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Bericht von der 167. Frühjahrs-Generalkonferenz
der Kirche Jesu Christi
der Heiligen der Letzten Tage

Ansprachen vom 5. und 6. April 1997


aus dem Tabernakel auf dem Tempelplatz in Salt Lake City, Utah

Thema drängten sich die Men-


Ein wichtiges
Früh] ahrs-Generalkonferenz
dieser sollten,
schen den ganzen Tag lang im
waren die Pioniere. „Ich Haus des Herrn.' . .

möchte nun noch etwas mehr So wurde die Tempelarbeit bis


über unsere Vorfahren sagen. Ich 1.30 Uhr nachts fortgesetzt", sagte
möchte darauf eingehen, wie ge- „Darum waren
Präsident Faust.
waltig ihre Leistung war und was die Segnungen des Tempels für
das für uns bedeutet", sagte Präsi- Brigham Young und die Pioniere
dent Gordon B. Hinckley in der eine ihrer letzten Bestrebungen,
allgemeinen Versammlung am als sie Nauvoo verlassen mußten.
Sonntagvormittag. Aus demselben Grund galten Prä-
„Es ist wunderbar, das erhabene sident Youngs Gedanken, als sie
Vermächtnis zu erhalten, das von im Großen Salzsees anka-
Tal des
Die Mitglieder stehen in Reihen vor dem Tabernakel.
der leitenden Hand des Herrn men, wiederum der Aufgabe,
spricht, vom offenen Ohr seiner Gottes Kindern diese ewigen Seg-
Propheten, vom völligen Engagement der zum Mose, Rut, Johannes der
Beispiel nungen zukommen zu lassen, indem sie
großen Gemeinde von Heiligen, die diese Täufer und der Prophet Joseph Smith. Tempel bauten und in Betrieb nahmen.
Sache mehr liebten als ihr eigenes Leben! „Wenn man die Geschichte der heiligen Der Bau von Tempeln und die Got-
Da nimmt es nicht wunder, daß so viele Schriften von Anfang bis Ende liest, be- tesverehrung im Tempel waren die
Hunderttausende von uns, ja, sogar Mil- gegnet man dem größten Pionier: Jesus hauptsächlichen Beweggründe für die
lionen sich im Juli die Zeit nehmen wer- Christus. . . . Seine Mission, sein Wirken Bereitschaft der Pioniere, auf ihrem
den, der Pioniere zu gedenken, ihre gro- unter den Menschen, seine Lehren von bemerkenswerten Zug in die unfrucht-
ßen Leistungen zu feiern und sich an dem der Wahrheit, seine Werke der Nächsten- bare, abgeschiedene Wüste des Westens
Wunderbaren zu freuen, das aus der liebe, seine unerschütterliche Liebe stim- so vieles zu erleiden und zu ertragen",
Grundlage, die sie gelegt haben, entstan- men uns dankbar und lassen es uns warm sagte Präsident Faust.
den ist", sagte er. ums Herz werden. Jesus Christus, der Er- Die Leser können in dieser Konferenz-
„Jetzt haben wir 1997, und die Zukunft retter der Welt - ja, der Sohn Gottes - war ausgabe nicht nur die Ansprachen lesen,
liegtvor uns", sagte Präsident Hinckley. und der größte Pionier, denn er ist vor-
ist sondern auch nachlesen, welche admini-
„Wir haben große Bildungseinrichtungen. ausgegangen und hat allen anderen den strativen Maßnahmen ergriffen wurden
Wir haben einen großen Schatz an Genea- Weg gewiesen, den sie gehen sollen", (lesen Siedazu bitte die Eröffnungs-
logie. Wir haben Tausende von Gottes- sagte Präsident Monson. ansprache von Präsident Hinckley auf
häusern. Die Regierungen der Welt Präsident James E. Faust, der Zweite Seite 4), welche Beamten der Kirche be-
blicken mitAchtung und Wohlwollen auf Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, stätigt wurden (siehe Seite 7) und was es
uns. Die Medien behandeln uns gut. Dies sprach in der Versammlung am Samstag- in der Kirche Neues gibt (siehe Seite 96).
istdie große Zeit unserer Möglichkeiten." vormittag: „Der 3. Februar 1846 war ein Die Videokassetten von der General-
Präsident Thomas S. Monson, der Erste bitterkalter Tag in Nauvoo in Illinois. An konferenz werden den Einheiten zuge-
Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, jenem Tag schrieb Präsident Brigham schickt, die die Übertragung nicht emp-
sprach in der Versammlung am Sonntag- Young in sein Tagebuch: Obwohl ich an- , fangen konnten.
vormittag von weiteren Menschen, die gekündigt hatte, daß an diesem Tag keine
wir als Pioniere bezeichnen können, wie heiligen Handlungen vollzogen werden Die Herausgeber

JULI 199 7
DER STERN In Ansprachen behandelte Themen Die Sprecher auf der
Juli 1997 123. Jahrgang Nummer 7 anläßlich der Generalkonferenz und der Allgemeinen Konferenz in alpha-
JD-Versammlung im April 1997 betischer Reihenfolge
Offizielle deutschsprachige Veröffentlichung der
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Ansprache beginnt auf der angegebenen Seite)

Die Erste Präsidentschaft:


Gordon B. Hinckley, Thomas S. Monson, James E. Faust Aaronisches Priestertum, 39, 23, 26, 30, 32, 34, 39, 59, 68, Ballard, M. Russell, 59

Das Kollegium der Zwölf: 47 70, 75, 79, 90 Banner, Kristin, 87


Boyd K. Packer, L.Tom Perry, David B. Haight, Abendmahl, 8, 14 Karriere, 14 Beckham, Janette
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson, Dallin H. Oaks,
M. Russell Ballard, Joseph B. Wirthlin, Richard G. Scott,
Abfall vom Glauben, 50, 68 Kinder, 12, 34, 77 Haies, 90
Robert D. Haies, Jeffrey R. Holland, Henry B. Eyring Arbeit, 70 Kirche, 4, 68, 82 Brough, Monte J., 26

Chefredakteur: Jack H Goaslind Auferstehung, 17, 32 Kreuzigung, 50 Brown, L. Edward, 77


Redaktionsleitung: Bauprojekte, 4 Lehre, 8 Burton, David H., 75
L. Lionel Kendrick, Wm. Rolfe Kerr Bekehrung, 47, 79 Liebe, 12, 14, 23, 59, 70, 79, 82 Child, Sheldon F., 28
Abteilung Lehrplan: Berufung, 26, 41, 73 Missionare, 26, 44 Eyring, Henry B., 23
Geschäftsführender Direktor: Ronald L. Knighton
Bestätigung (von Führern Mitmenschen, 82 Faust, James E., 17, 41
Direktor Planung und Redaktion: Brian K. Kelly
Direktor Künstlerische Gestaltung: Allan R. Loyborg der Kirche), 4, 7 Mütter, 34 Goaslind, Jack H, 39
Redaktion: Besuchslehren, 21, 73 Offenbarung, 26, 68, 82 Haight, David B., 37
Geschäftsführender Redakteur: Marvin K. Gardner Beten, 11, 34, 77 Pioniere, 4, 7, 14, 17, 34, 37, Haies, Robert D, 79
Assist. Geschäftsführender Redakteur: R. Val Johnson
Stellvertreter: David Mitchell
Bibel, 50 59, 68, 82, 83, 84, 90 Hernändez, Alejandra, 89
Assist. Redakteurin/Kinderstern: DeAnne Walker Bischof, 21, 41, 75 Plan des Glücklichseins, 8, Hinckley, Gordon B., 4, 47,
Terminplanung: Maryann Martindale
Assistentin Veröffentlichungen: Beth Dayley
Buch Mormon, 50 11,57 65, 82
Bündnisse, 12, 14, 17, 28, 57, Priestertum, 14, 23, 39, 41, 44, Holland, Jeffrey R., 34
Gestaltung:
Manager Grafische Gestaltung: M. M. Kawasaki 70 47, 68, 73, 79 Jack, Elaine L., 73
Direktor Künstlerische Gestaltung: Scott Van Kampen Dankbarkeit, 7, 32, 59, 65, 83, Prioritäten, 59, 70 Lavatai, Fono, 88
Layout: Sharri Cook
84 Prophet, 23, 32, 39, 90 Maxwell, Neal A., 11
Verantwortlich für Übersetzung und Lokalteil:
Dienen, 32, 41, 75 Prüfungen, 11, 30, 59, 79, 70 Monson, Thomas S., 7, 44,
Deutsches Übersetzungsbüro
Max-Planck-Straße 23a, D-61381 Friedrichsdorf Einfluß, 39 Rat, 23 50,92
Telefon: (0 6 72) 73 64
1 und 73 64 1 1 1 Entscheidungen, 82 Rechtschaffenheit, 90 Nelson, Russell M., 70
Vertrieb: Entscheidungsfreiheit, 21 Samariter, 75 Oaks, Dallin H, 21
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage Erhöhung, 90 Satan, Der, 23, 47, 70 Packer, Boyd K, 8
Industriestraße 21 , D-61381 Friedrichsdorf
Evangelium, 14, 44, 65 Schuld, 8 Parkin, Bonnie D, 83
Deutschland - Leserservice
Telefon: (061 72) 71 03-23; Telefax: (061 72) 71 03-25
Ewiges Leben, 17, 23, 59, 70 Segnungen, 11 Pearce, Virginia H, 84
Familie, 17, 34 Selbständigkeit, 21 Perry, L. Tom, 68
Osterreich und Schweiz - Leserservice
Telefon: (061 72) 71 03-96; Telefax: (061 72) 71 03-80 Fastopfer, 75 Sicherheit, 23 Pinegar, Patricia P, 12

© 1997 Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage


FHV, 4, 7, 73 Siebziger, Kollegien der, 4, 7 Scott, Richard G., 57
Alle Rechte vorbehalten Freude, 12, 59, 75 Smith, Joseph, 17, 50, 59, 65, Simmons, Dennis E., 30
Printed in Germany Fröhlichkeit, 82 68 Taylor, Jerald L., 32
Die Internationale Zeitschrift der Kirche, deutsch Gebietsautoritäten-Siebziger, Sterblichkeit, 11, 23, 57 Wirthlin, Joseph B., 14
„DER STERN", erscheint monatlich auf chinesisch, dänisch,
Sühnopfer, 8, 11, 14, 32, 34,
4
deutsch, englisch, finnisch, französisch, holländisch,
italienisch, japanisch, koreanisch, norwegisch, portugie- Gebote, 39, 68, 79 50, 57, 82
sisch, samoanisch, schwedisch, spanisch und tongaisch; Generalkonferenz, 14, 23, 59, Sünde, 8, 47, 50, 59
zweimonatlich wird sie auf indonesisch, tahitisch und thai
veröffentlicht, vierteljährlich auf bulgarisch, isländisch,
82 Taufe, 8, 44
russisch, tschechisch und ungarisch. Glaube, 4, 7, 11, 14, 23, 44, 59, Tempel, 4, 14, 17, 28, 34, 57,
USA and Canadian subscription price is $9.00 per year. 79, 83, 90 65, 90, 92
Sixty days' notice required forchange of address. Include
Glück, 8, 41, 47, 57 Tod, 11, 17
address label from a recent issue; changes cannot be made
unless both old address and new one are included. Send Gott, 8, 11, 12, 14, 17, 23, 28, Treuhandschaft, 14
USA and Canadian subscriptions and queries to Salt Lake 32, 34, 37, 41, 50, 57, 59, 73, Umkehr, 8, 14, 32, 79
Distribution Center,Church Magazines, P. O. Box 26368,
Salt Lake City, UT 84126-0368, USA. Subscription help
82,84 Väter, 34
line: 1-800-453-3860, USA ext. 2947; Canada ext. 203 1 Grundsätze, 37, 90 Verständigung, 77
Credit card Orders (Visa, Mastercard, American Express)
Gutes Beispiel, 79 Versuchungen, 68, 70
may be taken by phone. Periodicals postage paid at Salt
Lake City, Utah. Heilige Schriften, 8, 79 Vorirdisches Dasein, 57
DER STERN, ISSN 1044-338X, is published by The Church Heiliger Geist, 11, 23, 30, 34, Wachstum der Kirche, 4, 37,
of Jesus Christ of Latter-day Saints, 50 East North Temple, 39, 59, 68, 70, 77 39
Salt Lake City, UT84150.
Heimlehren, 14, 21 Wahrheit, 14
POSTMASTER: Send address changes to Salt Lake
Distribution Center, Church Magazines, P. O. Box 26368, In die Gemeinschaft Welt, 30, 50, 57, 79
Salt Lake City, UT 841 26-0368, USA. integrieren, 44, 47, 79 Wohlfahrt, 75
Jahresabonnement: JD,90 Young, Brigham, 41, 65
DEM 2 1 ,00; ATS 47,00; CHF 2 ,00
1
1 Jeder Schritt im Glauben - Zeit, 57
Bezahlung erfolgt an die Gemeinde bzw. den Zweig Video, 62 Zeugnis, 26, 79, 92
oder auf eines der folgenden Konten:
D Commerzbank Frankfurt, Jesus Christus, 4, 8, 11, 17, 21, Zukunft, 65, 82
KontoJMr, 588645200, BLZ 500 400 00
A Erste Österreichische Spar-Casse-Bank,
Konto-Nr. 004-52602
MUSIK AUF DER GENERALKONFERENZ
CH Schweizerischer Bankverein, Birsfelden,
Konto-Nr. 30-301,363.0 Samstagvormittag, 5. April 1997 - Allgemeine Versammlung
Adressenänderung bitte einen Monat im voraus melden Mormon Youth Chorus, geleitet von Robert C. Bowden, mit Linda S. Margetts an der Orgel.
Erscheint zwölfmal im Jahr Samstagnachmittag, 5. April 1997 - Allgemeine Versammlung
Vereinigte Institutschöre Logan-Ogden, geleitet von Don Castleton, mit Bonnie Goodliffe an der Orgel.

Samstagabend, 5. April 1997 - Priestertumsversammlung


Ricks College Vereinigte Männerchöre, geleitet von Kevin Brower und Steve Dresen, mit Richard Elliott an der Orgel.
Sonntagvormittag, 6. April 1997 - Allgemeine Versammlung
Mormonen tabernakelchor, geleitet von Jerold D Ottley, mit Clay Christiansen an der Orgel.
97987 150 Sonntagnachmittag, 6. April 1997 - Allgemeine Versammlung
German Mormonentabernakelchor, geleitet von Craig Jessop, mit John Longhurst an der Orgel.

DER STERN
DER STERN
JULI 1997

1 Bericht von der 167. Frühjahrs-Generalkonferenz Versammlung am Sonntagnachmittag


der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 68 Der Geist, der dazu bewegt, Gutes zu tun. Eider L. Tom Perry
5.und 6. April 1997
70 Ausharren und emporgehoben werden.
Eider Russell M. Nelson
Versammlung am Samstagvormittag
73 „Ein kleiner Stein". Elaine L. Jack
4 Mögen wir dem Glauben treu bleiben.
Präsident Gordon B. Hinckley 75 „Geh und handle genauso". Bischof H. David Burton

7 Die Bestätigung der Beamten der Kirche. 77 Im Namen Jesu Christi zum Vater beten.
Präsident Thomas S.Monson Eider L. Edward Brown

8 Reingewaschen. Präsident Boyd K. Packer 79 „Und wenn du dich bekehrt hast, dann stärke deine
Brüder". Eider Robert D. Haies
11 „Vondem all Segen fließt". Eider Neal A. Maxwell
82 Unser Zeugnis an die Welt. Präsident Gordon B. Hinckley
12 Nehmen wir uns der Seele der Kinder an.
Patricia P. Pinegar
Allgemeine JD-Versammlung
14 „Treu stets der Wahrheit". Eider Joseph B. Wirthlin
83 Lernen, jeden Schritt im Glauben zu gehen. Bonnie D. Parkin
17 Die Ewigkeit liegt vor uns. Präsident James E. Faust
84 Geht immer weiter und gebt der Zeit eine Chance.
Virginia H. Pearce
Versammlung am Samstagnachmittag
87 Freundinnen, die zusammenhalten. Kristin Banner
20 Der Bericht des Buchprüfungskomitees der Kirche.
Ted E. Davis 88 Eine rechtschaffene Entscheidung. Fono Eavatai

20 Statistischer Bericht 1996. F. Michael Watson 89 Christus näher kommen. Alejandra Hernändez

21 „Bischof, Hilfe
!

". Eider Daliin H Oaks 90 Heutige Pioniere. Janette Haies Beckham


23 Rat annehmen und sicher sein. 92 Wir sind alle Pioniere. Präsident Thomas S. Monson
Eider Henry B. Eyring

26 Eine heilige Berufung. Eider Monte Brough 52 Die Generalautoritäten der Kirche Jesu Christi
J.

der Heiligen der Letzten Tage


28 Unser Wort genügt. Eider Sheldon F. Child

30 Sein Friede. Eider Dennis E. Simmons Bericht für die Kinder von der Frühjahrs-Generalkonferenz
32 Dankbarkeit. Eider Jerald L. Taylor
95 Sie haben zu uns gesprochen
34 „Weil sie eine Mutter ist". Eider Jeffrey R. Holland
96 Nachrichten der Kirche
Priestertumsversammlung
37 Grundsätzlich hat sich nichts geändert.
Eider David B. Haight Die Fotos in dieser Ausgabe stammen von Craig Dimond, John Luke, Maren Mecham,
Greg Frei, Tamra Hamblin, Matt Reier, Don Thorpe, Bryant Livingston und Jed Call.
39 „Mit seiner Stärke kann ich alles tun".
Eider Jack H Goaslind KONFERENZAUFNAHMEN ERHÄLTLICH
Kassetten von den Konferenzversammlungen für die Gemeindehausbibliothek sind
41 Die Macht des Priestertums. Präsident James E. Faust normalerweise bei den englischsprachigen Versandzentralen innerhalb von zwei
Monaten nach der Konferenz erhältlich. Aufnahmen für Hörbehinderte (Videokassetten
44 Sie werden kommen. Präsident Thomas S. Monson
mit Übertragung in Gebärdensprache) und für Sehbehinderte (Audiokassetten
47 Unsere neuen Mitglieder und die jungen Männer. mit langsamerem Lauf) sind bei folgender Adresse erhältlich: Special Curriculum,
50 East North Temple Street, Salt Lake City, Utah 84150, USA.
Präsident Gordon B. Hinckley
BESUCHSLEHREN
Versammlung am Sonntagvormittag und der Juliausgabe des Stern, in denen die Generalkonferenz-
In der Januar-
ansprachen abgedruckt sind, steht keine eigene Besuchslehrbotschaft. Die Besuchs-
50 Sie wiesen den Weg. Präsident Thomas S. Monson lehrerinnen sollen gebeterfüllt darüber nachdenken, was die Schwestern, die sie
besuchen, brauchen, und dann als Besuchslehrbotschaft eine Konferenzansprache
57 Jesus Christus, unser Erlöser. Eider Richard G. Scott
auswählen, die für die betreffenden Schwestern geeignet ist.

59 Sie brauchen sich vor der Reise nicht zu fürchten.


AUF DEM UMSCHLAG
Eider M. Russell Ballard
Außen: „Siehe, ich bin Jesus Christus", Gemälde von Gary L. Kapp; Ol auf Leinwand,

62 Jeder Schritt im Glauben: ca.150 X 150 cm, 1997. Mit freundl. Genehmigung von David Larsen.
Innen vorn: Foto von Jed Clark.
die heroische Reise der Pioniere [Video]
Innen hinten: Gebet und Weihung des Salzseetals, Gemälde von Valoy Eaton; Öl auf Lein-
65 „Dem Glauben treu". Präsident Gordon B. Hinckley wand, ca. 90 X 140 cm, 1996. Mit freundl. Genehmigung der Sammlung der Zions Bank.

JULI 1997
Versammlung am Samstagvormittag
5. April 1997

Mögen wir dem Glauben


treu bleiben
Präsident Gordon B. Hinckley

Der Herr wacht über sein Reich. Er inspiriert die Führer


in seinem Reich, und sie kümmern sich um die Mitglieder,
deren Zahl unablässig wächst.

versammeln können. Es wird in dem Stra-


ßenblock stehen, der direkt nördlich vom
Tempelplatz liegt, und viermal so viele
Menschen fassen wie das Tabernakel.
Es wird für die Generalkonferenz
und für andere Zwecke genutzt werden,
die seiner Bestimmung entsprechen. Die
Bühne wird so angelegt sein, daß dort ein
großes Theaterstück aufgeführt werden
kann. Wir werden das Gebäude anfangs
vielleicht nicht ausfüllen, aber wir bauen
ja mit langfristigem Ausblick.
Dieses wundervolle Tabernakel hat uns
bisher gute Dienste geleistet, und das
wird auch weiterhin so sein. Die Sendun-
gen mit dem Tabernakelchor werden wei-
terhin hier aufgenommen werden, und es
werden Versammlungen statt-
hier viele
finden. DiesesGebäude hat erstaunliche
Während der Konferenz im Tabernakel.
Eigenschaften und unterscheidet sich

Meine lieben Brüder und Schwe-


möchte ein paar einlei-
stern, ich
von anderen Gebäuden. Es ist einzigartig
und wundervoll. Allerdings finden heute In Venezuela suchen wir weiterhin nach
tende Worte sagen. Wir heißen schon Regionskonferenzen statt, an denen einem geeigneten Bauplatz. Wir freuen
Sie willkommen, wo immer in der Welt nur sechs, sieben Pfähle teilnehmen und uns, daß wir Ihnen heute sagen können,
Sie sein mögen. Wir grüßen Sie voll Liebe. zu denen viel mehr Menschen kommen, daß wir in Albuquerque, New Mexico,
Dies ist sowohl eine Generalkonferenz als das Tabernakel fassen kann. den Bauplatz für den Tempel gekauft
als auch eine Weltkonferenz. Einhundert- Da wir schon von Bauprojekten spre- haben, ebenso in Campinas in Brasilien,
siebenundsechzig Jahre sind vergangen, chen, möchten wir Sie daran erinnern, wo ein großer Bedarf besteht. Über wei-
seit die Kirche gegründet wurde. Seitdem daß wir auch weiterhin neue Tempel tere Orte wird noch nachgedacht. Ich
wächst sie kontinuierlich. Ende 1996 be- bauen. Vom 1. bis 5. Juni wird der hoffe, daß wir die Tempel so haben wer-
trug die Zahl der Mitglieder 9 700 000. Wir St.-Louis-Tempel in Missouri geweiht. den, daß die Mitglieder der Kirche in
sind gewaltig viele geworden. Bis Ende Diesen Herbst wird der Tempel in Vernal, zumutbarer Entfernung von diesem heili-
dieses Jahres dürften wir die Zehn-Millio- Utah, geweiht. gen Haus leben.
nen-Marke erreicht haben. An den folgenden Orten geht die Arbeit Ich lebe zwar damit, aber der Tempel-
Ich möchte in meiner Einleitung kurz planmäßig voran: Preston, England; bau ist für mich immer noch ein großes
auf drei, vier Punkte eingehen, die für Sie Bogota, Kolumbien; Guayaquil, Ecuador; Wunder. Wir bemühen uns, so und an
alle hoffentlich von Interesse sind. Denen, Cochabamba, Bolivien; Santo Domingo, solchen Orten in aller Welt zu bauen, daß
die weit draußen sind, möchte ich sagen, Dominikanische Republik; Recife, Bra- diese Häuser des Herrn auch im Millen-
daß wir hier aus dem historischen Taber- silien, und Madrid, Spanien. In Boston nium noch stehen und in Betrieb sind.
nakel auf dem Tempelplatz in Salt Lake macht der Genehmigungsprozeß Fort- Zum nächsten Punkt: die Präsident-
City sprechen. Wir hoffen, daß wir am 24. schritt. Die Planung für den Tempel in schaft der FHV wird anläßlich dieser
Juli den ersten Spatenstich für ein neues Nashville, Tennessee, ist zwar etwas auf- Konferenz entlassen. Diese Frauen haben
Versammlungsgebäude tun können, dem geschoben worden, aber sie geht weiter. große und bedeutsame Arbeit geleistet.
wir noch keinen Namen gegeben haben, In Billings, Montana, und in White Plains, Sie haben über acht Jahre gedient und
wo sich dann wenigstens für viele Jahre New York, ebenso wie in Monterrey, ihre Zeit und ihre mannigfaltigen Talente
alle, die das wollen, zur Generalkonferenz Mexiko, haben die Vorarbeiten begonnen. selbstlos eingesetzt. Sie waren den Frauen

DER STERN
der Kirche großartige Führerinnen und werden in jeder Hinsicht Generalautori- sen, der Konferenz die Namen dieser Ge-
haben auch in anderen Ausschüssen täten sein. bietsautoritäten zur Bestätigung für die
und Komitees, denen sie angehörten, mit- Außerdem haben wir einen glaubens- Ordinierung zum Siebziger vorzulegen.
gewirkt. Wir sind ihnen aus tiefstem Her- treuen Führungsstamm von Brüdern, die Sie stehendann zueinander in einer Kol-
zen dankbar. Formell wird dies ausge- als Gebietsautoritäten dienen. Sie sind legiumsbeziehung, und die Präsidenten
sprochen, wenn Präsident Monson gleich überall dort berufen worden, wo die Kir- der Siebziger präsidieren über sie. Wir
im Anschluß an meine Ausführungen che besteht. Es sind glaubenstreue, enga- nennen sie Gebietsautorität-Siebziger, und
die Generalautoritäten und die leitenden gierte Männer. Es sind Männer, die die siedienen über einen Zeitraum von meh-
Beamten der Kirche vorlegt. Kirche lieben und die schon in vielen Äm- reren Jahren auf ehrenamtlicher Basis in
Ich komme jetzt zu den Siebzigern. Wie tern gedient haben. Wir sind hier im Land dem Gebiet, in dem sie wohnen. Sie wer-
Sie wissen, haben wir zwei Siebziger- und im Ausland viel gereist und haben den von der Ersten Präsidentschaft be-
kollegien, die als Generalautoritäten mit mit vielen von ihnen zusammengear- rufen und unterstehen der allgemeinen
Zuständigkeit für die gesamte Kirche die- beitet und sind von ihren erstaunlichen Weisung des Kollegiums der Zwölf, der
nen. Das Erste Siebzigerkollegium besteht Fähigkeiten zutiefst beeindruckt. Präsidenten der Siebziger und der Ge-
aus denen, die bis zum Alter von 70 Der Herr hat für die oberste Ebene die bietspräsidentschaft in dem Teil der Welt,
Jahren dienen. Wir werden heute morgen Erste Präsidentschaft, das Kollegium der in dem sie leben.
vier Brüder in diesem Kollegium neu Zwölf Apostel, die Siebzigerkollegien und Sie gehen weiterhin ihrem Beruf nach,
bestätigen. Zusätzlich berufen wir eine die Präsidierende Bischofschaft vorge- behalten ihre Wohnung bei und dienen im
Gruppe von weisen und verständigen sehen. Für die örtliche Ebene sind in den Kirchendienst. Diejenigen, die in Europa,
Männern mit langjähriger Erfahrung in Offenbarungen die Pfahlpräsidenten und Afrika, Asien, Australienund im Pazifik
der Kirche, die, als Mitglieder des Zwei- Bischöfe vorgesehen. Wir haben zwischen wohnen, werden Mitglieder des Dritten
ten Siebzigerkollegiums, dafür frei sind, den Generalautoritäten und den örtlichen Siebzigerkollegiums. Diejenigen in Me-
dorthin zu gehen, wo sie gebraucht wer- Führern eine Zeitlang die Regionalreprä- xiko, Zentralamerika und Südamerika
den. Diese Brüder werden für den Zeit- sentanten und in jüngster Zeit die Gebiets- werden Mitglieder des Vierten Kollegi-
raum von drei bis fünf Jahren dienen. Sie autoritäten gehabt. Wir haben beschlos- ums. Diejenigen, die in den Vereinigten

JULI 1997
5
Staaten und in Kanada wohnen, werden Siebziger werden sie Beamte mit einer Mitglieder des Ersten und des Zweiten
Mitglieder des Fünften Kollegiums. konkreten Bindung an ein bestimmtes Siebzigerkollegiums werden als General-
Sie können den Auftrag erhalten, (a) auf Kollegium. Sie werden zwar nur begrenzt autoritäten bezeichnet, während die Mit-
Pfahlkonferenzen zu präsidieren und die Gelegenheit haben, zu Kollegiums- glieder des Dritten, des Vierten und des
die Pfahlpräsidentschaften zu schulen, versammlungen zusammenzukommen, Fünften Siebzigerkollegiums als Gebiets-
(b) Pfähle zu gründen bzw. umzubilden aber die Präsidenten der Siebziger wer- autoritäten bezeichnet werden.
und Pfahlpräsidentschaften einzusetzen, den mit ihnen Verbindung stehen, sie
in Die Ordinierung zum Amt des Siebzi-
(c) als Ratgeber in einer Gebietspräsident- unterweisen, ihre Berichte entgegenneh- gers ist zwar nicht zeitlich begrenzt, aber
schaft zu dienen, (d) den Vorsitz über das men und dergleichen mehr. Sie werden ein Siebzigerwird für eine bestimmte An-
Planungskomitee für eine Regionskon- jetzt ein Zugehörigkeitsgefühl haben, das zahl von Jahren in ein Kollegium berufen.
ferenz zu übernehmen, (e) im Gebietsrat sie bisher nicht hatten. Als Siebziger sind Nach Beendigung seines Dienstes ist er
zu dienen, über den die Gebietspräsident- siedazu berufen, das Evangelium zu ver- wieder in seiner Gemeinde und seinem
schaft präsidiert, (/) die Missionen zu künden und besondere Zeugen für den Pfahl aktiv und kommt mit seiner Hohe-
bereisen und die Missionspräsidenten Herrn Jesus Christus zu sein, wie in den priestergruppe zusammen.
zu schulen und (g) nach Auftrag weitere Offenbarungen dargelegt. Es haben zwar Wir heißen diese Brüder von Herzen
Aufgaben zu übernehmen. alle Siebziger, den heiligen Schriften als aktive Mitglieder ihres Kollegiums
Entsprechend ihrer Ordinierung zum gemäß, die gleiche Vollmacht, aber die willkommen. Sie können sich unseres
Vertrauens, unserer Liebe und unserer
Wertschätzung sicher sein.
Mit der Einrichtung dieser Kollegien
haben wir ein Muster festgelegt, nach
dem die Kirche zu jeder beliebigen Größe
heranwachsen kann, wobei die Gebiets-
präsidentschaften und die Gebietsauto-
ritäten-Siebziger in aller Welt den Bedürf-
nissen entsprechend tätig sind.
Der Herr wacht über sein Reich. Er in-
Führer in seinem Reich, und
spiriert die
sie kümmern sich um die Mitglieder,
deren Zahl unablässig wächst. Gleich im
Anschluß an meine Ausführungen wird
Präsident Monson Ihnen die Generalauto-
ritäten, die Gebietsautoritäten und die
leitenden Beamten der Kirche zur Bestä-
tigung vorlegen. Ich brauche Sie nicht
daran zu erinnern, daß dies eine sehr
heilige und wichtige Angelegenheit ist.
Wir leben in einem wundervollen Ab-
schnitt des Werkes des Herrn. Das Werk
wird immer stärker. Es dehnt sich über
die ganze Erde aus. Jeder von uns spielt
in diesem großen Unterfangen eine wich-
tige Rolle. Menschen in über 160 Ländern,
die alle möglichen Sprachen sprechen,
verehren unseren Vater im Himmel und
unseren Erlöser, seinen geliebten Sohn.
Dies ist ihr großes Werk. Es ist ihre Sache,
ihr Reich.
Ich möchte zum Abschlußdiese Worte
Jakobs wiederholen: „Aber siehe, ich,
Jakob, möchte zu euch sprechen, die ihr
im Herzen rein seid. Blickt mit festem
Sinn auf Gott, und betet zu ihm mit über-
aus großem Glauben, dann wir er euch in
euren Bedrängnissen trösten und sich
eurer Sache annehmen und Gerechtigkeit
über diejenigen kommen lassen, die nach
eurer Vernichtung trachten/' (Jakob 3:1.)
Mögen wir dem Glauben treu sein und
unsere Pflicht tun, nämlich das ewige
Werk des Herrn voranbringen und den
Kindern unseres Vaters ein Segen sein,
wo immer wir auf sie einwirken können.
Darum bete ich von Herzen im Namen
Handkarrenpioniere, von TorleifS. Knaphus, im Aprilschnee auf dem Tempelplatz. Jesu Christi. Amen. D

DER STERN
Barber, David A. Bednar, Blair S. Bennett,
Die Bestätigung der Beamten Robert K. Bills, Bruce B. Bingham, O. Brent
Black, Norman C. Boehm, Harold C.
der Kirche Brown, Donald J Butler.
Rene J. Cabrera, Douglas L. Callister,
Antonio Cappi, Raimondo Castellani,
Präsident Thomas S. Monson Hugo A. Catrön, Victor D. Cave, Chu-Jen
Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft Chia, V. Francisco Chinchay, Jess L. Chri-
stensen, Kay H. Chris tensen, Christopher
N. Chukwurah, L. Whitney Clayton, Am-
brosio C. Collado, Gordon G. Conger,
und Offenbarer bestätigen. Alle, die dafür Max W. Craner, Claudio Cuellar, Cesar A.
sind, zeigen es bitte. Falls jemand dage- Dävila, Cleto P. De Oliveira, Jorge L. del
gen ist, zeige er es bitte auch. Castillo, Paul L. Diehl, Lindsay T Dil, Do-
Es wird vorgeschlagen, daß wir Eider nald B. Doty, Dale L. Dransfield.
Gary J. Coleman, Eider John M. Madsen, Alvie R. Evans Enrique R. Falabella,
Sr.,

Eider Wm. Rolfe Kerr und Eider Carl B. David W. Ferrel, Lawrence
R. Füller, Ar-
Pratt als Mitglieder des Ersten Siebziger- mando Gaona, Rüben G. Gapiz, Harvey
kollegiums bestätigen. Alle, die dafür sind, L. Gardner, Daryl H. Garn, Eduardo Ga-
zeigen es bitte. Ist jemand dagegen? varret, Silvio Geschwandtner, Larry W.
Es wird vorgeschlagen, daß wir Eider Gibbons, Francisco G. Gimenez, Christof-
Richard D. Allred, Eider Eran A. Call, fel Golden Jr., Walter F. Gonzalez, Paulo

Eider Richard E. Cook, Eider Duane B. R. Grahl, James E. Griffin, C. Scott Grow,
Gerrard, Eider Wayne M. Hancock, Eider Esteban Guevara, Mario E. Guzmän.
J. Kent Jolley, Eider Richard J. Maynes, Donald L. Hallstrom, Ronald T Halver-
Eider Dale E. Miller, Eider Lynn G. Rob- son, Ronald J. Hammond, John A. Harris,
bins, Eider Donald L. Staheli und Eider Keith K. Hilbig, Thomas A. Holt, Pita F.

Richard E. Turley Sr. als Mitglieder des Hopoate, Clayton S. Huber, Jon M. Hunts-
Zweiten Siebzigerkollegiums bestätigen. man Sr., Ernst Husz, Salomön Jaar, Julio
Alle, die dafür sind, zeigen es bitte. Falls H. Jaramillo, Lloyd W
Jones.
jemand dagegen ist, zeige er es bitte auch. Hitoshi Kashikura, Seiji Katanuma,

Meine Brüder und Schwestern,


Präsident Hinckley hat darum
Es wird vorgeschlagen, daß wir die 134
Gebietsautoritäten, die heute hier sind,
Chong-Youl Kim, Richard K. Klein, Won
Yong Ko, Brent H. Koyle, Eduardo A. La-
gebeten, daß ich Ihnen jetzt die als Siebziger der Kirche Jesu Christi der martine, James G. Larkin, Shih-An Liang,
Generalautoritäten, die Gebietsautoritäten Heiligen der Letzten Tage bestätigen, die David Lopez.
und die Präsidentschaften der Hilfsorga- als Gebietsautorität-Siebziger amtieren J. Willard Marriott Jr., Gary Matsuda,

nisationen der Kirche zur Bestätigung sollen. Diese Brüder sind: John Maxwell, W. E. Barry Mayo, Hyde
vorlege. Oscar H. Aguayo, Carlos E. Agüero, M. Merrill, Cesar A. S. Milder, P. Bruce
Es wird vorgeschlagen, daß wir Gordon Julio E. Alvarado, Paulo C. F. Amorim, Mitchell, J. Michael Moeller, J. Kirk
Bitner Hinckley als Propheten, Seher und Adolf o Ävalos, Carl W. Bacon, Lowell C. Moyes, Mitchell V Myers, Karl E. Nelson.
Offenbarer und als Präsidenten der Kir-
che Jesu Christi der Heiligen der Letzten
Tage bestätigen, Thomas Spencer Monson
als Ersten Ratgeber in der Ersten Präsi-
dentschaft und James Esdras Faust als
Zweiten Ratgeber in der Ersten Präsident-
schaft. Wer dafür ist, zeige es. Falls jemand
dagegen ist, zeige er es.
Es wird vorgeschlagen, daß wir Thomas
Spencer Monson als Präsidenten des Kol-
legiums der Zwölf Apostel bestätigen
und Boyd Kenneth Packer als Amtieren-
den Präsidenten des Kollegiums der
Zwölf Apostel sowie die folgenden als
Mitglieder dieses Kollegiums: Boyd K.
Packer, L. Tom Perry, David B. Haight,
Neal A. Maxwell, Russell M. Nelson,
Dallin H. Oaks, M. Russell Ballard, Joseph
B. Wirthlin, Richard G. Scott, Robert D.
Haies, Jeffrey R. Holland und Henry B.
Eyring. Wer dafür ist, zeige es bitte. Ist
jemand dagegen? Die Generalautoritäten und die führenden Schwestern der Kirche:
Es wird vorgeschlagen, daß wir die Rat- die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel (obere Reihe); die Siebzigerpräsident-
geber in der Ersten Präsidentschaft und schaft (nächste Reihe); Mitglieder der Siebziger (die nächsten drei Reihen); Mitglieder der Siebziger,
die Zwölf Apostel als Propheten, Seher die Präsidierende Bischofschaft und die Präsidentschaft der FHV, der JD und der PV (unterste Reihe).

JULI 1997
7
Rodrigo Obeso, James S. Olson, Julio E.
Otay, Glen A. O verton, William W. Parm- Reingewaschen
ley, Adelson de Paula Parrella, Wolfgang
H. Paul, Stein Pedersen, Jorge A. Pedrero,
E. Israel Perez, Wayne S. Peterson, Alain Präsident Boyd K. Packer
A. Petion, Steven H. Pond, R. Gordon Amtierender Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel
Porter.
Holger D. Rakow, Gustavo Ramos, Eu-
gene F. E. W. Reid, Michael T. Robinson,
Alejandro M. Robles, Servando Rojas, Stellen Sie sich das tröstliche, befreiende, erhöhende Gefühl vor,
Lynn A. Rosenvall, Claudio D. Signorelli, wenn daß das Sühnopfer wirklich
das Sie haben, Sie sehen, ist,
Joäo R. C. Martins Silva, Keith L. Smith, R.
Lloyd Smith, L. Douglas Smoot, Irajä B.
und welchen praktischen, alltäglichen Wert es für Sie hat.

Soares.
Su Kiong Tan, Jose A. Teixeira da Silva,
Ernani Teixeira, Octaviano Tenorio, D. Lee Field in Virginia an der jüngsten Erfin-
Tobler, Juan Uceda, Tomas Valdes, Carlos dung, dem Radar, ausgebildet worden.
D. Vargas, Jorge W. Ventura, Hector M. Danach wurden wir an die Westküste
Verdugo, Remus G. Villarete, Craig T. Vin- beordert, von wo aus es in den Pazifik
cent, Brian A. Watling, Robert S. Wood, g in g-
Jorge F. Zeballos, Claudio D. Zivic. Wir reisten mit einem Güterzug. In den
Wer dafür ist, zeige es. Wer dagegen ist, Frachtwaggons waren schmale Kojen
kann es auch zeigen. angebracht, die für die Nacht von der
Es wird vorgeschlagen, daß wir Schwe- Wand heruntergeklappt werden konnten.
ster Elaine L. Jack,Schwester Chieko N. Es gab keinen Speisewagen, sondern in
Okazaki und Schwester Aileen Clyde als den Frachtwaggons mit ihrem schmutzi-
Präsidentschaft der FHV voll Dankbar- gen Fußboden wurden Feldküchen ein-
keit und aufrichtiger Wertschätzung aus gerichtet.
ihrem Amt entlassen. Wir entlassen auch Wir hatten unsere hellen Sommeruni-
alle Mitglieder des Hauptausschusses der formen an. Der Gepäckwagen wurde ir-
FHV. gendwohin umgeleitet, und so konnten
Es wird ferner vorgeschlagen, daß wir wir uns während der sechstägigen Reise
Schwester Bonnie D. Parkin als Zweite nicht einmal umziehen. Auf der Fahrt
Ratgeberin in der Präsidentschaft der Jun- durch Texas und Arizona war es sehr
gen Damen entlassen. Schwester Parkin heiß. Der Rauch und die Asche von der
hat die Berufung angenommen, mit ihrem
Mann zu dienen, der über die England W"irum machenMenschen,
uns
junge
große Sorgen
die ohne
Lokomotive machten alles noch unange-
nehmer. Wir konnten nicht baden oder
London South Mission präsidieren wird. Werte heranwachsen, nach de- unsere Uniformen waschen. Eines Mor-
Alle, die gemeinsam mit uns ihre tiefe nen sie ihr Verhalten ausrichten könnten. gens kamen wir in Los Angeles an - eine
Wertschätzung für den hervorragenden Ich glaube schon lange daran, daß die schmutzige Bande. Uns wurde gesagt,
Dienst, den diese Schwestern geleistet Beschäftigung mit den Lehren des Evan- wir sollten am Abend zum Zug zurück-
haben, zum Ausdruck bringen möchte, geliums das Verhalten rascher ändert als kommen.
können dies tun. das Reden über das Verhalten. Als erstes dachten wir ans Essen. Wir
Es wird vorgeschlagen, daß wir Schwe- Die Beschäftigung mit dem Verhalten legten zu zehnt unser Geld zusammen
ster Mary Ellen Wood Smoot als neue Prä- gewinnt, wenn Grundsätze, Werte hin- und machten uns zum besten Restaurant
sidentin der FHV
bestätigen, mit Schwe- zukommen. Praktische Werte, die für das auf, das wir finden konnten.
ster Virginia Urry Jensen als Erster tägliche Leben von Nutzen sind, finden Es war sehr voll, und wir stellten uns in
Ratgeberin und Schwester Sheri L. Dew sich in den heiligen Schriften und dem, der langen Schlange an, die auf die Platz-
als Zweiter Ratgeberin. Wer dafür ist, was möchte Ihnen ein Bei-
sie lehren. Ich zuweisung wartete. Ich stand an erster
zeige es. Falls jemand dagegen ist, kann spiel dafür nennen. „Wir glauben, daß Stelle - direkt hinter einer sehr gut geklei-
er dies auch kundtun. dank dem Sühnopfer Christi alle Men- deten Frau. Auch ohne sich umzudrehen,
Es wird vorgeschlagen, daß wir Schwe- schen errettet werden können, indem sie wußte die würdevolle Frau vor mir bald,
ster Carol Ann Burdett Thomas als Zweite die Gesetze und Verordnungen des Evan- daß wir da waren.
Ratgeberin in der JD-Präsidentschaft be- geliums befolgen." 1 Sie drehte sich um und sah uns an.
stätigen. Alle, die dafür sind, tun es bitte Man muß schon in der Jugend lernen, Dann drehte sie sich noch einmal um und
kund. Falls jemand dagegen ist, tue er es daß das Sühnopfer Christi zwar allge- musterte mich von Kopf bis Fuß. Ich
kund. mein für die ganze Menschheit gültig ist, stand in meiner verschwitzten, schmut-
Es wird vorgeschlagen, daß wir die daß aber sein Einfluß ganz persönlich Uniform da.
zigen, rußigen, zerknitterten
übrigen Generalautoritäten und die Prä- und nützlich ist. Auch wenn Sie gerade VollAbscheu in der Stimme sagte sie:
sidentschaften der Hilfsorganisationen erst anfangen, das Sühnopfer zu verste- „Du meine Güte, was für schlampige
bestätigen, wie sie derzeit im Amt sind. hen, hat esim täglichen Leben einen un- Männer!" Alle Augen wandten sich uns
Wer dafür ist, zeige es bitte. Falls jemand mittelbarenund praktischen Wert. zu.
dagegen ist, zeige er es. Vor über fünfzig Jahren, während des Zweifellos wünschte sie sich, wir wären
Es sieht so aus, als ob die Bestätigung Zweiten Weltkriegs, habe ich etwas er- nicht da. Ich wünschte mir das gleiche.
einstimmig erfolgt ist. D lebt. Unser Bomberteam war in Langley Ich fühlte mich genauso schmutzig, wie

DER STERN
8
ich war, mir war unbehaglich zumute, was ich tun sollte. Das geschieht, wenn was für ein Gefühl ich hatte, als ich end-
und ich schämte mich man etwas kaputt macht, das man allein daß
lich sah, ich, wenn ich mich an alle
mich ernsthaft mit
Später, als ich anfing, nicht wieder reparieren kann. Bedingungen der Erlöser fest-
halte, die
den heiligen Schriften zu befassen, fielen Unter Ihnen befinden sich Menschen, gelegt hat, niemals die Qualen erdulden
mir Stellen auf, in denen es um die gei- die, „unter dem ausschweifenden Leben muß, die damit verbunden sind, wenn
stige Reinheit geht. Ein solcher Vers lau- der Gottesverächter" leiden 5 . Manche von man in geistiger Hinsicht unrein ist? Stel-
tet: „Ihr wäret viel elender, wenn ihr bei Ihnen machen sich über Wertmaßstäbe len Sie sich das tröstliche, befreiende, er-
einem und gerechten Gott wohn-
heiligen lustig und sehen keine Veranlassung, ihr höhende Gefühl vor, das Sie haben, wenn
tet, im Bewußtsein, daß ihr vor ihm Verhalten zu ändern. Sie sagen sich, es Sie sehen, daß das Sühnopfer wirklich ist
schmutzig seid, als wenn ihr bei den ver- mache nichts aus, weil doch „jeder das und welchen praktischen, alltäglichen
dammten Seelen in der Hölle wohntet." 2 tut". Wert es für Sie hat.
Das konnte ich verstehen. Ich wußte Aber das funktioniert nicht, weil Sie Man muß nicht alles wissen, ehe die
noch, wie mir an jenem Tag in Los Ange- von Natur aus gut sind. Wie oft haben Macht des Sühnopfers für einen wirksam
les zumute gewesen war. Ich überlegte Sie schon gehört, daß jemand, der etwas wird. Haben Sie Glauben an Christus,
mir, daß geistiges Unreinsein unendlich Großzügiges oder Heldenhaftes getan dann wird es an dem Tag für Sie wirksam,
mehr Schande und Demütigung bedeuten oder einfach jemandem geholfen hat, an dem Sie darum bitten! Die heiligen
mußte, als ich damals empfunden hatte. gesagt hat, was für ein gutes Gefühl er Schriften sprechen vom Befolgen der
Ich fand Schriftverse - insgesamt acht - anschließend hatte? Wie jedes natürliche Gesetze und Verordnungen des Evange-
9
die besagen, daß nichts Unreines in die Gefühl ist diese Reaktion Ihnen einfach liums. Wir wissen alle recht gut, was es
Gegenwart Gottes gelangen kann. 3 Mir angeboren. Natürlich haben Sie das auch bedeutet, Gesetze zu befolgen. Aber wie
war klar, daß diese Schriftstellen kaum selbst schon erlebt Glücklich sein hat un-
! sollen wir Verordnungen befolgen?
etwas mit schmutziger Kleidung und bedingt etwas mit anständigem, reinem Im allgemeinen wissen wir, daß, unter
schmutzigen Händen zu tun hatten. Ich Verhalten zu tun. der Bedingung der Umkehr, die Verord-
beschloß, in geistiger Hinsicht rein zu Der Prophet Alma hat seinem wider- nung der Taufe unsere Sünden weg-
bleiben. spenstigen Sohn unumwunden erklärt, wäscht. Manch einer fragt sich, ob er sich
Übrigens sind wir an jenem Tag noch daß er sich wegen seiner Übertretungen zu bald hat taufen lassen. Er wünscht
im Griffith Park Boot gefahren. Wir haben in einem Zustand befand, „der der Natur sich, er könnte jetzt getauft werden und
herumgespielt und sind natürlich ge- des Glücklichseins entgegen" war. Außer- noch einmal von vorn anfangen. Aber das
kentert. Wir sind wieder wohlbehalten dem hat er gesagt: „Schlecht zu sein hat ist gar nicht nötig Durch die Verordnung
!

an Land gelangt und haben uns von der noch nie glücklich gemacht." 6 Wer nicht oder heilige Handlung des Abendmahls
Sonne trocknen lassen. Bis wir am Zug weiß, wie er seine Fehler aus der Welt kann man die Bündnisse, die man mit der
ankamen, sahen wir wieder ganz an- schaffen kann, fühlt sich oft wie in der Taufe eingegangen ist, erneuern. Wenn
nehmlich aus. Falle und lehnt sich auf und verliert sich man alle Bedingungen der Umkehr er-
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß an ein unwürdiges Leben. Wenn man mit füllt, so schwer sie auch sein mögen, kann
es mir, wenn ich nicht so lebe, wie ich Übertretern reist, leidet man viel mehr als man Vergebung erlangen, und die Über-
sollte, schwerer fällt, in geistiger Hinsicht ich an jenem Morgen in dem Restaurant. tretungen der Vergangenheit beunruhi-
rein zu werden, als wenn ich dusche oder Die meisten Fehler kann man selbst und gen einen nicht mehr.
saubere Kleidung anziehe oder aus dem allein bereinigen, indem man mit viel Präsident Joseph F. Smith war sechs
Boot falle. Beten umkehrt. Die schwerwiegenderen Jahre alt, als sein Vater, Hyrum Smith,
Ich habe über den großen Plan des bedürfen der Hilfe. Ohne Hilfe ist man
Glücklichseins erfahren, daß wir auf der wie jemand, der sich nicht waschen oder
Erde sind, um geprüft zu werden. Wir baden kann und keine saubere Kleidung
machen alle Fehler. Der Apostel Johannes anziehen kann oder will. Der Weg, den
hat gelehrt: „Wenn wir sagen, daß wir man dazu gehen muß, findet sich in den
keine Sünde haben, führen wir uns selbst heiligen Schriften. Hören Sie denen zu,
in die Irre, und die Wahrheit ist nicht die das Evangelium kennen.
in uns." Zum Glück fügt er noch hinzu: Sie werden etwas über den Fall des
„Wenn wir unsere Sünden bekennen, ist Menschen erfahren, über den Sinn des
er treu und gerecht; er vergibt uns die Lebens, über gut und böse, über Versu-
Sünden und reinigt uns von allem Un- chungen und Umkehr, darüber, wie der
recht." 4 Auf das Wort „reinigt" habe ich was Alma über
Geist wirkt. Lesen Sie,
besonders geachtet. seine Umkehr gesagt hat: „Ich [konnte]
Ich habe mir gedacht, daß man die nicht mehr an meine Qualen denken; ja,
Umkehr, wie Seife, häufig nutzen soll. ichwurde durch die Erinnerung an meine
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es Sünden nicht mehr zerrissen." 7
besser ist, wenn ich mich für meine Fehler Hören Sie, wie der Herr sagt: „Siehe,
entschuldige. Aber bei einem schwerwie- wer von seinen Sünden umgekehrt ist,
genden Fehler reicht eine Entschuldigung dem wird vergeben, und ich, der Herr,
nicht aus - manchmal ist sie sogar un- behalte sie nicht mehr im Gedächtnis." 8
möglich. Während solche Fehler, zumin- Die Lehre kann das Verhalten rascher
dest zum größten Teil, nicht schwer- ändern als das Reden über das Verhalten.
wiegend waren, setzte doch der geistige Durch das Lesen in den heiligen Schrif-
Schmerz, auch Schuldgefühl genannt, ten und das Zuhören konnte ich zumin-
immer ein. Früher oder später muß man dest ansatzweise die Macht des Sühnop-
sich dem stellen, aber ich wußte nicht, fers verstehen. Können Sie sich vorstellen,

JULI 1997
Denn Heilung gab es damals nicht,
Nur hoffnungsloses Weh.
Nicht Seife, Balsam, Medizin
Die Schmerzen nahm hinweg.
Kein Öl, kein reinigendes Bad
Nahm diese Krankheit weg.

Doch einen gab's, so der Bericht,


Der rein sie machen könnt',
Das Schreckensleid von ihnen nahm,
Die Fäulnis macht' gesund.

Sein Kommen, lang vorhergesagt,


Die Zeichen der Geburt,
Ein Gottessohn als Menschenkind -
Mit Macht, zu heilen Sund'.

Der Tag, da zehn vom Aussatz rein


Von ihm geheilet war'n,
Symbol des heil'gen Dienstes sein,
Der er Erretter war.

So groß das Wunder auch schon war,


Nicht darum kam er her.

Er kam, zu retten alle hier,


Von Tod, von Sund', von Schmerz.

Denn größ're Wunder, sagte er,

Die Jünger würden sehn.


Zu retten jede MenschenseeV
Nicht nur die wenigen.

Erlöst sind wir vom ird'schen Tod,


Doch treten wir erst ein,

Die Bestätigung der Führer der Kirche. Sind wir auch rein, ja, völlig rein,
Von aller Sünde rein.

im Gefängnis zu Carthage umgebracht ging auf, und der Mann, der dort stand, Was muß geschehn, daß rein wir sind?
wurde. Joseph überquerte zusammen mit war der Prophet Joseph Smith. Er sah Wir Schaffens nicht allein.
seiner verwitweten Mutter die Prärie. Mit mich ein wenig vorwurfsvoll an, und Denn das Gesetz erfordert noch,
15 Jahren wurde er nach Hawaii auf Mis- seine ersten Worte lauteten: Joseph, du Daß einer Sühne leist'.

sion berufen. Er fühlte sich einsam und kommst spät.' Ich faßte Mut und erwi-
Er daß die Gerechtigkeit
lehrt,
allein und sagte: „Ich war sehr niederge- derte: Ja, aber ich bin rein - ich bin
Verzichtet dann auf uns,
schlagen. . . . Ich war nackt und hatte
fast rein.!'"
10
Und so kann es auch bei Ihnen
Wenn wir den Weg der Umkehr geh'n,
überhaupt keine Freunde, außer einem sein.
Dann siegt Barmherzigkeit.
armen, unwissenden Volk. Ich fühlte
. . . noch einmal wenn Sie
Ich sage es Ihnen :

mich, schließlich war ich noch ein Junge, die Grundsätze und Lehren des Evange- Wenn wir doch nur verstehen woll'n,
in meiner Armut und Unwissenheit, mit liums kennen, wirkt sich das auf Ihr Ver- Was wir von ihm gehört.
meiner geringen Bildung und Erkenntnis halten mehr aus, als wenn Sie über das Daß es doch gar nichts Größ'res gibt
11
so minderwertig, daß ich kaum jeman- Verhalten reden. Als „reingewaschen" sein.

dem ins Gesicht zu schauen wagte." Ich habe als eins von vielen Beispielen
Während der junge Älteste so über das Sühnopfer angeführt. Im Evangelium Im Namen Jesu Christi. Amen. D
seine Misere nachdachte, hatte er einen Jesu Christi finden wir Werte, auf die wir
Traum, „etwas ganz Buchstäbliches, ein glückliches Leben gründen können.
. .

FUSSNOTEN
eine Realität." Er träumte, er befinde sich Ich gebe Ihnenmein Zeugnis, daß unser
1. 3. Glaubensartikel.
auf einer Reise und sei so schnell unter- Vater im Himmel lebt. Das Sühnopfer
wegs, wie es nur ging. Er hatte ein kleines Christi kann Ihnen zum Segen gereichen. 2. Mormon 9:4.
Bündel bei sich. Endlich kam er zu einem Wenn ich Ihnen bloß sagen könnte, was 3. Siehe 1 Nephi 10:11; 15:34, Alma 7:21; 11:37;
wunderschönen, stattlichen Haus, seinem mir das Sühnopfer bedeutet. Ich habe ein- 40:26; 3 Nephi 27:19; LuB 94:9; Mose 6:57.
Zielort. Als er darauf zuging, sah er ein mal versucht, das zu Papier zu bringen, 4. 1 Johannes 1:8,9.

Schild mit der Aufschrift „Bad". Er ging und möchte mit diesen Zeilen schließen: 5. Siehe 2 Petrus 2:7.

rasch hinein und wusch sich. Dann 6. Alma 41:11,10.


In alter Zeit der Ruf erscholl:
machte er sein kleines Bündel auf und
„Unrein!" als Warnung laut. 7. Alma 36:19.
entdeckte darin saubere weiße Kleidung
- „etwas", wie er sagte, „was ich lange
„Unrein! Unrein!" so klang es dort, 8. LuB 58:42; siehe auch Hebräer 8:12; 10:17.
Und Furcht machte sich breit. 9. Siehe den 3. Glaubensartikel.
nicht gesehen hatte". Er zog sie an und
eilte zur Tür des Hauses. Die Hand voll Aussatz schreckte sehr, 10. Joseph F. Smith, Gospel Doctrine, 541f
„Ich klopfte", so sagte er, „und die Tür Niemand ergriff sie je. 11. Boyd K. Packer, „Washed Clean".

DER STERN
10
„Von dem all Segen fließt" fahre, desto selbstloser, erstaunlicher
umfassender wird sein Sühnopfer.
Wenn wir das Joch Jesu auf uns nehmen,
und

gewährt uns dies schließlich „die Ge-


Eider Neal A.Maxwell meinschaft mit seinen Leiden" (Philipper
vom Kollegium der Zwölf Apostel 3:10). Ob Krankheit oder Einsamkeit, Un-
gerechtigkeit oder Ablehnung - wenn wir
sanftmütig sind, dringt unser doch gering-
Die erlösende Gegenwart unseres liebenden Vaters und Gottes im Universum fügiges Leiden ganz tief in die Seele ein.

ist die. himmlische Wahrheit, die, zusammen mit seinem Plan des
. .
Wir wissen dann nicht nur sein Leiden
für uns besser zu würdigen, sondern auch
Glücklichseins alle anderen Realitäten bei weitem überragt und beherrscht.
sein unvergleichliches Wesen, und das be-
wegt uns dazu, ihn noch mehr zu vereh-
ren und ihm noch mehr nachzueifern.
Ich habe schon oft mitangehört, wie Alma hat offenbart, daß Jesus weiß, wie
Präsident Hinckley öffentlich Gott alle er uns inmitten unserer Schmerzen und
Herrlichkeit, allen Lobpreisund alle Ehre Krankheiten beistehen kann, weil Jesus
gegeben hat. Das ist was ich häu-
etwas, ja unsere Schmerzen und Krankheiten be-
figer tun werde, auch heute, und ich reits auf sich genommen hat (siehe Alma
möchte Gott dafür danken, daß er mich 7:11,12). Er kennt sie aus erster Hand, so-
unterweist und segnet. mit ist sein Mitgefühl nicht aufgesetzt.
Die Ungewißheit hinsichtlich unserer Natürlich verstehen wir es genausowe-
Lebenserwartung gehört für uns alle zu nig, wie wir völlig verstehen können, wie
den grundlegenden Realitäten des Lebens. er die Sünden aller Menschen auf sich
Daher sollten wir im Glauben um die Seg- genommen hat; trotzdem bleibt sein
nungen flehen, die wir uns von Herzen Sühnopfer die rettende und beruhigende
wünschen, dann aber „mit dem zufrieden Realität.
sein, was der Herr [uns] zugeteilt hat" Es nimmt also nicht wunder, daß wir
(Alma 29:3). Offensichtlich verläßt jeder Jesus, wenn er in Majestät und Macht
von uns das Leben auf einem anderen wiederkommt, vor allem für sein „liebe-
Weg und zu einem anderen Zeitpunkt. volles Wohlwollen" und seine „Güte"
Viele leiden so viel mehr als wir ande- preisen werden. Darüber hinaus werden
ren; die einen gehen unter Qualen, die wir ihn dann für immer und ewig prei-
anderen gehen schnell, die einen werden sen! (Siehe LuB 133:52; siehe auch Mosia
danke der Ersten Präsidentschaft geheilt, andere bekommen mehr Zeit. Un- 4:6; Alma 7:23.) Wir werden niemals dazu
Ich
für diese Gelegenheit. Wie Sie sehen, sere Prüfungen sind unterschiedlich, aber überredet werden müssen.
spiegelt sich das Licht gut auf meinem niemand ist gegen Prüfungen gefeit. Die Es ist also sehr wichtig, die erlösende
Schädel wider, so daß ich heute von heiligen Schriften sprechen vom Feuer- Hand Gottes immer anzuerkennen. Lei-
besonderer Erleuchtung profitiere. Was ofen und von der Feuersglut der Prüfung. der vermindert das törichte Vertrauen des
meine Krankheit betrifft, verläuft die Be- Wer aus seinen Feueröfen erfolgreich her- Menschen in den Arm des Fleisches sei-
handlung bisher recht ermutigend, so daß vorgeht, hat erlebt, daß die Gnade des nen Lobpreis der Macht Gottes. (Siehe
ich tiefste Dankbarkeit dafür bekunde, Herrn ausreichend ist (siehe Ether 12:27). 2 Nephi 4:34; LuB 1:19.) Ach, der arro-
daß ich überhaupt „so weit gekommen" Trotzdem stellt so jemand sich nicht gante Arm des Fleisches! Wie der Sport-
bin (siehe 2 Nephi 31:19). schnell beim nächsten Feuerofen an, um ler, dessen Arm so stark war, daß die

Brüder und Schwestern, wenn ich ir- noch einmal an die Reihe zu kommen. Leute damit prahlten, er könne einen Ball
gendeinen Anspruch auf Gottes Segen Da jedoch die irdische Schule nur kurz durch eine Waschanlage werfen, ohne
habe, dann ist diese Bagatelle dank seiner währt, kann unser Herr als Lehrer unse- daß dieser dabei naß würde Naivität und !

großzügigen Gaben im Laufe meines ren Lehrplan auch sehr straffen. Trivialität kennzeichnen den Arm und den
Lebens schon mehr als abgegolten. Die erlösende Gegenwart unseres lie- Verstand des Fleisches, die nicht sehen,
Ganz besondere Dankbarkeit möchte benden Vaters und Gottes im Universum „wie es wirklich ist und
. . wie es wirk-
. . . .

ich für den Glauben und die Gebete mei- ist die erhabene Wahrheit bezüglich unse- lich sein wird" (Jakob 4:13).
ner liebevollen, fürsorglichen Frau und res Seins in der Sterblichkeit. Dies ist die Zum Schluß richtet sich mein demüti-
meiner Kinder, ebenso der Generalauto- himmlische Wahrheit, die, zusammen mit ger Lobpreis nicht nur an Gott, den Vater,
ritäten und ihrer Frauen, meiner Sekre- seinem Plan des Glücklichseins alle an- für seinen liebevollen Erlösungsplan und
tärin und Hunderter und Aberhunderter deren Realitäten bei weitem überragt und an Jesus, den Herrn des Universums,
Mitglieder und Freunde und für die en- beherrscht. Im Vergleich dazu sind alle für sein wunderbares und erstaunliches
gagierten und kompetenten Ärzte und anderen Wahrheiten bloß unbedeutende Sühnopfer, sondern auch an den Heiligen
Krankenschwestern zum Ausdruck brin- flüchtige Fakten, von denen wir immer Geist, über den wir weniger sprechen.
gen. Der himmlische Vater hat ihre ver- lernen, ohne jedoch zur Erkenntnis der Über seine vielen Aufgaben danke ich
dienstvollen Gebete und Bemühungen großen Wahrheiten zu gelangen (siehe insbesondere und auf persönliche Weise
wahrhaftig erhört. Diese Ihre Gaben sind 2 Timotheus 3:7). dafür, wie er mir in letzter Zeit der kost-
mir bereits ein geistiger Ansporn. Ich Das Erdenleben weist für immer auf bare Beistand ist, vor allem in den Augen-
fühle mich wahrlich unwürdig, bin aber das Sühnopfer Jesu Christi als das zen- blicken, wo Mitternacht ist
sehr dankbar dafür. Ihnen allen gelten trale Werk der gesamten Menschheits- Im heiligen Namen Jesu Christi.
meine Liebe und mein Dank. geschichte hin. Je mehr ich lerne und er- Amen. D

JULI 1997
11
oder wenn ich meine Liebe nicht in einer
Nehmen wir uns Weise weitergebe, daß jedes Kind sie tief
empfinden kann?
der Seele der Kinder an Aus Statistiken und aus den Nachrich-
ten erfahren wir, daß es Kinder gibt,
die auf tragische Weise im Stich gelassen
Patricia P. Pinegar werden.
PV-Präsidentin Zum Glück ist das nicht das Los aller
Kinder. Ich war schon in Familien, die
von Liebe erfüllt waren, wo das Evan-
gelium gelehrt wurde und die Seele der
Sagen Sie Ihren Kindern, daß Sie sie lieben und daß Sie glücklich sind, Kinder in guten Händen war. Ich habe
alleinerziehende Eltern beobachtet, die in
sie in Ihrer Familie zu haben. Bereiten Sie sich in geistiger Hinsicht
ihrem Glauben und ihrer Hingabe Groß-
darauf vor, sich vom Heiligen Geist führen zu lassen.
artiges leisten. Ich kenne alleinstehende
Erwachsene, die sich in Familien ein-
bringen und sowohl den Eltern als auch
niemand fragt nach meinem Leben." den Kindern eine Stütze sind. Ich kenne
(Psalm 142:5.) Lehrer und Leiter und andere engagierte
Heute spreche ich zu allen Eltern und Erwachsene, die das Leben von Kindern
zu jedem erwachsenen Mitglied der Kir- und Jugendlichen positiv beeinflussen,
che, und ich fordere Sie alle auf, sich mit annehmen.
die sich ihrer Seele
vereinten Kräften der Seele der Kinder Mit der Elternschaft und der Sorge für
anzunehmen. die Kinder gehen viele Segnungen einher.
Vor einigen Jahren habe ich einmal im Präsident Hinckley hat gesagt: „Von allen
Garten gearbeitet und mich daran gefreut, Freuden des Lebens kommt keine der
eine Wachtelfamilie zu beobachten. Ich einer glücklichen Elternschaft gleich. Von
sah, wie der Vater oben auf der Mauer saß allden Verpflichtungen, mit denen wir
und Wache hielt. Die Mutter war damit kämpfen, ist keine so schwerwiegend.
beschäftigt, ihre zehn kostbaren Wachtel- Kinder in einer Atmosphäre der Liebe,
kinder zusammenzuhalten. Sie schien der Geborgenheit und des Glaubens zu
ihnen zu zeigen, wie man Futter aus der erziehen ist die lohnenswerteste aller
Erde pickt. Ich war fasziniert. Vorsichtig Herausforderungen. Die positiven Folgen
und mich näher. Aber
leise schlich ich solcher Bemühungen sind des Lebens
bald darauf wurde ich von dem aufmerk- größter Lohn." („Rettet die Kinder", Der
samen Vater entdeckt, der einen Warnruf Stern, Januar 1995, 53.)
ausstieß. Die Mutter versuchte, die Kin- Die Elternschaft ist eine gottgegebene
länger ich in meiner Berufung als der hinter die Mauer zu führen, um sie Aufgabe, die für die Errettung der Kinder
JePV-Präsidentin diene, desto mehr lie- in Sicherheit zu bringen, aber ich, die Ge- des Vaters notwendig ist und die auch für
gen mir die Kinder am Herzen. Kinder fahr, war zu nahe, so daß sie entmutigt unsere Vorbereitungen auf die Segnun-
sind ein heiliges Geschenk von unserem und verwirrt auf die Mauer flog und sich gen der Ewigkeit wichtig ist. Freuen Sie
liebevollen himmlischen Vater. „Kinder neben den Vater setzte. Da ich der Familie sich über jede Möglichkeit, die Seele eines
sind eineGabe des Herrn." (Psalm 127:3.) keinen Schaden zufügen wollte, entfernte Kindes zu lieben und sich ihrer anzuneh-
Je mehr ich über die Kinder nachdenke, ich mich schnell aus ihrem Blickfeld. men. Unser Vater im Himmel ermöglicht
desto mehr sorge ich mich um die Eltern. Im Gegensatz zu meinem Erlebnis mit jedem seiner Kinder Segnungen und ewi-
Präsident Spencer W. Kimball hat ge- der Wachtelfamilie ziehen sich die Gefah- gen Lohn, ob sie nun verheiratet oder
sagt: „Der himmlische Vater hat den ren, die unsere Familien bedrohen, nicht alleinstehend sind, ob sie Eltern sind oder
Eltern die Aufgabe übertragen, dafür zu zurück. Der Satan freut sich über unsere kinderlos geblieben sind. Auch wenn sich
sorgen, daß ihre Kinder gut ernährt, gut Verwirrung und Entmutigung, und sein unsere Umstände und Möglichkeiten un-
gepflegt und gekleidet, gut erzogen und Einfluß umgibt uns. Wir schalten den terscheiden, wird doch das Endergebnis
gut unterwiesen werden. Die meisten El- Fernseher ein - ist das eine Familiensen- unserer Rechtschaffenheit dasselbe sein -
tern bieten ihren Kindern Sicherheit - sie dung? Was wir da aus dem Kinderzim- ewige Elternschaft, ewige Leben. Wenn
pflegen sie, wenn sie krank sind, geben mer tönen hören - ist das Musik? Wir wir mithelfen, uns der Seele der Kinder
ihnen schützende und bequeme Kleidung wollen einen Film aussuchen - war er anzunehmen, können wir uns auf diese
und ausreichend Nahrung, damit sie ge- wirklich als jugendfrei eingestuft? ewige Segnung vorbereiten.
sund bleiben und wachsen. Aber was tun Manchmal sind die Einflüsse des Satans Wie können wir es noch besser machen?
sie für ihreSeele?" (The Teachings of Spen- eher unmerklich. Ich frage mich: Setze Ich meine, daß es hilfreich sein kann,
cer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, ich meine Kinder der Gefahr aus, wenn wenn wir uns ernsthaft damit befassen,
1982, 332.) ich sie nicht die Wahrheiten des Evangeli- wie unser Vater sich seiner Kinder an-
Traurigerweise haben manche Kinder ums lehre? Vernachlässige ich ihre Seele, nimmt. Alles, was wir über den himmli-
irgendwann ähnliche Gefühle, wie der wenn ich ihnen nicht helfe, die Eingebun- schen Vater wissen, hängt damit zusam-
Psalmist sie hier zum Ausdruck bringt: gen des Geistes und die Weisung, die sie men, daß er Vater ist, daß er sich liebevoll
„Ich blicke nach rechts und schaue erhalten können, zu erkennen? Setze ich um unsere Seele sorgt. Er liebt jedes sei-
aus, doch niemand ist da, der mich be- meine Kinder der Gefahr aus, wenn mein ner Kinder bedingungslos. Wir können in
achtet. Mir ist jede Zuflucht genommen, Beispiel nicht meinen Worten entspricht unserer Familie das gleiche tun. Sein Plan

DER STERN
12
des Glücklichseins ist ein Plan, der seinen Sie der Inspiration, die Sie erhalten." (Der der denkt, kann euch das helfen, auf dem
Kindern helfen soll, Fortschritt zu ma- Stern, Januar 1996, 81.) richtigen Weg zu bleiben. Sollte euch die-
chen und bereit zu sein, seine größten Wenn wir rechtschaffener werden, in- ser Segen in diesem Leben vorenthalten
Segnungen zu empfangen. Auch wir kön- dem wir unsere Bündnisse einhalten und bleiben, dann bereiten euch eure Vorbe-
nen einen Plan aufstellen, um unserer Fa- den Rat, den wir durch die heiligen reitung und euer Wunsch darauf vor, alle
milie zu helfen, Fortschritt zu machen. Er Schriften und die lebenden Propheten er- Kinder Gottes zu lieben und zu unterwei-
bezog seine Kinder in den großen Rat im halten, gewissenhafter befolgen,werden sen, so wie der Erretter es getan hat. Eine
Himmel ein; wir durften mitwirken und wir wahrhaftig gesegnet und können uns ewige Familie kann euer ewiger Lohn
uns frei entscheiden. Wir können einen täglich von unserem Vater im Himmel sein.
Familienrat abhalten und unsere Kinder und vom Erretter führen lassen, was wir Auf einer Pfahlkonferenz hat unser
einbeziehen und aktiv daran teilnehmen ja wirklich brauchen, und unsere Kinder Prophet vor kurzem den Eltern den fol-
lassen. Unter seiner Führung wurde diese in Rechtschaffenheit erziehen. genden Rat gegeben:
Erde als der Ort bereitet, an dem wir ler- Allen Vätern und Müttern in der Kirche „Vergessen Sie nie, daß diese Kleinen
nen und wachsen können. Auch unser sage ich: Sagen Sie Ihren Kindern, daß Sie die Söhne und Töchter Gottes sind und
Zuhause kann ein glücklicher Ort sein, sie lieben und daß Sie glücklich sind, sie daß er sie Ihnen nur anvertraut hat. Er
wo unsere Kinder lernen und wachsen in Ihrer Familie zu haben. Bereiten Sie war schon ihr Vater, ehe Sie Eltern wur-
können. Er gab seinen Kindern Verhal- sich in geistiger Hinsicht darauf vor, sich den, und er hat seine elterlichen Rechte
tensregeln und Gebote, die uns auf dem vom Heiligen Geist führen zu lassen. Stu- nicht abgetreten, sein Interesse an diesen
Weg, der in unsere himmlische Heimat dieren Sie gebeterfüllt die heiligen Schrif- Kleinen nicht verloren.
führt, voranbringen. Die Verhaltensregeln ten und „Die Familie - Eine Proklamation Lieben Sie sie also, und kümmern Sie
in unserer Familie können uns helfen, an die Welt" (Der Stern, Januar 1996, 93). sich um sie. Väter, bewahren Sie die
auf dem Weg, der uns zum himmlischen Achten Sie auf die Eingebungen des Gei- Ruhe, jetzt und in allen zukünftigen Jah-
Vater zurückführt, vorwärtszugehen. stes; befolgen Sie sie. Seien Sie vor dem ren. Mütter, achten Sie auf Ihre Stimme,
Der einziggezeugte Sohn unseres Va- Einfluß des Satans auf der Hut. Woher werden Sie nicht laut. Erziehen Sie Ihre
ters, unser Erretter Jesus Christus, hat kommen die Gefühle, die Ihnen den Ein- Kinder in Liebe, in der Obsorge und Er-
sein irdisches Wirken damit zugebracht, druck vermitteln, Ihre Bemühungen in mahnung des Herrn. Sorgen Sie für Ihre
daß er uns gezeigt hat, wie wir alle, die der Familie seien nicht wichtig und man Kleinen, heißen Sie sie in Ihrer Familie
zur Familie Gottes gehören, lieben und könne darin keine Erfüllung finden? Wo- willkommen, und erziehen und lieben
unterweisen und segnen sollen. Er hat her kommen die Gefühle, die Ihnen den Sie sie von ganzem Herzen." (Gordon B.
uns gelehrt, daß keine Seele verloren ge- Eindruck vermitteln, niemand wisse Ihre Hinckley, Ansprache auf der Konfe-
hen soll. Wir müssen seinem Beispiel Arbeit zu schätzen? renz des Pfahles Salt Lake University 3,
nacheifern und unsere Kinder lieben und Nun möchte ich den jungen Männern 3. November 1996, Church News, 1. März
segnen und alles tun, was wir können, und jungen Damen der Kirche noch et- 1997, 2.)
damit nicht eine Seele verloren geht. was sagen. Freut euch darauf, Eltern zu Brüder und Schwestern, ich bete, wir
Zur Vorbereitung auf diese Ansprache werden; plant es in euer Leben ein und allemögen uns darüber freuen, daß es
und auf der Suche nach Antworten auf bereitet euch darauf vor. Macht euch be- uns möglich ist, uns der Seele der Kinder
die Frage, wie wir uns noch besser eines reit, würdige Väter und Mütter zu wer- anzunehmen. Im Namen Jesu Christi.
jeden Kindes annehmen können, habe ich den. Wenn ihr an eure zukünftigen Kin- Amen. D
mit meinem Mann Ed den Tempel be-
sucht. Ich war so dankbar für diese hei-
lige Möglichkeit, denn im Tempel werden
wir an die verheißenen Segnungen erin-
yf^ti
nert. Mir wurde klar, daß die Segnungen,
die uns an diesem heiligen Ort offen .m #§»>

stehen, die Hilfe eröffnen, die alle Eltern


brauchen, um heute ihre Kinder erziehen
zu können.
Arbeiten Sie darauf hin, für den Tempel
würdig zu sein, und besorgen Sie sich
einen Tempelschein, auch wenn der Tem-
pel so weit weg ist, daß Sie nicht sehr oft
hingehen können. Aufgrund Ihrer Recht-
schaffenheit werden Ihnen und Ihren
Kindern große Segnungen zuteil. Wenn
Sie schon einen Tempelschein haben,
dann studieren und beten Sie und gehen
Sie oft in den Tempel, damit Sie die Bünd-
nisse, die Sie eingegangen sind, besser
verstehen.
Alle Eltern müssen außerdem diesen
Rat von Präsident Hinckley befolgen:
„Als Eltern brauchen Sie mehr als nur
Ihre eigene Weisheit, um Kinder aufzu-
ziehen. Sie brauchen die Hilfe des Herrn.
Beten Sie um diese Hilfe, und folgen

JULI 1997
13
// köstliche Perle, die jede Anstrengung
„Treu stets der Wahrheit wert ist.

Uns wird zwar gelehrt, daß wir unsere


Talente entfalten und für unsere Familie
Eider Joseph B. Wirthlin sorgen sollen, aber wir müssen dabei dar-
vom Kollegium der Zwölf Apostel auf achten, daß unsere Karriere uns nicht
vom Weg des Evangeliums abbringt.
Wir müssen „der Wahrheit stets treu"
sein und auf dem „engen und schmalen
Pfad, der zum ewigen Leben führt" 6 blei- ,

Diese äußerst wichtige Treuhandschaft liegt in der herrlichen Aufgabe, ben. Denken Sie an den Rat, den Alma

die der Vater im Himmel Ihnen gegeben hat, nämlich über Ihre Seele zu seinem Sohn Korianton gegeben hat:
„Laß dich nicht von irgend etwas Unnüt-
wachen und anzunehmen.
sich ihrer
zem oder Törichtem verleiten." 7
„Gottes Gebote will ich befolgen, dann
wandle ich sicher, dann finde ich Ruh." 8
daß „das Reich ein großer Berg werde
. . . Nichts von dem, was die Welt hat, kann
und die ganze Erde fülle!" 2 die Freude überbieten, die ein evangeli-
Großes geschieht, weil so viele von Ih- umsgemäßes Leben schenkt! Kein welt-
nen sich treu nach den Punkten des Ge- licher Reichtum oder Besitz, kein Ruhm,
setzes Gottes und seiner Gebote richten. keine Anerkennung kann die Zufrieden-
Als Führer der Kirche des Herrn sehen aufwiegen, die man empfindet, wenn
heit
wir voller Begeisterung, daß viele recht- man die Wärme und den Frieden des Gei-
schaffene und glaubenstreue Heilige der stes des Herrn im Herzen und in der
Letzten Tage viel Gutes tun. Sie sollen Familie spürt. Süß ist der Friede, den das

wissen, daß wir oft beten, daß unser Evangelium schenkt. Bei unserem Streben
himmlischer Vater Ihnen helfe, den Bünd- nach Erfolg dürfen wir uns nicht von
nissen, die Sie mit ihm geschlosssen irgend etwas Unnützem oder Törichtem
haben, treu zu sein. vom Weg des Glaubens und unserer
Treue gegenüber unseren Bündnissen
Gehen Sie den Weg des Glaubens abbringen lassen.

In einer Ansprache, die Präsident Gor- Treu in dem Glauben


don B. Hinckley vor kurzem gehalten
hat, hat er sowohl eine Bitte als auch Ich mag das Wort treu. Es verdeutlicht
eine Aufforderung ausgesprochen: „Ich grundlegende Begriffe des Evangeliums
ir sind von Eider Neal A. Max- bitte Sie", sagte er,"gehen Sie mit mir den mit verständlicher Klarheit.

W" wells wundervoller Ansprache


zutiefst beeindruckt. Ich
noch sagen, daß er sich jetzt
möchte
zu denen
Weg des Glaubens. Ich fordere Sie auf:
treten Sie für das ein,
wahr und gut Unser Prophet ist ein
ist."
3
was richtig und
Treu heißt: standhaft, loyal, ehrlich, ge-
recht- alles Tugenden, die wir pflegen
müssen.
zählen darf, die, wie Bruder Oaks und Vorbild an unerschütterlichem Engage-
ich, ein erleuchtetes Haupt haben. Aber ment; er geht diesen Weg des Glaubens Keine Heuchelei und keine Täuschung
vor allem denken wir, wenn wir an ihn und des Eifers in beispielhafter Weise.
denken, an seine Weisheit, seine Inspira- Folgen wir im täglichen Leben seinem Wahrheit kann auch etwas beschreiben,
tion und daran, daß er ein großer Führer inspiriertem Beispiel? Kommen wir als was tatsächlich der Fall ist, nicht etwas,
im Reich Gottes ist. Es ist ein großes Wun- Mitglieder der Kirche Jesu Christi der was offenkundig oder angenommen ist,
der, daß er heute bei uns sein kann. Der Heiligen der Letzten Tage seiner Auffor- wie die wahren Ausmaße eines Problems
Herr hat ihn gesegnet und unser Beten derung nach und treten wir für das ein, oder das wahre Wesen eines Menschen.
erhört. was richtig und wahr und gut ist? Mit Leben wir tatsächlich nach dem Evan-
Die Generalkonferenz ist für alle Mit- den Worten eines beliebten Liedes er- gelium, oder erwecken wir bloß den An-
glieder eine inspirierende Zeit. Wir wol- mahnt uns Präsident Hinckley: Seien wir schein von Rechtschaffenheit, so daß die
len einander unterweisen und erbauen, ,treu in dem Glauben, den Eltern uns Menschen um uns herum annehmen, wir
damit wir wissen, wie wir uns nach den lehrten, treu stets der Wahrheit, die Helden wären glaubenstreu, während in Wirk-
Punkten des Gesetzes Gottes und nach begehrten.'" 4 lichkeit unser Herz und unser Handeln
seinen Geboten richten sollen. 1 Ich bete Brüder und Schwestern, sind wir der den Lehren des Herrn nicht treu sind?
demütig darum, daß wir den Geist, den Wahrheit stets treu ? Nehmen wir nur die Form der Fröm-
wir heute morgen schon in so reichem Im 13. Glaubensartikel heißt es: „Wir migkeit an, leugnen dabei aber ihre
Maß verspürt haben, auch weiterhin mit glauben, daß es recht ist, treu zu sein." Kraft? 9
uns haben können. Die Wahrheit des wiederhergestellten Sind wir tatsächlich rechtschaffen, oder
In unserer Zeit geschieht Großes im Evangeliums ist, wie es das Lied sagt, spielen wir den Gehorsam nur vor, wenn
Reich Gottes „ein Edelstein, der an Pracht alles Gold wir uns beobachtet fühlen?
Die Kirche macht auf der ganzen Welt überwiegt, [und alles vergeht in der
. . . Der Herr hat deutlich gesagt, daß er
Fortschritt wie nie zuvor. Wir dürfen Zeiten Sand .] nur Wahrheit für immer
. . sich vom
Anschein nicht blenden läßt,
5
Zeugen dessen sein, daß wir uns auf die besteht." und uns davor gewarnt, ihm oder
er hat
Erfüllung der Prophezeiung hinbewegen, Ja, die Fülle des Evangeliums ist eine anderen gegenüber unehrlich zu sein. Er

DER STERN
14
hat uns ermahnt, uns vor denen in acht zum Priestertum ordiniert werden, wenn macht uns bereit, mit reinem Herzen und
zu nehmen, die eine Fassade aufbauen, wir in den Tempel gehen und das Endow- reinem Gewissen vor ihm zu stehen.
die eine freundliche Maske aufsetzen, ment empfangen, wenn wir den neuen Als Führer der Kirche, als Diener des
hinter der sich eine finstere Wirklichkeit und immerwährenden Bund der ewigen mitfühlenden Vaters im Himmel wün-
verbirgt. Wir wissen, daß der Herr das Ehe eingehen - in all diesen heiligen schen auch wir uns, daß jeder von Ihnen
Herz sieht und nicht den äußeren An- Handlungen verpflichten wir uns feier- in seine Gegenwart eingeht. Wir lieben
schein. 10 lich, die Gebote Gottes zu halten. Sie und wünschen von ganzem Herzen,
Der uns gelehrt, nicht nach
Erretter hat Wir geloben, daß wir dem Vater im daß Sie sich an jenem großen Tag des
dem Augenschein zu urteilen 11 er hat uns
; Himmel durch demütiges Dienen und eif- Gerichts mit dem Vater im Himmel, mit
vor den reißenden Wölfen gewarnt, die rigen Gehorsam und indem wir uns als Ihren Eltern, Ihren Kindern und anderen,
„wie (harmlose) Schafe [zu uns] kommen" „tüchtige und treue Diener" 22 erweisen, die Sie lieben, freuen. Darum
stellen wir
und deren Täuschung nur offenkundig unsere Liebe bekunden. Ihnen die Frage: „Sind Sie treu?" Und
wird, wenn man ihre Früchte überprüft. 12
Wenn wir unseren Bündnissen treu darum ermahnen wir Sie so wie Nephi:
Nephi hat gelehrt, daß wir den Weg des sind, gewährt uns der Vater im Himmel „Macht eure Seele für diesen herrlichen
Glaubens gehen müssen, und zwar mit den Segen ewigen Lebens, „und diese Tag bereit, da den Rechtschaffenen Ge-
voller Herzensabsicht, indem wir keine Gabe ist die größte von allen Gaben rechtigkeit widerfahren wird, nämlich
Heuchelei und keine Täuschung vor Gott Gottes" 23 Alles, was der Vater hat 24, ist
. den Tag des Gerichts, damit ihr nicht in
verüben" 13 . denen verheißen, die den Weg des Glau- furchtbarer Angst zurückschrecken und
Wir wissen, daß ein Mensch mit zwei bens gehen und ihren Bündnissen treu eine vollkommene Erinnerung an eure
Seelen unbeständig ist auf all seinen We- bleiben. „Derjenige, der die Werke der furchtbare Schuld haben müßt." 28
gen 14 und daß wir nicht zwei Herren die- Rechtschaffenheit tut, [wird] seinen Lohn Was kann uns helfen, stark zu werden
nen können 15 Präsident Marion G. Rom-
. empfangen nämlich Frieden in dieser
. .
.
, beziehungsweise den Vorsatz zu fassen,
ney hat die weise Beobachtung gemacht, Welt und ewiges Leben in der zukünfti- daß wir auf dem schmalen Weg der
daß es unter uns zu viele gibt, die versu- gen Welt." 25 Rechtschaffenheit und der Wahrheit blei-
chen, dem Herrn zu dienen, ohne dabei ben, so daß unsere Seele den Tag des Ge-
den Teufel zu kränken. 16 Eine ewiggültige Treuhandschaft richts als herrlichen Tag begrüßen wird?
„Der Herr fordert das Herz und einen Ichmöchte fünferlei vorschlagen.
willigen Sinn." 17 Daher lautet das erste Jeder von Ihnen hat eine ewige Beru- Erstens: Der wesentliche Grund dafür,
der Zehn Gebote: „Du sollst neben mir fung, aus der kein Beamter der Kirche Sie daß der Herr uns angewiesen hat, Wür-
keine anderen Götter haben." 18 Und der zu entlassen befugt ist. Diese Berufung digkeitsinterviews durchzuführen, besteht
Erretter erklärte, das erste und größte Ge- wurde Ihnen vom himmlischen Vater darin, daß wir lernen, die Verpflichtungen,
bot laute: „Du sollst den Herrn, deinen selbst übertragen. In dieser ewigen Beru- die wir eingegangen sind, einzuhalten.
Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit fung, so wie in allen anderen Berufungen, Kurz, wir müssen in dieser irdischen Prü-
ganzer Seele und mit all deinen Gedan- haben Sie eine Treuhandschaft, und „der fungszeit lernen, uns zu beherrschen 29 ,
19
ken." Erst wenn wir alles geben, was Herr verlangt von jedem Treuhänder, daß redlich zu leben und unseren Bündnissen
wir haben, und unseren Stolz überwin- er Rechenschaft über seine Treuhand- treu zu sein. Ein Würdigkeitsinterview
den und den Weg des Glaubens gehen, schaft ablege,sowohl in der Zeit als auch wird mit liebevoller Fürsorge für jeden
ohne abzuweichen, können wir aufrich- in der Ewigkeit" 26 Diese äußerst wich-
. Sohn und jede Tochter eines liebevollen
tig singen: „Herr, wir wollen preisen, tige Treuhandschaft liegt in der herrlichen Gottes geführt. Ein solches Interview ist
20
loben." Aufgabe, die der Vater im Himmel Ihnen ein Segen, eine Gelegenheit, dem Herrn
gegeben hat, nämlich über Ihre Seele zu durch seine rechtmäßigen Diener Rechen-
Jeder Schritt im Glauben wachen und sich ihrer anzunehmen. schaft für die heilige Treuhandschaft ab-
Irgendwann in der Zukunft werden wir zulegen, die darin besteht, achtzuhaben
Die tapferen Pioniere, die so viel opfer- alle die Stimme des Herrn vernehmen, auf uns und unsere Gedanken und unsere
ten, um die „Sache Zions hervorzubrin- der uns aufruft, über unsere irdische Worte und unsere Taten 30 .

gen" 21 gingen den Weg des Glaubens in-


, Treuhandschaft Rechenschaft abzulegen. Zweitens In der Kirche des Herrn wer-
:

mitten großer materieller Entbehrung, die Dies wird stattfinden, wenn wir aufgeru- den wir jedesmal, wenn wir am Abend-
sie prägte und stärkte. Mit aufrichtigem fen werden, „am großen Tag des Gerichts mahl teilnehmen, an unsere heiligen
Engagement für die Sache der Wahrheit vor [dem Herrn] zu stehen" 27 . Bündnisse erinnert.
hielten sie trotz Widerstands und Anfech- Jeder Tag auf dieser Erde ist nur ein Drittens Immer wenn wir zum Tempel
:

tung an der eisernen Stange fest. Sie wa- kleiner Teil der Ewigkeit. Der Tag der zurückkehren, werden wir daran erinnert,
ren der Wahrheit treu und gaben alles, Auferstehung und des letzten Gerichts welche Bündnisse wir mit der Begabung
was sie hatten, indem sie das wiederher- wird gewiß für jeden einzelnen von uns schließen.
gestellte Evangelium stark machten und kommen. Viertens Denken wir beim Heimlehren
:

danach lebten. Dann wird das große und edle Herz und beim Besuchslehren an unser Ver-
unseres Vaters im Himmel um alle dieje- sprechen, anderen zu dienen? 31
Seien Sie Ihren Bündnissen treu nigen seiner Kinder trauern, die, weil sie Fünftens: Der Erretter selbst wußte, wie
das Böse gewählt haben, hinausgeworfen auch wir wissen müssen, daß er seinem
Zu den großen Segnungen des wieder- werden - unwürdig, in seine Gegenwart Vater rechenschaftspflichtig war. Er lehrte,
hergestellten Evangeliums gehört es, daß zurückzukehren. Diejenigen aber, die sich daß seine heilige Treuhandschaft darin
wir mit dem Vater im Himmel heilige dafür entschieden haben, der Wahrheit treu bestand, „den Willen dessen zu tun, der
Bündnisse eingehen können - Bündnisse, zu sein, wird er mit liebevollen Armen mich gesandt hat" 32 In seiner erhabenen
.

die kraft des Priestertums bindend wer- und mit unbeschreiblicher Freude emp- Fürsprache berichtete der Herr seinem
den. Wenn wir uns taufen lassen und fangen. Ein rechtschaffenes Leben in Ver- Vater: „Ich habe das Werk zu Ende ge-
33
konfirmiert werden, wenn die Brüder bindung mit der Gnade des Sühnopfers führt, das du mir aufgetragen hast."

JULI 1997
15
Hinckley, unserem Propheten, auf dem
Weg des Glaubens gehen und unsere
Bündnisse einhalten, finden wir „Frieden
in dieser Welt und ewiges Leben in der
zukünftigen Welt" 36 Möge der Vater im .

Himmel unsere Anstrengungen, uns für


den großen Tag bereitzumachen, seg-
nen, wenn wir mit denen, die wir lieben,
voller Freude in die Gegenwart unseres
Vaters im Himmel zurückkehren können.
Darum bitte ich im Namen Jesu Christi.
Amen. D
FUSSNOTEN
1. Siehe LuB 43:8.

2. LuB 109:72; siehe auch Daniel 2:31-45.


3. Gordon B. Hinckley, „Dem Glauben treu",
Der Stern, September 1996, 5.

4. Gordon Hinckley, „Dem Glauben


B. treu",
Der September 1996, 10;
Stern,
Hervorhebung hinzugefügt.
5. „O heilige Wahrheit", Gesangbuch, Nr. 183.
6. 2 Nephi 31:18.

7. Alma 39:11.

8. „Gottes Gebote will ich befolgen",


Gesangbuch, Nr. 204.

9. Siehe Joseph Smith - Lebensgeschichte


1:19.

10. Siehe 1 Samuel 16:7.

11. Johannes 7:24.

12. Matthäus 7:15,16.

13. 2Nephi 31:13; siehe auch Jakob 6:5;


Die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel und die Erste Präsidentschaft singen gemeinsam mit den
Mosia 7:33; 3 Nephi 10:6; LuB 18:27,28.
versammelten Mitgliedern und dem Chor.
14. Siehe Jakobus 1:8.

15. Siehe Matthäus 6:24; siehe auch


Wenn wir rechtschaffen leben, freuen mahlsversammlung, der Tempelbesuch Lukas 16:13; 3 Nephi 13:24.
wir uns, daß wir positiv über unsere Wür- und sonstige Versammlungen der Kirche
16. Siehe Marion G. Romney, „The Price of
digkeit und darüber berichten können, gehören zu dem Plan, den der Herr auf- Peace", Ensign, Oktober 1983, 6.
daß wir für weitere Segnungen bereit gestellt hat, um unsere Seele zu bilden,
17. LuB 64:34.
sind, ob es sich nun um die Ehre han- um uns zu helfen, daß wir die gesunde
18. Exodus 20:3.
delt, das Priestertum zu empfangen, den Gewohnheit entwickeln, stets unsere
Segen, den Tempel zu besuchen, die Be- Position zu überprüfen, um auf dem Weg 19. Matthäus 22:37,38; Hervorhebung
friedigung über die Leistungen im JD- hinzugefügt; siehe Vers 36-40.
des Glaubens zu bleiben. Diese regel-
Programm „Mein Fortschritt" oder den mäßige geistige Kontrolle hilft uns, alle 20. „Herr, wir wollen preisen, loben",
Segen, in welcher Berufung auch immer Klippen des Lebens sicher zu umschiffen. Gesangbuch, Nr. 70; Hervorhebung
hinzugefügt.
zu dienen. In stillen Augenblicken der Einkehr und
Durch solche irdischen Erfahrungen Besinnung tut es mir gut, wenn ich mir 21. LuB 6:6.

können wir einschätzen, was wir aus die einfache Frage stelle: „Bin ich treu?" 22. Matthäus 25:21,23.

unserem Leben machen. Alle helfen uns, Es kann uns allen gleichermaßen gut 23. LuB 14:7.

unsere Seele zu schulen und unseren tun, wenn wir in ehrfürchtigen Au- 24. Siehe LuB 84:38.
Charakter zu festigen, so daß wir für jene genblicken der Gottesverehrung und des
25. LuB 59:23.
letzte Unterredung bereit sind. Betens tief in unser Herz blicken und
26. LuB 72:3.
„Und wenn [wir] bereit sind, werden uns diese einfache Frage stellen: „Bin ich
27. 2 Nephi 9:22.
[wir uns] nicht fürchten." 34 treu?"
Wenn wir umkehren müssen, ist das Die Frage bekommt mehr Macht und 28. 2 Nephi 9:46.

Interview nicht immer leicht. Zum Sinn, wenn wir mit unserer Antwort 29. Siehe Alma 34:33-37.
Glück hat der Herr wunderbare Bischöfe, und sie motiviert uns,
völlig ehrlich sind, 30. Siehe Mosia 4:30.
Pfahlpräsidenten und weitere Priester- im Sinne der Umkehr Kurskorrekturen 31. Siehe Mosia 18:8-10.
tumsführer berufen, die uns liebevoll vorzunehmen, die uns davon abhalten,
32. Johannes 4:34.
führen und uns helfen können, umzu- vom Weg des Glaubens abzuweichen.
33. Johannes 17:4.
kehren und uns reinzumachen, so daß Ich bezeuge, daß der Vater im Himmel
wir am letzten Tag schuldlos vor Gott jeden einzelnen von uns liebt. 34. LuB 38:30.
stehen mögen. 35 Wenn wir der Wahrheit treu bleiben, 35. Siehe LuB 4:2.

Das Würdigkeitsinterview, die Abend- der Bitte nachkommen und mit Präsident 36. LuB 59:23.

DER STERN
16
Ewigkeit an ihren Mann, Henry Jacob
Die Ewigkeit liegt vor uns Faust, gesiegelt.
Es gab jedoch heilige Handlungen, die
im Endowment-Haus nicht vollzogen
Präsident James E. Faust werden konnten, und der Bau des Salt-
Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft Lake-Tempels war bereits im Gange.
Brigham Young kündigte im Hinblick auf
dieses großartige Gebäude, das selbst das
Millennium überdauern soll, an: „Dies ist
Unsere geistige Kraft zu erhalten ist eine tägliche Herausforderung.
. . .
nicht der einzige Tempel, den wir bauen

Die größte Quelle, um diese geistige Kraft zu erlangen, ist ..im Tempel werden; es werden Hunderte von Tem-
.

peln gebaut und dem Herrn geweiht


zu finden.
werden." 6
Die treibende Kraft, die die Pioniere
dazu brachte, in den Westen zu ziehen,
Die beiden ersten Namen, die auf der war mehr als nur der Wunsch, der Verfol-
Gruppe im Register des
Liste der vierten gung zu entkommen. Sie suchten einen
Nauvoo-Tempels vom 3. Februar 1846 Ort, „wo nichts uns stört, nichts uns den
erscheinen, sind John und Jane Akerley, Frieden nimmt" 7 und wo sie gesegnet
,

die an jenem Abend im Nauvoo-Tempel werden konnten. Das geistige Verlangen,


die Begabung empfingen. Es waren de- das sie ins Salzseetal brachte, bestand
mütige, neubekehrte Mitglieder der Kir- unter anderem in der Vision von einem
che, die weder reich noch angesehen Ort, an dem sie Gott ungestört in seinem
waren. Die Tempelarbeit war ihr letztes Tempel verehren konnten.
Bestreben, ehe sie ihr Haus in Nauvoo Zweifellos waren viele Pioniere auf der
verließen, um in den Westen aufzubre- Beerdigung von Joseph Smith sen. gewe-
chen. Es war ein Glück, daß Präsident sen und hatten gehört, wie der Prophet
Young den Heiligen den Wunsch, die Joseph Smith jun. über die Kraft und den
Segnungen des Tempels zu empfangen, Trost sprach, die sein Vater, der Patriarch
erfüllt hatte, denn John Akerley starb in der Kirche, im Tempel empfangen hatte
Winter Quarters in Nebraska. Wie 4000 „Er freute sich jeden Tag daran, im
andere kam er nie in dem Tal in den Haus des Herrn zu sein und in dessen
Rocky Mountains an. 2 William Claytons Tempel Rat zu suchen. Hier empfing er
bekanntes Kirchenlied „Kommt, Heiige, viele Segnungen und verbrachte viele
kommt!" bringt ihren Glauben gut zum Stunden in innigem Gespräch mit dem
Meine stern
lieben Brüder
und Freunde,
und Schwe-
die Aufgabe,
Ausdruck: „Und trifft uns Tod, bevor
wir sind am Ziel: Tag des Heils, nicht
himmlischen Vater. Er schritt einsam und
allein durch die heiligen Hallen. ... In je-
zu Ihnen zu sprechen, stimmt geweint!" 3 nen heiligen Mauern wurden seinem Sinn
mich demütig. Ich wäre dankbar für Ihre Am 26. Juli 1847, dem zweiten Tag nach himmlische Visionen zuteil, und seine
geistige Einsicht, wenn ich jetzt von den der Ankunft der ersten Pioniersabteilung Seele labte sich an den Reichtümern der
größten Segnungen spreche, die wir in im Salzseetal, wurde der Bau eines Tem- Ewigkeit. Dort wurden die Sanftmütigen
der Sterblichkeit empfangen können. pels angekündigt. Brigham Young machte und Demütigen von ihm unterwiesen,
Der 3. Februar 1846 war ein bitterkalter diese feierliche Ankündigung, noch ehe während die Witwen und Waisen von
Tag in Nauvoo in Illinois. An jenem Tag die Heiligen überhaupt ein Dach über ihm den Patriarchalischen Segenemp-
schrieb Präsident Brigham Young in sein dem Kopf hatten und noch in ihren Wa- fingen." 8

Tagebuch: gen lebten beziehungsweise auf der Erde Auch die Propheten in früherer Zeit
„Obwohl ich angekündigt hatte, daß an schliefen. Er steckte seinen Stock in den hatten die Ewigkeit, die vor uns liegt, im
diesem Tag keine heiligen Handlungen Boden und sagte: „Hier bauen wir den Blick. Tatsächlich ist der Brauch, beson-
vollzogen werden sollten, drängten sich Tempel unseres Gottes." 4 Der Bau dieses dere Gebäude für die Gottesverehrung
die Menschen den ganzen Tag lang im herrlichen Gebäudes sollte vierzig Jahre und heilige Zeremonien zu bauen, schon
Haus des Herrn. Ich sagte den Brü-
. . . dauern. seit Jahrhunderten Teil der Menschheits-
dern auch, daß ich meinen Wagen bereit- Innerhalb von zehn Jahren nach ihrer geschichte. Johannes der Offenbarer emp-
machen und mich auf den Weg begeben Ankunft im Salzseetal bauten die Heili- fing eine prophetische Kundgebung im
wollte. Ich entfernte mich ein Stück weit gen das Endowment-Haus, in dem sie Hinblick auf die Tempelarbeit. Er sagte
vom Tempel und meinte, die Menge manche der Segnungen des Tempels „Da fragte mich einer der Ältesten: Wer
würde sich dann zerstreuen, aber als ich empfangen konnten. Brigham Young er- sind diese, die weiße Gewänder tragen,
zurückkehrte, mußte ich feststellen, daß läuterte die Gründe dafür: „Da wir aus und woher sind sie gekommen?
das Haus zum Bersten voll war. unseren Häusern vertrieben worden sind Ich erwiderte ihm: Mein Herr, das mußt
Wir blickten auf die Menge, und da wir und nun völlig mittellos dastehen, hat du wissen. Und er sagtezu mir: Es sind
ihr großes Verlangen kannten und wuß- der Herr uns dies gestattet, nämlich die, die aus der großen Bedrängnis kom-
ten, daß sie nach dem Wort hungerten das Endowment-Haus zum Zweck der men; sie haben ihre Gewänder gewaschen
und dürsteten, fuhren wir fort, eifrig im Tempelarbeit zu nutzen." 5 Es wurde am und im Blut des Lammes weiß gemacht.
Haus des Herrn zu arbeiten." 1 5. Mai 1855 geweiht. Hier wurde Elsie Deshalb stehen sie vor dem Thron
So wurde die Tempelarbeit bis 1.30 Uhr Ann, die Tochter von John und Jane Aker- Gottes und dienen ihm bei Tag und Nacht
nachts fortgesetzt. ley, am 2. April 1857 für Zeit und alle in seinem Tempel; und der, der auf dem

JULI 19 97

17
die Siegelungsvollmacht, die innerhalb
der geheiligten Mauern des Tempels
durch die rechtmäßige Priestertumsvoll-
macht ausgeübt wird.
Die ewige Familie nimmt ihren Anfang,
wenn ein junges Paar im heiligen Tempel
Gottes vor einem Altar kniet und mitein-
ander und mit Gott Bündnisse schließt
und Gottes größte Verheißungen emp-
fängt. Dieser Siegelung geht voraus, daß
beide Bündnisse eingehen und empfan-
gen, die ihnen, wenn sie weiterhin wür-
dig bleiben, in diesem Leben und im
Jenseits zum Segen gereichen werden.
Vater und Mutter sind bei der Aufgabe,
ihre Kinder auf der Reise zu Unsterblich-
keit und ewigem Leben zu erziehen und
zu unterweisen, gleichberechtigte Partner
mit verschiedenen Rollen. Wie kann das
Leben also etwas anderes als ein ewiger
Vorgang sein, wenn es seine volle Bedeu-
tung erhalten soll?
Ein Teil dieses Vorgangs, der sich bis in
die Ewigkeit erstreckt, steht uns bevor,
wenn wir uns der Erfahrung, die Tod ge-
nannt wird, stellen müssen. Dieses Leben
ist ohne den Glauben an und den Einblick
Die Erste Präsidentschaft der Kirche (von links): Präsident Thomas S. Monson, Erster Ratgeber,
in die Unsterblichkeit leer. Wie Paulus
Präsident Gordon B. Hinckley und Präsident James E. Faust, Zweiter Ratgeber.
sagte: „Wenn wir unsere Hoffnung nur in
diesem Leben auf Christus gesetzt haben,
Thron sitzt, wird sein Zelt über ihnen auf- in Betrieb, wobei in diesem Jahr noch sind wir erbärmlicher daran als alle an-
schlagen/' 9 mehr Tempel geweiht und weitere Tem- deren Menschen." 11 Das Sühnopfer und
Viele Heilige, einschließlich Präsident pel angekündigt und geplant werden, die Auferstehung des Erretters sind die
Wilford Woodruff, hatten den Propheten wie Präsident Hinckley gesagt hat. bedeutenden Schlüssel, die den Weg zur
Joseph Smith sagen hören: Was ist an den Worten des Propheten Unsterblichkeit öffnen. Die größte Erfül-
„Brüder, ich bin heute abend von euren Joseph Smith, daß wir „dem Allerhöch- lung dieser Segnungen empfangen wir,
Zeugnissen erbaut und unterwiesen wor- sten Tempel bauen" werden, so bedeut- sofern wir würdig sind, in den heiligen
den, aber ich will euch vor dem Herrn sam? Warum wurden all diese Tempel Tempeln Gottes. Das, was diejenigen, die
sagen, daß ihr über die Bestimmung die- mit so hohen Kosten und großen Opfern Macht und Vollmacht besitzen, innerhalb
ser Kirche und dieses Reiches nicht mehr gebaut? Warum werden in ständig wach- der heiligen Mauern des Tempels auf
wißt als ein kleines Kind auf dem Schoß sender Anzahl weitere Tempel gebaut? Erden binden, das wird auch im Himmel
seiner Mutter. Ihr begreift es nicht. . . Der Grund dafür ist, daß im Tempel die gebunden sein. Diese Vollmacht wird vom
Heute Abend seht ihr hier nur eine Hand- tiefgründigsten Fragen unseres Daseins Präsidenten der Kirche, der alle Schlüssel
voll Priestertumsträger, aber diese Kirche beantwortet werden. Die Antwort auf des Reiches Gottes auf Erden innehat und
wird sich über Nord- und Südamerika diese Fragen sagt uns, woher wir gekom- ausübt, weitergegeben.
ausbreiten - sie wird sich über die ganze men sind, warum wir hier sind, wohin Der Gottesverehrung im Tempel liegt
Welt ausbreiten. Sie wird sich über die
. . . wir gehen können und wie wir mit dem das Prinzip zugrunde, daß Gott nicht auf
Rocky Mountains ausbreiten. Zehntau- Tod umgehen können. Dieses Leben er- die Person sieht. 12 Innerhalb der geheilig-
sende Heilige der Letzten Tage werden gibt nur dann einen logischen Sinn, wenn ten Mauern des Tempels wird niemand
sich in den Rocky Mountains sammeln. wir die Ewigkeiten in Betracht ziehen. Die aufgrund seiner angesehenen Stellung,
. Dieses Volk wird in die Rocky Moun-
. . erhabensten Segnungen des Lebens und seines Reichtums, seines Standes, seiner
tains ziehen; dort werden sie dem Aller- der Ewigkeit empfangen wir innerhalb Rasse oder seiner Bildung bevorzugt. Alle
höchsten Tempel bauen." 10 der heiligen Mauern des Tempels. Die tragen weiße Kleidung. Alle erhalten die
Diese prophetische Aussage ist in jeder himmlische Gabe des Erretters an die gleiche Unterweisung, alle schließen die-
Hinsicht mehr als erfüllt worden. Menschheit ermöglicht uns ewiges Leben, selben Bündnisse und geben die gleichen
Vierundzwanzig Jahre nachdem Brig- aber ohne unsere Lieben wäre das ewige Versprechen, alle empfangen die gleichen
ham Young mit seinem Stock den Ort für Leben trostlos. erhabenen ewigen Segnungen, wenn sie
den Salt-Lake-Tempel markiert hatte, be- Eine grundlegende ewige Wahrheit, die sich ihrer würdig erweisen. Alle sind
gannen sie mit dem Bau des einzigartigen unsere Kirche lehrt, ist die, daß eine Fami- vor ihrem Schöpfer gleich. Diejenigen, die
Tempels in St. George in Utah. Sechs Jahre lie, wenn sie würdig ist, ewig Zusammen- ohne eigenes Verschulden alleinstehend
später begannen sie die wunderschönen sein kann; für uns wäre der Himmel ohne sind, werden, wenn sie es wollen, mit
Tempel in Manti und Logan in Utah zu unsere Eltern, unsere Großeltern, unseren einer ewigen Familie gesegnet, sofern sie
bauen. Seit damals dauert das Werk, Tem- Ehepartner, unsere Kinder und unsere würdig sind.
pel zu bauen, an. Neunundvierzig Tempel Nachkommen nicht der Himmel. Diese Wir sind ein Volk, das Bündnisse
sind heute in einem großen Teil der Welt Vereinigung der Familie entsteht durch schließt. Diese ewigen Segnungen stehen

DER STERN
18
allen offen, die sie würdig empfangen seinen heiligen Mauern die größten Seg- Segnungen empfangen haben, fordere ich
wollen, sowohl den Lebenden als auch nungen, die uns der Herr in diesem Le- auf, sich bereitzumachen, das Erlebnis,
den Toten. Gott hat es uns in seiner Barm- ben eröffnet. Sie hatten viel ertragen, aber innerhalb der heiligen Räume des heili-
herzigkeit ermöglicht, daß wir diese Seg- ihr Leiden fing gerade erst an. Die Seg- gen Tempels Gottes zu sein, erneut zu ge-
nungen stellvertretend für unsere ver- nungen des Tempels gaben ihnen Kraft nießen und ihr Herz, ihren Sinn und ihre
storbenen Vorfahren empfangen können, für das, was vor ihnen lag. Sie wurden Seele erneut für den Blick auf das ewige
die diese Möglichkeit im Leben nicht zwar in Winter Quarters durch den Tod Leben zu öffnen.
hatten. Natürlich können sie selbst ent- getrennt, aber aufgrund ihres Glaubens Darum bete ich von Herzen im Namen
scheiden, ob sie die Segnungen anneh- und der Segnungen, die sie in jener kalten des Herrn Jesus Christus. Amen. D
men wollen. Unsere Aufgabe ist es, un- Februarnacht im Jahr 1846 empfangen
sere Vorfahren ausfindig zu machen und hatten, konnten sie alles ertragen. FUSSNOTEN
ihnen die Möglichkeit zu geben, die Seg- So wie die Pioniere in ihrem täglichen
1. History ofthe Church, 7:579.
nungen anzunehmen und zu empfangen. Überlebenskampf den Weitblick nicht
2. Church News, 7. Dezember 1996, 2.
Wie der Prophet Joseph Smith gesagt hat: verloren, so müssen auch wir unsere
3. Gesangbuch, Nr. 19.
„Die wichtigste Aufgabe, die Gott uns in ewige Bestimmung besser im Blick haben
dieser Welt auferlegt, besteht darin, daß und begreifen. Unsere Herausforderun- 4. Heber J. Grant, Generalkonferenz,
wir nach unseren Toten forschen." 13 gen sind nicht so offensichtlich, aber nicht April 1921.

In seiner unendlichen Güte gab Gott weniger schwierig. Unsere geistige Kraft 5. Discourses of Brigham Young, 394.

den Menschen auf der Erde durch den zu erhalten ist ebenfalls eine tägliche 6. Discourses of Brigham Young, 395.
großen Propheten der Wiederherstellung, Herausforderung. Die größte Quelle, um 7. Gesangbuch; Nr. 19.
Joseph Smith, die Möglichkeit, diese diese geistige Kraft zu erlangen, ist, wie
8. History ofthe Church, 4:194.
himmlischen Segnungen zu empfangen. es auch damals war, im Tempel zu finden.
9. Offenbarung 7:13-15.
Er wurde beauftragt, in unserer Zeit alles Ich fordere alle, die diese größte aller
10. Wilford Woodruff, Conference Report,
in seiner Fülle wiederherzustellen. Darum Segnungen innerhalb der Mauern des
6. April 1898, 57.
waren die Segnungen des Tempels für Tempels noch nicht empfangen haben,
11. 1 Korinther 15:19.
Brigham Young und die Pioniere eine ih- eindringlich auf, alles zu tun, was not-
Nauvoo
rer letzten Bestrebungen, als sie wendig ist, um sich dafür bereitzuma- 12. Siehe Apostelgeschichte 10:34.
verlassen mußten. Aus demselben Grund chen, sie zu empfangen. Alle, die diese 13. Lehren des Propheten Joseph Smith, 362.
galten Präsident Youngs Gedanken, als
sie im Tal des Großen Salzsees ankamen,
wiederum der Aufgabe, Gottes Kindern
diese ewigen Segnungen zukommen zu
lassen, indem sie Tempel bauten und in
Betrieb nahmen.
Der Bau von Tempeln und die Gottes-
verehrung im Tempel waren die
hauptsächlichen Beweggründe für die Be-
reitschaft der Pioniere, auf ihrem bemer-
kenswerten Zug in die unfruchtbare, ab-
geschiedene Wüste des Westens so vieles
zu erleiden und zu ertragen. Wir freuen
uns, daß Gott in unserer Zeit durch seine
Vorsehung den Bau von so vielen Tem-
peln in so vielen Ländern ermöglicht hat.
Niemand hat in dieser Evangeliumszeit
mehr Tempel geweiht als Präsident Gor-
don B. Hinckley. Von den 49 Tempeln, die
in Betrieb sind, hat er 24 geweiht. Wir hof-
fen und beten, daß die Segnungen des
Tempels mit der Zeit einer ständig wach-
senden Anzahl von Gottes Kindern über-
all auf der Welt zugänglich sein werden.

Über 5600 Mitglieder empfingen diese


Segnungen im Nauvoo-Tempel. Der gei-
stige Sauerteig, der im Nauvoo-Tempel
seinen Anfang nahm, wird uns heute in
immer größer werdendem Maß zum
Segen. Er breitet sich in jedem Haus des
Herrn auf der Welt aus, so daß alle, die
nach der Fülle des Wortes Gottes hungern
und dürsten, satt werden können.
John und Jane Akerley und die unzäh-
ligen anderen, die in der bitteren Kälte
darauf warteten, den majestätischen Nau-
voo-Tempel zu betreten, empfingen in

JULI 1997
19
Versammlung am Samstagnachmittag
5. April 1997 Statistischer
Der Bericht des Bericht
Buchprüfungskomitees 1996
der Kirche
Vorgelegt von Ted E. Davis Vorgelegt von
Vorsitzender des Buchprüfungskomitees der Kirche F. Michael Watson
Sekretär der Ersten Präsidentschaft

An die Erste Präsidentschaft


der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Das Buchprüfungskomitee der Kir-


che besteht aus drei Mitgliedern,
tung der genehmigten Budgets wird von
der Budgetabteilung gesteuert, die dem
Brüder und Schwestern, zur Infor-
mation der Mitglieder der Kirche
dievon allen Beamten, Angestell- Komitee zur Bewilligung von Geldern hat die Erste Präsidentschaft den
ten, Unternehmungen und Abteilungen und dem Budgetkomitee untersteht. folgenden statistischen Bericht über
der Kirche unabhängig sind. Wir unter- Die kircheneigenen Unternehmen wer- Wachstum und Stand der Kirche heraus-
stehen direkt der Ersten Präsidentschaft den von Fachleuten geleitet, die unab- gegeben. Stichtag ist der 31. Dezember
und haben Zugang zu allen Aufzeichnun- hängigen Aufsichtsräten unterstehen, de- 1996. Die Zahlen beruhen auf den Berich-
gen und Angestellten, soweit es nötig ist, nen keine Generalautoritäten angehören. ten, die uns bis zur Konferenz zur Ver-
um unsere Aufgaben erfüllen zu können. Diese Firmen haben entsprechend den fügung standen.
Die Kirche hat außerdem eine Buchprü- üblichen geschäftlichen Gepflogenheiten
fungsabteilung, die von allen anderen ihr eigenes Buchhaltungs- und Berichts- Einheiten der Kirche
Unternehmungen und Abteilungen der system. Bei ihnen wird die Buchprüfung
Kirche unabhängig ist. Die Buchprü- von der Buchprüfungsabteilung der Kir- Pfähle 2296
fungsabteilung der Kirche besteht unab- che und/oder von unabhängigen Wirt- Distrikte 671
hängig vom Buchprüfungskomitee der schaftsprüfungsfirmen vorgenommen. Missionen 309
Kirche. Die Mitarbeiter der Buchprü- Dem Aufsichtsrat der Deseret Manage- Gemeinden und Zweige 23 528
fungsabteilung der Kirche sind amtlich ment Corporation gehören Generalauto- Diese Gemeinden und Zweige befinden
zugelassene Wirtschaftsprüfer und ähn- ritäten an, die die meisten kircheneigenen sich in 140 Ländern und in 21 Territorien

lich qualifizierte Buchprüfer. Diese Abtei- Unternehmen beaufsichtigen. Die Brig- und Liegenschaften.
lung hat für die Buchprüfung der Unter- ham Young University und die übrigen
nehmungen der Kirche entsprechend den Hochschulen werden von unabhängigen Mitglieder der Kirche
anerkannten professionellen Buchprü- Wirtschaftsprüfungsfirmen überprüft.
Gesamtmitgliederzahlen 9 694 549
fungsstandards Verfahrensweisen einge- Gestützt auf die Überprüfung der
Achtjährige, die 1996
richtet. Dazu gehört die Überwachung Finanz- und Verwaltungsrichtlinien und
getauft wurden 81 017
der Spendeneingänge und Ausgaben der -bestimmungen sowie auf die Überprü-
Bekehrtentaufen 1996 321 385
örtlichen kirchlichen Einheiten. fung aller Buchprüfungsberichte, die 1996
Das Buchprüfungskomitee der Kirche erstellt worden sind, und die Reaktionen
hat die Finanzrichtlinien und -Verfahrens- darauf, ist das Buchprüfungskomitee der Missionare
weisen, die die Kontrolle über die Spen- Kirche der Meinung, daß die Gelder der Vollzeitmissionare 52 938
deneingänge und Ausgaben der kirchli- Kirche, die in dem Jahr, das am 31. De-
chen Fonds sichern und die die zember 1996 zu Ende ging, eingenommen
Bekannte Mitglieder der Kirche, die seit
Besitzstände der Kirche sichern, über- und ausgegeben worden sind, in jeder
dem letzten April verstorben sind
prüft.Wir haben außerdem die Budgetie- wirtschaftlichen Hinsicht im Einklang mit
rung, die Buchhaltung und die Berichts- den geltenden Richtlinien und Bestim- Eider Lowell D. Wood von den Siebzigern,
führung sowie die Buchprüfsysteme und mungen der Kirche verwaltet und ver- Eider Lloyd P. George, emeritierte General-
Berichte der Kirche für das Jahr, das am bucht worden sind. Prows
autorität, Schwester Florence Smith
31. Dezember zu Ende ging, überprüft. Cullimore, Witwe von Eider James A.
Die Ausgaben aus den Fonds der Kirche Hochachtungsvoll Cullimore von den Siebzigern, Bruder
für 1996 wurden vom Rat zur Verwen- David M. Kennedy, ehemaliger spezieller
DAS BUCHPRÜFUNGSKOMITEE
dung der Zehntengelder, dem, wie laut Vertreter der Ersten Präsidentschaft und
DER KIRCHE
Offenbarung vorgeschrieben, die Erste US-Schatzmeister, Bruder Terrel H. Bell,
Präsidentschaft, das Kollegium der Zwölf Ted E. Davis, Vorsitzender ehemaliger US-Kultusminister, und Schwe-
Apostel und die Präsidierende Bischof- Donald D. Salmon ster Florence Holbrook Richards, ehemalige
schaft angehören, genehmigt. Die Verwal- James B. Jacobson Ratgeberin in der PV-Präsidentschaft. D

DER STERN
20
welchem Zweck das Kompaktversamm-
n Bischof, Hilfe!" lungsschema vom Sonntag dient, das
nicht insLeben gerufen wurde, damit wir
Zeit für mehr sonntägliche Versammlun-
Eider DallinH.Oaks gen haben, sondern damit die Familien
vom Kollegium der Zwölf Apostel mehr Zeit haben, zusammen zu sein und
persönlich das Evangelium zu studieren
und zu dienen.
Die Last [des Bischofs] ist schwer, und ohne tatkräftige Unterstützung
Die Bischofschaft (oder Zweigpräsi-
dentschaft) ist ferner für die Finanzen
seitens der Beamten und Mitglieder der Gemeinde ist sie nicht zu tragen.
ihrer Einheit zuständig. Sie nehmen den
Zehnten und die übrigen Spenden ent-
gegen, beaufsichtigen das Budget der Ein-
unserer Berufung verbunden sind. Wir heit und die entsprechenden Ausgaben,
brauchen in einer schweren Zeit vielleicht sie überweisen Gelder und achten dar-
materielle Unterstützung. Wir bemühen auf, daß die Berichte ordnungsgemäß ge-
uns vielleicht sogar um kirchliche Diszi- führt werden. Der Bischof ist der Richter,
plin, damit wir auf den Weg der Weiter- der entscheidet, wie kirchliche Hilfsmittel
entwicklung zurückkehren können. Im- und Gelder dazu verwendet werden,
mer ist unser Bischof uns ein Vorbild dem materiellen Bedarf der Mitglieder
an Standhaftigkeit. Dem Himmel sei abzuhelfen. Außerdem muß er ein Auge
Dank für unsere treuen und inspirierten darauf haben, wer arm und bedürftig ist.
Bischöfe und Zweigpräsidenten und ihre Der Bischof ist der Richter und Hirte,
Ratgeber der die Gabe der Erkenntnis hat und der
Ein Bischof (oder Zweigpräsident) hat ein Anrecht auf Offenbarung und Inspi-
viele Aufgaben. Als Präsident des Aaro- ration zur Führung der Herde hat. Er ist
nischen Priestertums beaufsichtigt er dafür zuständig, Würdigkeitsinterviews
persönlich die Programme und Aktivitä- zu führen, um die Erlaubnis zum Besuch
ten der jungen Männer und der Jungen des Tempels auszustellen, zu einem Amt
Damen in der Gemeinde. Er und seine in der Gemeinde zu berufen, zu einem
Ratgeber interviewen jeden Jugendlichen Amt im Priestertum zu ordinieren und je-
einmal im Jahr. Sie richten ihre Aufmerk- manden auf Mission zu berufen. Er führt
samkeit besonders darauf, daß sie die formelle und informelle Disziplinarver-
Meine Brüder und Schwestern, ich
möchte Ihnen zunächst etwas
richtigen Grundsätze vermitteln.
halten sie die Jugendlichen dazu an, sich
Immer fahren durch, wenn die Gesetze der Kir-
che übertreten worden sind, und er berät
erzählen, was sich vor ungefähr auf die Bündnisse vorzubereiten, die sie die Mitglieder und hilft ihnen, so zu leben,
zwanzig Jahren in einer großen Gemeinde im Tempel schließen werden. daß erst gar keine Disziplinarverfahren
in Provo zugetragen hat. In einer Abend- Als der präsidierende Hohe Priester notwendig werden.
mahlsversammlung störte ein kleiner gibt der Bischof allen Kollegien, Hilfsor- Manche seiner Aufgaben kann der
Junge sehr. Nachdem die Mutter ein paar ganisationen, Aktivitätenund Program- Bischof zwar nicht delegieren, aber für
Minuten versucht hatte, den lärmenden men Weisung. Die Berufung zu einem die Durchführung der meisten brauchen
Dreijährigen zu beruhigen, reichte sie ihn Amt in der Gemeinde erfolgt auf seine er und seine Ratgeber die Unterstützung
verzweifelt seinem Vater, der ganz vorn Weisung. Ebenso unterstehen ihm das vieler anderer, die auf ihre Weisung tä-
in der Kapelle direkt am Gang saß. In- Heimlehren und das Besuchslehren und tig sind: der Gemeindeführungssekretär,
zwischen hatte der Lärm den Sprecher der Vollzug von heiligen Handlungen die Sekretäre, die Präsidentschaften und
und die Gemeinde abgelenkt, und alle wie der Taufe. Seine Ratgeber stehen ihm Gruppenleiter der Kollegien, die HO-Lei-
sahen zu, wie die Eltern sich abmühten. bei alledem zur Seite. Er ist ferner für die tungen und die Beamten und Lehrer. Ein
Der Vater hatte nicht so viel Geduld wie Abendmahlsversammlung und für den Bischof muß gut delegieren können, da-
die Mutter. Nach wenigen Augenblicken Evangeliumsunterricht in allen Klassen in mit ihn die Bürden seines Amtes nicht
legte er sich den Jungen über die Schulter, der Gemeinde zuständig. Außerdem un- erschlagen oder es ihn frustriert, daß so
stand auf und ging auf die hintere Tür zu. terstehen der Bischofschaft alle übrigen vieles unerledigt bleibt.
Der kleine Junge blickte über die Schulter Versammlungen und Sitzungen in der Ich staune über die Arbeit unserer
seines Vaters zurück. Er spürte den ent- Gemeinde, einschließlich der Sitzungen Bischöfe und Zweigpräsidenten. Unsere
schlossenen Schritt seines Vaters und des Priestertumsführungskomitees und Familie hat schon viele Bischöfe erlebt.
wurde leise und ängstlich. Gerade als des Gemeinderats. Wir haben jeden von ihnen und ihre Rat-
der Vater hinten an der Tür angekommen Die Bischofschaft muß außerdem einen geber geliebt, und wir haben ihre Liebe
war, streckte der Kleine die Arme zum Überblick darüber haben, wieviel Zeit und Unterstützung erfahren. Jeder von
Podium aus und schrie: „Bischof, Hilfe!" die Mitglieder der Gemeinde, die auf ihre ihnen war in seiner Persönlichkeit anders,
Wir alle erleben es irgendwann, daß wir Weisung dienen, im Dienst der Kirche aber jeder war ein engagierter Diener des
den Bischof oder seine Ratgeber um Hilfe verbringen. Sie kennen die Lebensum- Herrn. Ich habe erlebt, wie der Mantel der
bitten müssen. Vielleicht brauchen wir stände ihrer Mitglieder und überlegen Verantwortung sie groß gemacht hat, und
inspirierten Rat und Weisung für unsere gut, wie sie die Gemeindeversammlun- ich habe mich immer über ihren großarti-
Familie oder unseren Beruf. Vielleicht gen und -aktivitäten und die Zeit, die für gen Dienst an den Menschen gefreut. Gott
brauchen wir einen vertieften Einblick ins die Familie bleibt, ausgewogen verteilen. segne die Bischöfe und Bischofschaften
Evangelium oder in die Aufgaben, die mit Außerdem sind sie sich dessen bewußt, dieser Kirche

JULI 19 97

21
Es gibt noch etwas, was wir in bezug ser Kirche eine große Verantwortung auf. Wie helfen wir nun? Um der Bischof-
auf den Bischof sagen müssen. Er ist Die Führer müssen darauf achten, daß sie schaft die Last leichter zu machen, müs-
kein Spezialist. Wir haben keine Bischöfe, ihre heilige Vollmacht „mit überzeugen- sen die HO-Leitungen und die Präsident-
die ihr Augenmerk nur auf die Jugend- der Rede, mit Langmut, mit Milde und schaften der MP-Kollegien und die
lichen, die Alten, die Verheirateten, die Sanftmut und mit ungeheuchelter Liebe" Gruppenleiter die Initiative ergreifen und
Mißbrauchten oder auf irgendeine andere ausüben (siehe LuB 121:41). die wichtigen Aufgaben, die mit ihrer Be-
Berufs- oder ethnische Gruppe richten. Wir haben jetzt in dieser Kirche über rufung einhergehen, ausnahmslos wahr-
Entsprechend den Offenbarungen des 15 000 Bischöfe und über 8000 Zweigprä- nehmen. Der Bischof hat die Aufgabe
Herrn und der Weisungen seiner Prophe- sidenten. Wenn wir ihre Ratgeber zählen, zu berufen; es ist nicht seine Aufgabe, zu
ten wird ein Bischof dazu ordiniert und ergibt das, den Bischofschaften und
daß in betteln oder zu drängeln. Jeder von uns
eingesetzt, über eine Gemeinde zu präsi- Zweigpräsidentschaften über 65000 Brü- muß die Berufungen, die er erhält, an-
dieren, deren Grenzen geographisch fest- der dienen. Wir loben und ehren diese nehmen und eifrig dienen. Die häufigste
gelegt sind und die alle als Mitglieder würdigen Hirten der Herde, die Richter Berufung, die ein Mann erhält, ist die
einschließt, die dort wohnen. Deshalb in Israel, die Führer und Lehrer der Mit- des Heimlehrers, und für eine Frau ist es
kümmert sich der Bischof um die Alten glieder, Männer, die die Menschen, denen die Berufung als Besuchslehrerin. Wenn
und die Jungen, die Verheirateten und sie alsHirten auf Weisung des obersten diese lebenswichtigen Berufungen ord-
die Alleinstehenden, die Reichen und die Hirten, des Herrn Jesus Christus, dienen, nungsgemäß wahrgenommen werden,
Armen, die Aktiven und die weniger lieben und von denen sie wiedergeliebt kann das dem Bischof die Last erheblich
Aktiven. Dabei ist er darum bemüht, die werden. Gott segne diese guten Männer! machen. Die Heimlehrer und die
leichter
Herde zu einen, damit wir in solchen Und Gott segne ihre glaubenstreuen Ehe- Besuchslehrerinnen sind die Augen und
Gruppen von Heiligen unterwiesen wer- frauen, deren Treue und Unterstützung Ohren und die Hände des Bischofs. Brü-
den und dienen, die sich nicht aus sol- ihren Dienst überhaupt erst ermöglichen. der und Schwestern, helfen Sie dem
chen Erwägungen zusammensetzen, die Ich habe eingangs den Dreijährigen zi- Bischof und seinen Ratgebern, indem Sie
Alter, Familienstand, Herkunft und wirt- tiert, der rief: „Bischof, Hilfe!" Ich möchte Ihre Besuche zuverlässig und treu und
schaftliche Lage berücksichtigen. Unsere dies umkehren und uns alle auffordern: voller Fürsorglichkeit erledigen.
Bischöfe führen uns in allen unseren „Hilf dem Bischof!" Jeder von uns muß, im Sinne der Selb-
Bestrebungen, dem Gebot des Erretters Unsere Lebensumstände sind heute an- ständigkeit, wie das Evangelium sie lehrt,
Folge zu leisten, nämlich: „Seid eins! Und ders als die der Bischöfe und ihrer Rat- alles tun, was er kann, um in materieller
wenn ihr nicht eins seid, dann seid ihr geber und Mitglieder von früher. Wir und geistiger Hinsicht für sich und seine
nicht mein." (LuB 38:27.) haben heute fast überall auf der Erde Mit- Familie zu sorgen. Und wenn es dann
Der Herr sagte den ersten Mitgliedern glieder. VieleGemeinden und Zweige lie- notwendig ist, um Hilfe zu bitten, wissen
seiner Gemeinde, die Stimme seiner Die- gen in großen Städten und umfassen ein wir, daß wir zuerst alles getan haben, was
ner sei die Stimme des Herrn und die Gebiet, in dem Hunderttausende und so- wir können. Das schließt ein, daß wir den
Hand seiner Diener sei die Hand des gar Millionen von Menschen leben. Man- Mitgliedern unserer Familie und unseren
Herrn (siehe LuB 1:38 und 36:2). Ich be- che Bischöfe müssen in der Woche weite übrigen Verwandten helfen, so gut wir
zeuge, daß dieser Grundsatz wahr ist; er Wege zur Arbeit zurücklegen und sind können, damit der Bischof nicht mit et-
erlegt den Mitgliedern dieser Kirche die die meisten Stunden in der Woche von was belastet wird, wofür zunächst der
feierliche Pflicht auf, ihren Führern treu ihrer Familie und ihren Mitgliedern iso- Betreffende selbst oder seine Verwandten
zu sein und ihrer Weisung getreu Folge liert.Allerdings haben wir heute auch zuständig sind.
zu leisten. Ich bestätige, daß der Herr uns Kommunikations- und Fahrmöglichkei- Eine weitere Möglichkeit, unserem viel-
segnet, wenn wir das tun. Dieser Grund- ten, von denen man früher nicht einmal beschäftigten Bischof und seinen Rat-
satz erlegt auch den Amtsträgern in die- zu träumen gewagt hätte. Wie sehr sich gebern zu helfen, besteht darin, daß wir
die äußeren Umstände im Lauf der Zeit darauf achten, daß wir sie nicht mit etwas
auch geändert haben mögen, die Art der belasten, was auch jemand anders wahr-
Berufung unserer örtlichen Führer hat nehmen kann. Wenn wir eine Adresse
sich nicht geändert, desgleichen nicht ihre oder Telefonnummer oder anderweitige
Entlohnung. In der Währung der Sterb- Hilfe bei einer Routineaufgabe brauchen,
lichkeit erhalten sie keinen Pfennig. Den rufen wir besser kein Mitglied der Bi-
Lohn für ihre Arbeit erhalten sie alle schofschaft an. Ihre Zeit bleibt besser den
nach dem Entlohnungsplan des Herrn, schwerwiegenden Aufgaben vorbehalten,
der seine Zeit braucht. die nur sie wahrnehmen können. Bitten
Es hat sich auch daran nichts geändert, wir bei etwas, was andere tun können,
daß der Bischof und seine Ratgeber, lieber andere um Hilfe.
während sie sich bemühen, den gewal- Wenn es wirklich notwendig ist, daß
tigen Aufgaben ihrer Berufung gerecht wir uns an unsere örtlichen Führer wen-
zu werden, den Lebensunterhalt für ihre den, dürfen wir nicht vergessen, daß
Familie verdienen und auch in sonstiger auch sie ihrer Arbeit nachgehen müssen.
Hinsicht für ihre Familie da sein müssen. Rufen Sie sie nicht bei der Arbeit an,
Das tun sie nicht nur, weil sie ihre Frau außer wenn es sich um einen echten Not-
und ihre Kinder lieben, sondern weil sie fall handelt. Achten wir darauf, daß wir

den Mitgliedern ihrer Herde ein Vorbild den Arbeitsplatz unserer Führer nicht
sein müssen. Die Last ist schwer, und gefährden. Die Mitglieder müssen außer-
ohne tatkräftige Unterstützung seitens der dem darauf bedacht sein, daß sie nicht
Beamten und Mitglieder der Gemeinde ist von ihren Führern erwarten, daß sie sie
sie nicht zu tragen. von ihrer Arbeit profitieren lassen. Un-

DER STERN
22
sere Führer sind dazu berufen, uns
Rat annehmen
in
kirchlichen Belangen zu dienen, nicht
dazu, uns professionelle Hilfsleistungen
zu gewähren oder uns materielle Vorteile
zu verschaffen.
und sicher sein
Wir dürfen nicht vergessen, daß unsere
Führer auch Ehemänner und Väter sind. Eider Henry B. Eyring
Sie sind eine Weile Bischof oder Ratgeber, vom Kollegium der Zwölf Apostel
aber aus ihrer familiären Verantwortung
werden sie niemals entlassen, denn sie
bleibt in Ewigkeit bestehen. Unsere Füh-
rer brauchen Zeit, um ihren Aufgaben Eine der Möglichkeiten, zu erkennen, daß die Warnung vom Herrn stammt,
nachkommen zu können,
in der Familie besteht darin, daß das Gesetz der Zeugen, bevollmächtigter Zeugen,
und auch da ist es hilfreich, wenn wir auf den Plan gerufen wird. Wenn die Worte der Propheten sich offensichtlich
Rücksicht nehmen.
Mir tat die junge Mutter, die sich fragte,
wiederholen, muß das unsere Aufmerksamkeit wecken
warum ihr Mann, der Bischof war, an
einem Sonntag nach der Abendmahls-
versammlung noch sechs Stunden damit euch erretten wollen, aber ihr habt nicht
zubringen mußte, einem Mitglied, das in gewollt!" (LuB 43:25.)
Schwierigkeiten steckte, Rat zu erteilen, Das Verlangen des Erretters, uns in
von Herzen leid. Er kam erst um 18 Uhr Sicherheit zu bringen, ist anscheinend
nach Hause, was schon schlimm genug grenzenlos. Und in der Art, wie er uns
ist, aber bei diesem Sonntag handelte es den Weg zeigt, ist Beständigkeit. Er ruft
sich auch noch um den Weihnachtstag. auf mehr als eine Weise, damit diejenigen,
Ich bin sicher, daß der Bischof meinte, anzunehmen, ihn
die bereit sind, die Hilfe
er müsse die erbetene Hilfe leisten, aber auch hören. Und dazu gehört immer
ich frage mich auch, ob ein Mitglied, das auch, daß er die Botschaft durch den
in Schwierigkeiten ist, nicht ein bißchen Mund seiner Propheten verkündet, wann
warten könnte, damit der Bischof den immer die Menschen für würdig befun-
Weihnachtsnachmittag mit seiner Familie den worden sind, die Propheten Gottes
verbringen kann. Ich gebe zu, daß es sich mit sich zu haben. Diese bevollmächtig-
um einen Extremfall handelt, aber das ten Diener haben immer den Auftrag, die
Problem ist durchaus nicht ungewöhn- Menschen zu warnen und ihnen den Weg
lich, wie viele Bischöfe und ihre Frau zur Sicherheit zu weisen.
bestätigen können. Als im Herbst 1838 im nördlichen Mis-
Ein bekannteres Beispiel kam in einer souri die Spannung bis aufs äußerste ge-
Gemeinde in Salt Lake City zur Sprache, stiegen war, rief der Prophet Joseph Smith
die ich vor kurzem besucht habe. Die jeher der Erretter der Beschüt-
ist alle Heiligen auf, sich zu ihrem Schutz
Frau eines Mitglieds der Bischofschaft
Seit
zer derer, die seinen Schutz anneh- in Far West zu sammeln. Viele lebten
bedankte sich in ihrer Ansprache bei den men. Mehr einmal hat er gesagt:
als auf isolierten Farmen oder verstreut in ir-

Mitgliedern der Gemeinde dafür, daß sie „Wie oft hätte ich euch sammeln mögen, gendwelchen Ortschaften. Gerade Jacob
am Montagabend nicht bei ihnen anriefen. wie eine Henne ihre Küken sammelt, und Haun, dem Gründer einer kleinen Sied-
Sie sagte, das sei die einzige Zeit in der ihr habt nicht gewollt." (3 Nephi 10:5.) lung mit dem Namen „Haun's Mill", gab
Woche, in der sie und ihre Kinder sich Die gleiche Klage brachte der Herr in er diesen Rat. In einem Bericht aus jener
vornehmen könnten, ihren Mann und Va- unserer Evangeliumszeit zum Ausdruck, Zeit heißt es: „Bruder Joseph hatte den
terganz für sich zu haben. Solche Selbst- nachdem er die vielen Arten geschildert Brüdern, die dort lebten, durch Haun,
einschränkung stände allen Gemeinden hatte, mit denen er uns zur Sicherheit dem die Mühle gehörte, mitteilen lassen,
und Zweigen gut. ruft: daß sie nach Far West kommen sollten,
Brüder und Schwestern, das Amt des „Wie oft habe ich euch durch den Mund aber Mr. Haun richtete dies nicht aus/'
Bischofs und des Zweigpräsidenten und meiner Knechte zugerufen durch den (Philo Dibble, „Early Scenes in Church
ihrer Ratgeber ist in dieser Kirche ein Dienst von Engeln und mit meiner eige- History, in Four Faith Promoting Classics,
heiliges Amt. Die Männer, die ein solches nen Stimme und mit der Stimme von 1968, 90.) Später hielt der Prophet Joseph
Amt innehaben, werden vom Herrn ge- Donnern und mit der Stimme von Blitzen in seiner Geschichte fest: „Bis zum heuti-
achtet. Sein Geist inspiriert sie, und er und mit der Stimme von Unwettern und gen Tag hat Gott mir die nötige Weisheit
schenkt ihnen die Gabe des Erkennens, mit der Stimme von Erdbeben und gro- geschenkt, die Menschen, die Rat ange-
die sie für ihr Amt brauchen. Wir ehren ßen Hagelwettern und mit der Stimme nommen haben, zu retten. Niemand, der
und lieben sie, und das zeigen wir ihnen, von Hungersnöten und Seuchen jeder Art meinen Rat befolgt hat, ist je umgekom-
indem wir auf sie Rücksicht nehmen. und mit dem lauten Ton einer Posaune men." (History of the Church, 5:137.) Dann
Ich gebe Zeugnis vom Herrn Jesus und mit der Stimme des Gerichts und mit hielt der Prophet die traurige Tatsache
Christus, dessen Kirche dies ist und des- der Stimme der Barmherzigkeit, den gan- fest, daß Unschuldige in Haun's Mill
sen Diener wir sind. Ich bitte den Herrn, zen Tag lang, und mit der Stimme der hätten gerettet werden können, wenn
die Mitglieder und Führer dieser Kirche Herrlichkeit und der Ehre und der Reich- sein Rat angenommen und befolgt wor-
auf höchster und auf örtlicher Ebene zu tümer des ewigen Lebens - und mit einer den wäre.
segnen. Im Namen Jesu Christi. Amen. D immerwährenden Errettung hätte ich Wir werden in unserer Zeit gewarnt, in-

JULI 1997
23
dem wir Ratschläge dazu erhalten, wo Wirklichkeit falsch wider. Wenn wir den einer Familie. Er wurde von Gott gewarnt
wir vor Sünde und Kummer sicher sind. Rat, der von Gott kommt, ablehnen, ent- und sollte die Menschen, die er liebte, in
Einer der Schlüssel dazu, diese Warnun- scheiden wir uns nicht dafür, von äuße- Sicherheit bringen. Lehis Erfahrung ist

gen zu erkennen, besteht darin, daß sie rem Einfluß unabhängig zu sein. Wir ent- ein Sinnbild für das, was geschieht, wenn
sich wiederholen. Beispielsweise haben scheiden uns für einen anderen Einfluß. Gott durch seine Diener Rat erteilt. Von
Sie den Propheten mehr als einmal auf Wir lehnen den Schutz des vollkommen Lehis Familie sahen nur diejenigen, die
diesen Generalkonferenzen sagen hören, liebenden, allmächtigen, allwissenden Glauben hatten und selbst eine bestäti-
er werde einen früheren Propheten zitie- Vaters im Himmel ab, der doch einzig gende Offenbarung erhielten, die Gefahr
ren, also ein zweiter Zeuge sein, manch- und allein darauf bedacht ist, ebenso wie und den Weg zur Sicherheit. Denen ohne
mal sogar ein dritter. Jeder von uns, der sein geliebter Sohn, uns ewiges Leben zu Glauben kam der Zug in die Wildnis
zugehört hat, hat gehört, wie Präsident schenken, uns alles zu schenken, was er nicht nur töricht, sondern auch gefährlich
Kimball dazu Rat erteilt hat, wie wichtig hat, und uns wieder nach Hause zu brin- vor. Wie alle Propheten war Lehi bis zum
es daß eine Mutter zu Hause ist, und
ist, gen - in eine Familie und in die Arme sei- Tag seines Todes darum bemüht, seiner
dann gehört, wie Präsident Benson ihn ner Liebe. Indem wir seinen Rat verwer- Familie zu zeigen, wo für sie die Sicher-
zitiert hat, und wir haben gehört, wie Prä- fen, entscheiden wir uns für den Einfluß heit lag.
sident Hinckley sie beide zitiert hat.Der einer anderen Macht, die darauf aus ist, Er wußte, daß der Erretter diejenigen,
Apostel Paulus hat geschrieben: „Durch uns elend zu machen, und die vom Haß denen er die Schlüsselgewalt des Priester-
die Aussage von zwei oder drei Zeugen geleitet ist. Gott hat uns Entscheidungs- tums überträgt, zur Rechenschaft zieht.
wird jede Sache entschieden." (2 Korin- das Recht,
freiheit geschenkt. Sie ist nicht Mit dieser Schlüsselgewalt geht die Macht
ther 13:1.) Eine der Möglichkeiten, zu er- uns dafür zu entscheiden, von jeglichem einher, Ratschläge zu erteilen, die uns den
kennen, daß die Warnung vom Herrn Einfluß frei zu sein, sondern das unver- Weg zur Sicherheit zeigen. Diejenigen, die
stammt, besteht darin, daß das Gesetz der äußerliche Recht, uns der Macht zu unter- die Schlüsselgewalt haben, müssen war-
Zeugen, bevollmächtigter Zeugen, auf werfen, für die wir uns entscheiden. nen, auch wenn ihr Rat vielleicht nicht
den Plan gerufen wird. Wenn die Worte Ein weiterer Trugschluß besteht darin, befolgt wird. Die Schlüsselgewalt wird
der Propheten sich offensichtlich wieder- zu meinen, die Entscheidung, ob wir den über eine Linie weitergegeben, die vom
holen, muß das unsere Aufmerksamkeit Rat der Propheten annehmen wollen, be- Propheten über diejenigen weitergeht,
wecken und uns das Herz mit Dank- deute nicht mehr, als daß man eben einen die für eine immer kleinere Gruppe von
barkeit dafür erfüllen, daß wir in einer so guten Rat annimmt und daraus Nutzen Mitgliedern zuständig sind, immer näher
gesegneten Zeit leben. zieht, oder aber dort bleibt, wo man ist. und näher an die Familien und an die ein-
Im Rat der Propheten nach dem Weg Dabei ändert die Entscheidung, den pro- zelnen Mitglieder heran. Das ist eine der
zur Sicherheit zu suchen erscheint jeman- phetischen Rat nicht anzunehmen, sogar Methoden dafür, wie der Herr einen Pfahl
dem mit starkem Glauben sinnvoll. Wenn den Boden unter unseren Füßen. Er zu einem sicheren Ort macht. Ich habe
ein Prophet spricht, mag jemand mit we- wird gefährlicher. Wenn wir den prophe- beispielsweise schon mit meiner Frau in
nig Glauben meinen, er höre bloß einen tischen Rat nicht annehmen,
fällt es uns in einer Versammlung von Eltern gesessen,
weisen Mann guten Rat erteilen. Wenn Zukunft schwerer, inspirierten Rat anzu- die unser Bischof, unser Nachbar, einbe-
sein Rat angenehm und vernünftig er- nehmen. Der beste Zeitpunkt für den rufen hatte, damit er uns vor den geisti-
scheint und zu dem paßt, was er sowieso Entschluß, Noach beim Bau der Arche zu gen Gefahren, die unseren Kindern droh-
tun will, nimmt er ihn an. Ist das nicht so, helfen, war, als erzum ersten Mal fragte. ten,warnen konnte. Ich habe die Stimme
hält er ihn entweder für einen falschen Jedes weitere Mal, wenn er fragte, bedeu- meines weisen Freundes mehr als einmal
Rat, oder er betrachtet sich aufgrund sei- tete die Ablehnung, daß man weniger gehört. Ich habe einen Diener Jesu Christi
ner Umstände als darin gerechtfertigt, daß empfänglich wurde für den Geist. Und so gehört, der die Schlüsselgewalt innehatte
er eine Ausnahme zu dem Rat bildet. Wer sah seine Bitte dann immer törichter aus, und seiner Aufgabe, zu warnen und die
keinen Glauben hat, meint vielleicht, er bis der Regen kam. Und da war es zu Verantwortung zum Handeln an uns
höre bloß Männer, die darauf aus sind, spät. weiterzugeben, nachkam. Wenn wir die
aus egoistischen Motiven Einfluß auszu- Jedes Mal, wenn ich beschlossen habe, Schlüsselgewalt in dieser Vollmachtslinie
üben. Er mag spotten und verhöhnen, wie inspiriertem Rat erst später zu folgen, des Priestertums achten, indem wir auf-
zum Beispiel ein Mann namens Korihor, oder wenn ich gemeint habe, ich sei eine merksam zuhören, machen wir uns an ei-

dessen Worte im Buch Mormon festgehal- Ausnahme, habe ich die Erfahrung ge- ner Rettungsleine fest, die uns in keinem
ten sind macht, daß ich mich in Gefahr begeben Sturm im Stich läßt.
„Und so verführt ihr dieses Volk nach hatte. Jedes Mal, wenn ich auf den Rat der Der himmlische Vater liebt uns. Er hat
den törichten Überlieferungen eurer Väter Propheten gehört habe, wenn ich durch uns seinen einziggezeugten Sohn als Er-
und gemäß euren Wünschen; und ihr hal- Beten eine Bestätigung dafür erhalten retter gesandt. Er wußte, daß wir in der
tet sie nieder, ja, als seien sie in Knecht- und ihn dann befolgt habe, habe ich fest- Sterblichkeit in großer Gefahr sind, daß
schaft, so daß ihr euch an ihrer Hände gestellt, daß ich mich auf die Sicherheit die schlimmste Gefahr in den Versuchun-
Arbeit mästen könnt, so daß sie nicht frei zubewegte. Und unterwegs habe ich dann gen des schrecklichen Widersachers liegt.
und offen aufzuschauen wagen und es festgestellt, daß mir der Weg bereitet wor- Deshalb hat der Erretter die Schlüsselge-
nicht wagen, sich ihrer Rechte und Frei- den war, daß die unebenen Stellen ge- walt des Priestertums übertragen, damit
heiten zu erfreuen." (Alma 30:27.) glättet worden waren. Gott hat mich auf diejenigen, die ein offenes Ohr und den
Korihor argumentierte so, wie die Men- einem Weg, der mit liebevoller Fürsorge Glauben, gehorsam zu sein, haben, sich
schen seit Anbeginn der Zeit falsch ar- bereitet worden war, der manchmal an einen sicheren Ort begeben können.
gumentieren, nämlich dahingehend, daß schon lange zuvor bereitet worden war, Ein offenes Ohr zu haben erfordert De-
man, wenn man den Rat der Diener in Sicherheit gebracht. mut. Sie wissen, wie der Herr Thomas B.
Gottes annehme, sein gottgegebenes Im Bericht zu Beginn des Buches Marsh gewarnt hat. Er war damals Präsi-
Recht auf Unabhängigkeit aufgäbe. Aber Mormon geht es um Lehi, einen Prophe- dent des Kollegiums der Zwölf. Der Herr
das Argument ist falsch, denn es gibt die ten Gottes. Er war außerdem der Führer wußte, daß Präsident Marsh und seine

DER STERN
24
Brüder von den Zwölf geprüft werden
würden. Er erteilte ihnen dazu, daß man
Rat annehmen soll, seinen Rat. Der Herr
sagte „Sei demütig, dann wird der Herr,
:

dein Gott, dich an der Hand führen und


dir auf deine Gebete Antwort geben."
(LuB 112:10.)
Dem fügte der Herr eine Warnung
hinzu, die jedem gilt, der einem lebenden
Propheten nachfolgt: „Erhöht euch nicht
selbst; lehnt euch nicht gegen meinen
Knecht Joseph auf; denn wahrlich, ich
sage euch: Ich bin mit ihm, und meine
Hand wird über ihm sein; und die Schlüs-
sel, die ich ihm und auch an euch gegeben
habe, werden nicht von ihm genommen
werden, bis ich komme." (LuB 112:15.)
Gott bietet uns seinen Rat an, und zwar
nicht nur um unserer Sicherheit willen,
sondern auch um der Sicherheit seiner
übrigen Kinder willen, die wir lieben sol-
len. Es gibt kaum ein anderes
so wunder-
wie das, das wir
voll tröstliches Gefühl
haben, wenn wir ein Werkzeug in der
Hand Gottes gewesen sind und jemand
anders in Sicherheit gebracht haben. Die-
ser Segen macht es normalerweise er-
f |f#P
forderlich, daß wir genügend Glauben
haben, Rat zu befolgen, auch wenn es
schwerfällt. Ein solches Beispiel aus der erfuhr, was geschehen war, und sie wie- beten, um das zu erfahren. Ich verheiße
Geschichte der Kirche hat uns Reddick der zurückschickte. Als die Abteilung Ihnen, daß solches gläubige Beten erhört
Newton Allred gegeben. Er gehörte Willie endlich gefunden wurde und die wird.
der Rettungsmannschaft an, die Brigham entsetzliche Anstrengung, den Rocky Manchmal erhalten wir Ratschläge, die
Young ausgesandt hatte, damit sie die Ridge zu überqueren, hinter sich gebracht wir nicht verstehen oder die scheinbar für
Handkarrenabteilungen Willie und Mar- hatte, warteten Reddick Allred und seine uns nicht gelten, auch nach inständigem
tin holten. Als ein schrecklicher Schnee- Wagen dort auf sie. (Siehe Rebecca Bar- Beten und Nachdenken. Schieben Sie sol-
sturm einsetzte, beschloß Captain Grant, tholomew und Leonard J. Arrington, Res- chen Rat nicht beiseite, sondern halten Sie
der Hauptmann der Rettungsmannschaft, cue of the 1856 Hundeart Companies, 1992, daran fest. Wenn jemand, dem Sie ver-
ein paar der Wagen am Sweetwater River 29,33f.) trauen, Ihnen etwas gibt, das bloß nach
zurückzulassen, während er selbst wei- Ihnen ist auf dieser Konferenz geraten Sand aussieht, und er Ihnen verspricht, es
terzog, um die Handkarrenabteilungen zu worden, sich der neuen Mitglieder der enthalte Gold, tun Sie gut daran, es eine
suchen. Der Schneesturm tobte gewaltig, Kirche anzunehmen. Diejenigen mit dem Weile in der Hand zu halten und vorsich-
und das Wetter wurde lebensbedrohlich, Glauben eines Reddick Newton Allred tig zu schütteln. Jedes Mal, wenn ich das
und zwei der Männer, die am Sweetwater werden nicht aufhören, ihre Freundschaft mit dem Rat eines Propheten tue, erschei-
zurückgeblieben waren, kamen zu dem anzubieten, auch wenn sie scheinbar nen nach einer Weile die Goldsplitter,
Schluß, es sei töricht, zu bleiben. Sie nicht gebraucht wird oder es so aussieht, und das stimmt mich dankbar.
meinten, die Handkarrenabteilungen hät- als bringe es nichts. Sie werden weiter- Es ist ein Segen, daß wir in einer Zeit le-
ten entweder anderswo überwintert oder machen. Wenn manche neuen Mitglieder ben, wo die Schlüsselgewalt des Priester-
wären umgekommen. Sie beschlossen, an den Punkt geistiger Erschöpfung ge- tums auf der Erde ist. Es ist ein Segen, daß
ins Salt Lake Valley zurückzukehren, und langen, werden sie immer noch da sein wir wissen, wohin wir schauen und wie
versuchten, alle anderen auch dazu zu und freundliche Worte und ihre Gemein- wir auf die Stimme hören müssen, die die
überreden. schaft anbieten. Dann werden sie die glei- Verheißung des Herrn erfüllt, daß er uns
Reddick Allred wollte nicht weichen. che göttliche Anerkennung verspüren, in Sicherheit bringen wird. Ich bete, daß
Brigham hatte sie ausgesandt, und sein die Bruder Allred spürte, als er sah, wie wir alle ein demütiges Herz haben mö-
Priestertumsführer hatte ihm gesagt, er die Handkarrenpioniere unter großen gen, daß wir zuhören, daß wir beten
anderen nahmen
solle dort warten. Die Mühen auf ihn zukamen, da er wußte, und daß wir auf die Befreiung durch den
mehrere Wagen, die alle mit dringend daß er sie in Sicherheit bringen konnte, Herrn warten, die so sicher kommt, wie
benötigten Vorräten gefüllt waren, und weil er auf Rat gehört hatte, auch als das wir dem Glauben treu sind. Ich bezeuge,
begaben sich auf den Rückweg. Noch schwer gewesen war. daß Gott, unser himmlischer Vater, lebt
trauriger war, daß sie jeden Wagen, der Aus den Aufzeichnungen geht das zwar und daß er uns liebt. Dies ist die Kirche
ihnen von Salt Lake aus entgegenkam, nicht hervor, aber ich bin sicher, daß Bru- Jesu Christi. Er steht an ihrer Spitze,
auch zum Umkehren nötigten. Sie schick- der Allred gebetet hat, während er war- und er ist unser Erretter. Ich bezeuge, daß
Wagen zurück und
ten siebenundsiebzig tete. Und daß sein Beten
ich bin sicher, Gordon B. Hinckley alle Schlüsselgewalt
kamen den ganzen Weg bis zum Little erhört wurde. Da wußte daß der Rat,
er, des Priestertums Gottes innehat.
Mountain zurück, wo Präsident Young festzustehen, von Gott kam. Wir müssen Im Namen Jesu Christi. Amen. D

JULI 1997
25
machen, daß mit unseren Berufungen in
Eine heilige Berufung der Kirche ebenfalls Unannehmlichkeiten
verbunden sein können. Wir sprachen
darüber, wie es ist, wenn man weit weg
Eider Monte J. Brough ist von daheim und von seinen Verwand-
von der Siebzigerpräsidentschaft ten. Ich begriff, daß es für sie schwer war,
sich in ihrer neuen Umgebung einzu-
leben.

Allerdings muß jedes Mitglied erkennen, daß seine Berufung Daß ich es ihr aber nicht ganz hatte
begreiflich machen können, wurde mir
zum Dienen in der Kirche eine heilige Berufung ist.
klar, als sie fragte: „Papa, warum sind
aber gerade wir ausgewählt worden und
nichtjemand anders?" Das ist nun eine
Ich dachte daran, wie ich etliche Jahre weit schwierigere Frage. Weshalb wird
zuvor einen Anruf von Präsident Spencer der eine zu so einer Verantwortung be-
W. Kimball erhalten hatte und wie seine rufen und der andere nicht? Ich mußte
so vertraute Stimme mir mitgeteilt hatte, an das zurückdenken, was mir Präsident
daß er mich als Missionspräsidenten be- Hinckley aufgetragen hatte, als ich zum
rufen wollte. Siebziger ordiniert wurde. Er hatte ge-
Nach dem Telefonat hatte mich das sagt: „Bruder Brough, jetzt werden viele
quälende Gefühl der Unzulänglichkeit Leute viel Nettes über Sie sagen. Glauben
geplagt. Meine Frau und ich waren noch Sie ihnen nicht!"
keine 40 Jahre alt und hatten sechs relativ Es ist gefährlich, wenn einer von uns
kleine Kinder. Ich dachte an die tiefe meint, er habe sich das Recht auf eine
Liebe und Achtung, die ich immer für Berufung in der Kirche erworben. Aller-
meinen Missionspräsidenten empfunden dings muß jedes Mitglied erkennen, daß
hatte. Hatte Präsident Kimball vielleicht seine Berufung zum Dienen in der Kirche
einen Fehler gemacht? Wußte er wirklich, eine heilige Berufung ist. Ich denke da an
wer ich war? meine PV-Lehrerin zurück, an Schwester
Ein paar Tage später hatten wir die Mildred Jacobson, die, wie ich meine,
Gelegenheit, mit Eider Rex D. Pinegar zu ihren Auftrag von Gott erhalten hatte.
sprechen. Wir erzählten ihm, was in uns Zwei Bischöfe, Bischof Lynn McKinnon
vorging. Ich weiß noch, wie er uns da- und Bischof Ross Jackson, haben wäh-
r
or ein paar Jahren habe ich in mals gesagt hat: „Bruder Brough, haben rend meiner Jugendjahre in der Kirche

V der Gebietspräsidentschaft Asien


gedient, deren Gebietsbüro sich in
Hongkong befand. In dieser faszinieren-
Sie ein Zeugnis davon, daß unsere Pro-
pheten und die Führer der Kirche von
Gott berufen sind?"
im Leben vieler eine bedeutende Rolle ge-
spielt. Ich meine, daß sie von Gott berufen
worden waren, und zwar genauso durch
den Stadt verbrachten meine Frau und ich „Natürlich", entgegnete ich. „Ich glaube Offenbarung wie Paulus und Timotheus.
mit unseren vier jüngeren Kindern drei seit meiner Kindheit fest daran, daß un- Wir müssen uns auf jedes gute Werk,
sehr interessante Jahre. Unsere Kinder sere Führer in der Kirche eine heilige das uns übertragen werden mag, vorbe-
waren das offene Land im Westen Nord- Berufung haben. Ich glaube aus tiefstem reiten und dann von dem Grundsatz aus-
amerikas gewohnt, und so stellte Hong- Herzen daran, daß Präsident Spencer W. gehen, daß unsere jeweilige Berufung
kong eine große, auch seelische Umstel- Kimball ein Prophet Gottes ist." aufgrund von Offenbarung erfolgt ist
lung dar. So manchen Abend verbrachten Darauf meinte Eider Pinegar: „Nun und nicht deshalb, weil wir nach diesem
wir in unserer bescheidenen Wohnung im müssen Sie ein Zeugnis davon erlangen, Amt getrachtet hätten. Aus der folgenden
dreizehnten Stockwerk am Küchentisch daß auch Ihre Berufung von Gott kommt. Begebenheit aus dem Neuen Testament
und versuchten, unseren Kindern bei den Sie müssen erkennen, daß er auch Sie können wir viel lernen:
Schulaufgaben und bei der Gewöhnung berufen hat." „Damals kam die Frau des Zebedäus
an die ungewohnte Kultur zu helfen. Der Apostel Paulus hat ein Zeugnis mit ihren Söhnen zu Jesus und fiel vor
Eines Abends fragte mich unsere jüng- von dem „heiligen Ruf" erlangt, der an ihm nieder, weil sie ihn um etwas bitten
damals achtjährige Kami,
ste Tochter, die ihn ergangen war, und ebenso von dem wollte. . .

nachdem sie etliche Stunden mit


sich des Timotheus. Er sagt: „[Gott] hat uns [Sie sagte:] Versprich, daß meine bei-
den Schulaufgaben abgemüht hatte „Vati, : gerettet; mit einem heiligen Ruf hat er uns den Söhne in deinem Reich rechts und
wieso sind eigentlich gerade wir ausge- gerufen, nicht aufgrund unserer Werke, links neben dir sitzen dürfen." (Matthäus
wählt worden, nach Hongkong zu kom- sondern aus eigenem Entschluß und aus 20:20,21.)
men?" Erst wollte ich ihre Frage mit ei- Gnade, die uns schon vor ewigen Zei- Ich erklärte Kami, daß die beiden Söhne
nem Scherz abtun, etwa: „Das war eben ten in Christus Jesus geschenkt wurde." des Zebedäus die Apostel Jakobus und Jo-
ein Glücksfall!" Aber ich sah es meinem (2 Timotheus 1:9.) hannes waren, die später rechts und links
kleinen Mädchen an, daß ihr an einer Aufgrund dieses mächtigen Zeugnisses von Petrus sitzen sollten. Dann lasen wir
„erwachsenen" Antwort gelegen war. Als wurde von Timotheus verlangt: „Leide weiter, was Jesus dieser engagierten Mut-
ich dann darüber nachdachte, vor wel- mit mir für das Evangelium. Gott gibt ter geantwortet hat: „Den Platz zu meiner
chen Herausforderungen meine Familie dazu die Kraft." (2 Timotheus 1:8.) Rechten und zu meiner Linken habe nicht
durch meine Priestertumsberufung stand, Als Kami und ich miteinander diese ich zu vergeben; dort werden die sitzen,
mußte ich auch für mich selbst wieder die Schriftstelle lasen, sah ich, wie gern sie für die mein Vater diese Plätze bestimmt
Antwort überdenken. sie verstehen wollte. Ich wollte ihr klar- hat." (Matthäus 20:23).

DER STERN
26
Jesus erinnerte die Apostel auch daran,
wie wichtig ihre Berufung war: „Nicht
ihr habt mich erwählt, sondern ich
habe euch erwählt und dazu bestimmt."
(Johannes 15:16.)
Ich erklärte Kami, daß wir uns eine so
schwierige Berufung gar nicht selbst aus-
gesucht hätten, daher mußten wir wohl
ausgewählt worden sein. Dies kam mir
wenige Tage später erneut in den Sinn, als
meine Frau und ich zu einer Missionskon-
ferenz nach Indien gesandt wurden. Der
Flug von Hongkong nach Neu-Delhi
war so spät abends angesetzt, daß wir um
zwei Uhr morgens in Neu-Delhi anka-
men. Trotz der späten Stunde boten uns
Hunderte von Taxifahrern an, uns zu un-
serem etwa 40 Kilometer entfernten Hotel
zu bringen. Nachdem wir uns für ein Taxi
entschieden hatten, begann unsere Fahrt
durch die selbst bei Nacht äußerst be-
lebten Straßen, auf denen es von Tieren,
Menschen und Fahrzeugen wimmelte.
Mitten auf einer Kreuzung ging der
Eider Yoshihiko Kikuchi von den Siebzigern und seine Frau Toshiko (rechts) im Gespräch mit einer der
Motor unseres Taxis aus. Ich sah mit zu-
Missionar innen, die auf dem Tempelplatz dienen.
nehmender Besorgnis, daß die Anstren-
gungen des Taxifahrers, den Wagen flott-
zumachen, offenbar nicht fruchteten. zwei Tagen der Schulung und der Inspira- alle,daß das göttliche Auswahlverfahren
Schließlich wandte sich der Taxifahrer tion schlössen wir mit dem bekannten durch den Propheten geleitet worden
erschöpft an mich und sagte in seinem Lied: war, und vier unserer Kinder sind diesem
besten Englisch: „Taxi schieben!" Es war Ruf bereits freudig gefolgt. Zehntausende
drei Uhr früh, und meine Frau und ich „Nicht auf der Berge so steiler Höh, ehemaliger Missionare können ebenfalls
waren beide übermüdet. Ich stieg aus und noch über dem stürmschen Meer, Zeugnis davon ablegen und bezeugen,
versuchte, das Taxi über die Kreuzung nicht in dem tobenden Schlachtgezvühl daß ihre Missionsberufung von Gott
zu schieben, schaffte es aber nicht. Darauf will haben er mich, mein Herr." inspiriert war.
sagte der Taxilenker zu meiner Frau: {Gesangbuch, Nr. 180.) An jenem Abend vermochte ich die
„Taxi schieben!" Lanette stieg auch aus, Frage meiner kleinen Tochter Kami nicht
und gemeinsam versuchten wir, das Taxi Während des Lieds lehnte sich meine wirklich zufriedenstellend zu beantwor-
aus dem Kreuzungsbereich zu schieben. Frau zu mir und flüsterte: „Es kann aber ten. Wir vergaßen diesen Abend aber
Während wir uns so im dichten Verkehr doch auf der Berge so steiler Höh sein, nicht, an dem sich ein kleines Kind vom
abmühten, sagte ich zu meiner Frau: „Als auch auf dem stürmschen Meer oder Leben ein wenig überfordert fühlte. Seit-
wir diesen Auftrag erhalten haben, war im tobenden Schlachtgewühl!" Der Herr her haben wir weitere Schriftstellen ge-
uns wohl so manches noch nicht klar." konnte diese guten Menschen, die in je- lesen und uns mit weiteren Begebenhei-
Ich werde auch nie vergessen, wie es ner interessanten Gegend dienten, ganz ten befaßt. Wir haben jene wunderbare
war, als wir im Juni 1993 in Peking eine sicher brauchen. Diese wunderbaren Mis- Verheißung erlangt, die der Erretter de-
besondere Versammlung mit Ehepaaren sionarsehepaare hatten sich den Dienst in nen gibt, die er erwählt hat, nämlich:
abhielten, die in Nordvietnam und der diesen Ländern nicht selbst ausgesucht. „Dann wird euch der Vater alles geben,
Mongolei Englischunterricht gaben. Nach Aber wenn wir sehen, welche Früchte ihr um was ihr ihn in meinem Namen bittet."
Dienst getragen hat, dann weiß ich, daß (Johannes 15:16.)
sie für ihre besondere Berufung vom Diese Verheißung - daß nämlich unsere
Herrn ausgewählt worden sind. Gebete erhört werden werden - gilt auch
Viermal schon haben meine Frau und für jedes kleine Kind. Dies wurde vor
ich und unsere Kinder aufgeregt das kurzem deutlich, als ich hörte, was Kami
Briefkuvert geöffnet, in dem die Missions- (die jetzt 15 Jahre alt ist) auf die Frage
berufung für eins unserer Kinder lag. eines Bekannten unserer Familie antwor-
Jedesmal hatten wir uns schon vorher leb- tete,der wissen wollte: „Wieso hast du
hafte Gedanken darüber gemacht, wohin das Glück gehabt, als Kind in Hongkong
ihr Dienst sie wohl führen würde. Natür- zu leben?" Sie schaute mich an, während
lich hatte jeder gewisse Wunschvorstel- sie zur Antwort gab „Es war kein Glück;
:

lungen, die er auch äußerte, aber in dem wir waren ausgewählt worden."
Moment, als unsere Kinder die Worte Solche persönliche und prophetische
lasen: „Sie sind hiermit berufen, in der . . Offenbarung ist die Grundlage, auf der
Mission zu dienen", kam jedesmal un- unser Dienst in der Kirche fest verankert
weigerlich das wundervolle Gefühl auf, ist. Davon gebe ich Zeugnis im Namen

daß dies gut und richtig sei. Wir wußten Jesu Christi. Amen. D

JULI 1997
27
von Zoram, dem Diener Labans, ist er-
Unser Wort genügt wähnenswert. Nephi gebot ihm mitzu-
kommen, als er die Schatzkammer ver-
ließ, und erst als Nephi seine Brüder
Eider Sheldon F. Child ansprach, erkannte Zoram, daß es sich
von den Siebzigern um Nephi handelte und nicht um Laban.
Wie es in der Schrift heißt, „fing er an zu
zittern und wollte . . . fliehen". 4 Nephi
Für ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gilt: ergriff ihn und redete ihm zu, er solle
sich nicht fürchten, sondern er werde ein
,Nur ehrlich währt ewig."
freier Mann sein, wenn er mit ihnen
in die Wildnis hinabging. 5 Zoram ver-
sprach das. Er gab sein Wort. Und Nephi
würde. Er hat sicher bemerkt, wie unbe- schreibt: „Als Zoram uns den Eid ge-
haglich mir zumute war, denn er klopfte schworen hatte, da verließ uns die Furcht,
mir auf die Schulter und sagte: „Mein die wir seinetwegen gehabt hatten." 6
Junge, mach dir deswegen doch keine Er war verläßlich, sein Eid war bindend,
Sorgen, das Wort deines Vaters genügt." Ich sein Wort genügte.
weiß noch, wie ich den ganzen Heimweg Ehrlichkeit und Redlichkeit sind keine
gelaufen bin - erleichtert darüber, daß der veralteten Grundsätze, sondern heute
Heurechen wieder in Ordnung war und genauso wesentlich wie früher. In der
daß mein Vater als jemand bekannt war, Kirche lernen wir:
dessen Wort genügte. Wenn wir etwas versprechen, halten
Ich wußte zwar als Kind noch nicht wir es auch.
recht, was das bedeutete, aber ich wußte, Wenn wir uns verpflichten, stehen wir
daß es etwas Gutes und Wünschenswer- dazu.
tes war. Erst Jahre später wurde mir klar, Wenn wir eine Berufung erhalten, erfül-
daß jemand, dessen Wort genügt, ein red- len wir sie.
licher, ehrlicher Mensch ist, dem man ver- Wenn wir uns etwas ausleihen, geben
trauen kann. Heutzutage denkt sich man- wir es auch zurück,
cher nichts dabei, sein Wort zu brechen, Wenn wir finanzielle Verpflichtungen
ein Versprechen nicht einzuhalten, einen eingehen, bezahlen wir auch.
Bund mit den Menschen und mit Gott zu Wenn wir eine Vereinbarung treffen,
bin auf einer kleinen Farm im Nor- brechen. Was für ein Segen es doch ist, halten wir sie ein.
Ich
den Utahs aufgewachsen. Wir waren mit jemand zu tun zu haben, auf den man Präsident N. Eldon Tanner hat folgendes
gesegnet, denn wir hatten genug Land sich verlassen kann. erzählt: „Einmal kam ein junger Mann
- nicht genug, um davon leben zu kön- Ein eindrucksvolles Beispiel dafür fin- zu [mir] und sagte: ,Ich habe mit einem
nen, aber doch genug, damit ein Junge den wir im Buch Mormon. Sie kennen Mann eine Vereinbarung getroffen, die
Arbeit damit hatte. Meine Eltern waren wohl den Auftrag, den Lehi seinem Sohn mich verpflichtet, ihm jedes Jahr eine be-
gute, arbeitsame, fleißige Menschen. Da- Nephi und dessen Brüdern gegeben hatte, stimmte Summe zu zahlen. Ich bin aber
mit wir finanziell über die Runden kamen, nämlich nach Jerusalem zu gehen und mit den Zahlungen in Verzug geraten. Ich
ging mein Vater arbeiten. Jeden Morgen von Laban die Messingplatten zu holen. kann nicht zahlen, sonst müßte ich mein
stellte er, bevor er das Haus verließ, eine Nach dem ersten fehlgeschlagenen Ver- Haus verkaufen. Was soll ich tun?' [Ich]
Liste mit all dem zusammen, was ich er- such wollten die Brüder zu ihrem Vater sah ihm ins Gesicht und sagte ,Halten Sie :

ledigen mußte, bis er abends heimkam. in die Wildnis zurückkehren. Nephi aller- die Vereinbarung ein.' ,Auch dann, wenn
Ich weiß noch, wie er mir einmal aufge- dings wußte, daß es hier einen Auftrag ich deshalb mein Haus verkaufen muß?'
tragen hat, einen Heurechen mit einem zu erfüllen galt. Er erklärte „Wir werden
: fragte der Mann. [Ich] entgegnete: ,Ich
abgebrochenen Zinken zum Schmied zu nicht eher zu unserem Vater in die Wild- rede nicht von Ihrem Haus. Ich rede von
bringen. Dieser Auftrag bereitete mir nis hinabgehen, als bis wir vollbracht der Vereinbarung, die Sie getroffen ha-
Kopfzerbrechen, denn mein Vater hatte haben, was der Herr uns geboten hat." 1 ben, und ich kann mir vorstellen, daß Ihre
mir kein Geld dagelassen, und ich wußte Ihr zweiter Versuch endete wiederum Frau lieber einen Mann hat, der sein Wort
nicht, was ich tun sollte. Ich zögerte den mit einem Fehlschlag. Hierauf schlich hält, seinen Verpflichtungen nachkommt
Weg hinaus, solange es ging, aber als Nephi „in die Stadt und ging auf das und seine Zusagen einhält - auch wenn
ich alle anderen Arbeiten erledigt hatte, Haus Labans zu". 2 Dort fand er Laban sie deshalb in einem gemieteten Haus
wußte ich, daß ich gehen mußte. Mein Va- vom Wein trunken liegen und gehorchte wohnen muß, als einen Mann, der sich
ter erwartete, daß bei seinem Heimkom- der Stimme des Geistes, die ihm sagte: nicht an seine Verpflichtungen und Zu-
men der Heurechen in Ordnung war, also „Töte ihn, denn der Herr hat ihn in deine sagen hält, ihr aber ein eigenes Haus
mußte ich dafür sorgen. Ich weiß noch, Hand gegeben. ... Es ist besser, ein ein- bietet.'" 7
wie ich mich endlich auf den Weg zum zelner Mensch geht zugrunde, als daß ein Wir alle kennen das Sprichwort: „Ehr-
Schmied machte. Ich erinnere mich auch ganzes Volk in Unglauben verfällt und lich währt am längsten." Für ein Mitglied
noch daran, wie unbehaglich mir zumute zugrunde geht." 3 Hierauf legte Nephi der Kirche Jesu Christi der Heiligen der
war, während ich ihm beim Schweißen Labans Kleidung an, ging in die Schatz- Letzten Tage gilt: „Nur ehrlich währt
zuschaute. Als er fertig war, gestand ich kammer und holte die Platten. Er hatte ewig." Wir müssen unseren Mitmenschen
ihm voll Unruhe, daß ich kein Geld dabei das getan, wozu er gesandt worden war. gegenüber ehrlich sein. Wir müssen unse-
hatte, daß aber mein Vater später zahlen Aber auch das eindrucksvolle Beispiel rem Gott gegenüber ehrlich sein. Wir sind

DER STERN
28
Gott gegenüber ehrlich, wenn wir die mals wieder ab, 10 „denn sie waren völlig Herrn voll Zuversicht nahen können. Der
Bündnisse, die wir mit ihm schließen, ein- ehrlich und untadelig in allem, und sie größte Lohn besteht aber darin, daß der
halten. waren fest im Glauben an Christus, ja, bis Heilige Geist unser ständiger Begleiter ist.
Wir sind ein Volk, das Bündnisse ans Ende". 11 Sie waren so dankbar für die . Leben wir doch gemäß dem, was der
. .

schließt. Wir schließen im Wasser der Barmherzigkeit Gottes, daß sie mit ihm Herr von uns erwartet." 14
Taufe Bündnisse. 8 Wir erneuern diese den Bund schlössen, „lieber ihr eigenes Ich bete darum, daß wir die Verpflich-
Bündnisse jede Woche, wenn wir würdig Leben hinzugeben, als das Blut ihrer tungen und Bündnisse, die wir mit Gott
das Abendmahl nehmen. Wir nehmen Brüder zu vergießen". 12 Wie Sie wissen, und unseren Mitmenschen eingehen, in
den Namen Christi auf uns, wir verspre- haben sie ihre Kriegswaffen vergraben. Ehren halten, damit von uns gesagt
chen, daß wir immer an ihn denken und Sie waren ihrem Bund so treu, daß sie, als werden kann: „Unser Wort genügt." Im
seine Gebote halten wollen. Im Gegenzug die Heere der Lamaniten gegen sie auf- Namen Jesu Christi. Amen. D
verheißt er uns, daß sein Geist immer mit marschierten, hinausgingen, „ihnen ent-
uns sein wird. Wir schließen im Tempel gegen, und warfen sich vor ihnen auf
sie FUSSNOTEN
Bündnisse, und im Gegenzug dazu ist die Erde nieder und fingen an, den Na- 1. lNephi3:15.
uns ewiges Leben verheißen - sofern wir men des Herrn anzurufen". 13 Sie leisteten 2. 1 Nephi 4:55.
diese heiligen Bündnisse einhalten. keinerlei Widerstand. Viele ließen dort ihr
3. 1 Nephi 4:12,13.
Bündnisse mit Gott darf man nicht auf Leben. Doch sie wollten lieber sterben als
4. 1 Nephi 4:30.
die leichte Schulter nehmen. In Lehre und den Bund brechen, den sie mit dem Herrn
5. Siehe 1 Nephi 4:33.
Bündnisse sagt uns der Herr: „Ich habe geschlossen hatten.
. beschlossen,
. . euch in allem zu erpro-
. . . Seien wir im Umgang mit Gott und un- 6. 1 Nephi 4:37.

ben, ob ihr in meinem Bund beharren seren Mitmenschen ein Vorbild an Ehr- 7. Der Stern, Oktober 1984, 126.

wollt, ja, bis zum Tod, damit ihr als wür- lichkeit und Redlichkeit. Eider Joseph B. 8. Siehe Mosia 18:8-10.
dig befunden werden könnt." 9 Wirthlin hat gesagt: „Redlichkeit bringt 9. LuB 98:14.
Das Beispiel der Anti-Nephi-Lehier im unermeßlichen Lohn. Einerseits den un-
10. Siehe Alma 23:5,6.
Buch Mormon veranschaulicht dies. Am- den wir
beschreiblichen inneren Frieden,
11. Alma 27:27.
mon und seine Brüder verbrachten vier- verspüren, wenn wir wissen, daß wir
zehn Jahre damit, den Lamaniten zu pre- das Rechte tun, andererseits weder die 12. Alma 24:18.
digen. Tausende wurden zur Erkenntnis Schuldgefühle noch die Angst, die mit 13. Alma 24:21.
der Wahrheit gebracht, und diejenigen, der Sünde einhergehen. Ein weiterer 14. Siehe Joseph B. Wirthlin, Finding Peace in
die sich zum Herrn bekehrten, fielen nie- Lohn für Redlichkeit ist, daß wir uns dem Our Lives, 1995, 193f.

Der Salt-Lake-Tempel (links) und das Tabernakel (rechts), mit Mitgliedern, die vor dem Tabernakel anstehen.

JULI 1997
29
Herz und in den Sinn gibt, wenn wir
Sein Friede danach trachten, ihm zu folgen und seine
Gebote zu halten.
„Lerne von mir, und höre meinen Wor-
Eider Dennis E. Simmons ten zu; wandle in der Sanftmut meines
von den Siebzigern Geistes, dann wirst du Frieden haben in
mir." (LuB 19:23.)
„Derjenige, der die Werke der Recht-
schaffenheit tut, [wird] seinen Lohn emp-
So wie die Apostel Jesu in ihrer Sorge durch den anderen fangen, nämlich Frieden in dieser Welt

Tröster Frieden fanden, kann auch heute jeder Mensch diese und ewiges Leben in der zukünftigen
Welt." (LuB 59:23.)
selbe wunderbare Segnung tagtäglich erfahren.
Genau wie Helaman mitten im Kampf
erlebt hat,daß der Herr „unserer Seele
Frieden" zugesprochen hat (Alma 58:11),
gen kann, weil sie ihn nicht sieht und und Oliver Cowdery Frieden zugespro-
nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er chen wurde, als er im Herzen zu Gott
bei euch bleibt und in euch sein wird. . . schrie, um zu erfahren, ob das Buch
Der wird euch alles lehren und euch an Mormon wahr sei (siehe LuB 6:23), kann
alles erinnern, was ich euch gesagt habe." ebenso allen, diewahrhaftig suchen, die-
(Johannes 14:18,16,17,26.) ser selbe Friede zugesprochen werden.
Für seine Freunde, die Apostel, und Dieser Friede stammt aus den Zusiche-
zum Nutzen aller, die an ihn glauben, rungen der leisen, sanften Stimme. Der
fügte Jesusnoch einen wichtigen abschlie- Heilige Geist ist ein Geistwesen, das sich
ßenden Segen hinzu: „Frieden hinterlasse uns im allgemeinen nicht durch die kör-
ich euch; meinen Frieden gebe ich euch; perlichen Sinne kundtut, sondern unser
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, Herz und unseren Sinn berührt - in ande-
gebe ich euch: Euer Herz beunruhige sich ren Worten, er spricht durch Gedanken,
nichtund verzage nicht." (Johannes 14:27; Eindrücke und Gefühle, und er spricht
Hervorhebung hinzugefügt.) leise.

Die heiligen Schriften bezeugen, daß Präsident Packer hat gesagt: „Der Geist
diese Verheißung im Leben seiner Diener weckt unsere Aufmerksamkeit nicht mit
in der Mitte der Zeit in Erfüllung gegan- Rufen oder dadurch, daß er uns mit fester
gen ist. Und wir bezeugen, daß sie auch Hand schüttelt. Er flüstert vielmehr. Er
heute, in der Fülle der Zeiten, weiterhin

W'ährend seiner letzten Erden- in Erfüllung geht.


tage gab der Erretter seinen Bemerkenswert daran ist auch, daß
Aposteln die letzten Anweisun- Jesus seinen Frieden verheißen hat - nicht
gen. Drei Jahre hatten sie ihn bei seinem den Frieden, den die Welt gibt. Die Welt
geistlichen Wirken begleitet, aber nun verlangt danach, frei zu sein von Krieg,
brachte er das, was er sie Zeile auf Zeile Gewalt, Unterdrückung, von Ungerech-
und Weisung auf Weisung lehren wollte, tigkeit, Streit, von Krankheit und Sorge.
zum Abschluß - so rasch, wie sie es auf- Daß der Erretter nicht diesen weltlichen
nehmen konnten. Frieden im Sinn hatte, geht aus seiner
Er wußte, daß das Ende seines geistli- Schlußbemerkung hervor, als er mit der
chen Wirkens bevorstand, und so sagte er Unterweisung seiner Jünger zu Ende ge-
ihnen im Hinblick auf den bevorstehen- kommen war „Dies habe ich zu euch ge-
:

den Abschied „Meine Kinder, ich bin nur


: sagt, damit ihr in mir Frieden habt. In der
noch kurze Zeit bei euch. Wohin ich
. . . Welt seid ihr in Bedrängnis, aber habt
gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen." Mut: Ich habe die Welt besiegt." (Johannes
(Johannes 13:33.) 16:33;Hervorhebung hinzugefügt.)
Diese demütigen Jünger müssen wohl Im sterblichen Leben wird es immer Be-
Angst, Enttäuschung und Sorge empfun- drängnis geben. Aber trotzdem werden
den haben. Jesus war ja immer ihre Zu- seine Jünger in ihm Frieden haben. In an-
flucht gewesen, ihre Hilfe, ihr Licht. Wie deren Worten, selbst wenn die ganze Welt
denn ohne seine Weisung, ohne
sollten sie um uns herum zusammenbricht, wird der
seine Unterweisung, ohne sein Beispiel verheißene Tröster den wahren Nach-
und seinen Trost bestehen können? folgern Christi seinen Frieden schenken.
Voll Liebe und Mitgefühl versicherte Völliger Friede wird natürlich auch kom-
Jesus ihnen: „Ich werde euch nicht als men, denn er hat die Welt überwunden.
Waisen zurücklassen. . . . Ich werde den Aber wir können - ungeachtet der Sor-
Vater bitten, und er wird euch einen gen in der Welt - seinen Frieden mit uns
anderen Beistand geben, der für immer haben. Sein Friede ist jener Friede, jene
bei euch bleiben soll. Es ist der Geist den uns der Bei-
Gelassenheit, jener Trost, Christus, von Bertel Thorvaldson, im nördlichen
der Wahrheit, den die Welt nicht empfan- stand - nämlich der Heilige Geist - ins Informationszentrum.

DER STERN
30
streichelt uns so behutsam, daß wir ihn
vielleicht gar nicht spüren, wenn wir zu
beschäftigt sind." (Der Stern, Juli 1983, 30.)
Daher vernehmen viele seine Stimme
nicht. Im Grund genommen wollen viele
seine Stimme nicht hören. Viele möchten
selbständig sein, sie legen großen Wert
darauf und lehnen alles ab und verlachen
alles, was ihre Kräfte oder Fähigkeiten
in Frage stellen könnte. „Der irdisch ge-
sinnte Mensch aber läßt sich nicht auf das
ein, was vom Geist Gottes kommt. Torheit
ist es für ihn, und er kann es nicht verste-
hen, weil es nur mit Hilfe des Geistes be-
urteilt werden kann." (1 Korinther 2:14.)
Der Geist ist zwar leise, aber er spricht
mit großer Macht. Um den Geist zu emp-
fangen, muß man sich ihm gewisser-
maßen ausliefern. Einige Jahre vor dem
Ersten Kommen Christi waren die nephi-
tischen Propheten Nephi und Lehi im
Gefängnis wie von Feuer umgeben. Die-
jenigen, die sie ermorden wollten, hörten
eine Stimme, gleichsam von oberhalb ei-
ner finsteren Wolke, die die Menge der
Ungläubigen erfaßt hatte und die sie zur
Umkehr aufrief, während die Erde bebte
„Als sie diese Stimme hörten, merkten
sie, daß es nicht eine Stimme des Donners

war, auch nicht eine Stimme von großem,


heftigen Lärm, sondern siehe, es war eine
sanfte Stimme von vollkommener Milde,
/
gleichwie ein Wispern, und sie drang bis
tief in die Seele;
und trotz der Milde der Stimme, siehe,
da erbebte die Erde über die Maßen."
(Helaman 5:30,31; Hervorhebung hinzu-
gefügt.) Dadurch wurden sie bewegt, um-
zukehren und Glauben an Christus zu ha-
ben. „Und siehe, der Heilige Geist Gottes „
.
M:
:..

kam vom Himmel herab und drang ihnen


ins Herz, und sie wurden wie mit Feuer
erfüllt, und sie konnten wunderbare schaffen zu handeln, demütig zu wan- So wie die Apostel Jesu in ihrer Sorge
Worte aussprechen. Und es begab sich: Es deln, gerecht zu richten (siehe LuB 11:12), durch den anderen Tröster Frieden fan-
erging eine Stimme an sie, ja, eine ange- • erfüllt die Seele mit Freude (siehe den, kann auch heute jeder Mensch diese
nehme Stimme wie ein Flüstern, nämlich: LuB 11:13;Mosia 4:20), selbe wunderbare Segnung tagtäglich
Friede, Friede sei mit euch." (Siehe Hela- • offenbart von allem, ob es wahr ist erfahren: Jeder Jugendliche, der von sei-
man 5:45-47.) (siehe Moroni 10:5), nen Altersgenossen unter Druck gesetzt
Sie lieferten sich aus, ergaben sich je- • gibt Zeugnis vom Vater und vom wird, jeder, der von scheinbar unbe-
ner unsichtbaren Macht, die jedes willige Sohn (siehe LuB 20:27), herrschbaren Leidenschaften oder Ge-
Herz durchdringen kann. • weiß alles (siehe LuB 42:17), fühlen überwältigt ist, jeder, der einsam
Paulus beschrieb die Frucht des Gei- • überzeugt (siehe LuB 100:8), und verzweifelt ist, jeder, der hungrig,
stes - das also, was der Geist hervor- • gibt Erkenntnis (siehe LuB 121:26), bedrückt oder vergessen ist, jeder, der
bringt: „Die Frucht des Geistes aber ist • spricht mit leiser, sanfter Stimme Angst hat, der mißbraucht wurde, der
Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freund- (siehe Nephi 17:45) andere mißbraucht, jeder Lügner, jeder
lichkeit" und fügt hinzu: „Dem allem • lehrt zu beten (siehe 2 Nephi 32:8), Dieb - alle, die sich ihm ausliefern und
widerspricht das Gesetz nicht." (Galater • bewirkt eine mächtige Wandlung dem Herrn nachfolgen und seine Werke
5:22,23.) In anderen Worten, der Geist (sieheMosia 5:2), tun, haben ein Anrecht auf diesen selben
vermag alles zu durchdringen. Kein Ge- • gibt Zusicherung (siehe Alma 58:11), Frieden.
setz kann erlassen werden, das den Geist • spricht Frieden zu (siehe Alma 58:11), Die Einladung Jesu gilt für alle:

davon abhalten könnte, auf einen gehor- • erfüllt mit Hoffnung und vollkom- „Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt
samen Nachfolger Christi einzuwirken. mener Liebe (siehe Moroni 8:26), und schwere Lasten zu tragen habt.
Der Geist: • macht frei (siehe 2 Korinther 3:17), Ich werde euch Ruhe verschaffen." (Mat-
• erleuchtet den Verstand (LuB 6:15), • steht bei (siehe Johannes 14:16), thäus 11:28). Das bezeuge ich im Namen
• bewegt dazu, Gutes zu tun, recht- • steht zur Verfügung (siehe LuB 6:14). Jesu Christi. Amen. D

JULI 1997
31
Männern auf ihrer Fahrt zu und von den
Dankbarkeit Sitzungen den Weg frei zu machen. Inmit-
ten dieses Aufruhrs kam auch Präsident
Hinckley an. Er wurde nicht mit Fanfaren
Eider Jerald L. Taylor willkommen geheißen und erhielt keine
von den Siebzigern besondere Begrüßung, Anerkennung oder
Behandlung. Zwei Kleinbusse verließen
den Flughafen und fuhren durch die Stra-
ßen Santiagos - in einem saß der lebende
Ich bekunde meine Dankbarkeit und Liebe für Jesus Christus Prophet des Herrn. Vor dem Hotel stan-
und sein Sühnopfer seine Bereitschaft, dasHimmelreich als den Polizeibeamte und Wachen, die die
-für
Besucher des Gipfeltreffens beschützten,
Gott zu verlassen und als einfaches Kind zur Welt zu kommen.
während Präsident Hinckley mit seiner
Familie und anderen unbemerkt das
Hotel betrat.
Onkeln und Tanten und meinen übrigen Ich mußte an den Stall denken, in dem
Verwandten habe ich Liebe und Unter- vor vielen Jahren der Sohn Gottes unbe-
stützung erhalten. merkt, abgesehen von ein paar Hirten, die
Ich bin dankbar für meine liebevolle, auf den Feldern ihre Herden hüteten, zur
treue Frau Sharonund unsere sechs Kin- Welt gekommen ist. Das Reich Gottes auf
der, zwei Schwiegersöhne und fünf En- der Erde schreitet in aller Stille voran,
kelkinder. Der Psalmist sagte: „Kinder während andere Ereignisse das öffentli-
sind eine Gabe des Herrn. Wohl dem
. . . che Interesse auf sich ziehen.
Mann, der mit ihnen den Köcher gefüllt Als Präsident Hinckley am nächsten
hat!" (Psalm 127:3,5.) Ich bin dankbar für Tag zu über fünfzigtausend Heiligen
diese Gabe des Herrn und für ihre Liebe sprach und von Christus und seiner Kir-
und Unterstützung. che Zeugnis gab, konnte man seine Über-
Ich bin auch dankbar für den lebenden zeugung spüren. Er sagte den Anwesen-
Propheten, Präsident Gordon B. Hinckley. den, sie sollten immer daran denken, daß
Letzten November hat er viele Länder sie Gordon B. Hinckley hatten sagen hö-
in Südamerika besucht, darunter auch ren, daß Gott lebt und Jesus der Messias
Chile. In derselben Woche war Chile ist. Er riet den Heiligen, ihr Leben in Ord-

Gastgeber eines wichtigen Gipfeltreffens nung zu bringen, ihre Kinder in den We-
aller lateinamerikanischen Staaten. Prä- gen des Herrn zu unterweisen und eine
sidenten und Würdenträger aus sech- ewige Familie zu gründen, indem sie sich
Meine lieben Brüder und Schwe- zehn Staaten nahmen daran teil. In den im Tempel siegeln ließen. Am Ende der
stern, ichmöchte heute nach- Gebieten rings um ihre Unterkunft und Konferenz erhoben sich die zahlreichen
mittag über meine Dankbarkeit die Konferenzorte waren die Straßen ge- Anwesenden und winkten mit Tränen in
sprechen: erstens für meine liebe Familie, sperrt. Tag und Nacht heulten Sirenen den Augen und dem Zeugnis im Herzen,
zweitens für den lebenden Propheten und und blitzten Warnlichter auf, um diesen daß dies wahrhaftig ein Prophet Gottes
drittens für den Herrn Jesus Christus.
Nephi erklärte, er „stamme von guten
Eltern" (siehe 1 Nephi 1:1). Ich wieder-
hole seine Worte, denn auch ich stamme
von guten Eltern - einem Vater, der ein
treuer Heiliger der Letzten Tage war, der
sein Priestertum ehrte, und einer lieben-
den Mutter, die starb, als ich noch ein
kleines Kind war, und meinen Vater mit
sechs Kindern zurückließ. Mein Vater
heiratete eine Witwe mit neun Kindern,
so daß ich insgesamt fünf Brüder und
neun Schwestern hatte. Ich bin dankbar
für meine zweite Mutter, die mich wie ihr
eigenes Kind liebte und mir ein Vorbild
war. Ich danke dem Vater im Himmel für
alle meine Geschwister, die mich lieben
und unterstützen und die auch den Herrn
und sein Evangelium lieben. Es ist nun
schon vierundfünfzig Jahre her, daß sich
die Familie Lunt und die Familie Taylor
zusammengetan haben. Unsere Eltern
sind zwar inzwischen gestorben, aber wir
sind einander eng verbunden und lie-

ben einander sehr. Auch von Großeltern, Verschiedene Siebziger begrüßen einander vor einer Konferenzversammlung.

DER STERN
32
auf Erden war, zum Abschied mit einem sel heißt Umkehr. Der Widersacher kann genannt wird, verwendet, damit wir,
weißen Taschentuch. Präsident Hinckley sie nicht festhalten, wenn sie wissen, wie wenn wir einmal vor dem Erretter stehen,
nahm ebenfalls sein Taschentuch aus der man diesen Schlüssel verwendet. Die bei- ihn hören können, „der der Fürsprecher
Tasche und erwiderte liebevoll ihren Ab- den zusammengehörenden Grundsätze beim Vater ist, der sich vor ihm für [un-
schiedsgruß. Ich weiß, wie die vielen Hei- Umkehr und Vergebung sind weitaus sere] Sache einsetzt, nämlich: Vater, sieh
ligen in Chile und auf der ganzen Welt stärker als die furchteinflößende Macht die Leiden und den Tod dessen, der nicht
auch, daß Präsident Gordon B. Hinckley des Versuchers." (The Things of the Soul, gesündigt hat und an dem du Wohlgefal-
der lebende Prophet Gottes auf der Erde 1996, 114.) len gehabt hast; sieh das Blut deines Soh-
ist. Ich bin dankbar für ihn und sein Bei- Der Herr sagt in Jesaja: „Wären eure nes, das vergossen wurde, das Blut des-
spiel. Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen sen, den du hingegeben hast, damit du
Ich bekunde meine Dankbarkeit und weiß werden wie Schnee. Wären sie rot selbst verherrlicht werdest; darum, Vater,
Liebe für Jesus Christus und sein Sühn- wie Purpur, sie sollen weiß werden wie verschone diese meine Brüder, die an
opfer - für seine Bereitschaft, das Him- Wolle." (Jesaja1:18.) In unserer Zeit hat meinen Namen glauben, auf daß sie zu
melreich als Gott zu verlassen und als der Herr gesagt: „Siehe, wer von seinen mir kämen und immerwährendes Leben
einfaches Kind von Maria und Josef in Sünden umgekehrt ist, dem wird verge- hätten" (LuB 45:3-5).
einem Stallauf die Welt zu kommen, weil ben, und ich, der Herr, behalte sie nicht Mein Wunsch ist es, würdig zu sein, im-
in der Herberge kein Platz für sie war. mehr im Gedächtnis. Ob jemand von sei- merwährendes Leben mit Jesus Christus
Sein Leben war dem Dienst geweiht. Er nen Sünden umkehrt, könnt ihr daran und unserem Vater zu erlangen, und ich
vergaß sich selbst in der Sache für die erkennen: Siehe, er bekennt sie und läßt bete darum, daß wir alle denselben
übrigen Kinder seines Vaters. Er wollte davon." (LuB 58:42,43.) Wunsch haben mögen und danach stre-
den Willen des himmlischen Vaters erfül- Jesus Christus ist der Richter aller „Der : ben, es zu erlangen.
len, nämlich „die Unsterblichkeit und das Hüter des Tores ist der Heilige Israels; Ich bezeuge, daß Jesus Christus der ein-
ewige Leben des Menschen zustande zu und er hat dort keinen Knecht; und es ziggezeugte Sohn Gottes ist, unser Herr
bringen" (Mose 1:39). gibt keinen anderen Weg als durch das und Erretter.In dieser besonderen Zeit, in
In den letzten Stunden seines irdischen Tor." (2 Nephi 9:41.) Ich denke, daß er ent- der wir an seine Auferstehung denken,
Lebens ging er in den Garten Getsemani wenn wir nicht würdig
täuscht sein wird, bringe ich meine tiefe Dankbarkeit für ihn
und nahm die Sünden aller Menschen auf sind, mitihm und seinem Vater zu leben. und sein Sühnopfer zum Ausdruck. Das
sich, angefangen bei Adam bis hin zum Brüder und Schwestern, mögen wir wis- tue ich in seinem Namen, im Namen Jesu
letzten Menschen, der auf diese Erde ge- sen, wie man den Schlüssel, der Umkehr Christi. Amen.
boren wird. Dort hat er „das für alle gelit-
ten, damit sie nicht leiden müssen, sofern
sie umkehren" (LuB 19:16). Er beschreibt
dieses Erlebnis mit eigenen Worten: „Und
dieses Leiden ließ selbst mich, Gott, den
Größten von allen, der Schmerzen wegen
zittern, aus jeder Pore bluten und an Leib
und Geist leiden - und ich wollte den
bitteren Kelch nicht trinken müssen,
sondern zurückschrecken." (LuB 19:18.)
Ein paar Stunden später wurde er von
den Menschen verhört und verurteilt und
dann ans Kreuz geschlagen. Der erhabene
Jahwe, der Schöpfer dieser Welt und wei-
terer Welten ohne Zahl, unterwarf sich
demütig den Wünschen schlechter Men-
schen und vollbrachte so den Willen des
Vaters.
Der auferstandene Erretter lehrte die
Menschen auf dem amerikanischen Kon-
tinent: „Wer umkehrt und sich in meinem
Namen taufen läßt, der wird gesättigt
werden; und wenn er bis ans Ende aus-
harrt, siehe, dann will ich ihn vor meinem
Vater als schuldlos erachten an dem Tag,
da ich vortrete, um die Welt zu richten."
(3 Nephi 27:16.) Präsident Boyd K. Packer
hat über dieUmkehr gesagt: „In dem all-
umfassenden Kampf um die Menschen-
seelen nimmt der Widersacher eine unge-
heure Anzahl von Gefangenen. Viele, die
nicht wissen, wie sie entfliehen können,
werden in seinen Dienst gezwungen. Jede
Seele, die in einem Konzentrationslager
von Sünde und Schuld gefangen ist, hat

einen Schlüssel für das Tor. Dieser Schlüs-

JULI 19 97

33
ner von zwei eleganten Stilrichtungen
„Weil sie eine Mutter ist" eingerichtet, nämlich mit
gebrauchten
Möbeln oder überhaupt Das Auto,
nicht.
falls überhaupt vorhanden, fährt auf völ-
Eider Jeffrey R. Holland lig glatten Reifen und mit fast leerem
vom Kollegium der Zwölf Apostel Tank. Aber bei allem nächtlichen Füttern
und nächtlichen Zahnen ist die größte
Herausforderung für eine junge Mutter
schlicht die Übermüdung. In diesen Jah-
Wenn Sie Ihr Bestes geben, um der beste Vater beziehungsweise ren halten Mütter mit weniger Schlaf län-
die beste Mutter zu sein, die Sie sein können, dann haben ger durch und geben mit weniger eigener
Erholung mehr als jede andere Gruppe zu
Sie alles getan, was ein Mensch tun kann, und alles, was Gott
irgendeiner anderen Zeit im Leben. Da
von Ihnen erwartet.
überrascht es nicht, daß die Schatten un-
terihren Augen manchmal enorme Aus-
maße annehmen.
von dieser Kanzel aus wiederholt gelehrt Und ausgerechnet diese Schwester wol-
haben, wird den Glaubenstreuen letzt- len wir - oder müssen wir - berufen, in
lich „kein Segen vorenthalten bleiben", einer Hilfsorganisation im Pfahl oder in
auch wenn diese Segnungen nicht un- der Gemeinde zu dienen. Das ist ver-
mittelbar eintreten. 2 In der Zwischen- ständlich. Wer wollte nicht von dem bei-
zeit freuen wir uns darüber, daß der spielhaften Einfluß dieser jungen Frauen
Aufruf, andere zu hegen und zu pflegen, profitieren, die auf dem besten Weg sind,
nicht auf unser eigen Fleisch und Blut eine Lois oder Eunike zu werden? Mö-
beschränkt ist. gen wir Weisheit walten lassen. Vergessen
Wenn ich über die Mütter spreche, heißt Sie nicht, daß die Familie das Allerwich-
das nicht, daß ich die entscheidende, tigste ist, gerade in dieser Zeit, in der die
dringliche Rolle des Vaters außer acht Kinder geformt werden. Wenn wir das
lasse, zumal die Vaterlosigkeit in heutigen tun, können junge Mütter dennoch auf
Familien von manchen als das „zentrale wunderbare Weise treu in der Kirche
soziale Problem unserer Zeit" betrachtet dienen, so wie andere Ihnen - und Ihrer
wird. 3 Vaterlosigkeit kann sogar in einer Familie - auf dieselbe Weise dienen und
Familie ein Problem sein, in der der Vater Sie stärken.
anwesend ist, zumindest, sozusagen „auf Geben Sie in diesen arbeitsreichen Jah-
Knopfdruck", zum Essen und Schlafen. ren Ihr Bestes, aber - was immer Sie sonst
Aber darüber muß ich an einem anderen noch tun - würdigen Sie diese Aufgabe,
r
on Victor Hugo stammen die fol- Tag zum Priestertum sprechen. Heute die Ihnen allein vorbehalten ist und für

V genden Zeilen:
„Sie brach das Brot in zwei Stücke
und gab sie ihren Kindern, die sie gierig
möchte ich die Hände der Mütter preisen,
die ihr Kind wiegen und dadurch, daß sie
es Rechtschaffenheit lehren, im Mittel-
die der Himmel selbst Engel herabsendet,
die über Sie
Und
und Ihre Kleinen wachen.
Ihnen, den Ehemännern - vor allem
verschlangen. ,Sie hat für sich selbst nichts punkt dessen stehen, was der Herr in der den Ehemännern - sowie den Führern
behalten', brummte der Sergeant. Sterblichkeit für uns vorgesehen hat. der Kirche und den Freunden auf allen
,Weil sie nicht hungrig ist', sagte ein Dabei wiederhole ich die Worte des Seiten sage ich: Helfen Sie mit, und seien
Soldat. Paulus, der den „aufrichtigen Glauben" Sie einfühlsam und weise. Vergessen Sie
,Nein', sagte der Sergeant, ,weil sie eine des Timotheus lobte, der, wie er sagte, nicht: „Alles hat seine Stunde. Für jedes
Mutter ist'." „schon in deiner Großmutter Lois und in Geschehen unter dem Himmel gibt es
In diesem Jahr, in dem wir den Glau- deiner Mutter Eunike lebendig war". 4 eine bestimmte Zeit." 6
ben und die Tapferkeit derer preisen, die „Denn du kennst von Kindheit an die hei- Mütter, wir anerkennen und wissen zu
jene mühsame Reise quer durch Iowa, ligen Schriften", sagte Paulus. 5 Wir sagen schätzen, wie Sie jeden Schritt im Glau-
Nebraska und Wyoming unternommen allen Müttern und Großmüttern Dank, ben gehen. Sie müssen wissen, daß es sich
haben, möchte ich den Frauen meine von denen wir solche Wahrheiten gelernt damals gelohnt hat, heute lohnt und im-
Anerkennung aussprechen, die das heu- haben. mer lohnen wird. Und wenn Sie in Ihren
tige Gegenstück jener Pioniermütter sind, Wenn ich über Mütter im allgemeinen tapferen Bemühungen aus irgendeinem
die auf diesem langen Weg über ihre klei- spreche, möchte ich vor allem die jungen Grund ganz allein sind, ohne einen Part-
nen Kinder wachten, für sie beteten und Mütter loben und ermutigen. Die Arbeit ner an Ihrer Seite, dann sind unsere Ge-
sie, viel zu oft, sogar begraben mußten. einer Mutter ist harte Arbeit, die viel bete für Sie umso intensiver, und wir sind
Während ich das tue, hören mir auch zu oft nicht gewürdigt wird. In diesen An- umso entschlossener, Ihnen hilfreich die
Frauen zu, die sich sehnlich wünschen, fangsjahren sind oft der Mann oder die Hand zu reichen.
Mutter zu sein, und es nicht sind. Die Frau - oder sogar beide - noch in der Kürzlich schrieb mir eine junge Mutter,
Brüder und ich wissen das nur zu gut. Ausbildung oder im frühesten und ma- daß es dreierlei gab, was Ängste in ihr
Doch bei all den Tränen, die Sie und wir gersten Entwicklungsstadium des beruf- auslöste. Zum einen weinte sie oft, wenn
deshalb vergießen, sagen wir dennoch, lichen Werdegangs des Mannes. Die fi- sie Ansprachen darüber hörte, was von
daß Gott, zu einer Zeit, die noch vor uns nanziellen schwanken täglich
Mittel einer Mutter in der Kirche erwartet wird,
liegt, dem einsamen Herz „Frieden und zwischen „knapp" und „nicht vorhan- weil sie das Gefühl hatte, den Anforde-
Trost" schenken wird. 1 Wie die Propheten den". Die Wohnung ist gewöhnlich in ei- rungen nicht zu entsprechen oder dieser

DER STERN
34
Aufgabe niemals gerecht werden zu kön-
nen. Zweitens hatte sie das Gefühl, die
Welt erwarte von ihr, daß sie ihre Kinder
lesen, schreiben, Innenarchitektur, Latein,
höhere Analysis und alles über das Inter-
net beibringt, noch ehe das Baby ein ganz
gewöhnliches Wort wie „DaDa" sagen
konnte. Drittens fühlte sie sich von ande-
ren oft herablassend behandelt, wenn das
auch meist nicht beabsichtigt war, weil
der Rat und sogar die Komplimente, die
sie erhielt, in keinster Weise zu berück-
sichtigen schienen, wie viele Gedanken
sie investierte, wie groß ihre geistige und
seelische Anstrengung war, wie sehr sie
von den langen Nächten und den langen
Tagen bis an ihre Grenzen beansprucht
wurde, von all den Anforderungen, die
manchmal notwendig sind, wenn man
sich bemüht und sich auch wünscht, eine
Mutter zu sein, wie Gott es sich erhofft.
Doch eines, sagte sie, hilft ihr, weiter-
zumachen. Ich zitiere: „Bei allen Höhen
und Tiefen und trotz gelegentlicher Trä-
nen weiß ich tief in meinem Innern, daß ich
Gottes Werk tue. Ich weiß, daßMut-
ich als
ter in einer ewigen Partnerschaft mit ihm
verbunden bin. Es bewegt mich zutiefst,
daß Gott letztlich seinen Zweck und sei- mir; er macht mir Hoffnung. Wenn ich vor Namen des Herrn sagen, daß Sie groß-
nen Sinn darin sieht, Vater zu sein, selbst meinem Vater im Himmel recht handle, artig sind. Sie machen Ihre Sache sehr,
wenn ihn manche seiner Kinder zum Wei- kann seine Führung vielleicht ungehin- sehr gut. Allein die Tatsache, daß Ihnen
nen bringen." dert zu unseren Kindern gelangen. Viel- diese Aufgabe übertragen wurde, ist ein
„Diese Erkenntnis", so schließt sie, „ver- leicht ist es dann im eigentlichen Sinn sein immerwährender Beweis für das Ver-
suche ich mir ins Gedächtnis zu rufen, Werk und seine Herrlichkeit." 7 trauen, das der Vater im Himmel in Sie
wenn an den unvermeidlichen schwieri- Wenn wir diese Aussage in Betracht zie- setzt. Siehaben Hilfe. Sie müssen es nicht
gen Tagen überwältigend zu sein
alles so hen, wird klar, daß manche der riesigen Er weiß, daß Sie, wenn Sie
allein schaffen.
gerade unsere Un-
scheint. Vielleicht ist es Schatten unter den Augen nicht nur von ein Kind zur Welt bringen, dadurch nicht
fähigkeit und unsere Besorgnis, die uns den Windeln und der Fahrerei für die gleich in den Kreis der Allwissenden er-
dazu drängen, uns an ihn zu wenden und Kinder stammen, sondern auch von zu- hoben werden. Wenn Sie und Ihr Mann
ihm damit die Möglichkeit zu geben, auf mindest ein paar schlaflosen Nächten, in bemüht sind, Gott zu lieben und nach
uns einzuwirken. Vielleicht hofft er im denen man seine Seele erforscht und sich seinem Evangelium zu leben; wenn sie
stillen darauf, daß wir besorgt sind und aufrichtig um die Fähigkeit bemüht, die inständig um den Trost und die Führung
demütig um seine Hilfe bitten. Dann, so Kinder so zu erziehen, daß sie so werden des Heiligen Geistes bitten, die den Glau-
glaube ich, kann er diese Kinder direkt können, wie Gott sie haben möchte. Des- benstreuen verheißen sind; wenn Sie in
durch uns unterweisen, ohne daß wir uns halb möchte ich allen Müttern, die solche den Tempel gehen und die Versprechen
ihm widersetzen. Dieser Gedanke gefällt Hingabe und Entschlossenheit zeigen, im abgeben und Anspruch auf die Verhei-
ßungen erheben, die zu den heiligsten
Bündnissen gehören, die eine Frau und
ein Mann in dieser Welt eingehen kön-
nen; wenn Sie anderen, einschließlich
Ihren Kindern, mit ebenso fürsorglichen,
mitfühlenden, vergebungsbereiten Gefüh-
len begegnen, wie Sie es für sich selbst
vom Himmel erhoffen; wenn Sie Ihr Be-
stes geben, um zu sein,
die beste Mutter
die Sie sein können, dann haben Sie alles
getan, was ein Mensch tun kann, und
alles, was Gott von Ihnen erwartet.

Manchmal wird eine Entscheidung, die


Ihr Kind oder Ihr Enkelkind trifft, Ihnen
das Herz brechen. Manchmal werden Er-
wartungen nicht gleich erfüllt. Alle Eltern
machen sich darüber Sorgen. In seinen
Hoffnungen und Gebeten als Vater sagte
unser geliebter Präsident Joseph F. Smith

JULI 1997
35
sucht, der unermüdlich fegt, bis er das
verlorene Geldstück findet, und der un-
aufhörlich auf die Rückkehr des verlore-
nen Sohnes wartet. Ihr Werk ist ein Werk
der Errettung, und deshalb werden Sie
groß gemacht, und es wird ein Ausgleich
geschaffen, aus Ihnen wird mehr ge-
macht, als Sie sind, und Sie werden besser
gemacht, als Sie jemals waren, wenn Sie
sich aufrichtig bemühen, wie gering Ihre
Bemühungen Ihnen manchmal auch er-
scheinen mögen.
Denken Sie daran, denken Sie daran,
daß Sie in all den Tagen Ihrer Mutter-
schaft „nur durch das Wort von Christus
und mit unerschütterlichem Glauben an
ihn so weit gekommen" sind, indem Sie
sich „ganz auf das Verdienst dessen ver-
lassen [haben], der Macht hat zu erret-
10
ten".
Verlassen Sie sich auf ihn. Verlassen Sie
sich voll und ganz auf ihn. Verlassen Sie
sich immer auf ihn. „Darum müßt ihr mit
Beständigkeit in Christus vorwärtsstre-
ben, erfülltvom Glanz der Hoffnung." 11
Sie tun Gottes Werk. Sie machen Ihre
Sache gut. Er segnet Sie, und er wird Sie
segnen, sogar - nein, gerade wenn Ihre
Tage und Nächte am schwierigsten sind.
Wie zu der Frau, die sich heimlich, demü-
tig, vielleicht sogar zögernd und verlegen
einenWeg durch die Menge bahnte, um
den Saum des Gewandes des Meisters zu
Eider David B. Haight (links) und Eider Neal A. Maxwell vom Kollegium der Zwölf Apostel vor einer
berühren, wird Christus zu den Frauen
Versammlung im Gespräch.
sagen, die sich wegen ihrer Aufgabe als
Mutter Sorgen machen oder zweifeln
einmal: „O Gott, laß mich die Meinen Müttern, und sagen Ihnen, daß es auf die- oder weinen: „Hab keine Angst, meine
nicht verlieren." 8Das ist ein Hilferuf aller ser Welt nichts Wichtigeres gibt, als so di- Tochter, dein Glaube hat dir geholfen." 12
Eltern und drückt auch etwas von ihren rekt am Werk und der Herrlichkeit Gottes Und er wird auch Ihren Kindern helfen.
Ängsten aus. Aber niemand hat versagt, beteiligt zu sein, indem Sie die Sterblich- Im heiligen Namen des Herrn Jesus
der nicht aufhört, sich zu bemühen und keit und das irdische Leben seiner Töch- Christus. Amen. D
zu beten. Es ist Ihr gutes Recht, ermutigt ter und Söhne zustande bringen, damit
zu werden und zu wissen, daß Ihre Kin- die Unsterblichkeit und das ewige Leben FUSSNOTEN
der am Ende Ihren Namen glücklich prei- im celestialen Reich im Himmel zustande 1. Siehe „Herr, unser Erlöser", Gesangbuch,
sen werden, so wie es bei Generationen kommen können. Nr. 5. Siehe auch 3 Nephi 22:1.
von Müttern vor Ihnen war, die dieselben Wenn Sie sich Sanftmut und Her-
in 2. Siehe Joseph Fielding Smith, Doctrines of
Hoffnungen und Ängste hatten wie Sie. zensdemut an den Herrn gewandt haben Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 2;76;
Sie setzen die bedeutende Tradition und, wie eine Mutter sagte, „an die Him- Harold B. Lee, Ye Are the Light ofthe World:
von Eva fort, der Mutter der gesamten melstür gepocht haben, um für diese Selected Sermons and Writings of President
Menschheit, die darum wußte, daß sie wunderbare Aufgabe Führung und Weis- Harold B. Lee, [1974], 292, und Gordon B.

und Adam fallen mußten, „damit Men- heit und Hilfe zu erbitten, zu erflehen Hinckley, Conference Report, April 1991,
94.
schen sein können" 9 Sie setzen die be-
. und zu verlangen", dann öffnet sich diese
deutende Tradition von Sara, Rebekka Tür weit, um Ihnen den Einfluß und die 3. Tom Lowe, „Fatherlessness The Central
:

und Rahel fort, ohne die es die patriarcha- Hilfe der ganzen Ewigkeit zukommen Social Problem of Our Time", Claremont
lischen Verheißungen an Abraham, Isaak zu lassen. Erheben Sie Anspruch auf die Institute Home Page Editorial, Januar 1996.

und Jakob nicht gegeben hätte, die für Verheißungen des Erretters. Bitten Sie für 4. 2 Timotheus 1:5.

uns alle ein Segen sind. Sie setzen die be- alles, was Sie oder Ihre Kinder quält, um 5. 2 Timotheus 3:15.
deutende Tradition der Lois und Eunike den heilenden Balsam des Sühnopfers. Sie 6. Kohelet3:l.
und der Mütter der zweitausend jungen müssen wissen, daß durch Glauben alles 7. Persönliche Korrespondenz.
Krieger fort. Sie setzen die bedeutende in Ordnung kommen wird - trotz Ihnen,
8. Joseph F. Smith, Evangeliumslehre, 506.
Tradition Marias fort, die, noch ehe die oder richtiger, gerade wegen Ihnen.
9. 2 Nephi 2:25.
Welt war, auserwählt und vorherordiniert Das können unmöglich allein schaf-
Sie
wurde, den Sohn Gottes zu empfangen, fen, aber der Herr des Himmels und der
10. 2 Nephi 31:19.
auszutragen und zur Welt zu bringen. Erde ist da, um Ihnen zu helfen. Er, der 11. 2 Nephi 31:20.

Wir danken Ihnen allen, auch unseren entschieden nach dem verlorenen Schaf 12. Matthäus 9:20-22.

DER STERN
36
Priestertunisversammlung habe, möchte ich gern etwas zum Aaro-
5. April 1997 nischen Priestertum sagen, vor allem über
das, was ich miterlebt habe und welche
Gefühle ich in der Zeit hatte.
Grundsätzlich hat Ich möchte Sie alle daran erinnern, daß
die Kirche 1906 rund 360000 Mitglieder

sich nichts geändert hatte. Es gab 55 Pfähle und 22 Missionen.


Soweit ich weiß, gab es rund 1500 Mis-
sionare, so daß jede der 22 Missionen im
Eider David B. Haight Durchschnitt 70 Missionare hatte. Die Ar-
vom Kollegium der Zwölf Apostel beit ging auch in jenem Jahr, als ich zur
Welt kam, voran.
Meine Mutter hat erzählt, an dem Mor-
gen, als ich geboren wurde, es war ein
Sonntag, sei mein Vater recht stolz ge-
wesen. Er war der Bischof der Gemeinde
Lernen Sie vor allem, gehorsam zu sein - damit Sie das Werk des Herrn
Oakley 1 in Oakley, Idaho, und er ging
auf die majestätische Weise vollbringen können, wie es sein muß. nach draußen, um einem unserer skan-
dinavischen Freunde, Bruder Petersen,
der gerade vorbeiging, die frohe Kunde
Toten draußen auf der Prärie begraben mitzuteilen. Mein Vater bat ihn, herein-
mußten - als sie dann endlich im Great zukommen und den neugeborenen
sich
Salt Lake Valley ankamen, um hier ihr Sohn anzusehen. Meine Mutter sagte, ich
Zion aufzurichten, können Sie sich vor- sei das häßlichste kleine Kind gewesen,
stellen, wie sie dann später gesungen ha- das sie je gesehen habe. Bruder Petersen
ben: „Laßt die Berge vor Freude jubeln"? betrachtete mich eine Weile und meinte
Wir können das jetzt tun, wenn wir dann: „Schwester Haight, meinen Sie,
über unsere Vorfahren nachsinnen, die daß es sich lohnt, sich mit dem da ab-
an dem Treck teilgenommen haben, und zumühen?" Na ja, so bin ich in die Welt
wenn wir an all das denken, was sie getan gekommen.
haben, um uns den Weg zu bereiten, und Ich habe inzwischen erlebt, wie erst die
dann können wir darüber nachdenken, Autos gekommen sind und dann die
wie die Kirche heute aussieht. Wir haben ersten Flugzeuge. Ich habe erlebt, wie sich
heute gehört, wie die Statistik verlesen das Radio von der kleinen Steuerung mit
wurde, und können uns vorstellen, wie Kristalldetektoren und der Detektornadel
die Kirche in der ganzen Welt wächst und aus der Anfangszeit bis hin in die mo-
wie sich die Pfähle und Gemeinden ver- derne Welt der Elektronik entwickelt hat.
mehren und es in immer neuen Ländern, Ich weiß noch, wie wir abends mit einem
neuen Gebieten in der ganzen Welt Mit- kleinen Radio in der Elektrizitätsgesell-
glieder gibt, dann können wir wieder schaft von Idaho gesessen und uns mit
der Detektornadel abgemüht haben und
W'elch ein gewaltiger Anblick,
meine Brüder. Es begeistert
mit großer Begeisterung singen: „Laßt die
Berge vor Freude jubeln." Hier sind wir, nur atmosphärische Störungen eingefan-
mich, hier zu stehen und Sie und das Wort breitet sich so aus, wie es gen haben. Wir meinten damals, wir
alle hier so zahlreich im Tabernakel zu vorhergesagt worden ist und wie es sein hörten China, weil wir nichts verstehen
sehen und daran zu denken, was sich soll. konnten.
überall in der Welt tut. Die Lieder, die wir Es ist mir eine Ehre, daß ich heute Wenn ich an die Welt denke, die ich in
gerade gehört haben, sind meiner Mei- abend am Programm beteiligt bin. Ich meiner Jugend gekannt habe, dann sehe
nung nach recht passend. „Wo wird mir werde allmählich alt genug, um fast das ich, daß das Grundsätzliche, wovon wir
Trost zuteil?" {Gesangbuch, Nr. 77.) Über ganze 20. Jahrhundert miterlebt zu haben. reden, da war. Bei allem, was ich mit-
das Thema könnten wir den ganzen Mir fehlen sechs Jahre vom Anfang des erlebt habe, seit ich auf der Erde bin, hat
Abend reden. Davor haben wir das mit- Jahrhunderts - ich bin 1906 geboren - sich doch grundsätzlich nichts geändert.
reißende Lied „Laßt die Berge vor Freude und am anderen Ende fehlen mir auch Wir können jetzt gewaltig schnell und auf
jubeln" gehört, das von Evan Stephens noch drei Jahre, sonst wären es die gan- vielfältige Art und Weise miteinander
geschrieben wurde. Wenn wir über dieses zen hundert Jahre. Neulich hat Präsident kommunizieren. Wir können schneller
Jahr nachdenken, in dem sich die An- Hinckley über eine Weihung gesprochen, reisen - durch die Luft, im Auto und so
kunft der Pioniere zum hundertfünfzig- die 2000 stattfinden soll, und zu mir ge- weiter - aber am Grundsätzlichen, an den
sten Mal jährt, können Sie sich dann vor- sagt: „Ich rechne damit, daß du dann ewigen Grundsätzen - daran hat sich
stellen, welche Begeisterung die Heiligen da bist." Ich habe gesagt: „Ich habe vor, nichts geändert.
haben muß, wenn sie dieses Lied
erfüllt dabei zu sein." Wenn ich das also schaffe, Diejenigen von Ihnen, die noch jung
sangen oder es zum ersten Mal hörten? dann hätte ich die drei fehlenden Jahre sind - und ich denke da an die Diakone,
Nachdem sie die Reise über die Prärie be- am Ende, und es würden mir nur noch die sich in der ganzen Welt versammelt
wältigtund alles geschafft hatten - das die sechs vom Anfang fehlen. Dann hätte haben - ich weiß noch, wie ich von Bischof
Leid und das Leben in den Wagenbetten ich 94 Prozent des Jahrhunderts geschafft. Adams zum Diakon ordiniert worden bin.
und das Schlafen draußen auf der Erde Wenn ich so über das 20. Jahrhundert Er hatte den Platz meines Vaters einge-
und das Barfußlaufen und daß sie die und über das nachdenke, was ich gelernt nommen, nachdem mein Vater gestorben

JULI 1997
37
war. Mein Vater hatte mich noch getauft, grundsätzlich nichts geändert. Es ist alles wußte nichts damit anzufangen. Aber er
aber er war nicht mehr da, als ich das noch da. Wir müssen bereit sein, auf un- sah sie auf sich zukommen und rannte
Aaronische Priestertum erhielt. Ich weiß serem Weg durch das Leben zu lernen, los. Er rannte nicht um Punkte, sondern
noch, wie aufgeregt ich war, weil ich jetzt das zu tun, was für unseren Aufstieg im um sein Leben. Und er machte einen
Diakon werden und das Priestertum tra- Priestertum und unseren Aufstieg zu Punkt.
gen sollte, wie mir ganz schlicht und mit irgendwelchen Positionen in der Gesell- Zum Schluß stand es 106 zu 6. Die Zei-
einfachen Worten erklärt wurde, nämlich schaft oder in irgendeiner anderen Sache tung von Twin Falls hat vor zwei, drei
daß ich jetzt die Vollmacht hatte, in der nötig ist, aber wir müssen lernen, die ein- Jahren einen Artikel über die großen
Organisation mitzuarbeiten und das Pro- fachen, grundlegenden Regeln des Evan- Footballmannschaften der Stadt veröf-
gramm des Herrn auf der Erde mit voran- geliums zu befolgen. fentlicht. Auch das Spiel von damals
zubringen. Das bekommen wir nämlich Als die Erste Präsidentschaft heute gegen Oakley war aufgeführt, und das
als zwölfjährige Jungen. Wir durchlaufen abend hereinkam, sagte einer von ihnen: Ergebnis war mit 106 zu 7 angegeben. Ich
die ersten Stufen des geringeren Priester- „Heute müssen wir aber gut spielen." habe der Zeitung einen Leserbrief ge-
tums - Diakon, Lehrer und dann Priester Jemand anders sagte „Wir brauchen viele
: schrieben und ihr mitgeteilt: „Ich dachte,
- und lernen schrittweise - hier ein biß- Punkte." Das hat mich daran erinnert, Sie würden gern die Meinung von jeman-
chen und da ein bißchen - und wachsen daß ich vor ein paar Jahren einer ähn- dem hören, der in der gegnerischen
an Erkenntnis und Weisheit. Das kleine lichen Versammlung wie dieser hier eine Mannschaft mitgespielt hat." Ich schil-
Zeugnis, mit dem man anfängt, wächst Footballgeschichte erzählt habe, an der derte also den Spielverlauf und gab an:
dann allmählich, und man sieht, wie es ich beteiligt war, als der Schulausschuß „Wir haben den zusätzlichen Punkt gar
größer wird und sich aufbaut, und zwar in Oakley, Idaho, einmal genug Geld zu- nicht gemacht, weil wir niemanden hat-
auf eine Art und Weise, die man nachvoll- sammenbrachte, um 12 Footballausrü- ten, der das geschafft hätte. Korrigieren
ziehen kann. Man spürt, wie bedeutsam stungen zu kaufen. Wir hatten noch nie Sie also bitte das Spielergebnis in Ihren
es ist, während man allmählich erwach- Football gespielt; wir hatten Basketball Unterlagen, es war nämlich 106 zu 6."
sen wird und sich darauf vorbereitet, im gespielt, weil das einfach und billig war Na ja, das gehört mit zum Leben, und
Leben seinen Mann zu stehen. und weil man dazu nicht viel brauchte. wir können uns dafür bereitmachen;
Was das Heranwachsen zum Mann Aber schließlich wurden doch 12 Ausrü- und wenn es etwas zu erledigen und zu
betrifft, so kannmich noch daran er-
ich stungen gekauft, so daß wir eine vollstän- lernen gibt, damit wir es schaffen, dann
innern, wie ich 12 war. Ichwar der Mann dige Mannschaft mit einem Ersatzspieler müssen wir das Grundsätzliche lernen
im Haus. Ich war mit 12 bereits ein Mann, hatten. Unser Trainer war der Chemieleh- und außerdem lernen, wie wir es in die
weil meine Mutter das von mir erwartete. rer. Er hatte einmal ein Spiel gesehen, und Tat umsetzen.
Sie wurde nicht als Witwe betrachtet; sie so brachte er uns bei, anzugreifen und das Das Evangelium ist wahr. Wenn ich an
war meine Mutter, die uns erzog und uns Spielfeld hinauf und hinunter zu laufen die vielen Missionare denke, die wir jetzt
unterwies und uns auf das Leben vorbe- und ein paar einfache Spielzüge zu ma- draußen in der Welt haben, meine Güte,
reitete. Und deshalb möchte ich den Jun- chen, aber wir hatte noch nie eine richtige was für eine großartige Möglichkeit, das
gen im Aaronischen Priestertum sagen, Mannschaft spielen sehen. Werk des Herrn so auszuführen, wie es
denkt an die ganz einfachen Grundlagen, Unser erstes Spiel ging gegen Twin sein Wir lieben Sie um dessen willen,
soll.

die wir von Anfang an lernen, die wir in Falls, Idaho, die in dem Jahr davor die was Jungen im Aaronischen
Sie tun. Ihr
den heiligen Schriften lernen. Seit Adam Highschool-Champions von Idaho gewe- Priestertum, seid so gut, wie ihr nur sein
waren die Grundsätze auf der Erde zu sen waren. Wir stiegen in die kleinen könnt, und lernt, rein und ehrlich und
finden,und trotz der Entwicklung der Fords und fuhren nach Twin Falls. Wir aufrecht und gehorsam zu sein - vor
Menschheit und der Geschwindigkeit der zogen uns die Anzüge und unsere Basket- allem gehorsam - damit ihr das Werk
Autos und der Flugzeuge und der Kom- ballschuhe an und gingen auf das Feld, des Herrn in der majestätischen Weise
munikation hat sich am Evangelium doch alle 12, und nachdem wir uns ein bißchen verrichten könnt, wie es ihm gebührt.
warmgelaufen hatten, begann die Band Ich lasse Ihnen meine Liebe und mein
zu spielen, und die andere Footballmann- Zeugnis davon, daß dieses Werk wahr ist,
schaft lief ein. Sie hatten in ihrer Band daß Präsident Hinckley, der die Kirche
mehr Spieler als wir Schüler an unserer heute führt, unser Prophet, Seher und
ganzen Highschool. Aber als dann auch Offenbarer ist, daß er vom Herrn dazu
noch die Mannschaft mit ihrer tollen Aus- berufen worden ist, über die Kirche zu
rüstung einlief, staunten wir. Es waren 39, präsidieren. Ich beobachte ihn jetzt seit
und alle in voller Montur. über 20 Jahren aus nächster Nähe, ich
Wie man sich vorstellen kann, war es sehe seine Fähigkeiten, seine Talente, sein
ein interessantes Spiel. Sie fingen an, und Engagement und den großen geistigen
wir versuchten ein paar Spielzüge, aber Einfluß, den er auf die Welt ausübt,
das brachte uns nichts ein, deshalb schös- während er dieses Werk leitet. Es ist
sen wir den Ball bloß immer weg. Immer wahr. Es wird vorwärtsgehen und alle
wenn wir den Ball hatten, schössen wir, Enden der Erde erfüllen. Die Menschen
und immer wenn sie den Ball hatten, werden die Möglichkeit haben, mit eige-
machten sieeinen Punkt. Es war ein inter- nen Ohren zu hören - jemanden zu hören,
essanter Nachmittag. Gegen Ende des der verkündet, daß Jesus der Messias ist,
Spiels, als wir schon völlig zerschlagen der Sohn Gottes, was auch ich Ihnen ver-
und blutig waren, wurden sie ein bißchen künde. Ich lasse Ihnen meine Liebe und
sorglos, und Clifford Lee, der mit mir mein Zeugnis, daß dieses Werk wahr ist.
Halfback spielte, fing bei einem ihrer Im Namen unseres Herrn und Erretters
wilden Pässe aus Versehen den Ball. Er Jesus Christus. Amen. D

DER STERN
38
weiter nach Osten vordrangen, um nach
Mit seiner Stärke der Handkarrenabteilung Martin zu
suchen. Zu guter Letzt fanden sie sie
//
kann ich alles tun zusammen mit den beiden Wagenzügen
Hodgett und Hunt. Sie waren östlich vom
Devil's Gate in Wyoming hilflos im
Eider Jack H. Goaslind Schnee steckengeblieben.
von der Siebzigerpräsidentschaft Den Mitgliedern der Abteilung Martin
ging es besonders schlecht. Ihre Lebens-
mittelration betrug pro Tag nur noch ein
paar Gramm Mehl. Nur ein Drittel konnte
noch gehen, und täglich starben einige
Gewöhnliche Männer, die das Priestertum Gottes tragen dürfen, von ihnen.
können zu ungewöhnlichen Aufgaben berufen werden und können durch Die Anführer der Rettungsmannschaft
beschlossen vernünftigerweise, alles zu
den Glauben an diese heilige Macht mächtige Taten vollbringen.
tun, um die Überlebenden so rasch wie
möglich insSalt Lake Valley zu bringen.
Da den Wagen nicht viel Platz war,
auf
diese heilige Macht mächtige Taten und mußte das Hab und Gut der Handkarren-
Dienste zustande bringen. pioniere bis zum Frühjahr am Devil's
Daran zweifelten die Pioniere nicht. Sie Gate zurückbleiben.
gaben häufig davon Zeugnis, daß der Bruder Dan W. Jones und zwei andere
Geist des Herrn sie führte und ihnen aus der Rettungsmannschaft sowie sieb-
Anweisungen gab. Ich mich
schließe zehn junge Männer aus den Wagenzügen
diesem Zeugnis heute an und bezeuge wurden dazu berufen, zurückzubleiben
Ihnen, daß sein Geist mit jedem von uns und das Eigentum der Handkarrenpio-
ist. Er möchte uns segnen und uns Kraft niere zu bewachen. Ihnen standen fünf
verleihen. Er befähigt uns, jede recht- Wintermonate in Wyoming bevor - Hun-
schaffene Aufgabe zu erfüllen, die wir in derte von Meilen von irgendwelcher
seinem Namen unternehmen. Er ver- Hilfe entfernt, mit kaum etwas zu essen
größert unsere menschlichen Fähigkeiten und unter extremen Bedingungen. Stellen
um ein Vielfaches. Sie können über Ihre Sie sich das Opfer vor! Jeder von ihnen
natürliche Stärke hinaus erfolgreich sein, erhielt das Angebot, mit dem Wagenzug
wenn Sie lernen, auf den Geist des Herrn zu ins Salt Lake Valley zu fahren, aber sie alle
vertrauen. entschieden sich zu bleiben. Sie waren
Die Geschichte, die ich Ihnen verspro- der Berufung zum Dienen treu.
chen habe, begann schon vor der General- Jener Winter ist als einer der schlimm-
konferenz im Oktober 1856, aber dort sten in die Geschichte eingegangen. Uner-
ich fühle mich gedrängt, möchte ich anfangen. Präsident Brigham schrocken bemühten sich die Wächter, die
Brüder,
Ihnen heute Abend etwas über eine Young stand auf der Kanzel des alten Hütten am Devil's Gate instandzusetzen,
Geschichte zu erzählen, die zwar Tabernakels hier auf dem Tempelplatz sie schlachteten das übriggebliebene Vieh
gut belegt, aber kaum bekannt ist. Es geht und forderte dazu auf, die Handkarren- und lagerten das zähe, fasrige Rind-
um den Mut und die Kraft, die etliche abteilungen Willie und Martin zu retten. fleisch, damit sie etwas zu essen hatten,
junge Männer aus der Pionierzeit bewie- Zwei Tage später wurden rund 30 glau-
sen haben, von denen einige wohl im benstreue Brüder mit guten Maultier-
Alter unserer Priester oder Lehrer gewe- gespannen ausgesandt, die Handkarren-
sen sein mögen. Diese jungen Männer pioniere zu holen, die mehrere hundert
brachten bereitwillig große Opfer, als sie Meilen östlich im Schnee steckengeblie-
dazu aufgerufen wurden. ben waren. Dan W. Jones, der noch keine
Denken Sie, während ich ihre Ge- fünf Jahre Mitglied der Kirche war, ritt

schichte erzähle, bitte daran, welche freiwillig mit.


Macht es ist, die uns eint und die uns Nach ungeheuren Anstrengungen fand
auch mit ihnen verbindet. Das königliche man schließlich die Handkarrenabteilung
Priestertum, das wir tragen, ist in dieser Die Mitglieder waren vom frühen
Willie.
Begebenheit keine Nebensache. Sie tru- Wintereinbruch überrascht worden. Sie
gen damals ja dasselbe Priestertum, das waren dem Erfrieren und dem Hunger-
auch Ihnen heute die Macht verleiht, jene tod nahe. Die Rettungsmannschaft tat,
größeren und kleineren Dienste zu lei- was sie konnte, um zu helfen, aber für ei-
sten, die Sie Ihren Mitmenschen erweisen. nigewar es einfach zu spät. Am Morgen
Gewöhnliche Männer (darunter auch nach der Ankunft der Retter wurden
und vielleicht insbesondere eben junge neun Mitglieder der Abteilung in einem
Männer), die das Priestertum Gottes tra- Gemeinschaftsgrab beerdigt.
gen dürfen, können zu ungewöhnlichen Einige der Retter wurden beauftragt,
Aufgaben berufen werden. Ein Priester- die Handkarrenpioniere ins Salt Lake Val-
tumsträger kann durch den Glauben an ley zu begleiten, während die anderen

JULI 1997
39
und sie brachten die Sachen, die sich in
ihrem Gewahrsam befanden, in Ordnung
und räumten sie auf.
Sie erlegten auch einige Büffel, aber mit
der Zeit gab es kein jagdbares Wild mehr.
Bald ernährten sie sich von Tierhäuten,
denen sie das Haar abgekratzt hatten
und deren Leder sie kochten. Sie aßen die
ledernen Verbindungsstücke von den
Wagendeichseln, die Sohlen von alten
Mokassins und ein Büffelleder, das schon
reichlich abgenutzt war, weil es zwei
Monate lang als Fußabstreifer gedient
hatte. Einmal war Dan Jones buchstäblich
so weit, daß er seinen Sattel verspeisen
wollte
Im Februar jenes strengen Winters kam
ein Snake-Indianer ins Lager. An jenem
ersten Abend kam er mit zwei Scouts
mit viel gutem Büffelfleisch in ihr Lager
zurück.
Der Winter ging vorbei, und schließlich
trafen Anfang Mai die Wagen ein. Bruder
Jones erhielt zwar verschiedene Nach-
richten, aber der eine entscheidende Brief
von Brigham Young kam nicht an. Ohne
ihn konnten sie nicht mit denn Verladen
der gelagerten Sachen beginnen.
Sie warteten tagelang und wurden im-
mer unruhiger. Schließlich wandte sich die er in Wyoming erhalten hatte, sich mir selbst prahlen, sondern will mit
Bruder Jones an den Herrn und betete, genau mit dem deckte, was der Prophet meinem Gott prahlen, denn mit seiner
um zu erfahren, was er tun sollte. Er in dem Brief geschrieben hatte, den er Stärke kann ich alles tun; ja, siehe, wie
schrieb das folgende Zeugnis nieder: nicht erhalten hatte. viele mächtige Wundertaten haben wir
„Am nächsten Morgen ließ ich nichts wei- Die jungen Männer, die bei Dan Jones doch in diesem Land vollbracht, und
ter darüber verlauten, daß wir keinerlei geblieben waren, hatten mehr getan, als dafür wollen wir seinen Namen preisen
Anweisungen erhalten hatten, sondern sie jemals für möglich gehalten hätten. immerdar." (Alma 26:12.)
begann mit dem Verladen. Sogleich • Sie hatten die Prärie mit Wagen oder Euch jungen Männern, die Ihr das
wollte einer wissen, welcher Wagen zu- Handkarren und meist zu Fuß durchquert. Aaronische Priestertum tragt, und Ihnen,
erst beladen werden sollte, und ich dik- • Sie hatten viele ihre Freunde und Ver- den Brüdern des Melchisedekischen Prie-
tierte alles meinem Schreiber. Auf diese wandten unterwegs sterben sehen. stertums, bezeuge ich, daß wir tatsächlich
Weise machten wir weiter. So rasch der • Sie hatten freiwillig den Winter fast „viele mächtige Wundertaten" bewirken
Schreiber alles notieren konnte, wurden 500 Kilometer von ihrem Zielort entfernt können, wie das auch von Ammon und
meine Anweisungen weitergegeben, und verbracht. Dan Jones bezeugt worden ist! Er und
dann kam der nächste Wagen an die • Sie hatten den strengen Winter bei seine Gruppe junger Männer, die dem
Reihe. Vier Tage ging das so, alle Wagen wenig Nahrung und kaum irgendwel- Hungertod nahe waren, wandten sich an
wurden beladen, Wagenzüge wurden ge- chen Annehmlichkeiten überlebt. den Herrn, hörten auf den Heiligen Geist,
und alle machten wir uns auf den
bildet, • Sie waren der Aufforderung des gehorchten ihm und entdeckten, daß sie
Weg [ins Tal]." (Daniel W. Jones, Fourty Propheten gefolgt, ihren Mitbrüdern und in der Tat mächtige Wundertaten bewir-
Years among the Indians, [1960], 107.) -Schwestern zu dienen. ken konnten, was sie nie gedacht hätten.
Die 17 jungen Männer stiegen auf die • Sie hatten treu bis ans Ende ausge- Ich bete darum, Brüder, daß jeder von
letzten Wagen und machten sich auf ins harrt und wurden für ihre Bemühungen uns sich heute Abend dazu entschließt,
Salt Lake Valley, wo sie wieder mit ihrer gesegnet. sich vom Herrn - und von seinem Wort,
Familie vereint waren. Noch einmal, Brüder: Gewöhnliche wie es durch seine Diener, die Propheten
Bruder Jones kam später, um Präsident Männer, die das Priestertum Gottes tra- offenbart wird - leiten zu lassen. Jeder
Young Bericht zu erstatten. Er war sich gen dürfen, können zu ungewöhnlichen von uns hat ein Wunder zu wirken, eine
nicht sicher, wie er aufgenommen werden Aufgaben berufen werden und können Reise zu beenden, eine wundervolle
würde. Hätte er warten sollen, bis schrift- durch den Glauben an diese heilige Mission zu erfüllen.
liche Anweisungen von Präsident Young Macht mächtige Taten zustande bringen! Möge der Vater im Himmel Sie segnen,
eingetroffen waren? Aber dann stellte Einer meiner Helden aus dem Buch daß Sie erkennen, daß Sie einer seiner
sich heraus, daß Präsident Young tatsäch- Mormon, Ammon, jener große Sohn erwählten Söhne in einer gesegneten und
lich einen Brief mit Anweisungen diktiert Mosias, erklärt, wieviel zwei gemeinsam königlichen Generation sind - und daß er
hatte, der nur nicht angekommen war. schaffen können, wenn einer der beiden vorhat, durch Sie mächtige Wunder zu
Dan Jones legte daraufhin seinen ausführ- der Herr ist: „Ja, ich weiß, daß ich nichts wirken. Mit seiner Stärke und der Füh-
lichen Bericht vor. Für ihn war es ein bin; und was meine Stärke betrifft, so bin rung durch den Geist können auch Sie al-

Zeugnis, als er erfuhr, daß die Inspiration, ich schwach; darum will ich nicht mit les tun! Im Namen Jesu Christi. Amen. D

D E STERN
40
geber. Damals war ich erst 17. Er war ein
Die Macht des Priestertums erfolgreicher Bauunternehmer, und als
ich aus dem Zweiten Weltkrieg zurück-
kehrte, baute er mein erstes Haus. Als ich
Präsident James E. Faust mein Jurastudium abgeschlossen hatte,
Zweiter Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft war ich als Rechtsanwalt für ihn tätig,
und wenn ich ihm eine Rechnung
schickte, bezahlte er mehr, als ich ihm be-
rechnet hatte. So etwas passierte mir nicht
Das Wesen der Priestertumsverantzvortung besteht darin, oft. Ich erwähne diese Erlebnisse, um zu
betonen, wie wichtig es ist, daß jeder
sich um andere zu kümmern. Es ist die Macht zu segnen, zu heilen
Träger des Aaronischen Priestertums die
und die heiligen Handlungen des Evangeliums zu vollziehen.
Möglichkeit bekommt, Heimlehrpartner
eines gläubigen Trägers des Melchisede-
kischen Priestertums zu sein.
gewalt bringt Ordnung in unser Leben Die Pflichten der Heimlehrer lassen sich
und in die Organisation der Kirche. Für oft nicht durch einen einzigen Besuch
uns ist die Macht des Priestertums die im Monat erfüllen. Sie müssen sich immer
Macht und Vollmacht, die Gott uns über- kümmern und dann helfen, wenn es
tragen hat, nämlich in seinem Namen für notwendig ist. Ich kenne Mitglieder einer
die Errettung seiner Kinder zu handeln. Hohepriestergruppe, die zum Heimleh-
Das Wesen der Priestertumsverantwor- ren immer Werkzeug mitnehmen. Wir
tung besteht darin, sich um andere zu erwarten nicht, daß Heimlehrer alles re-
kümmern. Es ist die Macht zu segnen, zu parieren können, wie zum Beispiel Com-
heilen und die heiligen Handlungen des puter oder andere komplizierte Geräte.
Evangeliums zu vollziehen. Am meisten Sie können aber mit ihrer Weisheit und
wird die rechtschaffene Priestertumsvoll- Erfahrung den ihnen anvertrauten Fami-
macht in den eigenen vier Wänden ge- lien helfen, eine finden. Heim-
Lösung zu
braucht. Sie muß mit viel Liebe ausgeübt lehrer, die sich wirklichkümmern, sollen
werden. Das gilt für alle Priestertumsträ- ihre Besuche möglichst im voraus verab-
ger - Diakone, Lehrer, Priester, Älteste, reden. Heimlehrer aus dem Aaronischen
Hohe Priester, Patriarchen, Siebziger und Priestertum können für ihr ganzes Leben
Apostel. etwas lernen und gesegnet werden, wenn
Ich habe diesen Grundsatz, daß Prie- sie mit gläubigen Trägern des Melchise-
stertum Sorge für andere bedeutet, zuerst dekischen Priestertums dienen. Bruder

Meine lieben
gebeterfüllt
Brüder,
um
ich bitte
Ihren Glauben,
von meinem Vater und meinem Groß-
vater gelernt, aber ich habe auch gesehen,
Robert F. Jex hat von einem Erlebnis er-
zählt, das er vor vielen Jahren als Junior-
während ich jetzt die überwäl- daß er sich in Tausenden von würdigen partner beim Heimlehren gehabt hat:
tigende Verantwortung auf mich nehme, Männern kundtut. Viel habe ich als Leh- „Meine Beine waren wie Pudding, und
zu dieser großartigen Gemeinschaft rer im Aaronischen Priestertum darüber mein Magen zog sich zusammen, als wir
von Priestertumsträgern zu sprechen. Ich gelernt. Ich war der Heimlehrpartner uns der Tür näherten. Ich war sicher, daß
möchte Ihnen Dank sagen für Ihre Treue, eines großartigen skandinavischen Ein- ich ohnmächtig würde, als mein Heim-
Ihren Glauben und Ihr Engagement. Das wanderers, Algot Johnson aus Malmö in lehrpartner sagte, dies sei meine Tür.
Werk Gottes, unseres Vaters, geht dank Schweden. Ich habe alles an ihm bewun- Ich war ein fünfzehnjähriger Lehrer,
Ihrer Verpflichtung und Ihres Engage- dert, auch seinen netten schwedischen und jetzt stieg ich die Treppe zur Woh-
ments für dieses heilige Werk voran wie Akzent. Von ihm habe ich gelernt, was die nung von Schwester Rice hinauf. Sie war
nie zuvor. Anweisung des Herrn wirklich bedeutet: eine Witwe in der Gemeinde Bountiful 1.
Brüder, wir dürfen die große Macht des „Die Obliegenheit des Lehrers ist es, Don Gabbot, mein Partner, hat mir an
heiligen Priestertums Gottes, die uns in- immer über die Gemeinde zu wachen jenem Abend etwas Großartiges darüber
newohnt, niemals brachliegen lassen. Wir und bei den Mitgliedern zu sein und sie beigebracht, wie Priestertumsträger Men-
sind vereint in der großartigsten Sache zu stärken und zu sehen, daß es in der schen helfen können, die ans Haus gefes-
und dem heiligsten Werk auf der ganzen Gemeinde kein Übeltun gibt, auch keine selt und vom allgemeinen Kirchenleben
Welt. Um Macht auszu-
diese großartige Härte gegeneinander, weder Lügen noch abgeschnitten sind.
üben, müssen wir in Gedanken und Taten Verleumden noch böse Nachrede; er soll Bruder Gabbott hatte mir ein Thema
rein sein. Wir dürfen nichts tun, was sehen, daß sich die Gemeinde oft versam- genannt, worüber wir mit den fünf Fami-
die volle Ausübung dieser über die Welt melt und daß alle Mitglieder das tun, was lien sprechen wollten, die uns zugewie-
hinauswirkenden Kraft beeinträchtigen ihnen obliegt." 1 sen waren, und ich hatte Angst. Ich . . .

könnte. Bruder Johnson hatte einen hohen Preis hatte mir einige Stichpunkte aufgeschrie-
Das Priestertum ist die größte Macht bezahlt, als er sein geliebtes Schweden ben, aber ich wußte nicht, wie ich in der
auf der Erde. Durch das Priestertum sind verlassen hatte und in die Vereinigten Gegenwart eines Hohen Priesters die Lei-
Welten erschaffen worden. Um diese Staaten gekommen Er war sehr
war. tung übernehmen sollte.
heilige Kraft zu schützen, handeln alle engagiert. Trotz des Altersunterschieds Als wir klopften, geschah eine Weile
Priestertumsträger nach der Anweisung wurden wir Freunde fürs Leben. Als nichts. Ich wollte schon sagen, daß nie-
. . .

dessen, der die Schlüsselgewalt des er unser Gemeinde-Sonntagsschulleiter mand zu Hause sei. Dann kam eine alte,
Priestertums innehat. Diese Schlüssel- wurde, wünschte er sich mich als Rat- gebrechliche Schwester um die Ecke des

JULI 1997
41
zu wissen, was an
Flurs. Sie schien nicht dem orangefarben verklinkerten Vierfa- Boston zu reisen. Dort sollte er die Heili-
der Tür auf sie wartete. Als sie Bruder milienhaus an der Main Street in Bounti- gen aus Neuengland und Kanada sam-
Gabbott erkannte, hellte sich ihr Gesicht ful vorbei, ohne an dieses Erlebnis zu meln und sie nach Zion schicken. Mit
auf. Sie führte uns ins Wohnzimmer und denken, das mir Bruder Gabbott und eine einer Gruppe von hundert Personen
bot uns einen Platz an. gläubige Schwester vermittelt hatten, die kamen sie bei Sonnenuntergang in Pitts-
Nach Begrüßung schaute
einer kurzen wußte, daß es angebracht ist, die Mächte burg an. Bruder Woodruff berichtet:
Bruder Gabbott mich an, als wolle er des Himmels in Gestalt eines gehorsamen „Wir wollten dort nicht bleiben, darum
sagen: ,Okay, Bob, fang mit der Botschaft Hohen Priesters und eines unsicheren, gingen wir zu dem ersten Dampfschiff,
an!'Mein Magen zog sich noch mehr zu- ängstlichen Lehrers im Aaronischen Prie- das abfahren sollte. Ich sprach mit dem
sammen, als ich zu sprechen anfing. Ich ster tum um Hilfe zu bitten." 2 Kapitän und sicherte uns die Fahrt auf
kann mich nicht erinnern, was ich gesagt Nun möchte ich zu unseren treuen und seinem Schiff. Ich hatte das gerade getan,
habe - das ist auch egal - denn ich war gläubigen Bischöfen sprechen. Kürzlich als der Geist zu mir sagte: ,Geh nicht
. . .

der Schüler in der Klasse für Priestertum- habe ich im Handbuch Führung im Melchi- an Bord dieses Schiffs, auch deine Gruppe
spflichten. Als ich fertig war und von sedekischen Priestertum wieder die Pflich- nicht.' Natürlich ging ich sofort zum
meinem Zettel aufblickte, sah ich, daß ten des Bischofs nachgelesen. Diese Ver- Kapitän und sagte ihm, daß wir lieber
dieser lieben, sensiblen Schwester die Trä- antwortung ist schwer und verlangt viel. noch warten wollten.
nen über die Wangen liefen. Sie drückte Einige Aufgaben kann der Bischof nicht Das Schiff fuhr ab, und nach fünf Mei-
ihren Dank dafür aus, daß Priestertums- delegieren, aber andere können und sol- len geriet es in Brand, und dreihundert
träger sie besuchten. len von seinen Ratgebern, den Vätern, Personen verbrannten oder ertranken." 5
Ich war sprachlos. Was hatte ich so
. . . den Heimlehrern und den Kollegiums- Was wäre geschehen, wenn die Heiligen
Bewegendes gesagt? Was sollte ich ma- führern erfüllt werden. Vor vielen Jahren den Rat Wilford Woodruffs nicht befolgt
chen? Zum Glück kam Bruder Gabbott hat Präsident Harold B. Lee uns darüber hätten? Aber alle waren klug genug, zu
mir zu Hilfe. Er gab Zeugnis und fragte, unterwiesen, was es bedeutet, daß der gehorchen. Wenn sie das nicht getan hät-
ob Schwester Rice noch etwas brauche. Herr sagt: „Darum laßt einen jeden sein ten, wären sie umgekommen.
Sie brauchte etwas. eigenes Amt ausüben und in seiner eige- Es ist ein ganz wesentlicher Schlüssel zu
Sie sagte, daß sie sich nicht wohlfühle, 3
nen Berufung arbeiten/' Er sagte: „Dieje- einem glücklichen Leben, daß man die
und bat, daß wir beim Schlußgebet für sie nigen, die uns führen, müssen es zulassen Vollmacht des Priestertums anerkennt
beteten. Dann wandte sie sich an mich und jedem die Gelegenheit geben, daß er und unterstützt. Das beginnt damit, daß
und bat mich zu beten. Inzwischen war seine Pflichten lernen kann. . . . Eine Hilfe die Familie die Priestertumsvollmacht zu
ich vom Geist dieses Besuchs ganz über- hilft nicht, wenn wir damit dem anderen Hause anerkennt. Die Diakone sollen den
wältigt und überrascht, daß ich beten seine Pflichten abnehmen." 4 Wenn man Präsidenten ihres Kollegiums ehren und
sollte, wo doch jemand da war, der erfah- das richtig versteht, bedeutet es, daß die genauso die Lehrer, die Priester und die
rener und vertrauenswürdiger war als präsidierenden Beamten in der Kirche Mitglieder der Kollegien des Melchisede-
ich. Automatisch nickte ich und sprach darauf achten sollen, daß sie nicht den- kischen Priestertums. Die Mitglieder der
das Schlußgebet für den Heimlehrbesuch. jenigen, die zu führen sie berufen sind, und
Kollegien der Ersten Präsidentschaft
Ich bat um Gesundheit und Kraft für ihre Verantwortung und ihre Pflichten der Zwölf Apostel sind auch Mitglied in
diese gläubige Schwester, die ich kaum wegnehmen. der Gemeinde und in dem Pfahl, wo sie
kannte, aber schnell lieben und achten ge- Bischöfe, solange Sie diese wichtige wohnen. Jeder von ihnen ehrt seinen
lernt hatte. Berufung haben, können Sie mehr Men- Bischof und seinen Pfahlpräsidenten in
Seit meiner Einführung in die Heim- schen positiv beeinflussen als zu irgend- deren Berufung.
lehrarbeit bei Schwester Rice sind fünf- einer anderen Zeit in Ihrem Leben. Ich habe nur sehr selten Anlaß gehabt,
undzwanzig Jahre vergangen, und sie ist Während Sie Bischof und präsidierender die Weisheit und Inspiration meiner Prie-
schon lange tot. Aber ich komme nie an Hoher Priester sind, werden Sie beson- stertumsführer anzuzweifeln. Ich habe
ders mit Weisheit, Einsicht und Inspira- mich immer bemüht, ihrem Rat zu folgen,
tion in bezug auf das Wohlergehen Ihrer ob ich nun damit einverstanden war oder
Gemeinde gesegnet. Als Präsident des nicht. Ich habe erkannt, daß meistens
Aaronischen Priestertums und des Prie- sie mit dem Geist in Übereinstimmung
sterkollegiums interessieren Sie sich be- waren und ich nicht. Der sichere Kurs
sonders für die Jugendlichen, Jungen und besteht darin, unsere Priestertumsführer
Mädchen, und kümmern sich um sie. zu unterstützen und Gott über sie richten
Ich habe darüber gesprochen, daß die zu lassen.
Priestertumsführer und die Mitglieder In den Anfangsjahren der Kirche fielen
die Pflicht haben, sich um ihre Familie, viele ab, weil sie Joseph Smith nicht als
ihr Kollegium, ihre Gemeinde und ihren den Gesalbten des Herrn anerkennen
Pfahl zu kümmern. Jetzt möchte ich noch wollten. Joseph Smith sagte von den Füh-
über einen weiteren Aspekt der Verant- rern in Kirtland: „Es gab nur zwei, die
wortung des Priestertums sprechen, näm- sich nicht gegen mich aufgelehnt haben -
lich, daß wir diejenigen anerkennen, nämlich Brigham Young und Heber C.
die Vollmacht über uns haben. Wilford Kimball." 6 Wegen ihrer gläubigen Treue
Woodruff hat einen bemerkenswerten Be- berief der Herr Brigham Young, die Kir-
richt hinterlassen, der zeigt, wie wichtig che nach Westen zu führen, und als die
diese Verantwortung ist: Erste Präsidentschaft neu gebildet wurde,
In den Anfangsjahren der Kirche for- wurde Heber C. Kimball als Erster Rat-
derte Präsident Brigham Young Wilford geber Brigham Youngs berufen.
Woodruff auf, mit seiner Familie nach Ich spreche hier nicht von blindem

DER STERN
42
Gehorsam, sondern vom Gehorsam des
Glaubens, der Entscheidungen unter-
stützt und anerkennt, weil er darauf
vertraut, daß sie inspiriert sind. Ich emp-
fehle,daß wir uns mehr in Übereinstim-
mung mit dem Geist bringen, damit wir
ein bestätigendes Zeugnis erhalten, das
uns sagt, daß die Anleitung, die wir von
unseren Priestertumsführern erhalten,
richtigist. Es liegt viel Sicherheit und

Frieden darin, wenn wir unsere Priester-


tumsführer in ihren Entscheidungen un-
terstützen.
Das Priestertum der Kirche hat die Ver-
antwortung, zum Werk der Rechtschaf-
fenheit in der ganzen Welt beizutragen.
Das Dienen im Priestertum verlangt von
uns, daß wir unsere egoistischen Interes-
sen und Wünsche beiseite setzen. Brüder,
wir müssen uns vorbereiten, damit wir in
der Lage sind, Berufungen anzunehmen,
wenn sie kommen. Außerdem müssen
wir vorausschauend leben. Vorausschau-
end leben bedeutet, daß wir mit unserem
Einkommen auskommen und für die Zu-
kunft Vorsorgen. Wir müssen die Knecht-
schaft drückender, unnötiger Schulden
meiden. Wir müssen uns auch bemühen,
ein wenig für schlechte Zeiten beiseite
zu legen. Kurzum, wir sollen unsere Laß dein Inneres auch erfüllt sein von stertum das volle Maß der Sohnschaft
Angelegenheiten so regeln, daß wir die Nächstenliebe zu allen Menschen und und der Mannhaftigkeit erreichen kann,
Berufungen, die wir jetzt und in Zukunft zum Haushalt des Glaubens, und laß Tu- das der Herr für ihn vorgesehen hat. Und
erhalten, besser annehmen können. gend immerfort deine Gedanken zieren; mit dieser Erkenntnis danke ich dem
Ihr jungen Männer müßt wissen, daß dann wird dein Vertrauen stark werden Herrn schon mein Leben lang für diesen
man diese größte aller Mächte, die Prie- in der Gegenwart Gottes, und die Lehre wunderbaren Segen, den ich erhalten
stertumsmacht, nicht so erlangt, wie des Priestertums wird dir auf die Seele habe - einen Segen, den einige meiner
Macht sonst in der Welt gehandhabt wird. träufeln wie Tau vom Himmel." 8 Vorfahren hatten und von dem ich mehr
Mann kann sie nicht kaufen oder verkau- Es heißt: „Viele gibt es, die berufen sind, als alles andere wünsche, daß meine
fen. In der Apostelgeschichte lesen wir, aber wenige werden erwählt." 9 Jemand, Söhne und meine Enkel und meine Uren-
daß ein Mann namens Simon von den der erwählt ist, wird von Gott begünstigt. kel ihn erhalten." 13
Aposteln die Priestertumsvollmacht, die Brüder, wie können wir erwählt werden? Brüder, mögen wir danach streben, den
Hände aufzulegen und den Heiligen Wir können nur von Gott erwählt wer- Eid und Bund des Priestertums einzuhal-
Geist zu übertragen, kaufen wollte. den. „Nicht ihr habt mich erwählt, son- ten und alle überirdischen Segnungen zu
„Petrus aber sagte zu ihm: Dein Silber dern ich habe euch erwählt und dazu erlangen, die Gott für seine glaubens-
fahre mit dir ins Verderben, wenn du bestimmt, daß ihr euch aufmacht und treuen Söhne bereithält. Darum bitte ich
meinst, die Gabe Gottes lasse sich für Frucht bringt und daß eure Frucht bleibt. im Namen Jesu Christi. Amen. D
Geld kaufen." 7 Viele von euch beobach- Dann wird euch der Vater alles geben, um
ten und bewundern Fußballer und Renn- was ihr in meinem Namen bittet." 10 Dies FUSSNOTEN
fahrer ebenso wie diejenigen, die reich geschieht nur, wenn Herz und Sinn ver-
1. LuB 20:53-55.
oder berühmt sind oder politische oder wandelt werden, wenn wir von ganzem
2. Robert F. Jex, „My First Door", New Em,
militärische Macht haben. Von weltlicher Herzen, ganzer Macht und ganzer Seele
Mai 1989, 27.
Macht wird oft rücksichtslos Gebrauch danach trachten, alle Gebote Gottes zu
3. LuB 84:109.
gemacht. Aber die Macht des Priester- halten. Es geschieht, wenn wir „den Eid
tums wird nur anhand der Grundsätze und Bund, der zum Priestertum gehört" 11, 4. Harold B. Lee, Seminar für Regional-
repräsentanten 4. und 5. April 1973.
der Rechtschaffenheit angewandt, von einhalten. So werden wir „zu Söhnen
denen das Priestertum beherrscht wird. Moses und Aarons und zu Nachkommen 5. Discourses ofWüford Woodruff, 294f.

Der Herr hat gesagt: „Kraft des Priester- Abrahams, die Kirche und das Reich
. . . 6. History ofthe Church, 5:412.
tums kann und soll keine Macht und kein und die Auserwählten Gottes." 12 7. Apostelgeschichte 8:20.
Einfluß anders geltend gemacht werden Präsident Stephen L. Richards, ein 8. LuB 121:41,42,45.
als nur mit überzeugender Rede, mit früherer Ratgeber in der Ersten Präsident-
9. LuB 121:34.
Langmut, mit Milde und Sanftmut und schaft, hat gesagt: „Ich bin zu dem Schluß
10. Johannes 15:16.
ungeheuchelter Liebe, mit Wohlwollen gekommen, daß kein Mann, wie groß
und mit reiner Erkenntnis, wodurch sich auch seine intellektuellen Fähigkeiten 11. LuB 84:39.

die Seele sehr erweitert - ohne Heuchelei sein mögen oder wie weitreichend sein 12. LuB 84:34.

und ohne Falschheit. . . Dienst sein mag, ohne das heilige Prie- 13. Conference Report, Oktober 1955, 88.

JULI 1997
43
Sie werden kommen wichtigste Entscheidung
Und diese gewaltige
Welt statt.
täglich überall auf der
im Erdenleben.
Änderung findet

In Alma, Kapitel fünf, Vers dreizehn,


Präsident Thomas S. Monson wird dieses Wunder beschrieben: „Und
Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft
siehe bei ihnen wurde im Herzen eine
. . .

mächtige Wandlung bewirkt, und sie de-


mütigten sich und setzten ihr Vertrauen
Wir wollen mit unerschütterlichem Glauben und mit in den wahren und lebendigen Gott." 3

vorbehaltloser Liebe eine Brücke zum Herzen derer bauen, Der Taufbund, von dem Alma spricht,
veranlaßt einen jeden von uns, die Tiefen
um die wir uns bemühen. seiner Seele zu erforschen:
„Nun, da ihr den Wunsch habt, in die
Herde Gottes zu kommen und sein Volk
unserer Kirche, die in vielen Teilen der genannt zu werden, und da ihr willens
Welt dem göttlichen Auftrag nachkom- seid, einer des anderen Last zu tragen,
men, zu lehren, Zeugnis zu geben und zu damit sie leicht sei,
taufen. Ihre Aufgabe, Brücken zu bauen, ja, und da ihr willens seid, mit den Trau-
ist eindrucksvoll und, wenn man darüber ernden zu trauern, ja, und diejenigen zu
nachdenkt, auch überwältigend. Gottes trösten, die Trost brauchen, und willens,
Auftrag im Sinn und von der Unterwei- allzeit und in allem, wo auch immer ihr
sung des Herrn durchdrungen, gehen sie euch befinden mögt, ... als Zeugen Gottes
in ihrer erhabenen Berufung vorwärts. Sie aufzutreten, . .

sinnen über diese Worte des Herrn nach: nun, ich sage euch, wenn das euer
„Denkt daran: Die Seelen haben großen Herzenswunsch ist -, was habt ihr dann
Wert in den Augen Gottes." 1
dagegen, euch im Namen des Herrn tau-
„Darum geht zu allen Völkern, und fen zu lassen, zum Zeugnis vor ihm, daß
macht alle Menschen zu meinen Jüngern; ihr mit ihm den Bund eingegangen seid,
tauft sie auf den Namen des Vaters und ihm zu dienen und seine Gebote zu hal-
des Sohnes und des Heiligen Geistes, ten, damit er seinen Geist reichlicher über
und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch ausgieße?" 4
euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin Unsere Untersuchungen ergeben, daß
bei euch alle Tage bis zum Ende der die meisten von denen, die die Botschaft
Welt." 2 der Missionare annehmen, schon einmal
r
or einigen Jahren Ame- Letztes Jahr wurde das hundertjährige auf andere Weise Kontakt mit der Kirche

V
lief hier in
rika und anderen Ländern ein
in Bestehen des Bundesstaates Utah gefeiert, Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage
ungewöhnlicher Film in den Kinos. und viele Botschafter aus anderen Län- hatten - vielleicht haben sie den wunder-
Der englische Titel lautete Field of Dreams dern besuchten den Regierungssitz unse- baren Tabernakelchor gehört, vielleicht
(Traumfeld), und es war die Geschichte res Bundesstaates und auch das Verwal- haben sie Presseberichte über unseren
eines jungen Mannes, der die Baseball- tungsgebäude der Kirche. Viele sahen weitgereisten Präsidenten Gordon B.
spieler seiner Jugend verehrte und aus sich auch die Missionarsschule in Provo Hinckley gesehen oder gehört oder seine
diesem Grund ein großes Stück seines an. Sie besuchten den Unterricht; sie hör- gewandte Mitwirkung in umfassenden
Maisfeldes ausschnitt, um dort ein voll- ten das Zeugnis derer, die in verschie- Interviews erlebt, oder sie kennen einfach
ständiges Baseball-Spielfeld anzulegen. denen Ländern ihren Dienst antreten jemand, der Mitglied der Kirche ist und
Die Leute spotteten über seine Dummheit wollten. Sie staunten über die guten den sie respektieren. Wir Mitglieder müs-
und zweifelten an seinem gesunden Sprachkenntnisse und den Glauben und sen unser Bestes geben. In unserem Leben
Menschenverstand. In dem Film wird die Liebe der Missionare. Ein Botschafter müssen die Lehren des Evangeliums
dann gezeigt, wie viele Schwierigkeiten sagte: „Ich habe beobachtet, daß jeder sichtbar werden, und unser Herz und
er bewältigen mußte, bis er sein Projekt Missionar zielbewußt und entschlossen unsere Stimme müssen immer bereit sein,
vollenden und das Spielfeld anderen Leu- war, sich vorzubereiten und zu dienen, die Wahrheit zu verkünden.
ten zeigen konnte. Er hatte keine leichte und das mit freudigem Herzen." Schon lange vor der Taufe müssen wir
Aufgabe. Wenn er aber daran zweifelte, Diese Missionare gehen im Glauben damit beginnen, den Untersucher in die
ob er seinen Traum tatsächlich verwirk- vorwärts. Sie kennen ihre Pflicht. Sie wis- Gemeinschaft aufzunehmen. Neben den
lichen konnte, wurde er von den ermu- sen, daß sie für die Menschen, denen sie Unterweisungen der Missionare ist oft ein
tigenden Worten angetrieben: „Wenn du als Missionar begegnen, und durch ihre zweiter Zeuge erforderlich, jemand, der
es schaffst, werden sie kommen." Und sie Unterweisung und ihr Zeugnis, wenn sie sich eben erst zur Kirche bekehrt hat. Ich
kamen. Tausende kamen angereist, um andere zur Evangeliumswahrheit brin- habe die Erfahrung gemacht, daß ein sol-
sich diesen einzigartigen Ort anzusehen, gen, ein wesentliches Bindeglied sind. ches Zeugnis, das aus dem Herzen eines
der mit so vielen Erinnerungen an Base- Sie sehnen sich danach, mehr Menschen Menschen kommt, der selbst diese mäch-
ballspiele erfüllt war. zu unterweisen. Sie beten um die unent- tige Wandlung erlebt hat, zu einer Ent-
Ich habe in letzter Zeit darüber nach- behrliche Unterstützung, die jedes Mit- scheidung und zur Selbstverpflichtung
gedacht, wie wichtig es ist, zum Herzen glied im Hinblick auf den Bekehrungs- führt.Als ich im Osten Kanadas als Mis-
eines jeden Menschen eine Brücke zu vorgang geben kann. sionspräsident diente, stellten wir fest,
bauen. Ich denke dabei an die fast fünf- Die Entscheidung, sich zu ändern und daß es in Toronto, wie auch in den mei-
undfünfzigtausend Vollzeitmissionare zu Christus zu kommen, ist vielleicht die sten Städten von Ontario und Quebec,

DER STERN
44
keinen Mangel an bereitwilligen Helfern worden, und unsere Taufe wird am kom- Mitglieder und Missionare, daß man sich
gab, die die Missionare begleiteten und menden Samstagabend stattfinden. Wir um diese Menschen besonders kümmern
die Untersucher in ihre Gemeinschaft auf- hoffen, Ihr könnt uns verstehen. Ja, wir muß."
nahmen, indem sie sie begrüßten, wenn hoffen sogar, daß Ihr die Missionare bei Ich sah, wie die neuen Mitglieder um-
sie zu den Versammlungen kamen, und Euch willkommen heißt, wie wir sie will- armt und begrüßt wurden und wie man
sie den Beamten und Mitgliedern der kommen geheißen haben." sich mit ihnen unterhielt. Sie waren
Gemeinde beziehungsweise des Zweigs Mit Tränen in den Augen verschloß sie „nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht",
vorstellten. Zum täglichen Leben eines den Brief, klebte eine Briefmarke darauf sondern „Mitbürger der Heiligen und
Heiligen der Letzten Tage gehört es, daß und sandte ihn nach Vancouver. Am sel- Hausgenossen Gottes". 5
man kontinuierlich andere in die Gemein- ben Tag, an dem der Brief in Vancouver Außer den neuen Mitgliedern gibt es
schaft aufnimmt, sich mit ihnen anfreun- ankam, erhielt das Ehepaar in Hamilton auch manche, die von dem Weg, der nach
det und sie reaktiviert. einen Brief von den Eltern der Frau. Sie oben führt, abgekommen sind, und aus
Jedes neue Mitglied soll eine Berufung schrieben: dem einen oder anderen Grund seit Mo-
in der Kirche erhalten. Das führt zu wach- „Wir sind weit von Euch entfernt, sonst naten oder sogar Jahren weniger aktiv ge-
sendem Interesse, Standhaftigkeit und würden wir gewiß persönlich mit Euch worden sind. Vielleicht wurden sie nicht
Fortschritt.Es kann sich dabei um eine sprechen. Ihr sollt wissen, daß Missionare in die Gemeinschaft aufgenommen; viel-
ganz einfache Aufgabe handeln, wie sie der Kirche Jesu Christi der Heiligen der leicht wurden sie von Freunden verlas-
beispielsweise Jacob de Jager übertragen Letzten Tage zu uns gekommen sind, und sen. Unabhängig von den Ursachen bleibt
wurde, als er und seine Familie sich in wir können nicht leugnen, daß ihre Bot- doch dies bestehen: wir brauchen sie, und
Toronto der Kirche anschlössen. Im Ge- schaft wahr ist. Unsere Taufe wird in der sie brauchen uns. Es ist gut, wenn Missio-
schäftsleben bekleidete er eine hohe Stel- kommenden Woche stattfinden. Wir hof- nare diese Menschen zu Hause besuchen.
lung, aber seine erste Berufung in der Kir- fen, daß Ihr Verständnis habt und unsere Wenn sie kommen, erinneren sich die
che bestand darin, die Gesangbücher auf Entscheidung nicht verurteilt. Das Evan- Bewohner dieses Hauses vielleicht an die
den Bänken zu verteilen. Er nahm seinen gelium bedeutet uns so viel, und es hat herrlichen Gefühle, die sie hatten, als sie
Auftrag ernst. Er hat über seine erste Be- schon so viel Glück in unser Leben ge- zum erstenmal in den Grundsätzen des
rufung folgendes gesagt: „Ich mußte jede bracht, daß wir beten, daß auch Ihr eines Evangeliums unterwiesen wurden. Die
Woche da sein, sonst hätte ja niemand die Tages mehr darüber erfahren wollt." Missionare können diese Menschen un-
Gesangbücher verteilt." Wie Sie wissen, Können Sie sich vorstellen, was ge- terweisen und beobachten, wie sie sich
diente Eider de Jager später viele Jahre schah, als das Ehepaar in Hamilton die- ändern, wenn sie wieder aktive Mitglie-
lang als Mitglied des Ersten Siebzigerkol- sen Brief von den Eltern der Frau erhielt? der werden.
legiums. Er hatte
als Generalautorität Sie riefen ihre Eltern an, und es flössen Sie brauchen Freunde mit einem Zeug-
zwar viele anspruchsvolle Aufgaben, viele Freudentränen. Es gab sicher eine nis. Sie müssen wissen, daß wir wirklich
aber er vergaß doch nie seine erste Beru- Fernumarmung, denn beide Familien an jedem einzelnen interessiert sind.
fung in der Kirche. wurden Mitglieder der Kirche. Die AP-Kollegiumsberater und die JD-
Die unsichtbare Hand des Herrn lenkt Sie sehen, daß der himmlische Vater Lehrerinnen stehen ganz vorn an der
die Bemühungen derer, die bestrebt sind, uns, seine Söhne und Töchter, kennt. Er Front, in ihrem Bereich sind Wunder
zu erkennen, daß das Evangelium wahr möchte uns die Segnungen geben, für die möglich. An welchen Lehrer aus Ihrer
ist, und danach zu leben. Als Missions- wir uns bereitmachen, und er kann es Jugend erinnern Sie sich am besten? Ich
präsident erhielt ich wöchentlich von je- auch. Er kann alles erreichen. nehme an, daß es wahrscheinlich derje-
dem Missionar einen Brief. Ein Brief, über Ein sichtbares und liebevolles Zeichen nige war, der Ihren Namen kannte, der
den ich mich sehr freute, kam von einem dafür, daß jemand in die Gemeinschaft Sie in seiner Klasse willkommen hieß, der
jungen Missionar aus Hamilton. Er und aufgenommen wird, konnten wir in Rom sich für Sie interessierte und sich wirklich
sein Mitarbeiter arbeiteten mit einer lie- beobachten. Vor einigen Jahren kamen um Sie kümmerte. Wenn ein Führer Seite
benswerten Familie, einem jungen Ehe- meine Frau und ich dort auf einer an Seite mit einem unserer kostbaren jun-
paar mit zwei Kindern. Das Ehepaar Distriktskonferenz mit 500 Mitgliedern gen Menschen den Weg durch das Erden-
spürte, daß ihre Botschaft wahr war, und zusammen. Der präsidierende Beamte leben geht, entsteht ein Band der Selbst-
sie konnten den Wunsch, sich taufen zu war damals Leopoldo Larcher, ein wun- verpflichtung zwischen den beiden, das
lassen, nicht leugnen. Die Frau machte derbarer Italiener. Sein Bruder hatte als den Jugendlichen von den Versuchungen
sich jedoch Sorgen wegen ihrer Eltern, Gastarbeiter in der deutschen Automobil- der Sünde abschirmt und ihn standhaft
die weit entfernt im Westen Kanadas industrie gearbeitet, und zwei Missionare auf dem Weg hält, der vorwärts, aufwärts
wohnten, sie fürchtete, ihre Eltern wür- hatten ihn das Evangelium gelehrt. Er und unaufhörlich zum ewigen Leben
den mit ihr und ihrem Mann nichts mehr kehrte nach Italien zurück und lehrte sei- führt. Bauen Sie zu jedem Jugendlichen
zu tun haben wollen, wenn sie sich der nen Bruder das Evangelium. Leopoldo eine Brücke.
Kirche anschlössen. Sie griff zum Füller nahm das Evangelium an und wurde spä- Alle, die wir heute Abend hier und in
und schrieb ihren Eltern in Vancouver ter Präsident der Italien-Mission Rom fernen Ländern sind, müssen dem Ruf
einen kurzen Brief. Darin stand in etwa und dann Präsident der Italien-Mission unseres Propheten, Präsident Gordon B.
folgendes Catania. Hinckley, folgen und dürfen keine Mühe
„Liebe Mutter, lieber Vater, Während der Versammlung bemerkte scheuen, um diejenigen, die unsere Hilfe,
ich danke Euch von ganzem Herzen für ich, daß in der Menge viele eine weiße unsere Arbeit und unser Zeugnis brau-
Eure Güte und Euer Verständnis und für Nelke trugen. Ich fragte Leopoldo: „Was chen, in die Gemeinschaft aufzunehmen
alles, was Ihr mich als Kind gelehrt habt. hat die weiße Nelke zu bedeuten?" und zu reaktivieren.
John und ich haben eine großartige Wahr- Er sagte: „Das sind neue Mitglieder. Ich möchte Ihnen von zwei Pfahlkonfe-
heit gefunden, nämlich die Kirche Jesu Jedes Mitglied, das sich seit der letzten renzen erzählen, die ich besucht habe, wo
Christi der Heiligen der Letzten Tage. Wir Distriktskonferenz hat taufen lassen, er- ich Zeuge des Wunders wurde, das sich
sind von den Missionaren unterwiesen hält eine weiße Nelke. Dann wissen alle ereignen kann, wenn wir uns die Worte

JULI 1997
45
des Pionierlieds „Stemmt die Schulter an Präsident Judd war ein großer, rotwan- 4. Jedem einzelnen wurde Aufmerk-

das Rad" 6 zu Herzen nehmen. giger Bergarbeiter aus Wales. Ich fragte samkeit geschenkt.
Ein Besuch galt dem Pfahl Millcreek in ihn: „Präsident Judd, sagen Sie mir, wie Wenn wir zu dem Untersucher, dem
Salt Lake City. Das war vor einigen Jah- Sie in einem Jahr sechsundachtzig Brüder Neubekehrten oder dem weniger aktiven
ren.Etwas über hundert Brüder, die Älte- retten konnten?" Mitglied eine Brücke bauen wollen, trägt
stenanwärter gewesen waren, waren im Ich wartete gespannt auf seine Antwort, der Herr seinen Teil dazu bei, wenn wir
Lauf des vergangenen Jahres zum Älte- und „Nein unseren Teil beitragen. Das bezeuge ich
!

er sagte :

sten ordiniert worden. Ich fragte Präsi- Ich war verblüfft. Noch nie hatte je- Ihnen.
dent James Clegg nach dem Geheimnis mand so direkt Nein zu mir gesagt. Ich Als ich als Bischof gedient habe, stellte
seines Erfolgs. Er war zu bescheiden, um fragte: „Warum nicht?" ich an einem Sonntagmorgen fest, daß
es sich selbst als Verdienst anzurechnen. Er sagte: „Dann erzählen Sie es den an- einer unserer Priester nicht zur Priester-
Sein Ratgeber offenbarte, daß Präsident deren Pfahlpräsidenten, die Sie besuchen, tumsversammlung gekommen war. Ich
Clegg, der sich der Herausforderung be- und wir sind bei der Reaktivierung nicht ließ das Kollegium in der Obhut des Be-
wußt war, es auf sich genommen hatte, je- mehr in Führung." Dabei lächelte er raters zurück und fuhr zu Richard nach
den Ältestenanwärter anzurufen und sich jedoch, so daß ich wußte, daß mein Ziel Hause. Seine Mutter sagte, er arbeite in
mit ihm zu verabreden. Im Lauf dieses schon war. Er sagte: „Wir
fast erreicht einer Autowerkstatt.
Gesprächs sprach Präsident Clegg dann machen ein Geschäft, Bruder Monson. Ich Ich fuhr zu der Werkstatt und suchte
über den Tempel des Herrn, die erretten- sage Ihnen, wie wir in einem Jahr sechs- überall nach Richard, aber ich konnte ihn
den Verordnungen und die Bündnisse, undachtzig Männer gerettet haben, wenn nicht finden. Plötzlich hatte ich die Einge-
die dort von Bedeutung sind, und stellte Sie mir zwei Karten für die Generalkonfe- bung, in der alten Grube neben der Werk-
zum Schluß die Frage: „Würden Sie sich renz besorgen." statt nachzusehen. Aus der Dunkelheit
nicht wünschen, Ihre liebe Frau und Ihre Ich sagte: „Abgemacht!" Und er er- leuchteten mir zwei Augen entgegen.
Kinder zum Haus des Herrn zu bringen, zählte es mir. Allerdings hatte er mir ver- Dann hörte ich Richard sagen: „Sie haben
um als Familie in alle Ewigkeit Zusam- schwiegen, daß er beabsichtigte, unseren mich gefunden, Bischof! Ich komme
mensein zu können?" Die Frage wurde Handel auf sämtliche Generalkonferen- rauf." Danach kam es nur noch ganz sel-
Reaktivierungsvorgang wurde
bejaht, der zen der nächsten zehn Jahre auszudeh- ten vor, daß er in der Priestertumsver-
fortgesetzt, und das Ziel wurde erreicht. nen. Er kam treu alle sechs Monate, um sammlung fehlte.
Der andere Besuch galt dem Pfahl seine beiden Karten abzuholen. Die Familie zog in einen anderen Pfahl
North Carbon in Price, Utah, ebenfalls Sowohl im Pfahl Millcreek als auch im in derNähe. Die Zeit verging, und ich er-
vor vielen Jahren. Während meines Be- Pfahl North Carbon sowie in anderen hielteinen Anruf, in dem mir mitgeteilt
suchs stellte ich fest, daß sie aus den Rei- Pfählen, die in diesem Bereich Erfolg hat- wurde, daß Richard berufen worden war,
hen der Ältestenanwärter in einem Jahr ten, waren vier Grundsätze vorherr- in Mexiko eine Mission zu erfüllen. Die
sechsundachtzig Männer gerettet hatten schend : Familie lud mich ein, bei seiner Verab-
und sie und ihre Frau zum Manti-Tempel 1. Die Reaktivierung wurde auf Ge- schiedung zu sprechen. Als Richard in
gebracht hatten. Ich fragte Cecil Broad- meindeebene durchgeführt. dieser Versammlung sprach, erzählte er,

bent, den Pfahlpräsidenten: „Wie haben 2. Der Bischof der Gemeinde wurde daß der Wendepunkt, der zu dem Ent-
Sie das gemacht, Präsident Broadbent?" mit einbezogen. schluß, auf Mission zu gehen, führte, an
Er sagte: „Ich war es nicht. Mein Rat- 3. Qualifizierte und inspirierte Lehrer einem Sonntagmorgen eintrat - nicht in
geber, Präsident Judd, hat es gemacht." wurden berufen. der Kapelle, sondern als er aus den Tiefen
einer finsteren Grube aufblickte und die
ausgestreckte Hand seines Kollegiums-
präsidenten sah.
Richard ist all die Jahre mit mir in Kon-
takt geblieben. Er berichtet mir von sei-
nem Zeugnis, seiner Familie und seinem
treuen Dienst in der Kirche, einschließlich
seiner Berufung als Bischof.
Meine lieben Brüder, wir wollen mit
unerschütterlichem Glauben und mit vor-
behaltloser Liebe eine Brücke zum Her-
zen derer bauen, um die wir uns bemü-
hen. Wie es in dem Kinofilm Field of
Dreams hieß: Wenn wir es schaffen, wer-
den sie kommen. Das bezeuge ich im
Namen Jesu Christi. Amen. D

FUSSNOTEN
1. LuB 18:10.

2. Matthäus 28:19,20.

3. Alma 5:13.

4. Mosia 18:8-10.

5. Epheser2:19.
6. Gesangbuch, Nr. 165.

DER STERN
46
sehen Armee. Seine erste Frau starb. Nach
Unsere neuen Mitglieder dem Krieg heiratete er eine Frau, deren
Vater protestantischer Geistlicher war.

und die jungen Männer Das förderte seinen Glauben auch


gerade.
nicht

Als ich in England war, versuchte ich


Präsident Gordon B. Hinckley verzweifelt, ihn zu finden. Sein Mitglieds-
schein enthielt keinerlei Angaben zu sei-
ner aktuellen Adresse. Ich kam wieder
nach Hause und konnte ihn endlich, nach
Jedes neue Mitglied ist kostbar. Jedes neue Mitglied ist ein Sohn langer Suche, ausfindig machen.
Ich schrieb ihm. Er antwortete, ohne
beziehungsweise eine Tochter Gottes. Jedes neue Mitglied ist eine große,
aber das Evangelium zu erwähnen.
schwerwiegende Verantwortung.
Bei meinem nächsten Besuch in Eng-
land suchte ich wieder nach ihm. Ich fand
ihn an dem Tag, als ich wieder abreisen
haben, müssen wir uns auch immer mehr mußte. Ich rief ihn an, und wir trafen uns
anstrengen, ihnen zu helfen, daß sie ihren am U-Bahnhof. Wir umarmten einander
Weg finden. Jeder von ihnen braucht drei- herzlich. Ich hatte kaum Zeit bis zum
erlei - einen Freund, eine Aufgabe und Abflug, aber wir unterhielten uns kurz
daß sie „durch das gute Wort Gottes und spürten meiner Meinung nach auch
genährt" werden (siehe Moroni 6:4). Es ist noch die alte Freundschaft. Er umarmte
unsere Pflicht, ihnen dies alles zu geben. mich wieder, ehe ich abreiste. Ich be-
Um das zu veranschaulichen, möchte schloß, ihn nie wieder aus den Augen zu
ich Ihnen von einem Fall erzählen, wo ich verlieren. Im Laufe der Jahre schrieb ich
versagt habe. Ich nehme an, daß manche ihm - Briefe, von denen ich hoffte, sie
Menschen meinen, ich hätte noch nie würden ihm als Ansporn dienen und ihn
irgendwelche Fehlschläge erlebt. Ein Bei- dazu bewegen, zur Kirche zurückzukeh-
spiel dafür möchte ich Ihnen jedenfalls ohne die Kir-
ren. Er schrieb zurück, aber
erzählen. che zu erwähnen.
Während ich vor dreiundsechzig Jahren Die Jahre vergingen. Ich wurde älter
auf den britischen Inseln auf Mission war, und er auch. Er ging in Rente und zog
haben mein Mitarbeiter und ich einen in die Schweiz. Einmal, als ich in der
jungen Mann im Evangelium unterwie- Schweiz war, nahm ich mir die Zeit, das
sen, den ich dann taufen durfte. Er war Dorf, in dem er wohnte, aufzusuchen.
gebildet und kultiviert. Er war sehr wiß- Wir verbrachten einen großen Teil des
bekräftige alles, was heute abend begierig. Ich war so stolz auf diesen talen- Tages miteinander - er, seine Frau, meine
Ich
gesagt worden ist. Ich hoffe, Sie haben tierten jungen Mann, der da in die Kirche Frau und ich. Es war wundervoll, aber
sehr aufmerksam zugehört. gekommen war. Ich hatte das Gefühl, es war offensichtlich, daß das Feuer
Präsident Monson hat darüber gespro- er brächte alleEigenschaften mit, die des Glaubens längst erloschen war. Ich
chen, daß wir die neuen Mitglieder nicht ihn befähigten, einmal in der Kirche ein versuchte alles, was mir einfiel, sah aber
verlieren dürfen. Ich bekräftige,was er Führer zu werden. keine Möglichkeit, es wieder zu ent-
gesagt hat, und möchte selbst auch auf Er war noch dabei, die große Umstel- fachen. Ich schrieb ihm weiterhin. Ich
dieses Thema eingehen. lung vom Neubekehrten zum Mitglied zu schickte ihm Bücher, Zeitschriften, Auf-
Jedes Jahr werden sehr viele Menschen bewältigen. Für eine kurze Zeit vor mei- nahmen vom Tabernakelchor und ande-
Mitglied der Kirche, und zwar vor allem ner Entlassung durfte ich sein Freund res, wofür er sich immer bedankte.
aufgrund der Anstrengungen der Mis- sein. Dann wurde ich entlassen und fuhr Vor ein paar Monaten ist er gestorben.
sionare. Letztes Jahr haben rund 321 385 wieder nach Hause. Er erhielt in dem Seine Frau hat es mir mitgeteilt. Sie
Menschen sich taufen lassen - Männer, Zweig London eine kleine Aufgabe. Er
in schrieb: „Sie waren der allerbeste Freund,
Frauen und Kinder. Das ist eine so große wußte nicht,was von ihm erwartet den er je hatte."
Zahl, daß wir in einem einzigen Jahr 100 wurde, und machte einen Fehler. Der Lei- Mir liefen die Tränen über das Gesicht,
neue Zionspfähle hätten. Einhundert ter der Organisation, in der er diente, war während ich den Brief las. Ich wußte, ich
neue Pfähle pro Jahr. Stellen Sie sich das ein Mann, den ich bestenfalls als Men- hatte versagt. Vielleicht, wenn ich dage-
vor! Das bedeutet, daß jeder von uns schen mit wenig Liebe und voll heftiger wesen wäre, als erdamals den ersten
ganz dringend aufgefordert ist, diejeni- Kritik beschreiben kann. Ziemlich un- Schlag erhielt, vielleicht wäre sein Leben
gen, die zu uns stoßen, mit in die Gemein- barmherzig setzte er meinem Freund, der dann anders verlaufen. Ich glaube, ich
schaft zu integrieren. den Fehler begangen hatte, zu. hätte ihm damals können. Ich
helfen
Es ist nicht leicht, Mitglied dieser Kirche Der junge Mann verließ unseren ange- glaube, ich hätte die die ihm zu
Wunde,
zu werden. In den meisten Fällen gehört mieteten Saal an dem Abend zutiefst ver- schaffen machte, verbinden können. Ich
dazu, daß man alte Gewohnheiten ablegt, letzt von dem, was sein präsidierender habe nur den einen Trost, daß ich es ver-
den Umgang mit alten Freunden und Be- Beamter ihm gesagt hatte. Er sagte sich: sucht habe. Und ich habe nur den einen
kannten aufgibt und in eine neue Gesell- „Wenn das solche Menschen sind, gehe Kummer, daß ich versagt habe.
schaft eintritt, die anders und ziemlich ich da nicht wieder hin." Die Herausforderung ist heute größer
anspruchsvoll ist. Er wurde inaktiv. Die Jahre vergingen. als je zuvor, da die Zahl der neuen Mit-
Da wir immer mehr neue Mitglieder Der Krieg kam, und er diente in der briti- glieder größer ist, als wir es je erlebt

JULI 1997
47
haben. Ein Programm dafür, wie wir die sechzehnjähriger Junge stand vor der Ge- Er sagt unter anderem: „Dafür arbeiten
neuen Mitglieder behalten und stärken meinde und sagte, er habe beschlossen, und kämpfen wir, denn wir haben unsere
können, wird bald an die ganze Kirche sich taufen zu lassen. Hoffnung auf den lebendigen Gott ge-
hinausgehen. Ich flehe Sie an, Brüder, Dann trat einer der Jungen aus dem setzt, den Retter aller Menschen, beson-
jeden einzelnen von Ihnen, beteiligen Sie Lehrerkollegium ans Mikrophon, um ihm ders der Gläubigen."(1 Timotheus 4:10.)
sich an dieser großen Anstrengung. Jedes zu sagen, daß er ihn liebhatte, und um Paulus wurde verfolgt und vertrieben,
neue Mitglied ist kostbar. Jedes neue Mit- ihm zu sagen, daß er genau das Richtige er wurde gehaßt und verachtet. Schließ-
glied ist ein Sohn beziehungsweise eine tat, und ihm zu versichern, daß sie ihm lich wurde ihm das Leben genommen,
Tochter Gottes. Jedes neue Mitglied ist alle zur Seite stehen und ihm helfen weil er furchtlos vom Erlöser aller Men-
eine große, schwerwiegende Verantwor- würden. Es war ein wundervolles Erleb- schen Zeugnis gegeben hatte.
tung. nis, zu hören, wie diese jungen Männer Wir müssen bereit sein, das gleiche zu
Moroni hat vor langer Zeit von diesen ihrem Freund ihre Wertschätzung und tun.
Menschen gesprochen, mit denen wir es ihren Ansporn bekundeten. Ich bin fest Wie Nephi verkündet hat: „Und wir
in unserer heutigen Zeit zu tun haben, davon überzeugt, daß alle diese Jungen, reden von Christus, wir freuen uns über
und gesagt: einschließlich des einen, der letzten Christus, wir predigen Christus, wir pro-
„Auch nahmen sie keinen für die Taufe Montag getauft wurde, auf Mission ge- phezeien von Christus, und wir schreiben
an, außer er trat mitreuigem Herzen und hen werden. gemäß unseren Prophezeiungen, damit
zerknirschtem Geist vor und bezeugte In einem Presseinterview bin ich vor unsere Kinder wissen mögen, von wel-
der Kirche, daß er wahrhaftig von all sei- kurzem gefragt worden: „Was verschafft cher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden
nen Sünden umgekehrt war. Ihnen die größte Zufriedenheit, wenn Sie erhoffen können." (2 Nephi 25:26.)
Und niemand wurde für die Taufe an- heute die Arbeit der Kirche betrachten?" Paulus schreibt weiter an Timotheus:
genommen, der nicht den Namen Christi Meine Antwort: „Die größte Zufrieden- „Niemand soll dich wegen deiner Jugend
auf sich nahm mit der Entschlossenheit, heit verschafft es mir, wenn ich sehe, was geringschätzen. Sei den Gläubigen ein
ihm bis ans Ende zu dienen." (Moroni das Evangelium für die Menschen be- Vorbild in deinen Worten, in deinem
6:2,3.) wirkt. Es vermittelt ihnen eine neue Ein- Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben,
Ich glaube, daß diese neuen Mitglieder stellung zum Leben. Es vermittelt ihnen in der Lauterkeit." (1 Timotheus 4:12.)
ein Zeugnis vom Evangelium
haben. Ich eine Perspektive, die sie nie zuvor emp- Diejenigen, die wir unterweisen, wer-
denke, sie haben Glauben an den Herrn funden haben. Es erhebt ihren Blick auf den über unsere Jugend hinwegsehen,
Jesus Christus und wissen, daß er wirk- das, was edel und göttlich ist. Es ge- wenn wir in unseren Worten, in unserem
lich Gott ist. Ich glaube, daß sie wahrhaf- schieht mit ihnen etwas, das wundervoll Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben,
tig von ihren Sünden umgekehrt sind und anzusehen ist. Sie blicken auf Christus in der Lauterkeit den Geist Christi wider-
daß sie fest entschlossen sind, dem Herrn und leben auf." spiegeln. Wir dürfen nicht fluchen. Wir
zu dienen. Jetzt, Brüder, bitte ich einen jeden von dürfen keine schmutzigen Wörter in den
Moroni sagt weiter über die Zeit nach Ihnen, bei diesem großen Unterfangen Mund nehmen, wir dürfen uns nicht auf
ihrer Taufe mitzumachen. Wir brauchen Ihre Freund- unreine Gedanken, Worte und Taten ein-
„Und nachdem sie für die Taufe ange- lichkeit. Wir brauchen Ihr Verantwor- lassen, sonst können wir den Geist des
nommen worden waren und nachdem tungsbewußtsein. Der Erretter aller Men- Herrn nicht mit uns haben.
durch die Macht des Heiligen Geistes auf schen hat die neunundneunzig allein Paulus sagt weiter: „Vernachlässige die
sie worden war und sie gesäu-
eingewirkt gelassen, um den einen zu suchen, der Gnade nicht, die in dir ist und die dir ver-
bertworden waren, wurden sie dem Volk verloren war. Der eine, der verloren war, liehen wurde, als dir die Ältesten auf-
der Kirche Christi zugezählt; und ihr hätte sich nicht verlaufen müssen. Aber grund prophetischer Worte gemeinsam
Name wurde aufgenommen, damit ihrer wenn er irgendwo da draußen im Fin- die Hände auflegten." (1 Timotheus 4:14.)
gedacht würde und sie durch das gute stern ist und wir die neunundneunzig Jeder von euch Diakonen, Lehrern und
Wort Gottes genährt würden, um sie auf allein lassen müssen, um ihn zu finden, Priestern ist von jemandem ordiniert
dem rechten Weg zu halten, um sie be- müssen wir das auch tun. (Siehe Lukas worden, der die entsprechende Vollmacht
ständig wachsam zu halten im Beten, sich 15:3-7.) hatte, in den meisten Fällen von eurem
allein auf die Verdienste Christi verlas- Ich denke, das ist alles, was ich heute Vater beziehungsweise Bischof. Ihr habt
send, des Urhebers und Vollenders ihres Abend dazu sagen werde, außer daß ich eine große und kostbare Gabe erhalten.
Glaubens." (Moroni 6:4.) noch sagen möchte, daß es nichts Wichti- Ihr könnt die Wahrheit sprechen. Ihr
Heute wie damals werden die neuen geres gibt. müßt die Wahrheit sprechen. Ihr könnt
Mitglieder „dem Volk der Kirche zuge- Jetzt wende ich mich einem anderen von den großen und guten Dingen des
zählt damit ihrer gedacht wird und sie
. . . Thema zu. Evangeliums Zeugnis geben. Das ist eure
durch das gute Wort Gottes genährt wür- Ich möchte zu den jungen Männern Gabe, die ihr aus Gnade erhalten habt.
den, um sie auf dem rechten Weg zu hal- sprechen. Ich habe mir als Text die Briefe Vernachlässigt sie nicht
ten, um sie beständig wachsam zu halten des Paulus an seinen jungen Freund und Paulus fährt fort: „Achte auf dich selbst
im Beten". Brüder, helfen wir ihnen doch Mitarbeiter Timotheus gewählt. Ich habe und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn
bei ihren ersten Schritten als Mitglied. schon ausführlich aus diesen Briefen zi- du das tust, rettest du dich und alle, die
Dies ist eine Arbeit für jeden. Es ist eine tiert, wenn ich zu den Missionaren ge- auf dich hören." (1 Timotheus 4:16.)
Arbeit für die Heimlehrer und die Be- sprochen habe, und ich spreche heute zu Wenn ihr euch um eure Kameraden
suchslehrerinnen. Es ist eine Arbeit für die euch als den künftigen Missionaren. kümmert und ihnen im Glauben beisteht,
Bischofschaft, für die Priestertumskolle- Ich stelle mir Paulus als den alten, wet- werdet ihr sie selbst und auch euch ret-
FHV, die jungen Männer und
gien, für die tergegerbten Lehrer ewiger Wahrheit vor. ten.
dieJungen Damen, ja, sogar für die PV Er schreibt an seinen jungen Freund, zu Noch einmal der Rat des Paulus an Ti-
Ichwar erst letzten Sonntag in der Fast- dem er großes Vertrauen hat und den er motheus: „Bewahre dich rein!" (1 Timo-
und Zeugnisversammlung. Ein fünfzehn-, sehr liebt. theus 5:22.)

DER STERN
48
Das sind schlichte Worte. Aber sie sind Er warnt uns davor, unsere Zeit zu ver- wenn ihr unerschrocken von der Wahr-
so überaus wichtig. Paulus sagt im we- tun und sie mit Sinnlosigkeit zu vergeu- heit Zeugnis gebt.
sentlichen: halte dich von allem fern, was den. Müßiggang führt zu Bösem. Wir lieben euch Jungen, unsere lieben
dich herabzieht und dich in geistiger Hin- Er fährt fort: „Flieh vor den Begierden jungen Kameraden in diesem großen
Halte dich von Fernseh-
sicht vernichtet. der Jugend; strebe unermüdlich nach Ge- Werk. Wir beten, ihr mögt dem Glauben
sendungen fern, die zu unreinen Gedan- rechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden, treu bleiben. Wir erwarten von euch, daß
ken und unreiner Sprache führen. Halte zusammen mit all denen, die den Herrn ihr euch darauf vorbereitet, in diesem
dich von Videos fern, die dich zu bösen aus reinem Herzen anrufen." (2 Timo- großen Werk, das darin besteht, daß wir
Gedanken verleiten. Sie helfen dir nicht. theus 2:22.) das Reich Gottes vorwärtsbringen, euren
Sie schaden dir nur. Halte dich von Bü- Sir Galahad hat gesagt: „Meine Stärke Platz einzunehmen. Geht auf die Knie,
chern und Zeitschriften fern, die in ihrer ist wie die Stärke von zehn, denn mein und betet jeden Tag, morgens und
Ausdrucks weise und Darstellung vulgär Herz ist rein." (Alfred, Lord Tennyson, Sir abends. Blickt auf euren Vater und auf
und schmutzig sind. Bewahre dich rein. Galahad, 1842.) eure Mutter, und befolgt ihren Rat. Blickt
Um
mit den Worten des Paulus fortzu- Wir können es gar nicht häufig genug auf euren Bischof und auf seine Ratgeber.
fahren: „Denn die Wurzel aller Übel ist sagen. Flieht vor den Begierden der Sie werden euch die Richtung weisen, in
die Habsucht." (1 Timotheus 6:10.) Jugend. Haltet euch von Drogen fern. Sie die ihr gehen sollt. „Blickt auf Gott und
Und jetzt komme ich zu dieser bedeu- können euch völlig vernichten. Meidet sie lebt." (Siehe Alma 37:47.)
tenden Aussage des Paulus: „Denn Gott wie die Pest, denn das sind sie. Meidet Ihr seid in einer Zeit, die für das Werk
hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit üble, schmutzige Reden. Sie können euch des Herrn von größter Bedeutung ist, zur
gegeben, sondern den Geist der Kraft, der vernichten. Seid völlig ehrlich. Unehrlich- Welt gekommen. Keine andere Genera-
Liebe und der Besonnenheit. keit kann verderben und vernichten. Be- tion hat genau solche Möglichkeiten ge-
Schäme dich also nicht, dich zu unse- folgt das Wort der Weisheit. Ihr könnt habt, wie sie euch offenstehen. Fangt jetzt
rem Herrn zu bekennen." (2 Timotheus nicht rauchen, ihr dürft nicht rauchen. Ihr an, euch solche Ziele zu setzen, die euch
1:7,8.) dürft keinen Tabak kauen. Ihr könnt kei- glücklich machen - eine Ausbildung in
Nicht Gott hat uns den Geist der Ver- nen Alkohol trinken. Ihr tragt das Prie- dem Beruf, den ihr euch ausgesucht habt,
zagtheit gegeben; der kommt vom Wider- stertum Gottes. Ihr müßt euch über all was es auch sein mag; eine Mission, auf
sacher. Viele von uns haben Angst vor das erheben, was euch so verführerisch der ihr euch völlig dem Herrn anheim-
dem, was unsere Peer Group sagt, Angst lockt. Betet immer. Ruft den Herrn im geben und sein Werk verrichten könnt;
davor, daß man verächtlich auf uns blickt Glauben an, dann hört er euer Beten. Er eine zukünftige Eheschließung im Haus
und uns kritisiert, wenn wir für das ein- liebt euch. Er möchte euch segnen. Und des Herrn mit einer wundervollen, lieben
stehen, was richtig ist. Aber ich erinnere das tut er auch, wenn ihr so lebt, daß ihr Frau, derer ihr aufgrund eurer Lebens-
euch an dies: „Schlecht zu sein hat noch seines Segens würdig seid. weise würdig seid.
nie glücklich gemacht." (Alma 41:10.) Das Ihr steht vor großen Herausforderun- Möge der Herr euch segnen, meine lie-
Böse hat noch nie glücklich gemacht. Die gen. Ihr bewegt euch auf eine Welt voll er- ben jungen Freunde. Möge er über euch
Sünde hat noch nie glücklich gemacht. bitterten Wettbewerbs zu. Ihr müßt euch wachen und euch erhalten, euch beschüt-
Glücklich wird man in der Macht und eine so gute Ausbildung verschaffen, wie zen und euch führen. Er hat euch für ein
Liebe und der wundervollen Einfachheit ihr nur könnt. Der Herr hat uns darin großes Werk vorgesehen. Laßt ihn nicht
des Evangeliums Jesu Christi. unterwiesen, wie wichtig Bildung ist. Sie im Stich. Ich lasse euch meine Liebe und
Wir brauchen nicht prüde zu sein. Wir qualifiziert euch für größere Möglichkei- meinen Segen im Namen Jesu Christi.
brauchen uns nicht in der Ecke zu ver- ten. Sie befähigt euch, in der großen Welt Amen. D
stecken. Wir brauchen uns nicht zu schä- der Möglichkeiten, die vor euch liegt, et-
men. Wir haben das Großartigste auf der was Sinnvolles zu tun. Wenn ihr studie-
ganzen Welt, das Evangelium des Herrn. ren könnt und wollt, dann tut das. Wenn
Paulus gibt uns diesen Auftrag: „Schäme ihr nicht studieren wollt, dann besucht
dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu eine Berufsschule oder andere Bildungs-
bekennen." einrichtung, um eure Fähigkeiten zu ver-
Als Diakon, Lehrer und Priester, der tiefen und zu erweitern.
zum heiligen Priestertum ordiniert wor- Bereitet euch jetzt darauf vor, auf Mis-
den ist, können wir aufrecht dastehen sion zu gehen. Es wird keine Last sein. Es
und furchtlos und ohne Ausflüchte unser wird keine Zeitverschwendung sein. Es
Zeugnis von Jesus Christus verkündigen. wird eine großartige Gelegenheit und
Und noch einmal Paulus „Bemüh dich : eine große Herausforderung sein. Eure
darum, dich vor Gott zu bewähren als Mission wird für euch etwas bewirken,
ein Arbeiter, der sich nicht zu schämen wie nichts anderes es kann. Sie wird eure
braucht." (2 Timotheus 2:15.) Fähigkeiten vertiefen. Sie wird euch als
Wenn wir aufgerufen würden, vor Gott Führer schulen. Sie wird euer Zeugnis tief
zu stehen und ihm über uns Rechenschaft in eurem Herzen verankern. Ihr werdet
abzulegen, könnten wir das dann tun, anderen ein Segen sein, wie ihr für euch
ohne in Verlegenheit zu geraten? Dazu selbst ein Segen seid. Eure Mission wird
fordert Paulus seinen jungen Freund auf. euch Gott und seinem Sohn näherbrin-
Dazu fordert er einen jeden von uns auf. gen, wenn ihr von ihm Zeugnis gebt.
Er sagt weiter: „Gottlosem Geschwätz Eure Erkenntnis vom Evangelium wird
geh aus dem Weg; solche Menschen gera- sich festigen und vertiefen. Eure Liebe zu
ten immer tiefer in die Gottlosigkeit." euren Mitmenschen wird zunehmen.
(2 Timotheus 2:16.) Eure Ängste werden verschwinden, Die Joseph-Smith-Statue auf dem Tempelplatz.

JULI 1997
49
Versammlung am Sonntagvormittag tertauchen und die Spendung des Heili-
6. April 1997 gen Geistes kraft einer Vollmacht, die
größer war als die seine. Er erklärte „Ich :

Sie wiesen den Weg bin nicht der Messias, sondern


sandter, der
ein Ge-
ihm vorausgeht." 3
euch nur mit Wasser. Es kommt aber ei-
. . .

„Ich taufe

ner. ... Er wird euch mit dem Heiligen


Präsident Thomas S. Monson Geist und mit Feuer taufen." 4
Erster Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft
Der Jordan ist der historische Treff-
punkt, zu dem Jesus kam, um sich von Jo-
hannes taufen zu lassen. Zuerst flehte Jo-
hannes den Meister an: „Ich müßte von
Jesus Christus, der Erretter der Welt, . . . war und ist der größte Pionier, dir getauft werden, und du kommst zu

denn er ist vorausgegangen und hat allen anderen den Weg gewiesen, mir?" 5 Dann kam die Antwort: „Nur so
können wir die Gerechtigkeit ganz erfül-
den sie gehen sollen.
len. .Kaum war Jesus getauft und aus
. .

dem Wasser gestiegen, da öffnete sich der


Himmel, und er sah den Geist Gottes wie
nicht von den Stein tafeln trennen, die ihm eine Taube auf sich herabkommen. Und
Gott gab und auf die die zehn Gebote ge- eine Stimme aus dem Himmel sprach:
schrieben waren. Sie waren damals ver- Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich
bindlich - sie sind heute verbindlich. Wohlgefallen gefunden habe." 6
Mose ertrug ständige Enttäuschung, als Johannes verkündete und lehrte
einige treuen Anhänger,
seiner denen freimütig: „Seht das Lamm Gottes, das
7
er vertraute, zu ihren früheren Wegen dieSünde der Welt hinwegnimmt."
zurückkehrten. Auch wenn er von ihrem Von Johannes sagte der Herr: „Unter
Tun enttäuscht war, so den-
liebte er sie allenMenschen hat es keinen größeren
noch und führte sie, die
Israeliten, aus der gegeben als Johannes den Täufer." 8 Wie
ägyptischen Knechtschaft heraus. Mose so viele andere Pioniere in der Geschichte
kann gewiß als Pionier gelten. trug Johannes die Märtyrerkrone.
Wer noch als Pionier gelten kann, ist Viele, die im Geist und in der Tat Pio-
Rut, die ihr Volk, ihre Familie und ihr niere waren, berief Jesus als seine Apo-
Land verließ, um
mit ihrer Schwieger- stel. Über jeden einzelnen gäbe es viel zu
mutter Noomi zu gehen - um Jahwe in sagen.
seinem Land zu verehren und die Wege Petrus gehörte zu den ersten Jüngern
seines Volkes anzunehmen. Wie wichtig Jesu. Als Petrus, der Fischer, die göttliche
war es doch, daß sie Noomi gehorsam Berufung empfing, legte er seine Fischer-
war und später Boas heiratete, wodurch netze beiseite und schenkte den Worten
diesem Jahr, 1997, feiern wir die 150. sie - die Ausländerin und moabitische des Meisters Beachtung: „Kommt her,
InWiederkehr des Tages, an dem die Proselytin - die Urgroßmutter Davids folgt mir nach! Ich werde euch zu Men-
Pioniere unter der inspirierten Füh- und somit eine Vorfahrin Jesu wurde. Das schenfischern machen." 9 Ich kann nicht
rung Brigham Youngs ins Great Salt Lake Buch der das ihren Namen trägt, ist
Bibel, an Petrus denken, ohne sein Zeugnis vom
Valley kamen und riefen: „Dies ist der in poetischerSprache verfaßt und spiegelt Herrn zu bewundern: „Du bist der Mes-
10
richtige Ort - fahrt weiter." 1 Auf dieser ihre Entschlossenheit und ihren Mut wi- sias, der Sohn des lebendigen Gottes."

Konferenz wird über dieses bedeu-


viel der. „Rut antwortete Dränge mich nicht,
: Johannes der Lieblingsjünger ist der
tende Ereignis gesagt und Gott für seine dich zu verlassen und umzukehren. Wo- einzige der Zwölf, von dem berichtet
Fürsorge und Führung gedankt. hin du gehst, dahin gehe auch ich, und wird, daß er bei der Kreuzigung Christi
An diesem schönen Sonntagmorgen wo du bleibst, da bleibe auchDein ich. zugegen war. Vom grausamen Kreuz
möchte ich etwas über „andere Pioniere" Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein herab gab Jesus Johannes einen Auftrag
sagen, die jenem Treck vorausgegangen Gott. Wo du stirbst, da sterbe auch ich, da bezüglich seiner Mutter, Maria: „Siehe,
sind. Dabei halte ich inne und denke über will ich begraben sein. Der Herr soll mir deine Mutter!" 11 und an seine Mutter:
die Bedeutung des Wortes Pionier nach, dies und das antun - nur der Tod wird „Siehe, dein Sohn!" 12
der ja jemand ist, der vorausgeht und mich von dir scheiden." 2 Die Apostel gingen voraus und wiesen
anderen den Weg weist, dem sie folgen Ja, Rut, die teure Rut, war ein Pionier. anderen den Weg, den sie gehen sollten.
sollen." Auch andere treue Frauen können als Sie waren Pioniere.
Drehen wir die Zeit zurück und reisen Pioniere gelten, wie Maria, die Mutter Die Geschichte berichtet, daß die mei-
wir an andere Orte, um diejenigen zu be- Jesu, Maria aus Magdala, Ester und Elisa- sten Menschen nicht zu Christus kamen
trachten, von denen ich meine, daß sie bet. Übersehen wir dabei nicht Abraham, und auch dem, was er lehrte, nicht Folge
dem hohen Maßstab des Wortes Pionier Isaak und Jakob, und vergessen wir nicht leisteten. Der Herr war gekreuzigt, die
gerecht werden. Jesaja, Jeremia, Ezechiel und andere aus meisten Apostel waren getötet, die Wahr-
Ein solcher Pionier war Mose. Er wurde späterer Zeit. heit war verworfen. Die helle Sonne der
am Hof des Pharao erzogen und in der Wir denken an Johannes den Täufer. Aufklärung ging unter, und die länger
Weisheit der Ägypter unterwiesen, und er Seine Kleidung war einfach, seine Le- werdenden Schatten einer finsteren
wurde mächtig in Wort und in Tat. Man bensweise spartanisch, seine Botschaft Nacht bedeckten die Erde.
kann Mose, den großen Gesetzgeber, kurz: Glaube, Umkehr, Taufe durch Un- Generationen zuvor hatte Jesaja pro-

DER STERN
50
Der Salt-Lake-Tempel.

JULI 1997
51
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13
Die Assembly Hall auf dem Tempelplatz.

DER STERN
54
phezeit: „Finsternis bedeckt die Erde und
Dunkel die Völker." 13 Arnos hatte eine
Hungersnot im Land vorausgesagt,
„nicht den Hunger nach Brot, nicht Durst
nach Wasser, sondern nach einem Wort
des Herrn" 14 Die finsteren Zeiten der
-

Geschichte schienen kein Ende zu haben.


Sollte denn kein himmlischer Bote er-
scheinen?
Im Laufe der Zeit versuchten Männer,
die sich nach der Wahrheit sehnten, unter
Lebensgefahr Wegweiser zu ermitteln,
um den wahren Weg zu finden. Der Tag
der Reformation war angebrochen, aber
der Weg, der vor ihnen lag, war schwer.
Die Verfolgung sollte heftig werden, das
Opfer überwältigend und der Preis uner-
meßlich. Die Reformatoren waren Pio-
niere, die sich einen Weg durch die Wild-
nis bahnten, um jene verlorengegangenen
Wegweiser zu suchen, die die Menschen
ihrer Meinung zu der Wahrheit zurück-
führen konnten, die Jesus gelehrt hatte,
wenn sie sie nur erst einmal fanden.
John Wycliffe, Martin Luther, Jan Hus, entweder in Finsternis und Verwirrung Johannes, damit die Wiederherstellung
Zwingli, Knox, Calvin und Tyndale leiste- bleiben oder das tun müsse, was Jakobus von allem vollbracht wurde. Er wurde
ten für die Reformation Pionierarbeit. sagt, nämlich Gott bitten. . . verfolgt, er litt sehr - ebenso wie diejeni-
Was Tyndale seinen Kritikern entgegen- [Ich] begab mich ... in den Wald, um
. . . gen, die ihm nachfolgten. Er vertraute auf
hielt, war bedeutsam: „Ich will dafür sor- den Versuch zu machen. Es war an einem Gott. Er war seiner Berufung als Prophet
gen, daß ein Junge, der den Pflug lenkt, strahlend schönen Morgen in den ersten treu. Er rief eine wunderbare Missionsar-
mehr von der heiligen Schrift weiß als Frühlingstagen des Jahres 1820. beit ins Leben, die heute den Menschen
du." 15 Ich kniete nieder und fing an, Gott mei- Licht und Wahrheit bringt. Schließlich
Das waren die Lehren und das Leben nen Herzenswunsch vorzutragen. . . starb er den Märtyrertod - wie auch sein
der großen Reformatoren. Was sie taten, [Ich] sah . . . gerade über meinem Haupt Bruder Hyrum.
war heldenhaft, was sie leisteten und op- eine Säule aus Licht, heller als die Sonne, Joseph Smith war in der Tat ein Pionier.
ferten unermeßlich - aber sie stellten das allmählich herabkommen, bis es auf mich Wenn man die Geschichte der heiligen
Evangelium Jesu wieder her.
Christi nicht fiel. . . Schriften von Anfang bis Ende liest, be-
Bezüglich der Reformatoren könnte Als das Licht auf mir ruhte, sah ich zwei gegnet man dem größten Pionier: Jesus
man sich die Frage stellen: „War ihr Opfer Gestalten von unbeschreiblicher Helle Christus. Seine Geburt war von den Pro-
vergebens? War ihr Kampf sinnlos?" Ich und Herrlichkeit über mir in der Luft ste- pheten in alter Zeit vorhergesagt; seine
antworte mit einem wohlüberlegten hen. Eine von ihnen redete mich an, Geburt wurde von einem Engel angekün-
„Nein". Die Bibel war jetzt allen Men- nannte mich beim Namen und sagte, auf digt. Sein Leben und sein Wirken haben
schen zugänglich. Jeder konnte seinen die andere deutend: Dies ist mein geliebter die Welt verändert.
Weg besser finden. Ach, wenn nur alle le- Sohn. Ihn höre!" 17 Die Geburt des Kindes von Betlehem
sen und verstehen könnten! Aber einige Gott der Vater und der Sohn, Jesus brachte ein großes Geschenk, eine Macht,
konnten lesen, und andere konnten Christus, waren Joseph Smith erschienen. die stärker ist als Waffen, einen Reichtum,
hören, und alle hatten durch das Beten Der Morgen der Evangeliumszeit der der länger anhält als die Münzen Cäsars.
Zugang zu Gott. Fülle der Zeit war angebrochen und ver- Dieses Kind sollte der König der Könige
Der langersehnte Tag der Wiederher- trieb die Finsternis der langen geistigen und Herr der Herren sein, der verheißene
stellung kam dann tatsächlich. Aber ge- Nacht. Messias, ja, Jesus Christus, der Sohn
hen wir auf jenes bedeutende Ereignis in Viel ist über das Leben und die Leistun- Gottes. In einem Stall geboren und in eine
der Weltgeschichte ein, indem wir uns gen Joseph Smiths geschrieben worden, Krippe gelegt, kam er aus dem Himmel,
das Zeugnis eines Bauernjungen ins Ge- für unsere Absichten heute genügen aber um als sterblicher Mensch auf der Erde zu
dächtnis rufen, aus dem ein Prophet ein, zwei Höhepunkte. Der Engel Moroni leben und das Reich Gottes zu errichten.
wurde, der Zeuge, der es miterlebte - ja, erschien ihm. Er übersetzte von den kost- Während seines irdischen Wirkens lehrte
Joseph Smith. baren Platten, zu denen er geführt wurde, er die Menschen ein höheres Gesetz. Sein
Joseph Smith schilderte sein Erlebnis das Buch Mormon, mit seinem neuen herrliches Evangelium veränderte das
mit den folgenden Worten: „[Ich] las ... Zeugnis von Christus an die ganze Welt. Denken der Welt. Er segnete die Kranken.
eines Tages im Jakobusbrief den 5. Vers Er war das Werkzeug in den Händen des Er gab den Lahmen die Kraft zu gehen,
im 1. Kapitel. Dort hieß es: Fehlt es aber Herrn, durch den die machtvollen Offen- den Blinden das Augenlicht, den Tauben
einem von euch an Weisheit, so erbitte er sie barungen hinsichtlich der Errichtung der das Gehör. Er erweckte sogar die Toten
von Gott, der allen gerne gibt und keinem Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letz- zum Leben.
Vorwürfe macht; dann wird sie ihm gegeben ten Tage zuteil wurden. Im Lauf seines Ein Satz aus der Apostelgeschichte
werden. 16 Dienstes erschienen ihm Johannes der spricht Bände: „Jesus zog umher und tat
Endlich kam ich zu dem Schluß, daß ich Täufer, Mose, Elija, Petrus, Jakobus und Gutes, . . . den Gott war mit ihm." 18

JULI 1997
55
Er lehrte uns zu beten: „Unser Vater im ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lach- ist das letzte Zeugnis von allen, das wir

Himmel, dein Name werde geheiligt, ten sie ihn aus" 28 weil sie wußten, daß sie
' geben, nämlich: Er lebt! Denn wir haben
dein Reich komme, dein Wille geschehe gestorben war. „Er aber schickte alle hin- ihn gesehen, ja zu rechten Hand Gottes." 33
wie im Himmel, so auf der Erde." 19 aus ... Er faßte das Kind an der Hand und Unser Mittler, unser Erlöser, unser Bru-
Als im Garten Getsemani sein Leiden so sagte zu ihm: Mädchen, ich sage dir, steh der, unser Fürsprecher beim Vater starb
groß war, daß ihm das Blut aus den Poren auf! Die Leute gerieten außer sich vor
. . . für unsere Sünden und die Sünden der
drang, flehte er im Gebet: „Vater, wenn Entsetzen." 29 gesamten Menschheit. Das Sühnopfer
du willst, nimm diesen Kelch von mir! Es erschöpft mich seelisch, die Ereig- Jesu Christi ist die vorherordinierte, aber
Aber nicht mein, sondern dein Wille soll nisse zu schildern, die zur Kreuzigung freiwillige Tat des einziggezeugten Soh-
geschehen!" 20 des Meisters führten. Ich zucke zusam- nes Gottes. Er bot sein Leben als erlö-
Er lehrte uns zu dienen: „Was ihr für ei- men, wenn ich die Reaktion des Pilatus sende Sühne für uns alle an.
nen meiner geringsten Brüder getan habt, auf die Schreie der Menge „Kreuzige ihn! Seine Mission, sein Wirken unter den
das habt ihr mir getan." 21 . Kreuzige ihn!" 30 lese. „Pilatus
. . ließ . . . Menschen, seine Lehren von der Wahr-
Er lehrte uns zu vergeben: „Ich, der . Wasser bringen, wusch sich vor allen
. . heit, seineWerke der Nächstenliebe, seine
Herr, vergebe, wem ich will, aber von Leuten die Hände und sagte: Ich bin unerschütterliche Liebe stimmen uns
euch wird verlangt, daß ihr allen Men- unschuldig am Blut dieses Menschen. dankbar und lassen es uns warm ums
schen vergebt." 22 Das ist eure Sache." 31 Jesus wurde ver- Herz werden. Jesus Christus, der Erretter
Er lehrte uns, zu lieben: „Du sollst den spottet und angespuckt, ihm wurde eine der Welt - ja, der Sohn Gottes - war und
Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Dornenkrone auf das Haupt gedrückt ist der größte Pionier, denn er ist voraus-

Herzen, mit ganzer Seele und mit all dei- und Essig zu trinken gegeben. Und sie gegangen und hat allen anderen den Weg
nen Gedanken. Das ist das wichtigste und kreuzigten ihn. gewiesen, den sie gehen sollen. Mögen
erste Gebot. Ebenso wichtig ist das Sein Leichnam wurde in ein geliehenes wir ihm immer folgen. Darum bete ich im
zweite. Du sollst deinen Nächsten lieben Grab gelegt, aber kein Grab konnte den Namen Jesu Christi. Amen. D
wie dich selbst." 23 Als der wahre Pionier, Leib des Herrn halten. Am
Morgen des
der er war, sprach er die Aufforderung dritten Tages erreichte die ersehnte Nach- FUSSNOTEN
aus: „Komm und folge mir nach." 24
richt Maria aus Magdala, Maria, die Mut-
1. Zitiert von Wilford Woodruff in The Utah
Wenden wir uns nach Kafarnaum. Dort ter des Jakobus, und die anderen Frauen, Pioneers, [1880], 23.
kam der Synagogenvorsteher Jai'rus zum die bei ihnen waren, als sie zum Grab
2. Rut 1:16,17.
Meister und sagte: „Meine Tochter liegt kamen, den großen Stein von der Höhle
3. Johannes 3:28.
im Sterben. Komm und leg ihr die Hände weggewälzt sahen und das Grab leer fan-
auf, damit sie wieder gesund wird." 25 den. Die beiden Engel fragten die weinen- 4. Lukas 3:16.

Dann erreichte ihn die Nachricht aus den Frauen: „Was sucht ihr den Lebenden 5. Matthäus 3:14.

seinem Haus. „Deine Tochter ist gestor- bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er 6. Matthäus 3:15-17.
26 32
ben." ist auferstanden." 7. Johannes 1:29.
Christus antwortete: „Sei ohne Furcht; Ja, der Herr war in der Tat auferstanden.
8. Matthäus 11:11.
glaube nur!" 27 Er kam zum Haus, ging an Er erschien Maria. Er erschien Kephas
9. Matthäus 4:19.
den Trauernden vorbei und fragte: oder Petrus und dann den Zwölf. Er er-
10. Matthäus 16:16.
„Warum schreit und weint ihr? Das Kind schien Joseph Smith, der erklärte: „Dies
11. Johannes 19:27.

12. Johannes 19:26.

13. Jesaja60:2.

14. Arnos 8:11.

15. Siehe Roger Hillas, „The History of the


Book", Washington Post, 10. April 1996.
16. JSLg 1:11.

17. JSLg 1:13-17.

18. Apg 10:38.

19. Matthäus 6:9,10.

20. Lukas 22:42.

21. Matthäus 25:40.

22. LuB 64:10.

23. Matthäus 22:37-39.


24. Lukas 18:22.

25. Markus 5:23.

26. Markus 5:35.

27. Markus 5:36.

28. Markus 5:39,40.

29. Markus 5:40-42.

30. Markus 15:13,14.

31. Matthäus 27:24.

32. Lukas 24:5,6.

33. LuB 76:22,23.

DER STERN
56
den sonst kann dem Zweck des Gesetzes
Jesus Christus, unser Erlöser Genüge geleistet werden." 10 Diese uner-
läßliche Forderung, nämlich ein reuiges
Herz und ein zerknirschter Geist, weist
Eider Richard G. Scott uns an, fügsam, nachgiebig, demütig -
vom Kollegium der Zwölf Apostel also belehrbar - und bereitwillig gehor-
sam zu sein. Schließlich bezeuge ich:
„Wie wichtig ist es daher, daß den Bewoh-
Der Erlöser liebt Sie, und er wird Ihnen helfen, das Wesentliche
nern der Erde all dies verkündet wird, da-
mit sie erkennen, daß kein Fleisch in der
zu tun, das Sie jetzt und für immer glücklich machen wird.
Gegenwart Gottes wohnen kann außer
durch das Verdienst und die Barmherzigkeit
und die Gnade des heiligen Messias." 11
„die Leiden aller Menschen auf sich." Er Jesus Christus hat Eigenschaften beses-
wurde gekreuzigt, „damit die Auferste- sen, die kein anderes Kind des himmli-
hung allen Menschen zuteil werde, damit schen Vaters überhaupt haben konnte. Er
alle am
großen Tag, am Tag des Gerichts, war schon vor seiner Geburt in Betlehem
vor ihm stehen können." Ich bezeuge: „Er der Gott Jahwe. Sein geliebter Vater hat
gebietet allen Menschen, daß sie umkeh- ihm nicht nur einen Geistkörper gegeben;
ren und sich in seinem Namen taufen las- Jesus war auch der einziggezeugte Sohn
sen müssen, indem sie vollkommenen des Vaters im Fleisch. Unser Meister hat
Glauben an den Heiligen Israels haben" ein vollkommenes, sündenfreies Leben
und „bis ans Ende ausharren", „sonst gelebt und war daher den Forderungen
können sie nicht im Reich Gottes errettet der Gerechtigkeit nicht unterworfen. Er
werden". 5 Umkehr, Taufe, vollkommener war in allen Eigenschaften wie Liebe, Mit-
Glaube an ihn und bis ans Ende aushar- gefühl, Geduld, Gehorsam, Vergebungs-
ren - das sind einige der wesentlichen bereitschaft und Demut vollkommen.
Forderungen, die es zu erfüllen gilt. Seine Barmherzigkeit bezahlt, wenn wir
Ich weiß, „daß es keinen anderen Weg umkehren und ihm gehorchen, was wir
und keine anderen Mittel gibt, wodurch der Gerechtigkeit schulden. Da jedoch
der Mensch errettet werden kann, als nur selbst unsere besten Bemühungen, seinen
das sühnende Blut Jesu Christi." 6 Ich be- Lehren zu gehorchen, immer noch zu we-
zeuge: Jesus Christus hat selbst „für die nig sind, werden wir durch seine Gnade
Sünden der Welt [gesühnt], um den Plan
Heute der
chen heiligen
ist 6. April. Die neuzeitli-
Schriften berichten, der Barmherzigkeit zuwege zu bringen,
errettet „nach allem, was wir tun kön-
nen". 12
daß dies der Tag ist, an dem Jesus um die Forderungen der Gerechtigkeit zu Wir können uns zwar nicht mehr daran
Christus geboren wurde. 1 Ich spreche befriedigen, auf daß Gott ein vollkomme- erinnern, aber wir haben, bevor wir auf
demütig über ihn, der so herrlich ist und ner und gerechter, aber auch ein barmher- diese Erde gekommen sind, in der Gegen-
dem ein jeder von uns so viel verdankt. ziger Gott sei." 7 Ich bezeuge, daß die For- wart Gottes, des ewigen Vaters, und sei-
Ich weiß, daß das, was in den heiligen derungen der Gerechtigkeit - wenn der nes Sohnes, Jesus Christus, gelebt. Wir
Schriften über ihn geschrieben steht, heilige Erlöser nicht sein Opfer gebracht haben vor Freude gejauchzt, als uns
wahr ist, und ich will anhand einiger hätte - keinem Menschen, der auf der gestattet wurde, zur Erde zu kommen,
Schriftstellen meine Gefühle zum Aus- Erde geboren wird, erlauben würden, in um einen Körper zu erhalten und im Plan
druck bringen. die Gegenwart Gottes zurückzukehren Gottes für unser Glücklichsein weiter
Paulus hat bezeugt: „Zur Vollendung und an seiner Herrlichkeit und Erhöhung Fortschritt zu machen. Wir haben ge-
gelangt, ist er für alle, die ihm gehor- teilzuhaben, 8 denn wir allemachen Feh- wußt, daß wir hier geprüft werden wür-
chen, der Urheber des ewigen Heils ge- ler, für die wir nicht selbst der Gerechtig- den. Wir waren entschlossen, gehorsam
worden." 2 keit Genüge tun können. Ich bezeuge: zu leben, so daß wir zu unserem Vater
Ewige Errettung - wie kostbar! Aber Gäbe es nicht Sühne"
die „unbegrenzte zurückkehren und für immer bei ihm le-
man muß ihm gehorchen, um sie zu er- Christi, könnten wir nach dem Tod nicht ben können. Ein Teil der Prüfung besteht
langen. zu Gott zurückkehren, sondern unser darin, daß es hier so viel scheinbar Inter-
„Jesus erwiderte Ich bin die Aufer-
: . . . Geist würde, wie Jakob uns feierlich ge- essantes zu tun gibt, daß wir den
stehung und das Leben. Wer an mich warnt hat, „dem [Teufel] unterworfen Hauptzweck unseres Daseins vergessen
glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, sein, . um sich nie wieder zu erheben.
. . könnten. Der Satan arbeitet sehr darauf
und jeder, der lebt und an mich glaubt, Und unser Geist [würde] ihm gleich, und hin, daß das Wesentliche ungetan bleibt.
wird auf ewig nicht sterben." 3 wir wären Teufel geworden, Engel eines Der Plan ist eigentlich sehr einfach,
„Und wenn du meine Gebote hältst und Teufels, und wir wären aus der Gegen- wenn wir die Hauptpunkte betrachten.
bis ans Ende ausharrst, sollst du ewiges wart unseres Gottes ausgeschlossen und Der Herr hat uns wissen lassen, daß wir
Leben haben." 4 würden bei dem Vater der Lügen verblei- hier sind, um versucht und geprüft zu
Auf ewig nicht sterben, ewiges Leben ben, im Elend." 9 werden, damit sich herausstellt, ob wir
haben - dazu muß man gehorsam sein Ich bezeuge: „Darum kommt die Erlö- treu und seinen Lehren gehorsam sind.
und bis ans Ende ausharren. sung im heiligen Messias und durch ihn; Unter allen Menschen dieser Welt haben
Ich bezeuge Der Herr kam „in die Welt,
: denn er ist voller Gnade und Wahrheit . . Sie dabei die beste Chance, denn Sie ken-
auf daß er alle Menschen errette, wenn sie für alle, die ein reuiges Herz und einen zer- nen sowohl das wiederhergestellte Evan-
auf seine Stimme hören wollen." Er nahm knirschten Geist haben; und für nieman- gelium in seiner Fülle als auch die Lehren

JULI 1997
57
des Erretters.Wenn Sie in einem ruhigen all das also, wodurch wir benachteiligt Ihre Freizeit mit Belanglosem anzufüllen,
Augenblick darüber nachsinnen erken- / waren und was sich aufgrund von Um- mit etwas, was keinen dauerhaften Wert
nen Sie, was im Leben wesentlich ist und ständen oder der Taten anderer ergeben besitzt und Ihnen auch nicht hilft, den
was nicht. Seien Sie weise, und lassen Sie und nichts mit unseren Entscheidungen Zweck Ihres Erdenlebens zu erfüllen?
nicht zu, daß das Wesentliche von Gutem zu tun hat. Denken Sie doch an die ewige Perspek-
verdrängt wird. Manche verstehen es vielleicht nicht tive Ihres Lebens, nicht nur an das Heute
Was ist nun das Wesentliche im Leben? oder sind da anderer Meinung, aber ich und Morgen. Tauschen Sie das, was Sie im
Es hat mit der Lehre zu tun. Im Mittel- bezeuge, daß es nicht ausreicht, wenn Leben am innigsten ersehnen, nicht für das
punkt stehen die Verordnungen und hei- man sich taufen läßt und dann ein anstän- ein, wovon Sie meinen, es gerade jetzt haben
ligen Handlungen, die entscheidenden diges Leben ohne größere Übertretungen zu wollen.
Bündnisse. Diese heiligen Handlungen führt. Der Herr hat bestimmt, daß diese Das Allerwichtigste, was wir während
sind die Taufe und die Konfirmierung als zusätzlichen heiligen Handlungen und dieser Prüfungszeit zu erledigen haben,
Mitglied in seiner Kirche, seinem Reich Bündnisse, die ich aufgezählt habe, für muß uns an erster Stelle stehen. Es
für
auf der Erde. Für einen Mann gehört dazu die Erhöhung und das ewige Leben uner- darf nicht für weniger Wichtiges einge-
auch die würdige Ordinierung zum Mel- läßlich sind. Wer für die heiligen Hand- tauscht werden, auch nicht für etwas, was
chisedekischen Priestertum; es gehört lungen des Tempels würdig sein möchte, an sich gut und schön ist. Nach diesem
dazu, es in Ehren zu halten und es zum muß sich wohl für einiges entscheiden, Leben werden Sie zu dem wiederherge-
Dienst am Mitmenschen anzuwenden. was viele in der Welt nicht zu tun gewillt stellt werden, was aus Ihnen geworden

Für jeden Erwachsenen gehören dazu alle sind : Man muß den Sonntag heilig halten, ist. Oh, könnte ich Ihnen beschreiben,
heiligen Handlungen des Tempels, ein- beim Zahlen des Zehnten und des Fast- welchen Frieden und welche innere Ruhe
schließlich der Begabung. Dazu gehört opfers Glauben ausüben, kontinuierlich man empfindet, wenn man weiß, daß alle
auch die Siegelung im Tempel, wodurch am Gottesdienst in der Kirche teilneh- errettenden heiligen Handlungen würdig
einem Mann und einer Frau verheißen men, dienen und die Familie lieben und vollzogen und die damit einhergehenden
wird, daß sie, wenn sie gehorsam sind, wertschätzen, indem man jedem in der Bündnisse in Rechtschaffenheit gehalten
für Zeit und alle Ewigkeit zusammen le- Familie zur Seite steht. Wenn Sie alle worden sind.
ben können. Wenn sie im Glauben treu heiligen Handlungen des Tempels emp- Ich fordere Sie mit aller Macht auf, alle
sind,werden die Kinder, die aus einer sol- fangen haben, machen Sie weiter Fort- heiligen Handlungen zu empfangen, die
chen Ehe hervorkommen oder die später schritt, indem Sie Ihre Bündnisse halten für die Errettung notwendig sind, und al-
an ihre Eltern gesiegelt werden, in Liebe und glaubenstreu „bis ans Ende" aus- les zu tun, was Sie können, damit auch
und Freude durch alle Ewigkeit mit ihnen harren. 13 Ihre Angehörigen noch in diesem Leben
verbunden bleiben. Damit wir alle Seg- Die Bündnisse zu halten ist nicht diese heiligen Handlungen empfangen.
nungen seines Sühnopfers empfangen schwer, wenn man es gerne und mit ei- Hier auf der Erde, wo der sterbliche Kör-
können, wird von uns nur verlangt, daß nem „reuigen Herzen und einem zer- per Gut und Böse ausgesetzt ist, kann
wir seine Gebote halten und alle diese not- knirschten Geist" 14 tut. Überlegen Sie sich man viel schneller Fortschritt machen als
wendigen heiligen Handlungen empfan- einmal, was Sie in Ihrer Freizeit tun, in je- in der Geisterwelt. 15 Verglichen mit der
gen. Das Sühnopfer hilft uns nicht nur da- ner Zeit, über die Sie frei verfügen kön- normalen Lebenserwartung, braucht es
bei, unsere Übertretungen und Fehler zu nen. Stellt sich dabei heraus, daß Sie sich nicht viel Zeit, alle heiligen Handlungen
überwinden, sondern es wird auch, mit dem befassen, was am wichtigsten zu empfangen, die für die Errettung not-
gemäß dem Zeitplan des Herrn, alle Un- und vorrangig ist? Oder lassen Sie sich, wendig sind. Was wir brauchen, sind Ei-
gerechtigkeiten im Leben ausgleichen - manchmal auch unbewußt, überreden, fer, Einblick und Gehorsam. Sie müssen

alles tun, was Sie können, um sich für


die heiligen Handlungen bereitzumachen
und so viele von ihnen zu empfangen wie
nur möglich. Falls es Ihnen aufgrund von
Umständen, auf die Sie keinen Einfluß
haben, unmöglich ist, alle heiligen Hand-
lungen zu empfangen, bleiben Sie den-
noch würdig, und gehen Sie dieser
Segnungen nicht durch Nachlässigkeit,
Gleichgültigkeit oder Unwürdigkeit ver-
lustig. Der Herr wird Ihnen alle verheiße-
nen Segnungen zukommen lassen - wann
und wo er es für richtig hält.
Ob wollen oder nicht: Falls der
Sie es
Erretter und seine Lehren in Ihrem Leben
nur eines von vielen ist, was Ihnen wich-
tig ist, befinden Sie sich offensichtlich auf
einem Weg, der zu Enttäuschung und
wahrscheinlich zu großer Trauer führt.
Zahlt es sich wirklich aus, nur einen Teil
des Weges zur ewigen Freude zu gehen,
weil man nur der Forderungen
einen Teil
darum, daß Sie sich
erfüllt hat? Ich bete
dazu bewegen lassen, jetzt die notwendi-
gen Kursänderungen vorzunehmen.

DER STERN
58
Wenn Sie in Übertretung verfallen sind,
kommen Sie bitte zurück. Wenn Sie sich Sie brauchen sich vor der Reise
von den Dingen dieser Welt so sehr haben
einnehmen lassen, daß Sie die Dinge
Gottes vergessen, ordnen Sie Ihre Prio-
nicht zu fürchten
ritäten neu.Wenn Sie nicht alle notwendi-
gen heiligen Handlungen empfangen ha- Eider M. Russell Ballard
ben, beschließen Sie heute, alles zu tun, vom Kollegium der Zwölf Apostel
was nötig ist, damit Sie sie empfangen.
Wie dankbar müssen wir doch für das
Sühnopfer sein, das unser Erlöser, Jesus
Christus, vollbracht hat! Es macht unser So schwer der Weg auch sein mag, . . . wir finden Trost in
Leben reich und schenkt uns Freude, der Erkenntnis, daß andere vor uns die schmerzlichsten
wenn wir nach dem Plan leben, den die Prüfungen und Schicksalsschläge des Lebens ertragen haben,
heiligen Schriften aufzeigen.
indem sie zum Himmel aufgeblickt haben.
„Doch fasteten und beteten sie oft und
wurden in ihrer Demut stärker und stär-
ker, wurden immer standhafter im Glau-
ben an Christus, so daß ihre Seele mit an unsere Vergangenheit denken und aus
Freude und Trost erfüllt wurde, ja, so daß dem beispielhaften Glauben und Mut
ihr Herz gereinigt und geheiligt wurde, derer, die sich den Herausforderungen
und diese Heiligung kommt zustande, von gestern gestellt und sie bewältigt
wenn man sein Herz Gott hingibt." 16 haben, Kraft schöpfen, um uns den Her-
Ich bezeuge: „Die Sündenvergebung ausforderungen von heute zu stellen und
[durch das Sühnopfer] bringt Sanftmut sie zu bewältigen. Wenn wir diese groß-
und Herzensdemut; und auf Sanftmut artigen Pioniere aus vielen Ländern eh-
und Herzensdemut hin kommt der Be- ren, werden wir historische Begebenhei-
such des Heiligen Geistes, und dieser Trö- ten erzählen, die uns oft zu Tränen rühren
ster erfüllt mit Hoffnung und vollkomme- und unser Herz mit reiner Dankbarkeit
ner Liebe." 17 Ich bezeuge, daß Gott, Ihr erfüllen. Durch Musik, Schauspiel und
himmlischer Vater, Sie liebt. Er hört und bewegende Darstellungen werden wir an
erhört Ihr Beten. 18 Der Erlöser liebt Sie, unglaubliche Pionierreisen, ob zeitlicher
und er wird Ihnen helfen, das Wesentli- oder geistiger Art, erinnert. Diese Reisen,
che zu tun, das Sie jetzt und für immer die diejenigen unternommen haben, die
glücklich machen wird. Ich weiß, daß sein die Grundlage dieser Evangeliumszeit
Sohn, Jesus Christus, lebt. Im Namen Jesu gelegt haben, können wir erst dann be-
Christi. Amen. D greifen, wenn wir ihr geistiges Funda-
ment kennen. Wenn wir diese Verbin-
FUSSNOTEN den letzten Monaten hat sich die dung jedoch hergestellt haben, fangen
1. LuB20:l InKirche auf die außergewöhnlichen wir an zu sehen, wie sehr ihre Reise un-
2. Hebräer 5:8,9. Ereignisse konzentriert, die mit der serer eigenen gleicht. Wir können aus je-

3. Johannes 11:25,26.
Errichtung der Kirche Jesu Christi der dem - über
ihrer Schritte etwas lernen
Heiligen der Letzten Tage hier im Salzsee- Liebe,Mut, Selbstverpflichtung, Engage-
4. LuB 14:7.
tal und an anderen Orten überall auf der ment, Ausdauer und, vor allem, über den
5. Siehe 2 Nephi 9:21-24.
Welt einhergehen. Es ist wunderbar, fest- Glauben.
6. Helaman 5:9. zustellen, daß Gemeinden und Pfähle die Der Glaube der Utah-Pioniere des Jah-
7. Alma 42:15. 150-Jahr-Feier, die sich über das ganze res 1847 beruhte auf Grundsätzen. Sie
8. Siehe John Taylor, The Mediation and the Jahr erstreckt, dazu nutzen, sowohl die verließen ihr Zuhause, ihren Tempel, in
Atonement, [1882], 179ff.; siehe auch Utah-Pioniere des Jahres 1847 als auch die manchen Fällen sogar ihre Familie, um ei-
Offenbarung 3:21; 21:7. bemerkenswerten Anstrengungen unse- nen Zufluchtsort zu finden, wo sie frei
9. Siehe 2 Nephi 9:8,9. rer Pioniere in allen Ländern zu würdi- von Angst und Verfolgung Gott verehren
10. 2 Nephi 9:6,7 (Hervorhebung gen, die in geistiger Hinsicht mit jedem konnten. An Vorrätenund materiellem
hinzugefügt). Schritt im Glauben einen neuen Weg Besitz konnten siekaum etwas mitneh-
11. 2 Nephi 2:8 (Hervorhebung hinzugefügt). gebahnt haben. men, aber jeder Wagen und jeder Hand-
Der Handkarren, der in Sibirien gebaut karren war schwer beladen mit Glauben -
12. 2 Nephi 25:23.
wurde und derzeit durch die Missionen dem Glauben an Gott, dem Glauben an
13. Omni 1:26.
Rußlands und der Ukraine gefahren die Wiederherstellung seiner Kirche
14. 3 Nephi 12:19,20.
wird, ist ein wunderbares Beispiel für die durch den Propheten Joseph Smith und
15. Siehe Melvin J.
Ballard - Crusaderfor weltweiten Bemühungen, unsere Pioniere dem Glauben daran, daß Gott wußte, wo-
Righteousness, [1966], 212f. zu ehren. Geplant ist, daß der Handkar- hin sie gingen, und daß er ihnen beiste-
16. Helaman 3:35 (Hervorhebung ren auf der letzten Etappe seiner Reise hen würde.
hinzugefügt). durch den Emigration Canyon gezogen Einer von denen, die 1847 den Mormon
17. Moroni 8:26. wird und am 22. Juli in dem Park Dies ist Trail entlang gingen, nannte ihn den „Weg
18. Siehe The Teachings of Spencer W. Kimball, der Ort ankommt. der Hoffnung". Mir gefällt diese Bezeich-
[1982], 252. In diesem Jahr geht es darum, daß wir nung gut: „Weg der Hoffnung". Darin

JULI 1! 97
59
seine Kinder sind, daß Jesus Christus sein
einziggezeugter Sohn und unser Erretter
ist. Wir müssen wissen, daß sie durch
den Propheten Joseph Smith ihre Kirche
in ihrer Fülle auf Erden wiederhergestellt
haben. Durch das wiederhergestellte
Evangelium Jesu Christi erfahren wir,
daß der Plan des Glücklichseins, den der
Vater für seine Kinder vorgesehen hat,
klar und ziemlich einfach ist, wenn man
sich mitwirklichem Glauben damit
befaßt und ihn annimmt.
Die Reise von Nauvoo ins Great Salt
Lake Valley im Jahr 1847 unterscheidet
sich kaum von der Reise eines jungen
Missionars, der Ende 1993 von Idaho
nach Sibirien reiste, um als einer der
ersten Heiligen der Letzten Tage in die-
sem Land zu wirken. Fast jeden Tag tref-
fen unsere Missionare in Ländern ein, de-
ren Sprache sie kaum kennen und deren
Kultur, Essens- und Lebensgewohnheiten
sich so sehr von dem unterscheiden, was
sie sind. Und doch ziehen sie als
gewohnt
neuzeitliche Pioniere kühn aus, ohne sich
vor der Reise zu fürchten, und bringen,
mit jedem Schritt im Glauben, den Men-
kommt die allgemein verbreitete Sehn- auch nicht entmutigt hat, sondern mir gut schen überall auf der Welt die gute Nach-
sucht jedes Menschen zum Ausdruck, getan hat. richt vom wiederhergestellten Evange-
eine sichere Zuflucht zu finden, eine Ge- Manchmal sind wir vor Hitze fast er- lium Jesu Christi.
meinschaft von Heiligen, die eines Her- stickt . manchmal vor Kälte fast erfro-
. . Unser Glaube kann uns helfen, im Lauf
zens sind, wo die Hoffnung obsiegt. ren. Wir mußten auf Brettern anstatt auf unserer jeweiligen Reise ebenso kühn und
Jene Pioniere des 19. Jahrhunderts, de- Federn schlafen. Unsere Kleider waren
. . . furchtlos zu sein, ob wir nun Eltern sind,
nen wir während der diesjährigen 150- manchmal völlig durchnäßt, ohne daß die sich um ein Kind bemühen, das in
Jahr-Feier unsere besondere Hochach- wir die Möglichkeit hatten, sie zu trock- Schwierigkeiten ist, ob wir uns als Allein-
tung bezeigen, machten sich nicht auf den nen oder zu wechseln. Wir mußten bei . . . erziehende bemühen, unsere Kinder zu
Weg, um Helden zu werden, und doch jedem Wetter im Freien schlafen und vie- würdigen Menschen zu erziehen, ob wir
vollbrachten sie Heldentaten. Das macht les andere mehr, was Ihr Euch gar nicht als junge Menschen darum ringen, in einer
sie zu Heiligen. Sie waren eine Gruppe vorstellen könnt. [Und doch] blieben
. . . schlechten und verwirrenden Welt unse-
von Gläubigen, die sich bemühten, aus wir gesund und frohgemut. . . ren Platz zu finden oder ob wir als Allein-
den richtigen Gründen das Richtige zu Wenn Ihr treu bleibt, braucht ihr euch vor stehende versuchen, den Weg durchs
tun, gewöhnliche Männer und Frauen, der Reise nicht zu fürchten. Der Herr küm- Leben allein zu gehen. So schwer der Weg
die berufen wurden, ein außergewöhnli- mert sich um seine Heiligen." 1
auch sein mag, so schwer unsere Last
ches Werk zu erfüllen. Manchmal ließen Einige Jahre später, auf dem Weg durch auch ist, wir finden Trost in der Erkennt-
sie sich entmutigen und begannen zu Iowa, verfaßte William Clayton den Text nis, daß andere vor uns die schmerzlich-
murren und zu klagen. Aber schließlich des Liedes „Kommt, Heiige, kommt!". Er sten Prüfungen und Schicksalsschläge
siegte ihr Glaube an Gott und an den und unzählige andere sollten während des Lebens ertragen haben, indem sie

Mann, den sie als ihren Propheten und des über 2000 Kilometer langen Weges zum Himmel aufgeblickt haben, um Frie-
Führer bestätigten, und wie ihre Wagen nach Utah noch viel eindringlicher ler- den, Trostund hoffnungsvolle Zuversicht
richteten sie auch ihren Blick und ihre nen, daß wir uns „vor der Reise nicht zu zu erlangen. Wir können wissen, wie sie
Einstellung wieder neu aus. Dabei fanden fürchten" brauchen, wenn der Glaube un- wußten, daß Gott unser ewiger Vater ist,
sie inmitten der Mühsal und Prüfungen ser ständiger Begleiter ist. daß er an uns allen und an jedem einzel-
entlang des Weges dennoch Freude. Können wir heute aus dem Erlebnis der nen interessiert ist und daß wir uns „vor
Fast sieben Jahre vor dem Zug der Pio- Pioniere etwas lernen? Ich denke schon. der Reise nicht zu fürchten" brauchen, so-
niere in die Berge von Utah schrieb Wil- Der Glaube, der die Pioniere des Jahres lange wir an ihn glauben und auf ihn ver-
liam Clayton den Heiligen in England 1847 und auch die Pioniere in anderen trauen. Wie die Pioniere des Jahres 1847,
und forderte sie eindringlich auf, sich in Ländern antrieb, war ein einfacher Westen ziem-
die sich auf ihrer Reise nach
Zion zu sammeln. Er wußte nicht, daß Glaube, der in den grundlegenden Leh- lich dichtan das Leben spendende frische
Zion bald aus Wagen und Handkarren ren des wiederhergestellten Evangeliums Wasser der Flüsse hielten, vor allem des
bestehen würde, die nach Westen zogen. verankert war, von dem sie wußten, daß Platte und des Sweetwater, müssen auch
Er schrieb „Auch wenn wir
: weit von-
. . . eswahr war. Nur darauf kam es ihnen an, wir dem lebendigen Wasser Christi folgen
einander entfernt sind, habe ich Euch und ich denke, daß es auch uns nur dar- und davon trinken, um auf unserer Reise
nicht vergessen. Doch zur Ehre Gottes auf ankommen Unser Glaube muß
darf. durchs irdische Leben unseren Glauben
möchte ich sagen, daß mir alles, was ich sich auf die grundlegenden Wahrheiten zu erneuern und in unseren Bemühungen
ertragen habe, nie geschadet und mich konzentrieren, daß Gott lebt und daß wir gestärkt zu werden.

DER STERN
60
Das Leben ist nicht immer leicht. An erfahren wir, daß dies bis zum Ende so als die Sonne hinter den fernen Hügeln
manchen Stellen unserer Reise ist uns bleiben wird. Unser Lohn wird jedoch unterging sahen wir . mehrere Plan-
. . . . .

vielleicht ebenso zumute wie den Pionie- derselbe sein, der die würdigen Pioniere wagen auf uns zukommen. Die Neuigkeit
ren, als sie Iowa durchquerten - bis zu nach den
aller Zeitalter erwartet, die treu verbreitete sich wie ein Lauffeuer im gan-
den Knien im Schlamm, gezwungen, Lehren des Herrn Jesus Christus gelebt, zen Lager. Freudenschreie zerrissen
. . .

manche unserer Träume entlang des rechtschaffene Entscheidungen getroffen die Luft; starke Männer weinten, bis ih-
Weges zu begraben. Auch wir stehen vor und alles gegeben haben, um das Reich nen die Tränen über die zerfurchten, von
großen Bergen, während uns der Wind Gottes auf Erden aufzubauen. der Sonne verbrannten Wangen strömten.
ins Gesicht bläst und der Winter vor der Wir sind Erben eines ungeheuren Ver- . An diesem Abend erklangen im Lager
. .

Tür steht. Manchmal scheint der Staub, mächtnisses. Jetzt haben wir die Möglich- zum erstenmal seit langer Zeit wieder die
der uns in den Augen brennt und unseren keit und die Aufgabe, zu dem kontinuier- Lieder Zions. Nachdem der schlimm- . . .

Blick trübt, kein Ende zu nehmen. Ver- lichen Geschehen der Wiederherstellung ste Hunger gestillt war, vereinigten wir
zweiflung und Entmutigung versperren unseren Teil beizutragen. Auch in unserer uns, mit von Dankbarkeit gegenüber Gott
uns den Weg wie scharfe Felsen, die sich Zeit müssen noch viele große und helden- und unseren guten Brüdern erfülltem
aus dem Gelände erheben, um unseren hafte Taten vollbracht werden. Wir brau- Herzen, im Gebet und gingen dann schla-
Gang zu verlangsamen. Und da ist auch chen unsere ganze Kraft, Weisheit und fen." 2
immer das Devil's Gate („Teufelstor"), das Energie, um die Hindernisse zu über- In jenem Augenblick, als ich auf dem-
sich weit öffnet, um uns hereinzulocken. winden, die sich uns in den Weg stellen. selben Hügel stand, von dem aus die Wil-
Wer weise und glaubenstreu ist, lenkt Aber selbst das ist nicht genug. Wie die lie-Handkarrenabteilung ihre Retter kom-
seine Schritte so weit wie möglich von Pioniere, die uns vorausgegangen sind, men sah, sann ich über die Freude nach,
solchen Versuchungen weg, während an- werden wir lernen, daß wir nur durch die unser Herz erfüllen wird, wenn wir
dere - manchmal diejenigen, die uns am Glauben - wirklichen Glauben, der aus die ewige Bedeutung der größten Rettung
nächsten sind und die wir am meisten lie- tiefster Seele kommt und geprüft und völlig verstehen werden, nämlich die Ret-
ben - der Anziehungskraft von Bequem- erprobt wurde - auf unserem gefahrvol- tung der Kinder Gottes durch den Herrn
lichkeit und Ruhe erliegen. Gelegentlich len Lebensweg Sicherheit und Zuversicht Jesus Christus. Denn durch ihn ist uns
erreichen wir in unserem Leben einen finden. ewiges Leben verheißen. Unser Glaube an
Gipfel, um, wie die Pioniere, feststellen Wir - die Pioniere des 19. und des 20. den Herrn Jesus Christus ist die Quelle

zu müssen, daß noch viel mehr Berggipfel Jahrhunderts und andere - sind auf unse- geistiger Kraft, dieIhnen und mir die Zu-
vor uns liegen, die noch höher und rer bedeutsamen Reise, nämlich dem versicht schenkt, daß wir uns vor der
schwieriger sind als der, den wir gerade Herrn Jesus Christus nachzufolgen und Reise nicht zu fürchten brauchen. Ich
erklommen haben. Während wir unsicht- das Wunder seines Sühnopfers in unse- weiß, daß der Herr Jesus Christus lebt.
bare Quellen des Glaubens und der Aus- rem Leben wirksam werden zu lassen, Wenn wir unerschütterlichen Glauben an
dauer erschließen, streben wir Schritt für alle miteinander verbunden. Wenn wir ihn haben, führt er uns sicher auf unserer
Schritt vorwärts,wie es unsere Vorfahren auch zu schätzen wissen, wie Joseph Reise durch das Leben, das bezeuge ich
getan haben, bis zu jenem Tag, an dem Smith und seine Nachfolger von Palmyra im Namen Jesu Christi. Amen. D
sich unsere Stimme mit der Stimme aller ins Gefängnis zu Carthage und später
Pioniere vereinigt, die im Glauben ausge- über die Prärie jeden Schritt im Glauben FUSSNOTEN
harrt haben, und wir gemeinsam singen: gegangen sind, so müssen wir doch im- 1. Brief aus Commerce, 10. Dezember 1840,
„Alles wohl, alles wohl!" mer von Ehrfurcht erfüllt sein, wenn
wir William Gay ton Collection, LDS Church
Wie wird uns zumute sein, wenn wir über den Weg nachsinnen, den nur der Archives.

einmal Schulter an Schulter mit den gro- Meister gegangen ist. Seine glaubensvol- 2. Zitiert in LeRoy R. Hafen und Ann W. Hafen,
ßen Pionieren der Geschichte der Kirche len Schritte nach Getsemani und zum Handcarts to Zion: The Story ofa Unique

stehen? Was werden sie für uns emp- Kalvarienberg haben uns alle errettet und Western Migration, 1856-1860, [1976], 106f.

finden? Werden jedem unserer


sie in uns den Weg zur Rückkehr in unsere
Schritte unseren Glauben sehen? Ich himmlische Heimat gebahnt.
denke schon, vor allem deshalb, weil sie Denken wir daran, daß der Erretter der
unser Leben und unsere Erfahrungen aus Weg, die Wahrheit und das Leben ist und
einer erweiterten Perspektive, im Licht daß es keine größere Verheißung geben
der Ewigkeit betrachten. Auch wenn un- kann, als zu wissen, daß wir einmal mit
sere Reise heute körperlich weniger an- den Armen seiner Liebe umfangen wer-
strengend ist als der Zug der Pioniere vor den (LuB 6:20), wenn wir treu sind. Er ist
150 Jahren, ist sie doch nicht leichter. Ge- immer da, um uns zu ermutigen, zu ver-
wiß war es schwer, einen Kontinent zu geben und zu retten. Deshalb brauchen
durchqueren und in der trockenen Wüste wir uns, wenn wir Glauben üben und eif-
des Westens eine neue Heimat zu errich- rig die Gebote halten, vor der Reise nicht
ten. Aber wer kann sagen, daß es schwie- zu fürchten.
riger war, als in der heutigenverwirrend Drei meiner Enkel standen letzten Som-
sündigen Welt ein glaubenstreues, recht- mer mit mir auf dem Kamm des Hügels,
schaffenes Leben zu führen, während sich der Eminence genannt wird. Während wir
der Weg ständig verändert und politi- auf den Sweetwater hinabblickten, wo die
scher Eigennutz und schwindende Moral Willie-Handkarrenabteilung, halb erfro-
die göttlichen Wegmarkierungen von ren und verhungert, nicht mehr weiterge-
Recht und Unrecht verdrängen. Der Weg, kommen war, lasen wir aus ihren Tage-
auf dem wir heute gehen, ist heim- büchern von ihrer Freude über ihre
tückisch, und aus den heiligen Schriften Rettung. John Chislett schrieb: „Gerade

JULI 1997
61
hinab und überquerten ihn. Dann zogen
Jeder Schritt im Glauben: sie langsam durch Iowa und warfen wohl
hin und wieder einen Blick zurück auf
Die heroische Reise ihre Stadt, die sie verließen
niemals wieder sehen sollten.
und die sie

Es erforderte erstaunlichen Glauben,


der Pioniere Nauvoo zu verlassen. Diesen Pionieren
standen große Schwierigkeiten bevor,
aber sie glaubten an ihre Führer und
glaubten an den Herrn und an seine Güte
- sie glaubten daran, daß er sein Volk wie-
der einmal ins verheißene Land führen
In einem Videofilm wird gezeigt, wie die Erste Präsidentschaft werde, sie glaubten daran, daß sie nicht
sechs historische Stätten besucht und dem Glauben der Pioniere schwanken und fallen würden. Und so
zogen sie in die Wildnis hinaus und gin-
der Heiligen der Letzten Tage ihren Tribut zollt.
gen jeden Schritt im Glauben.

Erzähler: Präsident Thomas S. Monson,


Erster Ratgeber
in der Ersten Präsidentschaft

Der Treck nach Westen kam nur lang-


sam voran. Viele waren auf die Strapazen
nur ungenügend vorbereitet. Die große
Kälte, der unaufhörliche Regen und der
Schlamm, der ihnen bis zu den Knien
ging, waren auch für den tapfersten Pio-
nier eine schwere Prüfung. Sie mühten
sich allein 131 Tage damit ab, Iowa zu
durchqueren.
Wie das Lager Israel in alter Zeit hatten
sie ihre Wolke und die Feuersäule
bei Tag
bei Nacht.Während der Plackerei in Iowa
entstand das Lied, das nun schon seit Ge-
nerationen erklingt: „Kommt, Heiige,
kommt! Nicht Müh und Plagen scheut,
wandert froh euern Pfad!" (Gesangbuch,
Nr. 19.)
Garden Grove und Mount
Sie hielten in
Pisgah an,um für diejenigen, die nach ih-
nen kamen, Wegstationen zu errichten,
Präsident Gordon B.Hinckley in Nauvoo.
und dann zogen diese treuen Pioniere
weiter zum Ufer des Missouri, wo sie den
Erzähler: Präsident Gordon B.Hinckley Stadt innerhalb von vier Stunden zu ver- Winter verbringen wollten.
wenn er sie dazu aufrief.
lassen, Hier in Winter Quarters war ihr Zion in
Die heroische Reise der Heiligen der Dann begann der Exodus in der eisigen der Wildnis. Präsident Brigham Young
Letzten Tage begann am Ufer des Missis- Kälte jenes bitteren Winters. Viele der organisierte sie und teilte die wenigen
sippi. Hier in Nauvoo hatten sie den Heiligen sammelten ihre Habseligkeiten Vorräte ein. Aber trotz allem, was sie ta-
Sumpf in ein blühendes Gemeinwesen ein und schlössen zum letzten Mal ihre ten, herrschten in den Lagern Krankheit
und Handelszentrum verwandelt. Aber Haustür ab und begaben sich auf den und Tod.
Nauvoo sollte nicht endgültig ihr Zu- Weg nach Westen - jenseits des Flusses. Diese Gedenkstätte wurde direkt über
hause bleiben, sondern ihnen nur eine Nauvoo ist heute ein friedlicher Ort. Die den Gräbern eines unbekannten Kindes
Zeitlang Zuflucht bieten. Die schlimme Häuser und Werkstätten sind liebevoll und sieben weiterer Pioniere errichtet. Ich
Verfolgung, die die Heiligen aus Missouri wieder aufgebaut worden. Es ist ein Ort, bin zutiefst gerührt, wenn ich daran
vertrieben hatte, bedrohte ihr Leben und der von Fleiß und Selbstverpflichtung denke, welch hohen Preis diese guten
ihre Stadt erneut. Am27. Juni 1844 star- spricht. Ich kann sehen, mit welchem Mut Heiligen zahlten, als sie dem Ruf ihres
ben der Prophet Joseph Smith und und mit welchem Geschick sie Gott eine Propheten folgten und ihre Häuser ver-
Hyrum im Gefängnis zu Carthage den Stadt errichtet haben. ließen, um nach Westen zu ziehen.
Märtyrertod. Die Zeit in Nauvoo war so Wie den Heiligen wohl zumute war, als So viele rangen mit ihrem Schicksal und
gut wie abgelaufen. sie so vielzurücklassen mußten - die Fel- verloren so viel. Diese guten Pioniere gin-
Am Sonntag, dem 1. Februar 1846, wa- Bäume, die
der, die sie bestellt hatten, die gen wahrlich einen Weg der Schmerzen
ren die Heiligen in der „Stadt Josephs" sie gepflanzt hatten, den Tempel, den sie und der Tränen. Ihre Reise war vorüber,
zum Gottesdienst versammelt. Am
näch- erbaut hatten. Die Männer, Frauen und aber ihre Namen leben weiter - als Ver-
sten Tag wies Brigham Young die Fami- Kinder verließen ihre schönen Häuser, mächtnis ihrer Liebe zur Wahrheit und
lien an, sich dafür bereitzumachen, die stiegen in ihre Wagen, fuhren zum Fluß ihres Glaubens an den Herrn.

DER STERN
62
Erzähler: Präsident James E. Faust,

Zweiter Ratgeber
in der Ersten Präsidentschaft

Als mit jenem April 1847 der Frühling


kam, wählte das Kollegium der Zwölf auf
Weisung von Brigham Young eine Vorhut
aus und verließ Winter Quarters mit 143
Männern, 3 Frauen und 2 Jungen, 72 Wa-
gen, 93 Pferden, 66 Ochsen, 52 Maultie-
ren, 19 Kühen, 17 Hunden und einigen
Hühnern.
Zwischen ihrer bisherigen Zuflucht und
dem verheißenen Zion lagen die weite
Prärie und das fruchtbare Tal des Platte
River, der ihreLebensader war, während
sie weiter nach Westen vordrangen. Sie
zogen durch Nebraska und zählten die
vielen Meilen und kamen am Chimney
Rock vorbei, der sich einsam in der Prärie
erhebt.
In diesem Land, in dem der Beifuß
wächst und die Luft von Staub erfüllt ist,
Präsident Thomas S. Monson vor der Statue Ein tragisches Schicksal in Winter Quarters,
schleppten sich die müden Ochsen dahin,
von Avard Fairbanks, in Winter Quarters, Nebraska.
knarrten die Wagenräder und mühten
sich die tapferen Männer und Frauen ab.
Manchmal heulten auch Wölfe. Selbst Hier am Rocky Ridge ist heiliger Boden. Lake aus sandte man ihnen Hilfstrupps
heute noch finden sich hier Spuren der Diese Stelle ist einer der höchstgelegenen entgegen, die aber zu spät kamen, um die
Pioniere. Dann verließen sie den North Punkte auf dem Weg nach Westen. Die 200 Menschen, die im tiefen Schnee um-
Platte River und hielten sich an den Pioniere, die über diesen Bergkamm ka- gekommen waren, noch zu retten.
Sweetwater River, den sie viele Male men, waren oft entmutigt, und viele star- Die Höhle Martin 's Cove bot in dieser
durchwaten mußten. Sie lagerten an dem ben auf dem steilen Pfad. Ich habe hier ei- schweren Zeit vielen Unterschlupf. Die
runden Gebilde namens Independence nen Nagel und ein Stück Metall in der Gedenkstätte am Rock Creek ehrt heute
Rock, wo einige dieser Reisenden des Hand, die sich wohl aus einem Wagen diejenigen, die hier begraben sind, um ih-
neunzehnten Jahrhunderts ihren Namen oder Handkarren gelöst haben. Stellen Sie res großen Glaubens in schwerer Not wil-
in den Granit einritzten. sich vor, Sie müßten mit einem Planwa- len.
Als sie am Independence Rock vorbei gen hier entlang. Stellen Sie sich das glei- Aus den heroischen Anstrengungen der
waren, fuhren sie mit den Wagen am De- che mit einem Handkarren vor. Handkarrenpioniere lernen wir eine erha-
vi's Gate, einem tiefen Einschnitt in den Für manche war der mühselige Auf- bene Wahrheit. Alle müssen durch das
Berg, entlang, der in ihren Tagebüchern stieg am Rocky Ridge tödlich. Die Hand- Feuer des Schmelzers hindurch, und das
häufig erwähnt wird. Der Weg führte sie karrenabteilungen Martin und Willie blie- Unbedeutende und Unwichtige in unse-
immer steiler aufwärts und wurde immer ben 1856 in den frühen Schneestürmen rem Leben kann wie Schlacke ausge-
steiniger. nahe dieser Anhöhe stecken. Von Salt schieden werden, so daß unser Glaube
strahlend, unversehrt und stark zum
Vorschein kommt. Jeder hat wohl sein
volles Maß an Sorge, Kummer und oft
auch Herzeleid zu tragen, auch diejeni-
gen, die aufrichtig darum bemüht sind,
das Rechte zu tun und dem Glauben treu
zu sein. Aber das gehört zu dem Läute-
rungsprozeß, durch den wir Gott kennen-
lernen.

Erzähler: Präsident Monson

Mit den Gipfeln des Wind River im


Norden führte der Weg der Pioniere über
den South Pass - den einzigen größeren
Durchbruch zwischen den Bergketten
und dem direktesten Weg ins Große
Becken. Als sie nun ins nordöstliche
Utah kamen, arbeiteten sie sich langsam
durch den Echo Canyon voran, eine
Der alte Weg der Mormonenpioniere ist teilweise noch heute erkennbar. Hier haben sich ihre Spuren enge Schlucht mit roten, überhängenden
in den Fels gegraben. Felsen.

JULI 19 97

63
gen des 26. Juli 1847 stiegen die Männer,
die später die Erste Präsidentschaft bilde-
ten, und mehrere von den Zwölf diesen
Berg hinauf.
Die kleine Gruppe von Priestertums-
führern blickte auf das Tal, das unter ih-
nen lag. „Hier werden wir uns niederlas-
sen", sagte Präsident Young. „Und hier
wird der Herr unter seinem Volk seinen
Namen aufrichten."
Wenn ich jetzt auf dem Ensign Peak
stehe und auf das Tal unter mir blicke,
staune ich über den Weitblick jener klei-
nen Gruppe. Diese Propheten, die in alte,
von der Reise abgewetzte Kleidung
gehüllt waren, standen hier in Stiefeln,
die sie schon über tausend Meilen weit
getragen hatten, und sprachen von einer
Millermiumsvision. Sie war kühn und
verwegen. Sie war fast unglaublich.
Hier waren sie - nach Osten waren es
fast tausend Meilen bis zur nächsten Sied-
lung, und bis zur Pazifikküste waren es fast
achthundert Meilen. Sie waren in einem
ungewohnten Klima. Sie hatten hier noch
nie etwas angebaut. Sie hatten noch nicht
Präsident James E. Faust am Rocky Ridge in Wyoming.
einmal irgendwelche Bauwerke errichtet.
Sie waren Flüchtlinge, die aus ihrer
Auf diesem letzten Wegabschnitt muß- Erzähler: Präsident Faust schönen Stadt am Mississippi in diese
ten sie noch einmal alle Kräfte aufbieten, Wüstenlandschaft im Westen vertrieben
die ihnen geblieben waren. Vor ihnen la- Präsident Young kam an einem Sams- worden waren. Aber sie waren von einer
gen Berge über Berge. In jeder Richtung tag, nämlich am 24. Juli 1847, im Tal an. Vision erfüllt, die sie aus den heiligen
sahen sich nichts als noch höhere Berge. Diese Pioniere hatten einen so weiten Schriften und den offenbarten Worten
Auch wenn ihr Herz von Begeistertung Weg hinter sich und hatten so viel gege- hatten: „Er stellt für die Völker ein Zei-
erfüllt war, weil sie ihrem Ziel so nah wa- ben, und am Sonntag ruhten sie aus und chen auf, um die Versprengten Israels
ren, sank ihnen doch oft der Mut, weil sie dankten für ihre sichere Ankunft. wieder zu sammeln, um die Zerstreuten
wußten, daß es keine andere Möglichkeit Sie kamen - „[einer] aus jeder Stadt und Judas zusammenzuführen von den vier
gab, als einen Gipfel nach dem anderen zwei aus jeder Sippe" (Jeremia 3:14) - Enden der Erde." (Jesaja 11:12.)
zu bewältigen. quer über den Kontinent in ihr neues Le- Diese große Pioniersbewegung, die vor
Auf dieser Anhöhe, die die Pioniere Big ben in der Wüste. Was außer einer göttli- über hundert Jahren stattfand, setzt sich
Mountain nannten, sahen sie zum ersten chen Wiederherstellung hätte ein solches heute mit den Pionieren der Letzten Tage
Mal ihre neue Heimat: ein glitzerndes Tal Unterfangen in Gang setzen und solche fort. Auch in unseren Adern fließt Pio-

inmitten der Berge am Horizont. Welche Opfer fordern können? Sie waren im wie in den Adern derer, die
nierblut, so
Freude sie erfüllt haben muß! Die zahllo- Glauben gegangen und in dem Bewußt- damals nach Westen gezogen sind. Das ist
sen Opfer und Schwierigkeiten der Reise sein, daß Gott lebt und daß er wußte, wo- der Wesenskern unseres Glaubens, mit
waren fast vorüber. Das Salt Lake Valley hin ihre Schritte sie führen sollten. dem wir uns den Bergen von heute und
war in Sicht. Es lagen zwar noch große Jetzt waren sie in ihrer Heimat in den unserer Verpflichtung stellen, weiterzu-
Mühen vor ihnen, aber sie hatten ausge- Bergen angekommen und faßten neuen machen. Der Glaube jener frühen Pioniere
harrt. Mit zerschundenen Füßen und völ- Mut für die Aufgaben, die noch vor ihnen ist in uns lebendig, und die Pioniere der

lig erschöpft hatten sie doch den Glauben lagen. Es galt Häuser zu errichten, das Land Letzten Tage, die eine deutliche Vision
bewahrt. zu bestellen und den Tempel zu bauen. vom Werk des Herrn haben, sind den
Der Big Mountain hat in meinem Her- Ländern ein Segen.
zen einen besonderen Platz. Einer meiner Erzähler: Präsident Gordon B.Hinckley Die Schritte, die im Herzen Amerikas so
Pioniervorfahren, Gibson Condie, kam tiefe Eindrücke hinterlassen haben, haben
über diesen Gipfel, als er unterwegs war, Über dem Salt Lake Valley erhebt sich in den Ländern in der ganzen Welt ähnli-
um den Handkarrenpionieren, die ein kuppeiförmiger Gipfel. Brigham che Eindrücke hinterlassen - von Belgien
steckengeblieben waren, zu helfen. Auf Young sah ihn in einer Vision, ehe die bis Brasilien und von Frankreich bis zu
den Aufruf des Propheten hin reiste er im Heiligen Nauvoo verließen. Er sah, wie den Philippinen. Einen gläubigen Schritt
bitterkalten Winter 1856 hierher. Der sich ein Banner auf den Berg herabsenkte, nach dem anderen gehen wir gemeinsam
Schnee war auf dem Weg über fünf Meter und hörte die Stimme von Joseph Smith auf eine herrliche Bestimmung zu und
tief. Ich bin so dankbar für diesen Pionier sagen: „Baut unter dem Punkt, und es
. . . bauen das Reich Gottes auf der Erde auf.
unter meinen Vorfahren, der sein Haus wird euch Wohlergehen, und ihr werdet Wir bereiten die Menschen in der ganzen
und seine Familie verließ und sich selbst Frieden haben." Welt in Sinn und Herz darauf vor, zu
in Gefahr brachte, um denen, die sich in Als Brigham Young in dem Tal ankam, Christus, dem Erlöser und Erretter der
großer Not befanden, zu helfen. erkannte er den Gipfel sofort. Am
Mor- Welt, zu kommen.

DER STERN
64
Dem Glauben treu und Kaliforniens bei.
Batallions
Angehörige des
waren dabei, als im Bachbett
bei Sutters Mühle Gold schimmerte. . .

Die Mormonenkolonisten unter Brigham


Präsident Gordon B. Hinckley Young machten sich nach kürzester Rast
erneut auf den Weg. Sie zogen aus dem
Salt Lake Valley, dem Utahtal und dem
Webertal und gründeten Siedlungen im
Angesichts eines so großen Vermächtnisses müssen wir einfach ganzen Bereich zwischen Nordarizona
unser Bestes geben. Diejenigen, die uns vorangegangen sind, und dem Limhi River in Idaho, zwischen
Fort Bridger in Wyoming und Genoa im
erwarten das von uns. Wir haben einen Auftrag vom Herrn.
Carsontal, . und im Südwesten über
. .

St. George und Las Vegas bis hinunter


nach San Bernardino." 1
wunder, daß so viele Hundertausende Das ist eine komprimierte Darstellung
von uns, ja, sogar Millionen sich im Juli ihrer erstaunlichen Leistungen.
die Zeit nehmen werden, der Pioniere zu Unsere Leute, die vor dem Ausrot-
gedenken, ihre großen Leistungen zu fei- tungsbefehl von Gouverneur Boggs aus
ern und sich an dem Wunderbaren zu Missouri geflohen waren, kamen nach
freuen, das aus der Grundlage, die sie ge- Illinois und bauten in nur sieben Jahren
legt haben, entstanden ist. die damals größte Stadt des Bundesstaats.
Ich möchte dazu Wallace Stegner zitie- Sie lag am Ufer des Mississippi, und zwar
ren; er gehört nicht der Kirche an, aber da, wo der Fluß eine große Schleife be-
wir haben gleichzeitig an der University schreibt. Hier bauten sie Backsteinhäuser
of Utah studiert. Später war Stegner in und eine Schule, gründeten sie eine Uni-
Stanford Professor für die Kunst des versität, errichteten sie ein Parlamentsge-
Schreibens und Pulitzer-Preisträger. Er bäude und bauten sie einen Tempel, von
war ein guter Beobachter und ein sorg- dem man sagt, er sei damals das schön-
fältiger Student. Über unsere Vorfahren ste Bauwerk im ganzen Staat gewesen.
hat er folgendes geschrieben: Doch wieder entflammte der Haß gegen
„Sie schufen ein Gemeinwesen, oder, sie. Dieser Haß erreichte seinen Höhe-

wie genannt hätten, ein Reich. Aber


sie es punkt im Tod ihres Oberhaupts, nämlich
die Geschichte ihrer Wanderung ist mehr Joseph Smiths, und seines Bruders Hyrum,
als nur die Geschichte der Gründung die am 27. Juni 1844 im Gefängnis von
r
or dem Hintergrund dieser Bilder Utahs. Auf ihrem Exodus erschlossen sie Carthage erschossen wurden.

V möchte ich nun noch etwas auf das


eingehen, was wir heute, am Ge-
burtstag der Kirche, bereits gehört und
das südliche Iowa vom Locust Creek bis
zum Missouri, bahnten sie die ersten
Straßen, bauten sie die ersten Brücken,
Brigham Young wußte, daß sie dort
nicht bleiben konnten. Sie beschlossen,
nach Westen bis zu einem weit entfernten
gesehen haben. Wir sind in diesem Jahr gründeten sie die ersten Siedlungen. Am Ort zu ziehen, wo, wie Joseph Smith ge-
schon wiederholt daran erinnert worden, Missouri, bei Council Bluffs, verwandel- sagt hatte, „uns nicht einmal der Teufel
daß wir in diesem Jahr einen wichtigen ten sie eine Handelsniederlassung und ausheben kann." 2 Am4. Februar 1846

Jahrestag begehen, und ich möchte dar- ein Indianerbüro in einen Vorposten der fuhren Wagen die Parley's Street hinunter
auf eingehen, wie gewaltig das war, was Zivilisation; sie gründeten Siedlungen an zum Fluß. Dort wurden sie übergesetzt
unsere Vorfahren geleistet haben, und beiden Ufern des Flusses; sie machten und fingen an, Iowa zu durchqueren. Wer
was das für uns bedeutet. Die meisten Winter Quarters und später Kanesville Nauvoo Lebewohl gesagt hatte, war den
von Ihnen kennen die Geschichte schon, für Reisende zu Rüststationen, die es mit Naturgewalten und der Gnade Gottes
aber sie ist es wert, noch einmal erzählt zu Independence, Westport und St. Joseph ausgeliefert.
werden. aufnehmen konnten. Ihre Aufzeichnun- Als der Boden auftaute, verwandelte er
Es ist eine so unermeßliche Geschichte, gen und Wegzeichen, ihre Brücken und sich in Schlamm - tiefen, trügerischen
die so erfüllt ist von menschlichem Leid Fähren waren zwar für die Mitglieder ge- Schlamm. Die Wagen sanken bis zur
und gläubigem Handeln, daß sie niemals dacht, die ihnen später folgten, aber sie Achse ein, und es brauchte zwei, drei Ge-
überholt oder abgedroschen sein wird. dienten auch den Andern." spanne, um sie zu bewegen. Die Men-
Ob Sie nun Nachkommen jener Pioniere Er fährt fort: „Die Mormonen spielten schen schlugen eine Straße, wo es zuvor
sind oder ob Sie erst gestern getauft wur- bei der Besiedlung des Westens eine ent- keine gegeben hatte.
den - jeder einzelne ist Nutznießer des scheidende Rolle. Der Kern der Mitglieder Schließlich erreichten sie den Großen
großen Unterfangens der Pioniere. erschloß das südliche Iowa, das Grenz- Lagerplatz am Missouri und bauten Hun-
Es ist wunderbar, zu wissen, daß uns so land am Missouri, Nebraska, Wyoming derte von Unterkünften, von denen einige
große und gute Menschen vorangegan- und Utah. Die Gruppe um Samuel Bran- sehr primitiv, andere aber etwas komfor-
gen sind Es ist wunderbar, das erhabene
! nan, die auf der Brooklyn um Kap Hörn tabler waren. Alles war recht, wenn man
Vermächtnis zu erhalten, das von der lei- und das Mormonenbataillon, das
segelte, nur dem tückischen Wetter entging.
tenden Hand des Herrn spricht, vom offe- zweitausend Meilen über Land von Fort Den ganzen Winter 1846 hindurch
nen Ohr seiner Propheten, vom völligen Leavenworth nach San Diego marschierte, fauchten in jenen Siedlungen an der
Engagement der großen Gemeinde von sind weitere Speerspitzen der Wande- Grenze zum Wilden Westen die Feuer
Heiligen, die diese Sache mehr liebten als rungsbewegung der Mormonen; beide der Schmiede und klangen die Ambosse
ihr eigenes Leben! Da nimmt es nicht trugen zur Erschließung des Südwestens - Wagen wurden gebaut. Mein Groß-

JULI 1997
65
ten sich um jede wur-
Kleinigkeit. Schiffe
den gechartert, die die Einwanderer nach
New Orleans, New York oder Boston
brachten. Das schließliche Ziel war stets
das Tal des Großen Salzsees, von wo aus
sich dann viele wieder in alle Richtungen
auf den Weg begaben, um neue Städte
und Siedlungen zu gründen - über 350 im
Gebiet der Rocky Mountains.
Hunderte starben auf dem weiten Weg.
Sie erlagen der Cholera, dem Skorbut, der
schieren Erschöpfung, dem Hunger oder
der beißenden Kälte.
Die bekanntesten unter denen, die einen
schrecklichen Preis zu zahlen hatten, sind
die Handkarrengruppen Willie und Mar-
tin von 1856.
Es gab nicht genug Wagen für die zahl-
reichen Mitglieder aus England und
Westeuropa. Wollten alle nach Zion kom-
men, so mußten manche zu Fuß gehen
und dabei einen kleinen Karren ziehen.
Hunderte taten das auch, und sie kamen
schneller voran als die Ochsengespanne.
Mit diesen beiden Gruppen von 1856 je-
doch zog der Tod. Sie waren spät aufge-
Präsident Gordon
B. Hinckley (Mitte) begrüßt die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf, als er zu einer
brochen, und niemand wußte, daß sie un-
Konferenzversammlung kommt.
terwegs waren. Ihre Karren waren noch
nicht fertig. Ein paar von ihnen, die sich
vater,damals gerade dem Teenager- Alter zubauen. Sam Brannan hatte Brigham Wagen leisten konnten, erhielten den
entwachsen, wurde ein Spezialist für Young beschworen, doch nach Kalifor- Auftrag, zur Unterstützung die Handkar-
Schmieden und Wagenbau. In dieser Zeit nien zu ziehen. Nun blickten sie über das ren zu begleiten. Singend brachen sie
war kein Beruf so nützlich wie die Fähig- dürre Tal und sahen im Westen Salzpfüt- nach Westen auf. Sie hatten keine Ah-
keit, mit Eisen umgehen zu können. Spä- zen in der Sommersonne schimmern. nung, was ihnen bevorstand.
ter baute er sich auch selbst einen Wagen Nie hatte ein Pflug die von der Sonne Am Platte River zogen sie entlang, im-
und machte sich mit seiner jungen Frau, gebackene Erde aufgebrochen. Da stand mer nach Westen. Bei Fort Laramie fingen
dem Baby und seinem Schwager nach nun Brigham Young, 46 Jahre alt, und die Schwierigkeiten an. Es schneite. Die
Westen auf. Irgendwo auf der langen sagte seinen Leuten, dies sei der richtige Verpflegung wurde rationiert. Die Aus-
Reisewurde seine Frau krank und starb, Ort. Noch nie hatten sie hier gesät, und wanderer wußten, daß ihre Lage verzwei-
und am selben Tag starb auch sein Schwa- schon gar nicht geerntet. Sie wußten felt war; langsam mühten sie sich über
ger.Er begrub sie beide, sagte ihnen unter nichts überden Verlauf der Jahreszeiten. die Ebenen von Wyoming. Auf dem
Tränen Lebewohl, nahm das Baby in den Tausende folgten ihrer Spur, und bald schrecklichen Marsch starben an die
Arm und ging weiter, bis ins Tal des würden es Zehntausende sein. Sie akzep- zweihundert Menschen.
Großen Salzsees. tierten Brigham Youngs prophetische Unzählig sind die Geschichten derer,
Im Frühjahr 1847 verließen die ersten Aussage. die dabei waren, die fast bis auf den Tod
Wagen Winter Quarters und fuhren nach Schon bald standen Häuser in der leiden mußten und ihr Leben lang die
Westen weiter. Sie hielten sich meist an Wüste. Bäume wurden gepflanzt, und - o Narben jenes grausamen Erlebnisses tru-
das Nordufer des Platte River. Wer nach Wunder - sie wuchsen. Ein neuer, herrli- gen. Es gibt auf dem Zug unseres Volkes
Kalifornien oder Oregon wollte, blieb am cher Tempel wurde in Angriff genom- in den Westen keine Tragödie, die dieser
Südufer. Der Weg der Mormonen bildete men, eine Aufgabe, die 40 Jahre in An- gleichkäme.
später die Trasse für die Union-Pacific-Ei- spruch nehmen sollte. Von 1847 bis zum Auch wenn ihre Geschichte schon oft
senbahn und die transkontinentale Auto- Bau der Eisenbahn im Jahre 1869 waren erzählt worden ist, kann sich doch keiner
bahn. Zehntausende in ihr Zion in den Bergen vorstellen, kann keiner einschätzen oder
Wie wir alle wissen, kamen sie nach 111 gekommen. Nauvoo war verlassen. Den verstehen, wie verzweifelt die Lage dieser
Tagen, am 24. Juli 1847, aus dem Canyon dortigen Tempel hatte ein Brandstifter Menschen war. Ich möchte hier die Mit-
heraus ins Salt Lake Valley. Brigham in Flammen gesetzt, und später ließ der glieder des Pfahles Riverton in Wyoming
Young verkündete: „Dies ist der richtige Sturm die Mauern einstürzen. lobend erwähnen, die viel getan haben,
Ort." 3 1837 hatte das Missionswerk in England um die Beteiligten zu identifizieren, die
Diese Feststellung erfüllt mich mit Ehr- begonnen. Von dort aus gelangte es nach Tempelarbeit für sie zu verrichten und
furcht. Sie hätten nach Kalifornien oder Skandinavien und Schritt für Schritt nach jene, die diesen Weg des Todes und des
nach Oregon ziehen können, wo der Bo- Deutschland und in weitere Länder. Alle furchtbaren Leids zu gehen hatten, nicht
den als fruchtbar bekannt, das Wasser neuen Mitglieder wollten sich in Zion in Vergessenheit geraten zu lassen. Ich
reichlich und das Klima zuträglicher war. sammeln. könnte eine Geschichte nach der anderen
Jim Bridger hatte vor dem Versuch ge- Die Sammlung war nicht vom Zufall be- erzählen, aber die Zeit reicht dafür nicht.
warnt, im Salt Lake Valley Getreide an- stimmt. Beauftragte der Kirche kümmer- Nur eine möchte ich kurz erwähnen.

DER STERN
66
Am Rock Creek Hollow, auf einem wir doch darüber! Es gibt immer noch Tod, Visionen sowie der Erkenntnis und
Gelände, das heute der Kirche gehört, Menschen, die uns für seltsam halten. dem Zeugnis von Gott, dem ewigen Va-
liegt das gemeinsame Grab von 13 Men- Nehmen wir das doch als Kompliment, ter, und seinem Sohn, dem auferstande-
schen, die in einer einzigen Nacht star- und zeigen wir doch durch tugendhaftes nen Herrn Jesus Christus, zustande ge-
ben. Unter ihnen ist ein neujähriges Leben, daß das Wunderbare, woran wir kommen.
Mädchen aus Dänemark, das sich einer glauben, stark und gut ist. Wo es früher Planwagen gab, ziehen
anderen Familie angeschlossen hatte, In einer Zeit, wo überall auf der Welt heute Flugzeuge am Himmel ihre Bahn.
weil es allein unterwegs war. Sie hieß die Familien zerfallen, wollen wir die un- Statt Pferd und Wagen gibt es heute Au-
Bodil Mortensen. seren festigen, sie stärken, sie in Recht- tos mit Klimaanlage, die auf den Schnell-
Im Oktober 1856 mühte sich die Hand- schaffenheit und Wahrheit nähren. straßen dahinjagen. Wir haben große
karrengruppe von James G. Willie auf der Angesichts eines so großen Vermächt- Bildungseinrichtungen. Wir haben einen
Suche nach Schutz vor einem schlimmen nisses müssen wir einfach unser Bestes großen Schatz an Genealogie. Wir haben
Sturm durch Schneewehen, die bereits geben. Diejenigen, die uns vorangegan- Tausende von Gotteshäusern. Die Regie-
über einen halben Meter tief waren. Bodil gen sind, erwarten das von uns. Wir ha- rungen der Welt blicken mit Achtung und
ging und sammelte Gestrüpp für ein ben einen Auftrag vom Herrn. Wir haben Wohlwollen auf uns. Die Medien behan-
Feuer. Sie kam auch tatsächlich mit Ge- eine Vision vom Zweck und von der deln uns gut. Dies ist die große Zeit unse-
strüpp zu ihrem Handkarren zurück. Absicht unseres Daseins. rer Möglichkeiten.
Dort starb sie, erfroren. Hunger und bit- Suchen wir also die Rechtschaffenen auf Diejenigen, die uns vorangegangen
tere Kälte nahmen ihrem ausgezehrten der Erde, die auf unsere Botschaft der Er- sind, ehren wir am besten dadurch, daß
Körper das Leben, um das sie so gerun- lösung hören wollen. Tragen wir Licht wir in der Sache der Wahrheit gut dienen.
gen hatte. und Verständnis und Wahrheit unter eine Möge der Allmächtige wohlwollend auf
Wir danken dem Herrn, daß all das nun Generation, die desillusioniert und daher uns herabblicken, während wir danach
hinter uns liegt - hundertfünfzig Jahre geneigt ist, nach etwas anderem zu su- streben, seinen Willen zu tun, und vor-
hinter uns. chen. wärtsschreiten als „ein auserwähltes Ge-
Wir haben den Nutzen von der großen Gott hat uns mit wunderbaren Gebäu- schlecht, eine königliche Priesterschaft,
Anstrengung jener Menschen. Ich hoffe, den gesegnet, in denen wir die lebendige Stamm, ein Volk, das sein be-
ein heiliger
daß wir dafür dankbar sind. Ich hoffe, wir Wahrheit lehren können. Wir haben heute sonderes Eigentum wurde" 7 .

tragen tiefempfundene Dankbarkeit im überall auf den Kontinenten Gemeinde- Darum bete ich demütig, während ich
Herzen für all das, was sie für uns getan häuser. Nutzen wir sie dazu, unser Volk in diesem Jubiläumsjahr sowohl in die
haben. mit dem „guten Wort Gottes" zu nähren. 6 Vergangenheit als auch in die Zukunft
Jetzt haben wir 1997, und die Zukunft Weit und breit gibt es Tempel, und wir blicke. Im Namen dessen, der unser Herr
liegtvor uns. Von jenen wurde Großes er- bauen noch mehr, damit das große Werk ist, im Namen Jesu Christi. Amen. D
wartet, und sie erwarten auch Großes von der Erlösung für die Toten noch schneller
uns. Wir sehen, was sie mit dem getan vorangeht. FUSSNOTEN
haben, was ihnen damals zur Verfügung Diejenigen, die vorangegangen
uns
1. Wallace Stegner, The Gathering ofZion,
stand. Wir haben heute viel mehr, aber wir sind, haben uns eine feste und wunder-
The Story ofthe Mormon Trau, [1964], 6f.
haben die überwältigende Aufgabe, das bare Grundlage hinterlassen. Wir haben
2. Lehren des Propheten Joseph Smith,
Reich Gottes weiter aufzubauen. Es gibt nun die große Möglichkeit, darauf ein Hg. Joseph Fielding Smith, 340.
so viel zu tun! Gott hat uns beauftragt, Bauwerk zu errichten, bei dem alles gut
3. Roberts, B. H. , Comprehensive History ofthe
das Evangelium jedem Land, jedem Ge- zusammenpaßt, weil Christus der Eck-
Church, 3:224.
schlecht, jeder Sprache und jedem Volk zu stein ist.
4. Markus 16:15.
bringen. Wir sollen im Namen des Herrn Meine lieben Brüder und Schwestern,
5. 13. Glaubensartikel.
Jesus Christus lehren und taufen. Der auf- wie gesegnet wir doch sind! Welch ein
erstandene Erretter hat gesagt: „Geht hin- wunderbares Vermächtnis wir übernom- 6. Siehe Jakob 6:7.

aus in die ganze Welt, und verkündet das men haben! Es ist aus Opfern, Leiden, 7. 1 Petrus 2:9.

Evangelium allen Geschöpfen." 4


Wir stehen in einem großen und umfas-
senden Kampf für Wahrheit und Recht-
schaffenheit. Glücklicherweise leben wir
in einer Zeit des Wohlwollens. Heute be-
gegnet man uns mit Respekt und Ach-
tung.Wir müssen die Staffel aufnehmen
und den Lauf fortführen.
Überall auf der Welt haben wir Mitglie-
der, die verantwortungsvolle Positionen
innehaben. Ihr guter Ruf fördert das Werk
des Herrn. Wo immer wir sind, in wel-
chen Umständen wir auch immer leben
mögen - „wenn es etwas Tugendhaftes
oder Liebenswertes gibt, wenn etwas gu-
ten Klang hat oder lobenswert ist", dann
wollen wir danach trachten. 5
Der kleine Stein, den Daniel gesehen
hat, rollt majestätisch und machtvoll da-
hin. Es gibt immer noch Spötter. Stehen

JULI 1997
67
Versammlung am Sonntagnachmittag Entscheidung für uns treffen. Zum Glück
6. April 1997 sind wir mit einer besonderen Kraft ge-
segnet, die uns bei diesen wichtigen Ent-
scheidungen zwischen Richtig und Falsch
Der Geist, der dazu bewegt, leitet.

In jener heiligen Stunde, als dem Erret-

Gutes zu tun ter klar wurde, daß sein irdisches Wirken


zu Ende war, sammelte er seine Zwölf zu
einem letzten Mahl. Er gab ihnen die
Eider Tom L. Perry Hoffnung mit, daß sie nicht allein bleiben
vom Kollegium der Zwölf Apostel sollten, wenn er sie verließ. Er tröstete sie
mit diesen Worten:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott, und glaubt an mich!
Der Heilige Geist ist unser ständiger Begleiter, wenn wir uns dem Willen
Im Haus meines Vaters gibt es viele
Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte
des Vaters im Himmel unterordnen.
ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen
Platz für euch vorzubereiten?
Wenn ich gegangen bin und einen Platz
Kirche bereisten das ganze Territorium für euch vorbereitet habe, komme ich
und riefen die Heiligen zur Umkehr auf. wieder und werde euch zu mir holen,
Sie sandten die Heimlehrer mit einer Liste damit auch ihr dort seid, wo ich bin."
von Fragen aus, die sie den Familien stel- (Johannes 14:1-3.)
len sollten. Einige dieser Fragen lauteten: Nachdem Sie diese wundervolle Zusi-
Haben Sie Ihre Brüder oder Schwestern cherung erhalten hatten, fragte der an-
jemals betrogen? dere Judas, nicht Judas Iskariot:
Haben Sie Ehebruch begangen? „Herr, warum willst du dich nur uns of-
Haben Sie den Namen der Gottheit fenbaren und nicht der Welt?" (Johannes
mißbraucht? 14:22.)
Haben Sie sich betrunken? Jesus antwortete ihm: „Wenn jemand
Haben Sie Ihre Schulden bezahlt?
. . . mich wird er an meinem Wort fest-
liebt,
Lehren Sie Ihre Familie das Evangelium halten; mein Vater wird ihn lieben, und
der Errettung? wir werden zu ihm kommen und bei ihm
Beten Sie abends und morgens mit Ihrer wohnen. . .

Familie? Der Beistand aber, der Heilige Geist,


Besuchen Sie Ihre Gemeindeversamm- den der Vater in meinem Namen senden
lungen? (Nach einer Liste in dem Leitfa- wird, der wird euch alles lehren und euch
den Die Geschichte der Kirche in der Fülle an alles erinnern, was ich euch gesagt
der Zeiten, 366.) habe." (Johannes 14:23,26.)
die Mormonenpioniere im Die Führer forderten die Heiligen auf, Nach der Auferstehung unseres Herrn
AlsLake Valley angekommen waren,
Salt
neue zu verpflichten, dem Herrn
sich aufs und Erretters wurde denen, die sich im
L stellten sie fest, daß es sehr zu dienen und seine Gebote zu halten. Wasser taufen und zu seinen Heiligen
schwierig war, in der Wildnis Siedlungen Die Heiligen folgten dem Rat ihrer Führer zählen ließen, der verheißene Tröster zu-
zu gründen. Täglich gab es neue Prüfun- und kehrten um. teil. Es war am Pfingsttag, als der Geist

gen und Mühsale, die sie daran erinner- 1997 haben wir viele derselben Sorgen, sich kundtat und die Zwölf erfüllte. Pe-
ten, daß neues Leben sich sehr von
ihr obgleich unsere Welt sich verändert hat. trus rief die Versammelten auf, umzukeh-
dem unterschied, an das sie gewöhnt wa- Es wäre durchaus angebracht, auch heute ren und sich taufen zu lassen, dann wür-
ren. Sie mußten Häuser bauen, Land kul- alle diese Fragen zu stellen. Die Liste den sie die Gabe des Heiligen Geistes
tivieren, Bewässerungsgräben ausheben, könnte sogar noch erweitert werden, weil erhalten.
Gärten anlegen, Holz hacken und Vieh es heute neue Versuchungen gibt, die die Etwas Ähnliches begab sich, als der
weiden. Dann waren da noch die stän- Pioniere sich nicht hätten vorstellen kön- Erretter den Nephiten erschien.
dige Zuwanderung, die Dürre und die nen. Es wird immer schwieriger, zwi- Auf die Errichtung seiner Kirche folgten
Heuschreckenplage, die die wirtschaftli- schen dem „in der Welt leben" und „nicht dunkle Zeiten, als die Mitglieder der Kir-
che Lage in dem neuen Territorium sehr von der Welt sein" das richtige Gleichge- che wieder abfielen. Die Priestertumsvoll-
unsicher machten. Weil die ersten Pio- wicht zu finden. Veröffentlichungen, Ra- macht wurde von der Erde genommen,
niere sich so anstrengen mußten, für ihre dio, Fernsehen und Internet umgeben weil die Menschen nicht rechtschaffen
Familie zu sorgen, wurden viele von ih- uns mit Weltlichem. Einige Fernsehpro- waren.
nen geistig träge. Das war eine schwere gramme haben solch einen Aufschrei der Durch Joseph Smith kehrte das Licht
Sorge für die damaligen Führer der Kir- Empörung hervorgerufen, daß man ein auf die Erde zurück, als er 1820 die erste
che. Sie nahmen an, daß einige der Bewertungssystem eingeführt hat, so daß Vision hatte. Zehn Jahre lang wurde der
Schwierigkeiten die direkte Folge dessen man den Wert eines Programms vorher Prophet Joseph Smith sorgfältig darauf
waren, daß die Heiligen die Gebote nur weiß. Damit gibt man doch zu, daß uns vorbereitet, die Kirche Gottes wieder auf-
nachlässig befolgten. vieles zugänglich ist, was vermieden wer- zurichten. Er erhielt Priestertumsvoll-
1856 begann die Erste Präsidentschaft den sollte. Die Frage ist, ob man darauf macht - zuerst, von Johannes dem Täufer,
eine Reformbewegung. Die Führer der vertrauen kann, daß andere die richtige das Aaronische Priestertum - dann, von

DER STERN
68
Petrus, Jakobus und Johannes, das Mel- schluß fand statt, und ich sollte einen Stimme des Heiligen Geistes gehört hätte,
chisedekische Priestertum. Die Stimme Fünf-Jahresvertrag unterschreiben, damit die mir riet, Boston nicht zu verlassen.
Gottes erklang aus dem Himmel, wenn es keine Veränderung im Management Parley P Pratt hat uns eine Vorstellung
Joseph Offenbarungen erhielt. Die Verbin- gab. Nach wenigen Monaten befand ich davon vermittelt, was der Heilige Geist
dung zwischen Gott und seinem Prophe- mich in einer schwierigen Situation. Die für uns bedeuten könnte, als er sagte
ten war wiederhergestellt. neuen Eigentümer verlangten von mir, ei- „Die Gabe des Heiligen Geistes be- . . .

Als sich am 6. April 1830 die kleine Ge- nen Vertrauensbruch zu begehen, zu dem lebt unser ganzes Denken, sie vermehrt,
meinde versammelte, um die Kirche zu ich nicht bereit war. Nach langen Diskus- vergrößert, erweitert und reinigt alle
gründen, fragte der Prophet Joseph Smith sionen bestanden sie immer noch darauf, natürlichen Neigungen und Empfindun-
die Anwesenden, ob sie gewillt seien, und ich weigerte mich immer noch. Weil gen und paßt durch die Gabe der
sie
ihn und Oliver Cowdery
als Lehrer und es keinen anderen Ausweg gab, erklärte Weisheit dem rechtmäßigen Gebrauch an.
besondere anzuerkennen. Die
Berater ich mich Firma zu verlassen.
bereit, die Sie inspiriert, entwickelt, kultiviert und
Anwesenden erhoben zustimmend die Der Zeitpunkt war sehr ungünstig. Meine läßt alle reine Zuneigung, alle Freude,
Hand. Frau war krank und mußte häufig zum Empfindungen und Stimmungen unserer
Joseph und Oliver hatten zwar schon Arzt, eine Tochter war auf dem College Natur reifen. Sie inspiriert Tugend, Wohl-
vorher das Melchisedekische Priestertum und ein Sohn auf Mission. Das nächste wollen, Güte, Mitgefühl, Höflichkeit und
erhalten, aber sie ordinierten einander Jahr verdiente ich als Berater gerade ge- Nächstenliebe. Sie entfaltet die Schönheit
jetzt zum Ältesten. Damit wollten sie be- nug, um unsere Ausgaben zu decken. von Person, Gestalt und Aussehen. Sie
kunden, daß Sie Älteste in der neuge- Nachdem ich mich so ein Jahr lang über physischen und
kräftigt alle Bereiche des
gründeten Kirche waren. Als nächstes Wasser gehalten hatte, rief mich eine Menschen. Sie stärkt die
intellektuellen
wurde das Abendmahl gesegnet und aus- Firma in Kalifornien an und lud mich zu Nerven und gibt ihnen Spannkraft. Zu-
geteilt. Dann konfirmierten Joseph und einem Gespräch über eine Zusammenar- sammengefaßt: So ist sie Mark für die
Oliver diejenigen, die vorher durch die beit ein. Ich handelte einen sehr guten Knochen, Freude für das Herz, Licht für
Taufe Mitglieder der Kirche Jesu Christi Vertrag aus und freute mich. Ich sagte, ich die Augen, Musik für die Ohren und
geworden waren, und spendeten ihnen müsse erst mit meiner Familie darüber Leben für das ganze Wesen." {Key to the
die Gabe des Heiligen Geistes. (Siehe Die sprechen. Zu Hause überzeugte ich meine Science ofTheology, 1965, 101.)
Geschichte der Kirche in der Fülle der Zeiten, Familie nach einer gründlichen Diskus- Ich bezeuge, daß der Heilige Geist de-
Seite 67f.) sion davon, daß dies das Richtige sei. Als nen, die seiner würdig leben, Kraft und
Welch gewaltiger Vorzug es doch ist, zu ich die Firma anrief, um das Angebot an- Trost schenkt. Welche Sicherheit es uns
denen gezählt zu werden, die kraft der zunehmen, hörte ich eine so nachdrückli- doch verleiht, zu wissen, daß es uns nicht
Vollmacht des Priestertums im Wasser ge- che Stimme, wie ich sie nie deutlicher ge- ganz allein überlassen ist, den Weg zu fin-
tauft sind und denen man dann die hört habe, die sagte: „Lehn das Angebot den, den wir einschlagen müssen, um die
Hände aufgelegt und die Gabe des Heili- ab." Ich konnte die Stimme nicht ignorie- ewigen Segnungen des himmlischen Va-
gen Geistes gespendet hat. ren und sagte ab, aber ich war besorgt. Ich ters zu verdienen. Wir brauchen kein von
Eider LeGrand Richards hat die Gaben konnte nicht begreifen, warum ich das Menschen gemachtes Bewertungssystem,
des Heiligen Geistes folgendermaßen be- tun sollte. Ich ging ins Schlafzimmer, um zu wissen, was wir lesen, ansehen
schrieben: setzte mich aufs Bett und schlug die heili- oder anhören sollen oder wie wir unser
„In meinen Augen
braucht der Mensch gen Schriften auf. Sie öffneten sich bei Ab- Leben führen sollen. Wir müssen nur so
die Gabe des Heiligen Geistes so sehr, wie schnitt 111 in Lehre und Bündnisse. Das leben, daß wir der ständigen Begleitung
eine Pflanze Sonne und Wasser braucht. istder einzige Abschnitt, der im Staat des Heiligen Geistes würdig sind, und
Entzieht man dies einer Pflanze, so stirbt Massachusetts gegeben wurde, wo ich den Mut haben, seinen Eingebungen zu
sie. Nähme man den Heiligen Geist von damals wohnte. Die Worte sprangen mir folgen. Möge der Herr uns segnen, daß
der Kirche weg, so wäre sie nicht anders geradezu ins Auge wir immer an diese großartige und kost-
als alle übrigen Kirchen. Er ist in so vielfa- „Macht euch keine Sorgen wegen eurer bare Gabe denken, nämlich die Gabe des
cher Weise im Leben und in der Hingabe Schulden, denn ich will euch die Macht Heiligen Geistes. Darum bitte ich demü-
der Mitglieder der Kirche erkennbar." geben, sie zu bezahlen. . . tig im Namen unseres Herrn und Erret-
{Der Stern, Mai 1980, Seite 133.) Verweilt an diesem Ort und im Gebiet ters Jesus Christus. Amen. D
Eine Gabe hat nur eingeschränkten ringsum." (LuB 111:5,7.)
Wert, solange man sie nicht nutzt. Der Ich spürte tiefen Frieden. Wenige Tage
Heilige Geist ist unser ständiger Begleiter, später wurde mir eine gute Stellung in
wenn wir uns dem Willen des Vaters im Boston angeboten. Einige Monate später
Himmel unterordnen, immer an ihn den- durfte ich Gastgeber bei einer Konferenz
ken und seine Gebote halten. mit Präsident Lee sein, der damals Erster
Ich erinnere mich noch an eine schwie- Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft
rige Zeit in meinem Leben und daran, wie war. Diese Konferenz war ein herrliches
dankbar ich war, als die sanfte, leise Erlebnis, und wir labten uns an den Wor-
Stimme mir bei einer schweren Entschei- ten Präsident Lees. Im folgenden Juli
dung Weisung gab. Ich war schon einige starb Präsident Joseph Fielding Smith,
Jahre bei einer Firma, die sehr großen und Präsident Lee wurde sein Nachfol-
Erfolg hatte. Wir wollten das Geschäft ger. Drei Monate später wurde ich nach
vergrößern, brauchten dazu aber viel Salt Lake City gebeten und erhielt dort
Kapital. Wir wandten uns an die besten die Berufung, meine Arbeit zu verlassen
Finanzberater, die wir finden konnten. Sie und Generalautorität zu werden.
regten an, daß wir uns mit einer größeren Ich habe mich oft gefragt, was wohl ge-
Firma vereinigen sollten. Der Zusammen- schehen wäre, wenn ich nicht auf die

JULI 1997
69
mehr machte sich die entgegenge-
Ausharren und setzte
hatte,
physikalische Kraft bemerkbar,
nämlich die Schwerkraft. Wenn ich es ge-

emporgehoben werden schafft hätte, immer weiter durchzuhal-


unendlich lange in
ten, hätte ich die Karte
der Luft halten können. 4
Eider Russell M. Nelson Immer wenn man sich über Kräfte, die
vom Kollegium der Zwölf Apostel sich einem entgegenstellen, emporheben
will,braucht man Energie. Das gilt auch
für uns. Wer etwas in Angriff nimmt,
braucht die Kraft und den Willen, bis ans
Die Verantwortung, auszuharren, liegt allein bei Ihnen. Ende auszuharren. Der Sieger eines Fünf-
Aber Sie sind dabei nicht allein. Ich bezeuge, daß der Auftrieb, Kilometer-Laufs steht erst nach fünf Kilo-
metern fest, nicht schon nach zwei. Wenn
den der Herr geben kann, Ihnen zuteil wird.
Sie mit dem Bus nach Boston fahren wol-
len, steigen Sie nicht schon früher aus.
Wenn Sie Ihre Ausbildung beenden wol-
an dem Ziel angelangt sind, das er für uns len,geben Sie nicht mittendrin auf, und
vorgesehen hat. Der Herr sagt uns immer Sie zahlenauch nicht für eine Mahlzeit in
wieder, daß wir bis ans Ende ausharren einem eleganten Restaurant und gehen,
müssen. Dieses Thema wird in den heili- sobald Sie von der Vorspeise gekostet
gen Schriften ausführlich behandelt. Ich haben.
möchte hier nur eine Schriftstelle anfüh- Um welche Arbeit es sich auch handelt:
ren, die für viele ähnlichen Inhalts steht: harren Sie am Anfang aus; harren Sie mit-
„Und gesegnet sind, die danach
. . . tendrin aus, wenn sich Ihnen irgendwel-
trachten, mein Zion hervorzubringen; che Kräfte entgegenstellen, und harren
denn sie werden die Gabe und Macht des Sie bis ans Ende aus. Erst muß die Arbeit
Heiligen Geistes haben; und wenn sie bis getan sein, bevor Sie sich am Ergebnis der
ans Ende ausharren, werden sie am letz- Arbeit freuen können. Das kommt auch
ten Tag emporgehoben werden, und sie in dem folgenden Gedicht zum Aus-
werden im immerwährenden Reich des druck:
Lammes Errettung finden." 1
Jede Segnung, die Gott uns zuteil wer- Lauf das Rennen so lang,
den läßt, beruht auf Gehorsam gegenüber bis einst du am Ziel;

einem Gesetz. 2 Umbei dem eingangs er- am Start siehst du noch


wähnten Beispiel zu bleiben: erst müssen der Läufer viel.

wir „zu ihm ins Boot steigen". Dann müs- Doch letzten Endes der Siegeskranz
meine Frau und ich erst kurz sen wir auch bei ihm bleiben. Und wenn geht an den, der gelaufen
Als verheiratet waren und in Minnea- wir nicht vorher „aussteigen", erreichen das Rennen ganz.
L polis wohnten, gingen wir einmal wir sein Reich, wo wir zu ewigem Leben
an einem freien Nachmittag mit unserer emporgehoben werden. Lauf weiter, und sticht auch die Sonne sehr.
zweijährigen Tochter an einen der wun- „Emporgehoben" - das ist das physi- Lauf weiter, meinst du auch, es ginge nicht
derschönen Seen, wie es in Minnesota so kalische Gesetz des Auftriebs, das sich mehr.
viele gibt, und mieteten ein Boot. Wir ru- leicht vorführen läßt. 3 Ich nehme eine Lauf weiter, lauf weiter,
derten weit hinaus, dann ließen wir uns Garnspule und blase durch das Loch in trotz Tränen und Schweiß,
treiben, um die Ruhe um uns herum zu der Mitte. Durch den Lufthauch wird ein lauf weiter, dann wirst du erringen den
genießen. Plötzlich schwang sich unsere Taschentuch von mir weggeblasen. Als Preis?
Kleine mit einem Bein über den Boots- nächstes nehme ich eine ganz gewöhnli-
rand und wollte schon aus dem Boot klet- che Karte und eine Stecknadel. Ich durch- Manchmal müssen wir ausharren, weil
tern. Sie sagte: „Vati, jetzt müssen wir steche die Karte und führe die Nadel in wir in körperlicher Hinsicht Schwierig-
aber aussteigen!" das Loch der Spule ein. Dann halte ich die keiten haben. Jeder, der an einer schwe-
Wir hielten sie rasch fest und sagten: Karte eng an die Spule. Wenn ich jetzt ren Krankheit leidet oder vom Alter
„Wir können jetzt nicht aussteigen, Lie- blase und dabei die Karte loslasse, damit gebeugt6 ist, hofft, daß er diese Prüfung
bes, wir müssen im Boot bleiben, bis wir die physikalischen Gesetze wirken kön- bis zum Ende durchstehen kann. In
wieder sicher am Ufer sind." Es war gar nen, was meinen Sie, was passiert? Blase den meisten Fällen sind große körperli-
nicht so leicht, sie davon zu überzeugen, von mir weg, oder wird die
ich die Karte che Schwierigkeiten auch mit geistigen
daß es ziemlich schlimm ausgehen Karte hochgehoben? Was denken Sie? Schwierigkeiten verbunden.
würde, wollten wir mitten auf dem See Fangen wir an Denken Sie nur an die Pioniere: Was
„aussteigen". [Vorführung: Wenn man durch das wäre gewesen, hätten sie nicht auf dem
Kinder tun manchmal so etwas Gefähr- Loch in der Spule bläst, wird die Karte beschwerlichen Zug in den Westen ausge-
weil sie noch nicht die Einsicht ih-
liches, zur Spule hochgehoben.] harrt? Es gäbe dieses Jahr keine 150-Jahr-
rer Eltern haben.Aber auch wir als Kin- Haben Sie das gesehen? Solange ich ge- feier. Sie harrten aber standhaft aus - ob-
der des himmlischen Vaters neigen nug Luft hatte, hat die Karte Auftrieb ge- wohl sie verfolgt, 7 vertrieben, 8 durch
mitunter dazu, dummerweise aus dem habt. Aber als ich nicht mehr konnte, ist einen staatlichen Ausrottungsbefehl be-
Boot „aussteigen" zu wollen, bevor wir sie hinuntergefallen. Als ich keine Luft droht, 9 enteignet 10 wurden und derglei-

DER STERN
70
chen mehr. Ihr unerschütterlicher Glaube und zu unterstützen. 18 Ein Vater kann der eine oder andere von jemand im Stich
an den Herrn gab ihnen Auftrieb. Das nichts Besseres für seine Kinder tun, als gelassen, dem er vertraut hat. Aber Ihr Er-
gleiche gilt für Sie und für mich. die Mutter seiner Kinder zu lieben. 19 löser wird Sie niemals im Stich lassen,
Dem Herrn geht es letztlich um die Er- Präsident Gordon B. Hinckley hat vor denn er hat gesagt: „Ich, der Herr, bin
rettung und Erhöhung jedes einzelnen. kurzem etwas gesagt, was jeder Ehemann wenn ihr tut, was ich sage." 28
verpflichtet,
Was wäre gewesen, wenn die Bekehrung in der Kirche beherzigen muß: „Machen Ohne tiefe Verpflichtung dem Herrn ge-
des Apostels Paulus nicht von Dauer ge- Sie Ihre Frau groß", sagte er, „denn da- genüber neigt der Mensch dazu, auch sei-
wesen wäre? Er hätte dann am Ende sei- durch machen Sie Ihr Priestertum nem Ehepartner gegenüber nur eine ge-
20
nes Wirkens nicht bezeugen können: „Ich groß." Diesem weisen Rat können wir ringe Verpflichtung zu empfinden. Die
habe den guten Kampf gekämpft, den die zeitlose Aufforderung des Paulus hin- nachlässige Verpflichtung einem ewigen
Lauf vollendet, die Treue gehalten." 11 zufügen, der gesagt hat: „So liebe jeder Bund gegenüber führt zu folgenschweren
Was wäre gewesen, wenn Jesus seiner von euch seine Frau wie sich selbst; die ewigen Verlusten. Voll Reue wird dies
Verpflichtung, den Willen des Vaters zu Frau aber ehre den Mann." 21 Anhaltende später im Leben beklagt, wie in dem fol-
tun, nicht treu geblieben wäre? 12 Es hätte Liebe gibt einem in den Prüfungen des gendem Zweizeiler:
kein Sühnopfer gegeben. Die Toten wür- Lebens anhaltenden Auftrieb. Eine Ehe, Traurigere Worte als „es hätte sein können"
den nicht auferstehen. Die Segnungen der die anhält, kommt dadurch zustande, daß gibt es wohl kaum?- 9
Unsterblichkeit und des ewigen Lebens beide, Mann und Frau, ihre Verbindung Wir sprechen von der allerwichtigsten
wären nicht vorhanden. 13 Aber Jesus als eine derbeiden wichtigsten Verpflich- Segnung. Der Herr hat gesagt: „Und
harrte aus. Während seiner letzten Stun- tungen ihres Lebens ansehen. wenn du meine Gebote hältst und bis ans
den betete er zum Vater und sagte: „Ich Die zweite Verpflichtung mit Folgen für Ende ausharrst, sollst du ewiges Leben
habe dich auf der Erde verherrlicht und die Ewigkeit ist unsere Verpflichtung haben, und diese Gabe ist die größte von
das Werk zu Ende geführt, das du mir auf- dem Herrn gegenüber. 22 Leider gibt es allen Gaben Gottes." 30
14
getragen hast." Menschen, die einen Bund mit Gott einge- Jeder von Ihnen, der wahrhaftig bis zu
Zu Beginn seines geistlichen Wirkens hen - durch die heilige Handlung der dem herrlichen Ende ausharren möchte,
fragte Jesus, wie wohl mit der Ver-
es Taufe versinnbildlicht -, ohne sich auf- das unser himmlischer Vater vorgesehen
pflichtung seiner Jünger stand. Kurz da- richtig verpflichtet zu fühlen, bei ihm hat, sollte für sich etliche Prioritäten fest-
vor hatte er die 5000 gespeist 15 und sie die auszuharren. Die Taufe ist eine ganz we- legen. Es gibt so viel Interessantes, dem
Lehre vom Reich gelehrt. Aber etliche sentliche heilige Handlung. Aber sie ist wir uns widmen können, aber wir müs-
murrten: „Was er sagt, ist unerträglich." 16 nur der Anfang. Die übergroßen Segnun- sen in erster Linie darauf bedacht sein, si-
Selbst nachdem sie gespeist worden wa- gen der Mitgliedschaft in der Kirche kön- cher „im Boot" zu bleiben. Niemand kann
ren, fehlte vielen der Glaube, um mit ihm nen nur durch die erhöhenden heiligen zwei Herren dienen. 31 Wenn der Satan Sie
auszuharren. Er wandte sich an die Zwölf Handlungen des Tempels erreicht wer- dazu bringen kann, was auch immer -
und fragte: „Wollt auch ihr weggehen? den. Diese Segnungen machen uns bereit Spaß, einen Flirt, Bekanntheit oder Reich-
Simon Petrus antwortete ihm: Herr, ... für „Throne, Reiche, Mächte und Gewal- tum - mehr zu lieben als den Ehepartner
du hast Worte des ewigen Lebens. ten" 23 im celestialen Reich. oder den Herrn, mit denen Sie den heili-
Wir sind zum Glauben gekommen und Der Herr unterscheidet mühelos zwi- gen Bund geschlossen haben auszuhar-
haben erkannt: Du bist der Heilige schen denen, die oberflächlich aktiv sind, ren, dann hat der Widersacher einen Sieg
Gottes." 17 und denen, die in seiner Kirche tief ver- errungen. Wenn eine solche Versuchung
Petrus beschreibt in seiner Antwort, wurzelt sind. Das hat Jesus im Gleichnis naht, bemerken Sie sicherlich, daß man
worum es bei einer Verpflichtung wirk- vom Sämann gelehrt. Über einige heißt es aus den Verpflichtungen, die man schon
lich geht. Wenn wir ohne
Zweifel wissen, da: „Sie haben keine Wurzeln, sondern viel frühereingegangen ist, Kraft schöpft.
daß Jesus der Messias ist, dann wollen sind unbeständig, und wenn sie dann um Der Herr hat gesagt: „Faßt diesen Vorsatz
wir auch bei ihm bleiben. Wenn wir wirk- des Wortes willen bedrängt oder verfolgt in eurem Herzen, daß ihr das tun werdet,
lich bekehrt sind, haben wir auch die werden, kommen sie sofort zu Fall." 24 was ich euch lehren und gebieten
Kraft auszuharren. Treu zum Herrn zu stehen verpflichtet werde." 32 Durch den Propheten Jeremia
Die Kraft auszuharren spielt in den bei- uns auch dazu, treu zu denen zu stehen, hat er erklärt: „Ich lege mein Gesetz in sie
den wichtigsten Beziehungen, die wir im die der Herr berufen hat, seine Kirche zu hinein und schreibe es auf ihr Herz. Ich
Leben eingehen, eine entscheidende Rolle. führen. Er hat die Vollmacht dazu erteilt, werde ihr Gott sein, und sie werden mein
Eine davon ist die Ehe, die aridere die daß Männer in seinem heiligen Namen Volk sein." 33
Mitgliedschaft in der Kirche des Herrn. sprechen. 25 Sie leiten dieses unsinkbare Wenn unsere Prioritäten in Ordnung
Diese beiden Beziehungen sind auch in- Schiff sicher in den Hafen der Errettung, sind, bekommen wir mehr Kraft auszu-
sofern einzigartig, als es sich dabei um und wir tun gut daran, mit ihnen an Bord harren. Und wenn diese Prioritäten Teil
Bündnisse handelt und nicht um Verträge. zu bleiben. 26 „Das Schiff bleibt sicher, wo Ihrer selbst geworden sind, schützen sie
Die Ehe, besonders die Tempelehe, und Jesus Christ, der Herr aller Herren, der Sie davor, „über Bord" zu gehen. Sie
die Familienbande gehen mit Bündnissen Meister ist."
27
schützen Sie davor, jemand zu betrügen -
einher. Sie dürfen nicht auf die leichte Trotzdem gibt es einige, die über Bord ob in der Ehe, in der Kirche oder im Le-
Schulter genommen werden. Heutzutage springen wollen, noch bevor sie das Land ben.
zeigt sich an den steigenden Scheidungs- erreicht haben. Wieder andere steigen Wenn Sie tatsächlich wie der Herr sein
raten überall auf der Welt, daß viele Ehe- aus, weil sie sich leider von Gefährten, die wollen - wenn Ihnen daran mehr liegt
partner es nicht schaffen, ihrer gegensei- ihnen weismachen wollen, sie wüßten als an allem anderen oder an jemand
tigen Verpflichtung bis ans Ende treu mehr über die gefährliche Reise durch anders -, dann ist Ihnen auch klar, daß Sie
zu bleiben. Und manche Tempelehe zer- das Leben als die Propheten des Herrn, ihn am ehesten anbeten, wenn Sie ihm
bricht, weil der Mann vergißt, daß seine überreden lassen. Oft tauchen auch Pro- nacheifern. Dann lassen sie nicht zu,
wichtigste und höchste Priestertums- bleme auf, die man nicht selbst verschul- daß eine andere Liebe Ihnen wichtiger
pflicht darin besteht, seine Frau zu ehren det hat . Ohne daran schuld zu sein, wird wird als die Liebe zu Ihrem Ehepartner,

JULI 1997
71
zu Ihrer Familie und zu Ihrem Schöpfer. 3. Diese Art der Darstellung der Bernoul- 9. Die Heiligen wurden unter Drohungen
Dann leben Sie nicht nach den Regeln lischen Gleichung wurde dem Autor aus Missouri vertrieben. Der Gouverneur
eines anderen, sondern nach den offen- erstmals am 17.
August 1996 vorgeführt, hatte den Ausrottungsbefehl unter-
und zwar von Eider Norman C. Boehm, zeichnet, in dem es hieß, sie hätten als
barten Grundsätzen der Wahrheit.
der damals Gebietsautorität der Kirche Feinde zu gelten und müßten ausgerottet
Die Verantwortung, auszuharren, liegt
war und in Sacramento wohnte. oder aus dem Bundesstaat vertrieben
allein bei Ihnen. Aber Sie sind dabei nicht
4. Das hängt mit dem Auftrieb zusammen: werden (siehe History of the Church,
allein. Ich bezeuge, daß der Auftrieb, den 3:175).
„Ein dynamischer Auftrieb entsteht, wenn
der Herr geben kann, Ihnen zuteil wird, sich ein Körper gegenüber dem umge- 10. 1887 beraubte der Kongreß der Vereinig-
wenn Sie „zu Christus" kommen und „in benden Medium bewegt. Damit eine der ten Staaten die Kirche ihrer gesetzlichen
Christus vollkommen" gemacht werden. Schwerkraft entgegengesetzt wirkende Existenz, indem er ihre Eintragungs-
Dann verzichten Sie „auf alles, was un- Kraft entsteht, muß der Körper so gebaut urkunde widerrief und allen Grundbesitz
göttlich ist." Dann lieben Sie „Gott mit sein, daß die Strömungsgeschwindigkeit und alle übrigen Vermögenswerte der
aller Macht, ganzem Sinn und aller des Mediums an seiner Oberseite größer Kirche in das Bundesvermögen über-
als an seiner Unterseite ist, wodurch schrieb, darunter auch die heiligsten
Kraft." 34
der auf ihn wirkende Druck oben kleiner Gotteshäuser der Kirche, die Tempel in
Unser lebender Prophet hat uns alle
als unten wird. So ist z. B. jede Flugzeug- Logan, Manti, St. George und Salt Lake
aufgefordert: „Ich fordere Sie auf, aufzu-
tragfläche gebaut." (Bertelsmann Lexikothek, City. So etwas hatte es in den USA noch
stehen und mit einem Lied im Herzen
[1981], 239.) nie gegeben. (Siehe The Late Corporation
vorwärtszugehen, nach dem Evangelium ofThe Church of Jesus Christ ofLatter-
5. Autor unbekannt, „Stick to Your Task", in
zu leben, den Herrn zu lieben und das day Saints v. United States, 136 U. S. 1
Best-Loved Poems ofthe LDS People, Hg. Jack
Gottesreich aufzubauen. Gemeinsam M.Lyon et al., [1996], 255f. [1890].)
werden wir die Richtung einhalten und 11. 2 Timotheus 4:7.
6. In seinem fünfundneunzigsten Lebensjahr
den Glauben bewahren." 35 verlieh Präsident Joseph Fielding Smith 12. Siehe 3 Nephi 27:13.
Ich bete darum, daß jeder von uns aus- öffentlich der Hoffnung Ausdruck, er möge 13. Siehe Mose 1:39.
harren und am letzten Tag emporgehoben es schaffen, „bis ans Ende auszuharren"
14. Johannes 17:4 (Hervorhebung
werden möge. Im Namen Jesu Christi. (in Conference Report, Oktober 1970, 92).
hinzugefügt); siehe auch Johannes 4:34.
Amen. D Er, der sein Leben lang so treu und gedient
hat, möge uns allen ein Vorbild sein. 15. Siehe Matthäus 14:21; 16:9; Markus 6:44;
8:19; Lukas 9:14; Johannes 6:10.
7. Siehe JSLg 1:20,22-24,27,58,60,61,74.
FUSSNOTEN 16. Johannes 6:60.
8. Die Pioniere wurden aus Ohio nach
1. 1 Nephi 13:37.
Missouri, dann nach Illinois und 17. Johannes 6:67-69.
2. Siehe LuB 130:20, 21. schließlich ins Salt Lake Valley vertrieben. 18. Siehe LuB 42:22.
19. Das haben schon viele Führer der Kirche
gesagt. Siehe beispielsweise Howard
W. Hunter, „Ein rechtschaffener Ehemann
und Vater sein", Der Stern, Januar 1995,
45; David O. McKay, zitiert von Gordon B.

Hinckley, „In Liebe und Güte auf sie


zugehen", Der Stern, April 1983, 157.

20. Erste Versammlung der Konferenz in


Lima, 9. November 1996.

21. Epheser 5:33.

22. Ein würdiger Mann kann sich außerdem


für den Eid und Bund des Priestertums
qualifizieren, der allen Männern, Frauen
und Kindern, denen er dient, zum Segen
gereicht (siehe LuB 84:33-38).

23. LuB 132:19.

24. Markus 4:17.


25. Siehe LuB 1:38; 21:5; 68:4.

26. Siehe Apostelgeschichte 27:30,31;


1 Nephi 18:21-23.

27. „Meister, es toben die Winde" (Gesangbuch,


Nr. 66.)

28. LuB 82:10.

29. John Greenleaf Whittier, „Maud Muller",


The Complete Poetical Works of Whittier,
[1892], 48.

30. LuB 14:7.

31. Siehe Matthäus 6:24.


32. Übertragung von Joseph Smith, Lukas 14:28.
33. Jeremia 31:33.

34. Moroni 10:32,33.

35. Ensign, November 1995, Seite 72


(Hervorhebung hinzugefügt).

DER STERN
72
Wir verschaffen uns einen Überblick über
II Ein kleiner Stein" die Lage, beten um Inspiration, stellen
sorgfältig unsere Pläne auf, reichen sie
zur Begutachtung ein, passen sie an und
Elaine L.Jack planen erneut. Wir legen die Grundlage,
gerade entlassene FHV-Präsidentin das Fundament, und ziehen dann die
Mauern hoch, dann das Dach, und zum
Schluß legen wir sogar einen Garten an.
Jede Leitung baut auf dem soliden Funda-
Die Zeit, da es ausreichte, bloß an dieses Evangelium zu glauben, ment der Vergangenheit auf.
In den letzten sieben Jahren hat diese
ist vorbei; wir müssen leidenschaftlich an Jesus Christus
FHV-Präsidentschaft aufgebaut. Wir ha-
und seinen Plan glauben und uns ihm verpflichten.
ben ein kirchenweites Alphabetisierungs-
programm in unsere Bildungsbestrebun-
gen aufgenommen; wir haben Nachdruck
durch ihn und an der Macht der Erlösung auf den Grundsatz gelegt, daß wir durch
durch ihn teilhabt. Ja, ... und bringt ihm das Besuchslehren über unsere Schwe-
eure ganze Seele als Opfer dar, und fahrt stern wachen und uns um sie kümmern;
fort mit Fasten und Beten, und harrt aus wir haben weiterhin die Familie in den
bis ans Ende; und so wahr der Herr lebt, Mittelpunkt unserer Aufmerksamkeit ge-
werdet ihr errettet werden." (Omni 1:26.) stellt und dem gottgegebenen Wesen der

Der Prophet Joseph Smith hat dieses Frau, die umhegt, Opfer bringt, lehrt
„die ganze Seele darbringen" so definiert: und inspiriert, Achtung gezollt. Es ist
„Seht zu, daß ihr [Gott] mit ganzem Her- Wundervolles geschehen, weil die Frauen
zen, aller Macht, ganzem Sinn und aller dieser Kirche, die ihre Kinder umhegen
Kraft dient." (LuB 4:2.) Es bedeutet, daß und einander umhegen, Selbständigkeit
man seine Zeit, seine Talente, Gaben und lehren und weil sie über den Erretter
Segnungen, seine Bereitschaft zu dienen lehren.
und alles zu tun, worum Gott bittet, auf Es war so schön, so eng mit den wun-
seinem Altar niederlegt. Mein Großvater dervollen Frauen dieser Kirche zusam-
hat dem Herrn den Stein gegeben, den er menzuarbeiten, die ihre Seele dem Herrn
so sorgfältig gelegt hatte. Ich gebe ihm darbringen. Zu ihren Steinen lege ich nun
meine Jahre im Dienst in der FHV-Präsi- den meinen. Ich bete, er möge angenom-
dentschaft. men werden.
1991 bin ich auf Einladung von Präsi- Eine meiner liebsten Erinnerungen an
bin bloß einen Steinwurf vom dent Hinckley in meine kanadische Hei- diese letzten Jahre ist die Hundertfünfzig-
Ich
Alberta-Tempel in Cardston, Kanada, mat zurückgekehrt, um an der erneuten von 1992. Wir haben damals die
jahrfeier
aufgewachsen. diesem kleinen
In Weihung des Alberta-Tempels teilzuneh- Gründung der FHV, einer der ältesten,
Mormonenort am Fuß der kanadischen men. Ich werde nie vergessen, welche größten und meiner Meinung nach erfol-
Rockies stand der Tempel als mächtiges Macht den Raum erfüllt hat, als die Ses- greichsten Frauenorganisationen in der
Symbol der Stärke und Erhabenheit des sion zu Ende war und wir aufstanden, Welt, gefeiert. Es erfüllt mich noch immer
Evangeliums Jesu Christi. Ich habe inner- um zu singen: „Der Geist aus den Höhen, mit Begeisterung, wenn ich daran denke,
halb der Mauern jenes Tempels meine gleich Feuer und Flammen!" Es berührte daß wir die Versammlung gleichzeitung
wichtigsten Bündnisse geschlossen. mich zutiefst, als wir die vertrauten in jeden Kontinent der Welt übertragen
Jene Mauern bedeuten mir viel. Mein Worte sangen: „Drum singet und jauchzt haben, wodurch die Schwestern in Tai-
Großvater John F. Anderson, ein geschick- mit den himmlischen Scharen: Hosianna, wan, Simbabwe, Deutschland, Mexiko,
ter Steinmetz aus Aberdeen in Schottland, Hosianna dem Vater und Sohn!" („Der Korea, Australien und Amerika zum er-
wurde berufen, den weißen Granit für Geist aus den Höhen", Gesangbuch, Nr. 2.) sten Mal miteinander verbunden waren.
diesen heiligen Tempel zu bearbeiten. Hosianna ist der rechtschaffene Freuden- Emma Smith, die erste Präsidentin die-
1915, bei der Eegung des Ecksteins, wurde ruf,und es war ein freudiger Anlaß! ser Organisation, hat zu den Schwestern
ihm die Ehre zuteil, unter der Aufsicht Im Anschluß an unseren Gesang gesagt: „Wir werden etwas Außerge-
von Eider David O. McKay als oberster stimmte dann der Chor das erhabene wöhnliches tun." (Protokoll der FHV, 17.
Steinmetz zu fungieren. 1923, vor der „Hosianna" an. Die Worte bedeuteten mir März 1842, Archiv der Kirche.) Unsere
Weihung des Tempels, legte mein Groß- viel, und ich mußte daran denken, wie Feier war tatsächlich „etwas Außerge-
vater den allerletzten Stein. Dann schrieb mein Großvater an den Mauern dieses er- wöhnliches". Was 1842 mit 20 Frauen in
er in sein Tagebuch: „Es war nicht der habenen Tempels gearbeitet hat: „Das Nauvoo begonnen hat, umfaßt jetzt na-
Schlußstein, sondern ein kleiner Stein am Haus des Herrn ist vollendet. Möge er un- hezu vier Millionen Frauen auf jedem
vorderen Eingangstor. sere Gabe annehmen." (The Choirbook Kontinent und in fast jedem Land der
Heute lege ich meinen kleinen Stein am [1980], 69-76.) Noch mehr gehen sie mir Welt. Was aber bedeutsam ist, ist, daß es
vorderen Eingangstor der FHV nieder. aber heute zu Herzen, da ich mein mit einer einzigen Frau, Margaret Cook
Im Buch Omni, das ja selbst ein kleiner „Haus" für den Herrn vollende. begann, die anbot, für die Männer, die am
Stein mitten im Buch Mormon ist, Ich sehe viele Parallelen zwischen dem Nauvoo-Tempel arbeiteten, Hemden zu
schreibt Amaleki: „Und nun ... möchte Bau eines Tempels und dem Erfüllen ei- nähen. Sie brauchte Stoff und konnte es
ich, daß ihr zu Christus kommt, der der ner Berufung. Wir fangen mit der bloßen sich nicht leisten, ihn zu kaufen. Sarah
Heilige Israels ist, und an der Errettung Erde an und machen uns an die Arbeit. Kimball steuerte den Stoff bei, und inner-

J U LI 1997
73
„Bringt ihm eure ganze Seele als Opfer
dar." (Omni 1:26.) Brüder und Schwe-
da es ausreichte, bloß an
stern, die Zeit,
Evangelium zu glauben, ist vorbei;
dieses
wir müssen leidenschaftlich an Jesus
Christusund seinen Plan glauben und
uns ihm verpflichten. Wir müssen ohne
jeden Zweifel wissen, daß er mit uns ist

und daß uns führt. In seinem Namen


er
gestalten wir unsere Gabe. Ich habe in den
letzten Jahren alle Frauen dieser Kirche
vertreten, was eine weitreichende Verant-
wortung mit sich brachte. Ich glaube, der
Herr wird meine Anstrengungen an mei-
nem Herzen und meinem Geist messen,
so wie er es auch bei Ihnen tut.
«KWHll Heute verkörpert die FHV die Hoff-
nung, die Präsidentin Emmeline B. Wells,
X die zu Beginn dieses Jahrhunderts ge-
dient hat, zum Ausdruck brachte. Ihre
Die Statue des Propheten Joseph Smith und seiner Frau Emma erinnert an die Gründung der FHV Führung half der FHV, an den ihr lieb-
von Nauvoo, der Vorläuferin der weltweiten FHV der Kirche, im Jahre 1842.
gewordenen Traditionen festzuhalten,
während sei gleichzeitig voll Glauben an
halb weniger Wochen gründete der Pro- (LuB 64:33), ernst nehmen, waren uns ein Gott und Hoffnung auf die Zukunft vor-
phet Joseph Smith auf Inspiration vom Segen. wärtsging. Fünfzig Jahre später sagte Prä-
Herrn hin die FHV. Es begann mit einer Ichmöchte den vielen Priestertumsfüh- sidentin Belle Spafford: „Die FHV steht
kleinen Gabe - und daraus ist eine große rern, die uns beraten und unterwiesen ha- gerade erst an der Schwelle ihrer gottge-
Kraft erwachsen, die überall in der Welt ben, meinen Dank aussprechen. Sie haben gebenen Mission." (In History of Relief So-
zum Guten wirkt - Stein für Stein. unser Vertrauen und unsere Unterstüt- 1842-1966 [1966], 140.) Heute sind
ciety,

Mir ist bewußt, daß, wenn wir gehor- zung genauso gebraucht, wie wir ihr Ver- wir über diese Schwelle in eine
bereit,
sam, glaubenstreu und aufrichtig sind, ständnis und ihre Priestertumsvollmacht neue Dimension der geistigen Gesinnung
der Herr uns hilft, unsere Gabe zu gestal- gebraucht haben. Der Herr hat tapfere, und des Lichts einzutreten. Erfüllt vom
ten. Das erfahren wir von Nephi, dem ge- weise Männer, Männer mit Herz, dazu Glanz der Hoffnung blicke ich auf die Ga-
boten wurde: „Du sollst ein Schiff bauen berufen, diese Kirche zu führen. Ich habe ben der Schwestern in der FHV in dem
auf die Weise, die ich dir zeigen werde, gesehen, wie Gott unsere Führer inspi- neuen Jahrhundert, das vor uns liegt. Un-
damit ich dein Volk über diese Wasser riert; ich habe sie entschlossen, mit Lei- sere Freude am Evangelium Jesu Christi
führen kann." (1 Nephi 17:8.) Nephi war denschaft und überlegt handeln sehen. und an unserem Platz in seinem Plan
nicht am Meer aufgewachsen; er hatte Ich vertraue ihnen; sie haben uns ver- wird die Menschen zu uns hinziehen und
noch nie ein Schiff gebaut. Aber seine traut. sie ändern. Wir werden die Welt, die Gut-
Antwort zeugt von Glauben und Verant- Ich weiß, ich spreche für die Frauen die- sein so dringend braucht, erheben und
wortungsbewußtsein: „Herr, wohin soll ser Kirche, wenn ich Präsident Hinckley, inspirieren. Diese neue Präsidentschaft
ich gehen, daß ich Erz finde zum Schmel- Präsident Monson, Präsident Faust und wird das Bewußtsein unserer Ziele und
zen, damit ich Werkzeug machen kann, dem Kollegium der Zwölf Apostel sage: unserer Arbeit noch stärker festigen. Ich
um das Schiff zu bauen auf die Weise, die Wir stehen hinter Ihnen, wir unterstützen unterstütze Präsidentin Smoot und ihre
du mir zeigst?" (1 Nephi 17:9.) Ohne zu Sie, wir wissen, daß Sie Propheten der Ratgeberinnen, die jetzt zum Aufbau des
zögern oder zu zweifeln begann Nephi, Letzten Tage sind und daß Sie die Schlüs- Gottesreichs ihren neuen Stein einbrin-
an seiner Gabe für den Herrn zu arbeiten, selgewalt des Gottesreichs innehaben. gen, von ganzem Herzen. Gewiß wird
nämlich an dem Schiff. Ich danke auch Joe, meinem Mann, der die Kraft von heute als Grundlage dienen,
Als ich zu dieser Aufgabe berufen mir mit seiner Beständigkeit, seinem Sinn auf die die Frauen von morgen bauen
wurde, habe ich, wie Nephi, den Herrn für Humor und seinem gesunden Men- werden.
um Hilfe gebeten. Mein Werkzeug waren schenverstand und seinen rechtschaffe- Diese Kirche ist durch die stetigen An-
meine beiden starken und fähigen Ratge- nen Händen ein Segen ist. Meine vier strengungen der Mitglieder, die still ihr
berinnen, Chieko Okazaki und Aileen Söhne haben es ihm gleichgetan und mich Teil tun, die mit ihren täglichen Heraus-
Clyde. Wir drei hatten das große Glück, treu unterstützt. Ich habe es als höchstes forderungen ringen, die demütig, gedul-
einen Ausschuß von 12 großartigen Kompliment aufgefaßt, als einer von ih- dig und langmütig sind, aufgebaut wor-
Frauen zu haben, die engagiert und fähig nen sagte: „Wir bringen Mama schon so den und wird durch sie weiter wachsen.
mitgearbeitet haben, dazu Mitarbeiterin- lange bei, wie sie als FHV-Präsidentin Das sind die Herzen, die von Freude er-
nen im Büro, die großzügig und geduldig sein muß, und jetzt macht sie es endlich füllt sind, wenn sie ihre Gabe darbringen
gedient haben. Gemeinsam haben wir richtig!" und singen: „Es jauchzet das Herz in un-
„diesesWerk mit Herzensheiligkeit" voll- Unsere Gaben schließen sowohl die Ar- endlicher Wonne." (Gesangbuch, Nr. 2.)
bracht (siehe Mosia 18:12). Auch die beit, diewir tun, ein als auch das Herz, Mein Herz von Dankbarkeit und
ist

Gebete und das gute Wesen der Frauen mit dem wir sie tun. Der Herr bezeichnet großer Freude erfüllt. Geben wir gemein-
in der FHV in der ganzen Welt, guter das als „reuiges Herz und zerknirsch-
. . . sam voll Freude Zeugnis vom Erretter:
Frauen, die den Auftrag des Herrn, ten Geist" (3 Nephi 9:20). Diese Einheit „Hosianna, Hosianna dem Vater und
„werdet nicht müde, das Rechte zu tun" macht die Seele aus. Omni hat ja gesagt: Sohn!" Im Namen Jesu Christi. Amen. D

DER STERN
74
und Bedrückten hören? Können wir
ff Geh und handle genauso //
sagen: „Ich hätte etwas unternommen,
wenn ich einen Menschen in Not gesehen
hätte, so wie der Samariter"?
Bischof H. David Burton Das Gleichnis geht weiter: „[Der Sama-
Präsidierender Bischof riter]ging zu ihm hin, goß Öl und Wein
auf seine Wunden und verband sie. Dann
hob er ihn auf sein Reittier, brachte ihn
zu einer Herberge und sorgte für ihn."
(Lukas 10:34.) Nachdem der Erretter die-
Sind wir beunruhigt genug, daß wir unsere Liebe zum Materiellen ses Gleichnis erzählt hatte, fragte er den
inden Hintergrund drängen und den Ruf der Hungrigen Gesetzeslehrer: „Wer von diesen dreien
hat sich als der Nächste dessen erwiesen,
und Bedürftigen, der Nackten und Kranken und Bedrückten hören ?
der von den Räubern überfallen wurde?"
(Lukas 10:36.)
Er nannte sofort den, der barmherzig
Gott, lieben mit ganzem Herzen und gehandelt hatte - den fürsorglichen Rei-
ganzer Seele, mit all deiner Kraft und all senden aus Samarien. Da ermahnte Jesus
deinen Gedanken und Deinen Nächsten : den Gesetzeslehrer: „Dann geh und handle
sollst du lieben wie dich selbst." (Lukas genauso." (Lukas 10:37; Hervorhebung
10:27.) Jesus erkannte die Antwort an und hinzugefügt.)
sagte: „Handle danach, und du wirst Ich möchte Ihnen von einigen der vielen
leben." (Lukas 10:28.) heutigen Samariter erzählen, die „Öl und
Dem Gesetzeslehrer war es peinlich, Wein" für die Bedürftigen auf der ganzen
daß ihm nicht gelungen war, den Mei-
es Welt haben.
ster zu verwirren. Er suchte sich durch Im März 1996 hat ein Freiwilligenteam,
eine weitere Frage zu rechtfertigen: „Und das aus einem Radiologen, zwei Techni-
wer ist mein Nächster?" (Lukas 10:29.) kern und einem biomedizinischen Inge-
Wir sollten dem Gesetzeslehrer für diese nieur bestand, in einem Krankenhaus in
zweite Frage sehr dankbar sein. Ihr ver- Polen ein Mammographiegerät und ein
danken wir eins der tiefgründigsten Filmgerät installiert. Die Geräte waren
Gleichnisse des Erretters. mit den großzügigen Spenden für den
Sie erinnern sich: „Ein Mann ging von Humanitären Hilfsfond der Kirche be-
Jerusalem nach Jericho hinab und wurde zahlt worden. Ärzte und Techniker aus
von Räubern überfallen. Sie plünderten umliegenden Krankenhäusern sind be-
ihn aus und schlugen ihn nieder; dann reits im Umgang mit den Geräten ge-
gingen sie weg und ließen ihn halbtot
Die großartige Arbeit, die Schwester
Jack und ihre Ratgeberinnen gelei- liegen." (Lukas 10:30.) Seit unseren PV-
schult worden. Als die polnische Regie-
rung die Vorzüge dieser Geräte sah,
stethaben, sind uns allen ein Segen Tagen hören wir von diesem Mann. Wir kaufte sie weitere fünfundvierzig. Jetzt
gewesen. Ich bin sicher, daß ich in Ihrer wundern uns, daß der Priester und der können Abnormalitäten entdeckt wer-
aller Namen spreche, wenn ich ihnen jetzt Levit nicht geholfen haben, und sagen: den, was vielen das Leben retten und viel
unseren Dank ausspreche. „Ich hätte bestimmt geholfen. Ich wäre Leiden verhindern wird.
Die gläubigen Jünger, die dem Erretter bestimmt stehen geblieben. Ich hätte Kambodscha hat unter fast dreißig Jah-
nachfolgten, hörten, wie er immer wie- sicher nicht weggeschaut." ren Krieg gelitten. Tausende sind umge-
der Evangeliumsgrundsätze durch kurze, Das Gleichnis geht weiter: „Dann kam kommen, und die Überlebenden leben in
zum Nachdenken anregende Geschichten ein Mann ausSamarien, der auf der Reise Elend und Armut. 1994 spendete die Kir-
vermittelte, die wir Gleichnisse nennen. war. Als er ihn sah, hatte er Mitleid." che Lebensmittel und bot dann an, dem
Nachdem sie schon viele Gleichnisse an- (Lukas 10:33.) Der Prophet Moroni hat in Volk von Kambodscha zu helfen, in der
gehört hatten, „kamen die Jünger zu ihm einer Vision die heutige Zeit gesehen. Im Produktion und Verarbeitung von Nah-
und sagten: Warum redest du zu ihnen Buch Mormon steht: „Denn siehe, ihr rungsmitteln unabhängiger zu werden.
in Gleichnissen?" (Matthäus 13:10.) Der liebt das Geld und eure Habe und euer Einige Ehepaare meldeten sich und bau-
Erretter erwiderte: „Deshalb rede ich zu Gewand
köstliches mehr, als ihr die
. . . ten eine kleine Konservenfabrik und eine
ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen Armen und Bedürftigen, die Kranken Fabrik für Hühnerfutter auf. In Zusam-
und doch nicht sehen, weil sie hören und und Bedrängten Warum schmückt
liebt. menarbeit mit der Universität von Kam-
doch nicht hören und nichts verstehen." ihr euch mit dem, was kein Leben hat, bodscha wurden technische Seminare
(Matthäus 13:13.) und doch die Hungrigen und Bedürf-
laßt vorbereitet, an denen viele teilnahmen.
Einmal wollte ein Gesetzeslehrer Jesus tigen, Nackten und Kranken und
die Durch den selbstlosen Einsatz heutiger
in bezug auf einen Punkt der Lehre auf Bedrängten an euch vorbeigehen und Samariter begann eine neue Ära in der
die Probe stellen. Er fragte: „Meister, was beachtet sie nicht?" (Mormon 8:37,39.) Landwirtschaft.
muß ich tun, um das ewige Leben zu ge- Moroni war von dem, was er in der Vi- Manche gehen regelmäßig und „handeln
winnen?" (Lukas 10:25.) Jesus antwortete sion gesehen hatte, beunruhigt. Sind wir genauso", indem sie Deseret Industries
mit einer eigenen Frage: „Was steht im beunruhigt genug, daß wir unsere Liebe großzügig Kleidung spenden. 1996 wur-
Gesetz? Was liest du dort?" (Lukas 10:26.) zum Materiellen in den Hintergrund den neununddreißig Tonnen Klei-
fast
Der Gesetzeslehrer zitierte das Gesetz drängen und den Ruf der Hungrigen und dung und an Bedürftige verteilt.
sortiert
fehlerfrei: „Du sollst den Herrn, deinen Bedürftigen, der Nackten und Kranken Ungefähr fünf Tonnen Kleidung wurden

JULI 1997
75
an Bedürftige in Rußland verteilt - Män- Leider kann sein Körper vieles nicht, was In einem Tal im Norden Utahs befindet
tel, die bei klirrender Kälte wärmen, er gern tun würde. Die Zystische Fibrose sich in einem kleinem Ort ein Kloster, wo
Handschuhe, die Frostbeulen verhindern, macht ihm das Atmen schwer. alternde Mönche leben, deren Zahl stän-
sowie Kleider, Hemden und Pullover. Ein Amanda, Jeddys große Schwester, ist dig sinkt. Eine Pfahl-FHV-Leiterin, die
russischer Beamter hat geschrieben: „Wir sechzehn Jahre alt. Sie zeigt Jeddy ihre sich ja auch noch um viele andere küm-
danken Gott und jedem einzelnen von Ih- Liebe auf vielerlei Art. Sie hat ein Gefühl mern muß, erkundigt sich regelmäßig
nen für die große Hilfe für unser Volk." für das, was er braucht, und tröstet ihn, nach dem Wohlergehen dieserMönche.
Der Prophet Alma hat über seine Zeit wenn er es besonders schwer hat. Sie ist Sie ist die erste, die ihnen an den Tagen,
gesagt: „Sie teilten von ihrer Habe, ein je- sein Verbindungsglied zur Schule. Sie wo das erlaubt ist, Süßigkeiten bringt. Sie
der gemäß dem, was er hatte, an die Ar- sorgt dafür, daß er jeden Tag seine Auf- kümmert genauso um ihr Wohler-
sich
men und Bedürftigen und Kranken und gaben aus der Schule bekommt, und gehen wie um das der Mitglieder ihres
Bedrängten aus." (Alma 1:27.) Selbst als hilft ihm dabei. Eine Nachbarin sagt von Pfahls.
sie wohlhabend geworden waren, „ließen ihr: „Amanda ist eine wahre Heldin in Die Bischöfe brauchen Freiwillige, die
sie keinen fort, der nackt oder hungrig ihrer Familie." Amanda weiß, was das Nahrungsmittel anbauen und verarbei-
oder durstig [war] darum waren sie
. . . bedeutet: „Geh und handle genauso." Nor- ten, um das Vorratshaus des Bischofs zu
freigebig zu allen ... sei es außerhalb der malerweise kommt Jeddy nur nach Salt füllen. Im vergangenen Jahr wurden fast
Kirche oder in der Kirche, und sie kann- Lake City, wenn er ins Krankenhaus muß. zweihundertsiebzigtausend Tage Arbeit
ten da keinen Unterschied, wenn jemand Aus einem ganz besonderen Grund freut gespendet, um die Lager aufzufüllen.
bedürftig war." (Alma 1:30.) er sich jetzt auf die Generalkonferenz im Viele haben besondere Erinnerungen an
Ein barmherziger Samariter zu sein ist Oktober. Es ist Tradition in der Familie, die Zeit, wo sie an Wohlfahrtsprojekten
ansteckend. Wenn nach der Art und daß der Großvater seine Enkel zur ersten gearbeitet haben. Ich höre immer noch
Weise des Herrn gesorgt wird, werden Generalkonferenz nach ihrem zwölften den Schreckensschrei des Farmverwal-
die Armen erhöht und die Reichen er- Geburtstag mitnimmt. Jeddy kann es ters, der sah, daß wir auf mehreren Hek-
niedrigtund beide geheiligt (siehe LuB kaum erwarten und Opa auch nicht. tar Zuckerrübenfeldern die jungen Pflan-
104:15-18).Der Gebende hilft dem Be- Kürzlich ist eine liebe dreiundneunzig- zen als Unkraut herausgerissen hatten.
indem er von dem abgibt, was
dürftigen, jährige Mutter, Großmutter und Ur- Präsident Monson hat gesagt: „Wir
er bekommen hat. Der Empfänger nimmt großmutter ihrem ewigen Gefährten in [haben] die Pflicht, den Hungernden,
das Angebot dankbar an. Wenn der Emp- das Leben jenseits des Schleiers gefolgt. Obdachlosen und Unterdrückten bei uns
fänger seine Möglichkeiten wahrnimmt, Dieses Ehepaar hat vier Kinder aufgezo- und anderswo Hilfe und Hoffnung zu
kann er später anderen helfen. gen, während es gleichzeitig tausendfach spenden." {Der Stern, Juli 1990, 3.)
Ein barmherziger Samariter zu sein be- seine Mitmenschen mit seinen musikali- Stellen Sie sich eine kleine Ein-Zimmer-
ginnt zu Hause, wenn die Eltern durch schen Talenten erfreut hat. Viele traurige Wohnung vor, in der sechs Personen le-
ihr Beispiel und ihre Weisung ihreKinder Menschen wurden wieder froh, wenn Das Zimmer ist schmutzig und unor-
ben.
unterweisen. Wenn man einander in der dieses Ehepaar Lieder der Hoffnung und dentlich. Die Familie ist seit Jahren nicht

Familie hilft und


füreinander sorgt, be- Ermutigung sang. Generationen noch un- in der Kirche gewesen.
stärkt das den Wunsch, zu gehen und geborener Kinder werden die Liebe des Als das Gemeinde-Wohlfahrtskomitee
genauso zu handeln. Erretters spüren, wenn sie die PV-Lieder über diese Familie sprach, herrschte ein
Im Osten Utahs im Uintah-Becken lie- singen, die diese Frau komponiert hat. Gefühl der Mutlosigkeit. Seit Jahren
gen mehrere kleine Orte. In einer dieser Als ihre Gesundheit nachließ, wandten schon hatten Bischöfe der Familie gehol-
freundlichen Kleinstädte wohnt Jedadiah. ihre liebevollen Kinder viel Zeit, Energie fen. Diesmal kam man auf eine neue Idee.
Er ist ein hübscher, blonder, elfjähriger und Gefühl auf, um ihrer Mutter zu hel- Vielleicht konnte man sogar diese schwie-
Junge. Jeddy liebt das Lernen und interes- fen. Eine Tochter widmete sich ganz ihrer rige Situation bewältigen, wenn man die
siert sich sehr für Sport. Er ist begeistert, Pflege. Diese Familie weiß wirklich, was Quellen für das Vorratshaus des Bischofs
weil er bald zwölf wirdund dann das mitfühlendes Dienen ist. Sie wird auch - die Talente und Fähigkeiten der Mitglie-
Aaronische Priestertum erhalten kann. weiterhin gehen und genauso handeln. der - mit einbezog.
Das Komitee kümmerte sich um den
unmittelbaren Bedarf, aber auch um die
zukünftigen Möglichkeiten. Als die Mög-
lichkeiten Realität wurden, kam Hoff-
nung auf. Trübsinn und Bedrücktheit wi-
chen dem Optimismus. Die Familie faßte
Hoffnung und verpflichtete sich, ihre Si-
tuation zu verbessern. Das Komitee ging
an die Arbeit. Eine Friseurin schnitt der
Familie die Haare. Ein Zahnarzt meldete
sich,und eine Frau kam zum ersten Mal
seitJahren nicht mehr in Verlegenheit,
wenn sie lächelte. Eine neue Brille er-
laubte es der Mutter, ihren Kindern wie-
der vorzulesen. Ein Finanzexperte half
der Familie, ihr Geld einzuteilen. Ein
Dreijähriges bekam die Physiotherapie,
die es dringend brauchte - wieder durch
die Hilfsmittel, die zum Vorratshaus des
Bischofs gehörten.

DER STERN
76
Es brauchte Zeit und viel Anstrengung,
bevor die Familie anfing zu glauben, daß
ihr Leben sich ändern könnte. In der
Im Namen Jesu Christi zum
Wohnung, die früher schmutzig und un-
ordentlich gewesen war, tauchten Anzei-
Vater beten
chen von Sauberkeit und Ordnung auf.
An den Fenstern erschienen Gardinen. Eider L. Edward Brown
Der Vater fand eine besser bezahlte Ar- von den Siebzigern
beit. Ein Jahr später lud diese Familie zur
Besichtigung ihrer neuen Wohnung mit
drei Schlafzimmern ein.
Eine verwundete Familie lag an der Wenn wir diese heiligen Worte, „im Namen Jesu Christi",
Straße, eine Familie, die genauso litt wie
benutzen, . . . stehen wir auf heiligem Boden.
der Reisende auf der Straße nach Jeru-
salem. Jemand hörte den Ruf der Fami-
lie, und ihre Wunden wurden verbunden.

Die heutigen Samariter folgten der gött- istein geliebter Geistsohn beziehungs-
lichen Aufforderung: „Geh und handle weise eine geliebte Geisttochter himm-
genauso." Auch das geistige Leben der lischer Eltern und hat dadurch ein
Familie wurde gerettet. Heute ist sie in göttliches Wesen und eine göttliche Be-
der Kirche aktiv und bereitet sich darauf stimmung." („Die Familie, eine Prokla-
vor, die Segnungen des Tempels zu er- mation an die Welt", Der Stern, Januar
halten. 1996, 93.)
Die Bischöfe benutzen die Fastopfer- So, wie ein Kind eine befriedigende Be-
spenden, um die Bedürfnisse zu erfüllen, ziehung zu seinem leiblichen Vater hat, in
die das Vorratshaus nicht erfüllen kann. der es sich geborgen fühlt, kann es auch
Präsident Hinckley hat vorgeschlagen, zu seinem himmlischen Vater stehen. Das
wir sollten bedenken, „was geschehen Kind spürt, daß es ein Kind Gottes ist und
würde, wenn man das Prinzip des Fast- daß Gott sein Vater ist. Das kommt uns
opfers und des Fasttags auf der ganzen normal und richtig vor, weil es richtig ist.
Welt befolgte. Die Hungrigen würden ge- Wir verkünden: „Im vorirdischen Dasein
speist, die Nackten bekleidet, die Ob- kannten und verehrten die Geistsöhne
dachlosen untergebracht. Der Geber und - töchter ihren ewigen Vater." (Der
würde nicht leiden, sondern durch seinen Stern, Januar 1996, 93.) Sie kannten ihn
geringen Verzicht gesegnet sein. Anteil- damals. Sie kennen ihn jetzt auf natürli-
nahme und Selbstlosigkeit würden über- che und intuitive Weise. Wie entsetzlich
ins Herz der Menschen einziehen." unser Meister, der Herr Jesus traurig es doch wenn ein unschuldi-
all

(Der Stern, Juli 1991, 55.) Präsident Spen-


Als Christus, mit seinen Jüngern am
ist,

ges Kind so mißhandelt wird, daß es ihm


cer W. Kimball hat gesagt: „Ich meine, wir L See von Galiläa war, lehrte er sie, schwerfällt, den himmlischen Vater zu
sollten statt des Betrags, den wir sparen, wie sie beten sollten. Dieses Gebet, das suchen und ihm zu vertrauen.
indem wir zwei Mahlzeiten auslassen, wir das Vaterunser nennen, ist es wert, Vor einigen Jahren liehen uns gute
vielleicht mehr, viel mehr - zehnmal so daß wir uns gründlich damit befassen Freunde ihre Hütte in Island Park in
viel geben, wenn wir das können." (Gene- Matthäus 6:9-13; 3 Nephi 13:9-13).
(siehe Idaho. Als wir an der Hütte ankamen,
ralkonferenz, April 1974.) Der Herr riet oder vielleicht gebot er so- stellten wir fest, daß wir einen falschen
Wenn wir Leiden lindern helfen, wer- gar: „So sollt ihr beten." (Matthäus 6:9.) Schlüssel bekommen hatten. Er paßte ein-
den wir Christus ähnlicher. Wir sind ge- Konzentrieren Sie jetzt Ihren Sinn und Ihr fach nicht. Wir versuchten, ein Fenster
nauso wie diejenigen, die vor zweitau- Herz darauf, wie er dieses wundervolle oder eine Tür zu öffnen, aber es gelang
send Jahren dem Erretter lauschten, Gebet begonnen hat. „So sollt ihr beten: nicht.
aufgefordert: „Geh und handle genauso." Unser Vater im Himmel." (Vers 9.) Welch Plötzlich rief unser Sohn Steven, der da-
Der Prophet Joseph Smith hat gelehrt, wir ein erstaunlicher Augenblick das war. mals etwa sieben Jahre alt war, uns zu, er
müssen „die Hungrigen speisen, die Welche Offenbarung! „Unser Vater", habe die Haustür aufbekommen. Tatsäch-
Nackten kleiden, für die Witwen sorgen, sagte er, „unser Vater". lich stand Steven mit einem triumphie-
die Tränen der Waisen trocknen, seien sie Ach, er hätte noch so viele andere Mög- renden Lächeln in der offenen Tür. Ich
nun in dieser Kirche oder einer anderen, lichkeiten gehabt, das Gebet zu beginnen war begeistert und überrascht und fragte
oder in überhaupt keiner, wo auch immer „O mächtiger Schöpfer des Himmels und ihn, wie er das geschafft habe.
wir sie finden." (Times and Seasons, 15. der Erde, O mächtiger Gott, der allgegen- Er antwortete herrlich spontan und
März 1842.) wärtig, allwissend und allmächtig ist." kindlich: „Ich habe den Kopf gesenkt und
Mögen wir großzügig mit unserer Zeit Diese Anreden enthalten erhabene, wahre gebetet. Als ich wieder aufschaute, sah
und freigebig mit unseren Beiträgen de- Aussagen. In einem einzigen Wort „Vater" ich den großen neben der Stufe und
Stein
nen helfen, die leiden. Mögen wir uns lehrte er so vieles, was wir wissen müs- dachte: ,Da ist ein Schlüssel unter dem
dem Grundsatz ein barmherziger Samari- sen, ja, wonach wir uns sehnen. Gott ist Stein/ Undda war er auch." Das Gebet
terzu sein, verpflichten und immer daran unser Vater. Und wir sind seine Kinder. des Kindes war erhört worden. Ich danke
denken, daß es notwendig ist, zu gehen Die Propheten Gottes verkünden: „Alle dem Herrn für die Mutter, die ihn gelehrt
und genauso zu handeln. Das erbitte ich im Menschen - Mann und Frau - sind als hat, im kritischen Augenblick den Schlüs-
heiligen Namen Jesu Christi. Amen. D Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch sel zu finden.

JULI 1997
77
um eine größere Herausforderung han-
delte. Dies war keine gewöhnliche Per-
son. Hier war jemand, der furchtein-
flößend, wütend und mächtig war. Mose
wollte nichts damit zu tun haben und be-
fahl kühn: „Weiche von mir, Satan, denn
allein diesen Gott will ich anbeten, näm-
lich den Gott der Herrlichkeit. Und nun
fing der Satan zu zittern an, und die Erde
bebte." (Mose 1:20,21.)
Hier war eine finstere und erbitterte
Macht. Wie konnte Mose ihr widerste-
hen? In diesem kritischen Augenblick ge-
schah es: „Mose empfing Kraft und rief
Gott an, nämlich: Im Namen des Einzig-
gezeugten, weiche von hier, Satan!"
(Mose 1:21.) Jetzt rief er eine Macht an, die
Liebe Brüder, Schwestern und Freunde, 18:19), verkündet er. „Betet in euren Fa- über seine Macht hinausging. Er schöpfte
ich gebe Ihnen feierlich Zeugnis, daß der milien immer in meinem Namen zum durch den Herrn Jesus Christus aus einer
Herr mit uns spricht. Er kann und will Vater, damit eure Frauen und Kinder Quelle der Kraft und Vollmacht, der der
mit Ihnen in Verbindung sein. Verfallen gesegnet seien." (3 Nephi 18:21.) Satan nicht trotzen konnte. „Und es begab
Sie nie auf den schrecklichen Gedanken, Bemerken Sie, wie er darauf besteht, sich: Der Satan schrie mit lauter Stimme -
daß er sich nicht um Sie sorgt, daß er Sie „ihr [müßt] immer in meinem Namen mit Weinen und Wehklagen und Zähne-
nicht kennt. Das ist eine satanische Lüge, zum Vater beten". „Es wird kein anderer knirschen;und er wich hinweg, ja, aus
die Sie vernichten soll. Name . gegeben, wodurch den Men-
. . der Gegenwart des Mose, so daß er ihn
Es ist gerade zwei Wochen her, daß ich schenkindern Errettung zuteil werden nichtmehr sah." (Mose 1:22.)
aus unser Wohnung in Japan mit dem kann, als nur im und durch den Namen Vor Jahren hat einer unserer Kollegen
Computer per E-mail Briefe an einen Nef- Christi, des Herrn, des Allmächtigen." uns dieses rührende Erlebnis erzählt:
fen in China, einen Sohn in Pocatello in (Mosia 3:17.) Seine kleine Tochter Kim hatte gerade
Idaho und einen anderen Neffen in Long- Den folgenden eindrucksvollen Bericht zählen gelernt. Sie konnte tatsächlich von
view in Washington schickte. Mittendrin lesen wir im Buch Mose im ersten Kapitel. eins bis zehn zählen. Sie waren so begei-
geschah ein Wunder. Unser Schwieger- In Vers 3 verkündet der Herr: „Siehe, ich stert, daß sie Oma anriefen, damit sie Kim
sohn schickte uns aus Salt Lake City eine bin der Herr, der allmächtige Gott, und auch zählen hörte.
Botschaft, die sofort auf dem Bildschirm Endlos ist mein Name; denn ich bin ohne „Hallo, Oma. Möchtest du hören, wie
erschien. Er fragte nur: „Bist Du da?" Ich Anfang der Tage und ohne Ende der Jahre ich zähle?" Dann fing sie an zu zählen:
antwortete sofort: „Ich bin da." So „spra- - und ist das nicht endlos?" Mose war be- „Eins, zwei, drei", bis zehn, „im Namen
chen" wir durch das Wunder E-mail mit- stimmt überwältigt. Stellen Sie sich vor, Jesu Christi, amen." Vielleicht hat der
einander. was für ein Gefühl er wohl bei den näch- Erretter gelächelt und sich gefreut, daß
Natürlich kann Gott sich mit uns in Ver- sten Worten hatte, die in Vers 4 stehen: Kim von eins bis zehn zählen konnte.
bindung setzen, und er tut es auch. Laut „Und siehe, du bist mein Sohn" (Mose Wenn wir diese heiligen Worte, „im Na-
Lehre und Bündnisse, Abschnitt 88:6-13, 1:4.) Dies ist der allmächtige Gott, und men Jesu Christi", benutzen, so ist das
geht ein Licht „von der Gegenwart Gottes „Endlos ist sein Name". Und dann sagt viel mehr als die Möglichkeit, mit dem
aus und erfüllt die Unermeßlichkeit des er zu Mose: „Du bist mein Sohn." Was Beten, einem Zeugnis oder einer Anspra-
Raumes". Ein Licht, „das in allem ist, das für ein Augenblick. Wenn der Herr Ihnen che aufzuhören. Wir stehen auf heiligem
allem Leben gibt, das das Gesetz ist, wo- erscheinen würde, würde er dasselbe Boden. Wir benutzen einen sehr erhabe-
durch alles regiert wird, ja, die Kraft sagen. nen, höchst heiligen und höchst wunder-
Gottes." Dies Licht, das „euch Licht gibt, Nachdem der Herr dem Mose erschie- baren Namen - den Namen des Sohnes
kommt durch ihn, der euch die Augen er- nen war, kam der Satan und versuchte Gottes. Wir können nun durch seinen
leuchtet, und das ist dasselbe Licht, das ihn. Er gebot ihm: „Mose, Menschensohn, geliebtenSohn zum Vater kommen. Wel-
euch das Verständnis belebt." bete mich an!" (Mose 1:12.) Mose schaute che Kraft, welche Sicherheit, welchen
Unser Vater hat ein vortreffliches Kom- den Satan an und wies ihn zurecht: „Wer Frieden erhalten wir, wenn wir wirklich
munikationssystem, durch das er Bot- bist du? Denn siehe, ich bin ein Sohn in seinem Namen beten. Dieser Abschluß
schaften und Gefühle übermittelt. „Ja, Gottes, nach dem Ebenbild seines Einzig- des Gebets kann auf mancherlei Art der
siehe, ich werde es dir im Verstand und gezeugten; und wo ist deine Herrlichkeit, wichtigste Teil des Gebets sein. Wir kön-
im Herzen durch den Heiligen Geist sa- daß ich dich anbeten sollte?" (Mose 1:13.) nen den Vater durch seinen siegreichen
gen, der ... in deinem Herzen wohnen Mose hatte etwas über sich selbst erfah- Sohn mit der Zuversicht anrufen, daß un-
wird . . . dies der Geist der Offenba-
ist ren. Er war ein Sohn Gottes. Es ist so übe- ser Gebet gehört wird. Wir können bitten
rung." (LuB Er kennt seine Schafe
8:2,3.) raus wichtig, daß unsere Kinder an diese und erhalten, suchen und finden, anklop-
und setzt sich mit ihnen in Verbindung, Wahrheit erinnert werden! Mose gebot fen und danach die offene Tür finden.
und sie hören seine Stimme. (Johannes dem Satan, ihn zu verlassen, aber vergeb- Ich bezeuge Ihnen im heiligen Namen
10:14-16.) lich. Der Satan war wütend. Wieder gebot Jesu Christi, daß Gott unser Vater ist. Wir
Der Herr Jesus Christus lehrt uns beten. Mose ihm, sich zu entfernen, und der sind seine Kinder. Jesus Christus ist sein
Er verheißt uns, daß wir auch Antworten Satan schrie und tobte auf der Erde einziggezeugter Sohn im Fleisch. Er ist
erhalten. „Darum müßt ihr immer in mei- und ging nicht weg. (Siehe Mose 1:19.) unser geliebter Erretter und Erlöser. Im
nem Namen zum Vater beten" (3 Nephi Da wurde Mose klar, daß es sich hier Namen Jesu Christi. Amen. D

DER STERN
78
Umfeld sowie einen Le-
„Und wenn du dich bekehrt sellschaftliche
bensstil, der nicht
che entspricht.
den Maßstäben der Kir-
//
hast, dann stärke deine Brüder. Nach der Taufe
lernen, wie man
muß das neue Mitglied
ein Mitbürger der Heili-
gen im Reich Gottes wird, und zwar
Eider Robert D. Haies durch Studieren und Beten und das Bei-
vom Kollegium der Zwölf Apostel spiel der übrigen Mitglieder und deren
Fürsorge. Jedes Mitglied der Kirche ver-
Tag für Tag mehr, sein Zeug-
pflichtet sich
nis wächst, und es bekehrt sich noch
mehr, während es in der Familie und in
Um in der Familie der Heiligen eins zu werden, müssen die kirchlichen Berufungen dient.

etablierten Mitglieder der Kirche die neuen Mitglieder Wenn wir nun als neugetauftes Mitglied
im Reich Gottes sind, ehren wir das wie-
von Herzen und mit offenen Armen willkommen heißen.
derhergestellte Priestertum. Das Priester-
tum ehren und nach den Geboten Gottes
leben - auch das sind wesentliche Ele-
kam in der folgenden Frage zum Aus- mente des Bekehrungsprozesses. Einem
druck: „Wer bist du, Herr?" (Apostelge- erwachsenen Mann wird bald nach der
schichte 9:5.) Gelegentlich gibt es Men- Taufe das Aaronische Priestertum über-
schen, die ein solches Erlebnis haben, tragen. Nach einer gewissen Zeit wird
aber meistens dauert die Bekehrung eine ihm, wenn er würdig ist, das Melchisede-
Weile,wobei das Studieren und Beten, die kische Priestertum übertragen; dann hat
Erfahrung und der Glaube uns helfen, in ein jeder in der Familie Anteil an den Seg-
unserem Zeugnis und unserer Bekehrung nungen des Priestertums. Eine Frau wird
zu wachsen. in der FHV willkommen geheißen. Für
Als Abinadi unerschrocken den bösen die Jugendlichen gibt es die Organisation
König Noa und dessen Priester das Evan- der Jungen Männer und die der Jungen
gelium Jesu Christi lehrte, erkannte nur Damen. Die Kinder haben die PV, wo sie
Alma die Wahrheit. Er mußte dann gro- unterwiesen werden und die liebevolle
ßen Glauben an die Worte Abinadis be- Fürsorge ihrer Lehrer und Lehrerinnen
weisen, während er um die mächtige erfahren.
Wandlung im Herzen rang. Seine Her- Der Gehorsam gegenüber den Geboten
zenswandlung trug zu seiner Bekehrung führt uns zum Dienen und zur Opferbe-
bei, als er sich nämlich wünschte, seine reitschaft; wir nehmen in den Priester-
Sünden abzulegen. Die Bekehrung jedes tumskollegien und in den Hilfsorganisa-
einzelnen Mitglieds der Kirche sieht ganz tionen der Kirche Berufungen an.

Der Erretter hat, als fürsorglicher


Freund, zu Petrus, der ihm ja noch
ähnlich aus wie die Bekehrung Almas
(siehe Mosia 17).
Nach der Taufe bereiten wir uns gläubig
mindestens ein Jahr lang darauf vor, in
nicht so lange folgte, gesagt: „Si- Wir kommen aus der Welt ins Reich den Tempel des Herrn zu gehen, während
mon, Simon, der Satan hat verlangt, daß Gottes. Im Lauf unserer Bekehrung erle- wir weiter Fortschritt machen. Im heiligen
er euch wie Weizen sieben darf. ben wir die Umkehr, wodurch wir demü- Tempel erhalten wir die Begabung, die
Ich aber habe für dich gebetet, daß dein tig werden und ein reuiges Herz und uns lehrt, wie wir leben müssen, um in
Glaube nicht erlischt. Und wenn du dich einen zerknirschten Geist bekommen, die Gegenwart Gottes und seines Sohnes,
wieder bekehrt hast, dann stärke deine was uns darauf vorbereitet, uns taufen zu Jesus Christus, zurückkehren zu können.
Brüder." (Lukas 22:31,32.) Worin besteht lassen, Vergebung für unsere Sünden zu Dann werden wir für Zeit und alle
nun dieser Bekehrungsprozeß, den jeder erlangen und den Heiligen Geist zu emp- Ewigkeit gesiegelt. Unsere Kinder kom-
Sohn, jede Tochter Gottes durchmachen fangen. Dann überwinden wir im Lauf men beschützt zur Welt, denn sie sind in
muß, wenn sie anderen helfen wollen, in der Zeit und aufgrund unserer Glaubens- den ewigen Bündnissen geboren, die wir
seine Gegenwart zurückzukehren? treue Versuchungen und Drangsal und als Mann und Frau gemeinsam geschlos-
Die ersten Samen der Bekehrung beste- harren bis ans Ende aus. sen haben. Wenn wir bei der Taufe schon
hen darin, daß jemand vom Evangelium Ich denke an das, was die ersten Mit- Kinder hatten, werden unsere Kinder
Jesu Christi erfährt und den Wunsch hegt, glieder der Kirche alles aufgegeben ha- an uns gesiegelt, und es ist so, als ob sie
zu erfahren, ob seine wiederhergestellte ben. Vielemußten sich von Angehörigen im Bund geboren wären.
Kirche wahr ist. „Laßt diesen Wunsch in und Freunden trennen, das Heimatland Unser Zeugnis wird dabei immer stär-
euch wirken." (Alma 32:27.) Der Wunsch, verlassen und ihren Lebensstil ändern. ker, und es wird ein Schutz, „damit, wenn
die Wahrheit zu erkennen, gleicht einem Sie fuhren über das Meer und durch- der Teufel seine mächtigen Winde aussen-
Samenkorn, das im fruchtbaren Boden querten ein weites Land, um nach Zion den wird, . dies keine Macht über [uns]
. .

des Glaubens, der Geduld, des Eifers und und zur Gemeinschaft der Heiligen zu haben wird" (Helaman 5:12).
der Langmut (siehe Alma 32:27-41) gelangen. Daß wir die Wahrheit kennen und ein
wächst. In den heiligen Schriften finden Heute ist es nicht anders. Wenn jemand Zeugnis erlangen, gibt uns die Kraft, auf
wir einige Berichte über wunderbare Be- aus der Welt ins Reich Gottes kommt, gibt dem engen und schmalen Pfad zu blei-
kehrungen, beispielsweise die des Saulus. muß er Freunde oder sogar
er viel auf. Oft ben, der zum ewigen Leben führt. In dem
Daß er im Begriff war, sich zu bekehren, Verwandte zurücklassen, ebenso das ge- Maß, wie unser Zeugnis wächst, bekeh-

JULI 1997
79
ren wir uns immer mehr zum Evange- heranwachsen und Frucht tragen kann empfindet es der Herr. So empfindet es
lium Jesu Christi. Ihm zu folgen bedeutet, und in dem die Frucht bleibt (siehe Johan- unser Prophet. Und ich hoffe, Sie und ich
daß wir uns verpflichten, ihm zu dienen, nes 15:16). Viele sind stark genug, um bis empfinden das auch, damit wir uns be-
indem wir unseren Mitmenschen dienen. ans Ende auszuharren. Manche aber las- herzt derer annehmen, die schon die
Brüder und Schwestern, die Kirche sen sich entmutigen, wenn ihnen die Freude erfahren haben, die man empfin-
wächst rasch, denn überall in der Welt herzliche Hand der Gemeinschaft ver- det, wenn man den Geist verspürt, sich
verkünden unsere Missionare denen, die wehrt wird, und verlieren leider den taufen läßt, ein Zeugnis erlangt und dabei
bereit sind und Ohren zum Hören haben, Geist, der sie zum Wasser der Taufe ge- ist,Versuchungen und Drangsal zu über-
das Evangelium. Diese Menschen schlie- führt hat. Was einmal im Mittelpunkt winden und sich dauerhaft zu bekehren,
ßen sich mit großem Glauben der Kirche ihres Lebens stand, wird beiseite gescho- so daß dies in Ewigkeit Bestand hat.
an; sie haben ein Zeugnis von Jesus ben, weil sie sich vielleicht beleidigt füh- Da wir Tag für Tag so beschäftigt sind
Christus und Liebe im Herzen, und dann len, weil ihnen etwas anderes dringlicher und in unserem Leben und in unserer Fa-
müssen sie ihr Leben mit dem Willen des erscheint oder weil sie sich einfach im milie so viel leisten müssen, sehen wir
Herrn in Einklang bringen. Der enge Kon- Trott des Lebens verlieren. Es ist eine manchmal nicht, was das neue Mitglied,
takt zu den Missionaren, die ihnen das große Arbeit, die viel Freude bereitet, das gerade ins Gottesreich eingetreten ist,

Licht gebracht haben, ist dann nicht mehr wenn wir uns für die eigene Bekehrung braucht. Verpflichten wir uns doch dazu,
da. und die Bekehrung unserer Mitmenschen jedem neuen Mitglied zur Seite zu stehen,
Sie kommen in unsere Gemeinden und abmühen. mit ihm gemeinsam den engen und
Zweige und haben das Gefühl, sie seien „Und wenn ihr alle eure Tage damit zu- schmalen Pfad zu gehen, der zum Tempel
Fremde. „Ihr seid also jetzt nicht mehr bringt, diesem Volk Umkehr zu predigen, führt, und mit ihm zum Tempel zu gehen,
Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mit- und auch nur eine einzige Seele zu mir damit wir an unserer Freundschaft
bürger der Heiligen und Hausgenossen führt - wie groß wird doch eure Freude Freude haben können, während wir ge-
Gottes." (Epheser 2:19.) Wir lesen in den sein mit ihr im Reich meines Vaters meinsam auf das ewige Leben zugehen.
heiligen Schriften von Samenkörnern und Und nun, wenn eure Freude schon groß „Doch hatte das Volk der Kirche große
vom Sämann (siehe Matthäus 13; Alma sein wird über die eine Seele, die ihr zu Freude wegen der Bekehrung der Lama-
32). Wir erfahren, daß ein Samenkorn mir ins Reich meines Vaters geführt habt - niten, ja, wegen der Kirche Gottes, die
wachsen, daß daraus ein Baum werden wie groß wird eure Freude erst sein, unter ihnen aufgerichtet worden war.
kann, der Frucht trägt. Aber wir brauchen wenn ihr viele Seelen zu mir führt " (LuB !

Und sie pflegten Gemeinschaft mitein-


guten Boden, um das gute Samenkorn an- 18:15,16.) ander, und sie erfreuten sich einer am
zunehmen, und das ist eine unserer Auf- Haben Sie schon einmal darüber nach- anderen, und sie hatten große Freude."
gaben in der Kirche Jesu Christi der Heili- gedacht, wie traurig es ist, einen einzigen (Helaman 6:3.)
gen der Letzten Tage, daß wir für den zu verlieren, und wie schlimm es erst sein Stellen Sie sich einen Hirten vor, der
Boden sorgen, in dem das Samenkorn muß, wenn viele verloren gehen? So seine Schafe hütet. Der Hirt studiert und
betet eifrig, um Gott zu nahen.
sich
Während er sich so auf seine Beziehung
zu Gott konzentriert, verliert er das Ge-
fühl für Zeit und Wirklichkeit. Es fällt
ihm nicht auf, daß seine Schafe davonlau-
fen oder von bösen Eindringlingen ange-
fallen werden. Der Hirt wacht aus seiner
Versunkenheit auf und muß sich der
Wirklichkeit stellen, daß nämlich einige
Schafe fehlen und er sich auf den Weg
machen muß, um sie zu holen und
zurückzubringen.
Wir, die wir uns schon einigermaßen
bekehrt haben, müssen uns um jene küm-
mern, die umherirren. Wenn wir das tun,
wird es uns große Freude bereiten, die
Schafe des Herrn zu sammeln.
Ammon, der nephitische Missionar, ist
uns in dieser Hinsicht ein Vorbild. Er
hatte sich entschlossen, dem lamaniti-
schen König zu dienen, und erhielt den
Auftrag, die Herden Lamonis zu hüten.
Als eine Räuberbande die Schafherde an-
griff und die Schafe zerstreute, hatten
Amnions Mitknechte Angst und began-
nen zu weinen. Was sagte ihnen Ammon?
„Seid guten Mutes, und laßt uns auf die
Suche nach den Herden gehen, und wir
wollen sie zusammentreiben und zurück
zur Tränke führen." (Alma 17:31.)
Man kann diese Begebenheit einfach als
Geschichte einiger Hirten auffassen, die

DER STERN
80
ihre Schafe wieder einfangen wollen; aber wurde. Vom Boot aus sah einer der Fi-
dahinter steckt eine weit eindrucksvollere scher den auferstandenen Herrn am Ufer.
Aussage. Ammon war Missionar, und er Petrus sprang an Land, um den Erretter
hatte die gute Absicht, den König und zu begrüßen, und der Herr stellte ihm so-
sein Reich in die Herde der Rechtschaf- gleich eine sehr direkte Frage, die zeigen
fenheit zurückzubringen, zur Quelle le- sollte,wie weit Petrus sich schon bekehrt
bendigen Wassers. Wer nur das sieht, was hatte. Petrus lernte ja noch, ebenso wie
unmittelbar vor Augen ist, muß diese wir noch zu lernen haben. „Liebst du
Aufgabe für fast unmöglich halten: die mich?", fragte ihn der Herr dreimal.
Schafe waren in alle Winde zerstreut, und (Siehe Johannes 21:15-17.) Petrus war ver-
es gab nicht genug Männer, um sie wie- letzt und gekränkt. „Du weißt, daß ich
der einzufangen, bevor der König ihren dich liebhabe," sagte er (Johannes 21:17).
Verlust entdeckte. Dann gab ihm der Herr den Auftrag:
Ammon führte nicht nur die Männer an „Weide meine Schafe Weide meine Läm-
!

und fing die Schafe wieder ein, er verjagte mer!" (Johannes 21:15,16.)
auch die bösen Männer, die das alles ver- So wie Petrus bekehren sich viele Men-
ursacht hatten;und seine heldenhaften schen und wenden sich von der Welt ab,
Bemühungen brachten den König dazu, um dem Herrn nachzufolgen. Gehen wir
ihm zu folgen. Von Ammon lernen wir, wie Petrus „fischen", wenn wir eigentlich
daß wir ungeachtet der Umstände ande- berufen sind, Menschenfischer zu sein,
ren ein Vorbild sein können, daß wir an- und vergessen wir, seine Lämmer, seine
dere erheben und inspirieren können, so Schafe zu weiden? Wenn die Menschen in
daß sie ebenfalls nach Rechtschaffenheit unserer Umgebung leiden oder Angst ha-
trachten, und daß wir allen von der ben oder eine helfende Hand brauchen -
Macht Jesu Christi Zeugnis geben kön- liegen wir dann wie Petrus schlafend im
nen. Garten? (Siehe Matthäus 26:36-46.)
Um in der Familie der Heiligen eins zu Werden wir aufgrund unserer Erfah-
werden, müssen die etablierten Mitglie- rungen so wie Petrus antworten können,
der der Kirche die neuen Mitglieder von als der Herr ihn fragte: „Ihr aber, für wen
Herzen und mit offenen Armen willkom- haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete:
men heißen. Gleichermaßen müssen die Du bist der Messias, der Sohn des leben-
neuen Mitglieder sich aufrichtig bemü- digen Gottes!" (Matthäus 16:15,16.) der, jeden einzelnen von Ihnen, beteiligen
hen, zur Kirche zu kommen und mit den Brüder und Schwestern, verstehen wir Sie sichan dieser großen Anstrengung. . .

Mitgliedern Gemeinschaft zu pflegen. wirklich diese Lehre des Erretters „Wenn


: Brüder, helfen wir ihnen doch bei ihren
Das Einssein läßt alle Unterschiede in Ge- du dich bekehrt hast, dann stärke deine ersten Schritten als Mitglied. Dies ist eine
schlecht, Alter, Familienstand oder finan- Brüder?" (Siehe Lukas 22:32.) Die Läm- Arbeit für die Heimlehrer und die Be-
zieller Situation verblassen. mer zu weiden kann bedeuten, daß man suchslehrerinnen. Es ist eine Arbeit für
Zur Bekehrung gehört, daß man sein Missionsarbeit tut und sich um die neu- die Bischofschaft, für die Priestertumskol-
Leben weiht, um für andere zu sorgen getauften Mitglieder kümmert, die in der legien, für die FHV, die jungen Männer
und denen zu dienen, die Hilfe brauchen, Geborgenheit der Gemeinschaft in der Fa- und die Jungen Damen, ja, sogar für die
und daß man seine Gaben und Talente milie der Heiligen genährt werden sollen. PV. . . . Wir brauchen Ihre Freundlichkeit.
für andere einsetzt. Der Herr hat nicht „Weide meine Schafe" - das kann bedeu- . . . Der
der verloren war, hätte sich
eine,
gesagt: „Hüte meine Schafe, falls es dir ten, daß wir uns um die erwachsenen nicht verlaufen müssen. Aber wenn er ir-
gerade paßt. Hüte meine Schafe, falls du Mitglieder der Kirche kümmern, seien sie gendwo da draußen im Finstern ist und
mal nicht so viel zu tun hast." Er hat ge- aktiv oder weniger aktiv, die unserer Zu- wir die neunundneunzig allein lassen
sagt: „Weide meine Schafe! Weide meine wendung bedürfen und die wir in die müssen, um ihn zu finden, müssen wir
Lämmer! Hilf ihnen, in dieser Welt zu Herde zurückführen sollen. das auch tun."
bestehen, bleib ihnen nahe und führe sie Wir kennen die Aufforderung gut, die Mögen wir, auf den Aufruf des Prophe-
zur Sicherheit - zur Sicherheit durch ein Prophet ausgesprochen hat: „Jedes ten hin, beten:
rechtschaffene Entscheidungen, die sie Mitglied ein Missionar!" (In Conference
auf das ewige Leben vorbereiten." Report, April 1959, 122.) Ich hoffe, daß wir Hilf mir, einen Freund zu finden,
Die Herausforderungen, vor denen man der ebenso dringenden Bitte nachkom- ihn zuführen aus der Nacht
als Mitglied steht, sind dem vergleichbar, men, daß jedes Mitglied hilft, die neuen und dein Wort ihm zu verkünden
was die Jünger und Apostel Jesu lernen Mitglieder in die Gemeinschaft zu inte- durch des Heilgen Geistes Macht. .

mußten, nachdem sie seine ernste Auffor- grieren, indem es sich um unsere Brüder Lehr mich deine Lämmer finden,
derung „Komm und folge mir nach" (Lu- und Schwestern kümmert und sie stärkt, die verirrt sind und allein;
kas 18:22) angenommen hatten. Im Neuen und zwar sowohl die Aktiven als auch hilf mir deine Schafe weiden
Testament steht vieles, was Petrus, der die neuen Mitglieder und die weniger und ein guter Hirt zu sein.

dienstälteste Apostel, gelernt hat, weil Aktiven. (Gesangbuch, Nr. 175.)


wir nämlich bei unserer Bekehrung das Gestern abend hat Präsident Hinckley
gleiche lernen müssen. in der Priestertumsversammlung eine Ich bete darum, daß wir der Aufforde-
Nach der Kreuzigung Jesu ging Petrus dringliche Bitte bezüglich unserer neuen rung unseres Propheten Folge leisten und
mit den anderen Jüngern fischen. Er war Mitglieder ausgesprochen. Er hat uns ans uns bekehren und dann unsere Brüder
der dienstälteste Apostel, aber er er- Herz gelegt, uns unserer neuen Mitglie- und Schwestern stärken. Im Namen Jesu
kannte nicht, was von ihm erwartet der anzunehmen: „Ich flehe Sie an, Brü- Christi. Amen. D

JULI 1997
81
nichts verkündet wird, von denen wir
Unser Zeugnis an die Welt nach dem Evange-
nichts wissen, die aber
lium gelebt und den Herrn geliebt haben
und die ohne Fanfarenstöße und Applaus
Präsident Gordon B. Hinckley ihre tägliche Arbeit verrichtet haben?
Fällt ihr ewiger Lohn geringer aus? Ich
glaube nicht.
Gott steht am Ruder. Wir trachten nach seiner Weisung. So ist es auch mit uns. Wir bringen jeder
Wir hören auf die leise, sanfte Stimme der Offenbarung. unsere Leistungen ein, und was wir lei-
sten, trägt zum Aufbau dieser Sache bei.
Und wir gehen so voran, wie er uns leitet. Ihre Leistungen sind genauso annehm-
bar wie die unsrigen. Jesus hat gesagt:
„Wer der Erste sein will, soll der Letzte
Seine Kirche läßt sich nicht in die Irre von allen und der Diener aller sein."
führen. Sie brauchen das niemals zu be- (Markus 9:35.)
fürchten. Sollten die Führer dies jemals Brüder und Schwestern, wir gehören
wagen, kann der Herr sie entfernen. Wir alle zu einer großen Familie. Jeder hat
allesind auf ihn angewiesen, was unser eine Aufgabe; jeder hat eine Mission zu
Leben, unsere Stimme und unsere Kraft erfüllen. Und wenn wir die Erde verlas-
betrifft. sen, ist es Lohn genug, wenn wir unse-
Wir wollen in den Ländern, in denen rem geliebten Meister sagen können:
wir leben, gute Bürger sein. Wir wollen in „Ich habe den guten Kampf gekämpft,
unserem Gemeinwesen gute Nachbarn den Lauf vollendet, die Treue gehalten."
sein. Anerkennen wir die Verschiedenar- (2 Timotheus 4:7.)
tigkeit in unserer Gesellschaft, und sehen Möge ein jeder von Ihnen sicher nach
wir das Gute in jedem Menschen. Wir Hause kommen. Mögen Sie in Liebe, in
brauchen für unsere religiöse Überzeu- Dankbarkeit und Anerkennung füreinan-
gung keinerlei Kompromisse einzugehen. der zusammenleben. Möge der Himmel
Aber wir können auf jede Form von auf Sie herablächeln.
Spießigkeit und Engstirnigkeit verzich- Wir lieben Sie. Wir lieben Sie sehr. Wir
ten. lassen Ihnen unseren Segen. Wir tun dies
„Wir glauben an Gott, den ewigen Vater, als Diener des lebendigen Gottes und im
und an seinen Sohn, Jesus Christus, und Namen unseres göttlichen Erlösers. Gott
war eine wunderbare Konferenz. an den Heiligen Geist". (1. Glaubensarti- sei mit Ihnen, bis wir uns wiedersehen.
Es Der Geist des Herrn war mit uns.
Die Musik hat uns inspiriert. Die
kel.) Das ist die Hauptaussage unseres
Glaubens. Wir sprechen offen über die
Darum bete ich zum Abschluß dieser gro-
ßen und wundervollen Konferenz, im
Ansprachen und Gebete haben in uns den tatsächliche Existenz Jesu Christi. Wir er- Namen Jesu Christi. Amen. D
Wunsch geweckt, es besser zu machen. klären ohne Zweifel die Tatsache seines
Wir danken denen, die zu uns gesprochen großen Sühnopfers für die ganze Mensch-
haben, und wünschten, wir hätten von heit.Dadurch ist die allgemeine Auferste-
allen General- und Gebietsautoritäten hung gewiß und der Weg zur Erhöhung
und allen Beamten der obersten Ebene im Reich unseres Vaters offen.
gehört. Das hätte dann ungefähr eine Das der Kern unserer Aussage an die
ist

Woche gedauert. Welt. Es die Grundlage unserer Theo-


ist

Wir sind daran erinnert worden,


daß logie. Es
ist die Quelle unseres Glaubens.

wir ein großes Vermächtnis mitbekom- Niemand soll behaupten, wir wären
men haben. Die Vergangenheit liegt hin- keine Christen.
ter uns. Wir müssen uns der Zukunft Denen, die auf dieser Konferenz entlas-
widmen. Großartige Möglichkeiten und sen worden sind, bekunden wir unsere
große Herausforderungen liegen vor uns. tiefeDankbarkeit für das, was sie gelei-
Unsere Kritiker innerhalb und außerhalb stethaben. Sie haben es sehr, sehr gut
beobachten uns. Um
einen Fehler zu fin- gemacht. Danke für Ihre wundervolle
den, achten sie auf jedes von uns gespro- Arbeit.
chene Wort, in der Hoffnung, daß wir in Denen, die neu bestätigt worden sind,
die Falle gehen. Hin und wieder mögen wünschen wir große Zufriedenheit und
wir stolpern, aber das Werk wird dadurch daß Sie in der Arbeit, die Sie tun, glück-
nicht wesentlich behindert. Wir stehen da lich seinmögen. Wir werden alle irgend-
auf, wo wir gestolpert sind, und gehen wann einmal auf die eine oder andere
weiter. Weise entlassen. Es kommt nicht darauf
Wir haben nichts zu fürchten und alles an, wo wir in dieser großen Sache dienen,
zu gewinnen. Gott steht am Ruder. Wir sondern darauf, wie wir dienen.
trachten nach seiner Weisung. Wir hören Wir denken an Brigham Young und eine
auf die leise, sanfte Stimme der Offenba- Handvoll anderer aus unserer Pionierge-
rung. Und wir gehen so voran, wie er uns schichte. Was ist aber mit denen, von de-
leitet. nen nicht gesungen wird, von denen

DER STERN
82
Allgemeine JD-Versammlung lische Vater mein Beten mehr als erhört
29. März 1997 hat. Ich hatte nur um jemanden gebetet,
der mich verstand, und er schickte mir
jemanden, den ich kannte."
Lernen, jeden Schritt im Jahre später erzählte Anna, wie sie diese
erstaunliche Reise allein bewältigt hatte:

Glauben zu gehen der Glaube an den Herrn hatte sie darin


bestätigt, daß etwas Besseres vor ihr lag.
Das den Mut verliehen, ohne
hatte ihr
Bonnie D. Parkin ihre Mutterden Ozean zu überqueren,
Zweite Ratgeberin in der JD-Präsidentschaft zum Väter im Himmel zu beten, als sie
nicht weiterwußte, und zur sicheren Zu-
flucht beim Tempel zu gehen. Anna ging
In vielen Jahren werden eure Enkelkinder voller Staunen von ins Unbekannte hinein und hinterließ
euren Entscheidungen erzählen, die sich auf ihr Leben ausgewirkt Fußspuren, denen andere nachfolgen
konnten. Einer von denen, die in Annas
haben. Sie werden euch als ihre Pioniere bezeichnen.
glaubenerfüllte Fußstapfen traten, war
mein Mann. Anna war nämlich seine
Großmutter.
Anna sah furchtsam zu, wie der
nicht da. Anna muß entsetzliche Angst gehabt
Bahnhof immer leerer wurde. Schließlich haben. Auch wenn sie es wahrscheinlich
blieb sie allein mit einer deutschen Fami- nicht wußte, bahnte sie doch tapfer einen
liezurück, die auch nicht abgeholt wor- Weg, auf dem andere ihr folgen konnten.
den war. Die Dunkelheit schloß sie be- Anna war ein Pionier. Ein Pionier steht
drohlich ein. Sie berichtete später: „Ich für das ein, was richtig ist, er hat den Mut,
begann zu weinen und dachte an das, anderen vom Evangelium zu erzählen,
was meine Mutter mir als letztes gesagt auch wenn er auf Widerstand stößt, und
hatte: ,Wenn du irgendwohin kommst, er gibt durch sein Handeln Zeugnis von
wo du nicht verstehst, was die Menschen Christus. So wie Anna.
sagen, vergiß nicht, zum Vater im Him- Könnt ihr euch in Annas Geschichte
mel zu beten, denn er versteht dich.'" wiedererkennen? Vielleicht in eurer Be-
Anna kniete neben ihrem Koffer nieder geisterung für das Evangelium oder viel-
und flehte mit aller Kraft um himmlische leicht in der Angst vor dem Unbekann-
Hilfe. Haben wir nicht alle schon einmal ten. Wir müssen alle unseren Weg im
so gebetet? Glauben gehen. Das ist im Evangeliums-
Die deutsche Familie gab Anna durch plan so vorgesehen. Unser Weg führt uns
Zeichen zu verstehen, daß sie mitkom- vielleicht nicht über einen Ozean oder zu
men sollte. Da ihr nichts anderes übrig einem finsteren Bahnhof, auf dem wir al-
blieb, ging sie weinend hinterher. Als sie lein sind. Aber wie er auch aussehen mag,
Matilda Anderson war am Tempelplatz angekommen waren, wir müssen jeden Schritt im Glauben ge-
Anna
nes Mädchen, das den achtziger
in
ein klei-
hörten sie eilige Schritte. Eine Frau kam hen. In vielen Jahren werden eure Enkel-
L Jahren des letzten Jahrhunderts eilig auf sie zu und sah jeden, der ihr ent- kinder voller Staunen von euren Ent-
in Schweden lebte. Als sie und ihre Fa- gegenkam, aufmerksam an. Sie sah die scheidungen erzählen, die sich auf ihr
milie sich der Kirche anschlössen, wur- deutsche Familie an und ging dann wei- Leben ausgewirkt haben. Sie werden euch
den sie wegen ihres Glaubens verspottet. ter. Anna bekam den forschenden Blick als ihre Pioniere bezeichnen. Habt ihr
Annas Mutter beschloß, mit ihrer Familie der Frau mit. Die Frau blieb ungläubig schon einmal darüber nachgedacht, daß
nach Amerika zu ziehen und sich den stehen. Sie erkannte das Mädchen! Und ihr, wenn ihr wie Anna ins Unbekannte

Heiligen in Utah anzuschließen. Anna schockiert erkannte auch Anna die Frau. hineingeht, anderen den Weg weist? Ich
war 11 Jahre alt, als sie und ihre Schwe- Es war ihre Sonntagsschullehrerin, die möchte euch etwas aus dem Leben ande-
ster Ida vorausgeschickt wurden. Sie soll- Schweden ein Jahr zuvor verlassen hatte rer Mädchen erzählen, die damals zu den
ten Geld verdienen, damit die übrigen Fa- Sie drückte Anna fest an sich und wischte Pionieren gehörten.
milienmitglieder nachkommen konnten. ihr die Tränen aus den Augen. Sie sagte Ruth May Fox hat gesagt: „Als die Zeit
den Schiff nach Amerika
Sie reisten mit zu Anna „Ich bin immer wieder wach ge-
: gekommen war, daß wir aus England ab-
und fuhren dann mit dem Zug nach worden. Immer wieder habe ich neu
. . . reisen sollten, schwebte ich im siebten
Ogden in Utah. Von dort aus fuhr Ida mit angekommene Einwanderer vor mir ge- Himmel. . Wir verließen unser Haus im
. .

dem Planwagen weiter zu ihren Sponso- sehen. Ich konnte einfach nicht wieder Schutz der Dunkelheit, um der Neugier
ren in Idaho. Anna saß jetzt völlig allein einschlafen. Ich hatte das Gefühl, ich unserer Nachbarn zu entgehen. Hätte es
im Zug und fuhr nach Salt Lake City wei- müßte zum Tempel kommen, um zu se- etwas Aufregenderes geben können?"
ter. Sie sprach kein Englisch und kannte hen, ob hier jemand ist, den ich kenne/' (Susan Arrington Madsen, I Walked to Zion:
niemanden. Könnt ihr euch vorstellen, (Tagebuch von Anna Matilda Anderson, im True Stories of Young Pioneers on the Mor-
wie einsam sie war und welche Angst sie Besitz der Verfasserin.) mon Trail, Salt City, [1994], 30.) Der
Lake
ausstehen mußte? Könnt ihr das fassen? Eine Sonntags- Pioniergeist von Abenteuerlust erfüllt!
ist

Der Zug kam kurz vor Mitternacht am schullehrerin, die in der finsteren Nacht Margaret Gay Judd Clawson schrieb:
dunklen Rio-Grande-Bahnhof an. Die als Engel des Lichts ausgesandt wurde! „In unserer Abteilung befanden sich
Verwandte, die Anna abholen sollte, war „Da sieht man", so Anna, „daß der himm- mehrere sehr nette junge Männer. Vor al-

JULI 1997
83
Er machte mir immer so hüb-
lern einer.
sche Komplimente - er sagte mir, ich sei
schön und intelligent und ging sogar so
Geht immer weiter und gebt
weit, zu sagen, ich sei liebreizend, etwas,
was mir noch nie jemand vorgeworfen
der Zeit eine Chance
hat." (I Walked to Zion, 144.) Hat euch
schon einmal jemand vorgeworfen, ihr Virginia H. Pearce
wärt umgänglich oder freundlich? Was Erste Ratgeberin in der JD-Präsidentschaft
für einKompliment!
Margaret McNeil Ballard berichtet: „Ich
ging jeden Schritt des Weges über die
Prärie zu Fuß und trieb eine Kuh vor mir Unser Ziel, zu dem unsere Reise uns führen soll, unser Zion ist

her, und einen großen Teil des Weges trug das Leben in der Gegenwart unseres himmlischen Vaters.
ich noch meinen Bruder James auf dem Und um dorthin zu gelangen, müssen wir gehen und gehen
Rücken." (I Walked to Zion, 126.) Auch
und immerfort gehen.
viele von euch tragen voll Liebe und Kraft
Verantwortung für ihre Geschwister.
Und dann diese Gedanken von Susan
Noble Grant: „Ach, Kinder, ihr wißt wieder auf den Weg zu machen und dann
nicht, wie glücklich wir waren, auch in je- bisetwa 18 Uhr weiterzugehen. Dann ka-
nen schlimmen Tagen schwerster Prüfun- men wieder Routineaufgaben: die Tiere
gen. Mehr als einmal habe ich gehört, wie wurden ausgespannt und getränkt, Re-
Joseph Smith verkündet hat, daß unser paraturen wurden ausgeführt, es wurde
himmlischer Vater und sein Sohn Jesus, Brennholz gesammelt, dann wurden die
der auferstandene Erretter, gekommen Feuerstellen gebaut, es wurde das Abend-
waren und mit ihm gesprochen hatten. . . essen gekocht, man schrieb vor Einbruch
Dieses Zeugnis hat mich nie verlassen. der Dunkelheit noch ein, zwei Zeilen in
Und wenn ich einmal nicht mehr bin, sollt sein Tagebuch, manchmal gab es noch
ihr das euren Kindern und Enkelkindern ein bißchen Musik, und dann wurde
erzählen." (I Walked to Zion, 98.) Was für gebetet, und um 21 Uhr begann die
ein Vermächtnis! Aber auch wir haben Nachtruhe.
einen Propheten gehört. Auf die Geschwindigkeit kam es nicht
Klingen diese Geschichten so anders als an. Da die langsam dahintrottenden Och-
das,was wir heute in unser Tagebuch sen das Tempo vorgaben, mußte niemand
Wer von uns könnte tun, was
schreiben? rennen, um mit den Wagen Schritt zu
Anna getan hat? Ich glaube, wir alle. halten. An einem guten Tag, an dem keine
Warum? Wir beweisen unseren Glauben Probleme auftraten (gibt es so etwas über-
durch die mutigen Entscheidungen, die haupt?), legten die Pioniere rund vier-
wir jeden Tag treffen. Präsident Harold B.
W'oche um Woche sangen sie undzwanzig Kilometer zurück. Norma-
Lee hat den Pionieren der Neuzeit einen und gingen weiter und gingen lerweise waren es nicht einmal fünfzehn
wunderbaren Rat hinterlassen: „Geh bis und gingen immerfort." 1 Wenn Kilometer. Stellt euch vor, wie belanglos
ans Ende des Lichts und dann vielleicht ich an die Pioniere denke, kommen mir das im Vergleich zu ihrem großen Ziel
noch ein paar Schritte in die Finsternis traurige Szenen in den Sinn: Handkarren von gut zweitausend Kilometern war
hinein, dann wirst du sehen, daß das in Schneestürmen, Krankheit, erfrorene Auf einem Bronzefries, das auf dem
Licht erscheint und vor dir hergeht." (Zi- Füße, leere Mägen und flache Gräber. Friedhof von Winter Quarters steht2 ist ,

tiert von Boyd K. Packer, in Lucile C. Täte, Wenn ich mehr über diesen gewal-
aber unter anderem eine Mutter abgebildet,
Boyd K. Packer: A Watchman on th Tower, tigen Treck erfahre, bin ich davon über- die dieHand in den Wagen gelegt hat,
[1995], 138.)Wir müssen im Glauben ge- zeugt, daß neben diesen sehr realen und während sie nach dem Salt Lake Valley
hen. Das bedeutet, daß wir in das finstere dramatischen Szenen der größte Teil der unterwegs ist. Ihr kleiner Junge wollte
Unbekannte eintreten, weil wir daran Reise für die meisten zur Routine wurde. nämlich nicht im Wagen bleiben, wenn er
glauben, daß der himmlische Vater mit Zum größten Teil gingen und gingen sie die Hand seiner Mutter nicht sah. Auch
offenen Armen auf uns wartet, so wie immerfort. während diese Pioniere gingen, wußten
Annas Sonntagsschullehrerin. Wenn die Pioniere am Morgen ihr Lager sie, wie einander helfen konnten.
sie
Wir beten heute Abend, jede von uns abbrachen, mußte das Vieh gefüttert und Was hat nun all dies mit unserer heuti-
möge aus dem Pioniergeist Kraft schöp- getränkt werden, mußten Feuerstellen gen Welt zu tun? Ich glaube, alles. Unser
fen. Schaut heute Abend in den Spiegel. gebaut, mußte das Frühstück gekocht Leben besteht meist nicht aus einer Kette
Ihr werdet jemanden sehen, der einzigar- werden. Es mußte der kalte Mittagsimbiß dramatischer Ereignisse, die uns Helden-
tig, stark und mutig ist. Einen Pionier. zubereitet und eingepackt werden, Repa- tum und Mut abverlangen. Eher besteht
Haltet an dem Gedanken fest. Wie Anna raturen mußten durchgeführt werden, unser Leben die meiste Zeit aus täglicher
und tausend andere geht ihr voran und dann wurden die Tiere eingespannt und Routine, ja, aus monotonen Aufgaben, die
zeigt den Menschen, die ihr liebt, tapfer, die Wagen wieder beladen. Und das uns ermüden und uns empfänglich ma-
welchen Weg sie gehen sollen. Ich bete Morgen für Morgen. Dann gingen sie chen für Entmutigung. Natürlich wissen
darum, daß wir immer jeden Schritt im rund neun Kilometer und hielten wieder wir, wohin wir gehen, und wäre es mög-
Glauben gehen können. Im Namen Jesu an, um das Vieh zu füttern und zu trän- lich, würden wir uns dafür entscheiden,
Christi. Amen. D ken, das Mittagessen zu verzehren, sich aus dem Bett zu springen und wie ver-

DER STERN
84
rückt zu arbeiten, damit wir am Abend da
sind. Aber unser zu dem unsere
Ziel,
Reise uns führen unser Zion ist das
soll,
Leben in der Gegenwart unseres himmli-
schen Vaters. Und um dorthin zu gelan-
gen, müssen wir gehen und gehen und
immerfort gehen.
Es ist keine geringe Leistung, so Woche
um Woche vorwärts zu gehen. Die Be-
ständigkeit der Pioniere, die simple harte
Arbeit, die dazu gehörte, die Bereitschaft,
Zentimeter für Zentimeter, Schritt für
Schritt weiterzugehen, hin zum verheiße-
nen Land, begeistert mich genauso sehr
wie ihre sichtbareren mutigen Taten. Es
fällt so schwer, nicht den Glauben daran

zu verlieren, daß wir Fortschritt machen,


wenn wir uns in einem solchen Tempo
vorwärtsbewegen - nicht den Glauben an
die Zukunft zu verlieren, wenn wir an
einem Tag nur eine so kleine Strecke
zurücklegen.
Betrachtet ihr euch als heldenhafte Pio-
niere, weil ihr jeden Morgen aus dem Bett
steigt, euch die Haare kämmt und recht-
zeitig Ist euch klar, wie
zur Schule geht?
bedeutsam es ist, daß ihr jeden Tag eure
Hausaufgaben macht, und erkennt ihr
den Mut, der dahinter steht, wenn ihr um
Hilfe bittet, weil ihr eine Aufgabe nicht
versteht? Seht ihr das Heldentum, das mer wieder den heiligen Schriften zu
in Wie leicht wünschen wir uns rasche
darin besteht, daß ihr Sonntag für Sonn- lesen? Seht wie großartig es ist, wenn
ihr, und dramatische Ergebnisse als Lohn für
tag zur Kirche geht, euch am Unterricht ihr der Zeit die Chance gebt, eure Pro- die Arbeit eines Tages! Und doch, wie
beteiligt und zu euren Mitmenschen bleme zu einer Größenordnung zurecht- glücklich sind die Menschen, die gelernt
freudlich seid? Seht ihr die innere Größe, zustutzen, die es euch erlaubt, damit fer- haben, sich dem Rhythmus des regel-
die sich darin äußert, daß ihr das Geschirr tig zu werden? mäßigen und beständigen Fortschritts zu
spült, immer und immer wieder? Oder Präsident Howard W. Hunter hat ge- beugen - und auch das Gewöhnliche im
Oder auf Kinder auf-
Klavier spielen übt? sagt: „Wahre Größe erfordert immer
. . . Leben zu feiern und sich daran zu freuen.
paßt? Erkennt ihr die Seelenstärke und über einen langen Zeitraum hinweg re- Laßt euch nicht entmutigen. Denkt an
den Glauben an das Ziel der Reise, die ihr gelmäßige, beständige, kleine und diejenigen, die mit der Hand in den Wa-
braucht, um jeden Tag zu beten und im- manchmal ganz gewöhnliche Schritte." 3 gen reichen, um euch Mut zu machen.
Seid derjenige, der anderen die Hand
hinstreckt,während wir alle gemeinsam
vorwärtsgehen.
Wenn ihr abends zu Bett geht, dann hal-
tet Rückblick auf das, was ihr im Lauf des
Tages geschafft habt. Gestattet es euch,
die Zufriedenheit zu spüren, die sich ein-
stellt, wenn man seine Arbeit erledigt hat,

auch wenn man sie nur zum Teil geschafft


hat. Jene bemerkenswerten Pioniere wa-
ren nicht nur bereit, vorwärts zu gehen,
sondern sie sangen auch noch, während
sie gingen und gingen und immerfort
gingen. Wird von uns erwartet, daß wir
fröhlich sind, während wir unsere tägli-
che Arbeit verrichten? Vielleicht nicht
jede Minute an jedem Tag. Natürlich sind
wir manchmal traurig und sogar zornig.
Aber wir können uns dafür entscheiden,
uns der Traurigkeit oder dem Zorn nicht
ganz zu überlassen. Ein Mädchen hat un-
serem Büro geschrieben: „Es ist so toll, 14
zu sein. Ich wollte, ich könnte ganz lange
14 bleiben. Vierzehn zu sein macht

JULI 1997
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machte, ob ich durcheinander war oder keine
Freundinnen hatte. Ich hatte einfach das
Gefühl, er wäre gar nicht da. Ich hatte das
Gefühl, ich wäre allen egal."
Das ist ist inzwischen 16.
Carly. Sie
„Wenn mich als Zwölfjährige reden
ich
höre, mir wieder ein, wie sehr ich mir
fällt

damals eine ,Zauberlösung' gewünscht


habe, die alles in Ordnung brachte. Jetzt
glaube ich, daß es nichts gibt, das alles