, nutzt den vollen
Bildschirm für großformatige Illustrationen, um dem
Protonet
User den komplexen Ansatz der App nahe zu bringen.
https://howchinaareyou.org   In CSS gestaltete Animationen verdeutlichen die
Eine gelungene Mischung aus elaboriertem Storytelling und Funktionsweise der App und führen zu den Inhalten
individueller Gestaltung entwickelte die Hamburger Kommu- der einzelnen Screens. Die Gestaltung der Microsite
nikationsagentur Kolle Rebbe für Protonet, den Hamburger unterscheidet sich allerdings vom Erscheinungsbild
Anbieter einer Soft- und Hardwarelösung für private Server. der App, was Konsistenz vermissen lässt. Usability-
Das interaktive Webgame mit zahlreichen Videosequenzen Pluspunkt: Zwar rastet der Viewport beim Scrollen ein,
und Animationen soll dem User spielerisch vor Augen führen, jedoch mit einem Timer, der die Scrollfunktion circa
wie häufig er seine Daten leichtfertig auf fremden Servern 0,5 Sekunden blockt, sodass man keinen Abschnitt
ablegt. Jede Szene wurde von der Filmproduktionsagentur versehentlich überspringt. as
Sehsucht mittels 3D-Modelling in After Effects und Cinema 4D
erstellt und mit Animationen der Hamburger Designagentur
Npire versehen. Die technische Herausforderung lag vor allem
darin, das Spiel von Smartphone bis Full-HD-Computer umfas-
send devicefähig zu machen. Das Design wurde für diverse
Browser und Screens angepasst: An den verschiedensten Stel-
len auf dem Szenenbild ploppen per Drag-and-drop oder
Klick zu bedienende Storytexte und Buttons auf. Dafür wurden
die einzelnen Elemente jeweils variabel platziert, damit sie
auf jedem Bildschirm funktionieren. Auch der Performance
wurde viel Zeit gewidmet, damit dem Spieler keine Ladezeiten
oder Filmwechsel auffallen.
028 page 01.16 › titel › Webdesign heute

so geHT’s WYsiWYg
Clevere Vorschlagsysteme und algorithmen, eine stimmige user guidance und
intuitive bedienung gehören zu den standards der jüngsten Website-builder-generation.
die Templates lassen sich universell anpassen – natürlich mit responsivem output

teMplate 1&1
Hier zählt nicht nur das Design, 
sondern auch SEO und IT-Support 
● Dass sich Webdesign mit vorgefertigten Vorlagen
zu einem großen Trend entwickeln würde, hat 1&1
früh erkannt. Im Rahmen seines MyWebsite-Pakets
bietet der Webhoster aus Montabaur heute über
500 Vorlagen für über 200 Branchen an. »Jedes Un-
ternehmen will eine professionelle Website, die An-
gebot, Belegschaft und Kultur repräsentiert«, sagt
Elias Rendón Benger, Head of Product Management
MyWebsite 1&1 Internet AG. Doch gerade den klei-
nen fehle es meist an Zeit oder finanziellen Ressour-
cen, um den eigenen Webauftritt zu realisieren. »Wis-
sen in den Bereichen Design, Struktur, Aufbau oder
gar SEO einer Website haben sie nicht im Haus. Ge-
nau hier helfen unsere Templates«, betont er und
ergänzt: »Ein guter Website Builder gleicht die feh-
lende Expertise auf Nutzerseite clever aus und leis-
tet Hilfestellung, um aus Templates individuelle, pro-
fessionelle Ergebnisse entstehen zu lassen.«
»Künftig werden clevere Vorschlagsysteme und
Der Anwender beginnt bei 1&1
MyWebsite zum Beispiel mit der
smarte Nutzerführung die Erstellung von Websites
Designvorlage für Werbeagen- radikal vereinfachen und damit das fehlende Know-
turen, die die Struktur der Website how kompensieren. Zugleich verdrängen sie das An-
vorgibt. Das Template lässt sich gebot professioneller Designer«, prognostiziert Bas-
mit wenigen Klicks den visuellen Codes tian Plieninger, Chief Product Owner 1&1 MyWeb-
oder Themen der Branche anpassen. site. Optimierungsmaßnahmen wie beispielsweise
eine sinnvolle Anleitung ist dabei das
semantische Daten korrekt technisch auszuzeich-
A und O: lädt der User zum Beispiel
nen oder Design und Farbwerte richtig zu bewer-
ein Bild hoch, schlägt die Vorlage pas-
sende Farbschemata vor
ten, seien sehr komplexe Sachverhalte. Diese Arbeit
würden in Zukunft Algorithmen übernehmen.
Ein vorgefertigtes Template ist für Bastian Plie-
Für diese Website-layouts muss
ninger das Fundament, auf dem jeder Nutzer seine man nicht notwendigerweise Designer
Kreativität ausleben kann: »Gerade bei unserer Ziel- oder Farbspezialist sein. Abhängig
gruppe gibt es ein sehr starkes Bedürfnis nach Indi- von der Branche bietet 1&1 ihren Kunden
vidualität. Um diese adäquat umzusetzen, benötigen auch die passenden Webmodule für
Anwender einfache und funktionale Instrumente, Team- und Produktvorstellungen oder
die Website Builder oder Content-Management-Sys- beispielsweise für die Online-Tisch-
reservierung. Außerdem unterstützt
teme und Templates bisher jedoch selten anbieten«,
der Anbieter seine Kunden bei
so Plieninger. Für einen Designer ist es kein Prob-
der Suchmaschinenoptimierung
lem, mit einem Website Builder zu arbeiten, der das
Komplexitätslevel von Photoshop übertrifft – für ei-
nen Metzger, dem schlichtweg die Expertise fehlt,
sehr wohl. Wie das mit 1&1 MyWebsite gelingt, zei-
gen die originellen Kreationen, die 1&1-Anwender
aus den branchenspezifischen Basis-Templates ent-
wickelt haben. ae
page 01.16 029

teMplate Jimdo teMplate


Viele Webgestalter schaffen sich ein 
passives Design-Einkommen
● Rund 15 Millionen Kunden weltweit haben ihre
Homepage schon mit Jimdo entwickelt. »Gerade für
kleine und mittlere Unternehmen sowie für Freibe-
rufler sind Baukastensysteme eine kostengünstige
und attraktive Alternative zum Customized Webde-
sign«, erklärt Ingo Ellerbusch, Webdesigner und kre-
ativer Kopf der Template-Design-Abteilung bei Jim-
do. Die Designvorlagen sind kostenfrei. Werden sie
von externen Designern angeboten, ist man mit ein-
malig rund 150 Euro dabei. Für das Hosting zahlen
Jimdo-Kunden zusätzlich maximal 180 Euro im Jahr.
Alles in allem überschaubare Kosten.
Der Baukasten mit eigenentwickeltem Content-
Management- und Shopsystem ist einfach zu bedie-
nen. Die Vorlagen lassen sich ohne Programmier-
oder Designkenntnisse anpassen. Um gestalterische
Schnitzer zu vermeiden, veranstaltet Jimdo Webinare
zu Typografie, Farbwahl, Usability, Google Analytics
et cetera (http://is.gd/jimdowebinare ).
»Der Vorteil solcher geschlossenen Systeme ist
deren große Sicherheit«, bemerkt Timon Schlichen-
maier aus Hamburg (www.typowerkstatt.com). Der
Webdesigner arbeitet inzwischen fast ausschließlich
mit Jimdo-Templates. »Viele meiner Kunden wech-
seln von WordPress zu Jimdo, weil sie hier die Gefahr,
dass die Seite gehackt wird, geringer einschätzen.«
Neben dem Hosting kümmert sich Jimdo um Sup-
port, um grundlegende SEO-Leistungen und ums
Soft ware-Updating.
In den Jimdo-Templates spiegeln sich selbstver-
ständlich auch Trends wie Flat- oder Material De-
sign wider. »Je mehr Devices es gibt – mit diversen
Bildschirmgrößen, Auflösungen und Browserbe-
schränkungen –, desto mehr haben wir Designer
realisiert, dass sich unsere altbewährte Art, Designs
zu kreieren, nicht adaptieren lässt. Texturen, Schlag-
schatten, fixe Bilder im Hintergrund verschiedens-
ter Content-Komponenten lassen sich auf immer
kleineren Viewports nicht sinnvoll ausgeben«, fasst
Webdesigner Timon Schlichenmaier
Ingo Ellerbusch die Konzeption neuer Templates bei
aus Hamburg nutzt gern Jimdo-Vor-
Jimdo zusammen. »Flat Design hat die User Expe- lagen des in Mailand lebenden Serhiy
rience deutlich verbessert und wesentlich effizienter Hembarevskyy (  www.hembarevskyy.
gemacht.« Die damit verbundene Nachfrage der Kun- com )  , zu beziehen über dessen
den nach Blocky Websites würde das Angebot bei Template-Kollektion Matrix Themes
den Templates bestimmen. ae ( w
  ww.matrix-themes.com ) 

Websites mit dem Jimdo-Tem-


plate Barcelona. Jimdo-Vorlagen
lassen sich ohne Programmier-
oder Designkenntnisse anpassen.
Das Template eignet sich für
Onlineshops mit vielen Produkten
ebenso wie für eine kleine
Website mit nur drei Seiten
030 page 01.16 › titel › Webdesign heute

insTanT-Tools Für
agenTuren
Webydo lassen sich manuell einrichten. Das
www.webydo.com Ergebnis testet man per QR-Code auf
Mit dieser Web-App lassen sich indivi- Smartphones oder Tablets. Das inte-
duelle responsive Websites erstellen, grierte CMS lässt sich auf dem rukzuk-
verwalten und hosten. Agenturkunden Server oder eigenem Webspace hosten.
können sie über ein integriertes CMS Kosten: von der einzelnen Website
selbst pflegen. Die Gestaltung beginnt (»One«) für 12 Euro im Monat bis hin
mit einer freien Arbeitsfläche, mit vor- zum Agenturpaket (»Agency«) für rund
konfigurierten Wireframes oder mit 260 Euro im Monat für 50 und mehr
voll konfigurierbaren Vorlagen. Der Websites. Bis Ende dieses Jahres ist ei-
Editor ähnelt Adobe-Produkten: Man ne Open-Source-Lösung geplant. Der Referent
zieht Bild, Text, Videos, Galerien, For-
mulare und Flash-Inhalte einfach auf ● Hagen Seidel ist Head of Delivery bei der inter-
die Arbeitsfläche. Es gibt Templates
agentur-Toolbox national vielfach ausgezeichneten Kreativagentur
der Kategorien »Graphic«, »Corpo- www.mittwald.de für digitales Marketing Razorfish Deutschland mit
rate«, »Portfolio« und »Wide Block«. Mit den umfassenden Hosting-Tools Dependancen in Frankfurt am Main, Berlin und
Einfach Ziel-Device auswählen und des nordrhein-westfälischen Webhos- München. er ist zertifizierter Scrum Master und
Breakpoints definieren. ters Mittwald können Agenturen und verantwortet als Projektmanager nicht nur die
Neben variierbaren Animationen Freelancer Mittwald-Templates und ei- Budgets sowie die Qualität und Profitabilität von
wie Rotate, Fade in/out oder Scale er- gene Vorlagen nutzen. Grundeinstel- Projekten, sondern stellt auch die einhaltung
laubt Webydo auch Parallaxen-Effekte. lungen für alle gängigen CMS und der Agenturworkflows und Projektmanagement-
Die Projekte verwaltet man über ein Shopsysteme in puncto Sicherheit Prozesse sicher. Darüber hinaus ist er für die
Dashboard. Ein Abrechnungssystem und Performance oder Extensions, Weiterbildung und Zertifizierung des agentur-
für Agenturen und E-Commerce-Wid- die Agenturen sonst für jeden Kunden eigenen Projektmanagement-Teams zuständig.
gets wie Warenkorb, Produktkatego- und jedes Projekt neu aufsetzen, las-
rien, PayPal-Zahlung et cetera sind in- sen sich mit der Agentur-Toolbox ein- Hagen Seidel schöpft aus 15 Jahren Berufserfah-
tegriert. Die von Webydo generierten fach konfigurieren und speichern, um rung als Angestellter und Freelancer in Start-up
HTML-Seiten kann man – außer in der sie für Folgeprojekte anderer Agentur- und Netzwerkagentur. er begann seine laufbahn
Einsteigervariante – bearbeiten und kunden als Basis zu nutzen. »Wie das als Frontend-Programmierer, bevor er ins tech-
um eigenen Code ergänzen. Visual Design nachher ausfällt, ist da- nische Projektmanagement wechselte und 2008
Kosten: rund 25 Dollar im Monat für von unabhängig«, so Florian Dück, bei Razorfish Scrum einführte. er managte Pro-
die Pro-Variante bis etwa 125 Dollar mo- Teamleiter Vertrieb bei Mittwald. jekte wie den Multitouch-Table für den Audi City
natlich im Agency-Tarif. Individuelle Im laufenden Betrieb lassen sich Showroom london und realisierte mit Kunden
Preise für die Enterprise-Lizenz. mit der Agentur-Toolbox erstellte Web- wie DHl, Allianz, Nintendo und Wilkhahn internet-
sites mit wenigen Klicks automatisch auftritte, Apps und Cross-Channel-Kampagnen.
aktualisieren – für Agenturen ein sehr
rukzuk großer Vorteil, denn das nervtötende
https://rukzuk.com/de manuelle Updating für Kunden zum
Auch hier startet der Designprozess Beispiel mit TYPO3-CMS, für das ger-
mit einer leeren Seite, Wireframes oder ne alle zwei Wochen ein neuer Patch
„Das Seminar war
einem Design-Template. Die einzelnen respektive Bugfix releast wird, kann
wirklich großartig!
Elemente platziert man per Klick und viel Manpower binden. Auf Wunsch
Hat mir außerordentlich
verändert dann ihren Stil. Ein Struktur- laufen die automatisierten Updates
gut gefallen. Hagen war ein
baum zeigt den Aufbau der Site. Ruk- bei sämtlichen Agenturkunden durch,
klasse Referent, er lebt den
zuk enthält rund 35 Module für Bild, deren Websites mit der Mittwald-De-
Inhalt regelrecht.“
Text, Slider, SVGs, iFrames, Navigatio- signvorlage erstellt wurden. 2014 wur-
nen, Lightboxes et cetera. Fortgeschrit- den über den Mittwald-Vorlagen/-Soft-
tene können über eine PHP- und Java- waremanager mehr als 180 000 Instal-
Script-API eigene Module ergänzen, lationen durchgeführt.
Datenbanken anbinden sowie HTML- Kosten: Ungefähr 15 Euro monat-
und CSS-Code einbinden. Die Layouts lich für die Agentur-Toolbox bei belie- Dr. Daniel Schulten, Vorstand
passen sich dynamisch an drei Screen- big vielen Kunden und 50 eigenen netzkern AG, Agentur für
größen an, drei weitere Breakpoints Vorlagen. ae/as interaktive Kommunikation
page 01.16
aNZeige
031

1 pRaXiS
Weitere PAGe Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda: Tag 1

Agil ans Ziel 1 Herausforderung digitales


Projektmanagement
in digitalen projekten hat man mit unter-
schiedlichsten Kunden, Zielen, Nutzern
Modernes und technologien zu tun. Wie kann man

projektmanagement – projekte klassifizieren? Und was bedeutet


es, heute projektmanager zu sein?
Cases, techniken,
Methoden 2 Allgemeingültige Projektphasen
trotz Diversifikation
Was unterscheidet klassisches und agiles
projektmanagement? Welche phasen und
Schritte haben Strategie-, Kreations- oder
technische Umsetzungsprojekte gemein?
Das zweitägige Seminar »Agil ans Ziel«
3 Agiles Projektmanagement
● Unternehmen aller Branchen müssen heute digitale Produkte und Services Welche agilen Methoden gibt es und
bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Projekte mit neuen Techno- für welches neue Wertesystem
logien und neuen Konzepten sind oft komplex und schwer einzuschätzen. stehen sie? Stichwort »agiles Manifest«
Zudem liegen nur selten Erfahrungswerte vor. Auftraggeber und Projekt-
beteiligte – inhouse wie extern – sammeln darum während des Entwicklungs- 4 Planen und Schätzen
prozesses fortwährend neue Erkenntnisse. Entsprechend häufig ändern Wie werden anforderungen erfasst
sich die Anforderungen. Und das bei immer unumstößlicheren Deadlines. und geschätzt? Und wie nutze ich das
product Backlog als zentrales tool?
Höchste Zeit also, auch im Projektmanagement neue Wege zu beschreiten und
das Vorhaben agil, sprich: schrittweise in einem sich selbst organisierenden,
interdisziplinären Team in Zyklen anzugehen! Das traditionelle Wasserfall- Die Agenda: Tag 2
modell setzt vorhersehbare Projektverläufen voraus, die agile Methode passt sich
an und legt den Fokus auf umgesetzte Funktionalitäten. Mit agilem Projekt- 1 Rollen und Verantwortlichkeiten
management kann man auf kurzfristige Änderungswünsche des Kunden rasch agiler Coach, team und product Owner –
reagieren und sogar in späten Projektphasen flexibel auf Change Requests ein- jeder leistet seinen Beitrag zum erfolg.
gehen. Doch wie genau lässt sich der eigentlich in der Softwareentwicklung behei- Welche Rechte und pflichten gibt es und wie
matete Ansatz für kreative Konzepte nutzen? Wie etabliert man ihn im Team? ändern sich diese im projektverlauf?

Profitieren auch Sie vom immensen Erfahrungsschatz Hagen Seidels! In unserem 2 Meeting-Kultur in agilen Projekten
zweitägigen Seminar zeigt er anhand konkreter Cases, welche Projekte sich planungs-Meeting, Daily Standup, Review-
mit agilen Methoden umsetzen lassen – und welche nicht. Er erläutert, welche Meeting: wie oft, wie lange, wer ist dabei?
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Projektleiter, Projektmitarbeiter tipps und tricks für die Durchführung
und Auftraggeber auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, und er zeigt,
wie man heterogene Teams aus Strategen, Konzeptern, Creative Developern, 3 Reporting und Risikomanagement
Designern, Informationsarchitekten, Artdirektoren, Textern und Testern Welche tools und Helfer gibt es im agilen
zu Winning Teams macht. Er gibt Anregungen und vermittelt Lösungsansätze projektmanagement? Und welche aspekte
sowie Handlungsempfehlungen für alle, die das agile Prinzip durchdringen des klassischen projektmanagements
und in ihrer Agentur oder Firma vorantreiben wollen – kurzum: für alle, die sollte man in der Hinterhand haben?
interdisziplinäre Projekte erfolgreich durchführen wollen.
4 Team Building
Das page Seminar findet am 21./22. April
in den Design Offices Was bedeutet »inspect and adopt«
Hamburg Domplatz von jeweils 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die teilnahme als philosophie? Wie implementiert man
kostet 1480 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die tagungs- sie, damit man als team besser
kosten sowie lunch und Kaffeepausen. Die teilnehmerzahl ist auf 18 personen zusammenarbeitet? plus: guidelines für
begrenzt! also schnell anmelden unter www.page-online.de/seminar  . Retrospektiven in agilen projekten

page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //


telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der Der PAGE Workshop mit Hagen Seidel lässt
Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an. genug Zeit für Fragen und Diskussionen und den
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der leserservice-Seite (siehe inhaltsverzeichnis). Austausch der Teilnehmer untereinander.
032 page 01.16 › titel › Webdesign heute

»iCH nenne es
designPro-
graMMierung«
lars richter, Prototyper, Hybrid-
designer und Coach aus Köln, firmierte
über elf Jahre als Webdesigner.
nun hat er seine berufsbezeichnung
und spezialisierung geändert.
und macht weiter wie bisher
↗  www.larsrichter.com

Sie nennen sich seit Kurzem Prototyper und kastenartigen Elemente des Bootstrap-Frameworks
Hybriddesigner. Was steckt dahinter? mithilfe von CSS leicht anpassen oder erweitern.
Lars Richter: Ich trage den grundlegenden Verände- Ich gestalte heute zu 90 Prozent per CSS: Farben,
rungen der letzten drei bis vier Jahre im Aufgaben- Typografie, Schatten, Stile, Abstände et cetera –
feld des Webdesigners Rechnung. Meine Arbeitsme- mittler weile sind sogar 3D-Animationen möglich.
thoden haben sich in dieser Zeit stark verändert. Als Ich nenne es Designprogrammierung. Bootstrap
Webdesigner konzipiere und gestalte ich seit 2003 für hat aber noch einen weiteren Vorteil, denn es setzt
eigene Kunden und im Auftrag von Agenturen indi- einen wichtigen Standard. Selbst State-of-the-Art-
viduelles Screendesign für verschiedenste Webpro- Designs oder sehr individuelle Responsive Webde-
jekte. Prototyping praktiziere ich seit vier Jahren. Und signs sind damit möglich, erfordern aber mehr Auf-
da ich als Responsive Designer und Coder meine Ide- wand in der Anpassung, Erweiterung und Optimie-
en und Layouts auch selbst umsetze, war die Umbe- rung des Prototyps.
nennung ein logischer Schritt. Genügen die Standard-Skills eines Web-
Responsive Design ist inzwischen Standard designers, um so zu arbeiten?
und wichtiger Treiber der Veränderungen. Die Standards von HTML, CSS und Bootstrap – viel
Dadurch haben sich nicht nur die Prozesse, sondern mehr ist nicht nötig. Im Netz gibt es heute eine Viel-
auch die Methoden stark verändert. Je komplexer ein zahl von HTML-Templates basierend auf Bootstrap,
Projekt, desto aufwendiger und unflexibler die Arbeit die sich hervorragend als Basis für die Erstellung ei-
in Photoshop. Ich bin dazu übergegangen, von Be- nes Prototyps eignen. Es ist nicht das Ziel dieser Ar-
ginn an mit responsiven HTML-Frameworks und beitsweise, in drei Tagen ein perfekt programmiertes
-Templates zu arbeiten und diese Schritt für Schritt Frontend-Design zu erstellen. Die Vorgehensweise
anzupassen und mehrfach zu optimieren. hat für den Designer vielmehr den Vorteil, dass er
Wie genau gehen Sie vor? sein Responsive Design gleichzeitig auf verschiede-
Ich erstelle auf Basis eines Briefings ein Grobkon- nen realen oder simulierten Geräten kontrollieren,
zept, das ich mit einem HTML-Template und dem re- testen und anpassen kann, ohne es an einen Deve-
sponsiven HTML-, CSS- und JavaScript-Framework loper abzugeben. Er behält so zu jeder Zeit die Kon-
Bootstrap direkt als Funktionsprototyp erstelle. Da- trolle über das Design. Daher biete ich seit 2015 auch
nach erst beginne ich mit dem visuellen Design per Coachings an, um beispielsweise Agenturen oder
CSS. Es ist ein iterativer Prozess mit mehreren Schlei- Unternehmen mit eigener Digitalabteilung diese Ar-
fen, im Prinzip also Responsive Design Prototyping. beitsweise nahezubringen.
Der Vorteil: Ich produziere in sehr kurzer Zeit Ergeb- Wie sind die Reaktionen in den Agenturen?
nisse, die so flexibel sind, dass sie sich jederzeit tes- »Haben wir so noch nicht gemacht – aber man ist
ten, verändern, erweitern und optimieren lassen. Im damit viel schneller« oder: »Unsere Kunden schätz-
Webdesign wandelt sich alles so schnell, da ergibt ten vor allem die Funktionalität und Bedienbarkeit
es keinen Sinn, ein perfektes, »finales« Webdesign eines Entwurfs als Prototyp«. Mediengestaltern oder
zu entwickeln und davon auszugehen, dass es drei, Designern, die die Standards von HTML und CSS
fünf oder mehr Jahre nicht verändert werden muss. anwenden, bringe ich diese Arbeitsweise in ein bis
Schränkt das die Gestaltung nicht zu sehr ein? zwei Tagen bei. So helfe ich meinen Klienten, lang-
Wenn man man ausschließlich auf individuelle Tem- fristig produktiver, flexibler und kosteneffizienter
plates setzt, vielleicht. Allerdings lassen sich die bau- zu arbeiten. as
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Ideen werden fassbar!
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ladungskarten oder auch vollflächiger Druck für in-
dividuelle Verpackungen sowie eine neue Lebendig-
keit der Farben auf dunklen oder transparenten Me-
dien zaubern lassen.
Der besondere Clou: Dokumente, die mit Klar-
toner veredelt sind, kann man auf diese Art und
Weise zusätzlich auch vor Fälschung schützen, zum
034 page 01.16 › Themen › hippes Deutschland

THEMEN
page 01.16 035

Cool Wer hätte gedacht, dass es so weit kommen würde?

Germania
Deutschtümelei ist weltweit angesagt

● Zwei Mal hintereinander stand Deutschland jüngst Letztlich sind diese selbst ja nur Ausdruck der Sehn­
im Nation Brands Index auf Platz eins der internatio­ sucht nach bodenständiger Gemütlichkeit und regio­
nal beliebtesten Nationen. Wird unser Siegerpodest nalem Bezug, die als Reaktion auf die digitale Glo­
nach dem VW­Skandal bröckeln? Denn in der jährli­ balisierung derzeit grassiert.
chen Umfrage von Anholt­GfK Roper geht es neben Genau da springt Deutschland in die Bresche, an­
der Lebensqualität unter anderem auch um die Quali­ geblich haben wir ja das in keine andere Sprache
tät von Produkten der betreffenden Länder. Könnte übersetzbare Wort »Gemütlichkeit« erfunden. Und
eine Krise des »Made in Germany«­Siegels sogar am junge Männer mit Bärten und Tattoos machen sich
Image vieler pseudodeutscher Marken da draußen in Gern kehrt das Londoner
auf hölzernen Bierbänken ganz prächtig, ob in den
der Welt nagen? Wo manche Unternehmen jahrelang Szenevölkchen bei zahllosen neuen Biergärten in Brooklyn oder in der
mit Fake­Naming an solchen Erfolgstorys gearbei­ Herman ze German ein. Londoner Old Compton Street.
tet haben! Man denke an Elektrogeräteanbieter wie Joby Barnard entwickelte In Letzterer befindet sich eine der mittlerweile
Kaiser aus Russland oder die Worten­Kette aus Por­ »ze« Design drei Filialen von Herman ze German. In dem sich so
tugal, die zudem mit den offenkundig deutsch klin­ hübsch reimenden Namen der von zwei Deutschen
genden Submarken Kunft oder Becken aufwarten. . . eröffneten Kneipe schwingt natürlich der typisch bri­
All dies ist aber eigentlich gar nicht Thema unse­ tische Humor mit, mit dem die Inselbewohner uns
res Artikels. Selbst wenn nämlich unser Image als betrachten (wobei nicht ausschließlich in England
solideste Techniker der Welt dank VW womöglich ein ironischer Unterton die neue Deutschtümelei be­
futsch ist, beeinträchtigt das kaum die neue Hipness, gleitet – allerdings deutlich angenehmer als der Bier­
derer wir uns erfreuen und die sich zum Glück aus ernst älterer Tage).
ganz anderen Quellen speist.
Ze Würst und Bierleichen
Deutsche Szenelokale überall Designer Joby Barnard aus Brighton gestaltete das
Seit Ewigkeiten findet man ja deutsche Bierstuben Herman­Logo als Bockwurst mit Schnauzer und
überall in der Welt, aber die waren nicht gerade ein sorgte für eine passende sprachliche Tonalität: Mot­
Hort der Progressivität, ganz im Gegenteil. Das hat to des Lokals ist »Our Wurst is ze Best«. Womit zwei
sich in den letzten Jahren gründlich geändert. Natür­ typische Ingredienzien der neuen German­Style­
lich gab dazu der Hype um die Craft­Biere einen kräf­ Gastronomie angesprochen wären: das Nichtdeut­
tigen Anstoß, doch das Phänomen ist komplexer. sche schon immer faszinierende Wort »Wurst«
036 page 01.16 › Themen › hippes Deutschland

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Angeblich haben
wir ja das in
keine andere
Sprache über-
setzbare Wort
»Gemütlichkeit«
erfunden.
1
und das »ze«, das unsere Ausspracheprobleme mit 1 Keine Dirndl
dem »th« verewigt. Ganz ohne Bierstubenkitsch
Als exotisches Kuriosum gilt ebenfalls das ü – ließ Fabio Ongarato
weil’s so schön ist, setzt man es gerne auch mal wahl­ Design für das Hophaus in
los ein. So gibt es im US­amerikanischen Fargo eine Melbourne von Emily
Forgot Illustrationen im Stil
Würst Bier Hall. Der ganze Raum ist in Gelb­Rot ge­
von Fritz Kahn anfertigen
halten, auf witzigen großen Bildern an den Wänden
geben sich Einstein, Hirschgeweih und Gartenzwerg 2 Neu in Brooklyn
ein Stelldichein. Eher skurril mutet für unsereins Die Maklerfirma Nooklyn
auch das Lokal Bierleichen an, das jüngst zwei be­ berichtet in ihrem
kannte Szenekneipenwirte aus Brooklyn eröffneten. Online-Magazin über
Auf einem wandfüllenden Gemälde ziert dort der die angesagte Bar
riesige Schriftzug »Bierleichen« einen Totenkopf vor Bierleichen – siehe  https://
den deutschen Farben. Hört sich schlimm an, sieht nooklyn.exposure.co  

aber tatsächlich recht cool aus. Die Küche bietet


Würste, Obatzten und Pretzels, Bier gibt’s auch in 3 Haus in Kanada
Dreiecke, Kreise und
stiefelförmigen Gläsern.
Rechtecke bis ins Detail
eines Goodies: das
German Style in Australien
vom Bauhaus inspirierte
Eine von Melbournes aufwendigsten Neueröffnun­ Corporate Design von
gen war 2014 das Hophaus, also Hopfenhaus. Fürs byHAUS aus Montréal
Erscheinungsbild sorgte Fabio Ongarato Design, das
vielleicht bekannteste australische Designstudio. Die 4 German Cuisine
Idee war hier, das klassische bayrische Wirtshaus als Lecker deutsch kochen!
The Heads of State aus
»kosmopolitische, zeitgenössische Bierhalle neu zu
Philadelphia gestaltete ein
erfinden«, vollkommen ohne kitschige Deko und
Kochbuch für den kalifor-
Dirndl­Kellnerinnen.
Dazu beauftragte Fabio Ongarato Design die bri­
nischen Chronicle-Verlag –
mit vielen Icons 3
tische Illustratorin Emily Forgot mit umfangreichen
Darstellungen der Bierproduktion. Die schwarzwei­ 5 Neu ist modern
ßen Einblicke in die Maschinenräume eines gigan­ Deutsche Sprak, coole
tisches Brauhauses erinnern stark an die populär­ Sprak: das Erscheinungs-
wissenschaftlichen Infografiken des Deutschen Fritz bild von Base Design
Kahn aus den 1920er und 1930er Jahren. Sie sind auf für die Coworking-Space-
Kette NeueHouse mit
Visitenkarten ebenso zu sehen wie auf Bierdeckeln,
Basis in New York
Speisekarte oder der Tapete in dem Munich genann­
ten Raum (es gibt auch die Räume Cologne, Hano­
ver, Hamburg und Berlin). Gereicht werden ge­
page 01.16 037

5
038 page 01.16 › Themen › hippes Deutschland

dämpfte Muscheln mit Roggenbrot und dunklem


Bier oder vor Ort am Spieß gegartes Spanferkel mit
Grieben und Apfelmayonnaise.

»Hölzerne« Deutsche
Jägermeister in den USA dagegen setzt verstärkt aufs
Rustikale. Der Kräuterlikör, der 2014 die achtbelieb­
teste Spirituose der Welt war, erlebte auf seinem
Hauptmarkt USA zuletzt Einbußen. Die jungen, wil­
den Hirschköpfe Rudi und Ralph wurden ausge­
mustert, stattdessen startete die New Yorker Agen­ 6
tur Deutsch (heißt nur zufällig so!) eine Kampagne
in altdeutschem Look, die auch die handwerkliche
Sorgfalt beim Mischen der 56 Ingredienzen des Li­
körs transportieren sollte.
Drei Illustratoren – Stéphane Casier alias Yeaaah!
Studio aus Paris, Olivia Knapp aus Seattle und DKNG
aus Los Angeles – gestalteten Motive, die ans späte
19. Jahrhundert denken lassen und aus denen Bed­
nark Studio in Brooklyn riesige 56­teilige Holzpuz­
zles anfertigte. »Wir verbrachten viele Hundert Stun­ Es lebe das Bauhaus
den damit, die Einzelteile mit Laserschneidern und 6 Ruski Pils Ganz schlicht hat sich eine von Montréals führen­
CNC­Fräsen herzustellen und danach per Hand zu Per Design Thinking den Designagenturen byHAUS genannt – verständ­
bemalen«, so die Prop­Spezialisten. Unter dem Mot­ entwickelte Pavlov’s design lich trotz deutscher Schreibweise. Was wichtig ist,
aus Russland dieses
to »56 Parts. Best as One« kamen die über 100 Kilo­ denn Philippe Archontakis und Martin Laliberté zie­
Packaging und den aufs
gramm schweren Puzzles einschließlich Making­ofs hen vom Fundament bis zum individuellen Look Pa­
Reinheitsgebot anspie-
in großen Printkampagnen und Social Media zum lenden Markennamen
rallelen zwischen dem Bau eines Hauses und dem
Einsatz. Wobei sich hier auch die interessante Frage eines Erscheinungsbilds. »Wir fanden zudem dieses
stellt, wie stark Deutschland andernorts mit Holz as­ 7 Multikulti kurze Wort mit nur vier Buchstaben charmant und
soziiert wird – man denke an Stichworte wie Wald, Rethink aus Vancouver einprägsam«, so Philippe Archontakis. »Und man as­
Eichen, Fachwerk oder holzgetäfelte Kneipen. setzte der Biermarke soziiert damit natürlich das Bauhaus, dessen grafi­
Lederhosen einen Hut mit schen Stil wir sehr schätzen.«
Lederhosen vs. Mitte kanadischem Ahorn- Ebenso charmant begründen YANA & JUN aus
blatt statt Gamsbart auf
Populär machen uns aber keineswegs nur Okto­ Singapur, warum sie im Namen ihres erfolgreichen
berfest und Wirtshauskultur. Schließlich haben wir Designstudios BÜRO UFHO das Ü nutzten. »Wäh­
8 Für Gourmets
auch eine der bei der Gestalteravantgarde angesag­ »King of ze Wurst« lautet
rend das ›yoo'fô‹ ausgesprochene UFHO ans engli­
testen Metropolen zu bieten. Und wenn internatio­ das Motto der Lowbrau sche ›euphoria‹ erinnern soll, steht das Ü als Smiley
nale Designer, die zufällig nicht in Berlin leben, bei Bierhall in Sacramento, für die zwei Gründer des Büros. Darüber hinaus ist
einem Branding auf Deutschland Bezug nehmen, für deren Look Band es eine kleine Hommage an den deutschen Einfluss
sieht das überhaupt nicht rustikal aus. Auch hier aus Portland sorgte aufs Design, von Gutenberg über Heidelberg, Lino­
spielt die Sprache eine wichtige Rolle. type, Bauhaus, Akzidenz Grotesk, Futura, Jan Tschi­
Nehmen wir NeueHouse in New York, ein Name, 9 Ü = zwei mal i chold, Otl Aicher bis hin zu Erik Spiekermann. Und
Auch das Duo von
der in den Ohren von Gestaltern nach einem Font das allererste Buch, das meine Arbeiten gezeigt hat,
BÜRO UFHO aus Singapur
klingt. Es handelt sich jedoch um einen Coworking war ›Illusive‹ aus dem Berliner Gestalten Verlag«,
setzt auf Deutsch
Space – wobei diese Bezeichnung fast untertrieben berichtet JUN.
ist, eher könnte man bei dem hundertjährigen, fünf­ 10 Holzpuzzles
stöckigen und äußerst opulent ausgestatteten Ge­ Jägermeister hat 56 Zuta-
Wir sind kreativ und können gut feiern
bäude von einem Coworking­Palast sprechen. Neue­ ten, 56 Teile haben auch Fassen wir zusammen: Einerseits zehren wir immer
House soll es demnächst auch in London und Los die Puzzles, die jüngst die noch von den aus Sicht des Auslands wichtigsten
Angeles geben, inklusive Assoziation ans Flair des New Yorker Agentur deutschen Kulturgütern: Bier und Wurst. Was aber
lockeren kreativen Miteinanders von Berlin. Deutsch für eine große (zumindest bei Nicht­Veganern . . .) offenbar durch­
Kampagne anfertigen
Das Erscheinungsbild gestaltete das New Yorker aus zeitgemäß und modern wirken kann. Anderer­
ließ– hier ein Motiv von
Büro des internationalen Agenturnetzwerks Base De­ Yeaaah! Studio aus Paris
seits schätzt man uns wieder wegen unserer Kreati­
sign. Dessen Chef Joshua Abram erklärt: »Der Name vität. Dabei wird oft das Bauhaus genannt, das die
ist eine kleine Hommage ans Bauhaus, das schon Nazis ja eigentlich erfolgreich aus Deutschland ver­
sehr früh Kunst, Kultur und Kommerz integrierte. trieben haben. Alles recht widersprüchlich, jedenfalls
Außerdem erinnert das Wort ›Neue‹ daran, immer sieht man uns da draußen in der Welt nicht länger nur
für frische Ideen zu sorgen und Prinzipien zu hinter­ als perfekt funktionierende, aber total humorlose
fragen. ›House‹ wiederum klingt eher nach Zuhause Roboter. Auch VW arbeitet ja bekanntlich kräftig da­
als nach Office.« ran, mit diesem Image aufzuräumen. cg
page 01.16 039

10
Schrei nach Burgern
Geschlagene, hilflose Kinder? Keineswegs. Die
Plakate von BBDO Proximity Malaysia aus
Kuala Lumpur werben nicht etwa für das Kinder-
hilfswerk, sondern für die Fastfoodkette Kentucky
Fried Chicken. Dass die aufgerissenen Münder
Burger, Hähnchenschenkel und Pommesschachtel
darstellen, erkannte ich erst auf den dritten
Blick – vielleicht sind die KFC-Gäste schlauer. Die
Plakate an sich sind jedoch großartig, den
Grand LIA in der Rubrik Poster gab es zu Recht.
LIAAAHHH!
In welcher Kategorie auch immer: Die bei den London International Advertising
Awards ausgezeichneten Arbeiten berühren, bewegen und begeistern
042 page 01.16 › Themen › LIa awards

● Die große internationale Konkur­


renz bei den britischen LIA Awards
sorgt dafür, dass deutsche Agenturen
eher selten einen Grand LIA abbekom­
men. 2013 gelang dies Serviceplan mit
dem »Selfscan Report«, 2015 darf sich
Grabarz & Partner über die begehrte
Trophäe freuen. Die Hamburger erhiel­
ten sie in der Kategorie Non­Traditio­
nal für eine Arbeit zu einem leider noch
immer aktuellen Thema – auch wenn
die Kampagne von 2014 ist: »Rechts
gegen Rechts«, bei der die Aussteiger­
initiative EXIT einen Nazi­Aufmarsch
in einen unfreiwilligen Spendenlauf
der Rechten verwandelte. Inzwischen
gibt es bereits eine Nachfolgekampa­
gne: »Hass Hilft« (www.hasshilft.de),
die fremdenfeindliche Kommentare
zu unfreiwilligen Spenden für Flücht­
linge werden lässt.
Auch ein anderer der insgesamt sie­
ben Grand LIAs ging an eine Kampa­
gne für eine Non­Profit­Organisation:
Ad Council und die Agentur R/GA New
York erzielten mit »love has no labels«
(http://lovehasnolabels.com ) binnen
zweier Tage rund 7,5 Millionen Zugrife
auf YouTube Das Video zeigt einen di­
gitalen Screen im kalifornischen San­
ta Monica, auf dem sich zwei Figuren
küssen. Allerdings sieht man wie auf
einem Röntgenbild nur die Skelette.
Anschließend zeigen sich die beiden
Personen – es sind zwei Frauen. Das
Ganze wiederholt sich mit verschie­
densten Protagonisten. Diese Aktion
gegen die Diskriminierung von Homo­
sexuellen, Behinderten und Anders­
farbigen war der Jury den Grand LIA
in der Kategorie Design wert.
Gefühlt waren es dieses Jahr viel
weniger Artworks. Stimmt aber nicht.
Mit etwa 14 000 Einsendungen und
rund 700 vergebenen Statuen war alles
ungefähr so wie immer. Der Eindruck
resultiert daraus, dass die ausgezeich­
neten Arbeiten quer durch sämtliche
Kategorien immer wieder und wieder
auftauchten – eine Diskussion über
Sinn und Unsinn der Kategorisierung
wäre angebracht. Nun aber viel Freude
und Inspiration beim Anschauen der
hier gezeigten Artworks und all der
anderen Gewinner und Finalisten auf
www.liaawards.com. ant

Kreativ-Awards. Immer aktuelle


einreichfristen gibt’s auf ↗ www.
page-online.de/wettbewerbe
page 01.16 043

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Zerbeißen und zerbrechen


Christian Mommertz, Chief
Creative Officer bei
Geometry Global in Berlin
und Mitglied der Jury
Design und Package Design

Der wichtigste Trend ist der, den die


LIA Awards nicht mitmachen: Wäh­
rend immer mehr Award Shows die
Einreichungen zu der Ermittlung der
Shortlist unter den Juroren aufteilen,
sieht hier jeder jede eingereichte Ar­
beit. Damit wird die gesamte Short­
list, der wichtigste Teil der Juryarbeit,
auch von der gesamten Jury getragen.
Das Schöne bei Design und Packa­
ging: Es darf gedreht, gewendet, zer­
bissen, zerbrochen, beschnüfelt, be­
trachtet und belauscht werden. Doch
bald stellt selbst der Werber unter den
Designern fest: Gerade den inspirierte­
ren Packaging­ und Produktideen haf­
tet bei kritischer Betrachtung oft ein
gerüttelt Maß an studentischer Naivi­
tät an. Ist der eingereichte »Prototyp«
in den Kommunikationskategorien in
der Regel zumindest durchdacht und
funktionsfähig, ist er es bei Produktde­
sign und Packaging noch lange nicht.
Generell in der Minderheit (obwohl
sie das leichtere Spiel hätten): Design­
arbeiten, die originär Designarbeiten
sind. Stattdessen trifft die Designjury
auf nahezu jede Einsendung (außer
Radio), die auch sonst noch im Wett­
bewerb startet. Was ja nicht schlimm
sein muss. Denn auch mein Favorit ist
kategorieagnostisch: »#setinstone«, Gleich nebenan
In 28 afrikanischen Ländern finden nach
die in Stein gemeißelten Wahlverspre­
wie vor Genitalverstümmelungen bei
chen von Leo Burnett Melbourne für
Frauen statt. Aber nicht nur dort! Mit einer
die australische Nachrichtenplattform aufrüttelnden Kampagne für die britische
Crikey (siehe Seite 45). Organisation 28 Too Many macht Ogilvy &
Mather in London darauf aufmerksam,
dass auch in vielen europäischen Ländern
Hunderttausende von Mädchen Gefahr
laufen, verstümmelt zu werden. Ganz ohne
Balanceakt schockierende Bilder, aber trotzdem
Asoziale Unsympathen, die an ihrem sehr eingängig, bringen die Kreativen die
Schicksal irgendwie selbst schuld sind – Problematik nahe und schaffen ein
so werden Alkoholiker häufig gesehen. Bewusstsein dafür – vielleicht auch über
Um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, die Dauer der Kampagne hinaus.
kreierte JWT Brazil für Alcoholics
Anonymous die Kampagne »We won’t
help you. We will help each other«, die
dazu aufruft, mit den Schuldzuweisungen
aufzuhören und sich stattdessen gegen-
seitig und selbst zu helfen. Die tollen Illustra-
tionen des brasilianischen Künstlers Andrés
Sandoval (  www.andressandoval.com ) 
sorgen dafür, dass die Botschaft
nicht moralinsauer daherkommt.
044 page 01.16 › Themen › LIa awards

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Smart versus öde


Pedro Prado, Kreativ-
direktor bei F/Nazca
Saatchi & Saatchi in São
Paulo und Mitglied der
Jury Print, Poster, Billboard

Die meisten innovativen Artworks fan­


den wir in der sich ständig weiterent­
wickelnden Kategorie Billboard. Es gab
sowohl komplexe Arbeiten mit smarter
Technologienutzung als auch simple
Ausführungen, die Kreativität auf gute
alte Art und Weise nutzten. Besonders
gefallen haben mir zum einen die Pos­
ter von JWT Brazil für Alcoholics Ano­
nymous – tolles Handwerk mit schö­
nen Illustrationen (siehe Seite 42). Zum
anderen begeisterte mich Saatchi &
Saatchi aus Genf mit ihrer HIV­Ausga­
be des Männermagazins »Vangardist« –
ein Highlight in der sonst ziemlich
öden Kategorie Print.

Permanente Werbung
Gelbe Karte hin oder her, nach einem Tor zieht
sich Schwedens Fußballstar Zlatan Ibrahimovic
das Trikot aus. Darauf baute Forsman &
Bodenfors aus Göteborg eine Kampagne für die
Vereinten Nationen auf. Zlatan ließ sich auf
seinen ohnehin schon vollgeschriebenen Körper
die Namen 50 hungernder Menschen täto-
wieren – stellvertretend für die 800 Millionen
Hungernden weltweit. Ohne großes Budget
nutzte die Agentur die riesige Popularität
des Fußballers, auf dessen Torjägerqualitäten
zum Glück meistens Verlass ist.

Rund um die Uhr


Unwillkürlich schmunzeln muss man bei die-
sem Motiv der Agentur la comunidad aus
Miami für Buenos Aires. Sagen wollte sie mit
dem Plakat, dass der Fahrradverleih in der
argentinischen Hauptstadt dank eines neuen
automatischen Systems jetzt nicht mehr
von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends
geöffnet ist, sondern rund um die Uhr.

Schutzlos (rechts oben)


Ästhetische, berührende Schwarzweiß-
fotos für ein ernstes Problem: Cyber-
mobbing unter Jugendlichen. Die Kampagne
von Prolam Y&R aus dem chilenischen
Santiago für UNICEF geht unter die Haut.
Einzig die Headline irritiert: Ich finde,
»One Shot« ist nicht »Enough«, sondern
bereits einer zu viel, oder?
page 01.16 045

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Bewegend, Ergreifend, In Stein gemeißelt


Bezaubernd »Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?«
Elke Klinkhammer, Chief Das denken zu viele opportunistische Politiker. Diese
Creative Officer bei McCann nimmt die Kampagne »#setinstone« von Leo Burnett
Worldgroup Germany Melbourne für die Nachrichtenplattform Crikey aufs
in Frankfurt am Main und Korn: Die Kreativen ließen die Wahlversprechen austra-
Mitglied der Jury Digital lischer Politiker in Stein meißeln und stellten die
Platten vor der State Library des Staates Victoria aus.
Wir haben während der Jurysitzung viel Am Wahltag wurden die im Wortsinne schwerge-
über die richtige Kategorie diskutiert: wichtigen Versprechen in die Wahllokale geschleppt
Ideen sind heute transmedial und di­ und die Politiker mit ihren Aussagen konfrontiert –
gital verknüpft, egal, ob sie als Event, längst nicht jeder zeigte sich über diese Aktion erfreut.
Promotion oder Film gedacht waren.
Gute Ideen werden von Millionen gese­
hen und entwickeln virale Kraft. Neue
Technologien und Innovationen beflü­
geln Ideen, überschreiten Grenzen und
die Vorstellungskraft der Menschen.
Was meine Favoriten angeht: Be­
wegend ist der Mann, der an Demenz
erkrankt und alles vergisst, doch plötz­
lich seine Frau wiedererkennt, in #me­
moryrecaller (BBDO Proximity Thai­
land für Samsung). Ergreifend ist der
kleine Junge im blauen Anzug, der vor­
urteilsfrei über seine Traumhochzeit
spricht, in #equaldreams (Leo Burnett
Chicago für Esurance); und bezau­
bernd ist die Frau, die ihr Spiegelbild
sieht und kaum glauben kann, wie um­
werfend sie aussieht, in #makeupge­
nious (McCann Paris für L’Oréal).
046 page 01.16 › Themen › Verpackungen im Digitaldruck

Nur für
mich Digitaldruck bei Verpackungen ist im Aufwind.
Kein Wunder, bietet er doch spannende Möglichkeiten
für die Individualisierung

● Sei es das selbst zusammengestellte Müsli oder Bei printmate in Berlin kommen das gewünschte Material, die Schnellig­
nach eigenen Vorstellungen gestaltete Sneakers – kann man individuelle keit der Weiterverarbeitung, die erreichbare Quali­
der Wunsch nach Individualisierung wächst und da­ Kartons gestalten und tät und die Farbigkeit.«
mit der Bedarf an individuellen Verpackungen in klei­ bestellen (siehe Seite 50 f.) Die digitale Produktionstechnik hat inzwischen
nen Auflagen. Entsprechend steigt der Anteil von di­ rasant aufgeholt. Heute kann man ein breites Spek­
gital produzierten Packagings. Das beobachtet auch trum von beschichteten und unbeschichteten Ma­
Thorsten Drews, Geschäftsführer der auf Verede­ terialien wie Folien, Kunststoffe oder Substrate mit
lungen und Verpackungen spezialisierten Achilles Metalliceffekt verarbeiten. Auch diverse Veredelun­
Gruppe in Celle ( www.achilles.de ). »Das Hauptkri­ gen sind möglich. In einigen Fällen jedoch ist Offset­
terium bei der Entscheidung für Digital­, Offset­ oder druck immer noch überlegen. »Zum Beispiel dann,
Flexodruck ist aber nicht allein die Auflage. Dazu wenn der Kunde Sonderfarben wünscht. Auch
page 01.16 047

Über die Verpackung wollte jkr global die Herkunft des koffeinhaltigen Softdrinks Irn-Bru aus Schottland
kenntlich machen. Was lag da näher, als die Etiketten mit Tartanmustern zu bedrucken? Varianten gibt es
unzählige – dank Digitaldruck konnte die Agentur 57 verschiedene Muster produzieren lassen
048 page 01.16 › Themen › Verpackungen im Digitaldruck

schwarze oder dunkle Flächen lassen sich im Off­


set besser, das heißt homogener realisieren«, erklärt
Thorsten Drews.

Erst Etiketten, dann Verpackungen


Verbreiteter als bei Faltschachteln ist die Digitaltech­
nik bei Etiketten, die für Verpackungen ja auch eine
Rolle spielen. Hier betreiben schon einige Unterneh­
men individualisierte Markenkommunikation, den­
ken wir nur an die Namenslabel von Coca­Cola und
Nutella. Waren die letzten zehn Jahre nötig, damit
sich der Digitaldruck bei der Etikettenproduktion
etablieren konnte, so werde die Digitalisierung des
Verpackungsdrucks nur etwa halb so lange dauern,
schätzt Ronen Zioni, Marketing Director bei HP. Zum
einen, weil sich die Technologie sehr schnell weiter­
entwickle, zum anderen, weil es aufseiten der Anwen­
der eine höhere Bereitschaft gebe, Digitaldruck ein­
Bei der für die Gastronomie bestimmten Teahouse Exclusives Everyday Line sind die
zusetzen. Vor allem dann, wenn die zu produzierende
Beutel einzeln in Metallfolie verpackt. Peter Schmidt Group ließ sie im Digitaldruck Auflage klein ist oder es schnell gehen muss.
bedrucken, sodass individuelle Wünsche von Cafés oder Restaurants kein Problem sind Manchmal fällt die Entscheidung auch unfreiwil­
lig, wie im Fall der Etiketten für Ashridge Cider: »Ei­
gentlich wollte ich sie nicht digital drucken, aus Kos­
ten­ und Zeitgründen entschieden wir uns aber doch
dafür und waren ziemlich beeindruckt von der Qua­
lität des Resultats – der Digitaldruck hat wirklich
Riesenfortschritte gemacht«, erzählt Mark Girvan
vom Designstudio Buddy in Exeter.
Bei der Peter Schmidt Group gibt es an den Stand­
Überrascht war Mark orten Hamburg und Frankfurt je ein Premedia­Team,
Girvan vom Design- das den Produktionsprozess möglichst von Beginn
studio Buddy von der an begleitet und später die Umsetzung und Rein­
Qualität der digital zeichnung übernimmt: So ist sichergestellt, dass
gedruckten Etiketten
sämtliche Designs den jeweiligen Druckspezifika
für Ashridge Cider.
entsprechen. »Die Mehrzahl der Produkte, die wir
Eigentlich war der
Digitaldruck nur eine
gestalten – besonders für große Marken –, wird in
Notlösung, künftig hohen Auflagen innerhalb bestehender Prozesse
will er ihn aber produziert. Daher stellt sich für uns Kreative die Fra­
häufiger einsetzen ge ›Digitaldruck – ja oder nein?‹ gar nicht«, sagt

UV-Glanzlack in 2D und 3D, aber auch digitale Silber-


oder Goldfolienprägungen – Achilles bietet eine Reihe von
Veredelungen für digitale Printprodukte
page 02.14 025
anZeIge

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Multisense
Design
Markenkommunikation
mit der Kraft
aller Sinne

Der Referent Das Seminar »Multisense Design«


● Olaf Hartmann, geschäftsführer des Multisense ● In einer überkommunizierten, konsumkritischen und werbemüden Welt
Instituts, ist einer der führenden experten für birgt die multisensorische Gestaltung von Produkten, Werbebotschaften und
multisensorisches Marketing. Der Bestsellerautor, Verkaufsprozessen eine große Chance zur Differenzierung. Denn das Gros
Berater und gefragte Keynote-Speaker schöpft aller Informationen verarbeiten wir an der bewussten Wahrnehmung vorbei
in seiner lebendigen Moderation aus mehr als mit dem unterbewussten, impliziten System unseres Gehirns. Deshalb ist
20 Jahren Marketingerfahrung. Seine agentur multisensorisches Marketing auch kein Hype – es ist ein Erfolgsmodell. Aber
Touchmore hat zahlreiche Kommunikations- Vorsicht! Die Annahme, mit kreativ veredelten Printprodukten automatisch
und Designpreise gewonnen. auch Wertschätzung und Wirksamkeit steigern zu können, ist ebenso ein Mär
wie die Gleichung »Millionen Klicks = Millionen Umsätze«.
Die Agenda
Erkennen Sie die Power of Multisense! In unserem Seminar zeigt Ihnen Olaf
1 Update: Neuromarketing und Hartmann anhand konkreter Beispiele und neuster Erkenntnisse aus Neuro­
Verhaltenspsychologie wissenschaft, Verhaltensökonomie, Psychologie und Sensorikforschung, wie
– Die Macht des Unbewussten sich die Kraft multisensorischer Kommunikation entfaltet. Er erklärt, wie Sie
– Wie implizite Ziele die Wahrnehmung lenken zielgerichtet und kongruent mittels multisensorischer Verstärkung die gesamte
– Warum Ziele die Quelle der emotionen sind Costumer Journey hindurch mehr Aufmerksamkeit, Erinnerung, Glaubwürdig­
– Wie das gehirn (Kauf-)entscheidungen fällt keit, Wertschätzung und Kaufbereitschaft erzeugen können. Das Wissen um
das Aktivierungspotenzial der einzelnen Sinne bereichert alle Gestaltungs­
2 Basics: Multisensorisches Marketing disziplinen: Kommunikations­ und Packaging Design ebenso wie UX, Service
– Das primat sinnlicher Wahrnehmung und Interaction Design. Bewusst eingesetzt, steigert es den Erfolg im Dialog­
– Vom sensorischen Reiz zur Bildung von Codes marketing, in der Werbung und am Point of Sale. Aber auch in den digitalen
– Multisensorische Verstärkung, Irradiations- Medien können wir dieses Wissen gezielt nutzen – schon Bild­ und Textsprache
und priming-effekt können mental simulieren und virtuell haptische Erlebnisse stimulieren.
– Das prozessmodell des multisensorischen
Marketings (Mensch · Marke · Codes · Touchpoints) Das Seminar richtet sich somit an Designer, Marketingverantwortliche
– Das aRIVa-Wirkmodell sensorischer Optimie- und Brandingstrategen – kurzum an alle, die nicht Effekthascherei betreiben,
rung (attention · Recall · Integrity · Value · action) sondern das Budget gewinnbringend einsetzen, wirksam kommunizie­
ren und Marken nachhaltig stark machen wollen. – Profitieren auch Sie von
3 Multisensorik in der Praxis: Olaf Hartmanns fundiertem Know­how aus der Praxis für die Praxis.
Fallbeispiele, Workshop & Training
Best Cases aus den Bereichen Packaging, Das Seminar findet am 8. April
in den Design Offices Hamburg
Ad Specials, Kommunikation, E-Commerce, Domplatz von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet 748 euro
Produktdesign und Corporate Design (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch
– Das aRIVa-Modell in der anwendung und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 personen begrenzt!
– Irradiations- und priming-effekt bewusst nutzen also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .  
– Mit embodiment und »Tu«-effekt die
erinnerung verstärken page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
– Durch Haptik glaubwürdigkeit, Wertschätzung Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
und Kaufbereitschaft erhöhen aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
– Kreativsession anhand einer aufgabenstellung Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
aus der praxis der Teilnehmer Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
050 page 01.16 › Themen › Verpackungen im Digitaldruck

Katrin Niesen, Executive Creative Director bei der xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


Peter Schmidt Group in Hamburg.
Eines der aktuellen Projekte der Agentur nutzt
die Vorzüge des Digitaldrucks: die Tees der Teahouse »Auspacken ist ein
Exclusives Everyday Line, die sich vorwiegend an Ab­
nehmer in der Gastronomie richten. »Sie werden tas­ sehr emotionaler
senweise serviert und die Beutel deshalb einzeln aro­
mafrisch in Metallfolie verpackt. Diese Folie wird im Moment. Es ist
Digitaldruck bedruckt – möglich ist dadurch auch ein
individueller Eindruck nach den Wünschen der Gas­ schade, wenn man
tronomen«, erklärt Katrin Niesen.

Auch Kleinauflagen lassen sich veredeln


den verschenkt«
Trotz aller Euphorie ist der Gesamtanteil digital ge­
druckter Verpackungen noch sehr gering. Zwar wer­
de sich deren Absatz bis 2018 mehr als verdoppeln,
prognostiziert Ronen Zioni, doch wären auch dann
nur 1,5 Prozent aller Verpackungen digital produ­
ziert. Ein hoher Anteil von diesen entfiele wiederum
auf Etiketten. Da ist also viel Luft nach oben. Die Mög­
lichkeit zu kleinen Auflagen und kurzen Produktions­
zeiten im Digitaldruck bietet Marken die Chance, zü­
gig auf Marktveränderungen zu reagieren. So kann
man von einer Verpackung unkompliziert diverse Se­
rien drucken lassen und mehrere visuelle Ideen um­
setzen – auch solche, die man für eine Großauflage
im Offset vielleicht als zu riskant eingeschätzt hätte.
Aufwerten lassen sich digital produzierte Packa­
gings mit diversen Veredelungen. Achilles bietet hier ● In seiner Zeit als Verpackungsmanager bei Zalando
das sogenannte Digital Finishing an. »Das erlaubt es, lernte Julian Jost, dass das Auspacken der emotionalste
Printprodukte mit UV­Glanzlack in 2D oder in 3D zu Moment beim Onlineshopping ist. Um möglichst vie­
veredeln«, so Thorsten Drews. »Bei 2D handelt es len Kunden dabei ein schönes Erlebnis zu bescheren,
sich um eine flache UV­Glanzlackierung, wie man sie gründete er im März 2015 das Start­up printmate in Ber­
vom Siebdruck kennt. Mit einer 3D­Lackierung lässt lin ( www.printmate.de ), damit jeder einfach seinen in­
sich der Effekt eines Relieflacks erzielen.« Zudem dividuellen Karton gestalten und bestellen kann – auch
kann man in Verbindung mit UV­Glanzlack digitale in kleinen Mengen. Wir sprachen mit ihm über die
Silber­ oder Goldfolienprägungen ab Auflage 1 ohne Chancen, die Digitaldrucktechnik bietet, und warum
Stempel aufbringen. Da sie leicht erhaben sind, ent­ printmate auch für Kreative interessant ist. ant
steht auch gleich eine schöne Haptik.
Der Digitaldruck wird Offset­ und Flexodruck si­ Was unterscheidet Sie von anderen Anbietern
cher nicht ersetzen, sondern ergänzen. Er bietet die individuell bedruckter Kartons?
Möglichkeit, Verpackungen auf spezifische Märkte Julian Jost: Bislang entstanden solche Verpackungen
und Zielgruppen zuzuschneiden, während die tradi­ im Offset­ oder Flexodruck. Die Fixkosten für Werkzeu­
tionellen Druckverfahren bei Großauflagen ihre Stär­ ge und Druckklischees lagen bei 3000 Euro aufwärts, die
ken ausspielen. Was es jetzt braucht, sind findige Mindestproduktionsmenge betrug 2000 Stück und die
Kreative, die mit digitalem Verpackungsdruck inno­ Lieferzeit gerne mal 12 Wochen und mehr. Bei uns gibt
vativ umgehen und so den Markt um viele schöne es keine Klischee­ und Werkzeugkosten. Wir lassen bei
Packagings reicher machen. ant Partnerunternehmen digital in CMYK und 600 dpi mit
wasserbasierten Farben direkt auf Wellpappe drucken.
Ratgeber Druckveredelung zu den verschie-
Unsere Mindestbestellmenge beträgt 100 Stück und die
denen Techniken und ihren möglichkeiten unter Lieferzeit 4 Wochen. Wem 100 noch zu viel sind: Mo­
↗  www.page-online.de/druckveredelung mentan bieten wir zum Ausprobieren 20 individuell be­
druckte Kartons für 20 Euro an.
Unser eDossier »New Food Packaging« zeigt Was für Kartons sind das und was kosten die?
die neusten Trends im Verpackungsdesign: Unsere Versandkartons inklusive Klebeverschluss und
↗  www.page-online.de/pDDp1066 Öffnungshilfe gibt es in drei Größen, die Kosten liegen
bei rund 2 Euro pro Stück inklusive Druck. Wir wollen das
PAGE Story »Etikettendesign« mit Tipps zu Sortiment deutlich ausbauen. Weinverpackungen sollen
papieren, Druck, Veredelung & Kopierschutz: dazukommen und viele weitere Versandkartongrößen.
↗  www.page-online.de/etikettendesign
page 01.16 051

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Aber Sie bleiben bei Kartons? fordert. Viele arbeiten noch mit Excel­Tabellen und schi­
Nicht unbedingt. Wir sind mit zahlreichen Herstellern cken ihre Angebote per Fax raus. Diese Lücke nutzen
im Gespräch, zum Beispiel für bedruckte Versandta­ wir, indem wir uns um diese Dinge kümmern. Auch hat
schen, Klebeband oder Seidenpapier. Sogar Tierfutter­ sich die digitale Produktionstechnik in der letzten Zeit
säcke wurden schon angefragt. Interessant sind alle Ar­ enorm verbessert – nicht nur qualitativ, auch hinsicht­
ten von Verpackungen, bei denen die Produktionstech­ lich der Geschwindigkeit. Printmate wäre 2014 noch gar
nik mit unserem Anspruch an Qualität, Lieferzeit und nicht möglich gewesen, weil unsere Produkte das Drei­
Preis mithalten kann. fache gekostet hätten.
Was macht printmate für Kreative interessant? Lassen sich auf Ihren Kartons auch Sonderfarben
Vor allem die kleine Mindestauflage und fehlende Fix­ und Veredelungen realisieren?
kosten. Etwa ein Drittel unserer Kunden sind Agentu­ Im Moment leider noch nicht. Wir batchen, das heißt,
ren, denn auch die schicken ja gelegentlich Mailings raus wir produzieren gleichartige Bestellungen als Großauf­
oder entwickeln welche für ihre Kunden. Einmal wurde trag. Dies geht allerdings nur, wenn alle Eigenschaf­
sogar ein Messestand aus unseren Boxen gebaut. Auch ten außer dem Druckbild identisch sind, zum Beispiel
die Agentur monopage, mit der wir häufig zusammen­ Material und Konstruktion. Wir prüfen aktuell, ob sich
arbeiten, war Kunde erster Stunde und freut sich sehr, eine digitale Lackierung in unseren Produktionspro­
für das Weihnachtsmailing dieses Jahr nicht mühsam zess integrieren lässt. Dieses Projekt steht aber noch
Kartons stempeln zu müssen. am Anfang.
In welchem Format muss man die Daten anliefern? Wie weit gehen die Individualisierungsmöglich-
Wir bieten einen klassischen PDF­Druckdaten­Upload keiten?
inklusive 3D­Vorschau an. Außerdem haben wir ei­ Neben unserem Standardsortiment fertigen wir bei Ver­
nen einfach zu bedienenden Editor entwickelt, der das packungen aus Wellpappe auch klassische Individual­
Druckbild in Echtzeit im Splitscreen in 3D darstellt. aufträge. Hier ist ab einer Auflage von 2000 Stück alles
Der Editor soll Amateuren die Gestaltung erleichtern, möglich, was der Kunde möchte und bezahlen kann. Bei
aber die 3D­Vorschau hilft auch Profis dabei, das Druck­ exklusiven, hochwertigen Verpackungen, etwa mit Mag­
bild zu visualisieren und auf (Denk­)Fehler zu prüfen. netverschluss, besonderen Papieren oder Drucktechni­
So erspart man sich das Ausdrucken, Ausschneiden und ken greifen wir auf unsere Partnerfirma cr8packaging
Zusammenfalten und kann einen Screenshot der 3D­ ( http://cr8packaging.com ) zurück.
Vorschau für eine Präsentation nutzen. Kann ich dann auch jeden meiner 2000 Kartons
Macht die fortschreitende Digitaltechnik eine individuell bedrucken lassen, zum Beispiel mit
Firma wie printmate überhaupt erst möglich? dem Namen des Empfängers?
Auf jeden Fall. Die Verpackungsbranche hat die Digita­ Noch nicht, aber Seriendruck ist super interessant. Ich
lisierung bisher ein bisschen verschlafen, ist jetzt auf­ stelle es mir großartig vor, ein Paket zu bekommen, das
gewacht und konzentriert sich vor allem auf die Produk­ mit einer persönlichen Anrede, in meinem Design oder
tion. Mit der ganzen Auftragsgenerierung, ­abwicklung auch mit einem personalisierten Gutscheincode be­
und so weiter ist sie bei kleinen Mengen aber meist über­ druckt ist. Wir hoffen, Ende 2016 so weit zu sein.

Der Editor hilft


mit seiner 3D-
Vorschau die
Gestaltung auf
mögliche (Denk-)
Fehler hin
zu überprüfen
052 page 01.16 › Themen › handschrift-Unterstützung

Sie haben das iOS-Feature ausprobiert:


handschriftliche Notizen und Illus (im
Uhrzeigersinn ) von Jochen Gros, Lars
Kreyenhagen von Karl Anders ( w   ww.
karlanders.de )  , Alessio Leonardi ( w
  ww.
alessio.de )  und Benedikt Bockshecker
von deepblue networks (  www.db-n.com ) 

Picto
Script
Mit der Handschrift-Unterstützung in iOS 9 könnten gekritzelte Notizen
und Skizzen getippten Texten bald Konkurrenz machen
page 01.16 053

● Zuerst kamen Notebook-Apps wie Noteshelf oder xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Einerlei jedoch, ob wir uns für die Grundschrift
Jotter, dann die Markup-Funktion in Apples Mail seit oder eine Schreibschrift entscheiden: Wenn wir erst
Yosemite (OS X 10.10), und nun geht iOS 9 mit den »Mit einem einmal einen Stylus in die Hand nehmen, dann kön-
neuen Notizen noch einen Schritt weiter auf dem Weg Stylus nen wir nicht nur schreiben, sondern auch kritzeln
zur eigenhändig geschriebenen und illustrierten E- schreiben und skizzieren, zeichnen und malen – fragt sich nur:
Mail. Anders gesagt: Die Freihand-Linie lässt sich was und wie?
nicht mehr nur digitalisieren, sondern auch im Inter-
wir ein-
net kommunizieren – sozusagen als iHandschrift facher und Von Doodlegrammen zu einer
und iSkizze. Und demnächst wird das Schreiben, schneller Bilder-Handschrift
Zeichnen und Malen von Hand wohl auch von den als mit der Sinn macht das Kritzeln in E-Mails und Posts zu-
meisten E-Mail-Clients unterstützt, so wie heute be- nächst vor allem dann, wenn wir damit den Text einer
reits von Gmail. Spätestens dann aber gewinnt nicht
virtuellen Nachricht annähernd gleichbedeutend visualisieren
nur die Handschrift im Zeitalter des Touchscreens Tastatur – oder ergänzend illustrieren. Im Prinzip also wie mit
neue Bedeutung, sondern auch die damit einher- zumindest den Emojis und Smileys. Doch wenn man jetzt davon
gehende Illustration von Mails, Tweets und Posts. bei kurzen ausgeht, dass inzwischen jeder seine Mails selbst il-
Und sei es zunächst lediglich in Form von selbst ge- lustrieren kann, dann wäre es für die meisten sicher-
kritzelten Smileys.
Notizen oder lich hilfreich, wenn sich dafür geeignete Vorlagen,
Mails« Muster, grafische Typen herausbilden würden. Das
Die Handschrift kehrt zurück – wären dann zum Beispiel typografische Entwürfe für
Jochen Gros,
aber in welcher Form? Smileys zum Selberkritzeln – durchaus vergleichbar
Designer, Dozent
Mit einem Stylus schreiben wir heute vielfach einfa- und Autor mit den typografischen Entwürfen für die Buchsta-
cher und schneller als mit der virtuellen Tastatur – ben einer bestimmten Hand- oder Schreibschrift.
zumindest bei kurzen Notizen oder Mails. Hier also Zudem müssen sich die selbst gezeichneten Smi-
konkurrieren Handschrift und virtuelle Tastatur be- leys gar nicht mehr in eine Zeile ducken. Sie lassen
reits in puncto Brauchbarkeit. Wie aber können wir, sich größer, differenzierter und damit vielsagender
nachdem wir die Handschrift weitgehend vernach- entwerfen – sozusagen als Smiley Men und Smiley
lässigt haben, erneut eigenhändig und dann auch Women. Smileys mit Hand und Fuß, mit Mimik und
noch für andere lesbar schreiben? Körpersprache entwickeln sich im Grunde wie Pikto-
Am einfachsten geht das natürlich mit Großbuch- gramm- und Icon-Systeme. Vordringlich erscheinen
staben, wie in der Vorschule oder beim Ausfüllen dann freilich nicht mehr Papierkörbe und Notaus-
von Formularen. Erheblich schneller allerdings ist gänge, sondern grafische Anrede- und Grußformeln,
die sogenannte Grundschrift mit gedruckten Groß- visuelle Begriffe für Freude, Liebe, Sex und wohl
und Kleinbuchstaben. In vielen Ländern, zum Bei- auch, Hieroglyphen für inkorrekte oder zensierte
spiel in den USA, wird Handschrift ohnehin aus- Ausdrücke, wie das F-Wort.
schließlich in dieser Form gelehrt. Sicher, noch ge- Am Ende allerdings ist das Zeichnen und Malen
eigneter wäre eine verbundene Schreibschrift, eine womöglich nicht nur als Zugabe zur digitalen Hand-
»Schnürlischrift«, wie die Schweizer sagen: Sie funk- schrift zu betrachten. Auch die eigenhändigen Illus-
tioniert schneller, wirkt individueller und erweist trationen, also eine Art Bilder-Handschrift, könnte
sich als besser fürs Gehirn. Das alles gilt aber be- sich künftig als eigentlicher Anreiz für den Gebrauch
kanntlich nur, wenn wir Schreibschrift richtig ein- einer Grund- oder Schreibschrift erweisen – und
und regelmäßig ausüben. Und genau hier liegt das damit wiederum eine positive Rückkopplung von
Problem aller Versuche, an der klassischen Schreib- Handschrift und eigenhändiger Illustration einlei-
schrift allein mit konservativen Argumenten und ten. Wer noch Anregungen und Inspiration für Smi-
nur auf dem Papier festzuhalten, wie beispielsweise leys, Piktogramme und Icons sucht, findet solche
in der US-amerikanischen »Campaign for Cursive« unter www.doodlegram.design und www.icon-lan
(www.campaignforcursive.com ). guage.com. Jochen Gros
In Wirklichkeit besteht heute nur eine gewisse
Aussicht auf einen erneut alltäglichen Gebrauch von Diskussion: Ist Handschrift ein Auslaufmodell?
Handschrift, wenn wir gelegentlich und zu beson- mehr zum Thema finden Sie auf page Online
deren Gelegenheiten auch digitale Notizen, E-Mails unter ↗ www.page-online.de/handschrift
und Posts in unserem mühsam erlernten Schreiber-
Handwerk verfassen. Für längere Texte in Schreib- Der Designer Jochen Gros lehrte von 1974
schrift erscheint nun aber auch iOS9 noch kaum ge- bis 2004 an der hfg Offenbach das Fach
eignet. Vorbildlich sind da nach wie vor die speziell Theorie der produktsprache. Bis heute
werkelt er an einer art piktografischen
für Handschrift ausgelegten Apps, wie Noteshelf,
Zeichensprache und fragt sich: Was
UPAD und Jotter. Hier kann man etwa in eine Lupe würde der Isotype-erfinder Otto neurath
schreiben und den Text zugleich mit einstellbarer heute wohl mit Computer und Internet
Verkleinerung aufzeichnen. anstellen? ↗ www.jochen-gros.de
054 page 01.16 › NeUeS

Neues
Spannendes aus der papier-,
Technik-, Bild-, und Typowelt sowie
interessante neue publikationen
finden Sie auf diesen Seiten
und auf ↗ www.page-online.de  
page 01.16 055

Papier   Etiketten von Gmund. Zusammen mit 


1

VPF als technischem Partner hat die Bütten-
papierfabrik Gmund selbstklebende Etikettenpapiere entwickelt. Ent-
standen sind dreißig sehr unterschiedliche Sorten: reinweiß, silber-, 
gold- oder neonfarben sowie mit Rinde oder Strohanteilen. Highlight 
der Kollektion ist Gmund Mohair Label, weich wie echter Samt und mit 
der  vollen  Klebekraft  eines  professionel- 1

len Etikettenpapiers. ↗ www.gmund.com
  Chromolux Digital. Mit dieser neuen 
Va riante seines Kartonklassikers entspricht 
Feinpapierhersteller Zanders dem steigen-
den Bedarf an hochglänzenden und extra-
glatten Premiumkartons für den Digital-
druck. Chromolux Digital ist für HP-Indigo- 
und Trockentoner-Systeme konzipiert und 
liegt in verschiedenen Farben und Flächen-
gewichten vor. ↗www.zanders.com

Dekorative Papiere
Eine Inspirationsquelle für muster af  - jekte oder ganz banal als Lebensmit-
ne Designer ist die bei Thames & Hud- telverpackung.
son in London erschienene »Anthology  Zu verdanken haben wir die Publi-
of Decorated Papers« (etwa 256 Illus- kation Olga Hirsch. Die Buchbinderin 
trationen, 38 Pfund, ISBN 978-0-500- hatte eine Kollektion von über 3500 Pa-
518120), herausgegeben von Phi lippa  pieren gesammelt, die sie nach ihrem 
Marks, Kuratorin der British Library.  Tod der British Library vermach te. Ne-
Die in dem Band vorgestellten Papie- ben aller In s pi r a tion bietet »An Antho-
re  stammen  aus  vier  Jahrhunderten:  logy of Decorated Papers« auch Infor-
vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Ge- mation, denn zu jedem der sechs Kapi-
druckt  wurden  sie  für  unterschied- tel – »Hand-Mar bled Papers«, »Pas te 
lichste Anlässe: als Geschenkpapier,  Papers«,  »Bro cade  Papers«,  »Block-
Bucheinbände, Kirchenschmuck, Sou- Prin ted  Papers«,  »Mass  Production« 
venirs für Pilger, für künstlerische Pro- und »Miscellaneous Decorating Tech-
niques« – gibt es einführende Texte. 
Vor allem aber tau gen viele der gezeig-
Die PAGE Schneidematte mit ten  Papiere  prima  als  Grundlage  für 
papierformaten, Millimeter-
heu tige ornamentale oder musterbe-
raster und Tastaturkürzeln
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tonte Gestaltun gen. Das Blättern durch 
 ↗  www.page-online.de/ die 256 Seiten macht einfach Freude! Wogende Wellen oder einzeller? Die Fantasie kommt beim
schneidematte   ↗  www.thamesandhudson.com Blättern durch dieses Buch mächtig in Wallung
056 page 01.16 › NeUeS › papier

Gras statt Zellstoff –


C+ G Papier beweist:
das geht

Guten Appetit!
● Bei diesen Geschenkpapieren wird der Inhalt
fast zur Nebensache. Mit Gift Couture bieten
die New Yorker Designer Sarah Fay und Justin
Colt zwei Sets an, das dritte – »Pizza« – folgt
in Kürze. »Cheeseburger« besteht aus zwei Blät-
tern Brötchen und je einem Blatt Fleisch, Käse,
Salat und Tomaten. Wer nicht so viele Päck-
chen hat, dass es für einen Cheeseburger reicht,
wählt »Steak«. Diese Variante setzt sich aus
je zwei Bögen Steak und Fleischeinwickelpapier,
einem Blatt Schneidebrett sowie etwas Band,
Stickern und einer Fleischverpackung zusam-
Kartons aus Gras men. Die Sets kosten je etwa 20 Dollar, für den
Versand nach Deutschland fallen 14 Dollar
In einem gemeinsamen Projekt haben  her kömmliche Rohstoff e wie Zellstoff ,  an – also besser auf Vorrat bestellen, dieses
die C + G Papier GmbH aus Hennef und  au ßerdem wurde dabei komplett auf  Fastfood vergammelt so schnell nicht.
OTTO Group Kartons entwickelt, die  Che mikalien verzichtet. Vor dem Hin- ↗ www.giftcouture.com
zu 51 Prozent aus Graspap – das sind  tergrund reduzierter Altpapierverfüg-
Pellets aus Gras – und zu 49 Prozent  barkeiten, schlechter Altpapierqualität 
aus  Altpapier  bestehen.  Die  Vorteile  und des steigenden Bedarfs an Karto-
des neu artigen Materials liegen klar auf  nagen hat Graspap gute Chancen, sich 
der Hand: Gras ist im Prinzip überall  als weiterer Rohstoff  für die Papierher-
in gro ßen Mengen verfügbar und ge- stellung zu etablieren. Zumal die Gras-
hört  zu  den  schnell  nachwachsenden  schachteln herkömmlichen Kartons in 
Rohstoff en. Die Herstellung der Gras-  jeder Hinsicht ebenbürtig seien sollen.
pellets verbraucht weniger Energie als  ↗www.graspapier.de

Luxus meets Recycling


● Schön, dass auch die Luxusgüterhersteller vermehrt auf die ökologische
Seite ihrer Packagings schauen. So entwickelte der Champagnerherstel-
ler Veuve Clicquot mit der Agentur DS Smith jetzt einen Karton, der nicht
nur biologisch abbaubar ist, sondern auch gut aussieht. Traubenrückstän-
de aus dem Produktionsprozess von Veuve Clicquot wurden mit Zellulose-
fasern gemischt, die der italienische Papierhersteller Favini zu einem
Papier verarbeitete und so ein Viertel der sonst benötigten Frischfasern
einsparte. Passend dazu basiert der Druck auf dem Karton auf lösemittel-
freier Tinte und Lack, und fürs Label bildet Zuckerrohr die Grundlage. ant
↗ http://naturally.veuveclicquot.com
Flyer, Die
eiNDrUCK MACHeN.

Dauertiefpreise! Zum Beispiel:


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058 page 01.16 › NeUeS

Technik   Feine Kunst drucken. Auf der haus-


eigenen EXPO in Paris stellte Canon den 
imagePrograf PRO-1000 vor – einen A2-Drucker für höchste Foto- und Gra-
fikqualität. Er arbeitet mit 12 Tinten, von denen 4 für Schwarz- und Grau tö-
ne vorgesehen sind. Ein Chroma Optimizer soll zudem für mehr Glanz 
und Glätte und damit für mehr Tiefe auf glänzenden Medien sorgen. Der 
PRO-1000 druckt randlos auch auf Fine-Art-Papieren (was bei den klei ne-
ren Canon-Modellen nur über Tricks machbar ist). Die Papier dicke darf bis 
0,7 Millimeter betragen. Das Gerät lässt sich über WLAN und Ether net an-
steuern, druckt direkt vom Tablet aus und verträgt sich mit diversen Cloud-
diensten. Softwareseitig gehören nicht nur Profile für 17 Medien zum Lie-
ferumfang, sondern auch Canon Print Studio Pro, eine emp feh lens wer te 
Lösung zum Zu sam menfas sen von Print-
jobeinstel lun gen. Der imagePrograf PRO-
1000 soll ab Fe bruar 2016 für etwa 1300 Eu-
ro erhältlich sein. ↗  www.canon.de ml

 VR-Produktion mit Echtfilm 1
Lytro,  kalifornischer  Hersteller  von  Lichtfeldkameras, angeordnet in fünf 
Con sumer-Lichtfeldkameras, hat mit  Ringen,  zum  Einsatz.  Diese  können 
Immerge ein System für die professio- die Tiefeninformationen einer Sze ne-
nelle Produktion von Virtual-Reality- rie festhalten.
Inhalten vorgestellt. Das aus einer Ka- Die auf diese Weise erfassten Daten 
mera, einem Server, einer Software für  ermöglichen, so verspricht Lytro, na-
Die kugelförmige
die Produktion und einem Player be- turgetreue Darstellungen in sechs Frei-
Immerge-Kamera
arbeitet mit
stehende System erfasst 360-Grad-An- heitsgraden.  Das  heißt,  ausgestattet 
Lichtfeldsensoren, s ichten.  Im  Unterschied  zu  anderen  mit den ent spre  chenden VR-Headsets 
angeordnet Sys temen kommen bei der Immerge  und -Sys te men kann der User sich im 
in fünf Ringen zur Erfassung der Videodaten meh rere  Bewegtbild-Content  hinauf  und  hi-
nun ter, links und rechts sowie vor und 
zurück  bewegen.  Die  Mischung  von 
Realfilm und Computergrafik soll so 
problemlos  möglich  sein.  Lytro  will 
Lytro Immerge Conceptual Rendering

Plug-ins und Schnittstellen zu profes-
sionellen  Produktionstools  wie  etwa 
NUKE liefern. Immerge soll im ersten 
Quartal  2016  zur  Verfügung  stehen, 
zum Preis wollte man sich bisher noch 
nicht äußern – es wird aber die Mög- Analog-Simulant
lichkeit  geben,  das  sicherlich  sehr  Die digitalen Zifferblätter der
teure Sys tem zu mieten.  ml TAG Heuer Connected sehen
↗www.lytro.com/immerge den analogen täuschend ähnlich
page 01.16 059

Kurz vorgestellt
1 Luxus-Smartwatch von TAG Heuer. 
Der traditionsreiche Schweizer Uhren her-
steller steigt in das Smartwatch-Geschäft 
ein und will sich dabei vor allem gegen die 
Ausprobiert: Zeichnen auf dem iPad Pro 
Apple Watch positionieren. Die TAG Heu- Mit  dem  iPad  Pro  bringt  Apple  eine  Video streams  plus  Echt zeiteffekt  ru-
er Connected nutzt Android Wear als Be- High-Tech-Version  ihres  Tablets  auf  ckel frei laufen zu lassen. 
triebssystem und zeigt die bekannten Zif- den Markt – und dazu zum ersten Mal  Die spannendste Frage ist aber: Wie 
ferblätter der Carrera-Kollektion als Si mu- ei nen  eigenen  drucksensitiven  Stift,  gut  ist  das  iPad  Pro  beim  Zeichnen? 
lation. Kurzinformationen von Apps, wie  den Ap ple Pencil. Das Erste, was beim  Bisher konnten iPads als Illustrations-
zum  Beispiel  Navigationsanweisun gen,  neuen iPad Pro auffällt, ist die schiere  tool trotz guter Apps und Stiften von 
werden in das Zifferblatt integriert. Tippt  Größe: Zwei iPad Air 2 passen flächen- Drittherstellern Profis nie 100-pro zen-
man mit dem Finger auf diese, erscheint  mäßig in das Riesendisplay. Trotz dem  tig überzeugen. Auf dem iPad Pro ist 
die App-Vollbildansicht. Die Smart watch  fühlt sich das mit 12,9 Zoll bisher größ- end lich  reichlich  Platz  für  schwung  -
läuft  entweder  offline,  online  via  Wi-Fi  te iOS-Gerät erstaunlich leicht an. Mit  vol le Striche, und der Ap ple Pencil rea-
oder synchronisiert mit dem Smartphone  seinen 713 Gramm ist es zum Beispiel  giert sensibel auf Neigung und Druck. 
(Android oder iOS). Nach Ablauf der Ga- rund ein Kilo leichter als Wacoms Cin- Zeichnen mit Apps wie Adobe Sketch 
rantiezeit von zwei Jahren, wenn also die  tiq Companion und rangiert in der Ge- und Draw oder Procreate erreicht so 
Digitaltechnik veraltet ist, lässt sich die  wichtsklasse des ersten iPads. ein ganz neues Gefühl. 
Smartwatch gegen ein eigens produzier- Die Bildschirmqualität begeistert.  Der Apple Pencil liegt sehr gut in der 
tes analoges TAG-Heuer-Carrera-Modell  Mit 5,6 Millionen Pixeln liefert das iPad  Hand, fast wie ein gewöhnlicher Stift. 
eintauschen. Die Connected im 46-Mil li- Pro gestochen scharfe Bilder mit De- Zeichnen ist damit präzise und dank 
meter-Titangehäuse lässt sich zum stan- tails  und  leuchtenden  Farben.  Fotos  der Grafikleistung des iPad Pro direkt 
des gemäßen Preis von etwa 1350 Euro er- und Videos sehen nur auf einem iMac  und verzögerungsfrei möglich. Apple 
werben. ↗ www.tagheuer.com/de mit 5K-Retina-Display ähnlich brillant  setzt bei der schrägen Spitze auf ein re-
Günstiger Einstieg. Die neue Alpha 68  aus. Einen großen Schritt nach vorne  lativ hartes, aber gummiertes Materi-
basiert auf Sonys SLT-System. Diese Ka- gibt es auch in Sachen Sound: Vier Laut- al. Das ungeliebte »Auf Glas«-Zeichen-
meraklasse hat das Design und die Merk- sprecher  sorgen  für  getrenn te  Bäs se  gefühl verschwindet fast komplett. Be-
male von Spiegelreflexkameras, verzich- und Höhen. Das erzeugt eine räum li- sonders gefällt uns, dass sich der Apple 
tet aber auf den Schwingspiegel und den  che Klangkulisse, die es auf Tablets bis- Pencil – wie ein Bleistift – schräg hal-
optischen  Sucher.  Stattdessen  wird  das  her nicht (und auf Notebooks selten)  ten  und  mit  der  schrägen  Seite  der 
Su cherbild  digital  erzeugt.  Vorteil:  Die  gab. Musik- und Videoschnitt-Apps las- Spitze flächig schraffieren lässt. Das 
Ka mera ist leise, schnell, und man sieht  sen  sich  so  besser  ohne  Kopfhörer  konnte bisher noch kein iPad-Stylus. 
das Bild, wie es beim Auslösen fotogra- nutzen. Auch Multitasking ist jetzt ein  Dieses Detail trägt sehr dazu bei, dass 
fiert  wird.  Der  Sensor  in  APS-C-Größe  Leich tes: Im geteilten Bildschirm pas- man schnell vergessen hat, dass man 
löst 24 Megapixel auf. Die Alpha 68 kann  sen zwei geöffnete Apps nebeneinan- eigentlich digital zeichnet. 
auch Videos in Full-HD mit 30 Bildern pro  der. Alles läuft schnell und flüssig. Das 
Sekunde  aufnehmen  und  besitzt  neben  iPad  Pro  hat  ausreichend  Power  un -  Fazit: Das iPad Pro ist vielleicht kein 
dem Sucher einen schwenkbaren Moni- ter der Haube, um in iMovie drei 4K-  Notebook-Ersatz,  bringt  aber  Platz, 
tor – der alternativ das Sucherbild zeigt.  Dis playqualität und die Geschwindig-
Die Sony-Kamera ist ab März 2016 erhält- keit  mit,  die  sich  der  Profi  wünscht. 
lich und wird mit Objektiv etwa 700 Euro  Im  Zusammenspiel  mit  dem  Apple 
kosten. ↗ www.sony.de Pen cil  erreichen  Zeichen-  und  Mal-
4K-Schnitt am iPad.  Corel  hat  ihre  Apps  ein  neues  Niveau,  das  für  den 
bei den Pinnacle-Studio-Apps überarbei- kreativen Alltag taugt. Dieses Niveau 
tet. Pinnacle Studio Pro 5.4.2, das jetzt als  hat allerdings auch seinen Preis: Das 
Universal-App auf iPhone, iPod touch und  iPad Pro gibt’s ab 900 Euro (32 Giga-
iPad läuft, kann sowohl 2K- als auch 4K- byte, WLAN); der Apple Pencil kostet 
Material schneiden und verfügt über eine  knapp 110 Euro.   StefanvonGagern
Tonpegelanzeige.  Die  App  greift  auf  di-
verse Cloudspeicher zu und kann direkt 
auf Facebook, Vimeo und YouTube aus-
Illustration: Stefan von Gagern

spielen.  Wer  die  alte  Studio-Version  be-


sitzt, kann gratis updaten, Neukunden be-
zahlen 14,99 Euro. Die einfache Version, 
Schattierungen in Skizzen
Pinnacle Studio 5.4.2, für 2,99 Euro erlaubt  und Zeichnungen – hier
den Schnitt von Videos sowie das Einfü- in Adobe Draw– gelingen mit
gen von Übergängen und weiterer Eff ek- der schrägen Spitze des
te. ↗ www.corel.de  ml Apple Pencil sehr realistisch
060 page 01.16 › NeUeS

Bild  Starke Frauen gesucht. Seit 


2014 arbei ten Getty Images und 
die Frauenförderungsorganisation Lean In (  http:// 
leanin.org  )  an  der  inzwischen  6000  Bilder  um­
fassen den Lean In Collection. Jetzt wird diese auf 
iStock  und  aufs  Crowdsourcing  ausgeweitet.  Dazu  ist  ein  weltweiter 
Wett bewerb ausgeschrieben, für den jedermann und jedefrau Motive 
beisteuern kann, die das Image von Frauen in den Medien stärken. Was 

Foto: franckreporter/iStock by Getty Images


übrigens gar nicht so einfach ist, ohne plump zu sein – schließlich sind 
starke Frau en ja ganz normale Frauen. Manchmal durchbrechen erstaun­
lich neben sächliche Details die alten stereotypen Bildwelten: beim Foto 
oben die Zeitung, die die Frau in Business­Kleidung liest. Ganz klar eine 
Entschei dungs trä gerin. ↗ http://competitions.gettyimages.com/de

»Some More
Hong Kong
Seating
Arrange-
ments« ist
schon Michael
Wolfs zweiter
Band über
informelle Sitz-
gelegenheiten

 Urbane Phänomene
Der Band »Hong Kong Flora« enthält  Man kennt den Fotografen von Bild­ packt die Büchlein sehr ansprechend 
Fotos von Pflanzen, die ganz unverdros­ bänden wie »Tokyo Compression«, der  in  Leineneinband  mit  eingeklebtem 
sen mitten im Beton ihr Leben fristen;  in die U­Bahn gequetschte Menschen  Schild. Bis Ende 2016 sollen zehn der je 
Schir me  jeglicher  Art  und  Funktion  zeigt,  oder  dem  Hochhauswahnsinn  30 Euro teuren Bücher erscheinen – »ei­
fin det man in »Hong Kong Umbrella«  aus »Architecture of Density«. Letzte­ ne Enzyklopädie mit über 1000 Seiten 
und so weiter: Nach Themen sortiert,  ren  fotografierte  Wolf  in  Hongkong,  über ein Stück Kultur, das ver schwin­
zeigt eine Reihe kleiner Fotobände von  wo  er  seit  zwanzig  Jahren  lebt  und  det«, wie Wanderer sagt. Schnell be­
Michael Wolf aus dem Verlag Peperoni  auch die Straßenimpressionen für die  stel len, denn die Einzelbän de sind im­
Books ungewöhnliche und witzige All­ neue Buchreihe entstanden. Peperoni­ mer rasch vergriffen. 
tagseindrücke aus Asien.  Verlagsgründer Hannes Wanderer ver­ ↗ www.peperoni-books.de
062 page 01.16 › NeUeS › Bild

Berlin mal anders.


Ein Hinterhof in Mitte auf
einem Bild der laif-
Fotografin Katja Hoffmann

 Illustratoren mit Ideen gesucht
Ausdrücklich  an  Illustratoren,  die  noch  kein  Kinder­  oder  
Jugendbuch veröffentlicht haben, richtet sich der neue Nach­
wuchs wettbewerb des traditionsreichen Ravensburger Buch­
verlags. Bis 19. Februar können Illustratoren oder Teams aus 
Zeichner und Autor Ideen einreichen. Gefragt sind ein Exposé 
der Geschichte, ein Storyboard sowie zwei farbig illustrierte 
Dop pelseiten, die einen visuellen Eindruck vermitteln. Der Ex­
pertenjury gehören neben Angehörigen des Verlags unter ande­
rem Vertreter von PAGE sowie der Illustratoren Organisation 
e. V. an. Es gibt Preisgelder von 2000, 1000 und 500 Euro; der Sie­
ger hat die Option, seine Idee zu veröffentlichen. Preisverlei­
hung ist im März auf der Leipziger Buchmesse.
↗ www.ravensburger.info/illu2016

 AGBs als Graphic Novel
Wie oft haben Sie schon ihr OK­Kreuzchen bei den »Terms and 
Conditions« von iTunes gemacht, ohne sie gelesen zu haben? 
Comic­Zeichner Robert Sikoryak will uns den Einstieg erleich­
tern und postet auf Tumblr täglich ein Stückchen Text – aufbe­
reitet als Graphic Novel. Wobei jede Folge stilistisch eine Hom­
 Nicht bloß Reportagen mage an andere berühmte Artists ist, ob Stan Lee, Hergé, Scott 
Eigentlich kennt man die Kölner Agentur laif eher für doku­ Adams, Robert Crumb oder Daniel Clowes. So schaut man Ge­
mentarische Fotografie: Gleich drei Fotografen, deren Bilder  schäftsbedingungen gern mal genauer an.
sich im laif­Archiv finden, gehörten in den Kategorien Foto des  ↗ http://itunestandc.tumblr.com
Jahres und Cover des Jahres jüngst zu den Gewinnern der Lead ­ 
Awards. Doch in dem auch durch viele renommierte internatio­
nale Partneragenturen reichhaltigen Bildangebot finden sich 
ebenfalls Motive für den illustrativen Gebrauch, etwa zu The­
men wie Lifestyle, Essen und Trinken, Architektur, Mode, Beau­
ty und so fort. Die Bilder findet man nun, indem man bei der 
Suche den neuen Filter »Mood & Creative« anklickt. 
↗ www.laif.de Die iTunes-AGBs,
erklärt von Robert
Sikoryak – hier im
Stil von »Garfield«-
Zeichner Jim Davis

 Fotos, die Bericht erstatten
Die lang krisengebeutelte Reportagefotografie ist wieder im 
Kom men – da bietet das »Handbuch des Fotojournalismus« aus 
dem dpunkt.verlag die richtige Lektüre (440 Seiten, 39,90 Euro, 
ISBN  978­3­89864­834­9).  Autoren  sind  Lars  Bauernschmitt 
 Retro-Zeichenschule und Martin Ebert, führende Köpfe des renommierten Studien­
Ein zauberhaftes Zeichenbuch hat der Münchner Knesebeck  gangs Fotojournalismus und Dokumentarfotografie der Hoch­
Verlag als Faksimile veröffentlicht: das erstmals 1913 erschie­ schule  Hannover.  Mit  Herzblut  und 
nene »Wie wir zeichnen, was wir zeichnen« von Edwin George  Know­how behandeln sie Themen wie 
Lutz (80 Seiten, 12,95 Euro, 978­3­86873­845­2). Der Amerika­ Gestaltung,  Märkte  und  Honorare, 
ner, der immer als E. G. Lutz signierte, war seinerzeit ein witzi­ Geschichte (links das erste Cover des 
ger, bei vielen Zeitungen gefragter Illustrator – und entwickel te  »ZEITmagazins«  von  1970!),  digitale 
eine Methode, mit der angeblich jeder zeichnen lernen kann:  Bearbeitung, Lokaljournalis mus, PR 
Einfach mit geometrischen Strichen anfangen und diese dann  et cetera. Was Profi­ und engagierte 
schrittweise mit Details ergänzen. Funktioniert auch schon bei  Amateurfotografen ebenso wie Bild­
Zeichnern im Kindesalter. nutzer anspricht. cg
↗ www.knesebeck-verlag.de ↗ www.dpunkt.de
page 12.15 63

Typo 1 Xmas-Grüße. Für


fleißige Weihnachts-
kartenschreiber erweiterte der Berliner De-
signer Eike Dingler seine Pattern-Typo (sie-
he PAGE 07.15, Seite 68 ff.) um vier Christ-
mas-Pattern-Schriften mit Schneeflocken,
Sternen und Tannenzweigen. Zu beziehen
über MyFonts – bis zum 11. Dezember gilt
1

der Einführungspreis von knapp 40 statt 80 Euro. ↗  http://is.gd/xmas


pattern Neue Perspektiven. Ein Ritt durch Geschichte, Gegenwart
und Zukunft der Typografie ist das Buch »Type: New Perspectives in Typo-
graphy«, herausgegeben von Henrik Kubel und Scott Williams (Laurence
King Publishing, 27,95 Pfund, ISBN 978-1-78067-306-6). In ihm finden sich
fünf Aufsätze bekannter Kreativer und eine Vielzahl toller typografischer
Arbeiten. Einzig die Informationen zu den Artworks sind ein bisschen
kurz. ↗  www.a2swhk.co.uk Peter Biľaks neue Foundry. Gemein-
sam mit dem libanesischen Designer Kristyan Sarkis gründete Typo-
theque-Inhaber Peter Bil'ak jetzt die Foundry TPTQ Arabic mit dem Ziel,
hochwertige arabische Schriften und Systeme für bilinguale Typografie
zu entwickeln. ↗  https://tptq-arabic.com

 Eric Gill lebt
Die soeben erschienene Eric-Gill-Serie besteht aus
der Gill Sans Nova, Joanna Nova und Joanna Sans
Nova. Sie umfasst Überarbeitungen und Erweiterun-
gen der in den 1920er und 1930er Jahren von Eric Gill
geschaffenen Gill Sans, einer der beliebtesten Schrif-
ten aller Zeiten, sowie der Buchschrift Joanna. Für
den Einsatz in digitalen Umgebungen entwickelte
Monotype-Designer Terrance Weinzierl die Joanna
Sans Nova, die mit frischem Look die humanistische
Tradition der Joanna fortsetzt. Zu beziehen sind die
insgesamt 77 Fonts etwa bei FontShop. ant
↗  www.fontshop.de
Die Ausstellung zur Eric Gill
Series ist vorbei, da hilft nur Schriftklassiker neu entdeckt. Noch mehr zur
eines: die Fonts zu kaufen gill Sans und Joanna lesen und sehen Sie auf
↗  www.page-online.de/eric-gill-series
064 page 01.16 › NeUeS

Publikationen
1  »Schreibmaschinenkunst«. Wetten, dass dieses Buch so manchen
Gestalter inspiriert, gleich bei eBay eine Schreibmaschine zu erstehen?
Zu sehen sind hier nämlich über 550 faszinierende Werke aus der weltgröß­
ten Sammlung von Tippkunst, dem 1979 von Marvin und Ruth Sackner
gegründeten Archive of Concrete and Visual Poetry. Von Abstraktion bis
Realismus ist alles dabei – Bilder aus Satzzeichen, maschi­
nengeschriebene Künstlerbücher, Texturen aus Texten.
Besonders spannend sind die Arbeiten mit überraschen­
den Verbindungen von Text und Gestaltung. Das Buch­
design inklusive Lesebändchen im Look schwarz­roten
Schreibmaschinenbands übernahm das bekannte Studio
Marvin und Ruth
Sackner: Schreibma- Graphic Thought Facility, selbst bekennende Schreibma­
schinenkunst. (Sieve-
king) 2015, 352 Seiten. schinenfans. Und dank Digitaldruck ist jedes Cover an­
69,90 euro. ISBN 978-
3-944874-25-8 ders, jedes Buch also ein Unikat.

 »Die Welt im Spiel«. Weg mit iPhone oder Play­ Würfelspiel


Station, jetzt wird mal analog gespielt. Und zwar Mit Robinson Crusoe
mit diesem wunderschönen Buch, das 63 prächtige auf die einsame Insel
reisen – mit diesem
Spielpläne aus vergangenen Jahrhunderten präsen­
Spiel aus Mainz von
tiert, die man dank kenntnisreicher Texte kultur­
circa 1850
geschichtlich, aber mit Würfeln auch einfach spie­
lerisch erkunden kann. Da gilt es im »Post Office
Game« möglichst schnell Briefe auf einem New­
York­Stadtplan auszutragen, man kann die Aben­
teuer von Robinson Crusoe oder Jules Vernes »Rei­
se um die Welt« miterleben, aber auch auf fremde
Planeten fliegen oder mit sowjetischen Arbeitern
zu einer gesünderen Lebensweise finden. Eine raf­
finierte Schweizer Bindung erlaubt es, den einge­
hefteten Kommentarband mit Spielregeln parallel
zum Bildteil zu öffnen. Eine wahre Perle für Biblio­
phile und Game­Addicts.

Ernst Strouhal: Die Welt im


Spiel. Atlas der spielbaren
Landkarten. Wien (Brandstätter)
2015, 224 Seiten. 59 euro.
ISBN 978-3-85033-929-2
page 01.16 065

© Courtesy Jiří Kolář Estate, Galerie Lelong, Paris, und The Sackner Archive of Concrete and Visual Poetry

1
Schöner tippen
Der tschechische Künstler Jiří Kolář
arbeitete hier mit überlagerten
perforierten Drucken
066 page 01.16 › NeUeS › publikationen

 »Modern Heraldry«. Das kleinste Logo­


Buch der Saison stammt vom britischen Indie­
Verlag Counter­Print, der so seine charman­
te Reihe »Trademarks & Symbols« fortsetzt.
Diesmal also heraldische Logos, sei es, dass
diese wirklich solche Wurzeln haben, sei es,
dass sie mit Assoziationen spielen. Ersteres ist
beispielsweise bei den aktuell zu neuem Le­
ben erwachenden Manufakturen der Fall.
Letzteres kann sehr witzig sein, indem banale
heutige Dinge wie Bierflaschen oder Smileys
 »Logo Modernism«. Noch nie haben wir so viele auf Hoheitszeichen treffen. Das Zeichen oben
gestaltete Sam Dallyn für die beliebte Story­
Titel über Branding erscheinen sehen wie in diesem telling­Community Storybird. Deutsche Dis­
tributoren hat Counter­Print nicht, Bestellun­
Bücherherbst. Aber angesichts der unaufhörlich gen also über www.counter­print.co.uk.

wachsenden Vielzahl von Marken ist es auch nie so Counter-Print: Modern


Heraldry. Seals, Stamps,
wichtig gewesen, eine unverwechselbare Identität Crests & Shields. Starston

zu besitzen wie heute. Das größte aktuelle Buch über (Counter-print) 2014,
144 Seiten. 9,50 pfund.

Logodesign kommt natürlich aus dem für seine ISBN 987-0-9570816-6-6

opulenten Publikationen berühmten Taschen Ver­


2  »Designing  Your  Identity«.  Briefe sind

lag und zeigt rund 6000 Zeichen aus der Zeit zwi­ im digitalen Zeitalter ja etwas ganz Besonde­
res, sofern sie nicht von Versicherungen oder
schen 1940 und 1980. Zusammengestellt hat es Jens der Verkehrsbehörde kommen . . . Auch Ge­
schäftsausstattungen werden darum immer
Müller, PAGE­Lesern bekannt durch seine kleine, aufwendiger als erlesene analoge Botschafter
der Identität inszeniert. Wie in diesem Band
aber feine, bei Lars Müller Publishers erschienene die vielen exquisiten Designs für Architektur­
»A5«­Buchreihe zur Designgeschichte. Jetzt also ein studios, Manufakturen oder auch mal Invest­
mentberater zeigen: Da glänzt und schimmert
stolze 3,6 Kilogramm schwerer Wäl­ es, Sonderfarben leuchten, Prägungen oder
Relieflacke laden zu haptischen Erlebnissen
zer über Logos, nach gestalterischen ein, Visitenkarten und Briefbögen warten mit
liebevollen Details wie farbigem Schnitt auf.
Gesichtspunkten sortiert und berei­ Auffällig oft zieren auch aus dem Logo abge­
leitete geometrische Muster die Geschäfts­
chert durch einzelne Case Studies mit papiere. Solche Post zu bekommen, macht
Spaß – und der Absender bleibt einem mit
Anwendungsbeispielen. Dabei ist fas­ Sicherheit im Gedächtnis.

Jens Müller: Logo


zinierend, dass keines der teils doch Wang Shaoqiang (Ed.):
Modernism. Köln äußerst betagten Logos altmodisch Designing Your Identity.
(Taschen) 2015, Stationary Design. Barce-
432 Seiten. 49,99 eu- wirkt. Echte Klassiker wirken eben lona (promopress) 2015,
ro. ISBN 978- 240 Seiten. 45 euro.
3-8365-4530-3 immer zeitgemäß. ISBN 978-84-15967-44-6
page 01.16 067

Schöne Post
Entwürfe von Anna
Láng und Richard
Horvath – zufällig
beide aus Budapest

2
 »Understanding  Branding«. Ein Buch über Bran­
ding, das auf den ersten 140 Seiten ganz ohne Bilder aus­
kommt – kann das sinnvoll sein? Absolut! Und es kann
sogar ein neues Standardwerk zum Thema Markenent­
wicklung im Zusammenspiel zwischen Kunde und Agen­
tur werden. Schritt für Schritt handelt Daniela Hensel
dies in den Kapiteln »Beauftragen«, »Verstehen«, »Pla­
nen«, »Gestalten« und »Umsetzen« ab, und zwar in le­
bendigen, bestens lesbaren Texten. Am Ende beschreibt
die Professorin der Hochschule für Technik und Wirt­
schaft Berlin, die schon für ihre praxisnahe Lehre aus­
gezeichnet wurde, noch ausführlich drei Fallbeispiele.
Da sieht man dann, wie bei Edenspiekermann, Meta­
Design und Strichpunkt die oben genannten Steps im
echten Leben ablaufen. Kurz, das Grundlagenwerk ist
Muss für alle an Brandingprozessen Beteiligten. cg

Daniela Hensel: Understanding


Such, Dackel!
Branding. Strategie- und Design-
Steps auf dem
Weg zum Branding
prozesse in der Markenentwicklung
von Edenspieker- verstehen und anwenden. München
mann fürs Portal (Stiebner) 2015, 240 Seiten. 34,90 euro.
GetYourGuide ISBN 978-3-8307-1433-0
068 page 01.16 › NeUeS › publikationen

Die schönsten aktuellen


Kinderbücher
Judith  Drews:  Paris  Wimmelbuch. Berlin Märchenbuch
(Wimmelbuchverlag) 2015, 12 Seiten. 33,6 mal Finnische Folklore und Sagen-
25,8 Zentimeter. 9,95 euro. 978-3-942491-52-5. welt inspirierten Sanna
London Wimmelbuch. 978-3-942491-49-5. Nach Annukkas Bilder zur Geschich-
dem »Berlin Wimmelbuch« lädt Illustratorin Judith te der kleinen Gerda,
die ihren Freund Kay sucht
Drews kleine Entdecker auch nach Paris und Lon­
don ein. Der Berliner Wimmelbuchverlag ist über­
haupt der Spezialist fürs Genre.
Judith Drews: Draußen. Mein Naturbuch. Ber-
3
lin (Jacoby & Stuart) 2015, 440 Seiten. 24,95 eu-
ro. 978-3-942787-63-5. Drei Jahre lang hat Judith
Drews mit ihrer inzwischen 10­jährigen Tochter Lilli Wir wollen backen!
an diesem Buch gearbeitet, das junge Digital Jun­ Im März erschien »Lass
kies zur kreativen Erkundung der Natur verführt. uns was pflanzen«,
jetzt laden Lidström und
Lilli fertigte auch alle Illustrationen an, die den Fo­
Nyberg zu Kuchen und
toband ergänzen.
Keksen in die Küche ein
3 Hans Christian Andersen & Sanna Annukka: 
Die Schneekönigin. München (Knesebeck) 2015, 4
88 Seiten. 14,95 euro. 978-3-86873-873-5. Mit sil­
bern geprägtem Leineneinband und erlesenen Illus­
trationen, die zu bunten Initialen passen, ist diese
Ausgabe des berühmtem Märchens um die eiskalte
Schneekönigin ihr Geld allemal wert.
4 Clara Lidström und Annakarin Nyberg: Lass 
uns was backen. Schritt für Schritt. Berlin (Kleine
gestalten) 2015, 48 Seiten. 14,95 euro. 978-3-
89955-750-3. Ab 5 Jahren kann man sich mit die­
sen Rezepten kreativ in der Küche betätigen.
Anna Kövecses: Tausend Sachen. Berlin (Ja-
coby & Stuart) 2015, 80 Seiten. 16,95 euro. 978-
3-942787-61-1. Erste Wörter mit zauberhaften Il­
lustrationen im Vintage­Stil lernen.
5 Claudia Schreiber, Yayo Kawamura: Ich, Luisa, 

Königin  der  ganzen  Welt.  München (Hanser)


2015, 40 Seiten. 14,90 euro. 978-3-446-24934-9. Mal Chef sein
Es ist doch einfach herrlich, mal davon zu träumen, Die in Kreuzberg leben-
überall das Sagen zu haben! de Illustratorin Yayo
Karin  Lindeskov  Andersen:  Hamburg-ABC.  Kawamura ließ die
Fantasien der kleinen
Hamburg (Junius Verlag) 2015, 28 Seiten. 12 eu-
Luisa wahr werden
ro. 978-3-88506-098-7. Man kann nicht früh ge­
nug Franzbrötchen und Peterwagen kennenlernen –
hier schon ab 18 Monaten. 5
Ulf K.: Juri, der Weltraumpilot. Hamburg (ala-
din) 2015, 32 Seiten. 12,90 euro. 978-3-8489-
1019-9. Für Action­Hungrige ab 3 Jahren. 6
6 Anouk  Ricard:  Anna  und  Froga.  Kaugummi?

Berlin (Reprodukt) 2015, 40 Seiten. 14 euro. 978-


3-95640-058-2. Die unglaublichen Abenteuer der
besten Freundinnen Anna und Froga machen Men­
schen ab rund 6 Jahren Spaß.

Lustige Abenteuer
Noch mehr Tipps für alle, die sich selbst
Anna und Froga sind
oder anderen tolle Bücher schenken wollen
mit Regenwurm
unter ↗ www.page-online.de/graphic-
Christopher befreundet
novels-2015 und ↗ www.page-online.de/
schoenste-illustrierte-buecher-2015
page 01.16 069

Publishing-News
Lichtbox Petra  Sammer:  Visual  Storytelling.  Visuel- 
Diese Lampe von David les  Erzählen  in  PR  und  Marketing. Heidelberg
Graas – zu haben auf sei- (O’Reilly) 2015, 344 Seiten. 29,90 euro. 978-3-
ner Website – ist quasi 96009-001-4. Die Autorin ist Chief Creative Officer
in sich selbst verpackt
der PR­Agentur und Kommunikationsberatung Ket­
chum Pleon – und behandelt ihr Thema anhand zahl­
reicher Beispiele mit Erfahrung und Leidenschaft.
7 Working Title & Co: Box It Up. Singapur (Ba-

sheer graphic Books) 2015, 316 Seiten. 39,90 eu-


ro. 978-981-09-0379-4. Schon erstaunlich, was
Künstler und Designer alles Schönes und/oder Prak­
tisches mit Kisten und Kartons anstellen! Ob smar­
te Verpackungen, Spielzeug, Street Art, Installatio­
nen oder Pop­up­Cafés: All dies und noch viel mehr
ist in dieser seit Kurzem nun auch in Europa erhält­
lichen Publikation zu sehen.
8 Michael-A.  Konitzer  (Hrsg.):  Annual  Multi-

media  2016:  Jahrbuch  für  digitales  Marketing. 


7 Regensburg (Walhalla Verlag) 2015, 376 Seiten.
79 euro. 978-3-8029-0416-5. Die von Herburg Wei­
land gestaltete Wettbewerbsdokumentation zeigt
mehr schöne und vielseitige Projekte denn je.
9Trendone: Trendbook 2018. Hamburg (Trend-
one gmbH) 2015, 288 Seiten. 98 euro. 978-3-00-
049975-3. Zum vierten Mal veröffentlichen die Ham­
burger Trendforscher einen abwechslungsreich ge­
stalteten Einblick in die Zukunft von Technologie,
Marketing und Kommunikation.
8 Christian Solmecke, Sibel Kocatepe: Recht im 
Online-Marketing. So schützen Sie sich vor Fall-
stricken  und  Abmahnungen.  Bonn (Rheinwerk
Verlag) 2015, 749 Seiten. 44,90 euro. 978-3-8362-
3476-4. Urheberrecht, Datenschutz, Content Mar­
keting, E­Commerce und vieles mehr – der praxis­
bezogene Wälzer lässt kaum eine Frage offen.
Sebastian Stiller: Planet der Algorithmen. Ein 
Reiseführer. München (Knaus Verlag) 2015, 256
Best of multimedial Seiten. 14,99 euro. 978-3-8135-0693-8. »Versteht
Neues Jahrbuch im Cyber- sie, bevor sie euch verstehen« – so das Motto des un­
Look – und preisgekrönte terhaltsamen Buchs, in dem ein junger Mathema­
Website von KesselsKramer tikprofessor jenseits von Hype und Panik Algorith­
fürs NRW-Forum
men und ihre wachsende Macht erklärt.
Frank Bodin: Do it, with love. 100 creative es-
Bricks & Clicks
Wie greifen stationärer
sentials. Mainz (Hermann Schmidt) 2015, 216 Sei-
Handel und E-Commerce ten. 16,80 Seiten. 978-3-87439-870-1. Der CEO
künftig ineinander? Eins von Havas Worldwide Switzerland und Präsident des
der Themen im »Trendbook« Schweizer Art Directors Club twitterte ein Jahr lang
9 jeden Tag eine These zur Kreativität. Die besten Hun­
dert sind jetzt in einem hübschen kleinen Kunstle­
derbändchen zu finden. cg

Publikationen. Weitere Buchempfehlungen


für Kreative in Design und Development lesen
Sie auf ↗  www.page-online.de/buecher  

PAGE eDossiers. Unsere eDossiers zu Themen


rund um den kreativen Berufsalltag gibt es
unter ↗  http://shop.page-online.de/downloads  
070 page 01.16 › projekte › erscheinungsbild Magnus & Magnus

»Depero Quadrigea entstand, weil


die richtigen Leute am falschen
Ort waren«, sagen Alex Ristori und
Oskar Dahlqvist. Deshalb schmis-
sen sie ihre Agenturjobs, um sich
fortan auf Gestaltung zu konzentrie-
ren, anstatt in Meetings zu sitzen
page 12.15 071

PROJEKTE

Göteborg
Gourmets
Im Magnus & Magnus in Göteborg schlemmt die Künstler- und Kreativen-
szene der Stadt. Dank des neuen Corporate und Interior Designs von
Depero Quadrigea jetzt inmitten eines märchenhaften Karnevals der Tiere
072 page 01.16 › projekte › erscheinungsbild Magnus & Magnus

»Der Stadtplan am Tresen kann vielleicht sogar hilfreich


sein, wenn man nach einem langen Abend im Magnus & Magnus
Schwierigkeiten hat, den Weg nach Hause zu finden«
Alex Ristori und Oskar Dahlqvist, Gründer des Designstudios Depero Quadrigea, Göteborg
page 01.16 073

Lizenz zum wilden Fantasieren:


Die Inhaber des Restau-
rants, Magnus Gunnarsson
und Misho Angelovski, lie-
ßen Depero Quadrigea bei der
Gestaltung alle Freiheiten

● Im Magnus & Magnus in Göteborg werden die xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


Lammfilets mit einem Hauch Lakritz serviert, Karot­ ProjekT Corporate und Interior
ten in Ziegenmilch gegart und Tartar schon mal mit Design für ein Restaurant
Sauerklee verfeinert. Seit mehr als 15 Jahren ist das kunDe Magnus & Magnus, Göteborg
Restaurant eine Institution in der Küstenstadt und ↗  www.magnusmagnus.se  
DeSignSTuDio Depero Quadrigea,
das »kulinarische Wohnzimmer« der Künstler und
Göteborg ↗  http://vvv.dq.se  
Kreativen – darunter auch Alex Ristori und Oskar
ToolS Staedtler-Stifte, Gänse-
Dahlqvist vom Designstudio Depero Quadrigea. federkiel, Wasserfarben, Photoshop,
Viele Abende haben sie hier verbracht – und es Illustrator
wurden noch mehr, nachdem die Inhaber Magnus ZeiTrAuM April bis Mai 2015
Gunnarsson und Misho Angelovski die beiden baten,
das Restaurant, das mit seinem beigen Interieur und
der abstrakten Kunst an den Wänden in den 1990ern
vor sich hindümpelte, neu zu gestalten. Zugleich soll­
ten sie ein neues Logo entwickeln, neue Speisekarten
und auch einen neuen Webauftritt. Ein großartiger
Auftrag für Ristori und Dahlqvist, die Depero Quadri­
gea erst 2014 gestartet haben und bekannt sind für
ihren eigensinnigen und illustrativen Stil.
Dennoch saß den beiden anfangs das Renommee
des Restaurants im Nacken, das Michelin­Stern­
gekrönt, zu den besten Skandinaviens zählt. Also
ließen sie sich erst mal ganz in Ruhe im Magnus &
Magnus nieder, beobachteten, wie die Gäste das
Restaurant betraten, wie sie an der Bar auf einen
Tisch warteten, in der Speisekarte blätterten, nach
und nach den Alltag hinter sich ließen und in eine
andere Welt eintauchten, die voller kulinarischer
Überraschungen steckt, und von einem schillern­
den und freudvollen Chef regiert wird.

Haute Safari
Der hatte mitunter noch viel verrücktere Ideen als
die beiden – und schließlich ließen sie sich von des­
sen Kühnheit mitreißen und kreierten eine Mär­
074 page 01.16 › projekte › erscheinungsbild Magnus & Magnus

Betrunkener Bär, kesse chenwelt mit aufsehenerregenden Charakteren


Katze und forscher und so unique wie die Betreiber und wie die Gerich­
Flughund: handgezeich- te, die sie kredenzen: Betritt man heute das Restau­
net mit Tinte und mit
rant, reitet auf der Wand gegenüber ein blauer Ele­
Wasserfarben koloriert
fant im feinsten Frack rücklings auf einem Zebra,
hat den Zylinder dabei keck aufgesetzt und die Zü­
gel um den Schwanz geschwungen. Gegenüber stol­
ziert ein Truthahn mit Gehstock herum und ein
Krokodil labt sich am Rotwein. Dazu ist ein Fuchs
im Gehrock eifrig dabei, die Szenerie mit einer anti­
ken Lochkamera festzuhalten.
Die fantastische Tierschar tollt über die Wände
des Lokals, die Speisekarten und auch die Website.
Im Gastraum selbst wird sie flankiert von kleinen,
gerahmten Illustrationen, in denen Taschenuhren
durch die Lüfte flattern und Katzen kess im tief de­
kolletierten Kleid posieren, während auf altehrwür­
digen Landschaftsgemälden, die Ristori und Dahl­
qvist im Trödel aufgestöbert haben, seltsame Flug­
wesen mit Zylinder auf den haarigen Köpfen durchs
Bild fliegen. Als Reminiszenz an die Kochkunst im
Magnus & Magnus, wo häufig nur eine einzelne un­
gewöhnliche Zutat ein traditionelles Gericht neu
erfindet, haben sie die Ölschinken mit ihren Illus­
trationen garniert. Und auch die anderen Motive
fordern frei nach der Gourmet­Philosophie des Re­
staurants dazu auf, sich zu verlieren, die Zeit »weg­
flattern« zu lassen und abseits ausgetretener Pfade
eigene Wege zu gehen – auch wenn das heißt, dass
man dabei verkehrt herum auf einem Zebra reitet
oder einfach nur ein neues Gericht probiert.
page 01.16 075

Handmade durch und durch


Das gesamte Erscheinungsbild ist handgezeichnet –
inklusive der 300 Einladungskarten zur Feier des neu­
en Designs, die Alexander Ristori mit Tinte und Gän­
sefederkiel mit Namen und persönlicher Anrede ver­
sah. Der Gänsefederkiel, der bei Depero Quadrigea
immer wieder zum Einsatz kommt, ist nur eines der
zahlreichen Schreib­ und Malwerkzeuge, mit denen
die beiden Gestalter mit Vorliebe arbeiten. Durch­
weg in Handarbeit versteht sich, denn bevor die zwei
in die Agenturwelt einstiegen, waren sie in der Street
Art und in der Kunst unterwegs.
Das Figurenkabinett für Magnus & Magnus skiz­
zierten sie zunächst mit Bleistift, zogen anschlie­
ßend die Linien mit Tinte nach und füllten die Flä­
chen mit Wasserfarben aus, sodass die schwarzen
Linien durchscheinen. Ihre größte Freude aber wa­
ren die Wandgemälde: Mit Acrylfarben malten sie di­
rekt auf die neuen dunkelbraunen Wände, Schicht
für Schicht, damit die Figuren an Tiefe gewannen.
Das Ganze am liebsten nachts, sodass die Figuren wie
durch »Magie« am nächsten Morgen aufschienen.
Die Bar des Restaurants verzierten sie dagegen mit
einem dreidimensional anmutenden städtischen La­
geplan. Wer in Göteborg lebt, erkennt die einzelnen
Straßen sofort, sagen sie. Liegt das gemalte Göteborg
einem fast zu Füßen, so flattern hoch über der Theke
Bewohner aus den Meerestiefen: Aus Draht, Netzen
und diversen Stoffen bastelten die Gestalter leuch­
tenden Quallen, die auf Göteborgs Hafenflair ebenso
anspielen wie auf die Fischgerichte des Restaurants.

À la Carte!
Für die Speisekarten und die Website haben Ristori
und Dahlqvist ihre Zeichnungen gescannt und zu
einem Emblem arrangiert – in dem die neue Märchen­
welt des Magnus & Magnus mit einem Wappen aus
Messer, Gabel, Löffel und dem Claim »Fun Dining«,
über dem ein betrunkener Bär mit Zylinder schwebt.
Sind die Speisekarten, die in Streifen der Untersei­
te des Linoleums des Restaurantbodens eingefasst
sind, auch haptisch ein Erlebnis, hat die Gestalter an
der Website nicht die Technik interessiert, sondern
vor allem, das man einen ersten Eindruck von der
Welt bekommt, die einen im Restaurant erwartet.
Ganz simpel und wie beim Lesen einer alten Schrift­
rolle scrollt man hinunter, vorbei an Gabeln und
Messern mit Flügeln und hin zu einer illustrierten
Timeline, die von der Geschichte des Restaurants
erzählt, kommt zur Karte und Weinliste und kann
einen Tisch reservieren.
Das hat neulich auch die Entourage des früheren
spanischen Königs getan. Wie Juan Carlos I., der 2012
mit seiner Elefantenjagd in Botswana einen Skan­
dal auslöste und sein Ehrenamt beim WWF verlor,
die selbstbewussten Dickhäuter gefielen, ist nicht
überliefert. Die Design­Community jedenfalls ist
von ihnen ausgesprochen angetan. Sie nominierte
das Branding des Magnus & Magnus für die Swe­
dish Design Awards 2015. sd
076 page 01.16 › projekte › animated-gIF-Fotobox

Die Hamburger Digitalagentur Fork Unstable Media hat ihn konstruiert:


den ersten, in Echtzeit funktionierenden GIF-Automaten

Die GIF-Box von Fork Unstable


Media filmt auf Knopfdruck drei
Sekunden und zeigt die Sequenz
im Loop. Noch ein Knopfdruck,
und sie lädt das GIF in einen Twitter-
Channel, nachdem es mit dem
gewünschten Wasserzeichen und
Hashtags versehen wurde.
Ein zweiter Button ist für den
Abbruch da, falls die Auf-
nahme nichts geworden ist
page 01.16 077

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
PROJEKT Konzept, Gestaltung und Entwicklung einer GIF-
Fotobox für den Start-up-Pitch des Reeperbahn Festivals 2015
↗  https://twitter.com/4rk_bsmnttps
AGENTUR Fork Unstable Media, Hamburg ↗  www.fork.de
TECHNIK Raspberry Pi, RaspiCam, Papier, Schere, Stift,
OmniGraffle, Breadboard, Labornetzteil, Heißkleber, Gaffa,
HTML, FFmpeg, Node.js, JavaScript
ZEITRAUM Anfang August bis 23. September 2015

● »Kein Briefing, kein Druck und kein besonderer An-


lass! Einfach nur der Neugier folgen. Solche Projekte
sind richtig befreiend.« Arne Hollmann, Kreativdirektor
bei der Digitalagentur Fork Unstable Media in Ham-
burg, ist begeistert. Neben ihren kommerziellen Projek-
ten begannen einige Fork-Mitarbeiter im Frühjahr 2015
lustig herumzutinkern. Heraus kam eine GIF-Box, die
erstmals beim StartUp@Reeperbahn Pitch Ende Sep-
tember zum Einsatz kam.
Den Impuls gab die Entwicklungsabteilung, die gera-
de einen Raspberry Pi und eine RaspiCam auf dem Tisch
hatte und damit etwas anstellen wollte. Hollmann sin-
niert, wie die Idee eigentlich zustande kam: »Im Grunde
ist es Alltagsgeschäft. Man schickt einen Strauß Ideen
zum Kunden, mit kleinen, alltäglichen Blumen und ein
oder zwei großen, exotischen. Die großen Blumen fin-
den immer alle ganz toll, nur die Realisierung klappt
aus irgendwelchen Gründen nicht.« Insbesondere bei
Vorschlägen aus dem Bereich Internet of Things hieße
es meist: nur punktuell einsetzbar, zu aufwendig, zu
schlecht abschätzbar. »Also haben wir rationale Argu-
mente und Rentabilitätsfragen vom Tisch gewischt und
einfach mal losgebastelt.« Arne Hollmann grinst.

Plötzlich Realität
Und so wurde, was im Juni 2015 noch bloße Spielerei
war, im Sommer auf einmal ein echtes Projekt. »Auf die
Straße gebracht haben wir es zum StartUp@Reeper-
bahn Pitch. Dort haben wir den Publikumspreis ge-
sponsert und den Veranstaltern aus Spaß die portable
Version der Box gezeigt. Sie waren gleich angefixt und
wollten natürlich das große Teil. Schon hatten wir den
Salat«, berichtet Arne Hollmann. Also her mit Schrau-
benzieher, Heißkleber und Lötkolben!
Natürlich hagelte es Hindernisse. »Neben den nor-
malen 20 unbedachten Prozent, die während der Ent-
wicklung von Code, Hardware und Kreation anfallen,
mussten wir die große Box an den Start kriegen«, stöhnt
Hollmann. Für den Bau der Kabine mit Vorhang, ähn-
lich wie bei Passbildautomaten, musste ein Dienstleis-
ter gefunden werden, der Zeit für den Auftrag hatte.
Fündig wurde Fork im Messebau. Die bauten die Kiste
innerhalb einer Woche. Währenddessen mühten sich
die Entwickler an einem selbsterklärenden Ablauf und
der entsprechenden Logik im Hintergrund ab.
Das Team näherte sich der Lösung über ein ganz
einfaches Storyboard und machte sich dann mittels
Flowchart die tatsächlichen Ausmaße des Projekts be-
wusst. Auf dieser Basis entstanden Seitentypen – denn
in der Umsetzung blieben die Entwickler bei ihrem
»Ready to go«, Projektmanager Leisten: Die Forkbox ist in HTML programmiert und
Sebastian Kuhs drückt den grünen läuft im Fullscreen-Browser. »Da wir unsere Fork-Web-
Aufnahmeknopf. Eine Ecke aus site gleichzeitig mit der GIF-Box launchen wollten, setz-
OSB-Platten im Keller der Agentur ten wir kurzerhand die gleichen Styles ein«, erklärt
diente als Raum für den halböffent- Hollmann den Vorteil, alles in HTML aufzusetzen.
lichen Auftakt (Mitte links). Der
Prototyp aus Screen und Pappe (Mitte Immer wieder die Frage: »Was geht da?«
rechts) funktionierte zu dem Zeit-
punkt schon einwandfrei, findet Deve-
»Unsere Prototyping-Tools waren ganz traditionell Pa-
loper Alexander Dobbert (unten) pier, Schere, Stift, OmniGraffle, Breadboard, Labornetz-
teil, Heißkleber und Gaffa«, beschreibt Arne Hollmann
die ungewohnt handwerkliche Kreation. Schnell stand
dann in der Entwicklung ein Prototyp aus Karton auf
dem Tisch, der um einen Bildschirm geklebt wurde, um
die Position der Buttons neben dem Schirm in Relation
zu den Anweisungen am Screenrand sehen zu können.
Ziel war es, das GIF auf dem Raspberry Pi aus einer
aufgenommenen Filmsequenz zu generieren. »Einzel-
bilder auf einen Server im Web zu schicken, wo ein Script
das GIF zusammensetzt, ist kein Hexenwerk. Wir woll-
ten alle Arbeitsschritte inklusive Wasserzeichen auf dem
Pi erledigen«, so Hollmann. Außerdem wollte man in
der Wahl der Kanäle flexibel bleiben: Ob Twitter, Word-
Press, Instagram oder Facebook – das sollte später kei-
ne großen Eingriffe mehr erfordern.
Und was ist mit Touchscreens und anderem Schnick-
schnack? »Haben wir weggelassen!«, sagt Hollmann.
»Es hat schon fast etwas Meditatives, das Interface aus
zwei Buttons und kurzen Meldungen auf dem Screen zu
konzipieren«, lacht er und ergänzt: »Alle Designtrends,
die wir heute im Screendesign sehen, haben ihre Wur-
zeln in der echten Welt. Material Design ist da ein gutes
Beispiel, denn es gehorcht physikalischen Gesetzen.
Das alles wieder aufs Wesentliche zurückzudenken, ist
oft schwieriger als gedacht.« Deshalb verzichtete das
Fork-Team auf alles, was die Funktionalität der GIF-Box
von der einer alten Fotobox unterscheidet: Touch-
screens, Personalisierung, Filter und sonstigen Klim-
bim, der unnötig Komplexität in die Sache bringt.

Kellerparty für den Testlauf


Im September war es so weit. »Es stand ohnehin eine
Party mit 200 Gästen an. Da haben wir die Gelegenheit
genutzt und das Ding auf die Menschheit losgelassen«,
erklärt Hollmann. Dort beobachteten sie, wie die Besu-
cher die Box nutzten und wo eventuell Probleme auf-
tauchten. »Die GIF-Box funktionierte wie ’ne Eins«,
freut sich Arne Hollmann. Jeder verstand sofort das
Prinzip – und jeder wollte sie haben. Fork hat inzwi-
schen eine lange Warteliste mit Locations, Marken und
Firmen, die das Konzept für sich explorieren wollen.
»Wo immer wir die Box platzieren, ist die Begeisterung
groß«, schmunzelt Hollmann. Sie ist eben simpel, das
Prinzip ist bekannt und der Spaßfaktor groß. Damit Sie
sich auf der lange Liste nicht hinten anstellen und sich
einen Wolf warten müssen, kommt hier schon mal eine
Anleitung zum Nachbau. ae

Illustrierte animierte GIFs. Nicht nur Foto-gIFs


haben eine große Fangemeinde. Schauen Sie doch
mal auf ↗  www.page-online.de/animierte_gifs
page 01.16 079

GIF-Box Marke Eigenbau


Drei-Sekunden-GIF filmen und es bei
Twitter einstellen oder im Web ablegen:
hier die Step-by-Step-Montage- Passt in jede

anleitung für die fabelhafte Forkbox Hütte: der


verkabelte
Raspberry Pi
in der großen
● Beim Pitch der Startups@Reeper- eines unbeschalteten GPIO-Eingangs
Forkbox L
bahn Ende September war die GIF-Box liegt nicht zwangsläufig bei 0 Volt oder (oben) und
von Fork der Brüller. Die GIFs waren »low«. Der Raspberry Pi erkennt je- verbaut im
im Nu auf dem Twitter-Stream @HH des Signal zwischen 2 und 3,3 Volt als transportablen
Startups zu sehen. Uns war schnell »high«. Die Pins sollten also niemals Case als
klar: Wer hätte nicht gern so ein Ding an einen der 5V-Pins des »Raspi« an- Forkbox S
auf seinem nächsten Event, um lusti- geschlossen werden, denn das würde
ge GIF-Bilder der Konferenzteilneh- die GPIO-Eingänge zerstören.
mer in alle Welt zu twittern? Arne Holl- Solange man die Taster nicht betä- formation »booting«. Kurz darauf er-
mann, Kreativdirektor bei Fork Un- tigt, werden die beiden GPIO-Eingän- scheint automatisch ein Livebild der
stable Media in Hamburg, und sein ge über die Widerstände mit Ground Raspberry Pi Camera.
Team haben für Sie die Bauanleitung verbunden, sodass sie definitiv 0 Volt
in einem Step-by-Step-Tutorial zusam- haben. Betätigen Sie nun einen Tas- GIF-Box programmieren
mengefasst – eine Einkaufsliste ist na- ter, fließt der Strom aus dem 3,3-Volt-

4
türlich auch dabei. Also Lötkolben zü- VCC-Anschluss direkt in den GPIO- Für die Programmierung sind
cken und losgetinkert! Eingang und es ist auf jeden Fall ein zwei Komponenten zu beach-
Unterschied zum vorherigen Zustand ten: Server und Client. Der
Raspberry Pi einrichten messbar ( http://is.gd/sieheelektronik Ser ver steuert den Zustand der Forkbox
kompendiumde ). und erledigt die GIF-Produktion, der

1
Wenn Sie alle Teile Ihrer Ein- Client zeigt das User Interface an. Die
kaufsliste schön sortiert ha- Software einrichten Darstellung erfolgt im Chrome Brow-
ben, verbinden Sie Netzwerk- ser. Alles Weitere, wie zum Beispiel das

3
kabel, Bildschirm und Kamera mit dem Der Einfachheit halber haben Drücken der Taster, die Aufnahme et
Raspberry Pi. Was wohin gehört, er- wir schon ein bootfähiges cetera, erledigt die Serverplattform
klärt Ihnen ein Anleitungsvideo auf der Image der Software vorberei- Node.js. Die Kommunikation zwi-
Raspberry-Pi-Plattform ( http://is.gd/ tet, das Sie unter www.page-online. schen Server und Client erfolgt über
raspberrycamera). Dabei kann eigent- de/gif_fotoboxcode_0116 herunterla- WebSockets, daher könnte man beide
lich nichts schiefgehen. den können. Sie müssen nach dem Komponenten auch physikalisch tren-
Download das Image auf die SD-Karte nen und so beispielsweise die Darstel-
Taster verkabeln (mindestens 4 Gigabyte) flashen. Eine lung im Browser auf einem Computer
genaue Anleitung, wie Sie das Image ausführen oder umgekehrt.

2
Wenn Sie das erledigt haben, des Raspberry-Pi-Betriebssystems auf
geht es daran, die Schalter zu der SD-Card installieren, und hilfrei-
verkabeln. Dafür verwenden che Tools für Feinde der Kommando-
wir eine GPIO-Schnittstelle für alle zeile finden Sie unter http://is.gd/rasp
Forkbox-Einkaufsliste
Ein- und Ausgaben. GPIO heißt ausge- berrydocumentation. Auf jeden Fall • Raspberry Pi 2 Model B
schrieben General-Purpose Input/Out- benötigen Sie einen anderen Compu- • RaspiCam
put. Beim Raspberry Pi besteht diese ter mit einem SD-Kartenleser, um ein • USB-Netzteil für den Raspberry Pi
Schnittstelle aus 26 einzelnen Pins. Mit Dateisystem-Abbild vorzubereiten, das (2A-Leistung empfehlenswert)
den GPIO-Pins lassen sich sowohl klei- dann auf eine SD-Karte geschrieben • Längeres Flachbandkabel für die
ne Spannungen messen als auch klei- wird. Wenn Sie das erledigt haben, ist RaspiCam (gibt’s bei Amazon)
nere Anwendungen ein- und ausschal- Ihr Raspi eigenständig. Das Betriebs- • Breadboard, 2 Taster, viele Jumper Wires
ten, etwa eine Leuchtdiode. system ist ein für den Raspi optimier- (Schaltdrähte), 2 Widerstände à
Doch Vorsicht, der Vorgang ist ein tes Arch Linux (www.archlinux.org ). 10 Kiloohm und 2 à 1 Kiloohm
wenig tricky! Aus diesem Grunde ha- Jetzt können Sie die frische SD-Kar- • SD-Karte (mindestens 4 Gigabyte
ben wir die Taster mit Pull-down-Wi- te in den Raspberry Pi stecken und das Kapazität)
derständen an die GPIO-Pins des Rasp- Netzteil anschließen. Zunächst er- • 4 : 3-Bildschirm, Fork hatte noch 19 Inch bei
berry Pi angeschlossen. Auf diese scheint die Linux-typische Textwüste 1280 mal 1024 Pixel Auflösung im Lager
Weise haben wir einen definierten auf dem Bildschirm, doch dann zeigt • Netzwerkkabel
Ausgangszustand, denn der Zustand sich in der oberen linken Ecke die In-
080 page 01.16 › projekte › animated-gIF-Fotobox aNzeIge

Im Ruhezustand liefert die Forkbox face ändert. Wenn Sie die Änderungen
ein Sucherbild, dafür nutzen wir den vorgenommen haben, starten Sie den Die Referentinnen
MJPG-Streamer als Kommandozeilen- Raspberry Pi ganz einfach neu, indem
werkzeug (http://sourceforge.net/pro Sie das Netzteil aus- und wieder ein-
jects/mjpg-streamer ). Diese Software stecken.
streamt JPG-Dateien von Linux-UVC-
kompatiblen Webcams, Dateisyste- Hardware zugänglich 
men oder anderen Eingabe-Plug-ins halten
und streamt sie als Motion JPEG via

6
HTTP auf Webbrowser, VLC-Media- Im Grunde genommen sind
oder andere Player. Sie jetzt fertig: Ihre GIF-Box
Für die Videoaufnahme greifen Sie ist aufnahme- und uploadbe-
der Einfachheit halber auf die Software reit. Was Sie daraus machen, liegt bei
zur RaspiCam Raspivid ( http://is.gd/ Ihnen! Wir haben die Hardware in zwei
raspivid) zurück, weil die Qualität bes- Versionen verbaut: Die Forkbox S ist ei-
ser ist. Das ist das Kommandozeilen- ne transportable Version mit Akkupack
Tool für Videoaufnahmen mit dem Ka- und Minimonitor. So passt die Box
meramodul. auch auf den Schoß. Möchten Sie lie-
Nach der Aufnahme spielt die GIF- ber den großen GIF-Automaten bauen,
Box das Video in der Vorschau ab. Da sollten Sie auf jeden Fall Zeit, Nerven, ● Sabine Pallaske, Mitbegründerin und Geschäfts-
das relativ betagte GIF-Format ledig- vier Hände und Heißkleber zur Aus- führerin von F1online, hat Kommunikationsdesign
lich 256 Farben unterstützt, setzen Sie richtung der Kamera mitbringen. mit Schwerpunkt Fotografie an der Hochschule
nun FFmpeg ( www.ffmpeg.org ) ein, Aber Achtung: Egal, was Sie bauen, Darmstadt studiert und war lange Zeit selbstständig
eine plattformübergreifende Lösung eine kleine Tür mit Scharnier sollte den als Fotografin tätig. Ihre Sachkompetenz bringt
zum Aufnehmen, Konvertieren und Zugriff auf die Hardware ermöglichen. sie unter anderem beim Bundesverband professionel-
Streamen von Audio und Video. Diese Zudem empfiehlt es sich, die Verbin- ler Bildanbieter (BVPA) aktiv ein, bei der Mittelstands-
Software erstellt von dem aufgenom- dungen vom Breadboard auf eine eige- gemeinschaft Foto-Marketing (MFM), die sich der
menen Video eine Farbtabelle, damit ne Platine zu verlegen. Mit Basiskom- Ermittlung von Bildhonoraren widmet, sowie bei diver-
das GIF anschließend die 256 am bes- petenzen im Löten ist das machbar. sen Foren, die sich mit Urheber- und Lizenzrecht
ten passenden Farben verwendet. Ge- und Contentnutzung auseinandersetzen. Ihr ist es
duld – das dauert relativ lange. Losknipsen ein Anliegen, das Chaos im Bild- und Lizenzrecht

7
für Anbieter wie Nutzer durchschaubar zu machen.
User Interface der   Und so funktioniert’s: Im De-
GIF-Box branden fault-Zustand zeigt die GIF-
Box das Live-Bild der Raspi-

5
Um die GIF-Box an die eige- Cam. Drücken Sie nun auf Button eins,
nen Bedürfnissen anzupas- startet ein dreisekündiger Countdown.
sen, müssen Sie einige Verän- Dann zeichnet die Kamera drei Sekun-
derungen vornehmen. Bisher ist das den lang das Geschehen auf, und die
User Interface auf Fork gebrandet, aber Box zeigt Ihnen die fertige Aufnahme
Sie brauchen nur ein paar Zeilen Code, im Loop. Mit Button eins können Sie
um dies mit Ihrem eigenen Artwork zu sie direkt auf den von Ihnen konfigu-
verändern. Zur Bearbeitung der Datei- rierten Twitter-Channel pushen. But-
en können Sie per Secure Shell (SSH) ton zwei bringt Sie zurück auf »Los«,
oder Secure File Transfer Protocol und Sie können es noch mal versuchen.
(SFTP) auf die Forkbox zugreifen. Für Viel Spaß! Arne Hollmann (ae)
die Dateiverwaltung empfiehlt sich
ein FTP-Client wie Cyberduck (http:// Arne Hollmann, kreativ-
cyberduck.io ). direktor der Digitalagentur
Die jeweils vom Netzwerk vergebe- Fork Unstable Media in ● Rechtsanwältin Silke Kirberg ist Inhaberin der auf
ne IP-Adresse der Forkbox ist in der Hamburg, schnupperte mit Urheber- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei
seinem team bei dem
unteren rechten Bildschirmecke zu Kirberg in Hamburg. Kernbereich ihrer Tätigkeit ist
projekt mit Bildschirm und zwei knöpfen
sehen. Der Benutzer ist »fork«, das mal wieder Luft außerhalb von agentur- das Bildrecht. Sie berät und vertritt überwiegend
Passwort »box«. Im Ordner »gifbooth« timings und ließ sich bereitwillig von Unternehmen und Freiberufler aus der Medienbran-
liegen sämtliche Dateien der Forkbox. Handwerkern auslachen. ↗  www.fork.de che, insbesondere Bildagenturen und Fotografen.
Details zur Konfiguration stehen als Daneben vertritt sie auch Privatpersonen bei Verlet-
Kommentare in der Datei »settings. zungen ihres Persönlichkeitsrechts in Wort und
Den Projektcode für die rasp-
js«. Hier finden Sie auch die Erklärung, berry-pi-programmierung gibt’s
Bild. Durch ihre langjährige Praxis ist ihr das Bild-
wie man seinen eigenen Twitter-Ac- unter ↗  www.page-online.de/ geschäft bestens vertraut. Silke Kirberg ist
count einbindet und Texte im Inter- gif_fotoboxcode_0116   Mitglied des Experten-Netzwerks BVPAexperts.
page 01.16
aNzeIge
081

1 praXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda

Bildrecht! 1 Grundzüge des Urheberrechts
Was ist urheberrechtlich geschützt, und wer
hat wann die Nutzungsrechte inne?

Was Bildnutzer und 2 Schranken des Urheberrechts und 

Bildurheber in zeiten Nebenrechte

von Facebook & Co


Welche rechte Dritter bestehen unter
welchen Bedingungen, und wer muss
wissen müssen sich wann genehmigen lassen, ob die Bilder
veröffentlicht werden können?
A. Model release: das recht am eigenen Bild,
klärung mit einzelpersonen oder Model-
agenturen (kunsturhebergesetz, grund-
gesetz, eMrk)
Das Seminar »Bildrecht!« B. property release: Was ist panorama-
freiheit, und wo braucht es die genehmigung
● Die gutgläubige Nutzung von Bildern im Kommunikations-, Grafik- und des grundstückseigentümers?
Mediendesign kann gut und gerne Nachforderungen in empfindlicher Höhe C. Markenrecht: Imageübertragung oder
mit sich bringen. Und in Anspruch genommen wird immer der zuerst, der Beiwerk? augen auf bei Styling und requisite –
ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gut also, wenn alle Betei- hier herrscht großer abstimmungsbedarf.
ligten – Artdirektoren, Art-Buyer, Bildredakteure, Social-Media-Manager,
Editorial Designer, Grafiker, Bildgestalter und Website-Betreiber – verstehen, 3 Nutzungs- und Verwertungs-
was genau sich hinter dem Begriff »Bildrecht« sowie hinter den einzelnen vereinbarungen
Lizenzmodellen verbirgt. Property und Model Release, Marken-, Eigentums- Wer räumt wem wann was ein – und wie?
und Persönlichkeitsrecht sowie das Recht am eigenen Bild bergen mehr Welche rechte habe ich als Designer, Filme-
Fallstricke, als man gemeinhin annehmen mag. Und das sind nur einige der macher, Fotograf auf der einen Seite und
Aspekte, die selbst bei der Nutzung von sogenanntem lizenzfreiem welche als Nutzer auf der anderen Seite?
Bildmaterial berücksichtigt sein wollen. Auch die AGB haben es in sich. A. Stock: rM/rF/Microstock/Creative
Commons/Flickr & Co
Im PAGE Seminar »Bildrecht« erklären Sabine Pallaske und Silke Kirberg an B. Individualvertrag (Designer, texter,
anschaulichen Beispielen aus der Praxis nicht nur, was Illustratoren und Fotograf, Illustrator, Filmemacher)
Fotografen sowie Agenturen und Unternehmen bei der Auftragsvergabe und C. Miturheberschaft (extrem wichtig,
Verwertung von Bildern beachten müssen, sondern auch, wie man sich beispielsweise bei postproduktion oder
in den bildorientierten Social Networks wie Instagram und Pinterest verhält. Styling und Food-Fotografie)
Die Referentinnen räumen in klarer, verständlicher Sprache auf mit
Halbwahrheiten und irreführenden Ratschlägen, sodass Sie ein fundiertes 4 Urheberrecht und Social Media
Rechtswissen für Ihren Arbeitsalltag erlangen, mit dem sich 90 Prozent A. grundsätzliches
der Abmahnungen vermeiden lassen. Zudem erhalten Sie geldwerte Tipps B. Quellenangabe
für die Vertragsgestaltung und Nutzungsrechtsklärung und können die C. Wie schütze ich mich gegen Missbrauch?
Pausen nutzen, um über konkrete Fälle aus Ihrem Kreativalltag zu sprechen. (Branding und andere Methoden)
D. Welche Lizenzregelungen gelten bei den
Das page Seminar findet am 29. April 
in den Design offices Hamburg verschiedenen Bildagenturen?
Domplatz von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die teilnahmegebühr von 748 euro
(zzgl. gesetzlicher MwSt.) ist gut investiertes geld. Denn die teilnahme bewahrt 5 Die Tücken im Detail
Sie vor manch einer Bildrechtsverletzung, die Sie teuer zu stehen kommen A. agB – was ist das eigentlich?
könnte, und hilft Ihnen im Falle, dass Sie selbst der Urheber sind, Ihre rechte zu B. angebote korrekt formulieren
wahren und angemessene Honorare durchzusetzen. Die gebühr umfasst die C. rechteumfang richtig beschreiben
tagungskosten sowie Lunch und kaffeepausen. Die teilnehmerzahl ist auf 18 per-
sonen begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  . 6 Wer haftet?
Die rechtekette und die konsequenzen
für Nutzer, Besteller und Urheber bei
rechtsverletzungen
page // ebner Verlag gmbH & Co. kg // info@page-online.de //
telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 18 personen pro Veranstaltung begrenzten teilnehmerzahl werden die anmeldungen in Der PAGE Workshop mit Sabine Pallaske und
der reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung Silke Kirberg lässt genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach erhalt der rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Diskussionen und den Austausch untereinander.
082 page 01.16 › projekte › Schrift für kopenhagen

København-Style
København-Style Morten Rostgaard Olsen, Ole Sønder-
gaard und Henrik Birkvig (von links)
begannen mit dem Black-Schnitt – die

København-Style
kräftigen Striche erleichterten das
Finden der richtigen Form. Es folgte die
Regular und schliesslich die Semibold
page 01.16 083

DNÅ
der Stadt
Kopenhagen braucht eine eigene Schrift. Das fanden drei dänische Designer und
machten sich mit jeder Menge Enthusiasmus an die Arbeit

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx ein Corporate Font direkt den Tourismus und die


ProjeKt Gestaltung der Schriftfamilie København, kostenloser Download als
Wirtschaft ankurbelt, aber er ist doch ein hilfrei-
OpenType- oder Web-Font unter ↗  http://copenhagen.fontpartners.com/download ches Werkzeug«, sagt Henrik Birkvig. »Kopenha-
DeSigNer Morten Rostgaard Olsen und Henrik Birkvig, beide Kopenhagen; gen braucht eine einheitliche grafische Vision.«
Ole Søndergaard, Elsinore ↗  www.fontpartners.com
toolS Vor allem Bleistift und Papier, ausserdem FontLab Studio 5.0.4. und das Python- Wäre Kopenhagen ein Font, wie
Skript roundingUFO von Frederik Berlaen ↗  http://roundingufo.typemytype.com würde er aussehen?
Zeitraum Herbst 2012 bis September 2015
Tatsächlich herrscht in der dänischen Hauptstadt
typografisch gesehen ein einziges Durcheinan-
der. »Allein die Stadtverwaltung arbeitet mit zwei
oder drei verschiedenen Typen – alle meilenweit
Überrascht waren Morten Rostgaard von einem schönen Kopenhagen-Stil entfernt«,
Olsen, Henrik Birkvig und Ole Sønder- meint Morten Rostgaard Olsen. »Die Verkehrs-
gaard besonders von einem: Warum und Strassenschilder sind ein bunter Mix aus Al-
hatte vor ihnen noch niemand festgestellt, dass tem und Neuem, und den öffentlichen Verkehrs-
Kopenhagen dringend einen Corporate Font be- mittel sieht man deutlich an, dass sie von mehre-
nötigt? Was bei Unternehmen gang und gäbe ist, ren Unternehmen betrieben werden, die alle ihren
findet sich im Urbanen jedoch eher selten: eine ei- eigenen Auftritt haben.«
gene Schrift, die die Stadt sichtbarer macht und Die drei Designer begannen mit einer langen,
ihr Charakter verleiht. intensiven Recherche. Sie studierten die visuellen
Da Typedesigner Morten Rostgaard Olsen ein Auftritte anderer Städte sowie speziell deren Ty-
solches Mammutprojekt nicht alleine angehen pografie und machten natürlich unzählige Beob-
wollte, kontaktierte er Henrik Birkvig und Ole Søn- achtungsgänge durch Kopenhagen. Sie fanden ei-
dergaard – »die beiden Menschen, die in Däne- ne eher kleine Hauptstadt, in der robuste, ältere
mark am meisten über Typedesign wissen: seine Architektur dominiert, auch wenn es gerade ent-
Geschichte, den kulturellen Kontext und das Hand- lang der Uferpromenade viele neue Wohnungen
werk«. Die zwei waren sofort Feuer und Flamme, und Büros gibt. »Es ist eine überschaubare, runde
sie glaubten an die Idee, dass Kopenhagen sich Hafenstadt, wir haben als Touristenmagnet keine
mit einer eigenen Schrift besser vermarkten kön- gigantische Freiheitsstatue, sondern nur die klei-
ne. »Ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ne Meerjungfrau«, schmunzelt Henrik Birkvig.
084 page 01.16 › projekte › Schrift für kopenhagen

Ole Søndergaard gestaltete den Icon-Font. Dabei achtete er darauf, dass die Piktogramme auch in sehr kleinen Grössen funktionieren

Anfangs war die Form


des a von alten
Schildern inspiriert,
zuletzt entschieden
sich die Designer
für die geradere
Variante (links)

Einige der Piktogramme


greifen Ornamente am
Kopenhagener Rathaus auf

Unzählige Skizzen waren nötig, bis sich die drei auf eine Form geeinigt hatten

Auf Kopenhagens
Strassen herrscht
typografisches
Durcheinander
Besonders im kleinen g zeigt
sich der historische Einfluss.
Die ungewöhnliche Form findet
sich bis heute in Verkehrs-
schildern, so auch in der Schrift
Via der dänischen Eisenbahn
page 01.16 085

Die markanten Serifen symbolisieren die


geschichte Kopenhagens, während
die serifenlosen lettern für modernität und
zeitgemässes Design stehen.
»Natürlich ist es fast unmöglich zu sagen, dass len würde. Morten Rostgaard Olsen, Henrik Birk-
die Buchstaben einer Schrift den vielfältigen Cha- vig und Ole Søndergaard fanden aber, dass Kopen-
rakter einer Stadt abbilden können. Aber wir ha- hagen viel mehr ist als seine Verwaltung, und so
ben versucht, etwas von dem einzufangen, was sollte auch die Realisierung der København, wie
wir als die Seele von Kopenhagen empfinden.« die Schrift inzwischen hiess, nicht davon abhän-
Das schliesst die Vergangenheit ein. So ist die gig sein. Sie machten einfach weiter und waren
Schrift auch von den Arbeiten einiger Architekten hocherfreut, als die privaten Stiftungen Bergia-
und Designer inspiriert, die im 20. Jahrhundert an fonden und Etatsraad Georg Bestle og Hustrus
der Königlich Dänischen Kunstakademie studier- Mindelegat finanzielle Unterstützung zusagten.
ten und eine Schrifttradition begründeten, die wie-
derum stark vom britischen Design beeinflusst Vom Rathaus bis zum Bäcker
war. Thorvald Bindesbøll, Knud V. Engelhardt oder Anfang September war es nach rund drei Jahren
Gunnar Billmann Petersen gehörten ebenso zu so weit: Auf der eigens eingerichteten Webseite
dieser Gruppe wie Claus Acton Friis oder Bo Linne- http://copenhagen.fontpartners.com präsentier-
mann. Ole Søndergaard, mit 78 Jahren der älteste ten die drei ihren kurz KBH genannten Font in Re-
der drei Typedesigner, ist von dieser Tradition ge- gular, Semibold und Black, jeweils mit passender
prägt – zumal er ebenfalls an der Kunsthochschule Kursive. Dazu einen Icon-Schnitt – bei dem einige
studierte und dort auch lehrte. Der Einfluss zeigt Symbole von den Ornamenten am Kopenhagener
sich etwa in der offenen Form des kleinen g. Rathaus inspiriert sind. Der Charakter der Schrift –
eine Mischung aus Serifenloser und Slab Serif –
Politische Mühlen mahlen zu langsam ist breit und niedrig wie die Stadt selbst und durch
Auf die Recherchephase folgten unzählige Skiz- die runden Ecken und weichen Formen freundlich
zen und Entwürfe, die in unterschiedlichste Rich- und skandinavisch offen. Die markanten Serifen
tungen gingen. So war anfangs nicht mal klar, ob symbolisieren die Geschichte Kopenhagens, wäh-
es eine Sans, eine Serif oder eine Slab werden wür- rend die serifenlosen Lettern für Modernität und
de (letztlich entstand ein Mix). Immer wieder ver- zeitgemässes Design stehen.
glichen sie ihre Zeichnungen, gingen vor und zu- Auf der Facebook-Fanseite A typeface to CPH
rück und bekamen wertvollen Input von den je- (www.facebook.com/fontkobenhavn) besteht für
weils anderen. Während Morten Rostgaard Olsen Nutzer die Möglickeit Anwendungsbeispiele hoch-
und Henrik Birkvig sich mehr um die Buchstaben zuladen, und sicher freuen sich die drei Gestalter
kümmerten, feilte Ole Søndergaard an den Pik- über Kommentare, Anregungen und Kritik. Denn
togrammen. »Dieser kollaborative kreative Pro- abgeschlossen ist das Projekt für sie noch nicht:
zess war etwas Besonderes«, sagt Henrik Birkvig. »Die drei Gewichte, die es jetzt gibt, haben nur die
»Er konnte nur funktionieren, weil die Chemie zwi- notwendigsten Glyphen und keine OpenType-Fea-
Kopenhagen befand sich auf
schen uns stimmt und wir ein starkes Team sind.« Antje Dohmanns Favourite-
tures«, sagt Morten Rostgaard Olsen. »Unser Ziel
Schliesslich waren die drei bereit, ihre Entwürfe Citys-Liste schon immer sind sieben Stärken plus Italics und weitere Pik-
zu präsentieren – der Stadtverwaltung und der Or- unter den Top Ten. Ein togramme. Das Ganze mindestens als OpenType
ganisation Wonderful Copenhagen, die unter an- flächendeckender Einsatz Pro Extended Latin.« Dann würden wir deutschen
derem für das Branding der Stadt verantwortlich der København-Type würde Anwender auch das bisher fehlende ß finden.
die Stadt fast ganz nach
ist. Das Interesse war gross, konkrete Angebote Die Schrift ist ein Geschenk. Von drei ambitio-
oben katapultieren.
für eine Kooperation blieben aber aus. Man traf Gleich hinter Stockholm. nierten Designern an die Stadt Kopenhagen, ihre
sich ein zweites Mal zu einer informellen Diskus- Bewohner, ihre Verwaltung und ihre Besucher.
sion darüber, wie man das Projekt vorantreiben Statt Dankesbezeugungen wünscht sich das Trio
könnte. Trotzdem: Selbst wenn die Stadtverwal- vor allem eines: Dass sie so viel wie möglich ein-
tung die Idee bedingungslos unterstützen würde, gesetzt wird. Nicht nur, aber vor allem in Kopen-
müsste dies politisch abgesegnet werden – und je- hagen – im Rathaus genauso wie im kleinen Café
Gelungene Städte-
der weiss, wie lange sich so etwas hinziehen kann. oder beim Bäcker um die Ecke. ant
Typografie. Weitere
Vielleicht war das der kritischste Punkt – der Beispiele sehen Sie unter
Moment, in dem die Versuchung gross war, die ↗  www.page-online.de/ Verwendet haben wir hier die København-
Schrift auf Eis zu legen, bis eine Entscheidung fal- staedtetypo-0116 Schnitte Regular, Semibold und Black.
086 page 01.16 › projekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

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Melancholie zum
Anfassen
● Burg  Giebichenstein  Kunsthoch-
schule Halle. Anne Deuter begab sich
für ihre Diplomarbeit »Erinnerung(en)
Sammeln« in der Fachklasse Buch­
kunst ( http://is.gd/Buchkunst ) auf die
Suche nach der verlorenen Zeit – und
zwar im Kontext ihrer eigenen Biogra­
fie. Den einen Teil des Projekts bildet
das Kunstbuch »Verräumte Erinnerun­
gen«. Darin nähert sich die Absolven­
tin (http://annedeuter.jimdo.com) in
dreizehn Gedichten mal eindringlich
konkret, mal andeutend verschwom­
men verschiedenen anekdotischen Er­
innerungen aus ihrem Leben.
Der andere Teil ihrer Arbeit sind
drei plastische Grafiken aus Seife auf
Passepartoutkarton. Die Artworks zei­
gen Grundrisse von Orten ihrer Kind­
heit, wie einer Wohnung oder Garten­
kolonie. Dabei mischen sich Innen­
und Außenräume und formen aus der
gedanklichen Kartografie ein »melan­
cholisches Relief«. Die gesammelten
Erinnerungen eines Lebens bleiben so­
mit unkonkret und erlangen dadurch
Allgemeingültigkeit – der Betrachter
kann sich in die eigentlich sehr intime
Arbeit direkt einfühlen. nik

Für ihre Diplom-


arbeit schöpfte
Anne Deuter aus
eigenen Erinnerun-
gen und ließ sie
plastisch werden
page 01.16 087

Dekonstruktion eines Landes


● Hochschule  für  Künste  Bremen.  Die Designerin stammt selbst aus Publikation, die mit gestalterischen Anna Bauer
Aus den Nachrichten ist die Ukraine der Ukraine und hat dort Familie und Details überrascht, wie einer Kalender­ hat einen
so gut wie verschwunden, für Anna Freunde. Für ihre Masterarbeit reiste leiste am rechten Seitenrand oder der sehr persön-
lichen Bezug
Bauer ist der dortige Konflikt aber im­ sie zweimal zu den Orten des Gesche­ Abbildung von Texteditor­Fenstern.
zur Ukraine
mer noch präsent. Ihre Masterarbeit hens – Kiew, Mariupol und Donezk. Mit ihrem Buch will Anna Bauer
und ließ
»Welcome to UkrEuRu. Die mediale In Interviews und Reportagefotogra­ (http://gannabauer.com) eine Grund­ dies in ihre
(De­)Konstruktion der Krise« im Stu­ fien zeichnet sie ein Bild der gespal­ lage für offene Diskussionen über die Masterarbeit
diengang Integriertes Design (http:// tenen Gesellschaft jenseits des von Lage in der Ukraine bieten. Dank ihrer einfließen
is.gd/HB_integriert) ist eine eindrucks­ Propaganda geprägten Medienbilds in persönlichen Nähe zum Thema gelingt
volle Momentaufnahme der dortigen Russland und in der Ukraine. So ent­ es ihr, die Dringlichkeit des Anliegens
Situation in Wort und Bild. stand eine komplexe (zweisprachige) deutlich fassbar zu machen. nik

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Hochschule Augsburg. Als Masterthesis im Studien­


gang Interaktive Mediensysteme (http://is.gd/A_inter
aktiv) entwarf Marc Schweickhardt das Konzept eines
Fahrrad­Audioguides, da dieser weniger vom Straßen­
verkehr ablenkt als ein visuelles System. Sein Szena­ Bekam von den
Testern posi-
rio: Ein Tourist will mit dem Rad eines Bike­Sharing­ tives Feedback:
Marc Schweick-
Diensts die Stadt erkunden. Der Guide begleitet ihn hardt, Absol-
vent im Master-
nun von der Suche nach verfügbaren Rädern und Leih­ studiengang
interaktive
stationen über die Navigation bis zur Rückgabe. Der Mediensysteme

Designer validierte das Konzept in zwei Usability Tests.


Wichtigste Erkenntnis: In den Navigationshinweisen
bevorzugen User konkrete Landmarks wie Litfaßsäule
oder Ampel gegenüber metrischen Angaben. Instruk­
tionen sollten 20 Meter vor der nächsten Etappe erfol­
gen, Bestätigungen sofort (www.bikenavi.audio). as

PAGE eDossier »Designstudium«. Das eDossier mit Diplomarbeiten, Abschlussprojekte & Werkschauen. Mehr
tipps zu Bewerbungsmappe und eignungsprüfung gibt zum Nachwuchs auf  ↗ www.page-online.de/werkschauen  
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088 page 01.16

Werkzeug

Her d
Glowforge günstiger allesschneider
empfohlen von Cedric Kiefer, Gründer des Digitalstudios
onformative, Berlin ↗www.onformative.com
»Lasercutter nutzen wir oft für Installationen, Proto-
typing oder Hardware-Basteleien, haben aber auch
schon passgenaue Aufbewahrungskisten für unser
Regal in der Agentur damit angefertigt. Jetzt ist
erstmals ein Gerät zu einem erschwinglichen Preis
(ab 2400 Dollar) erhältlich. Der Glowforge schneidet und graviert
verschiedenste Materialien wie Holz, Leder und Plexiglas. Das WLAN-
fähige Gerät fertigt mittels integrierter Kameras einen 3D-Scan des
Ausgangsmaterials an, erkennt von Hand aufgebrachte Markierungen
und graviert oder schneidet entsprechend. Bei Bedarf kann man
das Design vorher noch mit der zugehörigen Software auf Mac, PC
oder Tablet justieren. Nach erfolgreicher Crowdfunding-Kampagne
werden die ersten Geräte jetzt, also im Dezember, ausgeliefert.«
↗ https://glowforge.com
page 01.16 089

Bamboo Spark
analog zeichnen, digital aufzeichnen
Bamboo Spark übersetzt analog verfassten Output – egal, ob hand­
schriftliche Notizen oder Logoentwurf – ins Digitale. Dafür benö­
tigt das Smart Folio kein besonderes Papier, sondern setzt auf die
von den Wacom­Grafiktabletts bekannte Technik mit Digitizer und
passivem Stift: Der Einband beherbergt den Digitizer und einen
Akku. Im internen Speicher lassen sich bis zu 100 Seiten sichern.
Bei Aktivierung von Bluetooth Smart auf iPhone, iPad oder deren
Android­Pendants werden die Notizen mit der Bamboo­Spark­App

amit!
synchronisiert. Kostenpunkt: rund 160 Euro. as
↗ http://is.gd/wacom_bamboo_spark

Nice-to-have, nützliches Equipment oder nerdiges Accessoire – hier sind


sie, die angesagten Gadgets der Saison für Designer und Developer

Percko
Unsichtbare Stütze
Schluss mit rückenschmerzen!
In das unterhemd Percko
des gleichnamigen französischen
Herstellers sind unsichtbare
Stützen und Spanner eingearbeitet.
Sitzt der Träger krumm oder
macht Bewegungen, die schlecht für
seinen rücken sind, stimuliert das
circa 130 euro teure Shirt ihn, in eine
gesunde Position zurückzukehren –
und das ohne jede elektronik! ae
↗ www.percko.com
090 page 01.16 › werkzeUg › gadgets für 2016

Pause achtsame entspannung


Sechs Monate Meditation und Tai­Chi brauchte UX­
Designer Peng Cheng, um nach Burn­out und De­
pression zur Arbeit zurückzukehren. Seine Erfah­
rungen flossen in die App Pause ein, die er mit dem
schwedischen Ableger von ustwo entwickelte – das
Studio realisierte auch schon die Mental­Wellness­
Apps Monument Valley und Moodnotes. Pause ist
ein extrem simples Finger­Tai­Chi geworden, das in
kleine, achtsame Entspannungspausen führt. Mit
Elektroenzephalografien zeigten Spezialisten von der
University of Sussex, dass so tatsächlich Ruhe im
Gehirn einkehrt. Für 1,99 Euro. cg
↗ www.pauseable.com

Handpresso Pump
espressomaschine to go
Sieht aus wie eine mutierte Fahrradpumpe,
diese espressomaschine für unterwegs:
um dem gerät den Druck von 16 Bar zu
entlocken, muss man zunächst pumpen –
und erhält dafür tadellosen espresso
inklusive Crema. Funktioniert mit Pulver
und Pads. kosten: rund 100 euro. as
↗ www.handpresso.com

HidrateSpark
Flasche, die sich meldet
begeistert Alina Schlaier, Kreativdirektorin
bei der Digitalagentur denkwerk, Köln
↗www.denkwerk.com
»Die Falle im Agenturalltag: Hoher
Kaffeekonsum, aber zu selten
greift man zum Wasserglas, um dem
Körper die nötige Menge an Flüssig-
keit zuzuführen. Deswegen haben
einige Kollegen in das Kickstarter-Projekt Hidrate-
Spark investiert. Die Kombination aus App und
smarter Flasche checkt den H2O-Konsum und meldet
sich bei Defiziten – die Flasche beginnt dann zu
leuchten. Beides ist schön designt, einfach zu bedie-
nen und mit knapp 40 Dollar erschwinglich – für uns
als Internet-of-Things-Nerds ein Must.«
↗ www.hidratespark.com
page 01.16 091

The Dash
Laufen, Hören, Sprechen
begehrt von Collin Croome, Inhaber der Agentur coma2
e-branding, München ↗ www.coma2.com
»Mein aktuelles Objekt der Begierde sind die
kabellosen In-Ear-Ohrhörer The Dash.
Mit 4 Gigabyte internem Speicher erlauben
sie den morgendlichen oder abendlichen
Lauf ohne lästiges Kabelgewirr und hüpfendes
Device in Hose oder Jacke. In Verbindung mit einer App sind
Fitness- und Aktivitäts-Tracking möglich, ans Smartphone
gekoppelt auch Telefonieren. Die Kopfhörer gibt es in vier
Größen von XS bis XL für ungefähr 300 Euro.«
↗ www.bragi.com

Light L16 16 Linsen für 2016


Der Output dieser Kamera soll mit dem professionel­
ler Spiegelreflexkameras mithalten können – ohne
zusätzliche Objektive. Das Device mit Phablet­Aus­
maßen fotografiert mit 16 Linsen unterschiedlicher
Brennweite und produziert so bis zu 52 Megapixel
große Bilder im JPEG­, TIFF­, DNG­ oder Raw­For­
mat. Auf dem 5­Zoll­Touchscreen lassen sie sich so­
fort bearbeiten und per WLAN ins Netz beamen.
Die Initiatoren des Kickstarterprojekts wollen ihr
Produkt im Spätsommer 2016 ausliefern, knapp
2000 Euro soll die Light L16 kosten. as
↗ https://light.co/camera

Surface Hub all at once


entdeckt von Jacek Jonczyk, geschäftsführender
Gesellschafter von Deon, Berlin ↗www.deon.de
»Microsofts Surface Hub – ein All-in-one-
Device mit integrierter PC-Hardware –
erlaubt es auch verteilten Teams, gleich-
zeitig an einem Projekt zu arbeiten. Dafür
nutzen sie den Bildschirm als gemein-
sames Whiteboard, zur Darstellung von Daten und für
Videokonferenzen. Den kreativen Output sichert man als
Datei, die sich per E-Mail versenden lässt. Neben inte-
grierten Programmen wie Skype for Business, Microsoft
Office und OneNote lassen sich auch alle UWP(Universal
Windows Platform)-Apps nutzen. Die erweiterte Touch-
funktion des Bildschirms erkennt bis zu 100 Touchpunkte,
also Finger oder Stifte. Der Surface Hub kommt im Januar
als HD-Variante in 55 Zoll für etwa 7900 Euro und
als 4K-Modell in 85 Zoll für 22 450 Euro auf den Markt.«
↗ www.microsoft.com/microsoft-surface-hub/de-de
092 page 01.16 › werkzeUg › gadgets für 2016

Whiteboard Stencil
Schablone fürs UI Design
Auch Webdesigner greifen bisweilen zu Stift und
Papier, gerade wenn es um den schnellen ersten
entwurf am Whiteboard geht. Hier hilft die Schablone
von uI Stencils: Auf ihr finden sich viele geome-
trische Formen für verschiedene user-Interface-
elemente, kostenpunkt: knapp 60 Dollar. as
↗ www.uistencils.com/products/whiteboard-stencil

Justinmind einfaches prototyping


überzeugt Matthias Erb, Gründer und Kreativdirektor der
Digitalagentur Supermoon, Hamburg ↗www.supermoon.de
»Für ein aktuelles Projekt hab ich die neue Wire-
frame- und Prototyping-Software Justinmind
getestet. Mittels vorgefertigter Elemente kommt
man hier sehr schnell zu ersten Ergebnissen. Was
ich aber besonders komfortabel finde, ist, dass
man Animationen – auch für Mobile – sehr einfach realisieren kann.
So werden Konzepte für den Kunden schnell erlebbar. Das erleich-
tert die Abstimmung, das Testing inhouse ebenso wie das Briefing
technischer Dienstleister. Justinmind gibt’s ab 270 Dollar.«
↗ www.justinmind.com

EverBlock
Lego-Mobiliar
Wer sich als kind schon gerne ein echtes Haus aus
Lego bauen wollte, wird von everBlock begeistert sein:
Mit dem modularen System aus Plastikblöcken in
Legostein-Optik kann er sich regale, Sessel, raumteiler
oder Tische selbst zusammenstecken. Die Preise für die
elemente reichen von 4 bis zu 160 Dollar. as
↗ www.everblocksystems.com

SprayPrinter
Sprüh die wand an
Gadgets fürs Mobile Office. weitere Tools
Ein Start­up aus Estland hat ein innovatives Werkzeug entwickelt: speziell fürs arbeiten unterwegs finden Sie
Der SprayPrinter wird auf den Kopf einer Sprühdose montiert unter ↗ www.page-online.de/gadgets
und druckt gerasterte Bilder an die Wand. Die Steuerung erfolgt
über eine App und die eingebaute Kamera des Smartphones.
PAGE Story »Digitale Whiteboards«. Hightech
Nachdem der Prototyp fertig ist, startet demnächst eine Crowd­ oder Selfmade? welche Lösungen in kreativ-
funding­Kampagne auf Indiegogo. und Digitalagenturen im einsatz sind, lesen Sie in
↗ www.sprayprinter.com page 12.15 ↗ www.page-online.de/pepa1512
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094 page 01.16 › BRaNCHe › Kreativbriefing

Branche

»Das Re
ist das
Brie
Gute Briefings sind die Voraussetzung
Was kann man gegen Missverständnisse
● Dass ein perfektes Briefing auf dem Tisch eines deren Entwicklung. »Besonders ärgerlich ist es, wenn
Designstudios oder einer Werbeagentur landet, ist im Briefing ›Think Big!‹ steht – und das Budget das
äußerst selten. »Jedes Briefing der Welt – und sei es gar nicht hergibt«, so Knigge.
noch so präzise formuliert – verursacht Unklarhei­
ten und Missverständnisse«, sagt Dennis Duncker, Was muss ins Briefing – und was nicht?
Geschäftsführer Kreation beim Kölner Digitalstudio Sofern es sich nicht um einen Bestandskunden han­
Dunckelfeld. Meist habe man hinterher sogar mehr delt, braucht der Kreativdienstleister zudem Hinter­
Fragen als vorher. grundinformationen zu Unternehmen, Marke und
Laut Katharina Knigge, Leiterin Business Develop­ Produkt sowie Marktsituation und Zielgruppe. Au­
ment bei SinnerSchrader, sind drei Hauptfragen zu ßerdem sollte auch der Zeitrahmen bereits im Brie­
klären: »Was will der Kunde? Wo liegt das Problem? fing festgesteckt werden. Aber Vorsicht: Nicht immer
Wie hoch ist das Budget?« Interessanterweise wird ist ein Mehr an Details automatisch besser! »Zu viele
vor allem der letzte Punkt oft vergessen. Dabei ist die Informationen können den Blick aufs Wesentliche
Höhe des Etats, der für die Umsetzung und Ausspie­ verstellen und die kreative Arbeit blockieren«, warnt
lung der Kreatividee vorgesehen ist, essenziell für Dennis Duncker. Der Schwerpunkt sollte vielmehr
page 01.16 095

briefing
bessere
fing«
für gute Ergebnisse – das weiß jeder.
zwischen Auftraggebern und Designern tun?
auf »kreativ verwertbarer« Information liegen. Und Selbst wenn sich Auftraggeber und ­nehmer be­
die findet sich selten in Fakten wie Unternehmens­ reits länger kennen, ist ein Zuruf zwischen Tür und
größe oder Sinus­Milieus der Zielgruppen. Angel nicht ratsam. Eine schriftliche Vereinbarung
»Für Designer sind der emotionale Nutzen eines mit den genannten Eckpunkten sollte es bei jedem
Produkts oder einer Dienstleistung und die Zugangs­ Auftrag geben – egal wie groß er ist. Das Briefing soll­
motivation viel wichtiger als Fakten zum Unterneh­ te auf zwei bis drei Dokumentseiten Platz finden.
men«, erklärt Carsten Buck, Gründer des Hamburger Alles, was kürzer oder länger ist, gilt es, mit Vorsicht
headline: Zitat von carsten Buck

Designstudios Mutter. Wieso soll der Konsument die­ zu betrachten.


ses Produkt nutzen? Was erhofft er sich davon? Oft
kämen Kunden erst zu Designern, wenn schon alles Wie identifiziert man Briefings, die
andere feststehe, so Buck: »Wir sind dann nur noch nichts taugen?
für die schöne Oberfläche zuständig.« Um dem entge­ Buzzwords sind der Killer für jedes Briefing. Wirft
genzuwirken und früher in den Prozess eingebunden der Kunde nur mit Worthülsen um sich oder hat
zu werden, hat er mit zwei weiteren Partnern die Bera­ sein Auftrag Substanz? Formuliert er Markenwerte
tungsagentur Red Rabbit Innovations gegründet. und Ziele konkret oder ist das Ganze doch eher
096 page 01.16 › BRaNCHe › Kreativbriefing

Erfahrung mit Design haben. Die fragen vielleicht


nach einer Website, haben aber noch gar kein Corpo­
rate Design«, berichtet Stefan Bräutigam.
Neben der Zielsetzung sollte man auch das De­
signverständnis seines Auftraggebers ausloten. Mit­
unter kann es notwendig sein, ihm die Abläufe im
Designprozess genauer zu erklären. Diesen Punkt
hat Kommunikationsdesignerin Charlott Güttner
in ihrer Bachelorarbeit »Design verstehen« ( http://
is.gd/Vimeo_Design_verstehen) am Fachbereich De­
sign Dessau der Hochschule Anhalt aufgegriffen.
Dabei handelt es sich um ein Konzept für eine Web­
site, auf der sich die wichtigsten Eckpunkte eines
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Projekts eintragen und die nächsten Schritte able­
sen lassen. Auf diese Weise entsteht eine Art Nach­
»Zu einem guten Briefing schlagewerk für Auftraggeber, und der Designer
gehört die Möglichkeit zu kann seine Arbeit auf Augenhöhe mit seinem Kun­
Rückfragen und einem den erläutern. Im echten Leben arbeiten zum Bei­
spiel Bräutigam und Rotermund mit einem ganz
persönlichen Gespräch« ähnlichen Ablaufchart.
Katharina Knigge, Leiterin Business Designverständnis hin oder her – die meisten
Development bei SinnerSchrader in Hamburg Kunden haben schon eine bestimmte Erwartung,
wenn sie Designer oder Agenturen beauftragen. »Die­
se sollte man unbedingt herausfinden, denn eine
schwammig? Roland Bös, Managing Director bei Agentur interpretiert eine Aufgabenstellung mitun­
der Scholz & Friends Group, warnt vor »Horrorwör­ ter anders als ein Unternehmen«, warnt Katrin Nie­
tern« wie »clever«, »spannend«, »überraschend« et sen, Executive Creative Director bei Peter Schmidt
cetera: »Das sind Buzzwords, die nichts aussagen.« Group in Hamburg.
Gleichzeitig sind zu spezifische Wünsche auch Im Hinblick auf organisatorische Rahmenbedin­
nicht das Wahre. »Bildlich gesprochen: Wenn je­ gen sollte man außerdem abklären, wer die richti­
mand eine Brücke über einen Fluss haben will, fragt
er uns im Grunde nach einem Weg über das Wasser.
Diese Aufgabe bewältigen wir mit unserer assoziati­
ven Denkweise und einem geschärften Blick auf die
Zielgruppe. So ist die zielführendere Lösung am En­
de vielleicht gar keine Brücke, sondern ein Schlauch­
boot«, sagt Carsten Buck. »Designer können unter­
schiedliche Blickwinkel auf eine Problemstellung
einnehmen und ermöglichen dem Auftraggeber so,
sich von seinen eigenen Vorstellungen frei zu ma­
chen und stattdessen vom Nutzer her zu denken.«
Auch das Hamburger Designbüro Bräutigam & Ro­
termund hat die Erfahrung gemacht, dass es sich
lohnt, nachzuhaken: »Das gilt besonders für kleinere
und mittelständische Unternehmen, die nur wenig

So gelingt das Briefing xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

• nur auf Basis schriftlicher Briefings arbeiten


»Wir nutzen Workshops,
• rahmenbedingungen früh klären
um frühzeitig Tonalität und
• Keine Fachtermini, sondern Klartext
Ziele herauszuarbeiten. Das
• auf persönliche Gespräche bestehen
erleichtert den anschließen-
• Ziele kritisch hinterfragen
den Designprozess ungemein«
• ehrlich sein
Carsten Buck, Gründer des Hamburger
• Immer ein rebriefing machen
Designstudios Mutter und
• Wissen, wer entscheidet von Red Rabbit Innovations, Hamburg
page 01.16 097

Wenn man das Gefühl hat, den Kunden zu ner­


ven, muss man sich eines klarmachen: Auch ihm ist
sehr an einem guten Ergebnis gelegen – deshalb
muss man ihn in die Pflicht nehmen, ein vernünfti­
ges Briefing aufzusetzen. »Man spart keine Zeit,
wenn man sich als Kunde mit Briefings keine Mühe
gibt. Denn die verliert man später im Kreativ­ und
Abstimmungsprozess wieder«, erklärt Roland Bös.
Besonders als Berufsanfänger kann das Nachfragen
manchmal Überwindung kosten, aber letztlich lohnt
es sich für beide Seiten.
Briefing­Gespräche erfordern eine Menge Ein­
fühlungsvermögen. »Niemand schreibt absichtlich
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx schlechte Briefings. Die meisten sind nach bestem
Wissen und Gewissen verfasst«, erläutert Tim Keil,
»Spätestens nach dem Leiter Strategische Planung bei der Hamburger Wer­
Rebriefing muss Auftrags- beagentur Philipp und Keuntje. »Unternehmen ha­
ben einfach eine andere Perspektive als Kreative.
klarheit herrschen. Aufklärung kann hier nur helfen – wenn sie entspre­
Kreatives Rumstochern chend formuliert ist.« Sein Tipp: »Nicht zu persön­
kostet Zeit und Geld« lich werden und immer nur über die Sache sprechen.«
Gerade Marketing­ oder Brand Manager, die am An­
Roland Bös, Managing Director bei
Scholz & Friends in Hamburg
fang ihrer Karriere stehen, aber auch Geschäftsfüh­
rer kleiner Unternehmen seien oft dankbar für kon­
struktive Kritik, die ihnen hilft, in Zukunft besser zu
briefen. Dabei muss man natürlich aufpassen, das
gen Ansprechpartner und Stakeholder sind. Beson­ Gegenüber nicht mit Fachtermini zu überfordern
ders bei großen Unternehmen gilt es, die Entschei­ und von oben herab auf es einzureden.
der an den Tisch zu bekommen. Es bringt nichts,
dem Praktikanten lang und breit sein Konzept zu
erklären, denn dieser wird es höchstwahrscheinlich
nicht in der richtigen Form an den Abteilungslei­
ter weitergeben.

Wie kläre ich offene Fragen und mache


ein Rebriefing?
Rückfragen sollte man so schnell wie möglich und
im unmittelbaren Kontakt klären. Das heißt: Min­
destens ein Telefonat sollte es schon sein, noch bes­
ser ein persönliches Treffen. »Im Gespräch erfährt
man immer mehr, als im schriftlichen Briefing steht«,
ist Katrin Niesen überzeugt. Welche Fragen es zu
klären gilt, eruiert die Peter Schmidt Group bei gro­
ßen Aufträgen in einem internen Kick­off­Meeting,
das rund ein bis zwei Stunden dauert. Auch Bräuti­
gam und Rotermund gehen ein Briefing immer zu­
erst gemeinsam durch, diskutieren und notieren xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
sich Unklarheiten. »Vier Augen sehen mehr als zwei«,
so Tim Rotermund.
»Das gemeinsame Erarbeiten
Es mag vielleicht komisch klingen, aber auch Te­
lefonieren will gelernt sein – hauptsächlich wenn von Werten und Zielen
mehrere Leute an einem Gespräch teilnehmen. Des­ führt zu einem besseren
halb schult Scholz & Friends ihre Mitarbeiter in der Verständnis beim Kunden
Moderation von Telefonkonferenzen. »Es kann wirk­
lich schwierig sein, einen Gesprächspartner und
und zu dessen Identifika-
das Gesagte richtig einzuschätzen, wenn man nicht tion mit unserem Ergebnis«
an einem Tisch sitzt und Positionen und Reaktio­ Stefan Bräutigam und Tim Rotermund,
nen nicht direkt austauscht«, sagt Roland Bös. Im Geschäftsführer von
Zweifelsfall also besser gleich ein persönliches Tref­ Bräutigam & Rotermund in Hamburg
fen vereinbaren.
098 page 01.16 › BRaNCHe › Kreativbriefing

bei größeren Projekten Workshop­Formate zuneh­


mend nachgefragt.« Das kommt nicht von ungefähr:
Kommerzielle Kommunikation wird immer kom­
plexer, die Touchpoints zahlreicher. Da ist es hilf­
reich, wenn man gemeinsam überlegt, was das rich­
tige Vorgehen ist.
»Workshops sind der Idealfall. Sie sorgen dafür,
dass man den Kunden besser versteht und eventuell
Sachen aufdeckt, die ihm vorher gar nicht bewusst
waren«, sagt Carsten Buck. Bei ihren Workshops er­
arbeiten die Mitarbeiter von Mutter beziehungsweise
Red Rabbit Innovations gemeinsam mit dem Kun­
den Markenwerte und Alleinstellungsmerkmale. Das
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx fordert den Teilnehmern einiges ab: »Wenn sich ei­
ne Gruppe auf drei Begriffe einigen soll, kann das
»Es gibt keine schon mal zwei Stunden dauern«, berichtet Buck.
schlechten Briefings – »Dabei sollte man unbedingt gut zuhören, denn hier
lässt sich viel über den Kunden lernen.« Besonders
nur unvollständige« bei jungen Unternehmen wie Start­ups können Work­
Katrin Niesen, Executive Creative Director bei shops helfen, die Persönlichkeit einer Marke festzu­
Peter Schmidt Group in Hamburg klopfen und Strategien zu entwickeln.
Ein weiterer Vorteil solcher Workshops: »Das ge­
meinsame Erarbeiten von Werten und Zielen führt
Was bringen Fragebögen? bei Kunden zu einem besseren Verständnis und zur
Jeder Kunde und jedes Projekt ist unterschiedlich. Identifikation mit unserem Ergebnis«, so Tim Roter­
Daher kann es keine allgemeingültigen Fragebögen mund. Die Wertschätzung für die Arbeit der Desi­
geben – wohl aber Checklisten, aus denen man sich gner ist demnach höher – und die Gefahr ausufern­
dann die jeweils zutreffenden Punkte herausziehen der Geschmacksdiskussionen bei der finalen Prä­
kann. Der BDG, Bundesverband der Deutschen Kom­ sentation sinkt. Womit wir jetzt beim nächsten
munikationsdesigner e. V., bietet zum Beispiel eine Punkt wären:
solche Briefing­Checkliste an ( http://is.gd/bdgbrie
fingcheckliste).
Agenturen mit größeren Bestandskunden wie
Scholz & Friends oder SinnerSchrader entwickeln
im Laufe langfristiger Kooperationen individuelle
Checklisten. Bei Scholz & Friends haben sie bei­
spielsweise die Form von interaktiven PDF­Doku­
menten, bei denen sich die nächste Seite erst öffnet,
wenn alle notwendigen Angaben gemacht wurden.
Solche Formulare haben auch eine Coaching­Funk­
tion. »Bewährt haben sich in diesem Rahmen auch
Briefing­Schulungen bei den Unternehmen vor Ort«,
berichtet Roland Bös.
Dunckelfeld verschickt oft einen projektabhän­
gigen Fragenkatalog, damit sich der Kunde mit den
für sie relevanten Fragen auseinandersetzt. »Das hat
den netten Nebeneffekt, dass auch wir sie nicht ver­
gessen«, sagt Dennis Duncker. Manchmal helfen
auch simple Listen, auf denen ein Unternehmen an­
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
kreuzen kann, was es braucht. »Im Rahmen eines
Corporate Designs vergessen Auftraggeber gern mal
Bestandteile wie Briefbögen oder Grußkarten«, er­
»Man muss den Kunden
klärt Stefan Bräutigam. in die Pflicht nehmen.
Immerhin ist es in seinem
Wann machen Workshops Sinn?
eigenen Interesse,
In den vergangenen Jahren hat Roland Bös einen
Trend zu mehr Kollaboration zwischen Kunde und
vernünftig zu briefen«
Agentur beobachtet: »Auf eine lineare Zusammen­ Tim Keil, Leiter Strategische Planung bei
arbeit nach dem Ping­Pong­Prinzip haben immer we­ Philipp & Keuntje in Hamburg
niger Auftraggeber Lust. Stattdessen werden gerade
page 02.14 029
anZeIge

pRaXIS
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Leitmedium
Design
Fallbeispiele &
Strategien »Leitmedium
Das erfolgsseminar
Design«
mit Jochen Rädeker –
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München!

Der Referent Das Seminar


● Jochen Rädeker, Mitbegründer und geschäfts- ● Marken machen rund 50 Prozent des Wertes eines Unternehmens aus.
führender Gesellschafter von Strichpunkt, ist Sie richtig zu definieren, zu prägen und zu gestalten ist deshalb eine der
Professor für Corporate Identity und Corporate wichtigsten und komplexesten Aufgaben, die ein Kunde zu vergeben hat.
Design. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied Designer müssen für diese Herausforderung umfassend gewappnet
des Art Directors Club Deutschland, davon drei sein: Sie müssen auf Beratungsebene souverän Prozesse zu Positionierung,
Jahre als Präsidiumssprecher. Seine Designagentur Vision und Mission moderieren können, auf konzeptioneller Ebene die
Strichpunkt steht für hochwertige Marken- und richtige Markenstory entwickeln und auf gestalterischer Ebene überzeugende
Unternehmenskommunikation im Print-, Online- und einzigartige Lösungen finden, die in allen Kommunikationskanälen
und 3D-Bereich, hat mehr als 700 internationale konsistent funktionieren. All das müssen sie am Ende auch noch so präsen­
Preise gewonnen und ist seit Jahren in den Top Ten tieren, dass ihr Kunde die Beratungs­ und Designleistungen als objektiv
des page Kreativrankings vertreten. Jochen richtig erleben und bewerten kann und es nicht zu geschmäcklerischen
Rädeker verfügt mit seinen arbeiten für Unterneh- Entscheidungen am Küchentisch kommt.
men von adidas bis WMF, von audi über Vorwerk
bis zu Kulturfestivals, Schauspiel und Oper über Jochen Rädeker erläutert im PAGE Workshop »Leitmedium Design«
einen immensen erfahrungsschatz in Sachen sinnvolle Wege und Verfahren für eine nachvollziehbare Marken­
Konzeption und Umsetzung komplexer Designstra- positionierung. Er belegt anhand konkreter Praxisbeispiele – vom
tegien – von der Imagebroschüre bis zur Werbe- Start­up bis zum Weltkonzern –, wie man mit Marken berührende
kampagne, vom Online- bis zum Messeauftritt. und begeisternde Geschichten entwickeln und visuell erzählen kann.
Schließlich gibt er Tipps für erfolgreiche Pitches und Präsentations­
strategien. Wertvolles Know­how vom Designprofi für Designprofis
Die Agenda in Agentur und Unternehmen!

1 Identifizieren:
Die Markenpositionierung. Das Seminar findet am 15. Aprilin den Design Offices München
Wie komme ich zu einer belastbaren Corporate Highlight Towers – mit beeindruckendem Blick über die Stadt bis
Identity, zum Reason Why einer Marke? Werte- hin zur Zugspitze – von 10:00 bis 18:30 Uhr statt. Die Teilnahme kostet
definition, Vision, Mission und positionierung. 748 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungs-
kosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen
2 Erzählen: Die Markenstory. begrenzt! also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .
Wie erzähle ich als Designer überzeugende,
einzigartige Markengeschichten? Fallbeispiele Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
für erfolgreiche Corporate Stories. Austausch der Teilnehmer untereinander.

3 Gestalten: Multichannel-Design.
Wie funktional muss, wie kreativ darf ein gutes
Corporate Design sein? Online-CD-Manuals
und medienübergreifende gestaltungskonzepte. page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
4 Überzeugen: Die Präsentation. aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in
Tipps und Tricks für zielführende pitches und der Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung
an. Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
präsentationen. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
100 page 01.16 › BRaNCHe › Kreativbriefing

gefiltert und auf die wesentlichen, für die Ideenfin­


dung relevanten (oder relevant erscheinenden) Punk­
te heruntergebrochen. Das ist ein ziemlich wichtiger
Schritt und wird in den Agenturen entsprechend
ernst genommen. Bei Philipp und Keuntje gibt es
beispielsweise eine interne Fortbildung zum The­
ma Briefing, bei der Tim Keil Projektmanager und
Markenberater aus sämtlichen Ebenen schult. »Ziel
ist es, dass die Teilnehmer wieder mehr Aufmerk­
samkeit auf den Creative Brief legen. In der oft herr­
schenden Eile des Tagesgeschäfts werden Briefings
schon mal auf die Schnelle wie Behördenformulare
ausgefüllt. In solchen Fällen kann man das Kunden­
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx briefing im Prinzip eigentlich auch gleich an die Kre­
ativen weiterreichen. Denn letztlich kostet das dop­
»Wir finden es sehr berei- pelt Zeit«, erklärt Keil.
chernd, wenn mit uns offen Bei größeren Aufträgen ziehen die Kundenbera­
und ehrlich über Schwä- ter bei Scholz & Friends die Strategieabteilung hin­
zu, um gemeinsam ein inhaltliches Sprungbrett für
chen des Produkts oder der die Kreativen zu schaffen. Nachdem das Briefing im
Leistung oder über die Team mit den Kreativen besprochen wurde, geht es
Wettbewerbssituation mit allen noch offenen Fragen zum Rebriefing beim
gesprochen wird« Kunden. Bei diesem Meeting sitzen die Kreativen
meist schon mit am Tisch, um einen direkten Aus­
Dennis Duncker, Geschäftsführer Kreation tausch zu gewährleisten.
beim Digitalstudio Dunckelfeld in Köln Einzelkämpfer oder kleine Studios können sich
solche Schleifen nicht leisten, aber sich durchaus et­
was von derlei Prozessen abgucken. Und sei es auch
Wie vermeide ich Geschmacks- nur, organisatorische und finanzielle Angaben von
diskussionen? kreativ wertvollen Informationen zu trennen – zu­
Die Geschichte vom Geschäftsführer, der ein Design mindest für die Schaffensphase.
aufgrund der Farbvorlieben seiner Frau ablehnt, hat
mittlerweile jeder gehört. Leider ist an dieser urban Wie briefe ich selbst?
legend der Kreativbranche etwas dran. Bei solchen Designer und Agenturen bekommen nicht nur Brie­
Diskussionen über oberflächliche Geschmacksfra­ fings, sondern erteilen auch selbst Aufträge – an Fo­
gen hilft die Argumentation über die strategische tografen, Illustratoren oder freie Artdirektoren. Hier
Herleitung. Noch besser funktioniert das, wenn die gilt natürlich das Motto: Was du nicht willst, dass
strategischen Ziele schwarz auf weiß im Briefing ste­ man dir tu’, das füg auch keinem andern zu. »Wenn
hen – oder sogar im Workshop gemeinsam formu­ wir selbst briefen, haben wir meist bereits eine ge­
liert wurden. naue Vorstellung davon, wie das Resultat aussehen
Aber auch ohne Workshop sollte das Ziel jedes soll«, räumt Stefan Bräutigam ein. »Trotzdem sind
Briefings laut Tim Keil ein »Ideenvertrag« sein, in Rückfragen und Feedback bei uns immer erwünscht.
dem man sich auf ein Ziel einigt: »Darauf kann man Schließlich sind die anderen ja die Spezialisten auf
sich immer wieder berufen – sowohl während des ihrem Gebiet!«
Kreativprozesses als auch bei der Abschlusspräsen­ Fotografen brauchen zum Beispiel Informatio­
tation und der Bewertung der Ergebnisse.« Sehr nen zu Location, Farbcodes, Bildformaten, Look­
wichtig hierbei: Nicht nur der Kunde lässt sich da­ and­feel genauso wie zu Zeitrahmen, Nutzungsrech­
mit in seine Schranken weisen, auch für die Kreati­ ten, Verwendungszweck und technischen Details –
ven ist dieser Vertrag bindend. »Manchmal verliebt am besten angereichert mit Moods und Referenzen
man sich einfach in ein Design und verliert dabei sowie No­Gos. Aber auch hier gilt: Ein schriftliches
komplett die Aufgabenstellung aus den Augen. Des­ Briefing ersetzt nicht das persönliche Gespräch.
halb muss man das Briefing immer im Prozess be­ Was der Kundenkommunikation nützt, gilt auch
halten und die eigene Arbeit daran messen«, rät Kat­ für Dienstleister unter sich: Der direkte Draht ist
rin Niesen den Beteiligten. meist der beste. nik

Wie läuft das in Agenturen?


»So klappt’s mit der Kollaboration«. In unserem
Kreative in Agenturen sind in der angenehmen Situ­
page eDossier »Kunde und Kreativer« äußern
ation, dass sie sich nicht mit den Originalbriefings sich Branchenköpfe ausführlich zum Thema Co-
vom Kunden herumschlagen müssen. Diese werden Creation. Mit BDg-Checkliste für wasserdichte
von der Beratungs­ und/oder der Strategieabteilung Briefings! ↗  www.page-online.de/pDDp1040
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102 page 01.16 › branche

Serie: Jobprofile

Kommunikationsdesign
Kommunikationsdesignern stehen nach ihrer Ausbildung viele Fachrichtungen
offen. Während es heute um die Tätigkeit in einer Designagentur geht, stellen
wir das nächste Mal die Arbeit in einer Werbeagentur vor

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

BerufsBezeichnungen Kommunikationsdesigner,
Grafikdesigner, Designer
AusBildung Studium Kommunikationsdesign oder
Ausbildung zum Mediengestalter
Verdienst (Brutto) Laut Honorar- und Gehaltsreport 2014
von BDG et al. durchschnittlich 2800 Euro monatlich (Fest-
anstellung); mit zunehmender Berufserfahrung und Verant-
wortung bis zu etwa 7000 Euro ↗  http://bdg-designer.de

0
hne Umweg verlief bislang die
berufliche Laufbahn von Mursal
Nasr: Sie studierte Kommunika­
tionsdesign an der Fachhochschu­
le Münster (http://is.gd/MS_KD )
und schloss dieses 2011 mit einem
Bachelor of Arts ab. Es gab dort
zwar auch ein Masterstudienangebot, aber sie woll­
te lieber gleich praktische Erfahrungen sammeln. So
bewarb sie sich für ein Praktikum bei Strichpunkt
(www.strichpunkt­design.de), da sie die Arbeiten der
Agentur ebenso mochte wie den Vortrag, den Jochen
Rädeker an der Fachhochschule Münster gehalten
hatte. Sie bekam keinen Praktikumsplatz, sondern
eine Traineestelle und nach einem halben Jahr bot
man ihr eine Festanstellung als Designerin an. Kürz­
lich kam dann der nächste Karriereschritt: Seit April
ist die sympathische Westfälin mit Wurzeln im af­
ghanischen Kabul Artdirektorin bei Strichpunkt in
Berlin. Wir sprachen mit ihr über Durchhaltever­
mögen, Stressresistenz und die Faszination von Ge­
schäftsberichten. ant direktor, der bei allen Projekten eine kurze Qualitäts­
kontrolle macht und weiterhilft, wenn man mal fest­
Begegnet man der Jobbezeichnung Artdirektor steckt. Schön finde ich, dass es bei uns keine festen
nicht eher in Werbeagenturen? Teams gibt, sondern jeder mal mit jedem arbeitet.
Mursal Nasr: Das hat weniger mit Werbung oder Was gehört alles zu ihrem Job?
Design, sondern mehr mit der Größe einer Agentur Ich leite Projekte an und begleite sie, gebe den Desi­
zu tun. Viele kleinere Designbüros brauchen diese gnern Feedback und gestalte natürlich auch selbst.
Hierarchie nicht. Strichpunkt Berlin ist in den letzten Vor allem Geschäfts­ und Nachhaltigkeitsberichte
Jahren von 3 auf etwa 20 Leute gewachsen. Da macht oder Kundenmagazine. Dann entwickle ich Ideen,
es Sinn, diese Zwischenebenen einzuführen, auch für Projekte allgemein, aber auch für konkrete Auf­
um den Kreativdirektor zu entlasten. gabenstellungen, wie zum Beispiel das Vorstands­
Wie viele Kreativ- und Artdirektoren gibt es? shooting für einen Geschäftsbericht aussehen könn­
Wir haben einen Kreativdirektor und momentan drei te. Außerdem suche ich passende Illustratoren oder
Artdirektoren, zwei davon sind Senior Artdirectors. Fotografen und bin inzwischen auch häufiger bei
Was ich gestalte, zeige ich Tobias Nusser, dem Kreativ­ Kundengesprächen dabei.
page 01.16 103

Wie sieht ein typischer tag aus oder gibt es xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx geschäftsberichte sind jetzt ihr steckenpferd?
den gar nicht? So würde ich es nicht sagen, aber ich bin auf jeden Fall
Eigentlich ist jeder anders. Manchmal gestaltet man
»Ich­arbeite­ gerne dabei, wenn einer ansteht.
still vor sich hin, es gibt aber auch Tage, an denen mit­den­­ die Kreativbranche ist ja dafür bekannt,
man viel in Meetings oder Kundengesprächen sitzt. gleichen­ dass sie jede Menge Überstunden erwartet.
Gelegentlich kommt es auch vor, dass man mit zum Werkzeugen­ Wie sieht das bei ihnen aus?
Shooting geht oder in einen Buchladen, um sich In­ Wie arbeiten offiziell von 9:00 bis 18:00 Uhr. Klar,
spirationen zu holen. Das sind immer willkomme­ wie­im­­ wenn die Geschäftsberichtssaison anfängt, gibt es
ne Abwechslungen. Studium­–­­ auch längere Tage, aber das kommt nicht zu oft vor.
Welche Voraussetzungen braucht man als nur­mehr­und­ Jeder, der sich für diesen Beruf entscheidet, weiß,
Artdirektor in einer designagentur, und hat
vor­allem­ dass diese Situationen eintreten können. Aber meine
das studium sie darauf vorbereitet? Überstunden halten sich in Grenzen.
Ganz wichtig sind Abstraktions­, Einfühlungs­ und schneller« Würden sie ihrer besten freundin raten,
Durchhaltevermögen, Stressresistenz, Fantasie so­ Mursal Nasr, grafikdesignerin zu werden?
wie die Fähigkeit, Ideen die man im Kopf hat, umzu­ Artdirektorin Wenn sie das wirklich will, auf jeden Fall. Es ist ein
setzen. Unbedingt braucht man zudem viel Spaß an bei Strichpunkt toller Beruf, aber man muss schon dafür brennen.
der Sache. Das Studium hat mir viel mitgegeben, auch in Berlin Und sich nicht scheuen auch kleine, vielleicht lang­
wenn dort eher Experimentieren im Vordergrund weilig aussehende Projekte anzugehen.
stand. Und man hatte unglaublich viel Zeit für alles.
Das ist nicht realitätsnah. Sehr geholfen hat mir, dass PAGE­Serie­»Jobprofile« zu berufsbildern
ich im Studium schon die Programme der Creative in den unterschiedlichen Feldern der Kreativ-
Suite genutzt habe. Daran hat sich im Job nicht viel branche ↗  www.page-online.de/jobprofile
verändert. Ich arbeite mit den gleichen Werkzeugen
wie im Studium, nur mehr und vor allem schneller. PAGE­eDossier­»Designstudium«­mit wertvol-
Müssen sie auch programmieren können? len Tipps zu bewerbungsmappe und eignungs-
Ich arbeite eher an printlastigen Projekten. Natürlich prüfung ↗  www.page-online.de/pDDp1021
gibt es eine Schnittmenge mit unseren Codern, wenn
wir zusammen an New­Media­Jobs arbeiten, aber ich
PAGE­Story­»Ausbildung­in­der­Kreativbranche«.
könnte auf keinen Fall programmieren. Das ist dann In page 08.15 lesen Sie, auf welche Fähigkeiten
doch eine ganz andere Welt. Allerdings habe ich mich und Qualitäten es in den Designdisziplinen künftig
schon vor dem Studium damit auseinandergesetzt, ankommt ↗  www.page-online.de/pepa1508
wie eine einfache HTML­Website aufgebaut ist. Das
hilft ein wenig bei der Verständigung. Ich bin aber
definitiv ein Printmensch. ­
War es ihnen demnach immer klar, dass sie Ausbildung zum Kommunikationsdesigner
zu einer designagentur wollen? Oder
hätten es auch scholz & friends oder heimat ● grundsätzlich kann man sich für ein Kommunikationsdesignstudium
werden können? an einer (Fach-)hochschule oder eine ausbildung zum Mediendesi-
Ich hätte mich niemals bei einer Werbeagentur be­ gner entscheiden. Die Wahl der hochschule sollte nicht nur nach ihrer
worben, Werbung ist nicht mein Ding. Mir war schon geografischen Lage erfolgen, sondern auch nach ihren inhaltlichen
Schwerpunkten. Manche ausbildungsstätten haben einen eher künst-
zu Beginn des Studiums klar: Ich möchte in einem
lerischen Fokus, bei anderen ist das erlernen von programmierkennt-
Designbüro arbeiten, das nicht zu groß ist und des­
nissen Teil des curriculums.
sen Arbeiten mir gefallen.
Für die bewerbung in einer Designagentur reicht in der regel ein
Klingt als wären sie rundum zufrieden. sind
bachelorabschluss – und natürlich eine tolle Mappe. Wer ein Fach-
trotzdem noch berufliche Wünsche offen?
gebiet vertiefen möchte, für den bietet sich das Masterstudium an.
Ich hätte Lust, irgendwann einmal ein Buch zu reali­
Im Falle von Typografie beispielsweise die renommierten Kurse in
sieren. Ein Sachbuch, denn Erklären und Verständ­ reading (  http://is.gd/ma_typeface )  und Den haag ( h
  ttp://is.gd/
lichmachen fand ich schon immer interessant. Das type_media )  . hochschulen, die ihren Schwerpunkt eher im bereich
Thema wäre mir dabei völlig egal. Andererseits fin­ Design als in der Werbung haben, sind unter anderem:
de ich auch Bewegtbild sehr spannend.
Burg giebichenstein Kunsthochschule halle. bachelorstudiengang
Was fasziniert sie an ihrem Job am meisten?
Kommunikationsdesign, Masterstudiengang zu verschiedenen
Dass man kleine, ja sogar eher langweilige Themen
Designdisziplinen ↗   www.burg-halle.de
für Leute, die sich damit noch nie beschäftigt haben,
spannend gestalten kann. Das ist dann vielleicht doch hochschule für gestaltung Offenbach am Main. Diplomstudium
Visuelle Kommunikation ↗   www.hfg-offenbach.de
eine Parallele zur Werbung. Früher fand ich zum Bei­
spiel Geschäftsberichte langweilig und uninteres­ universität der Künste Berlin. bachelor- und Masterstudiengang
sant. Seit ich mich damit beschäftige und sehe, was Visuelle Kommunikation ↗   www.udk-berlin.de
alles möglich ist – Strichpunkt macht auf diesem staatliche Akademie der Bildenden Künste stuttgart. Diplomstudien-
Gebiet sehr viel und sehr schöne Arbeiten – hat sich gang Kommunikationsdesign ↗   www.abk-stuttgart.de
meine Meinung geändert.
104 page 01.16 › BRaNCHe

PAGE digital
Was auf den digitalen Kanälen passiert www.page-online.de pagemag

Neue Bildplattform Platnum


Bild. Wie man das Genre Bildagentur noch einmal
neu erfinden kann, zeigt Susanne Abatenni auf ihrer
Foto: Bartholot@Platnum

gerade gestarteten Plattform für High-End-Fotogra-


fie. Streng kuratiert, bietet sie ausgefeilte Suchfunk-
tionen, man kann nach Kriterien wie »Artist«, »Lo-
cation« und bald auch nach Magazinen von »kid’s
wear« bis hin zu »brand eins« filtern.
↗  www.page-online.de/platnum_0116

Identity für Weinjäger


Kreation. In ihrem Corporate Design für den Wood-
land Wine Merchant in Nashville, Tennessee, bringt
die Branding- und Designagentur Perky Bros zusam-
men, was sonst nicht zusammengehört: die coole
Sixties-Architektur des Gebäudes mit der fuchsrei-
chen Natur der Umgebung und der weltweiten »Jagd«
der Besitzer nach dem besten Wein.
↗  www.page-online.de/woodlandwine_0116

Gestatten, ich bin Frank


Typo. Milieu Grotesque, die Typefoundry von Timo
Gaessner und Alexander Colby, vertreibt so schöne
Dinge wie Gespenster in Gold und Silber – denn ein
solches ist ihr Signet. Jetzt präsentieren die beiden
ein weiteres Schmuckstück: den Stencil-Font Frank
als Limited Collector’s Edition samt Schablone und
liebevoll gestaltetem Buch.
↗  www.page-online.de/frank_0116

Reise durch den Körper


Technik. Die kostenlose App De Motu entwickelten
Studierende der Filmakademie Baden-Württemberg
und der Musikhochschule Trossingen. Mit Sounds
und Visuals schicken sie den User auf eine ungewöhn-
liche Reise durch den Blutkreislauf. Die Geräusche
in den Organen beeinflusst man durch Eingabe ei-
gener Körperdaten.
↗  www.page-online.de/demotu_0116

PAGE Newsletter. Bestellen Sie den kosten- PAGE Shop. Ob page Book, Schneidematte,
losen Newsletter und bleiben Sie stets Typometer oder einzelheft – einfach und bequem
up to date:  ↗  www.page-online.de/newsletter   bestellen auf  ↗  http://shop.page-online.de   
page 01.16 105

Portfolio
des Monats
In jeder Ausgabe stellen wir ein
Mitglied der PAGE Community und
Highlights aus seinem Portfolio vor

Artwork für den Berliner


Musiker Bled White
in Zusammenarbeit mit
dem Gestalter Lino
Santo. Links: Redesign des
Faradaí Pará Spirit.
Unten: Editorial Design für
»Whistle Spread Lie«, eine
Publikation über die
ehemalige US-Soldatin

Studio Wölfle Störk Chelsea Manning

↗ www.page-online.de/portfolio/
simon-stoerk

● Seit einem Jahr gestalten die beiden Kom-


munikationsdesigner Simon Störk und Stefan
Wölfle gemeinsam – und was sie dabei ver-
bindet, das sind der Spaß am Denken und die
Freude am Handwerk. So entstehen Arbei-
ten, wie ihr Branding für Faradaí Pará Spirit,
das von brasilianischen Pixação-Graffiti in-
spiriert ist und sich ganz um eine variable
Wortmarke dreht. Geradezu malerisch hin-
gegen ist ihr Artwork für den Berliner Musi-
ker Bled White und preisgekrönt ihre Gestal-
tung der Schau »Call for Type«.

Wir sind Artdirektoren


Schwerpunkte Konzeption, Typografie,
Editorial Design, Webdesign,
Ausstellungsdesign
E-Mail hello@studio-woelfle-stoerk.com
Web www.studio-woelfle-stoerk.com
Standort Berlin

Einzelhefte digital. Sie haben eine ausgabe eDossiers. Best-of-Kompilationen aus page PAGE App.
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106 page 01.16 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

BDG Business Basics


Das Schlupfloch
GmbH ist zu
● Um die Künstlersozialabgabe für den Auf­
traggeber zu umgehen, haben Designer gerne
eine GmbH gegründet. In einer solchen wa­
ren die Bezüge eines Geschäftsführers bisher
nicht abgabepflichtig, wenn die Kreation je­
mand Drittes machte. Dieses Reglement hat
das Landessozialgericht Hamburg allerdings
nun kassiert. Dort hatte eine Kommunika­
tions­GmbH damit argumentiert, dass der
Geschäftsführer selbst keine Kreation leiste,
sondern koordiniere und konzipiere. Das
LSG Hamburg hat genau diese Tätigkeiten in
bestimmten Fällen jetzt doch als künstlerisch
eingestuft. Zudem sieht es die Arbeit des Ge­
schäftsführers in einer kleinen Firma (in die­
sem Fall vier Mitarbeiter) als nicht vorwiegend
organisierend, sondern immer noch vor wie­
gend schöpferisch an. Damit ist das Schlupf­
loch zur Vermeidung der Künstlersozialab­
gabe gestopft, und es gibt in Zukunft eine
Gleichbehandlung von Freiberuflern und Ka­
pitalgesellschaften. Ein Paukenschlag, der mit
empfindlichen Nachzahlungen für GmbHs
 Bewerbung. Martin Noah Hallgren (http://letter verbunden sein wird. 
headed.com) wollte gerne für die hippe Stockhol­ Mein Tipp: Steuertricks führen zu existenziel­
mer Agentur Snask arbeiten. Um sich aus der Bewer­ len Nachzahlungen, wie nun wieder einmal
erkennbar wird. Wenn Auftraggeber ihre Ab­
berflut herauszuheben, ließ sich der Designer etwas gabenlast auf Designer abwälzen möchten,
ist das nicht nur unzulässig, sondern auch
Nettes einfallen: Er produzierte vier handgeletterte unfair. Das sollten Sie vermeiden! Die GmbH
als Schlupfloch ist weitgehend Vergangen­
Etiketten, klebte sie auf vier Bierflaschen, verschloss
Foto: © André W. Sobott, www.aw-sobott.de

heit. Für Kunden gibt es keine bevorzugte


diese mit seinem persönlichen Siegel und schickte Unternehmensform zur Abgabenvermeidung
mehr, alle Anbieter arbeiten jetzt unter glei­
sie an Snask. Freibier, so dachte Hallgren, mag ja chen Voraussetzungen. Viel Erfolg!

schließlich jeder. Einen Job gab’s für das »Snask­ Haben auch Sie Fragen? Dann schreiben
Sie uns: businessbasics@bdg-designer.de
Gesöff« leider nicht, aber viele nette Kommentare
und einen Post in Snasks Instagram­Feed. ant Business Basics auf PAGE Online.
ausgewählte beiträge lesen Sie
unter  ↗    www.page-online.de/bdg  
page 01.16 107

»Am einfachsten wäre


es, sich beim Instant
Messaging nur auf
innereuropäische Anbieter
zu stützen, bei denen
kein Datenaustausch in
die USA erfolgt«
● Datenrisiko. Instant Messaging ist in die Agenturen eingezogen –
hauptsächlich junge Teams kommunizieren gern über Slack, Skype,
Threema, Tox Chat, Voxer oder Wire ( https://wire.com ), dem einzi­
gen europäischen Angebot. Aber so angenehm es für Mitarbeiter sein
mag, auf kurzem Weg Nachrichten, Bilder, GIFs, Videos, Musik und
Dateien zu teilen, für Arbeitgeber lauern ungeahnte Gefahren. Auf
welche Risiken man achten und wie man sich schützen kann, erklärt
Nina Diercks, Rechtsanwältin in Hamburg mit Schwerpunkt Medien
(http://dirksunddiercks.de), Social­Media­Expertin und engagiert bei
Digital Media Women e. V. ae

Von welche Gefahren sprechen wir? 
Nina Diercks: Im Oktober hat der Europäische Gerichtshof befunden
( http://is.gd/eu_urteil ), dass es zwischen der EU und den USA kein
Vorbild Schweiz? gleichwertiges Rechtsschutzniveau in Bezug auf die Übermittlung
● Essence 15. Wie führend ist das legendäre Schwei­ personenbezogener Daten gibt – damit ist das Safe­Harbor­Abkom­
zer Grafikdesign heute noch? Ein neuer Wettbewerb men de facto gekippt und die Nutzung einiger Instant­Messaging­
des Schweizer Grafiker Verbands will das zeigen – Tools problematisch.
und zwar für die Kategorien Design, Illustration, Was bedeutet das für den Einsatz von Instant Messaging in 
Interactive und Motion. Die Jury konnte sich sehen der täglichen Arbeit?
lassen, dazu gehörten Größen wie François Rappo, Grundsätzlich darf man als Unternehmen auf Dienste Dritter zurück­
Micha Weidmann, Lars Müller oder Thom Pfister greifen, allerdings müssen diese mit dem Telemediengesetz (http://
von Contexta, der dem Award auch ein schönes Er­ is.gd/telemediengesetz), dem Telekommunikationsgesetz (http://is.
scheinungsbild verpasste. Sowohl Zahl als auch Qua­ gd/telekommunikationsgesetz ) und dem Bundesdatenschutzgesetz
lität der Einsendungen überzeugten. Sämtliche Ge­ (http://is.gd/datenschutzgesetz) konform gehen. Dabei spielt die tech­
winnerarbeiten sind unter http://essence.sgv.ch/de nische Sicherheit der Anbieter eine große Rolle. Schließlich stellt die
zu sehen, darunter dieser reizende Clip der Agentur IT­Sicherheit nur die zweite Seite der Medaille Datenschutz dar. Ex­
Festland und den Motion Designern von LeMob für emplarisch mag dies am Beispiel von Skype und Safe Harbor erklärt
einen neuen Möbelstoff von Création Baumann. sein. Slack und Skype sind beides US­Firmen, doch Skype gehört zu
Sieht wie Stop­Motion aus, ist aber CGI. Natürlich Microsoft, das sich nicht nur auf das Safe­Harbor­Abkommen verlässt,
hat die Schweiz auch den schönsten Müllsack der sondern auch Verträge zu EU­Standards in puncto Datenschutz und
Welt – gestaltet von Amrhein Anderhalden für den ­sicherheit unterzeichnet hat. Slack verweist in seinen Datenschutz­
Kanton Obwalden. cg bedingungen weiter auf Safe Harbor – und ist damit datenschutz­
rechtlich hochgradig bedenklich.
Wer haftet also, wenn unbefugte Dritte auf Daten zugreifen?
Bei der Auswahl eines Messaging­Dienstes sollten Unternehmen drin­
gend prüfen, was der Anbieter hinsichtlich der Datensicherheit ga­
rantiert und ob die Datenschutzbestimmungen mit den Anforderun­
gen des Bundesdatenschutzgesetzes konform gehen. Gerade als Agen­
tur unterliegen Sie – und zwar nicht ausschließlich dann, wenn Sie
ein spezielles NDA (Non­Disclosure Agreement) unterschrieben ha­
ben – in der Regel Geheimhaltungsverpflichtungen. Es liegt in der
Verantwortung der Agentur, sicherzustellen, dass die gewählten Kom­
munikationsmittel wenigstens üblichen Sicherheitsstandards entspre­
chen. Wenn Dienstleister wie beispielsweise Tox Chat ausdrücklich
mit sicheren NaCl­Bibliotheken werben und Ihnen diese Technolo­
gie inklusive Updates vertraglich zusichern, können Sie im Falle von
Hackerangriffen gegebenenfalls direkt den Anbieter in Regress neh­
men. Vor allem können Sie damit unter Umständen Ihre eigene Haf­
tung gegenüber Kunden reduzieren.
108 page 01.16

Kalender
Termine für Designer & Developer ↗ www.page-online.de/events

Von links: Hans Hansen: o.T., 1995 (Service 639, Entwurf: Wilhelm Wagenfeld für die Fürstenberg Porzellanmanufaktur, 1934); Karl Gerstner: Auch Du bist liberal, 1956, Museum für Gestaltung Zürich, Plakatsammlung,
Bis 12.01. Kleine, feine Plakat-
ADC Wettbewerb 2016 schau zur Bedeutung der
↗www.adcwett Hand in der visuellen
bewerb.de Kommunikation Museum
für Gestaltung Zürich
Bis 25.01. ↗www.museum-
2 100 beste Plakate 15 gestaltung.ch
↗http://100-beste-
plakate.de Bis 28.02.
Futur archaïque.
Bis 01.02. Design mit seinen
Kongresse 28.01.–29.01. 02.03.—04.03. Best of Swiss Web 2016 Wurzeln konfrontiert
Agentur-Barcamp 2016 interaction 16 ↗www.bestof Scheinbar primitive For-
Messen Erstes Barcamp für Inhaber, Interaction-Design- swissweb.ch men und Materialien
Manager, Spezialisten und Konferenz Helsinki kehren zurück. Warum?
10.12.2015 Querdenker aus Agenturen ↗http://interaction16.
Ausstellungen mudac, Lausanne
© Karl Gerstner/Muriel Gerstner (vertreten durch Maria Jurkovic)

hub conference Frankfurt am Main ixda.org ↗http://mudac.ch


Trendkongress für die ↗www.agentur- Festivals Bis 28.02.
Start-up-Szene Berlin barcamp.de
↗www.hub.berlin/de Wettbewerbe Exo-Evolution
30.01.–31.01. 28.01.–31.01. Schau zur Anwendung
17.01.–19.01. Plat(t)form 2016 Kreativawards 43e Festival Internatio- neuester Technologien in
DLD16 München Fotografen-Portfolio- Aktuelle Einreichtermine nal de la Bande Dessinée Design, Kunst und Wissen-
Digitalkonferenz Viewing Fotomuseum, ↗www.page-online.de/ Angouleme, Frankreich schaft ZKM, Karlsruhe
↗http://dld-conference. Winterthur wettbewerbe ↗www.bdangouleme. ↗http://zkm.de
com/DLD16 ↗www.fotomuseum.ch com
Bis 08.12. 2 Bis 03.04.
18.01.–22.01. 20.02.–28.02. ADC Nachwuchswett- 03.02.–07.02. Die Entdeckung
Fashion Week Berlin 2016 Munich Creative bewerb 2016 transmediale/conver- der Dinge. Fotografie
↗www.fashion-week- Business Week 2016 ↗www.adcnachwuchs- sationpiece und Design
berlin.com ↗www.mcbw.de wettbewerb.de Festival für Medienkunst & Zu sehen gibt es Sachfoto-
digitale Kultur HKW Berlin grafie von Designern
18.01.–24.01. 22.02–23.02. Bis 07.01.2016 ↗http://transmediale.de und Künstlern Wilhelm
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Möbeldesignmesse Köln Design- und Technik-Event Award 2016 1 Bis 28.02. ↗www.wilhelm-wagen
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Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant), Angelika Eckert (ae),
Dr. Claudia Gerdes (cg), Rebecca von Hoff (Grafik), Christine
Krawinkel (Artdirektion), Myriam Jantoss (Textredaktion),
Maiken Richter (Text-/Schlussredaktion), Sabine Danek (sd,
Redaktion Online); Redaktionsassistenz: Sinja Kik
Autoren dieser Ausgabe Christian Büning,
Jochen Gros, Arne Hollmann, Markus Linden (ml),
Jürgen Siebert, Stefan von Gagern
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114 page 01.16 › Sieberts Betrachtungen

Erschütterung und Eitelkeit


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

Redakteur, der um eine Abdruckge­ zeitig Angst, ist verärgert und dazu un­
nehmigung für sämtliche Kanäle des sicher und versucht, diese Emotionen
Senders bat. Jullien erteilte sie umge­ in einer Grafik festzuhalten, die Zuver­
hend. Dann passierte das, was in den sicht oder Trauer ausdrückt.«
sozialen Medien sonst mit einem tref­ Wie lebt ein Gestalter mit dem Er­
fenden Statement passiert: Es wird ge­ folg einer Arbeit, die aus dem Leid an­
stohlen, entführt und weitergereicht, derer Menschen entstanden ist? »Das
bis es 24 Stunden später weltweit be­ ist eine Sache, über die ich persönlich
kannt ist. Dann ist der Urheber zwar sehr stark nachdenke. Wenn ich zu sol­
enteignet, steht aber im Rampenlicht chen Ereignissen zeichnerisch Stel­
und gibt erste Interviews. lung nehme, dann habe ich ganz gro­
»Nachdem ich mich vom Wohlbe­ ße Schwierigkeiten mit mir selber,
finden meiner Pariser Freunde über­ denn das Zeichnen hat stets auch eine
zeugt hatte, fing ich spontan zu zeich­ Komponente der Eitelkeit. Eine starke
nen an . . . Es war der erste und einzige Zeichnung entsteht nur, wenn ich mei­
Foto: Norman Posselt

Entwurf, der aus meinem Stift kam«, ne eigene Person einbringe und mich
berichtet Jean Jullien dem Webmaga­ ständig frage, was kann ich jetzt zu die­
zin »Slate«. Gegenüber »Wired« sagte ser Sache beitragen?«
er: »Das Ganze war eine instinktive Christoph Niemann ist sich der Ge­
menschliche Reaktion, keine Illustra­ fahr bewusst, dass ein Selbstauftrag
Unser Kolumnist Jürgen Siebert grübelt über torenreaktion.« Darin liegt auch das nach und mit einer Katastrophe als Kal­
den Sinn von Katastrophen-Logos im Netz
Geheimnis für den Erfolg seiner Zeich­ kül missverstanden werden kann. Man
nung: Sie ist nicht kalkuliert, sie ist dürfe nicht der Versuchung erliegen,
nicht geplant und schon gar nicht de­ seine Seele mit den Likes oder Favs für
● Am 13. November wurde Paris zum tailliert ausgearbeitet. eine Illustration zu balsamieren, die
zweiten Mal in diesem Jahr das Ziel von Ich wollte mehr wissen über spon­ auf der Welle der Unglücksberichter­
Terroristen. In den folgenden Stunden tane grafische Äußerungen und ihre stattung um die Erde reitet. Das Pari­
nutzten die Menschen das Netz nicht virale Verbreitung und rief Christoph ser Peace­Zeichen von Jean Jullien hält
nur, um Neues zu erfahren, sondern Niemann an. Der renommierte Illus­ Niemann allerdings für einen ehrli­
auch, um sich mitzuteilen. Man gönnt trator erlebte den 11. September 2001 chen und authentischen Wurf. »Es ent­
sie sich nicht mehr, die kurze Zeit des nur 1000 Meter entfernt in seiner Woh­ springt Julliens natürlicher Art, ständig
Luftanhaltens, des Verarbeitens. Noch nung in Brooklyn. »Ich habe das zwei­ das Leben zeichnerisch zu begleiten.
ins kollektive Entsetzen hinein fangen te Flugzeug mit eigenen Augen gese­ Es steht absolut im Einklang mit seiner
die Ersten an, das Unfassbare auszu­ hen. Meine Frau saß in ihrem Büro in Philosophie ... da ist nichts kalkuliert.«
schlachten und umzumünzen. Sie wer­ Midtown, schwanger.« Solche Momen­ Sich heute Gedanken über ein At­
fen Hashtags wie Schleppnetze aus, te seien fundamental anders als die tentat auf deutschem Boden zu ma­
um ihren eigenen Gedanken im Nach­ klassische Arbeitssituation eines Illus­ chen, lehnt Christoph Niemann ab.
richtenmeer Gewicht zu geben. trators. Auf einmal geht es darum, wi­ Am 11. September hat er selbst miter­
Das Rennen um das offizielle Lo­ dersprüchliche Gefühle in einem Bild lebt, dass es bei einer Katastrophe erst
go zu dem Terroranschlag ging noch zusammenzuführen. »Man hat gleich­ mal um komplett andere »Dinge und
schneller zu Ende als bei »Je suis Char­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Dimensionen« geht, als sie zu kom­
lie«. Binnen weniger Stunden hatte mentieren. Tatsächlich können auch
sich das Eiffelturm­Peace­Zeichen als »Man hat gleichzeitig weit entfernte Attacken sehr dicht ein­
Brand der internationalen Solidaritäts­ Angst, ist verärgert und schlagen. »Charlie Hebdo habe ich per­
bekundung auf dem Newsmarkt durch­ dazu unsicher und ver- sönlich am bedrohlichsten empfun­
gesetzt. Sein Schöpfer, der Grafikdesi­ sucht, diese Emotionen den, weil es so dicht an meinen Beruf
gner Jean Jullien, weilte am Abend der herantrat. Bei 9/11 waren viele, zufäl­
Anschläge im Urlaub, weit entfernt von
in einer Grafik fest- lig ausgewählte Menschen in Gefahr,
seiner Heimat. Erst um Mitternacht zuhalten, die Zuversicht während die Ansage im Januar 2015
erschien seine spontane Illustration oder Trauer ausdrückt« war: Wir wissen, wo du dich aufhältst,
»#PeaceForParis« auf Instagram. Den Christoph Niemann, Illustrator und kommen zu dir, wenn du etwas
ersten Kommentar verfasste ein CNN­ Falsches machst.«
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