Sie sind auf Seite 1von 9

Warum archäologische Gegenstände keine „Funde“ sein dürfen

– Die Verwaltungsvorschrift zu § 17 Schatzregal DSchG NRW

Christian Fuchs

Zusammenfassung – Nordrhein-Westfalen hat mit der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes (DSchG NRW) am 16. Juli 2013
als eines der letzten Bundesländer ein Schatzregal für archäologische Gegenstände eingeführt und dabei auch den unbestimmten
Rechtsbegriff „Funde“. Die Verwaltungsvorschrift zur Ausführung des Gesetzes zum Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande
Nordrhein-Westfalen (VV zum DSchG) vom 11.4.2014 erläutert näher, welche archäologischen Gegenstände als „Funde“ angesprochen
werden. Danach gelten fortan nur noch archäologische Gegenstände aus wissenschaftlichen Grabungen als bewegliche Bodendenkmäler.
Archäologische Lese- und Detektorfunde hingegen sind grundsätzlich „Funde“ in Sinne von § 17 DSchG NRW ohne Denkmaleigenschaft;
neu werden nun nur noch „Funde von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung“ vom DSchG erfasst. Demnach hätte Nordrhein-
Westfalen ein uneingeschränktes Schatzregal für bewegliche Denkmäler und archäologische Gegenstände aus Grabungen geschaffen
und zugleich ein stark eingeschränktes Schatzregal für archäologische Lese- und Detektorfunde. Diese Regelung hat sehr weitreichende
Folgen, da Lesefunde nun nicht mehr von den Fachämtern registriert werden müssen; ihre Kenntnis geht damit der Wissenschaft verloren
und ihre Fundstellen bleiben ohne gesetzlichen Schutz. Damit verstoßen die Ausführungsbestimmungen gegen fachliche Ethik und die
europäische Konvention von La Valletta/Malta.

Schlüsselwörter – Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen, DSchG NRW, VV zum DSchG NRW, Schatzregal, Konvention von La
Valletta/Malta; Fund; Detektorfunde, bewegliches Bodendenkmal

Abstract – North-Rhine Westphalia’s amendment of its Heritage Protection Act (DSchG NRW) on 16 July 2013 made it one of the
last federal states to introduce the term treasure trove for archaeological objects and thus the vague legal term “finds” as well. The
Administrative Ordinance to implement the Act for the preservation of historic buildings and monuments in the German federal state
of North-Rhine Westphalia (VV for the DSchG) of 11 April 2014 explains in more detail which archaeological objects are designated as
“finds”. It states that, from now on, only archaeological objects from scientific digs are deemed to be portable archaeological monuments.
Archaeological stray finds and detector finds, on the other hand, are always “finds” pursuant to Sect. 17 DSchG NRW without monument
character; what is new is that only “finds of special scientific significance” are now covered by the DSchG. This means that North-Rhine
Westphalia has created an unlimited treasure trove for portable archaeological heritage and archaeological objects from digs, and at the
same time a greatly restricted treasure trove for archaeological stray finds and detector finds. This provision has extremely far-reaching
consequences, since stray finds now no longer have to be registered by the specialist authorities; researchers will no longer be aware
of them, and the sites of their discovery remain without legal protection. The implementation regulations thus contravene archaeological
ethics and the European Valetta Treaty/Malta Convention.

Key words – North-Rhine Westphalia, Heritage Protection Act, treasure trove, detector finds, portable archaeological monuments

Einleitung Der Archäologische Verein Niederrhein ist ein


Zusammenschluss von sog. Privatsammlern. Al-
Ausgrabungen sind die wichtigste Quelle der len Mitgliedern gemeinsam ist ihr großes Enga-
Archäologie. Daneben liefert aber auch die Ar- gement für die Archäologie. Die meisten Vereins-
beit archäologisch interessierter Laien wichtige mitglieder sind aktive Feldbegeher, die teilweise
Erkenntnisse. Ein Teil der archäologisch interes- seit Jahrzehnten nach Artefakten suchen. Neben
sierten Laien arbeitet weisungsgebunden als Eh- der eigentlichen Suche ist den Vereinsmitglie-
renamtliche Mitarbeiter der Bodendenkmalpflege dern die sorgfältige Dokumentation der Funde
und unterstützt so die Denkmalbehörden. Ein an- von zentraler Bedeutung. Alle Funde werden
derer Teil, nämlich die oft als Heimatforscher be- einzeln per GPS-Gerät eingemessen, beschriftet
zeichneten Feldbegeher, sucht auf landwirtschaft- und zusammen mit den entsprechenden Gauß-
lichen Nutzflächen nach ausgepflügten Artefak- Krüger-Koordinaten dokumentiert. Selbstredend
ten, meist geht es um die Besiedlungsgeschichte sind von jeher alle Funde und Fundstellen bei
des eigenen Wohnorts. Diese Sammler und auch den Denkmalbehörden gemeldet worden. Die
die seriösen archäologisch interessierten Sonden- Vereinsmitglieder engagieren sich auf vielfälti-
gänger haben nichts mit den illegal operierenden ge Weise für die Belange der Archäologie. So ist
„Raubgräbern“ gemein, die mit Nachtsichtgerä- es z. B. allein der Aufmerksamkeit von Roman
ten und Tarnkleidung illegal nach „Schätzen“ su- Zimprich im Jahr 1997 zu verdanken, dass beim
chen. Legale Sondengänger sind durch das Amt Bau des Regenrückhaltebeckens in Mönchenglad-
geschult und besitzen eine Genehmigung, sie hal- bach-Geneicken archäologische Untersuchungen
ten sich an die gesetzlichen und amtlichen Aufla- stattfanden. Durch einen Fehler im Genehmi-
gen. Behördenintern werden sie als „Privatsamm- gungsverfahren waren die Denkmalbehörden
ler und (zertifizierte) Sondengänger“ bezeichnet. nicht einbezogen worden, erst der Hinweis von

Eingereicht: 4. Okt. 2014; Archäologische Informationen 38, 2015, 343-351


angenommen: 5. Nov. 2014;
online publiziert: 26. Nov. 2014 343
Forum: Denkmalschutz in NRW
Christian Fuchs

Roman Zimprich führte zu ihrer nachträglichen Ohne die Feldbegehungen von privater Seite wäre
Beteiligung. Die daraus resultierende Verursa- nur ein Bruchteil dieser Fundstellen bekannt; die
chergrabung von Mai 2013 bis Juli 2014 unter der Amtsarchäologie kann wegen ihrer knappen Per-
Leitung von Martin Heinen (Artemus GmbH) sonaldecke nur wenige Flächen prospektieren.
kann schon vor der endgültigen Auswertung der Daher sind die Ergebnisse der Feldbegehungen
Befunde als eine der bedeutendsten Grabungen durch Privatsammler neben den wissenschaftli-
für die Zeit des Spätpaläolithikums und Mesoli- chen Grabungen eine wichtige Grundlage für die
thikums im Rheinland bezeichnet werden. Einige Siedlungsarchäologie.
Vereinsmitglieder unterstützen als ehrenamtliche Auch ohne einen durch eine Ausgrabung er-
Mitarbeiter das auch im Museumsführer des LVR fassten archäologischen Befund – wie z. B. eine
geführte Archäologische Museum Wasserturm Abfallgrube oder ein Grab – können auf Ober-
Rheindahlen (http://www.steinzeit-in-rheindah- flächen gesammelte Lesefunde Hinweise auf die
ab
len.de/); gelegentlich werden dort Schulprojekte räumliche und zeitliche Anwesenheit des Men-
zur Steinzeit begleitet. Die vom Verfasser betrie- schen geben. So schrieb Dr. Andreas Tillmann,
bene Website Steinzeit & Co (http://www.stein- Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, bei-
zeitwissen.de) soll einer breiten Öffentlichkeit die spielsweise: „Wenn es auch insgesamt gesehen 1b rich-
Ur- und Frühgeschichte näher bringen. tig ist, daß Einzelfunde in ihrer Aussagekraft stark
Die Einführung eines Schatzregals in NRW eingeschränkt sind, so ist die Kenntnisnahme unter
wird von den Vereinsmitgliedern grundsätz- Umständen dennoch für den Fachwissenschaftler un-
lich begrüßt, die Formulierung des Gesetzestex- verzichtbar. Schon das Wissen um die Existenz der
tes führt allerdings zu Verwirrungen. Nach § 17 Artefakte ist beispielsweise in Form von Verbreitungs-
DSchG NRW gehen künftig alle beweglichen Bo- karten umsetzbar. (…) Die Kartierung von Funden
dendenkmäler in das Eigentum des Landes über; gehört mit zu den Grundlagen der urgeschichtlichen
nach dem DSchG alter Fassung wären darin alle Forschung. (…) Hierfür ist die Anzeige eines jeden
archäologischen Lese- und Detektorfunde einge- Neufundes von eminenter Bedeutung.“ (TILLMANN,
schlossen. Die Verwaltungsvorschrift zum DSchG 1989, 9). Facharchäologische Arbeiten, die sich
weicht jedoch von der alten Terminologie ab, beispielsweise mit der Verbreitung bestimmter
denn nach ihr handelt es sich um „Funde“. Daher Rohmaterialien oder Artefakttypen beschäftigen,
müssen nun nicht mehr grundsätzlich alle archä- sind auf die Einbeziehung der archäologischen
ologischen Lese- und Detektorfunde registriert Lese- und Detektorfunde angewiesen. So schreibt
und abgegeben werden, sondern lediglich dieje- z. B. Daniel Schyle in seiner Publikation zur Beil-
nigen mit einer besonderen wissenschaftlichen produktion am Lousberg: „Am besten belegt ist
Bedeutung. Demnach hätte Nordrhein-Westfalen wahrscheinlich der Bereich, der von den regelmäßig
ein eingeschränktes Schatzregal geschaffen. Der erscheinenden Fundmeldungen der Bonner Jahrbücher
Autor möchte im Folgenden aufzeigen, dass ent- abgedeckt wird…“ (SCHYLE, 2006, 44). Genau die-
gegen der neuen VV zum DSchG ein Fortbestand se Fundmeldungen stammen zum Großteil von
der unbedingten Meldepflicht seitens der Finder „Privatsammlern“.
wie auch einer umfassenden Registrierungspflicht In der Regel betreuen Sammler ihre Fund-
seitens der Fachämter für alle Funde wichtig ist, stellen intensiv, oft über Jahrzehnte hinweg. So
um die Fundstellen schützen und das Wissen um werden aus Einzelfunden mit der Zeit aussage-
sie für künftige Generationen bewahren zu kön- kräftige Fundinventare. Diese Fundinventare
nen. sind bewegliche Bestandteile unbeweglicher Bo-
dendenkmäler und weisen beispielsweise auf La-
gerplätze und Siedlungsstellen hin, die vor unbe-
Der Nutzen der Fundmeldungen für die obachteter Zerstörung geschützt werden müssen.
Archäologie Zeitgemäß arbeitende Sammler messen ihre Fun-
de und Fundstellen mit Hilfe von GPS-Geräten
Zahlreiche archäologische Fundstellen sind von ein und nutzen die Möglichkeiten der digitalen
archäologisch interessierten Laien entdeckt und Datenverarbeitung. Excel-Tabellen und Daten-
gemeldet worden. So stammen beispielsweise im banken in Verbindung mit GIS-Anwendungen
Kreis Neuss über 40 % der bekannten steinzeit- eröffnen vielfältige Auswertungsmöglichkeiten
lichen Funde aus Aufsammlungen von Privat- (Abb. 1-2).
sammlern (BRAND, 1982), im ehemaligen Kreis Er-
kelenz sind es über 60 % der paläolithischen und
mesolithischen Funde (HEINEN & ARORA, 1995).

Forum: Denkmalschutz in NRW 344


Warum archäologische Gegenstände keine „Funde“ sein dürfen

Die Zusammenarbeit mit den Denkmal- Die Novellierung des DSchG NRW in
behörden vor der Novellierung des DSchG Nordrhein-Westfalen im Jahr 2013
NRW
Mit der Novellierung des DSchG NRW hat Nord-
Bis zur Novellierung des DSchG NRW im Jahre rhein-Westfalen als eines der letzten Bundeslän-
2013 wurden archäologische Lese- und Detek- der ein Schatzregal für archäologische Gegenstän-
torfunde gesetzlich als bewegliche Bodendenk- de eingeführt. Neben beweglichen Denkmälern
mäler behandelt. Sie waren meldepflichtig: die und Funden von besonderer wissenschaftlicher
Fundmeldungen wurden von den Denkmalbe- Bedeutung sind nach § 17 DSchG NRW alle be-
hörden wissenschaftlich erfasst, ausgewertet und weglichen Bodendenkmäler künftig Landeseigen-
bearbeitet, die Fundstellen wurden in zentralen tum, sofern der ehemalige Eigentümer nicht mehr
Archiven dokumentiert. Dadurch wurden nicht zu ermitteln ist. Demnach müssten sowohl Funde
nur Funde aus Grabungen, sondern das gesam- aus wissenschaftlichen Grabungen als auch alle
te archäologische Erbe des Landes erfasst und archäologischen Lese- und Detektorfunde als be-
der Wissenschaft zugänglich gemacht. Zudem wegliche Bodendenkmäler ins Landeseigentum
konnten die Fundstellen vor unbeabsichtigter übergehen.
Zerstörung durch Bodeneingriffe geschützt wer- Überraschenderweise veröffentlichte Michael
den. Hierfür ist die Eintragung aller Fundstellen Rind, Direktor der LWL Archäologie für West-
ins Archiv des Denkmalamtes von zentraler Be- falen, kurz nach Inkrafttreten des neu gefassten
deutung, denn im Rahmen von Genehmigungs- Gesetzes am 8. August 2013 einen offenen Brief
verfahren für bauliche Tätigkeiten prüfen die an Sondengänger und ehrenamtliche Mitarbeiter,
Denkmalbehörden, ob am Platz der geplanten indem er ankündigte, in der Praxis würde sich
Baumaßnahme Hinweise auf ein Bodendenkmal kaum etwas ändern. Die Meldepflicht für Funde
vorhanden sind. Gegebenenfalls erfolgen dann bestehe weiterhin, die große Masse der Funde
Auflagen an den Investor resp. eine archäologi- ginge zurück an den Finder. Unter die Schatzre-
sche Betreuung der Baumaßnahme; nur so kann galreglung falle nur ein sehr geringer Prozent-
der Zerstörung archäologischer Stätten wirksam satz (RIND, 2013). Thomas Otten, Referatsleiter
entgegengewirkt werden. für Archäologie des Ministeriums für Bauen,
Bislang haben die Privatsammler in Absprache Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr, löste
mit den Außenstellen der amtlichen Bodendenk- die in Sammlerkreisen eingetretene Verwirrung
malpflege ihre archäologische Lese- und Detek- beim „8. Arbeitstreffen Steinzeit“ im Landesmu-
torfunde in regelmäßigen Abständen gemeldet. seum Bonn am 16. November 2013 auf. Der mit
Die Denkmalbehörden verlangten keinesfalls eine der Ausfertigung der Verwaltungsvorschrift zum
Meldung nach jedem erfolgreichen Suchgang, wie DSchG NRW beauftragte Otten erklärte den ein-
es die Formulierung des § 15 DSchG NRW ver- geladenen Privatsammlern und ehrenamtlichen
muten lässt. Vielmehr wurden die Funde, je nach Mitarbeitern der Bodendenkmalpflege, archäo-
Dringlichkeit und Fundaufkommen, pragmatisch logische Lese- und Detektorfunde seien keine
meist jährlich oder halbjährlich gemeldet. Gele- beweglichen Bodendenkmäler, sondern „Funde“
gentlich nahmen die Amtsarchäologen die Funde i.S.v. § 17 DSchG NRW. Nur in seltenen Ausnah-
direkt beim Sammler vor Ort auf, meist wurden mefällen könnten einzelne Stücke beim Vorliegen
sie jedoch vom Sammler befristet ausgeliehen. einer besonderen wissenschaftlichen Bedeutung
Besondere Funde, beispielsweise der einmalig ins Landeseigentum übergehen. Die im Sommer
gut erhaltene Fund eines prähistorischen Feuer- 2014 erlassenen Ausführungsbestimmungen set-
zeugbestandteils (Weiner & Fuchs, 2014), wurden zen diese 2013 noch informell kommunizierten
gezeichnet oder fotografiert und publiziert. Regelungen dauerhaft in die offizielle Praxis der
Diese Zusammenarbeit von Sammlern und Fachämter um.
Denkmalbehörden war ein Gewinn für beide
Seiten. Der persönliche Kontakt mit den Mitar-
beitern der Denkmalbehörden war gekennzeich- Die Folgen einer Differenzierung
net von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die archäologischer Gegenstände in bewegliche
in vielen Fällen über die reine Dienstpflicht der Bodendenkmäler und „Funde“
Amtsarchäologen hinausging.
Vor der Novellierung des DSchG NRW wurden
archäologische Lese- und Detektorfunde wie ar-
chäologische Grabungsfunde wissenschaftlich

345 Forum: Denkmalschutz in NRW


Christian Fuchs

Abb. 1 Arbeitsbeispiel aus der Sammlertätigkeit der Verfassers: Einzelfundeinmessungen in einem etwa 5 km² großen
Suchgebiet im Rheinland ergeben klar abgegrenzte Fundkonzentrationen vorgeschichtlicher Siedlungsstellen.

erfasst und ausgewertet. Dazu gehörte die Doku- Vor der Novellierung des DSchG NRW war die
mentation der Funde und Fundstellen im Archiv. wissenschaftliche Erfassung, Auswertung und
Im Zuge baurechtlicher Genehmigungsverfahren Bearbeitung aller archäologischen Gegenstän-
prüften die Denkmalbehörden anhand der Unter- de inklusive der Dokumentation im Orts- oder
lagen in ihrem Archiv, ob an der Stelle des geplan- Fundarchiv für die Mitarbeiter der staatlichen
ten Bodeneingriffs eine archäologische Fundstelle Denkmalpflege eine gesetzlich verankerte Dienst-
liegt und nun gefährdet wäre. Nun - nach der neu- pflicht. Jetzt heißt es in der Verwaltungsvorschrift
en VV zum DSchG - wären die Denkmalbehörden zum DSchG Punkt 2 zu § 17: „Die gemeldeten Zu-
für „Funde“ gar nicht mehr zuständig, denn § 1 falls- oder Lesefunde werden soweit nötig und sinn-
DSchG NRW spricht nur von Denkmälern, nicht voll, wissenschaftlich erfasst, ausgewertet und bearbei-
von „Funden“ ohne Denkmaleigenschaft. Funde tet...“. Aus dieser Formulierung geht hervor, dass
und Fundstellen würden also nicht mehr durch die wissenschaftliche Erfassung, Auswertung
die Denkmalbehörden erfasst und archiviert. Da- und Bearbeitung fortan eine Ermessensfrage ist.
durch wären die vielen, allein durch Lesefunde Meldewillige Privatpersonen könnten zwar trotz
bezeugten archäologischen Fundstellen zukünftig Wegfall der Meldepflicht versuchen, ihre Funde
bei baurechtlichen Genehmigungsverfahren nicht und Fundstellen weiterhin zu melden, doch ist die
mehr per Gesetz geschützt, sie könnten ohne vor- Annahme der freiwilligen Fundmeldungen sei-
angehende Dokumentation zerstört werden. tens der Ämter nun keineswegs mehr garantiert.

Forum: Denkmalschutz in NRW 346


Warum archäologische Gegenstände keine „Funde“ sein dürfen

Abb. 2 Ausschnitt des in Abb. 1 grau markierten Bereichs, aufgeschlüsselt nach Fundgattungen.

Vor der Novellierung des DSchG NRW galten ren die archäologischen Lese- und Detektorfunde
für Sondengänger Suchbeschränkungen. Nach § der Wissenschaft zugänglich, sobald die Fund-
13 DSchG NRW mussten sie bei den Denkmal- meldungen wissenschaftlich erfasst, ausgewertet
behörden eine Genehmigung beantragen, die und bearbeitet waren. Interessierte Bürger und
mit Auflagen zum Schutz bekannter Fundstellen Wissenschaftler konnten z. B. Anfragen nach Ar-
versehen war. Nun, nach der Novellierung des tefaktypen, Fundstellen etc. an die Archive der
DSchG NRW und vor dem Hintergrund der neu- Denkmalbehörden stellen, und diese stellten den
en VV zum DSchG NRW, könnten Sondengänger Kontakt zu den Sammlern her. Dadurch war eine
sich darauf berufen, nur im gestörten Boden nach wissenschaftliche Auswertung auch aller gemel-
„Funden“ zu suchen; dann greifen die §§ 13, 14 deten und in Privatbesitz befindlichen Funde
DSchG NRW nicht mehr. Das hätte zur Folge, möglich. Diese wichtige Quelle für die archäo-
dass die Auflagen für Grabungen und Grabungs- logische Forschung fällt nun für die zukünftigen
verbote zumindest in Teilen nicht mehr durch- Lese- und Detektorfunde weg, da sie nicht mehr
setzbar wären. Die vorher im Hintergrund illegal von den Denkmalbehörden registriert und ar-
agierenden „Schatzsucher“ könnten fortan gezielt chiviert werden müssen. Selbst wenn der Finder
Bodendenkmäler plündern, ohne dafür belangt bereit wäre, die Funde wissenschaftlichen Unter-
zu werden. suchungen zur Verfügung zu stellen, hätte die
Vor der Novellierung des DSchG NRW wa- Forschung keine Kenntnis davon.

347 Forum: Denkmalschutz in NRW


Christian Fuchs

Die Differenzierung in archäologische Ge- in Originallage am Ort seiner ehemaligen Nut-


genstände mit und ohne Denkmaleigenschaft zung, angetroffen wird, ein Bodendenkmal. Wird
hat unweigerlich eine Selektion zur Folge. Ar- er jedoch beispielsweise durch landwirtschaftliche
chäologische Lese- und Detektorfunde und ihre Tätigkeiten ausgepflügt und befindet sich an der
Fundstellen sind nicht mehr geschützt, sie wer- Ackeroberfläche, gilt er lediglich als „Fund“ i.S.v.
den trotz einer Fundmeldung seitens der Finder § 17 DSchG NRW, ohne Denkmaleigenschaft. Nur
der künftigen Forschung nicht bekannt. So stehen in seltenen Ausnahmefällen sollen archäologische
der Archäologie nur noch Grabungsfunde für Lese- oder Detektorfunde durch die Denkmalbe-
die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung. hörden als wissenschaftlich besonders bedeutend
Dass dies ein fachlich falscher Weg ist, sehen auch einstuft werden können, wodurch sie von § 17
andere Fachleute im Rheinland so. So schreibt DSchG NRW erfasst werden. Das Seltsame dieses
beispielsweise Michael Schmauder vom LVR- Konzepts wird für Nicht-Fachleute deutlicher,
Museum Bonn: „Eine Selektion verbietet sich somit wenn man es in ein Bild überträgt: Ein Apfel, der
schon aufgrund der rechtlichen Grundlage, mehr noch am Baum hängt, ist ein Apfel; fällt er ab, ist er
aber unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten, …“ kein Apfel mehr; es sei denn, er wird nachträglich
(Schmauder, 2014, S. 6). vom zuständigen Fachamt ausnahmsweise wie-
der zum Apfel erklärt.
Ein solches Absprechen der Denkmaleigen-
Das Schatzregal von Nordrhein-Westfalen im schaft von Lesefunden ist bundesweit ohne Pa-
Bundesvergleich rallele. In allen anderen Bundesländern werden
archäologische Gegenstände ohne Ausnahme als
Ein Schatzregal für archäologische Gegenstände bewegliche Bodendenkmäler eingestuft. Nur bei
ist prinzipiell begrüßenswert, archäologische Ge- der Eigentumsregelung werden wissenschaftlich
genstände sollten der Wissenschaft und der Öf- besonders wertvolle Bodendenkmäler von den
fentlichkeit zugänglich sein. Bundesweit haben weniger bedeutenden getrennt, ohne dass deren
die meisten Bundesländer diese Regelung einge- Denkmaleigenschaft in Frage gestellt wird. In
führt, aktuell ist Bayern (noch) das einzige Bun- Nordrhein-Westfalen hingegen sollen nach An-
desland ohne ein Schatzregal. Alle Bundesländer sicht der Obersten Denkmalbehörde archäologi-
mit eingeschränkten Schatzregalien regeln den sche Gegenstände ihre Denkmaleigenschaft ver-
Eigentumsübergang über den wissenschaftlichen lieren können. Um diese These zu erhärten, hat
Wert der Funde. Archäologische Gegenstände, der Verfasser systematisch eine Anfrage an alle
gleich ob Grabungsfunde oder Lese- und Detek- Landesdenkmalbehörden Deutschlands gestellt,
torfunde, gehen in das Landeseigentum über, ob steinzeitliche Lesefunde im jeweiligen Bundes-
wenn sie einen besonderen wissenschaftlichen land grundsätzlich als Denkmäler angesprochen
Wert besitzen. Archäologische Gegenstände mit werden. Dies wurde durchweg bejaht, außerhalb
geringerer Bedeutung verbleiben im Eigentum von NRW gelten Lesefunde durchweg als beweg-
des Finders und Grundstückeigentümers, wer- liche Bodendenkmäler und werden entsprechend
den aber von den Fachämtern registriert. behandelt. Die relevanten Auszüge der Korres-
Wie in den anderen Bundesländern auch, pondenz des Autors mit den archäologischen
gehen seit der Gesetzesnovelle in Nordrhein- Landesämtern in ganz Deutschland sind im An-
Westfalen archäologische Gegenstände aus wis- hang dokumentiert.
senschaftlichen Grabungen als wissenschaftlich Auch international werden archäologische
besonders wertvolle Funde ohne Einschränkung Lese - und Detektorfunde als Denkmäler ange-
in das Landeseigentum über. Bei archäologischen sprochen und stehen unter Schutz, wie es die
Lese- und Detektorfunden hingegen weicht Nord- Konvention von Malta fordert. Wie streng das
rhein-Westfalen von der bundesweit einheitlichen teilweise gehandhabt wird, zeigt der folgende
Regelung ab, ihnen wird nach der „Verwaltungs- Fall: Ein neunjähriges Kind hatte in der Türkei ei-
vorschrift zur Ausführung des Gesetzes zum nen bearbeiteten Stein am Strand gefunden und
Schutz und zur Pflege der Denkmäler im Lande wollte ihn als Andenken mitnehmen. Am Flugha-
Nordrhein-Westfalen“ (VV ZUM DSCHG NRW) fen entdeckte der Zoll das Stück, der 34-jährige
vom 11.04.2014 (MINISTERIALBLATT NRW, 2014) Vater wurde daraufhin wegen Verdacht auf An-
pauschal die Denkmaleigenschaft abgesprochen. tiquitätenschmuggel vier Wochen lang in U-Haft
Nach Auffassung der Obersten Denkmalbehörde genommen, ihm drohte eine Haftstrafe von bis zu
in NRW ist ein archäologischer Gegenstand, der zehn Jahren (SÜDDEUTSCHE.DE, 2010).
bei einer wissenschaftlichen Grabung in situ, d.h.

Forum: Denkmalschutz in NRW 348


Warum archäologische Gegenstände keine „Funde“ sein dürfen

Die Konvention von La Valletta/Malta und das Schlusswort


nordrhein-westfälische Modell
Nordrhein-Westfalen beschreitet einen Weg, der
Der Europarat und die Vertragsparteien des Euro- nicht nur bundesweit ohne Vorbild ist; auch auf
päischen Kulturabkommens haben am 16. Januar europäischer Ebene halten sich alle Unterzeich-
1992 in La Valletta auf Malta das „Europäische ner an die Konvention von La Valletta/Malta
Übereinkommen zum Schutz des archäologi- und sprechen keinem archäologischen Gegen-
schen Erbes“ (KONVENTION VON LA VALLETTA/MAL- stand die Denkmaleigenschaft ab. Das Motiv für
TA) beschlossen. Diese Konvention wurde durch die fachlich und rechtlich unvertretbare Selektion
das „Gesetz zu dem Europäischen Übereinkom- archäologischer Gegenstände in NRW ist unklar.
men vom 16. Januar 1992 zum Schutz des archä- Ein ungewollter Fehler bei den Verfassern der
ologischen Erbes“ in Bundesrecht übernommen; VV zum DSchG NRW kann ausgeschlossen wer-
am 22. Januar 2003 wurde die Konvention von den, denn schon vor deren Ausfertigung ist der
Malta durch die Bundesrepublik Deutschland ra- im Ministerium für diese Themen verantwortli-
tifiziert. In Deutschland fällt der Denkmalschutz che Leiter des „Referates für Baudenkmalschutz
in die Kulturhoheit der Länder, daher war die und Baudenkmalpflege, Bodendenkmalschutz
Zustimmung des Bundesrates erforderlich. Am und Bodendenkmalpflege“ Thomas Otten vom
27. September 2002 stimmte der Bundesrat dem Verfasser auf die Unvereinbarkeit der Ansprache
Gesetz gemäß Artikel 84 I GG zu (Drucksache archäologischer Gegenstände als „Funde“ mit der
677/02 des Bundesrates). Damit sind die Legisla- Konvention von La Valletta/Malta hingewiesen
tive, Judikative und Exekutive aller Bundesländer worden.1 Auch die Landesregierung wurde vom
per Bundesgesetz an die Konvention von Malta Verfasser auf die Rechtswidrigkeit des Verwal-
gebunden. Folgerichtig heißt es unter Punkt 1 zu tungshandelns hingewiesen,2 sie sieht sich jedoch
§ 29 der VV zum DSchG NRW über die Konven- nicht veranlasst, dagegen vorzugehen.
tion von Malta: „Aus der mit der Ratifizierung durch Aus den geschilderten Sachverhalten ergibt
die Bundesrepublik Deutschland eingegangenen völ- sich, dass aus Sicht des Verfassers die Verwal-
kerrechtlichen Verpflichtung folgt für die Länder eine tungsvorschrift zum Denkmalschutzgesetz NRW
Umsetzungspflicht durch entsprechende Ausgestal- revidiert und geändert werden muss; archäolo-
tung der Ländergesetze. Dies ergibt sich auch aus dem gische Lese- und Detektorfunde sind als beweg-
allgemeinen Grundsatz der Bundestreue der Länder.“ liche Bodendenkmäler anzusprechen. Nur dann
Die ins Bundesrecht übernommene Konvention ist eine unbedingte Melde- und Registrierungs-
von Malta erklärt ausnahmslos alle (sic!) archäo- pflicht gegeben, welche die zentrale Grundlage
logischen Gegenstände zu Elementen des archä- des Schutzes der Bodendenkmäler und auch ihrer
ologischen Erbes und schreibt die Einführung historischen Auswertung ist.
einer Meldepflicht für alle archäologischen Ge-
genstände vor. Neben dem physischen Schutz
der Elemente des archäologischen Erbes ist die Anmerkungen
Inventarisierung als Grundlage für akademisch-
wissenschaftliche Zwecke, sowie die Erforschung 1
Chr. Fuchs, Die Konvention von Malta. Vortrag beim
desselben, von zentraler Bedeutung. Zwar finden 8. Arbeitstreffen Steinzeit am 16. 11. 2013 im LVR Lan-
sich alle nach der Malta-Konvention gebotenen desmuseum Bonn.
Regelungen im DSchG NRW wieder, allerdings
2
gelten sie nur für Bodendenkmäler, keiner der E-Mail Chr. Fuchs vom 11. 03. 2014 an die Landesre-
einschlägigen Paragraphen bezieht sich auch auf gierung, Antwort für die Staatskanzlei vom 22. 04. 2014
von Anne Katrin Bohle, Abteilungsleiterin Stadtent-
„Funde.“ Alle Regelungen des DSchG NRW grei-
wicklung und Denkmalpflege, Ministerium für Bauen,
fen nur dann bei archäologischen Gegenständen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes
wenn diese als bewegliche Bodendenkmäler an- Nordrhein-Westfalen.
gesprochen werden. Folglich ist die Ansprache
archäologischer Gegenstände als „Funde“ i.S.v.
§ 17 DSchG NRW nicht mit der Konvention von
Malta vereinbar.

349 Forum: Denkmalschutz in NRW


Christian Fuchs

Quellen- und Literaturnachweis desländer am 4. Nov. 2013, ob steinzeitliche Lese-


funde, die bei Feldbegehungen gemacht werden,
Brandt, J. (1982). Kreis Neuss - Archäologische Funde und grundsätzlich Kulturdenkmale/bewegliche Bo-
Denkmäler des Rheinlandes. Köln: Rheinland-Verlag. dendenkmale/archäologische Gegenstände sind,
wurde wie folgt beantwortet:
Heinen, M. & Arora, S.-K. (1995). Archäologie im Kreis
Heinsberg II. Geilenkirchen: Selbstverlag des Kreises
Heinsberg.
Baden-Württemberg, Dr. Bettine Gralfs, Regie-
rungspräsidium Stuttgart, Referat 86 – Denkmal-
NRWSPD – Bündnis 90/Die Grünen NRW (2012). pflege: „In der Regel sind zufällige Funde als Teil /
Koalitionsvertrag 2012–2017: Verantwortung für ein Zubehör eines im Boden liegenden (bekannten oder
starkes NRW – Miteinander die Zukunft gestalten. 18. noch unbekannten) Kulturdenkmals, ebenfalls Kultur-
Juni 2012. http://nrwspd.de/html/30578/welcome/ denkmale. …In § 20 (Zufällige Funde) werden Funde
Koalitionsvertrag.html [4.10.2014] resp. http://www. / Lesefunde aber ausdrücklich als bewegliche Kultur-
gruene-nrw.de/koalitionsvertrag.html [4.10.2014]. denkmale bezeichnet...“. E-Mail vom 18.11.2013.
Rind, M. (2013). Offener Brief der LWL-Archäologie
für Westfalen an Sondengänger(-innen) und
Bayern, Prof. Dr. C. Sebastian Sommer, Stellver-
ehrenamtliche Mitarbeiter(-innen), 8. 8. 2013. http:// tretender Amtsleiter Bayerisches Landesamt für
www.lwl.org/wmfah-download/pdf/130805_ Denkmalpflege: „…Vielen Dank für Ihre Anfrage.
Sondeng%C3%A4nger_offenerBrief.pdf [4.10.2014] Ja, dabei handelt es sich um bewegliche Bodendenk-
maeler, deshalb ist eine zeitnahe Fundmeldung…“. E-
Schmauder, M. (2014). Das Wissensarchiv wächst Mail vom 04.11. 2013.
– Die Erweiterung des Museumsdepots. Berichte aus
dem LVR-Landesmuseum Bonn 2014(1), 5 - 6. Berlin, Dr. Karin Wagner, Leiterin für Garten-
denkmalpflege und Archäologie Landesdenk-
Schyle, D. (2006). Die spätneolithische Beilproduktion
auf dem Lousberg in Aachen – Eine Hochrechnung
malamt Berlin: „…Sobald ein Bodenfund als solcher
von Angebot und Nachfrage und Rückschlüsse auf die erkannt ist – wie in Ihrem Beispiel steinzeitliche Arte-
spätneolithische Bevölkerungsdichte. Archäologische fakte – handelt es sich um ein bewegliches Bodendenk-
Informationen 29, 35 -50. mal und unterliegt den Regeln der Denkmalschutzge-
setze der Bundesländer...“. E-Mail vom 05.11.2013.
Süddeutsche.de (2010). Deutscher darf die Türkei
verlassen. Süddeutsche Zeitung, 11. Mai 2010 http:// Brandenburg, Dr. Thomas Kersting M.A., Dezer-
www.sueddeutsche.de/panorama/steinschmuggel- natsleiter Archäologische Denkmalpflege Bran-
deutscher-darf-die-tuerkei-verlassen-1.662687
denburg: „… ja, alles was wir so als „Funde“ bezeich-
Tillmann, A. (1989). Ein Hornsteindolch aus
nen, sind sog. bewegliche Bodendenkmale,…“. E-Mail
Oberhaunstadt, Stkr. Ingolstadt. Sammelblatt des vom 04.11.2013.
Historischen Vereins Ingolstadt, 9-18.
Bremen, Dr. Dieter Bischop, Landesarchäologie
VV zum DSchG NRW, Ministerialblatt NRW, Ausgabe Bremen, Wissenschaftliche Auswertung: „…Auch
2014 Nr. 15 vom 22.5.2014, https://recht.nrw.de/ steinzeitliche Lesefunde sind (…) Kulturdenkmäler im
lmi/owa/br_bes_text?anw_nr=1&gld_nr=2&ugl_ weiteren Sinne. Sie sind zwar mobil und als Kultur-
nr=224&bes_id=27085&menu=1&sg=0&aufgehoben= denkmal nur im Umfeld ihres Fundortes bzw. Fund-
N&keyword=VV%20zum%20DSchG#det0 [4.10.2014]
spektrums aussagekräftig, aber trotzdem…“. E-Mail
Weiner, J. & Fuchs, Chr. (2014). Ein unglaublicher
vom 25.08.2014.
Oberflächenfund: eine Schwefelkiesknolle mit Spuren
vom Feuerschlagen. Archäologie im Rheinland 2013, Hamburg, Dr. Jochen Brandt, Bodendenkmalpfle-
71-72. ge Landkreis Harburg: „… steinzeitliche Funde sind
auf jeden Fall archäologische Gegenstände, unabhängig
von dem Fundanlass,…“. E-Mail vom 04.11.2013.
Anhang: Bundesweite Umfrage
Hessen, Dr. Holger Göldner, Leiter der Außen-
Das in Nordrhein-Westfalen praktizierte Modell, stelle Darmstadt: „…nach dem Hess. Denkmal-
archäologischen Lese- und Detektorfunden die schutzgesetz sind Bodendenkmäler „bewegliche und
Denkmaleigenschaft abzusprechen, ist bundes- unbewegliche Sachen, bei denen es sich um Zeugnisse,
weit einzigartig. Eine systematische Anfrage des Überreste oder Spuren menschlichen, tierischen oder
Verfassers bei den Denkmalbehörden aller Bun- pflanzlichen Lebens handelt“ (§ 19 HDSchG NRW).

Forum: Denkmalschutz in NRW 350


Warum archäologische Gegenstände keine „Funde“ sein dürfen

Darunter fallen selbstredend auch steinzeitliche Lese- Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
funde…“. E-Mail vom 04.11.2013. Sachsen-Anhalt: „…Bewegliche Kulturdenkmale
sind alle gegenständlichen Zeugnisse menschlichen
Mecklenburg-Vorpommern, Doris Kröpelin, Mi- Lebens aus vergangener Zeit, darunter fallen natür-
nisterium für Bildung, Wissenschaft und Kultur lich auch Lesefunde, wie von Ihnen beschrieben…“.
Mecklenburg-Vorpommern, Referat 410: „…be- E-Mail vom 04.11.2013.
züglich Ihrer Anfrage, ob steinzeitliche Lesefunde un-
ter die Regelungen des Denkmalschutzgesetzes fallen, Schleswig-Holstein, Eicke Siegloff, Archäologi-
teile ich Ihnen mit, dass alle Funde, somit auch die sches Landesamt Schleswig-Holstein, Dezernat
steinzeitlichen Lesefunde, den Vorschriften des § 11 Denkmalschutz und Inventarisation: „…Darunter
Denkmalschutzgesetz des Landes Mecklenburg-Vor- fallen im Sinne des Gesetzes entsprechend auch Ober-
pommern unterliegen…“. E-Mail vom 04.11.2013. flächenfunde von Feldbegehungen. Darüber hinaus
stellen diese wichtige Hinweise auf die Existenz eines
Niedersachsen, Dr. Gabriele Zipf, Niedersächsi- im Boden verborgenen unbeweglichen Kulturdenk-
sches Landesamt für Denkmalpflege, Abteilung mals, bspw. einer Siedlung oder eines Gräberfeldes
A – Archäologie: „…der Umgang mit Funden von dar...“. E-Mail vom 06.11.2013.
Feldbegehungen. In Nds unterliegen solche Fun-
de einer unbedingten Meldepflicht…“ „…Sämt- Thüringen, Dr. Thomas Grasselt, Leiter Fach-
liche Funde und Fundstellen, die uns gemeldet bereich Archäologische Denkmalpflege Thürin-
werden, werden auch in unserem Fachinforma- gen: „…Sie sehen das richtig – archäologische Fun-
tionssystem ADABweb (…) erfasst…“. E-Mails de, die z.B. bei Feldbegehungen gemacht werden sind
vom 30.08.2014 und 03.09.2014. (auch) bewegliche Kulturdenkmale,…“. E-Mail vom
04.11.2013.
Rheinland-Pfalz, Dr. Dr. Axel von Berg, Lan-
desarchäologe Rheinland-Pfalz: „…unter dem
Begriff des Fundes werden alle Gegenstände zusam- Christian Fuchs
mengefasst, die von der Erdgeschichte (Paläontologie) Laurentiusstr. 89
bis in die Zeit der Weltkriege reichen. Hierzu gehören 41189 Mönchengladbach
auch steinzeitliche Lesefunde, die bei Feldbegehungen Deutschland
gemacht werden…“. E-Mail vom 11.11.2013. Archaeologischer-Verein-Niederrhein@web.de

Saarland, Dr. Walter Reinhard, Landesdenkmal-


amt – Leiter Bodendenkmalpflege, Ministerium Über den Autor: Der Verfasser ist ein Privat-
für Bildung und Kultur: „Ihre Frage mit obiger E- sammler; Schwerpunkt seiner archäologischen
Mail, ob steinzeitliche Lesefunde „Funde“ im Sinne Tätigkeit ist die Erfassung steinzeitlicher Sied-
des § 14 Saarländisches Denkmalschutzgesetz sind, ist lungsspuren. Alle Fundstellen sind gemeldet, da-
eindeutig mit „Ja“ zu beantworten. Als Bodendenkmä- mit sie geschützt werden können. Seit Ende 2011
ler von „wissenschaftlichem Wert“ sind sie per Gesetz betreibt er die Website „Steinzeit & Co“ und ist
Eigentum des Saarlandes. Ihr privater Einbehalt löst im Vorstand des Archäologischen Vereins Nie-
den Straftatbestand der Unterschlagung aus…“. E- derrhein tätig.
Mail vom 14.11.2013.

Sachsen, Dr. Christoph Heiermann, Leiter Refe-


rat 12, Landesamt für Archäologie Sachsen: „…
Laut Definition sind bewegliche Denkmale Sachen mit
Denkmaleigenschaft, welche nicht Grundstücke oder
wesentliche Bestandteile von Grundstücken sind - z.B.
Münzen, Scherben, Skulpturen etc. oder eben stein-
zeitliche Lesefunde. Die Definition richtet sich nicht
nach der Art und Weise des Auffindens (Lesefund),
sondern nach der Eigenschaft des Denkmals (beweg-
lich / unbeweglich)...“. E-Mail vom 06.11.2013.

Sachsen-Anhalt, Martina Richter, Referatsleiterin


Personal, IT/GIS, Controlling und Organisation,

351 Forum: Denkmalschutz in NRW