Sie sind auf Seite 1von 16

Der Kern des Design-

Arguments in der Biologie


und warum die Kritiker
daran scheitern

Markus Widenmeyer & Reinhard Junker

Stand: 27. 7. 2016

Studiengemeinschaft Wort und Wissen

www.wort-und-wissen.de/artikel/a22/a22.pdf
Der Kern des Design-Arguments in der Biologie
und warum die Kritiker daran scheitern
Markus Widenmeyer & Reinhard Junker (Stand: 27. 7. 2016)

Das Design-Argument beruht im Kern auf der spiele konkreter Design-Merkmale erläutert wer-
fundamentalen Unterscheidung zwischen geis- den. Anschließend werden einige Kritiken am
tig bzw. intentional begabten Urhebern und Design-Argument besprochen, die alle unter an-
nicht-geistigen, blinden Naturprozessen. Die- derem den Makel haben, dass sie diesen eigent-
se Unterscheidung ist systematisch-philoso- lichen Kern des Design-Arguments verkennen.
phisch klar begründbar und empirisch hervor- Vorab soll kurz das Design-Argument in der Bi-
ragend belegt, da sie mit klar erfassbaren Merk- ologie beschrieben werden.
malen an Gegenständen einhergeht. Im ersten
Teil wird dieser Unterschied erläutert und der
wesentliche Kern des Design-Arguments dar- 1. Das Design-Argument in der
gestellt.
Im zweiten Teil werden einige Kritikpunkte
Biologie
am Design-Argument diskutiert. Zwei Kritik-
punkte nehmen Bezug auf empirische Befun- Ein besonderes Kennzeichen der Strukturen der
de, durch die das Design-Argument widerlegt belebten Welt ist Zweckmäßigkeit bzw. Zielori-
worden sei: Seit Darwin sei ein natürlicher Ent- entierung (Teleologie). Ein Großteil der biologi-
stehungsmechanismus bekannt, der einen schen Forschung ist durch dieses Kennzeichen
Schöpfer überflüssig mache. Außerdem sprä- motiviert, nämlich alle Forschung, die danach
chen Design-Fehler gegen die Gültigkeit des fragt, wofür etwas gut ist; und diese Frage ist aus
Design-Arguments. In beiden Fällen kann ge- der Biologie nicht wegzudenken. Biologische
zeigt werden, dass die Kritik unzutreffend ist. Design-Indizien nehmen auf dieses Spezifikum
Ein wichtiger Aspekt ist, dass der Fortschritt der der Biologie Bezug und stehen entsprechend in
Forschung das Design-Argument eher gestärkt den meisten Fällen mit der Zweckmäßigkeit bio-
als geschwächt hat. logischer Strukturen in Verbindung (neben ästhe-
Weitere Kritikpunkte werden als unabhängig tischen oder semiotischen, also symbolhaften
vom Stand der naturwissenschaftlichen For- Strukturen1).
schung betrachtet. So wird gefordert, dass ne- Beim Design-Argument in der Biologie2 geht
ben definierten Design-Indizien noch weitere, es vor diesem Hintergrund um die Frage: Wie
von diesen Indizien unabhängige Indizien für kann unter Berufung auf wissenschaftliche Befun-
einen Schöpfer, seine Identität und seine spe- de begründet werden, dass ein Naturgegenstand
ziellen Absichten erforderlich seien, um den wie z. B. die Vogelfeder oder eine molekulare Ma-
Schluss auf einen Schöpfer ziehen zu können. schine in einer lebenden Zelle ursprünglich geis-
Außerdem sei das Zusprechen geistiger Eigen- tig verursacht, also das Ergebnis eines Schöp-
schaften auf andere Wesen anthropozentrisch; fungsereignisses ist? Die Begründung für eine
Geist könne auch etwas ganz anderes sein. Die- geistige Verursachung und damit für das Design-
se Kritiken scheitern jedoch daran, dass sie auf Argument besteht aus zwei Teilen:
den entscheidenden Kern des Design-Argu- 1. Der Naturgegenstand zeigt definierte Kenn-
ments gar nicht eingehen und darüber hinaus zeichen von Planung bzw. Zielorientierung (Te-
mit Thesen arbeiten, die absurde Konsequen- leologie), die wir in anderen Fällen ganz entspre-
zen nach sich ziehen. chend unseren sonstigen Design-Erfahrungen
(Technik, Kunst) ausschließlich auf einen geisti-
gen Urheber zurückführen (wir sprechen dann
Das Design-Argument in der Biologie erfuhr in
1
den letzten Jahren viel Beachtung und Kritik, vor SHCHERBAK & MAKUKUV (2012); VAN DAM (2015).
2
allem unter der Bezeichnung „ID“ (Intelligent Design-Argumente gibt es auch in anderen Gebieten,
z. B. die Feinabstimmung der Naturkonstanten in der
Design). Gleichzeitig scheint es jedoch auch häu-
Physik. Vgl. dazu: TRÜB P (2015) Der bewohnbare Kos-
fig missverstanden zu werden. Hier soll der we- mos. Die Feinabstimmung der Naturgesetze als Hin-
sentliche Kern des Design-Arguments ausführ- weis auf einen Schöpfer-Gott. http://www.wort-und-
lich dargestellt und anhand verschiedener Bei- wissen.de/artikel/a20/a20.pdf

1
Geistiges Funktionsweisen geistiger Tätigkeit Produkte geistiger Tätigkeit
Nichtgeistiges Funktionsweisen nicht-geistiger Prozesse Produkte nicht-geistiger Prozesse
Tab. 1

von „Design-Indizien“ oder „Design-Merkmalen“ tät. Intentionalität umfasst mehr als die Intentio-
wie z. B. funktionale Komplexität; s. u.). nen (Absichten) einer Person. Intentionalität be-
2. Ein natürlicher Entstehungsvorgang des be- deutet zum Beispiel, dass man sich Dinge bzw.
trachteten Naturgegenstandes ist unbekannt, und Sachverhalte in seiner Gedankenwelt vorstellen
Erklärungsversuche scheitern trotz Wissenszu- kann. Ein Beispiel ist die Vorstellung „Am kom-
wachs (im Idealfall können sogar Gründe ange- menden Samstag findet in Berlin ein bedeutsa-
geben werden, warum sie scheitern). mes Sportereignis statt“. Aufgrund der Bezug-
Ein konkretes Design-Argument würde dem- nahme auf diesen Sachverhalt kann sich ein Sub-
nach geschwächt, wenn naturwissenschaftlich die jekt ein Ziel setzen und es mit verschiedenen Mit-
Möglichkeit eines natürlichen Entstehungsvor- teln verfolgen (z. B. eine Eintrittskarte besorgen,
gangs im Detail nachgewiesen würde, der zum die Reise planen, dabei Staus oder Zugverspätun-
betreffenden Design-Merkmal führt (vgl. Ab- gen einkalkulieren etc.). Man sieht hier, dass die
schnitt 4, Einwand 1). Damit würde das Design- Vorstellung auch bloß mögliche, nicht oder noch
Indiz seine Kraft verlieren und bekäme Konkur- nicht existierende Zustände betreffen kann, z. B.
renz. Daher sind hier keine Beweise im strengen es könnte am kommenden Samstag in Berlin reg-
Sinne möglich. Dies ist nicht zuletzt auch deswe- nen. Auch darauf kann sich ein geistbegabtes
gen der Fall, weil es sich im Grunde um histori- Subjekt einstellen und einen Schirm mitnehmen
sche Fragestellungen handelt, nämlich um die oder den Plan, nach Berlin zu fahren, aufgeben.
erstmalige Entstehung von Naturgegenständen in Zielorientierung erfordert neben der Zielset-
der Vergangenheit. Somit kann „nur“ ein abduk- zung auch Planung, Wahl der Mittel, die zum Er-
tiver Schluss auf Design als vorläufig beste bzw. reichen des Zieles erforderlich sind, und Überle-
einzige bekannte Erklärung gezogen werden.3 gungen zu Zwischenschritten und zur Überwin-
Entsprechend ist mit Design-Ansatz gemeint, dung möglicher Hindernisse und dergleichen
dass die Erschaffung eines bestimmten Natur- (vgl. Tab. 2). Hierfür ist Intentionalität essentiell.
gegenstandes vermutet wird und dass durch eine Sie ermöglicht es einem Subjekt auch, schöpfe-
naturwissenschaftliche Untersuchung anhand der risch und technisch umsetzend tätig zu sein.
oben genannten beiden Kriterien geprüft werden Dabei kann es technische Mittel, die es aus der
soll, ob eine solche Vermutung erhärtet werden Betrachtung und Analyse seiner Zielsetzung so-
kann. Dabei kann naturwissenschaftlich unter- wie aus seinem Hintergrundwissen abgeleitet hat,
sucht werden, 1. ob ein bestimmter Naturgegen- wieder als Unterziele antizipieren und systema-
stand definierte Design-Merkmale trägt und tisch zur Anwendung bringen.
2. was natürliche Prozesse vermögen und wo ihre Geistig hervorgebrachte Gegenstände, z. B.
Grenzen liegen (und ob sie somit ausreichend Maschinen, sind dementsprechend häufig so ge-
sind, ein in Rede stehendes Design-Merkmal her- staltet, dass ihre Teile in z. T. äußerst komplexen
vorzubringen). und vielschichtigen Zweck-Mittel-Beziehungen
stehen. Die Merkmalsmuster der Teile und ihrer
Anordnung sind dabei oftmals hochgradig spe-
2. Der Kern des Design-Ansatzes ziell ausgeführt, wobei diese Spezifität nicht
anders als durch solche Zweck-Mittel-Beziehun-
Der Design-Ansatz geht von der fundamentalen gen erklärt werden kann, also durch die Funktio-
Unterscheidung zwischen Geistigem und Nicht- nen, die ausgeübt werden sollen und die Art und
Geistigem aus und, davon abgeleitet, zwischen Weise, diese Funktionen möglichst optimal aus-
geistigen und nicht-geistigen Ursachen sowie zuführen (vgl. Abb. 2). Auf die Frage, warum ein
dem durch Geist und durch nicht-geistige Pro- solches Merkmalsmuster so ist, wie es ist, lautet
zesse Verursachten und dessen Merkmalen in solchen Fällen die meist einzige nachvollzieh-
(Tab. 1). bare Antwort: Es ist deshalb so, damit es (mög-
Geistbegabte Wesen (Personen) haben Ich-Be-
wusstsein, Wertekategorien, Denkvermögen, set- 3
Die Naturwissenschaft kennt generell keinen strengen
zen Ziele und verfolgen sie überlegt usw. Ein zen- Beweis. Abduktive Schlüsse sind in der naturwissen-
trales Merkmal vieler geistiger Phänomene, wel- schaftlichen Forschungspraxis allgegenwärtig: Man
ches auch Denkvorgängen, Zielsetzungen und subsumiert einen konkreten Gegenstand aufgrund be-
-verfolgungen zugrunde liegt, ist die Intentionali- stimmter Merkmale unter einen generellen Fall.

2
Abb. 1 Felskopf in den Stubaier Alpen unterhalb des Kalbenjochs bei der Gemeinde Trins, Figuren auf den Osterinseln.

lichst optimal) entsprechende Funktionen aus- deutlich von geistig verursachten Gegenständen
üben kann, also einer Zweck-Mittel-Beziehung unterscheiden (vgl. Abb. 1 und 2).5
entspricht. Für das Verständnis des betreffenden Mit zwei Paaren von Gegenständen soll das
Gegenstands (seiner Existenz, seines Soseins und Gesagte – der fundamentale Unterschied zwi-
seiner Entstehung) wäre eine pauschale Berufung schen geistiger und nicht-geistiger Verursachung
auf ausschließlich nicht-geistige, physikalische – veranschaulicht werden.
Ursachen unbegründet, nicht nachvollziehbar Die Form des Felskopfes auf dem linken Bild
und aus der Luft gegriffen. von Abb. 1 ist zwar kein reines Zufallsprodukt,
Nichtgeistige Dinge und Abläufe haben die da ihm natürliche Ordnungen (z. B. Naturgeset-
oben genannten intentionalen und kognitiven ze) zugrunde liegen. Jedoch fehlen ihm spezifi-
Merkmale nicht. Sie sind sozusagen „blind“ in sche Merkmale, die auf eine besondere geistige
Bezug auf Ziele oder das Erreichen eines Zieles Urheberschaft schließen lassen. Die Form kann
durch geeignete Mittel; anders (und exakter) for- alleine auf die Wirkung natürlicher, regelhafter
muliert: Sind besitzen keine Intentionalität, ha- Kräfte und Materialeigenschaften (härtere und
ben also keine Fähigkeiten der Zielsetzung, der weichere Bereiche des Felsen) zurückgeführt wer-
Analyse von Zielen in Bezug auf Mittelwahl und
entsprechend der systematischen Zielverfolgung 4
Unklare Fälle gibt es, wenn die Indizien schwach sind.
(vgl. Tab. 2). Welche Randbedingungen auch Beispielsweise gibt es Seen, die einen herzförmigen
immer gegeben sind, die Dinge laufen einfach den Umriss haben. Die Form des Herzens an sich ist zu we-
Naturgesetzen entsprechend ab. Erklärungen, die nig spezifisch, um einen sicheren Schluss auf die Ent-
nicht auf Intentionalität, d. h. Zwecksetzung und stehungsweise machen zu können (anders als beim Bei-
spiel der Figuren der Osterinsel). Hier könnten zusätz-
überlegte Mittelwahl beruhen, können lediglich
liche Indizien für Klarheit sorgen: Wenn es außer der
auf drei Faktoren Bezug nehmen: Naturgesetze, Form des Sees deutliche Spuren einer Baggertätigkeit
(statistisch qualifizierter!) Zufall und plausible gäbe, würden die Begleitumstände für Design sprechen.
Randbedingungen. Unter solchen Bedingungen 5
Manche auf natürlichem Wege entstehende Gegenstän-
sind a priori keine Merkmale zu erwarten, wie sie de wie z. B. Diamanten können zwar auch künstlich
bei intentional organisierten Gegenständen vor- durch Einsatz von Überlegung und Planung entstehen.
Dass ein konkreter Gegenstand geplant hergestellt wird,
liegen. Es verwundert daher nicht, dass die Merk-
beweist also nicht generell, dass er nicht auch ohne Pla-
male von Gegenständen, die nicht-geistigen Ur- nung entstehen könnte. Doch es besteht ein wesentli-
sprungs sind, sich in allen klaren Fällen4 sehr cher Unterschied zur Entstehung von funktional-kom-
plexen Naturgegenständen wie z. B. der DNA. Diaman-
ten entstehen unter zwar harschen, aber dabei recht un-
spezifischen Bedingungen und ihre Entstehung in der
• Zielsetzung (Zukunftsorientierung)
Natur ist theoretisch sehr gut verstanden: Kohlenstoff
• Planung im geeigneten Druck-Temperatur-Regime, das tatsäch-
• Wahl (der Mittel) lich auch hier und da gegeben ist. Kriterium 2 des De-
• Überlegungen zu Zwischenschritten sign-Arguments (s. o.) ist also nicht erfüllt. Dagegen sind
• Einkalkulieren möglicher Hindernisse alle bekannten Synthese-Routen zur Herstellung von
• Sich-Vorstellen von Weg und Ziel (Intentionalität) DNA hochgradig komplex und speziell. Eine halbwegs
Natürliche Vorgänge können das nicht. realistische de-novo-Syntheseroute in einer „Ursuppe“
ist uns völlig unbekannt und unser Wissen spricht stark
Tab. 2 Kennzeichen von Schöpfung bzw. geistiger Verursa- dagegen (Siehe Überblick bei JUNKER & SCHERER (2013),
chung IV.7 und IV.8.)

3
Abb. 2 Funktionale und nicht-funktionale Komplexität.

den. Die Annahme der Tätigkeit z. B. eines Bild- zu verstehen. Intuitiv erfassen wir, dass im einen
hauers ist daher überflüssig. Fall eine Organisiertheit gegeben ist, die Planung
Das rechte Bild zeigt die berühmten Steinköpfe und Konstruktion voraussetzt, während im an-
auf den Osterinseln. Hier wird niemand auf die deren Fall Naturprozesse ausreichen, um die vor-
Idee kommen, sie alleine durch Erosion und Ma- liegende Konstellation zu erklären.
terialeigenschaften zu erklären. Die Formen Es sei noch angemerkt, dass das Konzept
(Menschenfiguren) korrelieren hochspezifisch mit „geistigen Ursprungs“ oder „geistig verursacht
typischen Zielsetzungen geistig begabter Wesen. zu sein“ in Bezug auf einen definierten Ausgangs-
Dies ist (hier) die bildhaft-abstrakte Darstellung oder Basiszustand zu verstehen ist. Es ist neutral
von menschlichen Portraits. Dies rechtfertigt, bezüglich der Frage, ob dieser Ausgangszustand
a priori eine künstliche Entstehung anzunehmen. wiederum geistigen Ursprungs ist oder nicht.
Wenn bei hinreichender Kenntnis natürlicher Pro- Wenn wir z.B. sagen, dass Diamanten nicht-geis-
zesse mechanistische Erklärungen für eine natür- tigen Ursprungs sind bzw. sie allein durch natur-
liche Entstehung derartiger Formen nicht vorlie- gesetzliche Prozesse entstanden sind, lassen wir
gen, haben wir gute Gründe, eine natürliche Ent- dadurch offen, ob die Naturgesetze und die Aus-
stehung auszuschließen. gangsbedingungen geistigen Ursprungs sind
Abb. 2 zeigt zwei komplexe Konstellationen, oder nicht.
links den Teil einer Maschine, rechts eine Halde Die Gründe, weshalb wir im einen Fall eine
aus grobem Geröll und Felsbrocken im Hochge- nichtgeistige und im anderen eine geistige Ver-
birge. Nur im Falle der Maschine ist die Komple- ursachung annehmen, kann man allgemein ge-
xität zugleich funktional und organisiert; genau dafür mäß Tab. 3 zusammenfassen.
müssen die Form und die Anordnung der Teile
hochspezifisch sein. Das heißt: Die Struktur ist nur Wichtig ist, dass es bezüglich Design (Schöpfung,
von ihrem Zweck, also final, d.h. „vom Ende her“, geistige Verursachung) oder Nicht-Design ein strik-
tes Entweder – Oder gibt: Entweder liegt im We-
sentlichen eine geistige Verursachung eines Gegen-
Indizien für geistige Verursachung (Schöpfung) standes vor (wobei natürliche materielle Dinge
• Spezifische, komplexe Muster mit erkennbarer Ziel- und natürliche Abläufe beteiligt sein können)
setzung oder dieser ist alleine aufgrund natürlicher Pro-
• Bei hinreichenden Kenntnisse über natürliche Vor- zesse entstanden.
gänge (was läuft naturgesetzmäßig ab, was nicht?):
Keine konkreten Mechanismen für Entstehung der Das Design-Argument macht (in seiner allge-
zweckmäßigen Struktur in Sicht meinen Formulierung) eine folgerichtige Ablei-
• Bei Lebewesen und in der Technik: Zweckmäßigkeit tung aus dem Gesagten:
des Gebildes; dazu erforderlich: mehrere aufein-
ander abgestimmte spezifische Teile • Geistig verursachte Gegenstände haben typi-
scherweise Merkmale z. T. hochkomplexer
Indizien für natürliche Entstehung
Zweck-Mittel-Beziehungen; die Teile, ihre Form
• Unspezifische (zufällige) Formen in Bezug auf einen
und Anordnung sind nur in Bezug auf ihre
Zweck/eine Funktion im technischen Sinne
Funktionen und letztlich das Ganze, den Zweck
• Natürliche Gesetzmäßigkeiten reichen nach aller
bisherigen Kenntnis aus des Gegenstands, zu verstehen.
• Keine Zweckmäßigkeit in sich • Nichtgeistig verursachte Gegenstände haben
diese Merkmale nicht.
Tab. 3 Indizien für geistige und natürliche Verursachung • In allen relevanten Fällen ist ein organisierter

4
Gegenstand sehr klar von einem nicht-organisier- • Es wurden immer mehr zelluläre Informations-
ten (nicht nach Zweck-Mittel-Kategorien geord- systeme in Zellen und Organismen entdeckt; dazu
neten) Gegenstand abgrenzbar. gehört auch das Gebiet der Epigenetik, dessen
• Nach aller unserer Erfahrung gilt: Organisier- Erforschung noch in den Anfängen steckt.
te Gegenstände entstehen durch den Einsatz von • Der Bau des Linsenauges hat sich durch den
Intelligenz und Planung. Ein Beispiel ist ein Auto Fortschritt der Forschung als immer noch kom-
oder ein Computer. plexer erwiesen (ULLRICH 2014).
• Blinde, nicht-geistige Naturprozesse führen • Behauptungen oder Mutmaßungen von Kon-
ausnahmslos zu nicht-organisierten Gegenstän- struktionsfehlern wurden durch neue For-
den (sofern sie von nicht-organisierten Gegen- schungsergebnisse mehr und mehr widerlegt
ständen ausgehen). Tatsächlich gibt es gibt bislang (vgl. Abschnitt 4, Einwand 2).
keinen Nachweis, dass ein komplexer biologi-
scher Gegenstand durch blinde, nichtgeistige Pro-
zesse de novo entstanden ist oder im Begriff ist zu 3. Beispiele für biologische Design-
entstehen.6
Indizien
Diesbezüglich ist die Design-These auch über-
prüfbar: Können wir empirisch bestätigte Fälle an-
Im Folgenden sollen einige unterschiedliche Ar-
geben, in denen mittels nicht-geistiger Prozesse
ten von biologischen Design-Indizien kurz vor-
organisierte Gegenstände aus nicht-organisierten
gestellt werden. Für genauere Begründungen
Gegenständen entstanden sind (z. B. aus einer
und Erklärungen sei auf die angegebene Litera-
komplexen Mixtur chemischer Verbindungen, die
tur verwiesen, um den Rahmen dieses Artikels
nicht wiederum biologischen Ursprungs sind)?
nicht zu sprengen.
Da wie gesagt die Design-These die direkte Ge-
genthese zur These einer nicht-geistigen Entste-
Funktionale (organisierte) Komplexität
hung ist, ist eine Prüfung der These gleichzeitig
Dieses erste und bei Lebewesen sehr verbreitete
eine Prüfung der Gegenthese und umgekehrt.
Kennzeichen wurde oben bereits beispielhaft er-
Die Prüfung der Design-These kann für einen
wähnt (vgl. Abb. 2). Damit ein Gegenstand eine
jeweiligen spezielleren Fall konkretisiert werden,
Funktion ausüben kann, benötigt er in der Regel
z. B. verschiedene Aspekte der Lebensentstehung,
mehrere Bauelemente, die in spezifischer Weise
spezielle hochorganisierte bzw. maschinenartige
jeweils konstruiert und zusammen aufeinander
zelluläre Strukturen, komplexe Organe, ausgeklü-
abgestimmt sein müssen. Dies betrifft oft ganz
gelte Verhaltensweisen oder auch in der Paläon-
verschiedene Aspekte wie Materialeigenschaften,
tologie das plötzliche fossile Auftreten verschie-
Form, Steuerung u. a.. Diese Bestandteile und ihre
denster Baupläne (vor allem die kambrische Ex-
gegenseitigen Abstimmungen erfordern sehr häu-
plosion).
fig eine hohe Komplexität, die nicht mehr verklei-
Die Design-These kann weitere Nebenthesen nert werden kann, ohne die in Rede stehende
enthalten, insbesondere wenn sie auf einen Schöp- Funktion vollständig zu verlieren (nichtreduzier-
fer Bezug nimmt, dessen Fähigkeiten über die bare Komplexität7; vgl. Kasten 1). Diese Konstruk-
menschlichen hinausgehen: tionen sind an sich klare Design-Kennzeichen
1. Die Untersuchung biotischer Gegenstände (vgl. die beiden eingangs des 1. Abschnitts ge-
sollte tendenziell hohe Grade an Organisiertheit nannten Kriterien). Gleichzeitig sind die bekann-
und Komplexität nachweisen. ten natürlichen Mechanismen nach aller unserer
2. Mit fortschreitender Untersuchung ist
durchaus zu erwarten, dass ein zunehmender 6
Hierbei ist zu beachten, dass es um den Vorgang der erst-
Grad an Organisiertheit und Komplexität zutage maligen Entstehung geht, z. B. um die Leistungsfähig-
tritt. keit physikalisch-chemischer Abläufe bei der Lebens-
Die Geschichte der Biologie ist eine eindrucks- entstehung oder um die Reichweite experimentell nach-
volle Bestätigung solcher Unterthesen. Einige gewiesener Variationsmechanismen bei der Entstehung
wenige Beispiele sollen dies illustrieren: neuer Strukturen bei Lebewesen. Es geht hier nicht um
die Frage, ob es Indizien für gemeinsame Abstammung
• Seit etwa 30 Jahren wurden zahlreiche zellulä- gibt. Häufig wird unterschwellig von solchen Indizien
re molekulare Maschinen im Nanometerbereich darauf geschlossen, dass es auch einen natürlich-evo-
entdeckt – eine ganz neue Dimension von zellu- lutionären Entstehungsprozess gebe, doch ist dies nicht
lärer Komplexität. gerechtfertigt. Diese eigenständige Problematik soll hier
• Es hat sich herausgestellt, dass der genetische nicht vertieft werden.
7
Eine ausführliche Analyse von Gegenargumenten bie-
Code in Bezug auf Sparsamkeit, Robustheit und tet: JUNKER R (2008) Nichtreduzierbare Komplexität.
Fehlertoleranz optimal ist (JUNKER & SCHERER 2013, http://www.genesisnet.info/schoepfung_evolution/
IV.8). p1624.php

5
1 Nichtreduzierbare und spielerische Komplexität
Der Schlagbaum in der Blüte
Schlagbäume versperren Unbefugten den Weg.
Erstmals erfunden wurden sie aber nicht von einem
Menschen. Schon die Blüten des Wiesen-Salbei, der
manche Böschungen und Wiesen schmückt, sind er-
staunlicherweise mit einer miniaturisierten Form die-
ser Vorrichtung ausgestattet.
Wie funktioniert dieser Schlagbaum in der Blüte? Die
Salbeiblüte besteht aus Ober- und Unterlippe (Abb. 3).
Zwei lange, gebogene Staubfäden liegen direkt unter
dem „Helm“ der Oberlippe (die Verhältnisse sind ei-
gentlich noch komplizierter und hier vereinfacht dar-
Abb. 5 Der „Schlagbaum“ ist heruntergeklappt
gestellt). Sie sind am unteren Teil der Blüte seitlich mit
der Kronröhre der Blüte verwachsen. Dort befindet sich
Der Pollen muss nicht nur abgeholt, sondern auch
außerdem ein Gelenk. Von der Gelenkstelle aus ragen
wieder an der richtigen Stelle abgegeben werden: am
die beiden langen Fäden nach oben und als zwei kurze
oberen Ende des Blütengriffels einer anderen Pflanze.
Platten nach unten (Abb. 4). Damit haben wir alle Be-
Das kann erst geschehen, wenn das Insekt eine ältere
standteile des Schlagbaums beisammen – ein langes
Blüte besucht. Denn nach einigen Tagen der Blühzeit
und ein kurzes Ende, Gelenk und Pfosten.
wird zunächst nur der
Griffel lasch, er hängt
aus dem „Helm“ heraus
und versperrt dadurch
den Zugang zur Blüte
(Abb. 6). Die Biene
schiebt ihn mit ihrem
Körper wie einen Vor-
hang zur Seite, dabei
wird der mitgebrachte
Pollen abgestreift – er
ist angekommen und es
Abb. 3 Salbei-Blüten kann eine Befruchtung
Abb. 6 Der Griffel hängt lasch
stattfinden. herunter
Dieses System zeigt zwei
Design-Indizien. Zum einen ist es nichtreduzierbar
komplex: Blütenform, seitliche Verwachsung der
Staubfäden, Gelenk, Platte und Timing müssen kom-
plett vorhanden und aufeinander abgestimmt sein;
fehlt ein beliebiges Bauelement, hat das einen totalen
Funktionsausfall (des Schlagbaums) zur Folge. Das
Schlagbaum-System kann erst ausgelesen werden,
wenn es als Ganzes vorhanden ist, ein schrittweiser
Aufbau über ungerichtete Mutationen und in jeder Ge-
Abb. 4 Salbei-Blüte, aufgeschnitten neration wirksame Auslese erscheint nicht denkbar.
Zum anderen erscheint das Schlagbaum-System als
Bienen beispielsweise landen auf der Blütenunterlip- spielerische Komplexität. Denn einige Salbei-Arten
pe, die für sie eine regelrechte Landebahn darstellt. besitzen es nicht (die Staubfäden stehen bei diesen
Zielsicher steuern sie auf den Blütengrund zu, wo sich frei), dennoch sind sie nicht weniger überlebensfähig.
nahrhafter Nektar befindet. Doch dabei versperrt ih- Die Funktion der Fremdbestäubung wird durch die
nen die Platte – das kurze Ende des Schlagbaums – deutlich einfachere Konstruktion offenbar genauso gut
den Weg. Die Platte wird von der Biene mit dem Kopf erfüllt. Aus rein funktionaler Sicht erscheint die Schlag-
nach hinten gedrückt – und die langen Staubfäden baumkonstruktion unnötig zu sein und wirkt wie ein
schnellen nach unten (Abb. 5). Dabei wird der Pollen phantasievolles Extra – ein Design-Indiz. Natürliche
(Blütenstaub) aus den Staubfächern auf den Rücken Selektion ist für dieses Extra blind, da es keinen Selek-
des Insekts herausgeklopft. Beim Verlassen der Blüte tionsvorteil zu bieten scheint, aber ein kreativer Schöp-
bewegen sich die Staubfäden wieder in ihre ursprüng- fer muss nicht ausschließlich auf Funktionalität ach-
liche Stellung zurück, während das Insekt – den Rü- ten, sondern ist frei und in der Lage, auch ästhetische
cken mit Pollen eingepudert – seinen Flug fortsetzt. und kreative Aspekte zu berücksichtigen.

6
Kenntnis bei weitem überfordert, solche Kon- Plastizität
strukte hervorzubringen. Das evolutionstheore- Unter Plastizität (Formbarkeit) wird die Fähig-
tische Grundproblem besteht darin, dass kein keit von Organismen verstanden, auf der Basis
kontinuierlicher, kleinschrittiger und hinreichend desselben Genotyps (Erbguts) mehrere Phäno-
wahrscheinlicher Weg von einem Zustand ohne typen (gestaltliche Ausprägungen) als Reaktion
diese spezielle Funktion (und ohne die speziell auf Umweltreize ausbilden zu können. Beispiel-
dafür nötige Konstruktion) hin zu einem Zustand weise kann beim Menschen die Dicke der Horn-
mit dieser Funktion (und der dafür nötigen Kon- haut an den Händen oder Füßen abhängig von
struktion) gedacht werden kann. Jeder einzelne mechanischer Beanspruchung moduliert werden.
Mutationsschritt müsste eine hinreichende statis- Man weiß heute, dass ein Großteil der Merkmale
tische Wahrscheinlichkeit haben. Er dürfte nicht der Lebewesen plastisch ist. Plastizität ist ein aus-
selektionsnegativ sein, vielmehr müsste die ent- gesprochen teleologisches Konzept. Denn sie be-
sprechende Mutante in der Population konser- inhaltet die Fähigkeit des Organismus, auf ge-
viert und signifikant verbreitet werden. Dabei netische oder Umwelt-Änderungen zu reagieren,
müsste er sich dem in Rede stehenden Zustand um einen bestimmten Zustand aufrechtzuerhal-
annähern. (Zur neutralen Theorie der Evolution ten oder (wieder) zu erreichen. Es wird also ak-
vgl. JUNKER & SCHERER 2013, IV.9.) Selbstverständ- tiv ein Ziel angesteuert oder beibehalten, indem
lich kann hier jedoch nicht (schrittweise) auf ein Änderungen durch Kompensationen ausgegli-
Ziel hin geplant und „gearbeitet“ werden, da na- chen werden. Dies ist besonders eindrucksvoll bei
türliche Mechanismen zukunftsblind sind: Da Se- der sogenannten „antizipatorischen Plastizität“
lektion immer nur die aktuellen, nicht aber po- der Fall, bei der ein Umweltreiz als sichere Vor-
tentielle zukünftige Funktionen „bewerten“ kann, hersage einer erst später gegebenen Umweltbe-
besitzen hypothetische Vorstufen, die die Funk- dingung interpretiert wird und eine „voraus-
tion des betreffenden Gebildes nicht besitzen, im schauende“ Reaktion erfolgt. Beispielsweise ent-
Hinblick auf diese spezifische Funktion keinen scheiden bei manchen Schmetterlingen Umwelt-
Selektionsvorteil. Gleichzeitig kann Evolution – bedingungen wie Temperatur oder Tageslänge,
wie von Günther OSCHE treffend formuliert – nicht unter denen die Raupen leben, welche Morphe der
wegen Umbaus schließen; die Lebewesen sind im unter anderen Umweltbedingungen lebende Fal-
Bilde gesprochen immer auf dem Markt und kön- ter ausprägen wird. Oder ein Umweltreiz veran-
nen Organe weder isoliert noch in einem ge- lasst die Diapause (stark reduzierter Stoffwech-
schütztem Rahmen schrittweise aufbauen und sel) bei Insekten, noch bevor der Winter beginnt.8
testen. Lebewesen besitzen auch plastische Fähigkeiten,
Für geistige Urheber stellt sich die Ausgangs- die sie u. U. über viele Generationen hinweg gar
lage völlig anders dar (siehe oben), da sie zielge- nicht benötigen, z. B. die Erhöhung der Zahl der
richtet vorgehen und vorab im Geiste die ver- Roten Blutkörperchen in dünnerer Luft.
schiedensten Aspekte gleichzeitig beachten und
aufeinander abstimmen können. Redundanz und Robustheit
Redundanz und Robustheit können als Spezial-
Spielerische Komplexität fälle der Plastizität angesehen werden, sollen aber
Als weiteres Design-Indiz können Konstruktions- eigens angesprochen werden, weil der Aspekt der
merkmale von Lebewesen gelten, die noch deut- Korrektur eventuell auftretender Störungen hin-
lich komplizierter zu sein scheinen, als es für die zukommt. Bei fast allen entwicklungsbiologisch
zu realisierende Funktion nötig wäre. Es handelt untersuchten Prozessen konnte Redundanz beob-
sich dabei gleichsam um „Luxusstrukturen“ oder achtet werden (SOMMER & RIEBESELL 2009, 300). Das
um „spielerische Komplexität“. Das scheint äußert sich darin, dass bei einem Genausfall oft
beispielsweise auf zahlreiche Bestäubungsmecha- kein totaler Funktionsausfall eintritt. Die Redun-
nismen zuzutreffen, die sehr ausgefallen sein kön- danz ist dabei in der Regel überlappend, d. h.
nen, ohne dass erkennbar ist, dass die betreffen- beim Ausfall eines Gens bzw. Proteins kann ein
den Arten dadurch konkurrenzfähiger wären als anderes einspringen, das ein zwar anderes Auf-
nächstverwandte Arten, die solche ausgefallenen gabenspektrum abdeckt, aber die ausgefallene
Einrichtungen nicht besitzen (vgl. Kasten 1). Für Funktion notdürftig ausfüllen kann (TAUTZ 1992).
einen solchen funktional schwer verständlichen Dem liegt offenbar ein Netzwerk überlappender
„Überschuss“ sind natürliche Prozesse wie Selek- Funktionen von Proteinen zugrunde.
tion blind, sie können aber sehr gut als Ausdruck
von Phantasiereichtum eines Schöpfers verstan- 8
Viele Beispiele und detaillierte Erläuterungen zur Plas-
den werden. tizität bringt JUNKER R (2014) Plastizität der Lebewesen:
Baustein der Makroevolution? http://www.wort-und-
wissen.de/artikel/sp/b-14-2-plastizitaet.pdf

7
Organismen sind in ihrer Entwicklung gegen konnte er eine Alternative zum Design-Ansatz an-
Störungen aus der äußeren Umwelt (Stress) oder bieten. Denn die individuell erworbenen Ände-
inneren Umwelt (Mutationen) abgepuffert, d. h. rungen von Merkmalen und Funktionen werden
es gibt Mechanismen, die Störungen ausgleichen seiner Auffassung nach vererbt und führen zu
und dadurch den status quo aufrechterhalten (vgl. einer schrittweisen Umgestaltung und damit ein-
Plastizität). Die in den Lebewesen der Pufferung hergehend zu einer optimierten Anpassung an die
zugrunde liegenden Mechanismen sind sehr un- Umwelt. Die erworbenen Änderungen bleiben er-
terschiedlich, angefangen von der Stabilität der halten, wenn sie einen Selektionsvorteil bieten.
Nukleinsäuren über Qualitätskontrollen bei der Dass durch Darwin die Design-These wider-
Translation bis zu ökologischen Faktoren. legt worden sei, wird bis heute immer wieder
Auch Redundanz und Robustheit sind zu- behauptet. Beispielsweise ist für BOUDRY & LEURI-
kunftsorientierte Eigenschaften, Einrichtungen DAN (2014, 157) das Design-Argument durch die
für eventuelle zukünftige Anforderungen auf- Evolutionstheorie überholt.9 Das ist auch die zen-
grund von Störungen und somit ein typisches trale Aussage von Richard DAWKINS in seinem
Kennzeichen für Design. Klassiker „Der blinde Uhrmacher“.
Die von DARWIN begründeten, typisch evolu-
tionären Ausdrücke wie „natürliche Selektion“,
4. Einwände gegen das Design- „Anpassung“ usw. nehmen jedoch die Möglich-
keit einer (hinreichend wahrscheinlichen) kon-
Argument struktiven Veränderung als gegeben vorweg. Das
was ausgelesen werden soll bzw. das, was ange-
Im Folgenden sollen einige Einwände gegen das passt ist, muss erst aber entstehen. Wie das (me-
Design-Argument besprochen werden. Die Ein- chanistisch) geht und ob die Leistungsfähigkeit
wände können zwei Gruppen zugeordnet wer- bekannter Variationsmechanismen (Mutationen
den: Viele Kritiker führen empirische Befunde an, u. a.) dies ermöglichen, ist eine offene Frage
durch die die Design-Hypothese entscheidend (s. u.). DARWIN hat entsprechend keine wirklichen
geschwächt worden sei. Zum einen wird darauf Erklärungen, die mechanistischer, also moleku-
verwiesen, dass mit DARWIN die Design-Hypothe- larbiologischer, chemischer bzw. physikalischer
se dadurch überflüssig geworden sei, dass (ver- Art sein müssen, erbracht (vgl. z. B. FODOR & PI-
meintlich) rein natürliche Prozesse entdeckt wor- ATTELLI-PALMARINI 2010). Nach DARWIN war sogar
den seien, die das Design der Lebewesen ohne noch lange unbekannt, wie eine solche Erklärung
einen Schöpfer hervorbringen. Zum anderen wer- überhaupt hätte aussehen müssen.10 Denn die
den empirische Befunde angeführt, die das De- DNA, der genetische Code und seine Optimali-
sign-Argument schwächen sollen, wie z. B. mut- tät, das Zellskelett, die äußerst komplex vernetz-
maßliche Konstruktionsfehler. Dies gehört zur ten Stoffwechselwege, molekulare Maschinen,
ersten Gruppe von Einwänden. Die zweite Grup- epigenetische Regulation und vieles mehr wur-
pe von Einwänden betrachtet das Design-Argu- den erst rund ein Jahrhundert nach DARWIN oder
ment prinzipiell als unhaltbar, unabhängig von noch später entdeckt. Tatsächlich liegt eine (na-
empirischen Befunden und damit auch unabhän- turwissenschaftlich qualifizierte) Erklärung einer
gig davon, ob und wie gut rein naturwissenschaft-
liche Hypothesen die Entstehung der funktiona-
len Komplexität der Lebewesen erklären können. 9
„… the design argument is currently outcompeted by
Wir beginnen mit den Einwänden des ersten Typs. evolutionary theory“ (BOUDRY & LEURIDAN 2014, 571).
Was sie mit „evolutionary theory“ meinen, geht aus ih-
rem Text jedoch nicht hervor. Im Zusammenhang mit
Einwand 1: Seit Darwin ist d ie Design-These dem Design-Argument kann es jedenfalls nur um kau-
widerlegt, denn d ie Evolutionslehre erklärt d ie sale Evolutionstheorien gehen, da das Design-Argument
vorliegenden Design-Ind izien ausreichend, womit nicht notwendigerweise gegen Evolution (im Sinne ge-
meinsamer Abstammung) steht, sondern gegen eine rein
ein Schöpfer überflüssig ist. natürlich verlaufende Evolution.
10
So behaupten Marc KIRSCHNER und John GERHART im
Charles DARWIN war der Überzeugung, gegen das Vorwort ihres 2005 erschienenen Buches „The plausibi-
Design-Argument das „Gesetz der natürlichen lity of life“, dass erst mit dem Wissen, das Ende des 20.
Auslese“ stellen zu können. Überproduktion, Jahrhunderts bekannt wurde, die Frage nach der Ent-
Variation und Auslese sollten ausreichen, um alle stehung evolutiver Neuheiten angegangen werden kön-
ne. Und Sean B. CARROLL schreibt in seinem Buch „The
Designs der Lebewesen aus natürlichen Prozes- Making of the Fittest“ (2006, 37): „Mehr als ein Jahr-
sen naturgesetzlich entstehen zu lassen. Bei Dar- hundert lang war eine detaillierte Kenntnis von der Bil-
win war Selektion noch mit der Vererbung erwor- dung oder der Geschichte komplexer Organe und Kör-
bener Merkmale verbunden und nur dadurch perteile weit außer Reichweite.“

8
2 Statements zur Entstehung evolutionärer Neuheiten
„Given its importance and pervasiveness, the proces- plex traits—is probably still one of the most perti-
ses underlying evolutionary innovation are, however, nent and fundamental unanswered questions in evo-
remarkably poorly understood, which leaves us at a lution today“ (MONTEIRO & PODLAHA 2009, 215).
surprising conundrum: while biologists have made „Although animals display a rich variety of shapes
great progress over the past century and a half in un- and patterns, the genetic changes that explain how
derstanding how existing traits diversify, we have made complex forms arise are still unclear“ (MARTIN et al.
relatively little progress in understanding how novel 2012, 12632).
traits come into being in the first place“ (MOCZEK 2008, „The origin and diversification of novel traits is one
432). of the most exciting unresolved issues in evolutiona-
„One of biology’s most significant unresolved issues is ry developmental biology“ (SAENKO et al. 2011, 1).
to understand how novel, complex phenotypes origi- „How body pattern evolves in nature remains largely
nate, both developmentally and evolutionarily“ (LEDON- unknown“ (CLEVES et al. 2014, 13912).
RETTIG et al. 2008, 316), „The explanation for adaptation is natural selection.
„The skeletal architecture of vertebrates is widely di- We are not yet sure what the explanation for no-
vergent, yet the basis for change in gross skeletal mor- velties is. ... I suspect that the origin of novelties
phology remains almost entirely unknown“ (RUDEL & also requires natural selection as well as additional
SOMMER 2003, 21). mechanisms, but what they are will have to be de-
„This work is difficult and time consuming, but the ques- termined by more empirical research“ (WAGNER 2014,
tion at its core—the genetic origin of new and com- 125).

hypothetischen natürlichen Entstehung funktio- Erläuterungen und verweisen nicht einmal auf
nal-komplexer Systeme, ausgehend von Vorstu- entsprechende Arbeiten, in denen der Nachweis
fen ohne die betreffende Funktion, bis heute nicht von Konstruktionsfehlern behauptet wird.
vor. Dass bisher vorgeschlagene kausale Evolu- Abgesehen von diesem Mangel ist dieses Ar-
tionstheorien das Behauptete nicht leisten, wird gument auch substanziell recht schwach. Erstens
von vielen Evolutionsbiologen ausdrücklich ein- zeigt eine Reihe von Untersuchungen, dass bei
geräumt (vgl. Kasten 2) und sie verfolgen aus ge- genauerer Kenntnis betreffender Organe nen-
nau diesem Grunde neue Erklärungsansätze. nenswerte Mängel nicht nachweisbar sind. Dem
Bisher zeichnet sich allerdings kein Erfolg auch Argument der Konstruktionsfehler liegt oft nur
bei den neuen Ansätzen ab, wie es die im Kas- ein Mangel an Kenntnissen über den betreffen-
ten 2 zusammengestellten Zitate zum Ausdruck den Gegenstand zugrunde11 – und, wie es scheint,
bringen). weltanschaulich motivierte Vorurteile.12 Zweitens
BOUDRY & LEURIDAN räumen mit ihrer Kritik am enthalten solche Argumente bestimmte (theolo-
Design-Argument ein, dass dieses erst dann ent- gische) Annahmen über einen hypothetischen
scheidend geschwächt sein wird, wenn eine wirk- Schöpfer, z. B. dass ein möglicher Schöpfer gute,
lich erklärende Evolutionstheorie formuliert wer- wenn nicht zwingende Gründe gehabt haben
den kann. Aber eine solche liegt eben bei Weitem müsste, perfekte Strukturen (in unserem Sinne)
nicht vor. Das wiederum stützt das Design-Ar- hervorzubringen. Diese meist stillschweigend
gument, da es die direkte Gegenthese einer rein gemachten Annahmen werden meistens nicht
natürlichen Entstehung ist (s. o.). einmal versucht zu begründen (vgl. DILLEY 2013).
Das Konstruktionsfehler-Argument ist noch
auch aus einem dritten Grund fragwürdig. Es
Einwand 2: Konstruktionsfehler der Lebewesen wird – auch von BOUDRY & LEURIDAN – oft sugge-
können durch d ie Design-Hypothese nicht erklärt riert, es gebe evolutionstheoretische Erklärungen
werden, während d ie Evolutionstheorie eine dafür, wie es zu solchen Fehlkonstruktionen ge-
Erklärung vorweisen kann. kommen sei. Das ist aber – außer in relativ trivia-
len Fällen wie bei bloßen Degenerationen in spe-
Dieses Argument erfreut sich großer Beliebtheit. ziellen Umwelten – nicht der Fall. Ob und in wel-
Noch einmal seien dazu BOUDRY & LEURIDAN (2014, chem Maße solche Erklärungen realistisch sind
573) zitiert: „The argument from bad design discri-
minates between evolution and design because the per- 11
Aus der jüngeren Forschung können beispielweise ge-
vasiveness of such biological imperfections is much nannt werden: ULLRICH (2013a, b) und die dort angege-
more plausible on an evolutionary understanding than bene Fachliteratur; LABIN et al. (2014).
on any noncontrived design hypothesis.“ Erstaunli- 12
Auf einer grundsätzlichen Ebene wird dieses Thema in
cherweise geben sie dazu jedoch keine näheren JUNKER (2002, Kapitel 4) behandelt.

9
(oder wären), müsste ohnehin von Fall zu Fall de- keine Wesen geben können soll, die (qualitativ)
tailliert untersucht werden. Stattdessen werden ähnliche geistige Merkmale wie Menschen haben.
aber (auch hier) meist lediglich spekulative und Ebenso gibt es keine guten Gründe, dass es sich
pauschale evolutionstheoretische Szenarien pos- hierbei auch um außerirdische oder körperlose,
tuliert, durch die es zum betreffenden fehlkon- außerweltliche Wesen wie Gott handeln kann.
struierten Organ gekommen sein könnte – denen 2. Bei Vorliegen einer entsprechenden Indizi-
aber erklärende, sprich mechanistische Inhalte enlage ist es generell rational, auf Wesen mit geis-
und Belege weitgehend fehlen. tigen Eigenschaften zu schließen (die dabei qua-
In anderen Worten: Auch Konstruktionsfehler litativ ähnliche Merkmale wie wir besitzen wie
ändern nichts daran, dass Design-Indizien vor- insbesondere Intentionalität). Dies machen wir im
liegen und einer Erklärung bedürfen. Insgesamt Alltag unzählige Male intuitiv. Auf was wenden
ist also in der Regel weder klar, dass die Evoluti- wir geistige Begriffe an, sprich: Wem oder was
onstheorie hier eine bessere Erklärung liefern sprechen wir geistige Eigenschaften zu? Zunächst
kann noch ob wirklich ein Konstruktionsfehler wenden wir sie jeweils auf uns selbst an, denn
vorliegt noch ob ein göttlicher Schöpfer wirklich unmittelbar erfahre ich nur jeweils mich selbst als
perfekte Produkte (nach unserer Vorstellung) Wesen mit Bewusstsein und einem geistigen Le-
hervorbringen musste. ben. Aber in zweiter Instanz wenden wir den Be-
Und auch hier ergibt sich unmittelbar ein Um- griff des Geistigen – wie wir ihn qualitativ ana-
kehrschluss, der nicht im Sinne der Kritiker sein log auch auf uns selbst anwenden – genauso auf
dürfte. Aus BOUDRYs & LEURIDANs Argumentation andere Wesen als „Ich“ an. Das sind zunächst
folgt nämlich, dass die Design-Hypothese in dem andere Menschen, aber auch andere irdische Le-
Maße gestärkt wird, in dem die vermutete Feh- bensformen wie Tiere (denen wir zumindest ei-
lerhaftigkeit von biologischen Strukturen wider- nige geistige Merkmale wie Schmerzempfindun-
legt werden kann. Sie schreiben: „Taking into ac- gen zubilligen). Die geistige Seite eines Wesens
count that the living world, and especially the peculi- können wir nicht sehen. Was ist dann die ratio-
ar examples of ‘bad design’, looks very much like the nale Grundlage dafür, anderen Wesen als mir
kind of world we would expect if there were no design selbst geistige Eigenschaften zuzuschreiben? Es
at all but only mindless natural processes at work, the ist das Vorliegen von Strukturen in der Welt, die
biological design hypothesis is effectively dead“ (574). am besten so erklärt werden können, dass hier
Angesichts der zahllosen Beispiele für nachweis- ein geistiges Wesen Spuren hinterlässt. Dies sind
lich hervorragendes Design und der demgegen- in der Regel zweckmäßige Strukturen. Zweckmä-
über relativ zweifelhaften Fälle von schlechtem ßige Strukturen können sich in Verhaltensabläu-
Design ist allein deshalb klar, auf welche Seite das fen widerspiegeln, die am besten durch das Ver-
Pendel schlägt. folgen von Absichten zu beschreiben sind, oder
Nebenbei bemerkt: Es ist erstaunlich, dass in konkreten Produkten mit zweckmäßigen
einerseits oft behauptet wird, das Design-Argu- Strukturen. Ein Spezialfall davon sind sprachlich-
ment sei nicht testbar, andererseits das Konstruk- semantische Strukturen, ein anderer (komplexe-
tionsfehler-Argument als Indiz gegen Schöpfung re) technische Gegenstände. Das Erkennen, dass
ins Feld geführt wird.13 wir es mit geistigen Wesen zu tun haben, ge-
schieht meist intuitiv, nicht zuletzt wohl deshalb,
Die beiden folgenden Einwände gehören zur weil der Mensch ein kommunikatives Wesen ist.
zweiten Gruppe von Einwänden. Hier wird das Diese Überlegung zeigt, dass es schlechter-
Design-Argument unabhängig von empirischen dings keinen Grund dafür gibt, dass geistige
Daten für unzureichend erklärt. Merkmale – und dabei notwendigerweise quali-
tativ hinreichend ähnliche geistige Merkmale –
nicht auch außerirdischen oder gar außerwelt-
Einwand 3: Das Zusprechen geistiger Eigen- lichen Wesen wie Gott zugesprochen werden kön-
schaften auf andere Wesen ist anthropozentrisch; nen. Wer hier skeptisch ist, sollte auch zurück-
Geist bzw. Intentionalität, als ein Kernmerkmal haltend sein, wo er dazu neigt, anderen Wesen
des Geistigen, kann auch etwas ganz anderes sein. außer sich selbst, z. B. anderen Menschen, geisti-
ge Eigenschaften zuzusprechen.
Dieser Einwand ist aus folgenden Gründen nicht
haltbar: 1. Selbst wenn Geist etwas qualitativ an-
deres sein könnte, als das was wir damit meinen: 13
Die Testbarkeit einer These entspricht der Testbarkeit
Beim Design-Argument wird auf Wesen mit qua- der (genauen) Gegenthese. Wäre der Design-Ansatz (als
litativ ähnlichen geistigen Merkmalen zu unse- genaue Gegenthese einer naturalistischen Evolutions-
ren geschlossen. Dabei gibt es keine guten (und lehre) nicht testbar, gölte dies ganz genauso für den An-
erst recht keine zwingenden) Gründe, warum es satz einer natürlich verlaufenden Evolution.

10
3. Der Einwand ist schlechterdings im Konf- genau solche Motoren erschaffen wolle und er-
likt damit, wie unsere Begriffe funktionieren. Es schaffen könne. Das könne man – so SOBER – aber
wäre ungefähr so, als wenn man sagen würde, auch mit der Zufallshypothese machen, indem
der Begriff „Automobil“ sei anthropozentrisch man einfach dem Zufall beliebige schöpferische
und ein Automobil könne auch etwas ganz ande- Qualitäten zuspreche. (SOBER [2007, 5] meint mit
res sein, z. B. ein Haus oder ein Baum. Ein sol- „Zufall“ einen nicht-geistigen Zufallsprozess.)
cher Ansatz führte unseren Sprachgebrauch ad ab- Dann aber könnte über die Qualität der konkur-
surdum. Tatsächlich beziehen sich Begriffe auf rierenden Hypothesen (Designer, Zufall) nicht
bestimmte, klar umrissene Merkmalsmuster bzw. anhand der Beobachtungen entschieden werden,
Dinge mit solchen Merkmalsmustern. Wir mei- weil in beiden Fällen der beobachtete Gegenstand
nen mit dem Begriff „Geist“ etwas, für das unse- (hier: Bakterienmotor) gleichermaßen erwartet
re Selbsterfahrung als geistige Wesen paradigma- werden könne.
tisch ist, und nichts anderes. Es genüge nach SOBER daher nicht die Feststel-
Da das Konzept des Geistigen also nicht nur lung, dass die Tätigkeit eines Designers die Ent-
auf „mich selbst“ oder nur auf Menschen anwend- stehung eines Naturgegenstandes erklären kön-
bar ist, spricht eine insbesondere hochkomplexe ne. Vielmehr müsse es darüber hinaus von den In-
Zweck-Mittel-Struktur allgemein für geistige Ver- dizien unabhängige Gründe für die Existenz so-
ursachung. wie die Absichten und Fähigkeiten eines Desig-
ners geben: „…an independent reason for believing
assumptions about goals and abilities“ (SOBER
Einwand 4: Neben definierten Design-Ind izien 2008, 144; vgl. BOUDRY & LEURIDAN 2011, 561; FITZ-
sind weitere, von d iesen Ind izien unabhängige HUGH 2010, 72). 14 Er spricht hierbei auch von
Ind izien für einen Schöpfer, seine Identität und „Hilfshypothesen“.15 Hier scheitere das Design-
seine speziellen Absichten erforderlich. Da solche
Ind izien nicht vorliegen, ist ein Schluss auf einen
Schöpfer nicht möglich. 14
Zur Entstehung des Auges schreibt SOBER (2008, 146):
„What is needed is evidence about what God would
SOBER (2008) und andere Autoren (z. B. HIMMA have wanted the human eye to be like, where the evi-
2005) sind der Auffassung, das Vorliegen einschlä- dence does not require a prior commitment to the as-
giger Indizien alleine reiche nicht aus, um die sumption that there is a God and also does not depend
on looking at the eye to determine its features.“Ähnlich
Frage „Design oder nicht“ zu beantworten. Der argumentiert DAWES (2007, 79): „He does not have to
Schluss auf Design sei erst möglich, wenn es noch show that there probably exists a designer; merely that
weitere, von den vorliegenden Design-Indizien the existence of a designer is the best available explana-
unabhängige Indizien auf einen Schöpfer gebe. tion of specified complexity.“ Und weiter (S. 78): „Could
Im deutschsprachigen Raum hat HEILIG (2011) sich this ‘explanation be corroborated? It could be, in prin-
diesen Einwand zu Eigen gemacht und meint, ciple, if it were independently testable, if we could use
it to predict facts other than the fact to be explained. But
auch die Rahmenbedingungen für die Existenz ei- precisely because the advocates of ID leave the identity
nes Designers müssten plausibel sein; das Vorlie- of their designer unspecified, this seems to be impos-
gen von Design-Indizien genüge nicht. sible.“
Um diesen Einwand überhaupt in Ansätzen 15
Er knüpft damit an DUHEMs These an: „As the philoso-
verständlich zu machen, muss man zunächst et- pher Pierre DUHEM (1954) emphasized, physical theo-
was ausholen. ries, on their own, do not make testable predictions. One
needs to add ‘auxiliary propositions’ to the theories one
SOBER (2008), der hierfür beispielhaft ist, kriti- wishes to test“ (SOBER 2007, 5). Daraus aber die Forde-
siert am Design-Ansatz, dass die vorliegenden rung abzuleiten, der Design-Ansatz benötige weitere
Daten verwendet werden, um im Nachhinein eine Hilfshypothesen, ist irregeleitet und beruht auf einer
passende Hypothese über die Fähigkeiten und kapitalen Verwechslung: Es ist trivial, dass physikali-
Absichten des Designers zu formulieren; entschei- sche Theorien für sich alleine keine testbaren Voraussa-
dend dabei ist, dass für SOBER dadurch die De- gen machen: Natürlich müssen solche Theorien an rea-
len Fällen getestet werden (SOBERs Beispiel aus der Op-
sign-Hypothese ihre erklärende Funktion ein- tik ist genau hierfür einschlägig): Ähnliches gilt auch
büßt. Dazu bringt er als Beispiel: Wenn man an- für die Design-These: Zwar ist ihre philosophische Be-
nimmt, dass es einen allmächtigen übernatürli- gründung nicht rein empirisch (das ist ein Unterschied
chen Schöpfer gibt, für den die Erschaffung eines zu rein naturwissenschaftlichen Thesen). Dennoch kann
Bakterienmotors eine hohe Priorität hat, dann sei sie auch empirisch an realen Fällen getestet werden,
natürlich die Wahrscheinlichkeit, dass Bakterien- anders als SOBER dies darstellt (s. o.). Ein Beispiel ist die
These, dass Leben (höchst komplex organisierte Syste-
motoren erschaffen seien, gleich 1. Damit aber sei me) nicht aus Nichtlebendigem entsteht, wo nur natür-
die Hypothese den Beobachtungsdaten angepasst liche Faktoren vorhanden sind. Hier muss eine plau-
worden: Man beobachtet Bakterienmotoren und sible nichtbiotische Anfangsbedingung (oder eine Men-
unterstellt daher die Existenz eines Schöpfers, der ge solcher Bedingungen) gewählt und ein weiterer Ver-

11
Argument, weil es solche (von den Beobachtungs- liegen: Wendet man SOBERs Ansatz konsequent an,
daten unabhängige) Hilfshypothesen nicht ent- müsste man auch hier annehmen, dass sie durch
halte, und daher sei es wertlos, unabhängig Zufall zustande gekommen sein können,
davon, ob andere Erklärungen vorliegen und wie zumindest wenn nicht wieder weitere Indizien
gut (oder unzureichend) diese ggf. sind.16 über die potenziellen Hersteller vorgebracht wer-
SOBERs Behauptung beruht jedoch auf einer er- den könnten. Und lägen diese vor, so könnten
staunlichen Annahme: Allgemein formuliert ist wieder weitere Indizien gefordert werden, und
es die stillschweigende Prämisse, dass eine völ- dies ad infinitum.
lig unsystematische und unspezifische Berufung Es gibt hier zwei Hauptpunkte:
auf „Zufall“ (mindestens) dieselbe Erklärungs- 1. Egal, welche Indizien für einen letztlich be-
kraft habe, wie die Angabe einer konkreten sys- liebigen Sachverhalt vorliegen: Es müssten nach
tematischen Erklärung. Im konkreten Fall ist es SOBERs Ansatz immer noch weitere Indizien ge-
die Prämisse, dass der Zufall grundsätzlich fordert werden.
gleichartige Produkte wie ein intelligenter Schöp- 2. Wer behauptet, dass eine völlig unkonkrete
fer hervorbringen kann. SOBER stellt dies so dar: Berufung auf „Zufall“ dieselbe Erklärungskraft
hat wie die Angabe einer konkreten systemati-
Hypothese 1: Eine intelligente Ursache verursachte das schen Erklärung, der leugnet effektiv die Test-
Wirbeltierauge barkeit jeder systematisch erklärenden These.
Hypothese 2: Zufall verursachte das Wirbeltierauge. Im Gegensatz zu SOBERS Ansatz sind jedoch die
komplexen konstruktiv-funktionalen Merkmale
Er sagt dazu: „Since both entail that vertebrates als solche, die ein Computers oder jeder andere
have eyes, the observation that this is true does not hochorganisierte Gegenstand aufweist, für die
help.“ Das heißt: Da nach beiden Hypothesen Wir- Bevorzugung der Design-Hypothese völlig hin-
beltieraugen entstünden, könne die Design-Hy- reichend: Es gibt sehr gute Gründe, dass ein hoch-
pothese nicht durch einen Vergleich mit der Zu- komplex organisierter Gegenstand ein starkes
falls-Hypothese getestet werden. Dazu ein ana- Design-Indiz darstellt (vgl. Abschnitt 2); und ent-
loges Beispiel: sprechend gibt es keine guten Gründe, warum
man für den Schluss auf geistige Urheberschaft
Hypothese 1: Ein Computer ist durch intelligente Pla- an sich zusätzliches Wissen über Motive und Fä-
nung entstanden. higkeiten z. B. eines Computerherstellers bräuch-
Hypothese 2: Ein Computer ist durch Zufall entstan- te.
den. Es wird hier sehr deutlich, dass SOBER am Kern-
gedanken des Design-Arguments vorbei argu-
Entsprechend müsste SOBER folgern: „Da nach mentiert (Abschnitt 2). Er setzt stillschweigend
beiden Hypothesen ein Computer entstehen voraus, dass es zwischen Zufallsresultaten bzw.
kann, kann auf der bloßen Basis seiner Merkma- einem nicht-geistigen Prozess und typischen Re-
le nicht entschieden werden, welche Hypothese sultaten einer intelligent durchgeführten Absicht
plausibler ist.“ SOBER müsste jetzt konsequenter-
weise zusätzliche, spezielle Merkmale fordern,
die mit einer Design-These verbunden sind. Wir lauf sichergestellt werden, der intelligentes Eingreifen
bräuchten dann zusätzliches und unabhängiges (oder biologische Kontamination) ausschließt. Dagegen
Wissen über potentielle Computerhersteller und hat SOBERs Intention, der Design-These das Formulie-
ren einer „Hilfshypothese“ im Sinne weiterer, detail-
ihre (ggf. noch spezielleren) Absichten und Fä- lierterer Voraussagen aufzuerlegen, mit DUHEMs These
higkeiten („goals and abilities“, s. o.) – über die wenig zu tun. SOBER verwechselt dabei eine mögliche
hochkomplexe, funktionale Struktur ihrer Pro- weitere Spezifizierung einer Hypothese (die er vom De-
dukte hinaus. Nur mit diesem Wissen (wenn sign-Ansatz unbegründet verlangt) mit der Anwendung
überhaupt!) könnte beurteilt werden, ob die Com- einer Hypothese auf reale Fälle.
16
puter durch Zufall oder durch intelligente Pla- BOUDRY & LEURIDAN (2011, 561) schildern SOBERs Argu-
ment so: „In relation to the design argument, this means
nung entstanden sind. that we cannot simply attribute intentions and motives
Dieser Ansatz hat absurde Implikationen: SO- to the designer if we do not have any independent jus-
BERs Prinzip bringt unter anderem mit sich, dass tification for doing so.“ Wenn es dazu aber keine unab-
man einfach behaupten könnte, dass Computer hängig begründbaren Hilfshypothesen gebe, hätten wir
(oder beliebige andere technische Gegenstände) es mit einem Designer ohne Attribute zu tun. Damit sei
durch Zufall entstehen könnten. Zudem: Woher das Design-Argument nicht prüfbar und daher un-
brauchbar.
wüssten wir von solchen speziellen Absichten 17
BOUDRY & LEURIDAN (2011) sagen z. B., der Design-An-
und Fähigkeiten des Herstellers? Nur über ir- satz wäre für sie z. B. überzeugend, wenn hebräische
gendwelche andere in Raum und Zeit manifes- Buchstaben oder gar Bibeltexte auf den Rücken von Kä-
tierten Indizien.17 Aber egal welche Indizien vor- fern eingraviert werden.

12
(und ihren jeweiligen Resultaten) keine prinzipi- Außerirdischen gewaltig irrten, schlössen sie
ellen Unterschiede gebe – wie gezeigt eine empi- nicht auf Design, sondern würden nicht-geistige
risch falsche und auch philosophisch unhaltbare Naturprozesse als Ursachen dieses Gegenstands
Annahme. SOBERs Ansatz setzt sich dem Verdacht heranziehen.
aus, eine Immunisierungsstrategie gegenüber Verallgemeinert läuft auch HIMMAs Ansatz (wir
dem Design-Ansatz darzustellen. können auf einen Designer aus Indizienlage I nur
schließen, wenn uns die Existenz des Designers
Ähnlich gelagert ist der Einwand von HIMMA unabhängig von I schon bekannt ist) darauf hin-
(2005). Er schreibt: Der Schluss auf die Existenz aus, Schlüsse nur auf das schon bereits Bekannte
eines nichtmenschlichen Designers sei grundsätz- zuzulassen nach dem Grundsatz:19 Wir können
lich nur dann legitim, wenn wir bereits weitere, (auf Grundlage vorliegender Indizien) nur auf
unabhängige Indizien für die Existenz eines solchen einen Sachverhalt schließen, wenn wir berechtigt
Designers haben. HIMMA meint entsprechend, die sind, der Existenz dieses Sachverhalts unabhän-
Tatsache, dass Menschen hochorganisierte Arte- gig davon eine hinreichend hohe Wahrscheinlich-
fakte herstellen, lasse immer nur den Schluss zu, keit (oder gar Gewissheit) zuschreiben zu kön-
dass eben Menschen dies leisten können, nie aber, nen. Aber wie kommen wir darauf, der Existenz
dass andersartige intelligente Wesen hochorga- des Sachverhalts eine Wahrscheinlichkeit zu-
nisierte Artefakte gemacht haben (S. 11 und 12; schreiben zu können? Wir brauchen wieder Indi-
vgl. DAWES 2007, 77). Der Design-Schluss führe zien und so weiter. Diese Forderung ergibt wie
höchstens zur These: „Therefore, every instance of bereits erwähnt einen endlosen Regress. Der von
specified complexity is explained by the acts of some HIMMA (und ähnlich SOBER) eingeführte Grundsatz
human being who brought it about.“ würde jede Wissenschaft und Erkenntnis zunich-
HIMMA setzt stillschweigend die völlig unhalt- temachen, da geleugnet wird, dass eine begrenz-
bare Prämisse voraus, dass keine anderen Wesen te Menge von Indizien überhaupt eine Basis sein
als Menschen (oder sogar streng genommen als kann, zwischen verschiedenen (hier: direkt gegen-
ich selbst) entsprechende geistige Fähigkeiten sätzlichen) Hypothesen zu entscheiden.
haben könnten. Dabei übergeht er wie SOBER den
zentralen Punkt: Es gibt, wie in Abschnitt 2 er- SOBER (2008, 145) begründet seine (wie gezeigt
wähnt, grundlegende Merkmale an organisierten unhaltbare) Forderung nach unabhängig testba-
Objekten, die prinzipiell auf geistige Verursachung ren Hilfshypothesen über den Designer mit ei-
schließen lassen. Es ist deswegen völlig legitim, nem Vergleich, der letztlich gegen seine Absicht
unser Konzept von Zweck-Mittel-Relationen auch gerade den Design-Ansatz motiviert: Ein Richter
auf Gegenstände anzuwenden, die möglicher- solle entscheiden, wer von zwei Angeklagten in
weise von anderen geistigen Wesen hervorge- einem Mordfall schuldig sei: Jones oder Smith.
bracht wurden, seien diese Wesen außerweltlicher SOBER sagt, man könne sich nicht für einen Täter
oder außerirdischer Art oder – wie wir gesehen entscheiden, wenn die Tatortindizien zu Jones
haben – einfach nur andere geistige Wesen als ich genauso gut passen wie zu Smith. Das ist zwar
selbst. Will man das wie HIMMA leugnen, entsteht
u. a. folgende absurde Situation (ein Beispiel, das 18
Hier könnte ein Naturalist einwenden, die Außerirdi-
HIMMA in ähnlicher Weise verwendet): schen hätten vielleicht eine ganz andere Art von Geist
Stellen wir uns vor, dass ein (menschlich her- als wir, so dass sie die geistige Urheberschaft dieses
vorgebrachtes) Fahrzeug (z. B. auf dem Mars) von Objekts gar nicht erkennen würden. Hier gilt aber das,
was zu Einwand 3 bereits ausgeführt wurde. Hinrei-
geistbegabten Außerirdischen entdeckt wird, die
chend intelligente Wesen könnten demnach (durch eine
völlig andersartige Geräte benutzen und von Art intergalaktisches Retro-Engineering und wenigstens
Menschen nichts wissen. Hätte HIMMA Recht, in den meisten Fällen) erkennen, dass dieser Gegenstand
dürften andersartige geistige Wesen praktisch gar Funktionen hat und die Teile genau so beschaffen sind,
nicht auf die Idee kommen, dass dieses Objekt dass sie diesen Funktionen dienen. Abgesehen davon:
eine intelligente, geistige Ursache hat. Es müsste Nähme man an, die Außerirdischen erkennten das Auto
nicht als ein Produkt intelligenter Wesen, würde das
folglich für sie letztlich selbstverständlich sein,
einem Kritiker des Design-Ansatzes nicht weiterhelfen,
dass es natürlich entstanden ist .18 (Und wir müss- im Gegenteil: Er bräuchte umgekehrt Beispiele, wo nach-
ten umgekehrt glauben, dass Raumschiffe von weislich zufällig entstandene Gegenstände fälschlicher-
Außerirdischen, die ggf. unserer Technik weit weise als hochorganisierte, intelligent verursachte Ge-
überlegen sind, durch nicht-geistige Prozesse genstände identifiziert würden.
19
zustande gekommen sein könnten.) HIMMA macht Daher stellt HIMMA mehrfach beim Schluss auf X fest:
„We already know that he exists...“, „that the right kind
sogar eine ähnliche Überlegung (S. 20) und meint
of agent exists …“ u. a. (z. B. S. 25). Entsprechend meint
für diesen Fall: „I have absolutely no idea whether er: „All of the standard uses of design inferences occur
that inference [auf einen Designer] would be justi- in contexts where we already know the right sort of
fied.“ Das Problem ist: Wir wissen, dass sich die agent exists“ (S. 25).

13
richtig, aber entscheidend ist, dass wir in solchen Literatur
Fällen – ohne weitere Indizien für die Identität des
Täters zu haben – mit sehr guten Gründen sagen
können, dass überhaupt ein Mord vorliegt (und ARTHUR W (2004) Biased Embryos and Evolution. Cam-
bridge.
kein Unfall), weil es typische Hinweise auf eine BOUDRY M & LEURIDAN B (2011) Where the design argu-
Handlung eines intelligenten Wesens gibt. Man ment goes wrong: Auxiliary assumptions and unifi-
kann also ohne weitere Information über den Tä- cation. Phil. Sci. 78, 558-578.
ter und seine Motive vielleicht nicht zwischen CABEJ NR (2013) Building the most complex structures on
mehreren möglichen Verdächtigen entscheiden. earth. An epigenetic narrative of development and
Jedoch kann man eben sehr häufig entscheiden, evolution of animals. Amsterdam: Elsevier.
CARROLL SB (2005) The Making of the Fittest. DNA and
ob die Hypothese „Mord“ (entspricht geistiger the Ultimate Forensic Record of Evolution. New York:
Verursachung) oder aber die Hypothese „Unfall“ WW Norton.
(entspricht weitgehend natürlichen Ursachen CLEVES PA, ELLIS NA, JIMENEZ MT, NUNEZ SM, SCHLUTER D,
bzw. Zufall) zutrifft. Hilfshypothesen über den KINGSLEY DM & MILLER CT (2014) Evolved tooth gain
Verursacher sind für die Entscheidung Mord oder in sticklebacks is associated with a cis-regulatory alle-
Unfalls dabei offenkundig nicht erforderlich. le of Bmp6. PNAS 111, 13912-13917
COYNE JA (2009) Why evolution is true. New York.
Entsprechend gilt: Um auf einen Designer zu DAWES DW (2007) What is wrong with Intelligent Design?
schließen, ist also keine Kenntnis weiterer Moti- Int. J. Phil. Rel. 61, 69-81.
vationen oder spezieller Eigenschaften des Urhe- DAWKINS R (2009) The greatest show on earth: The evi-
bers nötig.20 dence for evolution. London.
Zur Veranschaulichung greifen wir nochmals DILLEY S (2013) Nothing in biology makes sense except in
das Beispiel mit dem Felskopf und den Figuren light of theology? Studies in History and Philosophy
of Biological and Biomedical Sciences 44, 774-786.
der Osterinsel auf (Abb. 1): Es spielt keine Rolle, FITZHUGH K (2010) Evidence for evolution versus evidence
wer aus welcher Motivation diese Köpfe aus dem for Intelligent Design: Parallel confusions. Evol. Biol.
Gestein herausgemeißelt hat. Es würde auch ver- 37, 68-92.
mutlich niemand auf die Idee kommen, man FODER J & PIATTELLI-PALMARINI M (2010) What Darwin got
müsste noch weitere unabhängige Indizien dafür wrong. New York.
haben, dass Menschen (oder Außerirdische?) sich HIMMA KE (2005) The application-conditions for design
inferences: Why the design arguments need the help
im betreffenden Gebiet einmal aufgehalten haben, of other arguments for God’s existence. Int. J. Phil. Rel.
um den Schluss auf geistige Verursachung zie- 57, 1-33.
hen zu können. Die Indizien der Steinköpfe sind JUNKER R (2002) Ähnlichkeiten – Rudimente – Atavismen.
auch ohne weitere Zusatzinformationen klar Holzgerlingen.
genug. JUNKER R & SCHERER S (2013, Hg.) Evolution – ein kritisches
Lehrbuch. Gießen, 7. Auflage.
Gegen die Einwände SOBERS und HIMMAS kann JUNKER R & WIDENMEYER M (2011) Zwei Kritiken am De-
also festgehalten werden: Vorhandene Indizien sign-Argument. www.wort-und-wissen.de/artikel/
auf intelligente Planung wie hochkomplex-funk- a10/a10.pdf
KIRSCHNER MW & GERHART JC (2005) The plausibility of
tionale Strukturen motivieren rational den
life. Resolving Darwin’s Dilemma. Yale University
Schluss auf dieselbe. Es sind keine weiteren Indi- Press New Haven and London.
zien für diesen Schluss nötig. Weitere Argumente LABIN AM , SAFURI SK , RIBAK EN & PERLMAN I (2014) Mül-
bzw. Indizien können lediglich erforderlich sein, ler cells separate between wavelengths to improve day
wenn die genaue Identität oder spezielle Eigen- vision with minimal effect upon night vision. Nat.
schaften des Schöpfers ermittelt werden sollen. Comm. 5: 4319, doi:10.1038/ncomms5319.
LALAND K et al. (2014) Does evolutionary theory need a
Die Kraft des Schlusses auf geistige Urheberschaft
rethink? Yes, urgently. Nature 514, 161-164.
als solche kann nur durch konkrete Belege für die LEDON-RETTIG CC, PFENNIG DW & NASCONE-YODER H (2008)
Möglichkeit einer rein nicht-geistigen oder natür- Ancestral variation and the potential for genetic
lichen („zufälligen“) Entstehung geschwächt wer- accommodation in larval amphibians: implications for
den. the evolution of novel feeding strategies. Evol. Dev.
10, 316-325.
LEDON-RETTIG CC, PFENNIG DW & NASCONE-YODER H (2008)
20
Dies entspricht auch (bei noch wesentlich einfacheren Ancestral variation and the potential for genetic
Fällen) der alltäglichen Tatsache, dass wir erkennen accommodation in larval amphibians: implications for
können, ob etwas Absicht war oder lediglich das Resul- the evolution of novel feeding strategies. Evol. Dev.
tat nicht-geistiger Naturprozesse, selbst wenn wir die 10, 316-325.
Absicht nicht im Detail erfassen können und der Verursacher MOCZEK AP (2008) On the origins of novelty in develop-
unbekannt ist. Aus diesem Grund stellen wir uns ment and evolution. BioEssays 30, 432-447.
manchmal auch im Alltag Fragen wie: „Warum tut je- MONTEIRO A & P ODLAHA O (2009) Wings, horns, and
mand so etwas?“, „Was hat den Täter wohl dazu be- butterfly eyespots: How do complex traits evolve?
wegt?“, „Was hat sich jemand dabei gedacht?“, „Wer ist PLoS Biology 7:2, 0209-0216; doi: 10.1371/
das gewesen?“ usw. journal.pbio.1000037.

14
MÜLLER GB (2003) Homology: The Evolution of Morpho- Entwicklungsbiologie und Evolutions-forschung. In:
logical Organization. In: MÜLLER GB & NEWMAN SA ENGELS E-M (Hg) Charles Darwin und seine Wirkung.
(eds) Origination of Organismal Form. Beyond the Frankfurt, S. 276-302.
Gene in Developmental and Evolutionary Biology. TAUTZ D(1992) Redundancies, development and the flow
MIT-Press, S. 51-69. of information. BioEssays14, 263-266.
R UDEL D & S OMMER RJ (2003) The evolution of ULLRICH H (2013a) „Die Narben der Evolution.“ Stud. In-
developmental mechanisms. Dev. Biol. 264, 15-37. tegr. J. 20, 68-75.
SAENKO SV, MARALVA MSP & BELDADE P (2011) Involvement ULLRICH H (2013b) Der Wurmfortsatz. Vom Nichtsnutz
of the conserved Hox gene Antennapedia in the zum Mysterium. Stud. Intregr. J. 20, 111-115.
development and evolution of a novel trait. EvoDevo ULLRICH H (2014) „Fehlkonstruktion Auge“: Am Ende nur
2011, 2:9; doi: 10.1186/2041-9139-2-9. ein Scherz? Stud. Integr. J. 21, 114-115.
SHCHERBAK V & MAKUKOV MA (2013) The „Wow! signal“ of VAN DAM J (2015) Enthält der genetische Code Hinweise
the terrestrial genetic code. Icarus 224, 228-242. auf Design? Stud. Int. J. 22, 79-84.
SOBER E (2007) What is wrong with Intelligent Design? WAGNER GP (2014) Homology, genes, and evolutionary
Quart. Rev. Biol. 82, 3-8. innovation. Princeton University Press.
SOBER E (2008) Evidence and Evolution: The Logic Behind WIDENMEYER M (2014) Welt ohne Gott? Eine kritische Ana-
the Science. Cambridge: Cambridge University Press. lyse des Naturalismus. Holzgerlingen.
SOMMER RJ & RIEBESELL M (2009) Die Entstehung der biolo- WEIKARD R (2004) From Darwin to Hitler. New York.
gischen Formenvielfalt und das Verhältnis zwischen

15