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D 21862 E

AUGUST 1968
NR. 8
94. JAHRGANG
Worte OFFIZIELLES ORGAN
DER KIRCHE JESU CHRISTI
der Inspiration DER HEILIGEN
DER LETZTEN TAGE
VON MARION G. ROMNEY FÜR DIE DEUTSCH-
vom Rat der Zwölf SPRACHIGEN
PFÄHLE UND MISSIONEN
Gott hat es von Anfang an für richtig erachtet, allen Menschen eine gewisse
Kenntnis von sich selbst zugänglich zu machen. Wir als Seine heutigen Zeugen August 1968
erfüllen nur unsere Verantwortung, wenn wir Ihnen die Zeugnisse der Pro- 94. JAHRGANG NUMMER 8
pheten und unsere eigenen Zeugnisse über den Zustand und das Wesen der
Gottheit mitteilen.
Verlag und Herausgeber:
Bis zu dem Umfang, zu dem wir sie Ihnen mitteilen, geht die Verantwor-
Kirche Jesu Christi
tung von uns auf Sie über, die Glaubwürdigkeit der Zeugen und ihrer Zeug-
der Heiligen der Letzten Tage
nisse festzustellen. Niemand darf die Wichtigkeit unterschätzen, die seiner
Frankfurt am Main,
Entscheidung in dieser Angelegenheit innewohnt. Gott und Seinen Sohn Jesus
Ditmarstraße 9
Christus zu erkennen ist das ewige Leben. Ohne eine solche Kenntnis kann
niemand erlöst werden. Und der einzige Weg, sie zu erlangen, ist der, ein
persönliches Zeugnis von der Wahrheit der Offenbarungen zu erhalten, die
Gott, der Vater, und Jesus Christus, Sein Sohn, von sich selbst gegeben Redaktion:
Ezra Taft Benson
haben.
John E. Carr
dessen Wunsch, den lebendigen Gott kennenzulernen, stark
Derjenige,
Kenneth B. Dyer
genug ist, dem vorgeschriebenen Kurs zu folgen, kann und
ihn zu veranlassen,
Immo Luschin-Ebengreuth
wird das Zeugnis für seine Person erhalten. Und dann wird er verstehen,
Walter H. Ruf
was der Herr in den Schriften gesagt hat. Wer jedoch nicht danach strebt,
Redaktionsassistent:
wird die Offenbarungen niemals verstehen, die Gott über sich gegeben hat.
Harry Bohler

INHALTSVERZEICHNIS Frauenhilfsvereinigung
Layout:
Eva, ein würdiges Vorbild . . 349
Leitartikel Harry Bohler
von Präsident David O. McKay 324 Die Sonntagsschule Ingrid Kingore
Ist eine Kirche notwendig . . 326 Womit rechnen Sie? .... 352
Wer zustimmt, Hebe die Hand! 329
Für dje Jugend der Kirche
"
Der Abstand wird immer ß r ef
^i n j 355 Vertrieb und Anzeigenleitung
geringer 330 GFV: „GFV... für jene, DER STERN,
Die Köstliche Perle aus einer
die leben möchten" .... 356 6 Frankfurt am Main ,

neuen Sicht 336 Ditmarstraße 9


Der Glaube der Clovis- Genealogie
Anzeigenschluß
gemeinde wurde belohnt . . 342 Wer sind meine Verwandten? . 358
am 5. des Vormonats
Der Lohn für ausgezeichnete
a p,,-,-, ..,_.__..
DER kleine STERN
, , .

Leistung
a 344 ,-. ß
.. ... . . ,
nrt
Ein äußerst wichtiger Junge . . 73
Seite der Präsidierenden Bezugsbedingungen:
Bischofschaft 346 Daniel 76 Auflage 6000. —
DER STERN erscheint
monatlich. —
Bezugsrecht: Einzelbezug
Leere Bücherstützen . . . 348 Das größte Geheimnis Afrikas 77 1 Jahr DM
15—, Vi Jahr DM
8—, USA
$ 4, — bzw. DM 16, —
Postscheckkonto
.

Frankfurt/M. Nr. 154 (Frankfurter Bank,


Erläuterung zum Sonderkonto DER STERN 3019/02) —
Titelbild:
Für die Schweiz: sfr. 16. —
Postscheck-
.

„Joseph wird wachsen, er wird wachsen wie ein Baum an der Quelle, daß konto Nr. V 3896 der Schweizerischen
Mission der Kirche Jesu Christi der Hei-
die Zweige emporsteigen über die Mauer." (1. Mose 49:22) ligen der Letzten Tage, Basel. Für —
Österreich: öS 100, —
zahlbar an die
,

Worten leitet der Patriarch Jakob, dessen Glaubenstreue ihm


Mit diesen Sternagenten der Gemeinden.

und seinen Nachkommen den Ehrennamen Israel eingebracht hat, den Segen
über seinen Lieblingssohn Joseph ein. (Das 49. Kapitel im 1. Buch Mose
beschreibt diese patriarchalische Handlung.) Druck:
Harry Anderson hat einem Gemälde dieses großartige Ereignis dar-
in Paul Giese KG,
gestellt, und wir bringen einen Ausschnitt davon. Das ganze Bild hängt im Offenbach am Main
Besuchsgebäude auf dem Tempelplatz in Salt Lake City. Q
Wir verlangen nicht,
daß Sie sich
auf diese
Arbeitsmethode
umstellen sollen.

Für unsere Buchhaltung brauchen wir zum


1. September 1968 eine(n) Mitarbeiter(in)

Wir bieten gutes Gehalt und alle üblichen


Sozialleistungen. Wir behaupten, ein gutes
Arbeitsklima zu haben.

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6 Frankfurt am Main Mainzer

Landstraße 151, Postfach 3106

323
:

Wir finden folgende Worte in dem herrlichen Ge- uns erzählst? Wie wissen wir, daß Deine Angabe,
bet der Fürbitte, das Jesus, unser Erlöser, gespro- der Sohn Gottes zu sein, wahr ist?" Jesus hat dem
chen hat, bevor Er den Bach Kidron überquert und Sprecher auf eine sehr einfache Weise geantwortet
den Kuß empfangen hat, durch den Er den Soldaten — und beachten Sie die Prüfung —
verraten worden ist: Wenn jemand will des Willen tun, der wird inne-

Das ist aber das ewige Leben, daß sie dich, der werden, ob diese Lehre von Gott sei, oder ob
du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt ich von mir selbst rede. (Johannes 7:17)

hast, Jesus Christus, erkennen. (Johannes 17:3) Das ist eine überaus weise Probe. Um einem
Gott und Seinen Sohn zu erkennen ist das Menschen Kenntnis zu verschaffen, ist es die ein-
EWIGE LEBEN. Das also ist der Schlüssel! Das fachste Prüfung, die der menschliche Verstand be-
ewige Leben ist das, was ersehne
ich erstrebe. Ich greifen kann. Eine Sache auszuführen, sie in ihre
es mehr, als ich irgend etwas anderes in der Welt ureigene Persönlichkeit einzuführen, wird Sie davon
wünsche —
das EWIGE LEBEN für mich und die überzeugen, ob sie gut oder schlecht ist. Sie mögen
Meinen, für Sie und für die gesamte Welt. Und mich nicht von dem überzeugen können, was Sie
dort, in den Worten des Erlösers selbst, finden wir wissen; aber Sie wissen es, weil es ein Teil Ihres
das Geheimnis. Lebens ist. Das ist die Prüfung, die der Erlöser die-
sen Menschen gegeben hat, als sie Ihn gefragt ha-
Wie können wir IHN erkennen? ben, wie sie wissen können, ob die Lehre von Gott
Aber wie können wir Ihn erkennen? Das ist die sei oder von einem Menschen.
nächste Frage. Hat Er zu irgendeiner Zeit oder aus
irgendeinem Anlaß diese Frage beantwortet? Wenn „Der Wille" ist offenbart worden
ja, wollen wir diese Antwort finden, denn sie ist Wir haben die Frage beantwortet, daß wir es
lebensnotwendig. Wenn wir den Bericht untersu- wissen werden, wenn wir Seinen Willen tun; aber
chen, wie er uns von Menschen überliefert ist, die jetzt kommt die Frage: „Was ist ,der Wille'?" Und
mit dem Herrn tagtäglich zusammen gewesen sind, darin das gesamte Wesen des Evangeliums
liegt
entdecken wir, daß bei einer Gelegenheit Menschen, Jesu Christi. Genauso klar, wie Jesus dargelegt und
die ihm zugehört haben, sich laut über Ihn beschwert erklärt hat, was das EWIGE LEBEN ist oder wie wir
haben. Sie haben Seine Arbeit bekämpft, so wie Ihn es kennen werden, genauso klar hat Er diese Prü-
die Menschen heutzutage bekämpfen. Und eine fung niedergelegt, genauso klar hat Er ausgedrückt,
Stimme hat herausgetönt und dem Sinne nach ge- was Sein Wille ist.

sagt: „Wie wissen wir, daß das wahr ist, was Du Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten

324
Tage legt der Welt gegenüber Zeugnis davon ab, rufen ist." (LuB 107:99.) Der Mensch, der seine
daß der „Wille" Gottes in dieser Evangeliumszeit Pflicht kennt, in ihrer Anwendung jedoch versagt, ist

offenbart worden ist, daß die Grundsätze des Evan- sich selbst nicht treu; er ist seinen Brüdern gegen-
geliums, die Grundsätze des Lebens, enthüllt wor- über nicht aufrichtig; er lebt nicht in dem Licht, wel-
den sind. Sie stimmen mit den Grundsätzen überein, ches Gott und das Gewissen vorsehen. Dort steht
die Christus in der Mitte der Zeiten lehrte. die Kirche, und sie kommt Ihnen und mir sogar ins
Es gibt ein natürliches Empfinden, das die Män- Haus. Wenn mir mein Gewissen sagt, daß es recht
ner und Frauen zur Wahrheit hinzieht; es ist eine ist, eine bestimmte Richtlinie entlangzugehen, bin ich

Verantwortung, die der Menschheit auferlegt worden mir selbst nicht treu, wenn ich nicht dem folge, was
ist. Diese den Mitgliedern der Kirche
Pflicht ruht auf ich als recht erkannt habe.
in einem größeren Maß als auf ihren Mitmenschen. Oh, ich weiß, wir werden von unseren Schwächen
Vom 88. Abschnitt des Buches „Lehre und Bünd- und von äußerlichen Einwirkungen beeinflußt; aber
nisse" erhalten wir folgende Ermahnung-. es ist unsere Pflicht, auf dem geraden und schmalen
Und da nicht alle Glauben haben, so sucht eifrig Weg zu wandeln, wenn wir unsere tägliche Arbeit
und lehrt einander Worte der Weisheit, ja, suchet verrichten! Und beachten Sie das Folgende: Jedes-
Worte der Weisheit den besten Büchern;
in mal, wenn wir die Gelegenheit haben und darin ver-
suchet Kenntnisse — wie? — durch
Studium — sagen, der Wahrheit gemäß zu leben, die in uns ist,
aber nicht nur durch Studium, wie es die Welt jedesmal, wenn wir es versäumen, eine gute Tat zu
versucht —
und auch durch Glauben. (LuB88:1 18) tun, schwächen wir uns selbst und erschweren es

Die Mitglieder der Kirche haben erfahren, daß uns, diesen Gedanken oder diese Handlung in der
die Wahrheit des ewigen Evangeliums wiederherge- Zukunft auszuführen. Jedesmal jedoch, wenn wir
stellt worden ist. Welchen Vorteil verschafft ihnen eine gute Handlung ausführen, jedesmal, wenn wir
diese Kenntnis? Sie verschafft allen, die aufrichtig einem erhabenen Gefühl Ausdruck verleihen, er-
und ehrlich dem Grundsatz der Buße und der Taufe leichtern wir es uns, diese Tat oder diese Empfindung
gehorcht haben, die Gabe des HEILIGEN GEISTES, zu einer anderen Zeit auszuführen.
der ihren Verstand erleuchtet, ihr Verständnis be-

lebt und ihnen eine Kenntnis von Christus verleiht.


Was ist „der Wille"?
Bei ihrem Wunsch, ihre Pflicht zu erkennen, haben
„Der Wille" Gottes ist der, daß wir unseren Mit-
sie einen Wegweiser, eine Hilfe, ein Mittel, das ihnen
menschen dienen, ihnen Nutzen bringen und diese
bei der Erringung der Wahrheit hilft einen Weg- — Welt dadurch verbessern, daß wir in ihr gelebt ha-
weiser, den die Welt nicht besitzt. Und dieser Weg-
ben. Christus hat sich ganz der Aufgabe hingegeben,
weiser ist notwendig; der Mensch kann die Wahr-
heit nicht „herausfinden" — er kann Gott nicht mit
uns diesen Grundsatz zu lehren. Und Er hat erklärt:
„Was ihr getan habt einem unter diesen meinen
dem Verstand allein erkennen. Es ist einmal gesagt
geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan." (Mat-
worden, daß kein Mensch Gott durch ein Mikroskop
thäus 25:40.) Dies ist die Botschaft, die uns Gott
entdecken kann. Die Vernunft allein ist ein unge-
gegeben hat!
nügender Führer in der Suche nach der Wahrheit. Es
Dies ist vollkommen ge-
die Kirche Gottes, die so
gibt einen anderen erhabeneren, sicheren Weg-
bildet worden daß jeder Mann, jede Frau und
ist,
weiser als den Verstand.
jedes Kind etwas Gutes für irgend jemand anders
tun kann. Es ist die Aufgabe der Mitglieder des
Das Wissen und die Anwendung Priestertums, es istdie Pflicht der Hilfsorganisationen
Dieser Führer ist der Glaube — der Grundsatz, und eines jeden Mitglieds, Gott zu dienen und Sei-
der unseren Geist mit dem höheren Geist verbindet, nen Willen zu tun. Wenn wir das tun, werden wir
welcher uns an alle Dinge erinnern wird, uns die zu- immer mehr davon überzeugt, daß es das Werk
künftigen Dinge zeigen wird, und uns alle Dinge Gottes ist, je mehr wir es tun, weil wir es prüfen.
lehren wird. Es ist die Pflicht der Mitglieder der Kir- Wenn wir dann den Willen Gottes tun, lernen wir es,
che Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, die- Gott zu erkennen, näher zu Ihm zu kommen und zu
sen Geist zu erlangen. fühlen, daß uns das ewige Leben gehört.
Eine Sache zu kennen oder nur eine Gewißheit Gott offenbart der menschlichen Seele die Tat-
der Wahrheit zu fühlen genügt nicht „Wer nun — sächlichkeit der Auferstehung des Herrn, die Gött-
weiß, Gutes zu tun, und tut's nicht, dem ist es lichkeit dieses großen Werkes, die Wahrheit, die
Sünde." (Jakobus 4:17.) Der Prophet Joseph Smith göttliche und ewige Wahrheit, daß Er lebt, nicht als
hat gesagt: „Lerne deshalb jeder seine Pflicht und eine Macht, eine Substanz, eine Kraft, sondern als
wirke er mit allem Fleiß in dem Amte, wozu er be- unser Vater im Himmel! O
325
st eine Kirche
notwendig? VON
vom
ALT. HOWARD
Rat der Zwölf
W. HUNTER

Wie oft schon haben Sie den Ausspruch oder die Sie werden Weisheit und große Schätze der
Meinung gehört, daß es nicht notwendig sei, Mitglied Erkenntnis finden, selbst verborgene Schätze.
in einer Kirche zu sein oder am Programm in einer Sie sollen rennen und nicht müde werden,
religiösen Körperschaft teilzunehmen, um ein guter laufen und nicht schwach werden.
Christ zu sein oder das Leben eines guten Christen Und ich, der Herr, geben ihnen eine Verhei-
zu führen? Ich würde gern eine kurze Zeit die Gültig- ßung, daß der zerstörende Engel an ihnen, wie
keit eines solchen Ausspruches mit Ihnen unter-
einst an den Kindern Israel, vorübergehen und
suchen, und zwar Verbindung mit den Schriften
in
sie nicht erschlagen wird." (LuB 89:18-21)
und mit einer vernünftigen Gedankenführung, die
„Sich dieser Worte erinnern und sie befolgen"
durch die Tat gestützt werden kann.
scheinen die Schlüsselworte zu sein. Wir müssen
Um eine Prüfung dieses Gegenstandes durch- wiederum nicht nur glauben, sondern Täter des Wor-
führen zu können, scheint es grundsätzlich ange- tes sein, um die Segnung zu empfangen.
bracht zu sein, daß wir uns dem Begründer des In dem Brief an die verlorenen zwölf Stämme
Christentums zuwenden. Der Meister hat zu der warnt Jakobus sie folgendermaßen: „Seid aber Täter
Menge gesprochen und gesagt: „Es werden nicht des Worts und nicht Hörer allein, wodurch ihr euch
alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich selbst betrüget.
kommen, sondern die den Willen tun meines Vaters Denn so jemand ist ein Hörer des Worts und
im Himmel." (Matthäus 7:21) nicht ein Täter, der ist gleich einem Mann, der sein
Wenn ich diesem Wort zuhöre, meine ich, daß leiblich Angesicht im Spiegel beschaut.
der Herr sagt, „nur weil jemand meine Vollmacht Denn nachdem
er sich beschaut hat, geht er da-
anerkennt, oder Glauben an mein göttliches Wesen von und vergißt von Stund an, wie er gestaltet war.
hat oder nur seinen Glauben an meine Lehren oder Wer aber durchschaut in das vollkommene Ge-
das Sühnopfer zeigt, das ich vollbracht habe, be- setz der Freiheit und darin beharrt und ist nicht ein
deutet nicht, daß er in das himmlische Reich eintre- vergeßlicher Hörer, sondern ein Täter, der wird selig
ten oder einen höheren Grad der Erhöhung erreichen sein in seiner Tat." (Jakobus 1:22-25)
wird." Nehmen wir den tieferen Sinn, so sagt Er: Für diese Feststellung des Jakobus gibt es einen
„Der Glaube allein genügt nicht." Danach fügt Er historischen Hintergrund. Über die von Christus ge-
ausdrücklich hinzu: „ sondern die den Willen
. . .
gründete Urkirche, die sich unter der Führung der
tun meines Vaters im Himmel", in anderen Worten, Apostel in der ganzen Welt ausgebreitet hat, sagen
wer den Weinberg bearbeitet und beschneidet, da- überlieferte Berichte, daß sie am Tage des Herrn
mit dieser eine gute Frucht hervorbringt. eine ähnliche Form des Gottesdienstes durchgeführt
In der Offenbarung des Herrn als ein Wort der hat, wie er vom jüdischen Volk in den Synagogen

Weisheit, wo die Frage behandelt wird, wie wir rich- begangen worden ist. In diesen Versammlungen hat
tig leben, sind einige Dinge erwähnt, die für den man die Schriften des Alten Testamentes vorge-
Menschen gut ebenso jedoch auch die Dinge,
sind, lesen.

die schlecht für ihn sind; und dann fügt der Herr Die Schriften des Buches, das heute als das
hinzu: „Alle Heiligen, die sich dieser Worte erinnern, Neue Testament bekannt ist, sind noch nicht zusam-

sie befolgen und in Gehorsam zu den Geboten wan- mengestellt gewesen. Die Lehren Jesu und der
deln, werden Gesundheit empfangen in ihren Nabel Apostel waren jedoch zweifelsohne bekannt. Sie
und Mark in ihre Knochen. haben gebetet und die damaligen christlichen Ge-

326
sänge und die Psalmen gesungen. Jakobus scheint Dieser gleiche Grundsatz gilt, wenn er andere
bei der Feststellung, „seid aber Täter des Worts und Verhältnisse betrifft. Freundschaften können nicht

nicht Hörer allein", an die Teilnahme an religiösen andauern, wenn sie auf den Sand der Selbstsucht
Versammlungen zu denken. Die Bedeutung des Got- gebaut sind. Eine Ehe wenn sie außer
hält nicht aus,
tesdienstbesuches ist nach Jakobus dann erfüllt, der körperlichen Anziehung anderes Funda-
kein
wenn das gehörte Wort die Handlung bestimmt. ment hat und nicht auf tiefe Liebe und Treue auf-
Wenn sich irgend jemand für einen frommen Kirch- baut. Der gleiche Grundsatz gilt für das Verhältnis
gänger hält, ohne daß er die gehörten Wahrheiten des einzelnen Menschen zur Kirche. Brauchtum ge-
in seinem täglichen Leben anwendet, ist sein Kirch- nügt dogmatische Strenggläubigkeit ge-
nicht, eine
gang genauso unnütz wie ein flüchtiger Blick in einen nügt nicht; formellen Glaubensbekenntnisse
die
Spiegel, der sofort vergessen wird. reichen nicht aus. „Herr, Herr" zu sagen ist unge-
Der Apostel Paulus traf eine ähnliche Feststellung. nügend. Solche Glaubensrichtungen haben auf Sand
Er bezog sich in seinem Brief an die Heiligen in Rom gebaut.
mit folgenden Worten auf die Bedingungen des Ge- Die gesamte Natur, die der Bereich Gottes ist,

setzes: „Denn vor Gott sind nicht, die das Gesetz erscheint als ein Abbild dieses gleichen Grundsatzes.
hören, gerecht, sondern die das Gesetz tun, Die Biene, die nicht arbeitet, wird schnell aus dem
werden gerecht sein." (Römer 2:13.) In anderen Bienenstock herausgeworfen. Wenn ich die eifrigen
Worten, nicht die Hörer des Gesetzes sind recht- Ameisen bei ihrer Wanderung und rund um den
schaffen, sondern die Täter des Gesetzes. Die Be- Ameisenhaufen beobachte, werde ich von dem Ge-
merkungen des Paulus zielen auf die ab, die unter danken beeindruckt, daß sie Täter und nicht nur
der Maske der falschen Vorstellung leben, daß eine Gläubige sind. Das Glucken allein bringt der Henne
ehrenvolle Mitgliedschaft in ererbtem religiösen keinen Samen; sie muß kratzen. Ein abgestandener
Brauchtum sie zu Gläubigen macht, die Anspruch auf Tümpel, grün vor Algen und der Schlacke der Un-
Segnungen haben. Sie sind nicht Täter des Geset- tätigkeit, ist der Brutplatz der Krankheiten des
zes, sondern erweisen nur einen Lippendienst. Sumpfes; aber der klare Bergfluß, der sich auf sei-
Als sich Lukas auf das Gleichnis der zwei Häuser nem Weg die tiefe Bergschlucht herabwindet und
bezieht, berichtet er die Feststellung Jesu betreffs dabei über die Felsen rauscht, lädt zum Trinken ein.
Lippendienst wie folgt: „Was heißt ihr mich aber Die Worte des Meisters über das Haus ohne
Herr, Herr, und tut nicht, was ich euch sage? sicheren Grund sagen mir: Der Mensch darf nicht
Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut die oberflächliche und sorglose Ansicht vertreten,
sie, den will ich euch zeigen, wem er gleich ist. daß er sich selbst genügt und sein Leben auf irgend-
Er ist gleich einem Menschen, der ein Haus baute einer Grundlage aufbauen kann, die gerade leicht
und grub tief und legte den Grund auf den Fels. Da und angenehm ist. Solange das Wetter normal ist,
aber eine Wasserflut kam, da riß der Strom an dem wird seine Torheit vielleicht nicht auffallen; aber ei-
Hause und konnte es nicht bewegen; denn es war nes Tages wird die Flut kommen, der trübe Strudel
wohl gebaut. irgendeiner plötzlichen Leidenschaft, der rasende
Wer aber hört und nicht tut, der ist gleich einem Strom einer unvorhergesehenen Versuchung. Wenn
Menschen, der ein Haus baute auf die Erde ohne dann sein Charakter keine bessere Grundlage be-
Grund; und der Strom riß an ihm, und es fiel alsbald sitzt als nur den Lippendienst, kann sein gesamtes

ein, und das Haus tat einen großen Sturz." (Lukas sittliches Gefüge zusammenstürzen.
6:46-49) Was können wir bewußt dazu tun, ein starkes Fun-

327
dament zu errichten und uns selbst in eine Lage zu echten Grund, warum Christus Seine Kirche wäh-
wo
versetzen, wir den Willen unseres Vaters tun rend Seines persönlichen Wirkens auf der Erde er-
können? Was hilft uns am besten über den Punkt Wir brauchen nur Seinen Worten und den
richtet hat.

hinaus, nur Hörer oder lediglich Gläubige zu sein, Lehren derer zuzuhören, die Er in die Welt gesandt
so daß wir Täter des Worts werden? Wenn wir die hat, um das Folgende zu verstehen.
Gesetze Gottes und die Lehren des Erlösers erfor- „Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr,
schen, entdecken wir, daß sich fast alle auf unser Herr! das Himmelreich kommen, sondern die den
in

Verhältnis zu anderen beziehen. Ein einzelner ist be- Willen tun meines Vaters im Himmel" (Matthäus
grenzt und in seinem Handeln eingeschränkt, wenn 7:21); „ . . . alle Heiligen, die sich dieser Worte er-
er sich in der Absonderung oder der Einsamkeit be- innern, sie befolgen und im Gehorsam zu den Ge-
findet. boten wandeln" (LuB 89:18); sondern die das
Nicht ein einzelner Mann baut sich ein Auto, son- Gesetz tun, werden gerecht sein" (Römer 2:13);
dern die Vereinigung von Menschen mit einem ge- „Wer zu mir kommt und hört meine Rede und tut
einten Zweck verschafft die Möglichkeit, wodurch sie" (Lukas 6:47) —
dieses sind die Ermahnungen.
das Erzeugnis entsteht und auf den Markt gebracht Wegen der Tatsache, daß Christus die Kirche
wird. In der Gesellschaft, in der wir leben, sind we- während Seines Wirkens errichtet hat, müssen wir
nige Menschen Autodidakten. Wir verlassen uns auf annehmen, daß sie für den Menschen notwendig
den Zusammenschluß einer großen Anzahl von und nicht etwas ist, was er sich wählen kann. Das
Menschen, um das Ziel zu erreichen. Im Geschäfts- Leben und das Wirken Christi haben darin bestan-
leben und im Gewerbe erreichen die Männer den den, das Beispiel zu sein und das Vorbild zu schaf-
einen gemeinsamen Zweck
Erfolg, die tatkräftig für fen. Die Dinge, die Er festgelegt hat, sind mit der
zusammengefaßt sind. Es gibt eine Menge Dinge, Ermahnung gegeben, ihnen zu folgen.
die ein Mensch in Verbindung mit anderen erreichen Ich möchte behaupten, daß die Kirche Jesu
kann, die aber sonst fast unmöglich wären, wenn er Christi im heutigen Leben der Männer und Frauen
allein arbeitete. genauso notwendig ist wie zu der Zeit, als sie von
Abgesehen von einzelnen Menschen ist die Ihm errichtet worden ist, und zwar nicht wegen einer
kleinste Einheit in der Gesellschaft die Familie. Eine teilnahmslosen Beteiligung oder eines Glaubensbe-
Familie, die auf den von Christus gelehrten Grund- kenntnisses, sondern wegen der Übernahme tätiger
sätzen aufbaut, ist eins der herrlichsten Beispiele Verantwortung. Auf diese Weise bringt uns die
christlichen Lebens. Jedes Mitglied der Familie hat Kirche aus der Dunkelheit eines abgesonderten Le-
die Möglichkeit und das Recht, ein Täter zu sein und bens in das Licht des Evangeliums, wo der Glaube
die Fähigkeit zu erweitern, vollkommener nach den gemäß den Ermahnungen der um- Schrift in die Tat
Geboten zu leben. Wenn wir die Familieneinheit auf gewandelt wird. Das Hoffnung des einzelnen,
ist die
die große Gemeinschaft der Kirche umdenken, stel- der Familie, der Kirche und der Nationen der Erde.
len wir die Möglichkeit noch größerer Gelegenheiten 13 000 Männer und Frauen, hauptsächlich junge
fest, Täter des Wortes zu sein. Aus diesem erwei- Menschen, sind in der Welt als Missionare verpflich-
terten Familienverhältnis leiten wir unseren christ- tet und erklären, daß die Kirche, die von Christus

lichen Wortschatz ab und nennen Gott „Vater", während Seines persönlichen Wirkens errichtet wor-
Jesus unseren „älteren Bruder" und bezeichnen ein- den und der Welt wegen der Verderbtheit der Men-
ander als „Bruder" und „Schwester". schen in der Zeit der Finsternis und Verblendung
Die Ziele der Kirche bestehen darin, die Gesetze verlorengegangen ist, wiederum auf die Erde zu-
des Herrn und die Grundsätze des Evangeliums zu rückgebracht worden ist. Ich füge dem mein bekräf-
lehren, den Menschen in der religiösen Erziehung tigendes Zeugnis hinzu: Ich weiß, daß Gott lebt und
zu helfen, das feste Zeugnis einzupflanzen, daß Gott daß Jesus, Sein Sohn, der Christus und der Erlöser
lebt und daß Jesus der Christus und der Erlöser der der Welt ist. Ich bete demütig darum, daß jeder von
Welt ist, jedem Mitglied zu helfen und es durch die uns durch die wirksame Teilnahme in der Kirche
Gelegenheit des „Tuns" auf dem Weg zur celestialen Täter des Wortes werden möge, im Namen Jesu
und ewigen Erhöhung zu bestärken. Es gibt einen Christi. Amen. O

328
Wer so
man Art und Umfang des Gebotes
leicht, weil

Da kann man dann,


leicht definieren kann.
wenn man wegen der Tempelempfehlung befragt
wird, ohne viel Nachdenken mit einem klaren Ja

zustimmt antworten. Moralische Reinheit, Versammlungs-


besuch - das bereitet alles kaum Schwierigkeiten.
Aber wie
hebe die Hand! soll ich die Frage beantworten:

„Anerkennen Sie die Autoritäten?"?


Da muß ich nachdenken und mir klar darüber
werden, was diese Anerkennung bedeutet. Gibt
Von Immo Luschin-Ebengreuth es da nicht irgendwo eine feine Linie zwischen
der Autorität des Amtes und der Menschlichkeit
des Amtsträgers? Es ist natürlich verhältnismäßig
Daß kürzlich Thomas S. Monson an die Stelle
- einfach, einen Bruder aus den Reihen der
Ezra Taft Bensons - beide vom Rat der Zwölf
Generalautoritäten „anzuerkennen und zu
getreten ist, um
über die Kirche in Mitteleuropa
unterstützen", wie es heißt. Man hört den Namen,
zu wachen, und daß ich vor zwei Wochen bei
weiß, daß er ein hervorragender Diener des
einer Konferenz miterlebt habe, wie eine ganze Reihe
Herrn sein muß, sonst wäre er nicht in diesem
von neuen Beamten durch Abstimmung bestätigt
Amt, und somit bestätigt man ihn gern und ganz. Aber
worden sind, hat mir viel Stoff zum Nachdenken
der neue Ratgeber in der Gemeinde, den kennt
gegeben.
man ja schon so viele Jahre; von dem weiß man
Fürwahr, die Kirche läßt nichts unversucht, um in
zuerst einmal weniger seine Befähigung zur
jedem Menschen etwaige schlummernde Talente
Berufung als vielmehr seine menschlichen
zu wecken. Kaum ein Gebiet, das man als tätiger
Seiten ..
Heiliger der Letzten Tage nicht zu bearbeiten hätte!
.

Wenn man von Statistik wenig oder gar keine Es wird schon so etwas geben wie eine feine
Ahnung hat, kann man mit großer Bestimmtheit Linie zwischen dem Amt und dem Menschen.
darauf bauen, daß man über kurz oder lang als Dank sei dem Herrn, daß Er uns in dieser

Sekretär berufen wird, wo man dann auf diese schwierigen Situation nicht ohne Seinen Rat
Weise seine Persönlichkeit abrunden kann. gelassen hat. „Richtet nicht, auf daß ihr nicht
Der häufige Beamtenwechsel hat aber zweifellos gerichtet werdet!" und ,Von euch aber wird
verlangt, allen Menschen zu vergeben!" Das wäre
noch ein paar andere Seiten. Da ist zum Beispiel
also das, und über menschliche Unvollkommen-
die unbestreitbare Tatsache, daß das bearbeitete
Gebiet immer wieder die Bemühungen einer heiten zu Gericht zu sitzen widerspricht ganz und

anderen Persönlichkeit auf sich gerichtet sieht gar dem Willen des Herrn. Dann bleibt also die
und die Menschen in irgendeiner Kircheneinheit Bestätigung im Amt - in dem Amt, wozu er, wie

nun den Segen genießen, daß der neue Mann den wir glauben, durch den Willen und die Inspiration

Schwerpunkt auf einen bisher wenig beachteten Gottes berufen worden ist. Was ist da schwierig
Bereich verlegt und daß dadurch viel Gutes zum daran? Was man manchmal braucht, ist die klare

Vorschein kommt und auf die Daueralle Entscheidung, daß Paulus die Wahrheit gesagt
hat, wie er geschrieben hat: „Und es nimmt sich
Gefährdung durch Einseitigkeit vermieden wird.
Ebenso wie der neu Berufene das neue Arbeits- jemand nicht selbst die Würde (des Amtes),
gebiet braucht, um seine Fähigkeiten voll entfalten sondern er erhält sie, wenn er von Gott berufen
zu können, ist esdem neuen Arbeitsgebiet von wird ..."

Nutzen, von einem anderen Gärtner bearbeitet zu Es ist wirklich ein Vorzug, daß ich schließlich
werden. So nach dem Willen unseres Herrn
ist diese schwere Frage mit Ja beantworten kann,
allen geholfen, und das Reich wächst und wird weil die Kirche immer wieder die Möglichkeit gibt,
stark. mehr Einsicht in die Verpflichtung zu bekommen,
Mir selbst aber noch etwas anderes eingefallen.
ist die man auf sich nimmt, wenn man bei der
Wenn man getauft wird, nimmt man die Abstimmung Hand
hebt: Ich will dich, der du
die
Verpflichtung auf sich, ein Christ zu sein und mein Bruder und in allem Menschlichen mir
bist
Gottes Gebote zu halten. Da erhebt sich also gleich, in deinem Amt, das dir von Gott gegeben
zuerst einmal die Frage: „Welches sind die ist, vorbehaltlos anerkennen, deine Entschei-

Gebote?" Das Wort der Weisheit zu befolgen dungen, deine Maßnahmen, deine Ratschläge
oder den Zehnten voll zu zahlen, das ist ziemlich und Weisungen. O
329
Ein Beitrag Charles H. Townes
Der Abstand über Wissenschaft und Religion
Dr.
hat 1964 den Nobelpreis
für sein Werk
VON CHARLES H. TOWNES über die Laser-Strahlen erhalten.
wird immer Gegenwärtig ist er
leitender Professor für Physik
am Technischen Institut
geringer in Massachusetts.

Der ständig zunehmende Fortschritt der Wissenschaft worden ist, wie er als Wissenschaftler religiös eingestellt
hat der Religion große Schwierigkeiten bereitet, Schwie- sein könne, hat er geantwortet, daß sein Labor einen
rigkeiten, die jeder einzelne unterschiedlich gelöst hat. Bereich darstelle und daß seine Familie und sein Glaube
Die einen glauben, daß sich die Religion und die Wis- einganz anderer sei.
senschaft mit völlig unterschiedlichen Denkmethoden be- Spuren des naturwissenschaftlichen Absolutismus
fassen.Daher trennen sie diese Begriffe in ihren Überle- aus dem 19. Jahrhundert können wir noch heute in unse-
gungen so sehr voneinander, daß keine unmittelbare rem Denken und unserer Lebenseinstellung erkennen.
Gegenüberstellung möglich ist. Die anderen flüchten Er hat dem Kommunismus, der auf Marx' Umgebung —
gänzlich ins Gebiet der Wissenschaft oder der Religion dem 19. Jahrhundert — beruht, einen gewissen Teil des
und halten das andere für unwichtig und sogar für Empfindens verliehen, daß die Geschichte unerbittlich
schädlich. ihre Bahn verfolgt und daß man die Gesellschaft auf
Ich betrachte die Wissenschaft und die Religion als „wissenschaftlicher" Basis planen kann.
allgemein und von Grund auf sehr ähnlich. Um diese Gegen Ende des 19. Jahrhunderts haben viele Natur-
Behauptung zu erläutern, möchte ich den recht außer- wissenschaftler ihr Werk für beinah vollkommen gehal-
gewöhnlichen Standpunkt einnehmen, daß die Unter- ten,das nur noch ein wenig erweitert und im einzelnen
schiede hauptsächlich oberflächlicher Art sind und daß ausgearbeitet werden muß. Aber bald haben sich
die Religion und Wissenschaft beinahe nicht mehr von- Schwierigkeiten eingestellt. Die Welt scheint nicht zu er-
einander zu unterscheiden sind, wenn wir das echte kennen, wie tiefgreifend diese Probleme wirklich gewe-
Wesen von beiden untersuchen. Vielleicht läßt sich das sen sind und in welchem Ausmaß einige der grund-
echte Wesen der Wissenschaft am wenigsten erkennen, legendsten Erkenntnisse der Wissenschaft durch sie über
weil ihre Erfolge oberflächlich sind und blenden. Um den Haufen geworfen worden sind. Vielleicht beruht
dies zu und dem Laien eine Vorstellung zu
erklären die Unkenntnis darauf, daß sich die Wissenschaft außer-
geben, müssen wir die Geschichte und Entwicklung der gewöhnlich stark entwickelt hat und noch im selben
Wissenschaft betrachten. Maße Fortschritte erzielt. Auch wird die Aufmerksamkeit
Die Wissenschaft hat im 19. Jahrhundert einen großen vom Wesen der Wissenschaft abgelenkt, weil sie die
Fortschritt verzeichnet, und ungeheures Vertrauen auf täglichen Aufgaben und Schwierigkeiten immer besser
ihren Erfolg und ihre Ausbreitung hervorgerufen. Ein lösen hilft.

Gebiet nach dem anderen ist durch die objektive For- Eine Reihe von philosophischen und weltanschaulichen
schung, die experimentelle Erfassung und durch die Grundlagen der Wissenschaft wurde ins Wanken ge-
Logik der Wissenschaft erobert worden. Die Naturge- bracht und völlig umgestaltet. Der Umfang dieser Ver-
setze sind scheinbar in bestimmter Form festgelegt wor- änderungen läßt sich nur anhand von Beispielen erfas-
den, und es war sehr leicht, die Überzeugung zu ge- sen. Bedeutende Wissenschaftler haben beispielsweise
winnen, daß die Wissenschaft nach und nach alles er- lange Jahre hindurch versucht, die Frage zu beantworten,
klären würde. ob Licht aus kleinen Teilchen bestehe oder aus Wellen-
Damals hat Laplace geglaubt, daß er die ganze bewegungen, die von der Lichtquelle ausgesandt wer-
Zukunft überblicken könne, wenn er nur die Lage und den. Im Anfang des 19. Jahrhunderts hat man diese
die Geschwindigkeit eines jeden Partikels im Weltall Frage mit großartigen Versuchen gelöst, die man genau
kannte und wenn er ausreichende Berechnungen dar- durch Theorien hat deuten können. Die damaligen Wis-
über anstellte. Laplace hat lediglich die klare Erkenntnis senschaftler haben den Experimenten entnommen, daß
seiner Zeit ausgedrückt; durch die Ergebnisse und die Licht eindeutig eine Welle sei und keinesfalls aus Teil-
Genauigkeit der Naturgesetze sei der Determinismus chen bestehe. Jedoch zeigten Versuche um 1900 wieder
nicht nur im Bereich des Möglichen, sondern eine unab- ziemlich daß Licht eher ein Strom von Par-
eindeutig,
wendbare Tatsache. tikeln sei Wellenbewegungen. Die Physiker sahen
als
Als zu jener Zeit der gottesfürchtige Pasteur gefragt sich vor einem großen Widerspruch. Dieses Problem

330
wurde erst Jahrzehnte später mit Hilfe der Quanten- eine Welt, wo der Zufall die Hauptrolle spielt, immer
theorie geklärt, die auf einer Reihe von neuen Erkennt- mehr den Vordergrund. Es handelt sich um Zufälle
in

nissen basiert. von nur atomarer Größe. Wir beobachten aber, daß die
Der Fehler ist gewesen, daß die Wissenschaftler zufällige Änderung der Lage eines Atoms oder eines
die Dinge so aus ihrer praktischen Erfahrung beurteilt Elektrons schwerwiegende Folgen im Leben, ja sogar
haben und wohl schon mit großen Gegen-
daß sie in unserer gesamten Gemeinschaft hervorrufen kann.
ständen praktische Erfahrungen gesammelt haben, nicht Ein treffliches Beispiel hierfür ist Königin Viktoria von
aber mit vielen atomaren Phänomena. Untersuchen wir England. Eine solche Veränderung von nur atomarem
das Lichtoder die Atome im einzelnen, so betreten Umfang führte bei ihr eine Mutation Auf be-
herbei.
wir ein völlig neues Gebiet, das sich auf kleine Dimen- stimmte männliche Nachfolger in den europäischen Kö-
sionen bezieht. Hierüber besitzen wir keine bisherigen nigshäusern hat sie diese Mutation, nämlich die Nei-
Erfahrungen, und auf innere Eingebungen können wir gung zur Bluterkrankheit, übertragen. Diese unvorher-
uns hierbei nicht immer verlassen. Wenn wir heute zurück- sehbare Veränderung in dem kleinen Ausmaß von Ato-
blicken, so brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn men hat sich auf das spanische Königshaus negativ
wir durch das Studium der Stoffe in atomarer Hinsicht ausgewirkt und den russischen Thron durch einen dar-
neue Kenntnisse erlangt haben und daß einige nicht mit unter leidenden Zarewitsch geschwächt.
den Theorien übereinstimmen, die früher so klar und
deutlich geschienen haben.
Die Physiker sind heute davon überzeugt, daß Licht
nicht unbedingt aus Wellen oder aus Teilchen besteht,
. einige grundsätzliche Begriffe der
. .

sondern aus beidem. Wir sind im Irrtum gewesen, als wir


gefragt haben: „Besteht Licht aus Teilchen oder besteht Wissenschaft sind gestürzt worden.
es aus Wellen?" Denn es weist beide Eigenschaften auf.
So verhält es sich mit jeder Materie, den Handball und
die Lokomotive eingeschlossen. Bei großen Gegenstän-
den läßt sich dieser Dualismus üblicherweise nicht beob- Den Physikern, die noch die altüberlieferten Lehren
achten, weil sie die Welleneigenschaft nicht deutlich gekannt haben, ist es keineswegs leichtgefallen, jene
zeigen. Dennoch glauben wir grundsätzlich, daß diese neue Auffassung anzunehmen, daß man nämlich das
auch hier vorhanden ist. zukünftige Geschehen nicht mit physikalischen Gesetzen
Auf dieselbe Weise halten wir auch andere merk- im voraus berechnen könne. Selbst Einstein, Mitbegrün-
würdige Erscheinungen für wahr. Nehmen wir an, ein der der Quantenmechanik, war nicht ganz von der durch
Elektron werde in. eine Röhre gebracht, worin es hin- sie geforderten Unbestimmbarkeit des Zufalls überzeugt.
und herschießen kann. Eine Theorie besagt, daß sich „Der Herrgott würfelt nicht!" Es ist bemerkenswert, daß
das Elektron unter bestimmten Bedingungen entweder die russischen Kommunisten, die ihre Grundsätze aus
an dem einen oder an dem anderen Ende der Röhre der Idee der Bestimmbarkeit des 19. Jahrhunderts
befindet, sich jedoch in der Mitte nie aufhält. Diese Be- schöpften, lange Zeit die neue Physik der Quanten-
hauptung würde völlig der Vorstellung von einem sich mechanik entschieden ablehnten.
hin- und herbewegenden Elektron widersprechen. Aber Als die Wissenschaftler weiterhin andere Gebiete
dennoch sind heute die meisten Physiker von der Gül- untersucht haben, da haben sie weitere Überraschungen
tigkeit dieser Behauptung fest überzeugt und können entdeckt. Bei einem Gegenstand, der sich mit einer
ihre Richtigkeit im Labor nachweisen. größeren Geschwindigkeit bewegt, als wir üblicherweise
Eine andere merkwürdige Theorie aus der Quanten- erleben, zeigt die Relativität, daß sehr merkwürdige Dinge
mechanik ist die sogenannte Unschärferelation. geschehen. Zunächst sehen wir, daß Gegenstände eine
Diese Theorie zeigt, daß, wenn wir den Ort eines bestimmte Geschwindigkeitsgrenze nicht überschreiten,
Teilchens oder eines Gegenstandes angeben wollen, ganz gleich, wie stark sie angestoßen werden. Das abso-
wir nicht zur selben Zeit sagen können, wie schnell lute Maximum ist das der Lichtgeschwindigkeit —
und welcher Richtung sich dieses Teilchen bewegt;
in 300 000 km pro Sekunde. Weiter lernen wir, daß Gegen-
oder, wenn wir seine Geschwindigkeit bestimmen, können stände bei sehr hoher Geschwindigkeit kürzer und ge-
wir nicht genau seine Lage definieren. Diese Theorie drungener werden; sie verändern ihre Form und nehmen
drückt aus, daß Laplace sich von Anfang an geirrt hat. an Gewicht zu. Selbst die Zeit wandelt die Geschwindig-
Wenn er und ebenso andere Physiker seiner Zeit heute keit. Wenn wir eine Uhr mit großer Geschwindigkeit ins
lebten, würden sie sicherlich verstehen, daß sie schon Weltall schicken, geht sie langsamer.
von vornherein nicht die Informationen bekommen kön- Dieses für die Zeit charakteristische Verhalten war
nen, die für seine Voraussagen erforderlich sind, selbst die Ursache zu der aufgestellten Kätzchen-Katze-Theorie,
dann nicht, wenn er sich nur mit einem einzelnen Teilchen folgendes besagt: sechs neugeborene Kätzchen
die
befaßte dem ganzen Weltall.
statt mit werden in zwei Gruppen geteilt. Drei von ihnen behält
Dieneuen Naturgesetze haben uns anscheinend man auf der Erde. Die anderen drei werden in einer
veranlaßt, den Gedanken an eine völlige Vorherbestim- Rakete mit nahezu Lichtgeschwindigkeit um die Erde ge-
mung fallenzulassen. Heute drängt sich der Glaube an schickt und nach einem Jahr auf die Erde zurückgebracht.

331
Die Kätzchen auf der Erde haben sich zu normalen
Katzen entwickelt, jedoch sind die Kätzchen in der Ra-
kete Kätzchen geblieben. Diese Theorie ist natürlich nicht
an Katzen ausprobiert worden. Die Richtigkeit dieser
Theorie wurde aber experimentell am Ausreifen von
Pflanzen nachgewiesen. Der überwiegende Teil der Wis-
senschaftler ist heute von der Richtigkeit dieser Theorie
überzeugt.
Die Wissenschaftler sind durch all diese Erfahrun-
gen sehr viel und bescheidener geworden,
vorsichtiger
wenn es gilt, die Grundsätze der Wissenschaft auf
ein Gebiet anzuwenden, das noch nicht ausreichend
erforscht wurde. Selbstverständlich ist es ein wichtiger
Teil bei wissenschaftlichen Arbeiten, allgemeingültige
Gesetze aufzustellen, die auf neue Gebiete übertragen
werden können. Diese Gesetze haben uns oft auf er-
staunlich erfolgreiche Weise neue Erkenntnisse vermit-
telt oder uns im voraus auf eine Anzahl von Faktoren

schließen lassen, die noch nicht selbst beobachtet wor-


den sind. Dennoch müssen wir .immer damit rechnen,
daß bei der allgemeinen Anwendung der Gesetze auf
unbekanntem Gebiet folgenschwere Fehler unterlaufen
können, und zwar in grundsätzlichen Dingen. Wenn auch
viele Ansichten des 19. Jahrhunderts geändert wurden,
so es doch beruhigend zu sehen, daß die Gesetze
ist

der damaligen Wissenschaft nicht auf den Gebieten so


sehr irrten, wo sie anfangs angewandt wurden. Ich denke Albert Einstein und Hiob. Dr. Townes sagt folgendes:
besonders an jene Gesetzmäßigkeiten, die sich auf ge- Glaube ist für die Wissenschaft ebenso notwendig wie
wöhnliche Geschwindigkeiten und auf die Gegenstände ür die Religion. So,
für wie die unerschütterliche überzeu-
beziehen, die größer sind als eine Nadelspitze. In diesem
Bereich waren sie im wesentlichen korrekt. Noch heute
lehren wir die Gesetze von Newton und Maxwell, da sie
in ihrem speziellen Bereich als richtig gelten und nütz-

lich sind. und daß er es lernt, sich darin einzufügen. Die meisten
Wir wissen, daß die meisten hochentwickelten wis- Religionen haben eine ursprüngliche Kraft und Ordnung
senschaftlichen Theorien der Gegenwart, die Quanten- zum Inhalt, die alles zusammenführt und umfaßt; wir
mechanik eingeschlossen, noch unvollkommen sind. Wir nennen diese Kraft Gott.
benutzen sie aber, weil sie auf gewissen Gebieten so er- Einmal die Ordnung und zum anderen die Aufgabe
staunlich korrekt sind. Zeitweise geraten wir jedoch bei des Weltalls zu verstehen ist nicht dasselbe, wohl aber
ihrer Anwendung auf Widersprüche, die wir nicht begrei- sehr verwandt. Es ist interessant, daß das japanische
fen können und wo wir entdecken, daß uns Entscheiden- Wort für Physik butsuri heißt, das übersetzt die
des entgangen sein muß. Die Widersprüche nehmen wir Urache der Dinge lautet. Somit verbinden wir
mit in Kauf und hoffen, daß wir sie eines Tages durch sofort automatisch die Art und Beschaffenheit unseres
besseres Verstehen beseitigen werden. Ja, wenn wir Weltalls und seinen Zweck.
sie klar erkennen und sie untersuchen, können wir viel- Wodurch kommt es, daß es oft so scheint, als ob die

leicht am besten die Grenzen unseres Denkvermögens Religionund die Wissenschaft genau entgegengesetzt
erkennen und die Widersprüche beheben. seien? Die Ursache hierfür liegt besonders im unter-
Mit der Erkenntnis des wirklichen wissenschaftlichen schiedlichen Sprachgebrauch, der auf geschichtlicher
Verstehens beginnen wir zu begreifen, inwiefern Wissen- Grundlage beruht. Oft halten wir auch unbewußt quanti-
schaft und Religion ähnlich und fast gleich sind. Das Ziel tative Unterschiede, die groß sind, für qualitativ. Lassen
der Wissenschaft besteht darin, daß wir die Ordnung Sie uns einige Ursachen untersuchen, welche die Reli-
des Weltalls verstehen und durch diese Ordnung die gion und Wissenschaft als getrennte Bereiche erschei-
Dinge, die wir um uns herum wahrnehmen, und schließ- nen lassen.
lich den Menschen selbst. Diese Ordnung drücken wir Der Glaube spielt bei der Religion eine sehr wichtige
in den wissenschaftlichen Grundsätzen und Gesetzen Rolle. Denn man sieht es als Charakteristikum der Reli-
aus. Wir bemühen uns, sie in der einfachsten und den- gion an, Dinge anzunehmen, ohne sie vorher geprüft zu
noch vollständigsten Weise wiederzugeben. Ich sehe das haben. Dieser Punkt wird also gewöhnlich als Merkmal
Ziel der Religion darin, daß der Mensch die Aufgabe und der Religion betrachtet, wodurch sie sich von der Wis-
Bedeutung des Weltalls versteht und folglich annimmt senschaft unterscheidet. Jedoch ist der Glaube in der

332
.

meisten kaum denken, daß es ihn überhaupt gibt.

Einstein gibt uns ein sehr treffliches Beispiel vom


Glauben an jene Ordnung. Viele seiner Arbeiten kamen
dadurch zustande, daß er einer inneren Eingebung zu-
folge an eine besonders ansprechende Art von Welt-
ordnung glaubte. Einer seiner großartigsten Aussprüche
steht in der Fine Hall in Princeton auf deutsch geschrie-
ben: „Gott ist sehr schwer zu verstehen, aber Er ist nicht
böswillig." Das daß die von Gott geschaffene
heißt,
Welt sehr verwickelt und für uns sehr schwierig zu ver-
stehen sein mag, aber dennoch ist sie keineswegs will-
kürlich und unlogisch aufgebaut. Sein halbes Leben lang
forschte er nach der Beziehung zwischen Schwerefeld
und elektromagnetischem Feld. Viele Physiker vermuten,
daß er die ganze Angelegenheit falsch angepackt hat.
Niemand weiß, ob er überhaupt zu einem Ergebnis ge-
langt ist. Aber er glaubte fest an die Vorstellung von
Einheit und Ordnung. Er arbeitete über 30 Jahre lang
intensiv daran. Einstein muß die verbissene Überzeugung
von seiner Idee gehabt haben, daß er wie Hiob sagen
konnte: „Wenngleich Er mich schlägt, so will ich doch
auf Ihn vertrauen."
Wenn weniger befähigte Wissenschaftler unwichtige-
re Projekte durchführen, dann geschieht es oft, daß
irgendwelche Dinge keinen Sinn ergeben und daß es
fast hoffnungslos erscheint, Ordnung Sache zu in die
bringen und sie zu verstehen. Aber trotzdem der Wis- ist
gung Hiobs, hielt Einstein ein fester Glaube an die Ord-
nung des Weltalls aufrecht. Er äußerte einmal: ,Gott ist senschaftler davon überzeugt, daß er selbst oder andere
eines Tages die Lösung finden werden und daß eine
sehr schwer zu verstehen, aber Er ist nicht böswillig.'"
gewisse Ordnung herrscht.

„Die meisten wichtigen


Wissenschaft ebenso wichtig, selbst wenn wir im allge-

meinen nicht erkennen, daß er eine Grundvoraussetzung


Entdeckungen der Wissenschaft
ist und welche Form er dort hat.
sind Offenbarungen sehr ähnlich."
Der Wissenschaftler muß seine Arbeit bereits mit
Glauben beginnen und braucht noch größeren Glauben, Eine andere Ursache für den Unterschied zwischen
wenn er seine schwere Arbeit zu Ende führen will. Wissenschaft und Religion läßt sich von den verschie-
Warum? —
Weil er darauf vertrauen muß, daß im Welt- denen Methoden der Entdeckung ableiten. Religiöse
all eine feste Ordnung herrscht und daß der mensch- Wahrheiten werden oft durch bedeutende Offenbarun-
liche Verstand, nämlich sein eigener, fähig ist, diese gen bekannt. Die Wahrheit der Wissenschaft erarbeitet
Ordnung zu erfassen. Fehlte dieses Vertrauen, dann man sich entweder anhand logischer Folgerungen oder
wäre intensives Bemühen sinnlos, diese vermeintlich völ- durch Zusammentragen von Tatsachen, die durch be-
ligungeordnete und unbegreifliche Welt zu verstehen. währte Methoden festgestellt wurden. Danach stellt man
in die Welt des Aberglau-
Solche Weltvorstellung führt allgemeingültige Regeln auf, die als Gesetz bezeichnet
bens zurück, in der die Menschen glaubten, die Welt werden. Jedoch verwischt diese Vorstellung der wissen-
würde von unberechenbaren Kräften regiert. Es ist ge- schaftlichen Entdeckung die Wirklichkeit. Die meisten
rade dieser Glaube an ein geordnetes Universum, das wichtigen wissenschaftlichen Entdeckungen werden näm-
dem menschlichen Verstand zugänglich ist, der den lich ganz anders gemacht und sind den Offenbarungen
grundlegenden Wechsel vom Zeitalter des Aberglaubens sehr ähnlich. Dieser Ausdruck wird gewöhnlich nicht für
zu dem des wissenschaftlichen Denkens ermöglichte, der wissenschaftliche Entdeckungen verwandt, denn er ist

unsere wissenschaftlichen Fortschritte überhaupt zu- meist dem religiösen Bereich vorbehalten. In der Wissen-
stande brachte. schaft sprichtman hier von Eingebung, zufälliger Ent-
Der erforderliche Glaube der Wissenschaft erinnert deckung oder man sagt, jemand hatte einen guten Einfall.
mich an einen Ausspruch, der Konstantin zugeschrieben Wenn wir vergleichen, wie wissenschaftliche Einge-
wird und seinen religiösen Glauben charakterisiert: „Ich bungen zustande kommen, erkennen wir, daß sie den
glaube, damit ich wissen kann." Aber jener Glaube ist religiösen Offenbarungen erstaunlich ähneln, wenn wir
bei den Wissenschaftlern so sehr verankert, daß die diese nicht als mystische Erscheinungen werten.

333
Denken Sie an Moses in der Wüste, der verzweifelt ohne daß wir es wissen. Somit haben wir nie eine wirk-
nach einem Weg suchte, wie er die Kinder Israels be- liche Grundlage, von der wir mit Gewißheit ausgehen

freien könnte,und dann plötzlich durch den brennenden können. Godel setzte uns noch in viel größeres Staunen,
Busch hindurch eine Offenbarung erhielt. als er uns zeigte, daß eben in demselben Gebiet der

Betrachten Sie einige Offenbarungen aus dem Neuen Mathematik viele Wahrheiten mit der normalen Logik
Testament. grundsätzlich nicht bewiesen werden können. Seine be-
Denken Sie an Gautama Buddha, der umherreiste deutenden Erkenntnisse übermittelte er uns vor drei
wollte. Eines Tages setzte er
und das Gute herausfinden Jahrzehnten, und sie haben die Vorstellung von der
sichstill unter einen Feigenbaum, wo er seine großarti- menschlichen Logik außerordentlich beeinflußt.
gen Ideen offenbart bekam. Wir kennen noch eine andere Methode, mit der wir
Ähnlich verhält es sich mit dem Wissenschaftler, der uns von der Richtigkeit eines wissenschaftlichen Ge-
lange an einer schweren Aufgabe gearbeitet hat und dankens oder einer Behauptung überzeugen können. In
sich ihr geistig und gefühlsmäßig sehr gewidmet hat der Naturwissenschaft stellen wir die Behauptung der
und dann plötzlich eine Antwort findet. Solche Eingebun- Erfahrung gegenüber und prüfen sie so. Bei den Ver-
gen ereignen sich am häufigsten in den Augenblicken, suchen soll die zugrundeliegende Vermutung geprüft
wenn man sich nicht mehr mit der Angelegenheit un- werden, und wir glauben, daß die Gesetze und Hypothe-
mittelbar befaßt. sen richtig sind, die anscheinend in Einklang mit unse-

Ein unübertreffliches und sehr bekanntes Beispiel rem Untersuchungsergebnis stehen. Durch solche Unter-
liefert uns die Entdeckung der ringförmigen Benzolregel suchungen erweist sich die Hypothese entweder als
durch Kekule. Er sann am Kamin nach und bekam eine falsch,oder wir gewinnen ein nützliches Vertrauen in
Vision von Schlangen, die sich den Schwanz bissen.
in ihre Anwendbarkeit und Richtigkeit. Jedoch können wir
Wir sind nicht in der Lage, den Weg aufzuzeichnen, die Hypothese niemals absolut beweisen.

der zur Entwicklung neuer wichtiger Erkenntnisse auf


dem Gebiet der Wissenschaft führt. Aber es ist eindeu-
tig, daß die großen wissenschaftlichen Entdeckungen, die

wirklichen Meisterleistungen, im allgemeinen nicht mit


der sogenannten „wissenschaftlichen Methode" erzielt
werden, sondern auf diese Art und Weise, wie es Kekule „Wir müssen auf Widersprüche
widerfahren ist — wenn auch weniger phantasievoll — gefaßt sein und dürfen uns durch
nämlich durch Offenbarung zustande kommen, die eben-
sie nicht überraschen oder
so wirklich ist.

Eine andere Ursache für den Unterschied zwischen


ungebührlich beunruhigen lassen."
Wissenschaft und Religion liefert die Annahme, daß Re-
ligion nur vom Glauben und von der Offenbarung ab-
hänge, die Wissenschaft
jedoch ihre Behauptungen
wirklich beweisen könne. So gesehen, nehmen die wis- Kann religiöser Glaube ebenso als anwendbare Hypo-
senschaftlichen Gedanken aufgrund der Beweise einen these angesehen werden und läßt er sich durch Erfahrung
absoluten und allgemeingültigen Charakter an, den die prüfen und bestätigen? Einigen mag diese Betrachtung
religiösen Gedanken nur in den Behauptungen der Ver- weltlich und verabscheuungswürdig erscheinen. Jeden-
fechter haben. Aber die heutige wissenschaftliche „Be- falls schaltet es das Absolute in der Religion aus. Aber
weisführung" ist von dieser einfachen Vorstellung weit ich halte es nicht für verwerflich, wenn man in der Re-
entfernt. ligion mit diesem Grundsatz Der Wert eines
arbeitet.
Mathematische und logische Beweise erfordert die religiösen Gedankens muß geprüft werden und wurde
Auswahl von Bedingungen, von denen man hofft, daß sie in jedem Zeitalter durch die Erfahrung der Gesellschaft

harmonieren und sich auf das betreffende Gebiet be- und des einzelnen untersucht und beurteilt. Ist es un-
ziehen. Bei den Naturwissenschaften nimmt man an, daß bedingt notwendig, daß die religiösen Gedanken absolu-
sie sich auf unsere Umgebung beziehen. ter sind als beispielsweise das Gesetz der Erdanzie-
Auf der Grundlage von allgemeingültigen logischen hung? Letzteres erweist sich als eine anwendbare Hypo-
Gesetzen, die man voraussetzen muß, kann man nun die these, deren Grundlage und Fortdauer wir nicht kennen.
Folgen der Behauptungen herleiten oder „beweisen". Dennoch wagen wir unser tägliches Leben im Glauben
Wie können wir sichergehen, daß die Behauptungen an diese Hypothese, ebenso wie wir auf viele andere
richtig sind? Der Mathematiker Godel hat uns gezeigt, verwickelte wissenschaftliche Hypothesen bauen.
daß man größtenteils bei den im allgemeinen am mei- In der Wissenschaft beschäftigen wir uns mit Fragen,

sten angewandten Mathematikformen nicht beweisen die weitaus einfacher, und mit Aufgaben, die entschei-
kann, ob die ausgewählten Voraussetzungen richtig sind dend leichter zu bewältigen sind als in der Religion.
oder nicht. Nur mit dem Aufstellen und Anwenden einer Wegen des quantitativen Unterschieds in der Unmittel-
Anzahl von neuen Voraussetzungen läßt sich die Rich- barkeit, wie man Hypothesen in der Religion und in der
tigkeit der schon bestehenden prüfen. Jedoch können Wissenschaft prüfen kann, bleiben dem Menschen im
letztere in logischer Hinsicht Widersprüche enthalten, (Fortsetzung Seite 359)

334
:

39 ist unsere
ische Zahl

Wie heißt Ihre?


Hokuspokus Abrakadabra — was zaubern wir
da aus dem Ärmel? 39 Städte in den USA. Und das
Zauberhafteste: wir sind die einzige Transatlantik-
Fluggesellschaft,, die das kann.
Wissen Sie, wo Sie Ihre eigene magische Zahl
finden? Im Telefonbuch. Unter T. Wie TWA. Da
meldet sich eine zauberhafte Stimme. Die sagt Ihnen,
wie und wann Sie am besten nach New York kommen
— oder nach Oklahoma City oder Dayton oder Denver
oder Las Vegas.
Es gibt noch jemand, der diesen Trick beherrscht
der Berater in Ihrem IATA-Flugreisebüro.

andasvay tBä
upup
* Service mark owned exclusively by Trans World Airlines, Inc.

335
:

Die
Köstliche Perle
aus einer ff

neuen Sicht
VON DR. HUGH NIBLEY

dem gleichen Ägyptisch übersetzt worden, und wenn sich


gezeigt hat, daß der Übersetzer in der Übersetzung des
Erster Teil einen Buchs völlig versagt hat, muß das notwendiger-

Angriffe und Erwiderung weise unser Vertrauen in die Richtigkeit der Über-
setzung des anderen beeinträchtigen"; 95 wir wissen,
(Fortsetzung) daß er das Buch Abraham fehlerhaft übersetzt hat, weil
er die Faksimiles in der Köstlichen Perle nicht verstan-
Tendenziöse Behauptungen: 1. Während die Exper- den daß er sie nicht verstanden hat, weil
hat; wir wissen,

ten die Faksimiles unter dem Einfluß gewisser funda- acht Gelehrte davon Interpretationen gegeben haben,
mentaler falscher Informationen beurteilt haben, ist die die von der seinen abweichen. „Das ist einmal so eine

Öffentlichkeit auch durch eine Reihe trügerischer Be- richtige Reihe von Hypothesen!" hat John Henry Evans

hauptungen irregeführt worden. Die erste lautet, daß geschrieben; „. . . niemals ist eine Schlußfolgerung ver-
die Untersuchungen der Gravierungen tatsächlich jeden drehter gezogen worden. Noch nie hat man einen Men-
Anspruch auf die Echtheit des Buches Mormon zer- schen mit einer schwächeren Begründung aufgefordert,
stören. einen Glauben aufzugeben, der ihn befriedigt." 96
Es mag ziemlich seltsam erscheinen, daß es Spal- In dem Spaldingschen Vernunftschluß sind jedoch
dings Absicht seinem großen Feldzug gegen die Fak-
in noch mehr zweifelhafte Behauptungen verborgen. Nimmt
similes gewesen ist, nicht diese, sondern das Buch Mor- man zum Beispiel sein Hauptargument: „Wenn die Über-
mon in Mißkredit zu bringen. Doch wie der erste Satz setzung des .Buches Abraham' unrichtig ist, kann man
seines Buches erklärt, ist gerade das der Fall. Indem von keinem denkenden Menschen verlangen, daß er das
er in seinem Werk in so abwegiger Weise vorgeht, zollt Buch Mormon akzeptiert, andererseits wird die Ehrlich-
unser Autor dem Buch Mormon, einem dem Inhalt nach keit von ihm verlangen, wie sehr er es auch persönlich

historischen Werk von 500 Seiten, hohen Tribut. Es bedauern mag, es ebenso zu verwerfen wie den ganzen
." 97
scheint, daß er darin keinen unmittelbaren oder offen- Glauben, der darauf aufgebaut ist Jetzt ist es also
. .

sichtlichen Beweis eines Betrugs finden kann, der ihm nicht nur das Buch Mormon, das abgelehnt wer-
die ganze Mühe erspart hätte. den muß, weil acht Männer nicht dasselbe in drei alten
Abwegig ist das rechte Wort: Die Mormonen müssen Gravierungen gefunden haben wie Joseph Smith, sondern
ihren Glauben aufgeben, so lautet sein Argument, weil alles, was der Prophet je gelehrt hat. So hätte auch der

Joseph Smith kein wirklicher Prophet gewesen ist; er gute Bischof keine andere Wahl, als die gesamte Bibel
ist kein wirklicher Prophet gewesen, weil das Buch Mor- zu verwerfen —
wenn er von überlegenen Kritikern er-
mon nicht von Gott inspiriert ist; es sei nicht von Gott fährt, die er so eifrig unterstützt, daß das Alte und das

inspiriert, weil es nicht richtig übersetzt sei; wir wissen, Neue Testament nicht das sind, was sie zu sein vor-
daß es nicht richtig übersetzt worden ist, weil Joseph geben, sondern mühsam zusammengestellte Machwerke,
Smith nicht Ägyptisch hat lesen können; wir wissen das, worin es von geschichtlichen und philologischen Irrtü-

weil er das Buch Abraham unrichtig übersetzt hat, und mern wimmelt — (denn muß es nicht schließlich unser
sowohl dieses als auch das Buch Mormon „seien aus Vertrauen in die Richtigkeit der anderen Verse „beein-

336
-
UMJ

sächlich ist der Mormonismus mit der beispiellosen A


kündigung auf der Titelseite des Buches Mormon in d
Welt eingeführt worden, daß es wohl möglich sei, daß
ein Buch mit heiligen Schriften Fehler „von Menschen"
3uok /4-^wWw enthalten kann.
Hiermit rühren wir an ein grundlegendes Mißverständ-

M^ $—
t
nis, das

ständlich,
die Wurzel
Smith bildet: Der Welt der Sekten
der meisten Kritiken
ist

wie es einem Propheten Gottes möglich


einen Fehler zu machen. Sie kann es
verstehen, wieso es Brigham Young
zum
nötig
an Joseph
es einfach unver-
ist,

Beispiel nie
gehabt hat,

wenn er tatsächlich ein Prophet ist, mit Zuckerrüben und


Seidenraupen zu experimentieren: Warum muß ein Pro-
phet experimentieren? Muß Gott ihm denn nicht jederzeit
genau offenbaren, was er zu tun hat, so daß er nie und
nimmer einen Fehler begehen kann? Ein kurzer Blick
in die Bibel würde jedem Untersucher zeigen, daß dies

nicht Gottes Art zu handeln ist. Doch für die konven-


tionelle Christenheit hat es in der Bibel seit eh und je
nur ein absolutes Ja oder Nein gegeben; sie ist für diese
Menschen gänzlich fehlerlos und vollkommen, frei auch
von der geringsten Möglichkeit eines menschlichen Irr-
tums gewesen. So hat es sein müssen, seit die Offen-
barung aufgehört hat: und schickte man sich an, eine
Bibelvers in Frage zu stellen, würden automatisch auch
alleanderen verdächtig. Die absurde Meinung, daß jeder
Mensch, ob Prophet oder nicht, immer recht oder immer
unrecht haben muß, ist ein Überrest radikaler scholasti- k
scher Denkweise. Wie können wir je sicher sein, ob ein^
Prophet recht hat oder nicht, wenn Gott es ihm gestattet,
sich zu irren oder durch praktische Anwendung zu lernen
wie alle übrigen Gotteskinder? Und da wird natürlich
die Offenbarung wichtig: Jeder Mensch muß selbst ein

lllustrated by Dave Burton Zeugnis erlangen und persönlich vom Heiligen Geist ge-
trächtigen"), wenn ein Vers fehlerhaft ist? und damit leitet werden; dann und nur dann kann das Volk, wie

den ganzen Glauben, der darauf aufgebaut ist". Brigham Young so oft und so nachdrücklich erklärt hat,
Weiter wird von uns zu glauben verlangt, daß Joseph von Gott durch Offenbarungen geführt werden. Im Licht
Smith notwendigerweise bei keiner Gelegenheit die einer solchen Lehre ist es völlig belanglos, ob Joseph
wirkliche Gabe des Übersetzens besessen hat, wenn er Smith je Fehler gemacht hat oder nicht: der zehnte Ab-
einmal eine falsche Übersetzung gemacht haben könnte. satz der Lehre und Bündnisse läßt uns nicht im Zweifel
Aber so wie in einem Leitartikel der Deseret News aus- über seine Fehlbarkeit, was der Prophet auch selbst frei-

geführt wird, „betrifft es in keiner Weise die Über- mütig zugibt. Welche Sterblichen sind sich ihrer Schwä-
setzung des Buches Mormon, falls in der Übersetzung chen und ihrer Unzulänglichkeit mehr bewußt gewesen
der ägyptischen Dokumente ein Fehler nachgewiesen als die Propheten?
würde." 98
Professor Pack bemerkte, daß Spalding unter Am November 1837 sind Phineas Richards und
2.

dem, was man Gerechtigkeitssinn nennt, darauf bestan- der Graveur Reuben Hedlock dazu bestellt worden, „durch
den hat, Joseph Smith müsse zum falschen Propheten Beschaffung der Mittel zur Übersetzung und zum Druk-
erklärt werden, wenn er einen einzigen Irrtum begeht; es ken der in den ägyptischen Katakomben gefundenen Auf-
102 Der Prophet
müssen dann all seine Erfolge verworfen werden." Pack zeichnungen für die Kirche zu arbeiten."
führt weiter aus,daß die „Heiligen der Letzten Tage nicht hat nicht erwartet, Gott würde alles für ihn tun; auch
behaupten dürfen und es auch tatsächlich nicht behaup- hat er nicht versucht, alles selbst zu machen. Statt des-
ten, daß Joseph Smith unfehlbar sei". 100 Und J. M. Sjo- sen hat er sich um menschliche Hilfe bei diesem Unter-
dahl hat erklärt, daß der Prophet wie jeder andere nehmen bemüht. Das zeigt deutlich genug, worauf viele
Sterbliche auch die Freiheit habe, „Fehler in der Über- der Brüder Bischof Spalding verwiesen haben, nämlich
setzung der ägyptischen Dokumente" zu machen. 101 Tat- daß das Buch Mormon und das Buch Abraham nicht in

337
der gleichen Weise übersetzt worden sind. Tatsächlich kann mit den erwogenen Schlüssen übereinstimmen, muß
gibt es Tausende von Menschen in der Welt, die glau- es aber keineswegs. Joseph Smith' hier erwähnte Arbeit
ben, daß das Buch Abraham in keiner Weise durch Inspi- am ägyptischen Alphabet ist von der Kirche nie als Offen-
ration übersetzt worden ist, während das Buch Mormon barung angenommen oder ihr auch nur als solche vorgelegt
durch göttliche Befähigung und durch die Macht Gottes worden, und niemand ist an sie gebunden; 109 aber der
übersetzt worden ist; jedenfalls hat die Reorganisierte Eifer der Brüder und ihr Fleiß wurden durch eine Offenba-
Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sie rung belohnt, welche die geistigen Anstrengungen eines
auch nie als Heilige Schrift anerkannt. 103 Einige der Zeit- Menschen weit übertrifft. Es ist jene Offenbarung, welche
genossen Joseph Smith' haben behauptet, daß er zur in der Köstlichen Perle enthalten ist, und man kann durch
Übersetzung des Buches Abraham den Urim und den diese und ähnliche Propheten Joseph beurteilen, nicht
Thummim benützt habe, was jedoch von anderen bestrit- aber durch solche tastenden ersten Versuche wie das
ten wird. 104 Wer aber kann eine scharfe Linie zwischen sogenannte ägyptische Alphabet und die ägyptische
Einblick und Inspiration ziehen, wenn er wie die Heil i-
Grammatik, die nie beendet und zur Veröffentlichung
freigegeben worden sind und die niemals in der Öffent-
lichkeit erwähnt worden sind, soweit wir haben fest-

stellen können. Zugegeben, daß fleißiges Forschen und


Lernen einer Offenbarung vorausgehen mögen; doch tritt
„ niemals ist eine Schlußfolgerung
. . .
diese ein, ist sie gewiß nicht von jenen aus zu beurtei-
verdrehter gezogen worden. Noch nie hat len. Es ist uns nicht nur erlaubt, sondern sogar geboten,
man einen Menschen mit einer schwäche- in unserem Geist nach möglichen Lösungen zu suchen,

ren Begründung aufgefordert, einen ehe uns die richtige Lösung gegeben wird; und wenn
Glauben aufzugeben, der ihn befriedigt" wir sehen, daß Joseph Smith genau das getan hat, sol-
len wir mögliche Fehler in seinen anfänglichen Über-
legungen nicht als Beweis dafür deuten, daß er nicht
gen der Letzten Tage glaubt, daß alles Wissen von inspiriert worden sei.

Gott kommt, wenn auch in verschiedener Abstufung der Was das übersetzenhat Joseph Smith nach
betrifft,

Offenbarung? „Joseph hat eifrig gelernt und die Zeichen zwei Richtlinien ohne je Gefahr zu laufen,
gearbeitet,
Stück für Stück revidiert, ganz wie es ein nicht inspi- diese beiden zu verwechseln. Niemals hat er behaup-
rierter Übersetzer getan hätte", hat N. L. Nelson ge- tet, daß die Gabe der Zungen beständig oder immer-

schrieben. 105 „Er hat nun seine Anstrengungen ver- während sei; wie alle Gaben des Geistes wird sie ver-
doppelt", schreibt Sjodahl, ein Kirchengeschichtsschrei- liehen, wann und wie es Gott gefällt. Der Prophet hat

ber, „um sie zu verstehen... und nach sieben Jahren häufiger als einmal öffentlich erklärt, daß er Sprachen
ist seine Übersetzung des Buches Abraham druckfertig ebenso schwer erlernen müsse wie jeder andere, wenn
gewesen." 106 Der Gedanke, daß die Übersetzung ihm er nicht tatsächlich eine Offenbarung erhalte. 110 Und so
größtenteils als Ergebnis beharrlichen Forschens und müssen wir auch ihm den Luxus zubilligen, seine eigene
Lernens 107 gelungen ist, wird durch eine Geschichte er- Meinung zu haben, seine eigenen Fehler und seine eige-
härtet, die der verstorbene Preston Nibley oft erzählt nen Übersetzungen zu machen, solange er ein ehrliches
hat, nämlich wie er 1906 das Haus in Nauvoo mit Prä- Spiel spielt und sie nicht als für andere bindend be-
sident Joseph F. hat. Präsident Smith
Smith besucht zeichnet.

hat sich mit Tränen den Augen des vertrauten An-


in Da Bischof Spalding als Ziel nennt, das Buch Mormon
blicks erinnert (wie Ältester Nibley mit seinem außeror- und mit wissenschaftlicher
mit der striktesten Objektivität

dentlichen Gedächtnis wiedergibt), wie „Onkel Joseph" Strenge zu prüfen, macht er einen schlechten Anfang mit
auf dem Fußboden des Vorderzimmers kniet, die ägyp- der Aufforderung, daß wir es gänzlich nach dem Wert
tischen Manuskripte, mit Steinen und Büchern beschwert, einer anderen Übersetzung beurteilen sollen, die unter
rund um sich ausgebreitet, und wie er mit intensiver Kon- ganz verschiedenen Umständen und nach einer verschie-
zentration jede Zeile Schriftzeichen genau geprüft und denen Methode angefertigt worden ist, und daß wir diese
seine Deutungen in ein kleines Notizbuch eingetragen andere Übersetzung hingegen ausschließlich auf der
hat. Grundlage einer dritten Quelle werten sollen, nämlich
Der Prophet berichtet: „Heute nachmittag habe ich den drei Faksimiles, die kein fester Bestandteil des Buches
zusammen mit Bruder Oliver Cowdery und W. W. Phelps Abraham sind. Aber was hat das alles überhaupt mit über-
intensiv an dem ägyptischen Alphabet gearbeitet, und setzen zu tun? Das bringt uns zu
während der Untersuchung haben sich unserem Verständ- 2. Spaldings zweiter tendenziöser Behauptung, näm-
nis die Grundzüge der Astronomie enthüllt, wie sie von lich daß er des Propheten Befähigung als Übersetzer
Abraham und den Menschen in früherer Zeit verstanden untersucht; tatsächlich lautet der Titel seines Buches:
worden sind." 108 Hier hat der Prophet Kunde über zwei
. „Joseph Smith Jr. as a Translator" (Joseph Smith jun. als
verschiedene Richtlinien entsprechend einem durch Offen- Übersetzer). Sein ganzes Anliegen besteht nach seiner
barung vorgeschriebenen Verfahren erhalten: ... Du Erklärung darin, aufzuzeigen, daß das ganze Glaubens-
mußt es deinem Geiste ausstudieren und dann mich
in gebäude abzulehnen ist, das auf Joseph Smith' Lehren
fragen, ob es recht sei ."
(LuB 9:8). Die Offenbarung
. . aufgebaut ist, weil „die Übersetzung des .Buches Abra-

338
harn' unrichtig ist."
111
Was aber sollen wir denken, wenn und sie können alle verhältnismäßig leicht gelesen wer-
120
sich daß in der Auslegung durch Joseph
herausstellt, den."
Smith, die Spalding den Autoritäten vorgelegt hat und die Schön, warum haben sie dann die Schriftzeichen der
sie ihm zurückgesandt haben, kein einziges Wort einer Faksimiles nicht übersetzt? Nur B. H. Roberts hat sie
Übersetzung zu finden ist! „Es kann gesagt werden", deshalb zur Rede „Es soll auch daran erinnert
gestellt:

schreibt S. A. B. Mercer in Zusammenfassung der Haltung werden", schreibt „daß diese Wissenschaftler in ihrer
er,

der Kritiker, „daß nicht einer der Juroren vorgegeben hat, Auslegung der Faksimiles keine Übersetzung dessen
. . .

die mangelhaft kopierten Hieroglyphen zu übersetzen", geben, wovon der Laie denkt, daß es die .Schriftzeichen'
statt dessen haben sie „die Schriftzeichen ausgelegt", des Textes seien, nämlich die kleinen Buchstaben am
eine ganz verschiedene Angelegenheit, wie Mercer zu- Rande ..." 121 „Wenn ägyptische Schriftzeichen nach
gibt. 112 Aussagen der Juroren jetzt fast so leicht gelesen werden
Dr. Spaldings Experten mit Dr. Mercer an der Spitze können wie griechische, fragt man sich, warum nicht die

bestehen nun von Anfang bis Ende darauf, daß es sich eine oder andere Platte gänzlich übersetzt und ihr In-

um eine sprachwissenschaftliche Frage handelt. „Ich halt erschöpfend mitgeteilt worden ist. Kann es sein,

spreche als Sprachwissenschaftler", hat Mercer geschrie- daß die Ägyptologen ihrer Kenntnis des Altägyptischen
ben, „wenn ich sage, daß ich kein Wort Ägyptisch kann doch nicht so sicher sind, wie ... Dr. Mace uns glauben
und Ermans Grammatik ein Schwindel ist und alle neu- machen will?" 122

zeitlichen Ägyptologen sich irren, wenn Smith Ägyptisch Professor Mercers ärgerliche Antwort darauf ist ge-
gekonnt und die Faksimiles richtig übersetzt hat." 113 Was wesen, daß er Roberts beschuldigt, ein Dilettant zu sein:
die anderen betrifft, „haben sie des Propheten Über- „Er verwechselt wie ein Laie die Auslegung der Bild-
setzungen nicht aus religiösen Vorurteilen verdammt . . .
zeichen mit der Übersetzung der Schriftzeichen ." 123 . .

Sie haben sie aus rein sprachlichen Gründen verurteilt" Das ist genau das, was Mercer tut, wenn er aufgrund der
und haben dies „mit einem Hohn ausgedrückt, der seine Auslegung der Darstellungen allein wiederholt erklärt,
Ursache in der ungeschliffenen Form der sprachwissen- daß die Experten bewiesen haben, Joseph Smith habe
schaftlichen Arbeit des Propheten hat." 1U Fast jeder, als Übersetzer der Schriftzeichen versagt. Mercer er-

einschließlich die Mormonen, ist hier getäuscht worden, klärt weiter, „während die Übersetzung von unkundig

indem er annehmen muß, daß wir es mit einer Reihe ge- kopierten Schriftzeichen ein bedenkliches Verfahren ist,

lehrter Sprachwissenschaftler zu tun haben, die Joseph sei die Auslegung ägyptischer Bildzeichen vergleichs-
Smith' Arbeit als Übersetzer sorgfältig prüft. Wir haben weise einfach". 123
nichts Derartiges. Es besteht hier ein ernster Wider- Tatsächlich, und gerade deshalb freut es uns, daß
spruch zwischen den Behauptungen der Experten und Dr. Spalding sich auf die ersten Autoritäten der Welt be-
ihrer Leistung. 115 ruft, jene wenigen Männer, die dieses „bedenkliche Ver-
Zu allererst kann man wohl verlangen, daß Ägypto- fahren" meistern können, während sie die „vergleichs-
logen (und Spaldings Experten werden als wissenschaft- weise einfachen" Ratespiele den weniger Begabten über-
liche Leuchten angesehen) Ägyptisch spielend lesen kön- lassen. „Es wäre ein ausgezeichneter Schachzug", hat
nen. Professor E. J. Banks, der sich 1915 einige Zeit in R. C. Webb angeregt, „wenn irgendeiner dieser Experten

Salt Lake City zu einer Säuberungsaktion für Bischof


Spalding aufgehalten hat, macht von diesem Punkt viel
Aufhebens. „Zur Zeit, da Smith' Übersetzung angefer-
tigt worden ist", hat er in „The Christian Herald" ge- „Joseph Smiths Arbeit am ägyptischen
schrieben, „hat niemand beweisen können, daß sie nicht Alphabet ist nie als Offenbarung vorgelegt
"
richtig sei, da man die Hieroglyphen damals noch nicht hat worden.
lesen können; aber jetzt können Gelehrte sie wie die
116 „Das Buch
Seite eines englischen Buchs lesen."
Abraham ist Smith' schwächster Punkt", hat er an an-
derer Stelle geschrieben und damit eine These vorge-
legt, immer wieder aufgewärmt wird. „Er hat
die heute eine Übersetzung dieser Schriften machte, wovon sie so
nicht vorausgesehen, daß die ägyptischen Schriftzeichen viel verstehen, die aber nach Aussage anderer unleserlich
im Lauf der Zeit... so eindeutig sein würden wie eng- sind." 124 Er verweist auch auf die interessante Tatsache,
lische Buchstaben, daß die ägyptischen Zeichnungen daß sich Joseph Smith nicht darauf gestürzt hat, eine
vollkommen verständlich sein würden und die Täuschung Übersetzung der Schriftzeichen zu geben warum wohl —
offenbar sein würde." 117 Und dann kommt die Ankün- nicht, da sie zu seiner Zeit sowieso vollkommen bedeu-
digung: „Seit damals ist die ägyptische Sprache vollkom- tungslos gewesen sind und ihn niemand hätte zur Rechen-
men verständlich geworden." 118 Ein Mitglied der Spal- schaft ziehen können? Dies zusammen mit den außer-
dingschen Prüfungskommission hat erklärt, daß „ägyp- ordentlich unerwarteten Auslegungen, die der Prophet
tische Schriftzeichen jetzt fast so leicht gelesen werden von vielen Darstellungen gegeben hat, die so eindeutig
können wie griechische", 119 und ein anderes (Mercer) hat wirken, bringt Webb zu der Meinung, daß Smith weder
sagen können: „Wir haben viele Schriftstücke aus allen einer der naiven Enthusiasten gewesen ist, die ägyptische
ägyptischen Zeitabschnitten von vor 3000 v. Chr. an, Gravierungen wie simple Bilderschriften auslegen, noch

339
ein schlauer Betrüger, der diese kleinen unleserlichen ihrer Mitglieder hat lesen können. Sie haben Joseph
Kratzer leicht hätte ausnutzen können, die nicht einmal Smith bei einer Prüfung durchfallen lassen wollen, die
den Experten Spaldings verständlich gewesen sind. 125 sie selbst nicht hätten bestehen können. Sie hätten aber
Aber warum hat denn keiner aus Spaldings Kom- auch nicht gut ablehnen können, diesen Test zu machen,
mission die Schriftzeichen der Faksimiles übersetzt? Das haben doch Anspruch darauf erhoben, mit dem Stoff
sie
ist eine unbequeme Frage gewesen. Natürlich haben sie Vertraut zu sein, und dadurch ergibt sich die Lösung
dagegengehalten, daß die Zeichen zu schlecht kopiert dieses Problems mit den schlecht kopierten Hieroglyphen.
seien, um leserlich zu sein 126 — das ist ihre Hintertür Wenn die Schriftzeichen so schlecht kopiert sind, daß
gewesen; aber unglücklicherweise sind sie so nachlässig man sie nicht lesen kann, fragt B. H. Roberts: „Wie können
gewesen, sie nicht offenzuhalten. Es hat nämlich keine sich die gelehrten Herren dann mit solcher Sicherheit über
Übereinstimmung darüber gegeben, was also leserlich sie aussprechen ?" 131 „.
. keiner von ihnen bietet eine
. . . .

und was unleserlich ist. „Haben Sie denn nicht aus den Auslegung der Inschriften [von Faksimile 2]", bemerkt
Briefen bemerkt, die Sie erhalten haben", fragt Dr. John J. M. Sjodahl. „Das ist um so bemerkenswerter, als alle
A. Widtsoe Bischof Spalding, „daß einige der Gelehrten zugeben, daß der Gegenstand den Ägyptologen sehr
nicht fähig sind, die Schriftzeichen zu lesen, die das vertraut sei." 132 Die Experten sind also gar nicht so hilf-
Hauptbild umgeben, während einer erklärt, es seien die los gewesen. Tatsächlich springt ihnen die Lösung in die
üblichen Grabinschriften? Haben Sie nicht gewußt, daß Augen; die Bilder können leicht gedeutet werden, stellt
M. Deveria anscheinend viele von ihnen entziffern kann? Dr. Mercer fest, „da sich die gleichen Zeichen auf vielen
Warum haben Sie uns als wissenschaftlicher Forscher
nicht in dieser Hinsicht zufriedengestellt?" 127 „Wie ist es
möglich", fragt er an anderer Stelle, „daß einige, von
Mr. Deveria bis Dr. Barton, andeuten, daß sie die Hiero-
„Sie sind nie so weit gekommen, Joseph
glyphen leicht lesen können, andere nur mit Schwierig- Smith als Übersetzer zu prüfen. "
keit und einige überhaupt nicht? . . . Warum liegt über
der Übersetzung der Platte 2 so eine ägyptische Finster-
nis? Ist es möglich, daß Ägyptologen sie nicht lesen kön-

nen? Einige haben das behauptet." 12B Mr. Webb kommt ähnlichen Papyrusrollen finden, wo säe leicht zu lesen
der Wahrheit sehr nahe, wenn er sagt: „ wir können . . .
sind." 133 Wenn eine Szene schlecht gezeichnet ist, brau-
die Unwiderruflichkeit der .gelehrten' Schlußfolgerungen chen wir nur nach einer der vielen besser ausgeführten
beurteilen, die jetzt als Todesurteil für Smith' Ruf als Zeichnungen derselben Szene zu greifen, um festzustellen,
Übersetzer hingestellt werden, indem wir die eigene wie sie aussehen muß und zu deuten ist. Dasselbe gilt
Fähigkeit dieser Gelehrten beim übersetzen betrach- natürlich auch für die Hieroglyphen, die bei den Bildern
ten ... Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf des Profes- stehen. Viele wichtige ägyptische Schriften gibt es in

sors (Mercers) bequeme Umgehung der Frage lenken, ob zahlreichen Abschriften in Grabstätten oder an Tempel-
die Schriftzeichen der Platten 2 und 3 tatsächlich leser- wänden; literarische Klassiker, welche die Schüler immer
lich sind oder nicht." Und er zeigt auf, daß Professor wieder abgeschrieben haben, sind uns in den mannig-

Breasted meint, die Schriftzeichen seien leicht zu iden- faltigsten Handschriften überliefert. So ist jeder Ägypto-

tifizieren, während Sayce und Petrie sie für völlig un- loge irgendwann in seinem Leben gezwungen, einen
leserlich erklären. 129 guten Teil seiner Zeit damit zu verbringen, schlecht
Die Mormonen haben die Kritiker mit vollem Recht geschriebene oder beschädigte Texte mit besseren zu
getadelt, daß diese die Sache so schnell aufgegeben vergleichen und herauszufinden, was der ungeschickte
haben: daß die Kritiker sie aufgefordert haben, ihre Reli- Schreiber zu übermitteln sucht.
gion aufgrund eines Tests aufzugeben, den die Experten So hat Dr. Spaldings gelehrte Jury schwerlich
selbst nicht willens oder fähig sind, zu Ende zu führen, Dr.Widtsoes Anregung benötigt, da „die Museen diesseits
ist eine Zumutung gewesen. Schließlich sind „unkundig und jenseits des großen Wassers" mit Papyrusrollen
kopierte" Hieroglyphen für Ägyptologen nichts Neues — gleich jenen in der Köstlichen Perle wohlversorgt sind,
sie sind eher die Regel als die Ausnahme, eine Berufs- hätten diese zu Rat gezogen werden können, um Gegen-
erscheinung, womit sich der Fachmann abfinden muß. stücke zu Joseph Smiths Hieroglyphen zu beschaffen." 134
„Gelehrte dürfen vor der Übersetzung schwieriger Texte Isaac Rüssel, ein anderer Laie und Nichtmormone, hat das
nicht zurückschrecken", ermahnt Sir Allan H. Gardiner gleiche Verfahren vorgeschlagen, um den Code des
seine Kollegen. „Im können sie das
günstigsten Fall Hypocephalus [Faksimile 2] zu knacken. „Eine andere
Glück haben, die richtige Wiedergabe zu treffen; aussichtsreiche Phase der Angelegenheit wäre es viel-
schlimmstenfalls bieten sie den Kritikern eine Zielschei- leicht, sich den Hypocephali zuzuwenden und sie alle
be, die sie angreifen können." 130 Aber sich als Zielschei- zu sammeln und zu vergleichen." 135 Das wäre schließlich
be anzubieten ist gerade das gewesen, was die Spal- die vernünftigste Weise, die Sache anzufassen. Da Pro-
dingsche Kommission unter allen Umständen hat ver- fessor Breasted als Hauptargument gegen die Behaup-
meiden wollen. Sie hat sich in eine sehr gefährliche Lage tungen Joseph Smiths festgestellt hat, daß die Szene auf
gesetzt, als sie mit großem Selbstvertrauen, ja sogar mit Faksimile 1 „unzählige tausend Male" vorkomme und jene
Anmaßung, über Schriftstücke gesprochen hat, die keines auf Faksimile 3 „unzählige Male" in der ägyptischen

340
Kunst 136 dargestellt sei, ist es nur fair von den Mormonen 103 C. E. Haggerty, „A Study of the Book of Abraham" (wissenschaftliche
Arbeit an der Brigham-Young-Universität, 1946), S. 21.
gewesen, ihn aufzufordern, ihnen wenigstens eine damit
104 Siehe Wilford Woodruffs Journal vom 19. Februar 1842.
identische Szene zum Untersuchen zu beschaffen: „Wenn 105 N. L. Nelson, in der „Era", Bd. 16, S. 604.

der Herr Doktor so freundlich wäre, irgendwelche Bücher 106 J. M. Sjodahl, in der „Era", Bd. 16, S. 604.
107 F. J. Pack, in der „Era", Bd. 16, S. 335.
oder Museumssammlungen nachzuweisen, wo einige die- 108 DHC, Bd. 2, S. 286.
ser Unzahl' zu finden und zu untersuchen sind, erwiese
, 109 Wir haben dieses Thema in den „BYU Studies", Frühjahr 1968, behandelt.
110 Siehe Hugh Nibley, „The Myth Makers" (Salt Lake: Bookcraft, 1961),
er uns einen großen Dienst." 137 Doch ist keinerlei Unter-
S. 271-72. Die ganze Caswall-Geschichte ist ein Versuch gewesen,
stützung dieser Art erfolgt, obwohl Breasted selbst erklärt Joseph Smith als Übersetzer in Mißkredit zu bringen.
hat, persönlich an der Sache äußerst interessiert zu sein. 111 F. S. Spalding, a. a. O., S. 12-13, 18.

112 S. A. Mercer, in der „Era", Bd. 16, S. 612.


Dr.Mercer aber verrät sich selbst, wenn er verkündet:
113 Ibd., S. 615.
„Wohl sind die Darstellungen ziemlich gut kopiert aber 114 S. A. B. Mercer, im „Utah Survey", Bd. 1, S. 7.

die Schriftzeichen, mit Ausnahme einiger einfacher Zei- 115 Siehe C. H. Haggerty, a. a. O., S. 22. T. E. Lyon, „Introduction to the
Doctrine and Convenants and Pearl of Great Price" (Salt Lake City:
chen, sind unrichtig kopiert ... die ungewöhnlichen und LDS Department da der Graveur
of Education, 1948), S. 221, sagt aus,
schwierigen werden immer fasch kopiert." 138
Zeichen der Faksimiles „mit der ägyptischen Sprache nicht vertraut" gewesen
ist, beweisen die unrichtigen Ergebnisse eher nur die Tatsache der
Das bedeutet, daß Mercer uns die richtige Fassung der
Existenz des Manuskripts und der Übersetzung" als die Echtheit des
schlecht kopierten Texte geben kann, da er weiß, wie einen und die Richtigkeit des anderen.
die Schriftzeichen richtig sein müßten, und damit natürlich 116 E. J. Banks, in „The Literary Digest", 10. Juli 1915, S. 66.
117 E. J. Banks, in der „Era", Bd. 16, S. 774.
auch die Übersetzung kennt. Warum tut er das nicht? 118 Ibd., S. 775.
Hier ist ein Wort zur Übersetzung des Ägyptischen im 119 A. C. Mace, von B. H. Roberts in der „Deseret News", 19. Dez. 1912,
S. 10 erwähnt.
allgemeinen angebracht.
120 S. A. B. Mercer, in der „Era", Bd. 16, S. 612.
„ ... es ist eine unsichere Sache", schreibt Professor 121 B. H. Roberts, in der „Era", Bd. 16, S. 321.

Albright, „sich auf irgendwelche Übersetzungen ägyp- 122 B. H. Roberts, in der „Deseret News", 19. Dez. 1912, S. 10.

123 S. A. B. Mercer, im „Utah Survey", Bd. 1, S. 25 und in der „Era",


tischer geschichtlicher Texte zu verlassen, die vor Brea-
Bd. 16, S. 612.
steds ,Ancient Records' (1906) erschienen sind, da Brea- 124 R. C. Webb, in der „Deseret News", 5. Juli 1913, S. 4.

sted als erster Historiker die enormen Fortschritte


in der 125 R. C. Webb, in der „Era", Bd. 16, S. 436.
126 Mercer, „Utah Survey", Bd. 1, S. 24. Wir behandeln dieses Thema
Kenntnis des Ägyptischen nach 1880, die von Erman und später.
Sethe gemacht worden sind, voll und ganz ausgenutzt
hat. Es ist ebenso unsicher, sich auf Übersetzungen
religiöser ägyptischer Texte zu verlassen, die etwa vor
1925 gemacht worden sind, da dieses Jahr durch die Ver-
öffentlichung des ersten Bandes des großen Berliner
Wörterbuchs gekennzeichnet ist Die ersten verläß- . . .

lichen englischen Übersetzungen ägyptischer religiöser


Texte sind 1927 in Blackmans .Literature of the Ancient
Egyptians' und 1933 in Breasteds ,Dawn of Conscience' „Nur B. H. Roberts hat die Experten zur
erschienen." 139 Seither hat es mehrere bedeutende Än- Rede weil sie die Hieroglyphen
gestellt,
derungen gegeben, aber wo bleiben da unsere Exper- nicht übersetzt haben."
ten aus dem Jahr 1912? Ältester Richard W. Young hat
auf die laufende Ausgabe der „Britannica" hingewiesen,
die feststellt, daß der Ägyptologe, der lange Zeit in der
Domäne der Mutmaßungen gelebt hat, „zu sehr geneigt
ist, eine Reihe vonVermutungen als gut genug betrach-
tet, um als Übersetzung zu dienen", und vergißt, dabei auf

fragliche Stellen hinzuweisen, die jene, die auf anderen


Gebieten arbeiten, vor blindem Vertrauen warnen wür-
den. 140 Blindes Vertrauen in seine acht Ägyptologen ist 127 John A. Widtsoe, in der „Era", Bd. 16, S. 457.
128 Ibd., S. 618.
genau das, was Dr. Spalding gehabt hat und was er von 129 R. C. Webb, in der „Era", Bd. 16, S. 1078.
allen anderen verlangt: ohne dieses unbedingte Ver- 130 A. H. Gardiner, im „Journal of Egyptian Archaeology", Bd. 32 (1946),
S. 58.
trauen bricht sein ganzes Projekt zusammen. Und sie
131 B. H. Roberts, in der „Salt Lake Tribüne", 15. Dez. 1912, nachgedruckt
sind nie so weit gekommen, Joseph Smith als Übersetzer in der „Deseret News" am 19. Dez. 1912, S. 10.

zu prüfen. (Wird fortgesetzt) 132 J. M. Sjodahl, in der „Era", Bd. 16, S. 329.
133 S. A. B. Mercer, im „Utah Survey", Bd. 1, S. 9.
134 John A. Widtsoe, in der „Era", Bd. 16, S. 456-57.
135 J. Russell, in der „Era", Bd. 16, S. 1099.
95 S. A. B. Mercer, in „The Utah Survey", Bd. 1 (Sept. 1913), S. 5. 136 Spalding, „Joseph Smith as Translator", S. 26.
96 John Henry Evans, in der „Era", Bd. 16 (1913), S. 346. 137 R. C. Webb, in der „Deseret News", 5. Juli 1913, Abschnitt 3, S. VIII,
97 F. S. Spalding, „Joseph Smith as Translator", S. 18. Sp. 4.

98 „Deseret News", 17. Dez. 1912, S. 4. 138 S. A. B. Mercer, im „Utah Survey", Bd. 1, S. 8-9.
99 F. J. Pack, in der „Era", Bd. 16, S. 337-339. 139 W. F. Albright, in G. E. Wright und F. V. Filson, „Westminster Histori-
100 F. J. Pack, in der „Deseret News", 21. Dez. 1912, S. 105. cal Atlas to te Bible", 1945, S. 12.

101 J. M. Sjodahl, in der „Era", Bd. 16, S. 327. 140 R. W. Young, in der „Era", Bd. 16, S. 462, zitiert aus der „Encyclopaedia
102 „Documentary History of the Church", Bd. 2, S. 520-521. Britannica", 1910, Ägypten, S. 55.
Q
341
Der Glaube
der Ciovisgemeinde
wurde belohnt
VON VIRGIL N. KAVALENKO
Eines Sonntags morgens legte der Präsident Gary faßte der Präsident Lundberg zusammen: „Wir werden
B. Lundberg der Ciovisgemeinde (New Mexiko) der der Gemeinde, und den Brüdern, einen formel-
nicht nur
Western States Mission dem Priestertum ein Problem len Antrag vorlegen. Wir werden es zu einem Familien-
vor. arbeitstag machen und ein Baufondsessen veranstalten.
„Brüder", sagte er, „wir sind in einer mißlichen Die Schwestern können das Essen beschaffen und wir
Lage. Wir haben uns jetzt viele Monate lang mit der servieren es draußen auf dem Parkplatz."
zweiten Arbeitsphase des Kirchenbaus beschäftigt. Der Präsident Lundberg bat daraufhin die Gemeinde-
Wir haben die Priestertumsträger gebeten, herzukom- mitglieder, sich an einer Fasten- und Gebetszeit zu be-
men und dabei zu helfen, und sie haben dem Ruf gut teiligen, die von der Frühstückszeit des Freitags, des
Folge geleistet. Jetzt sind unsere Baumissionare ver- 27. Mai, bis zur Frühstückszeit des Samstagmorgens, des
setzt, und unser Bauleiter ist entlassen worden. Aber 28. Mai, andauern sollte. Der Vorschlag wurde einstim-
wir haben immer noch viel zu tun. Wir müssen noch mig angenommen, und zwar sowohl in der Priestertums-
fast 1600 qm Rasen anpflanzen, und um das zu tun, als auch in der Abendmahlsversammlung.
müssen wir das gesamte Gebiet umpflügen. Ich weiß, Jetzt schienen sich die Probleme in der Gemeinde

wie schwer es für die Familien gewesen ist, ihre Män- zu vervielfältigen. Da mußte das Wetter berücksichtigt
ner jedes Wochenende zur Arbeit an der Kirche weg- werden. Dieser Teil des östlichen New Mexico wird
gehen zu sehen; aber ich weiß offen gesagt nicht, wie fortwährend von Winden gebeutelt, die manchmal in
wir die Arbeit zur rechten Zeit fertig bekommen wol- Böen bis zu 90 km pro Stunde blasen. Es würde unter
len, um dieses Gebäude so bald wie wir es wünschen, diesen Voraussetzungen unmöglich sein, auch nur ein
einweihen zu können. Haben Sie irgendwelche Vor- kleines Gebiet zu besäen und fruchtbar zu machen, ge-
schläge?" schweige denn 1600 qm. Es hatte wochenlang nicht mehr
Die anwesenden Brüder saßen ruhig da; jeder dachte geregnet, und der Boden war vom Wind und von der
sowohl an die Stunden, die er von seiner Familie ge- Sonne ausgetrocknet und hart geworden.
trennt verbracht hatte, als auch an den dringenden Die Gebete, welche die Mitglieder der Gemeinde diese
Wunsch, die Kirche zu vollenden. Es wurden Stellung- Woche darbrachten, schlössen die innige Bitte ein, daß die
nahmen abgegeben, und jeder Vorschlag wurde gründ- in ihrem Wunsch nach Regen gesegnet werden
Mitglieder
lich erörtert. wurde angeregt, alle Mitglieder des
Es mögen und daß der Samstag trotzdem ein angenehmer Tag
Priestertums in einem allgemeinen Arbeitsaufruf zusam- für die Arbeit sein möge.
menzufassen, um am folgenden Samstag den ganzen An dem Mittwoch vor dem Arbeitstag war der Himmel
Tag über zu arbeiten. Aber einige Mitglieder der Gruppe von einem leuchtenden Blau und wolkenlos. Zwei Brüder
wiesen darauf hin, daß der vorgeschlagene Samstag richteten sich darauf ein, das Gelände während des
„Tag der Wehrmacht" war und daß viele Gemeindemit- Nachmittags und des frühen Abends zu durchwässern.
glieder auf einem in der Nähe gelegenen Fliegerstütz- Bald jedoch fingen große Wolken an, den Himmel zu
punkt zu arbeiten hätten. verdunkeln. Nach einem besonders lauten Donnerschlag
Da meldete sich der zweite Ratgeber der Gemeinde- begann der Regen in Strömen herabzufließen. Es regnete
präsidentschaft zu Wort. „Warum geben wir der Gemein- die ganze Nacht, den ganzen Donnerstag und die ganze
de nicht eine Woche Urlaub vom Gebäude? Lassen Sie Nacht von Donnerstag auf Freitag. Am Freitag morgen
die Familien ein Wochenende zusammen verbringen sah es nach noch mehr Regen aus.
und machen Sie dann einen allgemeinen Arbeitsaufruf." Als der Präsident Lundberg am Freitag zur Arbeit
Er fügte hinzu, daß das Wochenende nach dem „Tag ging, blickte er zum wolkenverhangenen Himmel auf und
der Wehrmacht" das drei Tage andauernde Totensonn- betete: „Wir danken dir, aber wir haben für den Moment
tagswochenende sei und daß es vielleicht eine gute Zeit genug. Wir brauchen nichts mehr, bis das Gras im Boden
für das Arbeitsvorhaben sei. ist. Wir benötigen den Freitag, damit das Wasser ver-

Nachdem alle Vorschläge erörtert worden waren, sickern kann." Diesen Nachmittag und den Abend zuck-

342
ten die von Horizont zu Horizont, aber Clovis
Blitze und Spaß die Arbeit zu verlangsamen. Ein plötzlicher
blieb trocken. Der Wind wurde heftiger und durch die Windstoß überraschte die Arbeiter, als wollte er sie
Hitze und den Wind verdunstete eine große Menge des warnen, daß sie nicht viel Zeit hätten. Fast zur gleichen
stehenden Wassers. Diesen Abend wurden von den Zeit blickten alle zum Himmel auf und sahen, daß sich
Mitgliedern der Ciovisgemeinde viele Gebete darge- wieder schwarze Wolken zusammenzogen. Es war nur
bracht, Gebete voller Dankbarkeit und Danksagung, noch ein kleiner Streifen Boden übrig, der besät und
ebenso wie die demütigen Bitten, daß der Samstag son- gedüngt, gerecht und übergewalzt werden mußte, um
nig und ruhig sein möge. den Boden zusammenzupressen. Das war schnell getan,
Am Samstagmorgen um 5.30 Uhr waren schon einige und das Gelände und das Gebäude waren ebenso
Brüder mit Hacken, Rechen, Schaufeln und anderem schnell aufgeräumt. Der Arbeitstag war vorüber.
Gerät bei der Kirche versammelt. Die Sonne stieg schon Für diesen Abend war ein Taufgottesdienst festge-
am Himmel hoch, und es war nicht windig! Es kamen setzt. Zwei Soldaten, die während des Tages gearbeitet
immer mehr Mitglieder der Gemeinde an. Während die hatten, waren jetzt bereit, sich der Kirche anzuschlie-
Reihen anwuchsen, wurden die Geräte in Bewegung ge- ßen. Während des Gottesdienstes begann der Wind zu
setzt. Die Kinder fingen an, das Unkraut, die Steine und wehen, und es fing an zu regnen.
den Bauschutt wegzuschleppen. Ein Pflug und ein Trak- Später sagten die Mitglieder der Kirche, die in der
tor, Rotorfräsen und Schubkarren begannen, sich über Nähe des Gemeindehauses wohnten, daß das der selt-
das Grundstück zu bewegen. Die Schwestern waren samste Schauer gewesen wäre, den sie je in Clovis
ebenfalls beschäftigt; sie bereiteten das Gemeindeessen gesehen hätten. Die Regenwolken schienen über dem
vor. Um die Mittagszeit bat der Präsident Lundberg Gebiet der Kirche anzuhalten und als eine letzte Seg-
alle Arbeiter, sich im Raum der Juniorsonntagsschule nung für die Anstrengungen der Heiligen zu zerplatzen.
zu versammeln, wo er über das ungewöhnliche Verhal- Die Mitglieder, die auf der entgegengesetzten Seite der
ten der Naturkräfte sprach. Danach bat er jedermann Ortschaft wohnten, berichteten, daß sie während dieser
niederzuknien, während er das Gebet der Danksagung Zeitspanne keinerlei Regen gehabt hätten.
darbrachte. Mehr als 150 Mitglieder der Gemeinde knie- Der Höhepunkt aller Träume und Gebete der Mit-
ten demütiger Dankbarkeit und in einer einzigarti-
in glieder der Gemeinde wurde genau vier Monate später
gen Gemeinschaft des Herzens und der Seele nieder. erreicht, als der Präsident Verl F. Scott von der Western
Niemals schmeckte ein Gemeindeessen so köstlich. States Mission im September 1966 das Einweihungs-
Dann kehrten die Arbeiter zu ihren Aufgaben zurück, gebet für das Gebäude während einer Distriktskonferenz
und wie zu erwarten, begannen freundliche Ablenkung in der Ciovisgemeinde sprach. Q

T
Die Welt am
richtigen
Ende packen.
Koffer packen. Und wählen:
Sonnenferien auf einer verträumten Insel.
Leben in einer prickelnden Stadt.
Abenteuer in einem lockenden Kontinent.
Ein Telefongespräch mit Ihrem Pan Am
akkreditierten IATA-Flugreisebüro.
Und dann schwingen Sie sich
in die Wolken. Mit der erfahrensten
Fluggesellschaft der Welt.

Pan Am macht den großen Flug.

343
JAMES T. DUKE

Der Lohn

für ausgezeichnete

„Was springt für mich heraus?" Diese Frage


wird heutzutage häufig gestellt, obwohl es oft
ausgesprochen wird. Die Men-
nicht so deutlich
schen wollen wissen, bevor sie etwas tun, war-
um sie es tun sollen. Sie wollen die Vorteile J
kennenlernen, die sie oder ihre Familien daraus
ziehen werden. Sie wollen sichergehen, daß sie
fn
ihre Zeit nicht mit unergiebigen Tätigkeiten ver-
schwenden. 1
?'»
Manchmal jedoch wird auf die Belohnung zu
viel Nachdruck verwandt und die Menschen ver-

lieren ihr Gefühl für die perspektivisch richtige


Darstellung. Es könnte sein, daß sie zuviel Wert
auf greifbare, finanzielle Belohnung legen und
dabei weniger greifbaren, aber trotzdem
die
lohnenden Vergütungen vernachlässigen, und
zwar Belohnungen, wie das Gefühl der Zufrie-
denheit und der Vollkommenheit. Und oft fin-
den wir, nachdem wir die Belohnung empfan-
gen haben, daß sie keine Zufriedenheit mit sich
bringt.
Die Griechen in alter Zeit, die zu unserem Mi ->o.

Erbgut einen so wichtigen Beitrag geleistet ha-


ben, sind der Ansicht gewesen, daß jede Sache
der Vollkommenheit oder einer ausgezeichne-
ten Leistung fähig sei. Jede Sache und jeder
Mensch habe eine Aufgabe, die man für einen
•«**•''
' ^Y
Zustand der Vortrefflichkeit gehalten hat: Der
Vorzug eines Auges liegt darin, sehen zu kön-
nen, der Vorzug eines Messers besteht darin,
schneiden zu können usw.
Von dieser Denkweise her ist eine große
sittliche Weltanschauung erwachsen, welche die

Vortrefflichkeit der Menschheit im Auge hat. Der


Vorzug des Menschen liegt darin, denken zu
:

können —
seinen Verstand zu gebrauchen. Dies
ist der Wert, der den Menschen von den an- Y
deren Geschöpfen scheidet.

344
kleine
KINDERBEILAGE FÜR AUGUST 1968

Ein äußerst wichtiger Junge


„Guten Tag, Senor Martinez! Wie VON ROSALIE W. DOSS
geht es Ihnen? Ist dies nicht ein schö-
ner Morgen?" fragte Juan. Er lächelte
dem alten Mann zu, der über seinen
Arbeitstisch gebeugt saß.
„Mir geht es sehr gut!" antwortete
Senor Martinez und schaute von sei-

ner Arbeit auf.


„Komm, Juan, schau dir diesen
Gürtel an, den ich gerade in Arbeit
habe. Sieht die Zeichnung auch rich-
tig aus?"
„O ja, Senor Martinez", entgeg-
nete Juan. Er prüfte die wunderschöne
Lederarbeit. „Der Vogel sieht so wirk-
lich aus, daß man denkt, gleich fliegt er
vom Gürtel weg!"
Senor Martinez lächelte glücklich.
„Danke, Juan. Du bist mir eine große
Hilfe."

Juan lief weiter die Dorfstraße ent-


Krug voll Ziegen-
lang. Er wollte einen
milchvon Senor Morales holen, der am
anderen Ende des Dorfes wohnte. Die
Milch war für seinen kleinen Bruder zu besitzen. Dann könnte er für seine
Pepe. Juan holte jeden Morgen die Nachbarn zum Markt gehen, wie es
Milch, und dabei plauderte er unter- Senora Garcia tat. Dann würde er be-
wegs mit seinen Bekannten und Nach- stimmt eine wichtige Rolle spielen.
barn. Nun kamen wieder die traurigen
Heute morgen fühlte sich Juan trotz Gedanken, aber es dauerte nicht lange.
seines fröhlichen Gesichtsausdrucks Auf dem ganzen Weg begegneten Juan
etwas traurig. Er sagte sich: „Wenn Leute, die er kannte. Und immer grüßte

ich nur auch so schöne Ledersachen er sie mit einem strahlenden Lächeln.

machen könnte wie Senor Martinez! Als er zu Senor Morales' Haus


Dann würde ich eine wichtige Rolle kam, hörte er großen Lärm und Ge-
spielen. Ich glaube, Senor Martinez ist schrei.

der wichtigste Mann in unserem Dorf." „Was gibt es, Senor Morales?«
Aber Juan war nicht lange traurig. fragte Juan. Aber er konnte es sich
Er sah Sefiora Garcia aus ihrem sau- bereits denken.

beren getünchten Ziegelsteinhäuschen „Meine Ziegen sind wieder ausge-


treten. Juan rief: „Guten Morgen, rissen. DieBösewichte sind aus ihrem
Sefiora Garcia!" Stall ausgebrochen!« schrie Senor
„Ah, du bist es, Juan", rief Senora Morales.
Garcia glücklich. „Ich warte schon auf „Ich helfe ihnen, sie wieder einzu-
dich. Heute ist Markttag. Könntest du fangen«, sagte Juan und stellte seinen
mir mit diesen Körben helfen? Ich will Krug auf die Erde. Fast jeden Morgen
sie über Benitos Rücken hängen." half er, die unruhigen Ziegen von Se-

„Ich helfe ihnen gerne, Senora nor Morales einzufangen, die nichts
Garcia", antwortete Juan sofort. mehr liebten, als aus ihrem Stall aus-
Benito, der kleine braune Esel, zureißen.

stand ganz während Juan Senora


still,
Mit Juans Hilfe wurden die Ziegen

Garcia Körbe auf des Esels


half, die innerhalb kurzer Zeit wieder zurückge-

Rücken zu laden. Sie mußten gleich- bracht.

mäßig aufgeladen werden, damit das Senor Morales dankte Juan für sei-
kleine Tier es nicht zu beschwerlich ne und füllte den Krug mit Milch.
Hilfe

hatte. In den Körben waren Maiskol- Dann machte sich Juan auf den Heim-

ben, Kürbis, Zuckerrohrstengel und weg. Fortwährend malte er sich aus,


aufgereihte Zierkürbisse. wie schön es wäre, wenn er eine Zie-
Senora Garcia nahm neben ihren genherde hätte, selbst wenn die Tiere
eigenen Waren auch noch die ihrer boshaft wären. Aber dann könnte er

Nachbarn zum Markt. Sie war die ein- die Dorfbewohner mit Milch versor-
zige im Dorf, die einen Esel besaß. gen, wieSenor Morales es tat. Dann
Nach dem Laden gab Senora Gar- würde er sicher eine wichtige Rolle
cia Juan einen Stengel Zuckerrohr. spielen.

„Gracias!" sagte sie. „Nie hätte ich Juan gab seiner Mutter den Krug
Benito ohne deine Hilfe beladen kön- mit der Milch und ging wieder auf den
nen, Juan." Hof. Er fuhr fort zu denken: „Jeder-

Juan ging weiter. Er knabberte am mann im Dorf ist wichtiger als ich.«
süßen, leckeren Zuckerrohr. Er Und in diesem Moment geschah
wünschte glühend, selbst einen Esel es! Juans Gedanken waren so weit

74
weg, daß er den großen Stein gar Dann
erklärten Juan und seine Mut-
nicht bemerkte. Hopp —
da stolperte ter, daß Juan den Knöchel verstaucht
er und fiel sehr hart auf den Boden. Er hatte und daß er nun seinen Fuß einige
fühlte einen stechenden Schmerz, der Tage schonen müsse.
von seinem Fußknöchel durch das Dabei sammelten sich immer mehr
ganze Bein schoß. Leute vor Juans Fenster. Sie erwähn-
„Hast du dir weh getan, Juan?" rief ten alle, wie sehr sie seinen Unfall be-
seine Mutter. dauerten.
„Ich glaube, mein Knöchel ist ver- Juan lächelte seinen vielen Be-
letzt", stöhnte Juan. kannten und Nachbarn zu und meinte:
Die Mutter betastete sorgfältig „Ich habe nicht gedacht, daß mich je-

Juans Fuß und Knöchel. Dann atmete mand vermissen würde. Ich dachte
sie auf: „Es ist nur eine Verstauchung. nicht,daß ich so wichtig bin."
Wenn du dich einige Tage hinlegst, „Wie könnte ich denn mit meinen
wird alles wieder gut sein." widerspenstigen Ziegen fertig werden,
Am nächsten Morgen, als die Son- wenn du mir nicht zur Hand gingest?"
ne bereits hoch am Himmel stand, fragte Senor Morales und lachte übers
fragte Juan von seinem Stuhl am Fen- ganze Gesicht.
ster: „Wer wird denn heute Pepes „Wie könnte ich ohne deine Hilfe
Milch holen?" zum Markt kommen?" meinte Seno-
„Ich gehe, sobald die Hausarbeit ra Garcia. „Benito und ich schauen je-

getan ist", antwortete seine Mutter. den Morgen nach dir aus."
Aber sie brauchte nicht zu gehen. „Und wie könnte ich je meinen Tag
Von draußen hörte man rufen. Es war beginnen ohne deinen freundlichen
Senor Morales. Er sagte: „Da Juan Gruß?" bemerkte der alte Senor Mar-
nicht gekommen ist, um Milch zu holen, tinez. „Deine Freundlichkeit und dein
habe ich sie selbst gebracht. Ich bin in fröhliches Lachen machen dich zum
Sorge; was ist mit Juan?" wichtigsten Jungen im ganzen Dorf."
Bevor Juan oder seine Mutter ant- Nun wurde Juans Lächeln breiter
worten konnte, tauchte auch der alte als je zuvor. Nicht ein kleines bißchen
Senor Martinez auf. „Wo ist Juan? Ich (Fortsetzung Seite 79)
habe ihn heute morgen vermißt."
„Ich auch", sagte eine andere Stim-
me. Sie gehörte Sefiora Garcfa.
ante i

VON J. C. DAEM
Neun Enten watschelten den ge- es ihm. Dafür ging er aber so lang-
wundenen Weg entlang, um schwim- sam und vorsichtig, daß er noch weit
men zu gehen. Eine weiße und sie- zurück war, als die anderen Enten
ben braune Enten — und Daniel. den Teich erreichten.
Daniel war natürlich wieder der Dora glitt fast geräuschlos ins
letzte. Wasser. Sie schwamm wie ein schnee-
Die weiße Ente hieß Dora. Ihre weißes Segelboot. Hinter ihr zogen
Federn schimmerten wie Perlen, ihre die braunen Enten dahin wie braune
Beine waren goldgelb und ihre Füße Ruderboote. Als Daniel endlich das
waren so orangefarben wie die kühle Wasser erreichte, fiel er —
Sonne. Dora war eine hübsche weiße platsch — einfach hinein.
Ente, und sie wußte es auch — sie Sein Schwänzchen ging hoch, sein
ging immer vornan. Kopf hinunter. Das Wasser tat seinen
Die sieben braunen Enten armen heißen Füßen gut. Er tauchte.
schnatterten und klatschten. Und Daniel war glücklich, weil nun
Zum Schluß kam Daniel, und zwar niemand mehr die schrecklichen Füße
allein! Wegen seiner Füße nämlich. sehen konnte —
sie waren ja im
Sie waren einfach riesig. Kleine Wasser versteckt.
Frösche hatten sie sogar schon ver- Doch dann hörte er etwas. Oh,
sehentlich für Seerosenblätter gehal- war das ein Lärm! Dora, die schöne
ten. Natürlich fiel er auch häufig Dora, schlug mit den Flügeln und
— kopfüber — hin, wenn er einmal krächzte wie eine Krähe mit Hals-
nicht an seine übergroßen Füße schmerzen.
dachte. Die braunen Enten zogen in alber-
Manchmal blieb dann sein Schna- nen, unnützen Kreisen um sie herum.

bel im Schlamm stecken, manchmal Herum, herum, herum, ohne etwas zu


stieß er seinen Kopf. Und dann tun. Sie wußten einfach nicht, was sie

kicherten die braunen Enten und tun sollten.


Dora kicherte und spottete — oder Dora krächzte nicht mehr, sie

sie lachte laut heraus, und das war gluckste. weiße Federn fielen
Drei
am schlimmsten. aus ihren Flügeln aufs Wasser. Und
An diesem Tag nun war das Wet- die sieben braunen Enten verloren
ter herrlich. Die Sonne schien, die vor Angst das bißchen Verstand, was
Vögel sangen, und die Schmetterlinge sie hatten.

setzten sich auf die Blumen. Sie ruderten mit ihren Füßen, als
Der arme Daniel sah nichts da- ob es Motoren wären. Sie flohen
von. Er schleppte sich dahin und be- über den Teich, durch den sumpfigen
mühte sich, nicht über seine Füße zu Uferrand und hinein in die Büsche,
stolpern. Und zum erstenmal gelang (Fortsetzung Seite 80J

76
Das größte Geheimnis Afrikas
Der kleine Mauri rannte durch den len, woher das Geräusch kam, das
dunklen schweigenden Urwald. Seine er zu hören geglaubt hatte. Er war
schwarzen Beine waren bereits von fast überzeugt, daß eine Herde von
den dornigen Ranken zerkratzt, die Geisterelefanten hinter ihm herkam;
den Weg zum Lager der Weißen aber nichts geschah.
säumten, und bluteten. Sein Körper Nichtsdestoweniger rannte er weiter,
glänzte vor Schweiß, und das Atmen nicht ohne zwischendurch stehenzu-
fiel ihm schwer. Er hatte ein Ge- bleiben, um einen Blick über die
heimnis aufgedeckt — ein sehr wich- Schulter zurückzuwerfen und die
tiges Geheimnis — und wollte dies Panga, eine Eingeborenenaxt, fester
nun unbedingt dem Bwana mitteilen. zu fassen. Endlich gelangte er in die
Plötzlich blieb er stehen. Ein kal- Schlucht und lief langsamer.
ter Angstschauer überlief ihn. Ängst- Als er das Lager endlich erreicht
lich suchte er mit den Augen den hatte, schwankte er zu dem bärtigen
Urwald hinter sich ab, um festzustel- Führer der Expedition, der beobach-

77
tete, wie Eingeborene einige neu ge- auf einer breiten grasbewachsenen
fangene wilde Tiere in ihren Käfigen Ebene angelangt. Der weiße Bwana
fütterten. „Bwana!" keuchte Mauri. blickte sich um und rief: „Der Junge
„Ich hab es gefunden. Ich habe her- hat recht! Wir haben ihn gefunden.
ausgefunden, wo die .Großen' zum Das ist der Elefantenfriedhof. Wir
Sterben hingehen!" sind reich!"
„Bist du ganz sicher, mein Jun- Ungefähr hundert Meter von ihnen
ge?" rief der weiße Mann aus. „Du entfernt lag Tembo, der König der
hast wirklich den Elefantenfriedhof Elefanten, dem Mauri gefolgt war.
gesehen?" Das große bewegungslos
Tier lag
Mauri nickte mit dem Kopf, weil zwischen den schimmernden Knochen
er nichts mehr sagen konnte. Sein einer ganzen Anzahl von toten Tieren.
Körper schmerzte, seine Kehle brann- Es war wirklich ein Friedhof. Unglück-
te vom Durst, und sein Magen sehnte licherweise war es aber NICHT der
sich nach Nahrung. sagenhafte Elefantenfriedhof.
Früh am nächsten Morgen führte
der kleine Eingeborenenjunge die
weißen Männer zu dem Platz, den
er entdeckt hatte. Sie mußten viele
Kilometer zurücklegen, und ein gro-
ßer Teil des Weges führte durch
dichten Urwald, was die Reise noch
verlangsamte. Auf dem Weg erzählte
Mauri, wie es kam, daß er zufällig
den geheimen Ort finden konnte.
„Ich sah Tembo, den König der
Großen", sagte Mauri, „und ich konn-
te sehen, daß die Zeit des großen
Schlafes für ihn gekommen war. Des-
halb bin ich ihm nachgegangen. Er
ging viele Meilen weit, und einmal
habe ich ihn verloren. Aber ich konn-
te seine Spur wiederfinden, und als
ich ihn dann wieder sah, bemerkte Die schimmernden weißen Skelet-
ich, daß er bereits den großen Schlaf te, die überall verstreut lagen, waren
schlief —und er lag zwischen vielen keine Elefantenskelette. Es gab zwar
Knochen. Ich bin nicht noch näher einige; aber die meisten Knochen
herangegangen, sondern habe mich gehörten zu vielen verschiedenen
beeilt, dir alles zu erzählen, Bwana." Arten von Tieren. Bei näherer Unter-
„Du bist ein guter Junge!" Der suchung weißen Männer
stellten die
weiße Führer klopfte dem strahlenden zu ihrer Bestürzung
fest, daß ein
Jungen auf die nackte Schulter. „Du nahegelegenes Wasserloch die Ur-
hast uns einen großen Dienst erwie- sache des Massensterbens war. Das
sen, und du sollst dafür belohnt wer- Wasser enthielt große Mengen Alka-
den!" und als der sterbende Elefant dort
li,

Endlich waren die weißen Männer getrunken hatte, wurde durch das

78
vergiftete Wasser
sein Tod nur be- Spitze ihres Rüssels über der Ober-
schleunigt.Der sagenhafte Elefanten- fläche ist, damit sie atmen können.
friedhof war nicht entdeckt worden, Elefanten sind ausgezeichnete
und man hat ihn bis heute nicht ge- Schwimmer, und sie können sechs
funden, obwohl man noch immer da- Stunden lang ununterbrochen schwim-
nach sucht. men! Deshalb denkt man auch an
Die Sucher glauben, daß sie ein einen Friedhof unter Wasser. Die an
Vermögen durch Elfenbeinzähne er- die Unterwassertheorie glauben, wei-
werben können, wenn sie nur den sen darauf hin, daß es viele Beispiele
geheimen Ort finden, wohin die Ele- gibt, wo Eingeborene die weißen
fanten gehen, um zu sterben. Sie Männer an ausgetrocknete Flußbet-
sagen, daß dieser fremdartige Schatz ten und Seen geführt haben, um
Hunderttausende, vielleicht Millionen ihnen die eindrucksvollen Berge von
von Dollar wert ist. Elefantenskeletten zu zeigen.
Es ist durchaus möglich, daß die- Die aber nicht daran glauben, ha-
ben auch schon eine Erklärung dafür.
Sie sagen, daß die Elefanten wohl ab
und zu ertrinken und daß ihre Kno-
chen möglicherweise vom Wasser an
bestimmte Stellen des Sees oder
Flusses getragen werden, an denen
sich dann mehrere Skelette ansam-
meln.
Und an dieser Stelle kommt man
nicht weiter. Seit fast 300 Jahren ha-
ben die Menschen dieses Thema be-
sprochen. Eines Tages werden wir
es vielleicht ganz genau wissen. Aber
bis zu dem aufregenden Tag, an dem
man die Wahrheit erfahren wird, ob
Elefanten wirklich einen Friedhof für
sich haben und wo sich dieser be-
findet, wird dies eines der größten
ser Schatz existiert, weil es sogar Geheimnisse Afrikas bleiben.
heute noch im Süd-
nördlichen Teil
westafrikas ein riesiges Gebiet von
(Fortsetzung von Seite 75)
mehr als einhunderttausend Qua-
dratmeilen gibt, das zum größten Teil Traurigkeit war nun in seinem Herzen.
noch unerschlossen ist. So groß Ele- Natürlich dachte Juan nicht wirklich,
fanten auch sind, in einem so großen daß er der wichtigste Junge im Dorf
Gebiet könnten sich eine Menge von sei; aber es war ein wunderbar war-
ihnen —lebendig oder tot — ver- mes und glückliches Gefühl, zu wissen,
stecken. daß seine Bekannten und Nachbarn so
Elefanten lieben das Wasser, und gut über ihn dachten. Er fühlte sich
sie gehen häufig auf dem Grund nützlich und geliebt. Und was ist wich-
eines Flusses entlang, wobei nur die tiger als das? Q
79
Fotograf Klick
Könnt Ihr Fotograf Klick den rich-

tigen Weg zeigen, damit er alle Tiere


fotografierenkann, ohne dieselbe
Wegstrecke zweimal zu gehen?

Was ist das?


Der Postbote bringt einem dieser
Männer ein Paket. Wie heißt der Ge-
genstand in dem Paket und für wen
ist er bestimmt? Wißt ihr, wozu er
benützt wird?
uojQLjnzqe }snjg jejosun ui

9L)osnBJ90 9]p tun 'S9 izinuaq J3 jo}


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-oqie^s u 9
! ls !
pue}suoß8Q joq
:}jomiuv

Welcher Kreis ist


größer?
Karlchen und Kätchen sind sich
nicht einig darüber, welcher Kreis
größer ist. Karlchen sagt, sein Kreis
sei größer. Kätchen behauptet, ihr

Kreis sei größer. Wer hat recht?


•gojß ip!9|ß neuoß
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an den Pflanzen. Und dann war Dora


(Fortsetzung von Seite 76)
frei.

wo sie sich versteckten - alle sieben. Der Weg zur Wasseroberfläche


Aber nicht Daniel. Daniel benutzte war weit —
Daniel hätte es beinah
seine übergroßen Füße als Ruder. nicht geschafft. Er kam wieder ins

„Bleib ruhig. Ich komme schon", Sonnenlicht, blieb, wo er war, und


rief er der ermatteten Dora zu. ließ sich einfach treiben.

Mit heftigem Flügelschlagen lan- Sein Kopf sank hinab. Wie müde
dete erneben ihr. Er nahm seine er war — aber wie glücklich!

großen Füße zusammen und tauchte Als er sich ausgeruht hatte,

tief hinab, mitten zwischen die Was- schwamm er zurück ans Ufer des
serpflanzen, welche die arme Dora Teiches. Dicht hinter ihm, so dicht es
so festhielten. ging, schwamm Dora.
Daniel benutzte seine Füße als Die braunen Enten aber — die

Schaufeln. gingen jetzt zum Schluß, wo sie ja

Er lockerte den Schlamm und zog auch tatsächlich hingehörten.

80
Die Griechen haben jedoch sogar bei den Arbeiten sind langweilig und enthalten Spannun-
einzelnen Menschen Unterschiede erkannt. Je- gen und Zwang. Sehr oft haben die Menschen
der Mensch ist vom anderen unterschiedlich; nicht die notwendige Ausbildung, um eine Stel-
deshalb besitzt der einzelne außer der Fähig- lung zu bekommen, wo sie ihre Talente ausüben
keit, seinen Verstand zu gebrauchen, einen be- können.
sonderen, nur für ihn zutreffenden Vorzug. Je- Aber der Grundsatz der Vortrefflichkeit ver-
der Mensch muß seinen eigenen Vorzug her- schafft uns eine Methode, wie wir unsere Tätig-
ausfinden. Er muß seine eigenen Gaben und keiten betrachten können. Wir müssen die nütz-
Fähigkeiten untersuchen und danach streben, lichen und befriedigenden Aspekte unseres Be-
sich den Werten auszuzeichnen, die ihn von
in rufes finden und uns darauf konzentrieren. Es
den anderen Menschen unterscheiden. muß unser Anliegen sein, die bestmögliche Ar-
Die Griechen haben geglaubt, daß die aus- beit zu verrichten. Das Ergebnis wäre, daß die
gezeichnete Leistung um ihrer selbst willen aus- Tätigkeit für uns angenehmer und befriedigen-
geübt werden soll und nicht für irgendeine Be- der wäre.
lohnung. Die erreichte Vollkommenheit ist ihr Die Heimgestaltung. Die Rolle der heutigen
eigener Lohn. Die Tätigkeiten sind betrachtet Frau ist von der Stellung der Frau vor 50 oder
worden, als wenn sie sich selbst ihren Zweck 100 Jahren sehr verschieden. Sie hat eine bes-
setzen und nicht als ein Mittel zu anderen sere Bildung erhalten, interessiert sich mehr für
Zwecken. die Welt um sie herum, ist in der Gemeinschaft
Dieser Grundsatz ist für die heutige Mensch- und in Kirchenangelegenheiten tätiger. Manch-
heit ungeheuer Wir sollen die Tätig-
wichtig. mal fühlt sich eine Frau durch ihr Heim und
keiten ausüben, weil die Handlung angenehm ihre Familie gehemmt und hat die Empfindung,
und lohnend ist und weil sie zum Nutzen unse- daß sie ihre Interessen in der Gemeinschaft
rer Mitmenschen beiträgt und uns Freude be- nicht ausdrücken kann.
reitet, nicht wegen finanziellen oder gesell- Hier verschafft der Grundsatz der ausge-
schaftlichen Gewinns. Der Herr hat daran bei zeichneten Leistung wiederum das Mittel für sie,
folgenden Worten gedacht: „Die Menschen soll- ihre Tätigkeiten anzusehen und danach zu stre-
ten in einer guten Sache eifrig tätig sein, viele ben, ihre Arbeiten mit einer Vorzüglichkeit aus-
Dinge aus freien Stücken tun, und viele gerech- zuführen. Dadurch findet sie in ihrer Beschäfti-
te Taten vollbringen." (LuB 58:27) gung Freude und sieht ihre Tätigkeiten als
Diese Auffassung des Wertes und der Ver- nützlich und genußreich an. Sie soll versuchen,

vollkommnungsfähigkeit des Menschen stimmt ihr Leben und das Leben der Familie durch die

mit unserem christlichen Erbe überein. Christus Freude, die Zufriedenheit und die Schaffens-
hat gelehrt, daß sich der Mensch um persönli- kraft zu bereichern, die sie dem Heim widmet.

ches Wachstum und bemü-


Selbstentwicklung Die Familienbande. Manchmal wählt ein Jun-
hen Jedermann soll seine eigenen Gaben,
soll. ge zum Ausgehen ein schönes Mädchen, weil
Kenntnisse und Tugenden auf den höchsten ihm eine solche Verabredung Ansehen ver-
Stand bringen und das Ziel der Fähigkeit, sich schafft. Es kann passieren, daß ein Mädchen

selbst auszudrücken, der Selbsterfüllung und eine Verabredung mit einem Jungen annimmt,
der Schaffenskraft verfolgen. Er soll seine Mit- obwohl sie ihn nicht leiden kann, nur, um einen
menschen lieben und ihnen ohne den Gedanken besonderen Tanzabend besuchen zu können. Es
an eigene Stellung oder eigenen Ruhm dienen. kann aber auch sein, daß sie sich weigert, mit
Die Freude liegt im Handeln, nicht im Besitzen. einem Jungen auszugehen, weil er nicht gut
Die Schwierigkeit liegt darin: Wie können aussieht, weil er kein Auto hat oder weil er
wir diesen Grundsatz im täglichen Leben zur kein guter Tänzer ist. In einem solchen Fall
Anwendung bringen? Lassen wir uns einige wird der Nachdruck auf das Erreichen eines
typische Fälle besprechen und einige Vorschläge äußerlichen Vorteils gelegt und nicht auf den
machen. innerlichen Genuß, mit einer anderen Person
Der Beruf. Der Grundsatz der ausgezeich- zusammen zu sein. Schließlich jedoch entschei-
neten Leistung soll den einzelnen dazu bringen, den sich die meisten von uns für jemanden, den
sich einen Beruf zu suchen, wo er seinen eige- wir lieben lernen. Und wir stellen fest, daß wir

nen Gaben und Fähigkeiten Ausdruck verleihen glücklich sind, nur weil wir mit diesem Men-
kann —
einen Beruf, den er voller Freude aus- schen zusammen sind. Die Verbindung als sol-

füllen kann, ohne daß er dabei an die Bezah- che lohnt sich schon. Das Zusammensein ist
lung denkt. Um die Gesellschaft funktionsfähig nicht ein Mittel zum Zweck —
es ist der Zweck.
zu halten, müssen jedoch viele Arbeiten ver- Niemand sollte heiraten, nur um einen guten
richtet werden, die nicht dieser Art sind. Einige (Fortsetzung Seite 357)

345
DER
PRÄSIDIERENDE BISCHOF
SPRICHT ZUR JUGEND ÜBER
SELBST-
BEHERRSCHUNG
VON BISCHOF JOHN H. VANDENBERG

Gesellschaft, die in Wirklichkeit eine gesetzt. Sir Walter Scott bekämpft


sogar schlimmere Form des Krebses diese Denkweise in den folgenden
verfechten — den Krebs der Seele. Worten: „Lehre Selbstverzicht und
Diese selbsternannten Despoten gestalte seine Ausübung angenehm,
fordern das zügellose Walten der und du kannst der Welt ein
menschlichen Begierden und Leiden- erhabeneres Schicksal schaffen, als
daß diese
schaften. Sie erklären, es je von dem Gehirn des aben-
hemmungslose Befriedigung der teuerlichsten Träumers erdacht
natürliche Weg und demzufolge der worden ist." Wie
Scott zu verstehen
richtige Weg sei. Sie treten für den gibt, ist denjenigen eine große
Genuß von Rauschgiften, von alkoholi- Macht verfügbar, die es lernen, ihre
schen Getränken, für das Lesen Begierden und Leidenschaften dem
schmutziger Literatur und für sittliche Willen zu unterwerfen. Im völligen
Übertretungen und diese Aufstel-
ein; Gegensatz zum Ruf nach Genuß, auf
lung könnte fortgeführt werden. den wir Bezug genommen haben,

ü edes Jahr entsetzen sich Tausende


von Menschen, wenn sie herausfinden,
Es gibt viele Menschen, insbeson-
dere unter der Jugend, die von dieser
satanischen Lehre eingefangen wer-
ist die Selbstbeherrschung der
wirkliche Schlüssel für den Fortschritt
und die Freude. Tennyson hat in
daß bösartige, krebsartige Zellen den. Diese jungen Menschen sind sich „Sir Galahad" geschrieben: „Meine
einen Teil ihres Körperseinem
in kaum im klaren darüber, daß ein Stärke ist wie die Stärke von zehn,
solchen Maße befallen haben, daß der solcher Genuß ein krebsartiges weil mein Herz rein ist."
Tod bevorsteht. Heutzutage ist der Wachstum auslöst, das nicht zufrie- Es wäre gut, wenn wir einen
Krebs eine der am meisten gefürch- dengestellt wird, bis es ihre gesamte Moment das betrachten würden, was
teten Krankheiten, die der Mensch Seele verschlungen und vernichtet genau die Selbstbeherrschung für
kennt. Die Krebszellen dienen im hat. Diese — sozusagen — Todes- Sie, junge Männer und Frauen der
Aufbau des Menschen keinem nütz- händler verfechten Genüsse, die den Kirche, in sich einschließt. Wenn
lichen Zweck; im Gegenteil, diese Menschen nicht nur seiner größten jemand tatsächlich der Meister seiner
Zellen sind ein Beispiel für unbe- Verteidigungswaffe gegen das Böse selbst geworden ist, ist er weder
grenzte und ungezügelte Wachstums- berauben, sondern ihm ebenso seinen den Regungen des Ärgers noch dem
macht. Es ist dieses verwüstende und größten Schlüssel zum Fortschritt Machtspruch unreiner Gedanken
ungezügelte Wachstum, wodurch der nehmen — seine Fähigkeit, sich selbst oder der Verlockung der Selbst-
Krebs dieses Jahr und jedes darauf zu beherrschen. Genauso wie ein genugtuung unterworfen, noch läßt
folgende Jahr eine so schreckliche Pferd dadurch wertvoller wird, daß es er sich von seinen Leidenschaften
Zahl Lebensopfer erreichen kann, geschult und trainiert wird, so kann Vorschriften machen.
solange, bis er zum Halten gebracht der Mensch sich seines größeren Fort- Präsident McKay bezeichnet die
werden kann. Wir haben die schritts dadurch erfreuen, daß er Selbstbeherrschung als ein den
Hoffnung, daß wir eines Tages seine Begierden und Leidenschaften Mittelpunkt bildendes Ziel des
die Antwort finden werden zügelt. Evangeliums. Er hat gefragt: „Was
und daß dadurch Leben verschont Diese Menschen predigen nicht istdas Evangelium? Warum haben
bleiben werden. Auf Grund dieser nur den Genuß; darüber hinaus möch- wir es? Und was ist sein Zweck? . . .

Hoffnung werden Millionen von Dollar ten sie uns glauben machen, daß die Paulus sagt, daß das Evangelium
und eine unbegrenzte Zahl Arbeits- Selbstbeherrschung und die Selbst- die .Macht Gottes zur Erlösung' sei.

stunden in der Anstrengung einge- verleugnung zu einem Zustand führen, Die Erlösung wovon? Wovon muß
setzt, um das Erreichen jenes Tages der völlig ohne Freude ist. Dies ist die Welt erlöst werden?" Der
zu beschleunigen. eine scheußliche Lüge und ist dem Prophet beantwortet dann seine
Trotzdem finden wir inmitten die- ureigenen Geist des Evangeliums rhetorische Frage: „Die Welt muß
ser Anstrengungen einige in unserer und des Fortschrittes entgegen- zuerst vom beherrschenden Einfluß

346
der tierischen Instinkte, der Leiden- zu loben, denn er ist der allerhöchste
schaften, der Begierden erlöst Gott und hat unsre Brüder aus den
werden." („Treasures of Life", Seite Ketten der Hölle befreit.
438.) Hier ist die Selbstbeherrschung Haben wir daher nicht Ursache,
als Mittelpunkt des Lebenszwecks uns zu freuen? sage euch,
Ja, ich
hingestellt worden. Und wenn wir die seit Anbeginn der Welt hat es nie
Gebote des Herrn untersuchen, Menschen gegeben, die so große
stellen wir fest, daß sie besonders Ursache zur Freude hatten wie wir;
dazu ersonnen worden sind, uns von ja, und meiner Freude werde ich
in
diesen „tierischen Instinkten" zu hingerissen, mich meines Gottes zu
befreien. rühmen; denn er hat alle Macht,
Das göttliche Gebot „du sollst alle Weisheit und allen Verstand;
lieben . kann uns dabei behilflich
.
."
er versteht alle Dinge und ist ein
sein, den Kummer und das Unglück barmherziges Wesen und wirkt
zu vermeiden, das die Verachtung Seligkeit für die, welche Buße tun
und der Zorn erzeugen. Wenn wir und an seinen Namen glauben."
ehrlich sind und nach dem Besten (Alma 26:12-14, 35)
im anderen suchen, können wir Die Geschichte ist voll ähnlicher
„den tierischen Wunsch nach Beispiele. Wir brauchen nur auf
Befriedigung vermeiden". (Ibd., Seite David zu verweisen, der seine bevor-
439.)Durch das Befolgen des zugte Stellung wegen seiner zügel-
Wortes der Weisheit machen wir osen Leidenschaft verloren hat und
uns selbst davon frei, von unseren sein Leben mit dem des Joseph vor
Begierden beherrscht zu werden. alters zu vergleichen, der es gelernt
Dadurch, daß wir reine Gedanken hat, seine Leidenschaften zu
denken und in all unseren Hand- beherrschen. Das Endergebnis des
lungen keusch sind, erreichen wir Lebens dieser beiden Männer gibt
die Beherrschung unserer niedrigeren und seiner großen Kraft. Ammon hat uns ein zusätzliches Zeugnis für
Leidenschaften. Auf diese Weise seine Leidenschaften und seinen die Freude und den Erfolg, die durch
machen wir uns selbst frei und Hochmut beherrschen gelernt; alles die Selbstbeherrschung hervor-
erlangen die Befähigung, uns der was er getan hat, das hat er gerufen werden.
krönenden Verbindung zu erfreuen, vollbracht, um das Werk des Herrn Junge Männer und Frauen der
des Bundes der ewigen Ehe. voranzubringen. Er hat Tausende Kirche, die Welt braucht Menschen,
Milton hat ebenfalls diese zur Kenntnis der Wahrheit geführt die sich selbst beherrschen können.
Richtung verfochten. Er hat über das und ist hoch angesehen und geehrt Unser Zeitabschnitt benötigt die
Thema der Selbstbeherrschung gewesen. Er hat eine überaus große Stärke, die durch Selbstbeherrschung
geschrieben: „Wer in seinem Innern Freude empfangen, weil er sich ermöglicht wird, in einem vielleicht
regiert und seine Leidenschaften, selbst beherrscht hat — eine Freude, stärkeren Maße als jede andere Zeit.
Wünsche und Ängste beherrscht, ist die noch größer ist, als die eines Lassen Sie uns immer daran
mächtiger als ein König." Um die Königs. Er beschreibt dieses Glück denken: Wer nachgibt, um jeden
Wahrheit dieser Worte zu erfassen, in den folgenden Worten: seiner Wünsche und Begierden zu
brauchen wir nur einen kurzen „Ja ich weiß, daß ich nichts bin; erfüllen, beschränkt in einem großen
Blick auf die Geschichte zu werfen; sondern schwach,
ich bin nicht stark, Maße seine Nützlichkeit der Gesell-
denn aus dem Gesamtbild der daher will ich mich nicht meiner schaft und vor allem dem Herrn
Geschichte erwächst der überzeu- selbst rühmen, sondern meines gegenüber. Ein zügelloser Mensch
gendste Beweis für die Wichtigkeit Gottes will ich mich rühmen, denn ist im wahrsten Sinn des Wortes ein
der Selbstbeherrschung. in seiner Stärke kann ich alle Dinge Sklave. Robert Burton legte es so
Ammon, ein Sohn des Königs tun; ja sehet, viele mächtige dar: „Besiege dich selbst. Solange
Mosiah, hat den Thron seines Landes Wunder haben wir in diesem Lande du das nicht getan hast, bist du
erben sollen. Er hat diese Ehre gewirkt, wofür wir seinen Namen nur ein Sklave; denn es ist fast das
jedoch abgelehnt, um den Lamaniten ewiglich preisen wollen. gleiche, den Begierden eines anderen
das Evangelium zu predigen. Im Sehet, viele Tausende unserer unterworfen zu sein, wie deinen
Kampf ist er ein schrecklicher Gegner Brüder hat er von den Qualen der eigenen."
gewesen. Wenn wir davon lesen, Hölle erlöst, und sie singen jetzt Erinnern Sie sich daran: Trotz
wie er die Herde des Königs ver- der erlösenden Liebe durch die allem,was die Welt lobt, wird der
teidigt und denen den Arm abge- Macht seines Wortes, die in uns ist. wahre Wert eines Menschen und —
schlagen hat, die ihn haben angreifen Haben wir daher nicht große deswegen auch meiner
Ihrer wie —
wollen, gewinnen wir eine Vor- Ursache, uns zu freuen? davon bestimmt, wie gut wir uns
stellung von seinem großen Mut Ja, wir haben Ursache, ihn ewig selbst beherrschen. O
347
gebracht und Ihnen gesagt hat, er werde Sie erst in

einigen Stunden wieder abholen? Welch ein Glücksgefühi


ist es doch gewesen, die vielen Bücher in den Regalen

durchzuschauen, zwei auszuwählen und mit


oder drei
ihnen zu einem kleinen Stuhl an einem niedrigen Tisch
zu gehen und sich auf eine Reise in ferne Welten ein-
Leere zurichten! Vielleicht haben Sie noch ein-, zweimal nach
der Bibliothekarin geschaut, und in Ihrem Herzen haben
Sie gewußt, daß sie den besten Beruf in der ganzen
Bücherstützen Welt hat. Auch sie liebt Bücher.

Bücher sind lebende Wesen, das heißt, wir können


das aus ihnen machen. Sie sind etwas, was man liebt,
VON was man verteidigt, worüber man sich freut, was man
FLORENCE B. PINNOCK
erforscht und was man verschlingt. Bücher sind wunder-
bare Belohnungen für Kinder. Ein sorgfältig gewähltes
Buch kann ein sehr persönliches Geschenk sein.
24karätiges Gold von dauerndem Wert kann in Bü-
chern gefunden werden. Wir lesen eine Seite und be-
finden uns bereits in Griechenland, Chile oder Alaska.
Ein Buch hat die Macht, uns in eine Welt zu versetzen,
wo wir der berühmteste Wissenschaftler, der begabteste
Künstler, der beste Koch, eine graziöse Tänzerin oder
eine Schikanone sind, ohne daß wir auch nur von unse-
rem Stuhl aufstehen. Wir können zusammen mit Kolum-
bus, Cook oder Byrd die Welt erforschen. Wir können
tin Mehlsieb ohne Mehl, eine Feder ohne Tinte, ein mit dem Autor unsere Phantasie spielen lassen, uns in

Kamin ohne Holz und zwei leere Bücherstützen alles — das Jahr 2500 versetzen und alle Wunder der Wissen-
ist unnütz. Nichts sieht so verlassen aus wie zwei schaft erleben; oder wir können uns von der Zukunft
Bücherstützen, die ohne irgendein Buch nebeneinander- abwenden und durch die Geschichte vergangener Zei-

stehen, es sei denn, daß es ganze Reihen von Bücher- ten wandeln und vielleicht den Entwicklungsplan aller
regalen voll Andenken und Ziergegenständen sind. Dinge entdecken. Durch das Lesen erfahren wir, wie die
Sind Sie je in einem fremden Haus gewesen, dessen Aussicht vom höchsten Gipfel eines Berges ist, und
Besitzer Sie nicht gekannt haben, und haben Sie dann die Gegenwart ist überall da, wo das Buch uns hinführt.
gewünscht, daß er Ihr Freund sei, bloß weil Sie in jedem Erkenntnis, Trost und Mut kann von einer gedruckten
Zimmer eine große Anzahl gutausgewählter Bücher ge- Seite kommen. Lernen Sie denken, wenn Ihre Augen
sehen haben? Ein Haus wird zu einem Heim, indem wir über die Worte wandern, und bringen Sie jeden geschrie-
Gebrauch davon machen, und eine große Rolle spielen benen Gedanken mit sich persönlich in Verbindung. Ver-
Bücher dabei. Ein Küchenherd hilft, den leiblichen Hunger suchen Sie, mit einem Bleistift in der Hand zu lesen, um

zu stillen, und eine Wand voll Bücher dient den geistigen die Aufmerksamkeit auf den Inhalt zu konzentrieren; und
Bedürfnissen. vielleicht widerfährt es Ihnen sogar, daß Sie aus lauter
Ein kleiner Junge hat gesagt: „Ich möchte gerne eines Begeisterung ein Stück vom Radiergummi abbeißen!
Tages eine Million Bücher besitzen. Das erste Geschenk, Lesen ist mit Wandel befreundet. Wenn wir wissen,
das ich von meinem Papi erhalten habe, ist ein Buch was andere denken und tun, können wir uns dieser un-
gewesen. Als ich zur Welt gekommen bin, hat er sofort beständigen Welt besser anpassen. Lesen vermittelt uns
ein Buch gekauft, es meiner Mutter gezeigt und gesagt: auch Wissen, und Wissen brauchen wir, um bessere
,Das ist für unseren Jungen.'" Welch ein Vermächtnis für Entscheidungen zu treffen. Fürchten Sie sich nicht vor
das Kind! Es wird ihm Welten öffnen. neuen Gedanken, und lernen Sie mehr als eine Ansicht
Die Eltern sollen ihre Kinder bei der Hand nehmen über ein Thema kennen, so daß Sie sich ein ehrliches
und sie zu den Quellen des Wissens führen. Haben Sie eigenes Urteil bilden können.
schon Zeit gefunden, jedes ihrer Kinder mit der öffent- Nachforschen und Lesen hilft uns, für alle Fälle ge-
lichen Bibliothek bekanntzumachen? Wenn dies mit rüstet zu sein. Es ist eine glücklichere Weise des Alterns.
Freude und Begeisterung getan wird, entsteht daraus Frische, neue Gedanken halten den Geist munter und be-
eine gute Gewohnheit. In den Bibliotheken und beson- wahren ihm die Fähigkeit, zu denken, zu urteilen und zu
ders in der Kinderabteilung ist eine ganz besondere lernen. Tägliches Lesen hat auf den Menschen eine
Atmosphäre —es ist eine Mischung von Heiligabend, dauerhafte Wirkung; es verschafft uns Gesprächsstoff.
Geburtstag und dem liebsten Menschen, den man hat. Es ist unmöglich, etwas zu geben, was wir nicht haben.
Können Sie die Augen schließen und sich diese beson- Sammeln Sie die Gedanken anderer. Wer liest, wird ein
dere Atmosphäre und die Freude vorstellen, die Sie Geber, ein interessanter, belehrender Mensch, der an-
empfunden haben, als jemand Sie als Kind zur Bibliothek dere anregt. O
348
VON MARION G. ROMNEY
vom Rat der Zwölf

wa.

Die Einladung der FHV-Leitung, heute vor Ihnen zu Es ist für Eva eine bittere Notwendigkeit geworden,
sprechen, ist eine große Ehre für mich. Gleichzeitig ist an der Seite ihres Mannes zu arbeiten, während sie und
mir auch große Verantwortung auferlegt worden.
eine Adam angefangen haben, die Bedeutung der Worte Got-
Man genau gesagt, worüber ich sprechen soll,
hat nicht tes zu verstehen:
einfach über ein Thema, das für alle Frauen innerhalb
. . . verflucht sei der Acker um deinetwillen! Mit Mühsal sollst
und außerhalb der Kirche wichtig sei. du dich von ihm nähren dein Leben lang.
Nun, habe versucht, diese Aufgabe zu erfüllen,
ich Dornen und Disteln soll er dir tragen . . .

indem ich Sie auf die fünf bedeutenden Charakterzüge Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen,
von Eva hinweise, wie sie in den Schriften offenbart bis du wieder zu Erde werdest... (1. Mose 3:17-19)
werden. In ihrem tapferen, einsamen Kampf um den Lebens-
Wir wissen natürlich alle, daß Eva die erste sterb- unterhalt hat diese edle Frau mit ihrem Mann gearbeitet.
liche Frau gewesen Menschenge-
ist, die Mutter des Das Wort „mit" hat hier eine besondere Bedeutung. Es
schlechts. Ich hoffe, daß
den nächsten Minuten
ich Sie in heißt mehr als körperliche Arbeit allein. Es schließt auch
davon überzeugen kann, daß sie eine großartige und ein gemeinsames Ziel, Verständnis, Zusammenarbeit und
edle Frau gewesen ist, die uns das Beispiel eines recht- Liebe mit ein. Von dieser Arbeit mit ihrem Mann hat sie
schaffenen Lebens gegeben hat, das nicht nur für die all ihren Töchtern bis zur jetzigen Generation ein nach-
Mitglieder der Frauenhilfsvereinigung, sondern für alle ahmenswertes Beispiel gegeben.
Frauen vorbildlich ist. Seit jener Zeit hat sich die Art der Arbeit einer Ehe-
Ich spreche von folgenden Vorzügen: frau verändert, aber das Verhältnis von Mann und Frau
1. Mann gearbeitet.
Sie hat mit ihrem ist sich gleichgeblieben. Selbst wenn die Umstände die
2. Sie hat ihre Aufgabe erfüllt, indem sie und Adam sich
Berufstätigkeit einer Ehefrau rechtfertigen, weil sie ihre
gemehrt und die Erde gefüllt haben.
Familie unterstützen muß, soll sie „mit" ihrem Mann
3. Sie hat mit ihrem Mann gebetet.
arbeiten, und nicht von sich aus oder entgegen seiner
4. Sie hat das Evangelium kennengelernt, verstanden und
Ansicht.
geschätzt.
Die Frauen der Heiligen der Letzten Tage und be-
5. Zusammen mit ihrem Mann hat sie die Kinder das
Evangelium gelehrt. sonders die Mitglieder der Frauenhilfsvereinigung tun
Den ersten Hinweis auf Eva als sterbliche Frau fin- gut daran, über die Bedeutung dieser Schriftstelle nach-

den wir im ersten Vers des fünften Kapitels Moses in zudenken und in sich diesen wunderbaren Charakterzug
der Köstlichen Perle. Wir lesen: zu entwickeln, der in den Worten offenbart wird: „Und
Und nachdem ich, Gott der Herr, sie ausgetrieben hatte, . . . Eva, sein Weib, arbeitete mit ihm." In der Familie
fing Adam an, den Boden zu bebauen und über alle Tiere des eines Heiligen der Letzten Tage müssen Mann und Frau
Feldes zu herrschen und sein Brot im Schweiße seines Ange- eins sein. Paulus hat gesagt:
sichts zu essen, wie ich, der Herr, ihm geboten hatte. Und „Doch ist im Herrn weder die Frau ohne den Mann noch
auch Eva, sein Weib, arbeitete mit ihm. (Moses 5:1) der Mann ohne die Frau." (1. Korinther 11:11)

349
Nach dem Bericht, daß sie mit ihm gearbeitet hat, Herrn. Mit Mühe und Kummer haben sie der Erde das
wird uns auch klar aufgezeigt, daß Eva sich nicht der entrissen, was sie für sich und ihre Familie zum Leben
Pflichtder Mutterschaft entzogen hat. Es heißt: gebraucht haben. Sie haben mit den Schwierigkeiten und
Und Adam wohnte seinem Weibe bei, und sie gebar ihm Fragen gerungen, die auftauchen, wenn man ohne das
Söhne und Töchter, und sie fingen an, sich zu mehren und Wissen um den Sinn des sterblichen Lebens oder den
die Erde zu füllen. (Moses 5:2) Gesamtplan für das ewige Leben eine Familie aufziehen
Später wird uns erzählt, daß sie Kain und Abel ge- soll.
boren hat. (Moses 5:16-17.) Wahrscheinlich hat sie Seth Es scheint, daß sie sich in ihrer großen Not an ihren
und viele andere Kinder geboren, denn der Bericht sagt Umgang mit dem Herrn im Garten Eden erinnert und
uns, daß Adam, nachdem er Seth gezeugt hat, noch Ihn nun in ihrer Verzweiflung um Hilfe angerufen haben.
„ . achthundert Jahre [lebte], und er zeugte
. . viele Söhne Dies zu tun ist ein entscheidender Entschluß gewesen.
und Töchter." (Moses 6:10-11) Es ist für sie nicht nur nötig gewesen zu beten, sondern
Die Verantwortung, die der Herr Eva und allen Frauen sogar unerläßlich — obschon sie sich dessen nicht be-
auferlegt hat, nämlich Kinder zu gebären, wird heutzu- wußt gewesen sind — , wollten sie Kenntnis und Ver-
tage von vielen mit Spott betrachtet. Die Gemeinheit ständnis des Evangeliums erhalten.
unserer Gesellschaft, die einerseits solche Schändlich- Das gemeinsame Gebet ist heute für Eheleute un-
keiten wie Unkeuschheit und andere Arten von zügel- wenn sie ihre Familie zusammenhalten und
erläßlich,
loser Ausschweifung toleriert, unterstütz und sogar ent-
auf dem Weg zum ewigen Leben halten wollen. Die
schuldigt und andererseits Abtreibung gesetzlich aner- kluge Frau und Mutter tut daher alles, um ihren Haushalt
kennt Geburtenbeschränkung befürwortet und in
und so zu ordnen, daß das tägliche Familiengebet stattfinden
einigen Fällen sogar zu erzwingen versucht, ist eine kann. Wenn sie mit ihrem Mann und den anderen Ange-
Herabwürdigung unserer Lebensaufgabe. Wenn diesem hörigen der Familie niederkniet und den Herrn anruft, ahmt
Treiben nicht Einhalt geboten wird, werden sie uns in sie nicht nur das Beispiel Evas nach; sie befolgt auch den
die Verderbtheit von Sodom und Gomorrha stürzen, und Mann
Rat des Propheten Joseph Smith und veranlaßt ihren
wir werden die gleichen tragischen Folgen zu erleiden zu guten Werken. Das gemeinsame Gebet bringt die
haben. Familie wirklich auf dem Weg zum ewigen Leben vor-
Der Herr hat immer wieder diese Dinge aufs schärf-
wärts.
ste getadelt. Er hat sie in den Zehn Geboten, in der
Der Herr hat Adams und Evas Gebete mit zwei
Bergpredigt in Palästina und bei den Nephiten verdammt.
Geboten beantwortet, erstens, „. . . daß sie den Herrn,
Er hat sie auch zu Beginn dieser letzten Evangeliumszeit
ihren Gott, anbeten (sollen)", (dies ist das erstemal, daß
verdammt.
den Sterblichen geboten worden ist zu beten), und
Im 59. Abschnitt des Buches „Lehre und Bündnisse"
zweitens, „. . . (daß sie) die Erstlinge der Herden dem
fügte Er nach der Stelle „Du sollst nicht stehlen, auch
Herrn zum Opfer darbringen sollten". (Moses 5:5),
nicht ehebrechen oder töten" die bezeichnenden Worte
Die unbedingte Befolgung dieser Gebote hat Eva er-
hinzu „noch irgend etwas Ähnliches tun". Ich habe in der
möglicht, große Verstandes- und Geisteskraft zu
ihre
Schrift keine präzise Angabe über die Art von Übertretun-
beweisen und die Wahrheiten des Evangeliums zu ver-
gen gefunden, die der Herr dem Ehebruch und Töten
stehen und zu würdigen. Adam hat dem Gebot des
doch könnte dem Satzzusammenhang nach
gleichstellt;
Herrn gehorcht.
vorsätzliche Abtreibung durchaus in einer solchen Liste
enthalten sein. Die Frauen der Heiligen der Letzten Tage Und nach vielen Tagen erschien Adam ein Engel des Herrn
und sagte: Warum bringst du dem Herrn Opfer dar? Und
müssen weiterhin das edelste Bollwerk der Welt gegen
Adam sagte zu ihm: Ich weiß nicht, ich weiß nur, daß der
so gottloses und verabscheuenswertes Treiben sein.
Herr es mir gebot. (Moses 5:6)
Die meisten Frauen in der Frauenhilfsvereinigung ste-
hen unter dem göttlichen Gebot, „sich zu mehren und die
Dann hat der Engel begonnen, Adam das Evan-
gelium zu lehren. Er hat ihm gesagt, das Opfer, das
Erde zu füllen", wie auch Eva. Wenn sie bestrebt sind,
er darbringe, sei ein „Sinnbild des Opfers", das Jesus
Evas Gehorsam gegen dieses göttliche Gebot nachzu-
in der Mitte der Zeiten darbringen würde, und Jesus
ahmen, finden sie den sichersten Weg zur Herrlichkeit.
Zum dritten Mal wird auf Eva als Sterbliche hinge-
sei der Sohn Gottes — der Einzig Gezeugte im Fleisch.

zusammen
Nicht nur der Engel hat Adam belehrt; auch der
wiesen, als sie mit ihrem Mann den Herrn
Heilige Geist ist und hat ihn geführt,
auf ihn gefallen
anruft:
und Gott selbst hat ihn mit Seiner eigenen Stimme unter-
Und Adam und sein Weib Eva riefen den Namen des Herrn
an, und sie hörten die Stimme des Herrn aus der Richtung wiesen. Er ist über die Präexistenz belehrt worden und
des Gartens Eden zu ihnen sprechen, und sie sahen ihn nicht, über die Schöpfung der Erde bei der er sich selbst —
denn sie waren von seiner Gegenwart verbannt. (Moses 5:4) beteiligt hat, mehr bewußt gewesen
was ihm aber nicht
Es ist Gebete von Sterb-
dies der erste Hinweis auf ist —den Sündenfall und die Gründe für die Sterblich-
,

lichen.Es ist kein gewöhnliches Gebet gewesen. Die keit, Mission von Jesus Christus und den ganzen
die
Umstände, unter denen es gesagt worden ist, sind keine Evangeliumsplan: Glauben an den Herrn Jesus Christus,
normalen Umstände gewesen. Als Adam und Eva aus dem Buße, Taufe mit Wasser zur Vergebung der Sünden, Taufe
Garten Eden vertrieben worden sind, da sind sie verbannt mit Feuer zum Empfang des Heiligen Geistes, die Aufer-
worden, daß heißt, ausgeschlossen aus der Gegenwart des stehung, Unsterblichkeit und ewiges Leben.

350
. . . Adam [rief] den Herrn an, und er wurde vom Geist des ten gewußt. Und während sich das Evangelium entfaltet
Herrn aufgehoben und hinabgetragen ins Wasser, und im Was- hat — eine Offenbarung auf die andere — , hat sie mit
ser untergetaucht und aus dem Wasser hervorgebracht. gespannter Aufmerksamkeit zugehört. Sie hat gehört,
Und so wurde er getauft, und der Geist Gottes ließ sich
gehorcht, verstanden, geglaubt und ist glücklich gewe-
auf ihn nieder, und so wurde er aus Geist geboren und im
sen. Ihr Verstand hat die Bedeutung von allem erfaßt,
innern Menschen lebendig gemacht.
und ihr Geist ist emporgehoben worden. Aus der großen
Und Stimme vom Himmel sagen:
er hörte eine . . .

Erleichterung und Begeisterung heraus hat sie ihre in-


Siehe, du mir, ein Sohn Gottes; und so
bist eins in
neren Gefühle in folgenden erhabenen Worten ausge-
kann ein jeder mein Sohn werden. (Moses 6:64-66, 68)
sprochen:
Dieser Evangeliumsplan ist eine wunderbare Nach-
richt für Adam gewesen. Er hat ihm den Weg offenbart, . . Wäre es nicht unsrer Übertretung wegen, so hätten
.
wir

wodurch er und alle Menschen aus dem gefallenen Zu- nie Samen gehabt und hätten nie Gutes und Böses und die
Freude unsrer Erlösung und das ewige Leben gekannt, das
stand der Sterblichkeit zurück in die Gegenwart Gottes
Gott allen Gehorsamen gibt. (Moses 5:11)
gelangen können.
Glücklich sind der Mann und die Kinder einer Frau,
Und an jenem Tage pries Adam Gott und ward erfüllt und
die das Evangelium erlernen, verstehen und schätzen
fing an über alle Geschlechter der Erde zu prophezeien und
kann wie Eva. In dieser Hinsicht ist sie ein außerordent-
sagte: Gepriesen sei der Name
denn wegen meiner Gottes,
Übertretung sind meine Augen geöffnet worden; und ich werde lichwürdiges Beispiel gewesen.
in diesem Leben Freude haben und Gott wieder im Fleische Die Schriften zeigen noch ein anderes Beispiel von
schauen. (Moses 5:10) ihrem Betragen, das nachahmenswert ist: Zusammen
Und wie hat sich Eva verhalten? mit ihrem Mann hat sie die Kinder das Evangelium ge-
Der Bericht sagt uns: lehrt.
Und Eva, sein Weib, hörte alle diese Dinge und freute sich Als der Herr Adam das Evangelium offenbart hat,
und sagte: Wäre es nicht unsrer Übertretung wegen, so hätten da hat Er gesagt:
wir nie Samen gehabt und hätten nie Gutes und Böses und
. . . keimt die Sünde in ihren [der Kinder] Herzen, wenn sie
die Freude unsrer Erlösung und das ewige Leben gekannt, das
anfangen aufzuwachsen, und sie schmecken das Bittere, damit
Gott allen Gehorsamen gibt. (Moses 5:11)
sie verstehen mögen, das Gute zu schätzen.
Manche Menschen sagen, daß Frauen nur so daher-
können Gutes von Bösem unterscheiden, deshalb
Und sie
reden. Ich kenne keine Stelle in den Schriften mit mehr können sie für sich selbst wählen, [wir können sie nicht immer
Gehalt und Erkenntnis und Weisheit als diesen kurzen lenken, aber wir können sie belehren], und ich habe dir ein
Abschnitt, in dem Eva spricht. Ihre Erkenntnis, ihre An- andres Gesetz und Gebot gegeben. (Moses 6:55-56)
nahme und die Wertschätzung, die sie der Offenbarung Dieses andere Gesetz, das er ihnen gegeben hat,
an ihrenMann bezeigt hat, der mit dem Himmel in Ver- ist das Gesetz der Buße und der Vergebung gewesen.
bindung gestanden hat, zeigt uns, daß sie einen erha- Lehre deshalb deine Kinder, daß alle Menschen überall
benen Verstand, einen edlen Charakter und eine auf Buße tun müssen, oder sie können das Reich Gottes nicht
geistige Dinge gerichtete Seele besessen hat. ererben, denn nichts Unreines kann dort wohnen . . .

Es ist nicht immer leicht für die Frau, Offenbarungen Deshalb gebe ich dir ein Gebot, diese Dinge deine Kinder

anzunehmen, die ihr Mann erhält. Sariah hat sich über frei zu lehren . . .

Und Adam und Eva priesen den Namen Gottes und teilten
Lehi beklagt,
alle Dinge ihren Söhnen und Töchtern mit. (Moses 6:57-58; 5:12)
. . . daß er ein Mann sei, der Gesichte habe und [sie hatte]
Heute stehen alle Eltern der Kirche unter diesem gött-
ihm gesagt: Siehe, du hast uns aus dem Lande unsres Erb-
teils hinweggeführt, und meine Söhne leben nicht mehr, und
lichen Gebot, Adam und Eva darin nachzufolgen. Im No-
auch wir kommen in der Wildnis um. (1. Nephi 5:2)
vember 1831 hat der Herr gesagt:
Die Frau des Propheten Joseph Smith hat Schwierig- Wenn Eltern in Zion oder einem
. . . seiner organisierten
Pfähle Kinder haben und sie nicht lehren, die Grundsätze der
keiten gehabt, ihren Mann zu verstehen. Vielleicht haben
Buße zu verstehen, des Glaubens an Christum als den Sohn
auch Sie schon von Frauen gehört, die sich über die
des lebendigen Gottes, der Taufe und der Gabe des Heiligen
Zeit beklagen, die ihr Mann für die Kirchenarbeit auf-
Geistes durch Händeauflegen, wenn sie acht Jahre alt sind,
wendet. so wird die Sünde auf den Häuptern der Eltern ruhen.
Wir können uns kaum wie groß Adams vorstellen, Denn dies soll für die Einwohner Zions und seiner organi-
und Evas Erleichterung, Freude und Glück gewesen sind, sierten Pfähle ein Gesetz sein.
als sie die gute Botschaft des Evangeliums erhalten Auch sollen die Eltern ihre Kinder lehren, zu beten und ge-
haben. Während der beachtlichen Zeit seit dem Verlas- dem Herrn zu wandeln. (LuB 68:25, 26, 28)
recht vor

sen des Gartens Eden haben sie auf harte Weise lernen Und nun zum Schluß, wenn jede von Ihnen sich in der
müssen — durch praktisches Herumprobieren. Während Zukunft an Eva erinnert, denken Sie daran, wie sie mit
sie sich abgemüht und abgeplagt haben, hat Eva sicher ihrem Mann gearbeitet hat, ihre Aufgabe erfüllt hat, sich
oft mit Selbstvorwürfen und Bedauern an die Rolle ge- zu mehren und die Erde zu füllen, wie sie mit ihrem
dacht, die sie gespielt hat, daß es zu der Vertreibung Mann gebetet, das Evangelium gelernt, verstanden und
aus dem Garten gekommen ist, denn zu jener Zeit hat gewürdigt hat, wie sie ihre Kinder im Evangelium belehrt
weder sie noch Adam noch irgend jemand von ihrer hat; und wenn Sie dadurch Evas Beispiel folgen, haben

Nachkommenschaft etwas über den Plan der Erlösung diese Worte ihren Zweck erfüllt.

oder über die Bedeutung ihrer Handlungsweise im Gar- Gott segne Sie, ich erbitte es im Namen Jesu, amen.
o
351
Ein Lehrer mag zu seinen Schülern sagen: „Während
dieser Prüfungsarbeit werde ich euch beobachten, damit
ich sicher bin, daß ihr nicht abschreibt", oder er kann auch
sagen: „Ihr werdet diese Prüfung auf ehrenhafte Weise
ablegen. Ich vertraue auf eure Ehrlichkeit." Durch welche
Methode wird wohl das gewünschte Resultat erreicht?
„Connie, du mußt heute abend zum ersten Mal allein
zu Hause bleiben. Aber bitte habe keine Angst."
„Als Aufgabe für die nächste Stunde muß das folgende
Kapitel gelesen werden. Bitte, Harald, bereite dich aus-
nahmsweise einmal darauf vor."
Als Eltern und Lehrer unterschätzen oder ignorieren
wir, was durch vielleicht unbeabsichtigte Andeutungen ent-
steht. Manchmal können wir jemanden am ehesten veran-
lassen, etwas Bestimmtes zu tun, indem wir ihm sagen, er
solle es nicht tun. Gibt die Mutter nicht zu verstehen, daß
Connie Angst haben könnte, wenn sie ihr sagt, sie solle
keine Angst haben? Möglicherweise wäre Connie nie auf
den Gedanken gekommen, sich zu fürchten, bis sie ge-
merkt hat, daß ihre Mutter damit „rechnet".
Ein Lehrer in einem Seminar, das früh morgens begann,
konnte nicht verstehen, warum die Schüler nie früh genug
kamen, so daß die Stunde zur rechten Zeit beginnen konn-
te.Nach sorgfältiger Untersuchung der Sachlage kam er
darauf, daß die Schüler das Gefühl hatten, er „rechnete"
mit ihrem Zuspätkommen. Ein Sonntagsschullehrer konnte
nicht begreifen,warum die Jungen nicht so leise wie die
Mädchen in die Klasse kommen und sich setzen konnten.
Er kam ebenfalls zu dem Schluß, daß Buben und Mädchen
sich so betrugen, wie sie dachten, daß es von ihnen er-

wartet würde.
Die genannten Beispiele zeigen, wie wir negatives Be-
nehmen durch das herausfordern können, womit wir rech-
nen.
Wenn man mit Positivem rechnet, kann es das Beneh-
men ähnlicher Weise beeinflussen. Ein junger Mann hat

Womit
in

zu seinem Vater gesagt: „Weißt du, der Grund, warum


wir Kinder immer zur Abendmahlsversammlung gegangen
sind, ist der: Wir haben gewußt, daß du und Mutti es von
uns erwartet haben."
Die Kinder haben es gefühlt und deshalb entsprechend

rechnen Sie? gehandelt, obschon Vater und Mutter selten (wenn über-
haupt) direkt gesagt haben, daß die Kinder zur Abend-
mahlsversammlung gehen müssen.
Stellen wir uns einen jungen Mann vor, dessen Vater
immer in die Priestertumsversammlung geht. Wenn der
Junge fast zwölf Jahre alt ist, erklären ihm sein Vater und
VON MILFORD C. COTTRELL sein Bischof, was von ihm erwartet wird, wenn er das Prie-

352
stertum auf sich nimmt. Am ersten Sonntag, nachdem der nehmen. Sie hatten viele listige Methoden erfunden, um
Junge zum Diakon ordiniert worden ist, ruft ihn sein Vater sich bei der Schlußprüfung gegenseitig zu helfen — und
und sagt, das es Zeit ist, sich zur Priestertumsversamm- sie wandten sie unter den wachsamen Augen des Dozen-
lung fertig zu machen. In ähnlicher Weise wiederholt sich ten an.
das an jedem Sonntagmorgen. Der Junge weiß, was von In der Brigham-Young-Universität bleibt der Dozent
ihm erwartet wird, und er wird sich dieser Pflicht selten nicht im Klassenzimmer, wenn die Studenten ihre Prü-
entziehen. (Ein Junge hat sogar selbst den Wecker gestellt, fungsarbeiten schreiben, außer wenn seine Anwesenheit
so daß sein Vater ihn nicht zu wecken braucht. Als nun an erforderlich um Prüfungsabschnitte zu erläutern und
ist,

einem Sonntag sein Vater verschlafen hat, da hat ihn der zu erklären. Man kann wohl annehmen, daß an der Brig-
Junge geweckt und gefragt, ob er an diesem Morgen zur ham-Young-Universität viel weniger häufig unehrlich ver-
Priestertumsversammlung mitkomme.) fahren wird als an den meisten anderen Schulen. Könnte
Bei einer Versammlung der Bischöfe aus einem Pfahl es sein, daß die Studenten sich so benehmen, weil sie
ist ein Bischof um Erklärung gebeten worden, weshalb die spüren, daß man damit „rechnet"?
Mitglieder in seiner Gemeinde, die zum Dienste in den Als Eltern sind wir für unsere Kinder die wichtigsten
Hilfsorganisationen berufen werden, ihre Pflichten so voll- Lehrer. Womit „rechnen" wir bei ihnen? Zeigen wir durch
ständig auf sich nehmen und ihre Arbeit so gut erledigen. unser Benehmen, daß wir von ihnen ein Festhalten an gu-
Der Bischof hat geantwortet, daß er und sein Ratgeber bei ten Gewohnheiten erwarten, oder geben wir ihnen das Ge-
jeder Unterredung, die sie mit einem zukünftigen Lehrer fühl, daß wir ihnen nicht trauen?
oder Führungsbeamten führen, genau auseinandersetzen, Viele neue Methoden sind durch erfolgreiche Lehrer
was erwartet wird, wenn der Betreffende die Berufung an- entwickelt worden, wie man dem Schüler zu verstehen gibt,

nimmt. Sie versichern ihm ihr Vertrauen in ihn und in was man erwartet. Als Beispiel zeigen wir Ihnen, wie man
seine Fähigkeiten, die Arbeit richtig durchzuführen; aber an einen sich schlecht benehmenden Schüler herantreten
sie erklären ihm auch, daß sie jemand anders beauftragen kann: Bitten Sie ihn, nach der Stunde einige Minuten länger
werden, wenn er sich den Anforderungen nicht gewachsen zu bleiben. Sagen Sie ihm ruhig, daß sein Benehmen wäh-
fühle. Andere Bischöfe haben bei der Versammlung ange- rend des Unterrichts nicht geduldet werden kann, und
geben, daß sie oft zu jemandem sagen, den sie zu einer schlagen Sie ihm eine oder zwei Möglichkeiten vor, wie er
Arbeit in der Gemeinde berufen: „Es wird nicht viel Zeit sich bessern könnte. Vielleicht wären ein Gespräch zwi-
in Anspruch nehmen" — und folglich widmen viele von schen Lehrer und Eltern, Bischof oder Sonntagsschulleiter
ihren Mitarbeitern der Kirchenarbeit auch nicht viel Zeit. nützlich. Dann bitten Sie den Schüler, seine eigenen Vor-
Manche Eltern unterhalten für ihre Kinder ein speziel- schläge zu äußern. Wahrscheinlich möchte er, daß man ihm

les Sparkonto, einen „Missionsfonds". Dafür gibt es zwei Gelegenheit gibt, sein Benehmen zu ändern. Schlägt er
gute Gründe. Der erste ist klar — die finanzielle Belastung dies nicht selbst vor, so kann es der Lehrer tun. Nachdem
während der Misson eines Familienangehörigen wird da- nun alle Möglichkeiten durchgesprochen worden sind, fra-

durch verringert. Der zweite Grund ist weniger offensicht- gen Sie ihn, welche er vorziehe. Meistens wird er versu-
lich: Das Kind merkt schon früh im Leben, daß von ihm chen wollen, sein Benehmen zu ändern. Stimmen Sie ihm
„erwartet" wird, auf Mission zu gehen. Daher wird auch zu, daß dies sehr wünschenswert ist; aber lassen Sie ihn
von ihm erwartet, daß es sich darauf vorbereitet, indem wissen, daß andere Lösungen in Betracht gezogen werden
es den Geboten gehorsam ist und sich eingehendst mit müssen, wenn sein Benehmen nicht besser wird.
dem Evangelium befaßt. Wenige junge Leute, die auf die- So weiß der Schüler, was der Lehrer von ihm erwartet
se Weise erzogen werden, schlagen eine Missionsberu- und was er vom Lehrer zu erwarten hat. Noch eine War-
fung aus. Meistens werden sie besonders gute Missionare, nung in dieser Hinsicht: Ein Lehrer soll nie versprechen
weil sie gut vorbereitet sind. oder androhen, unter gewissen Umständen etwas zu tun,
Dozent an einer Universität im Westen nahm die
Ein wenn er nicht bereit ist, es auszuführen. Der Schüler er-
Schlußprüfung ab. Er ließ die Studenten merken, daß wartet ein gewisses Benehmen vom Lehrer und der Lehrer
er mit ihrer Unehrlichkeit „rechnete". Er stand auf einem gerät in Schwierigkeiten, wenn der Schüler merkt, daß er
Pult, so daß er alle bei der Arbeit gut beobachten konnte. es mit seinen Worten nicht ernst meint.
Schon bei vorhergegangenen Examen hatte er den Studen- Behandeln Sie den andern so, als ob er das sei, was
ten gezeigt, daß er mit Unehrlichkeit rechnete. Die Studen- Sie von ihm zu sein erwarten, und er wird das werden, was
ten waren gut vorbereitet, diese Herausforderung anzu- Sie von ihm erwarten. O
353
DELMAR H. DICKSON
Abendmahlsspruch
August 1968 iü i i zu
=P
zu:

Juniorsonntagsschule

Gott,
Jesus

Herzen."
deinen

(Matthäus 22:37)
sprach: „Du
Herrn,
sollst
von
lieben
ganzem •f .• i t *
^^
±
^
^^
*

Sonntagsschule
Jesus Das
sprach:
Leib, der für euch gegeben
„. . . ist

wird,
mein
das
Iü W "ö"

tut zu meinem Gedächtnis." 2 l


(Lukas 22:19) mm ±»i

Auf Seite 76 des neuen Sonntagsschulhandbuchs finden Sie das Programm für das gemeinsame Aufsagen.
Mit dieser Ausgabe beginnen wir die vorgeschlagene Schriftstelle für den kommenden Monat zu veröffent-
lichen.
Falls die Schriftstelle nicht für die örtlichen Gegebenheiten geeignet ist, können die Pfahl- und Missions-
Sonntagsschulleiter selbst Schriftstellen aussuchen, die für ihre Lektionen passender sind.

Ich werde die Lehre nie vergessen, die mein Vater uns Jungen beim Heuen gegeben hat. Nachdem wir

neun Wagenladungen Heu in die Scheune gefahren haben, sind wir auf das Feld zurückgekommen, um die

zehnte zu laden. Wir sind geradewegs dahin gegangen, wo wir auch die andern Ladungen hergenommen
haben, und mein Vater hat gesagt: „Nein, Kinder, geht zur nördlichen Seite; dort gibt es besseres Heu."

Ich habe entgegnet: „Wir nehmen es, wie es kommt." Das hat mir nur gerecht geschienen.
Es ist Wildgras und ohnehin nicht sehr gut gewesen.
„Nein, Junge", fahrt auf die andere Seite, nach Norden, wo Lieschgras mit Wildheu vermischt ist. Es

ist für den Zehnten.


„Wir brauchen aber nicht vom besten zu nehmen."

„Doch, Kinder, das beste ist nicht zu gut für den Herrn."
Das ist eine bessere Lektion gewesen als jede Rede über das Zahlen des Zehnten, die ich je gehört habe.

Der Wert der Heuladung ist belanglos gewesen; aber der Geist meines Vaters hat uns in großem Maß
beeinflußt.

Präsident David O. McKay


(True to the Faith, S. 115—116)

354
.

Brief an den Herausgeber Antwort: Wir haben Ihnen zwar schon einen Antwort-
Ich brauche dringend Hilfe in einer schwierigen denken aber, daß Sie und andere junge
brief geschrieben,
Situation.Mein Leben lang habe ich mir vorgenommen, Leute sich für die Antwort interessieren, die ein Missionar
auf Mission zu gehen, aber jetzt möchten Monika und ich seinem jüngeren Bruder auf die gleiche Frage gegeben
heiraten. hat. Lesen Sie ihn und denken Sie darüber nach.

Lieber Robert!
Du hast in Deinem Brief erwähnt, daß Du Rat benötiget. Ich behaupte nicht von
mir selbst, ein Berater zu sein; aber gewiß verstehe ich Deine Lage. Ich sage "Lage"
anstatt "Problem", weil Du wirklich kein Problem im üblichen Sinn des Wortes hast.
Deine Verlobte scheint das Problem zu haben, weil sie sich nicht entscheiden kann,
Deine Grundsätze anzunehmen.

Robert, die Grundsätze der Kirche sind die höchsten der Welt, weil sie die
wahre Kirche ist. Mutter und Vater haben uns richtig erzogen; wir wissen, was richtig
und falsch ist. Nun, Robert, Du weißt, es ist richtig, dem Herrn den Vorrang zu geben,
und Du weißt, daß es richtig ist, auf Mission zu gehen. Darum hast Du wirklich kein
Problem, soweit ich es übersehen kann.
Hast Du jemals mit Deiner Verlobten darüber gesprochen und ihr den Standpunkt
der Kirche erklärt? Du mußt ein Vorbild sein. Erkläre ihr, daß Du Dich auf eine
Mission vorbereitest und zwei Jahre oder zweieinhalb Jahre fort sein wirst; dann
überlasse ihr die Entscheidung.

Robert, ich denke, Deine Gebete sind beantwortet worden, indem Du die Möglich-
keit hast, richtig oder falsch zu handeln. Wenn wir um Weisheit beten, gibt der Herr
uns Probleme zu überwinden, und als Ergebnis erlangen wir Weisheit. Kein Mädchen ist
es wert, eine Mission zu opfern; und wenn es das Evangelium richtig versteht, wünscht
es das nicht und würde es niemals zulassen. Denke nur ein wenig weiter und versuche
Dir vorzustellen, ob dieses nicht wahr ist. Du kannst zu dieser Zeit vielleicht noch
nicht völlig verstehen, warum Du diese Wahl zu treffen hast; aber sobald Du das
Missionsfeld erreichst, wirst Du feststellen, wie wunderbar und wichtig eine Mission
ist
Finde heraus, was Du und die Kirche ihr wirklich bedeuten. Ist sie reif genug,
um vorauszuschauen und zu erkennen, daß alles für Euch beide besser sein wird, wenn
Du genug Glauben hast, dem Herrn zu dienen? Bete weiterhin und sprich mit Mutter
darüber. Es ist unwichtig, wie dunkel es jetzt auch scheinen mag; alles geht in
Ordnung, wenn Du zuerst nach dem Reich Gottes trachtest.

Wenn Du weitere Hilfe brauchst, schreibe und frage! Darum hat man ja Brüder.

Herzlichst
Paul

355
.

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Eine junge Frau, die in einem kritischen Zustand im Die GFV schult junge Männer und Damen in sport-
Krankenhaus lag, sagte: „Ist es nicht widersinnig, daß lichen Wettbewerben und auf kulturellem Gebiet mit
ich, die das Leben so liebt, dem Tode so sehr ausgelie- dem Ziel, ihnen Glück und Erfahrung bei jeder Gelegen-
fert bin?" Im Gegensatz dazu gibt es mehr als eine heit in ihrem Leben zu bereiten.
halbe Million junge Männer und Damen in der Gemein- Der Herr hat gesagt: „Entwickelt eure Talente . .

schaftlichen Fortbildungsvereinigung, die sagen: „Ist es und sie werden vermehrt werden." Die Talente sind so
nicht wunderbar, daß
wir, die das Leben lieben, so sehr zahlreich und so verschieden wie die Teilnehmer. Einige
zum LEBEN bestimmt sind?" Damit meinen sie ihre Mög- haben Talent im Singen, Laienspiel, Musizieren, Spre-
Glück in diesem Leben und ewiges Leben bei
lichkeit, chen, Tanzen; andere mögen lieber lesen, nähen oder
ihrem Vater im Himmel zu empfangen. zusehen. Was sie auch wählen mögen, so ist ihr Ziel,
Sie erhalten diese Segnungen durch die Teilnahme Glück im Leben, das sie so sehr lieben, zu erreichen.
an den Programmen der Kirche, indem sie Zeit und Welch edlere Aufgabe kann man erfüllen, als einen
Talente zur Verfügung stellen und durch den Umgang guten Einfluß auf die kleine oder große Gemeinde aus-
mit Menschen, welche dieselben hohen Ideale und zuüben, die sich im Namen des Herrn beim Gottesdienst
Grundsätze pflegen. vereinigt. Die GFV Redner aus und ermöglicht
bildet
Viele finden dieses Glück in den Stunden des Planens, ihnen die praktische Anwendung dieser erworbenen
der Vorbereitung, des Durchführens und der Teilnahme Fähigkeit. Es gibt viele außerhalb der Kirche, die sich
an einem Grün-Gold-Ball. Hunderte dieser Bälle finden über den flüssigen Redestil und die besonderen Gedan-
jährlich statt. Es bereitet Freude, einen Grün-Gold-Bali ken in den Ansprachen von GFV-Mitgiiedern wundern.
zu besuchen. Dort sieht man hübsche junge Mädchen Das Wunder liegt in der Beharrlichkeit und dem Streben

festliche Kleider tragen. Sie werden in den Unterhal- der Jugend, gute Leistungen zu vollbringen.
tungssaal begleitet, der festlich geschmückt und in ein In der Gemeinde steht immer ein guter Beauftragter
„Candyland" verwandelt worden ist. Die Decke zieren für FreieRede in der Nähe, bereit, der Jugend Hinweise,
rote Papiergirlanden. Untersuchungen, Kenntnisse und, was am wichtigsten ist,
Limonade als Erfrischungsgetränk
Ein Quell sprudelt viele Möglichkeiten zu vermitteln, um ihre Talente zu
für die Tanzenden empor. Ein „Wunschbrunnen" ist mit entwickeln.
Süßigkeiten gefüllt. Blumenblätter aus buntem Zucker- Was die Musik anbetrifft, unterhält die GFV ein Pro-
werk scheinen den Gänseblümchenbuketts auf den gramm, wodurch die Stimmen der Jugend in aller Welt
Tischen Leben zu verleihen. Inmitten dieser Anmut tan- gehört werden können. Nicht nur sind es die Stimmen,
zen junge Männer und Damen der GFV zu rhythmischer auch die Leistung geübter Hände am Klavier, Lippen,
Musik; sie leben jeden atemlosen Augenblick. die Metall berühren, oder Finger, die den Werken be-
Eine andere Tätigkeit, in der die Jugend Glück findet: rühmter Meister Leben verleihen. Dieses wird in den
Des Schiedsrichters Trillerpfeife ertönt, die Menge Musikfesten für junge Künstler der GFV durchgeführt.
klatscht Beifall, die Endspiele des GFV-Basketballtur- Selbst in der kleinsten Gemeinde befinden sich einige
niers beginnen. Aber dies ist nicht der Anfang der . . . Jugendliche, die musikalisch etwas bieten und gehört
Wettbewerb hat vor einigen Monaten begonnen, als un- werden möchten . . . sie werden beachtet und für das
gefähr 40000 junge Männer in Gemeinden und Pfählen jede Talent, das sie besitzen, von den Besuchern der betref-
Woche im Wettstreit gestanden haben. Sie stürmten von fenden Veranstaltung applaudiert. Glück und Freude
einer Seite des Spielfelds zur anderen, blitzschnell durch Musik Glück durch die Tat mit dem zusätz-
. . .

wurde der Ball weitergegeben, gedribbelt, nochmals lichen Vorteil, dem himmlischen Vater näher zu sein . .

weitergegeben und endete schließlich im Netz des Geg- denn er hat gesagt: „Der Gesang der Gerechten ist mir
ners. Als der Ball durch das Netz fiel, feuerte die Menge ein Gebet." (LuB 25:12)
ihren Favoriten zum Sieg an. Das GFV Laienspiel bietet dem schriftstellerisch und

356
(Fortsetzung von Seite 345)
Koch oder eine gute finanzielle Unterstützung
zu bekommen. Man soll heiraten, weil man sein
Leben mit einem anderen zu teilen wünscht.
Die Liebe enthält Handlungen mit Menschen
wegen des innerlichen Wertes der Menschen
und wegen der Tätigkeiten, an denen Sie teil-
jj nehmen, und nicht wegen der Belohnungen, die

möchten dadurch kommen, daß Sie anderen helfen oder


ihnen Liebe schenken.
Die Kirchentätigkeiten. Manchmal haben wir
nur wegen der Befriedigung und des Lohns, die
durch die Stellung kommen können, ein Amt in
der Kirche inne oder versuchen, es zu errei-
chen. Wir wollen von den „Menschen gesehen
werden". Wir versuchen, unser Ansehen in den
Augen unserer Umgebung zu erhöhen. Wir täu-
dem schauspielerisch Talentierten Möglichkeiten. Der schen eine falsche Fassade von Demut und
erstere kann eine zehnminütige Roadshow zusammen- Geistigkeit vor, ohne uns wahrhaft zu demüti-
stellen, die von seiner Gemeinde dargeboten wird. Er gen und Diener unserer Mitmenschen zu wer-
kann auch einen Ein-, Zwei- oder Dreiakter für mögliche den.
Veröffentlichung durch die GFV schreiben. Kein Talent Der Grundsatz der ausgezeichneten Leistung
darf verlorengehen. Die Beauftragten für Freie Rede soll uns dazu bringen, unsere Beweggründe für
behaupten nicht, Experten zu sein; aber wenn sie arbei- unsere Verpflichtung in Kirchentätigkeiten zu
ten, eifrig lernen, beten, Spiele für die Zuhörerschaft untersuchen. Erfüllt es uns wirklich mit Freude,
der Kirche aussuchen und leiten, werden sie weit über in der Sonntagsschule oder der Primarvereini-
ihre Vorstellungen hinaus gerechnet. Zwei Sommer hat gung zu lehren, im Genealogiekomitee oder in
die GFV ein einstündiges Musical „Promised Valley" der Kollegiumspräsidentschaft zu dienen? Be-
auü der
Freilichtbühne des Tempel-View-Theaters in teiligen wir uns an der Kirchenarbeit, um von
Salt Lake City aufgeführt. Dieses Laienspiel wurde be- Menschen gesehen zu werden oder weil sie
reits in den vergangenen beiden Sommern mehr als wenn wir
schlecht von uns denken würden, kein
300 000 Besuchern in Salt Lake City dargeboten. Der Amt hätten? Stellen wir uns auf die Belohnung
überwiegende Teil der Schauspieler besitzt nur die Aus- ein und nicht auf den Dienst, den wir leisten
bildung, die er in der GFV erhalten hat. können? Wenn ja, müssen wir unsere Beweg-
So wie die jungen Männer ihr Sportprogramm haben, gründe betrachten, sie wieder überprüfen und
treiben die jungen Damen auch einige aus Sport . . .
nach vorzüglicheren und lohnenderen Gesichts-
reiner Freude am Sport, andere möchten Medaillen punkten in unseren Berufungen suchen. Wir
und Trophäen gewinnen. Ein Programm mit vielen Arten sollen an der Kirchentätigkeit wegen ihres ewi-
von Ballspielen hat die Jugend körperlich, geistig, gesell- gen Wertes teilnehmen und nicht wegen der
schaftlich und im Glauben gestärkt. Das GFV-Lagerpro- Belohnungen, die wir aus ihnen erhalten.
gramm für junge Damen der Welt ohne
ist vielleicht in Auf allen Gebieten unseres Lebens bei —
aus Freude daran und ge-
Beispiel. Sie beteiligen sich unserer Arbeit, in unseren Beziehungen zu un-
winnen zusätzliche Kenntnisse und Achtung vor der Na- seren Familien und unseren Mitmenschen, bei
tur. Auch lernen sie, wie man sich im Umgang mit an- unseren Kirchentätigkeiten —
müssen wir die
dern glücklich und redlich zeigt. lohnenden Werte finden und uns auf sie ein-
Die jungen Damen eines Pfahles haben Geld durch stellen. Wir sollen nach bedeutsamen Zielen
Autowaschen gesammelt und durch Kuchen- und Gebäck- suchen und versuchen, Erkenntnis in unserem
backen, als Babysitter, durch Steine abklopfen und indem Leben zu gewinnen und danach unser Verhalten
sie gebratene Hähnchen an Verwandte und Bekannte bestimmen. Dann können wir wirklich die aus-
verkauft haben alles, um genügend Geld für den
. . .
gezeichnete Leistung als unser Ideal ansehen,
Kauf eines Naturgebietes zum Zelten aufzubringen. Die- ein Vorbild, das nach den Worten Livingstones,
ses hat vor drei Jahren stattgefunden. Nun könne"n sie „den Menschen dazu bringen wird, nach dem
auf ihrem eigenen Zeltplatz das Leistungsurkundenpro- Guten in all seinen Formen zu streben, und
gramm der GFVJD durchführen, das in der ganzen Welt zwar nicht für das Ergebnis oder für zufällige
hohes Ansehen genießt. Vorteile, sondern um seiner selbst willen; da-
Die GFV ist der „Weg des Glücks" für alle, die das durch wird der Mensch dazu gebracht, die ge-
Leben lieben und für Zeit und alle Ewigkeit ein glück- ringeren Ideale wie Geld, Stellung und Macht
liches Leben führen möchten.
O unbeachtet zu lassen und nicht eher zufrieden
zu sein, als bis er das Beste erreicht hat, wo-
zu der Mensch fähig ist". O
357
GENEALOGIE
sind
.

Wer

meine Verwandten?

Die Frage, welche die Überschrift dieses Artikels Ahnentafel haben, auf der wir an erster Stelle eingetra-
stellt, hat viele den Versuch machen lassen, unsere gen sind. Sie muß dann den Namen unseres Vaters und
Blutsverwandten zu definieren. Als Ziel unserer Aufgabe unserer Mutter enthalten mit allen väterlichen und müt-
dieses Monats werden wir den Gedanken verfolgen, den terlichen Linien, die wir mit Richtigkeit zusammenstel-
Joseph Smith so ausdrückt: len können. Zweitens muß für jedes Großelternpaar

„Die Heiligen haben nicht zu viel Zeit, um ihre Toten und ihre Kinder, die auf der Ahnentafel aufgeführt sind,
zu erretten und zu erlösen und auch ihre lebenden Ver- ein Familiengruppenbogen ausgefüllt sein. Wir sollen
wandten zusammenzubringen, damit auch sie selig wer- einenBogen besitzen, auf dem der Name unserer Eltern
den möchten, bevor die Erde mit dem Bann geschlagen zusammen mit dem Namen unserer Brüder und Schwe-
und die beschlossene Zerstörung über die Welt kommen stern aufgeführt sind.
wird." (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 279) Umunsere Ahnentafel zu erweitern oder um irgend-
Wir legen diesen Ausspruch so aus, daß unsere ver- einen Familiengruppenbogen zusammenzustellen, sollen
storbenen Verwandten all jene sind, die durch Blutsver- wir zuerst die Namen und Anschriften all unserer leben-
wandtschaft mit uns verbunden sind oder mit denen wir den Verwandten niederschreiben. Seien Sie nicht über-
in einem der Tempel des Herrn durch das heilige Prie- rascht, wenn Sie feststellen, daß Sie die Namen Ihrer

stertum aneinandergesiegelt worden sind. Verwandten nicht genau aufschreiben können. Nur weni-
In früheren Lektionen haben wir den Gebrauch der ge von uns können es. Oft denken wir, daß unsere Ver-
Ahnentafel und des Familiengruppenberichtsbogens be- wandten sich für das Zusammentragen von Familien-
sprochen. Nun zeigen wir einige Wege und Mittel auf, berichten nicht interessieren, weil sie nicht ein Mitglied
die uns zu positiven Ergebnissen in der Zusammenstel- der Kirche sind, noch würden sie Informationen besitzen,
lung dieser beiden Formulare in unseren Familienberich- die uns in der Zusammenstellung unserer Genealogie
ten führen. von Nutzen seien. Diese Vermutung ist nicht richtig,
Durch Nachprüfen sollen wir feststellen, was in Rich- weil sie sich bei so vielen Familien als falsch erwiesen
tung unseres Zieles erreicht worden ist. Wir müssen eine hat. Die Verwandten, die nach Ihrer Ansicht sich nicht für

358
diese Arbeit interessieren, können bereits die Zusam- getragen werden können, ohne daß man sich außerhalb
menstellung gemacht haben, die Sie benötigen. Denken des Familienkreises zu bemühen braucht.
Sie daran, wieviel Zeit, Arbeit und Geld gespart werden Ein anderer Vorteil, warum man zuerst Familienange-
kann, wenn diese Unterlagen, die Sie erwünschen, be- hörige aufsuchen daß man kostspielige dop-
soll, ist,

reits innerhalb der Familie zusammengestellt worden Genea-


pelte Vervielfältigungen verhindert. Oft erhält die
sind. logische Gesellschaft Gruppenbogen zur Freigabe von
Ein Weg des Erfolges ist der persönliche Besuch, Namen für Tempelarbeit und einige Tage darauf den
wenn irgend möglich. Der persönliche Besuch bei Ver- gleichen Gruppenbogen von anderen Angehörigen der-
wandten bietet den Vorteil, die richtigen Fragen zu stel- selben Familie. Es ist entmutigend, aber es kommt
len, um die erwünschten Antworten zu bekommen. Häu- daher, daß die einzelnen Familienangehörigen sich nicht
fig erfahren Sie durch das Gespräch Einzelheiten, die untereinander aufsuchen, bevor sie mit der Ahnenfor-
Ihnen helfen, die Bruchstücke der Geschichten und Le- schung beginnen.
genden über Ihre Vorfahren zusammenzufügen. Achten Eine andere Möglichkeit der Ahnenforschung, derer
Sie darauf, daß Sie einen Bericht des Besuches nieder- wir uns bedienen sollen, ist der Ahnennachweisdienst.
schreiben, damit Sie darauf zurückgreifen können. Auf Er steht jedem zur Verfügung. Sie werden genaue Infor-
diese Art und Weise erinnern Sie sich, was jeder der mation darüber erhalten, ob jemand an Ihrer Familien-
Verwandten Ihnen bei Ihrem Besuch mitgeteilt hat. Es linie arbeitet oder nicht, indem Sie einen Fragebogen
wird Sie davor bewahren, bei Ihren zukünftigen Nachfor- der Genealogischen Gesellschaft ausfüllen. Natürlich
schungen dieselben Schritte nochmals zu tun. Etwas mögen noch keine Unterlagen zu der Zeit Ihrer Anfrage
möchten wir Ihnen vorschlagen: Nachdem Sie Ihre Ver- bei uns registriert worden sein; trotzdem sollen Sie

wandten besucht haben, schicken Sie ihnen doch ein allesechs Monate bei uns nachfragen. Dadurch werden
kleines Dankschreiben, worin Sie ihnen sagen, wie sehr Sie, falls Angehörige Ihrer Familie beim Ahnennachweis-
Sie sie schätzen, und worin Sie ihnen Ihre Dankbarkeit dienst registriert sind, Namen und Adressen von Fami-
für die Mitarbeit aussprechen. lienangehörigen aus vielen Teilen der Welt erhalten. Das
Man soll daran denken, daß einige unserer Verwand- Registrationsformular des Ahnennachweisdienstes und
ten die Ahnenforschung aus anderen Gründen betreiben Fragebogen mit einer erklärenden Broschüre können Sie
als wir, weil sie nicht Mitglieder der Kirche sind. Wenn von den örtlichen Priestertumsleitern erhalten. O
wir Briefe schreiben, besonders an Verwandte, die Nicht-
mitglieder sind, sollen wir die Tempelarbeit nicht beto-
nen, sondern den genealogischen Wert für die Familie.
Denn wir benutzen die Ahnenforschung selbst nur als
Hilfsmittel für unsere Tempelarbeit, aber beide sind nicht
miteinander verwandt. Die genealogische Nachforschung (Fortsetzung von Seite 334)

ist in ihrem Wesen kein Grundsatz des Evangeliums. Die allgemeinen die bestehenden logischen Ähnlichkeiten
Nachforschung wird nur angewandt, um Informationen verborgen. Eine religiöse Behauptung durch einen über-
zu bekommen, damit in den Tempeln die lebenswichtigen wachten Versuch zu prüfen ist eventuell überhaupt nicht
Evangeliumsverordnungen stellvertretend für die Er- möglich, und wir sind in erster Linie auf das Zeugnis
höhung und das ewige Leben unserer blutsverwandten der menschlichen Geschichte und der persönlichen Er-
Verstorbenen vollzogen werden können. Seien Sie weise fahrungen angewiesen. Aber gewisse Aspekte der Natur-
bei Ihrem Wunsch, genealogische Unterlagen zu erlan- wissenschaft und die wissenschaftliche Ergründung der
gen, und seien Sie darüberhinaus für die Hilfe dankbar, Sozialwissenschaft haben es erforderlich gemacht, daß
die Sie von Ihren Verwandten bekommen, ob sie nun Hypothesen in ähnlicher Weise durch Erfahrung und
Mitglieder der Kirche sind oder nicht. Beobachtung geprüft werden.
Es gibt viele Möglichkeiten, mit Verwandten in Ver- Nehmen wir einmal an, wir akzeptieren die Behaup-
bindung zu treten, die wir nicht einmal kennen. Zeitun- tung, daß sich Religion und Wissenschaft im wesent-
gen werden sicherlich in allen Teilen der Welt vorteil- lichen decken. Wo stünden wir dann, und wo führt sie
haft genutzt. Wenn Sie einen Ort kennen, wo Ihre Fa- uns hin? glaube, daß die Religion aus den wissen-
Ich
milie gewohnt hat oder wo sie vor einigen Generationen schaftlichen Untersuöhungsergebnissen Nutzen ziehen
gelebt hat,können Sie in die lokale Zeitung dieser Ort- kann, wo und die
die feststehenden Tatsachen der Natur
schaft eine Annonce setzen und jeden bitten, der den greifbaren Beweise in uns einige Überlegungen hervor-
betreffenden Namen trägt, Ihnen zu schreiben und mit gerufen hat, welche die Menschheit oft von sich gewie-
Ihnen in Verbindung zu treten. Es ist schon oft ein Mit- sen hat.
tel gewesen, um Angehörige einer Familie zusammenzu- Zunächst müssen wir erkennen, wie provisorisch
bringen, die nicht einmal gewußt haben, daß andere Kenntnisse sind. Wenn es früheren Erfahrungen ent-
Zweige der Familie existieren. Dieses ist eine der ein- spricht, wird unsere gegenwärtige Kenntnis der Wissen-
fachsten Formen der Ahnenforschung. Es gibt so viele schaft oder der Religion wahrscheinlich zu einem erheb-
Geschichten, Anhaltspunkte, alte Briefe, Zeitungsaus- lichen Teil weiterhin gültig bleiben, wie es auch mit der
schnitte und Andenken, die man in der Familie aufbe- Newtonschen Mechanik der Fall ist. Aber es mag viele
wahrt, daß häufig vollständige Familienlinien zusammen- Dinge geben, die sich unter der Oberfläche verbergen

359
und deren Entdeckung unser Denken auf grundlegende Bereichen zeichnet sich das Bemühen der Menschen
Weise wandeln kann. ab, das Weltall zu verstehen, und sie müssen sich

Wir müssen auch auf Widersprüche gefaßt sein und schließlich mit derselben Substanz befassen. Je mehr
dürfen uns durch sie nicht überraschen oder ungebührlich wir in beiden begreifen, um so mehr nähern sie sich.
beunruhigen lassen. Uns sind Widersprüche in der Phy- Vielleicht wird die Wissenschaft bei dem Zusammen-
sik bekannt, die durch besseres Verstehen gelöst wor- treffen auf eine Reihe von epochemachenden Umwälzun-
den sind, wie zum Beispiel die Eigenschaften des Lich- gen zurückblicken wie die des vergangenen Jahrhunderts
tes. Wir kennen einige, die noch ungelöst sind. Was die und eine Form angenommen haben, die von den heutigen
Religion angeht, so werden wir durch das uns umge- Wissenschaftlern nicht leicht erfaßt werden kann. Viel-
bende Leid und die dadurch entstehende scheinbare leicht wird auch unser religiöses Verständnis bis dann

Folgewidrigkeit eines liebenden Gottes verwirrt. Wenn geändert und vergrößert werden. Aber sie müssen eines
wir in der Wissenschaft mit solchen Widersprüchen kon- Tages zusammentreffen, und sie werden sich gegenseitig
werden, so erschüttern sie kaum unseren Glau-
frontiert dadurch stärken und bestätigen.
ben an die Wissenschaft. Sie erinnern uns vielmehr an Aber wie können wir bis dahin mit vorläufigen, un-
unser begrenztes Verständnis und geben uns manchmal vollständigen Kenntnissen mit Ungewißheit und Ände-
den Schlüssel zu neuen Erkenntnissen. rungen schon jetzt ein wunderbares Leben führen und
Vielleicht ereignen sich auch auf dem Gebiet der entschlossen handeln? Ich vermute, daß hier die ent-
Religion Fälle der Unschärferelation, die wir jetzt als scheidende Frage vorliegt, welche die Menschen in
eine charakteristische Erscheinung der Physik kennen. ihrem Glauben bestärkt, sie besäßen die volle und
Wenn es also nicht möglich ist, sowohl die Lage als endgültige Wahrheit, die in ein paar Phrasen und Sym-
auch die Geschwindigkeit eines Körpers genau zu be- bolen enthalten ist, selbst wenn diese Phrasen hundert
stimmen, dann darf es uns nicht überraschen, wenn uns Menschen hundert verschiedene Dinge bedeuten. Wie
ähnliche Grenzen in anderen Wissensgebieten gesetzt sehr wir unser Leben einigen Ideen widmen können, die
sind.Daß man im Bereich der Quantenmechanik zwei wir als unvollständig und provisorisch anerkennen, stellt
Meßgrößen nicht gleichzeitig messen kann, wird auch unser Denken und unsere Gefühle wirklich auf die
als Komplementarität bezeichnet. Lage und Geschwin- Probe.
digkeit stellen zwei Komplementärerscheinu'ngen von Galilei trat für die Theorie des Kopernikus vom Son-
Körpern wobei nur eine von beiden zu einem be-
dar, nensystem und zwar wegen der Opposition der
ein,

stimmten Zeitpunkt gemessen werden kann. Kirche unter großen persönlichen Opfern. Wir wissen
Niels Bohr hat bereits angedeutet, daß der Mensch heute, daß sich die Vorstellung Galileis, ob sich die
als solcher und seine Körperbeschaffenheit jene Art von Erde um die Sonne drehe statt die Sonne um die Erde,

Komplementarität darstellen. Das bedeutet, daß eine ge- als verhältnismäßig unwichtig herausgestellt hat. Beide
naue und nähere Untersuchung des atomaren Aufbaus Theorien sind gleichwertig — relativ gesehen, wenn-
des Menschen vielleicht notwendigerweise unsere Er- gleich die erste einfacher Aber dennoch ehren wir
ist.

kenntnis trübt und wir nicht in ihm ein Lebewesen und Galilei wegen seines Muts und seiner
pionierhaften
ein geistiges Wesen erkennen können. Auf jeden Fall Entschlossenheit, mit der er das, was er wirklich für
scheint für die dogmatische Haltung einiger Menschen richtig hielt, vertrat und auch aussprach. Dies war näm-

keine Rechtfertigung zu bestehen, daß das erstaunliche lich für seine eigene Rechtschaffenheit und für die Ent-
Phänomen — die individuelle menschliche Persönlich- wicklung religiöser und wissenschaftlicher Ansichten in

keit — vollständig durch Begriffe der gegenwärtig be- jener Zeit sehr wesentlich.
kannten Gesetze über das Verhalten und über die Mole- Die Macht der Religion schien zur Zeit Galileis in

küle definiert werden kann. Gerechtigkeit und Liebe Italien von entscheidenderer Bedeutung zu sein als

mögen ebenfalls eine solche Komplementarität bilden. heute. Die Wissenschaft war scheinbar noch neuer und
Eine gänzlich Behandlung und eine gleich-
liebevolle unkomplizierter. Wir neigen heute dazu, uns für aufge-
zeitige gerechte Austeilung von Lohn und Strafe schei- klärter und die Religion wie auch die Wissenschaft für
nen kaum miteinander vereinbar zu sein. verwickelter zu halten, so daß unsere Stellung vielleicht
Diese Beispiele sind nur verwischte Vergleiche mit nicht so fest umrissen ist. Aber wenn wir die Lehre

der Komplementarität wie sie die Wissenschaft kennt. sowohl der Wissenschaft als auch der Religion anneh-
Oder aber sie mögen tatsächlich Geschehnissen der Un- men, daß es Wahrheit gibt, dann muß sich gewiß jeder
schärferelation entsprechen, wenn sie auch noch unklar von uns dieselbe Art von Aufgabe stellen, wie es Galilei
sind. Jedoch müssen wir auf solche Geschehnisse vor- und lange vor ihm Buddha Gautama taten. Unseretwegen
bereitet und durch die Wissenschaft gewarnt sein, daß und um der Menschheit willen müssen mir mit großer
grundsätzliche Grenzen uns daran hindern, alles sofort Weisheit und starkem Instinkt, mit den Beweismitteln
genau und folgerichtig zu erfassen. der Geschichte und der Erkenntnis aus den verschie-
Wenn sich also Wissenschaft und Religion in ihrem denen Zeitaltern und mit der Erfahrung und den Offen-
Wesen so sehr ähneln und ihrem Bereich nicht will- barungen, die unsere Freunde und Helden empfangen
kürlich werden sie sich gewiß
Grenzen gesetzt sind, haben, arbeiten, um möglichst nahe an die Wahrheit und
irgendwann berühren. davon überzeugt, daß die-
Ich bin den Sinn zu gelangen. Außerdem müssen wir bereit sein,
ses Zusammengehen unvermeidlich ist, denn auf beiden gemäß unserer Entscheidungen zu leben und zu handeln.
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360
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Ältester Manfred Kersten aus der Ge-


meinde Duisburg, 19 Jahre alt, wurde am Die Kirche wächst in Nahost
26. Mai 1968 feierlich verabschiedet, weil Die schweizerische Mission ist — außer einem Teil der Schweiz — auch für weitere
er nach England auf Mission berufen 22 Länder zuständig. Darunter für den Nahen Osten, wo es ungefähr 1000 Kirchen-
wurde. Alles Gute und ein segensreiches mitglieder gibt. Unser Bild zeigt, wie zwei Missionare eine libanesische Familie im
Wirken! Mittelmeer, nahe Beirut, taufen.

Neue Bischofschaft Eppendorf


Nach dem Verzug des bisherigen Bischofs
Dieter Bernd wurde am 5. 5. 1968 Bruder
Menssen (sitzend, links) als neuer Bischof
eingesetzt. Unser Bild zeigt auch den 2.

Ratgeber, Bruder Walter Nabrotzky, den 75 Beamtinnen und Lehrerinnen der FHV aus der österreichischen Mission waren am
1. Ratgeber, Bruder Reinhard Eggers und 24. und 25. Mai zu einem Seminar zusammengekommen. Unter der sachkundigen Lei-
den Gemeindesekretär Bruder Ralf Schef- tung von Sr. Ruth H. Watkins der Missions-FHV-Vorsitzenden, gab es vier Instruk-
fer. tionsversammlungen und nachher einen farbenprächtigen Basar.

361
Einweihung des Gemeindehauses in

Flensburg
Alt. Alma Sonne, Assistent des Rates der
Zwölf, weihte am 12. Mai das Gemeinde-
haus in Flensburg (das schon seit einiger
Zeit fertiggestellt war), sowie das in

Heide in Holstein ein. Das Bild zeigt v.

I. n. r. Distriktspräsident Lehi Hardel;


Missionspräsidenten Stanley D. Rees;
Alma Sonne; Schwester Rees; Gemeinde-
präsident Gustav Schmidt vor dem Flens-
burger Gemeindehaus.

Vier Verkehrsopfer
Auf dem Weg zur Bremer Konferenz
starben einem Verkehrsunfall am 26.
in

Mai 1968 die GFV-Missionsleiterin Mar-


gret Schlotz im Alter von 27 Jahren so-
wie Gemeindepräsident Hermann Strauch,
68 Jahre, seine Frau Gertrude, 48 Jahre
und deren 1 3jährige Tochter Pura. Ein
Personenauto aus Bremen prallte — ver-
mutlich infolge Übermüdung des Fahrers
— mit dem von Schwester Schlotz ge-
steuerten Wagen frontal zusammen. Mar-
gret Schlotz wurde am 30. Mai in ihrem Die Frauenhilfsvereinigung der zentraldeutschen Mission fanden sich am 1. Mai 1968
Heimatort Sülze bei Celle und Geschwi- zu einer erbauenden Konferenz zusammen, bei der die Missions-HFV-Vorsitzende,
ster Strauch am 31. Mai in Cuxhaven un- Sr. Beesley, von den Aufgaben der Frau in der Kirche sprach und tief empfundene
ter großer Beteiligung beigesetzt. Worte zur Aufmunterung fand.

362
Ein paar Tropfen
Lebensweisheit

Wer nie ein Mißgeschick erlebt hat,


kennt weder sich seihst noch seine
Widerstandskraft. Mallet

Die halbe Welt ist auf falscher Fährte,


was das Streben nach Glück betrifft.
Sie denkt, es bestehe im Besitzen und
Nehmen und darin, sich dienen zu
lassen. Im Gegenteil, es besteht im Ge-

ben und im Dienen.


Henry Drummond

Ich würde um meiner selbst willen


tugendhaft sein, wenn es auch niemand
erfahren könnte, genau so wie ich um
meiner selbst willen reinlich wäre,
wenn mich auch niemand sehen würde.
Shaftesbury

Notlügen sind nichts anderes als die

Einleitung zu den schwarzen Lügen.


Marryat

Schlechte Nachrichten gehen schnell,


während gute an Stärke verlieren.
Milton

Andere Leute zu hassen gleicht dem


Niederbrennen seines eigenen Hauses,
um eine Ratte loszuwerden.
Großartige Schaustellung in München
Harry Emerson Eos dick
Seit Anfang Mai zeigt die süddeutsche Mission eine Photoausstellung. Die äußerst
gelungene Darstellung steht unter dem Motto „Die drei Dimensionen des Lebens".

Die GFV von Göttingen und Northeim


veranstaltete am 30. 4. 1968 eine Nacht-
wanderung mit anschließendem Lager-
feuer. Distriktspräsident Hund sorgte da- Die „Fröhlichen Hände"
für, daß die Flammen (auch der Begeiste- aus der PV der Gemeinde Frankfurt I veranstaltete am 1. Juni einen lustigen Ausflug
rung) emporloderten. in den großen Frankfurter Stadtwald.

363
Die Zeugnisversammlung stellte abermals unter Beweis, daß In München fand abends eine wohlgelungene Fireside statt.
ein gesunder Körper und ein gesunder Geist zusammengehören.

Die Regionalausscheidungen im
GFV-Sportprogramm
in München und Hannover brachten eine

rege Beteiligung und zeigten einmal


mehr, wie wertvoll dieses Kirchenpro-
gramm für unsere Jugend ist. Wettbe-
werbe wurden abgehalten in Fußball,
Volleyball Herren, Volleybali Damen und
Tischtennis.
In der Regionalausscheidung Nord in

Hannover gewann der Pfahl Hamburg das


Fußballspiel; im Volleyball qualifizierten
sich die Damen des Pfahles Hamburg
und die Herren der norddeutschen Mis-
sion für das Endspiel, das bei der Jugend-
tagung in Hamburg gegen die Sieger aus
der Regionalversammlung Süd durchge-
führt wird.

Ein Ausflug zum Schloßpark von Nymphenburg.

Die Mannschaft der österreichischen Mis- Die Regionalmeisterschaft im Fußball wurde nach einem klaren 4 : 1 gegen den Schwei-
sion siegte im Damen-Volleyball. zer Pfahl eine Beute der süddeutschen Mission.

364
Nachwuchs am Ba

Aus dem Wettbewerb der Herren ging


die Volleyballmannschaft der süddeut-
schen Mission siegreich hervor.

Marc Aurel

Verrichte jede deiner Handlungen, als

sei es die letzte deines Lebens, frei von


jeder Überstürzung und leidenschaft-
lichen Abneigung gegen die Leitung der

Vernunft, frei von Heuchelei und


Gemeindetreffen Heidelberg — Kiel
Eigenliebe, ergeben in das dir be-
Zu Ostern hatte die Gemeinde Heidelberg
die weit im Norden gelegene Gemeinde stimmte Los.
Kiel zu sich eingeladen. Sportliche und
unterhaltsame Veranstaltungen sowie Wünsche nie etwas, das der Wände und
eine denkwürdige Abendmahlsversamm- Vorhänge bedürfte.
lung brachte die Verbundenheit der Ge-
schwister vielseitig zum Ausdruck.
Die beste Art, sich zu wehren, ist:

nicht Gleiches mit Gleichem zu vergel-


ten. Hüte dich, selbst gegen Unmen-
schen so zu handeln, wie sie gegen
andere Menschen tun.

Aus: Alfred Grunow


„Führende Worte" Bd. III,

Haude & Spenersche Verlags-

buchhandlung, Berlin

365
Nachbildung der „Stele 5" in der archäologischen Ab-
teilung der Brigham-Young-Universität besichtigen kann.
Der Lehi-Stein Dabei befindet sich eine Darstellung, die nach einer
Zeichnung von Dr. Jakeman verfertigt worden ist. Sie
von Richard O. Cowan erläutert die Gravierungen, die auf der Platte sind. Den
Mittelpunkt bildet ein Baum, um den herum sechs Ge-
Als sich das Lager Lehis und seine Begleitung im stalten gruppiert sind. Unter diesen kann man einen
Tale Lemuel am Ufer des Roten Meeres befand, hatte alten Mann (1) in verehrungsvoller und belehrender
Lehi ein äußerst bemerkenswertes Gesicht oder einen Haltung sehen. Die hinter ihm sitzende Gestalt hält

Traum. Er sah einen Baum mit sehr verlockenden Früch- über den Kopf des alten Mannes ein eingemeißeltes
ten und eine Eisenstange, die einen Pfad entlang bis Sinnbild, das ein Krokodil (2) darstellt. In der Überlie-
zu diesem Baum führte. Am Rande des Pfades war ein ferung des Amerikas aus alter Zeit ist dies oft ein Na-
tiefer Abgrund, und auf der anderen Seite befand sich mensbildzeichen für jenen „großen Vater", von dem man
ein großes Gebäude. (Siehe 1. Nephi 8.) Danach er- annimmt, er sei nach einer sagenhaften „großen Flut"
hielt Nephi, Lehis Sohn, ebenfalls eine Vision, die ihm mit seiner Familie in dieses Land gekommen, um es
die Bedeutung der Vision seines Vaters genauer er- zu besiedeln. Man hält ihn auch für den Urahnen der
klärte.(Siehe 1. Nephi 11 15.) —
Der Baum stellte die Ureinwohner von Guatemala. Ein wichtiger Teil dieses 3

Liebe Gottes dar, während die Stange ein Symbol für Namensbildzeichens ist auch ein großer Kiefer. Die Be-
Sein Wort war. Wer sich an der Stange festhält, sich deutung des hebräischen Ortsnamens „Lehi" ist „Kie-
also nach dem Wort richtet, gelangt an den Ort, wo er fer", „Kieferknochen" oder „Wange".
die Früchte des Evangeliums genießen kann. Das große Hinter dem alten Mann sieht man die Gestalt einer

Gebäude war ein Sinnbild für den Stolz. Frau (3)


4
. Ihr kunstvoller Haarschmuck entspricht der

In dem Traum konnte Lehi verschiedene Menschen- Art und Weise, wie dergleichen auf allen Darstellungen

gruppen sehen. Die eine (1. Nephi 8:31 33) trachtete — der Königswürde in der Alten Welt gezeigt wird. Man
nach irdischen Zielen, wobei einige ihr Ziel erreichten könnte daran denken, daß der Name Sariah „Prinzes-

und andere vom Weg abirrten. Eine andere Gruppe sin hat. 5 Eine andere große Gestalt
Jehovas" bedeutet
(1. Nephi 8:21 —
23) gab zwar vor, nach geistigen Zielen (4), dessen spärlicher Haarwuchs wahrscheinlich bedeu-
zu streben und gingen daher verloren, als die Nebel tet, daß er jung ist, scheint zu schreiben. Der Bericht

der Versuchung über sie kamen. Wieder andere (1. von diesem Traum ist von Nephi niedergeschrieben
Nephi 8:24 — 28) nahmen das Wort Gottes als Richt- worden, und im Buch Mormon wird er als „noch sehr
schnur und erreichten zwar ihr Ziel; aber dann ließen jung, dennoch sehr groß von Gestalt" (1. Nephi 2:16)

sie sich von weltlichen Gesichtspunkten gefangenneh- beschrieben. Auf der Darstellung weist sein Kopfputz
men und fielen ab, anstatt bis ans Ende auszuharren. eine große Ähnlichkeit zu dem des ägyptischen Getrei-

So erkannte Lehi, wie wichtig es ist, daß man im degottes Nephi 6 auf. Anscheinend hilft dem jungen

Glauben bis ans Ende ausharrt, da man sonst nicht Mann eine andere Gestalt (5), die dem Sam im Buch
die Früchte der Liebe Gottes erhalten kann. Die größte Mormon entsprechen könnte. Außerdem enthält die Dar-

dieser Früchte ist das ewige Leben. (Siehe Lehre und stellung noch zwei weitere Gestalten (6 und 7), die sich

Bündnisse 14:7) näher bei dem alten Mann aufhalten. Dies könnte ein
über diese besondere Art der Offenbarung hat Alt. Hinweis darauf sein, daß sie in die Familie des Älteren

James E. Talmage folgendes geschrieben: „Gesichte und gehören. Trotzdem kehren sie dem Baum den Rücken
Träume waren in jeder Dispensation des Priestertums zu, womit vielleicht symbolisch angedeutet wird, daß
ein Verbindungsmittel zwischen Gott und den Men- sie das ablehnen, was der Baum ausdrücken soll. 7 Dies

schen." 1 ist eine offensichtliche Parallele zu Laman und Lemuel.


Das Amerika aus alter Zeit hat uns inzwischen wei- Das Originalrelief enthält als eine der deutlichsten Ein-

tere Erkenntnisse über das Gesicht oder den Traum gravierungen auch eine gerade, tiefe Furche (8). Damit
Lehis vom Baum des Lebens gewährt. Im Jahr 1941 könnte die Eisenstange gemeint sein. 8
legten Archäologen eine Stele oder Denkmal aus Stein 1 James E. Talmage: „Die Glaubensartikel", 5. deutsche Auflage; Kirche
in Izapa, Chiapas, Südosten von Mexiko frei. Das
im Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, 1961, S. 227.
2 Siehe „Izapa Stela 5 and the Book of Mormon" von M. Wells Jakeman,
Denkmal ist 3 m hoch, 1,50 m breit und 60 cm dick.
„The Instructor", Dezember 1961, S. 410. Genauere Ausführungen in
Archäologen haben es als „Stele 5" bezeichnet und „Stela 5, Izapa, as the Lehi Tree-of-Life Stone; a Reply to Recent
erstmals 1943 eine Beschreibung darüber veröffent- Attacks" von M. Wells Jakeman, „Newsletter of the S.E.H.A." Nr. 104,

27. Novenmb'er 1967, S. 2-11 (veröffentlicht von der archäologischen Ab-


licht. Dr. M. Wells Jakeman von der archäologischen
teilung der Brigham-Young-Universität).
Fakultät an der Brigham-Young-Universität war sehr 3 M. Wells Jakeman, „Stela 5, Izapa, Chiapas, Mexico (A Major Archae-
beeindruckt, als er die Ähnlichkeit zwischen den Stein- ologicalDiscovery of the New World)"; archäologische Abteilung der
Brigham-Young-Universität, Provo, Utah, 1958, S. 23. (Dieses Buch ist
gravierungen und den Aufzeichnungen Lehis erkannte, Büchereien eingesehen werden.)
vergriffen, kann aber in

über diese Ähnlichkeit hat er mehrere Bücher und 4 M. Wells Jakeman „Stela 5, Izapa, Chiapas, Mexico", S. 32 u. 33.

5 M. Wells Jakeman „Stela Izapa, Chiapas, Mexico", S. 37.


Artikel geschrieben. 2 Im Jahr 1958 haben Archäologen 5,

6 M. Wells Jakeman „Stela 5, Izapa, Chiapas, Mexico", S. 40.


von der Brigham-Young-Universität einen Abguß des 7 M. Wells Jakeman „Stela 5, Izapa, Chiapas, Mexico", S. 58.
Steines angefertigt, so daß man heute eine gleichgroße 8 M. Wells Jakeman „Stela 5, Izapa, Chiapas, Mexico", S. 58.

366
N AtfP^ieH T-E N

Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Nur wenn du mein Gesetz hältst, kannst du
in diese Herrlichkeit eingehen. (L u. B. 132:21)

Endowmentsessionen: Weitere Endowmentsessionen im Jahre 1968:


Jeden Samstag um 07.30 Uhr und 13.30 Uhr deutsch
29. Juli — I.Aug. holländisch
ausgenommen: Aug.
5. — 8. Aug. französisch
jeden 1. Samstag im Monat um 13.30 Uhr französisch 12. Aug. — 15. Aug. schwedisch
jeden 3. Samstag im Monat um 07.30 Uhr englisch 19. Aug. — 22. Aug. finnisch
26. Aug. — 29. Aug. dänisch
zusätzlich:
dem Samstag, 8.00 Uhr englisch. 2. Sept. — 5. Sept. deutsch (Priestertum)
Sept. —
jeden Freitag vor 3. 1

6. 7. Sept. deutsch
9. Sept. — 3. Okt. TEMPEL GESCHLOSS
Okt. —
Bitte beachten Sie die weiteren Ausnahmen:
Okt. deutsch
Samstag, 26. Okt. 1968 — holländisch 14.
7.

Okt. —
10.
17. Okt. deutsch
Samstag, 2. Nov. 1968 — englisch am Vormittag. 21. Okt. — 24. Okt. deutsch
26. Okt. holländisch
Korrespondenz an: 2. Nov. englisch (vormittags)
Swiss Tempel CH-3052 Zollikofen Schweiz
Telephon: 031 -570912 * Beachten Sie besonders diese Sessionen speziell für
das Priestertum!
Was jeder Tempelbesucher wissen muß: Wir erwarten aus jeder Gemeinde im deutschen Sprach-
1. Vergessen Sie nie Ihren Tempelempfehlungsschein. raum einen Bruder. Die Pfahl- und die Distriktspräsi-
2. Bringen Sie einen korrekt ausgefüllten Familien- denten werden gebeten, diese Aktion persönlich zu för-
gruppenbogen mit, wenn Sie Ihre Familie angesiegelt dern und die Werbung und Durchführung zu überwachen.
haben wollen.
3. Geben Sie uns frühzeitig Ihre Unterkunftswünsche be-
kannt und kommen Sie nie später als 20.00 Uhr im
Tempeltrauungen: (Hier werden nur solche Ehepaars-
Informationsbureau an.
siegelungen aufgeführt, die unmittel-
bar nach der Ziviltrauung vollzogen
Zusätzliche Siegelungssessionen: worden sind.)

An den Tagen, wo keine Endowmentsessionen stattfinden, 1. Juni 1968: Marcel H. A. Deniau — Agnes L. J. Robineau
werden zusätzliche Siegelungssessionen durchgeführt, um Französische Mission
das Werk zu beschleunigen.
7. Juni 1968: Ralph R. Mabey — Sylvia States,
Montag um 08.15 Uhr und 18.15 Uhr Bountiful, Utah, USA
Dienstag um 08.15 Uhr 15. Juni 1968: Jürgen M. R. Sembritzki — Ursula Tessmer,
Mittwoch um 08.15 Uhr Berliner Pfahl
Donnerstag um 08.15 Uhr und 18.15 Uhr
22. Juni 1 968: Klaus J. Heussner — Annegret Schwarz,
Erforderlich sind mindestens zwei Paare,und es wird ge- Zentraldeutsche Mission
beten, darauf zu achten, daß die gleiche Anzahl Brüder 22. Juni 1968: Jens O. Byskov — Annie Sorensen,
und Schwestern kommen. Dänische Mission
Es können nach der Session um 08.15 Uhr noch weitere 25. Juni 1968: Nolan H. Gomm — Carolyn E. Dilks,
Siegelungssessionen angeschlossen werden. Schweiz. Mission (Lybien)
i

Die Verantwortungsbereiche der Generalautoritäten


neu verteilt
Die Erste Präsidentschaft der Kirche hat be-
kanntgegeben, daß mit Wirkung vom 1. Juni die
Westeuropa
Französisch-Belgische, Verantwortungsbereiche der einzelnen Mitglieder
Französische, Ostfranzösische, des Rates der Zwölf und der anderen General-
Niederländische und Süd-
autoritäten, die ihnen als Inspekteure zur Seite
afrikanische Mission.
stehen, neu verteilt worden sind. Gegenüber den
früheren zwölf Aufsichtsgebieten gibt es jetzt
# Marion G. Romney
Nordamerika-Mitte deren 14.
Zentralstaaten-, Seengebiet-, Boyd K. Packer
Ohio-, Golfstaaten-, Nördliche
Zentralstaaten-, Nordstaaten-,
Texanische und Südtexanische
Mission.

• Harold B. Lee
James A. Cullimore 'Skandinavien
Nordamerika-Ost Dänische, Finnische, Norwegi-
Westküste
Kanadische-, Cumorah-, sche und Schwedische Mission.
Alaska-Kanadische Mitteleuropa
Kalifornische, Nordkalifornische,
Ostatlantikstaaten-, Oststaaten q Marion G. Romney
Italienische, Norddeutsche,
Südkalifornische, Nordwestliche und Neuengland-Mission. • S. Dilworth Young österreichische, Schweizerische,
und Nordwest-Pazifische # Mark E. Petersen Süddeutsche, Westdeutsche und
Mission. Marion D. Hanks Zentraldeutsche Mission.
Richard L. Evans
Theodore M. Burton Thomas S. Monson
• Hartman Rector, Jr.

Mittelamerika
Guatemala-El Salvador-,
Zentral amerikanische,
Mexikanische, Südostmexi-
kanische, Westmexikanisch
Nordmexikanische und Wedt
spanisch-Amerikanische Misjsio

• Delbert L. Stapley
Franklin D.Richards,

Gebirgs- und Indianerregion


Nordindianische, Südwest-
indianische, Westkanadische,
Westzentralstaaten- und West-
staaten-Mission.

LeGrand Richards / Nordamerika-Südost


• A.Theodore Tuttle/ Zentralatlantikstaaten-,
Florida-, Ostzentralstaaten- und
Südst.aaten-Mission.

Mark E. Petersen
William J.Critchlow.Jr

Südamerika
aus dem Rat der Zwölf I Assistent der Zwölf
Anden-, Südanden-, Argen-
tinische, Nordargentinische, § vom Ersten Rat der Siebziger
Brasilianische, Südbrasiliani-
Außerplanmäßig: Alma Sonne, Sterling W. Sill,
sche, Chilenische und
Milton R. Hunter, Loren C. Dünn,
Uruguayische Mission.

i Gordon B. Hinckley
Bernard P. Brockbank