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Deutsch B2·C1 Medizin

Ein ungeduldiger Patient

Hörtext
Ärztin: Herr Lange? Guten Abend, mein Name auf der Straße, ohne Warnschilder, da überlege
ist Dr. Bettina Richter. Sie haben bei der Aufnah- ich mir auch noch … Na ja, lassen wir das. Je-
me Schmerzen im linken Schulterbereich nach denfalls habe ich seither starke Schmerzen da
einem Sturz angegeben. Was ist denn passiert? oben, in der linken Schulter, eher so vorne rum.
Patient: Na, ich bin mit dem Rad gestürzt, das Ärztin: Dann werde ich mir das jetzt ansehen.
habe ich doch schon alles dem Pfleger bei der Ihr Shirt können Sie wohl nicht ausziehen?
Aufnahme erzählt. Ich dachte, ich sei hier in einer
Patient: Nein, wie soll das gehen, ich habe
Notaufnahme, und nun warte ich schon fast zwei
Ihnen doch gesagt, dass ich starke Schmerzen
Stunden. Das müsste doch schneller gehen; bei
habe!
einem Unfall erwarte ich mir prompte Hilfe, das
steht uns Patienten doch wohl zu … Ärztin: Dann werde ich das Shirt aufschneiden.
Ärztin: Herr Lange, wir tun wirklich unser Bes- Patient: Was, aufschneiden?
tes, um alle Patientinnen und Patienten mög- Ärztin: Herr Lange, das Shirt ist am Ärmel und
lichst rasch und gut zu versorgen. Aber ab 13.00 auch hinten ganz zerrissen, Sie werden es ohne-
Uhr ist dies nun einmal eine Notfallambulanz, die hin nicht mehr tragen können. Ich muss mir Ihre
nur mit zwei diensthabenden Ärzten besetzt ist, Schulter schon anschauen, wenn ich Ihnen hel-
davon ein Oberarzt, der immer wieder auch in fen soll.
den OP muss, um Notfalloperationen durch-
zuführen. Da kann es halt schon einmal länger Patient: Na, wenn es sein muss.
dauern. Ärztin: So, jetzt können wir das Shirt wegtun.
Patient: Und warum müssen wir Patienten Ist Ihnen diese Bewegung möglich?
darunter leiden, dass Ihre Notaufnahme unter- Patient: Au, passen Sie doch auf! Sie haben
besetzt ist? Wir zahlen doch alle genug in die wohl nicht viel Erfahrung, was? Wo ist denn der
Krankenkasse ein, da dürfen wir doch wohl eine Oberarzt?
ordentliche Versorgung erwarten. Was machen
Ärztin: Der Herr Oberarzt ist im OP. Sie werden
die denn mit dem ganzen Geld? Man fragt sich
schon mit mir vorlieb nehmen müssen. Atmen
doch …
Sie doch bitte einmal ganz tief ein. Tut das weh?
Ärztin: Herr Lange, das ist eine Frage, die wir
Patient: Nein. Warum sollte das denn auch
beide heute Abend wohl nicht lösen werden.
wehtun?
Kommen wir doch lieber zurück zu Ihrem Pro-
blem. Bitte erzählen Sie mir doch genau, was Ärztin: Ich weiß schon, warum ich das frage.
passiert ist. Haben Sie denn sonst noch Schmerzen? Ich
sehe, dass Sie Schürfwunden vorne auf den Un-
Patient: Ich bin mit meinem Mountainbike den
terschenkeln haben. Lassen Sie mich doch bitte
Berg runter, ziemlich schnell, und da habe ich
Ihre Beine ansehen.
mich überschlagen. Es lag plötzlich frischer Kies

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Patient: Ja, das tut auch ordentlich weh, das ten? Das hätte doch auch schon längst gemacht
können Sie sich ja denken. werden können.
Ärztin: Herr Lange, ich werde zunächst ein- Ärztin: Was glauben Sie denn, wir können doch
mal diese Wunden reinigen und versorgen. An- nicht jede Patientin und jeden Patienten auf Ver-
schließend werde ich Sie zum Röntgen schi- dacht zum Röntgen schicken. Das kann sich
cken. Sie haben sich sehr wahrscheinlich das unser Gesundheitssystem wirklich nicht leisten.
Schlüsselbein gebrochen. Um die Diagnose ab- Vielleicht sollten Sie sich in Zukunft an eine Pri-
zusichern, müssen wir eine Aufnahme machen. vatklinik wenden, wenn Sie Hilfe brauchen.
Patient: Was, auch noch zum Röntgen? Und
da kann ich wohl wieder herumsitzen und war-

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