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Ausgabe Dezember 2020

Magazin der
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Alpine
Nachhaltigkeit
Seite 6

Krebsrisiko früh erkennen Seite 4 ◼ Joseph Zoderer im Zoom Seite 8 ◼

Personalforschung Seite 16 ◼ Schatten der Globalisierung Seite 18 ◼

Beilage zur Tiroler Tageszeitung www.uibk.ac.at


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Für eine Universität


als Ort der Freiheit
aller, wo relevanten
Zukunftsfragen
nachgegangen wird www.stiftung-universitaet-innsbruck.at
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Inhalt Ausgabe Dezember 2020


Editorial

4 Krebs erkennen, bevor er entsteht


Wissenschaftler*innen um Martin Widschwendter
wollen neue Wege zur Krebsprävention etablieren.

6 Nachhaltig am Berg
Das Institut für Geographie der Uni Innsbruck und
die Alpenvereinssektion München erarbeiten zu-
kunftsweisende Konzepte für Alpenvereinshütten.

Foto: Gerhard Berger


4 8 Umfassendes Werk
Zum 85. Geburtstag des Autors Joseph Zoderer ging
eine Datenbank zu seinem Werk online.

10 Schleichende Spuren
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat die
Facetten der psychosozialen Auswirkungen von Liebe Leserin, lieber Leser!
Covid-19 untersucht.
Dieses für viele sehr mühsame Jahr neigt
12 Bewegung macht den Unterschied sich dem Ende zu. Für unsere Uni ist es
Patient*innen mit psychischen Erkrankungen besser gelaufen als anfangs befürchtet.
bewegen sich zu wenig, was sich negativ auf ihre Im März ist es uns sehr schnell gelungen,
psychische und physische Konstitution auswirkt. einen guten Lehr-, Prüfungs- und For-
schungsbetrieb zu gewährleisten und das
14 Gut geprüft konnten wir dann auch im Herbst fort-

10
In der Technischen Prüf- und Forschungsanstalt setzen. Auch konnten wir im Oktober un-
der Universität Innsbruck werden Materialien für seren nahezu 5500 Neuanfänger*innen
den Holzbau auf Herz und Nieren geprüft. mithilfe einer Mischung aus Präsenz-
und Fernunterricht einen einigermaßen
16 Einfluss auf Personalentscheidungen professionellen Start bieten.
Anna Schneider untersucht, wie Algorithmen Ein- Insgesamt blicke ich auf ein Jahr zu-
fluss auf Personalentscheidungen nehmen. rück, das im Hinblick auf unsere Kern-
aufgaben – Forschung und Lehre – sehr
18 Die Schatten der Globalisierung erfolgreich war. Wir konnten die Prü-
Mit der immer enger werdenden globalen Vernet- fungsaktivität unserer Studierenden
zung breiten sich auch Krankheitserreger leichter trotz des Fernunterrichts erheblich stei-
aus. gern und auch im Bereich der Forschung
haben wir Erfolge erzielt, nicht zuletzt
20 Ein Virus verändert die Gesellschaft bei hochkarätigen EU-weiten Ausschrei-
Forscher*innen verschiedenster Disziplinen befas- bungen und Forschungsprojekten. Einen
sen sich mit Ereignissen der Covid-19-Pandemie. Teil davon finden Sie auch wieder in die-

18
ser Ausgabe. Dazu kommt, dass wir seit
21 Förderkreis 1669 Sommer Mitglied in einem der 41 Euro-
Der Förderkreis übernimmt die Patenschaft für pean-Universities-Verbünde sind und
drei kulturelle Schätze der Universitäts- und Lan- damit die Gelegenheit haben, den euro-
desbibliothek. päischen Bildungs- und Wissenschafts-
raum ganz maßgeblich mitzugestalten.
Künftig werden unsere Studierenden,
aber auch unsere Wissenschaftler*innen
und Mitarbeiter*innen Gelegenheit ha-
ben, in einem der europäischen Top-
ImprEssum Netzwerke, genannt AURORA, zu studie-
ren, zu forschen und voneinander zu ler-
wissenswert – Magazin der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – 15. Dezember 2020 nen. Ich wünsche Ihnen, den Umständen
Herausgeber und Medieninhaber: Universität Innsbruck; Hersteller: Intergraphik GmbH.
Sonderpublikationen, Leitung: Frank Tschoner;
entsprechend, angenehme Feiertage und
Redaktionelle Koordination: Susanne E. Röck, Christa Hofer. uns allen ein neues Jahr, in dem wir wie-
Redaktion: Melanie Bartos, Christa Hofer, Stefan Hohenwarter, Lisa Marchl, Daniela Pümpel, der zu einem möglichst normalen Leben
Susanne E. Röck, Uwe Steger. zurückkehren können. Bleiben Sie vor
Covergestaltung: Catharina Walli.
allem gesund!
Foto Titelseite: Tirol Werbung/Hörterer Lisa.
Fotos Seite 3: EUTOPS/Uni Innsbruck, iStock/svetikd, pixabay_PIRO4D Univ.-Prof. Dr. Tilmann Märk
Anschrift für alle: 6020 Innsbruck, Brunecker Straße 3, Postfach 578, Tel. 0512 53 54-1000. Rektor der Universität Innsbruck
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Krebsrisiko erkennen,
bevor Krebs entsteht
Im Kampf gegen Krebs ist eine möglichst frühe Diagnose wesentlich für den
Behandlungserfolg. Wissenschaftler*innen um Martin Widschwendter wollen noch
einen Schritt weiter gehen und völlig neue Wege zur Prävention von Krebs etablieren.

W
ie hoch das individuelle Risiko, Risiko hinweist, an einer aggressiven Brust- nannten Epigenoms. Unterstützt werden sie
an Krebs zu erkranken, tatsäch- krebs-Form zu erkranken. Frauen mit einer vom Europäischen Forschungs-Förderungs-
lich ist, hängt zum Teil von gene- sogenannten BRCA1-Mutation erkranken zu programm Horizon 2020 und der britischen
tischen Faktoren ab. Aber auch eine Reihe 72 Prozent bis zum Alter von 80 Jahren an Charity-Organisation „The Eve Appeal“.
von nicht-genetischen Faktoren haben ei- Brustkrebs. Eine medial sehr bekannte Trä-
nen hohen Einfluss auf die Wahrscheinlich- gerin einer BRCA-Mutation ist Angelina Jo- Zellidentität
keit, mit der jemand an Krebs erkrankt. Mar- lie, die dieses Risiko durch Entfernung ihres
tin Widschwendter, seit März 2020 Professor Brustgewebes minimiert hat. „Diese Form „Jede Zelle eines Menschen beinhaltet die
für Krebsprävention und Screening an der der Genmutation trägt allerdings nur rund exakt gleichen Informationen in Bezug auf
Universität Innsbruck, arbeitet an Metho- 1 von 800 Frauen in ihrem Erbgut, sie allein die DNA. Eine Darmzelle beispielsweise muss
den, die das individuelle Risiko für Krebser- erklärt also die sehr hohe Zahl an Brust- aber wissen, welche Information sie sich aus
krankungen messbar erfassen sollen. Die- krebs-Erkrankungen nicht“, erklärt Martin dem Genom holen muss, um als Darmzelle
se Methoden sollen für Krebserkrankungen Widschwendter. „Rund 95 Prozent aller an zu funktionieren. Dieser sehr komplexe Vor-
– vergleichbar mit Blutdruckmessungen Brustkrebs erkrankten Frauen haben diese gang wird durch das Epigenom geregelt“, er-
zur Risikoüberwachung für Herzinfarkt und Mutation nicht in ihrem Erbgut.“ Neben den läutert Widschwendter. Das Epigenom spielt
Schlaganfall – eingesetzt werden und somit genetischen Voraussetzungen müssen dem- eine ganz entscheidende Rolle für die Zell-
helfen, das Risiko, an Krebs zu erkranken, nach auch andere Ursachen für eine Krebser- identität, indem es durch Markierungen am
zu verringern. Der gynäkologische Onkologe krankung vorliegen. Um das Gesamtrisiko für menschlichen Erbgut die Identität einer Zelle
konzentriert sich dabei vor allem auf die vier frauenspezifische Krebserkrankungen zu er- bestimmt. Besonderes Augenmerk legen die
frauenspezifischen Krebsarten Brustkrebs, fassen, betrachten Widschwendter und sein Wissenschafter*innen dabei auf einen wich-
Eierstockkrebs, Gebärmutterhals- sowie Ge- Team neben den genetischen Komponenten tigen Teil des Epigenoms, die sogenannte
bärmutterkörperkrebs. auch nicht-genetische Faktoren, wie Um- DNA-Methylierung. Dabei handelt es sich um
Es gibt eine Genmutation, die einige Frauen welteinflüsse, Hormone oder die Lebenswei- Markierungen an der DNA, die bestimmte Ex-
in ihrem Erbgut tragen, die auf ein sehr hohes se, und setzen dabei auf die Analyse des soge- pressionen in der Zelle erhöhen oder verrin-
gern und dadurch definieren, welchen Typus
eine Zelle annimmt. Die DNA-Methylierung
wird dabei sowohl von genetischen Faktoren
modifiziert als auch von nicht-genetischen.
Genau das macht sie so interessant für die
Wissenschaftler*innen, denn sie integriert
alle Faktoren, die auf die Zellen im Laufe des
Lebens eingewirkt haben und hinterlässt ei-
ne entsprechende Signatur auf der DNA. „Ex-
terne Faktoren, wie zum Beispiel Rauchen,
Ernährungsweise oder Hormone, können die
DNA-Methylierung verändern. Solche Um-
stellungen des Epigenoms können dann das
Visualisierung der
Risiko, an Krebs zu erkranken, sowohl erhö-
DNA-Methylierung:
hen als auch reduzieren“, erklärt der Onko-
Markierungen an der
loge.
DNA können bestimmte
Expressionen in der Zelle
erhöhen oder verringern Risiko überwachen
und hinterlassen eine
Mithilfe dieses Mechanismus wollen die
entsprechende Signatur
Wissenschaftler*innen eine neue Metho-
auf der DNA.
Fotos: EUTOPS/Uni Innsbruck; UCL
de der Krebsprävention etablieren und so-
mit Krebserkrankungen vorbeugen, bevor sie
überhaupt entstehen. „Weil wir aus bishe-
5

Das Risiko, an Krebs zu erkranken, ist für jede Frau so individuell wie sie selbst. Foto: iStock/DGLimages

rigen Forschungen wissen, dass Brust-, Eier- schlagen“, erläutert Martin Widschwendter
»Externe Faktoren können die
stock-, Gebärmutterhals- und Gebärmutter- den Ansatz. Maßnahmen wie Blutdrucksen-
körperkrebs epitheliale Erkrankungen sind, DNA-Methylierung verändern ker, salzarme Ernährung oder mehr Bewe-
bei denen Hormone eine große Rolle spie- und die dadurch bedingte gung werden beispielsweise seit Jahren er-
len, brauchen wir für unsere Screenings zur ,Umprogrammierung‘ des folgreich zur Vorbeugung von Herzinfarkt
Einschätzung des Krebsrisikos Epithelzellen und Schlaganfall angewendet und haben die
– das sind Zellen, die Organe auskleiden –,
Epigenoms kann das Risiko, Anzahl dieser Erkrankungen damit deutlich
die ebenso hormonabhängig sind. Beides ist an Krebs zu erkranken, sowohl verringert. Zur Prävention von Krebserkran-
bei Zellen des Gebärmutterhalses der Fall. erhöhen als auch reduzieren.« kungen bei erhöhtem Risikoscore könnten
Dazu kommt, dass diese Zellen sehr einfach weiterführende spezifische Untersuchungen,
Martin WidschWendter
und nicht-invasiv durch einen Abstrich – Gewichtsabnahme oder präventive Medi-
wie schon bisher bei routinemäßigen gynä- kamente der Erkrankung vorbeugen. Die
kologischen Untersuchungen – entnommen arten Brust-, Eierstock-, Gebärmutterhals- Wissenschaftler*innen wollen nun untersu-
werden können“, beschreibt Widschwendter. und Gebärmutterkörperkrebs bestimmen. chen, ob das Krebsrisiko so über Jahre hinweg
Mithilfe dieser Zellen aus dem Gebärmutter- „So könnten wir ein erhöhtes Krebsrisiko überwacht werden und damit Krebserkran-
hals will das Team sogenannte WID-Risiko- viele Jahre vor einer Diagnose aufzeigen und kungen vorgebeugt werden kann.
scores für die vier frauenspezifischen Krebs- die passenden präventiven Maßnahmen vor- susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼

Zur Person

Martin Widschwendter, geboren 1968 in Innsbruck, arbeitete nach seiner Ausbildung in Gynäkologie und Geburtshilfe
an der Uni Innsbruck ab 2001 am Norris Comprehensive Cancer Center in Los Angeles (USA). Im Anschluss hat er
das erste in Österreich zertifizierte Brustgesundheitszentrum mitbegründet und geleitet. 2005 wechselte er an das
University College in London (UCL). Dort absolvierte er eine Ausbildung als Spezialist in gynäkologischer Onkologie
und baute eine große Forschungsgruppe auf, die sich mit der Rolle der Früherkennung, Risikoprädiktion und
Prävention von Brust- und gynäkologischen Krebserkrankungen befasst. Zudem leitete er dort über zehn Jahre
das Department für frauenspezifische Tumorerkrankungen. 2017 bekam er als erster österreichischer Arzt den
„Advanced Grant“, die höchste Auszeichnung des European Research Council (ERC). Seit 2020 leitet Martin Widschwendter das vom
Land Tirol gegründete Institut für Prävention und Screening (EUTOPS) in Hall in Tirol, das auch in Kooperation mit der Universität
Innsbruck umgesetzt wird. Hier hat Martin Widschwendter seit März 2020 eine Professur für Krebsprävention und Screening inne.
Zudem hält Martin Widschwendter auch eine Gastprofessur am renommierten Karolinska Institutet in Stockholm/ Schweden.
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Nachhaltig
am Berg
Der Klimawandel stellt das Hochgebirge
vor große Herausforderungen. Wie kann
heute noch ein nachhaltiger Hüttenbetrieb
funktionieren? Das Institut für Geographie
der Uni Innsbruck und die Sektion München
des Deutschen Alpenvereins e.V. erarbeiten
gemeinsam zukunftsweisende Konzepte für Winter wie Sommer beliebt:
mehrere Alpenvereinshütten. Umfassende Konzepte für die
Bewirtschaftung von Berghütten
werden immer wichtiger. Aktuell
sind die meisten Hütten aufgrund
der Corona-Situation geschlossen,

H
touristische oder geplante
ier oben gibt es keine Müllabfuhr. am Berg und im Tal zu identifizieren und ih-
Übernachtungen in Winterräumen
Deshalb nimmt jeder Gast seine Ab- re Netzwerke herauszuarbeiten. Dabei ging es
sind momentan untersagt.
fälle wieder mit ins Tal. Bitte: Müll um Fragen der Infrastruktur, die Art der An- Foto: Tirol Werbung/Stolle Frank
mitnehmen. Danke!“, ist auf einem Schild und Abreise von Gästen, welche Produkte auf
beim Eingang der Alpenvereinshütte Ta- der Hütte verwendet werden und generell um
schachhaus im Tiroler Pitztal zu lesen, da- die Beziehung zur umgebenden Natur“, so
runter können kleine Müllsäcke entnommen Kister.
werden. Diese Gästeinformation steht stell- erfasst. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse
vertretend für die zahlreichen Herausforde- Veggie-Bergsteiger-Essen sollen nun dazu dienen, den nachhaltigen
rungen, mit denen sich Berghütten konfron- Betrieb der Alpenvereins-Hütte noch weiter
tiert sehen. „Die Veränderungen sind im al- Mit einem breit angelegten Monitoring zu optimieren. „Wir haben stets gut und eng
pinen Raum allgegenwärtig und bringen für wurde der Ist-Zustand des Taschachhauses mit den Hüttenpächter*innen zusammenge-
die Bewirtschaftung von Berghütten neue
Probleme und Aufgaben mit sich“, sagt Jut-
ta Kister vom Institut für Geographie der Uni
Innsbruck. Bereits seit mehreren Jahren be-
schäftigt sich die Wissenschaftlerin mit ver-
schiedenen Aspekten der Nachhaltigkeit –
von globalen Fair-Trade-Wirtschaftszweigen
bis hin zu regionalen Wertschöpfungsketten
in Alpentälern. In den vergangenen zwei Jah-
ren nahm Kister zunächst gemeinsam mit
Studierenden sowie Expertinnen und Ex-
perten der Sektion München des Deutschen
Alpenvereins in einem Pilotprojekt mit dem
Titel „HIGHT: Nachhaltiger Hüttenbetrieb –
Pilotprojekt: Taschachhaus“ die Alpenver-
einshütte auf 2147 Metern im Pitztal genau
unter die Lupe. Neuartig war hier vor allem
der Projektansatz: Das Team konzentrierte
sich nicht nur auf eine isolierte Betrachtung
der Hütte, sondern rückte den Faktor Mensch
Das Taschachhaus im Pitztal war die erste Alpenvereinshütte,
und sein Verhalten in den Mittelpunkt:
die auf ihre Nachhaltigkeit untersucht wurde.
„Berghütten befinden sich im Spannungsfeld Foto: Jutta Kister
zwischen Bergsport und Naturraum. Uns war
es daher wichtig, die zentralen Stakeholder
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und ein guter Ausrüstungsverleih vor Ort“,


ergänzt die Geographin.

Fünf weitere Hütten


Nach dem erfolgreichen Abschluss des Pi-
lotprojekts im Pitztal beschlossen die Sek-
tion München des DAV und das Institut für
Geographie der Universität Innsbruck, die
Zusammenarbeit fortzusetzen – und aus-
zubauen. Ab dem Beginn der Wintersaison
2020/21 – bzw. sobald es die aktuelle Situa-
tion zulässt – werden nun weitere fünf Al-
penvereinshütten analysiert. Unter dem Titel
„Alpine Nachhaltigkeit auf Hütten (ANAH)“
werden die Münchner Sektionshütten Al-
bert-Link-Hütte (Mangfallgebirge/Spitzing-
see), Höllentalangerhütte, Reintalangerhütte
(beide Wettersteingebirge) und Watzmann-
haus (Nationalpark Berchtesgaden) sowie die
Franz-Senn-Hütte der ÖAV-Sektion Inns-
bruck (Stubaital) bis Mitte 2022 entsprechend
der Erfahrungswerte vom Taschachhaus un-
tersucht. „Im Zentrum steht ein umfassendes
Nachhaltigkeitsverständnis, das ökologische,
ökonomische und soziale Dimensionen ein-
bezieht“, sagt Roman Ossner, ANAH-Pro-
jektleiter bei der Sektion München, der die-
sem Aspekt große Bedeutung zumisst: „Wir
müssen auch innerhalb des Alpenvereins
ein neues Denken anstoßen. Unsere Hütten
sind nicht nur ein Kernelement unseres Ver-
eins, sondern auch wesentliche Akteure eines
nachhaltigen Wirtschaftsdenkens. Von die-
sem Wissen müssen wir zum Handeln kom-
men.“ Dabei gehe es um die Kompetenz, be-
stehende Initiativen zu vernetzen, und da-
raus Neues und Innovatives zu entwickeln,
um auf die global-lokalen Herausforderungen
arbeitet. Sie versuchen bereits seit Jahren, die bereits nachhaltig wirtschaftet: „Diese Hütte zu reagieren, ist Jutta Kister überzeugt: „Von
Infrastruktur nachhaltig zu bewirtschaften hat hier durchaus eine Vorbildfunktion, et- Alpenverein, Universität und regionalen Sta-
und ihren Betrieb zu optimieren. Sie legen wa bei der Vermeidung von Lebensmittelver- keholdern wie Tourismusverbänden oder
viel Wert auf die Sensibilisierung der Gäste, schwendung. Daraus haben wir Handlungs- Gebietsbetreuern genauso wie Zuliefer- und
indem sie beispielsweise umfassend infor- felder erarbeitet: Beispielweise kann im Laufe Dienstleistungsunternehmen: Wenn alle po-
mieren, bewusst einkaufen oder zum Beispiel eines Aufenthalts für den Gast auch deutlich sitiv zusammenwirken, können nachhal-
einen fixen, rein vegetarischen Tag anbieten“, werden, dass auch weniger Komfort eine gute tige betriebliche Strukturen und grenzüber-
verdeutlicht Jutta Kister. Das Team verwen- Qualität mit sich bringen kann. Weitere As- schreitende Netzwerke mit großem Potenzial
dete verschiedene qualitative und quantita- pekte wären außerdem die klimafreundliche entstehen.“
tive Methoden: Im Zeitraum von Mai 2019 bis Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln melanie.bartos@uibk.ac.at ◼
März 2020 wurden mehr als 800 Fragebögen
und Interviews durchgeführt, Literatur- und
Dokumentenauswertungen vorgenommen
und Beobachtungskartierungen sowie Geo-
Tracking-Methoden verwendet, um entlang
Pilotstudie im Rahmen eines Interreg-Projekts
speziell entwickelter Nachhaltigkeitsindika-
toren Hütteninfrastruktur und -betrieb zu Im Interreg-Förderprojekt „Alpine aus der Arbeitsgruppe Entwicklungs- und
erfassen. Das Projekt lässt sich in drei große Nachhaltigkeit auf Hütten“ (ANAH) wird Nachhaltigkeitsforschung (AGEF) am Insti-
Bereiche einteilen: „In der ersten Phase wer- der Zustand unterschiedlicher Alpenver- tut für Geographie der Uni Innsbruck und
den die Hütte selbst und das Umfeld unter- einshütten im Hinblick auf ihre Nachhal- Roman Ossner, Thomas Gesell sowie Evi
sucht. Daneben wurden die Stoffströme be- tigkeit ermittelt. Zur Beurteilung wird ein Gesell von der Sektion München des DAV
trachtet, die zur Versorgung und auch Entsor- Verfahren verwendet, das im Rahmen ei- e.V. Das Projekt dauert bis Juni 2022 und
gung mit allen Lebensmitteln, Geräten sowie ner Pilotstudie der Universität Innsbruck wird vom Europäischen Fonds für regionale
handwerklicher Arbeit und Serviceleistungen und der Sektion München bereits auf dem Entwicklung (EFRE), Interreg Österreich-
erforderlich sind. Und in der dritten Phase Taschachhaus im Pitztal erarbeitet wurde. Bayern 2014-2020 (AB305) und der Univer-
standen schließlich die Gäste und ihr Mo- Die Arbeitsgruppe besteht aus Jutta Kister, sität Innsbruck finanziert. Weitere Details:
bilitätsverhalten als Bergsportler*innen im Jessica Balling, David Segat und Martin Coy uibk.ac.at/geographie/agef/projects/anah/
Fokus“, erklärt Kister. Die Ergebnisse zeigen,
dass das Taschachhaus in vielen Bereichen
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Ein umfassendes Werk


Seit vielen Jahren wird das Werk des Autors Freunden, Bekannten und Verwandten, damit
hat er sich auch dem Genre des literarischen
Joseph Zoderer an der Universität Innsbruck beforscht. Porträts zugewandt. In seinen Texten geht
es immer auch um Fragen der Identität und
Zum 85. Geburtstag des Südtirolers ging nun eine hier um Fragen der Ich-Identität und um die
Problematik des Ichs im Austausch mit dem
umfassende Datenbank dazu online. anderen, auch um Liebe und Ehe – das hebt
ihn aus dem Südtiroler Kontext heraus, er ist
nicht nur ein Südtiroler Autor, sondern greift

A
m 25. November feierte der Südtiroler Forschungsgegenstand am Brenner-Archiv“, allgemeingültige Themen wie Verlust- und
Schriftsteller Joseph Zoderer seinen erläutert ao. Univ.-Prof. Dr. Sieglinde Klet- Fremdheitserfahrung auf. Wenn er etwa in-
85. Geburtstag. Das Forschungsinsti- tenhammer vom Institut für Germanistik, terethnische Konflikte anhand des Beispiels
tut Brenner-Archiv der Universität Innsbruck die mit ihrem Team in zwei vom Fonds zur Südtirol behandelt, ist das immer auch um-
verwaltet und beforscht seine Vorlass-Mate- Förderung der wissenschaftlichen Forschung legbar auf derartige Konflikte ganz allge-
rialien, wozu Manuskripte und Typoskripte (FWF) finanzierten Projekten Zoderers Werk mein“, umreißt die Germanistin die gesell-
oder auch Druckfahnen zu seinen Werken und Leben bearbeitet hat (siehe Kasten). „Was schaftspolitische Bedeutung von Joseph Zo-
ebenso gehören wie Tagebücher (bis 2006) Zoderer als Autor ausmacht, ist, dass er sich derers Werk.
oder Korrespondenzen. „Das Land Südtirol sicher in verschiedenen Genres und Gat-
hat den Vorlass – in Kooperation mit dem tungen bewegt – Roman, Kurzprosa, Lyrik, „Zoderer im Zoom“
Brenner-Archiv – im Jahr 2007 erworben, auch Mundartdichtung, autobiographischer
seither widmen wir uns diesem Vorlass auch Essay. In den Prosasammlungen ‚Der Himmel Jüngstes Ergebnis dieser Forschungsar-
in Forschungsprojekten. Zoderer als Autor ist über Meran‘ (2005) und ,Mein Bruder schiebt beit – und pünktlich zum 85er des Autors
bereits seit den 1980ern Thema und sein Werk sein Ende auf‘ (2012) finden sich Porträts von erschienen – ist „Zoderer im Zoom“, eine

Leben und Werk Joseph Zoderers


sind Gegenstand der Forschung
am Brenner-Archiv der
Universität Innsbruck.
Foto: Max Lautenschläger
9

umfassende Website über den Autor. „‚Zo-


derer im Zoom‘ bietet auf der Basis der Vor-
lass-Materialien erstmals eine kommen-
tierte Lebenschronik Zoderers in Bildern
und Dokumenten, eine Übersicht über das
selbstständig publizierte Werk Joseph Zode-
rers mit Auflistung aller Ausgaben und Über-
setzungen und exemplarisch ausgewählten
Vorlass-Materialien sowie bibliographische
Angaben zum jeweiligen Werk“, sagt Sieglin-
de Klettenhammer. „Besonders stolz sind wir
auf die Gesamt-Bibliografie zum Werk Zode-
rers mit allen eruierbaren vom Autor selbst-
ständig und unselbstständig publizierten
Werken, mit der wissenschaftlichen Litera-
tur und der literaturkritischen Rezeption zu
seinen Werken. Für ihre Erstellung haben wir
auch die Privatbibliothek Zoderers ausge-
wertet.“ Diese Bibliografie, die natürlich auch
online durchsucht und gefiltert werden kann,
ist nicht nur für die Forschung relevant, son-
dern kann auch von Kultur- und Literatur-
schaffenden oder auch von Studierenden
und im Schulunterricht benutzt werden. Für
Schulen ist ein weiteres Modul der Website in
Arbeit, dessen Veröffentlichung sich corona-
bedingt nun leicht verzögert hat: Kompakte
Unterrichtsmodule zu Zoderers Romanen
„Die Walsche“ und „Das Glück beim Hände-
waschen“ sollen zur Beschäftigung mit dem
Autor im Deutschunterricht anregen und
Schüler*innen, aber auch Studierenden die Teil des Vorlasses am Brenner-Archiv:
Arbeit an und Nutzung von Literatur-Archi- Romananfang der ersten Manuskript-Fassung von
ven näherbringen und vermitteln. „Der Schmerz der Gewöhnung“, mit Datierung 26.03.97.
Foto: Forschungsinstitut Brenner-Archiv, FIBA 184-25-04
Für sein schriftstellerisches Werk, das in
mehrere Sprachen übersetzt wurde, erhielt
der Autor zahlreiche Literaturpreise und
Auszeichnungen. Zwei seiner bekanntesten
Romane – „Das Glück beim Händewaschen“ ler*innen mit Forschungsinteresse am Autor
(1976) und „Die Walsche“ (1982) – wurden
von Werner Masten für das Fernsehen ver-
aus aller Welt zu vernetzen: Zum Beispiel im
Rahmen des Internationalen Zoderer-Sym-
Forschung zu Zoderer
filmt. Die schriftstellerischen Anfänge Zo- posions im Jahr 2015, zu dem auch Forsche-
derers gehen in die späten 1950er-Jahre zu- rinnen und Forscher von Kanada bis Japan Gemeinsam mit ihrem Team Mag.
rück, entsprechend vielfältig ist sein schrift- nach Innsbruck kamen, um über Werk und Andrea Margreiter, Dr. Verena Zankl,
stellerisches Werk. Fünf Romane wurden als Wirkung des Autors zu sprechen. Mag. Irene Zanol, Dr. Erika Wimmer,
Bestandteil der FWF-Projekte zum Zoderer- Wie geht es einem eigentlich damit, In- Mag. Wolfgang Praßl, Dr. Barbara Hoiß
Vorlass am Brenner-Archiv in Form einer halt eines wissenschaftlichen Symposions zu und DDr. Joseph Wang-Kathrein hat
kommentierten Zoderer-Werkausgabe neu sein? „Joseph Zoderer selbst hat mir gesagt, ao. Univ.-Prof. Dr. Sieglinde Kletten-
aufgelegt; diese Werkausgabe erscheint seit dass er sich sehr freut und geehrt fühlt, er die hammer in zwei FWF-geförderten Pro-
2015 im Innsbrucker Haymon Verlag. Zum Forschungsergebnisse allerdings nicht nä- jekten seit 2014 Joseph Zoderers Vorlass
Geburtstag des Autors ist neben der Web- her verfolgt – das nehme ihm die Unbefan- aufgearbeitet. „Joseph Zoderer. Neu-
Datenbank „Zoderer im Zoom“ als fünfter genheit beim Schreiben“, sagt Projektleiterin verortung und kritische Neubewertung
Band dieser Werkausgabe nun sein Roman Klettenhammer. Wer Joseph Zoderer und sein seines Gesamtwerks“ und „Literatur
„Der Schmerz der Gewöhnung“ (2002) neu Werk bisher nicht kennt und einen Einstieg aus Südtirol: Joseph Zoderer im Zoom.
aufgelegt worden. „In diesem Roman sind sucht, für den hat die Germanistin auch einen Forschungstransfer im Literaturarchiv“
Familiengeschichte und die Geschichte Süd- Tipp: „Zum einen bietet natürlich ‚Zoderer waren die offiziellen Titel der beiden
tirols und Italiens in der Erinnerungsarbeit im Zoom‘ einen guten Einstieg, dafür ist die Projekte. Im Rahmen der Projekte wur-
des Protagonisten Jul kunstvoll miteinander Seite auch gedacht. Und sonst sein neu aufge- de nicht nur der Vorlass aufgearbeitet,
verflochten“, sagt Sieglinde Klettenhammer. legter und von der Literaturkritik viel beach- sondern es entstanden unter anderem
2021 wird als letzter Teil der Projekte ein teter Roman ‚Der Schmerz der Gewöhnung‘, auch eine kommentierte Ausgabe von
Sammelband erscheinen, der in Form eines in dem die Themen des Autors in sprachlich Zoderers Romanen und mit „Zoderer
Handbuchs Vorlass-Materialien mit Werkin- verdichteten Szenen und Bildern zusammen- im Zoom“ eine umfassende Online-Da-
terpretation verbindet. geführt werden.“ tenbank zu seiner Person und seinem
Schaffen. Das Forschungsteam vertritt
Forschungsnetzwerke Zoderer im Zoom online: die Zoderer-Forschung zudem auf in-
www.literaturtirol.at/zoderer ternationalen Konferenzen.
Die Innsbrucker Zoderer-Forschung dient
außerdem dazu, Literaturwissenschaft- stefan.hohenwarter@uibk.ac.at ◼
10

Der Alltag der Menschen hat sich während der


Pandemie stark verändert. Wissenschaftler*innen
wollen die für die unterschiedlichen Gruppen jeweils
besonders belastenden Faktoren identifizieren,
um sie bestmöglich zu unterstützen.
Foto: iStock/golero

Schleichende Spuren
Wir stellen unser Leben um, verbringen ungewohnt viel Zeit in den eigenen
vier Wänden und mit der Familie, sind alleine, lernen den Umgang mit neuen
Technologien, stellen uns Herausforderungen, meistern sie oder scheitern. Die
Covid-19-Pandemie stellt den Menschen und der Gesellschaft viele Aufgaben, die
von allen unterschiedlich wahrgenommen werden und ihre Spuren hinterlassen.
Eine interdisziplinäre Forschungsgruppe hat viele Facetten der psychosozialen
Auswirkungen von Covid-19 untersucht.

M
enschen in allen Lebenslagen er- den Unsicherheiten und Zukunftsängsten. bensspanne“ zusammengeschlossen und
fahren die Krise, ihre Auswirkungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaft- untersuchen in zahlreichen Studien die Aus-
und Einschränkungen des täglichen ler aus unterschiedlichen Disziplinen an der wirkungen der Krise auf die Menschen. „Die
Lebens auf unterschiedliche Weise, erleben Universität Innsbruck, der Medizinischen Ausbreitung des SARS-CoV2-Erregers ist für
die Herausforderungen aus verschiedenen Universität Innsbruck und Gesundheitsex- die öffentliche Gesundheit weltweit von zen-
Blickwinkeln und entwickeln individuelle pertinnen und -experten vom Krankenhaus traler Bedeutung. Kinder und Jugendliche,
Strategien, um mit den Veränderungen um- Hall haben sich gemeinsam im Rahmen des Studierende, Frauen, ältere Menschen oder
zugehen. Manchen gelingt dies gut, viele lei- kürzlich gegründeten Forschungszentrums das Gesundheitspersonal sind vulnerab-
den aber unter der erhöhten Stressbelastung, „Gesundheit und Prävention über die Le- le Gruppen, die wir in unseren Forschungen
11

zu den psychosozialen Auswirkungen von in denen Angst, Hilflosigkeit, Krankheit oder der Krise, die ohnehin bereits unstete, von
Covid-19 besonders berücksichtigen. Ziel der Einsamkeit das Leben bedrohen, ist die Suche Veränderungen geprägte Lebensphase sowie
Forschungsgruppe ist ein koordiniertes Vor- nach Sicherheit und Unterstützung bei Be- die unsicheren Zukunftspläne machen diese
gehen der Forschungsaktivitäten und der zugspersonen besonders wichtig“, so Buch- Gruppe verletzlich. Die Forschung zeigt auch,
Lehre sowie gemeinsame, interdisziplinäre heim und ihr Team. Diese „sichere Basis“ dass Frauen in allen Altersgruppen psychisch
Publikationen im Rahmen der Corona-Krise“, hilft vor allem jungen Menschen durch diese mehr unter der Pandemie leiden als Män-
so Barbara Juen vom Institut für Psychologie. schwierige Zeit. ner. Diese Geschlechtsunterschiede haben
Elisabeth Weiss und Markus Canazei unter-
Eine sichere Basis Distanzen überwinden sucht: „Weibliche Studierende gaben erhöh-
ten Stress, Depressivität, Sorgen und emo-
Potenziell lebensbedrohliche und stress- Distance Learning, Home-Schooling oder tionale Erschöpfung an.“ Weiters sind auch
reiche Situationen erfordern Schutz und Si- die Verlagerung der sozialen Kontakte in die Kinder von den Auswirkungen der Pandemie
cherheit. „Wir haben die Auswirkungen und Virtualität sind neue Entwicklungen, mit betroffen. „Kinder im Alter von drei bis zwölf
Folgen der Pandemie auf die psychische Ge- denen vor allem junge Menschen und Stu- Jahren betrifft die Krise weniger im Sinne
sundheit der Tiroler Bevölkerung untersucht. dierende konfrontiert sind. Wie sich ihr All- der eigenen Bedrohung als vielmehr die Be-
Erste Ergebnisse zeigen, dass eine sichere tag im Lauf der Krise verändert hat, wel- lastung durch das Bedrohungserleben ihrer
Bindung einen wesentlichen Schutzfaktor für che Strategien Studierende im Umgang mit Bezugspersonen, aber auch durch den Weg-
Menschen darstellt“, erläutert Anna Buch- Distance Learning entwickelt haben und wie fall von sozialen Kontakten und Schule. Mäd-
heim vom Institut für Psychologie und Vize- sie die Herausforderungen meistern, untersu- chen nehmen dabei eine stärkere Bedrohung
rektorin für Personal. Vor allem jüngere Men- chen Tabea Bork-Hüffer, Katja Kaufmann und wahr und zeigen eher Trauma- und Angst-
schen seien von den Auswirkungen des Lock- Christoph Straganz vom Institut für Geogra- symptome“, so die Studienleiterinnen Silvia
downs besonders betroffen, da das Gefühl phie sowie Maria Hildegard Walter, Vanes- Exenberger und Kathrin Sevecke.
von Hilflosigkeit und die noch mangelnden sa Kulcar und Barbara Juen vom Institut für
Erfahrungen im Umgang mit Krisen große Psychologie. „Der momentane Alltag der jun- Überwinden
Herausforderungen für sie darstellen. „Ältere gen Menschen ist durch die parallele Nutzung
Menschen berichten insgesamt von weniger einer Vielzahl digitaler Medien fürs Lernen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Ein-
psychischen Belastungen durch die Corona- den sozialen Austausch, das Arbeiten und satzorganisationen, im Krankenhaus oder in
Pandemie, den Lockdown und die beschrän- Freizeitaktivitäten wie Online-Sportkurse, Pflegeeinrichtungen sind stark von der Pan-
kenden Maßnahmen. Viele geben sogar an, Online-Konzerte oder zivilgesellschaftliches demie betroffen, da sie täglich im Kontakt mit
in dieser Situation Ruhe, Entspannung und Engagement geprägt. Zwar überbrücken sie infizierten Personen stehen. Ein veränderter
Entschleunigung zu erfahren“, erzählt Buch- Distanzen und halten Beziehungen aufrecht, Umgang mit Tod und Sterben, der erschwerte
heim. Sorgen um die eigene Zukunft und fi- jedoch belastet sie das Verschwimmen digi- Umgang mit Angehörigen oder Ressourcen-
nanzielle Situation belasten das Leben von taler und physischer Realitäten“, berichtet knappheit sind für das Gesundheitspersonal
älteren Menschen weit weniger als jenes ihrer Bork-Hüffer. „Junge Menschen werden in der besonders herausfordernd. „Die Ergebnisse
Enkelkinder, um deren Wohlergehen sich die Öffentlichkeit als zentrale Treiber der Pan- der ersten Welle zeigen, dass junges Alter und
ältere Generation aber dennoch sorgt. Dass demie gesehen und leiden gleichzeitig stark geringe Einsatzerfahrung sowie enger Kontakt
Menschen Sehnsucht nach einer sicheren unter den Folgen. Die Einstellungen und das zu Covid-19-Infizierten ein höheres Stresser-
Umgebung haben, ist ein zentrales Ergebnis Befinden von jungen Menschen zu verstehen, leben verursachen. Besonders betroffen sind
der Studie, geleitet von Karin Labek und Jeff ist zentral, auch um ihre Bereitschaft zur auch davon die Frauen“, erläutert Barbara Ju-
Maerz. „Im ersten Lockdown sind viele junge, Einhaltung von Maßnahmen zu fördern und en, die gemeinsam mit Alexander Kreh und
vor allem allein lebende Erwachsene in ihre ihr psychosoziales Wohlbefinden zu schüt- Michael Lindenthal die Auswirkungen auf das
Ursprungsfamilien zurückgekehrt. In Zeiten, zen“, so Juen. Die wirtschaftlichen Folgen Gesundheitspersonal untersucht. Auch Me-
dizinstudierende sind als zukünftiges me-
dizinisches Personal erhöhten Risiken aus-
gesetzt. Heidi Siller und Margarethe Hoch-
leitner von der Medizinischen Uni Innsbruck
erforschen die Auswirkungen der Pandemie
auf diese Gruppe. „Vor dem Hintergrund, dass
gerade Gesundheitsberufe einen hohen Anteil
an weiblichem Personal verzeichnen, ist ei-
ne Untersuchung der geschlechtsspezifischen
Auswirkungen, besonders auch während der
Pandemie, notwendig. Medizinstudieren-
de stellen die medizinische Versorgung von
morgen sicher und erfüllen somit wesentliche
Funktionen in unserer Gesellschaft“, so die
Expertinnen. Gemeinsam wollen die Wissen-
schaftlerinnen und Wissenschaftler die für
die Menschen in den verschiedenen Gruppen
Distance Learning,
jeweils besonders belastenden Faktoren iden-
Home-Office und
tifizieren, um sie bestmöglich zu unterstützen
die Verlagerung der
und so langfristige negative Auswirkungen
sozialen Kontakte in die
auf ihre psychische Gesundheit und damit auf
Virtualität sind neue Entwicklungen,
die Zukunft der Gesellschaft zu verhindern.
mit denen vor allem junge
In dieser herausfordernden Zeit hilft auch der
Menschen konfrontiert sind.
Foto: iStock/svetikd
Psychosoziale Krisendienst Tirol unter der
folgenden Nummer weiter: 0 800 400 120.
daniela.puempel@uibk.ac.at ◼
12

Bewegung macht
den Unterschied
Sport ist gesund für Körper und Geist. Gerade Patient*innen mit psychischen
Erkrankungen bewegen sich jedoch oft zu wenig, was sich wiederum negativ
auf ihre psychische und physische Konstitution auswirkt. Warum das so ist und
welche Bewegungsformen sich besonders gut für diese Personengruppe eignen,
daran forscht die Sportwissenschaftlerin und Psychologin Carina Bichler am
Institut für Sportwissenschaft.

I
n ihren Studien verbindet die Sportwis- Motivation. Dass körperliche Betätigung sich Bestandteil von Therapien gegen psychische
senschaftlerin und Psychologin Carina positiv auf Körper und Geist auswirkt, ist Erkrankungen werden soll, dann müssen wir
Pichler ihre beiden Disziplinen, um so die schon lange bekannt und auch wissenschaft- genau wissen, welche Arten von Bewegung
Auswirkungen von körperlicher Aktivität bei lich bewiesen. So empfiehlt die Weltgesund- Patient*innen präferieren und ihnen guttun
Patient*innen mit psychischen Störungen heitsorganisation (WHO) Erwachsenen 150 und die Gründe ermitteln, die dazu führen,
zu untersuchen. „Mein Ziel ist, Therapien im Minuten moderate Bewegung pro Woche. warum Patient*innen sich zu wenig bewegen.
Rahmen psychischer Erkrankungen, wie et- Doch Sport ist nicht gleich Sport: Gerade Nur so können wir die Therapieformen an die
wa Depressionen, Angststörungen oder Trau- Menschen mit psychischen Erkrankungen Bedürfnisse dieser Personen anpassen“, sagt
mata, durch ein bewegungsorientiertes An- haben andere Bewegungspräferenzen und Bichler.
gebot zu ergänzen. Bisherige Therapieformen Motive, sich zu bewegen, als Personen oh-
setzen vor allem auf Psychotherapie und ne psychische Erkrankungen. Hinzu kommt, Bevorzugte Bewegungsformen
Medikation, Bewegung spielt meist nur am dass Menschen mit psychischen Störungen
Rande eine Rolle und ist noch kein integra- oft Barrieren wahrnehmen, die sie davon ab- Durch die Zusammenarbeit mit Univ.-Prof.
tiver Bestandteil“, erklärt Carina Bichler ihre halten, Sport auszuüben. „Wenn Sport fester Dr. Barbara Sperner-Unterweger, Direkto-

Yoga zählt sowohl bei


Menschen mit wie auch
bei Personen ohne
psychische Erkrankungen
zu den beliebtesten
Bewegungsformen.
Fotos: iStock/alvarez, Bichler
13

In einem laufenden
Forschungsprojekt
untersucht Carina Bichler
die Effekte von Klettern und
Nordic Walking auf die
psychische Gesundheit.
Fotos: iStock/gbh007, DragonImages

rin der Universitätsklinik für Psychiatrie II derung der Gesundheit, die Vorbeugung gegen beide gesundheitlichen Komponenten gesetzt
in Innsbruck, war es Carina Bichler mög- Krankheiten, die Freude an der Bewegung so- werden“, argumentiert Bichler. Mit ihren Un-
lich, Bewegungspräferenzen, Motive und wie eine soziale Zugehörigkeit als Gründe für tersuchungen könne sie ermitteln, in welche
Barrieren bei ambulanten und stationären Bewegung angegeben werden, spielen diese Richtung ein Bewegungsangebot gehen müs-
Patient*innen mit psychiatrischen Erkran- Faktoren für Patient*innen mit psychischer se, um von Patient*innen gut angenommen
kungen abzufragen. Außerdem hat die Sport- Störung eine viel geringere Rolle. Sowohl zu werden. Für einen langfristigen Erfolg und
wissenschaftlerin und Psychologin auch Per- gesunde als auch kranke Teilnehmer*innen damit Patient*innen Sport langfristig in ih-
sonen in ihre Untersuchungen einbezogen, nennen als Motivationsfaktoren hingegen ren Alltag integrieren, sei jedoch immer eine
die sich in Online-Foren zu psychischen Er- etwa Stress- und Gewichtsmanagement, ei- individuelle Anpassung nötig.
krankungen ausgetauscht und angegeben ne Verbesserung von Kraft und Ausdauer
haben, auch selbst an einer solchen zu leiden. sowie die soziale Anerkennung. Es ist eine Praktische studien
Verglichen wurden die Ergebnisse mit einer Kombination aus fehlender Motivation, we-
psychisch gesunden Kontrollgruppe. „Unse- niger Beweggründen und persönlichen Bar- Ihre Erkenntnisse aus Befragungen von
re Ergebnisse zeigen, dass sich Menschen mit rieren, die dazu führen, dass sich Menschen Patient*innen wendet die Psychologin und
psychischer Erkrankung tendenziell weni- mit psychischen Erkrankungen tendenziell Sportwissenschaftlerin auch in der Praxis
ger bewegen als gesunde Teilnehmer*innen. weniger bewegen. In der Untersuchung von an. So vergleicht sie aktuell den Effekt von
Die bevorzugten Bewegungsarten sind dabei Carina Bichler bewegten sich rund 27 Prozent therapeutischem Klettern, therapeutischem
weniger kompetitiv und erfordern meist nur der Patient*innen weniger als die von der Nordic Walking und einer Kontrollgruppe,
mäßige bis moderate Anstrengung. Am be- WHO empfohlenen 150 Minuten pro Woche. die sich regelmäßig zum Zwecke des sozialen
liebtesten waren in dieser Gruppe Walking In der gesunden Kontrollgruppe erreichten Zusammenseins ohne sportliche Betätigung
und Yoga. Zweiteres zählt auch in der Kon- nur sechs Prozent diese Mindestbewegungs- trifft. „Patient*innen, die sich freiwillig zu
trollgruppe zu den beliebtesten Sportarten“, zeit nicht. „In den soziographischen Da- der Teilnahme an diesem Forschungsprojekt
erörtert Bichler die Ergebnisse. Dass Yo- ten unserer Studienteilnehmer*innen sehen melden, wissen vorab natürlich nicht, wel-
ga studienübergreifend zu den beliebtesten wir, dass Personen mit psychischen Erkran- cher Gruppe sie zugeteilt werden. Wir messen
Bewegungsformen zählt, überrascht nicht: kungen häufig schlechtere Voraussetzungen die Effekte dann bis zu sechs Monate nach
Wissenschaftliche Studien belegen, dass sich für einen gesunden und aktiven Lebensstil Ende der Einheiten, um festzustellen, welche
Yoga positiv auf chronischen Stress und Sym- mitbringen. So rauchen sie etwa häufiger und Sportart sich besonders positiv auf die psy-
ptome von Depressionen und Angststörungen sitzen mehr. Aus früheren Studien wissen chische Gesundheit der Teilnehmer*innen
auswirkt. „Zu den intrinsischen und extrin- wir auch, dass diese Personengruppe öfter auswirkt oder ob möglicherweise die soziale
sischen Hürden, die Patient*innen in unseren an Übergewicht leidet als psychisch gesunde Komponente alleine für einen positiven Ef-
Untersuchungen angegeben haben, zählen Menschen. Wir sehen hier also einen Zusam- fekt ausreicht“, sagt Carina Bichler, die diese
etwa fehlendes Selbstvertrauen, Angst, sich menhang zwischen körperlichen und psy- Forschungsreihe coronabedingt derzeit leider
zu verletzen, die Unsicherheit, in der Öf- chischen Gegebenheiten. Aus diesem Grund aussetzen muss.
fentlichkeit Sport zu machen oder fehlende sollten auch in Therapien Maßnahmen für lisa.marchl@uibk.ac.at ◼
Trainingspartner*innen. Am häufigsten ha-
ben die Patient*innen angegeben, dass sie
sich zu müde fühlen, um zu trainieren. Das Zur Person
liegt nahe, denn das ist symptomatisch für
psychische Erkrankungen“, so Bichler weiter. Carina Bichler studierte Gesundheits- und Leistungssport und
Psychologie an der Universität Innsbruck. Sie spezialisierte sich
Motive für Bewegung auf Klinische Sportpsychologie und arbeitet mit der Ambulanz
für Angststörungen der Medizinischen Universität Innsbruck
Neben den empfundenen Hürden, die zusammen. In ihrer Dissertation erforscht sie die psychischen
psychisch Kranke oft davon abhalten, sich Auswirkungen von körperlicher Aktivität bei Patient*innen mit
sportlich zu betätigen, sind auch die Mo- psychischen Störungen. Gruppenbasierte körperliche Aktivität,
tive für Bewegung andere als bei gesunden wie z. B. Klettertherapie und Nordic Walking, werden als Zusatzbehandlungen für
Teilnehmer*innen: Während bei Menschen Patient*innen mit angst- und traumabedingten Störungen erprobt.
ohne psychische Erkrankungen etwa die För-
14

In der TVFA werden Materialien


für den Holzbau auf Herz und
Nieren geprüft.
Foto: Maderebner

Gut geprüft
Von der kleinsten Holzschraube bis hin zu Systemen für die Lastabtragung
tonnenschwerer Holzdeckenkonstruktionen – in der akkreditierten Technischen
Prüf- und Forschungsanstalt der Universität Innsbruck werden Materialien für den
Holzbau auf Herz und Nieren geprüft.

D
er Einsatz von Holz als Baustoff ver- derebner forscht seit Jahren intensiv vor und numerische Rechenmodelle die Kür“, ist
zeichnet, basierend aus den Forde- allem im klassischen Ingenieurholzbau und Roland Maderebner überzeugt.
rungen hinsichtlich Umweltschutz entwickelt ständig neue Technologien, um
und Nachhaltigkeit, in den letzten Jahren en- die Beanspruchbarkeit der Konstruktion zu Praxisorientiert
orme Steigerungen. Eng damit verbunden ist erhöhen und das Wissen darum zu verbrei-
die Entwicklung von neuen Technologien, die ten. „Für diese Arbeit ist eine intensive Ko- Die TVFA Innsbruck ist voll in den For-
den Bau von Holzkonstruktionen effektiver, operation zwischen dem Fachbereich und schungs- und Lehrbetrieb der Technischen
langlebiger und wirtschaftlicher machen dem Labor sehr wichtig. Erkenntnisse aus Fakultät eingebunden. Studierende haben
sollen“, erklärt Roland Maderebner. Er ar- experimentellen Untersuchungen bilden ei- hier die Möglichkeit, an zahlreichen Expe-
beitet als Senior Scientist am Arbeitsbereich ne fundamentale Grundlage. In den Bauin- rimenten für ihre Masterarbeiten oder Dis-
für Holzbau am Institut für Konstruktion und genieurwissenschaften mit ihrer hohen ge- sertationen zu arbeiten. „Die Verbindung
Materialwissenschaften und ist zusätzlich sellschaftlichen Relevanz ist das Experiment von Forschung und Lehre spielt in der TVFA
stellvertretender Leiter der akkreditierten die Pflicht und die Interpretation der gemes- eine sehr große Rolle. Eine praxisorientierte
Technischen Versuchs- und Forschungsan- senen physikalischen und mechanischen Ei- Berufsqualifikation ist in unserem Wissen-
stalt der Universität Innsbruck (TVFA). Ma- genschaften und Übersetzung in analytische schaftsbereich unerlässlich“, betont Roland
15

Maderebner. Wertvollen Input dafür liefern dukt, wurden an der TVFA durchgeführt. „Im

Technische Versuchs-
auch die guten Kontakte zu Firmenpartnern, Zuge der Entwicklung dieses Systems haben
die Entwicklungen von Prototypen am AB wir viele sogenannte Durchstanzversuche
Holzbau durchführen lassen und diese für durchgeführt, die weltweit mit Begeisterung und Forschungsanstalt
den „Proof of Concept“ in der Versuchsan- verfolgt wurden. Innsbruck konnte hier ein-
stalt testen lassen. Im unmittelbaren Umfeld mal mehr seine weltweit anerkannte Exper-
der Universität Innsbruck befinden sich Nie- tise im Bereich der Verbindungsmitteltech- Die Technische Versuchs- und For-
derlassungen namhafter Vertreter der Holz- nologien eindrucksvoll unter Beweis stellen“, schungsanstalt der Universität Inns-
industrie, die ein großes Interesse an neuen freut sich Roland Maderebner. bruck ist innerhalb der Fakultät für
Entwicklungen, aber auch an Verbesserungen Technische Wissenschaften mit der
bestehender Lösungen durch die Forschung Kuhmist und Holzqualität Durchführung von experimentellen
haben. „Davon profitieren beide Seiten. Wir Untersuchungen im Bereich des kon-
erhalten dadurch verstärkt Einblicke in Pro- Aber auch überraschende Erkenntnisse struktiven Ingenieurbaus betraut. In
blemstellungen aus der Praxis und unsere können sich im Zuge von technischer For- Zusammenarbeit mit den Arbeitsbe-
Firmenpartner bekommen wichtige theore- schung ergeben. So zeigten beispielsweise reichen Holzbau, Stahl- und Mischbau-
tische Inputs, die ihnen bei der Umsetzung umfangreiche Untersuchungen an Fichten- technologie, Massiv- und Brückenbau,
der Projekte helfen“, verdeutlicht Madereb- holz aus Gebirgstälern, dass Hang- und Hö- Materialtechnologie, Angewandte Me-
ner. „Zudem tragen die Versuche auch zur henlagen, auf denen die Bäume wachsen, kei- chanik, Energieeffizientes Bauen und
besseren Veranschaulichung und zum Ver- nen Einfluss auf die Eigenschaften des Holzes Festigkeitslehre und Baustatik bemüht
ständnis bei fachfremden Personen bei.“ haben, sehr wohl aber, ob der Baum auf einer sich die TVFA, die Entwicklung von
ehemaligen Weidefläche gewachsen ist. nachhaltigen technischen Lösungen im
Hohe Sicherheitsstandards Dazu wurde Fichtenholz aus zwei charak- Bereich der Erforschung und Weiterent-
teristischen Tälern in Nord- und Südtirol von wicklung von Baumaterialien, Baume-
Nach der Neuentwicklung oder Verbesse- Standorten zwischen 800 bis 2000 Höhenme- thoden und Baukonstruktionen voran-
rung eines Bauproduktes benötigt dieses ne- tern in einem Abstand von 200 Metern ent- zutreiben. Die technische und operative
ben der gesetzlich erforderlichen CE-Kenn- nommen und anschließend an insgesamt 476 Leitung der TVFA obliegt Dipl.-Ing. Dr.
zeichnung zur Bestätigung der Einhaltung Kanthölzern und 1428 Kleinproben unter- techn. Andreas Andreatta, für die stell-
EU-weiter Anforderungen an Sicherheit, Ge- sucht. Gemessen wurden dabei Rohdichten, vertretende Leitung und das Qualitäts-
sundheitsschutz und Umweltschutz auch ei- Biegefestigkeiten, Zugfestigkeiten, Druck- management ist Dipl.-Ing. Dr. techn.
ne sogenannte Europäische Technische Be- festigkeiten, Steifigkeiten sowie das Quell- Roland Maderebner verantwortlich.
wertung (entspricht einer bauaufsichtlichen und Schwindverhalten der Proben. Neben
Zulassung). Diese wird in enger Zusam- diesen mechanischen Parametern wurden
auch Jahrringbreiten bestimmt und rund
9000 Äste geometrisch dokumentiert. „An-
»Die Erkenntnisse aus hand dieser umfangreichen Daten konnten lage statistisch signifikant geringere Biege-
experimentellen Untersuchungen wir belegen, dass die Annahme, feinjährig festigkeiten und Elastizitätsmodule besitzen.
sind eine fundamentale gewachsenes Gebirgsholz sei besonders zäh, „Diese Tatsache hängt vor allem mit einem
nicht stimmt“, berichtet Maderebner. „Auch schnelleren Anfangswachstum und der da-
Grundlage unserer Disziplin.« ein möglicher Einfluss des Mondes auf die mit einhergehenden Ausbildung größerer
Roland MadeRebneR Eigenschaften des Holzes konnte nicht be- Äste durch die Düngung der Flächen zusam-
stätigt werden.“ Was die Versuche allerdings men. Zusätzlich spielt vermutlich auch eine
zeigten, war, dass Holz von Fichtenbäumen, Bodenverdichtung durch die Hufe der Weide-
menarbeit mit internationalen Technischen die auf ehemals beweideten Flächen gewach- tiere eine Rolle“, erläutert der Bauingenieur.
Behörden, wie zum Beispiel dem Österrei- sen sind, unabhängig von Hang- und Höhen- susanne.e.roeck@uibk.ac.at ◼
chischen Institut für Bautechnik (OIB) oder
der ETA-Danmark, durchgeführt. „In diesen
Dokumenten werden Angaben dazu gemacht,
wie Bauprodukte eingesetzt und dimensi-
oniert werden müssen. Sie dienen somit als
wichtige Basis für Tragwerksplaner, um den
hohen Sicherheitsansprüchen im Bauwesen
gerecht zu werden“, erläutert Roland Ma-
derebner. Dafür sind auch eine Vielzahl ex-
perimenteller Untersuchungen der Baupro-
dukte notwendig, die über den akkreditierten
Bereich der Technischen Versuchs- und For-
schungsanstalt abgedeckt werden. Dass nicht
nur externe Auftraggeber, sondern auch die
hauseigene Forschung von den Experimenten
im Labor profitiert, zeigt das mittlerweile
weltweit patentrechtlich geschützte und an
der Universität Innsbruck entwickelte Spi-
der Connector System. Dabei handelt es sich
In der TVFA konnte gezeigt werden, dass der
um ein Holzverbindungssystem, mit dem
Wuchsort von Fichtenholz in Bezug auf Höhen- oder
es möglich ist, punktgestützte Deckenkon-
Hanglage keinen Einfluss auf die Holzqualität hat.
struktionen aus Brettsperrholzplatten um- Foto: iStock/acilo
zusetzen. Sämtliche Tests des Systems, von
den Prototypen bis hin zum marktreifen Pro-
16

Daten als Grundlage für


Personalentscheidungen
Anna Schneider forscht am Institut für Organisation und Lernen. Sie beschäftigt
sich unter anderem mit der Frage, wie Algorithmen heute Einfluss auf
Personalentscheidungen nehmen und vor allem damit, wie Personalmanager*innen
mit den so gewonnenen Informationen umgehen.

wissenswert: Algorithmen, Big Data, Künst- Anna Schneider: Das ist die Gefahr dabei. übernommen, mit denen ein Algorithmus für
liche Intelligenz – Begriffe, die wir alle schon Wir können zwar die Verantwortung an eine die Personalauswahl trainiert wurde. Nun
einmal gehört haben. Was aber haben sie mit Maschine abgeben, aber die Algorithmen, die war es aber so, dass in der Vergangenheit
dem Personalmanagement zu tun? die Berechnungen aus den großen Mengen an häufiger Männer als Frauen eingestellt wur-
Anna Schneider: Das Personalmanagement Daten vornehmen, müssen erst einmal von den und die Software das so übernommen hat.
setzt sich aus verschiedenen Bereichen zu- einem Menschen programmiert werden. Be- Hier sehen wir also, wie wichtig die mensch-
sammen. Das reicht von der Darstellung eines reits zu Beginn des Digitalisierungsprozesses liche Komponente bei diesen Prozessen ist. Es
Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber, werden also Entscheidungen von Menschen muss bereits im Vorfeld definiert werden, wie
dem sogenannten Employer Branding, über getroffen, die damit auch die Verantwortung ich meine automatisierten Entscheidungs-
die Personalsuche, dem Recruiting, bis hin grundlagen ethisch, rechtlich und auch ge-
zum Umgang mit Mitarbeiter*innen im Un- »Es muss bereits im Vorfeld sellschaftlich nach außen hin vertreten kann.
ternehmen selbst. In allen diesen Bereichen definiert werden, wie ich Hinzu kommt außerdem, dass wir auf Grund-
können auf große Datenmengen basierende lage von Daten bei Prognosen, beispielsweise
meine automatisierten
Algorithmen eingesetzt werden, um Perso- welche Mitarbeiter*innen haben eine hohe
nalentscheidungen zu treffen. Aktuell befin- Entscheidungsgrundlagen Wahrscheinlichkeit, das Unternehmen in den
den wir uns in einem Transformationspro- ethisch, rechtlich und auch nächsten zwölf Monaten zu verlassen, immer
zess, der noch nicht abgeschlossen ist. Beide gesellschaftlich nach außen hin nur mit Korrelationen, also Zusammenhän-
Formen, analoges und digitalisiertes Perso- gen zwischen Daten, aber nicht mit Kausa-
nalmanagement, existieren also parallel und
vertreten kann.« litäten, also Beziehungen zwischen Ursache
im Austausch zueinander. AnnA Schneider und Wirkung, arbeiten können. Zur Interpre-
Worin besteht der größte Unterschied die- tation und Einordnung braucht es ein tieferes
ser beiden Formen des Personalmanage- für die Ergebnisse übernehmen müssten. Wie Verständnis der vorliegenden Daten und dazu
ments? wichtig ein verantwortungsvoller Umgang braucht man Menschen.
Anna Schneider: Während viele Entschei- mit der Programmierung solcher Anwen- Wie wird sich der Beruf des Personalma-
dungen im klassischen Personalmanage- dungen ist, zeigt ein Beispiel eines großen nagers durch die Digitalisierung ändern
ment nach einem Gefühl entschieden wer- Online-Händlers. Für eine Recruiting-Soft- oder wird er möglicherweise sogar überflüs-
den, stützt sich das digitale Personalma- ware wurden Daten aus der Vergangenheit sig?
nagement auf große Datenmengen, die als
Entscheidungsgrundlage zur Verfügung ste-
hen. Mir ist es an dieser Stelle aber wichtig,
zu betonen, dass die Entscheidung selbst Zur PerSon
meist immer noch von einem Menschen ge-
troffen werden muss. Und genau hier setzt Anna Schneider ist Assistenzprofessorin für Personalmanagement
meine Forschung an: Wie gehen Personen und Arbeitsbeziehungen. Sie arbeitete von 2008 bis 2015 in
im Personalmanagement mit den Informa- verschiedenen Managementfunktionen im Textileinzelhandel.
tionen um, die sie aus diesen großen Daten- Für bis zu 400 Mitarbeiter*innen verantwortlich, kennt Anna
mengen erhalten? Schneider die Herausforderungen des Personalmanagements und
der Rekrutierung und kann ihre praktischen Erfahrungen in die
Verantwortung Forschung einbringen. Während der letzten Jahre hat sie sich vertieft
mit Forschungsprojekten zum Thema „Digitalisierung von Personalbereitstellungs-
Ist es dann nicht sehr leicht, die Verantwor- prozessen“ beschäftigt. Ihre Forschung wurde in führenden Fachzeitschriften wie
tung für schwierige oder gar falsche Entschei- Organization Studies, International Journal of Contemporary Hospitality Management
dungen auf diese digitalisierten Prozesse ab- oder Research in the Sociology of Organizations veröffentlicht.
zuschieben?
17

Immer häufiger stehen


für Entscheidungen im
Personalmanagement große
Datenmengen zur Verfügung.
Fotos: iStock/GaudiLab, Holy

Anna Schneider: Überflüssig wird er sicher strumenten zu wahren. In Zukunft wird es Verwendung von Algorithmen im Recruiting
nicht, auch dazu gibt es Berechnungen: Die Personalmanager*innen brauchen, die digi- bedeutet ja auch, dass es fest vorgeschrie-
Wahrscheinlichkeit dafür, dass der Beruf des talisierte Entscheidungsprozesse in den Kon- bene Abläufe und Kriterien gibt, nach denen
Personalmanagers künftig von Maschinen text ihrer Unternehmen und auch der sozialen Bewerber*innen gesichtet und ausgewählt
übernommen wird, liegt gerade einmal bei Auswirkungen setzen können. Ziel muss sein, werden.
0,6 Prozent. Verändern wird sich die Tätigkeit eine automatisierte Entscheidungskultur zu Anna Schneider: Das ist richtig. Nichts ist
aber schon. Vor allem administrative Aufga- vermeiden. Es müssen immer Menschen hin- in Zeiten wie diesen leichter, als zu wissen,
ben werden künftig weniger und irgendwann terfragen, was mit den auf Daten basierten was ich machen muss, um diese digitalen
sogar ganz durch technische Hilfsmittel ab- Entscheidungen tatsächlich passiert. Das er- Hürden zu überwinden. Denn das Gute für
gelöst. Bereits heute gibt es zahlreiche Tools, laubt es künftig auch, Mitarbeiter*innen in Bewerber*innen ist, dass diese Systeme bere-
die beispielsweise die Gestaltung und Plat- Personalabteilungen strategischer einzuset- chenbar sind. Gerade bei größeren Unterneh-
zierung von Stellenausschreibungen oder die zen und ihren Stellenwert in Unternehmen men mit mehreren tausend Mitarbeiter*innen
Auswahl geeigneter Kandidat*innen verein- zu stärken. Blickt man auf die kritischen kann man davon ausgehen, dass es ein auto-
fachen. Insgesamt werden Personalabtei- Stimmen, die sich etwa aus ethischen oder matisches Bewerber-Tracking gibt. Es wird
lungen in Zukunft also stärker strategisch datenschutzrechtlichen Gründen gegen Di- sich also keine Person hinsetzen und Ihren
und weniger administrativ ausgerichtet sein. gitalisierungsprozesse im Personalmanage- Lebenslauf lesen, sondern eine Maschine
Auch ethische Fragestellungen werden stär- ment aussprechen, so ist zu sagen, dass wird das übernehmen. Für Bewerber*innen
ker in den Fokus rücken. nicht alles, was möglich ist, auch zum Ein- bedeutet das, dass bestimmte Schlüsselwör-
satz kommt. Studien zeigen, dass Unterneh- ter, die aus der Stellenausschreibung be-
Distanz wahren men hier sehr wohl abwägen, welche Daten kannt sind, im Lebenslauf stehen sollten.
sie sammeln und auch auswerten möchten. Ähnlich diesem Beispiel sind viele Prozesse
Das sind gute Aussichten für diese Berufsgrup- Schließlich haben sie ja auch eine Verantwor- im Recruiting automatisiert. Die Vorberei-
pe. Sie sehen die Entwicklung hin zu einem di- tung gegenüber ihren Mitarbeiter*innen und tung auf eine Bewerbung und ein mögliches
gitalen Personalmanagement also positiv? Bewerber*innen. Interview ist damit wesentlich leichter, weil
Anna Schneider: Ja, ich bin hier sehr po- Werfen wir mal einen Blick auf die andere Bewerber*innen wissen, worauf sie achten
sitiv gestimmt, wichtig ist allerdings, ei- Seite: Wie wirkt sich dieser digitale Transfor- sollten.
ne kritische Distanz zu den digitalen In- mationsprozess auf Bewerber*innen aus? Die lisa.marchl@uibk.ac.at ◼
18

Globalisierung ist kein


modernes Phänomen,
sondern eines, das schon in
der Frühzeit entstanden ist.
Fotos: pixabay_PIRO4D, Robert Rollinger

Die Schatten der


Globalisierung
Wenn mit aufkommender Globalisierung Waren und Menschen rund um die
Welt transportiert werden, bringt dies nicht nur wirtschaftliche Verbesserungen,
technischen Fortschritt, internationale Kontakte, die Verbreitung von Sprachen oder
Kulturen. Mit der immer enger werdenden globalen Vernetzung breiten sich auch
Krankheitserreger leichter aus.

V
on Pocken, Beulenpest, Syphi- erkennt, dass sich Unheil bringende Krank- schon in der Frühzeit entstanden ist“, er-
lis bis zu SARS oder Covid-19 heitserreger schon seit der Neolithischen Re- läutert Rollinger. „Wir betrachten die Kul-
– die Menschheit wurde bisher volution mit der Entstehung von Dauersied- turen der antiken Welten Afro-Eurasiens
schon von vielen Seuchen und Pande- lungen und einem immer engeren Mensch- nicht mehr isoliert, sondern werfen einen
mien getroffen. Robert Rollinger, Profes- Tier-Kontakt seit etwa 10.000 vor Christus vernetzten Blickwinkel auf eine protogloba-
sor am Institut für Alte Geschichte und Alt- herausgebildet und in der Folge verstärkt lisierte Welt, also auf eine Welt, die bereits
orientalistik, untersucht die Verbreitung von verbreitet haben. „Globalisierung ist kein über enge Kontakte und Verknüpfungen ver-
Krankheitserregern in der Alten Welt und modernes Phänomen, sondern eines, das fügt“, erläutert Rollinger. Die Entstehung von
19

Viehzucht, Landwirtschaft und Ackerbau so- frühe Form der Globalisierung mit der Ver-
wie die beginnende Domestizierung von Tie- breitung von Pandemien zu verknüpfen“, er-
ren und das Züchten von Pflanzen für höhere läutert der Wissenschaftler, der ergänzt, dass
Erträge markiert in der Weltgeschichte auch auch die Entstehung von Kriegerkulturen,
eine wirtschaftliche Wende. „Die neuen Er- Plünderungen und Raub zur vermehrten Aus-
kenntnisse und mit ihnen Weizen, Gerste, breitung von Krankheiten beigetragen haben.
Schafe, Ziegen oder Rinder wurden schon Erst seit Kurzem ist es Wissenschaftlerinnen
früh in andere Weltgegenden transportiert. und Wissenschaftlern möglich, anhand mo-
Man weiß, dass bereits Ackerbauern aus dem derner DNA-Analysen von Zahnproben aus
heutigen Vorderasien seit dem 9./8. Jahrtau- archäologischen Grabungen den Erreger der
send vor Christus in die verschiedensten Beulenpest, aber auch die Ausbreitung von
Himmelsrichtungen gewandert sind und Seuchen wie Syphilis oder die Pocken an vie-
so ihre Kulturtechniken über Anatolien, die len Grabungsstätten in Europa nachzuweisen.
heutige Türkei, den Balkan bis nach Europa „Die immer enger werdende Zusammenarbeit
gebracht haben. Dieselbe Wanderbewegung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften
hat auch in den Osten, über den Iran bis nach ist in diesem Bereich besonders wertvoll. Oh-
Zentralasien und Indien stattgefunden“, ne die neuesten Analyse-Methoden wären di-
skizziert Rollinger ein Beispiel von frühen ese herausragenden Befunde nicht möglich“,
Wanderungen. Mit dem Transport von Waren so Rollinger. Zahlreiche dieser Krankheitser-
und Kenntnissen auf den sich entwickelnden reger entstanden im alten Afro-Eurasien. Das
Handelsrouten und mit der ständigen Ver- weiß man inzwischen übrigens auch von der
besserung der Transportmittel wurden aber Syphilis, deren Entstehung man bisher gerne
auch Keime und Krankheiten immer rascher gemeinhin in den vorkolumbischen Amerikas
verbreitet. Vor allem die Erfindung des Schei- verortet hat. „Bis vor Kurzem ist die Wissen-
benrads und des Wagens, die Domestizierung schaft davon ausgegangen, dass diese Seuche
des Pferdes, die aufkommende Schifffahrt erst mit der Entdeckung Amerikas verbrei-
haben, wie wesentlich später die Eisenbahn tet wurde. Neueste Erkenntnisse aus Unter-
Vor allem die Erfindung
und der moderne Flugverkehr, maßgeblich suchungen von Knochenmaterialien aus der
des Scheibenrads und des
zur Beschleunigung beigetragen. inzwischen berühmten Grabung des städ-
Wagens haben maßgeblich zur
tischen Gräberfeldes von St. Pölten legen na-
Beschleunigung beigetragen.
Ratten reisen um die Welt he, dass bereits im 14. Jahrhundert nach Chris- Foto: pixabay.com/BBlanck
tus die Menschen in Österreich unter Syphilis
In solchen Kontexten dürfte im 4. Jahr- gelitten haben dürften“, so Rollinger.
tausend vor Christus das Bakterium Yersinia
Pestis und damit die Beulenpest entstanden Motor der Globalisierung
sein. Ratten haben Flöhe, die eigentlichen heute erleben, hat es damals natürlich noch
Überträger des Bakteriums, auf der Welt ver- Die Welt entwickelt sich und seit dem 5. nicht gegeben. Das Grundprinzip war aller-
breitet. „Die Tiere haben eigentlich einen sehr Jahrtausend vor Christus lernen Menschen, dings schon vorhanden“, erläutert der Exper-
eingeschränkten Lebensraum von wenigen mit Metallen umzugehen, sie abzubauen, ein- te für Alte Geschichte. In der Spätbronzezeit,
100 Metern, in dem sie sich in ihrem Leben zuschmelzen und miteinander zu verbinden. etwa 1.500 bis 1.000 vor Christus, intensivie-
bewegen. Die in europäischen Steppenland- Bronze, eine Legierung aus Kupfer und Zinn, ren sich die Kontakte zusehends und weitere
schaften pastoralnomadisch lebenden Träger ist seit dem 3. Jahrtausend vor Christus das seuchenartige Krankheiten treten vermehrt
der Yamnaya-Kultur haben auf Wägen bei der geläufigste Material und trägt zur Qualitäts- in schriftlichen Quellen auf. Auch Pocken
Wanderbewegung Ende des 4. Jahrtausends steigerung von Waffen und Werkzeugen bei. wurden in dieser Zeit verbreitet. „Der älteste
vor Christus nach Ost- und Mitteleuropa un- „Kupfer findet man vor allem im Iran und in Nachweis von Pocken etwa ist auf der Mumie
gewollt auch Ratten und mit ihnen die Flöhe Anatolien. Zinn-Lagerstätten waren aber sehr des Pharaos Ramses V. zu sehen, dessen Wange
mit dem Pesterreger transportiert. Befeuert disparat und finden sich vor allem in Cornwall von Pockennarben übersät war“, skizziert der
wurde die Verbreitung in dieser Zeit zusätz- in England oder in Usbekistan und Kirgistan Wissenschaftler, der verdeutlicht, dass viele
lich durch den engen Mensch-Tier-Kontakt in Zentralasien. Die Bronzezeit wurde damals Epidemien oder Seuchen in der Alten Welt
in den Wagenkolonnen“, erläutert Rollin- zum Motor der Globalisierung, da die Metalle heute allerdings nicht mehr eindeutig zuor-
ger. Ratten wurden aber nicht nur am Land, aus unterschiedlichsten Weltgegenden kom- denbar sind. Nachweisbar aber ist, dass seit
sondern auch auf dem Wasser von Menschen men und in allen großen Kulturen verhandelt etwa 10.000 v. Chr. die Vernetzung zwischen
transportiert. „Mit dem aufkommenden wurden. Dieser vernetzte Kulturraum zieht den Menschen stetig zunimmt und Distan-
Schiffsverkehr wurde die schwarze Ratte um sich von Großbritannien bis nach China und zen durch die Entwicklung neuer Transport-
2.000 vor Christus von Indien nach Afrika und schließt auch große Teile Nordafrikas mit ein. möglichkeiten zunehmend verringert werden.
Asien verbreitet. Es ist also möglich, diese Jene Dynamik der Globalisierung, wie wir sie Rollinger sieht auch die hohe Geschwindig-
keit, mit der heute Distanzen überwunden
werden können, den enormen Zuwachs der
Weltbevölkerung und die dadurch immer en-
ZuR PeRson ger werdenden Kontakte kritisch: „Im 18.
Jahrhundert hat sich die Weltbevölkerung zum
Robert Rollinger ist seit 2005 Professor an der Universität ersten Mal verdoppelt und im 20. Jahrhundert
Innsbruck. Er ist Mitglied der Academia Europaea sowie wirkliches vervierfacht. Die bedrohliche Vorstellung ist,
Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. dass sich eine Pandemie auch heute nicht auf
Seine Forschungsschwerpunkte sind die Antike Universal- und Knopfdruck lösen lässt und wir durch die en-
Vernetzungsgeschichte, Antike Historiographie, Vorderer Orient und orme Beschleunigung Pandemien häufiger er-
Iran und die Imperiengeschichte. leben könnten.“
daniela.puempel@uibk.ac.at ◼
20

Ein Virus verändert


die Gesellschaft
Was versteht man unter „Maßnahmen“? Rächt sich die Globalisierung? Welche Rolle
spielt Religion und ist die Krise eine verschwörungstheoretische Versuchung?

I
n einer öffentlich zugänglichen Online-
Tagung haben sich Wissenschaftlerinnen
Ausschnitt aus dem
und Wissenschaftler verschiedenster
Wandmosaik von Hubert
geistes-, kultur- und sozialwissenschaft-
Schmalix an der
licher Disziplinen mit den Ereignissen der
Universität Innsbruck.
Covid-19-Pandemie befasst. „Schon kurz Foto: Universität Innsbruck
nach dem Beginn der Corona-Pandemie war
klar, dass uns dieses Ereignis alle noch lange
beschäftigen wird. Dabei geht es nicht nur um
die epidemiologische, virologische und me-
dizinische Bewältigung dieser Krise, sondern
auch um den Blick auf deren gesellschaft-
liche Folgen und Auswirkungen. Im Blick der
öffentlich zugänglichen Tagung waren nicht
nur die Ereignisse der Covid-19-Pandemie,
sondern auch die unterschiedlichen Erfah-
rungen und Narrative, die vielfältigen Fol-
gen und Auswirkungen auf unterschiedliche
Gruppen unserer Gesellschaft sowie die Be-
trachtung historischer Vorläufer“, verdeut-
licht Wolfgang Meixner aus dem Organisati-
onsteam. Elisabeth Dietrich-Daum, Mitver-
anstalterin der Tagung, ergänzt: „Seuchen Die Pandemie betrifft schon längst nicht rin Marina Hilber. Zeithistoriker Dirk Rup-
sind eben nicht nur rein biologische Phäno- mehr nur einzelne Menschen, sondern stellt now ergänzt: „Corona ist nicht nur ein The-
mene oder medizinische Handlungsfelder, sie eine gesamtgesellschaftliche Herausforde- ma für die Medizin, für Virologie und Epide-
sind viel mehr – sie sind eine soziale und po- rung dar. „In dieser Zeit ist nicht nur die For- miologie. Unsere Tagung hat gezeigt, welche
litische Herausforderung, ein Stresstest, ge- schung gefordert, auch für die Studierenden Perspektiven die Geistes-, Kultur- und So-
rade auch für die Demokratien. Seit Monaten stellt die Pandemie eine einschneidende Ver- zialwissenschaften beisteuern können: von
erleben wir, wie sehr die Pandemie in unseren änderung dar. Nicht zuletzt bot die interdis- der Geschichte und Kunstgeschichte über die
Alltag eingreift, kollektiv unser Verhalten zu ziplinäre Fachtagung durch die Möglichkeit Rechtswissenschaften und Philosophie bis
lenken beginnt und uns als Individuen und des Streamings auch ein niederschwelliges hin zu den Gender- und Disability Studies.“
als Gesellschaft irritiert.“ Angebot für die Lehre“, so Mitveranstalte- daniela.puempel@uibk.ac.at ◼

Multimedial am Puls der Forschung


Schon seit Beginn der Pandemie werden wendigkeit“ und „Mitmachen“, während der erläutert, dass die heimische Tourismus-
im „subject“, der Dossier-Reihe der Universi- Völker- und Europarechtler Andreas Müller wirtschaft schon einmal stark von Reise-
tät Innsbruck, unterschiedliche Facetten der im Video über Überwachung und Rechts- beschränkungen getroffen wurde. Wie die
Corona-Krise, die von Wissenschaftler*innen staat spricht. Doch auch aus der Geschich- aktuelle Krise gedeutet werden kann, darü-
untersucht werden, aufgegriffen. In der ak- te können interessante Parallelen gezogen ber macht sich abschließend der Zeithistori-
tuellen Ausgabe stehen sozial- und kultur- werden. Robert Rollinger erörtert die Schat- ker Dirk Rupnow Gedan-
wissenschaftliche Themen und Fragestel- ten der Globalisierung und untersucht, wie ken: „Die Krise kann eine
lungen im Zentrum. Kunsthistorikerin Mar- sich schon in der Frühzeit Seuchen in der Chance sein – aber eine
tina Baleva verfolgt die unterschiedlichen Welt verbreitet haben. Weiters beschäftigt Chance wofür, das zeigt
Darstellungen des Corona-Virus im Lauf der sich Medizinhistorikerin Elisabeth Dietrich- sich erst in der längeren
Zeit. Philosophin Anne Siegetsleitner spricht Daum mit der Forschung an Heilmitteln und Perspektive. Und ob sie
im Interview über „Maßnahmen“, „Not- Wirtschaftshistoriker Wolfgang Meixner genutzt wurde, auch.“
21

Wir finden den richtigen


Schatz für Sie
Die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol sucht Patenschaften für ihre kulturellen
Schätze. 1669 – Wissenschafft Gesellschaft, der Förderkreis der Universität
Innsbruck, unterstützt diese wertvolle Initiative und finanziert die Restaurierung
und Digitalisierung von gleich drei Objekten.

D
ie Freude bei Mag.a heutige Universitäts- und Landesbibliothek Pilgerfahrt des Mainzer Domherrn Bernhard
Eva Ramminger Tirol. Die mit Buchmalerei kunstvoll ausge- von Breydenbach ins Heilige Land, die die-
(Bild), Direkto- stattete Handschrift besitzt einen zeitgenös- ser mit dem aus Utrecht stammenden Ma-
rin der Universitäts- und sischen Einband aus rotem Samt über Holz- ler Erhard Reuwich unternommen hat. Auf
Landesbibliothek Tirol deckeln sowie einen punzierten Goldschnitt. Reuwich gehen auch die Bildvorlagen für die
(ULB), ist groß, über- Derartige Textileinbände sind aufgrund des zahlreichen, z. T. großformatigen und aus-
nimmt der Förderkreis fragilen Materials selten und daher ist eine faltbaren Holzschnitte zurück, auf denen
1669 - Wissenschaft Ge- Rettung des Einbandes sehr wichtig. Städte, Menschen und Tiere dokumentiert
sellschaft doch die Pa- werden und dem Buch seinen außerordent-
tenschaft für gleich drei lichen kulturgeschichtlichen Reiz verleihen.
auserlesene Objekte und Letztbesitzer des Buches war das zu Ende des
erhält diese damit für die nächsten Genera- 18. Jh. aufgehobene Tertiarschwesternklos-
tionen. Die drei Bücher gehören zu den rund ter Thalbach in Bregenz. Die Restaurierung
70.000 historischen Sammlungsobjekten, die konzentriert sich auf die Instandsetzung eines
die Universitäts- und Landesbibliothek Tirol schwer beschädigten Buchdeckels, Papierer-
besitzt.
* Illuminierte Pergamenthandschrift der
Briefe des hl. Hieronymus (Cod. 32 ULB Ti-
rol): Die Handschrift (Bild unten) ist im 15. Jh.
in Italien oder Südtirol entstanden. Ihr Letzt-
besitzer war das Kartäuserkloster Allerengel- Fotos: ULB Tirol

berg in Schnals. Im Zuge der unter Joseph II.


veranlassten Aufhebung des Klosters ge-
langte die Handschrift Ende des 18. Jh. an die * Ansichten und Grundrisse von Festungen
damalige Bibliotheca publica Oenipontana, die und Städten in deutschen Ländern und in
den Niederlanden. (Cod. 1042): Der 1604/05
entstandene großformatige Codex (Bild oben)
enthält über 50 ganzseitige, sorgfältig mit Fe-
der gezeichnete und kolorierte Ansichten und
Grundrisse. Die Handschrift, deren Entste-
hungsort unbekannt ist, ist mit einem baro-
cken Pergamenteinband mit Blinddruck und gänzungen im Buchblock sowie die Sicherung
Silberprägung versehen. Die Restaurierung fragiler und schadhafter Falttafeln.
umfasst u. a. Maßnahmen zur Instandsetzung Wer wertvolles Kulturerbe sichern und für
des Buchblockes und die Sicherung des sehr zukünftige Generationen mit einer Paten-
brüchig gewordenen Einbandes. schaft bewahren möchte, kann sich an Mag.a
* Erstes Reisebuch der Druckgeschichte Eva Ramminger (Tel.: +43 512 507 2400, Mail:
(Ink. 108 E 8): Die Ausgabe (Bild rechts) er- ulb-leitung@uibk.ac.at) wenden.
schien 1502 in Venedig. Sie dokumentiert die foerderkreis1669@uibk.ac.at ◼

Interessiert? Werden Sie Förder*in bei 1669 – Wissenschafft Gesellschaft!


Die Mitglieder des Förderkreises unterstützen die Universität Innsbruck gemeinsam in einem Netzwerk, als Brücke in die Gesellschaft,
sowohl ideell als auch materiell. Wenn Sie mehr über den Förderkreis erfahren wollen, kontaktieren Sie uns bitte unter Tel.: 0 512/507-38 554,
E-Mail: foerderkreis1669@uibk.ac.at – weitere Infos: www.uibk.ac.at/foerderkreis1669
22

ERC-Grants für Chemiker


und Meteorologin
Ivana Stiperski und Thomas Magauer erhielten je einen ERC-Consolidator-Grant
und damit einen der am höchsten dotierten Wissenschaftspreise. Der Europäische
Forschungsrat (ERC) unterstützt damit Pionierforschung von herausragenden
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern mit jeweils bis zu zwei Millionen Euro
auf fünf Jahre.

P rof. Ivana Stiperski vom Institut für At-


mosphären- und Kryosphärenwissen-
schaften beschäftigt sich mit Turbulenz –
einem Phänomen, das der Physik und Ma-
thematik immer noch viele Rätsel aufgibt.
Im Mittelpunkt stehen für die Meteorolo-
gin dabei vor allem Wetterentwicklungen
im Gebirge. Genaue Wettervorhersagen und
Klimaprognosen erfordern eine exakte Be-
schreibung von Turbulenz, über dem kom-
plexen Gelände von Bergregionen ist das aber
besonders schwierig. Bislang beruht das Ver-
ständnis der atmosphärischen Turbulenz und
der Art und Weise, wie sie in Wetter- und Kli-
mamodellen berücksichtigt wird, auf der so
genannten Ähnlichkeitstheorie. Diese bezieht
sich allerdings auf flaches Gelände: „Dieses Ivana Stiperski und Thomas Magauer erhalten je einen ERC-Consolidator-Grant.
Fehlen einer Theorie, die Turbulenzcharak- Foto: Jordan Mertes/Universität Innsbruck
teristika über komplexem Gelände angemes-
sen beschreibt, führt zu Unsicherheiten bei
der Wettervorhersage und bei Klimaprojekti- von der Komplexität und Vielfältigkeit mo- dern langwierige und teure Synthesestra-
onen über Berggebieten“, sagt Stiperski. Die- lekularer Architekturen, Moleküle und ih- tegien“, erläutert Magauer. Im geförderten
se Wissenslücke will Stiperski im vom ERC rer Rolle als wertvolle Leitstrukturen für die Projekt CRAFTMOL will er mit seinem Team
geförderten Projekt UNICORN nun schließen. Entwicklung neuartiger Medikamente. Für eine Lösung für dieses Problem bereitstellen.
Thomas Magauer, Professor am Institut die systematische Untersuchung dieser mo- Dazu untersucht er neuartige Polyencycli-
für Organische Chemie, ist ein „molekularer lekularen Architekturen müssen erhebliche sierungen, um derzeit unzugängliche Natur-
Architekt“ mit einer Begeisterung für hoch- Substanzmengen verfügbar sein. „Viele der stoffe mit beispielsweise krebshemmender,
funktionalisierte, bioaktive Moleküle. Seit Architekturen sind jedoch derzeit nicht aus antiviraler oder entzündungshemmender
seiner Zeit als Doktorand ist er fasziniert natürlichen Quellen zugänglich oder erfor- Wirkung zu konstruieren.

Textilforschung
Ranking der Besten ausgebaut
E in Team um den Stanford-Wissenschaftler
John P. A. Ioannidis hat kürzlich ein Ran-
king der weltweit zwei Prozent der bedeu-
bzw. die betroffene Forscherin erhält. Darun-
ter sind auch über 60 an der Uni Innsbruck tä-
tige Wissenschaftler*innen. Die gesamte Liste
D as vor vier Jahren gegründete Vorarlber-
ger Textil-Kompetenzzentrum TCCV in
Dornbirn wird weiter ausgebaut. Der Bund
tendsten Forscherinnen und Forscher veröf- ist online: https://bit.ly/60-beste-forscherinnen. fördert im Rahmen des COMET-Programms
fentlicht. Insgesamt rund 160.000 Wissen- Auch der Datenkonzern Clarivate hat im das von der Universität Innsbruck geleitete
schaftlerinnen und Wissenschaftler gehören November die jährlich aktualisierte Liste der Forschungszentrum für innovative Texti-
zu den weltweit zwei Prozent der Besten – meistzitierten Forscherinnen und Forscher lien in Dornbirn mit weiteren 1,2 Millionen
basierend auf Daten der Wissenschaftsplatt- veröffentlicht. In diesem Jahr sind mit den Euro, das Land Vorarlberg steuert in den
form „Scopus“, die in ihrem neuen „Compo- Physikern Rainer Blatt, Christian Roos und nächsten vier Jahren über 600.000 Euro bei.
site Indicator“ insgesamt sechs Teilindika- Peter Zoller sowie dem Pharmakologen Jörg Künftig soll das Forschungszentrum erwei-
toren, die hauptsächlich mit den Zitationen Striessnig vier Wissenschaftler der Uni unter tert und noch stärker international ausge-
zusammenhängt, die der betroffene Forscher den „Highly Citied Researchers“. richtet werden.
23

Zuwachs bei
Erstsemestrigen
M it über 27.000 Studierenden ist die Uni
Innsbruck eine der größten Hochschulen
in Österreich. Mehr als 170 verschiedene Stu-
dienmöglichkeiten und Weiterbildungspro-
gramme aus den unterschiedlichsten Fach-
bereichen wie Technik, Theologie, Geistes-,
Natur-, Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswis-
senschaften stehen zur Auswahl. Dass dieses
Angebot gut angenommen wird, zeigt sich vor
allem bei den Studierendenzahlen: Entge-
gen dem Trend an anderen österreichischen
Hochschulen steigen sie an der Uni Innsbruck
Foto: Tiroler Landesmuseen
in diesem Jahr wieder spürbar. 5387 Personen
wurden im Wintersemester 2020/21 (Stichtag

Große Anich-Globen in neuem Glanz


4.12.20) erstmals zu einem Studium an der
Uni Innsbruck zugelassen. Das bedeutet eine
Steigerung der Neuzugelassenen um mehr als
Der große Erdglobus (im Bild) und der große Himmelsglobus von Peter Anich erstrah- 10 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
len nach mehrmonatiger restauratorischer Arbeit in neuem Glanz. Die von den Ti-
roler Landesmuseen in Auftrag gegebene Restaurierung wurde von der Universität
Innsbruck finanziell und durch die Expertise von Univ.-Prof. Armin Denoth fachlich unter-
stützt. In den 1750er-Jahren im Auftrag von Ignaz Weinhart angefertigt, befanden sich die
Globen ursprünglich im „Physikalischen Musäum“ der Universität. Seit 2016 sind sie offi-
ziell an die Tiroler Landesmuseen verliehen.

Barrierefreie
Günther Feuerstein.
Foto: Luca De Giorgi/WIA

E-Mobilität
Ehrendoktorat
D er barrierefreie Zugang zur E-Mobilität
erfordert besonders in dicht besiedelten
urbanen Räumen einen bedarfsgerechten
das öffentliche Recht darstellt. Sie berührt
brennend aktuelle Themen wie Mobilität,
Nachhaltigkeit und Digitalisierung“, sagt
verliehen
Zugang zu Park- und Lademöglichkeiten.
Diese Aufgabe ist bislang nicht oder nur un-
zureichend gelöst. Das Institut für Öffent-
Universitätsprofessor Arno Kahl, Leiter des
Instituts für Öffentliches Recht, Staats- und
Verwaltungslehre an der Universität Inns-
G ünther Feuerstein ist Architekt und Archi-
tekturtheoretiker, der sich unermüdlich
auch für die Uni Innsbruck, besonders aber
liches Recht, Staats- und Verwaltungslehre bruck. Neben der Uni Innsbruck gehören die für die Erfüllung ihrer gesellschaftlichen und
der Uni Innsbruck erforscht in einem inter- Firma Technic Gerätebau GmbH, die Ener- kulturellen Aufgaben eingesetzt hat. Feuer-
disziplinären Team das barrierefreie Laden gie Ingenieure Consulting GmbH und als stein hat Generationen von Studierenden zu
und Parken für die urbane Elektromobili- assoziierte Partner die Firma Enomics E- Architekt*innen oder Architektur-Lehrenden
tät. „Die Aufgabenstellung, barrierefreien Charging Technology GmbH sowie die FEN ausgebildet und vieles von dem, was heute Ba-
Zugang zu Ladepunkten für E-Mobilität im Research GmbH zu den Projektpartnern. sis des Lehrens und Forschens an der Fakultät
städtischen Raum zu ermöglichen, bedeu- Geleitet wird das aus Mitteln des Landes für Architektur der Uni Innsbruck ist, lässt sich
tet rechtlich gesehen die Behandlung einer Tirol sowie des Europäischen Fonds für auf seinen Einfluss zurückführen. Für seine
sehr anspruchsvollen Querschnittsmaterie, Regionale Entwickung (EFRE) geförderte Wirkung auf Architektur und Architekturleh-
die in erster Linie eine Herausforderung für Projekt von FEN Sustain Systems GmbH. re in Österreich wurde Günther Feuerstein am
30. November ein Ehrendoktorat der Uni Inns-
bruck verliehen. „Günther Feuerstein erhält

Spezialforschungsbereich verlängert diese Ehrung nicht allein für das, was er ge-
baut hat, vielmehr gebührt sie ihm für seinen
umfangreichen Einfluss als Architekturleh-

D ie Wirtschaftsfakultäten der Uni Inns-


bruck sorgen mit ihrer Forschung seit
Jahren immer wieder für internationale
mit Vertrauensgütern, Anreizen im Finanz-
system und dem wirtschaftlichen Verhalten
des Menschen. Die erfolgreiche Arbeit der
rer, Theoretiker und Vermittler, als jemandem,
der stets die Grenzen der Disziplin gesucht
hat und als maßgeblicher Initiator dessen gilt,
Aufmerksamkeit. In dem 2017 vom österrei- experimentellen Wirtschaftsforscher*innen was heute als die Österreichische Avantgarde-
chischen Wissenschaftsfonds FWF geneh- um Sprecher Michael Kirchler wurde nun Architektur der 1960er-Jahre und später gese-
migten Spezialforschungsbereich befassen vom österreichischen Wissenschaftsfonds hen und weltweit gefeiert wird“, heißt es in der
sich Forschungsgruppen an den Instituten bestätigt. Nach positiver Begutachtung wird Begründung für die Verleihung. Die Uni Inns-
für Banken und Finanzen, Finanzwissen- der Spezialforschungsbereich auf vier wei- bruck verlieh dem heute 95-Jährigen die Aus-
schaften sowie Wirtschaftstheorie, Wirt- tere Jahre verlängert und wird mit weiteren zeichnung aufgrund der Umstände im Rahmen
schaftspolitik und Wirtschaftsgeschichte vier Millionen Euro unterstützt. einer virtuellen Feier.
digital
Abenteuer Eishöhle Wissenschaft für
junge Menschen
Höhlenforscher*innen rund um Univ.- von Höhlenablagerungen. In einem For-
Prof. Dr. Christoph Spötl vom Institut für schungsvideo können Sie ihnen dabei über Die Junge Uni der Universität Inns-
Geologie untersuchen die Eisriesenwelt die Schulter schauen. Dieses Video und bruck gibt es auch im Online-Format:
in Werfen im Land Salzburg. Abseits der noch mehr Spannendes aus Forschung Unter dem Titel „Junge Uni im Netz“
Touristenpfade begeben sie sich auf die und Lehre finden Sie auf dem YouTube- werden Forschung und Lehre an der
Suche nach bizarren Schönheiten in Form Kanal der Uni: youtube.com/uniinnsbruck Universität Innsbruck in informa-
tiven und unterhaltsamen Videos
vorgestellt. Alle Videos sind hier zu
finden: www.uibk.ac.at/jungeuni

Forschung multimedial
Foto: Uni Innsbruck
Mehr als 3000 Wissenschaftler*-
innen forschen an der Uni Innsbruck.
Sie sind Expert*innen für unterschied-
lichste Themenbereiche. In der Reihe
subject bilden wir diese Vielfalt ab und
beleuchten Querschnittsthemen rund
um die großen Fragen unserer Zeit über

Wissenschaft Ideen, die unser


Institutsgrenzen hinweg. Gestalterisch
wie inhaltlich schöpfen wir in der Multi-
für die Ohren Leben verbessern media-Reihe subject aus dem Vollen: Mit
einer Kombination von Texten, Bildern,
„Zeit für Wissenschaft“ - der Wis- „UNInteressant? – Ideen, die un- Videos und Audiobeiträgen werfen wir
senschaftspodcast der Universität ser Leben verbessern“: Unter die- einen interdisziplinären und multimedi-
Innsbruck ist eine Gesprächsreihe, sem Motto startete die Österrei- alen Blick auf die Themen. Alle Ausgaben
in der Melanie Bartos mit Wissen- chische Universitätenkonferenz unter: www.uibk.ac.at/newsroom/subject
schaftlerinnen und Wissenschaftlern (uniko) erstmalig eine Online-Kam-
verschiedenster Fachrichtungen an pagne, an der sich alle öffentlichen
der Uni Innsbruck über das „Was?“ Universitäten Österreichs beteili-
und „Wie?“ ihrer Forschungsarbeit gen. Mehr zu Ideen, die unser Le-
spricht. Alle Ausgaben finden Sie un- ben verbessern, finden Sie unter:
ter www.uibk.ac.at/podcast/zeit https://uninteressant.at/
Alle Links finden Sie
hier: uibk.ac.at/linklist

Die Universität Innsbruck wünscht allen Leserinnen und Lesern


einen entspannten Jahresausklang und einen erfolgreichen Start ins Jahr 2021

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