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Design › Code › Business » Das Magazin der Kreativbranche

10.2017
DeutsCHLAnD CH 19,40 CHF
A 11,00 Eur
9,95 EUR L 11,50 Eur

10842
Interface Design: Variable Fonts: Making-of:
achtung Fehler! • Birdly-Flug über Ulm • Variable Fonts • Strategisches Design • Social Video

Jobprofil & Gehalt Hot shit / Bullshit? VR Design

top 20:
Corporate
Design
und Identity
Extra-Booklet
im Heft!
# 353 • 32. Jahrgang
Ins Live springen, Jetzt
erhält
neu
lich in

wenn alles rockt: der A


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Easy Staging wird Ihre Bühne!


Sind Sie bereit zum großen Sprung? Easy Staging* bietet eine Umgebung, in der Ihrer Website nichts
passieren kann. Seien Sie kreativ und toben Sie sich aus! In nur drei Schritten haben Sie bei Mittwald den
sichersten Livegang aller Zeiten.

1 Website kopieren 2 Austoben 3 Live schalten, wenn‘s gefällt

*Easy Staging 1.0 performt mit


TYPO3, Joomla! und WordPress www.mittwald.de/staging
editorial page 10.17 003

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BILDER ILLUSTRATIONEN VIDEOS AUDIO

Fallstudien
● Es ist alles gut, solange es immer noch schlech-
Überblick
behalten!
ter sein könnte. Nicht nur in der Politik, auch an-
derswo sind unsere Erwartungen bereits so tief un-
ter den Tisch gerutscht, dass schon das Nichtein-
treffen der Katastrophe ein gigantischer Erfolg sein
kann. Nehmen wir nur das gemeine Butterbrot: Wir
können uns ärgern, wenn es wieder einmal herun-
Foto: Kirsten Nijhof

tergefallen ist. Oder aber wir freuen uns, dass es nicht


auf der Marmeladenseite gelandet ist. O doch, von
wegen alles, was schiefgehen kann, wird auch schief-
gehen: Wir können unser Frühstück statt am ge-
Coverfont normten Esstisch ebenso am Stehtisch mit höherer
KRSNA Trial ( w
  ww.swiss Fallstrecke einnehmen, dann dreht sich das Toast-
typefaces.com )  ; FF Mark brot einmal mehr – und schon ist Murphy’s Law aus-
( w
  ww.fontfont.com )  gehebelt. Yhprum!
Was das mit unserem Job zu tun hat? Sehr viel!
Denn auch da lassen wir keinen Fettnapf aus. Ge-
rade zu Beginn unseres Berufslebens: Wir kritisie-
ren das bestehende Erscheinungsbild unseres Auf-
traggebers und übersehen dabei vollkommen, dass
er selbst an der Entwicklung beteiligt gewesen sein
könnte. Wir argumentieren mit Ästhetik und lan-
den in der Geschmacksfalle. Wir verkalkulieren uns
und zahlen am Ende richtig drauf. Wir verzichten
auf Usertests und AGB. Wir vergessen Beschnittzu-
gaben und Back-ups. Es gibt da Fälle . . .
Okay, wir dürfen Fehler machen – müssen es so-
gar: Schließlich wird man aus Fehlern klug. Das al-
Top 20: lerdings auch nur dann, wenn wir immer wieder neue
PAGE CD/CI-Ranking machen, sprich niemals denselben zweimal. In un-
Dieser Ausgabe liegt das serer Titelgeschichte ab Seite 18 haben wir denn auch
52-seitige Extra mit den
typische Stolperfallen zusammengestellt – damit Sie
umsatzstärksten Büros
und Agenturen in den
diese von vornherein umgehen können. Und wir ha-
Bereichen Corporate Design, ben Profis gebeten, sich ausnahmsweise mal nicht
Corporate Identity und von ihrer Marmeladen-, oops Schokoladenseite zu
Corporate Publishing bei zeigen, sondern offenherzig über ihre Missgeschi-
cke zu sprechen.
Sie sind gefragt! Doch Vorsicht! Die schlimmsten Fehler sind im- 83 Mio+ Inhalte im Angebot
Auch wir wollen nicht mer noch die, die bereits andere gemacht haben; von
danebenliegen: Darum denen wir glauben, dass sie einem selbst nie passie-
möchten wir gern von ren werden; also jene, von denen wir wissen, dass
Ihnen wissen, welche Inhalte sie, wenn sie uns passieren, unschöne Folgen haben Editor für Social Media kostenlos
Sie sich wünschen, wer Sie werden. Und genau diese Fehler stellen sich gerne
sind und was Sie machen.
ein, wenn wir uns auf der sicheren Seite wähnen,
Nehmen Sie teil an unserer
wenn uns der Erfolg schon ins Gesicht geschrieben Rückwärts-Bildsuche
Umfrage, und machen Sie
mit bei unserem Gewinn-
steht und sich Routine einstellt. Aber auch da ver-
spiel (siehe Seite 9) trauen wir dann einfach mal auf die Umkehrung von
↗  www.page-online.de/ Murphy’s Law, auf das Gesetz von Yhprum: »Alles,
umfrage was funktionieren kann, wird auch funktionieren.« Preiswert. Einfach. Schnell. Gut.

Gabriele Günder,
Chefredakteurin/Publisherin
(info@page-online.de)
www.123rf.de
0800 88 66 020
Kostenlose Rufnummer D, A & CH
info@123rf.de
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Inhalt
TITELThEmEN

SIGNALE
006 Ideen, Projekte und Diskussionen

TITEL
018 Fehler, die sich Kreative sparen können
»Failure sucks but instructs«: Aber nicht jeder Fehler
ist es wert, gemacht zu werden. Angefangen von der
Stundensatz- und Projektkalkulation übers Arbeiten

032
im Netzwerk und im Team bis hin zu Usertests
und Printworkflows haben wir eine ganze Reihe
vermeidbarer Risiken zusammengestellt

ThEmEN
032 Architekten-Auftritte
Schwarzweiß und minimalistisch – so sieht die
typische Identity eines Architekturbüros aus.
Dass es auch anders geht, beweisen diese Beispiele

040 Strategisches Design bei der Telekom


Vom Entwickeln von Zukunftsvisionen über
die Konzeption konkreter Produkte und Services
bis hin zu deren Umsetzung

048 Interview mit einem »Erfinder«


Dominic Wilcox – Star der diesjährigen TYPO Berlin –
ist ein kreatives Ausnahmetalent. Er selbst nennt
sich »Erfinder«. Wir sprachen mit dem Briten über seine
Arbeit und stellen einige seiner Erfindungen vor

NEuES
056 Spannendes aus der Bild-, Typo-, Papier-
und Technikwelt
064 Publikationen für Gestalter und Developer

ProjEkTE
068 Making-of: VR Design für »Ulm Stories«
Wie Demodern und die Interactive Media Foundation
die VR-Anwendung für den Flugsimulator Birdly schufen

076 Typoanimation für die Game Awards


In After Effects gestalteten Jeroen Krielaars und
Jesper Bolther einen animierten Custom Font
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048

082 Nachwuchs
Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

WERKZEUG
086 Ratgeber: Kaschieren
Unterschiedliche Papiere zu kombinieren ist eine tolle
Möglichkeit, um Druckerzeugnisse wie Visitenkarten
oder Notizbücher visuell und haptisch aufzuwerten

092 Video für Social Media


PAGE zeigt, was bei der Konzeption und effizienten
Produktion von Video-Content für die verschiedenen
Social-Media-Plattformen zu beachten ist

015 BRANCHE
098 Variable Fonts: Hot Shit oder Bullshit?
Mehr Flexibilität, kleinere Schriftdateien und damit
kürzere Ladezeiten – die neue Fonttechnologie bietet
viele Vorteile, manches ist aber noch ungeklärt. Wir
haben Gestalter gefragt, wie sie zu Variable Fonts stehen

104 Connect Creative Competence – unsere Branchen-


initiative zur Förderung neuer Kompetenzen

106 Job & Gehalt Interface Design

110 Szene Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

STANDARDS
003 Editorial
112 Impressum/Vorschau/Leserservice/PAGE digital
114 Sieberts Betrachtungen

SERVICES
091 PAGE Abo 097 PAGE Shop

PAGE SEMINARE
037 NEU! »Mehrwert Marke« mit KMS TEAM
046 »Leitmedium Design« mit Jochen Rädeker
054 »Projektmanagement« mit Hagen Seidel
075 »Infografik« mit Infographics Group
108 »Bildrecht« mit Sabine Pallaske und Silke Kirberg
Signale
Ideen, Projekte und Diskussionen
aus Design, Kommunikation
und Development finden Sie hier
und auf ↗  www.page-online.de  

Bahn-Branding. Das Prager Studio Marvil setzte sich mit seinem Entwurf gegen mehrere andere Agenturen durch. Schließlich
mehrfach durch: im Logo Ž, das die Gleise ebenso aufgreift wie der geradlinige Sans-Serif-Font Styrene. Zudem setzen die Gestalter auf eine
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dekliniert es in dem neuen Erscheinungsbild für die staatliche tschechische Eisenbahngesellschaft SŽDC den Begriff Schienenverkehr gleich

kontrastreiche Farbpalette, die Historie und Zukunft mit Retro-Blau und modernem Orange verbindet. Mehr auf  www.page-online.de/szdc  . sd
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 Erlebnispark-Kampagne. Neuanfang für das Dreamland an der briti­
schen Küste: Mit spektakulären Karussells, Kunstinstallationen und mo­
dernen Food­Ständen will der Vergnügungspark zu zeitgemäßem Glanz 
finden – mit einem Erscheinungsbild von Studio Moross, das gerade die 
Londoner Billboards überzieht. Kunterbunt und auf Illustrationen kon­
zentriert ist das Branding, das auch wegen der Popkonzerte in dem Park 
hippe Festivals zitiert. Mehr unter  www.page­online.de/dreamland .   sd
Sie sind gefragt!
Liebe PAGE-Leserinnen,
liebe PAGE-Leser,
vielen herzlichen Dank für Ihre wertvollen
Anregungen, die wir tagtäglich von Ihnen
erhalten. Damit tragen Sie den entscheiden-
den Part bei zu PAGE Print und PAGE Digital,
zur Ausrichtung der PAGE Academy sowie
zur PAGE Initiative »Connect Creative Com-
petence« – kurzum: zu gutem Design.

Darum möchten wir Sie und Ihre Interessen nun


noch besser kennenlernen und laden Sie zu unserer
kleinen Online-Umfrage ein: Sie dauert circa
8 Minuten, Ihre Angaben sind natürlich anonym.
Machen Sie mit – und als Dankeschön können
Sie unverbindlich und ohne weitere Verpflichtun-
gen an unserem Gewinnspiel teilnehmen.

Hier geht’s zur Umfrage:


www.page-online.de/umfrage
Teilnahmeschluss:
5. Oktober 2017

Wir danken Ihnen schon jetzt


für Ihre Unterstützung!

Ihr PAGE Team

Die Gewinne:
1 x stylishe Decke Firenze von Eagle Products
im Wert von rund 230 Euro, zur Verfügung gestellt
von Der Schaukelstuhl GmbH

5 x das Buch »To Do: Die neue Rolle der Gestaltung


in einer veränderten Welt«
von Florian Pfeffer aus dem Verlag
Hermann Schmidt im Wert von je 39,95 Euro
Eagle Products Textil GmbH

5 x das Buch »Transformationale Produkte, der


Code von digitalen Produkten, die unseren Alltag
erobern und die Wirtschaft revolutionieren«
von Matthias Schrader im Wert von je 29,90 Euro

10 x PAGE Skizzenbuch
»Originalität ist der beste Kopierschutz«
165 mal 220 Millimeter, Flexcover, 256 Seiten,
neonorangefarbenes Punktraster, mit Maßtabellen
und Tastaturkürzeln im Wert von je rund 23 Euro

10 x Gutschein-Code
für je eine PAGE-Digitalausgabe Ihrer Wahl
010 PAGE 10.17 › SIGNALE

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Orientierungssystem. Bei der Gestaltung des Leitsystems für den


Kindergarten Dornbirn bezog das Designbüro Sägenvier die Kids selbst
schon in der Bauphase mit ein. Nun bevölkern witzige Figuren, Tiere und
Pflanzen die Wände, Türen und auch die Säulen der Tiefgarage – die so
zu einem riesigen Bilderbuch und zur freundlichsten Garage Vorarl-
bergs wurde. Die Rechtschreibung war dabei zweitrangig; ich bin sicher,
Kinder und Besucher finden trotzdem mit Leichtigkeit ihren Weg. ant
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Moralfrage
Dr. Claudia Gerdes steht nicht auf
Tränendrüsenwerbung

● Es wird zurzeit viel geweint in Werbefilmen und


meistens sind Kinder im Spiel. In der 100-sekündi-
gen Schnulze »The Archives« zeigt Apple in Kino-
Optik, wie ein Archivar mühe- und liebevollst einen
Erinnerungsfilm ans Leben einer Familie zusammen-
stellt. Die Memories-Funktion von iOS 10, so die ei-
gentlich doch eher ernüchternde Message, kriegt das-
selbe automatisch hin – wie der Schnitt auf die ge-
rührt weinende Mama am iPhone zeigt.
Vor Glück heulen Eltern und (ausgewachsene)
Töchter in einer Kampagne von Tourism Australia.
Die Frankfurter Agentur respektive1 organisierte ei-
nen Überraschungsbesuch zweier Papas und Mamas
beim Working Holiday der jeweiligen Tochter in Aus-
tralien. In der idealen Werbewelt sind die nicht etwa
genervt von Eltern, die sie rund um den Globus beim
Erwachsenwerden verfolgen, sondern schluchzen
mit ihnen um die Wette.
Erst recht regiert solch grenzenlose Gefühlsdu-
selei logischerweise beim Muttertag. Nivea setzte
dieses Jahr denselben Spot wie 2016 ein: Ein unge-
borenes Baby verkündet der Mutter aus dem Bauch
mit süßem Stimmchen Altkluges wie »Du bist der
Rhythmus meines Lebens ... ich bin für immer ein
Teil von dir«. Das kommt an, brachte mittlerweile
über vier Millionen Klicks und Hunderte Kommen-
tare wie »Omg ich habe schon Tränen in den Augen
das ist soooo süß « oder ». . . der Spot hat mich
zum schniefen gebracht . . . die disliker haben sonst
was für Probleme . . . versteh ich nicht wie man so-
was schönes kaputt machen muss«.
Auch auf die Gefahr hin, als einer dieser mit sonst
was für unverarbeiteten Kindheitsproblemen bela-
denen Disliker oder schlicht als herzloser Zerstö-
rer dazustehen – bei mir rührt sich angesichts sol-
Der Rechner als Kurator cher Rührstücke rein gar nichts. Im Gegenteil, die
● KI-Experiment. Wie sortiert ein nüchterner Algorithmus eine mit allen Mitteln der Handwerkskunst perfektionier-
private Fotosammlung? Der Designer Philipp Schmitt hat bei dem te Emotionserregerei stößt mich geradezu ab. Und
freien Projekt »Computed Curation« eine Rechenroutine über seine trotz Millionen Klicks glaube ich nicht, dass das nur
Bilder laufen lassen. Die entstandene Fotoreihe inklusive der ver- mir so geht. Kann man auf der einen Seite immer
bindenden Tags ließ er in InDesign rendern, als Leporello drucken wieder authentische Werbung fordern und auf der
und von Hand binden. Eine reduzierte Version als Buch mit zehn anderen Seite alle altbewährten Psychotricks auf-
Fotos kann man für rund 10 Euro per E-Mail (mail@philipp fahren, um so richtig auf die Tränendrüse zu drücken?
schmitt.com) bestellen. Es gibt auch ein Video, das die algorith- Weniger Klischees, weniger bedeutungsschwangere
mische Kuratierung zeigt: https://is.gd/computedcuration. as Klavierklänge und mehr Feingefühl, bitte!
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Befreit euch!
Zum Ent- ● Filterblasen-Test. Allgegenwärtige Al­ man unter http://filterbubble.tk anhand
schlüsseln der gorithmen versuchen das Verhalten von von Fragen herausfinden, wie stark man
Fragen muss
Internetnutzern vorherzusagen – was sich in seiner Filterblase gefangen ist – und
man die pas-
unter anderem auf Google­Suchergebnis­ mit welchen Tricks man sie platzen lässt.
sende Folien-
schablone
se und Facebook­Feeds auswirkt. Mit dem Für Workshops in Schulen gibt es zudem
auf sie legen von der Grafikdesignerin Lisa Jasch aus ein aufwendig gestaltetes gedrucktes Set
Halle entwickelten Filterbubble­Test kann mit verschlüsselten Antworten. lr

Coding-Starterkit
Mit DIY-Baukästen will das Londoner
Start-up Kano Kindern, aber auch
neugierigen Erwachsenen den Einstieg
ins Programmieren erleichtern (https://
kano.me). Bestehend aus einem Grid
von 8 mal 16 RGB-LEDs, mit USB-Ports
Joystick, Buttons, Kunststoffcase
und der zugehörigen Web-App erlaubt
das neueste Pixel Kit, Animationen
und mithilfe zusätzlicher Sensoren
sogar kleine Spiele zu programmieren.
Kostenpunkt: rund 80 Euro. as
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Paper for
Perfectionists.

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Fotoreportage. Drei Jahre lang bereisten der viel-


fach ausgezeichnete spanische Fotograf Carlos Spot-
torno und Journalist Guillermo Abril die Außengren-
Ein weiser Mann sagte einmal, dass Klei-
zen Europas vom Mittelmeer über Weißrussland bis nigkeiten Perfektion ausmachen, aber Per-
fektion ist alles andere als eine Kleinigkeit.
Finnland. Das Ergebnis: 25 000 Fotos, 15 randvolle Darum zählt Papier. Look & Feel des unge-
strichenen Design Papiers PERGRAPHICA®
Notizbücher und ein World Press Photo Award. Weil spiegeln Emotionen wider, die Ihre Ge-
schichte zum Leben erwecken. Schließlich ist
Fotobände nur ein begrenztes Publikum erreichen, Perfektion, was Sie daraus machen.

erzählen sie ihre oft dramatischen Erlebnisse nun als


Foto-Comic – die wohl erste Graphic Novel dieser Art.
Siehe www.avant-verlag.de/comic/der_riss. cg IN TOUCH EVERY DAY

www.mondigroup.com
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 Obstbauern-Identity. Steil wie die Hanglage des Guts der südstei-
rischen Familie Ledinegg, die am Ottenberg Äpfel, Kirschen, Pfirsiche 
und  sogar  Kiwis  anbaut,  ist  auch  der  neue  Schriftzug,  den  das  Gra- 
zer Studio Bruch–Idee&Form (  http://studiobruch.com  ) entwickelte. In 
Schreibschrift  und  Apfelrot  verläuft  er  schräg  nach  oben,  ist  Teil  des 
Brandings, das die Säfte, Edelbrände und den Essig der Ledineggs ver-
ziert – und schwebt wie ein Dach über den Illustrationen von Viola Nic-
colai. In persönlichen Motiven, auf denen immer auch der Pinselstrich 
zu sehen ist, zeigt sie die Familie selbst, Felder, Haus und Hofhund.  sd
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Vote For Your Rights!


Nein, diese T-Shirts kann man nicht kaufen – man
muss sie sich verdienen. Indem man möglichst viele
Menschen bewegt, am 24. September zur Bundes-
tagswahl zu gehen. Es gibt neun Motive, gestaltet
von den Süpergrüp-Designern (hier die von Sarah
Illenberger, Eike König und Erik Spiekermann) sowie
von Martin Fengel und Mieke Haase. Die V-Shirt-
Kollektion ist nur eine der vielen @wahlkalender-
Aktionen auf  www.mitmir90prozent.de  . au
016 page 08.17 › Signale

Celyn Brazier/Bernstein & Andriulli und Wieden+Kennedy


Airport Alphabet
● Wand-Illustration. An der 104 Wythe
Avenue in Brooklyn werden zurzeit jede
Menge Selfies gemacht: Vor einer riesi­
gen Wand, bemalt von der Illustratorin
Celyn Brazier, die die Flughafen­Codes der
133 Destinationen, die Delta Airlines von
New York aus anfliegt, in Bilder übersetzt
hat. Stehen Käsekuchen und Liberty Bell
für Philadelphia, wird Traverse, Michigan,
durch Farmhaus und Maiskolben symbo­
lisiert. Die Kampagne hat Wieden+Ken­
nedy New York konzipiert, samt Online­
shop mit Caps, Bags und Shirts. sd

Smarter ohne Phone


Verkehrssicherheit ist ein wichtiges
Thema, doch selten treffen entsprechende
Anzeigen oder Plakate den richtigen Ton.
Saatchi & Saatchi Bulgarien ist dies für
Audi gelungen: Die Motive der Kampagne
»Leave your phone while you drive« zei-
gen mit eingebundenen Smartphone-
Screenshots, welche Gefahren Autofahrer
übersehen, wenn sie durch Facebook
oder Instagram scrollen: das vors Fahr-
zeug springende Reh oder die Schran-
ken des Bahnübergangs. Das wirkt –
ganz ohne erhobenen Zeigefinger! lr
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TiTel
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020 PAGE 10.17 › TITEL › Fehler vermeiden

■ »Bei einem meiner ersten Projekte erfuhr ich spä-


ter, dass der Kunde locker das Doppelte gezahlt hät-
te«, erzählt der Berliner Fotograf Enriko Böttcher
(www.nriko.com). Gerade Berufsanfängern fehlt es
oft am nötigen Selbstvertrauen, um angemessene
Preise aufzurufen. Zwar sind ihre Lebenshaltungs-
■ In der Anfangszeit unseres Unternehmens ist es kosten meist geringer, sodass niedrige Honorare zu
uns aus Unerfahrenheit schon mal passiert, dass wir verkraften sind, doch das ändert sich schnell mit
Festpreis-, aber auch andere Projekte falsch kalku- der weiteren Professionalisierung und wachsenden
liert haben. Die Entwicklung einer Standard-Web- Ansprüchen etwa ans Equipment. Hinzu kommt,
site kann man noch ziemlich genau berechnen, da dass Kreative mit zu niedrig angesetzten Honoraren
birgt ein Festpreis kaum ein Risiko. Schwieriger wird von Auftraggebern meist nicht richtig ernst genom-
es bei eher explorativen Projekten, für die man das men werden. »Nur wer Premium-Preise verlangt,
gesamte Team hinzuziehen muss. Besonders bei In- kann auch Premium-Dienste anbieten«, so das Mot-
stallationen, die verschiedene Technologien kom- to von Walter Epp, freier Texter und Blogger aus
binieren, können Probleme auftauchen, zum Bei- Duisburg (https://is.gd/freelance_fehler). Also traut
spiel weil man Customized Hard- und Soft ware im- euch, setzt auf Qualität und Qualifikation – und ver-
mer wieder auf ihre Verlässlichkeit hin testen muss. langt faire Stundensätze! ae
Bei derart anspruchsvollen Anwendungen sollte
man Festpreise grundsätzlich vermeiden. Wir sind
dazu übergegangen, die Explorationsphase als fes-
ten Projektbestandteil gesondert anzubieten – das
heißt, wir explorieren beispielsweise drei Wochen,
und das kostet dann soundso viel Euro. Erst auf Ba-
sis der dabei gewonnenen Insights können wir die
finale Anwendung kalkulieren.
Also seid mit Festpreisen lieber vorsichtig, beson-
ders bei umfangreichen Projekten mit verschiede-
nen neuen Technologien oder auf komplett neuem
Terrain. Nehmt euch Zeit für die Angebotserstellung
und plant Puffer für unvorhersehbare Anpassun-
gen ein. Sollte es dann doch mal in die Hose gehen,
sprecht mit dem Kunden direkt und offen darüber –
die meisten sind wesentlich verständnisvoller, als
man denkt. Alexander El-Meligi (ae) ■ Stundenhonorare sind kein Ratespiel. Auch der
Blick auf Freelancer-Portale kann allenfalls der Orien-
Alexander
El-Meligi ist
tierung dienen. Ein Stundensatz lässt sich nämlich
Partner der ganz genau berechnen – und das sollte man unbe-
Digitalagentur dingt tun, damit Urlaub und Freizeit auch für Freibe-
Demodern rufler keine Fremdwörter werden.
in Hamburg Grundlage der Kalkulation ist die Stundenzahl,
↗  www. die man Kunden in Rechnung stellen kann, also die
demodern.de
Tage, an denen man tatsächlich an Projekten arbeitet
oder sich mit dem Projektmanagement beschäftigt.
Zu berücksichtigen ist auch Zeit, die man für Ange-
bote, Buchhaltung, Rechnungen schreiben, Steuern
oder Marketing auf wendet. Kosten für Versicherrun-
gen, Büromiete, Eigenwerbung, Soft warelizenzen et
cetera fließen ebenfalls in die Berechnung ein. Zu-
dem sollte man einen Risikopuffer einplanen, falls
mal etwas schiefgeht. Wie Sie Ihr Stundenhonorar
exakt bestimmen, erklären wir detailliert unter www.
page-online.de/stundenlohn-berechnen. ae
PAGE 10.17 021

Anke Herbener ist


Vorsitzende des Fach-
kreises Full-Service-
Digitalagenturen beim
BVDW e. V. im Haupt-
stadtbüro in Berlin
↗  www.bvdw.org

■ Vor ein paar Jahren war unser Kerngeschäft noch


von zwei großen Kunden dominiert: der TUI Group
und der UniCredit Bank in Mailand. Zusätzlich boten
wir anderen Agenturen unsere Dienste als digitale
Manufaktur an. Dadurch konnten wir sicher wach-
sen und unser Portfolio erweitern. Als Zukunftsmo-
dell war dies für uns aber nicht befriedigend. Wir
wollten langfristige Partnerschaften mit Unterneh-
men eingehen, um gemeinsam mit ihnen Marken
aufzubauen und echten Mehrwert zu generieren.
Statt also weiterzumachen wie bisher, haben wir die
Produktion für andere Agenturen eingestellt und wei-
tere eigene Kunden akquiriert.
■ Viele Freelancer beginnen zu arbeiten, ohne vor- Dabei hilft uns die von uns entwickelte 4C-Matrix
her wirklich klargestellt zu haben, welche Leistung (Cash, Creativity, Crew, Client), nach der wir die Kun-
sie erbringen sollen. Dabei reicht es schon, wenn den bewerten: Sind sie finanziell attraktiv? Sind die
Sie auf die Anfrage mit einer E-Mail antworten, die Projekte spannend, verhelfen sie uns zu einem tech-
wie ein Rebriefing festhält, dass die Agentur oder nologischen oder kreativen Vorsprung?
das Unternehmen Sie zum Beispiel für zehn Mann- Arbeitet das Team gern an den Projek-
tage bucht, um dies und das zu tun. Man sollte auch ten? Und wie ist der Kunde – ist er offen
definieren, wie viele Korrekturläufe in der Dienst- für Innovationen? Bekommt ein Auf-
leistung inbegriffen sind und dass man das Recht traggeber drei von vier Häkchen, ar-
zur zweimaligen Nachbesserung hat. beiten wir gern mit ihm – dann passt
Zudem können Sie 10 Prozent des Honorars vor- er zu uns. Chris Bartsch (ae)
ab und die übrigen 90 Prozent in monatlichen Ab-
schlagszahlungen in Rechnung stellen. Alternativ
können Sie als Liefer- und Zahlungseckpfeiler auch
Chris Bartsch,
Milestones vereinbaren. Am besten nutzen Sie hier- Creative Partner der
für Angebotsvorlagen, die Sie selbst erstellen oder Digitalagentur
sich von einem Anwalt aufsetzen lassen. BOOM in Hamburg
Um die eigene Leistung nachzuweisen, reichen ↗  www.boom.de
übrigens ebenfalls E-Mails, die belegen, dass man
die Liefertermine eingehalten und geleistet hat, was
vereinbart wurde. Schicken Sie dem Auftraggeber wö-
chentlich eine Auflistung der gearbeiteten Stunden
und dieser widerspricht nicht, sind diese genehmigt.
Will der Kunde nicht bezahlen, sollte man den
Anspruch selbstverständlich geltend machen. Dafür
müssen Sie nicht gleich zum Anwalt laufen, manch-
mal reicht auch ein formeller Brief, in dem Sie die
erbrachten Leistungen noch einmal klar auflisten
und den Kunden auffordern, das Honorar zu beglei- ■ Manchmal ist man genervt von einem Kunden,
chen, ansonsten würden Sie Ihren Anwalt einschal- weil dieser dauernd Zwischenstände oder neue Ent-
ten. Normalerweise bewegt ein solch professionel- würfe sehen will. Schnell hat man dann dem Pro-
les Vorgehen die säumigen Auftraggeber bereits zur jektordner einen lustigen Namen verpasst wie »Tau-
Zahlung. Anke Herbener (ae) sendste Variante für unseren Freund Jan«. Bei der
nächsten Präsentation kann es allerdings peinlich
Ratgeber: Angebote richtig schreiben.Wie Sie werden, wenn man den Ordner aufrufen muss. Jeder
Angebote wasserfest formulieren, lesen Sie auf kann den Namen über den Beamer lesen – und man
↗  www.page-online.de/angebote-schreiben wünscht sich an einen anderen Ort. ae
022 PAGE 10.17 › TITEL › Fehler vermeiden

■ Am Anfang sollte man sich klarmachen, auf wel- Marta Lach,


cher Plattform man welche Zielgruppe erreichen will. Grafikdesignerin
Seiten wie Behance oder dribbble haben eher ein pro- bei dryfe.media-
design in Berlin
fessionelles Publikum und sind toll, um der Branche
↗  www.dryfe.com
das eigene Portfolio zu präsentieren und andere De-
signer zu entdecken. Auf Instagram und Pinterest
tummelt sich dagegen ein vielseitigeres Publikum
und die eigenen Inhalte müssen zwischen Mode und
Lifestyle-Themen hervorstechen. Wer versucht, alle
Plattformen zu bespielen, muss viel Zeit in die Aufbe-
reitung der eigenen Projekte investieren – und wird
am Ende doch nicht jeder Community gerecht.
Darum fokussiere ich mich mittlerweile vor al-
lem auf Instagram. Ich habe schnell gemerkt, dass
ich mich dort gut mit meinen Arbeiten positionieren
kann. Einzelne Posts waren sehr erfolgreich, und so
wurde mein Profil von immer neuen Usern und Kun-
den entdeckt. Neben meinen Illustrationen poste ich
ab und zu auch Motive aus meinem Alltag oder von
Reisen – so können mich meine Kunden auch als
Persönlichkeit kennenlernen. Inzwischen verbringe ■ Es hat über zwei Jahre gedauert, bis ich nach mei-
ich etwa eine Stunde pro Woche mit der Pflege mei- ner Grafikdesignausbildung im Lette Verein Berlin
nes Kanals, das finde ich angemessen. einen richtigen Job gefunden habe. Dabei fanden
Vor allem jungen Illustratoren würde ich raten, die potenziellen Arbeitgeber mein Portfolio toll, lu-
die Projekte zu fokussieren, die ihnen am meisten den mich deshalb ja auch zum Gespräch ein. Aber
liegen, und auf die Plattformen, auf denen sie ihr sie bemängelten, dass ich keinerlei Kundenerfah-
Publikum am besten erreichen. Schließlich sollte die rung hätte. Das war echt deprimierend! Aber ich habe
Arbeit mit Social Media nicht nur Aufträge bringen, nicht aufgegeben, bin daran gewachsen, wurde mit
sondern auch Spaß. Daniel Ramirez Perez (ae) der Zeit lockerer und hörte genauer hin, was die Agen-
turen eigentlich von mir erwarteten.
Mir fehlte einfach die Praxis. Hätte ich schon frü-
PAGE Story »Social Media für Kreative«. Wie
Sie soziale Medien für die Akquise nutzen, steht her ein paar Aufträge nebenbei übernommen, hät-
in PAGE 11.15↗  www.page-online.de/PEPA1511 te ich vorweisen können, dass ich sowohl die Kom-
munikation mit den Kunden als auch die Präsenta-
Daniel Ramirez
Perez ist freier
tion und das Projektmanagement beherrsche – das
Illustrator und war vor allem kleineren Agenturen wichtig. Im Um-
Kreativdirektor gang mit Standardtools wie Photoshop, Illustrator
in Berlin und InDesign hatte ich ebenfalls zu wenig Übung,
↗  http://daniel und auch die Digitalkompetenz war in der Ausbil-
ramirezperez.com dung zu kurz gekommen.
Diese Defizite habe ich dann durch ein Praktikum
in einem Start-up und in Eigeninitiative als Freelan-
cer kompensiert. Meine Empfehlung: Leute, macht
Praktika! Man lernt dabei enorm viel! Erst wenn man
hands-on die erste Website baut, fällt einem auf,
was man alles nicht kann. Marta Lach (ae)

PAGE Story »Ausbildung in der Kreativbranche«.


Welche Skills Ausbildung und Studium vermitteln
sollten ↗  www.page-online.de/PEPA1508
PAGE 10.17 023

Projektmanagement, aber nicht in der Abrechnung. Christian Büning,


Auf diese Weise gefährde ich nicht meinen Status Gründer von Büro
als Freiberufler und damit meine Zugehörigkeit zur Büning visuelle
Kommunikation in
Künstlersozialkasse.
Oberwesel und
Welche Fallstricke gibt es noch?
Vizepräsident des
Jeder trägt die Haftung selbst, das ist also eigentlich BDG e. V.↗  www.
klar geregelt. Für das Projektmanagement hafte ich, buero-buening.de
Es spricht ja viel dafür, als Freelancer in denn das berechne ich auch separat. Ansonsten be- ↗  http://bdg-
einem Netzwerk zu arbeiten. Auftraggeber steht zwischen jedem einzelnen im Netzwerk eine designer.de
sehen das aber nicht so gern, oder? Geschäftsbeziehung zum Auftraggeber. Problema-
Christian Büning: Mir sind früher öfters tolle Pro- tisch ist zudem, dass das Netzwerk nicht wirklich
jekte durch die Lappen gegangen, weil ich diese im »belastbar« ist, wenn zum Beispiel einer der »Part-
Alleingang nicht stemmen konnte. Deshalb habe ner« auch nach drei Wochen einfach nicht aus dem
ich mich mit anderen zu einem losen Netzwerk zu- Quark kommt. Das hatte ich bereits zweimal, und
sammengeschlossen, in dem wie in einem agilen es ist wirklich ärgerlich, weil ich meinen Namen da-
Team sämtliche Kompetenzen vertreten sind. Auf- für riskiere. Einmal habe ich Ersatz gesucht, das an-
traggeber arbeiten wegen der Haftung zwar eigent- dere Mal mit Engelszungen geredet. Bei so etwas ge-
lich lieber mit einer GmbH zusammen, aber da ha- hen auch mal schnell dreißig Telefonstunden drauf.
ben wir eine gute Lösung gefunden: Wenn ich den Solche Leute braucht man im Netzwerk nicht.
Auftrag bekomme, bin ich der Generalunternehmer. Was würdest du jungen Kommunikations-
Das heißt, ich koordiniere die Korrespondenz mit designern empfehlen?
dem Kunden, Anfragen, Änderungswünsche und Erkennt, dass eure Kompetenz auch ein Ende hat.
so weiter. Die Kommunikation muss an eine Person Manche denken ja wirklich, sie könnten alles. Aber
gebunden sein – das ist sonst für Auftraggeber ein wenn man Sachen nur halb kann, wird man auch nur
Killerkriterium. Die wollen nicht mit sieben Leuten halbe Qualität abliefern, das ist unredlich. Macht
telefonieren, sondern einen Ansprechpartner, der euch klar, worin ihr gut seid und was ihr besser da-
das Projekt im Griff hat. zukauft. Das Im-Netzwerk-Arbeiten würde ich erst
Und wie läuft die Abrechnung? einmal mit einem kleinen Projekt trainieren. Da kön-
Die Mitglieder des Netzwerks schicken mir ihre Vor- nen mitunter heftige Egos aufeinanderprallen, und
stellungen, und ich formuliere daraus ein Angebot wenn man dann ein sechsstelliges Projekt im Nacken
des gesamten Netzwerks für den Auftraggeber, das hat, ist das sehr riskant. ae
transparent alle Posten jedes Freiberuflers ausweist.
Die Honorierung läuft aber getrennt direkt über den PAGE eDossier »Ad-hoc-Teams & projekt-
Auftraggeber. Meine Partner im Netzwerk sind qua- bezogene Kooperationen«. Den Ratgeber gibt’s
si Subunternehmen in der Kommunikation und im unter ↗  www.page-online.de/PDDP1058

■ Manchmal arbeiten agile Teams drauflos und ver-


gessen, dass die von ihnen entwickelten Personas
auf Annahmen basieren. Damit man als UX Designer
nicht am Schreibtisch erfundene Userbedürfnisse
erfüllt, muss man diese erst einmal verifizieren, in-
dem man Prototypen baut und diese real mit der
Zielgruppe testet. Erst dann sollte man in die tat-
sächliche Entwicklung gehen. Die Vorgaben der Kol-
legen sollten UX Designer nicht einfach so hinneh-
men (ebenso wenig wie die des Kunden). Würden
Briefings häufiger kritisch hinterfragt, würden nicht
rund 25 Prozent aller Apps laut Statista nur einmal
geöffnet und dann nie wieder. ae
024 PAGE 10.17 › TITEL › Fehler vermeiden

■ Frischgebackene Grafikdesigner gestalten schon


mal das Logo für den DaWanda-Shop der Freundin,
dann eine Website für den Fußballverein im eigenen
Stadtteil oder das Corporate Design für das Start-up
eines Kommilitonen von früher . . . So ein Design-
bauchladen ist zu Anfang schon okay, aber irgend-
wann realisiert man, dass man sich spezialisieren
und ein klares, für potenzielle Auftraggeber erkenn-
bares Profil entwickeln muss. Hier zwei Anregun-
gen als Entscheidungshilfe, mehr dazu gibt’s unter
www.page-online.de/bb_spezialisierung.
Eigene Vorlieben finden. Was man gerne macht,
macht man zumeist auch gut. Welches der letzten
Projekte ging Ihnen leicht von der Hand? Hat Sie
das Thema interessiert, die Technik, das Team oder
die Arbeitsweise? Wenn Sie sich beim Logodesign
schwertun, aber die Konzeption einer Website sie
begeistert, wissen Sie doch, wo es langgeht.
Machen, was der Markt hergibt. Bevor Sie sich in
irgendeine Richtung spezialisieren, sollten Sie den
Markt sondieren. Nach was besteht Nachfrage? Und
wo? Wenn der potenzielle Kunde nicht in Deutsch-
■ Alle Kreativen, die ich kenne, hassen Akquise. Ich Phil Meinwelt, land sitzt, dann vielleicht am anderen Ende der
habe es einmal geschafft, mich ein ganzes Jahr da- Werbefotograf Welt. Die Illustratorin Carolin Löbbert verkauft ihre
vor zu drücken. Was natürlich auch nicht passieren und Gründer Arbeiten in Japan (siehe PAGE 06.17, Seite 46). ae
des Freelancer-
sollte: die Suche nach neuen Kunden sofort wieder
Portals Nook
zu beenden, wenn Aufträge reinkommen. Das ist Names in Berlin
sehr kurzsichtig. Denn wenn man diese abgearbei- ↗  www.phil
tet hat, muss man wieder loslegen, verliert kostbare meinwelt.com
Zeit und das Ganze reißt ein finanzielles Loch. Das ↗  www.nook
ist die Todesspirale zwischen Auftragsloch, Existenz- names.de
not und komplettem Stress wegen zu vieler Jobs.
Meine Empfehlung: kontinuierliche Akquise. Sie
muss fester Bestandteil des monatlichen Plans sein.
Denn letztlich macht konstanter Arbeitsfluss Free- ■ Die Website oder App ist fertig und vom Kunden
lancer zufriedener, sie können auch mal einen Auf- abgenommen. Doch dann klagt er über technische
trag ablehnen und sich die Kunden aussuchen. Bugs, die Störungen oder gar Abstürze auslösen. Was
Und noch etwas: Liebe Freelancer, hört auf, eure nun? Kann man das Bugfixing in Rechnung stellen?
Kollegen so misstrauisch zu beäugen! Viele arbei- Das kommt darauf an. Hat man einen Werkvertrag
ten in großen Agenturen und empfehlen andere mit Festpreis abgeschlossen und der Auftraggeber
Freelancer oder geben Projekte weiter, die sie selbst findet Fehler, muss man auf eigene Kosten nach-
nicht schaffen können. Umgekehrt sollte das selbst- bessern. Dabei ist es egal, ob die Bugs vor oder nach
verständlich auch gelten: Verbindet euch und reicht der Abnahme entdeckt werden. Mängel sind Män-
Aufträge, die ihr selbst nicht annehmen könnt, an gel und gehören behoben. Hat man einen Dienst-
Kollegen weiter! Phil Meinwelt (ae) leistungsvertrag, muss der Kunde nach Aufwand
jede Stunde bezahlen. Man ist kein Ergebnis schul-
PAGE Story »Auftragsakquise«. Wie gewinnt
dig, sondern nur Arbeitszeit, in der man sein Bestes
man am besten neue Kunden? Tipps für Agen- gibt (ähnlich wie ein Anwalt). Wobei sich natürlich
turen, Designer und Developer finden Sie in die Frage stellt, ob man nicht freiwillig nachbessert,
PAGE 06.16 ↗  www.page-online.de/PEPA1606 um wieder beauftragt zu werden. ae
PAGE 10.17 025

■ Stromausfall, Computer abgestürzt oder einfach


zu schnell geklickt – wo zum Teufel finde ich die
letzte funktionierende Version meiner Text-, Bild-,
Layout- oder Codedatei? Wer als Designer mit vielen
Anwendungen, Dokumenten und Projekten jong-
liert, den treibt naturgemäß auch die Sorge um, et-
was nicht richtig zu sichern oder gar versehentlich
zu überschreiben.
Versionskontrolle heißt das Zauberwort. Mit ihr
lässt sich jede Zwischenstufe einer Illustration, ei-
nes Layouts oder einer Programmierung zurückver-
folgen und nachvollziehen, wer zuletzt welche Än-
derungen vorgenommen hat. Nützlich sind speziel-
le Tools wie LayerVault (www.layervault.com) oder
Folio (http://folioformac.com). Die macOS-Program-
me überwachen Designprojekte sowie die damit ge-
tätigten Änderungen an Dokumenten und speichern
sie in der Cloud. ae

■ Während meines Studiums habe ich nebenbei


Websites gebaut. Einer meiner Kunden fand die Sei-
te so cool, dass er auch noch Flyer haben wollte. Ich
nahm den Auftrag an, weil ich dachte, dass das doch
nicht so schwer sein kann. Aber ich hatte keinerlei
Erfahrung mit Print. Statt mit RGB-Farbraum und
Webauflösung muss man plötzlich mit CMYK und
300 dpi umgehen, Beschnitte für die Druckerei be-
achten und lauter kleine Dinge, die einen unglaub-
lich aufhalten. Aus dem kleinen Zusatzjob wurde ein
dicker Stundenfresser.
Natürlich ist es als Freelancer schwierig, Nein zu
einem Kunden zu sagen und ihn dadurch womög-
lich zu verlieren. Doch am Ende ist es so, wie neu-
lich ein Kollege sagte: »Brüll nur heraus, was du
am liebsten tust und wirklich kannst« – und er hat
recht. Ich kann Websites, aber ich bin kein Print-
Grafikdesigner. Thomas Maas (ae)

Thomas Maas, Geschäfts-


führer der Projektbörse
freelancermap, Nürnberg
↗  www.freelancermap.de
026 PAGE 10.17 › TITEL › Fehler vermeiden

■ Auftraggeber sagen häufig unbedacht »Wir haben


die Fotos gekauft«, und bedenken dabei nicht, dass
diese urheberrechtlich geschützt sind. Der Fotograf
hat dem Kunden lediglich die Nutzungsrechte für
einen bestimmten Zweck, etwa für die Veröffentli-
chung in einer Broschüre, eingeräumt. Daher sollte
ein beauftragter Webdesigner im Vorfeld klären, ob
er diese Bilder für seine Arbeit ebenfalls verwenden
darf, oder den Auftraggeber um eine Freistellung von
der Haftung bitten.
Ebenfalls gut zu wissen: Manche glauben, Nut-
zungsrechte seien nicht erteilt, wenn eine dafür aus-
gewiesene Zahlung ausbleibt. Das stimmt so nicht.
Ohne vertragliche Regelung bestimmt die Rechts-
praxis das Ob und Wie einer Rechteeinräumung
nach dem sogenannten Zweckübertragungsgrund-
satz. Damit ist eine solche Rechteeinräumung bei
Abschluss des Werkvertrags – wenn auch in einem
ungewissen Umfang – bereits erfolgt.
Alexander Koch, Erheblich eindämmen können Sie solche Fehler,
Rechtsanwalt
wenn Sie die von der AGD herausgegebenen Vorla-
und Justiziar der
gen, zum Beispiel die Allgemeinen Vertragsgrund-
Allianz deutscher
Designer, Berlin
lagen (https://agd.de/handbuch/dokumente), nut-
↗  www.agd.de zen. Für AGD-Mitglieder gibt es zudem eine telefo-
nische Rechtsberatung. Alexander Koch (ae)

die richtige Methode für die jeweilige Aufgabe zu


wählen. Chris Bartsch, Geschäftsführer der Hambur-
ger Digitalagentur Boom, geht dabei so vor: »Wir be-
werten jedes Projekt danach, wie hoch der Abstim-
mungsaufwand ist, wie dynamisch die Ziele und wie
viele Stakeholder beteiligt sind, wie lange es dauert
und ob alle Anforderungen geklärt sind.« Eine in-
■ Agiles Projektmanagement ist derzeit en vogue, telligente Entscheidungshilfe ist auch das Cynefin-
aber noch lange kein Garant für Erfolg – auch agile Framework des Wissenschaftlers und Beraters Dave
Teams verlaufen sich mitunter mächtig. Manchmal Snowden (siehe PAGE 10.14, Seite 28 f.). ae
ist eine solche Arbeitsweise auch zu groß angelegt
und zu gesprächsintensiv für die eigentlich einfa- PAGE Seminar »Agil ans Ziel«. Lernen Sie mehr
che Aufgabe und der klassischen Wasserfallmethode über modernes Projektmanagement ↗  www.
keinesfalls überlegen. Es kommt immer darauf an, page-online.de/seminar-projektmanagement

■ Ganz am Anfang, bei Gründung unserer Agen-


tur, hat es sich gerächt, dass man als Digitaler in
einer »Permanent Beta«-Welt lebt und nicht ordent-
lich Korrektur liest. Ist ja digital auch nicht nötig,
denn kleine Fehler lassen sich im laufenden Betrieb
schnell zurechtrücken. Nicht so bei unseren wirk-
lich aufwendig gestalteten Visitenkarten. Da hatte
ich nicht genau genug hingeschaut, wie man das in
Print natürlich tun muss, und zack war die Adresse
falsch geschrieben – wir mussten leider alle Visiten-
karten einstampfen. Marco Spies (ae)

Marco Spies, Strategy Partner


bei der Digitalagentur thinkmoto
in Berlin ↗  www.thinkmoto.de
PAGE 10.17 027

sodass man mit dem Fingernagel wie über eine Har- Stefan Hauser,
fe fahren konnte. Leider wurde die Prägung in der Managing Partner
Produktion aber nicht tief genug, es gab sichtbare der Marken- und
Designagentur
und vor allem fühlbare Differenzen. Das hatte die
hauser lacour in
Druckerei nicht hinbekommen. Die wollte natürlich Frankfurt am Main
nicht glauben, dass der Kunde so unzufrieden war, ↗  www.hauser
dass er die ganze Palette hatte stehen lassen. lacour.de
Ist es nicht einfacher, wenn der Kunde
den Drucker beauftragt?
In den meisten Fällen erwarten die Kunden von der
Agentur, dass diese den Druckauftrag abwickelt. Das
Risiko sollte von demjenigen getragen werden, der
sich am besten auskennt. Wir sind die Experten und
wissen Bescheid über Materialien und potenzielle
Fehler. Andere Kunden, etwa aus der Kosmetikbran-
che, die ja viele Verpackungen herstellen, koordi-
nieren den Druckauftrag lieber selbst, weil sie gute
Konditionen bei der Druckerei bekommen.
Was sind die häufigsten Fehler?
Da gibt es viele. Textliche Fehler können immer pas-
sieren, auch nach der Freigabe, wenn der Grafiker
noch schnell etwas optimiert. Die meisten aber ent-
Wie gehen Sie damit um, wenn ein stehen bei der Veredelung, wie in unserem Fall. Mit
Druckauftrag so richtig schiefgeht? Veredelungen sind meist hohe Kosten verbunden,
Stefan Hauser: Zum Glück passiert das immer we- weil der Prozess einfach anspruchsvoll ist. Oft orien-
niger, je mehr Erfahrung man hat. Zudem hatten die tiert man sich an Vorbildern, die man zeigen kann.
Flops bisher auch nicht das Ausmaß, dass sie ein Manchmal verhält sich im Druckprozess das Papier
Versicherungsfall geworden wären. Aber immerhin, dann aber doch anders und der Drucker realisiert,
einmal mussten wir mit unserer Lieblingsdrucke- dass er nicht so fest prägen kann, wie es eigentlich
rei vor Gericht ziehen. Es ging um eine sechsseitige erforderlich wäre. Oder die Glanzfolie zur Verede-
Broschüre für den Messeauftritt eines Immobilien- lung haftet nicht so gut. Bei zu viel Druck franst sie
entwicklers. Ein anspruchsvolles Projekt. Wir stan- an den Rändern aus. Dennoch muss die Prägung tief
den unter Zeitdruck, deshalb wurden die Broschü- genug sein, damit man sie spürt.
ren direkt zum Kunden geliefert. Dieser bemängel- Wie kann man so etwas vermeiden?
te die Qualität, ließ die Palette einfach stehen und Gute Vorbereitung, sauber arbeiten, sich viel Zeit für
fuhr konsequent ohne Broschüre auf die Messe nach die Planung und die Auseinandersetzung mit dem
München. Das war ein ziemlich starkes Stück. Ich Material nehmen. Unbedingt ein Muster herstellen
musste mich um den Abtransport kümmern, und da- und neben der Druckmaschine stehen, damit dort
nach kam die Diskussion mit dem Drucker. nichts schiefläuft. Lassen Sie sich die Zeit bezahlen,
Was war geschehen? und denken Sie an einen Risikoaufschlag! Mit der
Wir hatten für die gewählte Veredelung ein teures Zeit baut man sich vor allem in puncto Material so viel
Muster erstellen lassen. Die Prägung hatte ein Raster, Know-how auf, dass immer weniger schiefläuft. ae

für das jeweilige Projekt vor und definierte die Zie-


le, fühlte sich aber nicht zuständig für eine transpa-
rente Kommunikation und ein zielgerichtetes Ge-
lingen. Zusätzlich zu den engen Timings und an-
spruchsvollen Aufgaben verkomplizieren derartige
Unklarheiten den Projektverlauf.
Als ich später selbst in die Position kam, Projekte
zu leiten, habe ich versucht, es anders zu machen.
So sehe ich auch den Weg zum Erreichen der Ziele
als Bestandteil des Projekts und bitte alle im Team,
■ Obwohl es in unserer Branche oft heißt »Bei uns ihre Vorgehensweise transparent zu machen. Nicht
Christian Petersen,
sind die Hierarchien flach«, gibt es komischerweise ohne Grund haben sich agile Projektmanagement- Kreativdirektor bei
immer einen, der glaubt, etwas mehr zu sagen zu ha- techniken durchgesetzt. Ein gutes Projekt zeichnet der Digitalagentur
ben. In vielen Agenturen, in denen ich gearbeitet sich dadurch aus, dass auch der Weg zum Ziel für Goodmates in Hamburg
habe, gab eine solche Person auch die Marschroute alle erfolgreich war. Christian Petersen (ae) ↗  www.goodmates.de
028 PAGE 10.17 › TITEL › Fehler vermeiden

Erik Spiekermann,
Schriftentwickler, Gestalter,
Partner der Digitalagentur
Edenspiekermann und Gründer
der Druckwerkstatt p98a
in Berlin ↗  www.p98a.com

den die neue Hausschrift. Das war natürlich ein ech-


ter Worst Case. Erst bei so einem großen Auftrag-
geber angeben, was für ein toller Hecht man ist, und
dann passiert so etwas. Ich wollte auswandern, mei-
nen Namen ändern.
Überschätzt man sich am Anfang der
Karriere eher mal?
Es gibt zwei diametral entgegensetzte Fehler, die
junge Gestalter immer wieder machen. Der eine ist,
zu meinen, man könnte alles und müsste nicht um
Rat fragen. Eitelkeit ist immer hinderlich. Demge-
genüber steht zu wenig Selbstvertrauen. Egal, wel-
cher Auftrag reinkommt, diese Menschen glauben:
»Das bekomme ich nie hin.« Sie fragen nicht um
Hilfe, weil sie nicht dumm dastehen wollen. Fragen
tut aber nicht weh, verletzt keine Ehre, und hinter-
her ist man schlauer. Statt es selbst schlecht zu ma-
chen, sollte man lieber jemanden fragen, der es bes-
ser kann – ganz gleich, ob es um spezielle Coding-
oder Photoshop-Techniken geht.
Kommt es noch vor, dass du unsicher bist?
Ja, manchmal, wenn ich von etwas keine Ahnung ha-
be. Aber dann ist da das Männchen auf der Schulter
und sagt: »Komm, Erik, in deiner 45-jährigen Lauf-
bahn hast du noch immer einen Weg oder jeman-
den gefunden, der dich unterstützt!«
Sagen Sie beim Kunden nie: »Ich kann das nicht.«
Man muss genug Selbstvertrauen haben, den Auf-
trag an Land zu ziehen, und dann läuft man schnell
nach Hause und ruft die richtigen Personen an. Aber
machen Sie das dem Auftraggeber gegenüber auch
transparent! Wenn Sie den kompetenten Kollegen
Hast du schon mal richtig was verbockt? verstecken, dauert alles nur länger, die Kommuni-
Erik Spiekermann: Das ist schon länger her. 1995 kation wird verwässert, und es kommen doch noch
haben wir für Volkswagen die Hausschrift umgestal- Fehler dabei heraus. ae
tet, die dann auf allen Rechnern des Unternehmens
installiert werden musste. Schriften zu installieren
war damals schwierig. 60 000 Leute sollten sie an
einem bestimmten Tag laden. Deshalb hatten wir
Disketten verschickt und extra ein Nottelefon und
eine Faxnummer eingerichtet. Wir waren überzeugt,
alles richtig gemacht zu haben. Zwei Tage später
kamen die ersten Beschwerden über Fax. »Scheiß-
schrift. Was habt ihr denn da für einen Mist fabri-
ziert?« Plötzlich gab es Geschäftsbriefe in der Coo-
per Black, weil wir vergessen hatten, dass der Dru-
cker die Schrift nicht einfach ersetzt. Mitarbeiter
hatten die Cooper Black wohl privat für die Einla-
Foto: Tilman Schenk

dung zum Geburtstag der Oma oder die Kirchen-


zeitung genutzt. Und der Drucker verwendet immer
die Schrift, die zuletzt geladen worden war.
Mit einem Deinstaller entfernten wir in der nächs-
ten Runde stillschweigend alle alten Fonts und lu-
PAGE 10.17 029

■ Im täglichen Miteinander und auch in Retrospek- Konstantin Diener,


tiven fällt mir auf, dass Mitarbeiter sich sehr schwer- Chief Technical Officer
tun, ein Problem geradeheraus anzusprechen. Lie- und Gesellschafter
der Digitalagentur
ber verpacken sie es in vier Lagen Luftpolsterfolie
cosee in Darmstadt
und drucksen rum: »Das ist jetzt keine Kritik an dir, ↗  www.cosee.biz
ich wollte nur mal fragen . . .« Dabei würde ein klares
Statement wie »Mensch, das ist echt doof gelaufen,
das müssen wir ändern!« die Luft reinigen und et-
was bewirken. Verzagte Kommunikation bringt uns
nicht weiter. Im 14-täglichen Vier-Augen-Gespräch
ärgern sich manche Mitarbeiter über Kollegen. Meine
Frage »Hast du mal persönlich mit ihm/ihr gespro-
chen?« verneinen sie meist. Es fehlt eine vernünftige
Streitkultur. Der Konflikt ist doch ohnehin da und
eskaliert im Zweifelsfall zu einem wirklich ungünsti-
gen Zeitpunkt. Mein Motto: Man muss sich in einem
agilen Team ungeschönt die Wahrheit ins Gesicht
sagen können, ohne dass man danach sechs Wochen
sauer aufeinander ist. Konstantin Diener (ae)

Hier sind fünf Tipps für Bewerbungen, mit de-


nen Sie überzeugen:

1 Schneiden Sie das Portfolio auf die Bedürfnisse


des Auftraggebers zu, bei dem Sie sich bewerben.

2 Fokussieren Sie Ihre Stärken, statt einen bun-


ten Strauß von allem zu zeigen.

3 Zeigen Sie aktuelle Arbeiten und fertige Pro-


jekte aus der Vergangenheit – und nennen Sie
die Auftraggeber!

■ Besser zu viel als zu wenig, denken manche Krea-


tive und stopfen alles ins Portfolio, was sie bisher
4 Achten Sie auf die Form! Keine Nachlässigkeit
im Anschreiben, in der Rechtschreibung
oder in der Aufbereitung der Arbeiten. Denken Sie
so vollbracht haben. Nach dem Motto: Ist die Aus- an Ihre Kontaktdaten!
wahl der Arbeiten groß genug, findet der potenziel-
le Arbeit- oder Auftraggeber sicher etwas, was ihm
vorschwebt. Weit gefehlt! »Ein Portfolio, das zwei,
5 Ein schön gestaltetes PDF macht mehr her als
ein Online-Link. Je nach Kunde kann auch ein
hochwertiges Printportfolio das beste Format sein.
drei Arbeiten zeigt, hinter denen der Bewerber voll Denken Sie aus der Perspektive des Empfängers!
und ganz steht, überzeugt mehr als ein buntes Pot- Wie Sie ein überzeugendes Portfolio zusammen-
pourri«, sagt Katrin Niesen, Executive Creative Di- stellen und wer Sie dabei unterstützen kann, lesen
rector bei der Peter Schmidt Group in Hamburg. Sie unter www.page-online.de/portfolio-tipps. ae

zyklus – also nach einem Jahr – war bei mir die Luft Marc Thiele,
raus, ich wollte eigentlich aussteigen. Dann haben Gründer und Kopf
sie mir ein besseres Angebot gemacht, und ich bin der Konferenz
beyond tellerrand,
geblieben, aber es war eine Qual. Ich fuhr jeden Mon-
Krefeld
tag mit einem schlechten Gefühl nach Hamburg. ↗  https://beyond
Nur weil das Honorar stimmte, hatte ich um ein hal- tellerrand.com
bes Jahr verlängert – aber so etwas ist verschenkte
Lebenszeit, das Zusammensein mit meiner Familie
ist mir wichtiger.
Heute horche ich in mich hinein – egal, ob ich An-
■ Hätte ich mich immer auf mein Gefühl verlassen, gebote verhandle oder Projekte diskutiere. Manch-
wäre einiges besser gelaufen. Ich hatte zum Beispiel mal klingt eine Person einfach so, dass ich ungern
mal einen Auftrag in Hamburg, bei dem ich als Brü- mit ihr zusammenarbeiten würde, oder das Projekt
cke zwischen Design und Development den Work- prickelt nicht. Wenn der Bauch sagt: »Mach’s lieber
flow optimierte. Nach Abschluss des ersten Projekt- nicht«, sollte man es lassen! Marc Thiele (ae) [1813]
print24.de
032 page 10.17 › Themen › architekten-auftritte

Themen
Neubauten
Architekten-Erscheinungsbilder müssen nicht immer minimalistisch
schwarzweiß sein. Wir zeigen Beispiele aus aller Welt – und berichten, wieso
die Zusammenarbeit zwischen Architekten und Gestaltern (meist)
sehr gut funktioniert

Für das Berliner Architek- ● Wer sich durch die Websites kleiner und großer Ar­
turbüro Kinzo gestaltete die chitekturbüros klickt, bekommt den Eindruck, in einer
Kreativagentur N3 Vision
schwarzweißen Welt gelandet zu sein. Schriften existie­
eine Website rot-weiß (mehr
dazu auf Seite 34)
ren dort nur serifenlos (und am liebsten ohne Versalien),
und außer Pfeilen gibt es keinerlei Symbole. . . Das ist
natürlich überspitzt, doch etwas mehr Abwechslung in
diesem Bereich wäre durchaus begrüßenswert. Zum
Glück – und zur Inspiration – gibt es einige Vorreiter, die
mit Formen und Farben experimentieren
034 page 10.17 › Themen › architekten-auftritte

Überraschendes
Storytelling
↗  http://kinzo-berlin.de
● Nicht nur von den (Nicht-)Farben, auch vom Auf-
bau  her  ähneln  sich  viele  Architekten-Websites: 
sehr wenig Text, sehr viele Projektfotos. Für das 
Berliner Architekturbüro Kinzo hat sich die Krea-
tivagentur  N3  Vision  ( w  ww.n3vision.de  )  etwas 
anderes überlegt. Statt unzählige Projekte zu zei-
gen, wird die Zusammenarbeit von Kinzo mit der 
Agentur  Fjord  sehr  ausführlich  und  multimedial 
dokumentiert – wie in einem Onlinemagazin: mit 
Audio-Interviews, Anekdoten und stimmungsvol-
len  Fotos.  Auch  die  eigene  Geschichte,  die  mit 
einem maroden Motorboot begann, erzählen die 
Gründer  persönlich  und  amüsant,  was  überaus 
sym pathisch wirkt. Das Design ist genauso erfri-
schend: N3 Vision ließ das typische Architekten-
Schwarz links liegen, die Schrift ist fast auf der 
gesamten Webseite knallrot, in der Navigations-
leiste wird sie beim Klicken knallblau.
Mut zur Farbe
↗  www.clausloebner.ch
● Die Website des Architekten Claus Löbner aus 
Bern ändert beim Scrollen ihre Farbe, sie changiert 
von Dottergelb über Himbeerrot und Pool-Türkis 
bis Grasgrün, während das überdimensionale, sich 
über  die  gesamte  Seite  erstreckende  typo gra-
fische Logo stehen bleibt. Die Visitenkarten zeigen 
ebenfalls  Farbverläufe  und  haben  dank  etlicher 
unterschiedlicher Kombinationen von Tönen fast 
Unikatcharakter. Das Erscheinungsbild entwickel-
te die Designagentur Heyday ( w   ww.heyday.ch )   – 
mit dem Ziel einen bewussten Kontrast zum Kli-
schee  des  schwarz-weiß-grau  denkenden  Archi-
tekten zu gestalten. 

Jenseits des Rechtecks


↗  http://dowjonesarchitects.com
● Wer sich auf der Website von Dow Jones Architects (übrigens 
gegründet von Frau Dow und Herrn Jones!) durch die Projekte klickt, 
bekommt nicht nur rechteckige Fotos zu sehen, sondern auch halb-
kreisförmige  oder  schräg  beschnittene  –  und  jede  Menge  Weiß-
raum. Möchte man ein Gebäude genauer betrachten, stapelt sich 
ein Foto auf das nächste, sobald man die Maus leicht darüber be-
wegt. Ebenso unerwartet: Beim Öffnen des Menüs fährt eine XXL-
Navigationsleiste auf blutorangefarbenem Grund heraus, die hal-
be Seite bedeckend. Einen ähnlichen Effekt in Neongrün gibt’s auf 
dem  About  Us  der  Londoner  Architekten  zu  entdecken.  Für  das 
Webdesign  ist  das  Grafikdesignstudio  Polimekanos  ( w   ww.poli 
mekanos.com )   verantwortlich.
PAGE 10.17 035

Mit dem Namen spielen


↗  http://emmamagnusson.se*
● Um die persönliche Komponente zu betonen, die
der Architektin Emma Magnusson bei der Planung
von Wohnhäusern wichtig ist, entwickelte die
Göteborger Designagentur Lundgren+Lindqvist
( w
  ww.lundgrenlindqvist.se )  ein Logo, das aus den
jeweils ersten beiden Buchstaben ihres Vor- und
Nachnamens besteht: Em. Ma. – von den meisten
Kunden wird die Architektin sowieso geduzt. Auf
Briefpapier und Visitenkarten wechseln sich feine
diagonale Linien und Grids ab, das »Em.« und das
»Ma.« haben ebenfalls keinen festen Platz. Und
auch auf der Website, die gerade finalisiert wird,
blättert man demnächst mal horizontal, mal ver-
tikal durch die Projekte.
* coming soon!
036 PAGE 10.17 › THEMEN › Architekten-Auftritte

Kunden einbinden
↗  www.monoarchitekten.de
● Minimalistischer Look, neue Form: Für das Berliner
Architekturbüro Mono entwarf Das Moment ( w   ww.
dasmoment.de )  eine eigene Versalschrift in zwei Schnit-
ten – und einen besonderen One-Pager. Informatio-
nen zu bisherigen Projekten und zum Büro erreicht man
durch vertikales und horizontales Schieben oder über
Sprungstellen. Der Wunsch der Architekten war, neue
Inhalte jederzeit schnell selbst hochladen zu können.
Auch die Drucksachen setzen sie mithilfe von Vorlagen
Dekonstruktion der Designer üblicherweise selbst. »Wir hatten deswe-
↗  www.lunden.co gen seit der Entwicklung kaum mit dem Erscheinungs-
● Das Logo der Lundén Architecture Company, das die bild zu tun, konnten unsere Zusammenarbeit mit den
finnische Kreativagentur Tsto ( w  ww.tsto.org )  für die Architekten allerdings durch andere Projekte vertiefen –
neue Identity des Büros entwickelte, verändert sich stän- und teilen uns mittlerweile sogar ein Büro«, sagt Bram
dig. Der Gedanke dahinter: Sobald ein Gebäude steht, Loss von Das Moment.
beginnt dessen Verfall. Die Buchstaben des typogra-
fischen Logos sind auf Visitenkarten und Briefpapier in
zehn Stadien zu sehen: vom intakten
Schriftzug bis zum auseinandergefal-
lenen Letternwirrwarr. Auf der Web-
site drehen sich die dekonstruierten
Elemente umeinander, das komplette
Logo zeigt sich gerade mal für den
Bruchteil einer Sekunde.

Schräge Linie
↗ www.mirlourbano.ch
● Es muss nicht immer alles gerade und rechtwinkelig
sein. Was für Gebäude und Grundrisse gilt, wandten die
Gestalter von Notice Design (siehe Interview auf Sei-
te 38) auch auf das Erscheinungsbild des Züricher Archi-
tekturbüros Mirlo Urbano (italienisch für »Stadtamsel«)
an: Genau wie das typografische Logo sind die Drucksa-
chen schräg angeschnitten beziehungsweise gefaltet.
AnzEIGE

PRAXIS

Mehrwert
Marke
Strategisches Branding
in der digitalisierten
Welt

Die Referenten »Mehrwert Marke« – Seminar & Workshop


● Simon Betsch und Patrick Märki, beide Mana- ● Dass die digitale Transformation eine Überprüfung und Neuausrichtung
ging Partner bei KMS TEAM, sind mittendrin in der Strategie eines Unternehmens und seiner operativen Maßnahmen erfordert,
den Projekten: Simon Betsch berät nationale und steht außer Frage. Aber wo muss man ansetzen? Und wie geht es weiter?
internationale Unternehmen bei allen Fragestel- In diesem Zusammenhang kommt der Marke einmal mehr eine zentrale Rolle
lungen der strategischen Markenführung und zu: Sie bündelt die langfristigen Ziele und relevanten Werteversprechen eines
-entwicklung. Patrick Märki leitet als Kreativdirek- Unternehmens; sie beschreibt das Unternehmen ganzheitlich nach innen
tor die Bereiche Corporate Design und Typografie. und außen – sie stellt es dar. Marken- und Designmanagement sind denn auch
KMS TEAM ist eine der größten inhabergeführten der zentrale Erfolgsfaktor für Grown-ups und Start-ups, für Dienstleistungs-
Markenagenturen Deutschlands mit über 30 Jahren und Sachleistungsunternehmen sowie für Solopreneure.
Beratungserfahrung von der Kulturinstitution bis
zum globalen Konzern. Zu der mit über 500 inter- Im PAGE Seminar »Mehrwert Marke« führen Simon Betsch und Patrick Märki
nationalen Kreativ-Awards ausgezeichneten in die Praxis zeitgemäßen Brand- und Designmanagements ein. Ohne Fach-
Agentur zählen Kunden wie Porsche Motorsport, jargon, aber mit großen Ideen und festen Überzeugungen ermutigen sie dazu,
Audi, Munich Re und die Staatsgalerie Stuttgart. traditionelle Branchenstandards auf ihre Validität zu hinterfragen, Neues zu
denken – und damit die Markenentwicklung und -führung zukunftstauglich
auszurichten. Die beiden Praktiker geben tiefe Einblicke in die Schlüssel-
Die Agenda fragen des strategischen Brandings: von der Markt- und Markenanalyse über
das Kundenerlebnis bis hin zum Design.
1 Zukunft von Marken
Strategie, Identität, Erlebnis und Markenmanage- In unserem Praxisworkshop gehen Sie gemeinsam mit den Referenten die neu-
ment in Zeiten der vierten industriellen Revolution ralgischen Punkte des Markensteuerungsprozesses anhand aktueller Projekte an.
2 Potenziale von Marken – Workshop Dabei stehen vor allem die Schnittstellen zwischen den Prozessschritten, wie
mit Cases wie Škoda und Canyon Bicycles etwa die von Strategie zu Design, im Vordergrund. Das erlebbare Zusammenspiel
Wie lässt sich das Potenzial von Marken als zwischen ausgewiesenem Strategen und leidenschaftlichem Designer macht
zentrales Führungs- und Steuerungswerkzeug den Workshop besonders wertvoll. Unverzichtbares Know-how von Machern
in Unternehmen bestmöglich ausschöpfen? für Macher in Agentur und Unternehmen – für Strategy, Branding, Design,
3 Basiselemente des Markenausdrucks Communication und Digital!
Wo sind die Schnittstellen zwischen inhaltlicher
Markendefinition und Design? Grundlagen für Das Seminar findet statt am 24. November im Hotel 25hours,
ein glaubwürdiges, relevantes und differenzieren- Hamburg-Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr. Die Teilnahme kostet
des Konzept und zukünftige Herausforderungen. 756 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungskosten
4 Steuerung des Markenauftritts sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 20 Personen
Flexibilität und Statik von Erscheinungsbildern, begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar  .
Definition von Prinzipien zur Steuerung des
Markenauftritts in digitalen Zeiten.
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Im Idealfall ist eine Marke der Systemcode einer PAGE // Ebner Verlag GmbH & Co KG // info@page-online.de //
Organisation und entsprechend verankert. Neue Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Werkzeuge, Erfolgsfaktoren und Vorgehensweisen Aufgrund der auf 20 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in
des Marken- und Designmanagements, Imple- der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
mentierung von Marken- und Designkonzepten. Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
038 page 10.17 › Themen › architekten-auftritte

„Architekten und Gestalter sprechen


eine ähnliche Sprache“
zum Ungewöhnlichen. Viele Büros treten zwar ästhetisch ein-
wandfrei auf, reihen sich aber optisch ein unter die vielen an-
deren. Doch jede Branche hat ihre Eigenheiten, und bei den
Architekten ist es eben dieser Hang zum Sachlich-Neutralen.

Der Schwarzweiß-Minimalismus hält sich unter


Architekten relativ hartnäckig, oder? Welche neuen
Trends seht ihr?
Wir beobachten seit ein paar Jahren einen Generationenwech-
sel. Davor war die Schwarz-Phase tatsächlich sehr dominant.
Das hat sich mit den jungen Architekten gewandelt. Das Büro
Mirlo Urbano, mit dem wir zusammenarbeiten, hat zum Bei-
spiel von Anfang an ein Erscheinungsbild mit Ecken und Kan-
ten begrüßt. Das Team war beratungsoffen und hat sich in ei-
ne eigenständige Richtung führen lassen (siehe Seite 36). Ein
Schuss gesundes Selbstvertrauen und Selbstironie spielt da-
bei mit – man muss nicht allen gefallen. Diese Haltung beob-
achten wir bei jüngeren Büros zunehmend.

Ist es schwer, Architekten für ungewöhnlichere


Designs zu begeistern? 
Überzeugungsarbeit leisten wir heute weniger bei formalen
Themen, sondern eher bei der Kommunikation. Ein Großteil
● Gilles Bachmann und Helen Hüsser, Gründer der Design- der Büros zeigt im Onlineauftritt das Portfolio, das Team und
agentur Notice in Zürich ( https://notice.design ), arbeiten häu- allenfalls ein paar Presseartikel. Weitere Inhalte finden sich
fig mit Architektbüros zusammen und entwickeln für diese kaum. Jede andere Branche macht sich größte Gedanken, mit
Visual Identities. Wir sprachen mit Helen Hüsser darüber, wel- welchem Content sie ihre Auftraggeber von sich überzeugen
che Trends und Eigenheiten sie dabei beobachten. lr kann. Architekten sind da sehr zurückhaltend.
Allerdings muss man einräumen, dass Entwurfsarchitek-
Ihr habt schon für etliche Architekten Erscheinungs- ten, die ihre Aufträge aus Wettbewerben generieren, tatsächlich
bilder entwickelt. Wie hat sich dieser Schwerpunkt primär mit ihrem Portfolio punkten. Wir beobachten darum
ergeben?  große Unterschiede zu denjenigen, die Direktaufträge erhal-
Helen Hüsser: Wir haben über viele Jahre in Bürogemein- ten. Letztere verstehen sich eher als Dienstleister und verhal-
schaften mit Architekten gearbeitet. Außerdem sind wir mit ten sich kommunikativ viel agiler.
einigen befreundet. Die ideelle Nähe zwischen Architekten
und visuellen Gestaltern ist groß. Wir sprechen eine ähnliche Wie würdet ihr die Zusammenarbeit zwischen Archi-
Sprache und verstehen uns inhaltlich gut. Zudem zieht unser tekten und Gestaltern beschreiben? Was ergänzt sich
Portfolio offenbar immer weitere Aufträge an. Architekten ha- gut, wo liegen die Herausforderungen? 
ben wir kaum akquiriert, fast alle haben sich über Empfehlun- In ästhetischer Hinsicht ist es wunderbar. Begründungen und
gen oder Netzrecherchen an uns gewandt. Herleitungen ästhetischer Natur werden sofort verstanden,
man muss wenig Übersetzungsarbeit leisten. Es kann passie-
Worauf legen Architekten besonders viel Wert, wenn ren, dass sich ein Architekt als Auftraggeber auch mal im De-
es um ihre Identities geht? tail verirrt und das große Ganze aus den Augen verliert. Doch
Bei vielen Büros gilt das Credo: wenig Schnörkel, formal sach- damit haben wir kaum Probleme, denn das Coachen des gestal-
lich, farblich dezent. Ein eigentliches Logo oder eine Bildmar- terischen Prozesses ist eine zentrale Aufgabe in unserem Beruf.
ke wird kaum gewünscht, viele möchten einen Schriftzug ohne Eine interessante strukturelle Spezialität bei Architektur-
große gestalterische Eingriffe. Darum ist die Wahl der Typo- büros beobachten wir seit Jahren – die demokratische Entschei-
grafie als stilbildendes Element entscheidend. dungsfindung. Anders als in vielen kleinen und mittleren Un-
Ein Grund für diese Zurückhaltung könnte sein, dass man ternehmen anderer Branchen besprechen Architektenteams
sich nicht allzu sehr aus dem Fenster lehnen will und dass Entwürfe in größeren Gremien. Das kann eine Projekt schon
Trends und persönlicher Geschmack in der Branche eher ne- mal in die Länge ziehen oder eine Idee verwässern. Doch alles
gativ befrachtet sind. Da bleibt man lieber neutral. In Bezug auf in allem gehören Architekten zu unseren bevorzugten Auftrag-
die Positionierung und Eigenständigkeit ist diese Haltung nicht gebern bei Designprojekten, da wir den gemeinsamen gestal-
unbedingt ideal. Und manchmal vermissen wir etwas den Mut tenden Hintergrund und die Kollegialität sehr schätzen.
PAGE 10.17 039

Kontraste betonen
↗  http://kj-a.no
● Für Kristin Jarmund Architects aus Oslo konzi-
pierte Snøhetta eine Identity, die von Kontrasten
lebt: Visitenkarten und Briefbogen sind auf einer
Seite sehr zurückhaltend gestaltet, auf der an-
deren zeigen sie neben dem großen typografi-
schen Logo sehr bunte Details bisheriger Projek-
te. Snøhetta ( h
  ttp://snohetta.com )  ist selbst ein
bekanntes internationales Architekturbüro, das
auch im Bereich Brand Design unterwegs ist und
zum Beispiel die neuen norwegischen Geldschei-
ne gestaltet hat.

Organischer Stilbruch
↗  http://bozarthfornell.com
● Der schwedische Architekt Andreas Bozarth
Fornell plant mit seinem Team Geschäfte für Fa-
shion-Brands wie Acne Studios, Roland Mouret
oder Opening Ceremony. Deswegen konzipierte
der Gestalter/Artdirektor Daniel Carlsten ( h
  ttp://
danielcarlsten.com )  einen Auftritt, mit dem das
Architekturbüro selbst zur begehrenswerten Life-
style-Marke wird. Die zwei Nachnamen des Grün-
ders zog Carlsten lückenlos aneinander, das clea-
ne Design bricht er mit Blumenstraußfotos von
Erik Undéhn, die wie hochmoderne Stillleben wir-
ken ( w
  ww.eriku.se )  . lr [1498]

Mehr tolle Identities. Weitere PAGE Story »Typographic Branding«. PAGE Seminar »Leitmedium Design«.
gelungene Erscheinungs- Wie sich prägnante Corporate Lernen Sie von Strichpunkt-Gründer
bilder von Architekten stellen Designs mit Schrift gestalten lassen, Jochen Rädeker, wie man bei der
wir online in einer Galerie vor erfahren Sie in PAGE 08.17 – mit erfolgreichen Markenentwicklung
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architekten-erscheinungsbilder ↗  www.page-online.de/PEPA1708 seminar-leitmedium
040 page 10.17 › Themen › Strategisches Design

Die Zukunft
im Blick
page 10.17 041

● Vom Entwickeln von Zukunftsvisionen und dem


Anstoßen von Innovationen über die Konzeption
konkreter Produkte und Services bis hin zur Ent-
wicklung und Umsetzung: Telekom Design deckt
ein großes Tätigkeits- und Aufgabenfeld innerhalb
der Deutschen Telekom ab. Dabei haben die Desi-
gner sowohl Software- als auch Hardwarenutzer
immer fest im Blick und streben nach einem ein-
heitlichen Nutzungserlebnis über das gesamte Un-
ternehmensportfolio hinweg. Wie strategisches De-
sign das leistet und welche Methoden und Formate
dabei zum Einsatz kommen, erklären wir anhand
von verschiedenen Projekten in unterschiedlichen
Entwicklungsstadien.

Design als Treiber der


Konzernstrategie
Eine wesentliche Herausforderung für die strategi-
schen Designer bei der Telekom ist das Zusammen-
führen der Unternehmensinteressen und der Nut-
zerbedürfnisse in neuen, für beide Seiten prakti-
kablen und nützlichen Produkten und Services.
»Geschäftlicher Erfolg stellt sich nur dann ein, wenn
unsere Produkte und Services einen Mehrwert für
den Kunden bieten«, ist Holger Nathrath, Senior
Manager Experience Strategy bei der Deutschen
Telekom, überzeugt.
Um einen solchen Leitstern zu erarbeiten, braucht
es Methodenkompetenz sowohl im Bereich Design
als auch im Bereich Strategieentwicklung. Zum Bei-
spiel bei dem wichtigen Thema des Zuhauses der
Zukunft: Wie werden wir im Jahr 2025 wohnen? Wel-
che Hardwaregeräte werden wir besitzen? Und wel-
che Rolle wird die Telekom dabei spielen? Mit die-
sen Fragen beschäftigen sich Holger Nathrath und
sein Team seit Herbst 2016. Unter dem Arbeitstitel
»Living 2025« entwickeln sie eine Vision, die sowohl
eine optimierte Lebenswelt für den Nutzer definiert
als auch dessen Berührungspunkte mit der Marke
Telekom. Ein festes Kernteam von sechs Leuten,
bestehend aus Konzeptern und strategischen Desi-
gnern, arbeitet, gemeinsam mit internen und exter-
nen Experten, an der Experience-Strategie.
Die Basis für alle Innovationen liegt in der gründ-
lichen und vielschichtigen Recherche. Dazu gehört
Design spielt eine immer größere neben einer Trend- auch eine Umfeldanalyse nach
dem PESTEL-Modell, einer Methode aus der Strate-

Rolle in Unternehmen. Wir zeigen, gieentwicklung, mit der politische, ökonomische,


soziokulturelle, technologische, ökologische und

wie die Deutsche Telekom gesetzliche Aspekte beleuchtet werden. Dabei setzte
das Team um Holger Nathrath auf Desktoprecher-

strategisches Design über alle


che, ackerte Studien durch und führte Interviews
mit Experten aus Wohnungswirtschaft, Stadtpla-
nung, Architektur, Politik, Altenpflege et cetera.
Konzernsparten vorantreibt »Wir haben hier einen Green-Field-Approach ge-
wählt, also bei null angefangen, um unbelastet
042 page 10.17 › Themen

von vorhandenem Wissen starten zu können«,


erklärt Nathrath. »Es war uns wichtig, nicht nur das
Wissen aus dem Konzern zu nutzen, sondern auch
externe Perspektiven einzubringen.«
In einem zweiten Schritt führte das Team ein in­
tensives User­Research durch, wobei es nicht nur mer wichtiger. So sei es beispielsweise vorstellbar,
um Telekom­Kunden ging, sondern ganz generell dass sich Wohnungen an Tagesabläufe und Lebens­
um menschliche Bedürfnisse. Dabei kamen drei phasen anpassen könnten. Auch die Sharing Eco­
Methoden zum Einsatz: Vor­Ort­Recherche bei be­ nomy ist in diesem Zusammenhang ein wichtiger
reits laufenden Pilotprojekten, Tiefeninterviews mit Trend: »Service statt Besitz« ist ein Credo, das äu­
Nutzern, die den Persona­Profilen der Telekom ent­ ßerst relevant ist für das (künftige) Angebotsportfo­
sprachen, und Beobachtung von Menschen in ihrem lio der Telekom. »Menschen wollen weniger inves­
Zuhause. Aus diesen Ergebnissen ließen sich Wer­ tieren und gleichzeitig flexibler sein und ihre Nut­
In der Research-Phase
tesysteme und Verhaltensmuster ableiten, mit de­ bauten Holger Nathrath
zungskonditionen schnell und einfach anpassen
ren Hilfe man mittels Predictive Modelling darauf und sein Team ein können«, fasst Nathrath zusammen.
schließen kann, wie sich Menschen in bestimmten breites Wissen über Gegenwärtig sind er und sein Team mit Backcas­
Situationen verhalten werden. Nutzer, Umfelder, ting beschäftigt, also damit, aus dem Szenario abzu­
All dies fasste das Telekom­Team in einem Sze­ Märkte und Trends auf leiten, was als Nächstes zu tun ist. In kurzen Design­
nario zusammen, das das Zuhause 2025 beschreibt. sprints entwickelt es bestimmte Ideen weiter, die es
Dazu gehört zum einen eine Liste an Features (Was intern beim Vorstand pitchen wird. Die Konzepte,
kann das Zuhause der Zukunft?) sowie Customer die es in die nächste Runde schaffen, werden auf die
Journeys (Wie sieht der Tagesablauf einer Persona Roadmap für die nächsten Jahre gesetzt und fließen
2025 aus?). Um die Vision zu kommunizieren, wird in die Finanzplanung der Telekom ein. Das strate­
das Szenario derzeit in Form eines Films aufberei­ gische Design hat insofern großen Anteil an der
tet. »Das Filmformat hat sich sehr gut darin be­ Konzernstrategie.
währt, ein Leitbild kompakt und emotional zu ver­
mitteln«, so Nathrath. Zusätzlich wird es einen ge­ Design als Treiber von
schriebenen Report geben. Geschäftsfeldern
Das »Living 2025«­Team geht davon aus, dass Bei einem anderen Projekt, der »T­Connectivity«,
Wohneinheiten in Zukunft immer kleiner werden ging es darum, ein Leitbild dafür zu entwerfen, wie
und sich ein Teil des Lebens in den öffentlichen Raum die Zukunft der Verbundenheit – zwischen Nutzer
verlagern wird, wodurch neue Anforderungen für und Netz sowie zwischen Smart Objects unterei­
beide Sphären entstehen. Flexibilität wird dabei im­ nander – und die Rolle der Telekom dabei aussehen
page 10.17 043

kann und soll. Das Team um Senior Design Mana­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx mals Selbstzweck«, erklärt Kruza. »Deshalb müssen
ger Michael Kruza ging einen anderen Weg als die wir alles dafür tun, dass unser Netz intelligent ist
Kollegen von »Living 2025« und setzte für die Erstel­ »Das Zielbild und selbst lernt, damit der Kunde sich so wenig wie
lung eines Experience Target Pictures auf bereichs­ gibt die möglich damit befassen muss.« Zusätzlich zu die­
übergreifende Zusammenarbeit. Startpunkt war da­ Leitplanken sen Prinzipien definierte das Team Technologien,
bei die richtige Verortung und Rolle von Design in die für ihre Realisierung notwendig sein würden.
der neu geschaffenen agilen Teamorganisation. In
vor, im Alle Ergebnisse der Design Sprints fasste das Sprint
dieser finden sich in sogenannten Squads Teams zu­ Customer Team in einer Customer Journey zusammen. Sie be­
sammen, die sich um ein konkretes Projekt oder ei­ Experience schreibt Tagesabläufe und Nutzerszenarien der Tele­
nen Use Case kümmern. Dazu kommen Teams aus Camp wird kom­Personas und erläutert in jedem Schritt das ent­
bestimmten Fachbereichen, Chapter genannt. Sie sprechende Experience­Prinzip mitsamt der Technik,
bilden eine Querschnittsfunktion und unterstützen das Konzept die notwendig ist, um es Realität werden zu lassen –
die Squads in übergreifenden Themen wie Technik anfassbar« aufbereitet in einem riesigen Poster mit Illustratio­
oder Design. Als solches Chapter kam dem Design­ Florian Feiter, nen und Texten. Diese Vision dient nun den einzel­
Team um Michael Kruza die Aufgabe zu, eine Vision User Experience nen Squads zur Orientierung bei der Entwicklung
für die User Experience zu erstellen, die für alle Ein­ Designer Experience konkreter Produkte und Dienstleistungen.
zelprojekte der Squads gelten wird. Strategy, Deutsche Aber die Arbeit von Design Manager Kruza und
Wie wird Konnektivität in fünf Jahren aussehen, Telekom, Bonn seinen Kollegen ist noch nicht getan: Gegenwärtig
und wie wird sie sich anfühlen? Um dies zu beantwor­ brechen sie die Vision auf einzelne Umsetzungs­
ten, entschieden sich Michael Kruza und seine Kol­ schritte herunter und formulieren Customer Jour­
legen für die Methode der Design Thinking Sprints: neys für die Jahre 2018 und 2020. Dafür wägen sie ab,
Ein interdisziplinäres Team unterlief mehrmals je welche Technologien heute existieren, welche neu­
eine Woche alle Schritte des Design Thinking Pro­ en Produkte bereits auf der Roadmap der Telekom
zesses von Understand über Explore und Define hin stehen – und welche darauf platziert werden sollten,
zu Ideate, Prototype und Test. Zum Kernteam gehör­ damit das Experience Target Picture fristgerecht er­
ten vier bis sechs Leute aus Bereichen wie Design, reicht werden kann.
Produktmanagement, Technology oder Netzstrate­ Neben T­Connectivity verfolgt die Telekom aktu­
gie, ein Moderator und dazu weitere Experten, die ell vier weitere Innovationsfelder mit ähnlichen or­
punktuell Hintergrundwissen einbrachten. »Inter­ ganisatorischen und methodischen Ansätzen.
disziplinarität ist extrem wichtig im Design Thin­
king, um verschiedene Perspektiven abzudecken und
nicht einseitig zu denken«, erklärt Kruza.
Wie das Ergebnis eines Sprints aufbereitet wer­
den sollte – als PowerPoint­Präsentation, Film, Pos­
ter und so weiter –, ließ das Team anfangs offen und
entschied dies im Laufe der Woche. Am Ende jedes
Sprints musste aber eine Form der Vision vorliegen,
die mit Kunden durchgespielt und getestet werden
konnte. Auf der Basis des Feedbacks von Nutzern
und Stakeholdern – also allen Personen, die ein be­
rechtigtes Interesse am Verlauf oder Ergebnis des
Projekts hatten – innerhalb des Konzerns entschie­
den die Design Thinker dann, ob und wie sie ihr Sze­
nario weiterverfolgen sollten, und legten die Schwer­
punkte für den nächsten Sprint fest.
Zwischen den Sprints lagen jeweils zwei bis drei
Wochen, in denen sich die Mitarbeiter ihrem Tages­
geschäft widmen konnten. »Ein solch agiles Vorgehen
ist eine große Herausforderung für die Unterneh­
mensorganisation«, erklärt Kruza. »Immerhin ziehen
wir die Leute für die Sprints aus ihren regulären Teams
ab. Aber letztlich lohnt es sich für alle Beteiligten.«
Nach knapp drei Monaten und fünf Sprints stand
das Experience Target Picture für T­Connectivity. Um ein projektüber-
greifendes Target
Neben einer ganzen Reihe Ideen, die das Team auf
Picture zum Thema
mehr als 50 Konzeptboards festhielt, formulierte es T-Connectivity zu
acht konkrete Connectivity Experience Principles, entwickeln, arbeitete
wie beispielsweise reliable, secure und carefree. das Team in mehreren
»Eine ganz wesentliche Überzeugung ist, dass Kon­ fünftägigen Design
nektivität immer ein Mittel zum Zweck ist und nie­ Sprints eng zusammen
044 page 10.17 › Themen › Strategisches Design

Design als strategischer xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx teil. »So entsteht eine Art Mittäterschaft: Alle kön­
Umsetzer nen ihren Input geben, haben Anteil an den Entschei­
Ist eine Vision beziehungsweise ein Experience Tar­ »Interdiszipli- dungen und wissen schon, was bei der Umsetzung
get Picture verabschiedet und soll in ein Projekt über­ narität ist auf sie zukommen wird«, erklärt Henning Ralf. Das
führt werden, geht es in die konkrete Konzeption.
extrem ist besonders wichtig, da die Designer bei der späte­
Hierfür hat das Team von Telekom Design ein eige­ ren Umsetzung, die je nach Projekt mehrere Jahre
nes Format entwickelt: das Customer Experience wichtig im dauern kann, nicht permanent kontrollieren können,
(CX) Camp. Es adaptiert den agilen Arbeitsprozess Design ob ihr Konzept richtig umgesetzt wird.
und passt ihn an die Konzernstrukturen an. »Ein Thinking, um Das Team startete mit einer umfangreichen Be­
Nachteil bei der agilen Entwicklung ist, dass der
Blick auf das große Ganze fehlt, weil man sich nur
verschiedene standsaufnahme. Innerhalb von einer Woche war der
komplette Raum mit Post­its übersät. Es entstand
von User Story zu User Story bewegt«, erklärt Hen­ Perspektiven eine Landkarte des Ist­Zustands. Diese Form der Vi­
ning Ralf, Creative Director und Leiter Sales & Ser­ abzudecken sualisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der CX
vice Design. »Wenn man am Ende merkt, dass man und nicht Camps. »So hat man immer alles im Blick, kann
in eine falsche Richtung gelaufen ist, hat man Zeit
und Geld verloren.« Da die Telekom an feste Liefer­
einseitig zu wichtige Details diskutieren und verliert nie das
große Ganze aus den Augen«, erklärt UX­Designer
zeiten und Budgets gebunden ist, passt die agile Ar­ denken« Florian Feiter. »Deshalb ist es wichtig, alle Stakehol­
beitsweise mit offenem Ergebnis und Zeitrahmen Michael Kruza, Senior der vor Ort zu haben. Das ist wesentlich effizienter,
nicht leicht in die Organisation. In dem CX Camp Design Manager, als Datengräber auf Servern zu erzeugen.«
klären die Teilnehmer daher innerhalb eines festen Deutsche Telekom, Auf Basis dieser visuellen Detailsammlung entwi­
Zeitrahmens die wichtigsten Fragen zu einem Pro­ Bonn ckelte das Team eine neue Architektur und Struktur
dukt oder Service, darunter etwa die Informations­ für das Kundencenter. Die Ergebnisse erprobte es
architektur einer Website, Schlüsselfunktionen und zwischendurch in schnellen User Tests – ein umfäng­
Screens – und haben dabei immer das Leitbild vor liches Testing fand erst am Ende statt. Dabei konnte
Augen. Das CX Camp Format kommt seit drei Jah­ das Team auf die Ergebnisse der vorgelagerten Re­
ren in ausgewählten Projekten zum Einsatz. search­ und Zielbildphase zurückgreifen, betrieb
Auch bei der Neukonzeption des Kundencen­ aber auch selbst gezielte Recherche, etwa bezüglich
ters, des Self­Service Portals der Telekom im Web, der Primär­ und Sekundär­Personas und mit Blick
arbeitete das Team um Henning Ralf in einem CX auf deren Bedürfnisse und Schwachstellen.
Camp. Die Herausforderung bestand darin, ein ein­
heitliches und intuitiv nutzbares Kundencenter zu
entwickeln, denn bisher gab es aufgrund der Auftei­
lung der Angebote in Mobilfunk und Festnetz stets
zwei Anlaufstellen. Ein Ziel war zum Beispiel, dass
Kunden einen besseren Überblick über ihre Buchun­
gen und Services bekommen, sowie ihre Rechnun­
gen auf der Website leichter finden können.
Innerhalb eines achtwöchigen CX Camps musste
das Team also ein umfangreiches Konzept für die
Kundenplattform erstellen, mit dem die technischen In Customer
Entwickler starten konnten. Dafür schlossen sich Experience Camps
acht Leute, bestehend aus Mitarbeitern von Telekom arbeiten inter­
Design, sowie den Fachabteilungen Mobilfunk und disziplinäre Teams
innerhalb fester
Festnetz, fünf Tage die Woche in einen Projektraum
Zeitrahmen an
ein, um konzentriert am Projekt zu arbeiten. Zu die­
der konkreten
sem Kernteam stießen punktuell weitere Stakeholder Konzeption von
hinzu sowie ein erweiterter Kreis von rund 50 Ex­ Produkten und
perten. Auch Mitarbeiter, die später bei der Umset­ Services, wie dem
zung zum Einsatz kamen, nahmen an der Konzeption Kundencenter
page 10.17 045

Am Ende des CX Camps legte das Team einen


vertesteten HTML­Prototyp vor, der neben den Kern­
funktionen und Schlüsselseiten auch Gestaltungs­
richtlinien für das neue Portal definierte. Bei der Aus­
arbeitung nutzte das Team unter anderem Sketch
fürs Wireframing und Visual Design, sowie Prototy­
ping­Tools wie Flinto und Principle.
Technische und
Um zu einem schnellen Ergebnis zu kommen, ver­ ästhetische Anforde-
zichtete das Projektteam auf anderswo übliche Zwi­ rungen passen oft
schenpräsentationen. Wer etwas über den aktuel­ nicht zusammen. Designer
len Stand des Produkts wissen wollte, musste in den und Ingenieure arbeiten
Projektraum kommen. »Die enge zeitliche Begren­ in engem Austausch an der
zung ist Fluch und Segen zugleich«, meint Henning besten Lösung

Ralf. »Gut ist, dass man zu einem bestimmten Zeit­


punkt Entscheidungen treffen muss, um weiterzu­
kommen – egal, ob alle Stakeholder anwesend sind. zugänglich wie möglich zu machen. »Der Router ist
Gleichzeitig sind 100 Prozent sowieso fast nie er­ die Schnittstelle zum Internet, mit dem man im Ide­
reichbar. Daher gilt: Better done than perfect.« An alfall so wenig wie möglich interagiert. Im Grunde
diesen Stellen werde in der nachgelagerten Phase gestalteten wir damit ein Produkt für die Interak­
der Entwicklung aber noch mal Hand angelegt und tion im Problemfall«, so Ertel. Daher galt es, mithilfe
nachgebessert, bis das Ergebnis überzeugt. des Designs alle Hemmschwellen zu nehmen: Die
Auf Basis des gut ausgearbeiteten Prototyps konn­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Vorderseite ist klar und aufgeräumt, das Layout der
ten die Entwickler gleich loslegen, und bereits nach Buttons zentriert, sämtliche Anschlüsse befinden
vier Monaten gingen die ersten neuen Seiten des »Wir gehen sich auf der Rückseite und sind farbkodiert. Die klare,
Kundencenters live. »Das Zielbild gibt die Leitplan­ beim überwölbte Fläche des Speedport Smart hat außer­
ken vor, im Customer Experience Camp wird das
Konzept anfassbar«, erläutert Florian Feiter. Da auch
Design der dem den Vorteil, dass sie ästhetisch ansprechend ist,
denn Router stehen in fast jeder Wohnung woan­
die Produktverantwortlichen von Anfang an Teil Hardware ders. »Wir gehen beim Design der Hardware immer
des Teams sind, verlaufen Konzeption und Gestal­ immer davon davon aus, dass sich das Gerät in jeder Situation gut
tung transparent. »Das vermittelt Gemeinsamkeit aus, dass in die Umgebung integrieren muss.« Immerhin ist
und das Gefühl von Teilhabe – und verhindert un­
differenzierte Geschmacksdiskussionen«, so Feiter.
sich das Hardware immer physisch präsent, und das in der
intimen Sphäre der Wohnung. Deshalb gehört zu
»Denn bei Design geht es nicht um Geschmacksfra­ Gerät in jeder den Designprinzipien auch, das Branding zurück­
gen oder darum, was schön ist, sondern darum, was Situation haltend einzusetzen und keine »Werbe­U­Boote« in
einen echten Mehrwert für unsere Kunden und für gut in die den Wohnungen der Kunden zu platzieren. »Damit
das Unternehmen schafft.«
Umgebung entsprechen wir unserem Marken­Selbstverständ­
nis, unseren Kunden ein verlässlicher Begleiter zu
Design als konkreter Realisator integrieren sein. Das bewirkt eine viel nachhaltigere Form der
Neben digitalen Services und Plattformen entste­ muss« Markenbindung als Werbung«, so Ertel.
hen bei der Telekom auch Hardwareprodukte, wie PaulErtel, Alle Hardwareprodukte entsprechen einer be­
etwa der Speedport Smart, ein Router mit integrier­ AssociateCreative stimmten Formsprache, die über verschiedene Pro­
ter Smart­Home­Steuerung. Für alles, was sich mit Director,Deutsche duktklassen und Qualitätsstufen für eine konsis­
anfassbarer Technik beschäftigt, ist das Team rund Telekom,Bonn tente Designlinie sorgt. So ist sofort erkennbar, dass
um Associate Creative Director Paul Ertel zuständig. alle Hardware­Produkte Teil einer Produktfamilie
Es sorgt dafür, dass alle Produkte dem Experience sind. Und das sorgt auch mit wenig Magenta für
Framework und den Design Guidelines des Konzerns Wiedererkennbarkeit und Markenwahrnehmung.
entsprechen. Sobald der technische Leistungsum­ Dafür arbeitet das Designteam unter anderem mit
fang definiert ist, kommen die Designer dazu. »Das den Richtlinien und Styleguides aus dem internen
ist keine feste Übergabe, sondern immer ein dialo­ Wissens­ und Distributionstool Brand & Design.
gischer Prozess«, erklärt Ertel. Auch mit den tech­ Auf dieser digitalen Plattform finden sich zum ei­
nischen Dienstleistern, die meist externe Anbieter nen Templates und Assets für die Produktkonzep­
sind, steht sein Team in engem Austausch und be­ tion und ­gestaltung, sowie zum anderen Hinter­
sucht etwa Fabriken, in denen Gehäuse produziert grundinformationen und Methodenwissen. So
werden. Die Telekom übergibt auch hier nicht ein­ fungiert sie nicht nur als Aufbewahrungsort für Lo­
fach eine Anweisung, sondern sucht den Austausch gos und Buttons, sondern zudem als Wissens­Hub
mit technischen Partnern und fordert diese auch und Austauschplattform – auch für Nichtdesigner.
heraus, um die besten Ergebnisse zu erzielen. Denn die Demokratisierung von Design ist eines
Mit dem im Herbst 2016 gelaunchten Speedport der wichtigsten Ziele der Telekom. Alle Mitarbeiter
Smart ist Paul Ertel sehr zufrieden. Eine Herausfor­ sollen dazu befähigt werden, Design anzuwenden –
derung lag bei diesem Gerät darin, es so einfach und und es zu leben.  nik[741]
0222 page 02.14 • Projekte • Xxxxxxxxxx
anzeige

Der Referent
● Jochen Rädeker, 49, ist einer der erfolg-
reichsten und profiliertesten Designer im
deutschsprachigen Raum. Er ist Mitbegründer
und geschäftsführender Gesellschafter
von Strichpunkt Design in Stuttgart und
Berlin, Professor für Corporate Identity
an der Hochschule Konstanz, war langjäh-
riger Vorstand und Präsident des Art
Directors Club und hat zahlreiche Fachbücher
zum Thema Marke und Unternehmens-
kommunikation verfasst.

Mit 25 Jahren Berufserfahrung vom Einzel-


kämpfer bis an die Spitze einer der größten
deutschen Designagenturen verfügt Jochen
Rädeker über ein umfassendes Branchenwissen
und einen immensen Erfahrungsschatz in
Sachen Konzeption und Umsetzung komplexer
Designstrategien. Seine Agentur Strichpunkt
steht mit Kunden wie adidas, Audi oder dem
Deutschen Fußballbund für hochwertige
Markenentwicklung, Markenkommunikation
und Publishing im Print-, Online- und 3D-
Bereich, hat mehr als 700 internationale Preise
gewonnen und ist seit Jahren in den Top Ten
des PAGE Kreativ-Rankings vertreten – auch
die Hochschule Konstanz findet sich in den
Rankings der Nachwuchsdesigner ganz oben.
page 02.14
anZeIge
031

pRaXIS

Leitmedium Extended
Design Version
Cases, Strategien, Das Erfolgsseminar
Workshop auf vielfachen Wunsch
jetzt erweitert!
NEUER
TERMIN!

Extended – zwei Tage mit Jochen Rädeker! Die Agenda


● Marken machen rund 50 Prozent des Wertes eines Unternehmens aus. Sie in 1 Identifizieren:
einem immer vielfältigeren Umfeld richtig zu definieren, zu prägen und zu Die Marken-Positionierung.
gestalten ist deshalb eine der wichtigsten und komplexesten Aufgaben, die ein Wie komme ich zu einer belastbaren
Kunde zu vergeben hat. Designer müssen für diese Herausforderung umfassend Corporate Identity, zum Reason Why
gewappnet sein: Sie müssen auf Beratungsebene souverän Prozesse zu Positio- einer Marke? Wertedefinition,
nierung, Vision und Mission moderieren können, auf konzeptioneller Ebene die Vision, Mission und positionierung.
richtige Markenstory entwickeln und auf gestalterischer Ebene überzeugende
und einzigartige Lösungen finden, die in allen Kommunikationskanälen konsis- 2 Verstehen: Der Marken-Workshop.
tent funktionieren. All das müssen sie am Ende auch noch so präsentieren, ein interaktiver Markenworkshop
dass ihr Kunde – ob intern oder extern – die Beratungs- und Designleistungen mit Tools und Techniken für erfolgreiche
als objektiv richtig erleben und bewerten kann und es nicht zu geschmäckle- Markenentwicklung.
rischen Entscheidungen am Küchentisch kommt.
3 Erzählen: Die Marken-Story.
Jochen Rädeker zeigt im PAGE Workshop »Leitmedium Design« sinnvolle Wege Wie erzähle ich als Designer
und Verfahren für eine nachvollziehbare Markenpositionierung auf. Er belegt überzeugende, einzigartige Marken-
anhand konkreter Praxisbeispiele – vom Start-up bis zum Weltkonzern –, wie man geschichten? Fallbeispiele für
mit Marken berührende und begeisternde Geschichten entwickeln und visuell erfolgreiche Corporate Stories.
erzählen kann. Schließlich gibt er Tipps für erfolgreiche Pitches und Präsentations-
strategien und liefert Argumente dafür, dass Investitionen in einen schlüssigen 4 Gestalten: Die Marken-Medien.
Markenauftritt keine Kosten, sondern lohnende Investitionen sind. Wertvolles Wie funktional muss, wie kreativ
Know-how vom Designprofi für Designprofis in Agentur und Unternehmen! darf ein gutes Corporate Design sein,
das auf allen Kanälen überzeugt?
Die zweitägige Variante des beständig aktualisierten und um neueste Cases Medienübergreifende gestaltungs-
ergänzten Seminars bietet noch mehr Raum für Interaktion und Fragen rund konzepte und graphical User Interfaces
um den Arbeitsprozess der Markenentwicklung in der digitalisierten Welt: für zukunftsfähige Marken.
Wie sieht das Design-Manual der Zukunft aus? Wie beeinflussen agile Prozesse
die Markenführung? Wie kommuniziere und kalkuliere ich richtig? 5 Arbeiten: Der Marken-Workflow.
Was sind die größten Stolpersteine im
Verhältnis zum Kunden – und wie
Das Seminar findet statt am 13./14. Oktober im Hotel 25hours, umgehe ich diese? Was ist der richtige
Hamburg Bahrenfeld, freitags von 10:00 Uhr bis 18:30 Uhr und samstags Workflow für welches projekt?
von 9:00 Uhr bis 17:30 Uhr. Die Teilnahme kostet 1510 euro (zzgl. gesetzlicher Wie kalkuliere ich verständlich?
MwSt.). Die gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch und Kaffeepausen.
Die Teilnehmerzahl ist auf 20 personen begrenzt! also schnell anmelden unter 6 Überzeugen:
  www.page-online.de/seminar  . Die Marken-Präsentation.
Tipps, Tricks und Techniken für zielfüh-
page // ebner Verlag gmbH & Co Kg // info@page-online.de // rende pitches und präsentationen.
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in Das zweitägige Seminar mit Jochen
der Reihenfolge der eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung Rädeker bietet genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). den Austausch untereinander.
„Eine Idee
existiert
nicht, bis
man ein
Publikum
hat“Dominic Wilcox bezeichnet sich nicht
als Künstler oder Designer, sondern als Erfinder.
Im Interview erzählt er, warum
page 10.17 049

Dominic Wilcox zeichnet


überall – weswegen er 2012
diesen Tree Branch Work
Desk erfand, mit dem Kaffee
und Utensilien auch greifbar
sind, wenn er sein Studio mal
eben auf einen Ast verlegt
Foto: Joe McGorty
050 page 10.17 › Themen › Dominic Wilcox im Interview

● Dominic Wilcox entwickelt aus Alltagsgegenständen


und bekannten Situationen überraschende Ideen, die
berühren (http://dominicwilcox.com). Mal sind sie aus­
gesprochen witzig, mal fast poetisch. Im Interview er­
zählt der Brite, wie er damit Geld verdient, wieso man
niemals aufgeben sollte und mit welchen Mitteln er die
Kreativität von Kindern fördert.

Wie wird man Erfinder?


Dominic Wilcox: Ich nutze den Begriff noch gar nicht
so lange, um zu beschreiben, was ich tue. Es ist ein lus­
tiges Wort. Wenn ich erzähle, dass ich Erfinder bin, höre
ich immer: »Wow, du bist Erfinder?! Ich habe noch nie
einen getroffen.« Wenn man sich selbst als Künstler be­
zeichnet, denken die meisten an Gemälde. Sagt man De­
signer, wird Grafikdesigner oder Webdesigner vermu­
tet. Erfinder trifft es also gut, auch wenn ich niemand
bin, der in seinem Schuppen herumtüftelt. Ingenieurs­
kram finde ich nicht so aufregend. Ich kenne mich aber
ein bisschen aus und weiß, was technisch möglich ist.

Und wie hast du entdeckt, dass es


dir liegt, Dinge zu erfinden?
Ich habe zur Vorbereitung auf mein Studium der visu­
ellen Kommunikation einen Grundlagenkurs in Kunst
und Design an der University of Sunderland belegt. Dort
Foto: Sylvain Deleu

zeigte uns ein Tutor ein Buch mit Erfindungen – alltäg­


liche Objekte mit dem gewissen Twist. Das war Kunst.
Fortbewegungsmittel der Zukunft:
Wir sollten ähnliche Ideen entwickeln, und ich habe
In dem autonom fahrenden Mini etwas gezeichnet. Das hat mir gelegen und Spaß ge­
Cathedral Car gibt es eine Matrat- macht, und seitdem habe ich nicht mehr damit aufge­
ze, sodass man sein Ziel schlafend hört. Vorher ging es in dem Kurs eher darum, Alltags­
erreichen kann. Das handgefertigte gegenstände zu malen – was Kunst ist, aber nach mei­
Buntglasdach steht im Kontrast ner Auffassung nichts mit Kreativität zu tun hat. Kunst
zur hochmodernen Technik und soll
ist nicht zwangsläufig kreativ. Malt man zum Beispiel
die Sicherheit solcher Fahrzeuge
betonen. Der Prototyp entstand
ein Stillleben möglichst naturgetreu und fotografisch,
2014 für eine Ausstellung steckt darin nur sehr wenig Kreativität.
des Architektur- und Design-
magazins »Dezeen« in Mittlerweile erfindest du Gegenstände für
Kooperation mit MINI Firmen, die diese zu Werbezwecken nutzen.
Wie hast du gemerkt, dass du mit deiner
Art von Erfindungen Geld verdienen kannst?
Es war einfach das Beste, was ich tun konnte. Das hat
gar nichts mit Geld zu tun. Dieser Tutor damals, Char­
lie Holmes, hat mir gezeigt, dass es möglich ist, meine
Vorstellungskraft und Persönlichkeit einzusetzen, um
auf Ideen zu kommen und diese visuell zu kommu­
nizieren. Das war aufregend, es hat süchtig gemacht.
Ich mag die Herausforderung, gewöhnliche Gegenstän­
de in etwas Überraschendes zu verwandeln und Leuten
diese Ergebnisse zu zeigen.

„Kunst ist nicht


zwangsläufig
kreativ“
page 10.17 051

Wie ist daraus ein echter Job geworden?


Das hat gedauert. Ich habe nach meinem Abschluss erst
mal Englisch in Japan unterrichtet und in einem Buch­
laden in London gearbeitet. Das Problem war, dass mei­
ne Form der Kreativität nirgendwo richtig reinpasste.
Es war Kunst, aber irgendwie auch nicht. Die Produkt­
designwelt ist auf Massenfertigung ausgerichtet, mich
interessierte aber viel mehr die Idee und nicht so sehr
deren Umsetzung. Ich bewarb mich am Royal College
of Arts in London, der Masterstudiengang Design Pro­
Mit diesem Fernglas kann man
ducts stellt Ideen in den Vordergrund, was genau pass­ eine Zeitreise durch London
te. Ich habe dort mehr über Objekte gelernt und über unternehmen: einfach das
die Ideenfindung anhand von Experimenten mit Ma­ Wunschjahr eingeben und in
terialien. Im Anschluss hatte ich gemeinsam mit einem die Zukunft oder Vergangen-
Kommilitonen ein Designstudio, drei Jahre lang, dann heit blicken. Entstanden für eine
wollte ich etwas verändern und zog nach Berlin. Ausstellung bei Selfridges im
Jahr 2014, für die Wilcox einige
Dort dachte ich wieder an meinen alten Plan, ein
Zeichnungen umsetzte . . .
Buch mit meinen Zeichnungen zu veröffentlichen, den
ich zuvor nach einigen kurzen Versuchen wieder aufge­
geben hatte. Da ich in Berlin gerade nichts zu tun hatte,
startete ich einen Blog, den ich »Variations on Normal«
nannte (https://variationsonnormal.com). Ich stellte sie­
ben Zeichnungen online und baute eine Mailingliste
auf. Ein paar Adressen hatte ich noch aus der Design­
studiozeit. Eine große Website berichtete über meinen
Blog, und dann ging es relativ schnell, dass Leute mei­
ne Bilder kommentierten. Aufregend, plötzlich hatte
ich ein Publikum, quasi aus dem Nichts! Das hat mich
ermutigt, weiter zu zeichnen. Durch den Blog waren

„Mein typischer
meine Zeichnungen außerhalb meines Skizzenbuchs
sichtbar, dadurch ergaben sich erste Aufträge und ab
und an Ausstellungen. Ich habe nicht viel verdient, aber
genug, um klarzukommen. Irgendwann sprachen mich
dann größere Marken an.
Tag ist jeden Tag
Für Brands erfindest du Schuhe, die über Blink-
signale den Weg weisen, oder eine Maschine,
anders“
die Cornflakes in den Mund bugsiert. Wie kommst
du auf solche Ideen?
. . . zum Beispiel die Tasse, die
Alles ist ein Problem, außer schlafen. Ich muss mich mit einem kleinen Ventilator
aus der Bettwäsche lösen – das kann man mir doch ei­ Tee auf die perfekte Trinktem-
gentlich nicht zumuten! Will ich Tee trinken, muss ich peratur kühlt, damit man sich
eine Tasse hochheben. Wieso tut man mir das an? Das nicht die Zunge verbrennt.
Oder der Wecker, der mit seiner
könnte doch eine Maschine erledigen. Wer Probleme
Trompetenverstärkung auch
sucht, findet massenhaft welche – und kann dafür Lö­
den tiefsten Schlaf vertreibt
sungen entwickeln. Ich sehe mir außerdem Gegenstän­
de ganz genau an. Nehmen wir eine Tasse: Sie ist rund –
warum eigentlich? Könnte sie eine andere Form haben?
Sie hat einen Henkel, da könnte man doch etwas rein­
tun. Und so weiter.

Wie sieht heute dein typischer Arbeitstag aus?


Ich mache nicht viele Pläne. Ich reagiere auf Dinge, Auf­
träge oder E­Mails, und das war immer okay, als es um
meine eigene Arbeit ging. Durch das »Little Inventors«­
Projekt (www.littleinventors.org) hat sich das verändert,
Fotos: Pec Studio

es gibt immer etwas tun. Ich bin ein bisschen organi­


sierter geworden. Das ist wichtig, sonst vergesse ich zu
essen und bewege mich gar nicht mehr. Mein typischer
Tag ist jeden Tag anders.
052 page 10.17 › Themen › Dominic Wilcox im Interview

„Wenn ich erzähle, dass ich Erfinder bin,


höre ich immer: Wow, du bist Erfinder?!
Ich habe noch nie einen getroffen“
»Little Inventors« heißen deine Erfinderwork-
shops für Kinder. Wie funktionieren sie genau?
Es geht darum, Kinder zum kreativen Denken anzure­
gen. Sie zeichnen Erfindungen, die Handwerker dann
in echte Gegenstände verwandeln, teilweise unter An­
leitung der Kinder. Zudem werden sie in eigenen »Little
Inventors«­Ausstellungen präsentiert. Das verdeutlicht
den Kindern, dass ihre Ideen ernst genommen werden.
Viele Erfindungen der 6­, 9­ oder 10­Jährigen sind bril­
lant – besser als die von Designstudenten. Und sie sind
in einer halben Minute darauf gekommen! Ich arbeite
seit etwa zwei Jahren an dem Projekt. Eigentlich sollte
es eine einmalige Aktion sein, doch es kamen so viele
Anfragen. Mittlerweile gibt es »Little Inventors« nicht
nur in Großbritannien, sondern auch in Kanada und
China, jeweils in mehreren Städten.

Hat sich durch die Arbeit mit Kindern etwas an


deiner eigenen Arbeitsweise geändert?
Ich hoffe, dass wir alle uns ständig verändern! Ich habe
immer daran geglaubt, dass eine spielerische Herange­
Inspiriert von Dorothy aus hensweise in der Ideenfindung sehr hilfreich ist. »Little
dem »Zauberer von Oz«: Inventors« bestätigt das immer wieder. Ich lerne auch
Diese Schuhe navigieren den viel Neues, treffe so viele verschiedene Persönlichkeiten
Träger an seinen Wunschort. auf einmal, erlebe so vielfältige Ideen. Erfinder brauchen
Mit blinkenden LEDs – zum ja immer Probleme, die sie lösen können. In wohlhaben­
Start klackt man die Hacken
den Ländern sind die zwei beliebtesten Erfindungen
aneinander (2012)
bisher ein Roboter, der das Kinderzimmer aufräumt,
und ein Stift, der die Hausaufgaben erledigt. Wie wird
es dagegen in einem sehr armen Land aussehen? Was
werden die Kinder dort erfinden, wo es echte Probleme
gibt? Was würden Kinder mit Behinderungen erfinden?
Sind Menschen so Das wird sich zeigen, wenn wir mit dem Projekt weiter­
verfeindet, dass sie
machen – es geht ja gerade erst los.
einander nicht die
Hand geben möchten,
Ist es möglich, jemandem Kreativität
können sie mit dem
beizubringen?
»Pre-Handshake Hand-
shake Device« erste Wenn man das könnte, würden Schulen es tun. Und oft
Annäherungsversuche ist das Gegenteil der Fall. Vielleicht liegt es daran, dass
starten (2010) viele Leute Kreativität mit Kunst gleichsetzen – wer krea­
tiv ist, muss also Künstler oder Designer sein. Der erste
Schritt wäre, dass sich das ändert. Je mehr Leute begrei­
fen, dass Kreativität nicht nur Kunst und Design bedeu­
tet, desto besser. Dann hätte Kreativität einen höheren
Stellenwert in unserer Gesellschaft. Ich sehe es so: Wer
gut Probleme lösen kann, ist kreativ. Kreativität ist eine
Foto: David Sykes

Form von Intelligenz, mit der man neue Verbindungen


herstellen kann. Das ist in allen Lebensbereichen hilf­
reich, in der Finanzwelt ebenso wie in der Medizin. Doch
viele Menschen glauben nicht, dass sie kreativ sein kön­
page 10.17 053

nen, sie probieren es gar nicht erst. Sie stellen sich an,
als müssten sie von einer Klippe springen, und sagen
direkt: Nein, das kann ich nicht, es wird ein Desaster.

Was meinst du, woran das liegt?


Vielleicht wurden sie in der Schule nicht dazu ermun­
tert, kreativ zu denken. Oder jemand hat eine ihrer Ideen
als schlecht bezeichnet, deshalb haben sie es nie wie­
der versucht. Kreativität erfordert allerdings, dass man
sie immer wieder anwendet. Sobald man aufhört, traut
man es sich nicht mehr zu. Es ist ein bisschen so, als
würde man einen sehr großen Stein den Berg hochrol­
len. Stoppt man zwischendurch die Bewegung, scheint
es unmöglich, weiterzumachen. Oft beginnt es in der
Teenagerzeit, dass Leute meinen, keine kreativen Fähig­
keiten zu haben. Ich glaube, jeder ist kreativ, viele haben
aber den Glauben daran verloren.

Es hat den Anschein, als würde es dir sehr


leichtfallen, ständig auf gute neue Ideen zu
kommen. Stimmt der Eindruck?
Ich habe dieses riesige Buch voller Ideen, das ich einfach
nur öffnen muss, und – schwups – fällt mir etwas ein.

Oh, so eins brauche ich auch!


Nein, nein, das gehört mir, und ich werde es für immer
behalten! Ob es mir leichtfällt, auf Ideen zu kommen –
war das die Frage? Nein. Na ja, manchmal ist es relativ
einfach, manchmal auch nicht. Es gibt Aufträge, für die
ich sofort eine Idee habe. Oft ist sie der beste Einfall. Es
kann auch sein, dass ich erst mal nachdenke, zeichne,
schreibe, kritzle und dabei hoffe, dass in meinem Ge­
hirn neue Verknüpfungen entstehen. Und manchmal
passiert gar nichts, dann denke ich: My goodness, ich
habe einen ganzen Tag meines Lebens in mein Skizzen­
buch gestarrt. Das frustriert. Irgendwann kommt aber In den »Little Inventors«-
die Idee – durch klassische, harte Kopfarbeit. Workshops erfinden Kinder
Problemlöser – wie hier
Ist das dein Geheimnis – nicht aufgeben? eine High-five-Maschine –,
Auf jeden Fall. Man darf nie den Glauben daran verlie­ die dann von Handwerkern
realisiert werden
ren, dass die gute Idee existiert. Du musst nur den Platz
in deinem Kopf finden, an dem sie aufbewahrt wird –
also immer wieder verschiedene Türen öffnen! Hinter
vielen dieser Türen verbirgt sich leider nichts. Aber die
Idee ist da, du wirst sie finden. Bezweifelt man das, sin­
ken recht schnell die Chancen, auf sie zu stoßen. Es gibt
Fotos: Little Inventors

außerdem unterschiedliche Wege, seine Kreativität zu


entdecken und herauszukitzeln. Ich habe beispielswei­
se mal einen Comedy­Improvisationskurs besucht, um
mich in eine Situation zu begeben, die mich zu schnel­
len Lösungen zwingt.

„Ich mag die Herausforderung,


gewöhnliche Gegenstände in etwas
Überraschendes zu verwandeln“
054 page 10.17 › Themen › Dominic Wilcox im Interview

Der Referent
Nutzt du deine Zeichnungen, um Ideen ● Hagen Seidel ist Head of Delivery bei der inter-
herauszulocken, oder zeichnest du erst, wenn national vielfach ausgezeichneten Kreativagentur
die Idee da ist? für digitales Marketing Razorfish Deutschland
Ich zeichne, schreibe Wörter auf, die irgendetwas mit mit Dependancen in Frankfurt am Main, Berlin und
dem Thema zu tun haben – in der Hoffnung, dass mir PAGE Story München. Er ist zertifizierter Scrum Master und
»Speculative Design«.
dadurch etwas Gutes einfällt. Die Gedanken auf Papier verantwortet als Projektmanager nicht nur die
Wie experimentelle
zu bringen hilft bei der Konzentration. Es ist, als wäre gestalter Lösungen
Budgets sowie die Qualität und Profitabilität von
da dieser riesige Ideenstrudel im Kopf, der aus Infor­ für die dringlichsten Projekten, sondern stellt auch die Einhaltung
mationsmassen besteht. Aus diesem herumwirbelnden probleme der gegen- der Agenturworkflows und Projektmanagement-
Chaos eine Idee herauszufischen ist vergleichbar mit ei­ wart suchen, lesen Prozesse sicher. Darüber hinaus ist er für die
ner plötzlichen Lücke im Wolkenhimmel, die den Blick Sie in page 06.17 Weiterbildung und Zertifizierung des agentur-
↗  www.page-online.
auf die Sonne freigibt, für einen kurzen Moment. Vom de/pepa1706
eigenen Projektmanagement-Teams zuständig.
Skizzieren erhoffe ich mir, dass es mir hilft, diesen außer­
gewöhnlichen Punkt zu erreichen. Meine Skizzen sind Hagen Seidel schöpft aus 15 Jahren Berufserfahrung
sehr durcheinander, und in der Realität sind Skizzen­ als Angestellter und Freelancer in Start-up und
bücher nicht wirklich attraktiv. Sie enthalten einfache Netzwerkagentur. Er begann seine Laufbahn als
Linien, mit denen man versucht, schnell zu visualisie­ Frontend-Programmierer, bevor er ins technische
PAGE eDossier
ren, was im Kopf gerade vorgeht. Bei einigen Künstlern Projektmanagement wechselte und 2008 bei
»Kreativer
sieht das natürlich schon gut aus. Aber generell finde ich: Prozess statt
Razorfish Scrum einführte. Er managte Projekte
Wenn dein Skizzenbuch wunderschön ist, bist du nicht Geistesblitz«. wie den Multitouch-Table für den Audi City Show-
so kreativ, wie du sein könntest – du probierst wahr­ mehr über room London und realisierte mit Kunden wie
scheinlich zu früh, deine Ideen zu finalisieren. Ideenfindung von DHL, Allianz, Nintendo und Wilkhahn Internet-
Kreativitätstechniken auftritte, Apps und Cross-Channel-Kampagnen.
Hast du Pläne für die Zukunft? über Innovation
Labs bis zu
Nein, für mich zumindest nicht. Ich hoffe, die »Little Design Thinking
Inventors« sind auch in Zukunft erfolgreich und wach­ ↗  www.page-online.
sen weiter. Für mich selbst hatte ich nie großen Ehrgeiz. de/pDDp1008
Ich gucke einfach immer: Was mache ich heute? Mit den
„Das Seminar war
»Little Inventors« habe ich das erste Mal Ambitionen
wirklich großartig!
und die Möglichkeit, größer und weiter zu denken, denn
Hat mir außerordentlich
es geht um mehr als nur um mich. lr [1008]
gut gefallen. Hagen war ein
klasse Referent, er lebt den
Das Buch »Variations on Normal« mit Dominic Inhalt regelrecht.“
Wilcox’ Zeichnungen erschien 2014 und ist in
seinem Shop erhältlich: https://is.gd/wilcoxbuch

Das page-Team war begeistert von Dominic


Wilcox’ Talk auf der TYpO Berlin 2017 –
so witzig, ideenreich und charmant! Dieser Dr. Daniel Schulten, Vorstand
eindruck hat sich im Interview, das Laura netzkern AG, Agentur für
Reinke per Skype mit ihm führte, bestätigt. Interaktive Kommunikation
page 10.17
anZeIge
055

1 pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter  www.page-online.de/seminar

Die Agenda: Tag 1

Agil ans Ziel 1 Herausforderung digitales


Projektmanagement
In digitalen projekten hat man mit unter-
schiedlichsten Kunden, Zielen, nutzern
modernes und Technologien zu tun. Wie kann man

projektmanagement – projekte klassifizieren? Und was bedeutet


es, heute projektmanager zu sein?
Cases, Techniken,
methoden 2 Allgemeingültige Projektphasen
trotz Diversifikation
Was unterscheidet klassisches und agiles
projektmanagement? Welche phasen und
Schritte haben Strategie-, Kreations- oder
technische Umsetzungsprojekte gemein?
Das zweitägige Seminar »Agil ans Ziel«
3 Agiles Projektmanagement
● Unternehmen aller Branchen müssen heute digitale Produkte und Services Welche agilen methoden gibt es und
bieten, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch Projekte mit neuen Techno­ für welches neue Wertesystem
logien und neuen Konzepten sind oft komplex und schwer einzuschätzen. stehen sie? Stichwort »agiles manifest«.
Zudem liegen nur selten Erfahrungswerte vor. Auftraggeber und Projekt­
beteiligte – inhouse wie extern – sammeln darum während des Entwicklungs­ 4 Planen und Schätzen
prozesses fortwährend neue Erkenntnisse. Entsprechend häufig ändern Wie werden anforderungen erfasst
sich die Anforderungen. Und das bei immer unumstößlicheren Deadlines. und geschätzt? Und wie nutze ich das
product Backlog als zentrales Tool?
Höchste Zeit also, auch im Projektmanagement neue Wege zu beschreiten und
das Vorhaben agil, sprich: schrittweise in einem sich selbst organisierenden,
interdisziplinären Team in Zyklen anzugehen! Das traditionelle Wasserfall­ Die Agenda: Tag 2
modell setzt vorhersehbare Projektverläufen voraus, die agile Methode passt sich
an und legt den Fokus auf umgesetzte Funktionalitäten. Mit agilem Projekt­ 1 Rollen und Verantwortlichkeiten
management kann man auf kurzfristige Änderungswünsche des Kunden rasch agiler Coach, Team und product Owner –
reagieren und sogar in späten Projektphasen flexibel auf Change Requests ein­ jeder leistet seinen Beitrag zum erfolg.
gehen. Doch wie genau lässt sich der eigentlich in der Softwareentwicklung behei­ Welche Rechte und pflichten gibt es und wie
matete Ansatz für kreative Konzepte nutzen? Wie etabliert man ihn im Team? ändern sich diese im projektverlauf?

Profitieren auch Sie vom immensen Erfahrungsschatz Hagen Seidels! In unserem 2 Meeting-Kultur in agilen Projekten
zweitägigen Seminar zeigt er anhand konkreter Cases, welche Projekte sich planungs-meeting, Daily Standup, Review-
mit agilen Methoden umsetzen lassen – und welche nicht. Er erläutert, welche meeting: wie oft, wie lange, wer ist dabei?
Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Projektleiter, Projektmitarbeiter Tipps und Tricks für die Durchführung
und Auftraggeber auf Augenhöhe zusammenarbeiten können, und er zeigt,
wie man heterogene Teams aus Strategen, Konzeptern, Creative Developern, 3 Reporting und Risikomanagement
Designern, Informationsarchitekten, Artdirektoren, Textern und Testern Welche Tools und helfer gibt es im agilen
zu Winning Teams macht. Er gibt Anregungen und vermittelt Lösungsansätze projektmanagement? Und welche aspekte
sowie Handlungsempfehlungen für alle, die das agile Prinzip durchdringen des klassischen projektmanagements
und in ihrer Agentur oder Firma vorantreiben wollen – kurzum: für alle, die sollte man in der hinterhand haben?
interdisziplinäre Projekte erfolgreich durchführen wollen.
4 Team Building
Das PAGE Seminar findet am 19./20. Oktober im Hotel 25hours, Was bedeutet »Inspect and adopt«
Hamburg-Bahrenfeld, von jeweils 9:00 bis 17:00 Uhr statt. Die Teilnahme als philosophie? Wie implementiert man
kostet 1480 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die Gebühr umfasst die Tagungs- sie, damit man als Team besser
kosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf 18 Personen zusammenarbeitet? plus: guidelines für
begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar . Retrospektiven in agilen projekten.

page // ebner Verlag gmbh & Co. Kg // info@page-online.de //


Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in der Der PAGE Workshop mit Hagen Seidel lässt
Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung an. genug Zeit für Fragen und Diskussionen und den
Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Austausch der Teilnehmer untereinander.
NeueS
Spannendes aus der Bild-, Typo-,
Papier- und Technikwelt sowie
interessante neue Publikationen
finden Sie auf diesen Seiten
und auf ↗  www.page-online.de  

Plakat mit Bart


. . . und Strichzeichnung von
Illustrator Joey Pasko, der
selbst aus Brooklyn kommt
– wo die Hipster quasi
erfunden wurden

1
Page 10.17 057

Bild   Doch mal rasieren? Ein »echter« 


1

Bart aus Fell ziert die erste britische 
Kam  pagne von Harry’s, einer New Yorker Manufaktur 
für Rasierprodukte. Die Agentur Brothers and Sisters 
sowie Illustrator Joey Pasko gestalteten drei animierte 
Spots und ein Riesenplakat in einer Londoner Hipster-
Hochburg – mit dem Slogan »East London. Worst place 
2
to launch a razor«. ↗  www.brothersandsisters.co.uk  
2   Junge Illustratoren. Frische Talente sind in der ach-

ten Ausgabe von »Triebwerk« zu sehen, der Anthologie 
der jüngsten beiden Semester der Klasse Illustration/
Comic an der Kunsthochschule Kassel. Neben Profes-
sor Hendrik Dorgathen hat Lea Heinrich als Lehr be auf-
tragte für be son de re Aufgaben die Studen ten begleitet. 
Der visuell wie inhaltlich äußerst abwechslungsrei che  Das »Triebwerk«-Cover

Band erschien bei Rotopol in Kassel und kos tet 17 Euro.   gestaltete Jolanda Obleser.


Die Illustration mit den

↗  www.illuklasse.de ↗  www.rotopolpress.de  [1692] 
verknoteten Zungen stammt
von Sina Rockensüß

 Neues aus den
Bildagenturen
Seit es Bilder direkt in der Creative Suite bei Ado-
be Stock zu kaufen gibt, bieten andere Agentu ren 
verstärkt Plug-ins an. In WordPress gibt es jetzt 
Zugriff auf die Bilder und Videos der Münch ner 
Agentur PantherMedia.
Nachricht Numero zwei: Okapia, eine der äl-
tes ten deutschen Agenturen und Spezialistin für 
Wild life, Reise, Wissenschaft und Medizin, hat 
endlich eine zeitgemäße Website. Da macht es 
richtig Spaß, die oft spektakulären Bilder anzu-
schauen. Nur das Wasserzeichen in Gestalt eines 
Okapis ist ein wenig groß geraten 
 Animation für Einsteiger
↗  www.panthermedia.net   Sie wollen aus Illustrationen schlichte  te zerlegt wurden, in die Desktop-App 
↗  www.okapia.de   interaktive Animationen basteln und  und animiert sie – das jüngste Update 
sie als iOS-App an bieten, ohne Code zu  synchro nisiert  automatisch  Ton  und 
verwenden? Hul labalu, eine New Yor- Lippenbewegungen. In Xcode konver-
PAGE Seminar »Bildrecht«. In unserem ker Firma, die selbst interaktive Bilder- tiert, lässt sich die fertige Animation 
Seminar erfahren Sie alles, was Bild-
bücher für Kin der gestal tet, entwickel- in den App Store laden. Eine 14-tägige 
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058 page 10.17 › Neues

Typo   Zeitung Monospaced. Die serifenlose Schrift 


Zeitung  von  Underware  bietet  acht  Stärken  von 
Thin bis Black, echte Kursive, Small Caps und jede Menge OpenType-
Features und dazu eine Flex-Variante, bei der sich die Gewichte dank 
 einer  Extension  für  Illustrator  und  InDesign  stufenlos  verstellen  las- 
sen. Jetzt gibt es auch eine Monospaced. Ihre sieben Stärken und eine 
sehr sympathische, dynamische Kursive laden zum Kombinieren der 
Fami lienmitglieder ein. Alle 14 Fonts kosten in der Basic-Version cir- 
ca 135 Euro, als Zeitung Mono Pro rund 250 Euro. ↗  www.underware.nl
  Buchstaben in der Kunst. Noch bis zum 29. Ok-
tober ist in der Hamburger Kunsthalle die Ausstel-
lung  »Art  and  Alphabet«  zu  sehen.  Kuratorin  Bri-
gitte Köl le zeigt, wie das Alphabet, sei es das latei-
ni sche, arme ni sche, arabische oder ein anderes, in 
den letz ten drei Jahrzehnten Einzug in die Kunst ge -
halten hat – und auf wie vielfältige Weise. Ein Muss  
für alle Typo-Liebhaber. ↗  www.hamburgerkunst
halle.de/ausstellungen/art-and-alphabet

1  Erdo-Gone! 2  Der richtige Schwung
Eine Schrift, die sich weigert, »Erdoğan« zu schreiben –  Der Lettering-Trend hält an. Weil die 
die neuen Fonts der Wiener Foundry Schriftlabor sind  meisten  Menschen  es  schön  finden, 
alles andere als langweilig. Gleich vier Neuerscheinun- mal wieder selbst Stift und Papier in 
gen gibt es, alle haben eigenwillige Formen, funktionie- die Hand zu nehmen. Und weil die ent-
ren aber dennoch bestens als Lauftext und sind auch  stehenden Linien und Lettern so herr-
un ter schwierigen Bedingungen gut lesbar. Galata von  lich unperfekt sind. Das unlängst bei  
Schriftlabor-Gründer Rainer Scheichelbauer macht nicht  viction:ary erschienene Buch »Hand-
nur aus »Erdogan« automatisch »Erdogone«, man kann  style Lettering« (256 Seiten, 31,25 Eu-
mit ihr auch »Schere, Stein, Papier« und anderes spie- ro, ISBN 978-988-77148-4-2) stellt nicht 
len. Lawabo zeichnet sich durch einfache, gerundete  nur jede Menge Lettering-Artists mit 
Formen aus, Attorney und Traction besitzen – allerdings  Anleitungen dafür ihren inspirierenden und sehr heterogenen Ar bei-
sehr verschiedene – Serifen. Testversionen las sen sich  gibt’s in dem ten vor, es erklärt auch die Terminologie und liefert 
Buch »Handstyle
auf der Website gratis herunterladen, natürlich kann  Anleitungen zum Selbermachen. Wie früher, als in 
Lettering«
man die Fonts dort auch kaufen. Die kompletten Fami- der Schule noch Schreibschrift gelehrt wurde, gibt 
lien kosten jeweils zwischen 200 und 300 Euro.  es  Vorlagen  zum  Nachschreiben  der  Buchstaben, 
↗  www.schriftlabor.at und zwar in unterschiedlichsten kalligrafischen Sti-
len. So bekommt man nach und nach ein Gefühl für 
Das PAGE DTP-Typometer 2.0 mit allen typo-
den richtigen Schwung.   ant [1701]
grafischen Maßskalen gibt’s exklusiv bei uns im ↗  www.victionary.com/
page shop ↗ www.page-online.de/typometer   product/handstyle-lettering
page 10.17 059

Nicht nur zum Spielen


Mit den vier neuen Fonts der Wiener Foundry Schriftlabor
lässt sich alles Mögliche anstellen

2
060 page 10.17 › NeUeS

Papier
Modernes Büttenpapier. Zusammen mit der 1512 erstmals erwähn­
ten Papiermühle Zerkall entwickelte Metapaper ein Büttenpapier für heu­
tige Bedürfnisse. Craft heißt die Sorte, die sich gleichermaßen für Digi­
taldruck, Letterpress, Offset und Risographie eignet. Alle Craft­Produk­
te weisen einen umlaufenden Büttenrand auf. Kaufen kann man sie im
Metapaper­Shop: 100 Bogen im A3­Format kosten in einer Stärke von
100 Gramm rund 100 Euro, in 260 Gramm gut 130 Euro. ↗  www.meta
paper.io Neuer Inaplast-Musterfächer. Die Hart­PVC­Folie von
Papier Union gibt es in den Varianten Antireflex, glasklar glänzend und
Leuchtkastenfolie sowie transparent und weiß (die beiden Letzteren je­
weils mit mittlerer und hoher Deckkraft). Einsetzen kann man Inaplast
zum Beispiel für Banner, Mousepads, Kalender, Ausweise oder Etiket­
ten. Bedruckbar ist die Folie mittels Siebdruck, UV­Offset oder auch
im digitalen UV­Flachbettdruck. Der Musterfächer lässt sich per E­Mail
(siebdruck@papierunion.de) anfordern. ↗  www.papierunion.de

Gmund Wood
Der Grün­Trend inspirierte die Büttenpapierfabrik Gmund zu der
neuen Kollektion Wood in zwei Varianten: Solid, eine Weiterent­
wicklung von Gmund Savanna, erinnert an hochwertiges Massiv­
holz. Eine Holzmaserung ist spürbar in die Oberfläche eingear­
beitet. Veneer hingegen entspricht der Haptik und Optik von Holz­
furnier. Ein leicht glänzender Überzug verstärkt diesen Eindruck
und schützt das Papier zusätzlich.
Gmund Wood ist in neun Farben verfügbar und über Papyrus zu
beziehen. Die Farben sind nach echten Edelhölzern benannt – wie
Abura, Limba oder Tindalo – und lehnen sich an deren Tönungen
an. Die aus FSC­zertifiziertem Frischfaserzellstoff bestehende Sor­
te ist in Gewichten von 300 bis 500 Gramm erhältlich und eignet
sich für alle gängigen Drucktechniken.
Egal ob Packaging, Gruß­ oder Visiten­
Angelehnt an die
Farben von Hölzern
karte – Wood sorgt für die entschei­
aus der ganzen dende Note aus Wärme und Natürlich­
Welt: die Kollektion keit in der Kommunikation. ant
Gmund Wood ↗  www.gmund.com

Die PAGE Schneidematte mit Millimeterraster, Tastaturkürzeln


und wichtigen papierformaten finden Sie im page Shop.
Jetzt bestellen unter ↗  www.page-online.de/schneidematte  
page 10.17 061

Auf Äpfeln schreiben


Den beim Entsaften von Äpfeln entstehenden
Trester nutzt man normalerweise als Futter-
mittel oder Dünger. Lediberg kam auf die Idee,
die Schalen und Kerne für die Produktion von
Notizbüchern und Kalendern zu verwenden.
Bevor der Oxidationsprozess einsetzt, werden
die Apfelreste binnen eines Tages getrocknet
und zu Pulver vermahlen. Kombiniert mit aus-
gewählten Pflanzenfasern, entsteht so eine
Grundlage für Papier und Kunstleder. Das Apfel-
papier fühlt sich glatt und hochwertig an, die
daraus hergestellte Appeel-Kollektion vertreibt
Lediberg als B2B-Produkte ab einer Auflage
von 50 Stück. Neben Notizheften und Wochen-
kalendern gibt es auch Accessoires, zum Beispiel
Geldbörsen, Mappen oder Tablet-Taschen, die
sich bedruckt oder veredelt wunderbar als indivi-
dualisiertes Werbemittel nutzen lassen. ant
↗ www.lediberggroup.de/produkte/
kollektionen/appeel/

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062 page 10.17 › NeUeS

Technik High-End-Webcam-Bilder. Fotoka­


mera oder Camcorder als Webcam – dies
ermöglicht ein neuer Adapter­Stick von Elgato. Der Hersteller positio­
niert ihn als Live­Tool für Online­Gamer, er ist aber auch für viele andere
professionelle Anwendungen, etwa für hochwertige Live­Übertragun­
gen bei Webinaren, geeignet. Der Cam Link wird computerseitig per
USB, mit der Kamera über ein HDMI­Kabel verbunden. Voraussetzung
für den Einsatz ist, dass die Kamera über eine HDMI­Buchse (mittlerweile
Standard) verfügt und die Möglichkeit bietet, ein »bereinigtes« Vorschau­
bild zu senden – also ohne eingeblendete Parameter wie Batteriestatus
oder eingestellte Belichtungszeiten. Der Vorteil im Vergleich zu einer
herkömmlichen Webcam ist zum einen die deutlich bessere Qualität der
Aufnahmen, zum anderen die besondere
Bildästhetik, die nur mit den großen Sen­
soren hochwertiger Kameras möglich ist.
Der etwa 100 Euro teure Cam Link unter­
stützt macOS und Windows. ↗  www.
elgato.com/de/gaming/cam-link  

 TV-Mimikry 
Samsung läutet mit The Frame das En­ er als interaktiver Bilderrahmen. Was Aber zurück zur Gegenwart: The
de des klassischen TV­Geräts ein. Die zunächst bloß wie eine Designände­ Frame besteht aus einem Display in ei­
Samsungs
Koreaner verschmelzen dieses mit dem rung aussieht, dürfe den Screen fun­ nem klassischen Bilderrahmen in den
TV-Screen
Wohnungsinterieur und haben zudem damental verändern und neue Inhalte Farben Walnuss, Beige oder Weiß. Die
The Frame
integriert sich
eine Lösung für das Schwarze­Fläche­ erfordern: Von jetzt an ständig aktiv, Signale kommen über ein fast durch­
dezent in Problem parat, das inaktive Fernseher wird er wohl bald – mit Siri, Alexa oder sichtiges Kabel, das mit einer Box ver­
Wohnungen produzieren: TV­Inhalte zeigt The Fra­ Samsungs Bixby – zu einem universel­ bunden ist. Diese enthält den Empfän­
und Büros me nur bei Bedarf, ansonsten fungiert len Medienbutler avancieren. ger und die Elektronik und lässt sich
auch versteckt positionieren. Das Ge­
rät gibt neben dem TV­Bild in UHD
(3840 mal 2160 Pixel) entweder eigene
Still­ und Bewegtbildproduktionen wie­
der oder von Samsung zur Verfügung
gestellte digitale Kunstwerke. Ein Be­
wegungssensor erkennt die Anwesen­
heit der Bewohner und schaltet den
Screen bei leerem Haus ab. The Frame
gibt es in den Größen 55 oder 65 Zoll für
rund 2300 beziehungsweise 3200 Euro.
↗ www.samsung.com/de/tvs/
theframe/highlights
PAGE 10.17 063

1
Kleine Datenriesen
Bis zu 2 Terabyte fassen
Kurz vorgestellt
die schwarzen Modelle der 1 Kleine SSD. Samsung stellt neue kompakte
Portable SSD T5, bis zu SSD-Speicher vor. Das Portable SSD T5 besitzt
512 Gigabyte die blauen
Kapazitäten zwischen 250 Gigabyte und 2 Tera-
byte. Die maximale Übertragungsrate soll 540 Me-
gabit pro Sekunde betragen, sofern der Rechner
über USB 3.1 verfügt. Mitgeliefert werden Kabel
für USB-C und -A. Das Portable SSD T5 soll robust
sein und Stürze aus zwei Meter Höhe überstehen.
Mit einer Größe von 74 mal 73 mal 10,5 Millime-
Aus nächster Nähe tern passt es in die Hosentasche. Kostenpunkt:
Nur 12 Zentimeter Ent- zwischen 140 und 850 Euro. ↗ www.samsung de
fernung zur Leinwand 2 Kurzdistanzprojektion. Der LG Allegro ar-

benötigt der LG Allegro 2 beitet mit einem Laser und lässt sich mit seiner
für die Projektion Helligkeit von 1500 ANSI-Lumen auch für nicht
ganz abgedunkelte Räume nutzen. Die Auflö-
sung von 1080p und ein Kontrastverhältnis von
150 000 : 1 sollen für eine gute Bildqualität sor-
gen, die automatische Trapezkorrektur (vertikal
und horizontal) gibt Freiheit bei der Aufstellung
des kompakten Geräts. Für eine Bilddiagonale
von 2,54 Metern reicht ein Abstand von 12 Zenti-
metern. Der LG Allegro soll direkt nach der IFA
3 im September erhältlich sein. ↗ www.lg.com/de
3 Photoshop-Alternative. Mit Paint Shop Pro
2018 Ultimate ist eine neue Version von Corels
Bildbearbeitungssoft ware für Windows erschie-
nen. Das mit ungefähr 80 Euro relativ günstige
Kaufprogramm kann mit Vorlagen für das Text-
werkzeug, einem eigenen Screenshot-Tool, Multi-
Monitor-Unterstützung und einer integrierten
Dateiverwaltung Photoshop sogar in einigen Be-
Grafik- und
reichen übertreffen. Ansonsten überzeugt Paint
EBV-Profi
Paint Shop Pro
Shop Pro weiterhin mit seiner dualen Ausrich-
2018 Ultimate tung auf einerseits Bildbearbeitung und ande-
Großfoto
hat unter ande- Der imagePrograf
rerseits Erstellung von Grafiken. In der Ultimate-
rem ein neues PRO-6000 Version gehören die Raw-Bildbearbeitungssoft-
User Interface druckt Fotos bis ware AfterShot Pro sowie Painter Essentials zum
1,52 Meter Breite Lieferumfang. ↗  www.corel.de
4 von der Rolle 4 Großformatoffensive von Canon. Die Japa-
ner präsentieren zwei neue Scanner und einen
High-End-Großformatprinter. Die Scanner L36e
(36 Zoll) und L24e (24 Zoll) passen an die Groß-
formatdrucker imagePrograf MFP 770 oder 670
und machen aus diesen selbstständig arbeiten-
de Großformatkopierer. Der imagePrograf PRO-
6000 ist ein Fotoprinter mit 12 Pigmenttinten und
einer maximalen Druckbreite von 60 Zoll. Er soll
wie die Scanner im September erhältlich sein, die
5 Preise sind noch nicht bekannt. ↗ www.canon.de
5 Besserer Videoschnitt. Einige neue Funktio-
nen halten Einzug in Corel Pinnacle Studio 21:
Splitscreen-Video für die gleichzeitige Präsenta-
tionen mehrerer Videostreams, Werkzeuge für die
Weitwinkelkorrektur, Morph-Übergänge und ei-
ne Motion-3D-Titel-Erstellung. Pinnacle Studio
Schneller Film- und Videoschnitt gibt es in drei Editionen; nur die Ultimate-Varian-
Corel Pinnacle Studio 21 beherrscht jetzt Splitscreen-Video sowie te (circa 130 Euro) unterstützt die Formate XAVC,
Morph-Übergänge und verfügt über einen 3D-Titel-Editor DVCPro-HD und 4K-Video.↗ www.corel.de ml
064 page 10.17 › NeUeS

Publikationen
1  »Design-Pioniere«. Vor genau 117 Jahren entstand in Berlin die erste
deutsche Designagentur, die von F. H. Ehmcke und zwei Studienfreun-
den gegründete Steglitzer Werkstatt. Ihn und viele weitere Wegbereiter
modernen Grafikdesigns, deren Namen, Arbeiten und Lebensgeschichte
man kennen sollte, stellt dieser spektakuläre Bildband vor.
Autor ist Jens Müller, der schon die spannende »A5«-Reihe
zur deutschen Designgeschichte publizierte und aus des-
sen Sammlung viele der hier gezeigten Arbeiten stammen.
Verleger Matthias Hühne kennt man als Perfektionisten,
die Qualität der Reproduktionen ist exzellent. Es sieht aus,
Jens Müller: Design-
Pioniere. Die Erfin- als seien die Artworks gestern erst entstanden – was noch
dung der grafischen
Moderne. Berlin deutlicher macht, wie aktuell viele der Entwürfe nach wie
(Callisto publishers)
2017, 400 Seiten. vor sind. Ein Buch, das bei jedem Designinteressierten im
85 euro. ISBN 978-3-
9817539-3-6 Regal stehen sollte. [1581]

Gleich zwei neue Bücher über Design für Hotels gibt gestellten Hotels selbst besucht und wartet mit groß-
es – und es geht darin um mehr als nur Branding und flächigen Bildern auf. 3  »Boutique Hotels & Hos-
Gut beschirmt
schöne Innenarchitektur. Was die Branche brauche, tels« ist knapper gehalten, präsentiert aber deutlich
»It’s raining cats
and dogs«, heißt es
sei vorrangig »nicht Design, sondern ein neues Den- mehr Beispiele, aufgeteilt nach den Bereichen Gra-
in London – kein ken«, sagt Jochem Leegstra, Gründer und Kreativdi- fik- und Interior Design. Dazu kommen einige Inter-
Problem für Gäste rektor der Agentur . . .,staat, die The Student Hotel in views mit Gestaltern.
des Ampersand Amsterdam gestaltete: ein Zwischending aus Studen- Spannende Entdeckungen lassen sich in beiden
tenwohnheim und Hotel, mit Wasch- Publikationen machen. Beispielsweise die Art Series
salon, Baseballplatz und kostenlosen Hotel Group in Australien – die sechs Hotels, die da-
Fahrrädern für alle, die länger als einen zugehören, widmen sich jeweils dem Werk eines aus-
Monat bleiben. tralischen Künstlers. Oder Book and Bed Tokyo, wo
Weil Konzept und Design von The man in Alkoven zwischen Bücherregalen übernach-
Student Hotel so gelungen sind, fin- tet. Wer nicht so weit reisen will, kann ja einmal das
det man es auch in beiden Büchern. Hotel The Exchange in Amsterdam testen. Jedes der
Ansonsten sind die Publikationen äu- 61 Zimmer wurde individuell von Modedesignern ge-
ßerst unterschiedlich. Catherine Har- staltet, von 1-Stern- bis 5-Sterne-Zimmern ist für jedes
2 vey hat alle in 2  »Stay with me« vor- Budget etwas dabei.

Catherine Harvey: Stay with me. Brandlife: Boutique Hotels &


The most creative hotel brands in Hostels. Integrated brand
the world. Berkeley (gingko press) systems in graphics and space.
2017, 248 Seiten. 39,39 euro. Hongkong (viction:ary) 2017,
ISBN 978-1-58423-572-9 288 Seiten. 39,90 euro.
ISBN 978-988-777-463-1
page 10.17 065

Frisch geblieben
Links eine Anzeige aus dem Jahr 1927 von Karl Schulpig, bekannt für das bis heute nur leicht überarbeitete Allianz-Logo.
Daneben Plakate von Julius Klinger – seine vielseitigen Kampagnen für Tabu-Zigarettenpapier waren wegweisend

Ja, dies ist ein Hotel!


Aber ob man im kuscheligen Book and
Bed Tokyo vor lauter Lektüre
überhaupt zum Schlafen kommt?
066 page 10.17 › NeUeS › publikationen

Was wir fragen wollten


Florian Alexander Schmidt,
Designer und Researcher, Berlin
↗  www.florianalexanderschmidt.de

Billig-Logo-Plattformen sind ein wichtiges


Thema Ihrer Doktorarbeit am Londoner
Royal College of Art. Haben Sie diese Por-
tale von Anfang an skeptisch gesehen?
Florian Alexander Schmidt: Nein, ich wollte eher
tolle Möglichkeiten der Kollaboration aufzeigen.
Aber dann habe ich darin zunehmend eine Aus­
beutungsproblematik gesehen. Wobei es Unter­
schiede gibt: Marktführer 99designs ist der Fast­
food­Discounter mit 1,5 Millionen angemelde­
ten Designern, von denen sicher nicht alle aktiv
sind. Jovoto ist etwas hochwertiger und fairer,
bleibt aber eine Nische.

Wer lässt sich dort freiwillig ausbeuten?


Berufsanfänger, Designer, die sonst keine Kun­
4
den haben, Amateure. Die Globalisierung spielt
ebenfalls eine Rolle mit Mitgliedern etwa aus
Indien oder Indonesien. Manche sind auch digi­
tale Nomaden, die irgendwo am Strand sitzen. 2
Kann man denn sein Strandleben in
Thailand so finanzieren?
Eher nicht. Es ist eine typische Long­Tail­Kurve.
Ein paar verdienen, die anderen zahlen drauf. Wie
beim Lotto. Und wer bei 99designs einen Kunden
gefunden hat, muss für zwei Jahre alle Geschäfte
mit ihm über die Plattform abwickeln oder be­
zahlt 2500 Dollar Ablösesumme.

Was bringt Crowd Design dem Kunden?


Der Gegenwert für ein Logo liegt bei 99designs
im Durchschnitt bei 2,30 Euro. Viele laden des­
halb Stock­ oder Clipart hoch, ohne dass der Kun­
de es merkt. Andere Designer melden das, was
eine unangenehme Atmosphäre erzeugt. Man­
che Logos sind technisch sehr schlecht oder nicht
druckbar, andere durchaus gelungen.

Erkennen die Kunden das überhaupt?


Nicht unbedingt, viele sind von der Menge der
Beiträge überfordert und entscheiden sich am
Ende für die gruseligsten Arbeiten. [1582]

Florian Alexander Schmidt: Crowd Design. From Problem-Planet


Tools for Empowerment to Platform Capitalism. Stephanie Wunderlich über Verdrängung,
Basel (Birkhäuser) 2017, 256 Seiten. 49,90 euro. Tiziana Jill Beck und Johanna Benz über
ISBN 978-3-0356-1067-3 den gigantischen Verbrauch von Meeressand
page 10.17 067

Publishing-News
Markus Albers: Digitale Erschöpfung. Wie wir
die Kontrolle über unser Leben wiedergewinnen.
München (Hanser) 2017, 288 Seiten. 22 euro. 978-
3-446-25662-0. Dieses Buch dürfte wohl uns alle
angehen: Der Autor ist Co-Gründer der Berliner
Agentur rethink und der Beratungsplattform Neu-
work. Die Zukunft produktiver Arbeit sieht er mitt-
lerweile vor allem jenseits permanenter Erreichbar-
5 keit, ewiger Meetings und ständiger Kommunika-
tion über alle Kanäle.
4 Spring #14: Yo Future. Illustrationen, Comics

und Texte von 15 Zeichnerinnen. Hamburg (mai-


risch Verlag) 2017, 216 Seiten. 20 euro. 978-3-93
8539-46-0. In der aktuellen Ausgabe ihres Booka-
zines verarbeiten die Zeichnerinnen des Spring-Kol-
lektivs ihre ganz persönliche Sicht auf die Probleme
unseres Planeten – mit ungewöhnlichen Bilderge-
schichten. [1583]
5 Tony Nourmand & Graham Marsh: X-Rated

Adult Movie Posters of the 60s and 70s. London


(Reel art press) 2017, 368 Seiten. 39,95 euro. 978-
0-9566487-9-2. Nicht ganz jugendfrei, aber dafür
umso amüsanter ist dieser Rückblick auf die Zeit, als
(Soft-)Pornos im Programmkino liefen und bekann-
te Designer dafür die Poster gestalteten. Darunter
übrigens auch »Mad Men«-Vorbild Steve Frankfurt,
der die Plakatkampagne für den erotischen Kassen-
schlager »Emmanuelle« entwarf.
6 You’re Invited. Invitation Design for Every
Occasion. Berlin (gestalten) 2017, 256 Seiten.
39,90 euro. 978-3-89955-920-0. Ausgesprochen
einladend ist dieser Sammelband mit Einladungen
aller Art, ob zu Hochzeit, Jubiläumsparty einer Shop-
pingmall oder Fashion-Show.
John Bucher: Storytelling for Virtual Reality.
Methods and Principles for Crafting Immersive
Narratives. London (Focal press) 2017, 334 Sei-
Lasst Bananen sprechen
Edler Schwarzweiß-Look,
ten. 9781138629660. Mehr über den Autor, der für
hochwertige Fotografie: sein Buch mit Insidern aus erfolgreichen Medienun-
Plakat für einen zeitgeistigen ternehmen wie Lucasfilm, 20th Century Fox, Oculus,
Erotikfilm von 1973 Insomniac Games oder Google gesprochen hat, er-
fährt man unter www.tellingabetterstory.com.
Boris Brumnjak: Einhundert Zitate. 100 Post-
karten in einem Block. Berlin (seltmann+söhne)
6 2017. 29,80 euro. 978-3-944721-72-9. Lebens- und
Arbeitsweisheiten kreativer Köpfe von Lao-Tse bis
Mirko Borsche, gesammelt vom Berliner Designer
Boris Brumnjak. Beispiel: »Mache die Dinge so ein-
fach wie möglich, aber nicht einfacher«, sagte Albert
Einstein. Gilt auch für Gestalter. cg

Publikationen. Weitere Buchempfehlungen


für Kreative in Design und Development lesen
Sie auf ↗  www.page-online.de/buecher  

Diese Post geht nicht unter


Von Sarah Thorne gestaltete Einladungen PAGE eDossiers. Unsere eDossiers zu Themen
für Fashion-Events von Mulberry, rund um den kreativen Berufsalltag gibt es
rechts zum Selbstaufpusten unter ↗  http://shop.page-online.de/downloads  
PROJEKTE

Mariana Gütt (UX-Designerin),


Deborah Montag (Projektmanagerin),
Kjell Wierig (Digital Art Director),
Christopher Baumbach (Senior Creative
Engineer), Sam Bäumer (Junior
Creative Engineer) und Marie Lazar
(3D Artist) hatten ihren Arbeits-
platz im Demodern-Büro in Hamburg
direkt neben dem Ganzkörperflug-
simulator Birdly, um jederzeit
VR-Sequenzen testen zu können

Faszination
Fliegen
PAGE 10.17 069

PROJEKT Entwicklung der VR-Anwendung »Ulm Stories –


Der Traum vom Fliegen« für die Hardware Birdly
PARTNER Interactive Media Foundation, Berlin
↗  http://interactivemedia-foundation.com
Demodern, Hamburg ↗  www.demodern.de
wittmann/zeitblom, Berlin ↗  http://zeitblom.de
TECHNIK Somniacs Birdly, Unity, Visual Studio,
Programmiersprache C#, Shader-Programmiersprache
C for graphics (Cg), Sound-Engine FMOD,
3D-Grafiksuite Blender, Photoshop, ZBrush
ZEITRAUM Sommer 2016 bis Mai 2017

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● Kopfüber geht es abwärts durch die Wolkendecke,


im Sturzflug über Ulm anno 1890. Die Haare flattern.
Dass der Wind dazu aus dem Ventilator des Ganz-
körperflugsimulators Birdly von Somniacs aus Zü-
rich kommt, hat man nach Start der VR-Anwendung
gleich wieder vergessen, und auch die Brille spürt
man nicht mehr. Dort unten funkelt die Stadt in der
Morgensonne, mittendrin das fertige Ulmer Müns-
ter – nur sein Turm ist nach 500 Jahren Bauzeit noch
eingerüstet. Orgelklänge und Chorgesang hallen her-
auf, Kirchturmglocken läuten. Schon saust man flü-
gelschlagend durch die engen Gassen Richtung Do-
nau. »Das Fliegen fühlt sich so echt an, dass die High-
End-Technologie, die diese Illusion ermöglicht, völlig
in den Hintergrund tritt«, begeistert sich Ina Krü-
ger, Creative Director, beim Kreativ-Projektbüro In-
Wie ein Vogel durchs historische Ulm teractive Media Foundation (IMF) in Berlin, die das
Gesamtkonzept für »Ulm Stories« entwickelte.
fliegen: Die VR-Anwendung »Der Traum Rund ein Jahr dauerte es, bis aus der Idee dieses
berauschende Erlebnis hervorging. Den Beginn da-
vom Fliegen« macht’s möglich. Ungemein tiert IMF-Geschäftsführerin Diana Schniedermeier
auf das Frühjahr 2016: »Wir hatten von der Initiative
realistisch wirkt sie durch den robotik- ›Zukunftsstadt Ulm 2030‹ erfahren, mit der die Stadt
Ulm und ihre Bürger gemeinsam die Zukunft planen
gestützten Flugsimulator Birdly – und und digitale Anwendungen stärker in den Alltag ein-
binden wollen.« Das inspirierte das achtköpfige IMF-
durch ein extrem gut ausbalanciertes Team in Berlin zu einem technologisch herausfor-
dernden Multiplatform-Konzept, in dem sie unter
Rendering der Stadtszenerie anderem erstmals auch Virtual Reality einsetzten. Im
Sommer 2016 präsentierte die IMF dann die »Ulm
Stories – Geschichten einer Stadt« den potenziel-
070 page 10.17 › projekte › »Ulm Stories«

len Sponsoren und Verantwortlichen der Gemein- Am Prototyp testen alte Stadtkarten. Wie sah Ulm früher aus? Schließ-
de. Als gemeinnützige GmbH kreiert die IMF häufig Sam Bäumer, Marie Lazar, lich entdeckte sie eine Stadtkarte von Ulm um das
selbsttätig Konzepte, die sie dann mit Partnern, För- Mariana Gütt und Jahr 1890. Alles sollte möglichst authentisch ausse-
Deborah Montag das
derungen und anderen Sponsoren umsetzt. In die- hen: »Wir wollten mit dem 3D-Nachbau auch vor
Kollisionsverhalten
sem Fall fand sie in der Stadt Ulm und der Münster- Experten bestehen können.« Anhand der Karte war
gemeinde Ulm starke Partner, ohne die ein solch schnell auszumachen, welche Gebäude wichtig für
ehrgeiziges Projekt nicht umzusetzen wäre. Ziel war Ulms Geschichte waren. Mittelpunkt des Gesche-
es, mit einer in Deutschland einzigartigen VR-Flug- hens sollte das Ulmer Münster sein. Krüger berich-
simulation sowie einem iBeacon- und App-basier- tet: »Die restlichen Gerüste um die Türme des Müns-
ten 3D-Hörerlebnis und – zum Projektlaunch am ters, sind authentisch, denn 1890 wurden dort die
14. Juli 2017 – mit einem großen Multimedia-Live- Dank einem Ventilator, letzten Arbeiten durchgeführt. Außerdem sollten
Event im Münster die Geschichte der Stadt und ihrer der fest am Birdly sie dem Besucher vermitteln, wie die Menschen vor
Hauptkirche erlebbar zu machen. installiert ist, spürt der rund 227 Jahren gebaut haben.«
User den Flugwind
Die historische Recherche war das eine, das Vir-
Vor dem Konzept steht die Recherche im Gesicht. Mutige können
tual-Reality-Konzept das andere. Die Idee zu einem
auch waghalsigere
Als das Grobkonzept stand, machte sich Ina Krü- Manöver fliegen, zum Flug über die Stadt lag nahe, nicht nur weil das Ulmer
ger, Creative Director bei IMF, an die Recherche. Sie Beispiel unter einem Wahrzeichen ein Spatz ist, die Stadt steht auch für Pio-
wälzte Bücher im Stadtarchiv und nahm Einsicht in Brückenbogen hindurch niergeist: Hier lebte Albrecht Ludwig Berblinger, der
»Schneider von Ulm«, der mit seinem selbst gebauten,
den Flügeln der Eule nachempfundenen Hängeglei-
ter erste Flugversuche durchführte – und abstürzte.
Zuerst beschäftigte sich die Kreativdirektorin bei
ihrer Recherche mit der Frage: Mit welchen Hilfsmit-
teln kann man eigentlich in VR fliegen? Kontroller
oder Gestensteuerung fand sie nicht überzeugend:
»Wer fliegt schon im Stehen?« Dem Traum vom Flie-
gen kam das Gerät Birdly des Schweizer Herstellers
Somniacs da schon näher. »Wir wollten etwas Spekta-
kuläres. Und das war spektakulär. Das Flugerlebnis
mit Birdly entsprach ziemlich genau unseren Vorstel-
lungen«, freut sich Krüger. »Anfangs stand noch zur
Debatte, ob wir uns auf das Flugerlebnis beschrän-
ken oder vielleicht eine Storyline mit Hotspots kre-
ieren«, erinnert sie sich. Aber nach ihrem Besuch in
Zürich war ihr klar: »Das Gefühl des reinen Fliegens
ist so besonders, so einnehmend, dass dies die Haupt-
attraktion sein musste.« Der Flug über die historische
Stadt sollte ohne Vorgaben zu genießen sein, gänz-
lich frei – ohne Limitierungen wie unsichtbare Tracks.
»Es geht nicht darum, eine Guided Tour zu machen,
sondern um ein emotionales Erlebnis«, so Krüger.
Erst nachdem diese Rahmenbedingungen geklärt
waren, setzte sich die Kreativdirektorin in Berlin an
page 10.17 071

die Dramaturgie, um die VR-Anwendung in den Ge- Das Interactive-Media- modern bereits unter Beweis gestellt hatte, dass sie
samtkontext mit Live-Event und 3D-Hörerlebnis zu Foundation-Team im Bereich Virtual Reality frühzeitig fundiertes
bringen. Sie stellte sich vor, dass die Anwendung im Birdly-Raum in Ulm Know-how aufgebaut hat. Mit dem Birdly hatte De-
(von links): Florian
neben einem möglichst detaillierten, dreidimensio- modern jedoch noch nie gearbeitet. Neugierig auf
Köhler (Projektmanager),
nalen Nachbau der Häuser auch klangliche Attraktio- das Neuland, stürzte sich das sechsköpfige Team –
Diana Schniedermeier
nen bieten sollte. Glockengeläut, Orgelmusik und (Produzentin), Ina Krüger
bestehend aus den Disziplinen Unity Development,
kirchliche Choräle sollten den Fliegenden magne- (Creative Director), 3D Art, User Experience (UX) und Visual Design so-
tisch zum Münster zurückziehen, damit sie sich nicht Thorsten Schwarck wie Projektmanagement – im November 2016 in die
in der Peripherie der Stadt verlieren. Für die Akus- (Projektmanager) und Arbeit. Anwendungen für Birdly gab es bis dato erst
tik- und Sounduntermalung engagierte die IMF dann Saskia Kress eine, die vom Hersteller selbst entwickelt wurde.
(Produzentin)
die Hörspiel- und Filmmusikspezialisten wittmann/ »Wir haben uns in Berlin bei IMF einen Flug über
zeitblom aus Berlin. New York angeschaut, der zwar ganz gut, aber in
unseren Augen noch nicht optimal war«, so Projekt-
Virtuelle Stadtplanung managerin Deborah Montag.
Die Entwicklung der VR-Anwendung legte die IMF »Zuerst wollten wir uns persönlich einen Ein-
vertrauensvoll in die Hand der Digitalagentur De- druck über die Stadt verschaffen, denn die alten Bü-
modern in Hamburg, nicht nur weil man durch per- cher und auch die Karte waren schwarzweiß ge-
sönliche Kontakte verbunden war, sondern weil De- druckt. Damit waren weder Material, noch Farbe

Für die erste Prototyping-


Szene holte sich Christopher
Baumbach, Senior Creative
Engineer bei Demodern, die
Ausmaße der Stadt, des
Münsters und der Häuser
aus dem Web und baute
für den ersten Flug in
ein paar Stunden rudi-
mentäre Strukturen –
ohne jegliches Artwork
und Form der Häuser zu erkennen«, erklärt Ma- Im Prototyping modelte als auch klassizistische Häuser, die Marie Lazar nach
rie Lazar, 3D Artist bei Demodern. Die Amerikane- 3D Artist Marie Lazar dem damaligen sozialen Umfeld zu Vierteln zusam-
rin studierte Game Design und Kunst an der Michi- ein Haus komplett aus, mensetzte, mal aufwendiger, mal einfacher model-
checkte dessen Render-
gan State University und arbeitet seit drei Jahren in liert. Dazu elf sogenannte Hero-Häuser, vom Ulmer
zeit und wusste damit,
Hamburg. Um einen realistischen Eindruck zu be- wie weit sie jedes der
Münster über das Rathaus und Einsteins Geburtshaus
kommen, fuhr sie gemeinsam mit UX-Designerin Häuser ausgestalten bis hin zur im Zweiten Weltkrieg zerstörten Synago-
Mariana Gütt und Deborah Montag in die Geburts- konnte, ohne das Ren- ge oder dem Schwörhaus, die Marie Lazar in müh-
stadt Albert Einsteins. »Ich schoss unzählige Fotos derbudget der Echt- seliger Kleinarbeit in Blender ( www.blender.org )
vom Ulmer Münster herunter, um ein Gefühl für den zeit-VR-Anwendung und ZBrush (http://pixologic.com) modelte, in Pho-
Aufbau der Stadt zu bekommen, und Close-ups von zu überschreiten toshop texturierte und in Unity platzierte – Fotos
Häuser- und Straßenoberflächen nutzte ich später von Pflasterstraßen und von der Stadtmauer liefer-
als Textur«, erinnert sich Lazar. ten beispielsweise die Textur für den Metzgerturm.
Mariana Gütt ergänzt: »Wir haben uns natürlich Weitere 6000 Objekte wie Bäume, Tiere, Kutschen,
auch umgeschaut, welche Häusertypen es gibt, und Stege und so weiter dienen der Dekoration und sind
dann gemeinsam eine Typologie erstellt.« Herausge- teilweise zugekauft und modifiziert.
kommen sind 45 Häusertypen, die den Grundstock
für die rund zweitausend historischen Gebäude bil- Abstriche machen
den – variiert mit unterschiedlichen Texturen sowie Damit die VR-Anwendung auch in puncto Perfor-
Fenstern und Türen aus den Fotos. Es gibt in der VR- mance überzeugte, arbeitete Marie Lazar eng mit
Anwendung sowohl spätgotische Fachwerkhäuser Senior Creative Engineer Christopher Baumbach zu-

Fotos von Pflaster-


straßen und der Ulmer
Stadtmauer lieferten
unter anderem die
Textur für den histori-
schen Metzgerturm
page 10.17 073

Im Jahr 1890 war der


Turm des Ulmer Münsters
noch eingerüstet. Dank
detaillierter Recherche
gibt die VR-Anwendung
auch einen Einblick in den
damaligen Gerüstbau

sammen, um die Balance zwischen Details und Per-


formance sicherzustellen. Für das Prototyping mo-
delte Marie Lazar ein Haus komplett aus – erst die
Grundform, auf die sie dann die Textur und Details
mappte. Baumbach checkte dessen Renderzeit und
wusste damit, wie weit Lazar jedes der Häuser aus-
gestalten konnte, ohne die Rechenzeit der Echtzeit-
VR-Anwendung zu sprengen. »Man muss frühzeitig
den kompletten Durchstich machen und testen, auf
welchem qualitativen Level man überhaupt arbei-
ten kann, so spart man sich viel Arbeit«, erklärt Baum-
bach, der als Coder kontinuierlich das Render-Bud-
get (siehe Seite 74) und damit die Performance im
Hinterkopf hatte.
Das verfügbare Render-Budget von 11 Millisekun-
den pro Einzelbild müssen 3D-Artist und Program-
mierer gemeinsam sorgsam verwalten. Schließlich
muss die komplette 3D-Szenerie mit 8000 Objekten VR-Konzept verfeinern
kontinuierlich 90 mal pro Sekunde gerendert wer- Auch die sinnvolle Begrenzung des Flugareals zu gab
den, um das Erlebnis flüssig und attraktiv darstellen dem Team zu denken, schließlich man konnte die
zu können – dabei kostet ein Baum bereits zwei, die Stadtgrenze und die Landschaft nicht unendlich wei-
Schornsteine circa 1,5 Millisekunden. »Reduziert tergestalten. Im Grobkonzept waren einmal drei La-
haben wir beispielsweise Fensterläden und Fenster- yer angedacht gewesen: Dabei sollte die Stadt um
bänke, damit die Echtzeit-Performance nicht leidet«, xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
das Münster herum sehr definiert und fein und zur
erklärt Unity-Spezialist Baumbach, der auch die Pro- Peripherie hin immer weniger ausmodelliert wer-
grammiersprache C# und die Shader-Programmier- »Man muss den. »Das haben wir unterlassen, weil diese schlech-
sprache C for Graphics beherrscht. Das Ergebnis frühzeitig te Qualität im Modeling die gesamte Experience ve-
wurde regelmäßig im agilen Workflow von Art- und hement stört«, erklärt UX-Designerin Mariana Gütt.
Kreativdirektoren sowie der verantwortlichen UX-
testen, auf Und doch war die Peripherie lange ein Problem.
Designerin Mariana Gütt geprüft. Alle drei bis vier welchem Sollte man langsam von der Landschaft in Raster
Wochen fand außerdem ein Review Meeting mit qualitativen übergehen, um dem ausbrechenden User zu zeigen,
IMF statt, bei dem Ina Krüger die Zwischenergeb- Level man dass er in die Stadt zurückkehren sollte? Oder den
nisse genau checkte. Gegenwind verstärken? Darüber gab es lange De-
»Manchmal tut es wirklich weh, zwischen künst-
überhaupt batten. »Wenn in der Virtual Reality Bewegungen
lerischem Anspruch und Limitierung zu entschei- arbeiten passieren, die nicht der User selbst verursacht, be-
den«, räumt Marie Lazar ein. Das ist das Schicksal kann – steht ganz schnell die Gefahr der Motion Sickness«,
eines 3D Artists. »Gerade das Ulmer Münster hat so so spart man weiß Christopher Baumbach aus Erfahrungen im
viele Schnörkel, Bögen und Schmuckelemente, die- Gamedesign. Also verwarf man diese Idee, zuguns-
se musste ich in unendlich scheinenden Stunden sich viel ten eines makellosen Flugerlebnisses. »Stattdessen
vereinfachen, also Polygone reduzieren, damit sie Arbeit« wird nun die Landschaft immer langweiliger – hier
nicht so viel Render-Budget fressen.« Das ist Marie Christopher Baumbach, und da ein Haus, ein paar Schafe, das war’s. Da kehrt
Lazar gelungen. Sie hat das Münster von ursprüng- Senior Creative jeder um«, lacht Mariana Gütt. Aber auch Stadtmauer
lich 300 000 auf knapp 160 000 Polygone reduziert, Engineer bei Demodern und die Donau bilden eine Art natürliche Grenze,
und dennoch hat man nicht den Eindruck, dass die in Hamburg und ein Glockenschlag vom Münster erinnert den
Gebäude nicht ausmodelliert wären. User auch klanglich daran, umzudrehen.
074 page 10.17 › projekte › Vr-anwendung »Ulm Stories«

Über das Interaktionsverhalten brauchte sich die


User-Experience-Designerin keine Gedanken zu ma-
chen, denn dieses war von der Hardware vorgege-
ben. Wie beim Fliegen muss der User mit den Flü-
geln schlagen, um Höhe und Geschwindigkeit zu
erlangen. Stellt er die Handflächen nach hinten, ge-
winnt er an Höhe, dreht er sie nach vorn, geht er in
den Sinkflug. Man kann den Körper drehen, um
rechts und links zu fliegen. Also kein Problem, die
Bedienung ist intuitiv, erschließt sich jedem. Die Ge-
schwindigkeit ist relativ rasant. Somniacs hat diese
nach User-Tests festgelegt. »Würde man langsamer
fliegen, hätte man das Gefühl, man würde jederzeit
herunterfallen«, bestätigt Mariana Gütt.
Natürlich besteht bei einem derart dynamischen
Flug die Gefahr der Kollision. »Auf keinen Fall woll-
Was ist eigentlich ein ten wir den Flug dadurch stoppen«, so Gütt. Sie woll-
te User nicht zwingen, dann einen Reset-Knopf drü-
Render-Budget? cken zu müssen, um den Flug wieder von vorn zu be-
Virtuelle Echtzeiterlebnisse wie »Ulm Stories – Der Traum ginnen. »So ein abruptes Ende gibt dem User zudem
vom Fliegen« müssen flüssig laufen, verfügen aber nur das Gefühl, wie ein Pfeil in der Wand zu stecken«,
über eine begrenzte Rechenleistung. Für 3D Artists heißt es fügt Christopher Baumbach hinzu. »Deswegen ha-
dann oft Abschied nehmen von lieb gewonnenen Details ben wir das verändert und gerade diesbezüglich ein
sehr positives Feedback der Birdly-Hersteller erhal-
● Das Rendern (Zeichnen) einer 3D-Grafik in Echtzeit funktio- ten«, sagt Projektleiterin Deborah Montag. Bei ei-
niert in etwa wie ein Daumenkino. Viele Einzelbilder in schneller ner Kollision mit einem Schornstein oder Gebäude
Abfolge ergeben ein realistisches Bewegtbilderlebnis – je wird das Bild nun kurz schwarz und baut sich an-
mehr Einzelbilder, desto flüssiger. Ihre Zahl wird in Frames per schließend auf einer höheren Ebene in einer soge-
Second (fps) gemessen. Im Games-Bereich halten sich seit nannten Safe Zone wieder auf, sodass der User nach
Langem 30 oder 60 fps als Standard, was für die Wiedergabe wenigen Augenblicken weiterfliegen kann, ohne Ge-
auf handelsüblichen Bildschirmen ausreicht. In Virtual-Reality- fahr zu laufen, gleich wieder zu kollidieren. In User-
Anwendungen liegt der aktuelle Standard bei 90 fps, denn Tests bei Demodern haben die Teilnehmer diese po-
selbst minimale Kopfbewegungen verändern den Blickwinkel sitive Experience bestätigt.
und müssen direkt aufs Auge übertragen werden. Erst ab
90 fps lässt sich Motion Sickness vermeiden, die entsteht, wenn Das explorative Arbeiten
zu wenige Frames die Bewegung quasi verzögert darstellen. hat sich gelohnt
Teilt man eine Sekunde in 90 Einzelbilder auf, ergibt sich Alle diese Herausforderungen waren bis zur Fertig-
eine Anzeigedauer von 11 Millisekunden pro Einzelbild. Da stellung Ende Mai 2017 in eine Lösung gemündet,
in Virtual-Reality-Anwendungen allerdings ein Bild pro Auge mit der auch das Kreativ-Projektbüro IMF glücklich
benötigt wird, um einen dreidimensionalen Eindruck zu ist. »Wir haben eine Menge Learnings aus dem De-
erzeugen, müssen in dieser Zeitspanne zwei Bilder berechnet signprozess mitgenommen. Es war ein sehr proto-
werden. Tatsächlich sind also 180 Einzelbilder erforderlich. typisches und exploratives Arbeiten«, resümiert De-
Bei dieser extrem kurzen Zeitspanne handelt es sich um die borah Montag zufrieden. Sie würde sich ein wenig
verfügbare Renderzeit. Unter 3D Artists und Entwicklern mehr Rechenpower wünschen, um mehr Ambiente
spricht man daher vom Render-Budget. wie Menschen und Tiere in Bewegung unterzubrin-
Liegt die gesamte Renderzeit einer VR-Szenerie beispiels- gen. Doch auch ohne solche Gimmicks ist der Flug
weise bei akzeptablen 10 Millisekunden und ein weiteres ein tolles Erlebnis, was auch die IMF und der Birdly-
detailliertes Gebäude, das 2 Millisekunden beansprucht, soll Hersteller Somniacs bestätigen. ae [1244]
hinzugefügt werden, würde das Render-Budget um eine
Millisekunde überschritten werden. Dann muss man zwangs-
BIRDLY-FLug üBeR uLm – ganz ReaL!
läufig die Berechnungszeit verkürzen, indem man entweder
andere Objekte aus der Szene entfernt oder den Detailgrad ● ausprobieren kann man den Birdly mit der echt-
reduziert. Um die Renderzeit für jedes Element exakt zu zeit-Vr-anwendung »Ulm Stories – Der traum vom
bemessen, setzt man sogenannte Profiler ein, die Game- Fliegen« in einem von der Interactive Media Foun-
dation und dem Interior-Design-atelier Boucherie &
Engines wie Unity oder CryEngine mitbringen.
Vollmert gestalteten raum in der kramgasse 3 in
So oder so, die Summe der individuellen Renderzeiten aller
direkter Nähe zum Ulmer Münster. Für 5 euro können
darzustellenden Objekte, Effekte et cetera darf das Render- Flugbegeisterte eine runde über dem historischen
Budget nicht überschreiten, sonst kann man die in VR absolut Ulm drehen und durch die gassen schweben.
kritische, flüssige Wiedergabe nicht gewährleisten. ae ↗  https://is.gd/ulmstoriestickets
page 02.14aNzeIge
223

pRaXIS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Infografik
Visual Storytelling –
Workflows &
Cases
NEUER
TERMIN!

Die Referenten Das Seminar »Infografik«


● Klaas Neumann und Jakub Chrobok arbeiten ● Die Infografik erlebt einen wahren Boom: in Magazinen und Zeitungen
im Team der Infographics group (Igg, vormals ebenso wie in Geschäftsberichten und Firmenpräsentationen, in Internet
golden Section graphics gmbH), einer der und TV. Damit entwickelt sich ein überaus vielseitiges, grenzüberschreitendes
renommiertesten Infografikagenturen weltweit. Tätigkeitsfeld für Grafik- und Kommunikationsdesigner, für Illustratoren
Seit über zehn Jahren bewegen sie sich im und Fotografen, für Interaction Designer und Animation Artists. Infografiken
Bereich der Informationsvermittlung auf allen können vielschichtige Inhalte direkt veranschaulichen. Doch je schneller
plattformen: Jakub Chrobok, zuvor Leiter des und komplexer die Kommunikation insgesamt wird, umso achtsamer muss
Visual Lab bei C3, ist jetzt als Creative Director der Kreative bei der Datenaufereitung vorgehen. Mit einer ästhetisch
bei Igg und Dozent an der aID Berlin tätig. faszinierenden Visualisierung ist es nicht getan, es geht um Inhalte, Einsichten
Klaas Neumann, Senior art Director bei Igg, war und die Macht des Bildes. Und genau hier liegt denn auch für Jakub Chrobok
Infografiker und Illustrator bei den gruner + Jahr und Klaas Neumann die eigentliche Herausforderung. Es wird immer
Wirtschaftsmedien (unter anderem bei »Capital« anspruchsvoller, gute und verlässliche Quellen zu finden, um einen Sach-
und »Financial Times Deutschland«). verhalt korrekt und unverfälscht wiederzugeben. Der Grafik- und Kommu-
nikationsdesigner ist schon lange nicht mehr nur reiner Gestalter, er ist
Die Agenda zugleich Journalist und wird gerade durch den gezielten Einsatz von Illustra-
tion zum visuellen Geschichtenerzähler.
1 Das Wesen der Infografik –
Stärken und Schwächen Jakub Chrobok und Klaas Neumann erläutern im PAGE Seminar anhand
Was kann und muss eine Infografik leisten, und von konkreten Praxisbeispielen, wie eine Infografik entsteht – von der
wie setzt man sie sinnvoll ein? Was unterschei- Recherche über die Skizze bis hin zu Reinzeichnung und Animation. Sie
det eine journalistisch geprägte grafik von einer bieten tiefe Einblicke in die Arbeit eines Infografikers und beleuchten
Visualisierung in der Unternehmenskommuni- das Spannungsfeld zwischen reiner Information und guter Gestaltung –
kation? Wie können Illustrationen die Wirkung wertvolles Know-how von Designprofis für Designprofis!
und aussage einer Infografik beeinflussen?

2 Vom Briefing über die Recherche zur Das Seminar findet am 17. November bei der Infographics
Umsetzung – Cases, Prozesse, Strategien group (vormals golden Section graphics) in Berlin von 9:00 bis 17:30 Uhr
Wie müssen die Basisinformationen für ein gutes statt. Die Teilnahme kostet 756 euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.). Die
Briefing aufbereitet sein? Wie kommt man an gebühr umfasst die Tagungskosten, Lunch und Kaffeepausen. Die Teilneh-
die relevanten Daten und damit auf die richtige merzahl ist auf 20 personen begrenzt! also schnell anmelden unter  
Idee? Ist weniger mehr oder mehr Information www.page-online.de/seminar  .
hilfreicher? Wie gewinne ich den Kunden für die
Idee? Wie läuft die abstimmung mit ihm? Der PAGE Workshop lässt genug Zeit für Fragen und den
Austausch der Teilnehmer untereinander.
3 Animation, Interaktion, Social Media –
die Wahl der Mittel und ihre Kalkulation
Wie setze ich Infografiken viral und crossmedial ein? page // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Ist eine statische oder eine interaktive, animierte Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar  
grafik besser? Wie gestalte ich den Workflow und aufgrund der auf 20 personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die anmeldungen in der
habe die unterschiedlichsten Nutzungsarten im Reihenfolge der eingänge der zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der anmeldung an.
Sie ist sofort nach erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne abzug zu überweisen.
Blick? Wie kalkuliere ich eine Infografik? Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis).
076 page 09.17 › projekte › orwell

Animierte Typo: Teile des G


fliegen ins Bild, gefolgt
vom A. Ganz kurz erscheint
der Schriftzug »Game
Awards 2016« komplett,
bevor er sich wieder auflöst

Stör
page 10.17 077

typo
In after effects gestalteten Jeroen Krielaars
und Jesper Bolther eine temporeiche Typo-
animation für die game awards Show 2016
078 page 10.17 › projekte › animierte typo

Oben: Das in After Effects


erzeugte Verzerrungs-
system sorgt dafür, dass
der Schriftzug »Game
Awards 2016« unlesbar
wird. Im Hintergrund der
Animation ist ab und zu
die Statue zu sehen, die bei
dem Contest verliehen
wird. Unten: Mit Hochdruck
arbeiteten Jesper Bolther
in Kopenhagen (links) und
Jeroen Krielaars in Amster-
dam an dem Projekt
page 10.17 079

ne andere Idee: Er arbeitete an einem individuellen


Projekt Animierter Custom Font für die Game Awards Verzerrungssystem, das er über die Typo legen woll­
AuftrAggeber Geoff Keighley, Gründer und Veran- te. Eine Weile diskutierten die beiden, welcher An­
stalter der Game Awards ↗ http://thegameawards.com
satz der geeignetere wäre. Da sie sich nicht einigen
Designer Jeroen Krielaars, Gründer der Foundry
konnten, versuchten sie, beide Konzepte zu kombi­
Animography und des Designstudios Calango, Amster-
dam ↗ www.animography.net ↗ www.calango.nl
nieren. »Wir stellten fest, dass sie perfekt zusam­
Jesper Bolther, Gründer des Design- und Animations- menpassten«, meint Krielaars. »So bekam das ganze
studios Friction, Kopenhagen ↗ www.friction.dk Projekt etwas Tänzerisches und zugleich mehr Kom­
tools Papier, Stifte, Adobe Illustrator und After Effects plexität – es sah einfach cool aus.«
ZeitrAum Mitte bis Ende November 2016
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Buchstaben purzeln und verzerren sich
In Kopenhagen machte sich Jesper Bolther daran,
● Ein Abend, dann war alles vorbei. So lange dauerte xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx die Animation der Brown zu verfeinern. Bevor die
die Game Awards Show letzten Dezember in Los An­ Worte »Game Awards« in Brown Light erscheinen,
geles. Die animierte Typo für die Präsentation der »Als Jesper purzeln Buchstabenteile der Bold ins Bild, rücken
Kategorien, der Nominierten und der Sieger zu er­ und ich an die gewünschte Position und verschwinden wie­
stellen hatte deutlich mehr Zeit in Anspruch genom­ unsere der. »Indem wir für die Brown Bold untypische For­
men. Geoff Keighley, Gründer der Game Awards, men wählten und sich diese in der Animation auch
die jedes Jahr die international besten Computer­ Ideen kom- noch leicht verzerren, sah das Ergebnis ein bisschen
spiele auszeichnen, hatte sich für die Title Graphics binierten, aus wie eine Alien­Schrift oder unlesbarer Compu­
eine besondere Typo gewünscht – und sich deshalb bekam das tercode, während die Proportionen des leichten
an Animography aus Amsterdam gewandt. ganze Schnitts erhalten blieben«, so Jesper Bolther.
Gegründet von Motion Designer Jeroen Krielaars, In Amsterdam arbeitete Jeroen Krielaars unter­
der auch das Designstudio Calango betreibt, bietet Projekt dessen an dem Verzerrungssystem. Dieses sollte es
die Foundry skalierbare animierte Fonts als After­ etwas den Designern ermöglichen, später nur einmal die
Effects­Dateien an. Geoff Keighley gefiel die bei Ani­ Tänzerisches einzelnen Buchstaben des Alphabets eingeben zu
mography erhältliche, von Jesper Bolther entwor­
fene Schrift Friction – die dieser auch als Corpo­
und zugleich müssen, um dann animierte Wörter durch bloßes
Tippen der Lettern erzeugen zu können. Dafür nutzte
rate Font für sein gleichnamiges Animations­ und mehr Kom- Jeroen Krielaars vor allem den »Versetzen«­Effekt
Designstudio in Kopenhagen einsetzt –, wollte aber plexität – von After Effects, der sich sehr gut für dynamische
für die Preisverleihung gern etwas Eigenes, Exklusi­ es sah Animationen eignet (siehe Seite 80 f.).
ves. Also beauftragte er die beiden Kreativen mit der
Entwicklung eines animierten Custom Fonts.
einfach Vom A zum kompletten Alphabet
cool aus« Das Ergebnis war tatsächlich das gewünschte Verzer­
Geometrische Schrift als Basis Jeroen Krielaars, rungssystem, das Jeroen Krielaars dann gemeinsam
Zunächst probierten Jeroen Krielaars und Jesper Bol­ Gründer der Foundry mit Jesper Bolther mit Variablen und Expressions
ther verschiedene Schriften aus und entschieden sich Animography und (eine Art von Scripting für Ebeneneigenschaften in
schließlich, die bei Lineto erschienene Brown Light des Designstudios After Effects) statt mit festen Werten versah. Auf die­
von Aurèle Sack als Grundlage für die Animation zu Calango, Amsterdam se Weise konnten sie zum einen Farben und Verzer­
nehmen. »Brown ist supergeometrisch und mit ih­ rungen jederzeit unkompliziert anpassen, zum ande­
ren geraden Linien einfach zu stretchen und zu be­ ren das ganze Alphabet generieren. Nach dem ers­
wegen. Andere Fonts, die wir getestet hatten, sahen ten Durchlauf mit dem A erzeugten sie alle weiteren
zwar optisch geometrisch aus, hatten aber, um dies Zeichen und schufen so eine Bibliothek bewegter
zu erreichen, viele visuelle Korrekturen in den Buch­ Buchstaben, mit der sie alle benötigten Wörter ani­
staben«, erzählt Jeroen Krielaars. Um die Themen mieren konnten.
Gaming und Award Show aufzunehmen, sollte die Um die horizontale Bewegung zu betonen und
Animation verspielt, aber zugleich auch anspruchs­ der Typo einen filmischen Touch zu verleihen, stell­
voll wirken – in Kopenhagen und Amsterdam be­ ten sie das Spacing sehr hoch ein, sorgten also für

gannen die Köpfe zu rauchen. viel Abstand zwischen den einzelnen Buchstaben.
Jesper Bolther beschäftigte sich vor allem mit der Geoff Keighley war von den Title Graphics begeis­
Schrift selbst, nahm Teile der Buchstaben des Bold­ Typoanimation für die tert, ebenso die Teilnehmer der Game­Awards­Zere­
Game Awards 2016.
Schnitts hinzu und kombinierte sie mit der Light­ monie. Die diesjährige Show, die am 7. Dezember
Die Title graphics sehen
Version. »Am Ende der Animation steht die Light, Sie unter ↗  https://
wieder in Los Angeles stattfindet, wird sich strecken
aber davor tauchen immer wieder Elemente der Bold animography.net/ müssen, um die Animation von Jeroen Krielaars
auf«, so Jesper Bolther. Jeroen Krielaars verfolgte ei­ products/game-awards und Jesper Bolther zu toppen. ant [1723]

In der Animation durch-


läuft das A unter-
schiedlichste Stadien der
Zerstörung
080 page 10.17 › projekte › animierte typo

Flexibles Versetzen
Wie Jeroen Krielaars
und Jesper Bolther in After
Effects das Verzerrungs-
system für die Animation
der LL Brown entwickelten

● Für das typografische Verzerrungssystem nutzte


Jeroen Krielaars in erster Linie den »Versetzen«-Ef-
fekt von After Effects. Das Schöne an diesem Effekt:
Hier die beiden Schnitte der Brown des Lausanner Designers Aurèle Er ist äußerst flexibel. Zwar legt man zunächst die
Sack (  www.aurelesack.com  ), wobei in der Animation zuerst nur die Bold Art und die Stärke der Versetzung fest – wie sehr
auftaucht, die Light ist noch durch eine Maske verdeckt und an welcher Stelle sich diese Parameter aber auf
die aktuellen Frames auswirken, hängt von einer Ver-
schiebungsebene ab. Diese besteht einfach aus einer
Maske mit Farbwerten, die die Stärke des Effekts be-
stimmen: Weiß (255) versetzt die Buchstaben mit ma-
ximaler Stärke in die eine Richtung und Schwarz (0)
mit derselben Stärke in die entgegengesetzte Rich-
tung, Grauwerte wirken sich ihrem Tonwert entspre-
chend aus. Das bedeutet, ein Neutralgrau von 128
befindet sich in der Mitte und hebt den Effekt auf.
Jereon Krielaars legte den »Versetzen«-Effekt so
an, dass er sich horizontal von links nach rechts aus-
wirkt: Bei einer aus horizontalen Streifen bestehen-
den Verschiebungsebene werden immer nur Teile des
betreffenden Buchstabens versetzt. Einige komplett,
die vor Grautönen etwas weniger. Weiß enthält die
Ebene nicht, sodass die Verschiebung nur in eine
Richtung geht. Faszinierend jedoch wird der Ver-
Der Ausgangspunkt eines animierten Buchstabens – mit zerrungseffekt dadurch, dass Krielaars die Verschie-
ausgewählten Elementen des G in Brown Bold bungsebene animierte. In zufälliger Abfolge wech-

Mithilfe einer Verschie-


bungsebene (linke Seite
oben) sorgt Jeroen Krie-
laars dafür, dass sich der
»Versetzen«-Effekt von
After Effekts unterschied-
lich stark auf einen Buch-
staben auswirkt. Das heißt,
einige Bereiche werden
mehr verzerrt als andere
Die Verschiebungsebene
(links) legt fest, wie sehr
und an welcher Stelle der
Buchstaben verzerrt wird –
Schwarz bewirkt eine
starke und Grau eine
schwächere Verzerrung.
Oben: Die aus der Ver-
schiebungsebene gene-
rierte Luma Matte dient
zum Abdecken der nicht
verzerrten Bereiche

seln die Linien von Schwarz zu Grau und zurück. Das


führt zu einer organisch wirkenden Animation.
Bei der Umsetzung machte sich Jeroen Krielaars
eine Eigenart der Verschiebungsebene zunutze. Um
sie zu erstellen, hatte er zunächst den »Noise«-Filter
in After Effects mit einem »Mosaik«-Effekt kombi-
niert. Wenn man das Ergebnis stark genug skaliert,
entstehen Blöcke, skaliert man auf der x-Achse wei-
ter, werden daraus die horizontalen Linien, die der
Designer für die Verschiebungsebene benötigte. Die-
se Bearbeitungsschritte lassen sich variieren, sodass
aus der einfachen Verschiebungsebene schließlich
eine animierte wird. Als Nächstes legte Krielaars die
Komposition mehrfach in einem Stack übereinan-
der und verstärkte sie ansteigend auf jeder weiteren
Ebene. Die oberste erhielt dann die finale Farbe, die Die Animation des Zeichens besteht aus mehreren Ebenen,
unteren eine andere, sodass die Buchstaben aus der von denen die unteren türkis eingefärbt werden und erst die
oberste dem Buchstaben die finale Farbe Rot gibt
Tiefe aufzusteigen scheinen.
Den Gesamteffekt verstärkte Jeroen Krielaars mit-
hilfe einer Luma Matte, die über die Helligkeitswer- verzerrten abgedeckt werden (Schwarz). Zuletzt ver- Mit insgesamt 16 Ebe-
te die darunterliegende Ebene maskiert. Diese Mas- sahen Jeroen Krielaars und Jesper Bolther das Ver- nen wird die Verzerrung
ansteigend stärker
ke erzeugte er einfach aus der Verschiebungsebene. zerrungssystem mit Variablen und Expressions – eine
auf den Buchstaben
Dazu wandelte er deren Grauwerte in reines Schwarz Art von Scripting für Ebeneneigenschaften in After angewendet – was
und Weiß um. So bleiben die verzerrten Anteile der Effects – und generierten so nach und nach eine gleichzeitig zu einer
Buchstaben stets sichtbar (Weiß), während die un- ganze Bibliothek bewegter Buchstaben. ant Beschleunigung führt
082 page 10.16 › projekte

Nachwuchs
Spannende Projekte aus Hochschule, Agentur und Forschung

Iryna Turtaieva feiert die


Schönheit der Natur
mit einem Alphabet aus
Eisblumen
PAGE 10.16 083

art: 7.10.2017
St
Eisblumen-ABC
● AMD Düsseldorf. Beim Schriften- Designstudentin » Staatlich anerkannte Aufstiegs-
entwerfen ist es immer eine gute Idee, Iryna Turtaieva fortbildung beim Marktführer
sich einer Problemstellung zunächst mag Layouts » Mehrfach ausgezeichnete
analog zu nähern. Egal, ob mit Skizzen mit Blumentypo- Vorbereitung auf die Fachwirt-
grafie – und hat
oder ganz handfest mit 3D-Basteleien. auch selbst ein bzw. Industriemeisterprüfung
Und so gab Ralf Lobeck, Professor für Blumentattoo
Visuelle Kommunikation an der AMD » 18 Monate berufsbegleitend
Akademie Mode & Design in Düssel- im Online-Studium
dorf, seinen Zweitsemestern im Bachelorstudien- Online-Lehre, Social Media
gang Marken- und Kommunikationsdesign ( https:// und Präsenzen sind optimal
is.gd/AMD_KDesign ) folgende Aufgabe: »Finden Sie im Blended-Learning-Konzept
ein Schema, ein System, ein Raster, ein Grundprin- verknüpft. Fachdozenten und
zip in Ihrem analogen Umfeld, und nutzen Sie es, Lerncoaches begleiten Sie
um damit ein Alphabet zu gestalten. Dabei soll jeder
durchgängig.
Buchstabe lesbar sein und die Schrift in sich zusam-
mengehörig wirken.« Weit über 800 erfolgreiche Teil-
Die Studierenden zeigten sich überaus kreativ. nehmer/-innen sprechen für sich!
Iryna Turtaieva etwa ließ sich von Blumen im Früh- www.medienfachwirt.com
ling inspirieren und gestaltete Lettern als Eisskulp-
turen, die die Schönheit von Tulpen festhalten. Ihre
Schrift Abloom lehnt sich an einen Klassiker an,
die Kabel von Rudolf Koch. Einige Entwürfe dreh-
ten sich um das Thema Essen: Jule Dissmann grillte
Buchstaben aus Fleisch, Fisch, Gemüse und Obst,
Studenten aufgepasst!
Leonie Gallach kreierte aus dreißig Gemüsesorten,
die gerade in einen Topf fallen, die Veggie Type.
Für euch gibt’s 6 cm
Und Hannah Böttger wollte die klassizistische Didot
aus dem Fashionumfeld befreien, indem sie ihre
umsonst!
Zeichen zu leckeren Naschereien umformte. Schön
zu sehen, dass auch die Digital Natives noch analog
denken und arbeiten können. Diese und weitere
Ergebnisse des Semesterprojekts zeigen wir unter
www.page-online.de/typo-analog_1017. ant [1561]

PAGE zum Studententarif gibt’s unter


Unser PAGE eDossier »Designstudium« www.page-online.de/shop/studenten-abo
mit Tipps zu Eignungsprüfung und Bewer-
bungsmappe gibt es zum Download
unter ↗ www.page-online.de/PDDP1021  
084 page 10.16 › projekte › Nachwuchs

Fotos (von unten): Rebecca Sieker; Maike Eilers


Spieglein, Spieglein
● FH Münster. Themen wie die Verschmutzung der
Meere sind sehr abstrakt, den Bezug zum eigenen
Handeln stellen die wenigsten her. Das wollten Stu­
denten der FH Münster ( www.fh­muenster.de ) än­
dern – mit ihrem Projekt »Plastic Mirror – Bewusst­
sein schaffen für die unsichtbare Gefahr von Mikro­
plastik«. Ein Team aus sechs Design­ und sechzehn
Informatikstudierenden sowie drei Absolventinnen
entwickelte für einen gestenbasierten Smart Mirror
eine Anwendung, die »Rückwärtsgeschichten« von
Welche Auswirkungen
Kleidung, Kosmetik und Kunststoffverpackungen hat mein Konsumverhal-
erzählt, inklusive ihrer Auswirkungen auf die Welt­ ten auf die Weltmeere?
meere. Der Nutzer sieht sich also erst selbst und wird Auf der Tincon in Berlin
dann mit seinem Konsumverhalten und dessen Fol­ ( h
  ttp://tincon.org  ) konnte
gen konfrontiert. Abschließend liefert der interak­ man den ersten Prototyp
tive Spiegel Anregungen zur Verhaltensänderung. des Smart Mirror testen

Das Konzept des Smart Mirrors hatte beim Hoch­


schulwettbewerb zum Wissenschaftsjahr 2016*17 –
Meere und Ozeane 10 000 Euro Preisgeld gewonnen
und wurde vom Bundesministerium für Bildung und
Großes Team: 22 Design-
Forschung gefördert ( www.hochschulwettbewerb.
und Informatikstudie-
net ). Im Juni feierte der Prototyp auf der Tincon in rende sowie drei Absolven-
Berlin Premiere, nun entwickelt ihn das Team wei­ tinnen der FH Münster
ter. Mehr zum Thema sowie die Namen aller Betei­ waren am Smart-Mirror-
ligten finden sich auf www.plastic­mirror.de. nik Projekt beteiligt

Oper, Oper
● Freies  Projekt.  Oper ist nicht je­
dermanns Sache – wohl auch, weil die
Hemmschwelle gerade für junge Leu­
ten sehr hoch ist. Dies will Kommuni­
kationsdesignerin Anna Stumpf mit Anna Stumpf
»How To Opera« (www.how­to­opera. (http://anna-
de) ändern, einer Art Bedienungsan­ stumpf.de) war
mit »How To
leitung für den Opernbesuch. Auf der
Opera« für den
Website finden sich visualisierte Hand­ Grimme Online
lungsstränge und Infografiken statt Award 2017
dröger Inhaltsangaben sowie prakti­ nominiert
sche Tipps von der Vorbereitung über
die Kleiderordnung bis zum korrek­
Foto Anna Stumpf: Grimme-Institut/Arkadiusz Goniwiecha

ten Klatschverhalten. Den Ausschlag


für das Projekt gab der Gewinn von
Opernkarten 2011, woraufhin die da­
malige Studentin im Studiengang In­
tegriertes Design an der Hochschule
für Künste Bremen (https://is.gd/HB_
integriert) ihre Liebe zur Oper entdeck­
te und beschloss, sie weiterzugeben.
2017 brachte ihr das eine Nominie­
rung beim Grimme Online Award ein.
Die digitale Bedienungsanlei-
tung »How To Opera« ist die
Gewonnen hat sie leider nicht, aber
perfekte Vorbereitung auf »How To Opera« wird ständig weiter­
einen Opernbesuch. Wie wäre entwickelt – vielleicht klappt’s ja beim
es mit Wagners »Parsifal«? nächsten Mal! nik
Jeder OfG-Kurs ist durch die
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086 page 10.17 › Werkzeug › kaschieren

Werkzeug
page 10.17 087

Kleben
bleiben
Mit dem Kaschieren unterschiedlicher Papiere lassen sich visuell und haptisch
schöne Ergebnisse erzielen. Vorausgesetzt, man weiß, wie es geht

●  Visitenkarten mit verschiedenfar­ dünnes Papier verformt sich schneller


biger Vorder­ und Rückseite, Broschü­ beim Anleimen. Beachten muss man
ren mit einem Triplexcover, bei dem zudem die Laufrichtungen. Die Vor­
zwischen zwei Lagen Papier noch eine stellung, dass es die Steifigkeit erhöht,
dritte her vorlugt – Kaschieren kann wenn man die Bogen gegeneinander
aus einem Durchschnitts­Printprodukt klebt, stimmt nicht, meistens verzieht
etwas Besonderes machen. »Kaschie­ sich das Papier dann. Die Bogen müs­
ren oder Laminieren sind zwei unter­ sen in derselben Laufrichtung liegen.
schiedliche Begriffe für denselben Vor­
gang, nämlich Papier und Karton mit­ Durchblick auf die Rückseite
einander zu verkleben, was besonders Ein Effekt, den Alfred König äußerst
dann reizvolle Ergebnisse zulässt, wenn gern nutzt, entsteht beim Kaschieren
die einzelnen Lagen je andere Farben gelaserter Bogen – beispielsweise bei
haben«, sagt Alfred König. Visitenkarten. Für Feuer Immobilien
Der Gründer der Kommunikations­ realisierte er eine dreilagige Karte, bei
und Produktionsagentur König Kon­ der er das Signet des Kunden – einen
zept in München ( https://koenig­kon filigranen Phönix – vor dem Laservor­
zept.eu) weiß aber auch, dass dies ein­ gang behutsam »vergröberte«, damit
facher klingt, als es in der Praxis ist. dieser das anschließende Kaschieren
»Vor allem, wenn es sich um diverse ohne Beschädigungen überstand. Der
Grammaturen oder gar verschieden­ Auftraggeber nahm gerne erhebliche
artige Materialien handelt. Jedes Papier Mehrkosten in Kauf, damit die Karte
beginnt, sich zu rollen, wenn es feucht nicht nur eine orangefarbene Rücksei­
wird: Das stärkere zieht das schwäche­ te aus der Papiersorte Colour Matters
re zu sich hin, und das Endprodukt ist wellig oder tel­ Schichtensystem in Mandarine hatte, sondern auch der vierfarbig auf Bil­
lert, das heißt, das Papier verwirft sich – je größer der Bei den Visitenkar­ derdruckkarton gedruckte Phönix durchschimmerte.
ten (ganz oben)
Bogen, desto mehr, weil die Feuchtigkeit beim Trock­ Bei dieser sogenannten Fassonkaschierung, bei der
kaschierte Römer­
nen nur ungleichmäßig ent weichen kann.« ein Bogen nur partiell beleimt und mit dem zweiten
turm verschiedene
Auf Nummer sicher geht, wer zwei identische Papie­ Farben, bei den
verbunden wird, muss man zum einen penibel darauf
re verklebt, möglichst auch in derselben Stärke. Nor­ Booklets (oben und achten, dass kein Klebstoff in den gelaserten Bereich
male Kaschiermaschinen kommen mit Gewichten ab links) mehrere gelangt und zum anderen einen gewissen »Kaschierver­
170 Gramm gut klar, darunter wird es schwierig, denn Lagen aufeinander. zug« berücksichtigen: Die kaschierten Blätter schwan­
088 page 10.17 › Werkzeug › kaschieren

„Papier, Druck und


Veredelung sind
in der heutigen,
digitalen Zeit nicht
länger ein selbst-
verständliches,
sondern ein erklä-
rungsbedürftiges
Produkt, für das
man Interesse oft
erst wecken muss“
Alfred König, Gründer von König Konzept
in München ↗  www.koenig-konzept.eu

ken leicht im Stand. Aus diesem Grund war es nötig, Prägung ent weder eine Stanzform anfertigen und ohne Druck
fast 20 Prozent der Phönix-Karten manuell auszusor- Bei der Hamburger stanzen«, erklärt Alfred König, »oder eine aufwendi-
tieren. »Der Aufwand für solche Objekte wird gerne un- Designagentur gere, aber bessere Version, die wir gewählt haben, weil
terschätzt – um wirklich überzeugende Ergebnisse zu Robinizers können eine Stanzung immer etwas rupfiger aussieht als ein
Mitarbeiter die
erzielen, müssen alle Beteiligten intensiv zusammen- mit einem scharfen Messer ausgeführter Schnitt – und
Farbkombination
arbeiten«, so Alfred König. ihrer aus zwei
wir bei diesen sehr speziellen Karten keine Kompro-
Bogen Colour misse eingehen wollten.«
Erst prägen, dann kaschieren Matters bestehen- Dieser andere Weg sah so aus: Alfred König stanzte
Eine Prägung steigert den Reiz kaschierter Printproduk- den Visitenkarten in Kartonbogen, die etwas stärker sein müssen als die
te noch einmal. Für die Hamburger Designagentur Ro- selbst wählen. Prägung hoch, eine Aussparung, die größer als die Prä-
binizers entstanden Visitenkarten, bei denen alle zwölf Eine mehrstufige gung war. »Diese gestanzten Bogen führten wir dann
Prägung auf
Mitarbeiter ihre persönliche Farbkombination bestim- mit den Visitenkartenbogen manuell zusammen. So lie-
der Vorderseite
men konnten. Material der Wahl war auch hier Colour ßen sie sich in kleinen Stapeln auf dem Planschneider
veredelt die
Matters. Bei der mehrstufig hochgeprägten Logoseite Karten zusätzlich.
schneiden, denn nun gab es ja einen Abstandhalter,
kamen drei Farbtöne in 540 Gramm zum Einsatz, für der die Prägung vor dem Pressbalkendruck schützte«,
die Rückseite mit dem Namen eine weiße Heißfolien- erklärt Alfred König das Vorgehen.
prägung auf 270 Gramm starkem Karton. Da die Mit-
arbeiter auch nicht alle dieselbe Menge an Visitenkar- Mix der Extreme
ten erhielten, war die Produktion keine leichte Aufga- Ob Kaschieren unterschiedlicher Grammaturen oder
be. »Bei Werkzeugaufbau und Bogenteilung haben wir Materialien, mit Prägungen oder Stanzungen – einer,
die Grenze zur höheren Mathematik berührt«, scherzt der keine Angst vor gar nichts hat, ist Reimund Pirk.
Alfred König. Und damit die Blindprägung nicht auf die Der Geschäftsführer von Pirk Musterkartentechnik in
individualisierte Seite durchschlug, wurde erst nach Köln ( www.pirk-musterkartentechnik.de ) sagt: »Un-
dem Prägen beider Seiten kaschiert. ser Anspruch ist es, alles, was der Markt an Papieren,
Auch das Schneiden gestaltete sich beim Robinizers- Kartons et cetera hergibt, verarbeiten zu können.« So
Projekt aufwendig. Die kaschierten Bogen wie üblich ist es ihm zum Beispiel gelungen, lediglich 100 Gramm
einfach mit einem Planschneider auf Kartenformat zu schwere Bogen zu kaschieren.
bringen funktionierte nicht, da dessen Pressbalken die Reimund Pirks jüngstes Experiment ist ein Material-
Prägung zerstört hätte. »Es gab nur zwei Möglichkeiten: mix im Auftrag von Römerturm: Gmund Leather, das
PAGE 10.17 089

Vertragt
optisch und haptisch echtem Leder sehr nahekommt,
wird mit Colorplan von G . F Smith kaschiert – einem Pa-
pier, das Reimund Pirk gerne verwendet. Entstehen soll
eine Paperclutch, ein Notizbuch in Form eines Hand-
euch!
22 Musterverträge
täschchens inklusive Schnalle, ebenfalls aus Leather.
Zunächst werden die beiden aufeinander kaschierten
Sorten aus derselben Farbwelt kommen, also zum Bei-
spiel außen Hell-, innen Dunkelblau. Später wird es
zum Einzeldownload
vielleicht auch buntere Varianten geben. Kaufen kann und Bearbeiten:
man die Paperclutch dann im Römerturm-Shop (www.
roemerturm.de), der in Kürze online gehen soll.
01_Agenturvertrag
»Wir haben vorne und hinten Leather in 300 bezie-
hungsweise in 350 Gramm – je nach Farbe – mit Color- 02_Einzelauftrag mit
plan in 270 Gramm kaschiert«, berichtet Reimund Pirk. Allgemeinen Geschäftsbedingungen
»Das lief relativ problemlos, die Materialien ergänzten 03_Projektrahmenvertrag
sich gut. Dennoch haben wir viel mit Maschineneinstel- (+Einzelprojektauftrag)
lungen und Klebern getestet, um eine gute Planlage zu 04 Mediaagenturvertrag
gewährleisten.« Was aber wäre gewesen, wenn sich 05 Lead-Agenturvertrag
06 Präsentationsvertrag
07_Website-Maintenance-Vertrag
08_Auftragsdaten-
5 Tipps zum Kaschieren verarbeitungsvereinbarung

1
Papiersorten und Papierstärke richtig 09_Freistellungsvereinbarung
auswählen: Wer ganz sichergehen will, 10_AGB Einkauf (+ Auftragsformular)
nimmt zwei identische Papiere, möglichst 11 Vereinbarung mit einem
auch in derselben Stärke. Standardkaschierma- prominenten Werbeträger
schinen kommen mit Gewichten ab 170 Gramm 12_Allgemeine Bedingungen
gut klar, wer dünnere Bogen verwenden möchte, für Fotoaufträge (+ Auftragsformular)
muss einen Spezialisten hinzuziehen.
13_Vereinbarung mit einem Fotomodel

2
Vor dem Kleben testen: Beim Einsatz
14_Vereinbarung über die Erstellung
verschiedener Materialien und/oder
Stärken sollte man ausprobieren, wie
einer Musikkomposition
sich die Sorten verhalten. Da sich jedes Papier 15_Vertrag über Musikproduktion
rollt, wenn es feucht wird, zieht häufig das 16_Auftragsbedingungen für
stärkere das dünnere zu sich hin, und das End- Filmproduktion (+ Auftragsformular)
produkt wellt sich. 17_Vertraulichkeitsvereinbarung

3 18_Anstellungsvertrag
Laufrichtung beachten: Die Laufrich-
tung der beiden Bogen muss überein- 19_Freie Mitarbeiter Vertrag
stimmen, ansonsten verzieht sich das (Grafik- und Layoutmitarbeiter)
Papier und es kann später zu Falzbruch kom-
20_Geschäftsführervertrag
men. Es erhöht nicht die Steifigkeit, wenn man
21_Berufsausbildungsvertrag
die Bogen gegeneinanderklebt.

4
Kaschierte Bogen weiterveredeln:
22_Arbeitsanweisung für
Vor allem Laserstanzungen und Prä- Internet- und E-Mail-Nutzung
gungen lassen sich wunderbar mit
kaschierten Bogen kombinieren und fügen eine
weitere haptische und visuelle Ebene hinzu.

5
Ob Einzelprojektauftrag, Präsentationsvertrag oder
Rechtzeitig planen: Schon vor dem Vereinbarung mit Freelancern – die GWA-Ausgabe
Kaschieren unbedingt über mögliche des Buchs »Verträge mit Kommunikationsagenturen:
Veredelungen, Bindungen, Falzungen et Musterverträge mit Kommentierungen« bietet eine
cetera nachdenken und erst dann das Papier Sammlung von Verträgen, an der sich Agenturen
wählen. So lassen sich böse Überraschungen und Unternehmen orientieren können. Die Verträge
weitestgehend vermeiden. ant gibt es auch zum Einzel-Download und Bearbeiten
auf www.page-online.de/mustervertraege

Ratgeber Druckveredelung. Die unter-


schiedlichen Veredelungstechniken und
ihre Möglichkeiten erklären wir unter
↗  www.page-online.de/druckveredelung
090 page 10.17 › Werkzeug › kaschieren

Gmund Leather eigenartig verhalten hätte? »Dann


hätten wir angefangen zu tricksen«, so Pirk. Mit wel­
chen Tricks, will er natürlich nicht verraten, nur so viel,
dass dazu neben viel Erfahrung und Wissen auch Spe­
zialmaschinen gehören.
Damit die zusammen ja rund 900 Gramm schweren
Bogen beim Falzen nicht aufbrechen, müssen Material
und Werkzeug optimal aufeinander abgestimmt sein.
Die Paperclutch wird anschließend genutet, dafür kann Wie aus Leder
Noch ist es ein Proto-
das Material bis zu 4 Millimeter dick sein. »Ganz wich­
typ, doch bald soll
tig ist, von Anfang an, also noch vor dem Kaschieren, die Paperclutch, ein
die Weiterverarbeitung und mögliche Veredelungen zu Notizbuch im Hand-
berücksichtigen und das Material danach auszuwäh­ taschen-Look,
len«, sagt Reimund Pirk. »Colorplan etwa lässt sich sehr im Römerturm-
gut laserstanzen. Außerdem gibt es die Sorte in so vielen Onlineshop erhält-
lich sein. Die Sorte
Farben, dass man eigentlich für jedes Erscheinungsbild
Gmund Leather, die
etwas Passendes findet.« Als Musterkartenproduzent
auch haptisch an
bedient die Pirk GmbH normalerweise Auflagen von Leder erinnert, ließ
ein paar Tausend. Wer richtig große Stückzahlen benö­ Römerturm mit
tigt, muss auf einen Standardkaschierer ausweichen. Colorplan kaschieren.

Mehr Kooperationen, bitte!


Perspektivisch würde sich Alfred König wünschen, dass
es beispielsweise auch Duplexpapiere, nicht nur Duplex­ Tiefer Eindruck
kartons gäbe. Also Bogen von 70 oder gar 50 Gramm, Buchdruck und Kaschie-
rung sind ein gutes Team.
die aufeinanderkaschiert werden – das würde zum Bei­
Fotograf Mike Henning
spiel bei Geschäftsausstattungen oder Broschüren ganz
ließ bei Letterjazz Karten
andere gestalterische Möglichkeiten eröffnen. Prinzi­ aus drei Lagen Feinst-
piell ist das möglich, doch müssten dazu Papierherstel­ papier fertigen. Die gelbe
ler, Drucker und Weiterverarbeiter schon bei der Ent­ Mittellage passt farblich
wicklung an einem Strang ziehen. Das passiert für Kö­ perfekt zur Folienprägung.
nigs Geschmack noch viel zu selten.
»Papier, Druck und Veredelung sind in der heutigen,
digitalen Zeit nicht länger ein selbstverständliches, son­ Raue Oberfläche
dern ein erklärungsbedürftiges Produkt, für das man Es muss nicht immer
Interesse oft erst wecken muss. Duplexpapiere könn­ Papier sein. Um Kunden
und Workshopteilneh-
ten eine gute Möglichkeit sein, eine Nachfrage nach bis­
mern das Thema Haptik
her unbekannten Erzeugnissen und damit einen neuen
näherzubringen, kaschiert
Markt zu schaffen.« Bis es so weit ist, müssen wir uns Alfred König gerne auch
mit Duplexkarton zufriedengeben oder eben die Spe­ mal andere Materialien,
zialisten ohne Scheu vor Herausforderungen um Unter­ in diesem Fall Schmirgel-
stützung bitten. ant [1666] papier mit Karton.

Bindetechniken für Printpublikationen. Von ein-


fach bis aufwendig – in page 05.17 stellen wir
die Vor- und Nachteile verschiedener Bindungen
vor ↗  www.page-online.de/pepa1705
Mit Durchblick
Auch Kaschieren und
Laserstanzen passen toll
Haptik und Design. printspezialist alfred könig zusammen. Bei der drei-
erklärt, worauf es bei wirkungsvoller Haptik an- lagigen Karte für Feuer
kommt ↗  www.page-online.de/haptik-interview Immobilien ist durch das
Lasern der darunterlie-
gende vierfarbige Phönix
Tipps: Drucken mit Naturpapier. Was Sie beim zu sehen. Schön auch
einsatz ungestrichener Sorten beachten sollten: die dadurch entstehende
↗  www.page-online.de/naturpapier
Kombination von
matt und glänzend.
Die schönsten Visitenkarten. Immer wieder neue,
inspirierende Ideen für Visitenkarten finden
Sie unter ↗  www.page-online.de/visitenkarten
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092 PAGE 10.17 › WERKZEUG › Video für Social Media

Social
Video
auf allen
Kanälen Video-Content lässt sich gerade auf den Social-Media-
Plattformen gut fürs Marketing einsetzen. Wir zeigen, worauf es
bei der Erstellung von Social Videos ankommt

● Die Nutzung von Bewegtbild im World Wide Web zugt aus. Suchmaschinen wie Google belohnen ihn
nimmt kontinuierlich zu. Katalysatoren der stei- ebenfalls mit einem besseren Ranking.
genden Verbreitung sind weniger die schon altbe- Was der zunehmenden Verbreitung zudem Vor-
kannten Videokanäle wie YouTube, sondern viel- schub leistet: Dank LTE-Standard und steigenden Da-
mehr die sozialen Medien – Facebook, Instagram tenraten in Mobilfunkverträgen kann man die Clips
und Snapchat –, die inzwischen auch Videofunk- immer öfter auch unterwegs konsumieren. »Bewegt-
tionen eingeführt haben. Die User bevorzugen Vi- bild wird heute vor allem in Social Media wahrge-
deos, weil sie Botschaften schneller und direkter nommen«, erklärt Kai Bösterling, Creative Strategist
kommunizieren als Texte. Hohe Klickraten und eine der Hamburger Social-Media-Agentur Delasocial.
vergleichsweise lange Verweildauer sprechen eine Insbesondere die Millennials sind mit über 90 Pro-
deutliche Sprache. Daher spielen auch die Algorith- zent mobil auf den Social-Media-Plattformen unter-
men der sozialen Netzwerke Video-Content bevor- wegs, Snapchat etwa findet auf dem Desktop gar
page 10.17 093

nicht erst statt. TV dagegen erzielt bei den Digital


Natives kaum noch Wirkung. Interessantes Bewegt-
bild aber, das auch noch zur Interaktion und zum Social Videos produzieren
User-Engagement animiert, spielt sich unter dem
Daumen des Users ab. »Marken und Produkte sind Storytelling, Bildformate, Cliplänge – jeder
nur relevant, wenn man sich mit ihnen ›unterhält‹ und Kanal hat seine Besonderheiten. Social-
sich mit anderen über sie austauscht«, so Börsterling. Media-Berater Philipp Roth von der Digital-
Für Unternehmen sei es wichtig, das zu erkennen, agentur Ray Sono in München gibt Tipps:
und mit Videobeiträgen in Social Media ihre Reich-

1
weite und die Bekanntheit ihrer Marken zu steigern. Kanäle auswählen. In der Regel ist weder Zeit noch Budget
Die Unternehmen entdecken vorhanden, um für alle Kanäle zu produzieren, oft wählen
Social Video gerade Agenturen oder Unternehmen daher zwei Kanäle aus.
»In vielen Unternehmen sind diese Möglichkeiten Facebooks Newsfeed ist der reichweitenstärkste Kanal, gefolgt
noch nicht flächendeckend erkannt worden«, kon- von YouTube. Über kleinere Kanäle wie Snapchat oder Twitter wen-
statiert allerdings Philipp Roth. Als Social-Media- den Sie sich an Zielgruppen, die man sonst nur schwer erreicht.

2
Berater der Münchner Digitalagentur Ray Sono Bildformate wählen. Niemand hält sein Smartphone im
macht er diese Erfahrung fast täglich. In der Praxis Landscape-Modus, denken Sie also »Mobile«, wenn es ums
wird das Thema oft nachlässig, nebenbei und schlecht Bildformat geht. Social Videos für Facebooks Newsfeed
geplant angegangen: »Vielerorts ist immer noch nicht sollten wenigstens im Seitenverhältnis 1 : 1 produziert sein oder –
angekommen, zu welch einem effizienten Marke- wie für Instagram und Snapchat Stories – bildschirmfüllend vertikal
tingtool die sozialen Medien mittlerweile herange-
in 9 : 16. Für YouTube gilt noch das klassische Querformat 16 : 9.

3
wachsen sind und dass man viele Menschen damit
Fasse dich kurz. 15 Sekunden haben Sie bei Instagram
gezielt erreichen kann – wenn man es richtig macht«.
Oft holen Agenturen oder Unternehmen die So- für eine Story, bei Snapchat sind es 10. Facebook erlaubt
cial-Media-Verantwortlichen auch erst dann ins zwar bis zu 120 Minuten, der User jedoch nicht: Durch-
Boot, wenn der TV-Spot oder das Fotoshooting be- schnittlich 16,7 Sekunden wird ein Clip im Newsfeed angesehen,
reits im Kasten ist. Dann kann man die Kampagne gesponserte Videos lediglich 5,7 Sekunden.

4
nur noch in die sozialen Medien verlängern, also Aufmerksamkeit erzielen. Egal, welcher Kanal – um die
den vorhandenen Content bearbeiten. »Meist er- Aufmerksamkeit des Users zu bekommen, muss in den
zielt man so allerdings keine zufriedenstellenden Er- ersten drei Sekunden etwas passieren. Brechen Sie mit
gebnisse«, weiß Philipp Roth. Viele Unternehmen Sehgewohnheiten, zeigen Sie Bildgewaltiges, werfen Sie eine Frage
glaubten immer noch, es genüge, wenn man einen
auf oder stellen Sie den Bezug zu einem aktuellen Thema her.

5
klassischen TV-Spot über Facebook ausspielt – und
Storytelling ausbauen. Auf Ihrem eigenen Stories-Kanal
wundern sich dann, dass der Content auf diesem
Kanal nicht performt. bei Instagram und Snapchat können Sie längere Ge-
»Die technischen und inhaltlichen Anforderun- schichten erzählen, indem Sie mehrere Clips aufeinander-
gen an Social Videos unterscheiden sich von denen folgen lassen. Legen Sie jedoch jeden Clip als geschlossene Story
eines TV-Clips«, sagt Torsten Wiesner, Director Kon- an. Variieren Sie das Motiv so oft wie möglich, planen Sie Perspek-
zept und Strategie bei der Hamburger Digitalagen- tiv- und Ortswechsel sowie überraschende Inszenierungen ein. Bei
tur elbdudler. »Bei Social Videos ist es wichtig, den visuellen Redundanzen klickt der User schnell weiter.

6
kanalspezifischen Anforderungen gerecht zu wer- Untertitel anlegen. Weil Facebook Videos per Default
den. Statt eines einzigen TV-Spots produzieren wir ohne Ton abspielt, gilt: Nutzen Sie Untertitel – und lassen
Content in vielen Facetten.« Allein schon aufgrund
Sie YouTube die lästige Aufgabe erledigen, diese zu
der unterschiedlichen Seitenverhältnisse auf den ver-
erstellen. Dafür laden Sie den Clip hoch, lassen die Videoplattform
schiedenen Plattformen wie 1 : 1, 16 : 9 oder 8 : 10 soll-
te klar sein, dass vor dem Videodreh genau geplant die Audiospur auslesen und automatisch Untertitel erstellen
sein muss, welches Format entstehen soll und wel- und korrigieren diese dann noch kurz. Wichtig: Vergessen Sie nicht
cher Kanal adressiert wird. Wer sich für die nachträg- das Häkchen bei »privat« – sonst wird Ihr Clip veröffentlicht! Face-
liche Bearbeitung des Bildausschnitts entscheidet, book bietet ein ähnliches Tool an, das allerdings nur für englisch-
kommt meist nur zu ungenügenden Ergebnissen. sprachigen Content funktioniert.

7
Templates anlegen. Social Videos sind zeitkritisch – es
Social Media gehört in den Kreations-
muss also manchmal sehr schnell gehen. Verkürzen Sie den
prozess – und das von Anfang an
Prozess, indem Sie Templates entwickeln, in die Sie das
Am zweckdienlichsten wäre sicherlich, der Social-
Material nur noch einfügen – egal, ob Sie in iMovie oder After
Media-Beauftragte säße rechtzeitig im Kreations-
Effects arbeiten. Templates beschleunigen auch die Koordination
prozess mit am Tisch, um bereits bei der Planung der
Kampagne dabei zu sein. In der Praxis kommt das mit dem Kunden oder innerhalb des Unternehmens, weil
aber eher selten vor. Für den Fall, dass der Verant- Design und Format nur einmal abgestimmt werden müssen.
wortliche zumindest vor Beginn der Dreharbeiten
094 page 10.17 › Werkzeug › Video für Social Media

Social Video auf Facebook & YouTube für iglo


Für Bewegtbildanzeigen auf Social-Media-Plattformen braucht es eine ganze Reihe an Assets.
Die iglo-Kampagne von elbdudler zeigt, wie vielfältig diese Formate sind

Facebook- und YouTube-Videos


Bei iglo wählte man Facebook als Haupt­
kanal, um drei Zielgruppen getrennt von­
einander mit Videos ansprechen zu können.
Im Mittelpunkt standen die Rezeptvideos,
die im Seitenverhältnis 1:1 für Facebook und
16 :9 für YouTube produziert wurden

Reaction GIFs
Egal, welcher Social­Media­Kanal – statt
Canvas-Anzeigen
Kommentare zu tippen, reagieren User
Das Vollbildformat für Mobilgeräte kann
oftmals mit einem GIF, das ihre Aussage
mit allen Facebook­Anzeigenformaten
zum Ausdruck bringt. So produzierte
gefüttert werden, beispielsweise Karussell,
elbdudler eine Reihe eigener GIFs für eine
Carousel Ads Bild, Video, Slideshow oder Sammlung
lebendige Kommunikation mit den Usern
Mit diesem Format lassen sich bis zu
zehn Bilder beziehungsweise Videos in einer
Anzeige ausspielen. Anschließend
kann der User durch die Karten scrollen
page 10.17 095

oder eines Fotoshootings hinzugezogen wird,


empfiehlt Philipp Roth als ersten Schritt, Guidelines
und Best Practices zu erstellen. Anhand derer kann
auch eine externe Videoproduktionsfirma Clips pro­
duzieren, die den technischen und inhaltlichen An­
●  Freitag ist Fischtag – oder besser: Käpt’n iglos sprüchen der Social­Media­Kanäle entsprechen.
Fisch Freitag. Der Tiefühlkostproduzent wollte Wer sich als Social­Media­Redakteur dazu verlei­
daran auch über Social Media erinnern. Ausge­ ten lässt, aus Zeit­ und Budgetmangel mit dem Smart­
hend von dieser Kundenidee entwickelte das phone Content zu erstellen, wird sich am Ende über
elbdudler ­Team begleitend zu einem vorhande­ verschwendete Zeit und Aufwand ärgern. Selbst
nen TV­Spot eine eigene Digitalkampagne mit wenn der Kunde diese Vorgehensweise angeregt hat:
Social­Video­Fokus. »Social Video braucht mehr Spätestens wenn seine Marke mit verwackeltem
Assets, mehr Ideen und ein größeres Konzept als Bild und verrauschtem Ton über den Monitor flim­
der klassische TV­Spot«, fasst Torsten Wiesner, mert, wird er Abstand nehmen von der Idee, diesen
Director Konzept und Strategie bei elbdudler, die beiläufig produzierten Content zu veröffentlichen.
Anforderungen zusammen. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe an Zube­
hör, mit dem sich ein Minimal­Set­up für Video­
Zielgruppe und Kanal auswählen produktionen zusammenstellen lässt. Schon ein auf­
Elbdudler strukturiert Social­Video­Kampagnen gerüstetes iPhone mit Gimbal, Stativ, Lichtquelle
wie reguläre Digitalkampagnen: Konzeptphase und Ansteckmikrofon reicht, um respektable Ergeb­
mit Zielgruppenanalyse und Kanalauswahl, Road­ nisse zu produzieren, sodass Bewegtbild für Social
map, Kreativkonzept. Die iglo­Kampagne sollte Media auch für Auftraggeber mit geringem Budget
die User durch hochwertige Produktinszenierung erschwinglich wird. Rund 1500 Euro müssen aber
und Rezeptideen inspirieren und Appetit machen. dennoch eingeplant werden (siehe Kasten »Equip­
Für die Kanalauswahl stimmt das Team Reich­ ment für Einsteiger« auf Seite 96).
weite, Zielgruppe und Budget mit der Mediaagen­
tur ab. Für iglo wählte man Facebook als Hauptka­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx Was wollen Sie bewirken?
nal, um drei Zielgruppen – kinderlose junge Er­ Bevor Sie Ihre Videoideen entwickeln und die Filme
wachsene (Double Income No Kids), Familien so­ »Nichts ist drehen, müssen Sie sich allerdings klar werden über
wie die Generation 45 plus, bei denen die Kinder schlimmer die Ziele, die Sie damit verfolgen. Neben der undank­
bereits flügge sind – ansprechen zu können. Ne­ als ein baren Adaption eines fertigen TV­Spots und dem
ben weiteren digitalen Maßnahmen wurden die
Clips im eigenen YouTube­Kanal veröffentlicht.
Anzeigen­ Briefing eines Produktionsteams stellt die eigene Pla­
nung und Umsetzung von Social­Videos einen drit­
motiv, ten gangbaren Weg dar. »Häufig erstellen wir, ba­
Logo und Visuals entwickeln das 1 : 1 als sierend auf einer übergeordneten Idee – egal, ob sie
Für ein konsistentes Kampagnenbranding ent­ Social­ von uns, vom Unternehmen oder der Leadagentur
wickelte das Team ein Logo und eine eigene Visua­
lität, im Mittelpunkt standen die Rezeptvideos,
Media­Post stammt – kosteneffizient kanalspezifischen Content
in unserem eigenen Studio. Immer auf Grundlage ei­
für Facebook im Seitenverhältnis 1 : 1 und für verwendet nes erarbeiteten Kampagnenkonzepts«, erklärt Tors­
YouTube in 16 : 9 produziert. Für die Interaktion wird« ten Wiesner die Vorgehensweise bei elbdudler.
mit dem User erstellte das Team neben Animatio­ Oder man entert die Kulisse gleich für eine eige­
Kai Bösterling,
nen für Facebooks Carousel Ads und Canvas­ Creative Strategist ne Produktion: »Wenn wir das Set einer großen TV­
Anzeigen auch »Reaction GIFs«, um sie in Face­ bei der Hamburger Produktion nutzen können, um die gleiche Visuali­
books Kommentarbereich einzusetzen. Social-Media-Agentur tät in den digitalen Kanälen herzustellen, dann ist
»Eine durchdachte Kampagne bezieht alle Be­ Delasocial das eine interessante Option. Allerdings sollte man
wegtbildformate mit ein und nutzt sie clever, um ↗ www.delasocial.com an digitalen Content ebenso hohe Qualitätsansprü­
die Möglichkeiten der Kanäle voll auszuschöp­ che stellen und dafür auch ausreichend Ressourcen
fen«, so Wiesner, der im elbdudler­Contentstu­ schaffen«, betont Wiesner.
dio mit Producern, Fotografen und Motion­De­ Wie und wo man auch dreht, im eigenen Studio,
signern arbeitet, für größere Projekte auch mit am Set, auf der Straße: Wichtig sei stets die genaue
Produktionsfirmen und Food­Fotografen. Planung, beginnend mit der Konzeption der Kam­
Während Social­Media­Kampagnen oft die As­ pagne. Dann heißt es Zielgruppe und Kanäle definie­
sets bestehender Klassikkampagnen verwerten ren und in einer Roadmap festlegen, welche Forma­
(müssen), wurde die iglo­Kampagne in die ent­ te für die einzelnen Kanäle benötigt werden. Anschlie­
gegengesetzte Richtung verlängert und beispiels­ ßend entwickeln Konzepter und Kreativteam Ideen
weise das Social­Kampagnenlogo am Point of für diese Formate, bevor das Kreativkonzept mit dem
Sale und im TV­Spot aufgegriffen. Mit Erfolg: So Kunden abgestimmt wird. »Angesichts der Vielzahl
wurden auf Facebook eine Reichweite von 9,9 Mil­ an Kanälen und Formaten ist es wichtig, dass strate­
lionen Usern, 9,3 Millionen Views und 79,2 Mil­ gische Kampagnenplanung und Kreation von An­
lionen Impressions generiert. as fang an vereint sind«, erklärt Torsten Wiesner.
096 page 10.17 › Werkzeug › Video für Social Media

Welche Plattform darf’s denn sein?


Die Möglichkeiten, Content in den unterschiedlichs­
Equipment für Einsteiger ten Formaten in den digitalen Kanälen zu platzie­
Das brauchen Sie, um überzeugende ren, scheinen auf den ersten Blick unübersichtlich.
Social Videos zu drehen Die relevanten sind allerdings gut auszumachen:
Facebook hat allein aufgrund seiner großen Reich­
weite gegenüber allen anderen Kanälen einen Vor­
Kamera: iPhone 7
teil, Snapchat als jüngste Plattform dagegen beginnt
Die Kameras des iPhone 7 und des iPhone 7
gerade erst, Marketingmaßnahmen zu integrieren,
Plus sind mit 12-Megapixel-Sensoren
und hat noch einiges aufzuholen. Aus Marketing­
und einer f/1.8-Blende ausgestattet.
perspektive ist vor allem die Kombination von Face­
Preis: zwischen 650 und 750 Euro
book und Instagram interessant: Da beide Plattfor­
↗  www.apple.com/de/iphone-7
men zur gleichen Unternehmensfamilie gehören,
Stativ: Rollei C5i sind die Targeting­Optionen für Kampagnen ähn­
Wenn Sie als One-Man-Show ein Interview lich attraktiv.
vor der Kamera führen wollen, hilft der Die meisten User erreicht man immer noch über
dreibeinige Kollege. Preis: circa 130 Euro Facebooks Newsfeed, wo neben den Inhalten abon­
↗  https://is.gd/rollei_stativ nierter Kanäle auch Werbung ausgespielt wird. Was
die Möglichkeiten angeht, Bewegtbild als Anzeige
Gimbal: DJI Osmo Mobile
auszuspielen, zeigt sich Facebook besonders um­
Mit einem Gimbal filmen Sie auch aus der
triebig. Neben dem Newsfeed stehen Carousel Ads
Hand ein ruhiges Bild, da er kleine Ruckler
als Anzeigenformate zur Verfügung, die bis zu zehn
elegant ausgleicht. Zur ordnungsgemäßen
Videos oder Bilder vereinen – oder interaktive For­
Montage gehört ein Mount dazu.
mate wie Facebook Canvas, das sind bildschirmfül­
Preis: circa 300 Euro für den Gimbal,
lende Mini­Landingpages für den Newsfeed. Oder
rund 25 Euro für den Mount
auch das Rundum­Videoformat Facebook 360. Insta­
↗  www.dji.com/de/osmo-mobile
gram bietet ebenfalls die Möglichkeit, Content als
↗ https://is.gd/universal_mount
organischen Inhalt oder als Anzeige auszuspielen.
Flash Drive: RAVPower 64GB Mit Instagram Stories können User, aber auch Un­
Damit Ihre Videodaten nicht das iPhone ternehmen kurze Clips einstellen, die 24 Stunden
verstopfen, laden Sie diese am besten auf nach der Veröffentlichung automatisch verschwin­
ein externes Speichermedium, beispiels- den – ein Format, das Instagram schamlos von Snap­
weise ein schnelles Flash-Laufwerk mit chat kopiert hat und das mittlerweile schon mehr
Lightning-Anschluss. Preis: circa 60 Euro User erreicht als das Original.
↗  www.ravpower.com/flashdrives.html Die Möglichkeiten auf YouTube hingegen gestal­
ten sich im Vergleich recht überschaubar: Pre­ oder
Beleuchtung: Manfrotto Lumimuse 8 LED Mid­Rolls ließen sich zwar auch für Social Videos
Das Licht der ansteckbaren LED-Leuchte nutzen, in der Regel werden hier aber klassische An­
ist in drei Stufen regulierbar. Damit zeigenspots gebucht. Natürlich kann man sich auch
diese nicht blendet, empfiehlt sich der einen eigenen Kanal einrichten und versuchen, so
Einsatz des mitgelieferten Diffusors. eine Followerschaft aufzubauen. »Um YouTube nicht
Preis: circa 120 Euro nur als reichweitenstarken Werbekanal zu nutzen,
↗  https://is.gd/manfrotto_lumimuse ist eine nachhaltige Content­Strategie und die Ent­
Akku Anker: PowerCore
wicklung eines eigenständigen Formats notwendig«,
Wenn’s mal wieder länger dauert und
sagt Torsten Wiesner. Gravierendster Unterschied
keine Steckdose in der Nähe ist, um das
gegenüber den anderen Plattformen ist hier die Nut­
iPhone aufzuladen, versorgt Sie die
zungssituation eines Clips, denn bei einem YouTube­
Powerbank mit Strom. Mit ihrer Kapazität
Kanal mit eigenem Contentkonzept entscheidet sich
von 26 000 Milliamperestunden sind
der User aktiv, diesem Channel zu folgen und die
Sie gut gerüstet. Preis: circa 50 Euro
Videos zu schauen.
↗  www.anker.com/products/A1277011
Kurzum: Die Anzahl an Formaten auf den verschie­
denen Kanälen ist groß. Selbst wenn man sich auf die
Mikrofon: RØDELink Filmmaker Kit gängigen Formate der Kanäle konzentriert, hat man
Für den guten Ton benötigen Sie ein externes genügend Eigenheiten zu beachten. Tipps für die
Mikrofon – am besten ein Funkmikro, Produktion von Social Videos hat Social­Media­Be­
um Kabelsalat zu vermeiden. Um es ans rater Philipp Roth auf Seite 93 für Sie. as [1617]
iPhone anzuschließen, brauchen Sie einen
TRS-TRRS-Adapter. Preis: circa 300 Euro
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098 page 10.17

Let’s stretch
Variable Fonts sind in aller Munde, aber werden sie auch im
Gestalteralltag ankommen? Wir haben uns umgehört

● Kurz zur Erinnerung: Das neue Open- ferenz einen Eindruck von diesen neuen
Type-1.8-Format ermöglicht es, Schrift- Dimensionen vermittelt. Sie hatten so
merkmale wie Buchstabenbreite, x-Hö- lange experimentiert und Slider, Super-
he, Strichstärke, Kontrast, Serifenlän- slider sowie Fonträume entwickelt, bis
ge, das Aussehen der i- und anderer
Punkte, einfach alles, was man sich vor- Branche sie ihre gesamte Schriftenbibliothek in
einem einzigen variablen OpenType-
stellen kann, stufenlos zu verändern. Font untergebracht hatten. Bas Jacobs
Mit Chrome Canary existiert immerhin witzelte, dass ein solcher Fontraum so-
auch schon eine Entwicklerversion eines gar alle die Schriften enthalten könnte,
Browsers, der die Technik unterstützt. die die Typedesigner in Zukunft gestalten
Natürlich experimentieren Typedesig- wollen. Unterhaltsam, keine Frage – den-
ner derzeit fleißig mit variablen Schrif- noch kommt einem da schnell Goethes
ten und haben bereits einige erstellt (sie- »Zauberlehrling« in den Sinn . . .
he www.page-online.de/variable-fonts). ren würden, sondern auch auf den Be- Während viele Typedesigner mit Voll-
Desktop-Programme, die deren Einsatz trachtungsabstand oder das Lesetempo. dampf in das Thema Variable Fonts ein-
erlauben, gibt es bislang allerdings nicht. Neben dieser faszinierenden Seite hat steigen, ist bei Gestaltern noch eine ge-
Ohnehin ist die neue Technik vor allem die Variable-Fonts-Technologie aber auch wisse Skepsis und auch Unsicherheit zu
für digitale Anwendungen interessant, eine ungemein unheimliche: Dies sind beobachten. Fragen nach künftigen Li-
erweitert sie das Responsive Design doch die 64 000 Designachsen, die eine varia- zenzmodellen stehen genauso im Raum
um den Aspekt Schrift. So würden Leser es ble Schrift in sich tragen kann. Bas Jacobs wie der Wunsch, dass es doch ein paar
sicherlich zu schätzen wissen, wenn die und Akiem Helmling von der niederlän- vom Designer der Schrift definierte Fix-
Schriften auf ihrem E-Book-Reader nicht dischen Foundry Underware haben ih- punkte gibt. Aber lesen Sie selbst, was die
nur auf Helligkeit und Dunkelheit reagie- rem Publikum auf der TYPO-Labs-Kon- Branche darüber denkt. ant [1542]

„Variable Fonts sind eine Erweiterung,


nicht die Ablösung guter Typografie“
Christina John, Geschäftsführerin von Milch+Honig designkultur und Vorsitzende der
Typographischen Gesellschaft München ↗ www.milchundhonig-dk.de ↗ www.tgm-online.de

Grundsätzlich finde ich es toll, dass Variable Fonts neue Unerlässlich ist eine einfache, klare und leicht zugängliche
1 typografische Räume eröffnen und mehr Flexibilität ver- Technik – etwa eine einheitliche Browserunterstützung. Drin-
sprechen. Responsive Design ist heute Standard, und somit wird gend erforderlich ist zudem eine Art Regelwerk beziehungs-
es Zeit, auch den Umgang mit Schrift responsiv zu denken. Va- weise technische Basis, die uns Typografen und Designern den
riable Fonts bieten die Chance, zu experimentieren und andere Umgang mit den neuen Möglichkeiten erleichtert.
als die bisherigen Anwendungen zu entdecken, neue Ansätze Ich sehe Hochschulen und Institutionen wie unter anderem
Foto: conny Mirbach

auszuloten und dadurch noch mehr Individualität zu schaffen. die Typografische Gesellschaft in der Verantwortung, auch beim
Ich sehe sie als eine Erweiterung und nicht als die Ablösung Thema Variable Fonts auf die typografischen Grundlagen auf-
guter, funktionierender Typografie. Allerdings besteht auch die merksam zu machen und im Idealfall die nötige Hilfestellung
Gefahr zunehmender Beliebigkeit, wenn Anwender dieser Fonts und Beratung zu leisten. Gerade an den Hochschulen wird dann
die typografischen Regeln nicht kennen und beachten. hoffentlich viel experimentiert!
page 10.17 099

1
100 PAGE 10.17 › BRANCHE › Variable Fonts

„Vor allem fürs


Development kann das
Variable-Fonts-Format
Vorteile mit sich bringen“
Ben Tauber, Art Director Branding (oben), und
Digitaldesigner Michael Fuchs, beide Dunckelfeld, Köln
↗ www.dunckelfeld.de

2
Aus unserer Sicht sind Variable Fonts ein Tool, das eher 2
für Entwickler reizvoll sein wird. Schriften lassen sich
»transformieren«, statt dass man ein Sammelsurium an Schnit-
ten installieren muss. Die Technik bringt vor allem im Develop-
mentbereich Vorteile mit sich, wie eine wesentliche Reduktion
der Fontdateien und kürzere Ladezeiten.
Im Designeralltag werden variable Schriften in nächster Zeit
nicht ankommen, denn das Schwierige an ihnen ist ja die Ka-
librierung aller Variablen innerhalb der Schnitte. Webdesigner
müssten sich in ein Gebiet begeben, das für sie eher Neuland
ist: Typografie. Dank hochwertiger Freefonts und etlicher rie-
siger Schriftenbibliotheken wie Typekit oder Monotype Lib-
rary hat man als Digitaldesigner heute aber kaum noch das
Bedürfnis, eine Schrift wirklich haargenau anzupassen – also
genau das, was die Variable-Fonts-Technik ermöglicht.
Wir selbst können uns noch nicht vorstellen, mit variablen
Fonts zu arbeiten. Eine responsive Schrift passt zwar voll in den
Zeitgeist, ist aber leider für die meisten Digitaldesigner kaum
relevant. Diejenigen, die hohen Wert auf typografische Präzision
legen, müssten die Schrift selbst optimieren und definieren,
welche Schnitte sie wollen. Das macht sicher Spaß, ist aber ein
Urwald der Möglichkeiten. Damit sich der gestalterische Einsatz
anbietet, braucht es drei Dinge: einen typografisch versierten
Digitaldesigner, die entsprechende Zeit und nicht zuletzt einen
Kunden, der bereit ist, für dieses Feintuning zu bezahlen.
Bei den Typedesignern müssten jetzt aber die Champagner-
korken knallen. Bevor sich die Schriften und Schnitte nutzen
lassen, müssen sie schließlich erst einmal variabel konzipiert
und ausgestaltet werden. Wir vermuten, dass sich mit diesem
Aufwand auch neue Gewinne erzielen lassen.

„Noch mangelt es an
der nötigen Browser-
unterstützung“
Sven Ellingen, Mitbegründer der Digitalagentur
A Color Bright, Berlin ↗ www.acolorbright.com

Wir sind begeistert von den gestalterischen Möglichkei-


3 ten, die Variable Fonts bieten, und sind gespannt, sie
einzusetzen. Da wir hauptsächlich Webinterfaces entwickeln,
müssen wir noch warten, bis das neue Format von vielen Brow-
sern unterstützt wird. Auch aus technischer Sicht finden wir sie
sehr überzeugend: So können wir typografisch reiche Interfaces 3
gestalten, ohne mehrere Fontfiles einzeln laden zu müssen.
PAGE 10.17 101

„Ein einfach
bedienbares Interface
ist der Schlüssel“
Mathias Rolfes, Kreativdirektor Design bei
Scholz & Volkmer, Berlin↗ www.s-v.de

Mich interessiert vor allem der Mehrwert für den digita-


4 len Einsatz. Mehrere Schnitte mit nur einer Web-Font-
Datei abzubilden verspricht einen wirklichen Nutzen. Damit
4 ließe sich endlich die Lesbarkeit einer Schrift über die indivi-
duelle Anpassung von Stärke, Breite, x-Höhe et cetera für un-
terschiedliche Endgeräte und Darstellungsgrößen optimieren,
ohne dabei zu einem Performance-Killer zu werden.
Im Designteam tauschen wir uns zurzeit über aktuelle Tools
aus, die das Experimentieren mit Variable Fonts ermöglichen.
Interessant ist die CC-Extension von Underware ( https://is.gd/
underware_flex ). Mit solchen Applikationen werden Variable
Fonts für den Gestalter handhabbar. Ich bin gespannt, mit wel-
cher Art von Benutzeroberfläche wir in Zukunft variable Schrif-
ten kreativ bearbeiten können. Ein einfach zu bedienendes
Interface wird ein wichtiger Schlüssel sein, damit sie auch fern-
ab von Typedesignern im Gestalteralltag ankommen.
Variable Fonts versprechen ein Höchstmaß an Flexibilität.
Für mich als Designer ist das erst mal spannend, es birgt aber
die Gefahr, dass durch eine im kreativen Überschwang durch-
5 geführte Modulation einer Schrift deren Identität zerstört wird.
Gerade Markenbilder, deren Wiedererkennbarkeit überwiegend
auf Typo beruht, würden darunter leiden. Deshalb braucht es in
künftigen Styleguides neue typografische Regeln: Statt fest-
gelegter Schnitte müssen sie Spielräume definieren, in denen
sich die Modifizierung einer Schrift bewegen darf. Denn nicht
alles, was möglich ist, ist ästhetisch auch wünschenswert.
Nutzer würden sich perspektivisch über Browser-Plug-ins
freuen, mit denen sie die Schriftstärken komfortabel anpassen
können. Das ist speziell für User mit eingeschränktem Sehver-
mögen interessant. Für die Hersteller könnte die Entwicklung
von Tools, mit denen sich die Fonts kreativ modulieren lassen,
eine weitere Einnahmequelle bedeuten, indem sie ihre Schrif-
ten plus »Bearbeitungstool« in einer Art Bundle verkaufen.

„Schön für Demos,


fürs echte Leben bislang
ungeeignet“
Julia Sysmäläinen, Juliasys Type Studio,
Berlin ↗ www.juliasys.com

Viele Webdesigner treiben das Thema Variable Fonts


5 voran, denn ihnen geht es um kürzere Ladezeiten. Es
gibt aber noch ungelöste Fragen. Zum Beispiel die Infrastruktur.
Es wird dauern, bis alle Browser das Format unterstützen. Hof-
fen wir, dass die großen Player wie Google, Apple, Microsoft
oder Adobe mitmachen, dann könnten sich variable Schriften
schneller durchsetzen als seinerzeit die OpenType-Features.
102 PAGE 10.17 › BRANCHE › Variable Fonts

Vorträge zeigen stets die schöne Welt der Variable Fonts: ein-
fach an einem Riegel ziehen, und schwups hat man die Strich-
„Spannend, wenn sich
stärke xy. Schön für Demos, fürs echte Leben aber noch unge- responsive Typografie
eignet. Wie erreicht man einen ganz bestimmten Schnitt? Wie
erzählt man einem ebenfalls am Projekt beteiligten Designer, dynamisch meiner
welche Schnitte gemeint sind? Macht die Vielfalt das Leben von
Kunden und Gestaltern wirklich unkomplizierter? Und was, aktuellen Betrachtungs-
wenn es nicht um die Website eines kleinen Start-ups geht, son-
dern um ein global agierendes Unternehmen, das die maxima- situation anpasst“
le Anzahl von Nutzern erreichen will, von denen einige noch Hannah Hiecke, Designerin bei Elastique.,
mit uralten Browserversionen arbeiten? Fraglich ist auch, ob Köln ↗ www.elastique.de
man das Rendering fehlerfrei hinbekommt. Wäre es nicht doch
sinnvoller, die vordefinierten Zwischenstufen beizubehalten Als Designerin frage ich mich, inwieweit Variable Fonts
und nur sie zu erlauben? So könnte man die Qualität sichern 6 unsere Gestaltung beeinflussen. Die Antwortet lautet
und Chaos vermeiden. momentan: vordergründig gar nicht. Technisch gesehen sind
Kaufmännisch gesehen können Variable Fonts das Angebot sie die Erlösung von vielen Problemen – weniger unterschied-
von Type Foundries erweitern – zusammen oder irgendwann liche Fontfiles, weniger Daten, einfacheres Handling, mehr
auch anstatt der jetzigen Web-Fonts. Bleibt die Frage nach dem Varianz –, doch gestalterisch ist es extrem wichtig, dass wir
Preis: Was soll so ein Variable-Fonts-Paket, mit dem man Zig- zwar beachten und wissen, welche Techniken zur Verfügung
tausende Schnitte generieren kann, kosten? Wird es auch wei- stehen, uns im Prozess selbst aber nur auf eines konzentrieren:
terhin eine Art von Subsetting geben, sodass Kunden kleinere dass die Ergebnisse einen echten kommunikativen Nutzen ha-
Packages erwerben können? ben, emotional sind, berühren und dabei ästhetisch bleiben.
Für Typedesigner wird sich beim Gestalten einer Fontfamilie Zwei Details finden wir extrem spannend: Zum einen den
nicht viel verändern. Sie werden weiterhin Extremschnitte digi- Gedanken, dass responsive Typografie sich dynamisch meiner
talisieren und sinnvolle vordefinierte Zwischenstufen der Inter- aktuellen Betrachtungssituation anpasst. Dass also eine Appli-
polation anbieten. Für meine Foundry werden Variable Fonts kation die Schrift nach Lichtverhältnissen, Betrachtungsab-
eher eine untergeordnete Rolle spielen, da unser Fokus auf cha- stand oder persönlichen Präferenzen in Bezug auf Größe,
rakteristischen Handschriften, oft historischer Persönlichkei- Weißraum, Laufweite et cetera aktualisiert. Zum anderen die
ten, liegt, und die durcheinanderzumischen wäre geschmack- Möglichkeit, als Gestalter endlich die Wirkung eines Fonts bis
los. Daneben sind unsere relevanten Aufträge hauptsächlich ins Detail regulieren zu können. Wie oft saßen wir vor einem
Custom Fonts. Die Kunden haben meist sehr konkrete Wünsche Layout, hatten die optimale Schrift gefunden – doch der Regu-
und interessieren sich nicht für Veränderungsmöglichkeiten. lar-Schnitt wirkte ein wenig zu prominent, die Light-Version
Spannend sind Variable Fonts jedoch für unseren anderen etwas zu dünn . . . Mit variablen Schriften können wir genau die-
Schwerpunkt, die Gestaltung von Icons. Diese können – ähnlich se Parameter optisch in feinsten Gradationen anpassen.
wie Schriften – mehr oder weniger geometrisch, eckiger oder Aber wir haben auch Fragen, zum Beispiel zur Abrechnung.
weicher sein, gedrungener oder weiter, feiner oder fetter und Wie viel wird man für einen variablen Font bezahlen müssen?
trotzdem stilistisch eine Einheit bilden. Aber im Gegensatz zu Wie wäre es, wenn man künftig statt festgelegter Schnitte nur
Schriften sind die Ausgangsformen hier viel weniger festgelegt, noch bestimmte »Ranges« eines Fonts kauft. Mit einem Abrech-
der Icon-Zeichensatz ist viel offener. Hier würde es tatsächlich nungssystem, das genauso dynamisch ist wie das gekaufte Pro-
Sinn machen, diese Ausgangsformen variabel anzubieten – so- dukt. Es bleibt ein spannender Prozess, und wir freuen uns auf
dass sie sich an die visuelle Botschaft, den Hintergrund und die neuen technischen und gestalterischen Möglichkeiten, die
die umgebenden Gestaltungselemente anpassen lassen. Variable Fonts mit sich bringen werden!

Variable Fonts. Wie die neue Font- Gute Typografie im Web. Gespräch PAGE eDossier »Perfekte Typo für
technologie funktioniert und mit dem Developer Harry Keller, Print und Online«. Unser Ratgeber
was damit schon möglich ist, lesen der technische und typografische mit den Dos und Don’ts für den
Sie auf ↗  www.page-online.de/ Expertise zusammenbringt Einsatz von Schrift in allen Medien
variable-fonts-technik ↗  www.page-online.de/PEPA1707 ↗  www.page-online.de/PDDP1041
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PAGE eDossiers – Best-of-Kompilationen aus


PAGE und WEAVE im Originallayout:
PDFs einfach und jederzeit runterladen in unserem
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Zu Besuch bei DELI
Creative Collective:
Studierende der
Hochschule Niederrhein
informieren sich
über die Arbeit des
Motion Designers

● Neue Technologien führen zu neuen Jobprofilen.


Und neue Jobprofile erfordern neue Skill Sets. Die
Folge sind unscharfe, verwirrende Berufsbezeich-
nungen und nicht klar definierte Ausbildungswege.
Entsprechend orientierungslos ist der Kreativnach-

connect wuchs. Aber auch in Agenturen und Unternehmen


stößt das Silodenken in Zeiten digitaler Transforma-
tion oft an seine Grenzen. Es gilt, heterogene Pro-

creative
jektgruppen zu Teams zu formen und neue Metho-
den zu erlernen. Wer nachhaltig im Geschäft sein
möchte, kommt um disziplinübergreifende Kom-

competence
petenzen nicht mehr herum. Integriertes, interdis-
ziplinäres Denken gilt als Gebot der Stunde.
Die PAGE-Connect-Initiative unterstützt Kom-
munikations-, Digital- und Designagenturen sowie
EINE
INITIATIVE Hochschulen, Unternehmen und Young Talents da-
VON bei, sich (neu) zu orientieren und umfassend zu
qualifizieren. Sie macht komplexe Prozesse journa-
listisch fundiert transparent und bietet eine Platt-
form für den medialen Diskurs. Denn bei der per-
sönlichen Abwägung, welche Ausbildung wirklich
Die PAGE-Initiative zur Förderung zu einem passt oder ob sich dahinter ganz andere
Inhalte und spätere Berufsbilder verbergen als ver-
neuer Kompetenzen in Agentur, mutet, helfen Hochschul- und Kreativrankings allein
Hochschule und Unternehmen nicht weiter. Gleiches gilt für die realistische Ein-
schätzung, welche spannenden Perspektiven sich für
↗ www.page-online.de/connect kreative Talente in Agenturen auftun.

Träger der Connect-Initiative sind Design-, Kommunikations- und Digitalagenturen sowie Hochschulen, Unternehmen und Verbände, kuratiert von PAGE:
PAGE 10.17 105

Creative Competence an Hochschulen


Den besten Einblick in den Studienalltag vermitteln
noch immer diejenigen, die ihn jeden Tag erleben und
gestalten: die Professorinnen und Professoren selbst.
Auf www.page-online.de/connect nennen die Part-
nerprofessoren der PAGE-Initiative drei gute Gründe,
den von ihnen vertretenen Studiengang zu wählen,
und räumen mit Vorurteilen über das jeweils vorge-
stellte Berufsbild auf. Zudem formulieren sie in exklu-
siven Videos, was sie von künftigen Studenten erwar-
ten. Wir starten unsere Hochschul-Videoreihe mit:

· Prof. Heribert Birnbach Corporate Design


· Prof. Wolfgang Henseler UX Design
· Prof. Daniel Rothaug Service Design
· Prof. Richard Jung Motion Design
· Prof. Stefan Wölwer Interaction Design
Der Connect-Channel:
· Prof. Jürgen Schulz Content Marketing
Online finden Sie
alle Jobprofile in Wort
Creative Competence in Agenturen und (Bewegt-)Bild
Den umfassendsten Einblick in die Praxis können sowie zum Gratis-
dann aber nur diejenigen bieten, die ihre Kompetenz Download.
im Tagesgeschäft unter Beweis stellen und mit ihren ↗  www.page-online.
de/connect
Kunden um die besten Lösungen ringen. Wir haben
gemeinsam mit ausgewählten Agenturen einzelne
Jobprofile in der Praxis unter die Lupe genommen
und die Berufsbildinhaber in ihren Teams bei ihrer
ganz konkreten interdisziplinären Projektarbeit be-
gleitet. Dabei entstehen 36-seitige Jobprofilkompen- Immer up to date.
dien, die wir an Hochschulen verteilen und für Sie peu Am besten bestellen
à peu zum kostenlosen Download unter www.page- Sie auch gleich den
PAGE Newsletter,
online.de/connect/download bereitstellen.
dann sind Sie immer
im Bilde, wenn
· Brand Strategist ein neues Jobprofil
· Business Designer bereitsteht.
· Content Strategist ↗  www.page-online.
· Corporate Designer de/newsletter
· Design Director
· Informationsdesigner
· Interaction Designer
· Interface Designer
@
· Kommunikationsdesigner Wenn auch Sie
· Motion Designer PAGE Connect
· Service Designer unterstützen
· Strategischer Designer möchten, schreiben
· Transaction Editor Sie uns:  connect@
page-online.de
· User Experience Designer
· Virtual Reality Designer
106 page 10.17 › branche

Serie: Jobprofile

Interface Designer
Als Interface Designer gestaltet man die zahlreichen Schnittstellen,
über die Nutzer mit Geräten oder Anwendungen kommunizieren

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

BERUFSBEZEICHNUNG Interface Designer


AUSBILDUNG Designstudium mit dem Schwerpunkt
Interface Design oder Quereinstieg aus anderen Design-
studiengängen
VERDIENST Junioren ohne Berufserfahrung verdienen
zwischen 2600 und 2800 Euro brutto im Monat, Interface
Designer im Mid Level bekommen zwischen 3000 und
4800 Euro, in Führungspositionen sind über 4800 Euro im
Monat möglich (Quelle: Serviceplan)

K
evin Eschweiler, 36 Jahre, arbeitet
bei der Serviceplan-Digitalagen-
tur Plan.Net in Hamburg und ist
dort als Creative Director Digital
auf Interface Design spezialisiert.
Wir sprachen mit Kevin Eschwei-
ler, darüber, welche Aufgaben ihn
tagtäglich beschäftigen – und welche Fähigkeiten für
einen Interface Designer besonders wichtig sind.

Wie kamst du darauf, dich auf Interface


Design zu spezialisieren?
Kevin Eschweiler: Interface Design ist ein weites
Kevin Eschweiler
Feld und birgt noch viel Potenzial. Jeder kommt täg- arbeitet seit März
lich mit Interfaces in Berührung. Das Internet ist 2017 als Creative
natürlich kein Neuland mehr, doch trotzdem scheint Director Digital
es an einigen Stellen nicht komplett durchdacht zu bei Plan.Net
sein. Als Nutzer fragt man sich oft: »Warum verhält
sich das nicht so, wie ich es erwarte?« Man hat ein
konkretes Bild davon, wie Berührungspunkte sich
verhalten sollen, doch das wird nicht immer er-
reicht. Viele stürzen sich momentan auf fancy Dis-
ziplinen wie Virtual oder Augmented Reality, dabei studium an der Fachhochschule Aachen und ein
sind die Basics noch ausbaufähig: Wie bediene ich Hauptstudium an der Universität Maastricht. Die
das Interface? Und wie lasse ich die entsprechende Studenten und Dozenten stammten aus aller Welt,
Marke mitschwingen? was ich sehr gut fand – auch weil andere Nationali-
Was hast du studiert? Und wo? täten und Kulturen ganz anders mit Designthemen
Eschweiler: Vor meinem Studium habe ich eine Aus- umgehen. Mir hat zudem gut gefallen, dass es mög-
bildung im Bereich Verpackungsdesign und Verkaufs- lich war, die Richtung der Spezialisierung selbst vor-
förderung in meiner Heimatstadt Aachen gemacht. zugeben, sodass ich mich früh auf Interface Design
Das hat sich schnell ausgereizt angefühlt – man wird fokussieren konnte.
es zwar immer brauchen, und es bietet Raum für Hat dich das Studium gut auf deinen
kreative Ideen, doch es passiert wenig Innovatives. jetzigen Job vorbereitet?
Mir erschien der Spielraum online dann einfach Eschweiler: Eigentlich schon. Besonders weil man
größer, sodass ich noch ein Studium angeschlossen eben viel selbst gestalten konnte. Was außerdem
habe: Communication & Multimedia Design. Der in- sehr geholfen hat: Im Hauptstudium wurden reale
ternationale Studiengang gliedert sich in ein Grund- Kunden eingebunden. Man hat von Anfang an echte
page 10.17 107

Projekte angestoßen. Das war sehr lehrreich. Jedes fangen kann. Man hält damit die Kommunikations­
Tool kann man lernen, jeden Prozess und jede Me­ wege kurz und schafft es, Sachen schnell auf die
chanik kann man sich aneignen, aber der Umgang Straße zu bringen. Für komplexere Animationen,
mit Kunden und richtigen Projektabläufen ist etwas die Sketch nicht abbilden kann, nutze ich After Ef­
anderes – da hilft nur Erfahrung. fects. Die Adobe­Produktpalette taucht auch immer
Was machst du in deinem Job bei wieder auf, für Bildbearbeitungen kommt man bei­
Plan.Net genau? spielsweise an Photoshop nicht vorbei. Alles andere
Eschweiler: Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Be­ kann Sketch schon ganz gut.
dürfnisse des Kunden zu verstehen und für diese mit Wie lange arbeitest du üblicherweise
dem Team eine Lösung zu entwickeln – vieles ist an einem Projekt?
Übersetzungsarbeit. Ich habe je nach Projekt unter­ Eschweiler: Das unterscheidet sich stark. Manch­
schiedliche Rollen, was daran liegt, dass wir mo­ xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
mal nur ein bis zwei Wochen, wenn es ganz schnell
mentan noch ein kleines Team aus sieben Leuten gehen muss. Bei solchen Projekten geht es dann na­
sind. Es kann also sein, dass ich selbst ein Interface »Es kommen türlich eher um Ideenskizzen als um fertige Pro­
gestalte. Bei anderen Projekten übernehme ich hin­ ständig neue dukte. Viele Projekte haben kein Ende, da sie sich
gegen die Kreativdirektion und führe das Team da­ ständig weiterentwickeln.
hin, etwas zu erarbeiten. Parallel steuert man meist Formen von Was gefällt dir besonders gut an deinem Job?
zwei bis vier Projekte. Interfaces Eschweiler: Das Phänomen Interface verändert
Wie läuft die Zusammenarbeit bei hinzu. Auch sich konstant, sodass meine Arbeit sehr abwechs­
euch im Team?
für Dinge, lungsreich bleibt. Interface bedeutet so viel mehr,
Eschweiler: Die Abstimmung untereinander ist to­ als auf Screens zu klicken oder auf Smartphones he­
tal wichtig, wir sind ständig im Austausch. Gerade an die noch rumzutippen. Durch die Digitalisierung kommen
im Digitalbereich überschneiden sich die Gewerke niemand ständig neue Formen von Interfaces hinzu, auch für
stark, beispielsweise Design, Konzept und Entwick­ denkt« Dinge, an die heute noch niemand denkt. Auch die
lung. Niemand kann oder weiß alles, dafür hat man Kunden wechseln oder entwickeln sich weiter, das
Kevin Eschweiler,
Experten in den verschiedenen Fachbereichen, aber Creative Director Team wächst. Es ist eine angenehme Form der Un­
alle müssen das gleiche Vokabular haben. Program­ Digital bei Plan.Net, beständigkeit, die einen wissen lässt, dass man mor­
mierer sollten auch ein bisschen Designverständnis Hamburg ↗ www. gen nicht das Gleiche tun wird wie heute.
mitbringen und andersherum. Wir sitzen meist auf plan-net.com/de Wie bleibst du bei all den neuen
Rufweite zusammen, ansonsten kommunizieren Entwicklungen am Ball?
wir über Slack. Als derzeit noch kleines Team haben Eschweiler: Man muss wirklich eine Begeisterung
wir sehr flache Hierarchien. Wir haben genug Ar­ für das Thema haben. Im Team hat jeder unterschied­
beit, um zu wachsen, und werden uns planmäßig liche Interessen und hält die anderen über neue
bis zum nächsten Jahr mindestens verdoppeln. Je Entwicklungen auf dem Laufenden – beispielswei­
größer wir werden, desto mehr hierarchische Zwi­ se, was neuerdings technisch möglich ist oder wenn
schenebenen wird es geben. man etwas Innovatives im Interface­ oder Design­
Wie arbeitet ihr mit Kunden zusammen? bereich gesehen hat. Wenn dann ein neues Projekt
Eschweiler: Kunden beauftragen keine Interfaces, oder Problem auftaucht, erinnert man sich wieder
sondern Lösungen für Anforderungen. Gute Interfa­ daran und hat direkt einen Lösungsansatz. Außer­
ces sind Teil dieser Lösung, daher ist es sehr wichtig, dem bringen uns Messen und Konferenzen weiter.
die Anforderungen genau zu verstehen. Das funktio­ Welche Projekte machen dir
niert gut in Workshops, in denen wir im Dialog aus besonders viel Spaß?
dem Kunden herauskitzeln, worauf es ihm bei einem Eschweiler: Die Projekte, bei denen das gleiche
Projekt genau ankommt. So haben wir ihn direkt Verständnis herrscht, das ich auch habe. Dass Inter­
eingebunden und schaffen eine gemeinsame Grund­ face nicht nur eine Schnittstelle zwischen Mensch
lage, was die Zusammenarbeit erleichtert. Wenn wir und Maschine ist, sondern auch zwischen Kunde
mit Projekten loslegen, versuchen wir, schnell in Pro­ und Marke. Nur wenn es gut funktioniert und sich
totypen zu arbeiten. Der Kunde ist dadurch unmit­ so anfühlt, wie die Marke spricht, ist es ein gutes In­
telbar beteiligt und kann jederzeit sehen, was sich terface. Klassische Werbung kommuniziert einsei­
verändert. Er ist immer auf dem aktuellen Stand, tig über Kampagnen. Doch wirklich mit der Marke
ohne dass die Dokumentation und die Kommuni­ in Berührung, im wahrsten Sinne des Wortes,
kation überproportional viel Zeit beanspruchen. kommt man über das Interface.
Ohne welche Tools wärst du absolut Und was sind besondere Herausforderungen?
aufgeschmissen? Eschweiler: Es gibt den berühmten Stolperstein:
Eschweiler: Sketch hat sich wirklich etabliert und Zu viele Köche verderben den Brei. Das gilt beson­
löst gerade viele andere Tools ab. Das Programm ders dann, wenn man mit Partnern oder anderen
unterstützt inzwischen nahtlos Arbeitsschritte vom Agenturen zusammen an einem Projekt arbeitet,
konzeptionellen Wireframing bis zum fertigen De­ die ein anderes Verständnis, einen anderen An­
sign. Es entstehen sogar einigermaßen brauchbare spruch oder andere Ziele haben. Wenn man in un­
Codeschnipsel, mit denen der Entwickler etwas an­ terschiedliche Richtungen läuft, wird es schwie­
108 page 10.17 › branche › Interface Designer anzeIge

rig, das kann nicht wirklich zu guten Ergebnissen xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx


führen. Vielmehr frustriert es – spornt aber auch an, Die Referentinnen
bessere Argumente zu finden. »Es gibt die
Ist es üblich, mit anderen Agenturen und Kampagne,
externen Dienstleistern zusammenzuarbeiten? die den
Eschweiler: Ja, man hat mittlerweile nicht mehr die
eine Lead-Agentur, die alles macht. Dafür gibt es
Nutzer
heute zu viele unterschiedliche Expertisen. befeuert.
Was macht einen Interface Designer aus? Doch wirklich
Eschweiler: Interface Designer müssen lösungsori- mit der
entiert denken, da sie immer wieder vor das Grund-
problem gestellt werden: Was muss ich der Maschi-
Marke in
ne sagen, damit sie tut, was ich möchte? Es sollte da Berührung –
sofort ein konkretes Bild entstehen, wie es funktio- im wahrsten
niert – und diese Lösung sollte sehr klar sein, selbst- Sinne des
erklärend und intuitiv. Auf der anderen Seite sollte
auf jeden Fall auch Markenverständnis vorhanden
Wortes –
sein – ein Gespür für die ganz eigenen Werte der kommt man
Marke, denn diese müssen sich in jedem Interface über das
wiederfinden. Als Eckpfeiler ebenfalls wichtig: äs- Interface« ● Sabine Pallaske, Mitbegründerin und bis 2016
thetisches Verständnis und die Bereitschaft sowie Geschäftsführerin von F1online, ist Coach in Sachen
die Fähigkeit, mit all den anderen beteiligten Ge- Kevin Eschweiler, Bild- und Urheberrechte mit bildgerecht.de. Sie hat
Creative Director
werken zu kommunizieren. Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie
Digital bei Plan.Net,
Welche persönlichen Eigenschaften sind an der Hochschule Darmstadt studiert und war lange
Hamburg ↗ www.
besonders wichtig? plan-net.com/de Zeit selbstständig als Fotografin tätig. Ihre Sach-
Eschweiler: Man sollte Prioritäten setzen können kompetenz bringt sie unter anderem beim Bundesver-
und in der Lage sein, abzuwägen, wann man abstra- band professioneller Bildanbieter (BVPA) aktiv ein,
hieren sollte und wann es nötig ist, sich ins Detail bei der Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing
zu stürzen. Sonst verzettelt man sich schnell. (MFM), die sich der Ermittlung von Bildhonoraren
Und was braucht es an fachlichem Know-how? widmet, sowie bei diversen Foren. Ihr ist es ein
Eschweiler: Da wir sehr viel mit Sketch arbeiten, Anliegen, das Chaos im Bild- und Lizenzrecht für
wäre es gut, das Tool schon mal genutzt zu haben. Anbieter wie Nutzer durchschaubar zu machen.
Doch das Programm ist glücklicherweise nicht so
komplex – in seinen Grundzügen versteht man es
schnell. Jeder, der bereits mit anderen Tools gear-
beitet hat, zum Beispiel Illustrator und Photoshop,
findet sich gut zurecht.
Sollte man Digitalerfahrung mitbringen?
Eschweiler: Nicht zwangsläufig. Gerade Berufsan-
fänger, die in der digitalen Welt aufgewachsen sind,
finden sich üblicherweise schnell in unsere digitale
Arbeitsweise ein. Wichtiger sind Konzeptionsstär-
ke, Offenheit und Flexibilität.
Was meinst du, wie sich das Berufsbild in
Zukunft entwickeln wird?
Eschweiler: Es wird immer mehr Berührungspunk-
te geben, über die man mit Marken auf digitaler
Ebene kommuniziert oder Services abruft. Und alle
benötigen Interfaces. Außerdem wächst so langsam
das Bewusstsein dafür, dass Markenkommunika- ● Rechtsanwältin Silke Kirberg ist Inhaberin der auf
tion eben auch über das Interface geschehen muss. Urheber- und Medienrecht spezialisierten Kanzlei
Dass es die unmittelbarste Verbindung ist, die man Kirberg in Hamburg. Kernbereich ihrer Tätigkeit
mit dem potenziellen Kunden eingehen kann. In- ist das Bildrecht. Sie berät und vertritt überwiegend
terface Design ist ein wachsender Markt und des- Unternehmen und Freiberufler aus der Medienbran-
halb werden in Zukunft viele Interface Designer ge- che, insbesondere Bildagenturen und Fotografen.
braucht werden. lr [733] Daneben vertritt sie auch Privatpersonen bei Verlet-
zungen ihres Persönlichkeitsrechts in Wort und
PAGE Serie »Jobprofile« zu berufsbildern Bild. Durch ihre langjährige Praxis ist ihr das Bild-
in den unterschiedlichen Feldern der Kreativ- geschäft bestens vertraut. Silke Kirberg ist
branche ↗   www.page-online.de/jobprofile   Mitglied des Experten-Netzwerks BVPAexperts.
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1 PRAXiS
Weitere PAGE Seminare finden
Sie unter www.page-online.de/seminar

Die Agenda

Bildrecht! 1 Grundzüge des Urheberrechts


Was ist urheberrechtlich geschützt, und wer
hat wann die nutzungsrechte inne?

Was Bildnutzer und 2 Schranken des Urheberrechts und

Bildurheber in zeiten Nebenrechte

von Facebook & Co


Welche Rechte Dritter bestehen unter
welchen Bedingungen, und wer muss
wissen müssen sich wann genehmigen lassen, ob die Bilder
veröffentlicht werden können?
A. Model Release: das Recht am eigenen Bild,
Klärung mit Einzelpersonen oder Model-
agenturen (Kunsturhebergesetz, Grund-
gesetz, EMRK)
Das Seminar »Bildrecht!« B. Property Release: Was ist Panorama-
freiheit, und wo braucht es die Genehmigung
● Die gutgläubige Nutzung von Bildern im Kommunikations-, Grafik- und des Grundstückseigentümers?
Mediendesign kann gut und gerne Nachforderungen in empfindlicher C. Markenrecht: Imageübertragung oder
Höhe mit sich bringen. Und in Anspruch genommen wird immer der zuerst, Beiwerk? Augen auf bei Styling und Requisite –
der ein Bild der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Gut also, wenn alle hier herrscht großer Abstimmungsbedarf.
Beteiligten – Artdirektoren, Art-Buyer, Bildredakteure, Social-Media-Manager,
Editorial Designer, Grafiker, Bildgestalter und Website-Betreiber – verstehen, 3 Nutzungs- und Verwertungs-
was genau sich hinter dem Begriff »Bildrecht« sowie hinter den einzelnen Lizenz- vereinbarungen
modellen verbirgt. Property und Model Release, Marken-, Eigentums- und Wer räumt wem wann was ein – und wie?
Persönlichkeitsrecht sowie das Recht am eigenen Bild bergen mehr Fallstricke, Welche Rechte habe ich als Designer, Filme-
als man gemeinhin annehmen mag. Und das sind nur einige der Aspekte, die macher, Fotograf auf der einen Seite und
selbst bei der Nutzung von sogenanntem lizenzfreiem Bildmaterial berücksich- welche als nutzer auf der anderen Seite?
tigt sein wollen. Auch die AGB haben es in sich. A. Stock: RM/RF/Microstock/Creative
Commons/Flickr & Co
Im PAGE Seminar »Bildrecht« erklären Sabine Pallaske und Silke Kirberg an B. individualvertrag (Designer, Texter,
anschaulichen Beispielen aus der Praxis nicht nur, was Illustratoren und Fotograf, illustrator, Filmemacher)
Fotografen sowie Agenturen und Unternehmen bei der Auftragsvergabe und C. Miturheberschaft (extrem wichtig,
Verwertung von Bildern beachten müssen, sondern auch, wie man sich beispielsweise bei Postproduktion oder
in den bildorientierten Social Networks wie Instagram und Pinterest verhält. Styling und Food-Fotografie)
Die Referentinnen räumen in klarer, verständlicher Sprache auf mit
Halbwahrheiten und irreführenden Ratschlägen, sodass Sie ein fundiertes 4 Urheberrecht und Social Media
Rechtswissen für Ihren Arbeitsalltag erlangen, mit dem sich 90 Prozent A. grundsätzliches
der Abmahnungen vermeiden lassen. Zudem erhalten Sie geldwerte Tipps B. Quellenangabe
für die Vertragsgestaltung und Nutzungsrechtsklärung und können die C. Wie schütze ich mich gegen Missbrauch?
Pausen nutzen, um über konkrete Fälle aus Ihrem Kreativalltag zu sprechen. (Branding und andere Methoden)
D. Welche Lizenzregelungen gelten bei den
Das PAGE Seminar findet am 20. Oktober im Hotel 25hours, verschiedenen Bildagenturen?
Hamburg-Bahrenfeld, von 9:00 bis 17:30 Uhr statt. Die Teilnahmegebühr von
756 Euro (zzgl. gesetzlicher MwSt.) ist gut investiertes Geld. Denn die Teil- 5 Die Tücken im Detail
nahme bewahrt Sie vor manch einer Bildrechtsverletzung, die Sie teuer zu stehen A. AgB – was ist das eigentlich?
kommen könnte, und hilft Ihnen im Falle, dass Sie selbst der Urheber sind, Ihre B. Angebote korrekt formulieren
Rechte zu wahren und angemessene Honorare durchzusetzen. Die Gebühr umfasst C. Rechteumfang richtig beschreiben
die Tagungskosten sowie Lunch und Kaffeepausen. Die Teilnehmerzahl ist auf
18 Personen begrenzt! Also schnell anmelden unter  www.page-online.de/seminar .  6 Wer haftet?
Die Rechtekette und die Konsequenzen
für nutzer, Besteller und Urheber bei
Rechtsverletzungen
PAge // ebner Verlag gmbH & Co. Kg // info@page-online.de //
Telefon: +49 40 85183400 //  www.page-online.de/seminar
Aufgrund der auf 18 Personen pro Veranstaltung begrenzten Teilnehmerzahl werden die Anmeldungen in Der PAGE Workshop mit Sabine Pallaske und
der Reihenfolge der Eingänge der Zahlungen berücksichtigt. Die Teilnahmegebühr fällt mit der Anmeldung Silke Kirberg lässt genug Zeit für Fragen und
an. Sie ist sofort nach Erhalt der Rechnung zuzüglich gesetzlicher Mehrwertsteuer ohne Abzug zu überweisen.
Bitte beachten Sie unsere Widerrufsbelehrung auf der Leserservice-Seite (siehe Inhaltsverzeichnis). Diskussionen und den Austausch untereinander.
110 page 10.17 › branche

Szene
Was die Kreativbranche und ihre Akteure bewegt

World Wide Graphic Design


● Projekt-Website. Den Blick zu öffnen ist immer
eine gute Idee. Erst recht, wenn er dann in Bereiche
fällt, die weit entfernt und etwas abgelegen sind –
und umso interessanter. Das Forschungsprojekt
»Inter Graphic View«, das unter Leitung von Profes-
sor Ingo Offermanns an der HFBK Hamburg statt-
findet, macht genau das. Es befragt Grafikdesigner
unterschiedlicher Generationen und Standorte zu
ihren professionellen Hintergründen.
Auf der vor Kurzem gelaunchten Website www.
intergraphicview.com erfährt man von der Design-
agentur Farmgroup aus Bangkok, wie ihr Alltag aus-
sieht und was ihre Arbeit inspiriert, von Sulki & Min
aus Seoul, was ihr spezieller Zugang zum Grafikde-
sign ist, oder vom Chefredakteur des Designmaga-
zins »idea«, Kiyonori Muroga, ob Tokio eine gute
Stadt für Kreative ist. »Inter Graphic View« ist work
in progress mit ausführlichen Gesprächen und zahl-
reichen Arbeiten, essayistischen Kurzfilmen, einem
Online-Archiv und Glossar. Es macht sichtbar, was
jenseits des westlichen Grafikdesigns existiert, führt
in unbekanntere Welten und lädt zu einem Dialog
ein, den man unbedingt führen sollte. sd

Die Welt des Grafikdesigns ist groß: Als work in


progress führt die Inter-Graphic-View-Website
in unbekanntere Designgefilde, zeigt Arbeiten,
klärt Begriffe und fördert den Austausch

10 % 24,4 %
xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

Start-up-
Check-up
Quelle: Deutscher Start-up-Monitor 2016↗ http://deutscherstartupmonitor.de

Nur 24,4 Prozent aller Gründer arbeiten nach


Hundert deutsche Gründer
dem Scheitern als Angestellte.
sondierten gesetzliche und
bürokratische Einschrän­
kungen, die sich negativ auf
ein international wett­
Nur 10 Prozent aller Gründer sind Frauen.
bewerbsfähiges deutsches
Jeder zehnte Gründer eines deutschen Start-ups
Start­up­Ökosystem

23,3 %
kommt aus dem (EU-)Ausland.
auswirken. Daraus leiteten
sie 16 Forderungen ab,

49,2 %
die der Bundesverband
Deutsche Startups nun als
»Deutsche Startup Agen­
da« der neuen Bundes­
49,2 Prozent aller Gründer
regierung vorlegen wird
haben zuvor schon einmal ein
(Download unter  https:// Start-up gegründet.
is.gd/deutschestartup­ Die meisten Gründerinnen – 23,3 Prozent – gibt es in Hamburg.
agenda2017 )  . ae
page 10.17 111

Wie funktioniert Smartjobr genau?


Wir drehen den Spieß um: Die Jobangebote kommen
zu den Freelancern, nicht umgekehrt. Auftraggeber
Nils Kreyenhagen stellen ihre Projekte samt kurzer Beschreibung ein,
startete zusam- unter anderem mithilfe von Hashtags, und diese wer-
men mit Florian den allen Freelancern angezeigt, deren Profil auf die
Mielke und Pascal geforderten Fähigkeiten passt. In der Premium-Ver-
Wabnitz die sion bekommt der passende Freelancer direkt eine
Matching-App
Push-Nachricht. Das geht wesentlich schneller und
Smartjobr
gezielter als Jobangebote auf XING, LinkedIn oder
Facebook, wo der Streuverlust hoch ist und die Mel-
»Wir treten nur als dung oft im Newsfeed untergeht. Zudem vermindert
dies den Organisationsaufwand, der entsteht, wenn
Vermittler auf – quasi sich zu viele falsche Bewerber melden. Gleichzeitig

wie eine Dating-App«


bieten wir die Möglichkeit, interessante Kontakte
hinzuzufügen und so ein Netzwerk aufzubauen.
Wie unterscheidet ihr euch noch von euren
● Die Freelancer-Schar wächst, das Projektgeschäft Wettbewerbern?
in der internationalen Kreativ- und Digitalbranche Die meisten Anbieter arbeiten auf Provisionsbasis.
ebenso – und mit ihnen das Angebot an Vermitt- Das heißt, das Projekt wird komplett über die Platt-
lungs- und Matching-Plattformen. Kürzlich kam form abgewickelt und getrackt, damit der Betreiber
mit Smartjobr ein neuer Player dazu: Die Mobile seinen Anteil verlangen kann. Das verlangsamt den
App bringt Auftraggeber und Freelancer mit einem Prozess und hat oft den Nebeneffekt, dass höhere
eigenen Matching-Algorithmus zusammen – »smart, Preise verlangt werden, weil Freelancer die Provision
nutzerfreundlich und ohne Umwege«, so das Ver- draufschlagen. Wir treten dagegen nur als Vermitt-
sprechen ( www.smartjobr.com ). Smartjobr basiert ler auf. Wie eine Dating-App bringen wir zwei Par-
auf einem Freemium-Modell, in der jetzigen Open teien schnell und unkompliziert zusammen – was
Beta sind noch alle Funktionen kostenlos. Wir danach passiert, liegt komplett bei ihnen.
fragten Mitgründer und COO Nils Kreyenhagen, Welche künftigen Features plant ihr?
was Smartjobr anders macht als andere Matching- Es wird einen integrierten Chat geben, der die Kom-
Angebote. nik [1756] munikation beschleunigt. Außerdem planen wir eine
Funktion, mit der Freelancer sich zusammenschlie-
Wieso eine App statt einer Webplattform? ßen und als Team anbieten können. Gut eingespiel-
Nils Kreyenhagen: Weil wir hier großen Bedarf se- te Kombis werden gerne gebucht. Ebenfalls in Arbeit
hen. Bisher gibt es kaum mobile Anwendungen in ist die Möglichkeit, seine LinkedIn-Daten zu impor-
diesem Bereich – geschweige denn gute. Wir planen tieren. So sparen sich die User Zeit beim Ausfüllen
aber auch eine Webplattform, die voraussichtlich ir- ihres Profils. Nach der nächsten Finanzierungsrunde
gendwann 2018 starten wird. geht es gleich an die Entwicklung der Webplattform.
Wie bei Instagram:
Kunden versehen ihre
Jobs mit Hashtags,
um die Projekte zu
beschreiben. Freelancer
bekommen geeignete
Anfragen per Mitteilung
samt Matchingquote

In ihrem Profil
geben Freelancer
Fotos: Roman Halfen

nicht nur ihre


Kompetenzen an,
sondern auch
Verfügbarkeit,
Tagessatz und
Einsatzorte
112 PAGE 10.17

Vorschau Kontakt
PAGE 11.17 erscheint am 4. Oktober

Packaging Design Redaktion PAGE


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Chefredakteurin/Publisher Gabriele Günder, V.i.S.d.P.
Textchefin Astrid Umbreit (au)
Musclebeaver München für ProSiebenSat.1

Redaktion Miriam Harringer (mh, Redaktion Online),


Nina Kirst (nik; Branche, verantwortlich), Laura Reinke (lr),
Arne Schätzle (as). Freie Mitarbeit: Antje Dohmann (ant),
Angelika Eckert (ae), Dr. Claudia Gerdes (cg), Rebecca
von Hoff (Grafik), Christine Krawinkel (ck, Artdirektion),
Myriam Jantoss (Textredaktion), Maiken Richter (Text-/
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Schlussredaktion), Sabine Danek (sd, Redaktion Online);


Redaktionsassistenz: Sinja Kik
Autoren dieser Ausgabe
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Titel KRSNA Trial ( w
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Schriften ff Quadraat und ff Mark, erhältlich


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Sprachgesteuerte Assistenten übernehmen zunehmend das Shopping, Zeitschrift und alle in ihr enthaltenen einzelnen Beiträge und Abbildungen sind urhe-
berrechtlich geschützt. Mit Annahme des Manuskripts gehen das Recht zur Veröf-
die Home-Steuerung und das Versenden von Botschaften an fentlichung sowie die Rechte zur Übersetzung, zur Vergabe von Nachdruckrechten,
Familie oder Freunde. Wie verändern Interfaces wie Alexa, Siri, Cortana zur elektronischen Speicherung in Datenbanken, zur Herstellung von Sonderdru-
cken, Fotokopien und Mikrokopien an den Verlag über. Jede Verwertung außerhalb
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PAGE 10.17 113

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114 page 10.17 › Sieberts Betrachtungen

Ein Plätzchen für Cookies


Kühne Kommentare von Jürgen Siebert zu Trends, Ereignissen und
dem ganz normalen Alltagswahnsinn eines Kreativen

also eigentlich der Hinweis, dass ei- Zwecken, müssten sie nicht mehr ab-
ne besuchte Website unsere Daten an gesegnet werden. Es gilt die Opt-out-
Google weiterreicht. Lösung, wonach es ausreichend ist,
Tatsächlich arbeitet die Europäische dass Unternehmen in ihren Daten-
Kommission daran, nervige Cookie- schutzerklärungen darüber informie-
Banner Mitte 2018 komplett abzuschaf- ren. Möchten Betreiber aber weiterhin
fen. Seit Januar wird die ePrivacy-Re- Nutzungsprofile erstellen, so wird dies
form diskutiert, ein Paket mit Regeln künftig ausschließlich nach vorheri-
zum besseren Schutz der Privatsphäre ger ausdrücklicher Zustimmung des
in der elektronischen Kommunika- Users möglich sein, wobei die EU den
tion. Damit verfolgt die EU zwei Ziele: Browser zum Pförtner machen will.
das Vertrauen der Menschen in digita- So könnten Cookies für Dritte zum
le Services zu stärken sowie die Markt- Beispiel per Voreinstellung dauerhaft
chancen europäischer Internetunter- deaktiviert sein. Verbraucher werden
Foto: Norman Posselt

nehmen gegenüber dominierenden sie dann wahrscheinlich nie einschal-


Weltmarken zu verbessern, die den ten, da sie den Komfort der legalen
Datenschutz lockerer sehen.  »Soft-Cookies« genießen und das Wir-
In der aktuellen Form verspricht die ken der bösen Tracking-Cookies im
ePrivacy-Reform ein scharfes Schwert Verborgenen sowieso nicht vermissen.
zu werden. Aus Richtlinien wird eine Viele Geschäftsmodelle der Digital-
Restriktion oder Chance? Unser Kolumnist Jürgen
Verordnung, die in den EU-Mitglied- wirtschaft wären dadurch gefährdet,
Siebert kommentiert die ePrivacy-Reform
staaten auch ohne nationale Umset- vor allem die der Adtech-Nervensägen.
zungsgesetze greift. Sie soll erstmals Sinnvolle Empfehlungen und koope-
auch für sogenannte Over-the-Top- rative Marketingdialoge könnten trotz-
● Cookie-Banner nerven. Doch im- Dienste gelten. Damit sind Text-, Au- dem weiterbestehen, zum Beispiel über
mer mehr kommerzielle Websites for- dio- und Videoangebote gemeint, die ein Kunden-Log-in.
dern ihre Kunden auf, das »Setzen ei- nicht von den Netzbetreibern selbst Datenschützer weisen auf die Chan-
nes Cookies« per Klick zu geneh- kommen – etwa Telekom, Funk und cen der ePrivacy-Novelle hin. Weil die
migen. Was bewirken diese digitalen Fernsehen –, sondern von freien Anbie- Nutzer in ihren Rechten gestärkt wer-
Kekse noch mal? Auf der Schokola- tern via Internet, wie WhatsApp (SMS), den und mehr Kontrolle über ihre Da-
denseite speichern sie Einkaufszettel Skype (Telefonie) oder Netflix (Serien). ten haben, könnten sie längerfristig
und Voreinstellungen, sodass wir uns Für Verstöße sieht die EU empfind- das Blockieren von Cookies und An-
beim nächsten Besuch wie Stammkun- liche Strafzahlungen von bis zu 4 Pro- zeigen lockern. Europäische Vermark-
den fühlen dürfen. Weniger süß die zent des weltweiten Umsatzes vor. ter und Medienunternehmen, die sich
Rückseite: Unsere Datenspur landet Die ePrivacy-Regeln werden sich auf kreativ mit der neuen Richtlinie aus-
bei Partnern des Website-Betreibers, fast alles auswirken, womit im Netz einandersetzen, könnten Marktantei-
die uns mittels Tracking und Targe- Geld verdient wird. Die einen spre- le von internationalen Playern zurück-
ting zum gläsernen Kunden machen. chen vom Ende der Digitalwirtschaft, gewinnen, wenn diese – genervt von
Angeblich sind die Bürokraten in die anderen sehen eine große Chan- den EU-Restriktionen – ihr Aktivitä-
Brüssel für die Keks-Zustimmung ver- ce für Europa. Besonders die Werbe- ten in Europa reduzieren würden.
antwortlich, was aber nur die halbe industrie ist alarmiert. Auch wenn es ihm schwerfiel (»ein
Wahrheit ist. Als EU-Richtlinie wird Doch was verändert sich konkret? rigoroser und gewagter Vergleich«):
dies erst verpflichtend, wenn natio- Dienen Cookies nur zum Speichern Digital-Experte Dr. Jürgen Galler, Mit-
nale Gesetze die Vorgabe aufgreifen. des Warenkorbs oder zu statistischen begründer und Geschäftsführer von
In Deutschland ist das bisher nicht ge- xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx
1plusX, erinnerte angesichts der EU-
schehen. Dass sie viele Unternehmen Initiative an China, dessen Internetin-
trotzdem bereits umsetzen, hat drei Die Soft-Cookies dustrie womöglich wegen der »oft kri-
Gründe: Vorsorge, Transparenz und tisierten Regulierung so groß, inno-
Google, denn seit 2015 müssen die genießen, die bösen vativ und vor allem chinesisch wurde«
Nutzer von Google-Diensten (wie et- Tracking-Cookies (https://is.gd/jg_eprivacy). Vielleicht tut
wa AdSense oder DoubleClick) die Ein- auch dem »alten Europa« eine EU-
willigung für das Auswerten der Coo- abschalten . . . Netzbremse gut, weil sie die lokale
kies einholen. Ein solcher Banner ist Digitalwirtschaft beflügelt.
Zeitmaschine

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