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DIE

DEUTSCHENMÜNLE~

DER

SÄCHSISCHENUND FRÄNKISCHENKAISERZEIT.

HERAUSGEGEBEN

VON

HERMANN DANNENBERG.

VIERTER

BAND.

IIT

XI

TAFELN

ABBILDUNGEN.

 

BERLIN,

WEIDMANNSCHE

 

BUCHHANDLUNG

VORWORT.

 

Bald nachdem

I 898

der

dritte

Band meiner

,,deutschen

Münzen der

sächsischen und fränkischen

Kaiserzeit“

erschienen

war,

regle

Herr

Dr. Bahr-

feldt

durch Mittheilung

einiger

interessanter

 

Inedita

seiner

Sammlung

in

mir

den Gedanken an,

dieselben

nebst einigen

sonstigen neuen Erscheinungen

als

Ergänzung

meines Werkes

bekannt

zu geben.

Dieser Gedanke

kam

in

den

von ihm herausgegebenen

Berliner Münzblättern,

vom

Januar 4 900

ab

in

den

Nr.

233

bis

235

zum Ausdruck.

Nicht

lange

nachher

trat

Herr

Professor

Dr. Menadier

mit seiner Beschreibung

 

des ebenso umfangreichen

als bedeut-

samen Schatzes hervor,

der

worden

war,

und veranlasste

i. J. 1897 mich

in der Michaeliskirche

in Fulda entdeckt

zu einer

Fortsetzung dieses ersten sach-

trags vom Juni 1901 ab in

Nr.

250

ff.

a.

a. O.,

und

nachdem

diese

mit,

Nr.

256

zu Ende

gekommen,

stellte

sich

in

Folge

andrer

wichtiger

Ent-

deckungen

das Bedürfniss

nach weiteren

Ergänzungen

heraus,

dem

ich

in

einer

dritten

Folge

von

Artikeln

ent,sprach, die

vom

Juni

1903

ab

in

Nr.

18 ff.

der

neuen Folge der gedachten Zeitschrift

zum Abdruck

gekommen

sind.

So hat sich die Veröffentlichung

 

dieser Nachtrage

bis

ins sechste Jahr

hingezogen.

Indessen

habe ich mich der Erwägung

nicht verschliessen können,

dass damit

und

mit

dem nur

in geringer

Auflage

hergestellten Sonderabdruck

dem

berechtigten

Verlangen

nach

einem Abschluss

meiner

Arbeit

über

die

Miinzen der sgchsisch-fränkischen Kaiserzeit

nur

in

unzureichendem

 

Maasse

Geniige geschehen ist, denn diese letzten Nachträge zerfallen in drei Abschnitte,

von

denen

jeder

das ganze Gebiet

durchläuft.

Da

nun

schon sowohl

der

erste

als

der

zweite

Band,

ohne mein Verschulden

allerdings;

ein jeder

mit

einem Nachtrage versehen sind, so ergiebt

sich daraus der grosse Uebelstand,

dass der

ganze umfangreiche

Stoff

an

acht verschiedenen

Orten behandelt

wird.

Es hätte

sich freilich

empfohlen,

durch Verschmelzung dieses im Laufe

der

Jahre

seit

1876

auf

etwa

das Doppelte

angewachsenen

Stoffes unter

Berücksichtigung

aller neuen Erfahrungen

und Forschungen

die

wünschens-

werte

Einheit

herzustellen,

indessen

dazu reichen

meine Krwfte

nicht

mehr

IV

Vorwort.

 

iiUS.

Wozu

ich

mich

aber

auch jetzt

noch

im Stande

fühle,

um meinem

Werke

die

möglichste

Nutzbarkeit

und Vollendung

zu geben,

das habe

ich

mich verpflichtet

gehalten

zu thun.

Zunächst

also habe

ich

die

drei einzelnen

Abschnitte dieser meiner ,,Nachträge“

zu einem einzigen verschmolzen.

Sodann

habe

ich

nicht

nur

ein neues vollständiges

Inhaltsverzeichnis

für

nöthig

er-

achtet, sondern

noch ferner

den Nachweis

des Textes

zu allen

auf

den

nun-

mehr

124 Tafeln enthaltenen Abbildungen:

und endlich

eine geordnete Ueber-

Sicht über

sämmtliche

Münzherren

und

Münzstätten,

unter

Angaben

der

Seitenzahlen,

auf

denen von

ihren

Münzen

die

Rede

ist.

Auf

diese Weise

ist erreicht,

was

ohne

gtinzliche Neuarbeit

zu erreichen

war;

man braucht

nur

an Stelle

der

nachgewiesenen

Seitenzahlen das dort

Nur

dass freilich

auch

dann noch

der

allgemeine

Theil

Gesagte zu set,zen. manche Unebenheiten

bietet,

die

sich

in

einem

einheitlichen

Werke

nicht

finden

würden;

denn

wahrend

der

langen

Zeit,,

da

ich

an meiner

Arbeit

ergänzt

und

gebessert

habe,

hat

sich Vieles geandert,

insbesondere

ist durch

neue Entdeckungen

ein

ganz neues Licht

über

die

friiher

so ungenügend

ausgestatteten

letzt,en

Jahrzehnte der frankischen

Zeit

aufgegangen,

und

die Zahl

der

uns bekannt

gewordenen

Gepräge

hat

sich

in

diesen qreissi g Jahren

ungefähr

verdoppelt.

Aber jeder

Billigdenkende

wird

zugeben,

dass man

mehr

als

ich

hier biete

von einem Achtzigjährigen nicht verlangen kann.

 
 

Es bleiben

mir

noch

ein paar Worte

die Otto-Adelheid-

Münzen.

Dass dieselben in unglaublicher

zu sagen über Menge ausgeprägt

sind,

die Frage

also,

ob

sie von

Otto 1. oder

von

seinem Enkel

Otto 111. ausgegangen

sind,

in

erster

Reihe

steht, ist ausser Zweifel.

Meine Aufgabe

also war

es,

hier-

über mög1ichst.e Klarheit

zu schaffen,

und

mich von

dieser Pflicht

nicht

ab-

wendig

machen zu lassen, weder

durch

die wohlfeilen,

aber

nicht

ernst zu

nehmenden Witzeleien derer,

denen die allerdings

einen nur

zu breiten

Raum

einnehmenden

Erörterungen

langweiiig

geworden

sind,

noch

auch durch

die

Kampfweise

meines Gegners,

des Streiters

für

Otto

I.,

oder dessen Verwun-

derung dariiber , dass ich mich in meinem zweiten Bande nicht mit einem

kurzen Berichte über seine Beweisführung

begnügt habe (s. Menadicr, Deutsche

Münzen 1, 171).

Damit hätte

ich doch, solange

ich noch Sachdienliches

an-

zuführen

gewusst,

meiner

Pflicht gefehlt,

die

eine erschöpfende

Behandlung,

eine Sicherstellung

meiner

Ansicht

gegen alle Angriffe

verlangt,

zumal

es für

mich keine Zukunft

mehr giebt,

wie

für

ihn,

den

ein Menschenalter

jiingeren.

Daher

habe

ich

denn auch nicht umhin

gekonnt,

auch

in

dem let.zten, dritt.en

Bande die Untersuchung

auf Grund

neuer

Beweismittel

wieder

aufzunehmen,

und eben deshalb

sehe ich

mich

auch jetzt noch

genöthigt,

einige

neue Ge-

sichtspunkte

zur Sprache

zu bringen,

u.

a.

die

mit

der

Adelheidsfrage

eng

zusammenhängende

Frage, nach

dem jetzt

zwar

nicht

geradezu

bestrittenen,

Vorwort.

V

aber

doch

in Zweifel

gezogenen

Alter einiger

anderer

Ottonen.

Kaum wäre

es gerechtfertigt,

wollte

ich

diese Zweifel

unberücksichtigt

lassen, wenn

sie

von

minder

beachtenswerther

Seite erhoben

werden,

einem

Forscher

aber,

dem

wir

so

viel

verdanken

wie

Menadier,

würde

ich berechtigten

Grund

zur

Klage geben, wenn

ich an seinen Einwürfen

und Anregungen

stillschweigend

vorüberginge.

Und jedenfalls

hat sein ungewöhnlich

streitbares

Auftret,en zu

einer

so gründlichen

 

und allseitigen

Durcharbeitung

dieser überaus

wichtigen

Frage

den bnstoss

gegeben,

wie

sie wohl

sonst kaum

erfolgt

sein würde.

Bei dem grossen Umfange,

zu dem sie sich ausgewachsen

hat,

und

bei dem

damit verbundenen

Mangel

an Uebersichtlichkeit

glaubte

ich auch

im Interesse

mancher Leser,

die

sich möglichst

schnell unterrichten

wollen,

zu handeln,

wenn

ich

eine

kurze Zusammenstellung

meiner

hauptsächlichsten

Gründe

in

der Adelheidsfrage

 

an den Schluss setzte, unler Hinweis

auf die Stellen meines

Werkes,

welche

die weitere

Ausführung

enthalten;

eine ähnliche Darstellung

habe

ich

schon

in

der

Wiener

numismatischen

Zeitschrift

1904,

S.

823

gegeben.

 
 

Ich

in der Zuversicht.,

dass aych

in

naher

Zukunft

Mutter

Erde

nehme Abschied uns mit gleicher

Freigebigkeit

von

ihren

Schatzen spenden und

mir einen Nachfolger

 

erwecken möge,

der

einen festeren Bau als meinen Noth-

bau aufführen

möge,

dessen Baumaterial

aber

wegen

meiner Behutsamkeit

und wegen

der

oft

betonten

Wahrheit

meiner

Abbildungen

sich immer

noch

als nutzbar

erweisen wird.

Nur die gegenwärtig

gebotenen Abbildungen

habe

ich

leider,

bis

auf

wenige,

nicht

mehr

wie

die

früheren

selbst

anfertigen

können, und muss daher um Nachsicht wegen so mancher Unvollkommen-

heiten bitten.

 
 

Allen,

die

meine Arbeit

gefördert

haben,

spreche

ich

meinen

auf-

richtigen

Dank aus, insbesondere

meinem Verleger,

Herrn

Dr. Voller&

dessen

freundliches Entgegenkommen ich nicht genug rühmen kann.

 
 

Berlin,

im Februar

1905.

Wenige

Wochen,

nachdem

der Verfasser

die vorstehenden

Zeilen ge-

schrieben,

hat auch er, der Unermüdliche,

die fleissige Feder

aus den greisen

Händen

legen

müssen ;

der

Allsieger

Tod

hat

sie

ihm

entrungen

und

ihn

dahin geführt,

wo

er

nach

dem Schriftwort

ruhen

darf

von

seiner Arbeit.

Am

14.

Juni

1905

ist Hermann

Dannenberg

in Salzbrunn

in Schlesien sanft

und friedlich

im fast vollendeten

81. Lebensjahr entschlafen.

Von

dem vor-

liegenden Bande, dem vierten

seines Haupt-

und Lieblingswerkes,

hat

er noch

VI

Vorwort.

 

den

Druck

der

ersten

drei

Bogen

erlebt,

über

dem

vierlen

ist

er

gestorben.

Von

seiner

Familie

wurde

der

Unterzeichnete,

wohl

der

letzte,

mit

dem

der

sich

mehr

und

mehr

abschliessende

Greis

ein

inniges

Yerhaltnis

unterhalten

hatte,

mit

der

Fertigstellun

g

des

im Manuskript

vollstandig

vorliegenden

Werkes

betraut.

Gern

habe

ich

mich

dieser

Aufgabe

unterzogen:

als

einem

letzt,en

Liebesdienste,

 

den

ich

dem

verewigten

Freunde

leisten

konnte,

Selbstredend

habe

ich

nichts

Anderes

thun

dürfen,

als

was

der

Verfasser

gethan

haben

würde,

hätte

er

noch

länger

gelebt:

ihm

gehört

das

Werk

also

v-ollinhaltlich

 

bis

zum

letzten

Buchstaben

an.

Es

wird

für

das

Andenken

des

rastlosen

und

scharfsinnigen

 

Forschers

ein

monumentum

aere

perennius

sein.

F. Friedensburg.

Einleitung.

 

Abschnitt

I-VII.

 

(S. 1-39,

511-520,

 

759-762.)

 
 

Die

dem 11. Bande beigegebene

Landkarte

bedarf vielfach der Verbesserung

und

Ergänzung.

Der

Verbesserung

insofern

als irrthümlich

Helmarshausen

 

in Thüringen

 

eingezeichnet

 

ist, während

doch der diesen

Namen

tragende

Ort,

von welchem

Nr.

1622

Taf.

79 herrührt,

an

der

Diemel,

kurz

vor

deren Einfluss

in

die Weser,

unterhalb

 

Marsberg,

also zwischen Bursfelde

und

Corvei

belegen

ist.

Vergessen

sind

Aachen,

die

Grafschaft

Berg

(Wielberg

S.

177))

Liidinghausen,

das

wichtige

 

Bamberg

und

Würzburg,

 

die Gra,fschaften

Marchthal

(8. 448)

und

St. Gallen

(S. 677).

 

Zu streichen

ist

dagegen

Minzenberg

(s. S. 897).

Andererseits

sind nachzutragen

die

Oertlichkeiten,

 

von denen

erst

in

den letzten

Jahren

Geprage

bekannt

geworden sind,

 

nämlich

Arras

(S. 563), Eenham

(S. 566), Fosses (S. 777), Luxemburg

 

(S. 740),

Rees (S. 779), Essen

(unten

Nr.

1853), Hammerstein

(S. 782), Zütphen

(S. 788), Sommersehenburg

(S. 793), Hiltages-

 

burg (Nr. 1757), Gandersheim

(unten Nr.

3032),

Arnsberg

(S. 799), Recklinghausen

(unten

Nr. 2036), Lorsch

(S. 865),

Selz

und

Nagold

(S. 808).

 
 

S.

8. -

Die

hier

gegebene Liste

könnte

durch die seit dem Erscheinen

 

des 1. Bandes

erfolgten

Entdeckungen

bedeutend

erganzt

werden,

es bedarf

dessen aber nicht,

viel-

mehr

mag jene

Liste

als Sammlung

zahlreicher

Beispiele

dienen.

 
 

S.

14.

-

Der

Unterschied

zwischen

schwerer

und

leichter

Münze

 

tritt

auch

in

einer

Urkunde

von 1104 (Hontheim

bist.

dipl.

Trevir.

1, 623)

hervor:

quatuor

denarios

Confluentinos

 

aut

duos Colonienses.

 
 

S.

14, 513.

-

Den von Menadier

a. a. 0. angezogenen

Belagstellen

 

über Golddenare

 

(Bl.

f. Mzkunde

IV,

30, Mzstudien

 

1, 195,

IV,

85,

VI,

30, Lamprecht

deutsche Wirthsch.-

Gesch.

i.

MA.

11, 376,

Z.

f. Num.

XII,

173, 196)

ist

als besonders

wichtig

eine aller-

dings

schon in die Hohenstaufenzeit

fallende,

von

1163 anzuschliessen,

in

der

es heisst :

denarius

aureus

vel

duodecim

 

argentei

Confluentine

monete

(Gudenus,

cod.

dipl.

Mogunt.

11.

S.

16).

 

Zu

den

S. 513 aufgezählten

Golddenaren

tritt

als

fünfter

der

in

der

Kölner

Stadtsammlung

 

befindliehe

des

Erzbischofes

Hermann

111. v.

Köln

 

hinzu

(s. unten

Nr.

2011).

 

S.

19. -

Auch der unten zu erwähnende Lütticher

 

Pfennig

Kaiser

Konrads

Nr.

20 11

zeigt

ein Reiterbild,

ebenso die

 

nichtkaiserlichen

 

Nr.

1232, 1233

Taf.

55,

und

einige

Rakwitzer

 

auf

Taf.

91,

92

und

Nr.

1697,

1698 Taf.

86.

 

Dannenberg,

Deutschlands

alte&

Münzen.

IV.

58

876

 

Einleitung.

 

s.

20.

-

Die

Zahl

der weltlichen

und geistlichen

Grossen, die uns Münzen

hinter-

lassen haben,

hat

sich

in

dem

Grade

vermehrt,

dass ihre Aufzählung

 

keinen

Nutzen

verspricht.

 
 

s.

20.

-

Wenn hier Gozelo’s

Münze

als

die

einzige

eines weltlichen

Fürsten

mit

seinem

stehenden Bilde

angegeben

wird,

so trifft

das jetzt

nicht

mehr

zu,

es genügt,

auf

Taf.

65

Nr.

128, Taf.

66,

1447, Taf. 67,1474,

1475, Taf.

69, 1502

und

Taf.

93, 1740,

1741 zu verweisen.

 
 

s.

21.

-

Auch

das Erscheinen

 

zweier Brustbilder

kann nicht

mehr

als Ausnahme

bezeichnet

werden,

es ist auch ausserhalb Andernach,

Goslar

und Speier

häulig

genug.

 

Zu

den seltenen

und

daher

bemerkenswerthen

bildlichen

Darstellungen

zählen

ausser

den

S. 2 1 erwähnten:

die

 

kunstvolle

 

der

Nr.

822

Taf.

35,

die

Fahnen

29

auf

Nr.

1353

Taf.

60

und

3 757

Taf.

94,

die Moritzfahne

Nr.

664, 665

Taf.

u. s. w.,

der

Hammer

Nr.

1880 Taf.

102, der Minzenstengel

 

des Mindener

Pfennigs

 

Nr.

2040

Taf. 114,

die Wellen

des Rheins,

welche die Umschrift

von

Nr.

1879

Taf. 109 umgeben

(vgl. S. 781),

das Kreuz

mit den 3 Evangelistenköpfen

der

Nr. 208a

Taf. 93 (s. S. 730)

und

die

3 Fische

des flandrischen

Denars

Nr.

1448 Taf.

616, womit

der allerdings

anders

zu würdigende

Fisch vor dem Ka,iserkopfe

auf

dem

seltenen Piligrim

Nr. 308n

Taf.

7 1 zu vergleichen,

endlich

auch

der überaus

schöne flandrische

Pfennig

Roberts 11. v. Jerusalem

Nr. 3988.

 

S.

22, 517.

-

Einen

Engel

sehen wir

auch

auf

dem Wormser

 

Nr.

39 15 Taf.

106,

er

ist

aber

hier

nur

die

den römischen

Goldmünzen

entlehnte

Victoria.

 
 

S, 23,

761,

859.

-

Ueber die seltene Eigenthümlichkeit

der umgebogenen

und

ein-

geprägten

Ecken

 

hat

sich neuerdings

v. Lusthin

(allg.

Mzknnde

u. Geldgesch.

S. 68)

geäussert.

 

Er bemerkt,

dass

es doch

bequem

und zur Vermeidung

 

des Abfalls

(Ab-

sehrotes)

erforderlich

gewesen

sei,

 

den Zain

 

mittelst

der Scheere in viereckige

Schröt-

linge

zu schneiden.

 

Entweder

seien diese dann,

wie

bei

so vielen

Schweizer Brakteaten,

so ohne Weiteres

zur Prägung

gelangt,

oder

man

habe

ihnen vorher

noch die beliebte

runde Form

gegeben,

und

zwar

in

Zwiefacher Weise.

Habe

man

dies durch Hammer-

seiläge

zu erreichen

gesucht,

welche

den

viereckigen

Schrötling

 

möglichst

auf

die

runde Gestalt

 

gebracht

hatten,

so

sei

der Vierschlag

(das quadratum

supercusum)

ent-

standen,

habe

man

sich

dagegen

durch

Umschlagen

der spitzen

Ecken

geholfen,

so

sei der S. 859 beschriebene,

hauptsächlich

im Elsass beliebte

Schrötling

 

hervorgebracht.

Das

ist

wohl

die Lösung

des Räthsels.

 

S.

31,

620.

-

Ueber

die so bestrittene

 

Bedeutung

der Formel

 

»me fecit<

ist

uns

kürzlich

Aufklärung

zu Theil

geworden.

Der

grosse noch der Beschreibung

harrende

Brakteatenfund

 

von Gotha

(1900) hat

uns nämlich

einen

Brakteaten

 

eines geistlichen

Fürsten

mit

xluteger

de Aldenburc

 

me

fecit « und

einen

andren

mit

dem Bilde

eines

Kranichs nebst Umschrift

BLuteger

me

fecit

s.

dc

Als

(Bl.

f.

Mzfrde

1900

S.

132)

gebracht.

Hier

also

tritt

Luteger

aus Altenburg

ohne

alle

Frage

nicht

als Münzherr,

sondern als Stempelschneider

auf, als welcher (sculptor?)

er sich

wohl

auch

auf letzterer

Münze ausdrücklich bezeichnet.

Also

ausser dem

Münzmeister

kann

hinter

dem

»me

fecit«

auch der Stempelschneider

stecken,

und in selteneren

Fällen

selbst der Münzherr

-

denn

es ist

nicht

anzunehmen,

dass das

XI.

Jahrhundert

sich anders verhalten

habe

als

das

XII.

 

S.

32,

519.

-

Nachzutragen

 

ist

der GEFRI

DENAR1

Nr.

593,

der Xantener

Nr.

1204

mit

SAoNTENoDE

(s.

unten

S.

893)

und

der

IELITH

 

I S

PENING

Nr.

1220 fgg.

 

(S. 634).

 
 

Die

Münzfunde.

 

877

 

S. 37,

416.

-

Einei

der Gründe,

welche GI-rote zur Unterstützung

 

seiner jetzt

wohl

allgemein

verworfenen

Annahme

anftihrt,

 

dass mindestens

ein sehr beträchtlicher

Theil

der

deutschen

Nachmünzen

in

Polen

verfertigt,

und

dass besonders

 

gewisse

Denare

des Saulburger

Fundes

vielleicht

von italienischen,

durch Baiern

nach Polen

ziehenden

Kaufleuten

schon

fertig

aus ihrem

Vaterlande

mitgebracht

worden

seien,

läuft

darauf

hinaus,

dass die auf Regensburger

Denaren

dieses Schatzes erscheinenden

Münzmeister-

namen

ACIZO,

CANNO

und VECCHO

 

italienisch

seien (Mzstud. VIII,

82,

136, 164).

Demgegenüber

bemerkt

 

v. Lusthin,

der sich durch

meine

Gründe

von Grote’s

zu meiner

Ansicht

hat

bekehren

lassen,

in

seinem

Berichte

über

den

1. Band

meines

Werkes

(Wiener

num.

Z. VIII,

 

213))

sdass selbst

das

auf

die italienischen

 

Namensformen

der

Münzeisenschneider

AC 120,

CAN

NO und VECCHO

gestützte Argument

Grote’s

hin-

fällig,

da

in

diesem

 

Falle

ebenso wie

 

bei

GVAL,

AZO,

ECCHO

 

u.

d. m.

einfach

Koseformen

deutscher

Personennamen

 

vorliegen«.

-

Und

dass

wir

die

unendlich

hiiufigen

Trugschriften

 

unserer

Münzen

 

nicht

den

Polen

Schuld

geben

dürfen,

das

lehrt

u.

A.

wieder

der grosse Inlandsfund

von

Fulda

(Nr.

151

S. 885).

 

S.

39,

520.

-

Gleich

dem Rakwitzer

Pfennige

Nr.

27a

Taf.

90 bietet

auch

der

Kasinger

Nr.

2138 Taf.

120

ein

Beispiel

für

die Nachahmung

der römischen

Münze

mit

VIRTVS

EXERCIT

und zwei Gefangenen

zur Seite

eines Labarums.

S.

531,

Nr. 80.

-

An

dem Funde

von Sinzlow

haben wir

wieder

einen

der nicht

seltenen,

S. 563 besprochenen

Falle,

wo der Hauptmasse

viel

später

eine

bei

weitem

jüngere

Münze

hinzugefügt

ist.

Denn

über

das Jahr

1070

weit

herab,

auf

welches

die

übrigen

Fundmünzen

hinweisen,

reicht

ein

ihnen

beigesellter

Erfurter

Pfennig

mit

unleserlicher

Umschrift,

 

den

ich

zwar

S. 746

Nr.

1037

eben wegen dieses Vorkommens

dem

Erzbischof

Siegfried

(1060-1084)

 

zugeschrieben

habe,

der

aber

doch wohl

nicht

blos

wegen

seiner

a. a.

0.

schon

hervorgehobenen

Aehnlichkeit

 

mit

dem

Adalbert

Nr.

1662,

sondern

namentlich

 

auch wegen

des Bestandes

des Fuldaer

Domschatzes

(s. S. 885

Nr.

151)

mit

grösster Wahrscheinlichkeit

diesem Kirchenfürsten

zugesprochen

werden

muss, jedenfalls

über

dessen Vorgänger

Rudhard

(1088-1209)

nicht

zurück-

geht.

Da

nun

Adalbert

1. erst

1111

sein

Amt

angetreten

hat,

 

so

klafft

zwischen

dieser

und

der

nächst jüngsten

Münze eine beträchtliche

Lücke.

Allerdings

beschränkt

sich

der ganze Bestand

auf

51

Stück.

-

S. übrigens

auch

S. 524

 

und

765.

 

VIII.

Die Münzfunde.

 
 

S. 40,

520,

762.

 

S.

539.

Nach

Buchenau

(Arch.

f.

Brakt.

IV,

19)

ist

Gross-Sara

bei

Gera

der

Fundort

des unter

Nr. 99 verzeichneten

Schatzes.

 
 

Als

neu

sind

folgende

Funde

aufzuführen:

 

125) Paatzig

bei

Wollin,

 

Kr. Kammin

 

(Prov. Pommern).

 

[Etwa

9501

 

[Baltische

Studien

1902

S. 74,

vgl.

S. 802

Anm.]

 
 

Ein

Hacksilberfund

von

10 kg.

Leider

sind

nur

die

bis

932

herabreichenden

orientalischen

Münzen

befriedigend

verzeichnet,

über

die wenigen

begleitenden

abend-

ländischen

aber

erfahren

wir

nur,

dass sie bestehen

 

aus:

Otto

I.,

Köln,

Heinrich

I.,

Mainz,

Heinrich

I.,

Regensburg,

Ludwig

 

d. Kind,

Strassburg,

Wendenpfennig,

dänischen

5a*

878

Einleitnag.

Halbbrakteaten,

 

Edmund

v. Wessex

940-946

1).

Daraus

wird

auf

Vergrabung

 

des

Schatzes

etwa

in

der Mitte

des X. Jahrhunderts

geschlossen.

 

Vermisst

wird

aber

der

Otto

I.,

Mainz,

Nr.

3907 Taf.

105,

der

doch

von

hier

stammt.

 

126)

Siroschewitz,

Kreis

Adelnarr

(Prov.

Posen).

 

[Etwa

9801

 

[Z.

f. Num.

XXIII,

273.1

 
 

In

diesem

kleinen,

1901 gehobenen

Schatze

überwogen

 

die arabischen

Münzen

mit

74 Stuck

über

die

nur

mit

42 vertretenen

deutschen,

denen

sich ein verwilderter

Prager

Denar

zugesellt.

Wie

gewöhnlich

in

diesen

älteren

Funden

tritt

Sachsen sehr

zurück,

denn

es fand

sich

von diesem

Lande

nur

ein

einziges

der Wenden-

Pfennig

mit

OTTO

(Nr. 132S), daneben

1 von

Trier

(Kaiser

Otto

Gepräge, 1. s. unten

Nr. 2122),

8 Ottonen

von

Mainz

und

Speier,

3 8 Regensburger

(10 Heinrich

 

1.)

8 Heinrich

11.

955-976),

2 Nabburger

(Heinrich

II.-976,

Otto),

2 Augsburger

(Ulrich)

und

1 Prager

von Boleslaw

1.

Die

Dirhems

gehen herunter

bis

zum Jahre

973,

 

etwas

tiefer

die

abendländischen,

denn Herzog

Otto

hat

sein Amt

im

Jahre

976 angetreten.

 
 

Aber

während

von

den seltneren

Wenden

wenigstens

doch einer anzutreffen

war,

fehlen

die

weit

häufigeren

Adelheids

ganz,

und

doch

soll nach Menadier

ihre Prägung

bereits

952 begonnen,

also (bis 976) mindestens

24 Jahre

gewährt

 

haben.

Wir

sehen

auch

hier

wieder

das bestätigt,

was S. 708-710

 

und

818

über

das Fehlen

der Adel-

heids

in

den

älteren

Funden

näher

ausgeführt

ist.

127) Nieder-Landin

II,

bei

Schwedt,

Reg.-Bez.

Frankfurt

a. 0.

 

[Etwa

9901

 

[Z.

f. Num.

XXIII,

 

88.1

 

Aelter,

aber

bedeutend

kleiner

als

der

früher

 

hier

entdeckte

Schatz

(S.

531

Nr.

79))

denn

er umfasst

nur

92,

im

Herbst

1900

ausgepflügte

ganze

 

nebst

einigen

zerbrochenen

Mtinzen,

und

zwar

von

Metz

(2 Theod.

 

I.),

Köln

 

(18 Ottonen),

 

Huy

(Otto III.),

Deventer

(2

Otto

111. Nr.

1258),

(25 Wenden

 

Nr.

1325,

1328),

Goslar (2 Adelheids),

Mainz (11 Ottonen),

Speier

Magdeburg (Otto 1. Nr.

825), Strassburg

(Erkambold),

Burkhard

II.z),

Augsburg

(Otto, Ulrich,

Heinrich),

Regensburg

 

(2 Heinrich

 

I.,

5 Hein-

rich

II.,

6

Otto,

4 Heinrich

III.),

Nabburg

(Heinrich

 

II.,

Otto,

2 Heinrich

III.),

Prag

(Biagota,

Boleslaw

Ir.),

England

(Eadgar),

Dänemark

(Halbbrakteaten),