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BetonKalender 2020

VIII Baugrundverbesserung
Robert Thurner, Graz

Clemens Kummerer, Villach

Roman Marte, Graz

Beton-Kalender 2020: Wasserbau. Konstruktion und Bemessung.


Herausgegeben von Konrad Bergmeister, Frank Fingerloos und Johann-Dietrich Wörner
© 2020 Ernst & Sohn GmbH & Co. KG. Published 2020 by Ernst & Sohn GmbH & Co. KG.
Einleitung 727

1 Einleitung gleichbarer Effektivität bzw. bei vergleichbarem


Zielerreichungsgrad kann in vielen Fällen kosten-
1.1 Bedeutung von günstiger und oftmals in kürzerer Zeit gebaut wer-
Baugrundverbesserungsmaßnahmen den. Ein weiterer Vorteil von Baugrundverbesse-
rungsmaßnahmen ist das oftmals optimierte Geneh-

VIII
Für Bauwerke stellt EN 1997-1 [1] Anforderungen
an die Grenzzustände der Tragfähigkeit sowie der migungsverfahren sowie ein günstiger „Ökologi-
Gebrauchstauglichkeit. Um diese erfüllen zu kön- scher Fußabdruck“.
nen, kommt dem Baugrund sowohl im Bau- wie Dieser Beitrag ist an Fachleute des Ingenieurwesens
auch im Endzustand eine besondere Bedeutung zu. gerichtet, die ein grundsätzliches Verständnis über
Für den Endzustand muss der Baugrund eine stand- die Wirkungsweise von Baugrundverbesserungs-
sichere und ausreichend verformungsarme Grün- maßnahmen, einen Überblick über die wichtigsten
dung des Bauwerks für sämtliche zu erwartenden Verfahren zur Baugrundverbesserung und deren

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statischen und dynamischen Lasten ermöglichen. häufigste Anwendung sowie den wesentlichen Vor-
Im Bauzustand muss u. a. eine ausreichende Befahr- und Nachteilen (Risiken) der einzelnen Verfahren
barkeit mit Baugerät sichergestellt werden und die erhalten wollen. Für ein vertieftes Studium einzel-
aus Erd- und Wasserdruck anfallenden Lasten müs- ner Verfahren der Baugrundverbesserung wird in
sen durch entsprechende Stützkonstruktionen auf- den jeweiligen Abschnitten auf weiterführende Li-
genommen werden können. Soll ein Bauwerk im teratur verwiesen.
Grundwasser errichtet werden, sind außerdem ab-

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dichtende Maßnahmen vorzusehen und∕​oder ent-
sprechende Wasserhaltungsmaßnahmen auszufüh- 1.2 Definition des Begriffs
ren. Baugrundverbesserung
Erlauben die vorherrschenden Baugrundeigen- Eine allgemeine und umfassende Definition des Be-
schaften den Nachweis der relevanten Grenzzu­ griffs „Baugrundverbesserung“, die eine eindeutige
stände der Tragfähigkeit bzw. der Gebrauchstaug- Abgrenzung zu anderen Methoden und Verfahren

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lichkeit nicht, sind geeignete bauliche Maßnahmen des (Spezial)-Tiefbaus erlaubt, ist nur bedingt mög-
zu setzen. Allgemein können derartige Maßnahmen lich. Im Allgemeinen wird darunter eine günstige
darauf abzielen, dass nicht ausreichend geeignete Veränderung des Baugrunds bzw. seiner bautechni-
Bodenschichten ausgetauscht (z. B. Bodentausch), schen Eigenschaften im Hinblick auf die zu lösende
überbrückt (z. B. Pfähle), abgedichtet (z. B. Spund- Bauaufgabe verstanden. Dies kann im Einzelnen
wände, Injektionen), verdichtet (z. B. Rütteldruck- Folgendes sein:
verdichtung), verfestigt (z. B. Düsenstrahlverfah-

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ren) etc. werden. −− eine das ganze Bodenvolumen umfassende Ver-
änderung seiner Eigenschaften wie z. B. Steifig-
Beruht das zur Anwendung gelangende Verfahren keit, Festigkeit, Durchlässigkeit etc. durch eine
auf der Verbesserung einer oder mehrerer Eigen- Vielzahl verschiedener Technologien,
schaften des Baugrunds, wie z. B. Verdichtung,
Verfestigung, Reduktion oder Erhöhung der Durch- −− die Herstellung von diskreten Elementen im
lässigkeit, so spricht man von einer Baugrundver- Untergrund, die in ihrer Trag- und Wirkungs-

I
besserung. Das Prinzip der Baugrundverbesserung weise wie eine Bewehrung des Untergrunds
sieht somit die Nutzung des vorhandenen, verbes- wirken,
serten Untergrunds vor, um die für die sichere Er- −− eine volumenartige Verfestigung oder Verkit-
richtung des Bauwerks erforderlichen Untergrund- tung des Untergrunds zur Erzeugung von Bau-
eigenschaften sicherzustellen. teilen im Boden,
Durch das Nutzen und Aufbauen auf der vorhande- −− Geräte- bzw. Verfahrenstechnologie erlauben
I

nen Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit des nicht immer eine eindeutige Abgrenzung. Mit
(verbesserten) Baugrunds erlauben Baugrundver- gleicher Maschinentechnologie ist es möglich,
besserungsmaßnahmen im Vergleich zu anderen eine unterschiedliche Wirkung im Sinne einer
Lösungsansätzen oftmals (sehr) wirtschaftliche und Baugrundverbesserung zu erzielen oder auch
die technischen Anforderungen dennoch erfüllende konventionelle geotechnische Elemente, wie
Lösungen. Darin liegt auch die große Bedeutung z. B. Pfähle oder pfahlähnliche Elemente, her-
von Baugrundverbesserungsmaßnahmen. Bei ver- zustellen.
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Beton-Kalender 2020: Wasserbau. Konstruktion und Bemessung.


Herausgegeben von Konrad Bergmeister, Frank Fingerloos und Johann-Dietrich Wörner
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© 2020 Ernst & Sohn GmbH & Co. KG. Published 2020 by Ernst & Sohn GmbH & Co. KG.
728 Baugrundverbesserung

In diesem Beitrag wird Baugrundverbesserung des- andere mögliche Systematik nach Sondermann und
halb sehr allgemein wie folgt definiert: Kirsch findet sich in [2].

Unter Baugrundverbesserung werden Methoden, 1.3 Inhalt und Struktur des Beitrags
Verfahren und Bauweisen verstanden, die eine
gezielte und im Hinblick auf die Bauaufgabe Neben der einleitend erwähnten Beschreibung ver-
günstige Veränderung bestimmter Eigenschaften schiedener Verfahren der Baugrundverbesserung ist
des Untergrunds ermöglichen. das Aufzeigen ihrer Wesensmerkmale und Beson-
derheiten in den Baugrunderkundungs-, Planungs-
Dabei kann grundsätzlich eine gewünschte Verän- und Ausführungsphasen ein wesentliches Ziel die-
derung einer bestimmten Eigenschaft, z. B. Erhö- ses Beitrags. Hierbei geht es vor allem darum, ein
hung der Steifigkeit oder Festigkeit, Verringerung besseres Verständnis zur Wirkungsweise von Bau-
der Durchlässigkeit und∕​oder, wie in vielen Fällen grundverbesserungsmaßnahmen im Gegensatz zu
erforderlich, eine Homogenisierung bestimmter und im Vergleich mit konventionellen Verfahren
Baugrundeigenschaften verstanden werden. und Methoden zur Lösung geotechnischer Problem-
stellungen zu schaffen. In Abschnitt 2 dieses Bei-
In Tabelle 1 ist eine mögliche Systematik der Me- trags wird deshalb vertieft auf die Ziele, den Zweck,
thoden der Baugrundverbesserung dargestellt. Eine aber auch die Grenzen und Risiken von Baugrund-

Tabelle 1.  Methoden der Baugrundverbesserung


Methoden ohne diskrete Einschlüsse bzw. Elemente
Verdichtung Konsolidierung Thermisch Injektion Austausch
Oberflächen­ Vorbelastung Bodenvereisung Eindringinjektion Bodenaustausch
verdichtung – ohne Konsoli­ – mit oder ohne
dationshilfe Verdichtungs­ Bewehrung
Rütteldruck­ – mit Vertikal­ injektion ohne (Kunststoffe∕​
verdichtung dränagen Berücksichtigung Stahl)
Mörtelelement
Verdichten mittels Vakuum­
Rüttelbohlen konsolidation Aufreißinjektion

Dynamische Grundwasser­
Verdichtung (DC) beeinflussung

Impulsverdichtung
(RIC)

Sprengverdichtung

Methoden mit diskreten Elementen und Massenbehandlung


mit bindemittelfreien mit Elementen aus Bodenmischen Düsenstrahl­
Elementen Beton∕​Mörtel∕​Stahl verfahren
Tiefenverdichtung Betonstopf- und Trockenmischen Düsenstrahl­
– Tiefenrüttler Betonrüttelsäulen verfahren
– Aufsatzrüttler (oder vermörtelt) Nassmischen

Dynamic Replace- Stabilisierungssäulen Massen­


ment (DR) (RI) stabilisierung

andere Hybrid-
verfahren

Kalk-Zement-
Stabilisierung
Ziel von Baugrund­verbesserungsmaßnahmen 729

verbesserungsmaßnahmen eingegangen. In Ab- mentgebundenen Einmischungen oder eine funktio-


schnitt 3 werden dann die erforderlichen Grundla- nale Aufgabe, wie die Verringerung der Durchläs-
gen für die Planung und Ausführung von Baugrund- sigkeit eines nichtbindigen Bodens durch eine Rüt-
verbesserungsmaßnahmen näher diskutiert. teldruckverdichtung zukommen. Da somit bei der
Baugrundverbesserung der Boden selbst zum Bau­

VIII
In Abschnitt 4 werden verschiedene Verfahren der stoff wird oder diesem eine wesentliche Funk­tion
Baugrubenverbesserung eingehender erläutert und im Gewerk zukommt, ist für die erfolgreiche Pla-
deren wesentliche Anwendungsfelder wie auch de- nung und Umsetzung von Baugrundverbesserungs-
ren Vor- und Nachteile (Risiken) vorgestellt. Im maßnahmen die genaue Kenntnis der Baugrund­
Weiteren werden dem Leser Literaturverweise für eigenschaften oftmals noch wichtiger als bei ande-
ein vertieftes Studium der einzelnen Verfahren ge- ren Methoden des Spezialtiefbaus.
nannt. In Abschnitt 5 wird auf das Wesen von kom-
binierten Verfahren wie Kombinationsgründungen Allgemein ist sowohl in der Planung wie auch in der

I
und Hybridgründungen eingegangen. Für das bes­ Ausführung eine hohe Fachkompetenz der handeln-
sere Verständnis der in den Abschnitten 2 bis 5 den bzw. verantwortlichen Personen Voraussetzung
durchgeführten Erläuterungen zur Baugrundverbes- für eine erfolgreiche Umsetzung von Baugrundver-
serung werden in Abschnitt 6 einige praxisnahe besserungsmaßnahmen. Zudem kommt der Quali-
Beispiele kurz vorgestellt und diskutiert. tätssicherung wie auch der nachträglichen Überprü-
fung der erzielten Baugrundeigenschaften eine sehr
Nicht (näher) eingegangen wird in diesem Beitrag große Bedeutung zu.

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auf Bauverfahren wie z. B. Bodenaustauschmaß-
nahmen, Oberflächenverdichtung mittels Walzen, Obwohl Baugrundverbesserungsverfahren in vielen
Vakuum-Vertikaldränagen sowie Sprengverdich- Fällen ein vertieftes Verständnis der Bodenmecha-
tung, die je nach Betrachtungsweise ebenfalls der nik und des Grundbaus – sowohl in der Planungs-
Baugrundverbesserung zugeordnet werden können. wie auch der Ausführungsphase – erfordern, erlau-
Hinsichtlich der Auswirkung auf die Umwelt wird ben sie oftmals die Herstellung sehr robuster (Grün-
beispielhaft auf den ökologischen Fußabdruck ein- dungs-)Systeme. Auf diesen Aspekt wird in Ab-

I
zelner Verfahren im Vergleich zu klassischen Grün- schnitt 3.4.3 eingegangen. Wie bei allen Bauverfah-
dungsmethoden eingegangen. ren und Lösungsansätzen geotechnischer Problem-
stellungen, ist bei mangelhafter Fachkenntnis in
Die in diesem Beitrag beschriebenen Anwendungs- Planung und Ausführung auch bei der Verwirkli-
möglichkeiten und -grenzen, sowie in diesem Zu- chung von Baugrundverbesserungsverfahren ein
sammenhang angeführte Richtwerte für Material- entsprechendes Schadensrisiko gegeben. Grund-
und Ausführungsparameter stellen praktisch er- sätzlich ist auch anzumerken, dass durch das früh-

I
probte Erfahrungswerte dar. In Sonderfällen sind zeitige Involvieren von Experten sich aus der Bau-
auch Abweichungen davon möglich. grundverbesserung ergebende Chancen maximiert
und Risiken minimiert werden können.
2 Ziel von Baugrund­ 2.2 Beeinflussung der Steifigkeit des
verbesserungsmaßnahmen Baugrunds

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2.1 Allgemeines Sind die zu erwartenden Setzungen bzw. differenzi-
Baugrundverbesserungsmaßnahmen können wie ellen Setzungen (bzw. allgemein Verformungen) für
oben angeführt dadurch charakterisiert werden, ein geplantes Bauvorhaben infolge der vorherr-
dass der zu verbessernde Boden durch diese Maß- schenden Untergrundverhältnisse zu groß, kann
nahmen derart verändert bzw. ertüchtigt wird, dass eine den Anforderungen entsprechende Gründung
er wesentlich zur Lösung der jeweiligen geotechni- durch klassische Tiefgründungsmethoden (z.  B.
I

schen Problemstellungen beiträgt. Eigenschaften Pfahlgründung) erfolgen. Alternativ kann jedoch in


wie z. B. Festigkeit, Steifigkeit und∕​oder Durchläs- vielen Fällen durch verschiedene Verfahren der
sigkeit des Untergrunds werden durch die Verbesse- Baugrundverbesserung eine Erhöhung und Homo-
rungsmaßnahmen so verändert, dass ein für die genisierung der Bodensteifigkeit in einem Ausmaß
Bauwerksgründung bzw. Bauwerkserrichtung bes- erreicht werden, dass eine entsprechend setzungsar-
ser bzw. ausreichend geeigneter Baugrund entsteht me Gründung des Bauwerks sichergestellt werden
bzw. eine sicherheitserhöhende Wirkung, z. B. im kann. In Bild 1 sind die Einsatzbereiche für klassi-
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Zusammenhang mit Hanginstabilitäten, Verflüssi- sche Tiefgründungen mittels z. B. Pfählen, Bau-
gungsgefährdungen im Untergrund etc., erzielt wer- grundverbesserungsmaßnahmen mittels steifen,
den kann. In vielen Fällen bedeutet dies, dass auf diskreten Elementen und klassischen Baugrundver-
weitere Maßnahmen wie z. B. Pfähle, ergänzende besserungsverfahren wie z. B. Rütteldruck- oder
Abdichtungsmaßnahmen etc. verzichtet werden Rüttelstopfverdichtung nach [3] dargestellt.
kann. Dabei kann dem anstehenden Boden die Auf- Klassische Baugrundverbesserungsmaßnahmen fin-
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gabe eines Baustoffs, z. B. als Zuschlagstoff bei ze- den für eher geringere bis mittelgroße Lasten An-
730 Baugrundverbesserung

Bild 1.  Mögliche Einsatzbereiche


von Tiefgründungen und Baugrund-
verbesserungen (BV) [3]

wendung und bedingen oftmals größere zulässige Verfahren zählen z.  B. Rütteldruckverdichtung
Verformungen. Klassische Tiefgründungsmaßnah- (RDV), Vibrationsverdichtung, dynamische Inten­
men kommen zumeist bei hohen und konzentrierten sivverdichtung, Rapid Impact Compaction etc.
Lasten, bei gleichzeitig strengeren Setzungskrite­ Reicht die mittels Bodenverdichtung erreichbare
rien zur Anwendung. Es gibt einen großen Über- Erhöhung der Bodensteifigkeit nicht aus, können
schneidungsbereich, in welchem beide Systeme auch einzelne der im Folgenden für bindige Böden
Anwendung finden bzw. Arten von Baugrundver- beschriebenen Ansätze (allenfalls mit gewissen Ad-
besserungsmaßnahmen ihren Platz finden, die in aptionen für nichtbindige Böden) zur Anwendung
ihrer Wirkung Pfählen ähnlich sind. In Bild  2 ist gelangen.
eine Flächengründung, eine klassischen Pfahlgrün-
dung, eine kombinierte Pfahl-Plattengründung, bei In bindigen Böden ist eine (Eigen-)Verdichtung des
der ein Teil der Lasten über die Pfähle und ein Teil Bodens durch dynamische Anregung i.  Allg. nicht
über die Bodenplatte in den Untergrund abgetragen möglich. Eine Verringerung des Porenraums und
wird, und die Gründung mittels diskreter Elemente eine damit einhergehende Erhöhung der Konsistenz
– also pfahlähnliche Baugrundverbesserungsmaß- und Steifigkeit kann allenfalls durch statische Auf-
nahmen – dargestellt. lasten erreicht werden. Insbesondere bei einer an­
nähernd vollen Sättigung des Bodens ist hierfür je-
In nichtbindigen Böden erfolgt eine Baugrundver- doch ohne zusätzliche Maßnahmen (wie z. B. Verti-
besserung zumeist durch eine Eigenverdichtung des kaldränagen) eine lange Belastungszeit aufgrund der
anstehenden Bodens durch dynamische Anregung geringen Bodendurchlässigkeit und damit zusam-
[4]. Durch die dynamische Anregung wird die menhängenden geringen Konsolidierungsgeschwin-
Korn-zu-Korn-Spannung des Bodens so stark ver- digkeit erforderlich. Baugrundverbesserungsmaß-
ringert, dass unter Wirkung des Bodeneigenge- nahmen für bindige Böden bauen daher im Allge-
wichts eine Kornumlagerung und damit verbunden meinen auf drei unterschiedlichen Prinzi­pien auf.
eine signifikante Verdichtung des Bodens stattfin-
det. Im Behandlungsbereich kann ein (sehr) locker Erstens können Auflastschüttungen (Vorlast- bzw.
gelagerter Boden in eine mitteldichte bis dichte La- Überlastschüttungen) aufgebracht werden, die eine
gerung überführt werden. Zu den hierfür geeigneten Zusammendrückung und damit einhergehende Er-

Bild 2.  Flachgründung, Pfahlgründung, Kombinierte Pfahlplattengründung (KPP) und Gründung mit diskreten
­Elementen („rigid inclusions“) nach [101]
Ziel von Baugrund­verbesserungsmaßnahmen 731

höhung der Bodensteifigkeit bewirken. Im Falle von der Einbau einer „definiert weicheren“ Boden-
Vorlast- oder Überlastschüttungen werden die An- schicht im Bereich des unmittelbar unter der Grün-
schüttungen nach ausreichend abgeklungenen Set- dungssohle anstehenden Felsens zweckmäßig sein,
zungen wieder ganz oder teilweise abgetragen und um differenzielle Setzungen gering halten zu kön-
das eigentliche Bauwerk kann errichtet werden. Das nen. Hier kommen i. Allg. Bodentauschmaßnahmen

VIII
Prinzip der Vor- bzw. Überlastschüttung besteht zur Anwendung. Der Fels wird über eine bestimmte
nicht nur in der generellen Erhöhung und Homoge- Dicke abgetragen und durch eine Bodenschicht (mit
nisierung der Bodensteifigkeit, sondern auch darin, definierten Eigenschaften) ersetzt.
dass bei ausreichend großer Vorlast („Überlast“)
das Bauwerk im Ent- und Wiederbelastungsast der 2.3 Beeinflussung der Festigkeit des
Last-Setzungskurve, somit also bei einer ca. 3- bis Baugrunds
5-fachen Bodensteifigkeit im Vergleich zum Erstbe-
lastungsast, errichtet wird. Zur Beschleunigung des Eine Erhöhung der Bodenfestigkeit kann beispiels-

I
Setzungsvorgangs während der Phase der Vorlast-∕​ weise erforderlich werden, wenn
Überlastschüttung wird diese Methode i. Allg. mit −− die Stabilität eines Hangs oder einer Böschung
dem Einbau von Vertikaldränagen (z. B. vorgefer- nicht ausreichend gegeben ist [5],
tigte Kunststoffdräns) kombiniert.
−− die Bodenfestigkeit unter dem Fuß eines zu er-
Als zweites gängiges Prinzip zur Erhöhung der Stei- richtenden Dammkörpers nicht ausreicht,
figkeit bindiger Bodenschichten können säulen-,

I
−− die Grundbruchsicherheit für eine Gründung zu
scheiben- oder andersartig geformte Elemente ver- erhöhen ist,
gleichsweise hoher Steifigkeit in den Boden einge-
−− der Erddruck auf eine Konstruktion durch die
bracht oder durch Bodenvermischung mit z. B. hy-
Erhöhung der Festigkeitseigenschaften der Hin-
draulischen Bindemitteln hergestellt werden. Als
terfüllung reduziert werden soll oder
klassische Beispiele hierfür sind zu nennen: Rüt-
telstopfverdichtung (RSV), Betonstopfsäulen oder −− ein Bodenkörper durch Festigkeitserhöhung

I
vermörtelte Kiessäulen, Trockenmischverfahren, eine Stütz- oder Tragfunktion übernehmen soll
wie z. B. Lime Cement Mixing oder CSV, Nass- [6].
mischverfahren, wie z. B. Mixed in Place und Deep Oftmals geht das Erfordernis einer Erhöhung der
Soil Mixing-Verfahren. Das Prinzip der Baugrund- Festigkeit auch mit dem Erfordernis einer Steifig-
verbesserung besteht dabei darin, die geringe Stei- keitserhöhung des anstehenden Bodens einher. Als
figkeit des anstehenden Bodens durch den Einbau Baugrundverbesserungsverfahren für die Festig-
steiferer und besser tragfähiger Elemente als Be- keitserhöhung können prinzipiell auch die Verfah-

I
wehrung zu ergänzen und somit eine im Mittel hö- ren zur Erhöhung der Bodensteifigkeit, wie sie im
here Steifigkeit zu erzielen. Durch die Steifigkeits- Abschnitt 2.2 diskutiert wurden, angewandt werden.
und Festigkeitseigenschaften der eingebauten Ele- Die detaillierte Auslegung der Elemente (Geomet-
mente (von ungebundenen Schottersäulen bis zu rie, Mischrezepturen etc.) kann jedoch je nach An-
Tragelementen aus Beton) wie auch die geometri- forderung variieren. Auch kommen für Anforderun-
schen Kennzahlen (wie z. B. Durchmesser und Ras- gen der Festigkeitserhöhung Verfahren zur Anwen-
ter der Tragelemente) ist der Verbesserungs- bzw.

I
dung (z. B. geogitterbewehrte Erdkörper, Bodenver-
Ertüchtigungsgrad gezielt steuerbar. nagelungen etc.), die einerseits keine klassischen
Das dritte Prinzip der Baugrundverbesserung für Verfahren der Baugrundverbesserung darstellen
bindige Böden besteht darin, dass großräumig ein und andererseits nicht gleichzeitig eine ausreichend
Bindemittel in den zu verbessernden Bodenkörper steifigkeitserhöhende Wirkung haben müssen.
eingemischt bzw. eingefräst wird. Als bekannteste Die für die Erhöhung der Bodensteifigkeit im vori-
Beispiele sind hierfür die Kalkstabilisierung bzw.
I
gen Abschnitt 2.2 genannten grundlegenden Prinzi-
die Stabilisierung mittels Kalk-Zementbindemittel-​ pien gelten auch hier. Das heißt, die Festigkeitser-
Gemischen zu nennen. Hierbei wird der gesamte zu höhung kann durch Verdichtung (bzw. allgemein
behandelnde Boden verbessert. Verringerung des Porenraums), durch Einbringen
oder Herstellen von z. B. säulen- oder scheibenför-
In selteneren Fällen kann auch die gezielte Verrin-
migen Elementen höherer Festigkeit oder aber
gerung (bzw. das Geringhalten) der Steifigkeit ein-
durch Verfestigen großer Bodenkubaturen, z. B.
zelner Bodenvolumina erforderlich sein. Ein Bei-
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durch mechanisches und hydraulisches Einmischen,


spiel hierfür ist die Gründung eines Bauwerks im
erfolgen.
Bereich einer (steil) abtauchenden Felsoberfläche.
Ein Teil des Bauwerks gründet im Bereich des an- Anzumerken ist, dass Baugrundverbesserungsmaß-
stehenden Felsens, ein anderer Teil ist schwimmend nahmen zur Erhöhung der Steifigkeit und∕​oder Fes-
zu gründen, da der steil abtauchende Fels eine Ein- tigkeit auch oftmals für die nachträgliche Ertüchti-
bindung der Pfähle bis in den Felsen aus wirtschaft- gung von Bestandsgebäuden bzw. deren Gründung
I

lichen Gründen nicht erlaubt. In diesem Fall kann Anwendung finden.


732 Baugrundverbesserung

2.4 Beeinflussung der Durchlässigkeit des menhang mit einer möglichen Erdbebenbelastung
Untergrunds (oder sonstigen dynamischen Anregungen) und un-
tergeordnet mit Verflüssigungserscheinungen in Zu-
Es gibt viele Anwendungsbeispiele für eine erfor- sammenhang mit hohen hydraulischen Gradienten
derliche Veränderung der Durchlässigkeit eines Bo- im Untergrund von Bedeutung.
denkörpers bzw. einer Bodenschicht. Beispielhaft
wird angeführt: Als besonders verflüssigungsgefährdete Böden gel-
−− Verringerung der Durchlässigkeit des Unter- ten dabei Korngrößenspektren von Mittelschluff bis
grunds für die Errichtung einer Baugrube im in den Sandbereich mit einer (sehr) lockeren Lage-
Grundwasser, rungsdichte, die einerseits keine nennenswerten
kohäsiven Eigenschaften aufweisen und deren
−− Verringerung der Durchlässigkeit eines Erdbau- Durchlässigkeit andererseits gering genug ist, dass
stoffs für die Errichtung eines Damms (z. B. sich im Zuge dynamischer Anregungen und Ver-
Hochwasserschutzdamm), dichtung signifikante Porenwasserdrücke aufbauen
−− Erhöhung der Durchlässigkeit im Sohlbereich können [10].
einer Baugrube im Grundwasser zur Vermei-
dung unplanmäßiger Porenwasserüberdrücke, Baugrundverbesserungsmaßnahmen zur Reduktion
−− Erhöhung der Durchlässigkeit in einer bindigen des Verflüssigungspotenzials zielen dementspre-
Bodenschicht zur Konsolidierungsbeschleuni- chend auf eine Verdichtung des anstehenden Bo-
gung unter einer Auflast (Vertikaldränagen) [7], dens, auf eine Erhöhung seiner Durchlässigkeit oder
aber auf eine Verfestigung als Ganzes oder in Form
−− Erhöhung der Durchlässigkeit einer Boden- diskreter Elemente (z. B. durch den Einbau von säu-
schicht zur Erhöhung der Sickerfähigkeit. lenartig verfestigten Körpern) ab. Eine Verdichtung
Die gewünschte Erhöhung der Durchlässigkeit einer des Bodenkörpers kann durch die bereits im Ab-
Bodenschicht oder eines Bodenkörpers mittels Ver- schnitt 2.2 beispielhaft genannten Rütteltechniken
fahren der Baugrundverbesserung wird i.  Allg. erzielt werden. Eine Erhöhung der Durchlässigkeit
durch den Einbau von vertikalen Elementen mit re- kann z. B. durch den Einbau von Schottersäulen
lativ zum anstehenden Untergrund vielfach höherer mittels Rüttelstopfverdichtung erreicht werden.
Durchlässigkeit wie Schottersäulen, Sandsäulen, Für  den Einbau sogenannter diskreter Elemente
Kunststoffdräns o. Ä. erreicht. Eine Erhöhung der ­stehen viele verschiedene Verfahren, wie sie bei-
horizontalen Durchlässigkeit kann durch den Ein- spielhaft in Abschnitt 4 angeführt werden, zur Ver-
bau von Dränagen (im Press- oder Bohrverfahren) fügung.
oder bei der lagenweisen Herstellung von Erdkör-
pern durch den Einbau von flächigen oder linienför- 2.6 Binden oder Abbau von Schadstoffen im
migen Dränagen (Textildränagen, mineralischen
Untergrund
Dränagen) erreicht werden. Diese Verfahren werden
jedoch eher der Wasserhaltung als der Baugrund- Einen besonderen Aspekt der Baugrundverbesse-
verbesserung zugerechnet, weshalb im Weiteren rung im weiteren Sinne stellt die Behandlung von
nicht näher auf diese eingegangen wird. kontaminiertem Boden dar, denn in Zeiten steigen-
Eine Verringerung der Durchlässigkeit des anste- den Flächenbedarfs und Umweltbewusstseins ge-
henden Bodens wird durch eine Verringerung des winnt das Altlastenmanagement und Flächenrecyc­
Porenraums bzw. der zusammenhängenden Poren in ling immer mehr an Bedeutung. Unter Altlasten
einem geometrisch definierten Bodenkörper er- werden in diesen Zusammenhang vom Gesetzgeber
reicht. Dies kann einerseits durch Verfüllen des Po- sinngemäß Altstandorte und Altablagerungen ver-
renraums z. B. durch Injektionen, durch Einmischen standen, von denen eine erhebliche Gefahr für
von Fremdmaterial (z. B. Einmischdichtungen aus Mensch und Umwelt ausgeht (siehe dazu zum Bei-
anstehendem Boden und beigemischtem, zumeist spiel das deutsche Bundesbodenschutzgesetz oder
feinkörnigeren, Bodenmaterial) und unter gewissen das österreichische Altlastensanierungsgesetz, in
Umständen durch reine Verdichtungsprozesse statt- den jeweils gültigen Fassungen). Die europäische
finden. Letzteres kann z. B. in einem gut abgestuf- Kommission schätzt die Anzahl solcher Altlasten
ten Sand-Kies-Gemisch mit geringen Anteilen an auf 5,66 je 10.000 Einwohner im europäischen
Feinkorn und Steinen durch eine Rütteldruckver- Durchschnitt [11].
dichtung erreicht werden, wobei im günstigen Fall
eine Reduktion der Durchlässigkeit um einen Faktor Die Bilder 3 und 4 zeigen die grundsätzlichen Mög-
von ca. 10 bis 20 erzielbar ist (vgl. [8, 9]). lichkeiten zur Sanierung, wobei zuerst zwischen
Sicherungsmaßnahmen, die den Schadstoff unver-
2.5 Reduktion des Verflüssigungspotenzials ändert im Boden belassen, und Sanierungsmetho-
den, die das Ziel einer Entfernung oder Neutralisa­
Die erforderliche Reduktion des Verflüssigungspo- tion der Kontaminanten verfolgen, zu unterscheiden
tenzials eines Bodens ist in erster Linie in Zusam- ist [12, 13].
Ziel von Baugrund­verbesserungsmaßnahmen 733

VIII
I
Bild 3.  Überblick über die Sanierungsmethoden. Graue Felder sind ein Hinweis auf massive Bautätigkeit
und den Einsatz von (latent) hydraulischen Bindemitteln [14]

I
I
I
Bild 4.  Schematische Darstellung von Dekontaminationsmaßnahmen (linke zwei Bilder) und Sicherungs­
maßnahmen (rechtes Bild)

Eine große Anzahl an Technologien steht der Viel-

I
leichtflüchtigen Stoffen in der ungesättigten Boden-
zahl an Verunreinigung mit unterschiedlichsten zone auch pneumatische Methoden eingesetzt. Da
physikalischen und chemischen Eigenschaften ge- in jedem Fall eine Behandlung der entnommenen
genüber. So ist zum Beispiel die Mobilität bzw. Stoffe erforderlich ist, ist eine Abgrenzung zu den
Lösbarkeit von Schwermetallen abhängig vom vor- chemischen In-situ-Methoden schwierig.
herrschenden pH-Wert, Mineralöle schwimmen als
Leichtphasen auf Grundwasserkörpern, wohinge- Die passiven Methoden umfassen neben klassischen
Umschließungen mit z. B. Spund-, Schmal- oder
I
gen organische Lösungsmittel als Schwerphasen in
den Grundwasserkörper eindringen und sich am Schlitzwänden auch sogenannte „permeable Reini-
Grundwasserstauer absetzen können. Einen Über- gungswände“. Diese setzen sich meist aus einer
blick gibt zum Beispiel [15]. klassischen Dichtwand („funnel“) und einem quer
zur Grundwasserströmung angeordneten durchläs-
In der Praxis verschwimmen die klaren Grenzen sigen Bereich („gate“) zusammen. Dort erfolgt die
zwischen den einzelnen Verfahren bedingt durch Reinigung des Grundwassers durch Fällung, Ad-
I

Mischkontaminationen oder den Einsatz von Treat- sorption oder Entnahme. Stand der Technik sind
ment Trains, also dem mehrstufigen Einsatz von Gate-Bauwerke, in denen das reaktive Medium re-
Sanierungstechniken. generiert oder getauscht werden kann.

2.6.1 Sicherungsmaßnahmen Einkapselungen und Umschließungen können auf


unterschiedlichste Weise durchgeführt werden. Zu
Bei den aktiven Methoden werden hydraulische nennen sind hier Injektionen und das Düsenstrahl-
I

Methoden (Schluck- und Sperrbrunnen) und bei verfahren.


734 Baugrundverbesserung

2.6.2 Dekontaminationsmaßnahmen
Bei den Ex-situ-Verfahren wird die Verunreinigung
meist konventionell ausgehoben. In Sonderfällen
können jedoch verrohrte Großlochbohrungen not-
wendig sein, um tiefliegende Kontaminationen zu
erreichen.
Biologische In-situ-Verfahren zielen in der Regel
darauf ab, für ubiquitäre Mikroorganismen – das
sind standortungebundene Lebewesen – Lebensbe-
dingungen zu schaffen, die ihnen den Abbau der
Schadstoffstoffe als Energie- bzw. Nahrungsquelle
ermöglichen.
Thermische Verfahren bewirken, dass der Schad-
stoff verdampft und über Bodenluftabsaugung aus
dem Boden entfernt wird. Angepasst an die Grund- Bild 5.  Lokalisierter Schadensherd und Dekontamina­
tion mittels HaloCrete® für eine Altlastensanierung bei
wassersituation können dabei feste Wärmequellen Schwechat, Österreich
eingesetzt oder Dampf-Luft-Injektionen ausgeführt
werden.
Leichtflüchtige Verunreinigungen können mittels brachte reaktive Stoffe, die über Oxidation oder
pneumatischer Verfahren saniert werden. Neben der Reduktionsvorgänge zum Abbau der Schadstoff-
klassischen Bodenluftabsaugung in der ungesättig- kontamination führen. Bei dem in Bild 5 dargestell-
ten Bodenzone sind dabei Airsparging-Methoden ten Schadensherd handelte es sich um eine Kon­
zu nennen, bei denen die Kontamination durch Ein- tamina­tion mit Tetrachlorethen, die aus einem Put-
blasen von Luft aus dem Grundwasser ausgetrieben zerei-​Betrieb in den Boden gelangt war. Vorteil des
wird. Aber auch einfache Dränagegräben können Verfahrens ist, dass es neben der Dekontamination
zur Anwendung kommen. auch eine Verfestigung des Baugrunds bewirkt.
Zu den hydraulischen Verfahren zählen Spülungen
mit Stoffen, wie zum Beispiel Alkoholen und Tensi- 3 Grundlagen für die Planung
den. Rechtlich ist diese Vorgehensweise nicht unbe-
denklich, da zumindest kurzzeitig potentiell um- und Ausführung von Baugrund­
weltschädigende Stoffe in den Boden gelangen kön- verbesserungsmaßnahmen
nen.
Während es für eine Vielzahl von geotechnischen
Bei Zirkulationsbrunnen wird durch den Einsatz Verfahren und Bausystemen wie z. B. Vorspannan-
von Pumpen eine vertikale Strömung im Boden in- ker, Bodennägel und zahlreiche Pfahltypen bemes-
duziert, die zu einer erhöhten Austragung des sungs- und herstellungsrelevante Normen und Re-
Schadstoffs im Vergleich zu rein horizontaler gelwerke gibt (vgl. [17–19), gibt es für eine Mehr-
Durchströmung des Bodenkörpers führt. zahl von Verfahren zur Baugrundverbesserung kei-
ne Bemessungsnormen und für bestimmte Verfah-
Bei den chemischen Verfahren werden, abhängig ren auch keine Ausführungsnormen. Für die
vom Bodenmilieu, Oxidations- oder Reduktions- Planung und Bemessung wird in solchen Fällen auf
mittel in den Untergrund eingebracht, um den allgemeine Regelwerke zur Nachweisführung (vgl.
Schadstoff chemisch abzubauen bzw. zu neutralisie- [1, 20]) und auf spezifische Fachliteratur zurückge-
ren. Die Schwierigkeit bei diesen Verfahren besteht griffen. Des Weiteren kommt der baupraktischen
darin, Reaktanz und Verunreinigung in Kontakt zu Erfahrung und der besonderen Sachkunde in der
bringen. Einen möglichen Lösungsansatz stellt hier Planung und Ausführung von Baugrundverbesse-
die Anwendung von Bodenmisch- oder Düsen- rungsmaßnahmen eine besondere Rolle zu.
strahlverfahren dar.
Am Beispiel des Letzteren lässt sich auch die Wich- Die Tatsache, dass es für Baugrundverbesserungs-
tigkeit der Planung und Erkundung in diesem Zu- maßnahmen nur bedingt Regelwerke für die Bemes-
sammenhang herausstreichen, denn nur so können sung gibt, schafft einerseits einen gewissen Frei-
Synergien, zum Beispiel zwischen Baugrubensiche- raum im Entwurf und in der Wahl der Bemessungs-
rung, Gründung und Sanierung, ausgenutzt werden grundlagen, ist andererseits jedoch mit einer ent-
[16]. sprechend großen Verantwortung bei der Festle-
gung ausreichender Sicherheitsgrößen verbunden.
Das zur Sanierung eingesetzte HaloCrete®-Verfah- Dies und die Tatsache, dass bei Baugrundverbesse-
ren basiert auf der Düsenstrahlmethode. Zum Ein- rungsmaßnahmen der anstehende Baugrund bei vie-
satz kommen spezielle mit dem Bindemittel einge- len Verfahren zum Werkstoff bzw. Konstruktions-
GrundlagenfürdiePlanungund AusführungvonBaugrund­verbesserungsmaßnahmen 735

körper wird und Boden in seiner Zusammensetzung Im Zuge dieser ersten Eignungsprüfung können bei-
und seinen maßgebenden Kennwerten grundsätz- spielsweise folgende Kriterien abgefragt werden:
lich mit größeren Streuungen behaftet sein kann,
führt dazu, dass der Qualitätskontrolle während und −− Ist das Baufeld mit dem erforderlichen Baugerät
nach der Ausführung eine übergeordnete Rolle zu- erreichbar und der anstehende Untergrund be-

VIII
kommt. fahrbar? Falls ja, unter welchen Voraussetzun-
gen und möglichen Erschwernissen?
Für eine technisch und wirtschaftlich angemessene −− Kann das für ein spezifisches Verfahren erfor-
Festlegung geeigneter Baugrundverbesserungs- derliche Gerät (Rüttler, Rüttelbohle, Endlos-
maßnahmen zur Lösung einer geotechnischen Prob- schnecke, Rührwerkzeug etc.) bis auf die Soll-
lemstellung sind i. Allg. die folgenden Punkte von tiefe in den Untergrund abgeteuft werden?
vorrangiger Bedeutung:
−− Ist der anstehende Boden mit dem angedachten

I
−− die vorherrschenden Gelände-, Untergrund- und Verfahren ausreichend verdichtbar, mischbar
Grundwasserverhältnisse sowie unter Umstän- bzw. verdrängbar?
den auch die geochemischen Randbedingungen, −− Führen die vorliegenden Schicht- bzw. Grund-
−− die statischen Spezifikationen sowie Gebrauchs- wasserverhältnisse zu Erschwernissen (z.  B.
tauglichkeitsanforderungen für das zu errichten- Austrag von Frischsuspension durch hohe
de Bauwerk und die relevanten Einwirkungen Grundwassergeschwindigkeiten)? Kann es
durch das angedachte Verfahren zu einer un­

I
auf∕​durch das Bauwerk,
zulässigen Beeinflussung bestehender Grund-
−− zeitliche Randbedingungen, wassergegebenheiten kommen (z.  B. Kurz-
−− umweltrechtliche Randbedingungen, schluss unterschiedlicher Grundwasserstock-
werke durch z. B. Schottersäulen)?
−− nachbarrechtliche Randbedingungen,
−− Wird das Abbindeverhalten von Frischsuspen­
−− Verfügbarkeit von Gerät, Personal und be- sionen durch den Chemismus des Untergrunds

I
stimmten (Material-)Ressourcen. bzw. des Grundwassers (negativ) beeinflusst?
−− Ist durch das angedachte Verfahren und die vor-
3.1 Voraussetzungen für die Planung von herrschenden Untergrundverhältnisse eine un-
Baugrundverbesserungsmaßnahmen zulässige Beeinflussung von Nachbarobjekten
3.1.1 Baugrunderkundung und Kenntnis der bzw. Fremdrechten zu erwarten?
Baugrundeigenschaften −− Welche besonderen Unsicherheiten und Risi-

I
ken, technischer und wirtschaftlicher Natur,
Wie bereits mehrfach betont, kommt der Baugrund­ sind infolge der gegebenen Untergrundver­
erkundung bei der Festlegung und Bemessung ge- hältnisse für ein bestimmtes Verfahren zu er-
eigneter Baugrundverbesserungsverfahren eine be- warten?
sondere Bedeutung zu. In einem ersten Schritt dient
die Baugrunderkundung zur allgemeinen Charakte- −− Welche zusätzlichen Erkundungs- und Untersu-
risierung der Untergrund- und Grundwasserverhält- chungsmaßnahmen sind für noch ungeklärte

I
nisse vor allem der Beurteilung, inwieweit Maßnah- Fragen zur Entscheidungsfindung und Vorbe-
men für die Gründung oder Herstellung eines Bau- messung relevant?
werks erforderlich sind. Werden derartige Maßnah- Bereits im Zuge einer derartigen Vorprüfung wird
men als geboten erachtet, kann in einem nächsten eine erste Unterscheidung in grundsätzlich anwend-
Schritt die Anwendung von Baugrundverbesse- bare und nicht in Frage kommende Verfahren erfol-
rungsmaßnahmen überlegt und geprüft werden. gen können und müssen. Ferner wird auch eine Spe-
I
zifizierung der projektbezogenen Problem- und
Da die Anwendbarkeit der meisten Baugrundver- Fragestellungen stattfinden müssen und es können
besserungsverfahren jedoch stark von der Korngrö- noch offene Punkte erkannt werden, die durch er-
ßenzusammensetzung und den spezifischen Eigen- gänzende In-situ- und Laboruntersuchungen zu klä-
schaften des Bodens abhängen, muss aus den Er- ren sind.
gebnissen der Baugrunderkundung die Eignung
bzw. Nichteignung der einzelnen Verfahren fest- Besteht zum Zeitpunkt der Baugrunderkundung be-
stellbar sein. D. h. der Baugrunderkundung kommt reits ein gewisses Vorwissen über die Untergrund-
I

in einem zweiten Schritt die Aufgabe zu, eine Beur- verhältnisse und gibt es auch schon Präferenzen für
teilung der grundsätzlichen Eignung einzelner Ver- ein bestimmtes Baugrundverbesserungsverfahren,
fahren zur Baugrundverbesserung zu ermöglichen das zur Anwendung kommen kann oder soll, so
und die verbessernde Wirkung (für eine oder meh- kann die Baugrunduntersuchung schon spezifisch
rere geotechnische Problemstellungen unter Be- auf das angedachte Verfahren ausgelegt werden. Es
rücksichtigung gegebener Randbedingungen) auch werden dann vor allem In-situ- und Laboruntersu-
I

quantitativ abschätzen zu können. chungen vorgenommen, die für die detaillierte Pla-
736 Baugrundverbesserung

nung einschließlich der erforderlichen Qualitätssi- Bei der Wahl und Entscheidung der Gründungs-
cherungsmaßnahmen während der Ausführung für maßnahmen spielt jedoch nicht nur die zuvor ge-
das angedachte Verfahren herangezogen werden nannte Größe und Art der Lastabtragung eine Rolle,
können. Zum Beispiel können für eine geplante sondern auch die aus Gebrauchstauglichkeits- und
Rütteldruckverdichtung verstärkt CPT-Tests und∕​ Dauerhaftigkeitsaspekten zulässigen absoluten und
oder DPH-Tests vorgenommen werden, die einer- differenziellen Setzungen einer Tragkonstruktion
seits als Grundlage für die Dimensionierung der sind von entscheidender Bedeutung. Je nach stati-
Verbesserungsmaßnahme, andererseits aber auch schem System des Tragwerks, nach Art und Dukti-
als Basis für die spätere Beurteilung der Verbesse- lität der Konstruktion und der Werkstoffe, aber auch
rungswirkung durch Wiederholung von Ver- abhängig von den aus Gründen der Nutzung und
gleichs-Tests nach Durchführung der Verbesse- Optik zulässigen Verformungen (Gebrauchstaug-
rungsmaßnahmen herangezogen werden können. lichkeit) ergibt sich, inwieweit Baugrundverbesse-
Oder für den Fall einer geplanten Einmischung von rungsmaßnahmen anwendbar sind. In vielen Fällen
Bindemitteln z. B. nach dem Verfahren des Deep erlauben (entsprechend dimensionierte) Pfahlgrün-
Soil Mixing (DSM) oder mittels Mixed in Place dungen eine setzungsärmere Bauweise im Vergleich
(MIP) werden insbesondere bei feinkörnigen Böden zu klassischen Baugrundverbesserungsmaßnah-
vorab Korngrößenverteilungen und evtl. auch erste men, wobei derart ausgelegte Pfahlgründungen
Laboruntersuchungen an Probemischungen zu er- dann i. Allg. auch mit deutlich höheren Kosten und
mitteln sein. Bei Mischverfahren ist der Feinkorn­ Herstellungszeiten verbunden sind.
anteil – insbesondere der Tonanteil – von wesentli-
cher Bedeutung dafür, ob eine homogene Vermi- Bei der Entscheidung für eine bestimmte Grün-
schung zwischen Boden und Einmischgut über- dungs- bzw. Baugrundverbesserungsmaßnahme
haupt möglich ist. sind neben den Kosten insbesondere die zuvor ge-
nannten Randbedingungen nicht nur zu überprüfen,
Zusammenfassend ist die Bedeutung einer ausrei- sondern gemeinsam mit dem Bauwerksplaner und
chenden Baugrunderkundung nicht nur in der Fest- dem Bauherrn zu besprechen und zu bewerten. Ins-
stellung der allgemeinen baugrundspezifischen Pro- besondere was die Vorgaben für die Gebrauchstaug-
blemstellungen für ein Bauvorhaben zu sehen, son- lichkeit eines Bauwerks anbelangt, hat letztlich der
dern insbesondere auch in einer Überprüfung der Bauherr evtl. gemeinsam mit seinem Tragwerkspla-
Anwendbarkeit von speziellen Baugrundverbesse- ner die Anforderungen vorzugeben. Das Miteinan-
rungsverfahren für die gegebenen Baugrundverhält- der zwischen Bauherrn, Planern und in weiterer
nisse und zur Ermittlung der (geo-)technischen Pro- Folge der ausführenden Firma, indem das Soll und
jektrandbedingungen. das mögliche Ist dargestellt, bewertet und dann ge-
meinsam getragen wird, ist von entscheidender Be-
3.1.2 Tragwerkseigenschaften, Lasten und deutung.
Anforderungen an das Bauwerk
Die Größe und Verteilung der von einem Bauwerk 3.2 Bemessungsgrundlagen für auf
in den Untergrund abzuleitenden Lasten werden
von den Dimensionen, den Werkstoffen, dem Baugrundverbesserungen errichteten
Tragsystem, dem Standort und von der Nutzung ei- Bauwerken
nes Bauwerks wesentlich bestimmt. Die genannten 3.2.1 Grundlagen zur Bemessung von
Punkte bestimmen einerseits die Größe der abzutra- Fundamentplatten
genden Lasten, aber auch, ob diese konzentriert in
Form von Einzellasten oder vorwiegend linienför- Pfahlgründungen erlauben eine konzentrierte An-
mig oder flächig verteilt abzuleiten sind. Wie bereits ordnung der Pfähle unter lastabtragenden Wänden
ausgeführt und im Abschnitt 3.2 noch eingehender und Stützen, wodurch in solchen Fällen neben einer
diskutiert werden soll, eigenen sich Baugrundver- setzungsarmen Gründung in gewissen Fällen auch
besserungsmaßnahmen in nicht ausreichend tragfä- Einsparungen in der Auslegung der Bodenplatten
higen Böden besonders für die Ableitung verteilter bzw. allgemein der Fundamente möglich werden.
Lasten sowie kleiner und mittlerer Einzellasten. Für Da Baugrundverbesserungen für Gründungszwecke
die Abtragung sehr hoher Einzellasten sind Pfähle auf eine Ertüchtigung des anstehenden Bodens ab-
bzw. in ihrer Wirkungsweise Pfählen ähnliche Sys- zielen, ist eine vergleichsweise konzentrierte Ablei-
teme i.  Allg. klassischen Baugrundverbesserungs- tung der Lasten nur eingeschränkt möglich. Dem
maßnahmen vorzuziehen (Bild  1). Dies insbeson­ Fundamentkörper, oftmals in Form einer Boden-
dere deshalb, da ausreichend dimensionierte Pfähle platte, kommt somit eine wesentliche Funktion als
sehr hohe Lasten auf kleiner Fundamentfläche ab- lastverteilendes Konstruktionselement zu. Stützen-
leiten können, sodass keine großflächige Verteilung lasten und über Wandscheiben abgetragene Lasten
der Einzel- bzw. Stützenlasten über ein entspre- werden über die ausreichend biegesteife Bodenplat-
chend zu dimensionierendes Fundament erforder- te auf eine derart große Fläche verteilt, dass der
lich wird. durch Baugrundverbesserungsmaßnahmen ertüch-
GrundlagenfürdiePlanungund AusführungvonBaugrund­verbesserungsmaßnahmen 737

tigte Baugrund diese Bodenpressungen mit tolerier- Die in der gängigen Ingenieurpraxis häufige An-
bar geringen Setzungen abtragen kann. Speziell bei wendung des Bettungsmodulverfahrens als Bemes-
gleichmäßig(er) verteilten Lasten (im Gegensatz zu sungsgrundlage für die Dimensionierung der Fun-
konzentrierten, großen Einzellasten) ergibt sich damentkörper ergibt sich aus der Einfachheit dieses
mittels Baugrundverbesserungsmaßnahmen i. Allg. Verfahrens und der Tatsache, dass in vielen Berech-

VIII
eine kostengünstigere Ausbildung der Bodenplatte nungsmodellen und -programmen für Tragwerke im
mit z. B. deutlich reduzierter Dicke oder geringerem Hochbau eine zutreffende Abbildung des Bodenver-
Bewehrungsgehalt. haltens nicht (einfach) möglich ist. Aus theoreti-
scher Sicht wie auch aus berechnungspraktischer
Die konstruktive Bemessung der Bodenplatte bzw. Erfahrung zeigt sich auch, dass die ermittelten
der Fundamente erfolgt aufgrund der Einfachheit Schnittkräfte (Biegemomente und Querkräfte) kei-
oftmals nach dem Bettungsmodulverfahren [21]. ne allzu große Sensitivität in Bezug auf die ange-
Aufgrund der häufigen Anwendung dieses Verfah- nommene Größe und Verteilung des Bettungsmo-

I
rens in der Ingenieurpraxis und der zuvor beschrie- duls zeigen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass
benen Wirkungsweise von Baugrundverbesse- der Bettungsmodul ks unter der vierten Wurzel in
rungsmaßnahmen, die in vielen Fällen ein lastver- die Ermittlung der Biegemomente eingeht. Dies ist
teilendes Fundament bzw. eine lastverteilende Fun- der Grund dafür, dass trotz der oben angesproche-
damentplatte erfordern, wird im Folgenden kurz auf nen Nachteile die Anwendung des Verfahrens für
dieses Verfahren, insbesondere auch auf die zuge- die Ermittlung der Schnittkräfte für Gründungsele-
hörige Kennzahl, den Bettungsmodul, eingegangen.

I
mente in der Baupraxis in vielen Fällen trotzdem
Bezüglich der theoretischen Beschreibung des Bet- ausreichend gut möglich ist [21].
tungsmodulverfahrens wird beispielhaft auf [21]
verwiesen. Bei der Anwendung des Bettungsmodulverfahrens
ist jedoch darauf zu achten, dass dieses für die Er-
Das Bettungsmodulverfahren sieht die Modellie- mittlung der Schnittkräfte in der Gründungsplatte
rung des Untergrunds durch die Anordnung einer bzw. des Tragwerks Anwendung finden kann, je-
diskreten Anzahl von voneinander entkoppelten, li-

I
doch i.  Allg. nicht zur Ermittlung der Setzungen
near elastisch angenommenen Federn vor. Aus der bzw. Differenzsetzungen des Bauwerks heranzuzie-
Modellierung des Tragwerks, der Modellierung des hen ist. Im Falle einer Anwendung des Bettungsmo-
Untergrunds durch die zuvor beschriebenen Federn dulverfahrens für komplexere Tragwerke und bei
und das Aufbringen der Lasten, können die Schnitt- schwierigen Untergrundverhältnissen (die bei-
kräfte wie z. B. die Biegemomente in der Grün- spielsweise die Anwendung von Baugrundverbesse-
dungsplatte ermittelt werden. Mittels des sogenann- rungsmaßnahmen erforderlich werden lassen), ist

I
ten Bettungsmoduls ks (vgl. [21, 22]), der durch das eine enge Abstimmung zwischen Bodenmechaniker
Verhältnis der vorherrschenden Sohlspannungen zu und konstruktivem Ingenieur von besonderer Be-
den auftretenden Setzungen definiert ist, werden da- deutung. Hierbei kann es hilfreich sein, dass nach
bei die zuvor genannten Federsteifigkeiten ermittelt. einer ersten Abschätzung des Bettungsmoduls und
Der Bettungsmodul ist beim Bettungsmodulverfah- der daraus ermittelten Schnittkräfte und Biegelinie
ren die wesentliche Kenngröße, die das „Verhalten“ in der Gründungsplatte sowie der aus der Zusam-
des Untergrunds in diesem Modell bestimmt und mendrückung der Bettungsfedern errechneten Sohl-

I
wird vom Geotechniker und∕​oder konstruktiven In- spannungsverteilung eine Berechnung der Set-
genieur ermittelt bzw. festgelegt. zungsmulde mittels geeigneter bodenmechanischer
Berechnungsprogramme erfolgt. Ergibt sich keine
Grundsätzlich ist das beschriebene Bettungsmodul-
ausreichende Übereinstimmung zwischen der
verfahren, mit der Annahme einer Anzahl von ent-
(Form der) Biegelinie der Fundamentplatte und der
koppelten, linear elastischen Federn nicht in der
Setzungsmulde des Untergrunds, ist eine iterative
Lage, das Spannungs-Verformungs-Verhalten des
I
Adaption des Bettungsmoduls bzw. dessen Vertei-
Untergrunds richtig zu beschreiben. Dies deshalb,
lung vorzunehmen und die Berechnung ist zu wie-
da sich der Boden weder linear noch elastisch ver-
derholen. Allgemein ist anzumerken, dass das Kri-
hält und auch das Modell von voneinander entkop-
terium für eine zutreffende Wahl des Bettungsmo-
pelten Federn die tatsächliche Lastausbreitung im
duls und dessen Verteilung in einer guten Überein-
Untergrund nicht abzubilden im Stande ist. Festzu-
stimmung im Verlauf der differenziellen Setzungen
halten ist insbesondere auch, dass der Bettungsmo-
und nicht nur in der absoluten Setzungsgröße liegt.
dul ks kein Bodenkennwert ist, sondern neben den
I

Dies begründet sich damit, dass die Biegemomente


Steifigkeitseigenschaften des Untergrunds wesent-
in der Bodenplatte durch deren Krümmung (Ver-
lich von der Geometrie und den Steifigkeitseigen-
krümmung) und nicht durch eine Starrkörperver-
schaften des Tragwerks bzw. der Fundamentplatte
schiebung bestimmt werden.
selbst bestimmt wird. Bereits daraus ergibt sich,
dass eine Festlegung des Bettungsmoduls in Ab- In Abschnitt 6.1 wird anhand eines stark abstrahier-
stimmung zwischen Geotechniker und konstrukti- ten Beispiels für unterschiedliche Böden und für
I

vem Ingenieur erfolgen soll. unterschiedliche Gründungssysteme zum einen der


738 Baugrundverbesserung

Einfluss der unterschiedlichen Gründungssysteme Im ersten Fall, der homogenen Verbesserung des
auf die Biegemomente in der Bodenplatte (Ab- Untergrunds z. B. durch eine Rütteldruckverdich-
schnitt 6.1.1) und zum anderen der Einfluss des an- tung, erfolgt der Nachweis für den verbesserten Bo-
gesetzten Bettungsmoduls auf die Schnittkräfte in den anhand der Größe der über die Fundamente
der Bodenplatte (Abschnitt 6.1.2) näher untersucht. (Bodenplatte) verteilten Bodenpressungen (z.  B.
Grundbruchnachweis) sowie der zu erwartenden
Die aus theoretischer Sicht ideale Vorgehensweise (differenziellen) Setzungen (Nachweis der Ge-
für die Bemessung von Gründungskörpern wäre brauchstauglichkeit).
eine gekoppelte Abbildung des Tragwerks und des
Untergrunds. Durch geeignete Stoffgesetze sowohl Im zweiten Fall, der Verbesserung mittels (Struk-
für den konstruktiven Überbau als auch den Unter- tur-)Elementen höherer Steifigkeit, hat zusätzlich zu
grund, in dem das last- bzw. spannungsabhängige den zuvor angeführten Nachweisen eine Betrach-
Steifigkeitsverhalten von Tragwerk und Boden rea- tung und ein Nachweis für diese Einzelelemente zu
listisch abgebildet wird, ergibt sich als Ergebnis die erfolgen. Hierfür ist in einem ersten Schritt die Grö-
Übereinstimmung der Biegelinie des Fundament- ße der Lasten in diesen diskreten Elementen zu er-
körpers (z. B. Bodenplatte) mit der realitätsnah er- mitteln bzw. abzuschätzen. Die Größe der Lasten ist
mittelten Setzungsmulde des Untergrunds. einerseits durch das Flächen- und Steifigkeitsver-
hältnis zwischen diskretem Element und zuorden-
3.2.2 Lastübertragung Überbau zu barem Bodenelement bestimmt und andererseits
Baugrundverbesserung noch dadurch beeinflusst, ob das Strukturelement
unmittelbar an die Bodenplatte bzw. den Funda-
Bei Pfahlgründungen mit i.  Allg. hohen punktför- mentkörper angrenzt oder eine lastverteilende Zwi-
migen Lasten erfolgt eine konstruktive Einbindung schenschicht zwischen Fundamentkörper und dis-
der Pfähle mittels Bewehrungsanschluss, Kopfplat- kreten Elementen hergestellt wird.
ten oder sonstige konstruktive Maßnahmen in die
Bodenplatte. Es ist der konstruktive Nachweis zu Mit den für die Strukturelemente zu erwartenden
erbringen, dass die zum Teil großen Einzellasten (Vertikal-)Lasten ist dann der Tragfähigkeitsnach-
sowohl von der Bodenplatte selbst (z. B. Nachweis weis für die Elemente zu erbringen. Im Falle unge-
gegen Durchstanzen) als auch vom Pfahl aufgenom- bundener Elemente, wie z. B. Schottersäulen, ist
men werden können. insbesondere nachzuweisen, dass die seitliche Stüt-
zung der Säulen ausreichend groß ist, um Scherbrü-
Im Gegensatz dazu findet bei den meisten Bau- che und damit ein zu starkes Ausbauchen oder ein
grundverbesserungsmaßnahmen eine auf eine grö- Abscheren der Säulen zu verhindern. Bei zementge-
ßere Fläche verteilte Einleitung der Lasten über die bundenen (oder mit sonstigen Bindemitteln gebun-
als lastverteilendes Element wirkenden Fundamente denen) diskreten Elementen ist zusätzlich die innere
bzw. Bodenplatte in den Untergrund statt. Dies be- Tragfähigkeit durch eine ausreichend große Sicher-
deutet einerseits, dass die Bodenplatte nicht durch heitsmarge zwischen auftretenden Spannungen und
(große) punkförmige Einzelkräfte, sondern eher Bruchspannungen in den Säulen bzw. Scheiben
durch verteilte Lasten (bzw. mehrere und dem Be- nachzuweisen. Hierbei sind insbesondere mögliche
trag nach geringere Einzelasten) aus der Gründung geometrische Abweichungen (z. B. Querschnittsein-
beansprucht wird und andererseits, dass auch die schnürungen), aber auch mögliche verfahrens- und
Kräfte bzw. Spannungen auf die konstruktiven Ele- untergrundbedingte Streuungen in den Festigkeits-
mente der Baugrundverbesserung bzw. den verbes- eigenschaften der Strukturelemente zu berücksichti-
serten Bodenkörper selbst deutlich geringer sind gen.
wie bei klassischen Pfählen.
Eine Zwischenschicht zwischen Fundamentkörper
Bei Baugrundverbesserungsmaßnahmen kann nun bzw. Bodenplatte und den diskreten Elementen mit
danach unterschieden werden, ob der verbesserte einer Steifigkeit deutlich kleiner als die der diskre-
Boden als homogener Körper wirkt, sodass von ei- ten Elemente wird z. B. dann vorgesehen, wenn die
ner gleichmäßigen Steifigkeitsverteilung im (ver- Kräfte im Fundamentkörper bzw. in der Bodenplat-
besserten) Untergrund auszugehen ist, oder ob der te oder aber im Kopf des Säulenelements bei einem
Boden durch die Herstellung einer Anzahl von dis- direkten Anschluss an die Bodenplatte zu hoch wür-
kreten Elementen, wie z. B. Säulen oder Scheiben, den. Durch die „lastverteilende Zwischenschicht“
ertüchtigt wurde. Der verbesserte Untergrund ist findet eine Erhöhung der auf den Boden übertrage-
dabei durch eine inhomogene Verteilung der Stei- nen Spannungen und somit eine Reduzierung der
figkeiten charakterisiert. Die eingebrachten diskre- direkt in den Kopf der diskreten Elemente eingetra-
ten Elemente (Schottersäulen bei einer Rüttelstopf- genen Kräfte statt. Durch die Erhöhung der (verti-
verdichtung, Betonstopfsäulen, MIP-Elemente etc.) kalen) Bodenpressungen zwischen den diskreten
weisen eine (deutlich) höhere Steifigkeit als der Elementen findet auch eine geringfügige Erhöhung
zwischen diesen Elementen verbleibende Boden- der Horizontalspannungen im Boden statt, was in-
körper auf. folge des dreidimensionalen Spannungszustands zu
GrundlagenfürdiePlanungund AusführungvonBaugrund­verbesserungsmaßnahmen 739

einer Tragfähigkeitserhöhung im Kopfbereich der der kombinierten Tragwirkung einer Bodenplatte,


Säule führt. Naturgemäß führt dies zu (etwas) grö- steifer diskreter Elemente und dem dazwischenlie-
ßeren Setzungen im Vergleich mit direkt ange- genden Boden (d. h. dem Wesen einer kombinierten
schlossenen diskreten Elementen. Gleichzeitig Pfahl-Plattengründung entsprechend) kann nicht
kommt es zu einer deutlichen Reduzierung von mehr mit verschmierten Kennwerten gearbeitet wer-

VIII
Spannungsspitzen in den diskreten Elementen im den. In diesem Fall sind Modelle erforderlich, die
Erdbebenlastfall. die geometrischen Verhältnisse, die Steifigkeitsei-
genschaften des Untergrunds und der maßgebenden
3.3 Grundlagen zur Modellierung von (konstruktiven) Tragelemente berücksichtigen kön-
Baugrundverbesserungsmaßnahmen nen. Für komplexere Fragestellungen kommen hier-
bei dreidimensionale, numerische Modelle infrage.
Die Modellierung bzw. der erforderliche Modellie- Für vereinfachte Fragestellungen bzw. Abschätzun-
rungsaufwand für Baugrundverbesserungsmaßnah- gen kann oftmals auch mit analytischen (Nähe-

I
men richtet sich insbesondere nach ihrer im Ab- rungs-)Ansätzen gerechnet werden. In der Ingeni-
schnitt 3.2 beschriebenen Wirkungsweise. Bei einer eurpraxis wird in vielen Fällen mit vereinfachten
den Untergrund betreffend homogenen Wirkung der Modellen und Ansätzen gearbeitet, wobei für eine
Verbesserungsmaßnahme (z.  B. Rütteldruckver- große Anzahl von Fragestellungen die Berücksichti-
dichtung) ist eine verschmierte Betrachtung der ver- gung von – mit zutreffenden Modellen ermittelten
besserten Maßnahmen angemessen und zutreffend. – verschmierten Kennwerten ausreicht. Allgemein

I
Das heißt, im Bodenmodell werden dem verbesser- hängt das Maß bzw. die Größe der durch Baugrund-
ten Bodenvolumen, dem Verfahren und den Unter- verbesserungsmaßnahmen veränderten Kennwerte
grundbedingungen entsprechend, veränderte Bo- von den vorliegenden Bodeneigenschaften selbst
denkennwerte, wie z. B. Steifigkeit, Festigkeit oder und sodann von verfahrens- und ausführungsspezi-
Durchlässigkeit, zugewiesen. fischen Größen ab. Im Detail kann auf entsprechen-
Bei einer wie im Abschnitt 3.2 beschriebenen inho- de Literatur (s. a. Abschnitt 4), insbesondere aber
auch auf entsprechende Erfahrung des Planers bzw.

I
mogenen Verbesserung des Untergrunds durch die
Einbringung von diskreten Elementen ist für den insbesondere der ausführenden Firmen zurückge-
Modellierungsprozess zu unterscheiden, ob es um griffen werden.
die Abbildung des Verhaltens des gesamten (ver-
besserten) Bodenkörpers geht oder um die Betrach- 3.4 Sicherheit und Umwelt
tung der einzelnen diskreten Elemente selbst. Für 3.4.1 Baustellensicherheit
die Untersuchung der Wirkung des gesamten ver-

I
besserten Bodenkörpers reicht in vielen Fällen Dem Thema Arbeitsplanum kommt bei der Bauaus-
ebenfalls eine verschmierte Betrachtung wie für ho- führung besondere Bedeutung zu, da Stabilitätspro-
mogen verbesserte Bodenkörper aus. So reicht es bleme oder große Verformungen das Umstürzen
z. B. bei einer Rüttelstopfverdichtung aus, die Stei- von Bohrgeräten (Bild 6) oder anderen Anlagentei-
figkeitserhöhung des durch die Schottersäulen ver-
besserten Untergrunds durch eine verschmierte Be-
trachtung abzubilden. Genauso kann die Erhöhung

I
der Durchlässigkeit durch den Einbau von Sandsäu-
len oder Vertikaldränagen aus Geotextilien in einer
bindigen Bodenschicht durch eine verschmierte Be-
trachtung in ein Modell für Zeit-Setzungsberech-
nungen Eingang finden. In derartigen Fällen sind
jedoch Modelle erforderlich, die eine möglichst
I
wirklichkeitsnahe Transformation der heterogenen
und zumeist anisotropen Eigenschaften des Unter-
grunds in Kennwerte für ein homogenes Bodenmo-
dell erlauben. Siehe hierzu auch die detaillierteren
Ausführungen zu den einzelnen Verfahren in Ab-
schnitt 4.
Eine verschmierte Betrachtung und Modellierung
I

ist dann nicht mehr möglich, wenn es z. B. um die


detaillierte Ermittlung der Größe und des Verlaufs
von Spannungen und Verformungen in den zuvor
genannten diskreten Elementen selbst geht, die bei-
spielsweise für die Nachweisführung der inneren
Tragfähigkeit derartiger Elemente erforderlich ist.
I

Auch für die detailliertere Abbildung und Erfassung Bild 6.  Umgestürztes Schneckenpfahl-Bohrgerät
740 Baugrundverbesserung

len zur Folge haben können. Dies gilt im Speziellen werkzeugs subsummiert. Die Ausrichtung des
für Baugrundverbesserungsarbeiten auf nicht aus- Bohrgeräts in diesem Zustand kann in jedem belie-
reichend tragfähigem oder weichem Baugrund. bigen Winkel zwischen parallel und rechtwinklig
Aber auch durch die Baugrundverbesserungsmaß- zur Längsachse des Unterwagens erfolgen. Bei Sta-
nahmen selbst kann die Funktionstüchtigkeit und bilitätsproblemen kann der Gerätebediener durch
Tragfähigkeit der Arbeitsplattform stark beeinflusst ein entsprechendes Reduzieren der Last auf ein
werden, z. B. durch ungewollte Auflockerung im mögliches Umstürzen reagieren.
Zuge der Penetration, Durchstanzen durch Geotexti-
Andere Betriebszustände umfassen z. B. das Umset-
lien u. Ä.
zen des Geräts oder ein positioniertes Gerät, das
Aufgrund der tatsächlichen oder zumindest poten- nicht den eigentlichen Bohrvorgang ausführt. In
ziell fatalen Konsequenzen von solchen Unfällen diesem Betriebsfall ist es unwahrscheinlich, dass
beschäftigt sich die Bauindustrie intensiv mit Maß- der Gerätefahrer auf ein plötzliches Versagen der
nahmen zur Vermeidung solcher Schadensfälle. Der AP reagieren kann.
bislang am weitesten entwickelte Standard diesbe- Im Anhang F von EN 16228 [24] wird auf die Be-
züglich ist im Vereinigten Königreich anzutreffen. rechnung der gleichmäßigen, dreieck- oder trapez-
Hier wird für jedes Arbeitsplanum ein Zertifikat, förmigen Bodenpressung verwiesen.
das sogenannte „Working Platform Certificate“
durch den „Principal Contractor“ ausgestellt (s. In der eigentlichen Berechnung wird das Durchstan-
[23]), welches formal die Eignung einer Arbeits- zen der AP unter Vertikallast sowie der mögliche
plattform für den Einsatz von bezeichneten Geräten Grundbruch entsprechend untersucht. Eine entspre-
bestätigt. Ähnliche Maßnahmen im Zusammenhang chende Berechnungsmethode wurde von [25] vor-
mit dem Arbeitsplanum gibt es auch für Kontinental­ gestellt (Bild 7).
europa. Alternativ kann der Nachweis der Stabilität des
Die Grundlagen der maschinentechnischen Berech- ­Arbeitsplanums nach EN 1997-1:2014 bzw. DIN
nung sind in EN 16228:2014-10 – Geräte für Bohr- 4017:2006 EC7 [1] über den Grundbruchnachweis
und Gründungsarbeiten – Sicherheit [24] geregelt. erfolgen. So fordert etwa die gerade veröffentlichte
Als Ergebnis erhält man Kettenpressungen für die überarbeitete EN 12716 [26] für das Düsenstrahl-
maßgeblichen Betriebszustände. Für die Berech- verfahren in ihrem Abschnitt 8.3.2 ausdrücklich,
nung von Trägheitsmassen und -momenten ist die dass die Standsicherheit der Arbeitsplattform mit
spezifische Ausrüstung des Geräts ausschlagge- den Pressungen nach EN 16228-1:2014 [24], An-
bend, wobei die ungünstigste Kombination aus den hang F nach EN 1997-1 [1] nachzuweisen ist.
Massen und ihrer Position zu wählen ist. Neben die- Der Lebenszyklus einer Arbeitsplattform umfasst
sen statischen Lasten sind ggf. zusätzliche Windlas- die Dimensionierung, die Herstellung inklusive
ten sowie dynamische Lasten und Zentrifugalkräfte Prüfung (und ggf. Abnahme) sowie die Erhaltung
zu berücksichtigen. während der Bauausführung. Bei Bedarf ist die Ar-
Es werden zudem verschiedene Betriebsbedingun- beitsplattform wieder in Stand zu setzen, um einen
gen unterschieden. Unter Zustand „in Betrieb – sicheren Betrieb zu gewährleisten.
während des Arbeitsvorgangs“ werden die eigentli- Bezüglich der konstruktiven Ausbildung ist sicher-
chen Bohrvorgänge sowie der Ausbau des Bohr- zustellen, dass

Bild 7. Durchstanz-Grundbruch­
mechanismus für undränierten
­kohäsiven Boden [25]
GrundlagenfürdiePlanungund AusführungvonBaugrund­verbesserungsmaßnahmen 741

−− die Arbeitsplattform im Grundriss soweit über 3.4.3 System Robustheit


die Ansatzpunkte hinausreicht, um eine standsi-
chere Aufstellung der Geräte zu ermöglichen, Der Begriff Robustheit (lat. robustus, von robur
Hart-, Eichenholz) bezeichnet die Fähigkeit eines
−− die Standsicherheit auch für die Zufahrtsberei- Systems, Veränderungen ohne Anpassung seiner

VIII
che und Rampen gewährleistet wird, anfänglich stabilen Struktur standzuhalten (vgl.
−− durch Abpumpen oder Ausbildung eines frei- [28]).
en  Gefälles die Bildung von Wasser- oder In der Geotechnik kann unter Robustheit die Eigen-
Schlamm­ansammlungen vermieden wird, schaft der Nicht-Anfälligkeit eines Verfahrens oder
−− die Dränage der Arbeitsplattform jederzeit er- eines Lösungsansatzes (Gründungssystem, Baugru-
folgen kann, bensicherungskonzept etc.) gegen ungeplante oder
−− das Eindringen und Anreichern von Feinteilen unvorhergesehene Veränderungen verstanden wer-

I
verhindert wird, den. Eine geringe Anfälligkeit gegen derartige Ver-
änderungen bedeutet dabei eine hohe Robustheit.
−− die sicheren Arbeitsbereiche entsprechend mar- Für praktische Anwendungsfälle ist i.  Allg. eine
kiert sind. genauere Spezifizierung erforderlich, wogegen ein
In vielen Fällen wird das Arbeitsplanum als Last- System robust ist oder sein soll.
verteilungsschicht für die Baugrundverbesserungs- Ungeplante und∕​oder unvorhergesehene Verände-
maßnahmen in das Bauwerk auf Dauer integriert.

I
rungen können z. B. Folgende sein:
Kampfmittel stellen ein besonderes Problem bei −− im Entwurf oder in der Bemessung nicht (aus-
Baumaßnahmen dar. Aufgrund von historischen reichend) berücksichtigte Einwirkungen (wie
Aufzeichnungen wird z. B. in Deutschland von ca. z. B. Lasteinwirkungen, Umwelteinflüsse, zeitli-
1,4 Mio. t Bomben und 1.000 betroffenen Städten che Veränderungen, Einflüsse aus dem Baube-
ausgegangen. Obwohl es kein spezifisches Problem trieb etc.),
in Zusammenhang mit Baugrundverbesserungs-

I
maßnahmen ist, ist der Aufwand in der Regel höher −− nicht berücksichtigte Baugrundeinschlüsse bzw.
als bei Pfahlgründungen, da die Anzahl der Bohr- allgemein veränderte Baugrundeigenschaften,
punkte im Allgemeinen größer ist. Entsprechend −− Abweichungen in Geometrie, Festigkeit, Stei-
den staatlichen Vorgaben muss die Kampfmittel­ figkeit etc. von Strukturelementen (wie z. B.
freiheit vor Beginn der Ausführung festgestellt und Pfähle, Säulen etc.),
dokumentiert werden. −− Einflüsse auf den Untergrund, auf Bestandsob-

I
jekte, auf neu errichtete Strukturelemente aus
3.4.2 Umwelt – Nachhaltigkeit der Ausführung selbst,
Wie in der Einleitung erwähnt, wird als ein mögli- −− Bauablauf.
ches Maß zur Abschätzung der Umweltauswirkung Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass für die
von Baugrundverbesserungen der ökologische Fuß- Planung und Ausführung von Baugrundverbesse-
abdruck herangezogen. Als ein weiterer Aspekt in rungsmaßnahmen i.  Allg. ein hoher (geo-)techni-

I
der Auswahl des optimalen geotechnischen Verfah- scher Wissens- und Erfahrungsstand in der Planung
rens kann der mit der Maßnahme verbundene und Ausführung erforderlich ist. Dies gilt insbeson-
CO2-Fußabdruck herangezogen werden. Dabei ist dere für schwierige Baugrundverhältnisse und für
grundsätzlich eine klare Nomenklatur und Bezeich- komplexere Lösungsansätze wie z. B. Kombina-
nung der einzelnen Faktoren für die diesbezügli- tions- oder Hybridgründungen (s. Abschnitt 5).
chen Umweltauswirkungen zu beachten und einzu- Ebenfalls wurde bereits ausgeführt, dass für be-
halten, damit ein neutraler und nützlicher Vergleich
I
stimmte Baugrundverbesserungsverfahren, die ge-
von Verfahren erstellt werden kann. Von Wintzinge- naue Kenntnis der Baugrundbeschaffenheit und
rode [27] wird baupraktisch die grundsätzliche He- -eigenschaften von besonderer Bedeutung ist. Dar-
rangehensweise für die Berechnung der Treibhaus- aus lässt sich ableiten, dass zumindest für gewisse
gasemissionen bei geotechnischen Bauprozessen Baugrundverbesserungsverfahren eine „große An-
erläutert. Dabei wird vor allem erläutert, wie Ein- fälligkeit“ (geringe Robustheit) gegen mangelnde
flüsse, z. B. Transporte, Materialien und Herstell- Kenntnis und Erfahrung (sowohl in der Planung wie
prozesse, in welcher Form berücksichtigt werden
I

auch Ausführung) sowie allgemein einer nichtzu-


und welche Einflüsse (z. B. Herstellung der Bohrge- treffenden Beurteilung der Untergrundeigenschaf-
räte) nicht im Modell erfasst werden. Klar ist, dass ten gegeben ist.
in diesen Zusammenhang alle Verfahren mit Ein-
satz von Stahl, Zement und∕​oder Beton einen Nach- Die einzelnen Verfahren zur Baugrundverbesserung
teil gegenüber Verfahren ohne Bindemittel haben. selbst weisen ein breites Spektrum an Robustheit
Weitere Vergleiche werden in Abschnitt 6.4 für auf. Auf diesen Aspekt wird in Abschnitt 4 bei der
I

zwei Gründungsbeispiele angeführt. Beschreibung der einzelnen Verfahren in Zusam-


742 Baugrundverbesserung

menhang mit der Auflistung der besonderen Vor- weniger robuste Baugrundverbesserungsverfahren
und Nachteile verfahrensspezifisch eingegangen. ist die genaue Kenntnis der zu erwartenden Ein­
flüsse während der Ausführung und während der
Allgemein ist anzumerken, dass einzelne Verfahren späteren Nutzung von besonderer Bedeutung.
wie z. B. jene der Vibrationsverdichtung (Rüttel-
druckverdichtung, Verdichtung mit Vibrationsboh- Abschließend sei auf einen ökologischen Aspekt
len etc.), zwar ebenfalls einen hohen Grad an Kennt- hingewiesen, der zurzeit noch sehr selten bei der
nis und Erfahrung für eine zielgerichtete Planung Bewertung von Gründungskonzepten in Betracht
und Ausführung erfordern, aber ansonsten als sehr gezogen wird. Während der verbesserte Baugrund
robust bezeichnet werden können. Beispielsweise ist nach Ablauf der Nutzungsdauer eines Bauwerks,
eine nachträgliche Zerstörung oder Beschädigung das in weiterer Folge abgebrochen wird, oftmals in
des einmal verdichteten Bodens nicht leicht möglich idealer Weise für eine flexible Nachnutzung zur
bzw. zu befürchten. Auch der Einbau des Werkstoffs Verfügung steht, sind im Baugrund verbleibende
ungebundener Kies birgt bei sachgerechtem Ver- Tiefgründungselemente oft störend und müssen zu-
dichtungsprozess (und richtiger Materialwahl) kein mindest zum Teil entfernt werden oder es sind Ein-
großes Risiko für das herzustellende Gewerk. Des schränkungen bei der zukünftigen Bebauung in
Weiteren ist mit diesem System eine gute Homoge- Kauf zu nehmen [30].
nisierung möglicher (natürlicher) Ungleichförmig-
keiten im Untergrund möglich. Obwohl Qualitäts-
kriterien (wie z.  B. Mindestschlagzahlen einer 4 Grundverfahren
Rammsonde oder Mindestwerte des Spitzendrucks 4.1 Rütteldruckverdichtung
CPTU) oftmals sehr streng bewertet und gefordert
werden, erlaubt das System in Wirklichkeit eine ge- Als Tiefenrüttelverfahren gelten Verfahren, welche
wisse Streuung in den Verdichtungsergebnissen im Sinne der Norm den Boden durch horizontale
(und in manchen Fällen durchaus auch eine lokal Schwingbewegungen verbessern, die durch einen in
begrenzte Unterschreitung von vorgegebenen Quali- den zu verbessernden Boden eingefahrenen Tiefen-
tätskriterien – wobei dies natürlich im Einzelfall zu rüttler erzeugt werden (Bild 8). Tiefenrüttelverfah-
bewerten und entscheiden ist), ohne dass die Funkti- ren sind in der EU über Euronorm EN 14731 [29]
onstauglichkeit gefährdet ist. Eine gewisse „Anfäl- geregelt. Grundsätzlich werden 2 Verfahrenstypen
ligkeit“ bei diesen Verfahren besteht z. B. in der unterschieden – die Rütteldruckverdichtung (RDV),
Einbringbarkeit des Rüttlers bzw. der Rüttelbohlen auf welche hier eingegangen wird, und die Rüt-
(z. B. durch Härtlinge) in den Untergrund. telstopfverdichtung (RSV), die im Abschnitt 4.3
näher behandelt wird. Des Weiteren besitzen viele
Dahingegen weisen andere Systeme zur Baugrund- Unternehmen allgemeine bauaufsichtliche Zulas-
verbesserung Eigenschaften auf, die zumindest un- sungen für spezifische Verfahren (z. B. DIBt Nr.
ter gewissen Randbedingungen zu einer geringen Z-34.2-3 [30]), wobei hier nur die verbreitetsten Va-
Systemrobustheit führen. Beispielhaft zu nennen rianten kurz erwähnt werden.
sind schlanke, gebundene und unbewehrte, säulen-
artige Gründungselemente in (sehr) weichen Böden, 4.1.1 Technische Verfahrensbeschreibung
die mittels verschiedener Verfahren (z. B. Vollver-
drängungssystem, Endlosschnecken) herstellbar Die Rütteldruckverdichtung hat zum Ziel, den Bo-
sind. Diese Produkte sind gegen Beschädigung den durch Eigenverdichtung zu verbessern. Der
(Bruch der Säule) z. B. im Zuge nachträglicher Aus- Hohlraum, der durch den in den Boden eingeführten
hubarbeiten oder dem Überfahren durch Baustellen- Rüttler entsteht, wird durch während des Verdich-
fahrzeuge für die Errichtung von Fundamentkör- tungsvorgangs zugeführtes Material aufgefüllt, wo-
pern als beschädigungsempfindlich zu bezeichnen. bei i. Allg. anstehendes Bodenmaterial oder Materi-
Auch gegen ungeplante Biegebeanspruchung sind al des Arbeitsplanums verwendet werden kann. Ein
diese Produkte in den genannten Untergrundver- Teil des „Auffüllungsmaterials“ stammt auch von
hältnissen als wenig robust zu bezeichnen. nachbrechendem Material aus den oberen Boden-
schichten.
Grundsätzlich bieten Baugrundverbesserungsver-
Für den Verdichtungsprozess wird der Rüttler in den
fahren aber eine breite Auswahl sehr robuster Syste-
Boden eingefahren und verweilt dann im Boden, um
me. Im konkreten Anwendungsfall gilt es zu prüfen
diesen durch die vom Rüttler übertragenen Schwin-
und zu definieren, wogegen Robustheit im Besonde-
gungen in eine dichtere Packung umzulagern. Zur
ren erforderlich ist. Eine generelle Robustheit ist
Unterstützung des Prozesses kommt in der Regel
gegen nicht im Detail spezifizierbare Einflüsse und
eine Wasser- oder Luftspülung zum Einsatz. Mittels
Gefährdungsbilder gefragt. Einflussgrößen, die qua-
Radlader o. Ä. wird erforderlichenfalls das Zugabe-
litativ bekannt und quantitativ beschreibbar sind,
material von der Arbeitsebene aus zugeführt.
können durch die geeignete Systemwahl und ent-
sprechend dimensionierte Konstruktionselemente Über Schlagkraft und Leistung des Rüttlers, das
beherrscht werden. Das heißt, für bekanntermaßen Verdichtungsraster und die Verweildauer des Rütt-
Grundverfahren 743

Im Einfahrvorgang wird der Rüttler auf die gefor-


derte Tiefe abgeteuft und einen Hohlraum (Ring­
raum um den Rüttler) für die Materialzufuhr zur
Rüttlerspitze geschaffen. Wie bereits angeführt,
wird in der der Regel Wasser als Spülmedium zur

VIII
Einbringung des Rüttlers verwendet (Bild 9).
Die zweite Spülphase ist optional. Sie wird genutzt,
um den Hohlraum bzw. Trichter, der beim ersten
Einfahren erzeugt wurde, aufzuweiten und dadurch
die Verdichtungsphase zu optimieren.
Der Verdichtungsprozess verläuft i. Allg. in Schrit-
ten von der maximalen Versenktiefe nach oben mit

I
festgelegter maximaler Verweildauer oder bis zum
Erreichen eines festgelegten Verdichtungskriteri-
ums pro Verdichtungsschritt. Geräteabhängig wer-
den neben einem Zeitkriterium weitere Parameter
festgelegt, die als Kriterien für den Übergang zum
nächsten Schritt genutzt werden; in der Regel, um

I
das Gerät vor Überlastung zu schützen. In gut ver-
dichtbaren Böden steigt der Widerstand, der dem
Rüttler vom Boden entgegengebracht wird, über die
Dauer der einzelnen Verdichtungsschritte an. Eine
direkte Aussage über den erreichten Verdichtungs-
grad aus der elektrischen oder hydraulischen Leis-
tungsaufnahme des Rüttlers ist derzeit jedoch noch

I
nicht möglich. Während des Verdichtungsvorgangs
wird in der Regel weiter mit Wasser gearbeitet, um
(Fein-)Material zu fördern und um den Rüttler er-
forderlichenfalls zu kühlen.

4.1.2 Wirkungsweise (bodenmechanische


Betrachtung)

I
In der (bodenmechanischen) Wirkungsweise für die
Baugrundverbesserung ist zwischen der für nicht-
bindige Böden zur Anwendung gelangenden RDV
(Rütteldruckverdichtung) und der für bindige Bö-
den zur Anwendung gelangenden RSV (Rüttelstopf-
verdichtung – s. Abschnitt 4.3) klar zu unterschei-

I
den. Während bei der RDV die Eigenverdichtungs-
fähigkeit zur Verbesserung der Bodeneigenschaften
genutzt wird (Bild  10), wird bei der RSV davon
Bild 8.  Schnitt durch einen Tiefenrüttler [31] ausgegangen, dass der zwischen den Säulen liegen-
de, natürliche Boden, unverändert bleibt. In Abhän-
gigkeit des Feinkorngehalts, des Sättigungsgrads
I
lers pro Tiefenmeter ist der eingebrachte Verdich- und der angewandten Technik kann es naturgemäß
tungsaufwand definiert. Zur gleichmäßigen Ver- jedoch auch zu einer kombinierten Wirkungsweise
dichtung des zu behandelnden Baufelds wird i. Allg. kommen.
über ein Dreiecksraster der Rüttelansatzpunkte ge- Das Rütteldruckverdichtungsverfahren beruht allein
arbeitet. Der Abstand der einzelnen Rüttelpunkte auf dem Vorgang der Eigenverdichtung des Unter-
hängt u. a. von der Bodenbeschaffenheit, dem zum grunds und ist in dieser Hinsicht anderen Verdich-
Einsatz gelangenden Rüttlertyp und der erforderli- tungsverfahren wie der Verdichtung mittels Rüttel-
I

chen Verdichtung des Untergrunds ab. bohlen, der Fallplattenverdichtung und der Impuls-
Das Verfahren läuft in mehreren Schritten ab: verdichtung ähnlich. Die durch den Tiefenrüttler in
den Untergrund eingetragenen (vorwiegend) hori-
1) Einfahren, zontalen Schwingungen führen zu einer dichteren
Lagerung des Bodens. Die Verdichtung ist hierbei
2) Spülen, nur möglich, wenn der Kontakt zwischen den Bo-
I

3) Verdichten. denpartikeln aufgebrochen, d. h. die Reibung zwi-


744 Baugrundverbesserung

Bild 9.  Schematischer Ablauf des Rütteldruckverdichtungsverfahrens mit und ohne Materialzugabe

ebenso wie dies in unmittelbarer Umgebung des


Rüttlers (Bild 11) der Fall ist.
Als Resultat der Eigenverdichtung sind in der Regel
die folgenden bodenmechanischen Effekte zu er-
warten:
1) erhöhte Lagerungsdichte,
2) Zunahme der Scherfestigkeit,
3) erhöhte Steifigkeit,
4) verminderte Durchlässigkeit.

4.1.3 Anwendungsgebiete∕​
Anwendungsgrenzen
Die hauptsächliche Anwendung der Rütteldruckver-
dichtung liegt in der Verdichtung von natürlichen
Böden (Bild  12) und künstlichen Aufschüttungen,
welche ausreichend eigenverdichtbar sind. Wich-
Bild 10.  Das Prinzip der Eigenverdichtung (unten) und tigste Ziele sind hierbei normalerweise die Verbes-
typisches Dreiecksraster der Verdichtungspunkte bei serung der Tragfähigkeit und des Setzungsverhal-
RDV (oben) tens für flach gegründete Bauwerke aller Art sowie
die Vermeidung von Bodenverflüssigung im Erdbe-
benfall. Neben der Anwendung als alleiniges Ver-
besserungsverfahren zur Gründung wird es auch in
schen den Partikeln überwunden wird. Um dies zu Kombination z. B. mit Pfahl- und Schlitzwandgrün-
erreichen, muss eine Beschleunigung von ca. 0,5 g dungen eingesetzt, u. a., um eine günstigere Bemes-
überschritten werden. Die Verdichtungsreichweite sung für Erdbebenlastfälle zu erreichen oder die
hängt im Wesentlichen davon ab, wie weit derartige Stabilität des Bohrlochs bzw. des Schlitzes im Bau-
Beschleunigungen durch den Rüttler im Boden er- zustand zu verbessern. Im Allgemeinen können
zeugt werden können. Die Effektivität der Verdich- Sohlpressungen von 50 bis 300  kPa mithilfe von
tung erreicht ihr theoretisches Maximum in einer RDV-verbesserten Böden verformungskompatibel
Zone, in der die Bodenverflüssigung in eine Sche- abgetragen werden. Je nach Belastungsfläche, Bo-
rung ohne Verflüssigung übergeht. Dann fällt sie denaufbau und Verformungskriterien sind auch
graduell mit steigender Entfernung vom Rüttler ab, Fundamentpressungen bis zu 500 kPa möglich.
Grundverfahren 745

VIII
I
I
Bild 11.  Idealisierte Bodenreaktion
von nichtbindigen Böden auf
­Schwingungseintrag [32]

I
I
I
I
I

Bild 12.  Eignung von Böden für die Rütteldruckverdichtung abhängig von ihrer Körnungslinie

Das Verfahren ist nicht anwendbar, wenn die Eigen- des Porenwassers, aus dem sich verengenden Poren-
verdichtbarkeit des Bodens nicht oder nicht ausrei- raum während des Verdichtungsvorgangs erlauben
chend gegeben ist. Maßgeblich hierfür ist die muss. Diese hängt wesentlich vom Feinkorngehalt
I

Durchlässigkeit des Bodens, welche die Dränage ab. Für eine gute Verdichtbarkeit darf der Fein­
746 Baugrundverbesserung

kornanteil (= Siebdurchgang durch das 0,063 mm Unabhängig von der Körnungslinie des Bodens ist
Sieb) in der Regel bei maximal 10 % liegen, wobei die Rütteldruckverdichtung oberflächennah (je nach
der Tongehalt nicht mehr als 2 % betragen soll. Bis Rüttler und Verfahrensweise zwischen 50  cm und
ca. 15 % Feinkorngehalt kann in gut abgestuften und 2 m Tiefe) weniger effektiv. Eine nachfolgende Ver-
relativ grobkörnigen Böden noch eine marginale dichtung mit Rüttelwalze o. Ä. zur Gewährleistung
Verdichtung erreicht werden. Ein höherer Feinkorn- einer ausreichenden Verdichtung nahe der Oberflä-
gehalt verhindert eine effektive Eigenverdichtung che kann notwendig sein.
durch Rütteln. In gleichkörnigen Böden (Ungleich-
förmigkeit <  3) ist die Verdichtbarkeit durch die 4.1.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
Kornverteilung limitiert. In extremen Fällen ist für Verfahrens
derartige Böden praktisch keine Eigenverdichtung
möglich. Die Rütteldruckverdichtung zeichnet sich dadurch
aus, dass auch tiefe Schichten bis zu 50 m Tiefe und
Die Verdichtbarkeit von Böden wird, da die Proben- mehr besonders effektiv behandelt werden können,
entnahme und Sieblinienbestimmung zeitaufwen- da die Verdichtungsenergie direkt in den zu ver-
dig ist und hohe Kosten mit sich zieht, häufig durch dichtenden Schichten eingebracht wird. Einen Ab-
Drucksondierungen bewertet, welche auch in der fall der zu erreichenden Verdichtung mit der Tiefe,
weiteren Qualitätskontrolle zum Einsatz kommen. wie bei Verfahren, die die Verdichtungsenergie an
Bild  13 beschreibt gut und marginal verdichtbare der Oberfläche einbringen, gibt es dadurch nicht.
Böden auf Basis der Ergebnisse solcher Druckson- Das Verfahren ist, wenn anwendbar, in der Regel
dierungen. sehr kostengünstig, da aufgrund der genutzten Ei-
Bezüglich der mittels RDV erreichbaren Tiefe sind genverdichtung des Bodens wenig oder kein zusätz-
die Grenzen hauptsächlich über die Wirtschaftlich- liches (Fremd-)Material benötigt wird.
keit definiert. Für geringe Tiefen können alternative Als Nachteil gegenüber anderen Verdichtungsver-
Verfahren (z. B. Fallplattenverdichtung, Impulsver- fahren ist anzusehen, dass für die RDV nur gut ver-
dichtung, Hochenergetische Dynamische Schlag- dichtbare Böden geeignet sind und die Anforderun-
verdichtung) günstiger sein. Die gegenwärtig am gen hierfür strenger sind als bei der Fallplattenver-
Markt verfügbare Verfahrenstechnik erlaubt eine dichtung und der Impulsverdichtung. Schichten mit
Verdichtung bis in ca. 50 m Tiefe, wobei mit Stand- nicht verdichtbarem Material können nicht verbes-
artgerätschaften Tiefen bis ca. 20  m gängig sind. sert werden.
Als grober Richtwert der mittels dieses Verfahrens
zu erwartenden Oberflächensetzungen kann für lo- Die Interpretation des Verdichtungserfolgs braucht
cker gelagerte nichtbindige Böden bis zu ca. 5 bis besondere Fachkenntnis. Die Interpretation muss
10 % der verdichteten Schichtstärke angenommen ggf. auf spezifische Böden angepasst werden, insbe-
werden. sondere wenn Kornbruch bei der Sondierung und
Verdichtung zu erwarten ist, wie es z. B. in Böden
mit Karbonatgehalt > 30 % häufig der Fall ist (vgl.
[34, 35]).
Bei künstlichen Auffüllungen muss die Qualität des
Füllmaterials gut überwacht werden, sodass die aus-
reichende Verdichtbarkeit sichergestellt ist. Nach-
träglich festgestellte Materialabweichungen, die
keine effektive Verdichtung erlauben, können teure
Sanierungsmaßnahmen nach sich ziehen.
Während der Ausführung der Verdichtungsarbeiten
kann außerdem ein schädlicher Einfluss auf benach-
barte Bauwerke eintreten, insbesondere, wenn diese
auf unverdichtetem Boden flachgegründet sind. Die
Ursache möglicher Schäden sind Vibrationen, wel-
che vom Rüttler in den Boden und auf das Bestands-
bauwerk übertragen werden. Dadurch kann es zu
unmittelbaren Rissschäden infolge Schwingungen
aber auch zu Setzungsschäden an benachbarten
Bauwerken kommen. Um Schäden an Bestandsbau-
werken auszuschließen, ist es sinnvoll, einen an die
Bodenverhältnisse und den verwendeten Rüttlertyp
angepassten Abstand einzuhalten. Durch einen
Bild 13.  Verdichtbare Böden als Funktion von Feldversuch vor Beginn der eigentlichen Verdich-
CPT-Spitzendruck und Reibungsverhältnis nach [33] tungsarbeiten kann dieser Sicherheitsabstand fest-
Grundverfahren 747

gestellt bzw. verifiziert werden. Insgesamt ist die Vor allem für größere Bauaufgaben ist es deshalb
Rütteldruckverdichtung in dieser Hinsicht jedoch sinnvoll, eine baustellenspezifische Korrelation
weniger kritisch als die Fallplattenverdichtung oder z. B. auf Basis von Laborversuchen und numeri-
Impulsverdichtung. schen Verfahren zu erarbeiten. Neben der klassi-
schen Kalibrierung im Calibration Chamber [39,

VIII
4.1.5 Hinweise für die Planung und 40] bietet sich hier auch die „Karlsruhe Interpreta­
Bemessung tion Method“ [41–44] an.
Für die Bemessung der Verdichtungsarbeiten ist aus
geotechnischer Sicht relevant, welche mechani- 4.1.6 Überwachung und Qualitätssicherung
schen Eigenschaften das Material nach der Verdich- in der Ausführung
tung aufzuweisen hat. Die erforderlichen Eigen- Grundsätzlich sind bei Tiefenrüttelverfahren die in
schaften ergeben sich dabei aus der geotechnischen der EN 14731 [29] empfohlenen Qualitätssiche-

I
Bemessung für die spezifische Bauaufgabe. Die rungsmaßnahmen anzuwenden, welche sich in zwei
Anforderungen an die Baugrundverbesserungsmaß- Typen gliedern:
nahme müssen klar definiert werden, um die spezi-
fischen Verfahrensparameter und in weiterer Folge a) Qualitätssicherung des Ausführungsprozesses
die erforderlichen Kontrollmaßnahmen zum Nach- Dies geschieht durch detaillierte Protokollierung
weis des erreichten Verbesserungsgrads festzule- der Arbeitsparameter, mindestens gefordert sind
gen.

I
hier:
Häufig wird hierfür die bezogene Lagerungsdichte −− Punktnummer und Lage,
als Kriterium herangezogen, welche die spezifi-
schen Anforderungen (z. B. Steifemodul, Reibungs- −− Datum und Zeit der Ausführung für jede Säule,
winkel, Widerstand gegen das Verflüssigen im Erd- −− Witterung,
bebenfall) widerspiegelt. In der praktischen Anwen- −− Art des Verfahrens, verwendetes Personal und
dung wird häufig eine relative Dichte zwischen 60 %

I
Gerät,
und 80 % gefordert. Über Korrelationen werden
dann Zielwerte für verschiedene Sondierungsver- −− Einfahrtiefe für jeden Punkt,
fahren festgelegt. Am häufigsten verwendet wird die −− Zeitablauf für den kompletten Punkt,
Drucksondierung (CPT), aber auch andere Verfah-
−− Energieverbrauch des Rüttlers während des Ein-
ren werden regelmäßig genutzt (z. B. SPT, DPH,
fahrens und des Verdichtens,
DPSH, Dilatometer u. a.). In der Entwurfsphase
wird häufig auf in der Literatur publizierte Korrela- −− Hindernisse und Verzögerungen,

I
tionen zwischen Dichte und Sondierungsergebnis- −− unvorhergesehene Vorkommnisse,
sen zurückgegriffen [36–38], die ggf. noch für die
projektspezifischen Bodenverhältnisse korrigiert −− Setzung oder Hebungen während der Ausfüh-
werden (Tabelle 2). Diese Vorgehensweise kann rung,
problematisch werden, wenn die Bodenverhältnisse −− Vorkommnisse bei denen der Rüttler während
deutlich von den publizierten Beispielen abwei- des Verdichtungsvorgangs komplett aus dem

I
chen. Boden ausgefahren wurde.

Tabelle 2.  Richtwerte für physikalische Eigenschaften von gesättigten Sanden nach [31]
sehr locker locker mitteldicht dicht sehr dicht
I
bezogene Lagerungsdichte Id (%) < 15 15–35 35–65 65–85 85–100
NSPT (Schläge∕​30 cm) <4 4–10 10–30 30–50 > 50
CPT qc (MPa) <5 5–8 8–15 15–20 > 20
NDPH (schwere Rammsonde) <5 5–10 10–15 15–20 > 20
(Schläge∕​10 cm)
I

Saturierte Wichte (ober GW) < 14 14–16 16–18 18–20 > 20


(MN∕​m3)
Steifemodul Eoed (MPa) 15–30 30–50 50–80 80–100 > 100
Reibungswinkel φ (°) < 30 30–32,5 32,5–35 35–37,5 > 37,5
Scherwellengeschwindigkeit Vs (m∕​s) < 150 220 350 450
I
748 Baugrundverbesserung

b) Nachweis der Erfüllung der geotechnischen An- Die Dauer des Verdichtungsvorgangs wie auch die
forderungen Ziehgeschwindigkeit der Rüttelbohlen hängen dabei
Bei der Rütteldruckverdichtung soll, wenn keine von der Durchlässigkeit des Bodens, der Mächtig-
spezifische Erfahrung mit dem Baufeld besteht, vor keit der zu verdichtenden Bodenschicht und dem
Beginn der eigentlichen Arbeiten ein Testfeld Abstand der Rüttelpunkte ab.
durchgeführt werden, um die Verdichtbarkeit und Aus obiger Methode hat sich die sogenannte „Reso-
den benötigten Verdichtungsaufwand zu bestim- nance Compaction Method“ (MRC) entwickelt
men. Der Nachweis erfolgt dann über die für das [43]. Bei dieser Methode wird der Verstärkungsef-
Projekt festlegten Sondierungen (z.  B. schwere fekt genutzt, der auftritt, wenn der Rüttler, die Rüt-
Rammsondierungen oder CPT-Versuche), welche telbohle und der umgebende Boden in Resonanz zu
die geforderten Anforderungen erreichen müssen. schwingen beginnen. In diesem Zustand werden die
Schwingungsamplituden des Bodens wesentlich
4.2 Vibrationsverdichtung mittels verstärkt und die Effizienz der Bodenverdichtung
Rüttelbohlen steigt an. Die Rüttelbohle wird zur Verringerung der
Mantelreibung und des Spitzendrucks auf die Bohle
4.2.1 Technische Verfahrensbeschreibung bei einer höheren Frequenz von ca. 30 bis 35 Hz in
den Boden eingeführt. Nach Erreichen der Endtiefe
Vibrationsverdichtung mittels Rüttelbohlen ist ein
wird durch abwechselndes, teilweise Aus- und wie-
spezielles Verfahren zur Verdichtung nichtbindiger
der Einfahren der Rüttelbohle der Verdichtungspro-
Böden. Dabei wird eine Verdichtungssonde, beste-
zess im Boden durchgeführt. Die Frequenz wird
hend aus einem Stahlrohr, einem Spundwandprofil
dabei beim Ausfahren des Rüttlers hoch, und beim
oder speziell geformten Stahlprofilen oder -rohren
wieder Einfahren auf die niedrigere Resonanzfre-
(evtl. mit angebrachten Flügeln – sogenannte
quenz des Rüttler-Boden-Systems angepasst. Durch
„VibroWing“-Methode) mithilfe eines schweren,
­
das Einfahren bei der Resonanzfrequenz werden die
vertikal oszillierenden Aufsatzrüttlers, der am obe-
Bodenschwingungen deutlich verstärkt (vgl. [45,
ren Ende der Verdichtungsbohle angebracht wird
46]).
(Bild 14), in den Boden eingetrieben, wobei durch
die in den Boden übertragenen Scher- und Kom- Die speziell geformte (Doppel-Y-Profil) und durch
pressionswellen eine Verdichtung des Bodens er- Löcher in ihrer Steifigkeit reduzierte Rüttelbohle
zeugt wird (vgl. [45, 46]). (Bild  14) oszilliert dabei, durch den Rüttler ange-
regt, vertikal. Die Schwingungsübertragung in den
Untergrund findet dadurch entlang der gesamten
Rüttelbohle statt. Im Resonanzzustand wird die
Schwingungsenergie des Vibrators sehr energieeffi-
zient über die Rüttelbohle in den Boden übertragen,
da die Relativbewegungen zwischen Bohle und Bo-
den in diesem Zustand sehr gering sind (vgl. [45,
47]). Die Resonanzfrequenz hängt im Detail von der
statischen und dynamischen Kraft des Vibrators,
der Masse und der dynamischen Eigenschaften der
Rüttelbohle und den Bodeneigenschaften selbst ab
und liegt i.  Allg. zwischen ca. 10 (15) und 20  Hz
(vgl. [45, 46]).
Die Messung der Resonanzfrequenz und somit
Steuerung der Frequenz des Rüttlers findet durch an
der Oberfläche des umgebenden Bodens installierte
Geophone zur Feststellung der Schwinggeschwin-
digkeiten statt. Bei Erreichen der Resonanzfrequenz
des Vibrator-Rüttelbohlen-Bodensystems ist ein
deutlicher Anstieg der Bodenschwinggeschwindig-
keiten festzustellen (Bild 15).

4.2.2 Wirkungsweise (bodenmechanische


Betrachtung)
Aus bodenmechanischer Sicht ist folgender Unter-
schied zwischen der Rütteldruckverdichtung in Ab-
schnitt 4.1 und der hier beschriebenen Technik mit
Bild 14.  MRC-Gerätetechnik (Trägergerät, Vibrator, Aufsatzrüttlern (Vibro-rod bzw. Resonance Com-
Rüttelbohle) paction Methode) zu beachten. Bei der Vibro-rod
Grundverfahren 749

VIII
I
Bild 15.  Prinzip der Reso-
nanzverdichtung (MRC) aus
[47]

I
und der Resonance-Compaction-Methode wird die 4.2.3 Anwendungsgebiete∕​
Verdichtung des Untergrunds durch vertikal in den Anwendungsgrenzen
Boden eingetragene Scherwellen, die sich in einer
Grundsätzlich ist die Methode wiederum auf nicht-
zylindrischen Wellenfront ausbreiten, erzeugt. Zu-
bindige Böden mit einem Feinkornanteil von ca.
sätzlich werden dabei auch noch horizontale Kom-
< 10 % anwendbar [49], wie dies auf für die klassi-
pressionswellen in den Boden abgegeben. Im Ge-
sche Rütteldruckverdichtung (s. Abschnitt 4.1) der

I
gensatz dazu findet bei der Rütteldruckverdichtung
Fall ist. Im Zuge der Baugrunderkundung ist durch
die Verdichtung des Untergrunds durch eine hori-
entsprechende direkte und∕​oder indirekte Boden-
zontale Schwingbewegung des Rüttlers statt, der
aufschlüsse die Korngrößenverteilung und der
sowohl Kompressionswellen wie auch Scherwellen
im Untergrund erzeugt.
In [45] wird mit Verweis auf In-situ-Messungen von

I
Krogh und Lindgren [48] ausgeführt, dass bei der
Resonance Compaction Methode trotz des vertikal
schwingenden Vibrators auch signifikante horizon-
tale Schwingungen im Boden erzeugt werden, die
zu einer signifikanten (und permanenten) Erhöhung
der Horizontalspannungen im Boden durch den
Verdichtungsprozess führen. Die gemessene Man-

I
telreibung von CPT-Tests vor und nach dem Ver-
dichtungsprozess mittels der Resonance-Compacti-
on-Methode zeigten die Erhöhung der Horizontal-
spannung und dadurch des Überkonsolidierungs-
beiwerts OCR deutlich auf (vgl. [45, 47]).
In zuvor genannter Literatur wird ausgeführt, dass
I

der horizontale Erdruckbeiwert k0,1 (nach Verdich-


tung) gegenüber dem Erddruckbeiwert vor Verdich-
tung k0,0 um einen durchschnittlichen Faktor von ca.
1,6 zunimmt, was einem OCR-Wert von ca. 2,5 bis
Legende:
4,0 entspricht. Neben einer signifikanten Erhöhung 1 sensitive Böden und (sehr) weiche Tone
der Steifigkeit und einer deutlichen Erhöhung des 2 Ton und∕​oder Schluff
effektiven Reibungswinkels infolge der erhöhten
I

3 tonige Schluffe und∕​oder schluffige Tone


Lagerungsdichte durch Vibrationsverdichtungsver- 4b sandige Schluffe und Schluff
fahren (Rütteldruckverdichtung wie auch Vibro-​ 4a Feinsande und∕​oder schluffige Sande
rod-Methoden), wird auch eine deutliche Erhöhung 5 Sand bis sandiger Kies
der Horizontalspannungen (und somit des OCR-
Werts) erwirkt, was aus bodenmechanischer Sicht Bild 16.  Boden-Klassifizierungsdiagramm und An-
einen wesentlichen zu berücksichtigenden Effekt wendbarkeit der Vibro-Compaction-Methoden nach [50]
I

darstellt. und [51]


750 Baugrundverbesserung

Ist-Zustand der Lagerungsdichte festzustellen. Ne- zendruck (aufgrund seiner Spannungsabhängigkeit)


ben Kernbohrungen (mit SPT-Tests) sowie ergän- kontinuierlich mit der Tiefe ansteigt [52]. Detaillier-
zenden Rammsondierungen bieten sich dabei vor te Ausführungen hierzu finden sich beispielsweise
allem Drucksondierungen CPT- bzw. CPTu-Tests in [47, 53]. Ferner wird auf die allgemeinen Aus-
an. Aus diesen lässt sich die Anwendbarkeit von führungen in Abschnitt 4.1 verwiesen.
„Vibro-Compaction-Methoden“ (somit auch die
hier diskutierten Verfahren) nach [50, 51] (s. 4.3 Rüttelstopfverdichtung
Bild 16) ableiten.
4.3.1 Technische Verfahrensbeschreibung
4.2.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des Die Rüttelstopfverdichtung (RSV) hat zum Ziel den
Verfahrens Boden durch Zugabe von granularem Material zu
Hinsichtlich der Vor- und Nachteile des Verfahrens bewehren und auf diesem Wege ein Komposit zu
wird auf die allgemeinen Ausführungen der Rüttel- erschaffen, welches die geotechnischen Anforde-
druckverdichtung in den vorigen Abschnitten ver- rungen erfüllt (Bild 17).
wiesen. Im Unterschied zum Abschnitt 4.1 handelt Für das Rüttelstopfverfahren werden sogenannte
es sich hierbei jedoch um ein Aufsatzrüttlerverfah- Schleusenrüttler (Bild 18) – das sind Rüttler ähnli-
ren. cher Bauart wie für das Rütteldruckverfahren – ver-
4.2.5 Hinweise für die Planung und
Bemessung
Normalerweise wird ein dreieckförmiges Raster für
die Verdichtungspunkte gewählt. Kommt eine Dop-
pel-Y-förmige Rüttelbohle zum Einsatz, die einen
näherungsweise rechteckförmigen Verdichtungsbe-
reich im Boden erzeugt, kann auch ein rechteckför-
miges Raster gewählt werden. Der Abstand der Ver-
dichtungspunkte hängt von verschiedenen Aspek-
ten, wie den Baugrundeigenschaften vor Verdich-
tung, dem zu erreichenden Verdichtungsgrad, der
Größe der Verdichtungssonde (diese bestimmt die
Einflussfläche) und der Leistung des Vibrators ab.
Im Allgemeinen ist es vorteilhafter, einen kleineren
Abstand der Rüttelpunkte in Kombination mit zeit-
lich kürzeren Verdichtungsphasen im Vergleich zu
größeren Punktabständen und längeren Verdich-
tungsphasen zu wählen. Dadurch lässt sich eine ho-
mogenere Verdichtung des Untergrunds erreichen.
Die üblichen Abstände zwischen den Verdichtungs-
punkten reichen von 1,5 bis ca. 5 m [46].

4.2.6 Überwachung und Qualitätssicherung


in der Ausführung
Die Aufzeichnung und Dokumentation der Verdich-
tungsdaten für jeden Verdichtungspunkt (Lage des
Verdichtungspunkts, Einfahrts-Zeit-Diagramme,
Energiedaten des Rüttlers über die Zeit bzw. Ein-
fahrtstiefe etc.) ist eine erste Grundlage für die Qua-
litätskontrolle. Da das eigentliche Ziel des Verdich-
tungsprozesses jedoch im Erreichen eines bestimm-
ten Verdichtungsgrads des Untergrunds liegt, zielt
das Wesen der Qualitätskontrolle auf die Überprü-
fung des erreichten Verdichtungsgrads mittels z. B.
Drucksondierungen (CPT) ab. Dabei werden die
vorgegebenen Verdichtungskriterien oft als Min-
destwert des zu erreichenden Spitzendrucks qt der
Drucksonde angegeben. Bei der Bewertung des ge-
messenen Spitzendrucks ist dabei zu berücksichti-
gen, dass bei homogenen Reibungsböden der Spit- Bild 17.  Tragraupe mit Tiefenrüttler
Grundverfahren 751

wendet, die eine auf den Prozess und die Geometrie


der RSV-Säulen erfolgte Optimierung erfahren ha-
ben.
In der EU ist am häufigsten das Trockenverfahren

VIII
anzutreffen, welches mit Materialförderung durch
ein am Rüttler und an der Verlängerungsstrecke an-
gebrachtes Rohr arbeitet (Bild  18). Das Verfahren
ist sehr flexibel, da es an viele Bodenbedingungen,
Belastungen und geotechnische Anforderungen an-
gepasst werden kann. So sind z. B. Abwandlungen
wie Vermörtelung und Geogitterummantelung der
Säulen möglich. Es ist eine Reihe verschiedener

I
Systeme für verschiedene Herstelltiefen, Ausfüh-
rung an Land und im Wasser sowie Tauchsysteme,
die unter Wasser arbeiten können, auf dem Markt.
Alternativ kann das Verfahren auch mit Wasserspü-
lung und Materialzugabe durch den Ringraum um
die Rüttlerstrecke ausgeführt werden, was auf die

I
ursprüngliche Entwicklung in den 50er-Jahren des
letzten Jahrhunderts zurückgeht. Dieses Verfahren
ist für gewisse Böden noch immer sehr gut geeignet,
jedoch muss ausgewaschener Schlamm in recht gro-
ßem Volumen entsorgt werden, was ggf. hohe Kos-
ten verursachen kann.

I
4.3.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
Betrachtung)
Beim Rüttelstopfverfahren basiert das Wirkungs-
prinzip auf einer Bewehrung des zu verbessernden
Bodens mit granularen Säulen, welche auf den um-

I
gebenden Boden bezogen eine hohe Steifigkeit und
Scherfestigkeit aufweisen. Die Lastabtragung er-
folgt gemeinsam über Kiessäulen und Boden, wobei
der Boden noch zusätzlich die seitliche Stützung der
Säule bewirkt. Unter Belastung verformen sich Rüt-
telstopfsäulen durch horizontales Ausbauchen, bis
ein entsprechendes Gleichgewicht durch den mobi-

I
lisierten horizontalen Stützdruck hergestellt ist.
Hierbei macht es einen Unterschied, ob Säulen ein-
zeln betrachtet werden müssen oder eine Gruppen-
wirkung angesetzt werden kann, da durch die Säu-
lengruppe eine gegenseitige Stützung stattfindet,
welche sich im Gegensatz zu Pfählen positiv auf das
I
Lastabtragungsverhalten auswirkt.
Die Lastkonzentration in der Säule ist ein wichtiger
Aspekt, der in der Bemessung bzw. im Nachweis
der Tragfähigkeit der Säulen zu berücksichtigen ist
(z. B. Priebeverfahren [54, 55]). Zudem ist die Last-
konzentration in der Säule bei der Lastübertragung
I

sowohl am Säulenkopf wie am Säulenfuß zu be-


rücksichtigen.
Bild 18.  Schematischer Schnitt durch einen
Schleusenrüttler (© Keller Grundbau) Die Kiessäulen wirken außerdem als Dränageele-
mente von großem Durchmesser, sofern der Poren-
raum nicht durch Vermörtelung planmäßig verfüllt
ist. Die Dränagewirkung ist von besonderer Be­
I

deutung, wenn Setzungsverhalten und Porenwasser­


752 Baugrundverbesserung

überdruckabbau in undurchlässigen Böden (Schluffe In kohäsiven Böden werden Rüttelstopfsäulen zu-


und Tone) oder im Erdbebenfall zu bewerten sind. sätzlich zu den vorgenannten Effekten auch manch-
mal zur Beschleunigung von Konsolidierungsvor-
Des Weiteren kann durch den Herstellungsvorgang gängen genutzt und entsprechend bemessen [56].
und die damit einhergehende laterale Bodenver-
drängung in entsprechend verdichtbaren Böden eine International hat der Einsatz von Rüttelstopfsäulen
Eigenverdichtung erreicht werden, welche zusätz- außerdem zur Vermeidung von Bodenverflüssigung
lich zur Verbesserung des Bodens beiträgt. im Erdbebenfall große Bedeutung. Bei der Bemes-
sung wird hierbei die Erhöhung der Scherfestigkeit,
Zur bodenmechanischen Bemessung sind daher die der Verdichtungseffekt in verdichtbaren Böden so-
folgenden Parameter zu bestimmen bzw. festzule- wie die erhöhte Durchlässigkeit (verbesserte Dräna-
gen: gewirkung) berücksichtigt [57, 58].
1) geotechnische Parameter des anstehenden Bo- Grenzen sind dem Verfahren hauptsachlich bei
dens (φ Reibungswinkel, μ Querdehnzahl, Stei- möglichen Behinderungen beim Einfahren des Rütt-
femodul, Wichten, ggf. Durchlässigkeitsbei­ lers, bei keiner ausreichenden seitlichen Stützung
werte), der Schottersäulen (z. B. in breiigen bzw. in sehr
2) geotechnische Parameter des Säulenmaterials weichen Böden sowie organischen Böden) oder
(φ, μ, Steifemodul, Wichten, ggf. Durchlässig- wenn strenge technische Anforderungen nicht er-
keitsbeiwerte), reicht werden können, gesetzt. Bei Behinderungen
beim Einfahren des Rüttlers kann in vielen Fällen
3) Lastannahmen, mittels Vorbohrens mit Endlosschnecke Abhilfe ge-
4) Geometrie der Baugrundverbesserung (Anzahl schaffen werden.
und Abmessung der Säulen, Flächenverhältnis Kritisch für die Wirkungsweise sind Böden mit nur
– Säulenquerschnitt∕​Einflussbereich pro Säule sehr geringer oder über die Zeit nachlassender late-
– und Wirkung als Einzelsäule oder Säulen- raler Stützung der Säulen, wie zum Beispiel extrem
gruppe). weiche Schluffe und Tone mit undränierter Kohäsi-
Als Ergebnis der Rüttelstopfverdichtung sind in der on cu < 5 kPa, Böden mit organischem Anteil von
Regel die folgenden bodenmechanischen Effekte zu 5 % oder mehr [59], unterkonsolidierte Schluffe und
erwarten: Tone und Böden mit hoher Neigung zu großen Se-
kundärsetzungen (Kriechen). Varianten, in denen
1) erhöhte Steifigkeit der verbesserten Boden- die Säulen durch Vermörtelung oder Geogitterum-
schicht, mantelung stabilisiert werden können, bieten für
solche Fälle eine Lösungsoption.
2) erhöhte Scherfestigkeit,
3) beschleunigte Dränage (erhöhte vertikale Böden mit Schwellpotenzial und solche, in denen
Durchlässigkeit). das Korngerüst unter Wasserzugabe kollabieren
kann, sollten auch vermieden werden, da die Kies-
Die oben erwähnte mögliche Eigenverdichtung säulen das Einsickern von Wasser in den Boden er-
bleibt in der Regel beim Design unberücksichtigt. leichtern, was die genannten Effekte auslösen oder
verstärken kann.
4.3.3 Anwendungsgebiete Seitens der Verfahrenstechnik sind mit Standardge-
Anwendungsgrenzen räten im Trockenverfahren Tiefen bis 21 m typisch.
Es sind aber Lösungen auf dem Markt, welche im
Für das Rüttelstopfverfahren herrscht in Abhängig-
Trockenverfahren Tiefen bis über 40  m ermögli-
keit der vorherrschenden Bodenverhältnisse und der
chen. Das Nassverfahren ist bis 20 m Tiefe als Stan-
Anforderung an die Baugrundverbesserung eine
dard und bis über 35 m Tiefe in Sonderanwendun-
große Bandbreite von Anwendungen vor. Das Ver-
gen ausführbar. Dicht gelagerte Kies- und Sand-
fahren ist für Flachgründungen aller Art wie auch
schichten, zumindest halbfeste kohäsive Böden so-
für Erdbauwerke geeignet. Bodenpressungen bis zu
wie Findlinge oder felsartig verfestigte Zwischen-
ca. 200 kPa sind typisch, höhere Werte sind vor al-
schichten stellen ein Hindernis dar, welches unter
lem dann möglich, wenn die einzuhaltenden Set-
Umständen durch Vorbohren und anschließendem
zungsgrenzen nicht zu eng gefasst sind. In Einzel-
Durchfahren mit dem Rüttler erfolgreich begegnet
fällen wurden Bauten mit Bodenpressungen bis zu
werden kann.
800  kPa erfolgreich auf Rüttelstopfsäulen gegrün-
det. Vergleicht man den verbesserten Boden mit
dem unverbesserten Zustand sind in der Regel Set-
4.3.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
zungsreduktionen zwischen 30 % und 80 % erreich-
Verfahrens
bar. Als Bemessungsverfahren für die Verbesserung Neben den bereits im vorigen Abschnitt ausgeführ-
von Tragfähigkeit und Steifigkeit ist die Bemessung ten Vorteilen und Eingrenzungen, ist das Verfahren
nach Priebe etabliert [54]. durch die folgenden Charakteristiken geprägt. Das
Grundverfahren 753

Rüttelstopfverfahren zeichnet sich dadurch aus, zu prüfen, ob vermörtelte oder geotextilummantelte


dass es sehr flexibel an Böden, Lasten und Anforde- Säulen technisch und ökonomisch vorzuziehen sind.
rungen angepasst werden kann und auch große
Es ist außerdem sicherzustellen, dass die Annahmen
planmäßige Verformungen toleriert.
der Statik tatsächlich umgesetzt werden, insbeson-

VIII
Rüttelstopfsäulen sind robuste Verbesserungsele- dere die Bedingungen zur Lastverteilung zwischen
mente, die in den meisten Fällen einer Überlastung Säulen und Boden. Falls die Dränagewirkung der
durch weitere Verformungen reagieren, ohne ihre Säulen wichtig für das Gründungskonzept ist, muss
Funktion völlig zu verlieren. Ausgenommen sind sichergestellt werden, dass ausreichend Dränage­
hier nur Situationen, die zum Abscheren im großen wege für das Ableiten des Porenwassers existieren.
Maßstab führen können (Grundbruch, Böschungs-
bruch o. Ä.). 4.3.5 Hinweise für die Planung und
Bemessung

I
Ein weiterer Vorteil von Rüttelstopfsäulen klassi-
scher Bauart ohne Vermörtelung sind die ver- Das verbreitetste Bemessungsverfahren für Rüt-
gleichsweise einfachen Folgearbeiten, da die Last- telstopfverdichtungsmaßnahmen ist die Berechnung
verteilung auf die Säulen mit wenig Aufwand be- nach Priebe [54] (Bild  19), mit welchem der Ver-
werkstelligt werden kann und die Säulen unemp- besserungsfaktor n2 berechnet wird. Der Verbesse-
findlich gegen Überfahren oder sonstigen Beschädi- rungsfaktor beschreibt das Verhältnis der Steifigkeit
gungen im Zuge der weiteren Bauarbeiten sind. des verbesserten Bodens zur Steifigkeit des unver-

I
besserten Bodens. Davon abgeleitet kann auch die
Neben Kies können insbesondere im Trockenver- verbesserte Tragfähigkeit des Bodens bestimmt
fahren auch andere Materialien wie z. B. Sande und werden. Das Verfahren erlaubt Korrekturen für die
Sand-Kies-Gemische oder Recyclingmaterial ein- Berechnung von Einzelsäulen und kleinen Säulen-
gebaut werden. Die mechanischen Eigenschaften gruppen und berücksichtigt auch Effekte wie ein
des gewählten Materials sind hierbei im Entwurf zu mögliches Einstanzen der Säule am Säulenkopf und
beachten [60]. Fuß. Neben den Materialparametern von Kiessäule

I
In organischen Böden sind klassische Kiessäulen in und Boden ist als wichtigster Faktor für den Verbes-
der Regel nicht anwendbar, da die zeitabhängigen serungsgrad das Flächenverhältnis zwischen Säule
Verformungen so groß sind, dass die Säule nicht und umgebenden Boden zu bestimmen.
stabil bleibt. Ausnahmen sind sehr dünne Schichten Zur Betrachtung von zeitabhängigen Effekten hat
mit Dicken bis maximal dem Säulendurchmesser, sich bei der primären Konsolidierung das Verfahren
welche überbrückt werden können. Generell ist bei von Balaam und Booker [56] bewährt, bei Kriech-

I
Boden mit zu erwartenden großen Kriechsetzungen verformungen der Ansatz nach Madhav [61].

I
I
I
I

Bild 19.  Säulenraster und das Konzept der Einheitszelle aus dem Verfahren nach Priebe [54]
754 Baugrundverbesserung

Die Berücksichtigung des stabilisierenden Effekts sichtigt wird. Daher ist mittels Sondierungen keine
der Kiessäulen bei der Bemessung gegen Bodenver- Aussage über die Säulenqualität bzw. den Verbesse-
flüssigung ist vergleichsweise komplex, da hierfür rungsgrad möglich. Deshalb ist auf die Qualität der
mehrere Faktoren gemeinsam betrachtet werden Säulenherstellung besonderer Wert zu legen
müssen. Der Beitrag der Säulen an der Tragfähig- (Bild  20). Bezüglich des verwendeten Kieses sind
keit wird als Reduktion des zyklischen Spannungs- Rundkorn und Kantkorn im Wesentlichen als
verhältnisses (Cyclic Stress Ratio CSR) nach Priebe gleichwertig anzusehen.
berechnet, der Verdichtungseffekt nach Baez [57]
und zuletzt der Einfluss der Dränagewirkung basie- Grundsätzlich sind Belastungsversuche als bevor-
rend auf einem Ansatz von Pestana [62]. zugtes Verfahren für den Nachweis der Baugrund-
verbesserung und die Bewertung des Setzungsver-
Numerische Verfahren werden für komplexe Be- haltens nach der durchgeführten Verbesserung zu
messungsaufgaben ebenfalls eingesetzt. Hierbei ist sehen. Dies vor allem, wenn keine ausreichende lo-
aber bei der Modellbildung und der Stoffmodellaus- kale Erfahrung im Design und der Ausführung zur
wahl zu beachten, dass insbesondere bei 2-D-Mo- Verfügung steht.
dellen die geometrischen Einflüsse der Verbesse-
rung nur näherungsweise berücksichtigt werden 4.4 Verdichten mit Aufsatzrüttlern
können. Es ist daher nicht unüblich, in einfachen
FEM-Kalkulationen anstatt der Säulen und des um- 4.4.1 Technische Verfahrensbeschreibung
gebenden Bodens den verbesserten Boden als Kom- Für die Herstellung von Rüttelstopfsäulen (RSS)
posit nach Priebe zu modellieren. mittels Aufsatzrüttler wird ein Stahlrohr mit einem
Durchmesser von ca. 30 bis 60  cm mit einer Ver-
4.3.6 Überwachung und Qualitätssicherung schlussklappe oder ähnlichem Verschlussmechanis-
in der Ausführung mus durch einen hydraulisch angetriebenen Auf-
Für die allgemeine Dokumentation sind die bei der satzrüttler, angebracht an einem Mäklergerät, im
Rütteldruckverdichtung erwähnten Punkte anzu- Vollverdrängungsverfahren in den Boden einge-
wenden. Bei der Rüttelstopfverdichtung eignen sich bracht. Das Zugabematerial (Sand, Kies, Steine bis
Sondierungen oder Kernbohrungen in der Regel max. 100  mm Korngröße bei ausreichend großem
nicht zum Qualitätsnachweis, da die Verbesserung Rammrohr) wird über einen fix montierten obenlie-
des Bodens zwischen den Säulen nur selten signifi- genden Kübel zugegeben, und fällt durch das Rohr
kant ist und auch nicht in der Bemessung berück- (teilweise unter Druckluftunterstützung), bis es an

Bild 20.  Typisches Herstel-


lungsprotokoll für
RSV-Säulen (© Keller)
Grundverfahren 755

VIII
I
Bild 21. Herstellungsprin-
zip von RSS-Säulen nach
dem Prinzip der Fa. Bauer

I
der Spitze austritt. Beim Ziehen und Absenken des Vorbohren sinnvoll und für größere Rohrdurchmes-
Stahlrohrs um einige Dezimeter wird das Füllmate- ser sind entsprechend starke Aufsatzrüttler erforder-
rial infolge der Schwingungsenergie verdichtet, wo- lich.
bei keine Vermischung zwischen anstehendem Bo-
den mit dem Stopfmaterial der Säule stattfindet Hinsichtlich der erreichbaren Eigenverdichtung von

I
(Bild 21). gemischtkörnigen oder nichtbindigen Böden wird
im Wesentlichen auf Abschnitt 4.2 verwiesen. Darin
4.4.2 Wirkungsweise (bodenmechanische wird die Wirkungsweise der Verdichtung mittels
Betrachtung) auf Rüttelbohlen oder -rohren aufgebrachten Au-
ßenrüttlern beschrieben.
Die Anwendung des Verfahrens in bindigen Böden
mit einer undränierten Scherfestigkeit zwischen ca. Die erreichbaren Tiefen sind neben den gegebenen

I
20 und 100 kPa beruht auf der Verdrängung des Bo- Untergrundeigenschaften vom Durchmesser des
dens während der Einbringung des Stahlrohrs. Eine Rammrohrs und der Energie des Aufsatzrüttlers ab-
Verdichtung des bindigen Bodens ist mittels Rüttel- hängig.
technik i.  Allg. nicht möglich, d. h., die Tragwir- Ein möglicher wirtschaftlicher Vorteil ist die Ver-
kung beruht auf der hergestellten und verdichteten wendung von Sand-Kies-(Stein)Material von 0 bis
Schottersäule, welche durch den umgebenden bindi- 56 mm (max. 100 mm bei größerem Durchmesser

I
gen Boden gestützt wird. In gemischtkörnigen Bö- des Rammrohrs).
den, besonders aber in locker (bis mitteldicht) gela-
gerten Sanden und Kiesen, wird durch die einge-
brachte Rüttelenergie eine gewisse Verdichtung des 4.4.5 Hinweise für die Planung und
umgebenden Bodens bewirkt. Die Tragfähigkeitser- Bemessung
höhung wird somit aus einer gewissen Eigenver- Die Bemessung der Baugrundverbesserung wird
dichtung des Bodens und der Tragwirkung der eige- meist mithilfe des Bettungsmodulverfahrens durch-
I
bauten Schottersäulen erzeugt. geführt. Nach diesem Ansatz ergeben sich teilweise
stark abweichende Ergebnisse gegenüber der Be-
4.4.3 Anwendungsgebiete∕​ rechnung nach „Priebe“. Speziell bei einer vorhan-
Anwendungsgrenzen denen Weichschicht im Bereich der Sand- Kiessäu-
Das RSS-Verfahren wird vorwiegend in bindigen len weichen die Ergebnisse der beiden Berech-
und gemischtkörnigen Böden in Kombination mit nungsverfahren deutlich voneinander ab.
I

Flach- bzw. Flächengründungen angewandt.


4.4.6 Überwachung und Qualitätssicherung
4.4.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des in der Ausführung
Verfahrens
Standard sind die digitale Aufzeichnung der Tiefe,
Die erreichten Durchmesser sind bodenabhängig des Anpressdrucks und Hydraulikdrucks des Auf-
meist nur geringfügig größer als das eingerammte satzrüttlers. Weiter ist die (manuelle) Aufzeichnung
I

Rohr. Bei größeren Säulendurchmessern ist ggf. ein der Einbaumenge an Sand-Kies-Material und erfor-
756 Baugrundverbesserung

derlichenfalls ein Qualitätsnachweis der Materialei- Stahlplatten zusammengebaut oder bestehen aus ei-
genschaften des Zugabematerials. nem mit Stahlbeton gefüllten Stahlrahmen. Der ty-
pischerweise verwendete 120-t-Raupenkran muss
Hinsichtlich der allgemeinen Wirkungsweise von in eine sog. Freifalleinrichtung besitzen.
bindigen Böden eingebauten Kiessäulen wird auch
auf Abschnitt 4.3 verwiesen. Je nach erforderlichem Energieeintrag bzw. ge-
wünschter Verdichtung wird die Anzahl der Schläge
4.5 Dynamische Intensivverdichtung und pro Verdichtungspunkt abgeschätzt. Bei zunehmen-
Impulsverdichtung dem Feinkornanteil und zunehmenden bindigen Ei-
genschaften des Bodens nehmen seine Verdich-
Aufgrund der Ähnlichkeit der beiden Verfahren hin- tungsfähigkeit und damit die Effizienz der dynami-
sichtlich Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und schen Intensivverdichtung ab. In diesem Fall wer-
Qualitätssicherung werden diese in einer gemeinsa- den die entstandenen Schlagtrichter mit nichtbindi-
men Betrachtung zusammengefasst. gem Bodenmaterial oder Schottersteinen verfüllt.
Bei Bedarf kann die so entstandene Sand- oder
4.5.1 Technische Verfahrensbeschreibung Schottersäule nach einem erneuten Übergang mit
dem Fallgewicht tiefer gerammt werden (Bild  22)
4.5.1.1 Dynamische Intensivverdichtung – und der Verbesserungsmechanismus in der wei-
Fallplattenverdichtung chen, nicht verdichtungsfähigen Bodenschicht ist
Im Gegensatz zur Impulsverdichtung wird bei der ähnlich wie bei der Rüttelstopfverdichtung.
dynamischen Intensivverdichtung ein Fallgewicht, Das Verdichtungsraster ist typischerweise quadra-
welches an einem speziell dafür vorgesehenen Rau- tisch mit zwei oder drei Phasen, wobei mit dem
penkran hängt, von großer Höhe auf den zu verdich- größten Raster der ersten Phase angefangen wird
teten Boden fallen gelassen. Dabei entstehen tiefere und bei der nächsten Phase neue Verdichtungspunk-
Schlagtrichter als bei der Impulsverdichtung, die te im Mittelpunkt des vorherigen Rasters verdichtet
wieder verfüllt werden. Müssen die Trichter auf- werden (Bild 23).
grund ihrer Tiefe innerhalb einer Phase verfüllt wer-
den, muss diese Phase in mehrere Übergänge aufge- 4.5.1.2 Impulsverdichtung
teilt werden. Die Übergänge der gleichen Phase
verdichten wiederholt Punkte eines Rasters, woge- Bei der Impulsverdichtung wird ein Fallgewicht auf
gen zwei Phasen örtlich unterschiedliche Verdich- einen Stahlfuß fallen gelassen. Dabei sind sowohl
tungspunkte beinhalten. das Fallgewicht wie auch der Stahlfuß an einem
Mast montiert und ein Bagger dient als Trägergerät.
Heute werden üblicherweise Gewichte von 6  t bis Der Stahlfuß verbleibt während des Verdichtungs-
25 t mit Fallhöhen bis zu 20 m und mehr verwendet. vorgangs in ständigem Kontakt mit dem Boden und
Die Form und Abmessungen des Fallgewichts hän- dringt nach jedem Schlag tiefer in den Boden ein,
gen von der Anwendung ab und werden meist aus bis eine maximale Tiefe erreicht ist. Falls die erfor-

Bild 22.  Schema einer dy-


namischen Intensivverdich-
tung mit und ohne Zugabe-
material (© Keller)
Grundverfahren 757

derliche Verdichtung nach der ersten Phase nicht


erreicht ist, wird der so entstandene Schlagtrichter
mit Material aus der Arbeitsplattform oder neuem
Zugabematerial aufgefüllt und eine neue Verdich-
tungsphase kann folgen.

VIII
Die Verdichtungspunkte einer Impulsverdichtung
können in einem quadratischen Raster oder einem
sogenannten „sweep & track“ Raster angeordnet
werden (Bild 24).
Abhängig vom Fallgewicht, welches typischerweise
5 t bis 16 t beträgt, wird ein Bagger mit einer Kapa-
zität zwischen 30 t und 90 t als Trägergerät verwen-

I
det (Bild 25). Die Fallhöhe kann angepasst werden
und reicht bis zu 1,2  m. Die Schlagfrequenz liegt
zwischen 35 und 60 Schlägen pro Minute und der
Durchmesser des Stahlfußes beträgt zwischen 1,0 m
und 1,6 m.

I
Bild 23.  Verdichtungsraster mit Erklärung der
­Wirkungsweise [63]

I
I
I
I
I

Bild 24.  Typische Raster für Impulsverdich-


I

tung (© Keller)
758 Baugrundverbesserung

a)

Bild 26.  Verdichtungsmechanismus bei der


b) ­dynamischen Intensivverdichtung ohne Materialzugabe
(© Keller)
Bild 25.  Impulsverdichtungsarbeiten; a) Verdichtungs-
gerät, b) Verdichtungsfeld (© Keller)

4.5.2 Wirkungsweise (bodenmechanische dige) Schichten aus. Das Sekundärraster verbessert


Betrachtung) mittlere Bodenschichten und das „Bügeln“ verdich-
tet oberflächennahe Schichten (Bild  26). Die Ver-
Die kinetische Energie der Masse bewirkt bei allen
dichtung schreitet hier von unten nach oben voran.
drei (dynamische Intensivverdichtung mit∕​ ohne
In den verschiedenen Phasen können auch unter-
Zugabematerial sowie Impulsverdichtung) Verdich-
schiedliche Paramater (Fallhöhe, Anzahl an Schlä-
tungsverfahren im Falle nichtbindiger Bodenschich-
gen∕​Punkt, Gewicht und Form des Fallgewichts)
ten eine Umlagerung der Bodenkörner in einen
zur Optimierung der Wirkungsweise zur Anwen-
dichteren Lagerungszustand, welcher höhere Fes-
dung kommen.
tigkeiten und Steifigkeiten der verbesserten Böden
zur Folge hat. Der Verdichtungsmechanismus aller
Mit steigendem Feinanteil wirkt sich die Verdich-
drei Verfahren unterscheidet sich jedoch grundsätz-
tungsenergie verstärkt auf den Porenwasserdruck
lich. Bei der Impulsverdichtung wird zunächst an
des Bodens aus. Dabei steigt dieser stärker während
der Oberfläche ein „Zapfen“ verdichteten Bodens
der Impulsverdichtung, welche eine geringere Ener-
gebildet, der mit jedem Schlag in die Tiefe getrieben
gie pro Schlag, jedoch eine höhere Schlagfrequenz
wird. Die Verdichtung findet daher von oben nach
und in der Regel ein dichteres Raster auszeichnen.
unten statt.
Der Anstieg des Porenwasserdrucks verringert die
Die dynamische Intensivverdichtung wirkt sich zu- Verdichtungsfähigkeit des Bodens. Wird der Boden
nächst durch das Primärraster auf tiefere (nichtbin- nicht mehr verdichtet, sondern verdrängt, wird eine
Grundverfahren 759

Ruhephase eingelegt, in der sich der Porenwasser- Lärmbelästigung als störender betrachtet werden,
druck entspannt und danach wieder verdichtet wer- als während der dynamischen Intensivverdichtung.
den kann.
Wegen erhöhten Vibrationen ist Vorsicht in der
Bei der dynamischen Intensivverdichtung mit Zuga- Nähe von sensiblen sowie älteren Bauwerken gebo-

VIII
be von Material wird der nicht verdichtbare Boden ten. In der Nähe von neuen, stabilen Bauwerken
vom verdichtbaren Zugabematerial verdrängt, in- beträgt der Sicherheitsabstand zu bestehenden Bau-
dem Sand- bzw. Schottersäulen in den Boden ge- ten, bei welchem Schäden vermieden werden sol-
rammt werden. Analoges gilt auch bei Anwendung len, bei der Impulsverdichtung ungefähr 10 bis
der Impulsverdichtung in nicht verdichtbaren Bö- 15 m und bei der dynamischen Intensivverdichtung
den. 35 bis 50 m. Die am Gebäude spürbaren Vibratio-
nen können gegebenenfalls mithilfe eines Grabens
4.5.3 Anwendungsgebiete∕​ gemildert werden.

I
Anwendungsgrenzen Durch die Bodenverdichtung ist bei allen drei Ver-
Die Impulsverdichtung und die dynamische Inten­ fahren eine Setzung in der Größenordnung zwi-
sivverdichtung ohne Zugabematerial werden in ver- schen 5 und 10 % der Verdichtungstiefe zu erwarten.
dichtbaren Böden angewendet, wobei sie ein breite- Die dynamische Intensivverdichtung mit Zugabe
res Anwendungsgebiet als beispielsweise die Rüt- von Material führt jedoch in der Regel zu Hebun-
teldruckverdichtung in Böden mit einem höheren gen.

I
Feinanteil haben. Ein Grenzwert für den Feinanteil
von ungefähr 20 % lässt sich nur als Orientierungs- 4.5.5 Hinweise für die Planung und
hilfe angeben, weil die Effizienz der Verfahren von Bemessung
vielen Faktoren, wie z. B. dem Wassergehalt des Die Einflusstiefe kann für die dynamische Intensiv-
Bodens und auch der Korngrößenverteilung, ab- verdichtung nach Gl. (1) abgeschätzt werden.
hängt. Diese Verfahren werden häufig bei Infra- _
​D  = η ​√ W ⋅  H ​​  

I
strukturprojekten, Tankgründungen oder leichten (1)
Industriebauwerken eingesetzt.
η
​ ​ empirischer Koeffizient (zwischen 0,3 und 0,8
Die erreichte Verdichtungstiefe hängt bei allen ge- in Abhängigkeit des Bodens) [–]
nannten Techniken im Bereich der üblichen Anwen- ​D​ Einflusstiefe [m]
dung in erster Linie vom Boden ab. In feinkörnigen
Böden kann bei der Dynamischen Intensivverdich- ​W​ Masse des Fallgewichts [t]

I
tung mit Zugabe von Material die erzielte Tiefe der
Säulen mit der Verwendung von Kies statt Sand um ​H​ Fallhöhe [m]
einen weiteren Meter auf ca. 5,5 m gesteigert wer- Obige Gl. (1) hat keine Gültigkeit für die Impulsver-
den (Tabelle 3). dichtung.
4.5.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des Die erforderliche Energie hängt von den Eigen-
Verfahrens schaften des Bodens ab und kann mithilfe von [64]

I
abgeschätzt werden bzw. können Erfahrungswerte
Aufgrund der Intensität der auftretenden Vibratio- herangezogen werden. Es gibt zurzeit keine Normen
nen sowie Schallemission ist die Anwendung aller oder internationale Standards bezüglich der Impuls-
drei Verfahren auf offenen Flächen empfohlen, da in verdichtung und dynamischen Intensivverdichtung.
der Nähe von bebauten Gebieten Risiken auftreten Es gibt umfangreiche Literatur zu den Techniken
können. Die Schallemission, die bei der Impulsver- (z. B. [65]). Die Erfahrung bei der Planung, Ausfüh-
dichtung entsteht, kann aufgrund der höheren Fre- rung und Überwachung sind jedoch bei diesem Ver-
I

quenz und der damit als andauernd empfundenen fahren von besonderer Bedeutung.

Tabelle 3.  Typische Bodenpressung, Setzungen und erzielte Verdichtungstiefen in Abhängigkeit der
­Verbesserungstechnik
I

Bodenpressung Setzungen Verdichtungstiefe


[kN∕​m2] [mm] [m]
Impulsverdichtung 100–250 und mehr 25–200 5
Dynamische Intensivverdichtung 8–12 ohne Materialzugabe
4,5–5,5 feinkörnige Böden
I
760 Baugrundverbesserung

4.5.6 Überwachung und Qualitätssicherung


in der Ausführung
Vor der Ausführung der Hauptarbeiten ist es sinn-
voll, die Bemessungsannahmen wie Verdichtungs-
tiefe und eingeleitete Energie durch ein Versuchs-
feld zu überprüfen. Hierbei werden die optimalen
Parameter für die Ausführung, wie maximale An-
zahl der Schläge eines Übergangs festgestellt und
die Reaktion des Bodens auf die Verdichtung beob-
achtet. Hierzu wird ein sog. Hebungs-Eindrin-
gungs-Test durchgeführt, bei welchem das Volumen
der Schlagtrichter und das Volumen des durch Bo-
denverdrängung gehobenen Bodens festgestellt
werden.
Als Qualitätssicherung für die Hauptarbeiten wer-
den verschiedene Sondierungen über die Tiefe vor
und nach den Verdichtungsarbeiten miteinander
verglichen und es können Aussagen getroffen wer- Bild 27.  Installationsvorgang für vorgefertigte
den, ob und bis zur welcher Tiefe und horizontalen ­Vertikaldräns
Ausdehnung die Verdichtung stattgefunden hat und
ob die Anforderungen erfüllt wurden.
handensein von Sandzwischenschichten im feinkör-
Üblicherweise werden die folgenden Sondierungen nigen Boden, der Auflast und dem Abstand der Ver-
durchgeführt: tikaldräns ab.
−− Pressiometertests,
Vorgefertigte Vertikaldräns wurden Mitte der
−− Drucksondierungen, 1930er-Jahre von Walter Kjellman am Schwedi-
−− diverse Rammsondierungen. schen Geotechnischen Institut entwickelt. Die ers-
ten Vertikaldräns bestanden aus zwei zusammenge-
4.6 Vertikaldräns mit Vor- bzw. klebten Pappbögen mit inneren Kanälen. Moderne
Überlastschüttungen Vertikaldräns aus geotextilummantelten Filter-
kunststoff mit extrudierten Kanälen wurden 1971
4.6.1 Technische Verfahrensbeschreibung ebenfalls am Schwedischen Geotechnischen Institut
entwickelt. Kunststoff-Vertikaldräns ermöglichen
Vertikaldräns werden installiert, um die Konsolidie- eine schnellere Installation und höhere Volumen-
rung von kompressiblen Böden zu beschleunigen. ströme während der Konsolidierung, im Vergleich
Durch den Einbau der Vertikaldräns in den Unter- zu den früheren Karton-Vertikaldräns. Für eine aus-
grund wird die mittlere Durchlässigkeit eines bindi- führliche Betrachtung von Vertikaldräns sei auf [66]
gen Bodens in vertikaler Richtung wesentlich er- verwiesen.
höht und die Dränagewege des Porenwassers in ho-
rizontaler Fließrichtung wesentlich verkürzt. Die Bevor die Installation der Vertikaldräns beginnen
Vertikaldräns können entweder vorgefertigt werden kann, muss die Arbeitsfläche vorbereitet werden,
(PVD) oder aus Sand bestehen. Sanddräns werden um eine stabile Arbeitsplattform zu gewährleisten.
durch Stitcher oder Rüttler (ähnlich der Herstellung Da der Untergrund von Vertikaldrän-Baustellen ty-
der Rüttelstopfsäulen) hergestellt und weisen in der pischerweise sehr weich ist, ist als Arbeitsplanum in
Regel einen Durchmesser von 30 bis 50  cm auf. der Regel eine Sand- oder Kiesschicht auf geotexti-
Vorgefertigte Dräns bestehen im Großteil aller An- len Trennvlies erforderlich, um ein sicheres Befah-
wendungsfälle aus mit Geotextilfilter umwickelten ren mit den Trägergeräten bei allen Witterungsver-
robusten Kunststoffen mit extrudierten Kanälen, die hältnissen zu ermöglichen. Die Arbeitsplattform
es ermöglichen, dass Wasser aus dem bindigen Bo- dient auch als Dränageschicht, um sowohl das Ober-
den abfließen kann, wenn der Boden unter einer flächenwasser als auch das Wasser, welches durch
aufgebrachten Auflast konsolidiert (Bild  27). Der die Vertikaldräns im Zuge des Konsolidierungspro-
Geotextilfilter verhindert, dass feine Bodenpartikel zesses nach oben kommt, von den Arbeitsflächen
in das Filtervlies und in die Kanäle gelangen und wegzuleiten.
diese verstopfen.
Je nach Einbautiefe wird ein Spezialmast mit aufge-
Die Zeit, die für einen erforderlichen Konsolidie- rolltem Dränmaterial und einer Mandrell (Mandrell
rungsgrad benötigt wird, hängt nach Einbau der ist ein rechteckiges Stahlprofil, in dem das Vertikal-
Vertikaldräns von der horizontalen Durchlässigkeit drän geführt und mit dem dieses in den Boden ge-
der feinkörnigen Bodenschichten, dem evtl. Vor- drückt wird) auf einem Kettenbagger oder Kran
Grundverfahren 761

Ende der Vertikaldrän nach dem Erreichen der End-


tiefe an Ort und Stelle, während die Mandrell wie-
der gezogen wird. Der Vertikaldrän wird nach dem
Ausfahren der Mandrell einige Dezimeter über dem
Boden abgeschnitten und eine neue Ankerplatte

VIII
wird für den nächsten Installationspunkt mit dem
Dränmaterial verbunden.

4.6.2 Wirkungsweise (bodenmechanische


Betrachtung)
Wenn eine gesättigte, feinkörnige Bodenschicht ei-
nem Druck (z. B. aus Auflast) ausgesetzt wird, wird

I
die Belastung anfangs durch das Wasser in den Po-
ren übernommen, was zu einem Porenwasserüber-
Bild 28.  Einbau der Vertikaldräns druck führt. Der Grund hierfür ist, dass die lastbe-
dingte Zusammendrückung des Bodens nur in dem
Maße möglich ist, in welchem Wasser aus dem Po-
montiert (Bild 28). Standardeinbautiefen gehen bis renraum des Bodens entweichen kann. Aufgrund
ca. 25  m, Vertikaldräns bis zu 40  m Tiefe werden der sehr geringen Kompressibilität des Wassers und

I
mittels Kettenbagger installiert. Vertikaldräns mit der (sehr) geringen Wasserdurchlässigkeit feinkör-
Tiefen von > 40 m erfordern in der Regel, dass der niger Böden führt dies zu einer anfänglichen Erhö-
Mast zur Stabilisierung an einem Kran montiert hung des Porenwasserdrucks. Erst über die Zeit
wird (Bild 29). kann das Wasser in Richtung des größten Druckgra-
Im Zuge der Installation wird der Vertikaldrän dienten zu einer Schicht mit höherer Durchlässig-
durch die Mandrell gezogen, welche einerseits den keit oder zur freien Geländeoberfläche hin entwei-

I
Hohlraum für die Installation herstellt und den Ver- chen. Dies führt zum Abbau des Porenwasserüber-
tikaldrän andererseits während der Einbringung vor drucks, wodurch die Spannung infolge der Belas-
Beschädigung schützt. Die Installationskraft wird tung allmählich auf das Bodenskelett übertragen
typischerweise durch Vibrationshämmer, statische wird [67].
Kraftverfahren (mittels Seilwinden oder Getrie- Vertikaldräns werden typischerweise in weichen,
besystem) oder eine Kombination dieser Verfahren gesättigten, feinkörnigen Böden wie Schluffen,
bereitgestellt. Die Auswahl des Verfahrens erfolgt ­Tonen, organischen Schluffen, organischen Tonen,

I
in Abhängigkeit der vorliegenden Bodenverhältnis- Torf, Schlämmen und Minenrückständen verwen-
se und den erforderlichen Einbautiefen. Eine Was- det.
serfüllung der Mandrell kann bei kritischen und
extrem weichen Bodenverhältnissen unterstützend Weiche Böden werden bei Belastung mit einer Auf-
eingesetzt werden. last den folgenden Prozessen unterzogen:

Eine verlorene Ankerplatte, die vor dem Einbau des −− anfängliche elastische Setzungen,

I
Vertikaldräns mit diesem verbunden und an der −− primäre Konsolidierung,
Spitze der Mandrell angebracht wird, hält das untere −− sekundäre Komprimierung (Kriechsetzungen).
I
I

Bild 29.  Herstellung der


Vertikaldräns im Dreieck­
I

raster – 25 m Einbautiefe


762 Baugrundverbesserung

Je nach den Eigenschaften der Böden sind die ein- chen feinkörnigen Bodenschichten nur geringmäch-
zelnen Setzungsanteile unterschiedlich groß. In der tige Deckschichten vorhanden sind.
Bemessungsphase, vor allem aber während der
­messtechnischen Überwachung (z. B. mittels Set- Typische Anwendungsfälle für eine Baugrundver-
zungspegel) unter Auflast sind die genannten Set- besserung mittels Vertikaldräns sind:
zungsprozesse gesondert zu betrachten. −− Dammschüttungen im Straßen- und Eisenbahn-
bau,
Die allgemeine Idee der Wirkungsweise der vorge-
fertigten Vertikaldräns liegt darin, den Abflussweg −− Flughäfen und Seehäfen,
des durch eine Auflast unter Druck stehenden Was- −− Brückenwiderlager und Überführungen,
sers (Porenwasserüberdruck) in wenig durchlässi- −− Tanklager,
gen bindigen Schichten zu verkürzen. Dies wird
durch die Installation von Vertikaldräns erreicht, −− Dämme und Deiche,
wodurch das unter Überdruck stehende Porenwasser −− Geschäfts- und Wohngebäude,
horizontal zum nächsten Drän anstatt vertikal einen −− Bergbauabfälle und -rückstände,
längeren Weg zu einer entwässerungsfähigen
Schicht fließt [68]. Nach Erreichen eines bestimm- −− Vorbehandlung von großen Entwicklungsgebie-
ten Konsolidierungsgrads, d. h. nach dem ein gewis- ten zur Herstellung der Bebaubarkeit für die In-
ser Anteil der Setzungen abgeklungen ist, erfolgt im frastruktur und leichte Bebauung. Setzungs-
Allgemeinen die Freigabe für die weiter zu er- empfindliche und∕​ oder höher belastete Bau­
richtenden Objekte. Durch den Prozess der Vorbe- werke werden i. Allg. tief gegründet.
lastung in Kombination mit Vertikaldräns werden Anwendungsgrenzen für Vertikaldränagen können
somit Setzungen für die später errichteten Bauwer- aus technischer Sicht vor allem durch die Nicht-Ein-
ke vorweggenommen (Bild 30). bringbarkeit der Vertikaldräns, z. B. infolge härterer
oder dichterer Zwischenschichten, gegeben sein.
4.6.3 Anwendungsgebiete∕​ Systembedingte Anwendungsgrenzen ergeben sich
Anwendungsgrenzen mitunter aus zeitlichen Limitierungen, wenn bei-
spielsweise keine ausreichende Zeit für Vorbelas-
Die Anwendung von Vertikaldräns hat das Ziel, den tungsprozesse gegeben ist. Eine andere systembe-
Konsolidierungsvorgang zu beschleunigen. Prak- dingte Begrenzung kann durch strenge Setzungskri-
tisch alle Anwendungen erfolgen in Kombination terien gegeben sein, die mit dem System der Vorbe-
mit einer Auflast- oder Überlastschüttung. Überlast- lastung in Kombination mit Vertikaldränagen nicht
schüttung bedeutet dabei, dass die für den Zeitraum erfüllbar ist.
der Vorbelastung aufgebrachte Spannung höher ist
als die dauerhaft wirkende Spannung. Die Aufbrin- 4.6.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
gung der Auf- oder Überlast kann je nach den loka- Verfahrens
len Verhältnissen in einem Schritt oder stufenweise
erfolgen. Die Aufbringungsgeschwindigkeit ist un- Neben der zumeist aus praktischen Aspekten be-
ter anderem durch die Gefahr des Böschungsgrund- grenzten Tiefe kann, wie oben bereits erwähnt, auch
bruchs limitiert, vor allem wenn über den sehr wei- durch eine schwer zu durchdringende Deckschicht

Bild 30.  Konzept für den Einbau der


Vertikaldräns unter Auflastschüttung
Grundverfahren 763

ein Einbau von Vertikaldräns in darunterliegende


weiche Schichten verhindert werden. Vielfach kann
dieses Problem durch Vorbohren mit Endlosschne-
cken kleinen Durchmessers gelöst werden.

VIII
Die Installation von Vertikaldräns kann eine wirt-
schaftlich effektive Technik zur Begrenzung von
Setzungen bei sehr weichen Untergrundverhältnis-
sen sein. Im Falle von empfindlichen Bauwerken
oder Gebäuden mit hohen Bodenpressungen und
strengen Setzungsanforderungen kann zur Einhal-
tung der Verformungsbeschränkungen eine andere
Baugrundverbesserungstechnik oder können klassi-

I
sche Gründungssysteme erforderlich werden.
Bei Böden mit signifikanten organischen Anteilen Bild 31.  Veränderungen des Porendrucks in einer
ist die Setzungsreduktion für das Langzeitverhalten ­Tonschicht infolge der Auflast q
infolge von Kriechprozessen nicht ausreichend ge-
geben und daher die Anwendung von PVD kritisch
zu hinterfragen. Ähnlich ist dies bei Böden mit ei- PW-Überdruck bis auf den hydrostatischen Druck

I
nem hohen Tonanteil und mit starker Kriechnei- vollständig abgebaut wurde, skizzenhaft dargestellt.
gung, da in diesen Fällen durch eine entsprechende
Überlastschüttung und ausreichende Konsolidie- Der oben genannte Prozess kann als primäre Konso-
rung zwar eine gewisse Verbesserung durch die Re- lidierung definiert werden.
duktion der Kriechrate erzielt werden kann, jedoch Die Vertikaldräns ermöglichen eine horizontale
weiterhin ein signifikantes Kriechen des Bodens Konsolidierung des feinkörnigen Bodens mit einem

I
möglich ist. Entwässerungsweg, der dem halben Abstand zwi-
Das größte Risiko besteht aufgrund der niedrigen schen den Vertikaldräns entspricht. Demnach ist der
Tragfähigkeit des unbehandelten Bodens während Hauptfaktor, der unter diesen Randbedingungen die
der Ausführung und der damit verbundenen Um- Konsolidierungsgeschwindigkeit beeinflusst, der
sturzgefahr für die Großgeräte. Eine ausreichend horizontale Konsolidierungskoeffizient (ch), der aus
tragfähige Arbeitsplattform ist daher unabdingbar den Dissipationstests während der Drucksondierun-
gen (CPTu) ausgewertet werden kann [69]. Im We-

I
und entsprechend zu bemessen. Diese ist entspre-
chend dem Design qualitätskontrolliert herzustellen sentlichen hängt der Konsolidierungskoeffizient
und während der gesamten Bauzeit zu warten. von der Durchlässigkeit des Bodens und der Boden-
steifigkeit ab.
Wasser, das durch Vertikaldräns aus dem Boden Durch die in dem gesamten Bemessungskonzept
austritt, sollte gesammelt und behandelt werden, und den zugrunde gelegten Parametern enthaltenen
falls der behandelte Boden mit Schadstoffen belas- Unschärfen ist es jedenfalls zu empfehlen, die Be-

I
tet ist. Bei kontaminierten Standorten sollte bzw. messungsannahmen durch ein der Baumaßnahme
darf die Bemessungsdränagelänge nicht bis zu ei- vorlaufendes Testfeld zu verifizieren. Dieses Test-
nem darunterliegenden Grundwasserleiter reichen. feld ist je nach Aufgabenstellung auszulegen und zu
instrumentieren. Vor allem bei tieferen weichen
4.6.5 Hinweise für die Planung und Schichten ist darauf zu achten, dass mit dem – ent-
Bemessung sprechend großflächig auszulegenden – Testfeld ein
I
vergleichbarer Spannungszustand erzielt wird wie
Im Abschnitt 4.6.2 wurde der Prozess der Konsoli- mit der späteren Bauaufgabe.
dierung von feinkörnigen, wassergesättigten Böden
unter Auflast beschrieben. Danach ist eine lastbe- Wesentliche Punkte bei der Bemessung der Dräns
dingte Zusammendrückung des feinkörnigen, was- sind neben den Bodenkennwerten und Schichtver-
sergesättigten Bodens nur in dem Maße möglich, in hältnissen die Wassertransportfähigkeit des Dräns
dem Wasser aus dem Porenraum des Bodens ent- sowie der zu erzielende Konsolidierungsgrad zum
weichen kann. Der sich mit Lastbeginn einstellende Erreichen des Bemessungsziels. Zudem haben auch
I

Porenwasserüberdruck wird über die Zeit abgebaut, die Herstellmethode und die damit einhergehende
wobei die Form und Geschwindigkeit des Druckab- lokale Störung des Bodens einen Einfluss auf die
baus von der Durchlässigkeit des Bodens, der Leistungsfähigkeit der Dräns und somit auf den her-
Schichtdicke und den Rändern, nach denen hin eine zustellenden Dränageabstand. Dieser beträgt in der
Dränage möglich ist, abhängt. In Bild 31 ist der Po- Regel 0,8 bis 2,5 m und wird im Dreiecksraster aus-
renwasser(über)druck zum Zeitpunkt t = 0 und den gelegt. Als Bemessungsziel ist im Allgemeinen
I

zunehmenden Zeiten t1, t2, t3 bis t∞, bei dem eine maximal zulässige Setzung des oder der Bau-
764 Baugrundverbesserung

werke(s) im Endzustand definiert. Durch die Größe Extrapolation in die Zukunft erlauben. Aufbauend
der Vor- bzw. Überlast sowie die Liegezeit ist si- auf diesen Messergebnissen und Messprognosen
cherzustellen, dass die in der Vorbelastungsphase kann einerseits beurteilt werden, ob die Größe der
erreichten Setzungen ausreichend groß sind, dass abgeschätzten Setzungen mit der Wirklichkeit über-
die Restsetzungen für das im Anschluss zu errich­ einstimmt, ob die zeitlichen Prognosen zutreffend
tende Bauwerk die vorgegebenen Grenzwerte (Be- sind und letztlich wann durch die Vor- bzw. Über-
messungsziel) nicht überschreiten. Zu berücksich­ lastschüttung der geforderte Konsolidierungsgrad
tigen ist, dass praktisch bei allen feinkörnigen Bö- erreicht wird.
den nach dem eigentlichen Konsolidierungsprozess
(Primärsetzungen) noch gewisse Sekundärsetzun- Bei Testfeldern sind auf ein redundantes Messkon-
gen (Kriechen) auftreten, die durch einen entspre- zept und eine robuste Ausgestaltung der Messtech-
chend ausgelegten Vorbelastungsprozess zwar redu- nik Wert zu legen. In der Regel werden neben Set-
ziert, aber praktisch nicht gänzlich vorweggenom- zungsmessungen auch der Porenwasserdruck und
men werden können. In vielen baupraktischen Fäl- die Belastung (Größe und zeitlicher Verlauf der
len wird dieser Anteil der Sekundärsetzungen unter- Lastaufbringung) überwacht bzw. dokumentiert.
schätzt. Ergänzend zu klassischen Setzungspegeln können
die Verformungen im Boden auch noch durch Inkli-
Neben den zuvor bereits erwähnten In-situ-Erkun- nometer und Extensometer überwacht werden.
dungsmethoden zur Ermittlung der Konsolidie-
rungsbeiwerte sowie anderer relevanter Bodenkenn- 4.7 Düsenstrahlverfahren
werte sollten die dem Bemessungsprozess zugrunde
gelegten geotechnischen Untersuchungen kontinu- Das Düsenstrahlverfahren, auch Hochdruckinjek­
ierliche Probennahmen umfassen, um einerseits tion, Hochdruckbodenvermörtelung oder Jet Grou-
eventuelle Sandschichten zu identifizieren, die ting, ist ein Verfahren, bei dem ein energiereicher
durch ihre Dränagewirkung zu einer schnelleren Flüssigkeitsstrahl zum Zerlegen von Boden oder
Konsolidierung und somit optimiertem Design bei- gering festem Gestein mit dem Ziel eingesetzt wird,
tragen könnten. Andererseits ist ein entsprechendes das gelöste Gefüge mit bindemittelhaltiger Suspen-
Laborprogramm zur Ermittlung der wesentlichen sion zu durchmischen bzw. teilweise zu ersetzen
Boden- und Bemessungskennwerte (Korngrößen- (Bild 32). Die Ursprünge des Verfahrens gehen auf
verteilung, Durchlässigkeit, Ödometerversuche zur die 1950er-Jahre zurück, in Europa ist das Verfah-
Ermittlung der Steifigkeit sowie der Konsolidie- ren seit den 1970er-Jahren im Einsatz. Es gilt all­
rungskennwerte etc.) durchzuführen. gemein als das Verfahren mit der größten Einsatz-
breite in der Geotechnik, weshalb im Weiteren auch
4.6.6 Überwachung und Qualitätssicherung ausführlich auf das Verfahren eingegangen wird.
Croce et al. [70] geben einen umfassenden Über-
Hinsichtlich der Qualitätsanforderung an das einge- blick über das Verfahren.
baute Material wird auf die einschlägigen Vor-
schriften und deren projektgerechte Anwendung
hingewiesen. Werden Sanddräns hergestellt, ist be-
sonders auf die dem Design entsprechende Kör-
nungsverteilung des Sandes zu achten.
Durch die hohe Produktionsleistung von modernen
Geräten und die Einfachheit der Herstellung beim
PVD-Einbau ist die laufende Qualitätskontrolle der
Produktion entsprechend zu gestalten. Im Wesentli-
chen sind die Sicherstellung der Einbautiefe und die
Ausführung aller Dränagepunkte erforderlich, wäh-
rend eine detaillierte Aufzeichnung jedes einzelnen
Dräns nicht erforderlich ist.
Vorlaufend zum Aufbau der Auflast sind Setzungs-
pegel zu installieren und regelmäßig zu vermessen.
Vor allem am Beginn sind mehrfache Setzungsmes-
sungen pro Woche zur Darstellung des Setzungs-
und Konsolidierungsverlaufs erforderlich. Ziel ei-
ner derartigen messtechnischen Überwachung ist
die Ermittlung von Zeit-Setzungslinien, die bei ent-
sprechender Genauigkeit (Voraussetzung hierfür ist
neben der entsprechend hohen Messgenauigkeit
auch eine ausreichende Anzahl an Kontrollmessun-
gen) und nach ausreichend langer Beobachtung eine Bild 32.  Düsenstrahl bei beidseitigem Monitoraustritt
Grundverfahren 765

Für die Bemessung von Düsenstrahlelementen


sind  mehrere Regelwerke heranzuziehen. Neben
EN  997-1 [1] und EN 1997-2 [71] in Verbindung
mit DIN 4020 [72] sind auch noch DIN 4093 [73]
sowie die einschlägigen Zulassungen des Deutschen

VIII
Instituts für Bautechnik DIBt der jeweiligen Unter-
nehmer, in der auch Ausführungsaspekte geregelt
sind, zu beachten. Ausschließlich mit der Ausfüh-
rung befasst sich EN 12716 [74] bzw. die nun vor-
liegende überarbeitet Fassung, die im September
2018 im Rahmen des CEN formell durch Abstim-
mung angenommen wurde und 2019 auch in der
deutschen Übersetzung verfügbar sein sollte. Hin-

I
sichtlich der zusätzlichen technischen Vertragsbe-
dingungen wird auf DIN 18321 [75] verwiesen, zu
der auch entsprechende juristische Kommentare
vorliegen.

4.7.1 Technische Verfahrensbeschreibung

I
Generell werden drei Verfahren unterschieden.
Beim 1-Phasensystem (Bild  33 unten) erfolgt das
Lösen und Verfestigen des Bodengefüges nur mit-
tels eines energiereichen Flüssigkeitsstrahls aus
Bindemittelsuspension. Beim 2-Phasensystem
(Bild  33 mittig) wird der Schneidstrahl zusätzlich

I
mit Druckluft ummantelt. Beim 3-Phasensystem
(Bild 33 oben) wird der Wasserstrahl mit oder ohne
Luftummantelung zum Lösen (= Schneidstrahl)
mit dem separat und unter geringerem Druck einge-
brachten Suspensionsstrahl kombiniert. Dazu wer-
den am Düsenträger, auch Monitor genannt, ent-
sprechende Düsen montiert.

I
Die Arbeitsschritte beim Düsenstrahlverfahren sind
Folgende (Bild 34):
−− Abteufen der in der Regel unverrohrten Boh-
rung bis zur Unterkante des Düsenstrahlele-
ments,

I
−− Ziehen des Bohrgestänges mit dem Monitor (=
Werkzeug, das die Düsen enthält) bei gleichzei-
tigem Drehen,
−− gleichzeitig Pumpen des Schneidmediums und
bzw. oder der Bindemittelsuspension.
Beim Abteufen der Bohrung ist darauf zu achten,
I
dass durch den Einsatz von Erweiterungsbohrkro-
nen oder Räumern ein ausreichend großer Ring­
raum für den Rückfluss ausgebildet wird und die
Bohrtoleranzen eingehalten werden. Diese entspre-
chen entweder Abschnitt 7.2.2 der überarbeiteten
EN 12716 [74] oder werden projektspezifisch fest-
gelegt. Der Monitor wird mit Schneiddüsen mit
I

Durchmessern von bis ca. 7 mm bestückt.


Die Bodenerosion und -vermörtelung erfolgen in
der Regel von der Endteufe aufsteigend. Durch das
Einstellen der Parameter an der Hochdruckpumpe
– Pumpdruck und Durchfluss – und der Festlegung Bild 33.  1-Phasensystem (S-Verfahren unten),
von konstanten Zieh- und Drehgeschwindigkeiten 2-Phasensystem (D-Verfahren Mitte), 3-Phasensystem
I

wird die Reichweite des Düsenstrahls eingestellt. (T-Verfahren oben)


766 Baugrundverbesserung

Bild 34.  Verfahrensschritte des Düsenstrahlverfahrens (© Keller)

Durch das Steuern der Drehbewegung lassen sich


Voll- und Halbsäulen, Zylindersegmente sowie La-
mellen herstellen (vgl. Bild  35). Festzuhalten ist,
dass innerhalb eines Homogenbereichs bei gleich-
bleibenden Bodenverhältnissen die Geometrie bzw.
die mechanischen Eigenschaften des DSV-Elements
gleichbleiben, wenn die gleichen Düsparameter ver-
wendet werden.
Während des Düsvorgangs ist darauf zu achten, dass
der Rückfluss des Überschussmaterials kontinuier-
lich am Bohrlochmund austreten kann. Bei diesem
Verfahren werden deutlich größere Mengen an
Suspensionsgut (bzw. Wasser) in den Boden einge-
tragen, als für die Erstellung∕​Verfestigung der fer­
tigen Jet-Körper erforderlich sind. Der Rücklauf
ist  somit wesentlicher Verfahrensbestandteil. Die
Rücklaufmengen, die zwischen dem einfachen und
Bild 35.  Zylindrische und flächenhafte DSV-Elemente mehrfachen Volumen der im Endzustand verfestig-
ten Körper betragen können, sind zu entsorgen
oder  können gegebenenfalls für (untergeordnete)
Die Herstellungsparameter können in Abhängigkeit Bodenverfestigungen auf der Baustelle verwendet
von Bodenart und Zustandsparametern (Konsistenz werden.
oder Lagerungsdichte) innerhalb weiter Grenzen
variiert werden. Für das heute am häufigsten ange- 4.7.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
wandte 2-Phasensystem liegen die Pumpdrücke der Betrachtung)
Zementsuspension bei 300 bis 500 bar, die Durch-
flussraten bei bis zu 800 l∕​min. Die entsprechenden Durch die eingebrachte Energie kommt es zu einem
Werte für die Druckluft liegen bei bis zu max. Lösen des Bodens. Aufgrund der Vielzahl der Ein-
20 bar bzw. max. 20 m3∕​min. flussfaktoren bezüglich Boden und Pumpvorgang ist
Grundverfahren 767

es bis heute nicht gelungen, die erzielbare Reich- daher nach wie vor auf die Erfahrungswerte von
weite mittels analytischer oder numerischer Berech- spezialisierten Unternehmen zurückgegriffen. Ba-
nungsverfahren für praktische Anwendungsfälle mit sierend auf der Auswertung von Baustellen können
ausreichender Genauigkeit vorauszuberechnen. Für dann Prognosen erstellt werden. Ein Verfahren dazu
die Planung der DSV-Elementabmessungen wird wurde etwa von Flora et al. [76] vorgestellt.

VIII
I
I
I
Bild 36.  Festigkeit von DSV-Körpern nach [77]

I
I
I
I
I

Bild 37.  Steifigkeiten von DSV-Körpern nach [77]


768 Baugrundverbesserung

_______________
​​D​  mean​​  =  1, 128 ​√ p ⋅ ​V​  g​​  ⋅ ​λ​  E​​ ​​   (2)
In Gl.  (2) bezeichnet Dmean den mittleren Durch-
messer, p den Pumpendruck in MPa, Vg die Pump­
rate (l∕​min) und λE die Energieeffizienz. In die
Energieeffizienz fließen dabei auch werkzeugspezi-
fische Kennwerte ein, sodass gleiche Pumpendrücke
und Pumpraten allein noch nicht gleiche Durchmes-
ser bedeuten.
Neben der Geometrie (d. h. den Elementabmessun-
gen) sind die Festigkeit und die Durchlässigkeit der
Elemente von Bedeutung.
Die Festigkeit und Steifigkeit wird maßgeblich
durch zwei Faktoren bestimmt, zum einen die Ei-
genschaften des anstehenden Bodens (Bodenart)
und zum anderen den resultierenden Zementgehalt
im hergestellten Element. Es ist dabei zu berück-
sichtigen, dass durch den systemimmanenten Rück-
lauf nur ein Teil der eingebrachten Bindemittelmen-
ge im Boden verbleibt und damit zur Festigkeitsent-
wicklung beiträgt.
Anhaltswerte für die Festigkeit und Steifigkeit in
Abhängigkeit der Bodengruppen können z. B. bei
Klein und Moormann [77] gefunden werden (Bilder
36 und 37).
Die Durchlässigkeit eines DSV-Körpers wird nicht
ausschließlich durch die Durchlässigkeit des Bo-
denmaterials bestimmt, sondern vor allem auch
durch die Homogenität der Gesamtkubatur. So ist
bei Abdichtungsmaßnahmen die Vermeidung von
(größeren) Fehlstellen entscheidend und erfordert
ausreichend große und massige Abmessungen der
hergestellten Körper. Typische Durchlässigkeitsbei-
werte von Düsenstrahlkörpern liegen in der Größen-
ordnung von Tonböden, also in der Größenordnung
von ca. kf = 1 E – 9 m∕​s.

4.7.3 Anwendungsmöglichkeiten
Der Einsatzbereich von Düsenstrahlkörpern ist Bild 38.  Überblick über einige DSV-Anwendungsgebiete
wie  bereits einleitend angemerkt sehr vielfältig
(Bild 38). Düsenstrahlblöcke können z. B. zur Un-
terfangung von Bauwerken verwendet werden. Der als vertikale Schmalwände aus DSV-Lamellen oder
Vorteil gegenüber Vor-der-Wand-Lösungen ist, dass bei tiefliegenden horizontalen Dichtsohlen.
dadurch kraftschlüssige Unterfangungskörper als
Verbausystem ohne Verlust an Bauraum geschaffen 4.7.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
werden. Die Möglichkeit des direkten unmittelba- Verfahrens
ren Kraftschlusses wird vor allem auch bei Nach- Wie eingangs erwähnt, ist die zuverlässige Progno-
gründungen von Bauwerken genutzt. se des Durchmessers in Ermangelung von praxis-
In vielen Anwendungen wird die statische Wirkung tauglichen analytischen und numerischen Berech-
mit der abdichtenden Wirkung kombiniert. Das er- nungsansätzen ein wesentlicher Punkt, der nur mit
laubt z. B. die Ausbildung von Schächten, Gewölbe- entsprechender Erfahrung und durch Versuchspro-
sohlen und auch von Ausfachungen zwischen Pfäh- gramme mit dem Einsatz geeigneter Messtechnik
len und Trägern, wo die Ringtragwirkung bzw. Ge- gelöst werden kann, insbesondere wenn die Tiefen-
wölbewirkung sowohl Erddruck als auch Wasser- lage eine direkte Freilegung und Prüfung der
druck aufnimmt. DSV-Elemente nicht zulässt.
Oft wird aber auch lediglich die dichtende Wirkung Ferner wird verfahrensbedingt bindemittelhaltiger
genutzt, z. B. bei der Ausbildung von Dichtwänden Rückfluss in erheblichem Umfang produziert. Die-
Grundverfahren 769

VIII
Bild 39.  Kammerfilterpresse zur
­Behandlung von Rücklauf

I
ser ist entsprechend der aktuell geltenden Gesetzge- und Injektionskörper anwendbar ist. Darüber hinaus
bung (z. B. LAGA∕​Deponieverordnung) Abfall zu ist in Deutschland nach wie vor eine allgemeine
entsorgen. Um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern, bauaufsichtliche Zulassung des DIBt erforderlich,
kann entweder eine direkte Wiederverwertung z. B. die einige zusätzliche Regelungen und Einschrän-
der im Rücklauf enthaltenen Zementsuspension kungen enthält. Inwieweit das Erfordernis von bau-

I
oder aber zumindest zur Reduktion der zu deponie- aufsichtlichen Zulassungen auch in Zukunft beste-
renden Volumina eine Entwässerung erfolgen. Dazu hen wird, bleibt abzuwarten. In diesen Regelwerken
sind technische Anlagen wie Kammerfilterpressen finden sich Angaben zu den allgemeinen Anforde-
oder Zentrifugen erforderlich, deren Anwendbarkeit rungen, der Zuordnung zu den geotechnischen Ka-
und Effizienz stark von den zu bearbeitenden Bo- tegorien und im Speziellen zur Ermittlung der inne-
denarten abhängen (Bild 39). ren Tragfähigkeit. Dabei werden zwei unterschiedli-
che Verfahren zur Ermittlung der charakteristischen

I
Der ständige Rücklauf während des Düsprozesses Festigkeit fm,k beschrieben.
hat auch die Funktion, eine unkontrollierbare
Drucksteigerung durch den energiereichen Schneid- Der vereinfachte Nachweis erfolgt bezogen auf
strahl im Untergrund zu vermeiden. Speziell bei Mindest- und Mittelwert, der bei Vorliegen von
bindigen Böden besteht ein gewisses (Rest-)Risiko, mindestens 4 Einzelproben angewendet werden
dass der Ringraum um das Bohrgestänge während kann. Die Festigkeit ergibt sich bei Erfüllung beider
des Düsvorgangs verlegt wird. Man spricht in die- Kriterien zu:

I
sem Fall von einem sogenannten „Stopfer“. Tritt ein
solcher Stopfer auf, baut sich im Untergrund inner- −− bezogen auf den Mindestwert:
halb kürzester Zeit ein hoher Druck auf, der speziell ​​f​  m,min​​  ≥ ​f​  m,k​​​ (3)
im Fall von Unterfangungen von Gebäudefunda-
menten zu unkontrollierten Hebungen und somit −− bezogen auf den Mittelwert:
Schäden am Bestand führen kann. In der Praxis hat ​α ⋅ ​f​  m,mittel​​  ≥ ​f​  m,k​​​
sich gezeigt, dass die Gefahr derartiger „Stopfer“

I
und ein damit verbundenes Schadensrisiko für Be- α
​  =  0,  6  ​bei f​  m,mittel​​   ≤  4 N ∕​ mm2​
standsobjekte, insbesondere bei bindigen Böden ​α =  0,  75  ​bei f​  m,mittel​​   ≥  12 N ∕​ mm2​ (4)
(mit dünnen Sandzwischenschichten) in Kombina­
tion mit luftummantelten Schneidstrahlen gegeben Zwischenwerte sind linear zu interpolieren.
ist. Auf statistischer Grundlage können die Festigkeit
bei Vorliegen von mindestens 10 Einzelproben er-
I
4.7.5 Hinweise für die Planung und mittelt werden, wobei die logarithmische Normal-
Bemessung verteilung verwendet wird, um das Auftreten von
Im Zuge der Bemessung sind entsprechende Unter- mechanisch unsinnigen negativen Festigkeitsquan-
suchungen des Bodens und der baulichen Bestands- tilen auszuschließen:
anlagen im Einflussbereich der Maßnahme zu unter- ​​e​​  ​(μ−k⋅σ)​​  ≥ ​f​  m,k​​​ (5)
suchen.
I

mit
Die Bemessung der Verfestigungskörper erfolgt
grundsätzlich nach EN 1997-1 [1], wobei alle rele- ​μ​ Mittelwert der Zahlenwerte des natürlichen
vanten Nachweise der Tragfähigkeit und Ge- Logarithmus der Einzelfestigkeiten
brauchstauglichkeit zu führen sind. Ergänzend dazu σ
​ ​ Standardabweichung der Zahlenwerte des
enthält DIN 4093 [73] besondere Regelungen für ­natürlichen Logarithmus der Einzelfestigkeiten
Verfestigungskörper (Bild 40). Diese wird ausführ-
I

licher beschrieben, da sie auch auf Bodenmisch- ​k​ Annahmefaktor, k = 1,28 (10%-Quantil)
770 Baugrundverbesserung

Beim DSV-Verfahren dürfen nur Festigkeiten mit bis maximal zum Schwerpunkt des Querschnitts rei-
fm,k <= 10 N∕​mm2 angesetzt werden. In bindigen chen.
Böden mit fm,k ≤ 4 N∕​mm2 sind zusätzlich Kriech-
versuche durchzuführen. Aus DIN 4093 [73] ergeben sich noch folgende spe-
zielle Anforderungen:
Der Bemessungswert der Festigkeit ergibt sich aus
−− Bei durch Wasserdruck beanspruchten
der charakteristischen Festigkeit zu:
DSV-Körpern ist eine zweite Abdichtungsebene
​​f​  m,d​​  =  0, 85  ⋅ ​f​  m,k​​  ∕​ ​γ​  m​​​ (6) anzuordnen, wenn ein Standsicherheitsrisiko
beim Eintreten von lokalen Undichtigkeiten be-
mit steht.
​​f​  m,d​​​ charakteristische Zylinderdruckfestigkeit −− Das Austragen von eingebrachten Stoffen (Bin-
demittel) durch Grundwasserströmung (Erosi-
γ​​ ​  m​​​ Teilsicherheitsbeiwert für die Zylinder­ on), insbesondere vor dem Erhärten, ist durch
druckfestigkeit des Verfestigungskörpers geeignete Maßnahmen zu unterbinden.
γ​​ ​  m​​  = 1, 5​ für Bemessungssituation BS-P und −− Es bestehen Anforderungen bezüglich der Min-
­ emessungssituation BS-T nach DIN
B destabmessungen der Körper, insbesondere von
1054:2010-12 Einzelelementen.
γ​​ ​  m​​  = 1, 3​ für Bemessungssituation BS-A nach −− Bei Frostbeanspruchung sind freigelegte unge-
DIN 1054:2010-12 schützte DSV-Körper zu schützen.
−− Bei chemischem Angriff ist ein entsprechender
Vereinfacht kann der Nachweis für Druck- und Nachweis zu führen.
Schubspannungen getrennt geführt werden, wenn
die Normalspannungen kleiner als 0,7 ⋅ fm,d und die −− Bei Verfestigungsgewölbe sind Krafteinleitung
Schubspannungen kleiner als 0,2  ⋅  fm,d zugelassen und Verformung des Kämpferbereichs zu unter-
werden. Soll die Festigkeit des Körpers höher aus- suchen.
genutzt werden, sind räumliche Spannungsnachwei- −− Wird kein Stabilitätsnachweis geführt, ist die
se mit Hauptspannungen nach dem in Bild 40 defi- Schlankheit auf λ ≤ 15 zu begrenzen.
nierten zulässigen Spannungsbereich zu führen. Die
schraffierte Fläche zeigt den zulässigen Bereich des Für die Bemessung und die Ausführungsplanung ist
vereinfachten Spannungsnachweises. die Festlegung zutreffender Homogenbereiche be-
sonders wichtig. Homogenbereiche fassen Schich-
Bezüglich der Normalspannungsermittlung darf bei tenfolgen im Baugrund zusammen, die mit einem
außermittiger Beanspruchung die Rissöffnung nur bestimmten Verfahren einheitlich bearbeitet werden

Legende
ϕd (verfestigter Boden) = ϕ′d (unverfestigter Boden)
tan ϕd = tan ϕd∕​γϕ
γϕ nach DIN 1054:2010-12, Tabelle A.2.2
1 Einhüllende für zulässige Spannungszustände
2 Beispiel für Spannungszustände σ1, σ3, die als Bemessungswerte der Beanspruchung auftreten dürfen
3 Spannungszustand im einaxialen Druckversuch σ3 = 0, σ1 = fm,d
4 zulässiger Bereich bei getrennten Nachweisen für Normal- und Schubspannungen

Bild 40.  Festigkeitsermittlung nach DIN 4093 [73]


Grundverfahren 771

können. Ohne die Kenntnis des Verfahrens ist dies ist der Haftverbund über Eignungsversuche an min-
nicht möglich und daher hat die Festlegung ggf. ite- destens 3 % (oder 2 Mikropfählen) nachzuweisen.
rativ und mit Einbindung von verfahrenstechnischer Die Einbindung in die Dichtsohle hat min. 1 m bei
Expertise zu erfolgen. Für das Düsenstrahlverfahren einer maximalen Nutzungsdauer von 1 Jahr zu be-
ist ein Homogenbereich nach der neuen Fassung der tragen. Undichtigkeiten führen bei hochliegenden

VIII
EN 12716, Abschnitt 3.23 [74] eine „sich deutlich Sohlen oftmals zu einem hydraulischen Grundbruch
von den angrenzenden Bereichen unterscheidende mit Materialeintrag durch Erosion. Hochliegende
Gruppe von Bodenschichten, auf die ein Satz von Sohlen können sich jedoch vorteilhaft auf die Be-
einheitlichen Düsenstrahlparametern angewendet messung und Gesamtfläche der Umschließungs-
werden kann“. Nach Abschnitt 9.1.4 „darf davon wände auswirken.
ausgegangen werden, dass in einem geotechnischen
Dichtsohlen in mittlerer Tiefenlage kombinieren die
Homogenbereich der Einsatz von gleichen Düsen-
Vorteile (und Nachteile) der oben beschriebenen
strahlparametern, Elemente mit gleichen Maßen,

I
Sohlen, sind also ein Kompromiss aus beiden.
Eigenschaften und gleichem Rückfluss, erzeugt.“
Als Sonderfall dürfen Dichtgewölbe gelten. Diese
Eine wichtige Anwendung des Düsenstrahlverfah- kommen regelmäßig für Schächte, seltener für
rens sind Baugrubensohlen zur horizontalen Ab- schmale Baugruben zum Einsatz. Sie setzen eine
dichtung gegen Grundwasserüberdruck. Dabei wer- ausreichende Dicke zur Ausbildung des Gewölbes
den drei verschiedene Typen entsprechend ihrer voraus, können aber durch den Entfall von Veranke-
Tiefenlage unterschieden.

I
rungselementen eine sehr wirtschaftliche Lösung
Tiefliegende Dichtsohlen sind so tief installiert, darstellen (Bild 41).
dass das Eigengewicht des darüber liegenden Bo-
denkörpers die Auftriebskräfte übersteigt. Daher 4.7.6 Überwachung und Qualitätssicherung
sind zur Gewährleistung der Auftriebssicherheit in der Ausführung
keine Rückverankerungen erforderlich. Beim Auf- Detaillierte Hinweise zu Bauüberwachung, Prüfun-
treten von kleineren Imperfektionen bietet der Bo-

I
gen und Kontrollen finden sich in Abschnitt 9 der
denkörper darüber hinaus einen mächtigen Filter- überarbeiteten EN 12716 [74]. Hier findet sich auch
körper, sodass es i. Allg. zu keiner Erosion mit Bo- die Forderung, bei Fehlen von Erfahrungswerten
deneintrag kommt. Nachteilig ist die größere Bohr- unter vergleichbaren Baugrundbedingungen Probe­
länge und die damit verbundene Anforderung an die elemente herzustellen, wobei diese auch Teil der
Bohrgenauigkeit sowie der tiefliegende dichte An- auftragsgemäß herzustellenden Kubatur sein kön-
schluss an die umschließende Dichtwand. nen.

I
Hochliegende Dichtsohlen erfordern eine Veranke- Zur Beurteilung der Geometrie und zur Entnahme
rung, um durch Aktivierung eines ausreichend gro- geeigneter Materialproben können Kernbohrungen
ßen Bodenkörpers auftriebssicher zu werden. Die durchgeführt werden, jedoch nur, wenn sie geeignet
Verankerung ist aufwendig, gemäß DIN 4093 [73] sind, repräsentative Proben zu gewinnen. Wenn dies

I
I
I
I

Bild 41.  DSV-Dichtgewölbe
772 Baugrundverbesserung

nicht der Fall ist, dann müssen andere Prüf- und


Entnahmeverfahren wie z. B. Linerproben (Proben
aus Polokalrohren, welche in frischen Zustand in
die Säule eingebaut werden) in Betracht gezogen
werden.
Bevor die Proben untersucht und z. B. zur Festig-
keitsermittlung herangezogen werden, sind sie vor-
ab auf ihre Eignung dafür zu beurteilen. Anhang B
der überarbeiteten EN 12716 [74] sowie [78] schlägt
dazu ein System aus 4 Güteklassen A bis D vor.
­Güteklasse A umfasst Proben mit glatter Oberflä-
che, offensichtlich homogen und ohne sichtbare Un-
regelmäßigkeiten in der Struktur (z. B. Risse). Die
Güteklassen C und D umfassen Proben mit großen
Bodeneinschlüssen und Einzelkörnern, Rissen und
großen Unregelmäßigkeiten. Sie sollten bzw. dürfen
zur Festigkeitsermittlung nicht herangezogen wer-
den.
Als erste Ausführungsnorm überhaupt fordert die
überarbeitete EN 12716 [74] explizit die digitale
und kontinuierliche Aufzeichnung von Herstell­ Bild 42.  3-D-Darstellung der Lage der DSV-Elemente
parametern in Echtzeit. Dies gilt insbesondere für in einem Tunnelabschnitt
die Drücke und Durchflussraten aller Flüssigkeiten
und der Druckluft, die Tiefe sowie die Zieh- und
Drehgeschwindigkeit des Düsgestänges. und Tastbohrungen, Messung und Auswertung des
Temperaturverlaufs in der Säule während des Ab-
Im normativen Anhang C der überarbeiteten EN bindevorgangs, einfache Pegelstangenversuche, Pe-
12716 [74] werden in Tabelle C.1 ausführlich alle gelstangenversuche mit Körperschallmessung so-
durchzuführenden Prüfungen mit ihren Mindest- wie Messschirme [79]. Die jeweiligen Verfahren
prüfhäufigkeiten ausgeführt. Neben der Frequenz haben unterschiedliche Limitierungen und Genau-
der Probennahme ist dabei auch die Einhaltung der igkeitsbereiche, vor allem hinsichtlich der mögli-
Toleranzen zur Messung der Bohrabweichungen ge- chen Tiefenlage des untersuchten Durchmessers.
regelt und dass für jede Säule die exakte Bohrloch-
position sowie die Mastneigung zu messen ist. Bei Auch bei sorgfältiger Planung und Ausführung ver-
Anwendungen, wo dies relevant ist, z. B. bei Ab- bleibt immer ein Restrisiko von Leckagen in der
dichtungsmaßnahmen, ist auch der Bohrlochver- Düsenstrahlkubatur, die ggf. Nacharbeiten erforder-
lauf zu messen, und zwar gestaffelt nach den Bohr- lich machen. Dabei ist es von großem Vorteil, die
tiefen. Lage und ggf. Größe dieser Leckagen Orten zu kön-
nen. Dafür hat sich das Verfahren der thermischen
Die für die Qualitätssicherung zu erstellenden Un- Leckortung als geeignet erwiesen. Durch den Ein-
terlagen umfassen mindestens bau von Temperaturfühlern in einem Raster und
−− zusammenfassende Tages- oder Schichtberichte kontinuierliche Aufzeichnung der Temperatur las-
der Düsenstrahlarbeiten, sen sich Leckagen in ihrer Lage meist gut eingren-
zen. In der Zusammenschau mit den lückenlos auf-
−− Datum und Dauer der Ausführung, gezeichneten Herstellparametern und ggf. Vermes-
−− Parameter für das Düsenstrahlverfahren, sung von Bohrlochabweichungen lässt sich dann
−− Beobachtungen und Bemerkungen hinsichtlich meist die genaue Lage und in einigen Fällen auch
des Rückflusses, die Ursache der Leckage ermitteln (Bild 42).
−− Beschreibung der Probenahme und Prüfung
sowie Ergebnisse, 4.8 Bodenmischverfahren
−− unerwartete Ereignisse und Beobachtungen, Bei den Bodenmischverfahren wird der in situ be-
−− Ergebnisse aller durchgeführten Messungen. handelte Boden durch rotierende mechanische Mi-
schwerkzeuge zerlegt und mit Bindemittel und Füll-
Wie bereits erwähnt, ist die Bestimmung des er- stoffen behandelt. Dies führt zu einer Verbesserung
reichbaren Durchmessers der DSV-Säulen die größ- von nichtbindigen und bindigen Böden primär
te Herausforderung, die beim DSV-Verfahren zu durch Bindung der Bodenbestandteile, ggf. auch
lösen ist. Dazu kommen neben dem nur oberflä- durch Ionenaustausch oder Hohlraumfüllung. Da-
chennah möglichen Freilegen und Abmessen der durch entstehen Verbesserungskörper von Einzel­
Säule mehrere Verfahren in Betracht; etwa Kern- elementen bis hin zu vollständig durchmischten
Grundverfahren 773

Tabelle 4.  Einteilung der Bodenmischverfahren in Anlehnung an EN 14679 [80]


Bodenmischverfahren
Tiefreichende Bodenstabilisierung Hybridverfahren

VIII
nach EN 14679 nicht normiert, beispielhaft
Trockenmischverfahren Nassmischverfahren Trockenmischverfahren Nassmischverfahren
Mischwerkzeuge mit mit Mischwellen∕​-flügeln Massenstabilisierung Fräs-Misch-Injektions-
Mischwellen∕​-flügeln methode
Mehrfachschnecken mit∕​ Pflüge
ohne Überschnitt Mischen mit Hoch-

I
druckstrahl

Tabelle 5.  Anwendungsempfehlungen Bodenmischen nach dem Verfahren trocken oder nass
Anforderung Empfehlung

I
Natürlicher Wassergehalt Bindige Böden mit w = 60 bis 200 % eignen sich für das Trocken­
verfahren; unter 20 % keine vollständige Hydratation.
Homogenität Mit Nassmischverfahren kann eine homogenere Durchmischung
­erzielt werden.
Festigkeit Mit Nassmischverfahren sind in der Regel höhere Festigkeiten

I
­erzielbar; Ausnahme: Böden mit sehr hohem Wassergehalt.
Penetrierbarkeit fester Schichten Durch „Schmierung“ über Suspension bessere Penetrierbarkeit mit
Nassmischverfahren.
Wechsellagerungen Homogenere Durchmischung durch Partikelbewegung.
Überschussmaterial∕​Rücklauf Trockenmischverfahren ist weitgehend frei von Überschussmaterial.

I
Bindemittelkombinationen Häufig beim Trockenmischverfahren.
Bewehrung Möglich beim Nassmischverfahren.

Bodenkörpern. Die EN 14679 [80] unterscheidet

I
belle 5 sind Empfehlungen von Topolnicki [85] für
zwischen der tiefreichenden Bodenstabilisierung die Verfahrenswahl angeführt.
und den Hybridmischverfahren (Tabelle 4).
Die Verfahren der tiefreichenden Bodenstabilisie-
4.8.1 Trockenmischverfahren
rung machen den überwiegenden Teil der Boden- In Skandinavien wurde die Trockenmischmethode
mischverfahren aus. Sie werden generell in Tro- ab 1967 angewendet, die Lime-Column-Methode
cken- und Nassmischverfahren entsprechend der
I
im Jahre 1975 in Schweden etabliert.
Bindemittelzugabe in Pulverform oder mittels
Suspension unterteilt und in den folgenden Ab- 4.8.1.1 Technische Verfahrensbeschreibung
schnitten erörtert. Die Hybridmischverfahren bein-
halten Sonderverfahren, von denen lediglich die Bei sehr weichen Böden ist die Vermischung von
Massenstabilisierung und das Fräs-Misch-Injekti- stark wasserhaltigen Böden mit Binder in Pulver-
onsverfahren kurz beschrieben werden. Die Verfah- form (oder als Granulat) eine Möglichkeit zur Bau-
I

ren sind nicht normativ geregelt. grundverbesserung. Ziel kann entweder die leichte-
re Bearbeitbarkeit im Zuge von Aushubarbeiten
Die Anwendungsbereiche des Trocken- und Nass- oder die Erhöhung der Scherfestigkeit oder Steifig-
mischverfahrens sind nicht explizit abgegrenzt. Ge- keit sein.
nerell werden Trockenmischverfahren in weichen,
bindigen und auch organischen Böden mit hohem Bei der Herstellung von Kalkzementsäulen mittels
Wassergehalt, Nassmischverfahren vorwiegend in Trockeneinmischtechnik (TET oder auch Dry-
I

nichtbindigen und Mischböden verwendet. In Ta- Deep-Soil-Mixing, DDSM) besteht die Basisgeräte-
774 Baugrundverbesserung

konfiguration aus einem ca. 30-Tonnen-Bagger, der wichtskontrolliert und unter hohem Druck durch
mit einem bis zu 27  m langen Mast ausgerüstet Schläuche und das Gestänge bis zum Mischwerk-
wird, welcher das Mischwerkzeug inklusive Ge- zeug, wo es in den Boden eingeblasen und ver-
stänge trägt. Das Mischwerkzeug besteht aus drei mischt wird. Vor Beginn der Mischarbeiten muss
oder vier an einem Zentralrohr angeschweißten Flü- eine sichere Arbeitsplattform hergestellt werden,
geln (Bild 43). Die Anzahl der Flügel hängt von der welche aber für das Mischwerkzeug durchdringbar
erforderlichen spezifischen Flügelumdrehungszahl sein muss. Die Mächtigkeit und der Aufbau der Ar-
(auch „Blade Rotation Number“ oder BRN genannt) beitsplattform ist von den Bodenbedingungen und
ab, die beim Mischen des Bodens in Mischenergie der geplanten Gerätschaft abhängig, wobei in den
umgesetzt wird. Allgemein führt eine größere An- meisten Fällen ein geotextiles Trennvlies und eine
zahl von Flügeln zu einer höheren möglichen Zieh- 0,5 m dicke Kiesschicht 0–63 mm ausreichend ist.
geschwindigkeit unter Beibehaltung der Mischener-
gie. Der Mast kann außerdem mit GPS zur Positio- Um eine Säule herzustellen, wird mit dem Misch­
nierung und einem Inklinometer zur Messung des werkzeug zunächst bis zur gewünschten Tiefe ge-
Achsverlaufs ausgerüstet werden, um eine etwaig bohrt. Ab Erreichen der Endtiefe wird Bindemittel
geforderte hohe Herstellungspräzision zu gewähr- kontinuierlich durch das Gestänge zugeführt, wäh-
leisten. rend das Mischwerkzeug rotiert und beim Hochzie-
hen den Boden mit dem Bindemittel mischt. Das
Das Bindemittel wird von einem am Bagger ange- Bindemittel wird dabei mit dem In-situ-Boden ver-
schlossenen Shuttle (Bindemittelsilo mit Ketten- mengt und reagiert mit dem natürlichen Wasserge-
fahrwerk) zugeführt. Das Shuttle hat eine Gesamt- halt, wodurch die Säule gebildet wird. Um eine (zu
kapazität von ca. 7 bis 25 t Bindemittel und wird auf starke) Staubbildung durch das Bindemittel zu ver-
der Baustelle von einem Silowagen regelmäßig meiden, wird ab ungefähr 0,5 m unterhalb der Ober-
nachgefüllt. Die Bindemittelzugabe erfolgt ge- fläche kein Bindemittel mehr zugeführt. Gewöhn-
lich liegt die Abbohr- bzw. Ziehrate bei 15 bis
40  mm pro Rotation. Die BRN-Zahlen liegen im
Bereich von 250 bis 500 rot∕​m. Die genaue Defini-
tion der Blade Rotation Number findet sich in Ab-
schnitt 4.8.2.2.
Die Software des Gerätecomputers speichert auto-
matisch Mischungsdaten wie Startzeit, Ausfüh-
rungsdauer, gebohrte Tiefe, Bindemittel pro Lauf-
meter der Säule, BRN-Zahl sowie Ziehgeschwin-
digkeit. Durch dieses System werden ausreichend
Daten für eine Qualitätskontrolle des gelieferten
Produkts zur Verfügung gestellt.

4.8.1.2 Wirkungsweise (bodenmechanische


Betrachtung)
Die Trockeneinmischtechnik ist eine einfache Vari-
ante zur Verbesserung eines bindigen Bodens. Das
mit dem Boden vermischte Bindemittel reagiert mit
dem natürlichen Wasseranteil und härtet in situ aus
(Bild 44). Dadurch entsteht ein durch das Bindemit-
tel gebundener Bodenkörper, mit einer (im Mittel)
erhöhten Scherfestigkeit und Steifigkeit (Bild  45).
Wie bei Beton gibt es eine zeitliche Entwicklung
der Festigkeit, welche jedoch durch die geringeren
Bindemittelgehalte und das nicht so hochwertige
Zuschlagsmaterial (Boden) länger andauert.

4.8.1.3 Anwendungsgebiete∕​
Anwendungsgrenzen
Für die Trockeneinmischtechnik gibt es drei we-
sentliche Anwendungsgebiete:
−− Reduzieren von Setzungen durch Erhöhung der
mittleren Steifigkeit des verbesserten Bodens
Bild 43.  Mischgeräte mit Shuttle und Mischwerkzeug (ähnlich wie bei der Rüttelstopfverdichtung),
Grundverfahren 775

VIII
I
Bild 44.  Beispielhafte Festigkeits­
entwicklung bei variablem Bindemittel-
gehalt (nach [81])

I
Verfahren nur möglich, wenn der natürliche Was-
sergehalt im Bereich der Ausrollgrenze oder darü-
ber liegt. Außerdem darf die undränierte Scherfes-
tigkeit cu des noch nicht verbesserten Bodens maxi-
mal 35 bis 45 kPa betragen, damit das Mischwerk-
zeug ausreichend schnell rotieren kann. Die zu ver-
bessernde bindige Bodenschicht muss in geringer

I
Tiefe anstehen, da die oberste Bodenschicht zum
Erreichen des darunterliegenden, zu verbessernden
weichen Bodens durchdrungen werden muss.

4.8.1.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des


Verfahrens

I
Einer der vielen Vorteile der Trockenmischverfah-
ren ist die Flexibilität in Bezug auf Bemessung und
Bild 45.  Freigelegte Probesäulen (© Keller) Ausführung (vgl. [81]). Säulen können in jeder Län-
ge zwischen 2 m und 25 m und in jedem Raster her-
gestellt werden. Eine Wabenstruktur zur Aufnahme
−− Erhöhung der Stabilität von Hängen und Bö- von Scherkräften, rippenförmig angeordnete Säu-
schungen,

I
lengruppen für Hangstabilisierungen oder einzelne
−− Erhöhung der Scherfestigkeit und Steifigkeit bei Säulen zur Reduzierung der Setzungen können alle
Baugruben (z. B. Stabilisierung der Baugruben- Teile eines einzigen Bemessungskonzepts sein
böschungen, verbesserte Bearbeitbarkeit des (Bild 46). Zudem kann die Bindemittelmenge nach
Aushubmaterials, Verbesserung der Baugru- dem Prüfen einer Säule und nach Rücksprache mit
bensohle). dem zuständigen Tragwerksplaner reduziert oder
erhöht werden. Zusammen mit der hohen Herstel-
I
Dabei kann es zu einer Mehrfachverwendung der lungsgeschwindigkeit der Säulen wird die Methode
Baugrundverbesserung kommen. Neben der Er- dadurch sehr wirtschaftlich.
möglichung eines effizienten Aushubs kann die Er-
höhung der Steifigkeit und Scherfestigkeit auch bei Nachteil der Methode ist die Empfindlichkeit ge-
der Dimensionierung der Baugrube miteinbezogen genüber Findlingen und dichtgelagerten Sand-
werden. Abhängig von den nationalen Regelungen schichten, die nur schwer durchdrungen werden
kann das Verfahren zudem für die Erhöhung des können. Das schließt auch Auffüllungen oder sehr
I

Erdwiderstands zur Stützung von Spundwänden harte und trockene Krusten mit ein.
(bzw. allgemein bei Baugrubenwänden) auf der pas-
siven Seite angewendet werden. 4.8.1.5 Hinweise für die Planung und
Bemessung
Das Trockenmischverfahren kann bis in Tiefen von
maximal 25 m und in bindigen Böden mit Hauptan- Bei der Bemessung wird für eine Säule nach diesem
teilen aus Ton und Gyttja angewendet werden. Bei Verfahren eine charakteristische Scherfestigkeit von
I

tonigen Böden mit Sand oder Schluffanteilen ist das 100 kPa angesetzt, wobei in weichem Ton die
776 Baugrundverbesserung

Die Anzahl, Länge und Tiefen der Rippen richtet


sich zudem nach dem erforderlichen Gesamtwider-
stand für die Stabilisierung des Hangs.
Bei Wabenstrukturen zur Aufnahme von dynami-
schen Lasten wird die Überlappung der Säulen ähn-
lich wie bei einer Bemessung zur Hangstabilisie-
rung gewählt. Wenn die Wabenstruktur auch zur
Reduzierung von Setzungen angesetzt werden soll,
werden noch zusätzliche Einzelsäulen innerhalb der
Waben angeordnet.
Bild 46.  Typische Säulenanordnungen für das Trocken- Grundsätzlich sollte am Beginn jedes Projektes ein
mischverfahren Testfeld zur Verifizierung der geplanten Produkti-
onskenngrößen (insbesondere Bindemittelmenge,
Herstellparameter wie Zieh- und Drehgeschwindig-
Scherfestigkeit auch bis zu 200 kPa betragen kann. keit etc.) erstellt werden.
Abhängig von nationalen Regelungen ist nach einer
Prüfung entsprechend auch das Ansetzen einer hö- Zur Unterstützung bzw. besseren Bearbeitbarkeit
heren Festigkeit möglich. Siehe dazu auch [81] und des Bodens für Aushubtätigkeiten zwischen Spund-
[83]. wänden sollten die Säulen in Rippen oder Blöcken
so nah wie möglich an den Spundwänden vorgese-
Einzelne Säulen werden ausschließlich zur Redu- hen werden. Hierfür werden die Säulen i. Allg. zu-
zierung von Setzungen verwendet. Der Abstand erst hergestellt und dabei eine Lücke für den nach-
zwischen den Säulen ergibt sich aus zwei Kriterien: träglichen Einbau der Spundwand belassen.
Die mechanische Spannung in den Säulenköpfen
darf nicht überschritten werden und der Abstand 4.8.1.6 Überwachung und Qualitätssicherung
muss in Abhängigkeit vom Säulendurchmesser in der Ausführung
klein genug sein, damit es zu keinen Differenzset-
zungen im nicht verbesserten Boden zwischen den Mit dem Trockenmischverfahren hergestellte Säulen
Säulen kommen kann. Wenn die zulässige Span- werden normalerweise von oben nach unten oder
nung in den Säulen überschritten wird, entstehen von unten nach oben geprüft, wobei am häufigsten
Risse in den Säulen, sodass sich Setzungen durch eine Prüfung von oben nach unten stattfindet. Bevor
Langzeitkriechen ergeben. eine zu prüfende Säule ausgewählt wird, sollten die
Herstellungsprotokolle evaluiert werden, da diese
Bei einer Bemessung zur Hangstabilisierung wer- kontinuierliche Daten über den Herstellungsprozess
den überschnittene Säulen rippenförmig angeord- wie Bohrtiefe, Bohrgeschwindigkeit, Rotationszahl
net, wobei eine Überlappung der Säulen in der Re- (BRN), Bindemittelmenge und das Ziehen beinhal-
gel von mind. 15  cm vorzusehen ist. Der Abstand ten. Das Protokoll ist Teil der Dokumenta­tion zur
der Rippen wird so festgelegt, dass zwischen den Qualitätssicherung, um eine ordnungsgemäße Her-
Rippen kein Teilversagen des Hangs auftreten kann. stellung der Säulen zu gewährleisten.

Bild 47.  Typische Sondierungsverfahren


beim Trockenmischverfahren
Grundverfahren 777

Eine Prüfung mit dem „Modified Cone Penetration in place). In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde
Test MCPT“ (vgl. auch [81]) von oben nach unten, das Verfahren in Japan weiterentwickelt, bekannt
wird mit einem geführten Flügel mit 20 bis 50 cm als Cement Deep Mixing CDM. In den späten
Breite vorgenommen, der mit einer Drucksonde zur 1980er-Jahren kam das Verfahren vermehrt in Eu­
Messung der Vertikalität ausgerüstet ist. Die Säule ropa zum Einsatz, vornehmlich als Ersatz für das

VIII
wird zunächst auf der vollen Länge mit einem Düsenstrahlverfahren. Vor allem in Polen wurden
Durchmesser von ca. 5  cm vorgebohrt. Anschlie- zahlreiche Projekte mittels dieses Verfahrens abge-
ßend wird der Flügel auf die Drucksonde aufgesetzt wickelt.
und in das vorgebohrte Loch der Säule gedrückt.
Durch die Vorbohrung wird die Führung des Flü- 4.8.2.1 Technische Verfahrensbeschreibung
gels in der Säule erleichtert. Die für das Drücken
erforderliche Kraft wird aufgezeichnet und die Beim Nassmischverfahren (auch Soil Mixing SM)
Scherfestigkeit kann für die bekannte Größe des werden Paddel mit einem Durchmesser von übli-

I
Flügels aus der für das Eindrücken notwendigen cherweise 0,6 bis 2,4 m bei gleichzeitigem Pumpen
Kraft abgeleitet werden. Es kann vorkommen, dass von bindemittelhaltiger Suspension in den Unter-
die Säule zu hart ist, um einen Flügel mit 50  cm grund eingedreht. Die verwendeten Flügel bestehen
Länge hindurchzudrücken. In diesem Fall wird die in der Regel aus zwei oder mehr angeschweißten
Prüfung mit einem kürzeren Flügel mit 20 cm Län- Trägern, die den Boden durchschneiden. Am Paddel
ge durchgeführt. sind weitere Düsen angeordnet, mittels derer die
Suspension in den Boden eingepresst wird. Der

I
Bei einer Prüfung von unten nach oben als „Pull Out Durchmesser der SM-Säule ergibt sich aus dem
Resistence Test PORT“ wird der Flügel an einem Durchmesser des Werkzeugs. In Sonderfällen sind
Seil vor der Herstellung der frischen Säule am Säu- an den Enden der Flügel Düsen angeordnet, die zu
lenfuß eingebaut und verbleibt während der Herstel- einer hydraulischen Aufweitung des Querschnitts
lung der Säule auch am Säulenfuß. Nach der Aus- führen.
härtung (z. B. nach 3 oder 14 Tagen) wird der Flügel
Das Durchmischen des Bodens wird in der Regel

I
durch die Säule nach oben gezogen, die notwendige
Kraft aufgezeichnet und die Scherfestigkeit abglei- mit der ersten Penetration begonnen, denn auch
tet (Bild 47). während des Ziehens wird der Boden verbessert
(Bild 48). Durch wiederholtes Ein- und Ausfahren
Die Prüfungsmethode von oben nach unten wird lässt sich eine bessere Durchmischung des Bodens
aufgrund der höheren Geschwindigkeit und den ge- und damit höhere Verbesserungswerte erzielen.
ringeren Kosten am häufigsten durchgeführt. Aller-
dings sollte die Prüfungsmethode von unten nach Eine SM-Bohreinheit ist in Bild 49 abgebildet. Auf-

I
oben bei langen Säulen oder wenn die Festigkeit im grund der höheren erforderlichen Mischenergie
unteren Teil der Säule unstetig oder von großer Be- zum Zerlegen des Bodens ergibt sich auch eine hö-
deutung ist, angewendet werden. here Anforderung an die Trägergeräte. Diese kön-
nen ein Betriebsgewicht von über 100 t erreichen.
4.8.2 Nassmischverfahren Hinsichtlich der Wirkung und der Anordnung der
Das Nassmischverfahren, auch bekannt als Wet- Bohrwerkzeuge für Bodenmischverfahren gibt es

I
Deep-Soil-Mixing, WDSM wurde in den 1950er-​ eine große Vielfalt. Das im Bild  49 dargestellte
Jahren als Pfahltechnologie entwickelt (Wet mixed ­Gerät repräsentiert das wohl am häufigsten ange­
I
I
I

Bild 48. Mischvorgang
778 Baugrundverbesserung

−− Säulen vom Typ A bestehen aus Stoffen, die den


Boden chemisch oder physikalisch beeinflus-
sen, ohne dass Säulen mit einer nennenswerten
Eigenfestigkeit entstehen.
−− Säulen vom Typ B enthalten hydraulische Bin-
demittel, die ihnen eine bestimmte Festigkeit
verleihen und die Säulen selbst mit zur Abtra-
gung von Lasten befähigen.
Die Rasterung wird auf die zu erwartende Belas-
tung und den anstehenden Boden abgestimmt, wo-
mit eine technisch optimale und wirtschaftliche
Gründung hergestellt wird.
Anwendung findet das Verfahren bei Gründungen
im tragfähigen Baugrund, bei denen die CSV-Schne-
cke mit ihrem speziellen Verpresskopf mit immer
Bild 49.  Typisches SM-Gerät mit Mehrfachpaddel gleicher Reaktionskraft in den Boden eingedrückt
wird. So entstehen bei unterschiedlichen Baugrund-
wandte Nassmischverfahren in Mitteleuropa zur verhältnissen gleiche Auflagerbedingungen. Hierbei
Herstellung von säulenartigen Elementen mittels kommen überwiegend CSV-Säulen des Typs B zur
Mehrfachpaddel, welche in vielfältiger Art kombi- Anwendung. Zur Verbesserung von Schichtpaketen
niert werden können. Daher beziehen sich die nach- als schwimmende Gründung kann die Einfahrtiefe
folgenden Abschnitte hinsichtlich Bemessung usw. der CSV-Schnecke gerätetechnisch gesteuert auf ein
vor allem auf diesen Typ des Nassmischverfahrens. festes Maß begrenzt werden (begrenzter Anpress-
druck und∕​oder festgelegte Stabilisierungstiefe). Je
Entsprechend der Vielfalt der entwickelten nach Erfordernis werden Säulen des Typs A und B
Naschmischverfahren wird hier bei der Verfahrens- eingesetzt.
beschreibung auch beispielhaft auf das CSV-Ver- Folgende Vorteile liefert das Coplan-Stabilisie-
fahren, das MIP-Verfahren und das Cutter-Soil-Mi- rungs-Verfahren (CSV):
xing Verfahren näher eingegangen.
−− Sehr gut anpassbarer Verbesserungsgrad des
Beim „Coplan-Stabilisierungs-Verfahren CSV“ (be- Bodens an Lastsprünge, da relativ geringe Last-
nannt nach der Firma Coplan Grundbau GmbH, aufnahme der Einzelsäule.
dem Erfinder dieses Verfahrens) werden Stabilisie-
−− Das Verfahren arbeitet nahezu erschütterungs-
rungssäulen aus einem Gemisch aus Sand und hy-
frei.
draulischem Bindemittel (Kalk und∕​oder Zement)
im Vollverdrängungsverfahren in bindige Böden −− Es wird kein Bodenmaterial gefördert.
mit und ohne Sandanteile sowie organische Böden −− In Kombination mit einer Bodenplatte kann auf
ungenügender Tragfähigkeit eingebracht. Bei der Lastverteilungskonstruktionen wie Pfahlroste
Herstellung durchfährt eine lafettengeführte End- verzichtet werden.
losschnecke einen am Bohrloch aufsitzenden Vor-
Folgende Nachteile hat das Verfahren:
ratsbehälter. Beim Durchfahren des Vorratsbehäl-
ters läuft die Schnecke linksdrehend, dabei wird −− Es können nur Säulen mit kleinen Durchmes-
während des Einfahrens in den Boden bereits Tro- sern hergestellt werden.
ckenmörtel eingebracht und über den Verpresskopf −− Es kann keine Bewehrung in die Säulen einge-
verpresst. Die Fördermengen über die Schnecke baut werden.
können bei gleicher Fördergeschwindigkeit bei un-
−− Die Säulen können keine Biegemomente auf-
terschiedlichen Böden variieren, sodass aus diesem
nehmen.
Grund beim Wechsel der Bodenschichtung eine
Neueinstellung der Geräte erfolgen muss. Nach Er- Beim MIP®-Verfahren (Mixed-in-Place-Verfahren)
reichen der Endtiefe wird die Rechtsschnecke links- findet die Durchmischung und Vermörtelung des
drehend gezogen. Dabei wird wiederum Mörtelma- anstehenden Bodens mit der eingebrachten Suspen-
terial in das Bohrloch gefördert. Im Boden ist nach sion über eine Dreifachschnecke statt, wie in Bild 50
dem Ziehen der Schnecke eine Säule aus verpress­ dargestellt. Während des Abbohrens und Ziehens
tem Trockenmörtel entstanden. Unter Inanspruch- der Schnecke wird der anstehende Boden aufge-
nahme der Erdfeuchte bzw. des anstehenden Grund- mischt und durch das Seelenrohr der Schnecke die
wassers bindet der Trockenmörtel ab und es entsteht Bindemittelsuspension eingebaut. Um eine homo-
eine verfestigte Säule. Das für den Lastabtrag ange- gene Durchmischung des Bodens zu erzielen, kann
nommene Baugrundmodell unterscheidet 2 Säulen- die Drehrichtung der Schnecken einzeln variiert
typen: werden. Zur Ausführung einer durchgehenden, fu-
Grundverfahren 779

genlosen Wand werden die Einzellamellen nach


dem sogenannten doppelten Pilgerschrittverfahren
angeordnet. Diese Herstellabfolge ist gekennzeich-
net durch eine zusätzliche Bearbeitung der Über-
schnittbereiche aus Primär- und Sekundärlamelle.

VIII
Während eines Homogenisierungsvorgangs werden
die Schnecken wie folgt im Schlitz gedreht:
−− Nr. 1 „linksdrehend“ – entsprechend der Dreh-
richtung der Schnecke,
−− Nr. 2 „linksdrehend“ – gegen die Drehrichtung
der Schnecke,

I
−− Nr. 3 „rechtsdrehend“ – entsprechend der Dreh-
richtung der Schnecke.
Die Schnecken 1 und 3 fördern Material, d. h., das
Boden-Bindemittel-Gemisch wird vertikal nach
oben bewegt. Schnecke 2 drückt Material vertikal
nach unten. Es entsteht ein Materialkreislauf im

I
Schlitz, bei dem alle angeschnittenen Bodenschich-
ten gleichmäßig mit der Bindemittelsuspension ho-
mogenisiert werden. Durch die Verwendung von
Bohrschnecken mit durchgehender Wendel ist es
möglich, in wechselnden Bodenschichten eine kon-
stante Materialgüte über die gesamte Schlitzhöhe zu

I
gewährleisten. Die im MIP®-Verfahren hergestell-
ten Wandelemente finden unterschiedliche Verwen-
dung: Bild 50.  Mixed-in-Place (MIP®)-Verfahren mit Drei-
fachschnecke
−− Dichtwände, ohne statische Funktion in Däm-
men∕​Deichen, zur Baugrubenumschließung,
−− Verbauwände, statisch wirksam, zur Baugru- der Ausführung sind die Werte an den erhärteten

I
benumschließung, Schöpfproben zu bestätigen.
−− Gründungselemente, Beim Cutter-Soil-Mixing-Verfahren (CSM-Verfah-
−− In-situ-Immobilisierung von Schadstoffen, ren) wird durch das Lösen des anstehenden Bodens
−− Baugrundverbesserung. mittels zweier Fräsräder bei gleichzeitigem Einbrin-
gen eines hydraulischen Bindemittels der anstehen-
Der Vorteil des MIP®-Verfahrens ist die breite de Boden durchmischt und anschließend verfestigt

I
funktionale Anwendbarkeit für eine große Band- (Bild  51). Um den Rückfluss aus Suspension und
breite von verschiedenen Bodenarten. Dabei finden Boden aufnehmen zu können, wird vorlaufend vor
z. B. Anwendungen als Dichtwände (ggf. mit einge- dem Einsatz der CSM-Fräsen ein Führungsgraben
stellter Spundwand), als Verbauwände mit einge- ausgehoben. Eine spezielle Leitwandkonstruktion
stellten Stahlträgern, als reine Baugrundverbesse- ist nur in besonderen Fällen bei hohen Genauig-
rungsmaßnahme oder aber als Gründungslamellen keitsanforderungen notwendig.
(pfahlähnliche Tiefgründungselemente) statt. Gren-
I

zen sind dem Verfahren im Wesentlichen durch die Die beiden Fräsräder werden mit einer bestimmten
geforderten Eigenschaften des fertigen Produkts Drehzahl in den Schlitz geführt. Dabei wird über die
(z. B. festigkeitsmindernde Wirkung bindiger Bö- Kelly-Stange permanent Suspension über spezielle
den) sowie die Möglichkeiten der gerätetechnischen Düsen zwischen den Fräsrädern gepumpt. Die
Bearbeitung im Hinblick auf die Bohr- und Misch- Drehrichtung der Räder kann zu jeder Zeit variiert
barkeit des Bodens gesetzt. Ungeeignet sind Fels, werden. Die Eindringgeschwindigkeit wird zusam-
I

große Steine und Blöcke. Die Anwendung des Ver- men mit der Verpressrate der Suspension an die Bo-
fahrens in kontaminierten Böden wird durch Eig- denformation angepasst. Die typische Eindringrate
nungsversuche nachgewiesen. liegt zwischen 5 und 50  cm∕​min. Die CSM-Ele-
mente können im Einphasen- oder im Zweiphasen-
Gemäß DIBt-Zulassung Z-34.26-200 sind die der verfahren hergestellt werden.
statischen Berechnung zugrunde liegenden Festig-
keiten des MIP®-Materials vor Ausführungsbeginn CSM wird hauptsächlich zum Stabilisieren von lo-
I

durch Eignungsprüfungen nachzuweisen. Während ckeren, nichtbindigen und weichen bindigen Böden
780 Baugrundverbesserung

Bild 52.  Verschiedene Mischmethoden

demittel mit oder ohne Füller und Zusatzstoffe zur


Vermischung des Bodens in-situ verwendet. Der
Mischvorgang kann in einem oder mehreren Zyklen
erfolgen (Bild 52), wobei hierfür vor allem die An-
ordnung der Düsen in Bezug zum Mischwerkzeug
zu beachten ist.
Die sogenannte Blade Rotation Number BRN be-
Bild 51. Cutter-Soil-Mixing-Verfahren schreibt die Anzahl der erzielten Mischvorgänge
und liefert einen Anhalt über die erzielte Baugrund-
verbesserung. Sie bezieht sich auf den Laufmeter
verwendet. Da die Mischeinheit aus den BAUER-​ Säule und ist wie folgt definiert:
Schlitzwandfräsen entwickelt wurde, kann das Ver- ​R​  pi​​ ​R​  wi​​
( ​  pi​​ ​V​  wi​​ )
n
fahren jedoch auch in härteren oder dichter gelager- ​BRN  = M ⋅ ​  ∑  ​    ​  + ​ _  ​ ​   ​[rot  .∕​  m]​​
 ​​​​  _ (7)
ten Böden eingesetzt werden. i=1 V

CSM-Wände können verwendet werden für Dabei bezeichnen:
−− Dichtwände, ohne statische Funktion in Däm- ​BRN​ Flügelumdrehungsindex
men∕​Deichen, zur Baugrubenumschließung, (Blade Rotation Number)
−− Verbauwände, statisch wirksam, zur Baugru- ​M​ Anzahl der Flügel
benumschließung, (für einen Flügel M = 2) [–]
−− Gründungselemente, ​​R​  p​​  , ​R​  w​​​ Rotationsgeschwindigkeit während dem
−− Baugrundverbesserungen, Ein-, Ausfahrvorgang [rpm]
−− In-situ-Immobilisierung von Schadstoffen. ​​V​  p​​  , ​V​  w​​​ Vorschub-, Ziehgeschwindigkeit
Stark geschichtete Bodenformationen erschweren [m∕​min]
eine Homogenisierung. In Fels oder Schichten mit ​n​ Anzahl der komplettierten Zyklen
Blöcken ist das Verfahren nicht einsetzbar.
Auf Basis einer Vielzahl von Projekten sind in Ta-
Hinsichtlich der die Ergebnisse der Bodenmischsys- belle 6 empfohlene Mindestwerte für den Flügelum-
teme beeinflussenden Größen sowie der erforderli- drehungsindex (BRN) für unterschiedliche Böden
chen Qualitätssicherungsmaßnahmen wird auf die angeführt [84].
allgemeinen Ausführungen in den vorigen Ab-
schnitten verwiesen. Die erzielbaren Eigenschaften der fertiggestellten
Säulen sind von den anstehenden Bodenverhältnis-
4.8.2.2 Wirkungsweise (bodenmechanische sen und den Herstellungsparametern abhängig. Hin-
Betrachtung) sichtlich der Festigkeitsentwicklung ist das in den
Boden eingebrachte Bindemittel entscheidend. In
Anders als bei der Trockeneinmischtechnik wird der Praxis sind zwei verschiedene Definitionen für
beim Nassmischverfahren eine Suspension aus Bin- die Beschreibung des Bindemittelgehalts gebräuch-
Grundverfahren 781

Tabelle 6.  Empfohlene Mindestwerte


für den ­Flügelumdrehungsindex
Bodenart Flügelumdrehungsindex
BRNmin

VIII
Schlamm, Schlacke 500–600
Torf, Schlick 500–600
weiche Tone 450–500
steife Tone 450–500
Schluff 400–450

I
Fein- bis Mittelsand 350–400
Grobsand, Kies 300–350

I
I
Bild 54.  Anwendungen für das Bodenmischen; oben a–i
typische Beispiele für Gründungen; unten a–e typischen

I
Beispiele für Erhöhung der Böschungsbruchstabilität

Bild 53.  Behandlungsraster mit Einzelsäulen (a) bis (b),


Wänden und Scheiben (c) bis (e), Gittern (f) bis (j), Blö- Bild 54). Die Arbeiten können an Land, aber auch
cken (k) bis (m) nach [85] unter Wasser durchgeführt werden. Der Einsatz er-
folgt vorwiegend in nichtbindigen Böden. Typische
Anwendungsgebiete sind
lich. Nach der ersten Definition ist der Bindemittel-

I
gehalt als Verhältnis von eingebrachtem Bindemit- −− Setzungsreduktion,
tel (trocken) zum Einheitsbodenvolumen beschrie-
ben. Nach der zweiten Definition wird der soge- −− Erhöhung der Scherfestigkeit und Steifigkeit,
nannte Bindemittelfaktor als Trockengewichtver- −− Stabilitätserhöhung,
hältnis von Bindemittel zu Boden festgelegt. −− Verringerung des Bodenverflüssigungs­
Die Nassmisch-Elemente können nach Bild  53 als potenzials.
I

Einzelsäulen im Raster, als Wände oder Scheiben,


als Gitter oder Blöcke angeordnet werden. Übli- 4.8.2.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
cherweise liegen die Baugrundverbesserungsgrade Verfahrens
bei 10 bis 50 %. Bei einzelnen Anwendungen kann
Vorteile:
der Verbesserungsgrad auch 100 % betragen. Dies
kann zum Beispiel bei strategisch wichtiger Infra- −− hohe Leistungen möglich,
I

struktur und∕​oder bei hoher Erdbebeneinwirkung


der Fall sein. −− geeignet für viele Arten von hindernisfreien
­Böden,
4.8.2.3 Anwendungsgebiete∕​ −− sehr flexibel hinsichtlich Geometrie,
Anwendungsgrenzen −− spezifische Anpassung der Herstellparameter an
Das Nassmischverfahren kann für temporäre und geforderte Eigenschaften möglich,
I

permanente Anwendungen eingesetzt werden (vgl. −− vibrationsfreie Herstellung,


782 Baugrundverbesserung

−− geringe Mengen an Überschussmaterial an der unter definierten Randbedingungen durchgeführt


Oberfläche während der Herstellung, wurden.
−− Einsatz On-∕​Offshore möglich.
4.8.2.6 Überwachung und Qualitätssicherung
Nachteile: in der Ausführung
−− tiefenbegrenzt, Zur Überwachung der Nassmischverfahren werden
−− Einschränkung bez. geneigter Elemente, die wichtigsten Herstellungsparameter wie Suspen­
sionsdruck, Bohr- und Ziehrate, Umdrehungsge-
−− Installation neben∕​unter bestehenden schwindigkeit und die Menge pro Meter verpumpter
­Bauwerken nicht möglich, Suspension aufgezeichnet. Ferner sind auch die
−− hohes Gerätegewicht bei größeren Lage der Ansatzpunkte und die Vertikalität des Füh-
­Installa­tionstiefen, rungsmastes für das Mischwerkzeug zu vermessen.
−− Behandlung von tiefen Zwischenschichten Zur Qualitätssicherung werden aus der frisch herge-
nicht möglich. stellten Säule Proben entnommen. Dazu werden
spezielle Probeentnahmevorrichtungen oder soge-
4.8.2.5 Hinweise für die Planung und nannte Liner verwendet. Auf eine entsprechende
Bemessung Lagerung der Proben ist zu achten.
Die Bemessung von Körpern, die im Bodenmisch- 4.8.3 Hybridmischverfahren
verfahren (Deep Mixing) hergestellt wurden, erfolgt
nach DIN 4093 [73]. Dazu wird auf das Düsen- Es gibt eine Vielzahl von Hybridverfahren, bei der
strahlverfahren in Abschnitt 4.7 verwiesen, in dem Mischtechniken in Kombination mit anderen Tech-
die Grundlagen der Bemessung erläutert werden. niken verwendet werden. Diese Verfahren tragen
Für Deep-Mixing-Körper dürfen charakteristische häufig unternehmensspezifische Namen. Aus dieser
Zylinderdruckfestigkeiten fm,k ≤ 12  N∕​mm2 ver- Gruppe sollen kurz das Massenstabilisierungsver-
wendet werden. fahren und die Fräs-Misch-Injektionstechnik erör-
tert werden.
Die in der Praxis erzielbaren Druckfestigkeiten qu,f
und Durchlässigkeiten kf wurden von Topolnicki 4.8.3.1 Massenstabilisierung
[85] gemäß Tabelle  7 für verschieden Böden und
Bindemittelgehalte zusammengefasst. Unter Massenstabilisierung bezeichnet man ein ein-
faches Verfahren zur Behandlung von sehr weichen
Sollten keine Vergleichswerte aus anderen Projek- Böden (Torf, Mudde, sehr weicher Ton usw.). Die
ten vorliegen, empfiehlt es sich, vor Projektbeginn Behandlungstiefe beträgt dabei in der Regel 2 bis
Laborversuche durchzuführen. Bei diesen wird der 3  m. Die maximal erreichbare Tiefe liegt bei 5  m
zu behandelnde Boden im Labor mit Bindemittel (vgl. Bild  55). Dabei wird ein an einem Bagger
vermischt und aus den Probekörpern werden die re- montierter rotierender Mischkopf in den zu behan-
levanten Parameter bestimmt. Bei der Extrapolation delnden Boden abgeteuft. Durch das Einbringen
der Laborergebnisse auf die in situ zu erwartenden von Bindemittel am Mischkopf und das Mischen
Ergebnisse ist zu beachten, dass die Laborresultate mit dem anstehenden Boden wird dieser verbessert
i. Allg. einen oberen Grenzwert beschreiben, da sie (Bild 56).

Tabelle 7.  Richtwerte für einaxiale Druckfestigkeit (nach 28 Tagen) und Durchlässigkeit
für das Nass­verfahren
Bodenart Bindemittelgehalt Einxiale Druckfestigkeit quf Durchlässigkeit kf
[kg∕​m3] [MPa] [m∕​s]
Schlamm 250–400 0,1–0,4 1 ⋅ 10−8
Torf, organischer Schluff∕​Ton 150–300 0,2–1,2 5 ⋅ 10−9
weicher Ton 150–300 0,5–1,7 5 ⋅ 10−9
steifer∕​halbfester Ton 120–300 0,7–2,5 5 ⋅ 10−9
Schluff, schluffige Sande 120–300 1,0–3,0 1 ⋅ 10−8
Fein-Mittelsand 120–300 1,5–5,0 5 ⋅ 10−8
Grobsand, Kies 120–250 3,0–7,0 1 ⋅ 10−7
Grundverfahren 783

VIII

I
Bild 55.  Verfahren der Massenstabilisierung

I
I
I
Bild 56.  Anlage zur
­Massenstabilisierung

Das Verfahren der Massenstabilisierung kommt Anwendung findet das Verfahren bei der Errichtung
I
vielfach zur Herstellung von Arbeitsplattformen von Dichtwänden zur Abdichtung und Ertüchtigung
zum Einsatz. neuer oder bestehender Dämme und Deiche, weiter
I
für die Herstellung von Dichtwänden im Deponie-
4.8.3.2 Fräs-Misch-Injektionsverfahren bau bzw. der Altlastensicherung, zur Ertüchtigung
und Verfestigung von Erdbauwerken im Bahn- und
Beim Fräs-Misch-Injektionsverfahren wird anstelle
Verkehrswegebau sowie für die Errichtung von
des rotierenden Mischwerkzeugs eine an einem
schlitzförmigen Gründungselementen im Hoch-
Frässchwert montierte Kette zum Lösen und Mi-
und Industriebau. Vorteile des Verfahrens liegen
schen des anstehenden Untergrunds verwendet
u. a. in der hohen Leistungsfähigkeit, der weitestge-
I

(Bild  57). An der Schwertspitze wird gleichzeitig


henden Erschütterungsfreiheit, des geringen Platz-
Suspension dazugegeben, die sich mit der Boden-
bedarfs und der geringen Gerätehöhe (kaum eine
masse vermischt. Dadurch kann ein kontinuierlicher
Höhenbeschränkung und keine Kippgefahr und da-
Mischkörper ohne Fugen hegestellt werden. Die Be-
mit auch geringere Anforderungen an das Arbeits-
handlungstiefen richten sich nach der Schwertlänge
planum).
und können bis max. 11 m reichen.
I
784 Baugrundverbesserung

Bild 57. Fräs-Misch-
Injektionsverfahren (Foto
Fa. Züblin)

4.9 Zement-∕​Kalkstabilisierung und anschließend mittels Walzen verdichtet. Der


beschriebene Arbeitsprozess erfolgt lagenweise,
4.9.1 Technische Verfahrensbeschreibung wobei sich die Schichtdicken einerseits nach dem
Die Bodenbehandlung mit Kalk und∕​oder hydrauli- verwendeten Mischwerkzeug und andererseits nach
schen Bindemitteln ist in der EN 16907-4 [86] gere- dem zur Anwendung gelangenden Verdichtungs­
gelt. Mit „Behandlung eines Materials“ (z. B. Bo- gerät richten. Die verdichtete Schichttiefe sollte
den) wird dabei der Arbeitsvorgang beschrieben, höchstens 35 cm betragen, außer es kann in Feldver-
bei dem durch eine in einer vereinbarten Spezifika- suchen nachgewiesen werden, dass innerhalb der
tion durchzuführenden Vermischung des Materials Schicht eine angemessen homogene Verdichtung
mit einem Bindemittel wie Kalk oder mit einem erreicht wird [86].
hydraulischen Bindemittel oder mit beidem und Im Bauablauf wird danach unterschieden, ob die
möglicherweise unter der Zugabe von Wasser er- Stabilisierung während des Aushubs, während der
folgt. Die Zielsetzung besteht in einer Verbesserung Auffüllung oder aber zur Verbesserung der Sohle
der Eigenschaften von (Boden-)Materialien mit un- bei einem Einschnitt erfolgt.
geeigneten Eigenschaften für die Verwendung in
Erdbauwerken. So können die Materialeigenschaf- Bei der Stabilisierung während des Aushubs wird
ten entsprechend verbessert werden, damit eine das Bindemittel auf der Oberfläche verteilt und mit-
Verwendung des (Boden-)Materials in spezifischen hilfe einer Bodenfräse mit horizontalen Fräswalzen
Anwendungen (wie Deckschichten, Auffüllungen vor einem Aushub durch konventionelle Erdbauma-
von Stützpfeilern, Fundamente usw.) möglich wird schinen eingearbeitet. Anschließend wird das Mate-
[86]. Als zu verbessernde Materialien kommen da- rial zum Auffüllbereich transportiert, um innerhalb
bei z. B. Böden, brüchiger Fels, wiederaufbereitete der Verarbeitbarkeitsdauer eingebaut und verdichtet
Materialien und künstliche Materialien infrage. Als zu werden [86].
Bindemittel werden beispielsweise Kalk (Brannt-
kalk, Kalkhydrat), Zement, Flugasche, hydraulische Bei der Stabilisierung im Auffüllbereich werden die
Tragschichtbinder verwendet. Eine detaillierte Be- zu behandelnden Böden durch konventionelle Erd-
schreibung der am häufigsten verwendeten Binde- baumaschinen ausgebreitet und das Bindemittel
mittel sowie sämtliche diesbezüglich zu berücksich- wird aufgestreut. Anschließend wird das Bindemit-
tigenden Regelwerke finden sich in [86]. tel mit einem Mischer in einer zur Sicherstellung
der Erreichung des festgelegten Gemisches ausrei-
Herstellungstechnisch wird nach Ortsmischverfah- chenden Anzahl von Arbeitsgängen in den Boden
ren (Mixed in place) und Zentralmischverfahren eingearbeitet. Sobald die behandelte Schicht ver-
(Mixed in plant) unterschieden. dichtet wurde, kann die nächste Füllmaterialschicht
eingebaut und behandelt werden [86].
Bei Ortsmischverfahren wird auf einen zu behan-
delnden Boden ein Bindemittel mit Dosierwagen Eine Stabilisierung in der Einschnittssohle tritt auf,
gleichmäßig aufgetragen, im Weiteren mit einer wenn der Boden einer Aushubsohle beispielsweise
­Mischwalze oder Fräse in den Boden eingearbeitet als Deckschicht stabilisiert werden muss. In diesem
(wobei in Abhängigkeit vom natürlichen Wasserge- Fall wird das behandelte Material nicht entfernt.
halt des Bodens evtl. noch Wasser beizumengen ist) Die zu behandelnden Böden werden mit Erdbauge-
Grundverfahren 785

VIII
I
I
Bild 58.  Dosierwagen und
Fräse

räten abgezogen und das Bindemittel wird auf dem Erdbaumaschine, die die nächste Lage verteilt, be-

I
Boden verteilt. Anschließend wird das Bindemittel fahren wird. Das Material sollte über Kopf geschüt-
mit einem Mischer in einer zur Sicherstellung der tet und durch eine Planierraupe vorgeschoben wer-
Erreichung des festgelegten Gemisches ausreichen- den, wobei die Erdbaumaschine auf der vor der Be-
den Anzahl von Arbeitsgängen in den Boden einge- handlung eingebauten Schicht verbleibt. Die Dicke
arbeitet. Nach dem Mischen wird die Schicht inner- der im Einbau befindlichen Schicht sollte so gewählt
halb der Verarbeitbarkeitsdauer verdichtet [86] werden, dass die darunterliegende Schicht durch das
(Bild 58). Überfahren durch die Maschine nicht beeinträchtigt

I
wird [86].
Beim Zentralmischverfahren (Mixed in plant) wird
der abgetragene Boden und das Bindemittel bei kon- 4.9.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
trolliertem Wassergehalt in einer mobilen oder sta­ Betrachtung)
tionären Mischanlage aufbereitet. Anschließend er-
folgt der Transport auf die Baustelle und der lagen- Durch die Einmischung von Bindemitteln in Mate-
weise verdichtete Einbau des Mischguts. Dieses rialien können einerseits die Verarbeitbarkeit (Be-

I
Verfahren kann für nichtbindige Böden angewendet fahrbarkeit, Einbau, Verdichtbarkeit etc.) und ande-
werden, bei denen durch die Zwangsmischer eine rerseits die (mechanischen) Eigenschaften der Erd-
verbesserte Durchmischung des Materials erreicht stoffe (bzw. allgemein Materialien) im eingebauten
wird. Für bindige Böden ist das Verfahren nicht ge- Zustand gezielt verbessert werden. Die Verbesse-
eignet [87]). In Abhängigkeit der verwendeten Bin- rung kann dabei auf eine leichtere Einbaubarkeit,
demittel ist die Reaktionszeit für den Transport, Ein- auf die Erhöhung der Festigkeit, der Steifigkeit, die
bau- und Verdichtungsprozess zu berücksichtigen.
I
Veränderung der Durchlässigkeit, das Binden von
Stoffen etc. abzielen. Der wesentliche Vorteil dieses
Das behandelte Material muss innerhalb der Verar- Verfahrens ist, dass ungeeignetes und oftmals zu
beitbarkeitsdauer verdichtet werden, um die festge- entsorgendes Material durch Einmischen von Bin-
legten Anforderungen zu erfüllen. Zur Verdichtung demitteln zu einem geeigneten Baumaterial um-
können dynamische Walzen mit Glattmantelbanda- funktioniert werden kann.
gen (vorwiegend für nichtbindige und gemischtkör-
nige Böden) bzw. Schaffußbandagen (vorwiegend Bei der Baugrundverbesserung mit Bindemitteln
I

für bindige Böden) eingesetzt werden [87]). Die wird die Einbaufähigkeit und Verdichtbarkeit sowie
Kriterien für die Maschinenauswahl sind von der die Witterungsbeständigkeit des Bodens kurzfristig
Schichtdicke und den festgelegten Anforderungen verbessert, um eine Erleichterung der Bauarbeiten
abhängig. Da die Stabilisierung der Materialien durch die Zugabe von Bindemitteln zu erzielen. Bei
durch die Bildung „zementierter“ Bindungen er- der qualifizierten Baugrundverbesserung werden
folgt, ist es wichtig, dass die behandelten Schichten projektspezifisch erhöhte Anforderungen, wie z. B.
I

während der Nachbehandlungsdauer nicht durch die die Herabsetzung der Frostempfindlichkeit, an die
786 Baugrundverbesserung

Eigenschaften des Baustoffs Boden-Bindemittel-​ Zementstabilisierung [87]:


Gemisch gestellt. Eine Bodenverfestigung mittels
Bindemittel zielt darauf ab, den Boden dauerhaft Zement, als hydraulisches Bindemittel in den Bo-
tragfähig und frostsicher zu machen [87]. den eingemischt, führt zu einer Erhärtung des Bo-
den-Bindemittel-Wasser-Gemischs. Aufgrund der
Kalkstabilisierung [87]: chemischen Reaktionen der Klinkerphasen des Ze-
Zur Bodenstabilisierung von feinkörnigen Böden ments mit Wasser kommt es u. a. zur Entstehung
wird primär Branntkalk (ungelöschter Kalk), von Kalziumsilikaten und Kalziumaluminaten, die
Kalkhydrat (gelöschter Kalk) oder hydraulischer zu einer Zementierung und dadurch Verfestigung
Kalk verwendet. Bei der Baugrundverbesserung der Bodenpartikel mit∕​durch den Zementstein füh-
durch Zugabe von Kalk wird eine Umwandlung der ren. Die Festigkeit des stabilisierten Bodens ist da-
Bodenstruktur (Krümelbildung) durch eine Verrin- bei vom Zementgehalt, dem Wassergehalt und der
gerung des Wassergehalts im Boden bewirkt. Die Korngrößenverteilung sowie dem Mineralbestand
Reduktion des Wassers im Boden passiert einerseits des Bodens abhängig. Ferner beeinflusst natürlich
durch die chemische Reaktion selbst und anderer- auch die Intensität der Durchmischung und die an-
seits durch die begleitende Wärmeentwicklung und schließende Verdichtung die bautechnischen Eigen-
dadurch erhöhte Verdunstung. Für Böden mit einem schaften des Boden-Bindemittel-Wasser-Gemischs.
sehr hohen Wassergehalt ist Branntkalk (CaO) zu Der Grad der Festigkeitserhöhung steigt näherungs-
bevorzugen, da im Vergleich zu gelöschtem Kalk weise proportional zum Zementgehalt, wobei eine
(Ca(OH)2) eine stärkere Reduktion des Wasserge- gewisse (bodenabhängige) Mindestmenge an Bin-
halts erreichbar ist. Bezüglich der detaillierten Be- demittel benötigt wird, um diesen festigkeitserhö-
schreibung der chemischen und bodenmechani- henden Prozess zu starten. Mit der Festigkeitserhö-
schen Prozesse während der Reaktion der verschie- hung steigt die Steifigkeit wie auch die Frost-Tau-​
denen Kalk-Bindemittel mit Boden und dem darin Beständigkeit, wogegen die Durchlässigkeit mit
enthaltenen Porenwasser wird auf [87] verwiesen. zunehmendem Zementgehalt, d. h. zunehmender
Bodenmechanisch bewirkt eine Beimischung von Verfestigung, abnimmt.
Kalk eine Abnahme der Plastizitätszahl IP und in
Zementstabilisierungen können für eine große
der Regel eine Erhöhung der Ausrollgrenze wP. Die
Bandbreite von Böden zur Anwendung gelangen.
Proctorkurve verschiebt sich durch die Beimengung
Besonders gut geeignet sind sie für Sand-Schluff-Ge-
von Kalk zur nassen Seite hin, d. h. die optimale
mische bzw. generell gut abgestufte Böden mit ei-
Dichte wird kleiner und der optimale Wassergehalt
nem geringen Tonanteil. Für derartige Böden sind
größer. Zudem wird schon bei wenigen Prozent Bin-
erfahrungsgemäß mit einem Bindemittelanteil von
demittelzugabe eine Verflachung der Proctorkurve
ca. 3 bis 6 % sehr gute Ergebnisse erzielbar. Mit zu-
erzielt [87].
nehmendem Tonanteil erhöht sich die Schwierigkeit
Bei ausreichendem Feinkorngehalt (und Tonanteil) einer ausreichenden Durchmischung und der erfor-
sowie ausreichendem Wassergehalt im Boden findet derliche Zementanteil steigt an. Für derartige Böden
eine Reaktion des Kalkhydrats mit den Tonminera- sind Stabilisierungen mit Kalk-Zement-Gemischen
lien des Bodens statt und es kommt zu einer Zemen- (im Verhältnis 30:70 bis 70:30 [87]) zielführender
tierung∕​Verkittung des Boden-Bindemittel-Ge- als reine Zementeinmischungen.
mischs, wobei über mehrere Jahre eine zunehmende
Bei der Zementstabilisierung ist darauf zu achten,
Erhöhung der Festigkeit und Steifigkeit beobachtet
dass das Einmischen und Verdichten vor dem Be-
werden kann.
ginn der Hydrationsprozesse stattfindet, da ansons-
Während durch die Krümelbildung bei Kalkzugabe ten keine ausreichend homogene Durchmischung
eine anfängliche Erhöhung der Durchlässigkeit des mehr möglich ist bzw. die Festigkeitsentwicklung
Boden-Bindemittel-Gemischs zu beobachten ist, gestört wird. Zudem ist darauf zu achten, dass wäh-
nimmt diese durch chemisch-physikalische Reakti- rend des Abbindens ausreichend Wasser zur Verfü-
onen im Boden über die Zeit wieder deutlich ab. Die gung steht und insbesondere die Oberfläche vor ei-
Scherfestigkeit des Bodens nimmt durch die Kalk- ner Austrocknung und dem Entstehen größerer
zugabe signifikant zu. In der Anfangsphase ist vor Schwindrisse bewahrt wird.
allem eine Erhöhung des Reibungswinkels zu beob-
Bezüglich Kalk-Zement-Stabilisierungen wird auf
achten, während über die Zeit eine Erhöhung der
[87] verwiesen.
Kohäsion infolge der oben beschriebenen Verkit-
tungsprozesse erfolgt [87]. Eine deutliche Verbesse- Erfahrungswerte für Bindemittelmengen für unter-
rung der Frostempfindlichkeit kalkstabilisierter Bö- schiedliche Bodengruppen werden in Tabelle 8 an-
den ist nach Brandl [88] erst nach mehreren Mona- geführt.
ten zu erwarten. In den ersten Wochen nach dem
Einbauprozess beschreibt Brandl gar eine Erhöhung
der Frostempfindlichkeit von kalkstabilisierten Bö-
den.
Grundverfahren 787

Tabelle 8.  Erfahrungswerte für Bindemittelmengen für Bodenverfestigungen nach TP BF-StB –


B11.1 [89] (Tabelle 35 aus [87])
Bodengruppe Bindemittel

VIII
Ungelöschter Kalkhydrat nach Zement nach Hydr. Trag­ Mischbinde­
Kalk nach EN 459-1 EN 197-1 schichtbinder nach mittel
EN 459-1 [90] [91] DIN 18506 [92]
Gemischtkörnige – – 4–10 4–10 4–10
Böden (GU,GT, SU,
ST, GU*, GT*, ST,
SU)

I
Gemischtkörnige 4–6 4–8 6–12 6–12 6–12
Böden (GT*, GU*,
ST*, SU*)
Feinkörnige Böden 4–6 4–8 7–16 7–16 7–16
(UL, UM, TL, TM,
UA, TA)

I
4.9.3 Anwendungsgebiete∕​ geplanten Boden-Bindemittel-Gemisch hergestellt
Anwendungsgrenzen werden können.
Die Anwendbarkeit unterschiedlicher Böden und Hinsichtlich der Mischbarkeit wird das Größtkorn
Bindemittel wurde bereits im Abschnitt 4.9.2 disku- i. Allg. mit ca. 150 mm angegeben, wobei dies kein

I
tiert. Bei einer geeigneten Behandlung kann Boden- absoluter Grenzwert ist, sondern wesentlich vom
material in Dämmen, für Deckschichten, im Stra- Mischwerkzeug abhängt. In [87] wird ausgeführt,
ßenbau oder anderen Teilen des Bauwerks verwen- dass sehr grobkörnige Böden mit einem Korndurch-
det werden, vorausgesetzt, es erfüllt die Anforde- messer > 70 mm für die Bodenstabilisierung mit-
rungen des Bauvorhabens. In der EN 16907-4 [86] tels Bindemittel eher ungeeignet sind, wobei für
sind die häufigsten Behandlungsprodukte (Binde- derartige Korngemische i.  Allg. keine Baugrund-
mittel) beschrieben und auch die für Bodenbehand- verbesserung erforderlich ist. Eine weitere Grenze

I
lungen anwendbaren Materialien (Boden, verwitter- der Einmischbarkeit ist durch den Anteil an Fein-
ter Fels etc.) näher spezifiziert. korn gegeben. Bei zu hohem Feinkornanteil (insbe-
sondere hohem Tonanteil) wird die homogene Ver-
Die typischen Einsatzbereiche der Bindemittel sind
mischung von Material und Bindemittel zunehmend
in der EN 16907-4 [86] wie folgt angeführt:
schwieriger. Oftmals kann durch mehrere Misch-
−− Kalk wird in der Regel zur Trocknung feuchter überfahrten oder auch die Variation der Drehge-

I
Materialien und∕​oder zur Verbesserung des Ge- schwindigkeit des Mischwerkzeugs auf einen höhe-
brauchsverhaltens von bindigen Materialien ren Feinkornanteil reagiert werden. Ein weiterer li-
verwendet. mitierender Faktor für die Anwendbarkeit einer
−− Hydraulische Bindemittel werden in erster Linie Bodenbehandlung ist durch den natürlichen Wasser-
für eine schnelle und wesentliche Verbesserung gehalt der anstehenden Materialien gegeben. Wäh-
des mechanischen Gebrauchsverhaltens von rend ein zu geringer Wassergehalt durch Beigabe
nichtbindigen Materialien eingesetzt. von Wasser im Mischprozess leichter kompensier-
I
bar ist, ist ein zu hoher Wassergehalt oftmals ein
−− Bei Vorhandensein von bindigen Materialien Ausscheidungsgrund für das Verfahren, da einer-
und in Abhängigkeit von der Anwendung dür- seits die Bearbeitbarkeit wie auch die zu erreichen-
fen Kalk und hydraulische Bindemittel zusam- den Zielgrößen (z. B. Mindestfestigkeit) mit wirt-
men verwendet werden, in einem zweistufigen schaftlichen Mengen an Bindemittel nicht mehr zu
Verfahren vor Ort oder in Form einer Vormi- bewerkstelligen sind.
schung, beispielsweise hydraulischem Trag-
I

schichtbinder. In [87] werden die Anwendungsgrenzen von Binde-


mitteln zur Bodenstabilisierung in Abhängigkeit der
Das Material bzw. der Boden selbst ist grundsätz- Korngrößenverteilung entsprechend dem Dia-
lich so lange verwendbar, solange es gelingt, mit gramm in Bild 59 angegeben.
dem zur Verfügung stehenden Mischwerkzeug eine
den Anforderungen entsprechend homogene Vermi- Weitere Einschränkungen der Anwendbarkeit der
schung zwischen Material und Bindemittel zu errei- Bodenbehandlung mittels Bindemittel können bei
I

chen und die gewünschten Eigenschaften mit dem organischen Böden oder sulfat- (Gips) oder sulfid-
788 Baugrundverbesserung

Bild 59. Anwendungs­
grenzen von Bindemitteln
nach [87]

haltigen (Pyrit) Böden gegeben sein [87]. Bei orga- alternativen Verfahren, wie Rütteltechniken, Ein-
nischen Böden kann es zu behinderten Zementreak- mischtechniken zur Erstellung von säulenartigen
tionen durch Huminsäuren kommen. Bei sulfat- Elementen o. Ä., der Vorzug zu geben. Hinsichtlich
oder sulfidhaltigen Böden kommt es zur Volumen- der Anwendungsgrenzen des Verfahrens, die eben-
zunahme während der Ettringitbildung, die zu einer falls als Nachteil gesehen werden können, wird auf
Verminderung der Festigkeitsentwicklung der Bo- die vorigen Abschnitte verwiesen.
den-Bindemittel-Gemische führen kann oder bei
einer Ettringitbildung zu einem späteren Zeitpunkt 4.9.5 Hinweise für die Planung und
massive Quelldrücke zur Folge haben kann [87]. Bemessung
Aus den genannten Gründen hat die Baugrunder-
kundung bzw. haben die im Zuge der Planung Grundlage für die Planung und Bemessung ist ei-
durchzuführenden Eignungsprüfungen die Beurtei- nerseits das vorliegende bzw. zur Verfügung stehen-
lung der Sulfat- und Sulfidgefährdung zu beinhal- de Bodenmaterial mit seinen spezifischen Eigen-
ten. schaften, wie z. B. dem natürlichen Wassergehalt,
und andererseits die Anforderungen an den Einbau
4.9.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des und den fertigen Erdbaukörper.
Verfahrens Die wesentlichen Zielgrößen der Planung sind die
Die Vorteile des Verfahrens liegen, wie bereits er- Festlegung des geeigneten Bindemittels und die Er-
wähnt, darin, dass ungeeignetes und oftmals an- mittlung der erforderlichen Bindemittelmengen,
sonsten zu entsorgendes Material durch Einmischen angegeben als prozentueller Anteil von Bindemittel
von Bindemitteln zu einem geeigneten Baumaterial zu Material (in M.-%). Weiterhin ist im Zuge der
umfunktioniert werden kann. Planung die Geräteausstattung (Mischgerät, Ver-
dichtungsgerät) zu bestimmen, darauf aufbauend
Dadurch findet keine Verschwendung von wertvol- die Schüttdicken, die Anzahl der Verdichtungsfahr-
len Ressourcen statt, LKW-Transporte für das Ent- ten etc. festzulegen und in weiterer Folge die detail-
sorgen und evtl. die Zufuhr von Material können lierte Qualitätskontrolle zu planen [86].
verringert werden, Deponievolumen und Deponie-
abgaben eingespart und in weiterer Folge Bauzeit Für die Planung von Bodenbehandlungen mit Kalk
und Baukosten optimiert werden. und∕​oder hydraulischen Bindemitteln sind im Vor-
feld Laborversuche (und mit Baubeginn Probefelder
Die Nachteile des Verfahrens liegen in erster Linie vor Ort) durchzuführen, um die Eignung von Binde-
darin, dass der gesamte zu behandelnde Boden (mit mitteln zu erproben und vor allem auch die erforder-
Ausnahme der Stabilisierung in der Einschnitts­ lichen Bindemittelmengen festzulegen. Bei den vor-
sohle) ausgehoben, behandelt und wieder eingebaut ab durchgeführten Laborversuchen werden im Zuge
werden muss. Das heißt, das Verfahren wird dann einer Eignungsprüfung an mehreren Boden-Binde-
unwirtschaftlich, wenn größere bzw. tiefere Aushü- mittel-Mischungen mit unterschiedlichen Bindemit-
be (und der Wiedereinbau des verbesserten Bodens) teldosierungen Proctorversuche durchgeführt, um
nur zum Zwecke der Verbesserung einer Boden- die Auswirkung der Bindemittelzugabe auf die Ver-
schicht erforderlich werden. In solchen Fällen ist dichtungsfähigkeit und den optimalen Wassergehalt
Grundverfahren 789

zu untersuchen [87]. An den hergestellten Probekör- Während der Ausführung ist der Wassergehalt des
pern werden sodann Druckprüfungen, i.  Allg. ein­ zu mischenden Bodens zu prüfen und bei deutlichen
axiale Druckversuche zur Beurteilung der zeitab- Schwankungen hat gegebenenfalls eine Anpassung
hängigen Festigkeitsentwicklung, sowie allenfalls der Bindemittelmengen zu erfolgen.
erforderliche zusätzliche Prüfungen (z. B. zur Beur-

VIII
teilung der Frostsicherheit) durchgeführt. Hinsicht- Zur Sicherstellung der geforderten Qualität des sta-
lich der detaillierten Vorgaben über Art und Um- bilisierten Erdkörpers ist auch darauf zu achten,
fang der erforderlichen (Vor-)Untersuchungen wird dass die stabilisierten Schichten vor Beschädigun-
auf die umfassende EN 16907-4 [86] verwiesen. gen durch Wasser (Oberflächenwässer oder Grund-
Ziel der Voruntersuchungen ist u. a. auch die Unter- wässer) geschützt werden. Hierfür sind einerseits
suchung des erforderlichen Bindemittelgehalts in eine Profilierung der Oberfläche wie auch ausrei-
Abhängigkeit des Wassergehalts. Da der Wasserge- chende Dränagegräben oder sonstige Entwässe-
halt während der Bauausführung räumlichen und rungsmaßnahmen vorzusehen. Umgekehrt ist aber

I
zeitlichen Schwankungen unterworfen ist bzw. sein auch darauf zu achten, dass keine schädliche Ver-
kann, muss vorab festgelegt werden, welcher Binde- dunstung während des Nachbehandlungsprozesses
mittelgehalt im Mischprozess einzustellen ist, um stattfindet, was z. B. durch Aufsprühen von Wasser
auf unterschiedliche Wassergehalte während der erzielt werden kann EN 16907-4 [86].
Ausführung reagieren zu können.
4.10 Injektionen
Mit Beginn der Bauarbeiten ist die Ausführung ei-

I
nes Probefelds vor Ort technischer Standard, im Die Injektion ist ein geotechnisches Verfahren zum
Rahmen dessen der Herstellungsprozess (Bindemit- Einbringen von pumpbarem Material in den Bau-
telrezeptur und Mischprozess) unter Baustellenbe- grund. Die Fließeigenschaften des Injektionsguts
dingungen getestet und der Verdichtungsprozess werden der Aufgabenstellung entsprechend ange-
festgelegt und optimiert wird. Über Feldversuche passt und der Einpressvorgang zumindest über die
(z. B. dynamische und statische Lastplatte) und an- Parameter Druck, Volumen und Durchflussrate ge-

I
hand von Laborversuchen von nach dem Einbau steuert. Injektionsanwendungen reichen über 200
entnommenen Bodenproben erfolgt die Qualitäts- Jahre zurück, die erste dokumentierte Anwendung
beurteilung des verbesserten Bodenkörpers. stammt aus dem Jahr 1802. Dieser Abschnitt soll
einen Überblick über gängige Injektionsanwendun-
In der Planungsphase sind auch mögliche umweltre- gen geben, ist aber nicht als Injektionshandbuch zu
levante Aspekte des Verfahrens zu berücksichtigen. verstehen. Für eine sehr ausführliche Beschreibung
Im Boden-Bindemittel-Gemisch kommt es je nach der Injektionstechnik wird z. B. auf [93] und [94]

I
Dosierung zu einer Erhöhung des pH-Werts, einer verwiesen. Sonderverfahren und -anwendungen wie
Erhöhung der elektrischen Leitfähigkeit und einer z. B. zur Rissbehandlung in Beton oder Druckstol­
Reduzierung der Durchlässigkeit (Beeinflussung len­injektion werden nicht beschrieben.
des Auslaugungsverhaltens) [87]).
Die Einteilung der Injektionen erfolgt hier in Anleh-
4.9.6 Überwachung und Qualitätssicherung nung an EN 12715:2000-10 [95] in Injektionen
in der Ausführung [86] mit∕​ohne Baugrundverdrängung (Bild 60).

I
Die Überwachungs- und Qualitätssicherungsmaß- Ziel der Injektionsverfahren ohne Baugrundver-
nahmen während der Ausführung entsprechen drängung ist es, die vorhandenen Poren im Boden
grundsätzlich jenen von klassischen Erdbaumaß- bzw. Klüfte oder Hohlräume im Festgestein aufzu-
nahmen. füllen, um die mechanischen und hydraulischen Ei-
Ein Fokus richtet sich auf die Überprüfung des Ver- genschaften zu verbessern.
I
dichtungserfolgs des Boden-Bindemittel-Gemischs. Injektionsverfahren mit Baugrundverdrängung zie-
Hierfür kommen klassische Verfahren, wie z. B. die len auf das Verdichten des die Injektion umgeben-
„Flächendeckende Dynamische Verdichtungskon­ den Baugrunds bzw. das Herbeiführen von (i. d. R.
trolle (FDVK)“ sowie punktweise Verdichtungs- vertikalen) Verschiebungen von Bauwerken ab.
kontrollen mit statischen und∕​ oder dynamischen
Lastplatten zum Einsatz. Durch zeitlich gestaffelte Die Grundlagen der Poreninjektion im Lockerge-
Prüfungen (statische und∕​ oder dynamische Last- stein und der Kluft- bzw. Kontaktinjektion im Fest-
I

plattenversuche) kann die Zunahme der Steifigkeit gestein, subsummiert unter dem Begriff Eindringin-
über die Zeit erfasst werden. jektion, werden in Abschnitt 4.10.1 beschrieben.
Werden Vorgaben über die zu erreichende Festig- Abschnitt 4.10.2 gibt einen Überblick über Verdich-
keit des Mischguts (nach einer bestimmten Zeit) tungsinjektionen und Hohlraumverfüllung, bezüg-
gemacht, können diese durch entnommene Proben lich der Aufreißinjektionen (Injektionen mittels hy-
im Labor (z. B. einaxialer Druckversuch) überprüft draulischer Rissbildung) wird auf Abschnitt 4.10.3
I

werden. verwiesen.
790 Baugrundverbesserung

Bild 60.  Einteilung der Injektion


nach Wirkung in Anlehnung an
EN 12715 [95]

Es kommt eine große Bandbreite an Injektionsmate- Injektionstätigkeit angegeben. Für die Durchfüh-
rialien zum Einsatz. Diese reichen von sehr steifen rung der Injektionen können für alle Bodenarten
Mörteln für Verdichtungsinjektionen bis hin zu che- Manschettenrohre, für sehr grobkörnige Böden
mischen Lösungen zum Imprägnieren von engsten auch Injektionen über Bohrgestänge oder Lanzen
Porenräumen. und für sehr feinkörnige Böden Injektionsrohre mit
offenem Ende verwendet werden. Eindringinjektio-
Mögliche Bestandteile eines Injektionsguts sind: nen sind vorwiegend in grobkörnigem Material und
−− Sande, Kiese und Füllstoffe, eingeschränkt in feinkörnigem Material möglich.
−− Tone, Zur Steuerung der Injektionsmaßnahmen werden
für einfache Anwendungen wie Verdichtungsinjek-
−− hydraulische Bindemittel und Zemente, tionen z. B. Injektionsdruck, -menge und Durchfluss
−− Wasser, verwendet. Ist das Aufreißen des Bodens zu verhin-
−− chemische Produkte und andere Stoffe. dern, ist zusätzlich der Aufreißdruck zu ermitteln
und die Injektion unterhalb dieses Drucks durchzu-
Diese werden zu Mörtel, partikulären oder kolloida- führen. Für Verdrängungsinjektionen werden darü-
len Suspensionen bzw. echten oder kolloidalen Lö- ber hinaus noch zusätzlich Kriterien wie Verfor-
sungen verarbeitet (Bild 61). mung am Bauwerk miteinbezogen.
Bei der Wahl des Injektionsguts ist neben den Im Festgestein wird zwischen Anwendungen für
­eigentlichen Eigenschaften auch auf die Verarbeit- diskrete und diffuse Klüfte und Trennflächen unter-
barkeit und die Reaktionszeit im Baugrund zu schieden. Injektionstechnisch wird i. d. R. auf Fels­
achten. Weiterführende Informationen zu diesem
­ injektionsrohre („Multiple Packer Sleeve Pipes“)
Thema sind in [96] zu finden. Rheologisch wer- zurückgegriffen, der Verpressvorgang erfolgt über
den  Newton’sche und Bingham’sche Fluide unter- Einfach- oder Mehrfachpacker. Die Injektionsstrate-
schieden. Newton‘sche Flüssigkeiten wie Wasser gien unterscheiden prinzipiell Einfach- und Mehr­
zeichnen sich durch ein proportionales Schubspan- fachinjektionen sowie Injektionsreihenfolgen be-
nungs-​Schergeschwindigkeitsverhältnis aus. Bing- ginnend vom Bohrlochmund oder tiefsten Punkt.
ham’sche Flüssigkeiten, zu denen die meisten parti- Die Wahl erfolgt u. a. in Abhängigkeit der Stabilität
kulären Injektionsmischungen und Suspension ge- des Gebirges.
hören, besitzen hingegen eine Kohäsion, die über-
wunden werden muss, damit das Injektionsmittel Die Beurteilung der Durchlässigkeit vor bzw. nach
fließt. der Maßnahme erfolgt über den sogenannten Lu-
geon-Versuch. Der Lugeon-Wert misst die ver­
Eine Übersicht über Injektionen ist in [93] oder [97] presste Wassermenge pro Meter in einer Minute bei
zu finden. Die daraus entnommene Tabelle 9 unter- 10 bar Druck. Die Injektionssteuerung erfolgt über
teilt in Injektionen in Locker- und Festgestein. Im Energie bzw. Sättigungskriterien, wobei eine
Lockergestein wird zwischen fein- und grobkörni- Druckbegrenzung erforderlich sein kann, wenn das
gen Böden unterschieden. Zur Orientierung sind weitere Aufreißen von Klüften vermieden werden
auch Durchlässigkeitsbeiwerte für den Boden vor soll.

Bild 61.  Einteilung des Injektions-


guts nach EN 12715 [95]
Grundverfahren 791

Tabelle 9.  Übersicht über gebräuchliche Injektionsverfahren nach [93]


Typ Boden
feinkörnig grobkörnig

VIII
Injektions­ Bohrgestänge und Lanzen
einbringung
perforierte Rohre
Manschettenrohre
Offenes Injektionsrohr
System Verdrängung Penetration

I
Injektions­ Silicat∕​Acryl
mischungen
Feinstbindemittel
Bentonit∕​Zement
Mörtel

I
kf-Wert 10.E-6 10.E-5 10.E-4 10.E-3 10.E-2 10.E-1
(unbehandelt)
Injektions- Energie- und Mengen- und
parameter Verformungskriterien Druck­
begrenzung

I
Typ Fels
diffuse Risse, Kakirit diskrete Klüfte
gebräch∕​instabil stabiler Fels instabil
Öffnungen Felsinjektionsrohre

I
Einfach-∕​Doppelpacker
System Mehrphaseninjektion aufsteigend Mehrphaseninjektion
Aufreißinjektion Penetrationsinjektion
Injektions­ Acryl∕​Epoxy

I
mischungen
Feinstbindemittel
Portlandzement
Mörtel
Lugeon-Wert 1 5 10 25 50 >>100
(unbehandelt)
I

Injektions­ Energie- und Sättigungskriterium Druckbegrenzungen∕​ Energiekriterium


parameter
„Split spacing“-Method, „inside-outwards“ oder „outside-inwards“
I

4.10.1 Eindringinjektionen Für den Einsatz im Lockergestein werden regelmä-


ßig Rammlanzen und Manschettenrohre verwendet,
4.10.1.1 Technische Verfahrensbeschreibung
letztere vor allem bei Mehrstufeninjektionen.
Eindringinjektionen haben das Ziel, Poren in Böden
bzw. Klüfte etc. in Fels mit Injektionsgut zu imprä-
gnieren. Zu den Injektionsverfahren wird auf Ta­
I

belle 9 verwiesen.
792 Baugrundverbesserung

4.10.1.2 Wirkungsweise (bodenmechanische Entsprechend ist die Durchlässigkeit einer ideali-


Betrachtung) sierten Trennfläche wie folgt beschrieben:
Poreninjektionen werden vorwiegend zur Durchläs-
sigkeitsverringerung und Festigkeitserhöhung her- Q g ​​(α ​ ​  i​​)​​​  2​ 2 ​α​  i​​ 2 ​α​  i​​
​​ν​  f​​ = ​ _  ​  = ​ _  ​    ⋅ ​ _  ​   ⋅ l = ​k​  t​​  ⋅ ​ _  ​   ⋅ l 
angezogen. Mit dem kontrollierten Einpressvorgang A 12ν d d
soll das Injektionsgut die zugänglichen Poren fül- = ​k​  T​​  ⋅  l​ (8)
len, ohne die Matrix zu zerstören (Bild 62). Zur Be-
schreibung des Fließverhaltens wird das Darcy Ge- Dabei ist
setz verwendet. Es beschreibt eine zum hydrauli-
schen Gradienten (I = ∆h∕​l) proportionale Fließge- ​g​ Erdbeschleunigung [m∕​s2]
schwindigkeit vf.
​ν​ kinematische Viskosität [m2∕​s]
Bei der Kluftinjektion sollen offene Klüfte, Risse
und Spalten aufgefüllt werden (Bild 63). Auch hier ​2 ​α​  i​​​ Öffnungsweite der Kluft [m]
ist injektionstechnisch sicherzustellen, dass durch
den Verpressvorgang keine neuen Wegigkeiten ge- ​L​ durchströmte Länge [m]
schaffen werden. Die Kluftwasserbewegung unter- ​Q​ Fließrate [m3∕​s]
scheidet sich wesentlich von der Strömung im Bo-
den. Sie ist von der Geometrie und Beschaffenheit ​​k​  t​​​ Durchlässigkeitsbeiwert [m∕​s]
wie Füllung, Oberflächenrauigkeit etc. der zusam-
menhängenden Trennflächen bestimmt. ​d​ mittlerer Kluftabstand [m]

Bild 62.  Bodenhydraulisches Modell


für Poreninjektion nach [98, 99]
(aus [100])

Bild 63.  Felshydraulisches Modell für


Kluftinjektion nach [98, 99] (aus [97])
Grundverfahren 793

4.10.1.3 Anwendungsgebiete∕​ 4.10.1.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des


Anwendungsgrenzen Verfahrens
Eindringinjektionen werden z. B. zur Abdichtung Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass der
von Baugruben oder zur Herstellung von Dichtwän- Einsatz von Suspension auf körnige Böden begrenzt

VIII
den für Dämme eingesetzt. Sonderanwendungen ist (Bild  65). Dies begründet sich hauptsächlich
gibt es z. B. im Bereich der Ringraumverpressung durch das limitierte Eindringverhalten der Binde-
für Druckrohrleitungen. mittelpartikel in die Poren. Zur Beurteilung der
Injizierbarkeit wird u. a. in [100] das Verhältnis
­
Ein Anwendungsbeispiel für ein Dichtschirmpro-
D15, Boden (Siebdurchgang von 15 % der Bodenparti-
jekt ist in [100] beschrieben. Für ein Hochwasser-
kel) zu d85,suspension (Siebdurchgang von 85 % der
rückhaltebecken mit einem Fassungsvermögen von
Suspensionskörnung) herangezogen.
191000 m3 am Lankowitzbach in Österreich wurde
unter einer 6  m mächtigen Überlagerungsschicht Bei einem Verhältnis von N = D15, Boden∕​

I
stark zerklüfteter Fels aufgeschlossen. Aufgrund d85,suspension > 24 gilt der Boden als penetrierbar
der hohen Durchlässigkeit mit bis zu 250 Lugeon (N-Kriterium). Folglich ist die Verwendung von
war ein hohes Erosion- und hydraulisches Grund- Normalzementen auf schwach sandige Kiese und
bruchrisiko gegeben. Zur Reduktion der Durchströ- die von Feinstbindemitteln auf Grobsande einge-
mung unterhalb der Aufstandsfläche wurde ein 15 schränkt. Selbst bei einem geringen Feinkornanteil
bis 25 m tiefer Dichtschirm angeordnet. Die Injekti- kann der Injektionserfolg stark reduziert sein.

I
onsrohre wurden dreireihig im Abstand von 1,5 m
Kluft-∕​Rissweiten im Fels von größer als 50  μm
installiert, der Abstand zwischen den einzelnen
können mit entsprechenden Bindemittel verpresst
Rohren betrug ebenfalls 1,5 m. Als Ergebnis der In-
werden.
jektion wurde der Lugeon-Wert auf Lu < 5 redu-
ziert (Bild 64).

I
I
Bild 64.  Injektionsschleier für Hochwasserrückhaltebecken

I
I
I
I

Bild 65.  Anwendungsbereiche verschiedener Injektionsverfahren


794 Baugrundverbesserung

4.10.1.5 Hinweise für die Planung und auch aufgezeichnet werden müssen, gibt es eine
Bemessung Vielzahl von Kriterien, die projektspezifisch einzu-
halten sind. Da ihre Diskussion nicht im Rahmen
Die EN 12715 [95] gibt Hinweise zum Einsatz ver- dieses Beitrags erfolgen kann, wird auf Literatur-
schiedener Injektionsmittel für körnigen Boden so- stellen verwiesen [101].
wie klüftiges Gebirge und künstliche oder natürli-
che Hohlräume.
4.10.2 Verdichtungsinjektionen
Im Zuge der Aufschlusskampagne ist es erforder-
lich, die physikalischen und chemischen Eigen- 4.10.2.1 Technische Verfahrensbeschreibung
schaften des Baugrunds zu kennen, da die Wahl des Verdichtungsinjektionen (Kompaktionsinjektionen,
geeigneten Injektionsguts und -verfahrens maßgeb- engl. „Compaction grouting“) nach EN 12715 [95]
lich von den gegebenen Bedingungen abhängt. Soll- bezeichnen Injektionen mittels Mörtel mit hoher in-
ten die Projektrandbedingungen nicht durch Erfah- nerer Reibung, die den Zweck verfolgen, den Bau-
rungen aus anderen Projekten abgedeckt sein, ist es grund zu verdrängen und in der Folge zu verdichten,
dringend anzuraten, das Injektionsprogramm vorab ohne ihn aufzureißen. Die Ursprünge des Verfah-
über Injektionsversuche – idealerweise im Feldver- rens gehen auf die 1950er-Jahre in den USA zurück.
such – zu untersuchen und festzulegen. Ist dies nicht Hochviskose Mörtel wurden anfänglich zur Auffül-
möglich, empfiehlt es sich, entsprechende Versuche lung von Hohlräumen verwendet, bald darauf wurde
zu Beginn der Bauausführung nachzuholen. Drin- die Verdrängungswirkung von Graf [102] beschrie-
gend empfohlen wird das Hinzuziehen von injekti- ben. In weiterer Folge wurde das Verfahren zum
onserfahrenen Experten. Grundsätzlich sollte bei Heben von Bauwerken eingesetzt. In den USA ist
Injektionsprojekten die Möglichkeit bestehen, tech- der Oberbegriff „Low Mobility Grout(ing) LMG“
nisch und vertraglich auf regelmäßig auftretende üblich. Dieser beschreibt die wesentliche Eigen-
Änderungen flexibel reagieren zu können. schaft des Injektionsmörtels und umfasst die Berei-
Vor dem Einsatz von Injektionsmitteln, insbesonde- che Hohlraumverfüllung und Verdichtungsinjek­
re von chemischen Komponenten, sind umwelttech- tion. Entsprechend dem ASCE Consensus guide
nische Untersuchungen zu veranlassen. [103] wird der Begriff „Compaction grouting“ aus-
schließlich dann verwendet, wenn die Verdichtung
4.10.1.6 Überwachung und Qualitätssicherung des Bodens beabsichtigt wird.
Die Überwachung der Injektionsarbeiten erfolgt Wesentliche Voraussetzung für die Verdichtungsin-
hinsichtlich des Injektionsguts und des Verpressvor- jektion ist das korrekte Design des Mörtels. Ein ty-
gangs. pischer Mörtel ist in Bild 66 dargestellt. Das Mate-
rial muss den Anforderungen hinsichtlich der
Die Qualitätssicherung des Injektionsguts erfolgt Pumpbarkeit sowie der Verdrängbarkeit des Bau-
regelmäßig anhand folgender Parameter: grunds genügen. Der Mörtel setzt sich üblicher­
−− Viskosität über Marsh-Trichter oder Viskosi­ weise aus Zement, Gesteinskörnung (vorwiegend
meter∕​Rheometer, schwach schluffiger Sand) und Wasser zusammen.
Die Gewichtsanteile liegen typischerweise bei 60
−− Dichte,
−− Bluten, Sedimentation,
−− Abbinde-, Aushärtungsverhalten,
−− Festigkeit und Spannungs-Dehnungsverhalten.
Darüber hinaus werden weitere Parameter zu
Kohäsion, Fließgrenze, Erosionsverhalten, Synä­
rese u. a. bestimmt. Eine Übersicht ist in [95] ent-
halten.
Beim Verpressvorgang selbst werden der Injekti-
onsdruck, die Durchflussmenge und das verpresste
Volumen pro Injektionspunkt und Pumpe aufge-
zeichnet. Die Druckaufzeichnung erfolgt i. d. R. an
den Injektionspumpen oder in der Nähe des Bohr-
lochmundes. Die Bestimmung der Injektionsmenge
kann mittels Durchflussmengenzähler oder in Aus-
nahmefällen über die Anzahl der Kolbenhübe ge-
schehen.
Neben den oben genannten Parametern, die in je-
dem Fall zur Injektionsteuerung verwendet und Bild 66.  LMG-Mörtel für Verdichtungsinjektion
Grundverfahren 795

bis 70 % Sand, 20 bis 25 % Feinanteil und 10 bis richtung angehoben. Typische Schritte sind 0,3 bis
15 % Wasser. Die Verwendung von Zusätzen wie 1,0 m.
Bentonit ist prinzipiell möglich, der Anteil soll je-
doch gering sein, damit die innere Reibung des Verdichtungsinjektionen werden in Primär- und Se-
Mörtels nicht zu stark herabgesetzt wird. Wird das kundärraster (ggf. Tertiärraster) durchgeführt, um

VIII
Ziel der reinen Hohlraumverfüllung verfolgt, kön- das geforderte Verdichtungsergebnis zu erzielen.
nen oben genannte Richtwerte abgeändert werden. Typische Punktabstände liegen bei 1 bis 3 m, sind
aber von Bodeneigenschaften, Tiefe und Verdich-
Die Arbeitsschritte bei Verdichtungsinjektionen tungsziel abhängig.
sind (Bild 67):
−− Positionieren des Bohrgeräts, 4.10.2.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
−− Abteufen der Bohrung bis zur Endteufe, Betrachtung)

I
−− Verpressen des Mörtels, Die Wirkungsweise der Verdichtungsinjektion be-
−− stufenweises Ziehen des Bohrgestänges. ruht darauf, dass der verpresste Mörtel mit gerin-
gem Absetzmaß (steife bis plastische Konsistenz) in
Zum Abteufen der Bohrung können Bohrgeräte, den Boden eingepresst wird und aufgrund seiner
aber auch einfache Rammen verwendet werden. In Eigenschaften ausreichende Stabilität aufweist, um
der Regel werden Verdichtungsinjektionen von der den anstehenden Baugrund zu verdrängen. Bei kor-
Endteufe beginnend nach oben fortschreitend

I
rekter Anwendung kommt es zu keinem Aufreißen
durchgeführt (Bild 67). Es ist darauf zu achten, dass des Bodengefüges.
sich kein signifikanter Ringraum zwischen dem
Rohr und dem umgebenden Boden ausbildet, um
Umläufigkeiten des Mörtels zu vermeiden. 4.10.2.3 Anwendungsgebiete∕​
Anwendungsgrenzen
Das Verpressen des Mörtels erfolgt mit speziellen
Pumpen mit maximalen Drücken von 80 bar. Pump­ Die Anwendung von Verdichtungsinjektion kann in

I
raten betragen bis 150 l∕​min. Nach dem Verpressen einem breiten Bodenspektrum erfolgen. Besonders
wird das Gestänge mittels Bohrgerät oder Ziehvor- eignet sich das Verfahren in rolligen, weitgestuften

I
I
I

1 Einbau des Injektions­ 2 Verdichtungsinjektion 3 Schrittweise Verdichtung


rohrs Der in der Mischanlage aufbereitete In- Um eine gleichmäßige Verdichtung des
Das Injektionsrohr wird je jektionsmörtel wird über eine spezielle Baugrunds zu erzielen, werden die Injek-
nach Baugrund und Bauauf­ Injektionspumpe mit Druck in den Bo- tionen zunächst in einem groben Primär-
I

gabe mit einem Bohrgerät den eingepresst. Beim schrittweisen Zie- raster ausgeführt, welches nachfolgend
oder einer Ramme abgeteuft. hen oder Abteufen des Gestänges wird durch ein Sekundärraster weiter verdich-
eine Reihe von einzelnen, übereinander- tet werden kann.
liegenden Injektionskörpern hergestellt,
die zusammen säulenartige Elemente er-
geben.
I

Bild 67.  Prozessschritte Verdichtungsinjektionen


796 Baugrundverbesserung

Bild 68.  Anwendungsspektrum Verdichtungs­


injektionen nach [104]

Böden und Böden mit geringem Wassergehalt [104] von Bauwerksteilen verwendet (Bild  69). Darüber
(Bild 68). hinaus gibt es ein großes Einsatzgebiet im Zusam-
menhang mit Maßnahmen gegen Bodenverflüs­
Weniger oder gar nicht eignet es sich in wasserge-
sigung. Hier kommt dem Verfahren besondere
sättigten Fein- und Mittelsanden sowie in bindigen
Bedeutung zu. Bild  70 zeigt das Ergebnis der
­
Böden mit hohem Wassergehalt. Hier besteht das
Drucksondierung vor und nach Ausführung der
Risiko von Porenwasserüberdrücken, die zu einer
Verdichtungsinjektionen sowie die „Cyclic Stress∕​
Destabilisierung des Korngefüges führen.
Resi­stance Ratio CSR und CRR“. Durch die Ver-
Verdichtungsinjektionen werden für Hohlraumver- dichtung kommt es zu einer deutlichen Erhöhung
füllungen, (Nach-)Gründungen und das Anheben der Sicherheit gegen Bodenverflüssigung und damit

Bild 69.  Anwendungsgebiete Verdichtungsinjektionen


Grundverfahren 797

VIII
I
Bild 70.  Vergleich der
Dichte vor∕​nach Durch­

I
führung der Injektionen
mittels CPT-Versuch und
Reduktion der Verflüssi-
gungs- und Setzungsrisikos

I
einhergehend der Reduktion der erwarteten Setzung 4.10.2.6 Überwachung und Qualitätssicherung
im Erdbebenfall.
Bei Verdichtungsinjektionen werden die Injektions-
parameter sowie die Eigenschaften des Mörtels
4.10.2.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des überwacht. Durch die Überwachung der Injektions-
Verfahrens drücke kann die konforme Ausführung dokumen-
tiert werden. Beim Auftreten von Druckanomalien

I
Verdichtungsinjektionen sind sehr robuste Bau- sind die Ursachen zu ergründen. Darüber hinaus
grundverbesserungsverfahren. In den passenden sind die Verformungen an der Oberfläche bzw. an
Böden eingesetzt lassen sich sehr wirtschaftliche Bauwerken im Einflussbereich zu überwachen.
Lösungen ausführen. Sie sind auch unter sehr be-
engten Platzverhältnissen durchführbar.
4.10.3 Aufreißinjektionen
Die Planung der Maßnahmen erfolgt vielfach basie-

I
rend auf Erfahrungswerten unter ähnlichen Verhält- 4.10.3.1 Technische Verfahrensbeschreibung
nissen. Die Arbeitsschritte bei Aufreißinjektionen sind in
(Bild 71) dargestellt:
4.10.2.5 Hinweise für die Planung und
Bemessung −− Abteufen der Bohrung bis zur Endteufe,
−− Installation des Injektionsrohrs mit Mantelmi-
In einem vereinfachten Ansatz kann die Dichteän-
I
schung,
derung, die durch das Einbringen der geforderten
Injektionsmengen erzielt wird, betrachtet werden. −− Mehrfachinjektionen unter Erzeugung von Ris-
Das Zugabematerial beträgt typischerweise 5 bis sen im Boden mit Reinigung des Injektionsrohrs
15 % des behandelten Bodenvolumens. Das Mör- zwischen den einzelnen Injektionsgängen.
telelement wird in der Bemessung nicht notwendi- Zur Ausführung der Injektionen werden i. d. R.
gerweise berücksichtigt. Manschettenrohre, sogenannte „Tube a Manchettes
I

(TAMs)“, verwendet.
Zur Bemessung von komplexen Anwendungen
kann die FE-Methode herangezogen werden [105]. 4.10.3.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
Dies ermöglicht es, sowohl den Verdichtungseffekt Betrachtung)
im Boden als auch den Einfluss des steifen Elements
zu modellieren. Dabei ist darauf zu achten, dass die Bei der Aufreißinjektion ist das Ziel, auf kontrol-
großen Verformungen im numerischen Modell kor- lierte Weise Risse begrenzter Ausdehnung („fracs“)
I

rekt abgebildet werden. mittels Suspensionen mit relativ niedriger Viskosi-


798 Baugrundverbesserung

Bild 72.  Injektionstechnisch erzeugte „Fracs“ im Boden

tät zu erzeugen. Der Injektionsdruck muss ausrei-


chend hoch gewählt werden, um die Festigkeit, d. h.
Kohäsion∕​ Kontaktdruck zwischen Partikeln des
Bodens zu überwinden. Sobald der Boden aufge-
brochen ist, wird der Riss mit der Suspension gefüllt
(Bild 72).
Bei geschichtetem Untergrund herrschen Risse ent-
lang der Schichtungsebene vor. Wenn der Boden
homogen ist, entwickelt sich der Bruch mehr oder
weniger entlang der Ebene der kleinsten Hauptspan-
nung, die die geringste Festigkeit im Boden dar-
stellt. Dieses Modell wurde im Wesentlichen aus
dem Verhalten abgeleitet, das in homogenen Böden
beobachtet wurde. Daher dominieren horizontale
Risse unter überkonsolidierten Bodenbedingungen.
Für normal konsolidierte Böden entwickeln sich an-
fänglich vorwiegend vertikale Risse, die eine seitli-
che Verschiebung des angrenzenden Bodens und
damit eine Erhöhung der horizontalen Spannung
bewirken. Wenn die Injektionen nach dem Abbin-
den und Aushärten der Suspension in mehreren,
aufeinander folgenden Phasen fortgesetzt werden,
verstärken weitere Injektionen den Anstieg der seit-
lichen Spannung, bis die horizontale Spannung der
vertikalen Spannung entspricht (Bild 73). Die Ori-
entierung der Risse wird dann vorwiegend horizon-
tal.

4.10.3.3 Anwendungsgebiete∕​
Anwendungsgrenzen
Aufreißinjektionen können als Kompensationsin-
jektionen zur Korrektur von Setzungen verwendet
werden [106]. Dabei können die Setzungen durch
das Auffahren von Hohlräumen oder im Zuge von
Bodenaushub entstehen (Bilder 74 und 75). Diese
können aber auch durch nicht ausreichend dimensi-
onierte Gründungen verursacht werden. Anwen-
dungsbeispiele werden in [107] und [108] beschrie-
ben. Kompensationsinjektionen können alternativ
durch Verdichtungsinjektionen (s. Abschnitt 4.10.2)
Bild 71.  Verfahrensschritte – Aufreißinjektionen nach erzielt werden, dieser Ansatz wird vorwiegend in
dem Soilfrac-Verfahren den USA verwendet.
Grundverfahren 799

VIII
Bild 73. Manschettenrohrinjektion

I
I
I
I
Bild 74. Kompensationsinjektionen
für Tunnelbau

I
I

Bild 75. Kompensationsinjektionen
für Gründungskorrekturen
I

4.10.3.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des


Genauigkeit hängt von verschiedensten Einflussfak-
Verfahrens
toren wie Überbauung, Zugänglichkeit für Bohrge-
Kompensationsinjektionen können praktisch in al- räte, geforderte Setzungslimitierung, verfügbares
len Arten von Böden (auch bei hohen organischen Budget usw. ab. Durch die teilweise aufwendige
I

Anteilen) durchgeführt werden. Die dabei erzielte Bohr- und Injektionssteuerungstechnik ist es in der
800 Baugrundverbesserung

Bild 76.  Bestimmung des


Injektionsvolumens aus
­Setzung(sprognose) und
Hebungsziel

Regel eine aufwandsintensive Lösung vor allem in


bebauten Gebieten.

4.10.3.5 Hinweise für die Planung und


Bemessung
Als erster Schritt der Planung von Kompensations-
injektionen ist eine Beurteilung des Deformations-
bilds erforderlich. Im Zuge von Tunnelbaumaßnah-
men werden dazu Setzungsberechnungen für ver-
schiedene Szenarien vorgenommen. Als wichtiger
Eingangsparameter wird der sogenannte „Volume
Loss“, das durch den Tunnelvortrieb entstehende Bild 77.  Beispiel einer Anordnung der Manschetten­
Deformationsvolumen, angesetzt. Daraus ergibt rohre unter einem Bauwerk
sich eine räumliche und, über die Vortriebsge-
schwindigkeit, auch zeitliche Verteilung der Set- dem Volumen (Vinj), das in einen bestimmten be-
zungen. handelten Boden injiziert wird. Der Wert hängt von
Auf Basis der ermittelten Deformation ist die Bean- den Bauwerkslasten, den Bodeneigenschaften und
spruchung der Bausubstanz im Einflussbereich zu den Injektionsparametern sowie von der Auswahl
beurteilen. Aus der maximal zulässigen Beanspru- der Fläche ab.
chung ergeben sich die zulässigen Verformungen, ​V​  h​​
die entsprechend einer gewissen Schadenklasse als ​GEF  = ​ _  ​​   (9)
kompatibel angesehen werden. ​V​  inj​​
Mit Festlegen der tolerierbaren Deformationen er- Der Effizienzfaktor beinhaltet nicht die Vorbehand-
mittelt sich der Injektionsbedarf basierend auf der lungsvolumina zur Porenauffüllung etc. Richtwerte
Setzungsprognose (Bild  76). Dieses theoretische dafür werden in Tabelle 10 angeführt.
Injektionsvolumen ist durch einen Hebungseffizi-
Aus obigen Überlegungen leitet sich die Verteilung
enzfaktor GEF zu korrigieren. Aus dem Setzungs-
der Injektionsrohre im Bild 77 beispielhaft ab. Auf-
bild leitet sich auch die Verteilung der Manschetten-
grund der genauen Kenntnisse der Bodenverhält­
rohre ab (Bild 77).
nisse wurde im Zuge der Planung die Austeilung
Dieser Faktor ist das Verhältnis zwischen dem an der Manschettenrohrfächer auf einen Teilbereich
der Oberfläche messbaren Hubvolumen (Vh) und des Bauwerks beschränkt. Es sei darauf hingewie-
sen, dass dies der Ausnahmefall ist, da eine Set-
zungskompensation nur im Bereich der Injektions-
Tabelle 10.  Richtwerte für Hebungseffizienz­ rohre möglich ist. Im Falle einer nicht korrekten
faktoren für Bodengruppen Beurteilung des Setzungsbilds würde dies zu Schä-
den führen.
Boden Richtwerte GEF
[%] 4.10.3.6 Überwachung und Qualitätssicherung
in der Ausführung
Sande und Kiese 5–15
Zusätzlich zur Überwachung der Injektionsparame-
Schluffe 15–25 ter ist die Beobachtung der Verformungen an den
weiche Tone < 10 Bauwerken zwingend erforderlich. Dies erfolgt in
Abhängigkeit der Anforderungen. Regelmäßig
steife Tone 10–20 kommt dabei ein Schlauchwaagensystem, das nach
halbfeste Tone 15–25 dem Prinzip von kommunizierenden Gefäßen funk-
tioniert, zum Einsatz (s. Bild 78).
Grundverfahren 801

VIII
Bild 78.  Messprinzip von Schlauch­
waagen

I
4.11 Künstliche Bodenvereisung werden koaxiale Gefrierrohre verwendet, die aus
einer inneren Speiseleitung und einer äußeren
Die künstliche Vereisung von wassergesättigten Bö- Rückleitung bestehen.
den ermöglicht es, über die Vereisungsdauer me-
chanisch feste und wasserdichte Körper herzustel- Bei der Solevereisung wird die nicht gefrierende
len. Die Patentierung [109] und erste Anwendungen Flüssigkeit in einer Kältemaschine abgekühlt und

I
gehen auf das Ende des 19. Jahrhunderts zurück. über das innere Speiserohr in den Boden gepumpt.
Die Vorlauftemperaturen betragen dabei −25 bis
4.11.1 Technische Verfahrensbeschreibung −40 °C. Im geschlossenen Kreislauf wird die Sole
über die äußere Leitung wieder der Kältemaschine
Die Wirkungsweise der Bodenvereisung beruht auf zugeführt, wo sie abgekühlt wird. Als Kühlwasser
dem Gefrieren des Porenwassers durch Wärmeent- werden in der Regel wässrige Chlor∕​Kalzium- oder
zug mittels Einbringen eines kalten Fluids. Als Käl- Chlor∕​Magnesium-Lösungen verwendet. Mittels

I
temedium kommen entweder Sole (Lauge) oder Solevereisung lassen sich Frostkörpertemperaturen
flüssiger Stickstoff zum Einsatz. Zum Einbringen von T= −10 bis −20 °C realisieren.

I
I
I
I
I

Bild 79.  Prinzip der Solevereisung mit Kältemaschine


802 Baugrundverbesserung

Bild 80.  Kältemaschinen mit Vereisungsleitungen Bild 82.  Ausströmen des gasförmigen Stickstoffs

Der Aufwand für das Installieren und Betreiben der


Kältemaschine ist erheblich. Die Rohrverbindungen
müssen 100 %ige Dichtigkeit aufweisen, um ein
Ausströmen des Kältemediums in den Untergrund
zu verhindern. Bild 80 zeigt mobile Kältemaschinen
sowie die Rohrleitungsverbindungen mit den Ge-
frierrohren im laufenden Betrieb.
Bei der Stickstoffvereisung wird flüssiger Stickstoff
mit Temperaturen um −196 °C zum Wärmeentzug
herangezogen. Dieser wird mit speziellen Tankwa-
gen angeliefert und in Behältern auf der Baustelle
gespeichert. Alternativ kann die Einspeisung des
Flüssigstickstoffs direkt über das Tankfahrzeug er-
folgen. Durch das Einströmen des Stickstoffs in die
Gefrierrohre kommt es zum Wärmeentzug im Bo-
den, der Stickstoff verdampft unter ca. 700-facher
Volumenvergrößerung und entweicht gasförmig
über die oben offenen Gefrierrohre (Bilder 81 und
82). Im Flüssigstickstoffverfahren werden Frostkör-
pertemperturen von ca. T= −20 bis −30 °C er-
zeugt.
Aufgrund der sehr niedrigen Temperaturen des
Flüssigstickstoff ergeben sich deutlich geringere
Zeiten für das Auffrieren von Bodenkörpern als bei
der Solevereisung. Da die Stickstoffvereisung weit-
aus teurer als die Solevereisung ist, wird sie in der
Regel für Vorhaben kurzer Dauer oder in Kombi­
nation mit der Solevereisung (während der Halte­
phase) verwendet.
Bild 81.  Prinzip der Stickstoffvereisung
4.11.2 Wirkungsweise (bodenmechanische
Betrachtung)
In der Kältemaschine zirkuliert in einem getrennten
Verdampfer-Kompressor-Kreislauf ein Kältemittel, In wassergesättigten Böden kommt es beim Unter-
in der Regel auf Ammonium- oder Kohlendioxidba- schreiten des Gefrierpunkts des Porenwassers zur
sis. Der gesamte Kreislauf ist in Bild 79 dargestellt. Eisbildung. Ausgehend von der künstlich reduzier-
Grundverfahren 803

ten Temperatur an der Außenwand des Gefrierrohrs Als Umkehrung des Prozesses kommt es beim Auf-
und dem durch den Temperaturgradienten beding- tauen zur Bildung von Porenwasser mit der damit
ten Transport von Wasser in Richtung der gefrore- einhergehenden Volumenverkleinerung. Ist ein Vo-
nen Bereiche breitet sich im Fall von stationären lumenausgleich durch Wasserzustrom möglich, er-
Grundwasserverhältnissen eine radiale Gefrierfront geben sich keine Verformungen. Insbesondere in

VIII
aus. Durch entsprechende Anordnung der Gefrier- feinkörnigen Böden können jedoch bleibende Ver-
rohre im Raster entsteht bei ausreichender Kältemit- formungen entstehen.
telzufuhr in weiterer Folge eine Überlappung der
Wenn es im Zuge der Eisbildung zu Änderungen
einzelnen Frostkörper, sodass sich ein geschlosse-
des Bodengefüges kommt, kann die Durchlässigkeit
ner Frostkörper ausbildet. Zur Erhaltung des vereis-
höher als im unbehandelten Boden sein.
ten Bodenkörpers ist eine konstante oder intermit-
tierende Kältezufuhr über die Vereisungsdauer er-
forderlich. Eine detaillierte Beschreibung des Me-
4.11.3 Anwendungsgebiete∕​

I
chanismus ist bei [110] zu finden.
Anwendungsgrenzen
Künstliche Vereisungen finden im Schacht- und
Die Änderung des Aggregatzustands ist mit einer Tunnelbau, seltener zur Baugrubensicherung oder
Volumenvergrößerung von ca. 9 % verbunden. Kann zur Immobilisierung von kontaminierten Böden
das gefrorene Porenwasser das ungefrorene Wasser Anwendung.
nicht verdrängen, entstehen Eislinsen mit entspre-
chender Volumenzunahme. Diese führt in frostemp- Eine Übersicht zu Schacht- und Tunnelbauanwen-

I
findlichen Böden zu Hebungserscheinungen. Neben dungen ist bei [112] zu finden. Im Tunnelbau wer-
den Bodeneigenschaften ist der Effekt auch durch den Vereisungen für dichtende und∕​oder tragende
Faktoren wie Auflast oder Gefriergeschwindigkeit bzw. stabilisierende Körper eingesetzt. Die Dicken
bestimmt. Generell gelten grobkörnige Böden als der Körper sind regelmäßig 2,5 m. Durch die Sensi-
weniger frostempfindlich als feinkörnige. tivität der weniger massiven Frostkörper auf stören-
de Einflüsse ergibt sich ein deutlich höherer Kon­
Es sei darauf hingewiesen, dass bei baupraktisch

I
trollbedarf. Auch bohrtechnisch stellen die Gefrier-
erzielten Temperaturen keine vollständige Um- bohrungen aufgrund der geometrischen Randbedin-
wandlung von Porenwasser in Eis erzielt wird. Ein gungen große Herausforderungen dar.
geringer Anteil an ungefrorenem Wasser ist in Ver-
eisungskörpern stets vorhanden. Dies trifft speziell Ein Beispiel einer Vereisung für einen Tunnelvor-
für bindige Böden zu. Zur Abschätzung des unge- trieb wird in [113] beschrieben. Im Zuge der Ver-
frorenen Wassergehalts sei auf [111] verwiesen. bindung zweier Schächte des Pumpwerks in Bottrop
an der Emscher wurden Baugrundverbesserungs-

I
Künstlich gefrorene Böden weisen höhere Festig-
keiten und Steifigkeiten bei geringerer Durchlässig-
keit auf. Ihr Verhalten ist durch ausgeprägtes Krie-
chen und Relaxation gekennzeichnet. Folgende
Faktoren beeinflussen wesentlich das Verhalten
[114]:

I
−− Temperatur,
−− Wassergehalt und Sättigungsgrad,
−− Bodenart,
−− Salinität,
−− Beanspruchungsdauer- und Geschwindigkeit.
I

Mit abnehmender Temperatur nimmt die Eisbil-


dung zu, der Anteil an ungefrorenem Porenwasser
ab. Die Festigkeitszunahme resultiert aus der geän-
derten Struktur und der aufnehmbaren Zugfestig-
keit. Für praktische Anwendungen wird i. d. R. eine
Frostkörpertemperatur von T= −10 bis −20 °C
gewählt. Zunehmender Wassergehalt führt ebenfalls
I

zu höherem Eisgehalt und damit zu mehr Festigkeit.


Ist der kritische Wassergehalt erreicht, nimmt die
Festigkeit wieder ab. Vor allem oberhalb des
Grundwasserspiegels ist dies entsprechend zu be-
rücksichtigen. In Hinblick auf den Einfluss der Bo-
denart ist vor allem der Feinkornanteil aufgrund der Bild 83.  Schnitt durch den Schacht mit Frostkörper zur
I

Kornstruktur entscheidend. Vortriebssicherung


804 Baugrundverbesserung

Bild 84. Baustelleneinrich-
tung für Stickstoffvereisung
und Schachtbauwerk

maßnahmen für den Vortrieb des Tunnels mit einem Bild  85 ist der Frostkörper unter vollem Wasser-
Durchmesser von 2.400  mm erforderlich. Zur Si- druck nach dem Aufbruch der Schlitzwand mit einer
cherung des Vortriebs war ursprünglich ein dich- Öffnung von ca. 5  m × 5  m zu sehen. Durch das
tend wirkender Düsenstrahlkörper von etwa schnelle Auffrieren konnte der Eisdruck auf die
2.600 m3 in dem aus kontaminiertem Klärschlamm, Schlitzwand beschränkt werden. Die Temperatur-
Sanden und teilweise aus Emschermergel bestehen- kontrolle erfolgte über drei Messketten im Frostkör-
den Baugrund vorgesehen (Bild  83). Bei der per sowie zwei in der Schlitzwand installierte Tem-
Kampmittelerkundung konnte ein Gefährdungs- peraturgeber.
band von ca. 3 m Höhe nicht freigemessen werden.
Als Konsequenz wurde von der Hochdruckinjektion 4.11.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
abgegangen und die Vortriebssicherung mittels Ver- Verfahrens
eisung durchgeführt. Dazu wurden 55 Gefrierlan-
zen mit eine max. Länge von 25 m unter besonderen Ein besonderer Vorteil der Bodenvereisung ist, dass
Arbeitsschutzmaßnahmen installiert. Im Vortriebs- sich alle ausreichend wassergesättigten Böden ver-
bereich wurden Kunststoff- und rückbaubare Kup­ eisen lassen. Daraus ergibt sich ein sehr breites Ein-
ferlanzen, im restlichen Bereich Standard-Kupfer- satzspektrum. Die hergestellten Frostkörper besit-
lanzen verwendet. Die Vereisung erfolgte im Stick- zen neben den Festigkeitseigenschaften auch dich­
stoffverfahren über eine Dauer von ca. 4 Monaten tende Wirkung und können an andere Bauteile an-
(Bild  84). Der Frostkörper erfüllte neben der gebunden werden. Beim Vorliegen von hohen
dichtenden auch eine statische Anforderung. Das Fließgeschwindigkeiten im Grundwasser (ca. 2 bis
Auffrieren erfolgte mit Temperaturen um die 4  m pro Tag, je nach Gefrierverfahren) oder bei
−120 °C, während für den Vortrieb eine Frostkör- frostbildungshemmenden Inhaltsstoffen im Grund-
pertemperatur von ca. −20 °C gewählt wurde. In wasser kann das wirtschaftliche Auffrieren u. U.
gänzlich unmöglich oder nur mit zusätzlichen Hilfs-
maßnahmen möglich sein.
Vereisungen sind i. d. R mit sehr hohen Kosten ver-
bunden, daher werden sie zumeist nur verwendet,
wenn andere Baugrundverbesserungsmaßnahmen
nicht zielführend sind. Aufgrund des stark ausge-
prägten visko-plastischen Verhaltens unterscheidet
sich das Verhalten grundsätzlich von anderen Mate-
rialen im Grundbau. Durch die Eisbildung werden
Gefrierdrücke auf die anliegenden Bauteile ausge-
übt. Beim Auftauen kann es zu Volumenverkleine-
rungen und damit zu Setzungen kommen, welche
durch Zusatzmaßnahmen u. U. kompensiert werden
Bild 85.  Freigelegter Vereisungskörper müssen.
Grundverfahren 805

Diese Aspekte sind in der Planung und Ausführung ten, im Frostkörper installiert. Ausgehend von den
zu berücksichtigen. Einzelmessungen kann unter Zugrundlegung von
thermischen Modellen auf das gesamte Temperatur-
4.11.5 Hinweise für die Planung und feld geschlossen werden. Vielfach werden auch
Bemessung Temperaturmessungen in den Bauteilen durchge-

VIII
führt, an die der Forstkörper kraft- oder formschlüs-
Der erste Schritt ist die thermische Bemessung, in
sig angeschlossen wird. Neben der Temperaturmes-
der die Frostausbreitung während des Auffrierens
sung im Boden oder im Bauteil wird auch der Wär-
des Bodens und des Erhalts des Frostkörpers be-
mefluss in den Gefrierrohren über Temperaturmes-
rechnet wird. Dazu sind die thermischen Eigen-
sungen bzw. Durchflussmessungen erfasst.
schaften des Bodens – Wärmekapazität und Wär-
meleitfähigkeit – zu bestimmen. Dies kann über
Laborversuche, in denen zumeist ungestörte Boden- 4.12 Stabilisierungssäulen (diskrete

I
proben im Labor künstlich gefroren werden, oder starre∕​pfahlähnliche Elemente bzw.
über Literaturwerte erfolgen. „Rigid Inclusions“)
Aus diesem Bemessungsschritt ergibt sich die Anla- Dieser Abschnitt beschreibt steife∕​ pfahlähnliche
genkapazität und die Anordnung der Gefrierrohre Baugrundverbesserungselemente zur Abtragung
sowie der Energie- und Zeitaufwand für die Gefrier- von Lasten. Die Elemente werden auch als „Stabili-
phasen. Die statische Bemessung des Frostkörpers sierungssäulen“ in der Definition des Arbeitskreises

I
erfolgt mittels Stabwerkprogrammen oder der Fi­ AK 2.8 der Deutschen Gesellschaft für Geotechnik,
nite-Elemente-Methode anhand der erzielten Fes- international als „rigid inclusions“ bezeichnet. Im
tigkeits- und Verformungseigenschaften. Wie ein- Unterschied zu Pfahlgründungen zeichnen sich die-
gangs erwähnt, sind die Eigenschaften u. a. wesent- se Baugrundverbesserungselemente dadurch aus,
lich durch Temperatur-, Kriech- und Relaxations- dass eine Lastverteilungsschicht (oft auch Arbeits-
einflüsse bestimmt. Daher empfiehlt es sich, die planum) bei der Lastabtragung miteinbezogen wird.
Einflüsse hinsichtlich der Projektanforderungen zu Das Tragsystem stellt einen Übergang von Bau-

I
untersuchen. grundverbesserung zur Tiefgründung mit Pfählen
bzw. zur kombinierten Pfahl-Plattengründung dar.
Anhaltswerte für eine erste Vordimensionierung
nach [113] können Tabelle 11 entnommen werden. Die Elemente sind i. d. R unbewehrt, können aber
Sie gelten bei einer mittleren Temperatur von bei Biegebeanspruchung oder zum Schutz des
−10 °C für wassergesättigte Böden, wobei zwi- Kopfbereichs gegen Abscheren bewehrt werden.
schen Kurzzeitverhalten von 1 Woche und Lang-

I
zeitverhalten von ca. 3 bis 12 Monaten unterschie- 4.12.1 Technische Verfahrensbeschreibung
den wird. Die Anwendungsgrenzen sind oben ge- Zur Herstellung von steifen Baugrundverbesse-
nannter Quelle zu entnehmen. Darüber hinaus emp- rungselementen kommen im Wesentlichen alle Ver-
fiehlt es sich die Frostempfindlichkeit zu untersu- fahren zum Einsatz, bei denen durch Rammen, Vi-
chen. bration oder Bohren steife oder pfahlartige Elemen-
te erzeugt bzw. in den Boden eingebracht werden.
4.11.6 Überwachung und Qualitätssicherung

I
Zum Abteufen der Bohrung steht eine Vielzahl von
in der Ausführung Techniken zur Verfügung. Dazu können zum Bei-
Die Überwachung von Bodenvereisungsmaßnah- spiel Tiefenrüttler, Aufsatzrüttler oder Verdränger-
men erfolgt über die Kontrolle der Geometrie des schnecken zum Einsatz kommen. Letztere können
Frostkörpers und der Temperatur. Dazu werden zu einer Verbesserung des die Säule umgebenden
Temperaturgeber, meist in Form von Messgeberket- Bodens führen. Diese Elemente bestehen aus Beton
I

Tabelle 11.  Festigkeitseigenschaften von Frostkörpern aus [113]


Bodenart Zustand Kurzzeiteigenschaften Langzeiteigenschaften
σD φ c E-Modul σD φ c E-Modul
I

MN∕​m2 ° MN∕​m2 MN∕​m2 MN∕​m2 ° MN∕​m2 MN∕​m2


nichtbindig dicht 7 38 2 600–900 4 22 1,4 260–400
mitteldicht 5 30 1,5 500 3,5 15 1,2 250
bindig halbfest 3 20 1 400–500 2 10 0,8 200–260
steif 2,5 15 0,8 300 1,5 7,5 0,6 120
I
806 Baugrundverbesserung

Bild 86.  Herstellung eines steifen Baugrundverbesserungselements mittels Vollverdrängerschnecke

oder Mörtel, in Ausnahmefällen auch aus Holz oder Über die Lastverteilungsschicht wird ein überwie-
Stahl. Typische Elementdurchmesser betragen 25 gender Anteil der Belastung in die starren Elemente
bis 50 cm, aber es gibt auch Anwendungsbeispiele eingeleitet. Dadurch ergeben sich auch u. a. gerin­
mit kleineren oder größeren Durchmessern. Die An- gere Setzungen als bei Systemen mit nichtstarren
ordnung der Elemente erfolgt üblicherweise im re- Elementen. Die Berechnung und Bemessung sol-
gelmäßigen Raster. In Bild 86 ist eine mögliche Art cher Systeme muss die Lastverteilung zwischen Bo-
der Herstellung schematisch dargestellt. den und Säule über die Tiefe abbilden, um insbe-
sondere realistische Setzungen und Säulenkräfte zu
Die Arbeitsschritte sind Folgende: ermitteln. Geeignete Berechnungsmethoden hierfür
−− Abteufen der Bohrung vom Arbeitsplanum aus, sind insbesondere die Finite-Elemente-Methode
−− Ziehen der Schnecke bei gleichzeitigem Pum- oder die Lasttransfermethode (mehr dazu Abschnitt
pen von Beton, 4.12.5).
−− Abziehen des frischen Betons auf geplanter
Oberkante. 4.12.3 Anwendungsgebiete∕​
Anwendungsgrenzen
4.12.2 Wirkungsweise (bodenmechanische Der Einsatzbereich von Stabilisierungssäulen ist
Betrachtung) vielfältig, zum Beispiel:
Durch das Aufbringen einer Last werden Kräfte so- −− Industriebauwerke, Lagerhallen,
wohl in die starren Elemente als auch in den anste-
henden Untergrund zwischen den diskreten Ele- −− Tanks,
menten eingeleitet. Dies führt sowohl zu einer Mo- −− Aufschüttungen (Straßen, Bahn).
bilisierung von positiver Mantelreibung und Spit-
zendruck am unteren Ende der Säule als auch zur 4.12.4 Vor-∕​Nachteile (Risiken) des
Entwicklung von negativer Mantelreibung im obe- Verfahrens
ren Schaftbereich. Es stellt sich ein Kräftegleichge-
wicht zwischen treibenden und rückhaltenden Kräf- Vorteile:
ten ein. Im neutralen Punkt findet keine Relativver-
schiebung des Bodens zum Schaft des Elements −− geringere Setzungen als bei Systemen mit
statt. Dem Mechanismus entsprechend befindet sich nicht-starren Säulen möglich,
in diesem Querschnitt die maximale Beanspru- −− deutlich geringerer Einfluss von Weichschich-
chung der Säule (Bild 87). ten,

Bild 87.  Lastabtragungsmechanismus für starre Verbesserungselemente


Grundverfahren 807

−− geringere Beanspruchung (Bewehrung) von


Fundamentplatten im Vergleich zu Pfahlsyste-
men,
−− optimierter Materialverbrauch im Vergleich zu

VIII
Pfahllösungen.
Nachteile∕​Risiken:
−− hohe Anforderungen an Lasttransferplattform
(Durchstanzen der Säulen),
−− mögliches Abscheren der Säulenköpfe durch
ungeplante Horizontalbeanspruchung (insbe-
sondere vom Baustellenverkehr),

I
−− kein Dränageeffekt,
−− hohe Empfindlichkeit bei Imperfektionen (ins-
besondere Durchmesser, Vertikalität),
−− Anwendbarkeit in organischen Böden begrenzt.

4.12.5 Hinweise für die Planung und

I
Bemessung
Zur Bemessung der Baugrundverbesserung mit Bild 88.  Prinzip der Lasttransfermethode für die
starren Elementen hat sich im deutschsprachigen ­Einheitszelle
Raum noch kein einheitliches Bemessungskonzept
etabliert. Auch im Eurocode 7 ist die Methode noch zontallasten) wie auch die Möglichkeit der Anwen-
nicht inkludiert. Zurzeit beschäftigt sich der

I
dung höherwertiger Stoffgesetze, die eine reali­
DGGT-Arbeitskreis 2.8 mit der Erarbeitung von tätsnähere Abbildung der Interaktion zwischen
Empfehlungen (vgl. [115–117]). Untergrund, den diskreten Elementen und dem
­
Daher wird vielfach auf die Design-Ansätze von Gründungskörper erlauben.
Frankreich, die im Zuge des Projekts ASIRI [118] Bei der LTM-Methode werden Mobilisierungsfunk-
erarbeitet wurden, verwiesen. Hierin werden zwei tionen (Lasttransferfunktionen) zur Modellierung
unterschiedliche Bemessungsbereiche unterschie-

I
der Interaktionen herangezogen (vgl. [116, 120).
den. Ausgangspunkt ist der Nachweis der Tragfä- Die Werte für Grenzmantelreibung und Grenzspit-
higkeit ohne Säulen. Ist der Nachweis der Tragfä- zendruck sind für die gewählte Herstellungstechnik
higkeit der Gründung für den unbehandelten Bau- und die gegebenen Bodenbeschaffenheiten festzule-
grund erfüllt, werden die Säulen nur als „Verfor- gen, was eine direkte Kontrolle über diese Parame-
mungsbremse“ gesehen und es braucht keinen ter ermöglicht (z. B. Nutzung der Erfahrungswerte
Nachweis der äußeren Tragfähigkeit der Einzelsäu- laut Empfehlungen des Arbeitskreises Pfähle). Die-

I
len geführt zu werden (Standsicherheit auch ohne se Methode eignet sich zur Berechnung von einfa-
Säulen erfüllt). Ist dies nicht der Fall, muss ein chen Geometrien wie ausgedehnte Lastfläche oder
Nachweis der äußeren Tragfähigkeit der Säulen mit Einzelfundamente unter Vertikallasten. Es wird
der Säulenlast in der neutralen Ebene geführt wer- eine Annahme mit fiktiven Säulen (bestehend aus
den, mit den gleichen Sicherheitsfaktoren wie für Boden) für die Interaktionen in der Lastverteilungs-
Pfähle. Somit ist das Sicherheitskonzept ähnlich zu schicht getroffen. In [120] wird die Methode detail-
kombinierten Pfahl-Plattengründungen, wo die liert erläutert.
I

Standsicherheit ebenfalls im Gesamtsystem be-


trachtet wird [116, 119].
4.12.6 Überwachung und Qualitätssicherung
Zur Durchführung der Berechnungen werden wie in der Ausführung
oben bereits angeführt aktuell entweder die Finite-​
Elemente-Methode oder die Lasttransfermethode Die Bauüberwachung erfolgt entsprechend den für
LTM verwendet (Bild 88). das jeweilige Produkt verwendeten Richtlinien
(z. B. Zulassung für Betonrüttelsäulen). Neben der
I

Bei beiden Verfahren sind die Bestimmung der Bo- Lagegenauigkeit kann es projektspezifisch erforder-
denparameter und die entsprechenden Annahmen lich sein, die Vertikalität zu überwachen, um das
entscheidend, um alle Interaktionen zwischen Säu- unbeabsichtigte Einleiten von exzentrischen Kräf-
len und Boden realistisch abzubilden. Der Vorteil ten zu vermeiden. Bei Verwendung von unbewehr-
der Finite-Elemente-Methode ist vor allem die gro- ten Elementen kommt der Überwachung der Kopf­
ße Flexibilität bei der Geometrie- und Lastmodel- ausbildung besondere Bedeutung zu. Die Scherbe-
I

lierung (z. B. komplexe Fundamentformen, Hori- anspruchung z. B. durch Baugeräte ist zu vermei-
808 Baugrundverbesserung

den. Daher ist es erforderlich, eine entsprechend Kombinationsgründung liegen neben technischen
dimensionierte Verteilschicht herzustellen. Beim zumeist in wirtschaftlichen Überlegungen und fin-
Herstellen der Säulen ist auf die Reihenfolge zu ach- den in dieser Form bereits über Jahrzehnte Anwen-
ten, damit angrenzende Elemente nicht durch seitli- dung. Die möglichen und zweckmäßigen Kombina-
che Verdrängung oder Hebung beschädigt werden. tionsformen für ein spezifisches Projekt ergeben
sich aus den vorherrschenden Untergrundverhält-
nissen, den Anforderungen und Randbedingungen
5 Kombinierte Verfahren für das zu errichtende Bauwerk und aus den spezifi-
5.1 Allgemeines und Zweck von schen Eigenschaften der jeweiligen Gründungs-
bzw. Baugrundverbesserungsverfahren. Das zu-
Verfahrenskombination
meist maßgebende Kriterium für die Kombinations-
Der aus dem griechischen stammende Begriffe Hy- möglichkeit verschiedener Systeme liegt in deren
brid (Substantiv) bezieht sich auf etwas Gebündel- Verformungsverträglichkeit der mittels unterschied-
tes, Gekreuztes oder Vermischtes. Und diese Wort- lichen Verfahren gegründeten Bauwerksteile. Im
bedeutung haben auch die in der Gründungstechnik gegenständlichen Beitrag wird mit Verweis auf
sogenannten „Kombinationsgründungen“ und „Hy- die  in den vorigen Abschnitten detaillierter be-
bridgründungen“, bei denen für die Gründung eines schriebenen Verfahren, deren spezifische Anwen-
Bauwerks eine Kombination unterschiedlicher dungsbereiche sowie Vor- und Nachteile nicht ver-
Gründungs- und∕​oder Baugrundverbesserungsver- tieft auf derartige Kombinationsformen eingegan-
fahren zur Anwendung gelangen. gen.
Aus technischer und wirtschaftlicher Sicht gibt es Hinsichtlich der Hybridgründung finden sich in der
eine Vielzahl von Gründen und eine noch größere baupraktischen Anwendung unterschiedliche Defi-
Zahl von Möglichkeiten, verschiedene Gründungs- nitionsansätze. In [121] werden unter „Hybridgrün-
und∕​ oder Baugrundverbesserungsverfahren zu dungen“ Baugrundverbesserungsverfahren verstan-
kombinieren, was in der einen oder anderen Form den, die gleichzeitig zwei Effekte hinsichtlich der
auch schon viele Jahre bzw. Jahrzehnte praktiziert Gründungsmethode erfüllen (Definition 1). Bei-
wird. Aus diesem Umstand ergibt sich ein breites, spielsweise die gleichzeitige Bodenverdichtung und
aber oftmals nicht ganz klares Verständnis, wann das Einbringen eines tragfähigen Boden-Bindemit-
von „hybriden oder kombinierten Gründungen“ ge- tel-Gemischs, mit dem in weiterer Folge ein tragfä-
sprochen werden kann und soll. Eine mögliche De- higes Tiefgründungselement geschaffen wird. Hyb-
finition findet sich beispielsweise in [121] auf der in ridgründung bezieht sich bei dieser Definition auf
gegenständlichem Beitrag aufgebaut wird. Unter- den zweifachen Effekt hinsichtlich Gründungsme-
schieden werden sollte z. B. danach, ob sich die hy- thode, wobei dieser Zweck ggf. auch mit einem ein-
bride Eigenschaft auf die System- oder die Elemen- zelnen Verfahren (wie z. B. einer Betonstopfsäule)
tebene bezieht. erreicht werden kann.
Demgemäß werden in [121] unter „Kombinations-
In einem zweiten Definitionsansatz werden unter
gründungen“ Gründungssysteme verstanden, in de-
Hybridgründung aus verschiedenen Verfahrensar-
nen für ein Bauwerk unterschiedliche Gründungs-
ten kombinierte (einzelne) Gründungselemente ver-
elemente wie z. B. Pfähle und Baugrundverbesse-
standen (Definition 2). Beispielsweise, wenn der
rungsverfahren oder eine Kombination unterschied-
obere Teil einer Gründungssäule aus (ungebunde-
licher Baugrundverbesserungsverfahren Anwen-
nen) Schottersäulen (z. B. Rüttelstopfsäule) und der
dung finden, wobei i.  Allg. unter den einzelnen
tiefere Teil der Säule aus Beton (z. B. Betonrüttel-
Fundamentkörpern keine Vermischung der Systeme
säule oder Betonstopfsäule) hergestellt wird. In die-
stattfindet. Werden beispielsweise die hochbelaste-
sem zweiten Definitionsansatz wird also davon aus-
ten Stützenfundamente einer Industriehalle auf
gegangen, dass für eine Hybridgründung eine
klassischen Bohrpfählen (tief) und die gering und
­Kombination von zumindest zwei klassischen Bau-
weitestgehend gleichmäßig belastete Bodenplatte
grundverbesserungsverfahrens erforderlich ist, da-
auf einer Baugrundverbesserung mittels z. B. Rüt-
mit einzelne Gründungselemente hergestellt werden
telstopfsäulen oder Betonstopfsäulen gegründet, so
können.
entspricht dies einer Kombinationsgründung. Eine
Kombinationsgründung ist auch dann gegeben, In manchen praktischen Anwendungsfällen kommt
wenn bei unterschiedlichen Gründungsniveaus im in Bezug zu obigen Definitionen für ein Bauvor­
Bereich des tieferen Niveaus eine Bodenplatte im haben zugleich eine Kombinations- wie auch ein
tragfähigen Untergrund ausgeführt wird, während Hybridgründung zum Einsatz [122].
der nichtunterkellerte Bereich auf Pfähle zur Über-
brückung der weniger tragfähigen bzw. setzungs- Im Folgenden wird unter Berücksichtigung beider
empfindlichen oberflächennahen Schichten gegrün- oben genannten Definitionen näher auf Hybridgrün-
det wird [121]. Die Gründe für eine Kombination dungen, insbesondere auf deren Vor-∕​Nachteile ein-
verschiedener Gründungssysteme im Sinne einer gegangen.
Kombinierte Verfahren 809

Die Gründe für einen kombinierten Aufbau eines −− Bei einer Hybridlösung nach Definition 2 (s. o.)
Gründungselements mittels zweier Verfahren erge- sind i. Allg. zwei Geräte erforderlich, die Bau-
ben sich aus den spezifischen Eigenschaften der stelle muss also eine entsprechende Größe auf-
Verfahren unter Berücksichtigung der anstehenden weisen.
Untergrundverhältnisse sowie den Eigenschaften

VIII
−− Bei Lieferbetonprodukten sind die Arbeitszei-
und den Anforderungen an das Bauwerk. Beispiel- ten des Betonwerks ein möglicher limitierender
haft können folgende Überlegungen zu einer derar- Faktor.
tigen Hybridlösung führen:
−− Die Dränagewirkung geht bei klassischen Be-
−− Der durch ungebundene Schottersäulen „weni- tonsäulen verloren.
ger steife“ (Kopf-)Anschluss an die Bodenplatte −− Lösungen mittels Hybridgründungen und in
führt zu keinen Durchstanzproblemen in der vielen Fällen auch mittels Kombinationsgrün-
Bodenplatte (einfachere Bewehrung der Boden- dungen stellen oftmals komplexe Lösungsan­

I
platte). sätze dar, die ein i. Allg. tieferes bodenmecha­
−− Durch die weniger steife, ungebundene Schot- nisches, verfahrenstechnisches und auch aus-
tersäule im Kopfbereich ergibt sich eine etwas führungstechnisches Verständnis sowohl von
höhere Belastung und Zusammendrückung der der Planungs-, Ausführungs- und Überwa-
obersten Bodenschicht, was wiederum zu einer chungsseite erfordern.
gleichmäßigeren Belastung und geringen Be- −− Sowohl bei Kombinationsgründungen wie auch

I
wehrung für die Bodenplatte führen kann. bei Hybridgründungen im Sinne der Definition
−− Ferner führt die ungebundene Schottersäule im 2 (s. o.), sind verschiedene Verfahrensmethoden
Kopfbereich auch zu geringeren Lasteinleitun- und oftmals unterschiedliche Gerätschaften par-
gen in die Säule selbst und somit zu keiner den allel einzusetzen, was einerseits einen organisa-
Säulenkopf beschädigenden Lastkonzentratio- torisch∕​ koordinativen Mehraufwand bedeutet
nen. und zumindest bei Kombinationsgründungen
unter Umständen auch unterschiedliche Auf-

I
−− Die ungebundene Schottersäule im oberen Säu-
lenbereich birgt kaum Gefahren einer Beschädi- tragnehmer bedingen kann.
gung der Säule durch weiterführende Arbeiten −− Speziell Hybridverfahren im Sinne der Defini­
wie z. B. Baggerarbeiten für die nachträgliche tion 2 (s. o.), bei denen verschiedene Baugrund-
Errichtung von Fundamenten etc., wie dies bei verbesserungsverfahren für die Herstellung ein-
schlanken, unbewehrten Betonsäulen oftmals zelner Gründungselemente erforderlich werden,
der Fall ist. sind oftmals an firmenspezifische Verfahren

I
−− Die im tieferen Teil der Säule ausgeführten ver- gebunden, die nicht immer eine offen gehaltene
mörtelten bzw. aus Beton hergestellten Säulen Ausschreibung möglich machen.
verhalten sich steifer als ungebundene Schotter- Wie bei vielen technisch und wirtschaftlich „opti-
säulen, sodass speziell in sehr weichen Böden mierten Lösungsansätzen“ ist deshalb auch bei
eine setzungsärmere Gründung möglich wird. Kombinations- und Hybridgründungen das respekt-
−− Aus Beton hergestellte Säulen sind vorzuziehen, und vertrauensvolle Miteinander von Bauherrn,

I
wenn besonders weiche oder organische Zwi- Planer und ausführendem Unternehmen von beson-
schenschichten anstehen, die keine ausreichen- derer Bedeutung.
de seitliche Stützung der ungebundenen Schot-
tersäulen zulassen. Bei organischen Böden ist 5.2 Beispiele für Hybridgründungen
aber das Abbindeverhalten der Betonsäulen zu
prüfen und zu beachten. Ein weiterer Vorteil Im Folgenden werden in Kurzform einige mögliche
liegt bei derartigen Böden auch im konstanten Anwendungsbeispiele für Hybridgründungen ange-
I

Materialverbrauch mittels bestimmter Verfah- führt.


ren hergestellter, gebundener Säulen. In [123] wird folgendes Beispiel für eine Hybrid-
−− Besonders bei geschichtetem Baugrund mit gründung im Sinne der Definition 1 (s. o.) ausge-
mehreren Grundwasserstockwerken ist ein hy- führt (Zitat aus genannter Literatur):
draulisches Verbinden dieser GW-Stockwerke
oftmals aus wasserrechtlichen Gründen nicht Häufig werden Untergrundverhältnisse und bauli-
che Randbedingungen angetroffen, die weder für
I

zulässig, sodass keine durchlässigen Grün-


dungselemente (wie z. B. ungebundene Schot- die eine noch für die andere Baugrundverbesse-
tersäulen) bis in tiefere Schichten hergestellt rungsmethode ideal geeignet sind. Als Beispiel sei
werden dürfen. ein sackungsgefährdeter Lössboden bis in größere
Tiefe angenommen, der in einen vergleichsweisen
Bei Hybridlösungen sind jedoch auch einige typi- weichen, jedoch konsolidierten Boden übergeht.
sche Nachteile bei der Entscheidungsfindung zu be- Durch eine tiefe dynamische Baugrundverbesse-
I

rücksichtigen. Solche Nachteile sind z. B.: rung, beispielsweise mittels Rüttelstopfverdichtung,


810 Baugrundverbesserung

kann das Sacken des Lösses vorweggenommen wer- wähnte Fall, bei dem der obere Teil einer Grün-
den und gleichzeitig tragfähige Kiessäulen im Bo- dungssäule aus (ungebundenen) Schottersäulen
den hergestellt werden. Bei Lastkonzentrationen, (z. B. Rüttelstopfsäule) und der tiefere Teil der
ungünstigen Grundrissformen bzw. hohen Anforde- ­Säule aus Beton (z. B. Betonrüttelsäule oder Beton-
rungen an die Setzungsvorgaben des Bauwerks stopfsäule) hergestellt wird.
stellt jedoch die Baugrundverbesserung oft keine
ausreichende Maßnahme dar. Bei Anwendung einer Ein Hybridgründungskonzept wurde auch für die
Tiefgründung, beispielsweise mittels Pfählen, wird Errichtung einer Industrieanlage auf sehr schwieri-
hingegen das Sacken des Lösses nicht vorwegge- gen Untergrundverhältnissen im Norden Öster-
nommen, sodass im Löss eine negative Mantelrei- reichs eingesetzt. Der durch alluviale Ablagerungen
bung angesetzt werden muss, die zusätzlich belas- (im Schluff- bis Kies-(Stein-)Spektrum) geprägte
tend wirkt. Die rechnerischen Lasten nehmen folg- Untergrund zeichnete sich einerseits durch Aus-
lich im Pfahl nach unten hin zu und müssen in die lösungserscheinungen und andererseits durch lokale
weiche Bodenschicht abgetragen werden, woraus Verkittungen (Konglomerate) in den Alluvionen
häufig unwirtschaftlich lange Pfähle resultieren, de- aus. Als Ergebnis dieser geologischen Prozesse ent-
ren innere Tragfähigkeit nicht ausgenützt werden stand eine völlig zufällige Verteilung von Hohlräu-
kann. Bei Anwendung einer Kombination aus bei- men (mit Durchmessern im Dezimeter- bis mehrere
den Verfahren, beispielsweise durch die Herstellung Meter-Bereich) und Konglomeratbänken mit Di-
von vermörtelten Stopfsäulen anstelle von Kiessäu- cken von wenigen Dezimetern bis zu wenigen Me-
len, wird das Sacken des Lösses durch das Einrüt- tern, wobei es bis zur Erkundungsendtiefe von ca.
teln des Schleusenrüttlers in den Boden vorwegge- 30  m kein geordnetes Oben und Unten dieser Er-
nommen, sodass der Boden während der Herstel- scheinungen gab. Die im Zuge der Baugrunderkun-
lung im ersten Schritt verbessert wird. Durch das dung durchgeführten Rammsondierungen (DPH)
Einbringen von Mörtel, bestehend aus einem Bo- zeigten einerseits Aufsitzer in unterschiedlichsten
den-Zement-Gemisch anstelle von Kies, entsteht Tiefen, andererseits jedoch auch Sondierergebnisse,
nach dem Erhärten ein säulenartiges Tragelement, die bis in eine Tiefe von teilweise 15 bis 20 m kaum
das mit dem Tragverhalten eines Tiefgründungsele- einen Schlag zeigten. Bereits im Zuge der Baufrei-
mentes vergleichbar ist. Lediglich die erzielbare machung traten zumeist in Zusammenhang mit Nie-
Steifigkeit und Festigkeit der fertigen Säule sind im derschlägen an der Oberfläche tagbruch- bzw. doli-
Allgemeinen niedriger als bei Beton- bzw. Stahlbe- nenartige Verbrüche auf. Aufgrund der Geometrie,
tonpfählen. Eine technisch optimierte Lösung bei der Lasten und der teilweise hohen Setzungsanfor-
gleichzeitiger Verringerung der Bauzeit und der derungen an einzelne Objekte der Industrieanlage,
Kosten lässt sich somit durch entsprechende Hyb- war ein gesicherter Nachweis tragfähiger Boden-
ridgründungskonzepte erreichen. schichten bis in eine Tiefe von ca. 20 m erforderlich.
Das Gründungskonzept sah im Sinne einer Hybrid-
In [124, 125] wird für die zuvor für einen Lössunter- gründung eine Kombination aus Rütteltechnik (Rüt-
grund beschriebene Problemstellung und den oben telstopfverdichtung) und Bodenverfestigungen mit
beschriebenen Lösungsansatz für die Errichtung dem Düsenstrahlverfahren vor. Mittels der Rüttel-
des Kraftwerks Malženice in der Slowakei eine de- druckverdichtung sollte die Vielzahl von Hohlräu-
taillierte Falldarstellung präsentiert. Bei diesem men verbrochen, verfüllt und der Untergrund allge-
Fallbeispiel wurde noch ein weiteres innovatives mein bis auf ein gefordertes Maß verdichtet werden.
Gründungsdetail ausgeführt, welches ebenfalls in Dünnere Konglomeratbänke wurden durch Vorboh-
die Gruppe der Hybridgründungen – dieses Mal ren mit Bohrschnecke durchörtert und anschließend
nach Definition 2 (s. o.) – eingeordnet werden kann. mit dem Rüttler durchfahren. Mächtigere, nicht
Und zwar wurden die Gründungssäulen aus vermör- durchörterbare Konglomeratbänke definierten das
telten Stopfsäulen (Rigid Inclusions) sowie in ande- untere Ende der mittels Rütteltechnik verbesserba-
ren Gründungsbereichen aus klassischen (nicht ge- ren Bodenbereiche. Da diese Hindernisse teilweise
bundenen) Stopfsäulen nicht bis an die Unterkante jedoch oberflächennah anstanden und auch darunter
der Bodenplatte geführt, sondern es wurde zwi- Hohlräume nachgewiesen wurden, wurde in derarti-
schen Bodenplatte-UK und -OK der Säulen eine gen Fällen in einem weiteren Arbeitsprozess eine
zwischen 1 und 3 m mächtige, lagenweise eingebau- Verfüllung von Hohlräumen und eine Verfestigung
te Bodenstabilisierung mit einem Kalk-Zement-Bin- des Untergrunds bis in eine definierte Tiefe mit dem
demittel hergestellt. Durch dieses Gründungskon- Düsenstrahlverfahren durchgeführt.
zept ergibt sich eine sehr gute Lastverteilung unter
tragenden Wänden, Stützen und Maschinenfunda- In [58] wird eine Kombinationsgründung aus Bohr-
menten und für die Bodenplatte eine sehr gleichmä- pfählen und Rüttelstopfsäulen zur erdbebensicheren
ßige (und hohe) Bettung, die eine wirtschaftliche Gründung eines Gaskraftwerks im Osten der Türkei
Auslegung der Bodenplatte erlaubt. beschrieben. Für dieses Beispiel lassen sich die Un-
tergrundverhältnisse unter einer 2 bis 4 m mächti-
Ein weiteres Beispiel für eine Hybridgründung im gen lagenweise verdichteten Kiesauffüllung verein-
Sinne der Definition 2 (s. o.) ist der eingangs er- facht als locker-mitteldichtes Sand-Schluff-Ge-
Beispiele 811

misch (0 bis 20  m), weicher bis sehr weicher Ton der horizontalen Stützung bemessen zu müssen, wa-
(20 bis 30 m) und darunter anstehender Basalt be- ren auch im Bereich der Bohrpfähle Rüttelstopfsäu-
schreiben. Die Schichten aus dem Sand-Schluff-Ge- len zur Verhinderung der Verflüssigung erforderlich
misch wiesen dabei ein hohes Verflüssigungspoten- (vgl. Bild 89). Wesentliche Argumente für die Aus-
zial im – in der Osttürkei maßgeblichen – Erdbeben- führung von RSV-Säulen waren einerseits die nur in

VIII
fall auf. Das Grundwasser stand im Wesentlichen diesem Falle möglichen rechnerischen Bemes-
am ursprünglichen Geländeniveau an. Je nach Last- sungsnachweise für wirtschaftliche Bohrpfahldi-
situation wurden die einzelnen Bauteile des Kraft- mensionen und andererseits deutliche Vorteile wäh-
werks flach oder tief auf verrohrt hergestellten rend der Ausführung infolge des engen Zeitplans
Bohrpfählen gegründet. Um die Bohrpfähle nicht und der äußerst sensiblen umwelttechnischen An-
auf Seitendruck durch verflüssigten Boden bzw. für forderungen. Im Falle von flach gegründeten Bau-
die geänderte Bemessungssituation durch Verlust werken wurden Rüttelstopfsäulen zur Stabilisierung
und Verformungsbegrenzung im Erdbebenfalle ein-

I
gesetzt.
Die Bemessung der Baugrundverbesserung zur
Verhinderung der Bodenverflüssigung erfolgte
durch rechnerische Nachweise der Steifigkeitserhö-
hung in Verbindung mit der Verkürzung der Dräna-

I
gewege. Insbesondere die Anforderung an das Säu-
lenmaterial und die Säulengeometrie hinsichtlich
Dränagekapazität machten für diese Bohrpfahl-Rüt-
telstopfsäulen-Kombination eine enge Verzahnung
von Planung und Ausführung erforderlich. Detail-
lierte Hinweise hinsichtlich der Bemessung und den
bewältigten Herausforderungen im Zuge der Aus-

I
führung können [58] entnommen werden.

6 Beispiele
6.1 Beispiel 1: zur Erläuterung des
Bettungsmodulverfahrens sowie zur

I
Darstellung des Einflusses
unterschiedlicher Steifigkeiten der
Gründungssysteme
Anhand eines abstrahierten Beispiels sollen nach
ingenieurpraktischen Gesichtspunkten als Ober-

I
und Untergrenzen zu bezeichnende Werte des Bet-
tungsmoduls die Bandbreite der sich daraus erge-
benden Biegemomente in einer Bodenplatte disku-
tiert werden. Des Weiteren werden anhand dieses
Beispiels Gründungs- bzw. Baugrundverbesse-
rungsarten mit unterschiedlichen Steifigkeiten bzw.
Steifigkeitsverteilungen mit einem 2-D-FE-Modell
I

abgebildet und wiederum die Auswirkung dieser


unterschiedlichen Gründungsbedingungen auf die
Biegemomente in der Bodenplatte betrachtet.
Ein aus Gründen der Einfachheit linienartig ange-
nommenes Rahmentragwerk aus Stahlbeton mit
10  m Breite, zwei Außenwänden und einer Innen-
I

wand, wird wie in Bild 90 dargestellt mit 150 kN∕​m


gleichmäßig belastet. Die Geometrie des Bauwerks
im Querschnitt ist in Bild 90 abgebildet, die Quer-
schnittssteifigkeiten EI und EA ermitteln sich aus
den vorgegebenen Geometrien und dem E-Modul
Bild 89.  Symbolschnitt RSV-Säulen und Bohrpfähle als für den Werkstoff Beton und sind in Tabelle 12 ein-
I

Kombinationsgründung getragen. Eine Steifigkeitsabnahme im Stahlbeton-


812 Baugrundverbesserung

sind in Bild 90 dargestellt. Für das Untergrundmo-


dell wurde im Liegenden unter der Schluff- bzw.
Sand-Kies-Schicht ein Felsuntergrund sehr großer
Steifigkeit und Festigkeit ab einer Tiefe von 13  m
unter Geländeoberkante angenommen. Zudem sind
in Bild 90 schematisch die Pfahlgründung sowie die
diskreten Elemente (z. B. Betonstopfsäulen, Beton-
rüttelsäulen, CSV-Säulen oder mit anderen Verfah-
ren hergestellte rigid inclusions) dargestellt.

6.1.1 Auswirkung des Gründungssystems auf


Setzungen und Schnittkräfte
Bevor mit dem eigentlichen Bettungsmodulverfah-
ren die Momentenlinie in der Bodenplatte ermittelt
wird, wird als Referenzberechnung eine 2-D-FE-​
Bild 90.  Geometrie des Rahmentragwerks Analyse mit einem elastoplastischen Stoffgesetz
(Hardening Soil aus Berechnungssoftware Plaxis
[126, 127]) mit dem Ziel der realistischen Abschät-
querschnitt im Übergang von Zustand I in den Zu- zung der Setzungen und Differenzsetzungen des
stand II wurde nicht berücksichtigt. Bauwerks durchgeführt. Die der Berechnung zu-
grunde gelegten Bodenkennwerte für Boden 1
Untersucht werden zwei verschiedene Böden und (Schluff) und Boden 2 (Sand-Kies) sind ebenfalls in
drei unterschiedliche Gründungssysteme. Zum Ers- Tabelle 12 angeführt.
ten ein (steifer) bindiger Schluff-Boden mit einer
vergleichsweise geringeren Bodensteifigkeit Es, Die aus der FE-Analyse ermittelten Setzungen und
zum Zweiten ein dicht gelagertes Sand-Kies-Ge- Differenzsetzungen dienen im gegenständlichen
misch mit deutlich höheren Steifigkeitswerten. Für Fall als Grundlage für die weitere Ermittlung des
das Sand-Kies-Gemisch wird eine Flachgründung Bettungsmoduls. Neben der Modellierung und Ge-
in den Berechnungen untersucht. Für den Schluff-​ genüberstellung der Ergebnisse für die Schluff- und
Untergrund werden drei verschiedene Gründungs- die Sand-Kiesschicht, erfolgte im FE-Modell für die
systeme betrachtet. Zum Ersten eine Flächengrün- Schluffschicht – wie oben bereits ausgeführt – auch
dung, zum Zweiten eine Gründung mittels Pfählen noch eine Modellierung zweier weiterer Grün-
bis in den unterlagernden, tragfähigen Felsunter- dungsarten. Zum einen eine Pfahlgründung (EA)
grund (ab einer Tiefe von 13  m unter GOK) und unmittelbar unter den Wandscheiben des Rahmen-
zum Dritten eine Gründung mittels diskreter Ele- tragwerks, wobei die Pfähle bis in den unterlagern-
mente mit einer Länge von 6 m. Die dem Berech- den Felsen einbinden. Zum anderen eine Gründung
nungsmodell zugrunde gelegten Bodenschichten mittels steifer Elemente, ebenfalls unterhalb der

Tabelle 12.  Berechnungskennwerte für das FE-Modell


Parameter Schluff Sand-Kies Fels
Stoffgesetz Hardening Soil Hardening Soil Mohr Coulomb
γfeucht [kN∕​m ] 3
16 17 23
γsat [kN∕​m3] 20 20 24
​​E​  ref ref 2
oed ​ ​ , ​E​  50​  ​​​   ​[kN∕​m ] 20000 100000 –
​​E​  ref * 2
ur​  ​  , ​E​​  ​   ​[kN∕​m ] 60000 300000 700000*
m [–] 1 0,5 –
Vuν, v* [–] 0,2 0,2 0,3*
φ′ [–] 30 36 40
ψ′ [°] 0 0 0
2
c′ [kN∕​m ] 5 1 50
* Der Felsuntergrund wurde mittels Mohr-Coulomb modelliert.
Beispiele 813

Wandscheiben, die jedoch mit einer Länge von 6 m den Tragwerkrändern zu erkennen. (Baupraktisch
nicht in den Fels einbinden. Die letztgenannte Grün- haben diese Differenzsetzungen von 2 bis 3  mm
dungsform entspricht beispielsweise einer Grün- ­keine Bedeutung, im gegenständlichen Fall wird je-
dung mittels diskreten Elementen im Bereich unter- doch darauf hingewiesen, da sie für die weitere Dis-
halb der lastabtragenden Wandscheiben. In einem

VIII
ersten Schritt werden als Ergebnisse der FE-Berech-
nung die Bodenpressungen, die Setzungsverläufe
und die Biegemomente in der Bodenplatte für diese
vier Modelle dargestellt (Bilder 91 bis 93) und kurz
diskutiert. Angemerkt wird, dass in den Bildern 91
bis 93, jeweils nur der Bildausschnitt der Boden-
platte mit der Länge von 10 m dargestellt wird. Das
heißt, die Position 0 m in den Bildern 91 bis 93 ent-

I
spricht der linken unteren Rahmenecke des Trag-
werks in Bild 90.
Es wird noch einmal auf das vereinfachte und stark
abstrahierte 2-D-Modell hingewiesen, welches je-
doch die Diskussion einiger grundlegender Unter-
schiede für die angenommenen Gründungssysteme

I
erlaubt.
Die Darstellung der Setzungsverläufe in Bild  91
zeigt Setzungen von ca. 2 cm für eine Flächengrün-
dung im Sand-Kies-Boden. Für die verschiedenen
Gründungssysteme im Schluff-Boden ergeben sich
Setzungen von max. 9,5  cm für die Flächengrün-

I
dung des Rahmentragwerks, etwas über 4 cm für die
Gründung mittels diskreten Elementen und ca. 0,5
bis 0,7 cm für die Pfahlgründung bis in den Felsun-
tergrund. Für die Pfahlgründung bzw. Gründung Bild 92.  Bodenpressung für den Sand-Kies- sowie
mittels diskreten Elementen ist eine um 2 bis 3 mm den Schluffuntergrund mit∕​ohne Pfähle bzw. diskrete
größere Setzung in Tragwerkmitte im Vergleich zu Elemente

I
I
I
I

Bild 91.  Setzungen für den Sand-Kies- sowie Bild 93.  Biegemomente in der Bodenplatte für
den Schluffuntergrund mit∕​ohne Pfähle bzw. diskrete den Sand-Kies- sowie den Schluffuntergrund mit∕​ohne
I

Elemente Pfähle bzw. diskrete Elemente


814 Baugrundverbesserung

kussion des Verlaufs der Biegemomente von Be- platte verteilt in den Untergrund abgetragen. Würde
deutung sind.) man für den modellierten Schluff-Boden beispiels-
weise eine vollflächige Baugrundverbesserung mit
Die mittleren Bodenpressungen (Bild  92) für die
einem (sehr hohen) Verbesserungsfaktor von 4 bis 5
Flächengründung im Sand-Kies- bzw. im Schluff-​
2 nach Priebe (s. Abschnitt 4.3) ausführen, ergäbe
Boden liegen bei ca. 180 kN∕​m , was sich aus dem
sich ein Verlauf der Biegemomente, der jenem Er-
Eigengewicht der Konstruktion und der Auflast von
gebnis für den Sand-Kies-Boden entspräche. Das
150  kN∕​m2 ergibt. Die Verteilung der Bodenpres-
heißt, die Setzungen würden um einen Faktor 4 bis
sungen zeigt für den steiferen Sand-Kies-Boden
5 reduziert werden können (s. Bild 91), der Verlauf
eine gewisse Konzentration der Bodenpressungen
der Biegemomente in der Bodenplatte würde sich
unterhalb der lastabtragenden Wände. Für die Grün-
jedoch nur geringfügig ändern.
dung des Bauwerks mittels Pfählen bzw. diskreten
Elementen ergeben sich große Kontaktspannungen Dahingegen zeigen die Modelle für sehr steife
zwischen Bodenplatte und Pfählen bzw. diskreten Gründungselemente unterhalb der lastabtragenden
Elementen (welche aus numerischen Gründen nicht Wände (mittels in den Felsuntergrund einbindenden
ganz richtig abgebildet werden) und nur sehr ge­ Pfählen bzw. den angenommenen diskreten Ele-
ringen Bodenpressungen von < 10 kN∕​m2 im Be- menten) gänzlich andere Charakteristika der Ver-
reich zwischen den steifen Gründungselementen. läufe der Biegemomente. Auch wenn sie für das
Für das Gründungsmodell mittels diskreten Ele- gegenständliche, stark vereinfachte Modell dem ab-
menten ist die Bodenpressung im Feldbereich der soluten Betrag der Biegemomente nach nur um ei-
Bodenplatte trotz Setzungen von ca. 4  cm sehr nen Faktor von ca. 2 geringer sind, ist aus dem line-
klein. Dies lässt sich nur dadurch erklären, dass der aren Verlauf der Biegemomentenlinie zwischen den
Boden zwischen den steifen Gründungselementen lastabtragenden Wänden erkennbar, dass für die ge-
(im Berechnungsmodell) „mitgenommen“ wird und gebenen Randbedingungen praktisch gesehen nur
deshalb nicht in der Lage ist, wesentliche Lasten sehr geringe Lasten über den Feldbereich der Bo-
aufzunehmen. Geometrisch ergibt sich dieser Effekt denplatte in den Untergrund abgetragen werden.
durch den lichten Abstand zwischen den steifen Der satteldachförmige Verlauf der Biegemomente
Gründungselementen von ca. 4 m und der Tiefe der ergibt sich aus der Tatsache, dass die Setzungen im
diskreten Elemente von ca. 6 m. Durch die 2-D-Mo- Bereich der Mittelwand um 2 bis 3 mm größer sind
dellierung (Gründungsscheiben anstatt Gründungs- als im Bereich der Außenwände. Im gegenständli-
säulen) und den Verzicht auf Interfaces im Über- chen Fall werden die Wandlasten direkt in die stei-
gang Gründungselement zu Boden im gegenständli- fen Gründungselemente (Pfähle bzw. diskrete Ele-
chen, vereinfachten Modell, dürfte dieser Effekt in mente) eingeleitet und über diese in den Boden ab-
Wirklichkeit aber etwas weniger stark ausgeprägt getragen.
sein, als er sich aus diesem Berechnungsmodell er-
gibt. Aus der Gegenüberstellung der Berechnungsergeb-
nisse (Setzungsverläufe, Bodenpressungen sowie
In Bild 93 sind die Verläufe der Biegemomente in Biegemomente) für die Flächengründungen (Sand-
der Bodenplatte abgebildet. Für die Flächengrün- Kies-Boden, Schluff-Boden) mit jenen der steiferen
dungen im Sand-Kies- bzw. dem Schluff-Boden zei- Gründungselemente unterhalb der lastabtragenden
gen sich aufgrund der ähnlichen Verteilungen der Wände (Pfähle, diskreten Elemente) sind die we-
Bodenpressungen auch ähnliche Verläufe der Bie- sentlichen Unterschiede verschiedener Gründungs-
gemomente, wobei im Detail die Biegemomente für methoden wie Pfahlgründungen und Baugrundver-
die Gründung im steiferen Sand-Kies-Boden etwas besserungsverfahren, wie auch die Möglichkeiten
geringer als jene im Schluff-Boden sind. Dies ergibt der Auslegung von Baugrundverbesserungsverfah-
sich aus der höheren Bodensteifigkeit des Sand- ren im Hinblick auf die Optimierung von Setzun-
Kies-Gemischs und damit geringfügig höheren gen, differenziellen Setzungen sowie der Beanspru-
Konzentration der Sohlpressungen unterhalb der chungen in der Bodenplatte erkenn- und ableitbar.
lastabtragenden Wände (siehe Bodenpressungen in
Bild 92). Der Verlauf der Biegemomente in der Bo- 6.1.2 Diskussion des Einflusses des
denplatte für die Modelle Flächengründungen im Bettungsmoduls auf die Biegemomente
Sand-Kies- bzw. Schluff-Boden sind charakteris-
tisch für gleichmäßige „Bettungsbedingungen“ wie Im Weiteren wird nun für die beiden Varianten der
sie sich für einen mehr oder weniger homogenen Flächengründungen (Sand-Kies-Boden und Schluff-​
Untergrund ergeben. Eine klassische Baugrundver- Boden), die in ihrer Steifigkeitsrelation zueinander
besserung mittels z. B. einer vollflächig ausgeführ- auch als verbesserter und unverbesserter Unter-
ten Rütteldruckverdichtung in einem nichtbindigen grund betrachtet werden können, eine Diskussion
Boden oder einer Rüttelstopfverdichtung in einem hinsichtlich der Ermittlung sowie Variation des Bet-
bindigen Boden würde zu derartigen Momentenver- tungsmoduls und der daraus ermittelten Biegemo-
läufen in der Bodenplatte führen. Die Kräfte aus den mente geführt. Die Ermittlung des Bettungsmoduls
lastabtragenden Wänden werden über die Boden- erfolgt ingenieurpraktisch entweder anhand von Li-
Beispiele 815

Tabelle 13.  Werte für die Gesamtsetzung und


­differenziellen Setzungen sowie der daraus abge­
leiteten Bettungsmoduln für den Sand-Kies- bzw.
Schluff-Boden

VIII
Sand-Kies Schluff
smittl 0,018 m 0,093 m
kss ∼ 10000 kN∕​m2∕​m ∼ 2000 kN∕​m2∕​m
∆smax 0,0027 m 0,0034 m

Bild 94.  Bettungsmodulverteilung unter dem Tragwerk


ks∆s ∼ 65000 kN∕​m ∕​m ∼ 50000 kN∕​m2∕​m
2

I
teraturwerten oder anhand einer Abschätzung der Ergebnis der 2-D-FE-Berechnung mit eingetragen.
Gesamt- bzw. differenziellen Setzungen eines Bau- Die Bezeichnung Analytik in den folgenden Bildern
werks. Im Allgemeinen finden dabei beide Werte weist auf die mit dem Bettungsmodulverfahren er-
(abgeschätzte Gesamtsetzung und Differenzset- mittelten Berechnungsergebnisse hin.

I
zung) für die Bestimmung des Bettungsmoduls aus
ks = p∕​s [kN∕​m3] Berücksichtigung, wobei für die Die aus Δsmax ermittelten Bettungsmoduln (mit und
Setzung s entweder die Gesamtsetzung aber häufig ohne Erhöhung des Bettungsmoduls unterhalb der
auch ein Wert zwischen der abgeschätzten Gesamt­ lastabtragenden Wände) führen infolge der unrealis-
setzung sφ und der abgeschätzten max. Differenz- tisch hohen Bettungszahlen zu einer deutlich von
setzung Δsmax herangezogen wird. Für p wird im der 2-D-FE-Berechnung abweichenden Verteilung
Allgemeinen die näherungsweise ermittelte, mitt­ der Sohlpressungen. Die beste Übereinstimmung

I
lere Bodenpressung herangezogen. Im gegenständ- mit den 2-D-FE-Berechnungen zeigt in diesem Fall
lichen Beispiel werden als Grenzwertbetrachtung der aus der mittleren Setzung sφ ermittelte Bet-
die aus der FE-Analyse für die beiden Bodenarten tungsmodul ohne Berücksichtigung einer Erhöhung
Sand-Kies und Schluff ermittelten Werte sφ und unter den Wandscheiben. Interessant ist die Band-
­Δsmax für die Ermittlung von ks herangezogen und breite der sich ergebenden Biegemomente. Trotz
für beide Bettungsmoduln in weiterer Folge die Mo- eines Unterschieds der Bettungszahlen von ca.
mentenlinie in der Bodenplatte ermittelt. (Ange-

I
merkt wird, dass die Ermittlung des Bettungsmo-
duls aus dem Wert für die Differenzsetzung Δsmax
alleinig in der Praxis nicht üblich ist und im gegen-
ständlichen Beispiel lediglich als Extremwertbe-
trachtung dient.) Dargestellt werden auch die Biege-
momentenverteilungen für eine in der Praxis häufig
berücksichtigte Erhöhung des Bettungsmoduls un-

I
mittelbar unterhalb der lastabtragenden Wände
(Bild 94), wobei im gegenständlichen Fall ein gän-
giger Erhöhungsfaktor von zwei angesetzt wurde.
In Tabelle 13 sind die aus der FE-Analyse ermittel-
ten smittl- und Δsmax-Werte für den Sand-Kies-Bo-
den und den Schluff-Boden und die daraus ermittel-
I

ten Bettungsmoduln für eine verschmierte mittlere


Bodenpressung von ca. 175  kPa, ermittelt aus der
Auflast von 150 kPa und einem verschmiert ange-
nommenen Eigengewicht des Rahmentragwerks
von ca. 25 kPa angeführt.
In den Bildern 95 bis 97 werden für den Schluff-Bo-
I

den die Setzungslinien, die Bodenpressungen sowie


die Biegemomentenlinien jeweils für die aus sφ so-
wie aus Δsmax ermittelten Bettungsmoduln darge-
stellt, wobei für beide Fälle jeweils noch die Varian-
te einer Erhöhung des Bettungsmoduls unmittelbar
unterhalb der lastabtragenden Wände berücksichtigt Bild 95.  Setzungen für den Schluffuntergrund für
I

wird. Als Referenzwert wird in allen Bildern das ­verschiedene Bettungsmoduln


816 Baugrundverbesserung

Bild 96.  Bodenpressung für den Schluffuntergrund für Bild 98.  Setzungen für den Sand-Kies-Boden für
verschiedene Bettungsmoduln ­verschiedene Bettungsmoduln

die Zielgröße, nämlich die zu ermittelnden Schnitt­


kräfte, verhältnismäßig wenig sensitiv auf die
­Größe des Bettungsmoduls reagieren.
In den Bildern 98 bis 100 sind die entsprechenden
Ergebnisse für den Sand-Kies-Boden dargestellt.
Der größte Wert für den Bettungsmodul, ermittelt
aus Δsmax, liegt bei ca. 65000 kN∕​m2∕​m und somit
noch etwas höher als der max. Wert für den
Schluff-Boden. Dadurch ergeben sich im Feldbe-
reich der Bodenplatte noch etwas geringere Boden-
pressungen. Auch für den Sand-Kies-Boden mit si-
gnifikant höheren Bodensteifigkeiten und in der
Folge signifikant geringeren Setzungen wie für den
Schluff-Boden, zeigt die Referenzkurve aus der
2-D-FE-Berechnung eine deutlich von diesen Wer-
ten abweichende Bodenpressung. Wiederum ergibt
sich die beste Übereinstimmung mit dem aus sφ er-
mittelten Bettungsmodul (ohne Erhöhung der Bet-
tungszahlen unterhalb der lastabtragenden Wände).
Der Unterschied in den Bettungszahlen infolge
­Δsmax und sφ von ca. 65000  kN∕​ m2∕​m zu ca.
10000 kN∕​m2∕​m (Faktor 6,5) führt in diesem Fall
zu einer Bandbreite der Biegemomente mit einem
Bild 97.  Biegemomente in der Bodenplatte für den Faktor von ca. 1,7. Die in den Bildern 95 bzw. 98
Schluffuntergrund für verschiedene Bettungsmoduln dargestellten „vertikalen Verschiebungskurven“ der
Bodenplatten zeigen je nach angesetztem Bettungs-
modul sehr große Streuungen. Verständlicherweise
50000 kN∕​m2∕​m zu ca. 2000 kN∕​m2∕​m (Faktor 25) zeigen die aus sφ ermittelten Bettungsmoduln die
ergibt sich bei der Bandbreite der Biegemomente beste Übereinstimmung mit der jeweiligen Refe-
lediglich ein Faktor in der Größenordnung von renzkurve aus der 2-D-FE-Berechnung. Allgemein
ca. 2. Dies ist ein bereits in Abschnitt 3 erwähntes wird jedoch davor gewarnt die aus derartigen Bet-
Charakteristikum im Bettungsmodulverfahren, dass tungsansätzen ermittelten Verschiebungskurven
Beispiele 817

VIII
I
I
Bild 99.  Bodenpressung für den Sand-Kies-Boden für Bild 100.  Biegemomente in der Bodenplatte für den
verschiedene Bettungsmoduln Sand-Kies-Boden für verschiedene Bettungsmoduln

I
kritiklos zur Beurteilung von zu erwartenden Set- mit einem 3-D-FEM-Modell unter Berücksichti-
zungen heranzuziehen. gung der Boden-Bauwerk-Interaktion durchgeführt.
Der angesetzte Bettungsmodul des Untergrunds zur
Bemessung der Bodenplatte ist in Bild 102 – rechts
6.2 Beispiel 2: Anwendung der
oben – dargestellt. Die beobachteten Setzungen

I
Rütteldruckverdichtung zeigten eine gute Übereinstimmung mit den prog-
nostizierten Setzungen (Bild 102). Die Rütteldruck-
Eine der effektivsten Methoden zur Verbesserung
verdichtungen waren somit eine gute Lösung gegen-
von locker gelagerten kohäsionslosen Böden ist die
über der ursprünglichen Planung von 1312 Stabili-
Rütteldruckverdichtung (RDV). In Bild 101 ist die
sierungssäulen mit 0,8  m Durchmesser und einer
Anwendung einer Rütteldruckverdichtung zur teil-
Länge von durchschnittlich 3,5 m. Dadurch konnten
weisen Gründung eines Hochhauses dargestellt [3],
die Bauzeit verkürzt und zwei Drittel der Kosten

I
welches hinter einer Schwergewichtsmauer zur
eingespart werden. Die Gründung für dieses Fall-
Uferbefestigung errichtet wurde. Das Baufeld wur-
beispiel entspricht einer Kombinationsgründung im
de mit ausgebaggerten Meeressedimenten in einer
Sinne von Abschnitt 5.1.
mittleren bis dichten Lagerung hinterfüllt, sodass
der Baugrund aus feinen bis groben Sanden mit
schluffigen Einlagerungen in größeren Tiefen be- 6.3 Beispiel 3: Anwendung von
stand. Während die Hauptlasten der beiden Türme Rüttelstopfverdichtung
I

hauptsächlich über Schlitzwandelemente in den Bo-


den abgetragen wurden, sollte die Dicke der Boden- Ein mehrstöckiges Hochhaus mit Glasfassade wur-
platte durch entsprechende Maßnahmen, die eine de in einem Bereich mit unterhalb des geplanten
Erhöhung der Bettung der Bodenplatte bewirkt, mi- Gründungsniveaus wechselnden Bodenverhältnis-
nimiert werden. Um die Steifigkeit des Bodens un- sen errichtet [3]. Fast auf der Hälfte der Fläche der
terhalb der Bodenplatte entsprechend zu erhöhen, geplanten Bodenplatte stand weicher Ton an, wäh-
wurden Rütteldruckverdichtungen bis zu einer Tiefe rend im Rest entweder steifer sandiger Ton oder
I

von fünf bis acht Metern unterhalb des Arbeitspla- verdichteter Sand vorherrschend waren (vgl.
nums in Rastern von 2 m × 2 m und 3 m × 3 m Bild  103). Aufgrund der Setzungsempfindlichkeit
(Achsabstand) durchgeführt. Dadurch wurde eine des Gebäudes wurden die zulässigen Setzungen des
deutliche Verbesserung des Bodens erreicht, sodass Bauwerks auf max. 25 mm begrenzt. Berechnungen
anschließend ein Steifemodul Es von durchschnitt- zufolge waren für eine Flachgründung jedoch ca. 29
lich 160 MPa angesetzt werden konnte (Bild 101). bis 56  mm Setzung mit Schiefstellungen beim an-
I

Die Bemessung der Baugrundverbesserung wurde stehenden Baugrund zu erwarten. Aus diesem
818 Baugrundverbesserung

Bild 101.  Verdichtung von ausgebaggertem Material über Rütteldruckverdichtungen (RDV) zur besseren
­Ausnutzung der Bauwerk-Boden-Interaktion

Bild 102.  Berechnete und beobachtete Setzungen der Bodenplatte der Türme


Beispiele 819

VIII
I
I
Bild 103.  Anwendung von Rüttelstopfverdichtung zur Einhaltung der Vorgaben von Differenz- und Gesamt­
setzungen

I
I
I
I
I

Bild 104.  Gemessene Setzungen des Gebäudes bis zum Abschluss der Bauarbeiten
I
820 Baugrundverbesserung

Grund sollte das Gebäude großflächig tiefgegründet ergab. Der Boden besteht aus einer lockeren Auffül-
werden, wofür 720 Bohrpfähle mit einem Durch- lung mit einer Mächtigkeit von ca. 2 m, gefolgt von
messer von 0,5  m und einer Gesamtlänge von darunterliegendem weichen schluffigen Ton. Ab
7920 m notwendig geworden wären. Unter Berück- 6,5 m Tiefe stehen tragfähige Sande mit steifen Ton­
sichtigung der für eine Flachgründung ausreichen- ablagerungen an. Die Unterkante der meisten Fun-
den Tragfähigkeit eines großen Teils des Bodens damente lag zwischen ca. 2 und 2,3  m. Aufgrund
wurde als Alternative zur Tiefgründung eine Bau- einer weichen Tonschicht unterhalb der Funda­
grundverbesserung vorgeschlagen. Die Bemessung mente wurde ursprünglich eine konventionelle Tief-
hierfür umfasste Schottersäulen mit einer Gesamt- gründung vorgesehen, womit eine ausreichende
länge von 3590  m unter Einsparung von 6∕​7 der Tragfähigkeit und die Einhaltung einer Differenz-
Kosten bei einer deutlich kürzeren Bauzeit. Für die setzung von maximal 1:550 ermöglicht worden wä-
Bemessung wurde ein gleichmäßiger Bettungsmo- ren. Bei einem Raster von 8,6 m × 8,6 m hätte da-
dul von 6,25 MPa∕​m angesetzt. Mit der auf Grund- durch der Setzungsunterschied zwischen zwei be-
lage der baubegleitenden Überwachung beobachte- nachbarten Einzelfundamenten maximal 15  mm
ten gleichmäßigen Setzungen des Gebäudes von betragen dürfen. Die Details der ursprünglichen
weniger als 20 mm konnte die Einhaltung der vorge- Bemessungsergebnisse mit Bohrpfählen mit einem
gebenen Setzungskriterien nachgewiesen werden Durchmesser von 0,8  m sind in Tabelle  14 ange-
(vgl. Bild 104). führt.
Die alternative Gründung mit einer Baugrundver-
6.4 Beispiel 4: Anwendung von besserung mittels DSM aus Säulen mit einem
Nassmischverfahren Durchesser von 0,9 m, welche in Gruppen von drei
bis 36 Säulen für neun verschiedene Fundamentty-
Der Einsatz des Nassmischverfahrens (Deep-Soil-​ pen angeordnet wurden, ist in Bild 105 dargestellt.
Mixing DSM) für ein auf Einzelfundamenten ge- In Bezug zur angesetzten charakteristischen inneren
gründetes großes Einkaufszentrum ist in Bild  105 Tragfähigkeit des stabilisierten Bodens von fck =
dargestellt. Die charakteristische Sohlpressung der 2,2  MPa ergibt sich – vereinfacht dargestellt – für
Fundamente lag zwischen 330 und 550 kPa, welche die höchstbelasteten Bereiche ein globaler Sicher-
sich aus Fundamentlasten von bis zu max. 14,5 MN heitsbeiwert für das DSM-Material von 2,88. Die

Bild 105.  Einkaufszentrum, gegründet auf 205 Einzelfundamenten mit darunterliegenden DSM-Säulen


Beispiele 821

Tabelle 14.  Vergleich der Anwendung einer Tiefgründung und einer Gründung mit DSM-Säulen
Gründungs­variante Anzahl Durch­schnittl. Gesamt­länge Gründungs­ Bewehrung [kg]
Länge [m] [m] volumen [m3]

VIII
Bohrpfähle 1154 12,0 2) 13848 4535 227000
∅ 0,8 m
DSM-Säulen 3304 1) 5,5 2) 18172 + 31 % 3292 − 27 % 132000 − 42 %
∅ 0,9 m − 45 %
1)
vor Optimierung bezogen auf den Wassertank
2)
gemessen vom Arbeitsplanum

I
Setzungsberechnung ergab unter Berücksichtigung bäuden errichtet [3]. Die Platzverhältnisse für die
verschiedener Kombinationen von benachbarten Baugrube waren entsprechend begrenzt (vgl.
Einzelfundamenten und Bodenbedingungen, wel- Bild  106). Unter Berücksichtigung der Baugrund-
che auf Basis des nächstgelegenen bekannten Bo- bedingungen aus dichtgelagerten feinen Sanden mit
denprofils ermittelt wurden, dass Gesamt- und Dif- einer bezogenen Lagerungsdichte Id von 0,5 bis 0,7

I
ferenzsetzungen innerhalb der vorgeschriebenen wurde anstatt der Anwendung einer konventionellen
Grenzen lagen. Ein Beispielergebnis ist in Bild 105 Tiefgründung eine optimierte Gründung mithilfe
für drei ausgewählte Einzelfundamente der Typen einer Baugrundverbesserung vorgeschlagen. Die
F7, F6 und F3 mit deutlich unterschiedlichen Bemessung hierfür umfasste 124 DSV-Säulen mit
­Geometrien, Lasten und Rastern der Säulen darge- einem Durchmesser von 1,8 m, die lastorientiert un-
stellt. terhalb der Bodenplatte geplant wurden. Hoch be-
lastete Stützen und lastabtragende Wände wurden

I
Verglichen mit der ursprünglichen Lösung einer somit effektiv unterstützt und die Interaktion von
konventionellen Tiefgründung hat der alternative Bodenplatte und Untergrund berücksichtigt. Die
Vorschlag zu einer Kosteneinsparung von 45 % ge- Säulen hatten planmäßige Längen von 5  m, 11  m
führt (vgl. Tabelle 14). Die Kosteneinsparung ergibt und 13  m ab der bei 14  m unterhalb der Gelän-
sich (trotz der gegenüber der konventionellen Lö- deoberkante liegenden Gründungsebene. Ausge-
sung erhöhten Gesamtlänge) aus einem geringeren führt wurden die DSV-Säulen von einem Arbeits-
Einheitspreis der DSM-Säulen, aus der Reduzie-

I
planum aus, das 1,4 m unterhalb der Geländeober-
rung des Gesamtvolumens der Einzelfundamente kante lag (vgl. Bild 107). Die DSV-Lösung wurde
und der Reduzierung der Bewehrung aufgrund einer favorisiert, da gegenüber der konventionellen Lö-
einheitlicheren Lastverteilung unterhalb der Einzel- sung mit Bohrpfählen ein kleineres Bohrgerät in der
fundamente. Während der Bauausführung wurde Baugrube eingesetzt werden konnte, welches außer-
die Bemessung der Einzelfundamente weiter opti- dem für erforderliche Unterfangungsarbeiten an ei-
miert. In einer Tiefe von 6 m wurde außerdem eine nem angrenzenden Gebäude, genutzt werden konn-

I
Dichtwand um einen Löschwassertank aus sich te. Darüber hinaus wurden überlappende DSV-Säu-
überlappenden DSM-Säulen mit einem Durchmes- len mit Durchmessern von 1,8 m und 2,5 m produ-
ser von 0,8  m und einem Achsabstand von 0,6  m ziert, um einen kreisförmigen Schacht mit einer
erstellt. Durch die Dichtwand konnte der Boden in Dichtsohle in der Gebäudemitte herzustellen
einer trockenen Baugrube ausgehoben, in diesem (Bild 107), womit eine trockene Baugrube möglich
Bereich der noch verbliebene weiche Ton unterhalb wurde. Zehn Säulen entlang der Schachtwand wur-
der planmäßigen Fundamente ausgetauscht und der den zur Erhöhung der Biegetragfähigkeit mit
I

Tank hergestellt werden. Der Tank wurde anschlie- IPE-500-Profilen bewehrt.


ßend zum Abtrag der Lasten einige Bauwerksstüt-
zen genutzt, die ursprünglich auf Einzelfundamen- Zur Ermittlung der zu erwartenden Setzungen wur-
ten mit über DSM-Säulen verbesserten Boden ge- den umfangreiche statische Berechnungen durchge-
gründet werden sollten. Das zeigt die Flexibilität führt, wobei eine Setzung von maximal 50 mm zu-
der DSM-Technologie, die für verschiedene An- lässig war. In Bild 108 sind einige Ergebnisse hierzu
wendungsfälle eingesetzt werden kann. beispielhaft dargestellt. Der Bettungsmodul wurde
I

aus FEM-Analysen mit PLAXIS abgeleitet und da-


6.5 Beispiel 5: Anwendung des nach in eine vereinfachte Steifigkeitskarte (Vertei-
Düsenstrahlverfahrens lung des Bettungsmoduls) überführt, um die Boden-
platte zu bemessen. Die Berechnungen ergaben,
Das 156  m hohe Gebäude Olivia Star in Danzig dass die Lasten zwischen DSV-Säulen und Boden in
wurde mit einem nahezu rechteckigen Grundriss einem Verhältnis von etwa 60 % zu 40 % aufgeteilt
I

auf Geländeoberkante zwischen bestehenden Ge- wurden (der Boden unterhalb der Bodenplatte
822 Baugrundverbesserung

Bild 106.  Gründung des Gebäudes Olivia Star in Danzig unter Berücksichtigung der Bauwerk-Boden-Interaktion
mit DSV-Säulen

Bild 107.  Anordnung der DSV-Säulen unterhalb der Bodenplatte und entlang des mittigen Schachts
Beispiele 823

­ urde vor dem Aufbringen des Magerbetons mittels


w von bis zu 150 % der maximal zu erwartenden Last
Vibrationswalzen verdichtet). Die maximale cha- durchgeführt (vgl. Bild 109). Die beobachtete Set-
rakteristische Last auf eine einzelne DSV-Säule be- zung bei Maximallast betrug nur 5  mm und das
trug 6800 kN. Verhalten übertraf damit die Erwartungen. Das
­
DSV-Material konnte damit eine Druckspannung

VIII
Um die der Bemessung zugrunde gelegte Steifigkeit
von 3,9  MPa bei Maximallast ohne nennenswerte
und Qualität der DSV-Säulen zu validieren, wurde
Kriechverformung aufnehmen.
eine Probebelastung auf der Baustelle mit einer Last

I
I
I
I
Bild 108.  Ergebnisse der FE-Berechnungen für das Bauwerk-Boden-Interaktionsmodell mit DSV-Säulen

I
I
I
I

Bild 109.  Statische Probebelastung einer DSV-Säule mit bis zu 10 MN


824 Baugrundverbesserung

6.6 Ökologischer Fußabdruck sion hat. Auch in diesem Fall führt die Baugrund-
verschiedener Gründungsvarianten verbesserung gegenüber der Tiefgründung zu einer
erheblichen Reduzierung der CO2-Emissionen von
Die Projektbeispiele von Abschnitt 6.3 (Rüttelstopf- 16 %.
verdichtung) und 6.4 (Nassmischverfahren DSM)
können für einen Vergleich der CO2-Emissionen in
Verbindung mit verschiedenen Gründungslösungen 7 Ausblick
herangezogen werden. Die Berechnung der CO2-​ In einem abschließenden kurzen Ausblick soll auf
Emissionen wurden mit einem standardisierten zukünftig zu erwartende Tendenzen und Entwick-
Excel Tool (Carbon Calculator v.3 [128]) durchge- lungen eingegangen werden, die im Zusammenhang
führt, das zusammen von EFFC (European Federa- mit Baugrundverbesserungsmaßnahmen bedeutsam
tion of Foundation Contractors) und DFI (Deep sind.
Foundations Institute) entwickelt wurde. Die auf
Material- und Energieverbrauch sowie Fracht- und Es ist davon auszugehen, dass die Bedeutung
Personentransport bezogene Emission wurde mit von  Baugrundverbesserungsmaßnahmen zukünftig
projektspezifischen Daten berücksichtigt, während noch deutlich zunehmen wird. Gründe hierfür sind
für das Einrichten und Räumen der Baustelle, die u. a.:
hergestellte Gründung und den produzierten Abfall −− Weltweit nimmt die Zahl und die Bedeutung
die Standardeinstellungen verwendet wurden. Alle von Landgewinnungsprojekten zu, die fast im-
Berechnungen wurden auf Basis eines Hochofen­ mer mit Baugrundverbesserungsmaßnahmen
zements des Typs CEM III∕​A mit einem standard- verbunden sind.
mäßigen Hüttensandanteil von 51 % zur Pfahlher- −− Auch die Bebauung aus gründungstechnischer
stellung inkl. der Pfahlköpfe und für DSM Körper Sicht schwieriger oder zu dekontaminierender
durchgeführt. Für den Anteil an recyceltem Stahl Flächen und Gebiete wird noch zunehmen, was
wurde eine Standardeinstellung von 41 % verwen- wiederum spezielle Gründungs- und Baugrund-
det. Die Ergebnisse sind in Bild 110 dargestellt. verbesserungsmaßnahmen erfordert.
Im Falle des Beispiels von Abschnitt 6.3 ist ein −− Der in diesem Beitrag im letzten Abschnitt noch
deutlicher Unterschied der CO2-Emissionen zu- einmal aufgegriffene Aspekt des ökologischen
gunsten der Baugrundverbesserung aufgrund einer Fußabdrucks wird auch im Bereich des Tiefbaus
Kombination von umweltfreundlicher Technologie zunehmend an Bedeutung gewinnen. Und wie
(Rüttelstopfverdichtung) mit optimierter Bemes- die Beispiele in diesem Beitrag zeigen, weisen
sung feststellbar, wobei die Baugrundverbesserung Baugrundverbesserungsmethoden hierbei güns-
nur unter einem Teil der Bodenplatte durchgeführt tige Eigenschaften auf.
werden musste. Für das Beispiel in Abschnitt 6.4 ist −− Im Zusammenhang mit vorigem Punkt kommt
der Vergleich komplexer. Hierfür müssen nicht nur der Ressourcenschonung zukünftig eine zuneh-
die unterschiedlichen Ansätze für die Gründung mende Bedeutung zu. Baugrundverbesserungs-
(Bohrpfähle und DSM-Säulen) berücksichtigt wer- verfahren beruhen auf dem Prinzip, dass für
den, sondern auch die damit verbundenen Änderun- bestimmte Anforderungen nicht geeignetes Bo-
gen des Gesamtvolumens und die Menge der Be- denmaterial in einen geeigneten Stoff umge-
wehrung der Gründungselemente, was ebenfalls ei- wandelt wird, was dem Prinzip der Ressourcen-
nen großen Einfluss auf die kombinierte CO2-Emis- schonung sehr nahekommt.

Bild 110. CO2-Emissionen bei zwei ausgewählten Projekten bezogen auf einen Entwurf mit einer Tiefgründung
s­ owie einen Entwurf mit einer Baugrundverbesserung
Literatur 825

Aus der zunehmenden Bedeutung und dem zu er- 8 Literatur


wartenden verstärkten Einsatz von Baugrundver-
[1]   EN 1997-1:2014-11 (2014) Eurocode 7 – Entwurf,
besserungsmaßnahmen sind auch entsprechende Berechnung und Bemessung in der Geotechnik –
Neu- und vor allem Weiterentwicklungen im Be- Teil 1: Allgemeine Regeln (konsolidierte Fassung).
reich der Verfahrens-, der Steuerungs- und der Ge-

VIII
rätetechnik, im Falle von Baugrundverbesserungs- [2]    Sondermann, W., Kirsch F. (2017) Baugrundver-
maßnahmen auch im Bereich der Nachweisführung besserung und Injektionen, Grundbau-Taschenbuch,
Teil 2: Geotechnische Verfahren (Hrsg. Witt K. J.),
und Qualitätskontrolle und -sicherung zu erwarten. Ernst & Sohn, 8. Auflage, S. 167–262.
Im Bereich der Verfahrens-, Geräte- und Steue-
rungstechnik wird das Thema „big data“ eine zu- [3]   Topolnicki, M. (2018) Ground Improvement instead
nehmend größere Rolle spielen. Bereits jetzt findet of piling – effective design solutions for heavily loaded
im Zuge der Bauausführung die Aufzeichnung gro- structures; EFFC Conference 2018, Rom, pp. 1128–
ßer Datenmengen aus dem Gerätebetrieb statt, die 1137.

I
zukünftig neben qualitätssichernder und dokumen- [4]   Massarsch, K. R., Fellenius, B. H. (2015) Deep vib-
tierender Funktion verstärkt in die Verfahrenssteue- ratory compaction of granular soils. Chapter 4 in
rung Eingang finden werden (Stichwort „Machine Ground Improvement Case Histories Compaction
Learning“). Grouting and Geosynthetics, Elsevier Ltd., pp. 111–
135.
Als Basis für das Design und die Qualitätssicherung [5]   Marte, R., Schuller, H. (2003) Nachweis einer durch
wird ein noch stärkerer Fokus auf das tiefere (theo-

I
Schottersäulen sanierten Rutschung mittels FE-Me-
retische) Verständnis der (boden-)mechanischen thode, Geotechnik (11).
Prozesse bei einzelnen Baugrundverbesserungsver-
[6]   Lüftenegger, R., Schweiger H. F., Marte, R. (2003)
fahren stattfinden. Ein Beispiel hierfür ist der nach Innovative solutions for supporting excavations in
wie vor in unzureichender Tiefe verstandene Erosi- slopes. Proceedings of the 18th International Confe-
onsprozess im Zusammenhang mit dem Düsen- rence on Soil Mechanics and Geotechnical Enginee-
strahlverfahren. Ein anderer Aspekt wird die ver- ring, Paris, 2013, pp. 2047–2050.

I
tiefte mechanische Abbildung der Herstellungspro-
[7]   Marte, R., Garber, E., Ausserer, G., Sommeregger,
zesse selbst sein. Immer wieder ist festzustellen, K. (2004) Tiefgründung eines Logistik-Centers in wei-
dass die in Hinblick auf mögliche Verformungen chen organischen Seeablagerungen im Vorarlberger
oder Schäden an Bestandsobjekten kritischste Zeit- Rheintal. 19. Christian Veder Kolloquium, Graz, 2004,
spanne während der Bauausführung die Herstel- S. 231–248.
lungsphase von Pfählen, Säulen, DSV- oder
DSM-Elementen, Rüttelarbeiten etc. selbst ist. Und [8]   Berger, M., Leibniz, O., Marte, R. (2018) Rüttel-

I
druckverdichtung zur Verringerung der Wasserdurch-
zur Vermeidung dieser unerwünschten Nebeneffek- lässigkeit sowie zur Erhöhung der Suffosionsstabilität.
te während der Herstellungsphase selbst ist das ver- Proceedings of the 16th Danube-European Conference
tiefte Verständnis der Interaktion zwischen Produk- on Geotechnical Engineering, 2018, Ernst & Sohn, S.
tionsprozess und Boden neben der erforderlichen 975–980.
Kompetenz und Erfahrung der ausführenden Fir-
[9]   Berger, M. (2017) Rütteldruckverdichtung zur Ver-
men entscheidend. ringerung der Wasserdurchlässigkeit sowie zur Erhö-

I
Eine weitere Herausforderung für die Zukunft ist hung der Suffosionsstabilität, Masterarbeit am Institut
die Einbindung des BIM-Prozesses in den Spezial- für Bodenmechanik und Grundbau, Technische Uni-
tiefbau oder vielleicht auch treffender ausgedrückt versität Graz.
des Tiefbaus ins BIM. Während BIM im Hochbau [10]   Ground Improvement Committee of the Deep
und in der Tragwerksplanung schon etabliert ist, hat Foundation Institute: Commentary on the selection,
dieser Prozess im Spezialtiefbau vor wenigen Jah- design and specification of ground improvement for
ren erst begonnen. Mit BIM sind sowohl Chancen mitigation of earthquake-induced liquefaction. DFI
I

wie auch große Herausforderungen verbunden. Journal 7 (1), August 2013, pp. 3–12.
Abschließend kann aus Sicht der Autoren ange- [11]   Liedekerke, M. v., Prokop, G., Rabl-Berger, S.,
Kibblewhite, M., Louwagie, G. (2014) JRC Reference
merkt werden, dass die Vielfalt an Baugrundverbes- report: Progress in the management Contaminated Si-
serungsverfahren, die damit verbundenen, gegen- tes in Europe, IES.
wärtigen wie zukünftigen Herausforderungen und
Chancen aber auch der Umgang mit den damit ver- [12]   Weisgram, M., Brandner, P., Foditsch, S., Dörrie,
I

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