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Pädagogik als Wissenschaft

Pädagogik (Syn. Erziehungswissenschaft) aus dem griechischem „Kinder erziehen“.


Ist die Wissenschaft von der Erziehung und Bildung in allen dafür geeigneten Bereichen der
Gesellschaft (z.B. Familie, Schule berufliche Ausbildung)

Aufgaben der Pädagogik:


- Beschreibung von Erziehungs-, Unterrichts- und Ausbildungsprozessen
- Interpretation der Programme und Theorien über Erziehung ihrer wissenschaftlichen,
politischen und sozialen Bedingungen.
- Erklärung der organisatorischen und zwischenmenschlichen Gestaltung von
Erziehungsprozessen und der Wirkung von Erziehung
- Klärung von Grundbegriffen und bildungstheoretische Analyse der gesellschaftlichen
Entwicklung
Erziehung
„Unter Erziehung werden Handlungen verstanden, die psychischen Dispositionen von
Menschen dauerhaft zu verbessern“
Erziehung beschreibt den Prozess, den Personen unter Anleitung durchlaufen, um Fähigkeiten
zu entwickeln, die sie zu vollwertigen Mitgliedern der Gemeinschaft machen.
Intentionale Erziehung  Bewusste Einflussnahme
Funktionale Erziehung  E. im Sinne von Sozialisierung
Extensionale Erziehung  Nebenläufige E. (Äußere Bedingungen werden geschaffen)
Erziehung ist…
- … beabsichtige Lernhilfe
- … zielgerichtet
- … soziales Handeln
- … soziale Interaktion
- … soziale Kommunikation
- … durch zwischenmenschliche und persönliche Beziehung gekennzeichnet
Grundarten des Verhaltens von Erziehern, die zu Änderungen von Verhaltensdispositionen
führen können.
- Worte (Lob, Anerkennung, Wissen)
- Mimischer Ausdruck
- Physischer Kontakt
- Verhalten des Erziehenden in der sozialen Interaktion mit anderen Personen

Platon  Erziehung als Ziehen


Petersen  Erziehung als Führung
Herbart  Erziehung als Regierung und Zucht (Reihenfolge!!! Regierung v. Eltern)
Rousseau  Erziehung als Wachsenlassen (Emile!!! Kinder sind keine kleinen
Erwachsenen. Kinder müssen geschützt werden
Skinner/Parson  Erziehung als Anpassung
Pestalozzi  Erziehen als Lebenshilfe (Nahbedürfnisse müssen befriedigt werden)
Bildung, Lernen, Lerntheorien

Bildung bedeutet umgangssprachlich den Prozess des Gebildetwerdens und das Endergebnis.
ABER, in der Pädagogik bedeutet Bildung die Persönlichkeitsentwicklung im Bewusstsein
seiner Verantwortung.

Bildung als…
- … Aneignung und Weiterentwicklung der Kulturgüter (kulturanthropologischer
Ansatz)
- … als Befähigung zum erfolgreichen Umgang mit der Welt (Lernziehltheoretischer
Ansatz)
- … als Arbeiten an Verhaltensweisen, die das Leben und Überleben als Individuum
und als soziales Wesen in einer Gesellschaft sichern (soziologischer Ansatz)

Lernen  Veränderung von Einstellungen und Verhaltensweisen aufgrund von Erfahrungen


 Ziel: Vergrößerung des Spielraumes angemessenen Handelns
 Erweiterung der Lern- und Handlungsfähigkeit wichtiger als Wissensanhäufung
Arten des Lernens (1) aus Erfahrung (2) durch Gewöhnung (3) Bewusstes Lernen
Lernarten
- Nach den inhaltlich bestimmten Fähigkeitsbereichen
- Nach Eigenart des Ablaufs, wie z.B. Trial and Error
- Nach der Entwicklung bestimmter Lernfähigkeiten wie z.B. „Wie kann man effektiv
lernen?“
Unterscheidung der Lernorte
- Primäre Lernorte (Schule, Institutionen)
- Sekundäre Lernorte (Museum)
- Temporäre Lernorte (Praktikum)

Wahrnehmung bezeichnet den Vorgang der Informationsaufnahme aufgrund äußerer, oder


intrapsychischer Reize.
Im Denkprozess wird die Wahrnehmung nach Kriterien der Gleichheit, Ähnlichkeit und
Unterschiedlichkeit geordnet.
Das Gedächtnis ist die Fähigkeit des Menschen, Informationen zu speichern und nach Bedarf
wiedergeben zu können.
Vergessen bezeichnet die Tatsache sich an Gelerntes nicht vollständig erinnern zu können.

Lerntheorie
- Behavioristische Lernmodelle (Pawlow, Skinner)
- Psychoanalytische Lernmodell (Freud)
- Imitationsmodell / Lernen am Modell (Bandura)
- Modell vom Lernen als Strukturierungsprozess (Piaget)
- Lernen durch Einsicht / Kognitives Lernen (Köhler, Wertheimer)
Behaviorismus (vom engl. Verhalten)
- von J.B. Watson 1913 begründete Forschungsrichtung der amerikanischen
Psychologie. Der Behaviorismus fordert, dass sich die Wissenschaft nur dem objektiv
beobachtbaren und messbaren Verhalten (behavior) von Lebewesen (Tier und
Mensch) unter wechselnden Umweltbedingungen, d.h. den Reaktionen des
Organismus auf Reize zuzuwenden habe, wobei als Mittel der Beschreibung nur der
naturwissenschaftliche Kategorienapparat erlaubt ist (nicht: Denken, Fühlen, Wollen
usw.).
- Klassische Konditionierung  Pawlow  Skinner  Watson
- Operantes Konditionieren  Einfluss von Verstärkung auf Verhalten
- Instrumentelles Konditionieren  Trial and Error

Vom Modelllernen spricht man dann, wenn man ein Vorbild nachgemacht oder mit dessen
Verhaltensrepertoire gelernt wird.

Bedingungen für das Modelllernen:


- Ähnlichkeit zwischen Modell und Beobachter
- Emotionale Beziehung zwischen Beobachter und Modell
- Konsequenzen des Verhaltens
- Stellvertretende Verstärkung
- Sozialer Status des Modells
- Soziale Macht des Modells
Zusammenfassung:
Lernen am Modell beschreibt den Prozess, in welchem eine Person, der Beobachter,
bestimmte Lebens- und Verhaltensweisen übernimmt, die sie bei einer anderen Person
beobachtet und es zu einer Verhaltensänderung kommt.
Lernen durch Einsicht:
… meint den Prozess, bei dem eine Person ein Problem denkend umstrukturiert und neu
organisiert und so Handlungsstrategien zu dessen Lösung herausfindet.

Sozialisation:
Prozess, in dessen Verlauf sich Menschen durch Auseinandersetzung mit den eigenen
physischen Gegebenheiten und Wechselwirkung mit der physikalischen, kulturellen und
sozialen Umwelt zur Persönlichkeit entwickelt
Gleich gewichtet steht hierbei der selbst geleistete Aufbau einer unverwechselbaren
personalen Identität und einer gesellschaftsbezogenen sozialen Identität in möglichst
bruchloser Wechselwirkung nebeneinander.

Phasen der Sozialisation


- Primäre Sozialisation
- Sekundäre Sozialisation
- Tertiäre Sozialisation

Struktur und Entwicklung der Persönlichkeit des Menschen nach Mead


- Me (ICH) = vereinbarte gesellschaftliche Erwartung
- I (ICH) = eigenes Bedürfnis- und Energiepotential
- Self = Selbstbild des Menschen aufgrund des Zusammenspiels von me und I
- Mind = reflexive Intelligenz des Menschen zur Kontrolle des Self
Rollen- oder systemtheoretischer Ansatz (Parson)
 Erkenntnisleitendes Interesse liegt im Phänomen des menschlichen Handelns in Bezug auf
seine Funktion für das gesamtgesellschaftliche System ( makrosoziale Erklärungsebene)
In Bezug auf symbolischen Interaktionismus (Mead), Operantes Konditionieren (Skinner) und
Theorie der psychosexuellen Entwicklung (Freud)
Von Freud übernahm Parson (1) den Aufbau der Person und (2) psychosexuelle Entwicklung
der Personenstruktur

Aspekte der Psychoanalyse nach Freud


Aufbau der Persönlichkeit nach Freud:
- Es
- Über-Ich
- Ich
Phasen der sexuellen Entwicklung

Parson ordnete jeder Phase von Freud bestimmte grundlegende Lernvorgänge zu, mit denen
erklärt werden kann:
1) auf welche Art und Weise sich der psychische Apparat strukturiert, differenziert und
organisiert
2) auf welche Art und Weise das Individuum ein handlungsfähiges Mitglied der Gesellschaft
wird.

1) Orale Phase
Lernleistung der Identifizierung und Generalisierung entscheident
- Aufbau der Ich-Formation
2) Anale Phase
Objektbesetzung
3) Ödipale Phase
Im hinzukommenden Prozess der Introjektion lernt das Kind

- Über- Ich tritt in Funktion


4) Latenzphase
Prozess mit einer Vielfalt neuer Objektwahlen
5) Phase der Adoleszenz und Geschlechtsreife
Zusammenfassung Sozialisation als Rollenlernen:
Parson nahm an:
… dass der Erwerb der Grundqualifikationen des Rollenhandelns mit den Psychosexuellen
Entwicklungsstufen im Sinne Freuds korrespondieret
… dass auf jeder Entwicklungsstufe das Repertoire von Rollenmustern auf spezifische Weise erweitert
wird.

Erziehung, Lernen, Sozialisation und Bildung hängen nach Hobmair (2009) folgendermaßen
zusammen:
Alltagsdiagnostik im Unterricht:

Pädagogische Diagnostik umfasst alle diagnostischen Tätigkeiten, durch die bei Lernenden
Voraussetzungen und Bedingungen planmäßiger Lehr- und Lernprozesse ermittelt, analysiert und
Lernergebnisse festgestellt werden, um das individuelle Lernen zu optimieren.

Funktionen der Schülerbewertung:


- Rückmeldefunktion für den Lehrer
- Rückmeldefunktion für den Schüler
- Berichtsfunktion
- Disziplinierungsfunktion
- Anreizfunktion
Objektivität (Unabhängig vom Messer)
Reliabilität (Zuverlässigkeit)
Validität (Gültigkeit)
Möglichkeiten des Lehrers zur Beurteilung des Verhaltens
- Gespräch
- Fragebogenerhebung
- Beobachtung
- Soziometrische Verfahren  Veranschaulichung der Beziehungen zwischen Gruppenmitgliedern
- ausgewählte Tests
Persönlichkeiten aus der Geschichte der Pädagogik

17. Jahrhundert
„Väter“ einer neuen Wissenschaft, der Didaktik
- Wolfgang Ratke (1571 – 1635)
- Jan Amos Comenius (1592 – 1670)
Comenuis
- Forderte lebensnahe, anschauliche Bildung + allgemeine Schulpflicht für alle – auch
für Mädchen.
- Menschen für lernfähig und lernbedürftig halten
- Mit Erziehung und Unterricht im frühen Lebensalter beginnen
- Methodischen Unterricht
- Realitätsbezug im Unterricht
- Im Land ein Netz von Schulen errichten
Verschiedene Arten von Schulen
- Mutterschule  Schule der Kindheit
- Muttersprachschule  Schule des Knabenalters
- Lateinschule (Gymnasium)  Schule der Jünglingszeit
- Akademie (Universität)  Schule für das beginnende Mannesalter
Die Schulen unterscheiden sich durch Komplexität und den Einzugsbereich
18./19. Jahrhundert
Johan Heinrich Pestalozzi (1746 – 1827) - Erziehung als Lebenhelfen
- Bildung für alle
- Wegbereiter der Volksschule und Lehrerbildung
Konzept der Industrieschule (= Ausbildung dem Stand (der Geburt nach) angemessen)
- Versorgung der Kinder mit dem, was zu einem befriedigenden Leben unerlässlich ist
- Gemeinschaft von Erzieher und Kind
- Unterricht in den Alltag eingebunden
- Verknüpfung von handwerklicher Bildung und Wissen
Aber Kinder sollten sich auch fortbilden können, sofern dies möglich war
Idee der Elemtenarbildung
- Drei Wesensmerkmale eines Menschen: Kopf, Herz und Hand
- Versuch, die grundlegenden Elemente jeder Erkenntnis ausfindig zu machen und
methodisch zu Vermitteln
20. Jahrhundert
Janusz Korczak (1878 – 1942)
Das Recht des Kindes auf Achtung
- Achtung als wechselseitiger Vorgang: Respektierung des Kindes von Seiten des
Erwachsenen lehrt das Kind, andere Menschen zu achten.
 Recht des Kindes auf seinen Tod
 Recht des Kindes auf den heutigen Tag
 Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist
- Setzt voraus, dass Erwachsene das Kind ernst nehmen
- Kind nicht Spiegelbild der Erwachsenen  Möglichkeit geben eigene Wege zu gehen
- Aufforderung, im Kind mehr als „nur“ das Schulkind zu sehen
Gemeinschafts- versus Individualpädagogik
- Wie ist es möglich, in einer Gemeinschaft zu leben, ohne von ihr geschluckt zu
werden?
- Kann es Gemeinschaften ohne den Druck des Kollektivs geben?
- Idee: Individualpädagogik, die das Leben des Einzelnen als höchstes Gut fördert und
schützt
Korczak schuf deshalb Einrichtungen, die den Einzelnen vor dem Druck der Gruppe schützen
sollten.
- Das schwarze Brett
- Eine Zeitung
- Das Kameradschaftsgericht
- Das Kinderparlament
Traditionelle Pädagogik
Drei Fragestellungen der traditionellen Pädagogik (Seit 1920 eigenständige Wissenschaft,
vorher Teil der Philosophie)
1) Theorie der Erziehung (Erziehungslehre)
- Theorie der erzieherischen Erfahrung und der Gestaltung pädagogischer Situationen
- Vertreter z.B. Rousseau, Schleiermacher
2) Theorie der Bildung
- Theorie der Aufgaben und der Sinnbestimmung der Erziehung
- Vertreter z.B. Herbart
3) Theorie der Pädagogik
- Analyse der Bedingungen der Möglichkeit einer praktischen Wissenschaft von der und
für die Erziehung.
- Vertreter z.B. Kant
Rousseau – Erziehung als Wachsenlassen
„Tut das Gegenteil vom üblichen und ihr werdet fast immer das Richtige tun.“ Aus: Emile
oder über die Erziehung
Rousseau unterscheidet drei aufeinander verweisende Erziehungsarten oder Prinzipien des
Erziehens.
Negative Erziehung
 fordert vom Erzieher, dass dieser ein kluges und lernbegünstigendes Arrangement
zwischen Kind und Natur, Kind und Menschen sowie Kind und Sache zu
bewerkstelligen hat.
 auf diese Weise sollen Naturkräfte im Kind geweckt und verstärkt werden.
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher
Dialektische Theorie der Erziehung
Theorie der Erziehung soll auf der „Grundlage des Verhältnisses der älteren zur jüngeren
Generation“ aufbauen und eine Anleitung dafür geben, „was der einen in Beziehung auf die
andere obliegt“
Im Gegensatz zu Rousseau leitet Schleiermacher seine Erziehungswirklichkeit nicht an fiktive
Erziehungssituationen, sondern tatsächliche Verhältnisse.  dialektische Heuristik
Johann Friedrich Herbart – Erziehung als Regierung (Eltern) und Zucht (Schule)
- Grundbegriff ist die dem Menschen eigene „Bildsamkeit“
- Aufgabe der Erziehung: Sittliche Selbstbestimmung
- Unterricht soll vielseitige Interessen wecken. „Vielwissen“ nicht das Ziel
„Bildsamkeit“ bezeichnet einen natürlich-empirischen Zustand des Aufwachsens, der
erzieherischer Hilfe bedarf.
„Der Wert des Menschen liegt nicht im Wissen, sondern im Wollen.“
 Idee des „erziehenden Unterrichts“, der Formalstufen durchläuft, um über den
„Gedankenkreis“ Gesinnungen und Charaktere zu bilden.
 Zur Erziehung gehören „Regierung“, „Zucht“ und „Unterricht“
Gliederung des Unterrichtsablaufs
- Vertiefung
 Klarheit
 Assoziation
- Besinnung
 System
 Methode
Immanuel Kant – Theorie der Pädagogik
„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“
Vernunft als Leitbegriff der Aufklärung.
Wie kann Vernunft praktisch werden?
- Öffentlicher Vernunftgebrauch
- Praktischwerden durch Erziehung
Bedeutung der Erziehung
- Ergibt sich aus der aufklärerischen Überzeugung, der Mensch sei perfektibel
- Resultiert zum anderen aus der Überzeugung, die Welt lasse sich so einrichten, dass
der Anspruch des Menschen auf Glück für alle realisiert werden könne
- Deutsche Aufklärung ist überzeugt von der Allmacht der Erziehung
Theoretische Strömungen der Erziehungswissenschaft
Geisteswissenschaftliche Pädagogik
Pädagogik wird als Geisteswissenschaft definiert, die es mit Menschen zu tun hat, die als
solche mit ihrem Tun einen Sinn verbinden.
Zentrale Auffassung:
Der Mensch reagiert nicht einfach auf äußere Einflüsse, sondern er verfolgt Ziele, hat
Empfindungen, Erwartungen, Befürchtungen usw.
Um menschliches Tun zu erfassen, sind damit naturwissenschaftliche Verfahren nicht
ausreichend, sondern menschliches Tun ist zunächst zu „verstehen“, wofür eigene, sog.
hermeneutische Verfahren erforderlich sind.
Wilhelm Dilthey gilt als Begründer der neuen Geisteswissenschaft
- Verstehen als zentrale Methode und Erkenntnisziel der Geisteswissenschaft
 „Die Natur erklären wir, das Seelenleben verstehen wir.“
- Lebensphilosophie
- Durchgehende Geschichtlichkeit der menschlichen Wirklichkeit
Charakteristische Merkmale der geisteswissenschaftlichen Pädagogik:
- Ausgangspunkt von der Historizität der Erziehungswirklichkeit und von der
Hermeneutik
- Betonung des pädagogischen Verhältnisses (zwischen Erzieher u. Zögling)
- Verzicht auf theoretische Norminierungen
- Kulturpädagogisches Programm
Wissenschaftstheoretische Grundannahmen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik
- Theorie-Praxis-Verhältnis
- Geschichtlichkeit und Hermeneutik
- Relative Eigenständigkeit der Erziehung in Theorie und Praxis
Methoden geisteswissenschaftlicher Pädagogik
- Hermeneutik  Kunst der Auslegung von Texten  Verstehen
- Phänomenologie  Interpretation
- Dialektik
Inhaltliche Grundfragen der geisteswissenschaftlichen Pädagogik
- Bildung und Kultur  Wie kann man Menschen dazu bringen, sich kulturell zu
engagieren?
- Der pädagogische Bezug und die Rolle des Erziehers  Vertrauen zwischen Erzieher
und Zögling; Höchstes Ziel, dass der Erzieher überflüssig wird  Selbsterziehung
Zusammenfassung: geisteswissenschaftliche Pädagogik
- Nicht die Welt erklären, sondern verstehen
- Theorie wird aus der Praxis gewonnen
- Pädagogische Institutionen sind geschichtlich geprägt
- Begründung der Pädagogik als autonome Wissenschaft
Pädagogik als Wissenschaft erarbeitet zentrale Begriffe wie Erziehung, Bildung, etc.
Empirische Erziehungswissenschaft

John Locke – Forderung, Wissenschaft sowie vernunftgemäße Erziehung auf Erfahrung zu


gründen
Ernst Christian Trapp - Theorie der Erziehung auf der Grundlage der planmäßigen und
sorgfältigen Beobachtung der Entwicklung des Kindes.
Empirische Erziehungswissenschaft ist dadurch gekennzeichnet, dass das
Wissenschaftskonzept der Naturwissenschaften auf Erziehung übertragen wird.
Deskriptive Pädagogik:

Kritisch-rationale Erziehungswissenschaft:

Zusammenfassung:
- Bevorzugung empirischer Denkweisen (an der Erfahrung orientiert)
- Betonung von Theorie vor Praxis
- Entwicklung von Forschungsmethoden als Zugang zur Wirklichkeit
Kritische Erziehungswissenschaft
Wissenschaftsverständnis: Ewi als handlungsorientierte Erziehungstheorie und angewandte
Sozialwissenschaft mit Praxisbeeinflussung.
Erkenntnisgegenstand: Erziehung als Funktion und Faktor gesellschaftlicher, ökonomischer
und politischer Verhältnisse. Der Mensch als Subjekt im Erziehungsprozess.
Ziele:
- Mündigkeit
- Aufbau kritischen Potentials
- Mitbestimmung als Prinzip der Erziehung
- Chancengleichheit im Bildungswesen
Vertreter: Mollenhauer, Blankertz, Klafki

Weitere Forschungsmethoden:
- Ideologiekritik
- Pädagogische Handlungsforschung
Prinzipien/Grundlagen/Positionen Kritischer Erziehungswissenschaft
- Erziehung als kommunikatives Handeln  Verständigung über Erziehungsziele
zwischen Erwachsenem und Kind
- Ziel: Emanzipation des Menschen
- Berücksichtigung gesellschaftlicher und ökonomischer Aspekte
- Verhältnis zur Politik. Kritik an gesellschaftlichen Verhältnissen
- Gleichrangigkeit von Theorie und Praxis
Arbeitsfelder der Erziehungswissenschaft
- Familienhilfe
- Schule
- Berufsbildung
- Öffentliche Kindererziehung
- Kinder- und Jugendarbeit
- Erwachsenenbildung
- Medien- und Kulturpädagogik
- Soziale Randgruppenarbeit
- Interkulturelle Arbeit
Kennzeichen moderner Kindheit
1) Emotionalisierung
2) Destabilisierung
3) Egalisierung  Gleichheitsprinzip
4) Isolierung
5) Verhäuslichung
6) Verinselung
7) Institutionalisierung
8) Pädagogisierung
Bsp. Verinselung

1) Noch nie ging es Kindern und Jugendlichen so gut wie heute!


2) Die Bedingungen des Aufwachsens haben sich deutlich verändert.
Kinder heute…
- … sind zumeist gewünscht
- … sind häufiger Einzelkinder
- … verbringen mehr Zeit in pädagogischen Einrichtungen
- … sind den Medien stärker ausgesetzt
- … leben häufig in Ballungsräumen
Familie (lat. = Hausgemeinschaft)
- Früher Lebens-, Produktions- und Erwerbsgemeinschaft
- Aufgaben: Erziehung, Ausbildung, Gesunderhaltung, Altersvorsorge
- Industrialisierung führte zur Trennung von Wohn- und Arbeitsplatz
- Wechsel von Groß- zur Kernfamilie

Rolle der Familie in der normalen Entwicklung von Kindern


- Enge Bindung führt zu angepasster Entwicklung
- Mangelnde Aufsicht führt zu Risikoverhalten
- Wenn Peers Problemverhalten aufzeigen, erhöht sich das Risiko
Risikofaktoren der elterlichen Erziehungskompetenz sind:
- Frühes Alter der Mutter
- Niedriges Bildungsniveau
- Geringes Selbstwertgefühl
- Niedrige Intelligenz
- Niedriges Einkommen
- Fehlender Partner
- Große Kinderzahl
- Schwieriges kindliches Temperament
Risikofaktoren kindlicher Entwicklung
- Niedriger Sozialstatus der Eltern
- Chronische Disharmonie der Eltern
- Verminderte Verfügbarkeit der Bezugsperson
- Chronische Vernachlässigung
- Gewalt
Symptome in Multiproblemfamilien
- Beziehungskonflikte, die teilweise mit Gewaltexzessen verbunden sind
- Suchtverhalten
- Psychische Probleme und psychosomatische Störungen
- Extreme Entwicklungsrückstände der Kinder
- Kindesvernachlässigung und -misshandlung
- Arbeitslosigkeit
- Wohnungs- und Mietprobleme
- Verschuldung
Prinzipien der Kinder- und Jugendhilfe
- Erziehung als Recht des Kindes und Pflicht der Eltern
- Vielfalt der Angebote
- Subsidiaritätsprinzip
Hilfen für Kinder in Not
„Kindesmisshandlungwird nach Strafgesetzbuch die körperliche und/oder seelische Gewalt
gegenüber Kindern und Jugendlichen genannt; sie ist als Misshandlung Schutzbefohlener
strafbar. In das Begriffsverständnis einbezogen sind auch sexuelle Vergehen gegen Kinder
und Jugendliche sowie Vernachlässigung und Verwahrlosung.“

Vernachlässigung bzw. Verwahrlosung


- Begriff für alle Zustände, in denen wesentliche Bedürfnisse der körperlichen und
seelischen Entwicklung des Kindes nicht befriedigt werden
- Umfasst Entbehrungen hinsichtlich Ernährung, Kleidung und Unterkunft
Symptome bei Vernachlässigung
- Aggressivität
- Gestörtes Verhalten gegenüber Gleichaltrigen
- Spezielles Verhalten gegenüber Erziehern
Symptome bei häuslicher Gewalt
- .
- .
- .
- .
Inklusive Pädagogik –Geschichte, Aufgaben und Umsetzung
Von der Segregation Behinderter zur Inklusion
- Ab 1860 der Begriff der Heilpädagogik
- Ab Ende 19. Jhd.: Aussonderung langsamer Kinder aus normalen Klassen und
Zusammenfassen in Übungsklassen
- Beginn 20 Jhd.:
 Bildung erster Klassen für Blinde, Stumme, Taube
 Krankenhausschulen für Kinder mit medizinischer Langzeitbehandlung
 Sonderpädagogik wird gegründet
Seit 1920 war das deutsche Schulsystem an der homogenen Lerngruppe orientiert
 Dreigliedriges Schulsystem
Nationalsozialistische Rassenhygiene
 Einteilung in nützlich und schädlich, in lebenswert und lebensunwert
 Euthanasie
Von der Segregation zur Inklusion
- Seit 1960er: zunehmende Initiativen von Behinderten und ihren Eltern
 Forderung nach Chancengleichheit
- Seit 1970er: verstärktes Bestreben zur Integration Behinderter in Regelschulen
Sonderpädagogischer Förderbedarf liegt bei Kindern und Jugendlichen vor, die in ihren
Bildungs-, Entwicklungs-und Lernmöglichkeiten so beeinträchtigt sind, dass sie im
Unterricht der allgemeinbildenden Schulen ohne sonderpädagogische Unterstützung nicht
hinreichend gefördert werden können.
Dimensionen v. Inklusion
- K. mit sonderpädagogischen Förderbedarf
- K. mit Migrationshintergrund
- Flüchtlinge (Traumata)
- K. von Alleinerziehenden
- Hochbegabte
Handlungsebenen inklusiver Pädagogik
- Institutionelle Ebene

- Professionelle Ebene

- Relationale Ebene

- Didaktische Ebene

- Bildungspolitische Ebene

Inklusiver Unterricht bedeutet, dass alle Kinder einer ungeteilten Lerngruppe sich allgemeine
Bildung nach individuellen Vermögen und Bedürfnissen Aneignen können und zwar mit
aktiver Unterstützung von kooperierenden Pädagogen und sozialen Netzwerken.
Rahmenbedingungen gemeinsamen Lernens
- Vernünftige Klassengröße
- Kluge Klassenzusammensetzung
- Vermeidung von Einzelintegration
- Dokumentation der Förderarbeit
- Kurzfristige Beratung, Fortbildung und Unterstützung
In Bezug auf den Unterricht sind Integration und Inklusion identisch
Eine Inklusive Schule braucht…
- Akzeptierende Kinder und Familien
- Unterstützende Schuleinrichtungen
Zentrale Frage
- Wie kann eine Lehrkraft eine Gruppe von unterschiedlichen Schülern zeitgleich
unterrichten, ohne die Bedürfnisse des Einzelnen zu vernachlässigen.
 Mehr-Pädagogen-System
 Indirekter Unterricht
 Defensiver Unterrichtsstil
Hindernisse auf dem Weg zur Inklusion
- Kollegium empfindet sie als „von oben ausgezwungen“
- „Inklusionskinder“ werden als gesonderte Gruppe gesehen und behandelt
- Zusammensetzung der Gruppen problematisch
 Konflikte
- Leistungsdruck und Angst
- Bewertung wird der Unterschiedlichkeit nicht gerecht
- Ressourcen stimmen nicht (Inklusion zum „Spartarif“)
- Rahmenbedingungen für individuelle Förderung stimmen nicht
Inklusion: Behinderte und chronisch kranke Kinder und
Jugendliche
Es gelten „als behindert im erziehungswissenschaftlichen Sinne alle Kinder, Jugendliche und
Erwachsene, die in ihrem Lernen, sozialen Fähigkeiten, in der sprachlichen Kommunikation
und in den psychomotorischen Fähigkeiten soweit beeinträchtigt sind, dass ihre Teilhabe am
Leben der Gesellschaft wesentlich erschwert ist. Deshalb bedürfen sie besonderer
pädagogischer Förderung.

Eigenschaften, die die schulische Leistung Hörgeschädigter beeinflussen:


- Grad der Schädigung
- Alter beim Eintreten der Hörschädigung
- Krankheitsursache
- Bestehen zusätzlicher Behinderungen
- Intelligenz
- Elterliche Merkmale wie Anteilnahme, Annahme des Kindes
Schulische Voraussetzungen
- Wie muss der Unterricht gestaltet werden
- Wie müssen sich Lehrer verhalten
- Räumliche Bedingungen
- Organisatorische Voraussetzungen
- Methodisch-didaktische Hinweise
Die guthörende Lehrkraft soll
- Dein Einsatz und die Fähigkeit der Hörtechnik überprüfen
- Gut akzentuiert sprechen
- Nicht schreien
- Dem hörgeschädigten das Gesicht zuwenden
- Vor Gesprächen Blickkontakt aufnehmen
- Übersichtliche Sätze formulieren
- Unverstandenes geduldig wiederholen
- Wichtige Mitteilungen schriftlich anbieten
- Hörförderndes Verhalten zeigen
Nachteilsausgleich
- Es darf kein Nachteil aufgrund der Situation entstehen

Gesundheit unserer Kinder und Jugendlicher


- 80% normal, 20% zeigen Auffälligkeiten
Chronische Krankheiten = „langsam entstehende und/oder lang (oft lebenslang) andauernde
gesundheitliche Beeinträchtigung oder Störung, die zwar medizinisch behandelbar, jedoch in
der Regel nicht heilbar ist.
1) Chronisch somatische Krankheiten
z.B. Allergien, Asthma, Krebs, etc.
2) Chronisch psychische Krankheiten
z.B. Angststörungen, Depressionen

Sitzung 12!!!
Inklusion von Flüchtlingskindern

Vulnerabilität
- Kennzeichnet die Verwundbarkeit einer Person gegenüber äußeren Einflussfaktoren.
Salutogenese (Antonovsky)
- Kohärenzgefühl, die Fähigkeit vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit
und ihres Wohlbefindens zu nutzen
 Gefühl von Verstehbarkeit des Erlebten
 Gefühl der Bewältigbarkeit. Die Überzeugung Schwierigkeiten sind Lösbar
 Gefühl von Bedeutsamkeit. Leben ist sinnvoll
- Entwickelt sich im Jugendalter
Resilienz
- psychische Widerstandsfähigkeit von Kindern gegenüber biologischen,
psychologischen und psychosozialen Entwicklungsrisiken
Einem psychisch widerstandsfähigen Kind gelingt es, Entwicklungs-risiken weitestgehend
zu vermindern oder zu kompensieren, negative Einflüsse auszugleichen und sich
gleichzeitig gesundheitsförderliche bzw. bewältigungsrelevante Kompetenzen anzueignen.
- Resilienz ist nicht angeboren
- Keine ewige Fähigkeit, sondern variiert Phasenhaft
- Wurzel liegt im Individuum und in seiner Umwelt
Merkmale resilienter Kinder sind
- Hohe Sozialkompetenz
- Hohe Selbstregulation
- Frühere Entwicklung eines Wir-Gefühls
Protektive Faktoren beugen Problemverhalten vor
- Disposition des Kindes
 guter allgemeiner Zustand, Talente, Intelligenz
- Familiäres Milleu
 sichere Bindung zu Bezugspersonen, Erziehungsklima
- Außerfamiliäre soziale Umwelt
 Schule, Freundschaften, Vereine
Situation von Flüchtlingskindern im Klassenzimmer
- Sprachlosigkeit
- Fremdheit
- Extreme Heterogenität
- Traumata
- Isolation