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Vegane Gerichte ohne Ersatzprodukte gibt es überall auf der Welt.

Vegane Ernährung erfreut sich immer größerer Beliebtheit, doch wird sie in der gehobenen
Küche bisher kaum beachtet. Hätte man sie vor einigen Jahren gefragt, ob sie jemals ein
veganes Kochbuch schreiben würde, hätte Food-Journalistin Katharina Seiser wahrscheinlich
ihre gesamte Kochbuchsammlung dagegen verwettet. Nun hat sie aber doch eines geschrieben
– warum?

Für ein Magazin startete Seiser vor einigen Jahren einen Selbstversuch. Sie wollte wissen, wie
man gut und gesund kocht, ohne tierische Produkte zu verwenden. Denn viele tierische
Produkte, die heutzutage auf unseren Tellern landen, stammen aus Massentierhaltung. Diese
verursacht nicht nur viel Tierleid, sondern ist auch schlecht für die Umwelt und für unsere
Gesundheit. Für ihr Projekt durchforstete die Autorin dutzende veganer Kochbücher und stellte
bald erschüttert fest, dass kaum ein Rezept ohne veganen Käse, Soja-Sahne oder andere
Ersatzprodukte auskam. Solche Imitate sind jedoch meist aufwendig hergestellte
Industrieprodukte mit zahlreichen Zusatzstoffen wie zum Beispiel Aromen, die an den
Geschmack von Käse oder Rindfleisch erinnern sollen.

Missmutig und enttäuscht schlug sich die Autorin also mit Frühstücks-Optionen ohne Butter und
Kuchenrezepten ohne Ei herum, als ihr plötzlich ein Gedanke kam. Ein Gedanke, der letztlich
zur Entstehung ihres veganen Kochbuchs führte: Am besten waren doch eigentlich jene
Gerichte, in denen man gar nichts ersetzen musste. Solche Speisen aus unverarbeiteten
Lebensmitteln wie frischem Gemüse, Obst oder Getreide sind nämlich meistens nicht nur
gesünder, sondern sie schmecken auch besser.

Also beschloss sie, sich auf eine kulinarische Recherchereise durch die verschiedenen Küchen
der Welt zu begeben. Sie ließ sich von der geschmacklichen Vielfalt des ägyptischen Kushari
und der cremig süßen Würze des westafrikanischen Erdnusseintopfs begeistern. Sie kostete
japanischen Seidentofu, libanesische Linsensuppe und sogar einen veganen süß-salzigen
Traubenkuchen.

Auf diese Weise entdeckte sie hunderte herrlicher Gerichte aus aller Welt, die aus religiösen
Gründen, aus Kochkunst-Tradition oder wegen mangelnder Verfügbarkeit tierischer Zutaten
immer schon vegan gewesen sind. Die siebzig interessantesten Rezepte hat sie in ihrem Buch
gesammelt und saisonal geordnet.

In den folgenden Blinks kannst du ihre Entdeckungstour durch die Länder und Jahreszeiten
nachvollziehen und dabei schmackhafte Rezepte kennenlernen. Unsere Reise beginnt an
einem lauen Frühlingsabend in Frankreich.

Fruchtige Zitrusaromen und frische Kräuter wecken im Frühling die Lebensgeister​.

Frühling ist Kräuterzeit. Wenn Feld, Wald und Wiese langsam aus ihrem Winterschlaf erwachen
und sich nach und nach in blühende Landschaften verwandeln, sehnen auch wir uns nach
frischen Frühlingsrezepten. Knackige Salate tun uns nach einem langen Winter besonders gut
und wecken die Lebensgeister.

Wer Lust auf spritzige Aromen hat, der sollte sich den kubanischen Ananas-Avocado-Salat auf
keinen Fall entgehen lassen. Dieses Gericht ist angelehnt an ein Rezept der
lateinamerikanischen Köchin Maricel E. Presilla, und mit seiner Kombination aus fruchtig-süßer
Ananas und reichhaltiger Avocado genau das Richtige für sonnige Frühlingstage.

Alles, was du für diesen kühlenden Salat brauchst, ist eine Ananas, zwei reife Avocados, eine
rote Zwiebel und geröstete Erdnüsse. Ein Büschel Brunnenkresse oder Rucola geben dem
Gericht zusätzlich eine leichte, ausgleichende Schärfe, die belebend wirkt. Die Ananas
schneidest du in Stücke und vermengst sie mit zerkleinerter Brunnenkresse und Zwiebel.

Das Dressing aus Olivenöl, Knoblauch, Limetten- und Orangensaft, einer Prise Kreuzkümmel,
Salz und Pfeffer wird unter die Salatzutaten gehoben und lässt die unterschiedlichen
Geschmäcker in einen anregenden Dialog treten. Zuletzt belegst du den Salat mit den cremigen
Avocadoscheiben und garnierst ihn mit gehackten Erdnüssen. Fertig ist der Frischekick!

Nicht jeder Frühlingstag verlangt allerdings nach frischen Salaten. Das Wetter in dieser
Jahreszeit ist ja bekanntermaßen launisch. Was also essen wir an einem verregneten
Nachmittag im April? Katharina Seiser würde wahrscheinlich vorschlagen: eine libanesische
Linsen-Zitronen-Suppe mit Mangold.

Diese einfache Suppe nährt und wärmt von innen, schmeckt dank Zitronensäure, Koriander und
knackigem Mangold trotzdem fruchtig frisch, und liegt nicht allzu schwer im Magen. Außerdem
dauert die Zubereitung kaum eine halbe Stunde – das ideale Gericht also, wenn man nach
einem abgebrochenen Ausflug völlig durchnässt zu Hause ankommt und dringend etwas
Heißes zu essen braucht.

Zunächst werden Zwiebeln und Knoblauch kurz angeschwitzt, dann zweihundert Gramm grüne
oder braune Linsen sowie zweihundertfünfzig Gramm gewürfelte Mehlkartoffeln hinzugefügt.
Anschließend alles mit eineinhalb Litern Wasser aufkochen und eine Weile köcheln gelassen,
bis die Linsen weich sind. Damit der Mangold aromatisch und knackig bleibt, sollte man ihn erst
am Ende dazu geben und nicht viel länger als zehn Minuten mitkochen. Am Schluss mit
Zitronensaft, Salz, Pfeffer und natürlich reichlich Koriander abschmecken. So lässt’s sich auf
den Sommer warten!

In der Hitze des Sommers tun kühle und leichte Speisen besonders gut.

Im Sommer ist das Angebot an reifen Früchten am größten, und das sollte man ausnutzen! Drei
Monate lang gibt es glänzende Erdbeeren, samtweiche Himbeeren, und rotwangige Aprikosen
an jeder Ecke. Doch nicht jede Frucht hält geschmacklich, was ihr Aussehen verspricht. Es
lohnt sich immer, auch abseits der Supermärkte, in Dörfern und an Feldrändern nach
Verkaufsständen und Selbst-Pflück-Anlagen Ausschau zu halten. Mit etwas Glück findet man
dort auch aromatische Tomaten. Denn, was die wenigsten wissen: die Tomate ist eine Beere!

Abgesehen von Tomatensalat und Mozzarella-Caprese ist die spanische Gazpacho wohl eine
der beliebtesten Arten, im Sommer möglichst viel aus dieser vielseitigen roten Frucht
herauszuholen. Die Reife der Zutaten ist für dieses Rezept entscheidend. Außerdem darf das
feine Aroma der Tomate auf keinen Fall durch den vorlauten Geschmack von Zwiebeln,
Kräutern oder gar Gemüsebrühe übertönt werden!

Für sechs bis acht Portionen reine, kühlende Gazpacho braucht man etwa fünfzig Gramm
Weißbrot ohne Rinde, ein Kilo große Tomaten, dreihundert Gramm Gurken, dieselbe Menge an
Paprika und Wassermelone und ein bis zwei Knoblauchzehen. Die süße Melone dient hier vor
allem dazu, weniger geschmacksintensive Tomaten auszugleichen.

Um die sämige Konsistenz zu erreichen, werden alle Zutaten in einen Standmixer gegeben und
sehr fein püriert. Anschließend wird die Suppe mit Salz und Rotwein- oder Sherryessig
abgeschmeckt und mit Olivenöl erneut gemixt. Zum Schluss muss sie mindestens eine Stunde
lang kalt stehen und kann anschließend mit ein paar Tropfen Olivenöl, fein gehackter Gurke,
Frühlingszwiebeln und Paprika garniert werden.

Mindestens genauso erfrischend und unkompliziert ist unser zweites Sommergericht: zarter
Seidentofu mit Zitronensoße. In dieser einfachen Zwischenmahlzeit offenbart sich die ganze
kulinarische Raffinesse der japanischen Küche. Spritzige Zitrusaromen, duftender Ingwer,
knackige Frühlingszwiebeln und kühler seidig-weicher Tofu bilden gemeinsam ein wunderbar
abgestimmtes Geschmackserlebnis. Da können selbst Tofu-Skeptiker nicht widerstehen.

Bevor du den Seidentofu aus dem Kühlschrank nimmst, trocken tupfst und in dicke Scheiben
schneidest, solltest du zuerst die übrigen Zutaten vorbereiten. Dieses Gericht verliert nämlich
viel von seinem Reiz, wenn der Tofu zu warm ist. Für die Sauce zunächst etwa vier Esslöffel
helle Sojasauce mit der halben Menge an Mirin und Reisessig kurz aufkochen, anschließend
etwas Orangen- und Zitronensaft dazu geben, dann abseihen und kalt stellen. Sobald die
Sauce kühl ist, den Tofu mit Frühlingszwiebeln, Shisoblättern, geriebenem Ingwer und
Zitruszesten bestreuen und das Dressing darüber träufeln. Das Ergebnis: ein köstliches Spiel
mit geschmacklichen Gegensätzen.

Auberginen, Trauben und Nüsse verleihen dem Herbst seine süße Würze.

Während die meisten Menschen im Sommer eher Appetit auf leichte und säuerliche Gerichte
haben, steigt im Herbst das Bedürfnis nach süßen und reichhaltigen Speisen. Das trifft sich gut,
denn zwischen September und November liegt die Erntezeit für viele Trauben, Nüsse und
natürlich Auberginen.

Die Aubergine ist eine der vielseitigsten Gemüsesorten überhaupt. Die Autorin stellt in ihrem
Herbst-Kapitel daher gleich drei Gerichte aus unterschiedlichen Kulturen vor, in denen dieses
dunkelviolette Nachtschattengewächs eine entscheidende Rolle spielt – die georgischen
Auberginenröllchen mit Walnüssen zum Beispiel.

Für vier bis sechs Personen brauchst du etwa vier Auberginen, die zunächst in Scheiben
geschnitten und von beiden Seiten goldbraun angebraten werden. Gefüllt werden die
abgekühlten Auberginen mit einer Creme aus Walnüssen, Knoblauch, gemahlenem
Bockshornklee und Korianderkörnern. Dazu alle Zutaten mit etwas Paprikapulver und hundert
Millilitern Wasser im Mixer zu einer feinen Paste verrühren. Anschließend kommen noch
gehackte Petersilie, Koriandergrün, Dill, ein wenig Rotwein-Essig und Salz dazu.

Wenn die Nussmasse ausgekühlt ist, können die Auberginenscheiben großzügig damit
bestrichen und eingerollt werden. Zu guter Letzt mit frischer Petersilie und reichlich Granatapfel
bestreuen. Dank den saftig glänzenden Granatapfelkernen und grünen Kräutern ist dieses
Gericht nicht nur eine Gaumenfreude, sondern auch ein echter Augenschmaus.

Doch nun endlich zur Süßspeise. Wir hatten dir veganen Kuchen versprochen, und hier kommt
er beziehungsweise sie: Die Schiacciata all’uva. Dieser herb-süße Traubenkuchen mit
Rosmarin wird in Italien traditionell zur Weinlese gebacken, und zwar am besten mit Concordia-
oder Isabella-Trauben, da diese im Gegensatz zu Tafeltrauben jenes dunkelweiche
Waldbeeraroma mitbringen, das der Schiacciata ihre herbstliche Note verleiht.

Für den Vorteig wird zunächst ein halber Würfel Hefe in wenig Wasser mit einer Prise Zucker
und Mehl verrührt. Während der viertelstündigen Gehzeit kannst du bereits dreihundert Gramm
Mehl mit Salz, Anis und fünfzig Gramm Zucker vermengen. Diese Masse wird anschließend mit
dem Vorteig, sowie hundertachtzig Millilitern Wasser und siebzig Millilitern Olivenöl zu einem
glatten Teig geknetet.

Nach etwa einer Stunde den Teig zweiteilen und ausrollen. Der etwas größere Teil dient als
Boden, auf den nun die Hälfte der sechshundert Gramm Trauben sowie ein Esslöffel Zucker
und Olivenöl verteilt werden. Nun den übrigen Teig darüber legen und mit dem unteren Rand
verbinden. Zum Schluss die restlichen Trauben darauf verteilen, andrücken, und mit Olivenöl
beträufeln. Nach zwanzig Minuten noch eine Handvoll gehackten Rosmarin mit Zucker auf den
Kuchen streuen. Das Ganze auf hundertachtzig Grad ca. fünfundvierzig Minuten backen und
anschließend auskühlen lassen.

Heiße Creme-Suppen und reichhaltige Nudelgerichte spenden im Winter Kraft und


Wärme.

Der Winter ist die ideale Zeit für Creme-Suppen. Die meisten Variationen mit Pilzen, Karotten,
Kartoffeln oder Pastinaken dürften hierzulande wohlbekannt sein, aber hast du schon mal einen
cremigen Erdnusseintopf mit Süßkartoffeln gegessen? Er gehört in Mali, Senegal und Gambia
zu den traditionellen Gerichten. Dank reichhaltiger Erdnussbutter und Süßkartoffeln ist er die
ideale Speise für kalte Tage, während duftiger Koriander und frischer Spinat bereits die
Vorfreude auf den Frühling wecken.
Für den Eintopf eine große gehackte Zwiebel anschwitzen und anschließend etwas Knoblauch,
geriebenen Ingwer und fünfhundert Gramm gewürfelte Süßkartoffeln dazu geben. Sobald sich
der Duft von Zwiebel, Knoblauch und Süßkartoffel in der Küche verbreitet, können Chili, Pfeffer
und vierhundert Milliliter Polpa, sowie ein halber Liter Gemüsefond hinzugefügt werden.
Nachdem der Eintopf einmal aufgekocht ist, wird er gesalzen und muss nun etwa zwanzig
Minuten auf niedriger Flamme köcheln. Danach werden hundert Gramm Erdnussbutter
untergerührt und zweihundert Gramm Spinat auf der Suppe verteilt. Wenn der Spinat zerfällt,
kann er ebenfalls verrührt werden. Nun fehlt nur noch etwas Koriandergrün und eine Handvoll
gehackte Erdnüsse. Fertig ist der cremig-süße Wintertraum.

Wer dagegen es etwas Herzhafteres mit mehr Biss bevorzugt, wird vielleicht mit polnischen
Piroggen glücklich. Besonders in der Weihnachtszeit schmecken die Nudeltaschen am besten
deftig gefüllt mit Sauerkraut und Pilzen. Dazu das Sauerkraut in Wasser mit Lorbeer und Salz
dünsten, bis es weich ist, danach gut ausdrücken und zerkleinern. Gehackte Champignons und
Zwiebeln anschwitzen, Sauerkraut und etwas Pilzpulver dazugeben und anschließend salzen
und pfeffern.

Für den Teig dreihundert Gramm Weizenmehl, etwas Salz und hundertfünfzig Milliliter
kochendes Wasser verrühren, dann fünfzig Milliliter kaltes Wasser und etwas Pflanzenöl
untermengen und den Teig gut durchkneten. Nach zwanzig Minuten Ruhe kann er ausgerollt, in
Kreise geschnitten und befüllt werden. Anschließend werden die geschlossenen Teigtaschen
zwei bis drei Minuten gekocht, dann mit Zwiebeln in der Pfanne geschwenkt oder knusprig
gebraten, und zum Schluss mit frischer Petersilie und weißem Pfeffer garniert. Ein herrlich
deftiges Gericht, zu dem man am besten kühles Bier trinkt.

Doch die kalten Monate bieten noch mehr als Creme-Suppen und Nudelgerichte: Orangen zum
Beispiel! Die Orange ist eine der wenigen Früchte, die zwischen November und März reifen. In
Marokko serviert man sie gerne in Scheiben geschnitten mit Zimt, Puderzucker und
Orangenblütenwasser. Nach einer Stunde Ziehzeit ist sie bereit für den Verzehr. Diese einfache
und saftige Nachspeise wirkt nach einem schweren Essen belebend und erinnert an warme
Tage, vor allem, wenn man noch etwas Minze, Mandeln und gehackte Datteln dazugibt.

Manche kulinarischen Überraschungen passen einfach immer.

Du willst mal wieder ein kulinarisches Abenteuer erleben, ohne viel Geld auszugeben oder ewig
in der Küche zu stehen? Dann haben wir genau das Richtige für dich: zwei einfache, günstige
und trotzdem komplexe Gerichte, die zu jeder Jahreszeit passen.

Mehr Vielfalt als im ägyptischen Kushari findet man wohl kaum in einem einzelnen Gericht. Hier
kommen in einem bunten Durcheinander die verschiedensten Geschmäcker, Gerüche, Farben
und Texturen zusammen. In Ägypten ist das Kushari eines der beliebtesten
Streetfood-Gerichte. Für Katharina jedoch war diese orientalische Köstlichkeit eine echte
Offenbarung.
Am besten du servierst die verschiedenen Zutaten getrennt, sodass jeder sich sein individuelles
Kushari selbst zusammenstellen kann. Dazu gehören Reis mit gerösteten Fadennudeln, grüne
oder braune Linsen, Röhrchennudeln, warme Kichererbsen, geröstete Zwiebeln und zwei
verschiedene Soßen.

Für die Tomatensoße werden je eine Zwiebel, Chilischote und Knoblauchzehe gewürfelt und in
der Pfanne angeschwitzt. Wenn dir vom Duft der Zwiebel bereits das Wasser im Mund
zusammenläuft, kommen gemahlener Kreuzkümmel, Koriander, Piment und Zimt hinzu.
Abgelöscht werden die Gewürze mit reichlich Polpa. Abschließend kannst du die Soße salzen,
mit Chilipulver und Rotweinessig abrunden und am Ende noch kurz eindicken lassen.

Die zweite Soße als würziges Finish wird aus gepresstem Knoblauch, Rotweinessig und
Zitronensaft zubereitet. Dazu einfach alles mit etwas Wasser vermengen und anschließend mit
Salz, Koriander und Kreuzkümmel abschmecken.

Genauso überraschend ist die letzte Süßspeise, mit der wir unsere fünf Jahreszeiten-Blinks
abschließen wollen. Dieses einfache aber raffinierte Gericht geht auf ein altes persisches
Familienrezept zurück. Safran-Reispudding mit Rosenwasser, auf iranisch Shole zard genannt,
ist ein Genuss für alle Sinne. Dank des Safrans erinnert er farblich an die untergehende Sonne,
und mit dem ersten Löffeln lassen dich Pistazien, Zimt und Rosenwasser eintauchen in einen
süßen Traum aus Tausend und einer Nacht.

Probiere es selbst. Bringe für zehn Portionen etwa hundertzwanzig Gramm Basmatireis mit
etwas Zucker langsam zum Sieden, und lass den Reis danach etwa fünfundvierzig Minuten lang
unter stetigem Rühren köcheln, bis eine dicke Masse entstanden ist.

Nun werden je nach Geschmack erst Mandelblättchen, dann Rosenwasser und Safran
hinzugefügt. Anschließend mit kandierten Zitrusschalen, Mandel- und Pistazienstiften garnieren
und auskühlen lassen. Serviert wird der Pudding eiskalt, mit einer Prise Zimt bestreut. Das ist
kulinarische Poesie, die ihre Wirkung nie verfehlt!

Aber was genau ist das eigentlich für eine Wirkung? Wie entsteht sie? Wodurch unterscheidet
sich die edle Reiscreme von einem ordinären Vanillepudding? Im letzten Blink wollen wir
erforschen, wie genau verschiedene Geschmäcker eigentlich entstehen.

Die Kunst des Kochens besteht darin, verschiedene Sinnesreize in ein angenehmes
Gleichgewicht zu bringen​.

Safran- und Vanillepudding – beide sind süß, beide sind cremig, beide werden kalt serviert. Und
trotzdem schmecken sie grundverschieden. Woran liegt das?

Auf der menschlichen Zunge befinden sich etwa zehntausend Geschmacksknospen, mit denen
wir die fünf Grundgeschmäcker wahrnehmen können. Dazu gehört außer süß, sauer, salzig und
bitter auch der Geschmack umami. Natürlich gab es umami schon immer, entdeckt wurde er
aber erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Typisch umami sind zum Beispiel Sojasoße, Miso oder
scharfe Bohnenpaste. Aber auch Tomaten, Algen, Walnüsse und Spinat enthalten viel von der
Glutaminsäure, die für die besondere Umami-Würze verantwortlich ist.

Allerdings entsteht Geschmack nicht nur auf der Zunge. Komplexere kulinarische Erfahrungen
entstehen erst in Kombination mit olfaktorischen Reizen. Stark duftende Kräuter und Gewürze
wie Rosmarin, Koriander, Minze oder Zitruszesten etwa sind entscheidend für den ersten
Eindruck einer Speise. Und manche Gerüche wie zum Beispiel der feine Lorbeer-Duft oder
anregende Röstaromen entwickeln sich erst durch das Erwärmen der Zutaten. Solche
Sinneseindrücke bilden den duftigen Geschmacksaspekt.

Viele Düfte nehmen wir bereits mit der Nase wahr. Die retronasale Aromawahrnehmung
allerdings findet erst im Rachen statt, wo einige Gewürze und Kräuter wie Safran, Zimt oder
Petersilie ihre volle Wirkung entfalten. Diese Art des Riechens ist entscheidend für die Würze
eines Gerichts.

Zum gesamten Geschmackserlebnis gehören aber abgesehen von gustatorischen und


olfaktorischen auch taktile Reize – die Konsistenz der Zutaten, ihre Temperatur, und ihr
Fettanteil. Auch Schärfe ist eigentlich eine Form der Schmerzempfindung und damit ein taktiler
Reiz. Wenn wir etwas scharfes Essen, wird im Gehirn das Glückshormon Endorphin freigesetzt.
Scharf macht also glücklich und wirkt dazu auch noch desinfizierend. Aus diesem Grund wird
Schärfe gerade in hygienisch fragwürdigen Situationen wie in Garküchen auf der Straße
besonders reichlich eingesetzt.

Ein vollkommenes, rundes Geschmackserlebnis entsteht immer dann, wenn diese elf
Geschmacksaspekte in Balance gebracht werden. In einigen Fällen harmonieren alle Aspekte
perfekt miteinander, wie zum Beispiel beim persischen Reispudding. Es gibt aber auch
genügend Beispiele für Gerichte, in denen gerade der Gegensatz von süß und salzig oder
knusprig und cremig den besonderen Reiz ausmacht: Der japanische Seidentofu zum Beispiel,
dessen Weichheit erst im Kontrast mit den knackigen Frühlingszwiebeln geschmacklich Sinn
ergibt.

Die Kunst des Kochens besteht also darin, eine solche Balance aufzuspüren und herzustellen.
Das Wichtigste dabei sind Geduld, Feingefühl und natürlich Genussfähigkeit!

Zusammenfassung

Die Kernaussage dieser Blinks ist:

Wer sich vegan ernähren will, muss tierische Produkte nicht zwangsläufig mit Imitaten ersetzen.
Gesünder und leckerer sind Gerichte aus unverarbeiteten Lebensmitteln, von denen es in den
Küchen dieser Welt reichlich Auswahl gibt. Kalte Suppen und Salate sind perfekt für den
Sommer, im Herbst mögen wir es würzig und süß und im Winter reichhaltig und warm. Doch
egal, ob wir einen sommerlichen Salat oder eine wärmende Creme-Suppe zubereiten – die
große Kunst besteht darin, die unterschiedlichen Geschmacksaspekte perfekt auszubalancieren
und eine Speise zu kreieren, die alle Sinne anspricht.

Was du konkret umsetzen kannst:

Kaufe vor allem Obst und Gemüse immer in Bio-Qualität.

Katharina Seiser empfiehlt allen, die Wert auf Nachhaltigkeit, Gesundheit und guten
Geschmack legen, Bio-Produkte zu wählen. Besonders Zitrusfrüchten sollte man wenn möglich
aus biologischer Landwirtschaft kaufen. Nicht nur sind diese qualitativ hochwertiger, sondern
auch unbehandelt, sodass man die Schale bedenkenlos mit verwenden kann, zum Beispiel für
Zitruszesten.

Hat dir das gefallen?

Wir hoffen, diese Blinks waren motivierend, anregend und erhellend. Lass uns gern wissen, was
du über unsere Inhalte denkst. Schreib einfach eine Mail an remember@blinkist.com und wähle
als Betreff Immer schon vegan.

Zum Weiterlesen: Vegan! von Marc Pierschel

Vegan genießen – kein Problem. In den vorangegangenen Blinks hast du zwölf vegane
Gerichte kennengelernt, die einfach zuzubereiten sind, hervorragend schmecken und außerdem
ganz ohne Ersatzprodukte auskommen. Vegane Ernährung muss also weder kompliziert noch
einseitig sein, und trotzdem hat sie ihre Tücken. Wenn du mehr über das Für und Wider dieser
Ernährungsweise erfahren willst, und darüber, wie der Veganismus entstanden ist und welche
Philosophie dahinter steht, dann sieh dir unbedingt Vegan! (2010) vom Soziologen Marc
Pierschel an. Unsere Blinks zu diesem Buch bieten den idealen Einstieg ins Thema für alle
Veganer und solche, die es werden wollen – oder eben nicht.