Sie sind auf Seite 1von 2

Husserl Religion

HUA 27, 59 sg
Formale Typen der Kultur in der Menschheitsentwicklung
(I. DIE STUFE RELIGIOSER KULTUR)
(A. Die "nattirlich gewachsene" Religion)
Herrscher, Regierung, Recht, Sitte, Kunst - alles hat von der Religion Wertgehalt und
Wertgestalt, und eine in der Fortentwicklung dieses Kulturtypus mit immer reicheren
normativen Bindungen ausgestattete. Wir können auch sagen, die Religion birgt hier in
Form der priesterlichen Theologie ein universales System aller absoluten Geltungen,
und zwar in allen Beziehungen, in Erkenntnis, in Wertung und praktischer
Lebensordnung. Sie enthalt eine universale Weltanschauung und universale
Heilsordnung. Und da sie von einem Glauben getragen ist, der durch die betreffende
Kulturmenschheit als lebendiger Glaube hindurchgeht, so fühlen sich die Menschen in
all diesen Bindungen nicht als unterworfen, als geknechtet. Es ist alles, wie es eben sein
soll und wie es, um recht zu sein, nicht anders sein kann. Die Welttatsachen, die die
Religion als wahr ausspricht, sind absolut wahr, was die Religion als gut ausspricht, ist
absolut gut, was sie für das praktische Handeln fordert, ist absolut gefordert. Es ist eben
göttliche Forderung. In die religiöse Tradition hineingewachsen, erlebt der Mensch jede
neue Offenbarung oder jede neue priesterliche Forderung als absolut rechtmässig, sofern sie
sich eben durch absolut geheiligte und in den als absolut rechtfertigend überlieferten
Formen vollzieht. Eine Spannung zwischen Autorität und Freiheit kann es nicht geben, so
wenig es für den Traumenden ein Bewusstsein der Illusion gibt, es setzt eben das Erwachen
voraus. (59)
B. Die Gestalt der religiösen Freiheitsbewegung
Eine hierarchische Kultur wie die babylonische oder jiidische hat trotz der
ZweckbewuBtheit den Charakter einer gewissen Naivitat und trotz der freiwilligen,
glaubensfreudigen Erfiillung der religiosen Vorschriften den Charakter der Unfreiheit.
Beides kommt auf das selbe hinaus. Der Glaube ist ererbter Glaube, und wie schon gesagt,
jede neue Festsetzung, ja selbst jeder Zuzug neuer Offenbarung hat seinen Kredit aus
Kraftquellen des schon Ererbten und aus der AngepaBtheit des Neuen an das Alte. (63) [ver
Ales Bello, 2016, 112]

Fe religiosa

“Esta fe religiosa se contrapone directamente a todo conocimiento y a toda fundación


racional”.
Husserliana XLII, Grenzprobleme der Phänomenologie. Analysen des Unbewusstseins und
der Instinkte. Metaphysik. Späte Ethik. Texte aus dem Nachlass (1908-1937), texto N° 14,
p. 186.
Ojo! Husserl matiza y oscila respecto a este planteo: ver Alles Bello 2016, 117 sg.