Sie sind auf Seite 1von 6

SchülerInnen mit besonderem

Unterstützungsbedarf am Gymnasium

Themen:
1. Jugend heute
2. Kinder alkoholkranker und körperlich kranker Eltern
3. Depressionen, Selbstverletzendes Verhalten und Suizidalität

Problematisierung des Begriffs „auffällige SchülerInnen“:


 Auch begabte Kinder sind „auffällig“
 „SuS mit Verhaltensstörung“ stigmatisiert und schließt Auffälligkeiten aus, die sich
nicht in einem störenden Verhalten zeigen
 „children deserving special care“  „SuS, denen eine spezielle Fürsorge zukommen
sollte“ oder „SchülerInnen mit besonderem Unterstützungsbedarf“

JUGEND HEUTE
Die Shell-Jugendstudie ist eine empirische Untersuchung, die Einstellungen, Werte,
Gewohnheiten und das Sozialverhalten von Jugendlichen untersucht. Die Studie wird seit
1953 herausgegeben und gilt als Referenzwerk in Fachkreisen. Die Studie wird alle vier Jahre
durchgeführt (seit 2002 von der Universität Bielefeld). Sie besteht aus einer
Repräsentativerhebung von 12 bis 25-jährigen und 20 biographischen Portraits.

Ergebnisse der Studie von 2015 (17. Shell Jugendstudie):

 Übergang von der Generation Y (pragmatische, sondierende Haltung + große


Zukunftssorgen) zur Generation R (selbstbewusster, „relaxter“)
 Steigendes politisches Interesse, aber ausgeprägte Systemverdrossenheit und
Misstrauen gegenüber Parteien
o Siehe Artikel 13, Friday for Future
 Grundsätzlich positive Beurteilung der Lage und Zukunft der Gesellschaft
o Allerdings abhängig von sozialer Schicht
o Sozial niedrigsten Schichten fühlen sich abgehängt
 Respekt vor anderen Kulturen und Traditionen, Anerkennung der Vielfalt des
Menschen und Bewusstsein für Umwelt und Gesundheit
 Position Deutschlands wird als stark beurteilt, allerdings wird kein Anlass gesehen,
dass sich Deutschland in die Konflikte der Welt zu stark einmischt
 Sorge im Hinblick auf internationale Beziehung: Terroranschläge, Krieg in Europa
o Keine Angst vor Flüchtlingen, aber vor dem daraus resultierenden
Fremdenhass
 Berufstätigkeit wird mit dem Wunsch nach Sicherheit und persönlicher Erfüllung
verknüpft.
KINDER ALKOHOLKRANKER UND KÖRPERLICH
KRANKER ELTERN

 Ca. 2,65 Millionen Kinder und Jugendliche betroffen


o  Jedes siebte Kind
o 6,6 Millionen inklusive Risikoverhalten
 Kinder suchtkranker Eltern haben eine erhöhte Prävalenz, selbst eine
Suchterkrankung zu entwickeln  Greifswalder Familienstudie
o Diese Kinder sind besonderes Ziel der Suchtprävantion
o Allerdings keine eindeutigen Befunde
o Viele Kinder auch sehr gute Regulationsmechanismen

Folgen von Suchterkrankungen der Eltern für die Kinder:


 Nachteilige soziodemografische Bedingungen
 Soziale Ausgrenzung
 Vernachlässigung
 Instabiles Erziehungsverhalten und wenig Verlässlichkeit
 Unsichere Bindung
 Trennung von den Eltern, Fremdunterbringung
 Parentifizierung der Kinder
 Konflikte, Aggressivität und Gewalt in der Familie
 Psychische Erkrankungen der Kinder

Umgang mit SuS in der Schule:


 Oftmals keine klaren Verhaltensweisen
o Viele unterschiedliche Ausprägungen
o Verhalten erst im Kontext der Suchterkrankung der Eltern nachvollziehbar
 Unterschiedliche Ausprägung der Sucht
 Spiegeltrinker  Erfolgreich im Leben, ABER Angst davor, dass
das Geheimnis rauskommt
Anzeichen, ob ein Kind in suchtbelasteten Familien aufwächst
 Auffälliges Sozialverhalten
 Frühreifes Verhalten  Parentifizierung
 Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Angstzustände, Depressionen
 Vermeidung von sozialen Kontakten (Isolierung)
 Unkonzentriertheit
 Intelligenzminderung
 Nachlassen von Leistung
DEPRESSIONEN, NSSV UND SUIZIDALITÄT

Selbstverletzendes Verhalten:
 Genaue Bezeichnung „Nicht Suizidales Selbstverletzendes Verhalten“
 Kann Symptom verschiedener Störungsbilder sein
 Abgrenzung zur Suizidalität durch fehlende Tötungsabsicht
o Kann sogar Coping-Mechanismus sein
 Selbstverletzendes Verhalten ist die bewusste Verletzung des eigenen Körpers,
welche gesellschaftlich nicht akzeptiert ist. (Schließt also Piercings und Tattoos aus)
Es kann sich dabei um ein Symptom verschiedener Störungsbilder handeln
(Essstörung, geistige Behinderung, Zwangs- oder Borderline-
Persönlichkeitsstörungen)
 Kann sich gegen den ganzen Körper richten
o Extremitäten häufiger betroffen als der Torso
o Reicht von leichten Schnitten, bis zu Amputation
o Je doller, desto seltener
 Heidelberger Schulstudie 4% regelmäßig 11% gelegentlich in Deutschland
o Deutschland liegt damit über dem int. Vergleich
o Problem der Erhebung: leichteste Formen werden gezählt + Selbstauskunft
o Mädchen doppelt bis dreifach so häufig betroffen
o Weiblich + Jugendlich = Hauptrisikogruppe
o Mädchen häufiger von psychischen Störungen betroffen, wo NSSV ein
Symptom ist
o Mehr Fälle an Haupt-und Realschulen
 Soziodemographische Korrelation
 Geringer Intelligenz = Geringere Problemlöse- und
Kommunikationskompetenz
 ABER auch Möglichkeit, dass SuS mit emotionalen und/oder familiären
Problemen weniger Kapazitäten für schulisches Lernen haben
 Sieben Funktionen des selbstverletzenden Verhaltens (Fegert 2012)
o Affektregulation
o Anti-Dissoziation
o Anti-Suizid-Funktion
o Funktion der interpersonellen Beziehung
o Funktion zur interpersonellen Beeinflussung
o Selbstbestrafung
o Sensation-Seeking
 NSSV  dysfunktionale Problemlösestrategie
o Ursache sind Traumata, welche eine gestörte Körperwahrnehmung und
Persönlichkeitsentwicklung begünstigen

UMGANG MIT BETROFFENEN SUS


 Eltern und Schulpsychologen heranziehen
o NSSV kann auf Suizidgefährdung hindeuten
o Entwicklung von funktionalen Problemlösestrategien
o Vermeidung von Scham durch Aufklärung
o Lehrer nimmt zentrale Funktion ein
 Vertrauensbasis, die ein Herantreten ermöglicht
 Vereinbarung der Meta-Kommunikation in akuten Phasen
 Festlegung von Regeln und Sanktionen
 Bestrafung von Verhalten und nicht Personen

Depressionen:
 1-2% der Kinder bis 12. Jahren betroffen
 Ab dem 12. Lebensjahr treten Depressionen häufiger auf
o Mädchen häufiger betroffen (2x)
 Jeder 10. Jugendliche hat bis zur Volljährigkeit eine depressive Episode durchlaufen
 Symptome werden häufig als Faulheit oder „pubertäres Verhalten“ Interpretiert