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Startseite Wirtschaft Soziales USA Coronavirus in den USA: 900 Milliarden gegen die Angst

Corona-Hilfspaket in den USA

900 Milliarden gegen die Angst


Kurz vor dem Amtsantritt des neuen Präsidenten haben sich
Demokraten und Republikaner auf ein weiteres Hilfsprogramm
geeinigt. Doch der ersehnte Konjunkturimpuls könnte schnell
verpuffen.

Von Ines Zöttl


21.12.2020, 22.05 Uhr

Der Weihnachtsbaum am US-Kapitol, kurz nachdem sich Demokraten und


Republikaner im US-Kongress nach monatelangem Streit auf ein weiteres
Konjunkturpaket verständigt haben Foto: Jose Luis Magana / dpa

Geht doch. Der neue Präsident ist noch nicht einmal im Amt,
da scheint Joe Bidens Versöhnungsstrategie schon aufzugehen.
Nach achtmonatigem Gezerre haben sich Demokraten und
Republikaner auf ein neues Konjunkturpaket im Umfang von
Milliarden Dollar geeinigt – und quasi nebenbei auch
noch ein Haushaltsgesetz beschlossen.
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Der Grund für den Durchbruch ist jedoch weniger die


Bereitschaft zum Neuanfang nach vier entnervenden Trump-
Jahren als die Angst beider Parteien vor der Wut der
Amerikanerinnen und Amerikaner, die ausgerechnet an
Weihnachten in den finanziellen Abgrund blickten:

Rund zwölf Millionen Menschen hätten ohne eine Einigung


ihre Arbeitslosenunterstützung verloren.
Bis zu fünf Millionen Mietern drohte der Rauswurf aus der
Wohnung, viele Mittelschichtfamilien fürchteten den Stopp
der Lohnfortzahlung bei Krankheit und Kinderbetreuung.
Insgesamt standen staatliche Hilfsprogramme vor dem
Auslaufen.

Und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Erholung der US-


Wirtschaft ins Stottern geraten ist.

Doch die Euphorie an den Finanzmärkten, die in der


Vergangenheit jede vermeintliche Annäherung mit
Kursgewinnen quittiert hatten, über das zweitgrößte
Konjunkturpaket der US-Geschichte blieb aus. Die Börsen
gaben am Montag nach. Selbst Liebling Tesla verlor vor dem
S&P- -Debüt vier Prozent. Die Angst der Investoren vor
der Coronavirus-Mutation war größer als die Erleichterung,
dass die Politik sich zusammengerauft hat.

»Die Einigung kommt Monate zu spät, und sie


wird einen ha ten Winter ni ht verhindern.«
Gregory Daco, Oxford Economics

Das Urteil der Ökonomen über die Eine-Billion-Spritze vom


Staat: besser als nichts. »Die Einigung kommt Monate zu spät,
und sie wird einen harten Winter nicht verhindern«, sagt
Gregory Daco von Oxford Economics. Aber immerhin könnte
das Paket die konjunkturelle Abschwächung abfedern und die
von den Impfungen ausgelöste Dynamik verstärken.

»Drei-Martini-Lunch« für Donald Trump

Auch diesmal nutzt der Kongress die Instrumente der


Feuerwehraktion vom März, jedoch in der Sparversion:
Arbeitslose sollen zusätzlich Dollar in der Woche
erhalten und jeder Amerikaner ein »Helikoptergeld« von
Dollar bis zu einem Jahreseinkommen von . Dollar. Für
die Fluggesellschaften sind Milliarden Dollar eingeplant,
wenn sie dafür rund . Beschäftigte aus dem
Zwangsurlaub zurückholen. Zur Rettung der Unternehmen
wird ein neuer -Milliarden-Dollar-Topf aufgelegt. Und
berücksichtigt wurden auch besondere Anliegen des
amtierenden Präsidenten Donald Trump, der das Gesetz
unterschreiben muss: frisches Geld für den Mauerbau und die
steuerliche Absetzbarkeit von Restaurantspesen. Kritiker
nennen das den »Drei-Martini-Lunch«.
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Besorgnis aber löst aus, was das Programm nicht enthält: Hilfe
für die Bundesstaaten, Städte und Gemeinden, deren
Steuereinnahmen eingebrochen sind und die deshalb
massenhaft Personal abbauen. Von den eineinhalb Millionen
Jobs, die nach Ausbruch der Pandemie in der Verwaltung
gestrichen worden seien, sei nur rund ein Zehntel
zurückgekommen, während die Quote in der Privatwirtschaft
bei Prozent liege, so Ian Shepherdson von Pantheon
Macroeconomics. Er findet, dass das Helikoptergeld bei den
Staaten besser investiert gewesen wäre. Schon in der ersten
Runde hätten viele Amerikaner statt zu konsumieren Kredite
abgezahlt oder das Geld auf die hohe Kante gelegt: »Geld, das
nicht ausgegeben wird, schützt keine Jobs und schafft keine
neuen«, sagt der Ökonom.
»Geld, das ni ht ausgegeben wird, s hützt keine
Jobs und s hafft keine neuen.«
Ian Shepherdson, Pantheon Macroeconomics

Auch fürchten Ökonomen, dass die Wirkung der Programme


angesichts steigender Corona-Infektionen und neuer
Lockdowns schnell verpuffen könnte. Viele Läden sind dicht,
die Verbraucher verunsichert. Ausgerechnet im
Weihnachtsgeschäft schrumpften die Einzelhandelsumsätze im
November um , Prozent nach einem Rückgang von ,
Prozent im Oktober. Noch ein weiterer Monat, und die
Wirtschaft stecke gemäß einer ökonomischen Daumenregel in
der Rezession, erklärt Chris Rupkey von der MUFG Bank.
Und »es bräuchte schon ein Wunder«, damit sich der Trend im
Dezember umkehre. Schließlich habe der größte US-
Bundesstaat Kalifornien seinen bisher striktesten Lockdown
verhängt.
Der künftige Präsident Joe Biden hat die Amerikaner darauf
vorbereitet, dass sie vor einem »dunklen Winter« stehen.
Sofort nach seinem Amtsantritt im Januar aber werde er sich
für ein weiteres Konjunktur- und Hilfspaket einsetzen. In
Washington allerdings wird bezweifelt, dass die
parteiübergreifende Kompromissbereitschaft so lange hält.

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